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Andentung der Titul Figur über
MYSTERIUM MAGNUM.
icrocofmus ofes X yferiun
und M und finddas
acrocofmus cfüas agnum
und groſſe Geheimnuͤß / wie Feuer und Sicht / Geſetz und Genadel
Bild und Weſen / welche ungleiche Dinge find/und müffen dennoch
beyſammen feyn „und einander lieben / denn ſie find ausder £in= ,.
beit gebohren/die Fein Leben noch Freude hat/als aus diefen zwey⸗ wis
en / und doch der Beyder Leben ift. ©
Mo aber GOttes Licht und Geiſt ſich in ſich verbirgt / und
nicht aus ſich flieſt / da iſt kein wahres Leben / Licht / Freude /
Friede noch Ruͤhe / wie im Macrocoſmo zu ſehen. Denn ob ſchon
Das Sennenslicht ſchoͤn leuchtet und alles erfreuet / und die Ster⸗
ne lieblich ſchimmern / ſo iſt es doch nur eine nachge bildete Kraft
im Streit des Lichts und der Finſternuͤß des Waſſers und Zeus
ers / Die einander verfolgen / darumb ſtehet das schen des Gei⸗
ſtes Majoris Mundi in Angft und Unruhe / dager ſtaͤts walget
und umbdrehet / und fan Fein Genügen finden in feinem eigenen
Lichte. Und wie er iſt / ſo ſind auch feine Creaturen/ die ein ſtrei⸗
tiges Leben gegeneinander fuͤhren / denn ſie erben ſeinen treiben⸗
den Feuer⸗Geiſt / den Er in tunckeln Wolcken / Nebel / Dampff/
Donner / Plitzen und Ungeſtuͤmen Winden als ſeinen Poſaunen
fehen laͤſſet / daß ſich alles fuͤrchtet / und vor feinem ſchrecklichen I A
Geſicht flichet / big Das fanffte Waſſer gebohren wird undter AD. 9:
Sonnen-fchein durchbricht- und treibt fo fort durch beſchloſſene 1) ö
Zeiten und Sahren bißans Gerichte / da alles durchs Feuer ſoll
gehen / das Gute vom Böfen geſchieden werden und zu Ruthze
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kommen. *
Alſo iſt Adam vie Bildnuͤß GOttes die in Ihm durch Imagi- 2
nation verſchlungen und thicrifch worden / auch mit feinem i
Geiſt / Natur und Eigenfchafft beladen ; treibet feine Wunder \
‚in Haß Neid / Zorn / Moͤrderey / eigener Herrſchafft / Gewalt /
Tyranney / auch eitelerguft und Freuden in Kuͤnſten / Pfeifen, .
Geigen / als auch ſchwerer Mühe mit Adern / Bauen / Pflanz
gen und Viehzucht / biß dic Figur crfüllet wird mit Pharao und
| Egypten / dag der Menfch die kindliche Freyheit und fein Para⸗
diſiſches Batterland verlohren / und unter einen dummen und
vichiſchen Zwang und Gewalt gerathen /da Er dem Zode tode
| Dinge muß formen/ und todte Steine auß der Erden machen,
| Dars
—* * Pe N Br Ai 7
ERNEST FR —
ER RENTE
Darumb erweckt Gott eine Figurder Erlöfungim Eyfer der
‚Gerechtigkeit mie Moſe / welcher in Nachbildung gleiches pro-
cefles der Schöpffung des Geiſtes dieſer Welt aus Schrad und
Todes-furcht für Pharao nach feiner Gebuhrt ins Waſſer ges
worffen / und im Fewer (als der Wurtzel der ſtarcken Sebeng»
Macht) beruffen wird / und gibt ihm das Ambt eines Hertzogen
und gewaltigen Heylandes nach dem Regiment des Geiſtes dies
fer Welt / dag Er mit Wunderen und Thaten als cin kleiner
GH und Schöpffer über Pharao und Egypten herifchet. Der
treibt und führet Hernach das Myfterium Microcofmi,als die gers
trenneten und abgefüllenen Eigenfchafften des Menfchlichen Le⸗
bens (tie die Sterne am Himmel) in der Figur der Kinder
Iſrael: Und zwinget fie auch mit Gewalt zum Gchorfam Gottes
durchs Geſetz nit Schrecken und entſetzlichem Geſicht der tunce
keln Wolcken / Dampff / Donner / Blitzen / und Poſaunen⸗
ſchall / und gehet im Ambte ſeines Eyfer⸗geiſtes zu vertilgen das
Geheimnuͤß der Urſachen zu Sünden und Grewelauſſer ſich in
Der Welt mit Krieg) Schwerdt / Würgen und Außrotten der
Heyden und frembven Bolder : als auch zu verfühnen die eige⸗
ne wuͤrckliche Suͤnden mit Schlachten und Feweropffer des Dies
hes /durch die Zeit Jofux , ver Richter/ Könige / und Prophes
ten / biß an die Zeit Mefliz, da die fanffte Waſſertauffe anfüns
get / amd die Sonne des Sehens in Chrifto auffgehet.
Da höretdas Vorbild auff/und mug der Feuer Eyfer des Ges
ſetzes ſterben und ruhen / denn Er kan das Menfchliche Myfle-
rium durch den Zorn Gottes nicht führen / darumb ruffet @r
zum andern mahl Jofuam als Iefum ins Myfterium aufden Berg
Thabor / und übergibt Ihm das Myfterium Macrocoſmi und
Mierocofmi, day Er die eingeführte Boßheit des Teufels in der
Welt mit Fewer und Schwerdt des Gerichts vertilge; den
Menfchen aber im Geift feiner Liebe Durchs Opffer feines eigenen
Goͤttlichen Sleifches und Bluts durch den Zorn Gottes führe) und
Bas Sand des Paradeifes zur ewigen Ruhe außtheile / welches
noch in diefer Welt iſt / aber mit dem Fluch der Eitelkeit bedeckt?
wie Mofis verklärtes Angeficht mitder Decke / Chriſtiis mis
der falſchen heuͤcheley des Anti⸗chriſts / und die Schrift mit ge⸗
heimen Vorbildern und Figuren/dic doch letzo mit Eröffnung des
ren Siegels durch den Engelder 7den Pofaune auffgeſchloſſen /
entdeckt / gezeiget und außgewickelt werden.
Wie folches erleuchtete Augen fehen in diefem Bu⸗
che uud in den übrigen allen,
Die
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Die Druckfehler in dieſem Buchedes Mylterii Magri DER
find Diefe:
Folio.28. Linea1rg.delegerne hören.
F. 6. L, 17. fürfühleteliefe füllete, 3
F. 73.L. 32. füreingegeben liefe geben.
F. ııg.L. 5. für Liebes liefe Leibes.
F. 136. L. z4.für fuͤhlet lieſe fuͤllet.
F. ı6.L. 6. für martet liefe martert.
F. 168. L. 3 . fuͤr wider lieſe weder.
Be 7. für fügete Tiefe fegete,
F. 264. L. ı2.fürı4.liefe go.
F. 342. L. 32. nad Gottes / adde welches.
F. 420. L, 27. nach Menſch /adde bey einander wohnen /
und wie der Natuͤrliche Menſch &c.
F. 480. L. 1x. nach Regiment / adde fein s Geſetzes Le
ben / und auch in denen / die im Regi⸗
ment &c.
F. 600. L. 29.für Jeruſalem lieſe Babel,
F. 690. L. 7. fuͤr ſtehet lieſe ſtehet.
F. 728, L, 18. dele die.
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Buchs.
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FR 3 de vor Dem Dresfas
f NZ y) ben Leben des Men⸗
WISH I Elirlich angezeiget
a G) wird / beydes Das
— — Ewigeund auch das
Tödliche: Vnd warum GOTT (Das
hoͤchſte Gut) alleshervor an das Liecht
gebracht habe: Werumb such immer
eirtes wider Das ander lauffe uno ſelbi⸗
es verderbe: Vnd dan / was wahr
oder falfch fey / und wie fich Das eine
von dem andern ſcheide: Worinne vor⸗
nemblich die drey Principia gegruͤndet
ſeynd / welche dan der einige Vrſprung
oder Ouelle ſeynd / aus welcher die Din⸗
ge ausflieſſen und erbohren werden.
Woraus zumaln auch klaͤhrlich zu er⸗
kennen die mancherley Glaubens Mey⸗
nungen / warumb und aus was Vrſach
ſo vielerley Meynungen unter den Men⸗
| 3 ſchen
—
ſchen Rindent vom Weſen oder VOllen
GÖttes entſtehen / was auch dem
Menſchen nörbig und nüzlich zu thun
ſey Damit er deß Hoͤchſten oder Ewi⸗
gen Gutes moͤge theilhafftig werden:
Vnd dan auch zugleich von dem Aus⸗
gang und Ende aller Dingen / warumb
alle Ding in einer ſolchen Eigenſchafft
oder Weſen erſchienen find : zu troſt
der Armen / verwundeten und krancken
Menſchlichen Seele des Menſchen / und
zu Wieder⸗auff bawung der wahren
Chriſtlichen Religion, worin der Wie⸗
derchriſt gantz bloß und offenbar ſtehet.
GSeſtellet vor uns ſelbſten zum Inge⸗
denck und Auffrichtung in dieſer ver⸗
wirreten / elenden und truͤbſeligen Zeit.
Das
Das ı. Eapittel,
Vom Urkund des sehens: Item don der ewigen
Gebuhrt des Göttlichen Weſens.
I»
X wir uns entfinnen umfers
MLebens Anfang / und wollen
das halten gegen dem ewigen
schen] weldheswirinder Vers
yeiffung haben: fo können wir
\ Nicht fagen oder finden / dag
wir in dieſem enfferlichen Le—
N ben daheime find / denn wir
[chen deß eufferlichen Lebens
Anfang ımd Ende / dazu die
ganze Zerbrehung und endli—
che Verweſung unſerer Leiber?
Mehr ſehen und wiſſen wir von
feiner Wiederkunfft in dieſes Sehen / haben deſſen auch keine
Verheiſſung vom höchften undewigen Gute.
2, So dean nun ein Leben in uns iſt / welches ewig ungers
brechlich iſt / mit welchem wir trachten nach dem hoͤchſten Guts
und auch ein Leben von dieſer Welt / welches endlich und zer⸗
brechlich iſt; und auch ein Leben darinn die Quall und Uhrſache
des Lebens ſtehet / in welchem die hoͤchſte Faͤhrlichkeit des ewigen
Berderbens / Jammers und Elendes ſtehet; So iſt uns noht
zu entſinnen des Lebens Anfang / woron ſolches alles herruͤre
und ſich alſo urkunde.
3. Und ſo wir uns denn nun des Lebens entſinnen / was das
ſey / fo finden wir/ dag es ein brennend Feuer ſey / daß da
zehret / und fodas nicht mehr zu schrenhat / erlifcht es/ wie das
anallen Feuren zufchen ift. Denn das geben hat feine Zehrung
vom Leibe / und der Leib von der Speife / deunfo der Leib nicht
mehr Speife hat / fo verzehret ihn das Schenssfiuer / dag cr
verwelcket und verdirbet/ alseine Wieſen⸗Blume / fodienicht
Waſſer hat / umbfaͤllet.
4. So aber noch ein Leben im Menſchen iſt / das da ewig und
unzerbrechlich iſt / als die Seele / welche auch ein Feuer iſt /
und mug eben fo wohl Zehrung haben / als das Elementifche
toͤdtliche Leben / fo ift uns feine Quall und Speife zu entfinnen/
43 was
Mi
% Vom dreyfachen Leben Cap. 1;
was da ſey / daß ihme immer Speiſe gebe] daß es in Ewigkeit
nicht erlefche. |
5. Und dann zum dritten / fo befinden wir in unſerm See—
len⸗leben / daß noch ein gröfferer Hunger darinnen fen / nach
einem andern hoͤhern und beffern Leben / als nach dem höchften
Gut / welches das Göttliche Leben genandt wird/ daß fich die
Seele nicht laſt an ihrer eigenen Speiſe begnügen / ſondern be⸗
gehret mit groſſem Saͤhnen und verlangen das hoͤchſte ud beſte
Gut / nicht alleine zu einer Wonne / ſondern im Hunger zu
einer Speiſe.
6. So iſt uns nun in groſſem Wiſſen und wahrer Erkaͤnt—
nuͤß / daß ein jedes Leben begehret feiner Mutter / Daraus daß
Leben erbohren wird / zu einer Speiſe; alß das Holtz iſt des
Feuers Mutter / deſſen begehretdas Feuer / und fo es vonfei=
ner Mutter getrennetwird/ fo erlifchet dass So iſt die Erde
‚aller Baͤume und Kräuter Mutter) und die begehren ihr/ und
das Waſſer init den andern Elementen ift der Erden Mutter/
ſonſt ſtuͤnden fie im Tode / und wüchfe darinnen und Daraus we⸗
ver Metallnoch Baͤume / auch Fein Kraut und Graf.
7. Bir fehen vornemblich / dag das Elementiſche Leben in.
einem Sude ſtehet / daß es ein Sieden ift / und fo es nicht mehr
feidt / erliſchets; Auch fo willen wir / daß das Geſtirne die
Elementen anzuͤndet / und find die Sternen der Elementen
Feuer / un» die Sonne zündet die Sternen an / daß alfo ein
Quallen und fieden ineinander iſt / aber das Elementiſche Leben
iſt endlich und zerbrechlich / und das Seelen⸗leben iſt ewig.
8. So es denn nun ewig iſt / ſo muß es auch von dem ewigen
ſeyn / wie denn der theure Moſes gar recht davon ſchreibet. GOtt
habe den Menſchen den lebendigen Athem eingeblaſen / ſo ſey der
Menſch eine lebendige Seele worden.
9: Wir fönnenabernicht fagen / dieweil der Menfch in ei⸗
* dreyfachen Leben ſtehet / daß jedes Leben beſonders ſtehe /
mit einer ſonderlichen Geſtalt: Sondern wir befinden das es
in einander iſt / und hat doch jedes Leben ſeine Wuͤrckung in ſei⸗
nem Regiment / als in feiner Mutter. Dann gleich wie GOTT
der Batteriftalles/ daun es urftänderfich alles von ihime/ und
iſt aller Orten gegenwaͤrtig / und iſt die Füllealler Dinge / und
das Ding begreifft Ihn doch nicht / und iſt auch das Ding nicht
GOTT weder feines Geiftes / noch des rechten Göttlichen
Weſens / daß mangar aus von feinem begreifflichen Dinge fagen.
kan: Das if GOtt / oder allyie ift GOtt vor andern. Derterie
und
Cap. r. des Menſchen. a
undift doch warhafftig gegenwärtig/ er halt das Ding / und
das Ding ihn nicht / er begreift das Ding/ und das Ding ihn
nicht / denn er wohnet nicht in dem Dinge / ſondern in fich felber 7
in einem andern Principio,
10. Alſo auch iſt die Seele des Menſchen von GOTT einge⸗
blaſen / die wohnet in dem Leibe / die iſt mit den Sternen und
Elementen-Geift umbfangen / nicht allein wie ein Kleid’der
Leib bedecket / fondern ift mit dem Sternen und Elementifchen
Geift inficiret / gleich wie die Peſtilentz oder eine andere Kranke
heit den Elementifchen Geift inficiret / daß er feinen Leib ver»
gifftet / hinfaͤlt und ftirber / da fich dann auch Die Sternen⸗quall
von der. Seelen bricht / und felber verzehret / dieweil die Ele=
mentifche Mutter zerbricht / fo hat der Sternen⸗geiſt auch Feine
Speife mehr ; verzehret fich derowegen felbjt / die Seele aber
bleibet rohe / dieweil fie von einer andern Speife lebet.
11. Alfo verftehet uns in dem Wege / obgleich die Seele alſo
Mt mit dem Sternen und Elementifchen Geift gefangen / daß
Diefelbe Auall in der Scelen wohnet. So hat doch die Seele
‚eine andere Speife/ und lebet in einem ander Principio, ift
auch eines andern Weſens / danıı ihre Eflentien find nicht
aus dem Geftirne/ fondern haben ihren Afang und Corpor⸗
lihe Bereinigung aus dem ewigen Bande / aus der ewigen
Natur / welches ift GOttes des Vatters vor dem Liecht feiner
Siebe / im deme erin fich felber eingehet/ und machet ihme fel=
ber das zweyte Principium in feiner Liebe / Daraus er fein ewiges
Wort und Herk von Ewigkeit in Ewigkeit immer gebichret /
da fich denn der heiligen Nahme GOttest immer uhrkundet 7
und behält feine Göttlihe Natur / als ein Geift im andern
Principio in fich felber 7 / und wohnet im Nichts / als nur blog
in ſich felber.
12. Dann ob gleich das Bandder ewigen Natur in ihm iſt /
ſo iſt doch der Goͤttliche Geiſt dem Bande nicht unterworffen /
dann der Geiſt zuͤndet das Band der Natur an / daß es mit des
Liechtes Krafft in der Liebe und im Leben des Worts des Hertzens
GOttes erleuchtet und quaͤllende wird / daß es ſey eine heilige
Wonne und Paradeis des Geiſtes / ſo GOTT genandt iſt.
13. Alſo auch die Seele des Menſchen iſt aus Dem Bande des
ewigen Urkundes / darinnen ewig ſtehend / und begehret in ſich
ſelber ins ander Principium zu GOTT einzudringen / und ſich
zu erſaͤttigen an GOttes Krafft.
14. Dieweil ſie aber alſo mit gantzem Weſen / mit ihrer ei⸗
14 genen
3 Domvreyfachen eben Cap.x
genen Eſſentien, nicht kan ins Liecht und Kraft GOttes eins
gehen / fo wenig als die ewige Ratur kan ins Sieht GOttes ein⸗
Rringen/ daß fie das Liecht eigenthuͤmblich in eigener Gewalt
Hätte/ ſondern das Liecht ſcheinet aus der Liebe in feinem Prin-
cipio in der ewigen Ratur: Day alfo Das Liecht ein Herr Der
emigen Natur bleiber / Dieweiles die ewige Natur nicht ergreife
fet/ fondern erfrevect fich im dem Liecht / und bringet hervor
feine Wunder in des Liechtes Kraft und Verſtandt / da ſie dan
vffenbahr werden.
x5. Alſo auch fan die Seele des Menſchen nicht mit ihren
Efientien ins Liecht BDftes eindringen Daffelbe zu bewältis
gen: Sondern mug in fichfelber / alsin cin ander Principium
zu GOZZT eindringen infeine Siebe: Denn du muſt allhie eine-
anderencwe Gebuhrt in der Seelen verftehen; Dann fie mug
sicht alleine atıs den Sternen und Elementifchen. Leben auss
Dringen / fondern auch aus ihrer eigenen Lebens-Quell / und
ihren Willen fchöpffen im geben GOttes / darinnen zu ſeyn:
Und derſelbe geſchoͤpffte Wille/ wird von GOTT angenoms
men / und GOTT wohnet indeinfelben Willen. Alfo komt das
Goͤttliche Leben und Liecht in die Seele / und iſt Gottes Kindt:
Dann ſie ſtehet in ihrer Quell und Leben als GOTT ſelber in
der Quell der ewigen Natur.
z6. Allhier verſtehen wir mun / daß auſſer dem Liechte GOt⸗
tes des 2. Principii in der ewigen Natur eine aͤngſtliche Quell
fin: Denn des Lebens Band ſtehet im Fewer: Wann aber dafs
ſelbige Feuer von der heiligen Goͤttlichen Liebe inficiret und ge⸗
fingen wird / fo gehet das Leben in ſich ſelber aus in ein andere
Quall / dann ihme wird ein ander Principium auffgeſchloſſen /
allda innen lebetes / und iſt das Leben in GOTT / gleich wie
GOTT in ſich ſelber wohnet / und iſt doch warhafftig felber ala
les / es iſt alles von ſeiner Natur herkommen. Du muſt aber
verſtehen nicht alles aus der ewigen Natur / alleine die Seele
und die Engliſche Geiſter / ſondern von ſeinem geſchoͤpfften
Willen / welcher einen Anfang hat / als vom euſſern: Dar⸗
amb ſind auch alle Weſen dieſer Welt vergaͤnglich.
17. Und befinden wir hierinnen unſerer Seelen erſchroͤckli⸗
chen groſſen Fall unſerer erſten Eltern / daß ſie iſt in Geiſt
dieſer Welt eingegangen in eine frembde Herberge: Und
hat verlaſſen das Goͤttliche Liecht / darinnen ſie ein Engel
und Kindt GOttes war. Darumb muß fie wieder ausgchenf
aus dem Geiſte der Sternen und Elementen in eine newe Ge⸗
buhrt ins Leben GOttes. 18. Weil
Cap.r. des Menfchen. 9
18. Weil aber daſſelbe der Seelen nicht möglich war / fo
kam das Sehen GOttes aus Siebe und Griaden zu uns ing
Fleiſch / und nam unfere menfchliche Seele wieder in fich / in
das Göttliche Leben / in des Liechtes Krafft / dag wir allhier
ray in demfelben chen zu GOTT ineinenewe Gebuhrteine
ringen.
19. Dann gleich wie wir mit Adams Seele find alle aus dene
Leben GOttes ausgegangen / und die falfche Sucht vonder See⸗
fen unferer Eltern als aus einem Brunne- alle erzeuget und
geerbet haben : alfo hat uns das geben GOttes in Chrifto wieder
new⸗gebohren / das wir im Leben Chriſti koͤnnen wieder ins Le⸗
ben GOttes eingehen. *
20. Und ſo es nun iſt / daß unſer Seele ini Bande des ewi⸗
gen Urkundes ſtehet / mit dem Geiſte dieſer Welt inficiret / und
vom Grimme des Urkundes im Leben des ewigen Feuers / als in
der ewigen Natur gefangen. So muͤſſen wir mit unſeren See⸗
len / ein jeder vor ſich ſelber / ing Leben Chriſti zu GOTT ein⸗
dringen in die newe Wieder-Gebuhrt / ins Leben und Geiſt
Chriſti / und hilfft allhie eine Heucheley / Scheinheiligkeit oder
eigene Wercke der Verdienſte / denn anders kan der armen See⸗
len nicht gerathen werden / ſie gehe dan in ſich ſelber / als in einen
newen geſchoͤpfften Willen mit groſſem beſtaͤndigem Ernſt ins
geben Chriſti ein: Da wird fie mit gar groſſen Ehren von GOtt
und feinen Kindern im andern Principio enipfangen/ und wird
ihr gegeben der edle theure Schatz / als das Kecht des ewigen Le⸗
bens / welches die Quall der Selen Feuer imerften Principioy
darinnen ſie mit ihren Effentien weſentlich ewig ſtehet / exleuch⸗
tet / und aus Angſt Liebe machet / aus Auffſteigen und brennen
als des Feuers eigen Recht / ein demuͤtig lieblich Sachen in ſanff⸗
ter Wonne.
21. Und iſt die Seele alſo in einer Wonne im Goͤttlichen Le⸗
ben / wie ich es etwa vergleichen möchte / einem angezuͤndeten
Kechte / da der Stock der Kertzen brennet / und giebt einen won⸗
neſamen Schein von ſich / da in dem Schein kein Quall iſt / ſon⸗
dern ein liechte Wonne / und bleibet doch die brennende Blut:
Jedoch muſtu eg verſtehen / als wann in der Glut feine Wehe
empfunden wuͤrde / ſondern nur alſo eine Urſache des Lebens⸗
ſcheins ſey / wie man dan kein Feuer kan mit dem Goͤttlichen
vergleichen / dann die Goͤttliche Natur / daraus das Goͤttliche
Lebens⸗Feuer brennet / iſt mit der Liebe GOttes inficiret] dag
das Liecht GOttes ehr andy Principium in ſich ſelber · machet 7
Br 5: Bars
to Vom dreyfachen Leben Kap.r.
— keine Natur empfunden wird / dann es iſt der Natur
nde.
22. Darumb kan die Seele in ihren eigenen Eflentien das.
Sicht GOttes nicht fahen zu bewältigen / denn. fie ift ein Feuer
in der ewigen Natur / umd erreichet nicht der Natur Ende:
Dan fie bleibet inder Natur als in eine geſchaffene Ereatur
aus der ewigen Natur: und da doch Feine Begreifflichkeit ift /
ſondern ein Geiſt in fiebenderley Geftalt: Und da doch im Ur⸗
kund nicht fieben / fondern nur vier erfandt werden / welche das
ewige Band halten / und find die Quallin der Angft / darinnen
ſtehet das ewige / und daraus werden die andere Geftalten alle
trbohren darinnen GOTT und Himmelreich ftehet: Und in
Ben vier Geftaltendie Angft und das Wehe / fo die blog und al⸗
fein ftchen / fo verftehen wir darinnen das höllifche Feuer / und
den ewigen Zorn GOttes.
23. Und ob wirnicht wiſſen des Göttlichen Wefens Urkund/
dann es hat keinen / ſo wiſſen wir doch Die ewige Gebuhrf / die
nie keinen Anfang gehabt hat. So fie dan keinen Anfang ge>
Habt / fo ift ſte noch heute / als fie von Ewigkeit je gewefen iſt-
Darumbdörffen wir wolldas angreiffen/ daß wir heute ſehen:
und im Sicchte GOttes erkennen : und folluns darumb niemand
vor unwiffend achten] daß ıms GOtt zu erkennen giebt fein ei⸗
gen Weſen / welches wir nicht können und follen verleugnen/
bey Derlierung des Göttlichen Liechts und unfers ewigen.
Heyls: Sintemahl es auch feinem Menfchen möglich ift zu
nehmen / es werde ihme dan aus GOttes Gnaden in feiner Jiche
gegeben. Und ſo es ihme dan wird gegeben / fo ftchet die Seele
in der Erkaͤntnuͤß in den Wundern GOttes / die redet nicht von
fernen oder frembden Dingen / ſondern von denen Dingen darinn
He ſtehet / und von ſich ſelber; denn ſte wird in Gottes Liecht ſe⸗
hend / daß ſie ſich kan ſelber kennen.
24. Daß nun ſolches kan ſeyn / fo dencket daß der Seelen⸗
Eſſentien ſtehen im Urkunde im erſten Principio, und daß das
Goͤttliche Kiecht ſcheinet in ſich ſelber und macht das ander:
Principium; alſo ſind derer zwey / und ſihet die Seele in der ho⸗
ben Erkaͤndtnuͤß vom Liechte des andern Principii, welches im
the ſcheinet; Warumb ſoll ſte dan nicht von ihrem Vatterlande
reden / darinnen ſte lebet? Und du tolle Welt im dritten Prin-
eipio, im Geiſte der Sternen und Elementen wilſt ihr das ver⸗
bieten / die du doch an GOTT blind / und im ewigen Zorne und:
a Quall des Urkundes geſangen ligeſt.
25. So
-
Cap.t. des Menſchen. tr
25. So dan dene alfo ift / fo wollen wir den Grund des ewi⸗
gen Bandes fegen zu einem Spiegel/ deme der da begehret zu
ſehen / wie wol es iſt / daß er es von ums nichtmagerlernen/ er
trete dan felber indie newe Gebuhrt / ins leben Jeſu Chrifti/ daß
das Goͤttliche Liecht ſelber in ihme ſcheine / ſonſt find wir ihme
Hiſtoriſch / und nicht verſtanden.
26. So wir aber reden vom Quall des Fewers und ſeiner An⸗
zuͤndung / welche wir vom Fewer des Lebens verſtehen / ſo wiſſen
wir gewißz / daß daſſelbe im Urkunde vor der Anzuͤndung des
Fewers / nur in zweyen Geſtalten ſtehet / und hat nur eine eini⸗
ge Mutter die iſt herbe / und zeucht an fich / und da fie doch auch
in ſich ſelber nichts iſt / als ein Wille des ewigen Vatters / in der
ewigen Natur / welchen er geſetzet hat in ſich ſelber / ſich zu offen⸗
bahren / und ſeine Wunder zu zeigen.
27. Nun iſt derſelbe Wille ewig / und herruͤhret aus nichts /
als nur aus ſich ſelber / und ſo der nicht waͤre / ſo waͤre alles ein
Nichts / weder Finſternuͤß noch Liecht / und ſo dan Etwas iſt
ſo iſt es der ewige Wille / der iſt herbe und begehrende / als nemb⸗
lich die Wunder der Schoͤpffung. So denn nun ein Begehren
iſt / ſo zeucht das Begehren in ſich / und das angezogene ins Be⸗
gehren machet den Willen voll / daß das Begehren voll wird / denn
der Wille iſt duͤnne als ein Nichts / und das angezogene im Wil⸗
len machet den Willen dick / uͤnd iſt ſeine Finſternuͤß / alſo ſte⸗
het das ewige Begehren in der Finſternuͤß.
28. So nun der Willeim Begehren an ſich zeucht / ſo iſt das
Anziehen ein Stachel der Ruͤgung / denn der Wille iſt dünne als
ein Nichts / und iſt ſtille als ein Nichts. So denn nun der Wilb
le ein ewiges Begehren iſt / fo zeucht er auch ewig in ſich / und da
er doch nichts hat anzuziehen / ſondern er zeucht ſich ſelber / und
ſchwaͤngert ſich / daß aus dem Nichts eine Finſternuͤß wird / und
das Anziehen machet den Stachel der erſten Eſſentien, daß alſo
eine Ruͤgung ſey / und ein Uhrkundt der Beweglichkeit.
29. Nun aber fan auch der Wille das Anziehen mit der
Schwaͤngerung nicht leiden / denn er wil frey ſeyn / und mag
Doch nicht / denn er ift begehrende / und fo er dan nicht mag frey
werden. gehet er mitdem Anziehen in fich / und faſſet in Sich einen
andern Willen aus der Finſternuͤß aus zu gehen in ſich felber /
und derfelbe andere gefaffete Wille ift das ewige Gemuͤhte / und
gehetin fich felber als ein fchneller Blitz /undzerfprengetdie Fin⸗
ſternuͤß / und gehet in-fich felber aus / und wohnet in ſich ſel⸗
ber / und machet ihme alſo ein we“ are anderer Quall F
i me: zenn⸗
12 Vom dreyfachen geben Kap.
denn der Stachel der Ruͤgung bleibet in der Finſternuͤß.
30. So muͤſſen wir nun von den Geſtalten in der herben fin⸗
ſtern Natur reden: Dann auff ſolche Eigenſchafft und Ahrt ur⸗
rundet ſich die Natur. Denn wir verſtehen daß ſich die Finſter⸗
nuͤß ſaͤhnet nach dem Liechte / welches ewig gegen ihr ſtehet / aber
in einem andern Prineipio.
32. Dan die zwey Geſtalten / als Herbe und Bitter ſtachlicht/
ſind der Urkund alles Weſens / und der ewige Wille iſt die Mut⸗
ter in der ſie ſich gebaͤhren: Und iſt uns zu verſtehen / daß die Her⸗
bigkeit mit dem Faſſen des Willens immer an ſich zeucht / und das
Anziehen iſt der Stachel, ver Ruͤgung / welches die Herbigkeit
nicht mag erdulden. Denn die Herbigkeit begehret das herbe
ſtrenge einſchlieſſen im Tode / und die ſtachlichte Bitterkeit iſt
der Auffſchlieſſer: Und da es doch in ſich nichts wäre ohne dei
Willen. —
32. So nun die Herbigkeit alſo ſtrenge anzeucht / ſo kan es
der Stachel / als des Herben eigen Anziehen / nicht dulden / fone
dern ruͤget ſich viel ſeyrer und die Herbigkeit kan das ruͤgen
auch nicht dulden / denn fie begehret den ftillen Todt. Alfoift das
eine Kette und Bandit dag ſich immer felber machet / und hatkeie
nen Macher.
33. So nun diefes alſo gefchwinde. in einander gehet als ein
ſchneller Gedancke / fo begehret der Stachel. aus der Herbig
keit) und kan doc, arıch nicht / denndie Herbigkeit gebieret / und
Halt ion auch: Uno foerdannichtüber fich kan / fo wirder dräs
hend als ein Radt / und zerfprenget alfo die angezogene Herbig⸗
keit / und maͤchet eine ſtaͤte Verwirrung und Vermiſchung / im
welchem das Brechen oder Wehe ſtehet / wiewoll allhie keine
Fuͤhlung iſt / ſondern nur Geſtaͤlte der Natur. Und verſtehen
wir hierinnen die Fuͤhlung / und da es doch nicht iſt / denn es iſt
feine Materia, ſondern des Geiſtes / oder der ewigen Natur
Uhrkundligkeit in dem ewigen Willene denn das herbe Begehe
zen zeucht und macht gerade / fo zerfprengets die Bitterkeit im
draͤhenden Rade / day alfo die Bislfültigung der Effentien ent⸗
ſtehen / und iſt gleich einer Unſinnigkeit / oder wie ich fagen moͤch⸗
te im Gleichnuͤz/ ine Verwirrung derewigen Beweglichkeit
eine Urſache der Bſſentien.
34. Solches muß der ewige Wille in ſich leiden / darumb faſ⸗
fet er ihme einen andern Willen aus dieſem Rade zu entfliehen /
und mag dech auch nicht: dann es iſt ſein eigen Weſen: Und fo
tx nicht mag / und Doc) auch in ewig Begehren und he
nicht
Cap.r. des Menſchen. 17
nicht mag laffen / fo halt und zeucht er doch an ſich / daß alſo die
Eflentien immer gebohren werden / und doch auffer dem Begeh⸗
zen ein Nichts find > Und ſtehet alfo die gantze Geſtalt im Schaf
le / und heiſſet Mar: und fo der Willedan nicht mag frey ſeyn /
geraͤth erin groffe Angſt (nach Menſchlichen Berftande alfo zu
reden / auff daß der zefer den Sinnergreiffe / und die Tieffe )
dann der Wille ift die Faſſung / und das gefaſſete im Willen ift
feine Finſternuͤß und das Begehren ift die Eſſentia: Und der
Wider-wille ift das Radt der Vielfaͤltigung der Eflentien , als
fo dag alda innen keine Zahl funden wirdt / fondern alles nach
der Beweglichkeit iſt die Menge:
35. Diefe zwey Geſtalten ſind dit ewige Effentien, und das
ewige Bandt / das ſich ſelber machet / und kan anders nicht thun:
denn die groſſe Weite ohne Ende / begehret der Enge und eine
Einfasligeeit/ darinnen ſie ſich mag offenbahren: Dann in der
Weite und Stille waͤre keine Offenbdahrung; fo muß ein Ans
ziehen und ein Einſchlieſſen ſeyn / darauß die Offenbahrung er⸗
ſcheine.
ſe 36. Auch ſo muß ein Wiederwille ſeyn: dann ein heller und
ſtiller Wille iſt wie ein Nichts / und gebieret nichts. Soll aber
ein Wille gebaͤhren / ſo muß er in Etwas ſeyn / darinnen er for
me / und in dem Ding gebaͤhre. Dann Nichts iſt nichts / ſondern
eine ewige Stille ohne Ruͤgung / da weder Finſternuͤß noch Liecht
iſt / auch wider Leben noch Todt.
37. So wir aber denn clar ſehen / daß Liecht und Sinfternug
iſt / dazu eine ewige Veweglichteit und Formirung / dag nicht
alleine im Loco dieſer Welt ſeyn mag / als weit unſere Sinnen
reichen / ſondeen ohne Ende und Zahl / da denn die Engliſche
Woelt reine erſcheinet / und Doch nicht in der Einſchlieſſung der
Finſternuͤß. So iſt unſer Sinn zu ergeben nach der Engliſchen
Welt / und welche doch auch nicht auſſer dieſem Loco iſt / ſondern
in einer andern Quall / und im ewigen Liechte / und da doc) Fein
Liecht ſeyn moͤchte / es ſey dan eine Gebaͤhrerin.
38. Soll es numaus der Gebaͤhrerin erſcheinen / ſo muß es
aus der Gebaͤhrerin außgehen: Dann die Gebaͤhrerin iſt eine
Finſternuͤß / und da ſie doch auch nichts wäre / ſo nicht das ewige
Wort ſtunde / welches den ewigen Willen ſchoͤpffet / und in dem
Schoͤpffen iſt die Bebupre des ewigen Weſens. Davon fügt
8. Johannes : Im Anfang war das Wort / und das Wort
war bey GOTT] u GOTT war das Wort] daſſel⸗
Bige war im Anfang bey GOTT :- Alle Dingfind durch
%r7 daſſelbe
m u ” HET
— 2 N . DER By.
14 Vom dreyfachen eben Cap.r.
daſſelbe gemacht / und ohne daſſelbe iſt nichts gemacht
was gemacht iſt.
39 Alhier mein liches Gemuͤhte / bedencke woher Liecht und
Sinjternüß komme / dazu Frewde und Leidt / Liebe und Feindt⸗
ſchafft / darzu Hinmel⸗ und Hoͤllen⸗reich / Gut und Boͤſes / Le⸗
ben und einſchlieſſen des Todes.
40. Du ſprichſt: GOTT hat ſolches geſchaffen. Ja recht/
warumb biſtu aber blind / und erkenneſt das nicht / ſo du doch
GoOttes Gleichheit biſt? Warumb redeſtu von GOTT mehr
als du weiſt / oder dir geoffenbahretift ? ? Warumb machſtu Ge⸗
ſetze von GOttes Willen / davon du nichts weiſſeſt / ſintemahl
du ihn nicht kenneſt? Oder warumb ſchleuſſeſtu dein Leben in
Todt / ſo du doch wohl leben / und GOTT erkennen magſt / wel⸗
cher in dir wohnet? denn Du hoͤreſt auch das vom 8. Johanne,
daß alle Ding ſind durchs Wort gemacht.
41. So aber GOTT das Wort iſt / daß alle Ding hat ge⸗
macht / fo muger in allen Dingen ſeyn gewefen / dann cin Geiſt
iſt nicht ein gemacht Weſen / fondern ein gebohren Weſen in ſich
felber / welches das Centrum der Gebuhrtin fich felber hat / fonft-
wäre er serbrechlich.
42. So muß nun das Centrum in dem ewigen Macher ftehen/
ſonſt wäre es verganglich. Und da von Ewigkeit nichts geweſen
ift als alleine das Wort / unddas Wort ff GOTT gewefen/
fo muß 'esija fein eigener felbft ewiger Macher ſeyn / und muß
fich als ein Wort aus ſich ſelber / als aus. feinem Macher felbft
außſprechen: Dann wo cin Abort ift/ da iſt auch ein Sprecher/
ver es fpricht. So nun das fein Vatter iſt / der es ſpricht / und
Das Wort fein Sohn / welches aus dem Centro des Vatters ge⸗
fprochen wird / und der Vatter in feinem Gentro fich ein verzeh⸗
zend Fewer nennet; der Sohn / als das Wort aber / ein Liecht
der Liebe / Demuht / Sanfftmuht / Reinigkeit / Heiligkeit / und
der Vatter des Worts in der gantzen Schrifft auch alſo erkandt⸗
und genant wird: So iſt uns ja zu betrachten des Fewers Quall
im Centro des Vatters / ſintemahl der Vatter und das Wort eins
iſt / und nur in zweyen Geſtaͤlten: Und auch der Grimm undzorn/
mit ſambt der Hoͤllen⸗Abgrundt im Centro des Vatters fichet:
Dann 5: Johannes faget: Bon und durch Ihn find alle
Ding / und ohne Ihn iſt nichts gemacht.
43. Dann da das Wort wolte machen / und der Vatter durchs
Wort / fo war alda keine Materia, darauß er machte: dann es
war
„‘
Sırr. Des Menfihen. 13
war alles ein nichts: weder Böfes noch Gutes / weder Sieht noch
Finſternuͤß / fondern das Centrum ftund alda / und das war der
ewige Wille / und der Vatter ift das Centrum , und der Wille
iſt fein Hertze / Sohn und Wort: dasift alleinedas ewige We⸗
ſen / und das Band daß ſich ſelber machte: Und da man doch die
Gottheit nicht alfo ergreiffen mag / ſtntemahl das Weſen einen
Unterſcheidt giebet / und in zweyen Principien erſcheinet / alſo wol⸗
len wir euch den Grundt fuͤrlegen / als wir dan ſolches gewißlich
erkennen.
44. Und gelanget unſer Schreiben und Fuͤrnehmen zu dem
Ende / daß ihr ſehet / wie ihr alſo blind ohne Erkaͤntnuͤß handelt /
wann ihr ſolche groſſe Außlegung der Schrifften der Heiligen
machet / von GOttes Weſen und Willen / und erkennet ihn
doch nicht.
45. Ihr verfolget einander / ſchmaͤhet und ſchendet einander /
richtet Krieg und Empoͤrung an / verwuͤſtet Land und Leute umb
der wahren Erfüntnüß GOttes und feines Willens / und ſeyd
doch ſo blind an GOTT / als ein Stein. Ihr kennet euch ſelber
nicht / noch ſeyd ihr fo raſend / und ftreittetumb GOTT / der ein
Maͤcher / Erhalter / und Traͤger aller Dinge iſt / der in allen das
Centrum ift: fo ſtreittet ihr umb fein Liecht / das doch im Zorn
und in der Boßheit in Ewigkeit nicht erfcheinet / fondern in der
fanfften Siebe und Demuht gehet fein Centrum auff: Und ihr
ſeyd alfo rafend und toll / und vermeinet/ ihr habts alfo auff ewe⸗
ter Zungen im Streiteder Boßheit. Ihr habts nicht / fondern nur
die Hiftoriam der Heiligen / welche das $iccht haben aus ihrem
Centro fiheinend gehabt ; darumb haben fie aus dem H. Geifter
welcher aus dein Liechte außgehet / geredet: Ihr aber nehmer ihre
Worte / und ewers Hergens Centrum ift fäfte zu / lauffet und
zennetinden vier Geftalten der Bopheit.
* 46. As wil ich euch anzeigen den. Grund der zwey ewigen
Principien aus einem Centro, daß ihr doch fehend werdet / wie
ihr im Reiche des Teuffels lauffet / ob ihr vielleicht euch wolt be>
kehren / und von ewrer Hoffahrt ablaflen / und in euch ſelbſt eine
gehen /und alfo erlangen das hoͤchſte und ewige Gut.
47. So wil ich euch zeigen waß wir in Leib und Seele ſind/
auch was GOTT / Himmelumd Höllefey / das nehmet euch vor
keinen Tandt: Denn es bewehret ſich an allen Dingen / und iſt
nichts zu klein / es ſtehet darinnen offenbahr / und nur verblen⸗
det euch nicht mit der leydigen Hoffahrt in ewrem Duͤnckel: For⸗
ſchet nach dem Grunde der Natur / ſo erfahret ihr alle Ding / *
gehe
re Vom dreyfachen Leben Cap.r.
gehet nicht alſo toll auff den bloſſen Buchſtaben der Hiſtorien /
und machet nicht alſo blinde Geſetze nach ewrem Duͤnckel / da⸗
9* ihr einander verfolget / ihr ſeyd hierinnen blinder als die
eyden. ji | 1.13
48. Forſchet nach der Schrift Hertzen und Geiſte / daß er in
euch gebohren werde / und euch das Centrum der Goͤttlichen Liebe
auffgeſchloſſen werde / ſo moͤget ihr GOTTerkennen / und recht
von ihme reden / dann aus der Hiſtorien ſoll ſich keiner einen
Meiſter / Ertenner und Wiſſer des Goͤttlichen Weſens nennen /
ſondern aus dem H. Geiſte / welcher in einem andern Principio
erſcheinet im Centro des Menſchen Lebens / und dem rechten
ernſtlichen Sucher erſcheinet: Wie uns dan Chriſtus bey ſeinem
Daiter/ als imentro des Lebens / mit rechter ernſter begehrender
Demuht heiſſet anklopffen und ſuchen / fo werden wir finden.
49. Dann niemand kan GOTT feinen Herren erkennen /
recht fischen md finden ohneden H. Geiſt / weicher aus dem des
mühtigen ſuchenden Hergen außgehet/und das Gemuͤhte erleuch»
ret / daß die Sinnenerleuchtet / unddie Begierde su GOTT ge⸗
werdet wird : Der findet alleine die thewre Jungfraw der Weiß
heit GOttes / welche ihne leitet auff rechter Straffe / und führer
ihn zum friſchen Waſſer des ewigen Lebens / und erquicket feine
Seele; und alſd waͤchſet der newe Leib der Seelen in Chriſto / da⸗
von wir hernach hochthewer ſetzen wollen.
so. Wir erinnern den Gottliebenden und ſuchenden Leſer /
dleſes von GOTT zu erkennen / daß er nicht fen Gemuͤhte und
Sinnen zuſammen raffe / und die pure Gottheit allein hoch über
den Sternen ſuche / in einem Himmel alleine wohnende / welcher
alſo nur mit feinem Geiſte und Krafft in dieſer Welt regiere /
gleich wie die Sonne in der hohen Tieffe ſtehet / und mit ihren
Stralen allenthalben in der gantzen Welt wuͤrckete Rein,
52. Die pure Gottheit iſt uͤberall gantz gegenwertig aller Or⸗
gen und Enden. Es iſt uͤberall die Geburt der H. Dreyzahl in ci»
nem Weſen / und die Engliſche Welt reichet an allen Enden / wo
du hin ſinneſt / auch mitten in der Erden / Stein und Felſen:
Alſo auch die Hölle / oder das Reich des Zornes GOttes iſt auch
vᷣberall⸗
52. Dan das Grimmen⸗reich im Zorn der Finſternuͤß iſt im
Centro , und behält feine Quall und Regiment in der Finſter⸗
nuͤß / und die Gottheit gehet im Centro in ſich ſelber aus / und mas
chet ihme die Wonne in ſich ſelber / der Finfternüg unerforſchlich
vder unbegreifflich / dan fir ſchleuſſet anffein ander Principium,
PER RE
Sap.r Des Menfehen 17
53. Dann das ewige Wort iſt der ewige Wille / und eine Ur⸗
ſache der ewigen Natur / und die ewige Natur iſt der ewige Vat⸗
ter / in deme alle Dinge durchs Wort ſind geſchaffen / (verſtehe
in der ewigen Natur) und ſo der ewige Wille nicht einen andern
Willen in ſich ſelber ſchoͤpffte / in ſich ſelber außzugehen / (als ein
ſcheinend Liecht aus einer Kertzen brennet / und vonder Kertzen
nicht weichet) fo waͤre der Vatter einig / und ein ſtrenge Finſter⸗
nuͤß / auch ſo haͤtte dieſe Welt / als das dritte Principium nicht
moͤgen erſchaffen werden.
54. So aber der Batter die ewige Natur in ſeinem Weſen it
ſich haft / und iſt der ewige Wille ſelber / und gebiehret aus ſich
ſelber einen anderen Willen / welcher auffſchleuſſet in den erſten
ewigen Willen / (welcher iſt ver Vatter) das Pricipium des
Liechtes / darinnen der Vatter mit den ewigen Eflentien tn ſei⸗
uem ewigen uhrkuͤndlichen Willen lieblich / freundlich / milder,
rein und ſanfft wird: So iſt der Batfer nicht in der Quall der
Finſternuͤß / dann der wiedergefaſſete Wille der aus dem Ceniro
außgehet / und zerſprenget die Finſternuͤß / der iſt fein Hertz / und
wohnet in ſich ſelber / und erleuchtet den Vatter / und derſelbe
Wille iſt des ewigen Vatters Wort / daß aus den ewigen Eſſen-
tien erbohren wird / und iſt billig eine andere Perſohn / denn er
wohnet in ſich ſelder in des Vatters Eſſentien, und iſt des Bat⸗
ters Liecht. rs dieſes Wortoder Wille hat alle Dinge geſchaf⸗
fen / verfiche aus des Vafters Eſſentien, denn es iſt die ewige
Allmaͤcht / ſintemahl es mit den ewigen Eſſentien nicht mag er—
griffen werden / denn es zerſprenget die ewigen Eſſentien, und
wohnet in ſich ſelber / und ſcheinet aus den Eſſentien, und ſo es
doch iſt / daß es von den Elſentien nicht kan weichen / ſo wenig der
Glantz vom Fewer weichet.
Das 2. Capittel.
Vom Grunde der ewigen Gebährerin.
E O wir euch daneinen folhen Grund gezeiget; ſo
wollen wir euch ferner den Grund der Gebahres
rin zeigen: Dann wir fehen das Flar an diefer
Welt im Regiment der Elementen’ und noch viel
mehr in uns felber Jin unſerm Gemuͤhte / daran
die Sinnen entſtehen / dadurch deg Menſchen Lauffen / Wandel /
und alle fein Thun verrichtet wird / daß eine Gebaͤhrerin iſt / Kr
18 Vom dreyfachen Leben Cana,
das giebt. Soll nun ein Gebährerin feyn / fo muß ein Centzum
oder Lebens⸗Circkel feyn / darinnen die Gebährerin ihr Regi⸗
ment nimt: Dann Nichts beweget ſich nicht / da aber eine Bea
wegung iſt / die alles geben beweget / fo muß das nicht ſrembde
feyn / fintemahl es in.allen Dingen fein Geift und Leben iſt /
inden wachfenden ud Stummen fo wolalsinden Lebendigen.
2. Nicht lag dich bethören die Gleißner / die nur Hiſtorien⸗
Gelehrte find/ und prangen einher mit frembden Sprachen /
und wollen damit geehret ſeyn / welche fie doch nicht in dem wenig⸗
fen verſtehen; fie verfteyen nicht ihre Mutter Sprache / (inder
Mutter Sprache erkennet man die Natur) verftünden fiedie
recht / und die Geifter der Buchftaben / fo erkenneten ſie darin⸗
sen die Natur. |
3. Es ift eine Hoffart die dir das ficchen verbeut / auff daß du
nicht findeft / und fie (die Hoffart dagegen in ihrem gefröneten
Hüttlein) möge als eine folge Sram überden Wundern GOt—
tes schweben / denn alſo wiles der Teuffel haben / dag er nichters
kant werde / fie find blinder als die einfältigen Leyen.
4. Wilftu ſuchen / fo Elopffe an / dag dir Die rechte Thür auff⸗
gethan werde / und fische in der Furcht und Liebe GOttes / du
wirft wol finden/ lag dich die Safterung der Hoffärtigen nicht
irren: Dannfo dir die rechte Thür auffgethan wirdt / fo ſieheſtu
wie fie alfo blind find/ ihre Hoffahrthat die Welt geblendet/vag
‚jederman nur auff die Kunſt der Wolredenheit in frembden
Sprachen fiehet / und meinen ſie verſtehens: Alfo regieren fie
über die Seelen der Menfchen / und da doch ihr Wiſſen in eitel
Zweiffelftchet / wie dasan ihrem Gezaͤncke zu ſehen iſt.
5. So fageich noch / esfolleiner feine Seelenicht Menfchenr
der Gleißnerey vertramen/ dann die Seele ftehet nicht in diefer
Welt / fondern im Urkunde des Weſens aller Weſen / und iſt im
Centro des ewigen Bandes / darinnen GOTT / Himmel: und
Höllenzreich ſtehet / und mag / fo fie GOttes Liebe im Liechte er⸗
reichet / (welches. in ihrem Centro wohnet) wohldieewige Na=
tur / darzu GOTT / Himmel- und Höllensreich ſchawen / fie
laſſe ſich nur nicht blenden / es iſt nicht ſchwer / es iſt nur umb die
Wiedergebuhrt aus der Finſternuͤß ins Liecht zu thun / ohne wel⸗
ehr du die Tieffe iin Centro nicht magſterreichen.
6. Sp wir nun wollen vom Centro oder Lebens-Circkel reden /
fo betrachten wir die Gebährerin / dieift das Centrum, undift
Das Wefenaller Wefen. Aus dem ewigen Centro find alle Ding
erbohren / und aus dem Gebohrnen find gefchaffen alle Ding 2
Cap. Des Menfchen. Fi 9
im Weſen find. Und wie wir euch haben den Grund vor geleget/
das im Anfangals im Centro fey gewefen dasewige Wort / und
das Wort ift GOTT / umd der ewige Wille ift daſſelbe Wort:
Dann der ewige GOTT hatvdenfelben Willen in ftch / und iſt fein
Hertze / und nach dvemfelben wiedergefaffeten Willen in dem ewi⸗
gen Batteraller Dingehatdie Gottheit ihren Nahmen / GOTT.
7. Dann wir Finnen nicht fagen / daß GOTT einen Macher
habe / fo hat der Wille auch Einen Mader / denn er machet ſich
von Ewigkeit immer felber / und da es doch Fein machen ift / ſon⸗
dern eine ewige Gebuhrt / das Wort im Vatter / und der Geift/
fo in der Krafft außgehet / ift das Leben der Gottheit.
8. Run fehen wir aber/ das der Zweck im Centro ftehet:
. Dann GOTT ift auch ein gorniger eifferiger GOTT / undein
verzehrend Fewer : und inderfelben Quall ſtehet der Höllen Ab⸗
grundt / und der Zorn und Boßheit aller Teuffel / ſo wol die Gifft
aller Creaturen: Und befindet ſich / daß ohne Gifft und Grimm
kein Leben iſt / und daher uhrkundet ſich die Wiederwertigkeit
aller Streite / und befindet ſich / daß das ſtrengeſte und grimmeſte
das nuͤtzlichſte iſt / denn es machet alle Dinge / und iſt die einige
Urſache der Beweglichkeit und des Lebens.
9. Dann wie forne gemeldet / ſo iſt das ewige Wort / als der
ewige Wille des Vaͤtters der Schoͤpffer aller Dinge: und der
ewige Vatter iſt das Weſen des Willens / darauß das Wort hat
alles geſchaffen. Nun ſind die Eſſentien das Weſen / welche den
Willen urſachen: Dann hie verſtehe. Es ſind zween Willen in
einem Weſen / und verurſachen zwey Principia: Eines iſt die
Siebe / Das ander der Zorn / oder die Quall der Grimmigkeit.
10. Der erfte Wille heiffer nicht GOTT / fondern Natura ;
Der andere Wille heiffet A undO, Anfang und Ende/ von Ewig⸗
keit in Ewigkeit. Und in dem erften Willen wäre die Nafurnicht
offenbahr / der ander machet fie offenbahr / danner ift die Krafft
inder Staͤrcke / und ware einer ohneden ander nichts,
ıı. Weil aber des Vatters Wille ir Ewigkeit der erjteifts
fo ift er auch dieerfte Perfohnin der Dreyzahl / als das Centrum
felber. So ift num dig der Wille oder Centrum , alsnemblich
begehren das Wort oder das: Herze zu gebähren: Dan es iſt
fonft nichts / mag auch nichts ehers genandt werden / als das Bes
gehren im Willen.
12. So gründen wir im fieffen Sinn im Gemuͤhte / und be>
finden daß das Begehren herbe und anzichendift: dann es iſt die
ſtrenge Macht / als nemblich nicht an einem Ende/ fondern —
a
25 Vom dreyfachen Leben Cap.ꝛ.
all / die Weite in Enge / und ſich zu offenbahren / dann in der gan⸗
tzen ih wäre fonft nichts / und erſchien nichts / fondern wäre
ewig ſtille.
13. So zeucht das Begehrenan ſich / und da es doch nichts hat
als ſich ſelber / und das angezogene ift de Begehrens Schwaͤn⸗
gerung/ und machet das Begehren voll / und Das doch nichts iſt
als eine Finſternuͤß / denn das angezogene iſt dicker als der Wil⸗
le / darumb iſt des duͤnnen Willens Finſternuͤß / Dann der Wil⸗
le iſt duͤnne als ein Nichts / und gantz ſtille / aber das Begehren
machet ihn vol, Und daß anziehen im Begehren find die Eflentien
als ein Stachel der Empfindlichkeit / welches wider die Ein⸗
ſchlieſſung ftreitet/ welches dan das Begehren auch nicht inag dul⸗
ven /und zeucht viel heftiger an lich / alfo wird der Stachel groͤſ⸗
fer / und wuͤttet wider das Anziehen / und mag doch auch nicht
darauß kommen / dann das Begehren gebahret ihn / und mag ihn
doch auch nicht] dann es ift eine Feindfchafft/ gleich wie Hitze
und Kalte,
24. So dann das Begehren welchesisfihein Sahnen iſt /
Buch fein Saͤhnen einen ſolchen Wuͤtter erwecket / weicher in
dem ſtillen Willen alfo fticht / fo wird das Saͤhnen alfo herbe und
ſtrenge anziehend den Stachel zu halten von welchem er / alsein
Leben der Ruͤgung / Beweglichkeit giebt: In welchen Das Saͤh⸗
nen den erſten Schrack des Zittern bekomt / Davon eine wider⸗
wertige Angſt entſtehet / dann in der Angſt des Saͤhnens im har⸗
ten Anziehen / urſachet ſich die ſtrenge Kälte / und das Ziehen iſt
ihr herber bitter Stachel / alſo daß es eine erſchroͤckliche ſtrenge
Macht giebt / welches der Stachel nicht mag dulden / und wil
uͤber auß reiſſen / und kan doch auch nicht / dann er wird von ſei⸗
ner eigenen Mutter / die ihn gebaͤhret / gehalten: und ſo er dan
nicht kan uͤber ſich außreiſſen / ſo wird er draͤhend als ein Radt /
und zerſprenget die Herbigkeit / davon die Eſſentien der Viel⸗
heit entſtehen.
15. Und das iſt das rechte Centrum: Dann in dem Rade ent⸗
ſtehet die Natur der Beweglichteit und der Eſſentien, und iſt ein
Bandt des Geiſtes / wiewol ohne Fuͤhlung oder Verſtand / ſon⸗
dern heiſſet in dieſer Geſtalt nur bloß das Ceottum, dann es iſt
des Lebens⸗Circkel / was das Begehren aus der ſtillen Weite in
eine Enge geſchloſſen hat / und wiewol es nicht umbfaßlig iſt / ſon⸗
dern uͤberall alſo nur Geiſt und Geſtalte der Natur.
16. So dann nun der Wuͤtter alſo ein ſtachlichtes bitters Rad
is der herben Kälte machet / fo iſt das Centrum alſo |
gleich
Zap.2. des Menfchen. ts
gleich einer großen Angſt / da immer das geben zerbrochen / und
durch die Eflenrien auch auffolche Arth erbawet wird / und gleis
‚het lich dem Leben und Tode.
17. Die Philofophi und hohen Natur-Fündiger ſchreiben / wie
daß die Natur in dreyen Dingen beftehe / algin Sulphure, Mer-
eurio und Sale. Es iftgar recht / aber der Einfältige wird da⸗
rinnen nichts verftehen/ und wiewohl es den Weiſen ift offen ges
ſtanden in der Begreifflichkeit / ſo verſtehet doch itzt der wenigſte
Theil das Centrum, ſondern habens in der Hiſtorien / gleich
wie auch die Theologiam von der Apoſtel Munde / welche alſo
itzund auch nur als eine Hiſtoria gehet ohne Krafft und leben⸗
digen Geiſt / welcher bey ven Apoſteln geweſen iſt / wie es ihr
Zanck⸗ buchſtabe und Mund⸗geſchrey eröffnet / und fie uͤber⸗
zeuget.
18. So wir dann aus Goͤttlicher Gnaden das Liecht errei⸗
chen / und das Centrum moͤgen erkennen / welches unſers Le⸗
bens Gebuhrt iſt / ſo haben wir Macht das anzuzeigen / was in
den dreyen Worten Sulphur, Mercurius und Sal begriffen uud
verſtanden wird: Nicht dag wir der Unwiſſenden Blindheit das
nit fpotten / fondern als ein Chrift ihnen das Liecht gerne goͤn⸗
sen und zeigen wollen. Und ob unſere Rede zwar gar einfäls
tig erſcheinet / fo ift doch unfer Erkaͤntnuͤß Sinn und Br>
griff gartieff/ darff fich derhalben Eeiner an der Einfältigen
Dede ärgern / als haͤtten wir nicht den tieffen Begriff / er leſe
ces aur mit rechtem Ernſte / und dencke ihme in GOttesfurcht
ernſtlich nach / er wird wohl finden weß Geiſtes Kind wir ge⸗
weſen ſind in unſerm auffſchreiben / wir wollen ihn trewlich vor
den Spoͤttern und Gleißnern gewarnet haben.
19. Wie bemeldet vom Sulphure, ſo heißet das Centrum bil⸗
Tig Phur,foaber das Liecht erbohren wird / ſo heiſſet das ſcheinende
Liecht aus dem Phur, Sul ‚denn es iſt feine Seele / als wie ich von
dem finſtern Centro, darinnen das Goͤttliche Liecht erbohren
wird / rede / alſo auch von der Natur / wiewohl es eines iſt / muͤſ⸗
fen aber alſo reden / ob wir dem Leſer möchten in Sinu bringen/
daß er ſein Gemuͤth zum Liechte aneigene / und es alſo empfahe.
20. Dann dieſe zwo Geſtalten / als herbe / kalt und bitter
Stachlicht / welche ſich in dem ewigen Willen durch das Saͤh⸗
nen gebaͤhren / halten das Centrum , und machen das Rad der
Effentien, darinnen die Sinnen / und auch Die Fuͤhlung der
Beweglichkeit immer und Ewig entſtehet.
a2, Run ſtehen dieſe beyde Geſtaͤlte in ſehr großer er a
icher
23 Bom dreyfachen Leben Capre
licher Angſt in ſich ſelber / außer den andern Geſtaͤlten / welche
aus ihnen erbohren werden. Dan die Herbigkeit gleichet ſich den
harten Steinen / und der Stachel des Anziehens iſt der Her—
bigkeit Zerbrecher / alfo gehets als cin Rad / und heißet billich
Phur, wie das die Natur-Sprache inder Sylbe gibt.
22. So dan die zwo Geftälte alfo erſchroͤcklich in fich genen
in dem Willen / und den Willen in der Finſternuͤß halten/ fo
mag er nicht gefangen ſeyn / dann fein eigen Hecht ift / ſanfft
und ſtille ſeyn; und daſſelbe mag er auch inden zweyen Geſtaͤl⸗
ten nicht verliehren / dan er iſt unfaßlich / und da er doch in den
zweyen Geſtalien ſeyn muß / und wohnet indem Stachel / und
iſt fein Blitz; denn die zwo Geſtaͤlte find in ſich ſelber Finſter /
und der Wille nicht / dan er iſt in ſich ſelber Frey; aber die zwo
Geftalten nehmen ihn in ihre Eigenſchafft / dann er iſt ihr Vat⸗
ter / und ſchaͤrffet ſich in ihren Eigenſchafften / daß er in ſich
ſelber als ein Blitz erſcheinet.
23. Dan Herbe machet finſter / und der bittere Stachel im
Rade zerſprenget die Finſternuͤß. Alſo erſcheinet des ſtillen
Willens Freyheit in dem Rade in der Wirrung als ein Feuer⸗
Blitz: Dann von der Herbigkeit ſchaͤrffet er ſich alſo / daß er
alſo ſtreng wird / denn es iſt gleich / als wuͤrden Stein und
Stahl in einander gerieben / daß es Fewer gaͤbe.
24. Dan zwey Dinge werden mit dem Feuer verſtanden / alß
die Freyheit außer der Natur / und die Strengigkeit der Natur /
als ihr ein Exempelaneinem Steine habet / Daraus man Feuer
ſchlaͤget; Dann ſo man auff des Steines Schaͤrffe ſchlaͤget / ſo
ſchaͤrffet ſich der bitter Stachel der Natur / und wird auffs hoͤch⸗
ſte ergrinmmet / dan die Natur wird in der Schaͤrſſe zerſpren⸗
get/ daß die Freyheit erfcheinet alß ein Blitz: Und das fehet
ihr an dem daß es wahr ſey: Dan fo bald als Die Freyheit er=
ſcheinet / fo verzehret ftedie Finſternuͤß / und daher iſt GOttes
Des Vatters Schaͤrffe ein verzehrend Feuer. Dan fo bald. der
Blitz in der Schärffe etwas ergreiffet / daß da wefentlich iſt /
— verzehret ers augenblicklich / daß alſo keine Natur mehr da
bleibet.
25. Und daß der Blitz alſo geſchwinde verliſchet / entſtehet
Daher / daß ihn die Schaͤrffe nicht halten kan / dan er iſt von
der Natur frey / und wird nur in der Zerſprengung erſehen.
26. Und geben euch dieſes zu verſtehen / daß dieſe Freyheit
auſſer der Natur ſey GOTT der Vatter / und die Natur wird.
alſo in ihme erbohren / daß er alſo iſt ein Allmächtiger der Na⸗
tur?
J
3
Sup. 2. des Menſchen. 23
tur / gleich wie deß Menſchen Gemuͤhte uͤber die Sinnen:
Dann es hat alles einen Urkundt / wie wir euch hernach zeigen
wollen.
27. Ferner vonder Gebuhrt der Natur / geben wir euch dies
ſes zu verfichen / aber alß n Bleihnüß: So der Blig in der
herben Angft fo erſcheinet / fo iſt es ein fehr groſſer Schrack/
welchen die Herbigkeit faͤnget / und viel ſehrer erfchrechets denn
ihr finſter Recht im herben Todte wird augenblicklich ertoͤdtet /
dag ſie ihr ſtreng recht verleuret / und zuruͤck ſincket und kan
nicht mehr alſo ſtrenge anziehen: Auch ſo gehet der Blitz gerade
durch den Stachel der Wuͤtterey des draͤhenden Rades / da denn
der Stachel muß zu beiden Seiten ſich außgeben / und der Blitz
faͤhret mitten durch: Alſo wird aus dem Rade ein Creutz / und kan
ſich nicht mehr draͤhen / ſondern ſtehet zitternd in der ſcharffen
Macht des Willens der ewigen Freyheit / welcher iſt GOTT
der Vatter.
28. So nun die ſtrenge Herbigkeit den Blitz der Freyheit hat
gefangen / daß ſie ihr Recht verleuret / ſo iſt die vierdte Geſtalt
gebehren / als der Saltz-Geiſt / denn die grimme Hartigkeit
wird vom Feuer und Schrad weich / und behält doch feine
Schaͤrffe: Alfo ift diefe Geftalt gleich als ein fcharffer Waſſer⸗
Geiſt / und der Blitz als der Schrack iſt die dritte Geftalt / ver
macht in ſich ſelber in der herben ertoͤdteten Angſt einen Schwe⸗
fel-Geift.
29. Denn fo die ftrenge Herbigkeitihr erft duͤrres Recht vtt⸗
leuret / ſo ſoll ſte ſanfft ſeyn / und kan doch nicht / dann fie ift
ſchrecklich ſcharff / und alhie iſt das Ziehl des ewigen Todes: denn
das Begehren aus dem freyen Willen mag nicht mehr alſo zie⸗
hen / denn es ſtehet in der Angſt deß Schracks / und behaͤlt doch
ſein Recht im ziehen:
30. Dann eine jede Angſt hat Willen auß der Quaal auszu⸗
gehen. Und das iſt der Angft natürlich Recht / aus ſich auss
treiben / und da espohnichtfan/ fondern die Auall wird nur
dardurch ausdehnend und gröffer / wie man das an einem wuͤt⸗
genden ängftlichen Schaden verftchet / da das Glied in den El-
fentien arbeitet / die Quallvonfich zu thun/ und wird in der⸗
ſelben Arbeitder Effentien nur gröffer / amd blaͤhet fih die Qual
im Schwefel-Geifte nur auf/ je mehr fich die Eflentien wehren?
# geöfler wird das Nadt der Angſt / gebe ich den Sinnen zu bes
enden. *
31. Alſo gebe ich euch zu bedencken die Natur / welches / ſo
ihr
v4 Vom dreyfachen Leben Kap. $)
ihr euch befinnet / nicht koͤnnet wiederreden s dann das iſt in
allen Dingen / und hatfein Gebuhrtsrecht alfo / und ficher die
Natur alfo im Centro in vier Geftalten.
32. Als erftlich im herben ſtrengen Anziehen / das heiſſet
Herbe/ und machet in fich felber fErenge Kalte.
33. Und dann zum andern/ fo ift das zichen fein Stachel)
der wuͤttet in der Herbigkeit/ und zerbricht in der Härtigkeit /
und machet das Radt der unzahlbaren Eſſentien, darinnen die
Runder erbohren werden.
34. Aber der Blitz der Freyheit des ewigen Willens / wel:
cher ſich in der Herbigkeit ſchaͤrffet / und ein verzehrend Feuer
wird / bricht ihme fein Radt / in deme er als ein Blitz augen⸗
blicklich durchdringet / und erſchrecket ſeine Mutter als die Her⸗
bigkeit / welche ihr hartes Recht verleuret / und in eine Schaͤrffe
gleich Dem Saltze genaturet wird: und in dieſer Schaͤrffe vers
leuret der Stachel auch ſein eigen Recht / und wird bitter / dann
er hat zwey Geſtalten in ſich / als Wuͤtten / und auch den Feuer⸗
Blitz: Die vergleichen ſich dem Schwefel / und iſt die Macht
des Feuers Anzuͤndunge / dann des Fewers Quaal ſtehet dar⸗
innen.
35. So verfichet uns nun recht: der Feuer-Blitz aus der
Schärffe macht die dritte Geftalt in ver Natur: Dann er ma⸗
chet in der Herbigkeit und aus den Wütter den bittern Stachel
in der Herben Angft einen Schwefel-Geift / indem der Blitz ſte⸗
het / und ift die Seele oder das ewige Leben der 4. Geftalten.
Dann bie Angft macht wieder in fich felber ein Begehren ausder
Angſt zuflichen/ und da doch nichtsift dag fliehen mag: ſon⸗
dern alfo iſts im Centro , und heiffet alhier nicht muchr das Cen-
ttum.
36. Die vierdte Geftalt ift Die Berwandlung der harten
Herbigfeit/ als ver Schrad des Blitzes die finftere Herbig⸗
keit erſchrecket / da fie weich und wie Todt überwunden wird/ da
fie zu Sal wird / und behält doc das Necht desherben Anzichens,
37. Alfoheiffen die 4. Geſtalten der Natur jet nicht mehr
das Centrum , ob fic gleich das Centrum in ftch in ihrem Urkun⸗
we haben / fondern Sulphur, Mercurius und Sah: Denn der
Schwefel⸗Geiſt iſt die Seeleder 4. Geftalten/ denn er hat das
Feuet in ſich / und die Angſt machet einen andern Willen in
ech} alſo daß die 4. Geftalten einen eigen Willen in fich felber
haben/ der ihr eigen iſt. Dann derfelbe Wille ift aus den vier
Geſtalten über quszufliehen über die Natur / und Div Matur im
Feuer
1,
—
Andeutung der Titul⸗ Sig fiber das
Dreyfache Leben.
ed" jedes Werck gibt an feiner Beftalt / Weſen / und Eigen⸗
ſchafft den Verſtand und die Tugend ſeines Machers zu er⸗
kennen wann man nun das groſſe Wunder⸗ gebaͤn des ſichtbaren
Himmels und der Erden anſchauet / Ahre Bewegungen betrachtet?
die wancherley Wurckligkeiten ihrer Kräfften for ſchet / und die Un⸗
terſchiedligkeit der Creaturen Coͤrper erweget / wie fie hart / weich /
grob und ſubtil / finſter und glaͤntzend / dick und klar / ſchwer und
leicht find; So findet man die zweyfache Mutter der Offenbah⸗
rung GOttes / die Finfternůß und das Licht / welche ſich aus allen
ihren Kraͤfften und verſtegelten Wundern außgehaucht / und mit
dem Firmament / Sternen / Llementen / und allen ſichtbaren
Begreifflichen Creaturen zugleich gebildet / da Le iR und Todf
Gutes und Boͤſes in jedem Dinge beyſammen iſt. Das iſt das
dritte der zweyer verborgenen Leben; und heifft 5 Zeit im Streit
der Eitelkeit.
Hier klidt die Weiß heit / in welcher der Heil. Geiſt die Goͤtt⸗
fiche Kräfte und Bilorüffen ver Engel und Menfisen eröffnet /
allenthalben / durch Sonn / Mond / und Sternen / durch Geld) Sile
ber/ Ertz / Edelgeſteine / durch ſchoͤne Farben und Geruch / ja durch
alles gute Theil in allen Creaturen; ſonderlich den Menſchen im
Verſtande / Liebe / Gerechtigkeit / Wohlthat / Sanfftmuth / Keuſch⸗
heit) Erkaͤntnuͤß GOttes / Zucht / Kunſt und Tugend.
Sier offenbahret ſich zugleich der Hoͤllen Eigenſchafft und Fin⸗
fernüg durch Kaͤlte / HärtelErde] Steine] Schwaͤrtze / Gift und
Stand in allen Creaturen; am Menfchen in Bogheit/ Haß /
— Zorn / Unzucht / Gottloſigkeit / Frevel / Dummheit und
aſter.
Alſo ſtehet dieſe Welt im vermengten Leben der Zeit zwiſchen
Licht und Finernuͤß / als ein wuͤrcklicher Spiegel der beyden }
darinn die Wunder der EwigfeitinGeftalt ver Zeit durchs Wort
offenbahr werden wie Johannes meldet. Alle Dinge ſind durch
daſſelbe gemacht / und ohne daſſelbe iſt nichts gemacht was
gemacht tft.
Wie deſſen tieffe Erklaͤrung im Goͤttlichen Licht
| zu fehen
In die ſem Buch vom Dreyfachen Leben.
Eap. x. v. x6. c. 3. v. 2. 3. 40. cap. 4. v. 40. 43. 44. c. 5 v. 15.18.
39. 30 40. 41. 42. 44. 45.49: 50, 56. biß 60. 80. bif, 84. 92.
iP-) e
94.99.09. 100.103. 204. 205. 16. 110, 113. 114. 115. 123.
8.6.0. 54. 56, 59.615 62. 6.7.0. 20.23. 24. 43. 44:45. 40:47.
48. 0.8. 0.2.23. c.9. 2.6. 40. biß an zıı. zum Ende. c. x
v. 29. 31. 32. 33. 34.0. 11. v. 2.bifxı.13.15.
Und folgends
In den Drey Principien alle Loca die deffen Tituldafelbft
expliciren/Fönnen hier auch angezogen werden.
Weiter
x. Theil der Menfchwerdung ChHrifti. Cap. x. v. 6.10. 11.
22,6: 2392.3:5.0.8 (43:0, 17, 72. 274
2. Theil der Menſchwerdung Chriffi. Eap. 8.0. 13.
3. Theil der Menſchwerdung Chrifti. Cap. 5. v. 8.9.0.7. dır.
Teftament Chrifti von der Tauffe. Cap. 3. v. 14.
Die Druckfehler in diefem Buche des Drenfachen
gchens find diefe :
Foliozr. Linea 28. für wie vor / lieſe wir führen.
F. 098 L.
#,- 'zor, L.
F. zo. L.
F, 204. L.
©. 205. L.
— L1.
36. für leiblich / lieſe bleiblich.
23. fuͤr wir ihme / lieſe wir in ihme.
3. fuͤr ſagen / lieſe ſie ſagen. ꝛc.
1. dele das.
zr. nachdem Feuer⸗leben / adde( :)
12. nach dem Wort gußgehet adde (/)
I)
HM:
MN)
Hohe und tieffe Gruͤnde
Von dem
Dyxeyfachen Oeben
des Menfchen / nach dem Ges
heimnüß der dreyen Principien
Goͤttlicher Offenbahrung.
Geſchrieben nach Göttlicher Erleuchtung
durch
jacos BöuMmen, ſonſten Teutonicus
genandt / im Jahr 1620.
Zu Amſterdam
Gedruckt im Jahr Chriſti — J—
2
—
WABH AND PRINTED
IM HOLKAND
MYSTERIUM MAGNUM,
Oder
Erklaͤrung über das Erfte Buch Mofist
Von der Offenbahrung Göttlichen Worts
durch die drey Principia Goͤttliches Weſens
auch vom Urſprung der Welt und der
Schoͤpffung.
Darinnen
Das Reich der Natur! un
Das Meich der Gnaden ertlaͤret wird.
Zu mehrerm Derflande
des Alten und Neuen Zeftaments / was Adam
und Chriftus fey : und wie ſich der Menſch im Liecht
der Natur felber erkennen und betrachten foll/ waser
fey/ und worinnen fein Zeitlihes und Ewiges
geben / auch feine Seeligkeit und Berdam⸗
nuͤß ſtehe.
Eine Erklaͤrung des Weſens aller Weſen: dem Lieb⸗
haber in Goͤttlicher Babe weiter nach zuſinnen.
Beſchrieben durch
Jatcose"BömMe,
fonft genant
Teutenicus Philofophus.
2
an
su — *
KB LES"
au Anfterdam |
Gedruckt im Jahr Chriſti 2682,
—
REEL WILL ORT TIER —9*—
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2 £nınmwir beirschten die ſichtbare
11 Delt mit ihrem Weſen / und be:
ſtrachten Das Leben. Der, Creatu⸗
Fren »forfinpen: wir darinuen das
GSleiccuüß der unſichtbaren geiſt⸗
a lichen Welt / welche in der ſicht⸗
baren Welt verborgen iſt / wie
die Seeleam Leibe/ und ſehen
daran / daſtder verborgene GOtt
allem nahe und durch alles iſt /
N id dem ſichtbaren Weſen doch
gautz verborgen.
2. Ein Exenpel haben: mtr an des Menſchen Gemuͤhte /
welches ein unſichtbahres Feuer iſt / das zu Lecht und Fin⸗
ſternuͤß / als zu Freude und Leid geneiget iſt / and iſt an ſich
ſelber doch derſelben keines: Sondern iſt nur eine Urſach
darzu Ken unſicht bahr ungreifliches: Quaͤl⸗ fewer / und doch
nach ſeinem eigenen Weſen in nichts geſchloſſen / als unur
allein in den Willen des Lebens.
3. Der Leib kan das Gemuͤht nicht begreiffen / aber das
Gemuͤht begreifft den Leib / und führer ihn zu Lieb und. Leyd:
alſo auch von GOttes Wort und Krafft zu verſtehen iſt /
welches den ſichtbaren empfindlichen Slementen verborgen
iſt / und doch Durch und in den. Elementen wohnet / und
durch das empfindliche Leben und Weſen wuͤrcket / wie das
Gemuͤhte im Leibe.
4. Damn die ſicht baren empfindlichen Dinge ſind ein We⸗
ſen des unſichtbaren von dem unſichtichen anbegreiffiihen
iſt kommen das ſichtbare begreifliche : von dem Außſprechen
oder Außhauchen der unſichtbaren Krafft iſt worden das
ſichtbare Weſen: das unfüchtbaregeiftliche Wort der Soͤttli⸗
chen Krafft wuͤrcket mit und durch das ſichtbare Weſen / wie
die Seele mit und durch den Leib.
5. Der innere geiſtliche Seelen⸗Menſch iſt Durch das £in-
ſprechen oder £inblafin yon unſtchtbaren Worte der
{
2 GSoͤtt⸗
U BIONREDE m:
Böttlichen Rräfftein dns ſicht bare Bilde eingefprochen wor»
den / Dem gefihaffenen Bilde zum Verſtande / darmen Des
- Menfchen Wiflenfchafft und Erkaͤndtnuͤß des unſichtbaren
amd ſichtbaren Weſens ſtehet.
6. Alſo hat nun der Menſch den Gewalt von dem unſicht⸗
baren Worte GOttes empfangen zum wiederaußſprechen /
Daß er das verborgene Wort der Goͤttlichen Scieng wieder in
Formungen und Schiedligkeit ausfpricht / auff Art der zeit⸗
lichen Creaturen / und daſſelbe geiſtliche Dorf bilver nach
ven lebhaften und wachfenden Dingen / Dadurch Die unficht-
bare Weißheit GOttes mit dieſer Bildung in ſchiedliche For⸗
nungen gemodelt wird / wie folches vor Augen iſt / DaB der
menſchliche Verſtand alle Aräffte in ihrer Eigenſchafft aus»
ſpricht / und allen Dingen Namen giebet / nach jedes Din⸗
ges Eigenſchafft / durch welches die verborgene Weißheit in
ihrer Krafft erkant und verſtanden wird / und der verborge⸗
ne BOTT mir den ſichtbaren Dingen offenbar wird / Sum
Spiel der Böttlichen Krafft/ daß das Umichtbare mit dem
Sichtbaren fpiele/ und fich Darinnen in Empfindligkeit und
Findligkeit feiner felber einführe.
7. Öleich wie fich das Gemuͤhte mit dem Leib und durch
ven Seibin Sinnen und Gedancken einführer / Dadurch es
wuͤrcket und fich empfindlich macht: Ayo auch die unjicht-
bare Welt / Durch die fichtbare und mir der fichtbaren / und
iſt uns nicht einfolches zu dencken / als Eönte man die vers
borgene Göttliche Welt nicht ergründen / was fie ſey / und
was ihr Wuͤrcken und Wegen ſey Dan an dem fichebaren We⸗
fen der Creation fehen wir eine Figur der Innern geiſtlichen
Wuͤrckung der Rrafft-welt.
8. Und follen von BD TT anders nicht dencken / als Daß
er der inwendigſte Brumd aller Weſen fey/ und Doch alſo / daß
er von keinem Dinge mag ergriffen werden / auß des Dinges
eigener Gewalt: fondern rote ſich De Sonne mit ihrem Liechte
und Krafft in die empfindlichen lebhafften Dinge einführet/
und mit aͤllen Dingenwuͤrcket / und ſich darinnen mit in ein
Weſen einfuhret: alfoauchvom Goͤttlichen Worte zu ver⸗
ſtehen iſt / mit dem Leben der Creaturen.
9. Weil dann dieſe ſichtbare Welt das ausgeſprochene ge⸗
formbte Wort nach GOttes Liebe und Zorn / als nach den
Myſterio Magno der ewigen geiſtlichen Natur iſt / welche geiſt⸗
liche Welt in der ſichtbaren verborgen iſt / und aber die
mind
BOoRREDE —
menſchliche Seele ein Funcke sus dem ewig⸗ſprechenden
Worte der GöstlichenScieng und Krafft iſt / und der Keib ein
Ens der Sternen und Elementen / jo wohl nach dem inner:
Srunde / ein Eusdes Himmels als der verborgenen Welt / fo
has er Macht von dem Myſterio Magno zu reden / Daraus alle
Weſen ind entſtanden.
10. So uns dan die groſſe Mylteria, aller Dingen Anfang
und Urſtand durch Goͤttliche Gnade entgegnen:: daß wir
dieſelben in wahrer Srkaͤntnuͤß mit Dem eingeſprochenen
Worte der Goͤttlichen Scieng / als Durch. den Grund der Sees
len verstehen mögen/ fo wollen wir deſſen Brund / ſo vielals
uns äugelaflen iſt / in dieſem Buche ausfchreiben / uns ſelber
zu einem Memorial / und dem Leſer dieſes zur Ubung Goͤtt⸗
licher Erkaͤntnuͤß.
ır. Und wollen andeuten x. was das Centrum und Grund
aller Weſen ſey / 2. was die Goͤttliche Offenbahrung durchs
Sprechen des Worts GOttes ſey / 3. wie Boͤſes und Gutes
aus einem einigen Grunde urſtaͤnde / als Liecht und Finſter⸗
nuͤß / Leben und Tod / Freude und Leyd / und wie das in ſei⸗
nen Grunde ſey / auch wozu jedes Weſen und Ousalnuse
und unvermeydlich ſey / 4. und wie alle Dinge ihren Grund
vom Mylßer:o Magno, als vom Aushauchen des ewigen Si⸗
nenhaben/ 5. wie jid) das ewige Eine in Empfindligkeie/
Findligkelt / Schiedligkeit zu ferner ſelbeſt Scieng / und zum
Spiel der. ewigen Krafft einführe/ 6. wie man 3u wahrer
Erkaͤntnuß Gottes / und zum Lrkaͤntnuͤß der ewigen und zeit⸗
lichen Natur kommen moͤge / 7. Item / wie man in wahre
Beſchauligkeit des Weſens aller Weſen kommen moͤge: 8.
Item / von der Schoͤpfung der Welt und aller Creaturen / 9.
und dan von des Menſchen Urſtand / Fall und Wiederbrin⸗
gung / was er mach dem erſten Adamiſchen Menſchen Im
Reiche der Natur ſey / und was er in Der neuen Wiedergebuhrt
im Reiche der Gnaden ſey / und wie die neue Wiedergebuhrt
geſchehe: 10. Auch was das alte und neue Teſtament ein je⸗
des in einem Verſtand ſey.
12. Und wollen ſolche Erklärung durch alle Capittel des
erſten Buchs Moyſts ausfuͤhren und andeuten / wie das alte
Teſtament eine Figur des Neuen ſey. Was bey den Geſchich⸗
ten der H. Ertzvatter zu verſtehen ſey / warumb ſie der Geiſt
GoOttes in Moſe auffſchreiben laſſen / worauff die Figuren.
dieſer auffgeſchriebenen Hiſtorien ſehen / und wie der Geiſt
—— GOttes
2 3
ÜVIRTWEDE
Bottesinjäinen Rindern vor Chriſti Zeiten in der Figur
vom Reiche Chriſtamit ihnen geſpielet habe / da ihme dans
allezeit hat GO TEdiefen Gnaden⸗ Thron Chriſtum / durch
weichen er wolte ſeinen Zorn tilgen / und Die Gnade offeuba⸗
ren / fuͤrgeſtellet
13. Und wie die gande Zeit dieſer Welt/ als wie in einem
Uhrwercke ſey fuͤrgebildet worden) wie es hernach in der Zeit
ergehen werde / und was die inner geiſtliche Welt / und danm
die aͤuſſer materialiſche Welt ſey / jo wohl der mner geiſtliche
Menſch/ und demn Der aͤuſſere von dieſer Welt⸗weſen / wie:
Zeit und Swigkeit in einander rd / Und wie man das alles
verſtehen koͤnne.
24. Ob ſichs nun zutruͤge / daß dieſe un ere Schrifften ge⸗
leſen wuͤrden / und von dem Leſer dieſes nicht moͤchte balde
ergriffen und verſtunden werden; Weil ſolcher Grund (wel⸗
cher doch Durch das Liecht der Natur / ſo wohl mit der Schrift
gantz einſtimmet und gegruͤndet it) bißher ein lange Zeit
faſt duntkel geweſen iſt / und aber durch Goͤtthehe Gnade:
der Albern Linfaltigogeben wird: So wolle der Leſer ſolches
meht nach der boͤſen delt Brauch verwerffen / ſondern auff
den Grund der Prattica, fo darinnen angedrutet / ſehen/ und
ſich darzu begeben / und GOTR umb Liecht und Verſtand
birten. So wird er endlich unſern Grund wohl vergehen?
und ihme ſehr lieb und angenehm ſeyn undwerden.
15. Aber den Stoltzen und vorhin Klugen / und doch
nichts wiſſenden / welcher Bauch ihr Gott iſt / welche al⸗
lein am Thiere der Babyloniſchen Huren hangen / und ſich
von ihrem Gift traͤncken / und muhtwillig in Blindheit und
indes’ Teuffels Fiſchhamen ſeyn wollen / haben wir nichts
geſchrieben: ſondern haben ein feſtes Schloß für den Ver⸗
ſtand der Thoͤrheit mit dem Geiſte unſerer Erkaͤndtnuͤß da⸗
für geleget / unſern Stun nicht a1 ergreiffen / dan ſie deß
auch nicht wehrt find / weil fie muhtwillig dent: Sathan
dienen wollen / und nicht GOttes Kinder ſind
16. Und wollen aber den Kindern Gottes klar und gruͤnd⸗
lich verſtanden ſeyn / und hertzlich gern unſere uns von
GOTT. gegebette Srkaͤntnuͤß mitte theilen: weil die Zeit
ſolcher Offenbahrung gebohren iſt. So mag ein jeder ſehen
was er richtet / es wird ein jeder einen Lohn davon haben:
und empfehlen ihn in die Gnade der ſanfften Liebe IEſu
CEGriſtic Amen
Anno 1623. den 11. Septemb; D®
—
N, *
—
Cap. r ER, ;
DE
MYSTERIO MAGNO,
Das iſt:
Bon der Offenbarung &öttlichen. " ar »
Workts / durch die drey Principia
Goͤttliches Weſens. |
Das ı. Capittel.
Was der geofenbahrte GOtt ſey ———
der Dreyheit.
Eñ wir wollen die neue Gebuhrt
N ae N was ſie iſt / und wie
ſie geſchehe: So muͤſſen win
Erſtlich wiſſen / was der Menſch
AR) if! und wie er GOttes Bilde
7E iſt Aund wie die Göttliche In⸗
Nwohne ſey; Auch was der ges
offenbahrte GOtt ſey / deſſen der
Menſch ein Bilde iſt.
9% N 2. Wennidybetrachte: was
ZN GoOtt iſt / ſo ſage ich: ER >
III Eine gegen der, Ereafur / ala | g Ka 3
ein ewig? — hat weder 2%,
Grund / Anfang nochStaͤtte; un beſitzet nichts / als nur ſich Dee 8 ir
See EN
Er iſt der Wille des Ungrundes / Er ift in fich felbernur Eines«
Er kedarff keinen Raum noch Ort: Ergebähretvon Ewigkeit ir
Ewigkeit fich felber in ſich: Er iſt feinem Dinge gleich oder Sons}
licch / und hat feinen —— Ort da Er wohne: Die ewige
Weisheit oder Verſtand iſt feine Bohne : Er ift der Willeder
Weißheit /die Weißheit iſt ſeine Offenbahrung.
3. In dieſer ewigen Gebaͤhrung ſind uns drey Dinge zur ver⸗
ſtehen: Als 1. Ein ewiger Wille. 2. Ein ewig Gemüthe des
Willens. 3. Der Außgang vom Willen und Gemuͤthe / welcher
ein Geiſt des Willens und Gemuͤthes ift,
A 4 4.20
3 Wander geoffenbahrte Hottfenise. Cap. 1.
4. Der Wille ift Batter: Das Gemuͤthe ift Das gefaffete des
Willens / alsdes Willens Sitz oder Wohnung / oder das Ceh-
rum zum Etwas/und iſt des Willens Here : Und der Außgang
vom Willen und Gemüthe ift die Kraft und der Geift.
af — 5. Dieſer dreyfache Geiſt iſt ein einig Weſen / und da Er doch
— Fein Weſen iſt / ſondern der ewige Verſtand: Ein Urſtand des
weh Ichts/umdift doch die ewige Verdorgenheit / gleih wieder Bere,
und Fand des Meuſchen nicht faplich oder in Zeit und Stätte iſt /
ſondern iſt felber feine Faͤßligkeit und Sit / und das Außgehen
des Geiftes ift die ewige urſtaͤndliche Befchauligkeit /als eine
Zuſt des Geiftes.
6. Das Außgegangene heift die Luſt der Gottheit/ oder die:
ewige Weißheit / welche ift der ewige Urſtand aller Kräffte/ Far-
Ben und Tugenden / durch welche der dreyfache Geiſt in dieſer Luſt
begehrende wird / als nemlich der Krafft / Farben und Zugenden /
und fein Begehren iſt ein impreſſen / ein ſich ſelber faſſen: Der-
Wille faſſet die Weißheit ins Gemuͤthe / und das Gefaſſete im
Verſtaͤnde iſt das ewige Wort aller Farben / Kraͤffte und Zus,
genden: welches der ewige Wille aus dem Verſtande des Ge—
muͤths durch den Geiſt außſpricht.
7. Und daſſelbe Sprechen iſt das Bewegen eder Leben der
Gottheit: Ein Auge des ewigen Sehens / da eine Krafft / Farbe /
and Tugend die andere / im Unterſcheid / exkennet / und ſtehen aber
alle in gleicher Eigenſchafft ohne Gewicht / Ziel / oder Maaß /
| auch voneinander ungetrennet. Alle Kraͤffte Farben und Tits
/ genden / liegen in einer / und iſt eine unterſchiedliche in einander
wohl⸗geſtimmete gebaͤhrende Harmoney: Oder wie ichs ſetzen
N moͤchte ein fprechendes Wort / da indem Hort oder Sprechen}
Bar, alle Spraden / Kraͤffte Farben und Tugenden inne liegen / und
mit dem Hallen.oder Sprechen ſich außwickeln / und in ein Ge⸗
ſicht oder Sehen einfuͤhren.
8. Das iſt nun das Auge des Ungrundes | das ewige Chaos,
da alles innen lieget was Ewigkeit und Zeit iſt / und heiſſet Rath /
Kraft / Wunder und Tugend: Deſſen eigendlicher Name
heiſſet GOtt / oder Jehova, oder Jehovah, der iſt auſſer aller,
Natur / auſſer allen Anfaͤngen einiges Weſens / ein in ſich ſelber
wuͤrcken / ſich ſelber gebaͤhren und finden / oder empfinden / ohn
einigerley Quaal von etwas oder durch ẽetwas: Hat weder An⸗
fang noch Ende / iſt ungemeſſen / Fan, mit keiner Zahl in feiner
Weite und Bröffe außgefprochen werden / dann Er ift tieffer
als lich ein Gedancke fhwingen kan = Er iſt nirgend weit von
etwas /
Fap.2. Vom Wort oder Herke Gottes;
etwas / oder nahe ben etwas / Er ift durch Alles und in en -
Sein Gebuhrt iſt uͤberall / und ohn ihn iſt ſonſt nichts: Er iſt
Zeitund Ewigkeit / Grund und Ungrund / und begreiffet ihn doch
nichts als der wahre Verſtand / der iſt GOtt ſelber.
Das 2. Capittel.
Dom Wort oder Hertze GOttes.
I, Jeſes ift sun was S. Johannes faget am x. Capitä -
tel: Im Anfang war das Wort /unddas WWerf£-
war bey GOtt / und GOtt war das Wort / daffela:
be war im Anfang bey GOtt. Das Wort Sn )
iſt der Wille des Ungrundes.: (Anfang ) iR Das.
Faſſen des Willens /da er fich felber faſſet / und in einen Das Fe
Anfang einfünret. Das ( Wort )ift nundas Gefaſſete das im?
Willen ein Nichts iſt und mit dem Faſſen eine Gebaͤhrung —
das war im Anfang beym Willen und im Willen : Aber mit”
es Willens Luſt nimts feinen Anfang in des Willens Faßung/
darumb heiſſets Her& als ein Centrum oder Lebens⸗Circkel/
darinnen der Urftand des ewigen Lebens iſt. *
2. Und Johannes faget weiter : Durch daffelbe ſeynd alle:
Ding gemacht / und ohne daffelbe ift nichts gemacht/ was gemacht
ift. In Ihme war das Sehen / und das geben war das Lecht der
Menfhen. Albier Menfh nim nun daffelbe Schens-Liecht/ das:
im Wort war / und ewig iſt / und befchaue Das Wefen aller We⸗
ſen / und fonderlich dich ſelber / dieweil du des ungründlichen GOt⸗
ies Bilde / Leben und We fen biſt / und cin Gleichnuͤß nach Ihme.
Hie bedencke Zeit und Ewigkeit / Himmel / Hoͤlle und Welt /
Sicht und Finſternuͤß / Pein und Quaal] $cden und Sterben //
Ichts und Nichts: Alhie prüfe dic / ob du das schen und Sicht: -
des Worts in dir haſt / daß du alles ſcehen und verſtehen magſft.
Daun dein Leben iſt im Worte geweſen / und iſt im Bilde (das:
Gott ſchuff) offenbahr worden : Es tft ihme vom Geiſt des
Worts eingeblaſen worden: Nun erheb deinen Verſtand ing:
Sicchte deines Lebens / und beſchaue das geformefe Worf : Bes -
trachte feine innerliche Gebaͤhrung / dann ins Lebens Liecht ſtehet
alles offenbahr.
3. Sprichſtu ich kan nicht / ich bin verderbet: Hoͤre / ſo biſtu J—
auch noch nicht wieder aus Gtt gebohren : Sonſten fa du ER.
daſſelbe Liecht wieder haͤtteſt / ſo Eönteftu. Nu wohlan / wir man⸗
geln wohl alle des Ruhms / den — GOtt haben ISRER
$: 2
306 Bom Wort oder Hertze Gottes Eap.z.
ich wil dir etwas weiſen: Hab nur acht / und faß es / biß nicht
ein Spoͤtter / wie die verwirrte Babel iſt. Siehe / wenn wir wol⸗
ſen von dem Weſen aller Weſen reden / fo ſagen wir / von Gott
und durch GOtt iſt alles. Denn 8 Johamesfagetauch: Ohn
Ihn iſt nichts gemacht was gemacht iſt.
4. Nun ſaget die Bernunfft / woraus / oder wichat GOTT
Gutes und Boͤſes gemacht / Pein und Quaal / Lebenund Tod: Iſt
dañ in GOtt ein ſoſcher Wille der Boͤſes macht ? Alhier hebet die
Vernunfft an zu ſpeculiren / und wil es faſſen / gehet aber nur
under Circkel von auſſen umb / und kan nicht darein / dann ſie
iſt hauſſen / und nicht im Worte des Sehens Circkel.
So ſiehe dich nur ſelber an was du biſt / und fichedie aͤuſſe⸗
re Welt an mit ihrem Regiment / was die iſt: fo wirftu finden/
daß du mit deinem aͤuſſeren Geiſte und Weſen die aͤuſſere Welt
biſt: Du biſt eine kleine Welt aus der groſſen / dein aͤuſſers Liecht
iſt ein Chaos der Sonnen und des Geſtirnes / ſonſt koͤnte ſtu nicht
vom Sonnen⸗Liecht ſehen. Die Sternen geben Eſſentz der Un⸗
terſchiedligkeit im verftändlichen fehen: : Dein Leib iſt Feuer /
460. Lufft / Waͤſſer / Erde: Darinnen liegt auch die metalliſche Eis
genſchafft / denn weſſen die Sonne mit dem Geſtirne ein Geiſt
iſt / deſſen iſt die Erde mit den andern Elementen ein Weſen / ein
coagulirte Krafft: Was das Obere iſt / das iſt auch das Untere/
und alle Creaturen dieſer Welt ſind daſſelbe.
6. Wann ich einen Stein oder Erden-Klumpffen auffhebe
und anſehe / ſo ſehe ich das Obere und das Untere / ja die gantze
Welt darinnen / nur daß an einem jeden Dinge etwan eine Ei⸗
genſchafft die groͤſte iſt / darnach es auch genennet wird. Die au⸗
dere Eigenſchafften liegen alle miteinander auch darinnen / allein
in unterſchiedlichen Graden und Centris, und ſind doch alle Grad
und Centra nur cin einiges Centrum ; es iſt nur ein einige Wur⸗
2, Beldaraus alles herkomt / es fcheidet ſich nur in der compadtion ,
da es coaguliret wird / fein Urſtand iſt als wie ein Rauch oder
Brodem vom groffen Myfterio des auggefprochenen Wortes?
das an allen Orten iin wieder-angfprechen ftehet/ das iſt iur wie⸗
der⸗ außhauchen / ein Gleichnuͤß nach ſich / ein Weſen nach dem
Geiſte.
7. Nun koͤnnen wir aber nicht ſagen: daß die aͤuſſere Welt
BSH Ey / oder das ſprechende Wort / welches im ſich ohne ſolch
art Weſe ũ iſt / fo wohl alich der auffere Menfch nicht / ſondern es iſt
alles nur das außgeſprochtne Wort / das ſich in feinem wieder⸗
ſaffen (zum ſelber ſprechen) alſo cooguliret hat / und noch immer⸗
au lan USDE, — dar
|
Te
{
=
Capz. Bom Wortoder Herhe Gotter. zn
Dar mit den 4. Elementen durch, den Geiſt der Begierde / (ala.
des Geſtirnes) coagnliret/umd in ein ſolch Weben und Leben
einfuͤhret / nach Art und Weiſe wie das ewige ſprechende Wort
ein Myſterium ( welches geiſtlich if ) in ſich macht / welches My-
fterium ich das Centrum der ewigen Natur heiſſe / da ſich das
ewig⸗ ſprechende Wort ir eine Gebaͤhrung einführet/. und auch
eine ſolche geiſtliche Welt in ſich macht / wie wir im außgeſproche⸗
nen Worte cine materialiſche find.
8. Denn ich ſage / die Innere Welt ift der Hummel darinnen
GOtt wohnet / und die aͤuſſere Welt iſt aus: der innern außge⸗
ſprochen / und hat nur einen andern Anfang als die innere / aber
doch aus der innern. Sie iſt aus der innern / (durch Bewegung,
des ewig⸗ſprechenden Wortes) außgeſprochen / und in einen
Anfang und Ende geſetzet. *
g. Und die innere Welt ſtehet in dem ewigen ſprechenden Wort:
Das ewige Wort bat ſie als ein groß Mylterium von Ewigkeit
aus feiner Krafft / Farben un Tugend/(duch- die Weißheit) in ein
Weſen geſprochen:: Welches Weſen auch. nur. als cin. Auß⸗
hauchen vom Wort in der Weißheit iſt / das ſeine Wiederfaßung
zur Gebahrung) in ſich hat / und ſich mit Der Fagung auch co-
aguliret/ und in Formungen einfuͤhret / nach Art der Gebaͤhrung
des ewigen Worts. Wie ſich die Kraͤffte / Farben und Tugenden/
im Wort (durch die Weißhtit) gebaͤhren; oder. wie ich, ſagen
moͤcht / aus der Weißheit im Worte.
20: Darumb iſt nichts vor GOtt Nahe oder weit / eine Welt
iſt in der andern / und find alle nur die einige: Aber eine iſt geiſt
lich / die ander iſt leiblich / gleich wie Leib und Seel in einander iſt/
und auch Zeit und Ewigkeit nur cin Ding iſt / aber in. unter⸗
ſchiedlichen Anfaͤngen. Die geiſtliche Welt in Innern hat einen
ewigen Anfang / und die aͤuſſere einen zeitlichen / eine jede hat ihre
Gebuhrt in ſich / aber das ewig⸗ ſprechende Wort hereſchet durch
alles / und mag doch weder von der geiſtlichen noch aͤuſſern Welt
ergriffen oder gefaſſet werden / daß es ſtille ſtuͤnde / ſondern es
wuͤrcket von Ewigkeit in Ewigkeit / und fein Gewuͤrcke wird ge⸗
ſaſſet. Denn es iſt Das geformte Wort / und das wuͤrckende iſt
inLeben/ und unfaßlich / denn es iſt auſſer allem Woeſen / nur
bloß / als ein Verſtand oder eine Krafft die ſich rn Weſen ein⸗
fuͤhret.
22. In der innorn geiſtlichen Welt faſſet ſich das Wort ine
ein geiſtlich Weſen / als ein einiges Element da ihr 4. darinnen
wrborgen lze gen. Als aher GOtt / als das Wort / hat daſſelbige
16 cinige
AR
—
J
&
N ur .
2 MWieausdenewigen Guten Cap.z-.
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einige Element beweget/ fo haben fich die verborgene Eigen:
ſchafften offenbahret/ als da find 4. Elementa.
Das 3. Eapittel.
Wie ausdem ewigen Guten ein Böfes ift worden, wel⸗
ches im Guten Feinen Anfang zum Böfen hat ; und
von demlirfprung der finftern Welt oder
Hoͤlle / inwelcher die Teuffel
wohnen.
= Odann in deräuffern Welt wird Sicht und Fin⸗
ſternuͤß geſehen / darzu Pein und Quaal/und aber
alles aus dem ewigen Myſterio, als aus der in=-
⸗ nern geiſtlichen Welt herruͤhret / und die innere
RX geiſtliche Welt herruͤhret aus dem ewig⸗gebaͤh⸗
Senden und ſprechenden Worte; ſo iſt uns zu betrachten: Wie⸗
aus dem ewigen Guten ein Boͤſes werde / das in dem Guten doch
Beinen Anfang hat zum Boͤſen: Woher Finſternuͤß / Pein umd-
Quaal entſtehe: Und dann woher in der Finfternüß ein Glantz /
oder Liecht entſtehe.
a. Daͤnn wir koͤnnen nicht fagenz daß das ewige Liecht oder
Die ewige Finſternuͤß geſchaffen ſey / ſonſten wären fie in einer
Zeit / und in einem gefaſſeten Anfange / welches nicht iſt. Denn
ſie ſind mit in der Gebaͤhrung / aber nicht in der Weißheit oder
Gebaͤhrung des Worts der Gottheit: Sondern fie nehmen ih—
zen Urftand in der Begierde des fprechenden Worts.
3. Denn in den ewig⸗ ſprechenden Worte / welches auffer aller-
Natur / oder Anfang / nur der Göttliche Verftand oder Hallift/
Da iſt weder Finfternüß noch Siecht / weder Dickes noch Duͤnnes /
weder Freude noch Leyd / auch keine Empfindligkeit noch Find»
ligkeit / fondern es ift bloß eine Krafft des Berfiandes in einer-
Quaal / Willen und Regiment / es tft ihme weder Freund noch-
Feind / denn esift das ewige Gut/ und nichts mehr.
4. So dañ daſſelbige ewige Gut nicht mag ein unempfindlich
Weſen ſeyn / (denn es wäre ihme nichtalſo ſelber offenbahr/) fo
fuͤhret ſichs in ſich ſelber in eine Luſt ein / zu feinem ſelbſt⸗ ſchauen
oder ſehen / was es ſey / in welcher Luſt die Weißheit ſtehet; und
fo ſich dann die Luſt alſo ſtehet / was ſie iſt / fo fuͤhret ſte ſich in eine
Beglerde ein zu empfinden / was ſie ſey / als zu einer Fuͤhlung des
Geruches / des Geſchmacks / der Farben / Kraͤffte u =
mocte-
? .& D —24 ET
Eap.z. ein dofesiftiworden/isc u
moͤchte doch auch Feine Fuͤhlung in der freyen geiftlichen Luſt ent⸗ —*
ſtehen / wann ſie ſich nicht ſelber in eine Begierde (gleich einem
—
. Denn das Nichts hungert nach dem Etwas / und der Hun⸗
est if die Begierde / als das erſte Verbum Fiat, oder machen
Dann die Begierde hat nichts / das fie Eönte machen / nder-
faffen. Sie faffet fich nur ſelber / und impreſſet fich / das iſt /
ſie coaguliret ſich / fie zeucht ſich in ſich / und faſſet ſich / und fuͤhret
ſich vom Ungrunde in Grund / und beſchattet ſich ſelber mit dem
magnetiſchen Ziehen / daß das Nichts voll wird / und bleibet doch
als ein Nichts / es iſt nur eine Eigenſchafft / als eine Finſternuüß;
das iſt der ewige Urſtand der Finſternuͤß: Denn wo eine Ei⸗
genſchafft iſt / da iſt ſchon etwas / und das Etwas ift nicht als das
Nichts: Es giebet Tunckelheit / es ſey dann dag es mit etwas
anders / (als mit einem Glaſt /) erfuͤllet werde / fo iſts Lechte / und
bleibet doch eine Tunckelheit in der Eigenſchafft.
‘6. In dieſer Coagulation oder Impreſſion, oder Begierde /;
doder Hunger/ wie ichs efwan zum Berftande geben möchte /ift
uns nun mitder Compadtion, oder Zuſammenfaßung / zweyer⸗
ley zu verfichen. 1. Als die freye Luſt / welche sft die Weißheit /
Kraft und Zugendder Farben; und zum II. die Begierde der
freyen Luſt in fich felber. Denn die freye Suft/ als die Weißheit/
ift keine Eigenfchafft / fondern iſt von aller Anneigligkeit frey /
und iſt mit GOtt eins: Aberdie Begierde ift eine Eigenſchafft.
NRun entſtehet aber die Begierde aus ver Luſt / darumb fo faſſet
auch die Begierde e die freye Luſt wit inderCompa&ion im Faffen/
und fuͤhret ſie mit in die Empfindligkeit und Findligkeit ein.
7. Und follet uns aber ja wohl an dieſem Ort recht verftehen =
Die Begierde entſtehet aus dem Willen zur freyen Luſt / und
fuͤhret ſich durch die freye Luſt aus / und in eine Begierde ein / denn
die Begierde iſt des Vatters Eigenſchafft / und die freye Luſt / als
Die Weißheit / des Sohns Eigenſchafft: Wiewohl GOtt / als
der ein Geiſt iſt / alhier an dieſem Ort nicht Vatter oder Sohn
genannt wird / biß zur Offenbahrung durchs Feuer im Liechte/
allda wird er Vatter und Sohn genañnt. Aber zum gruͤndlichen
Verſtande ſetze ichs wegen der Gebuhrt der Natur / dag man.
verſtehe / welcher Perſon in der Gottheit die Natur / und welcher
Be Kraffe i in der Natur zugefohrisben werde,
U 7 Das: |
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A
—*
14 Wie aus dem ewigen Guten Gap. 3.
Ding Centrum der ewigen Natur: Wie ſich der Will
des Ungrundes / in Natur und Geſtaͤltnuͤß
einführe.
8. Fr Begierde aus: den ewigen Willen des Ungrundes iſt
die erste Geſtalt / und iſt das Fiat oder Schuff. Und die
Krafft der freyen Luſt iſt GOtt / der das Schuff fuͤhret / und heiſt
es beydes zuſammen Verbum fiat, das iſt / das ewige Wort / das
daſchaffet da nichts: iſt / und der Urſtand der Natur und aller
Weſen.
B. 9. Die ete Eigenſchafft der Begierde iſt herbe / ſtrenge/
imprefiende/ ſich faſſende / ſich beſchattende / und machet erx ſtlich
die groſſe Finfternügdes Abgrundes: Zum andern macht ſie ſich
weſentlich / nach geiſtlicher Art / gantz rauh / hart und derb / und
iſt eine Urſache Der Kälte und aller Schärffe/ auch. alles: deſſen
was Werfen heiſſet / und iſt der Anfang: der Findligteit / da fich
die freye Luſt ſelber inne findet / und in Beſchauligkeit einfuͤhret:
Abor die Begierde / in ſich ſelber / fuͤhret ſich damit in Pein und
Quaal ein / die freye Luſt aber nuũt nur alſo die Findligkeit an.
J. ro, Die zte Geſtalt oder Eigeuſchafft iſt das Einziehen
der Begiorde / das iſt cin Stachel / Ruͤgen oder Bewegen. Deun
eine jede Begierde iſt einziehende / und iſt der Aufang des Be⸗
wegens / Nägens und Lobens / und der wahre Urſtand des mer-
curialiſchen gebens der peinlichen Quaal. Dann alhier urſtaͤn⸗
der die erſte Feindſchafft zwiſchen der Herbigkeit / oder Haͤrtig⸗
Feit / und dem Stachel oder Ruͤgung / dann die Begierde mache
hart / derb / und ſchleuſſet ein / gleich wie die Kälte das Waſſer eins
ſchleuſt. Alſo iſt herbe ein eitel Kaͤlte / und der Stachel / als das
Ziehen / wird doch mit dem Einpreſſen gebohren.
11. Es iſt alhie wie Vatter und Sohn / der Vatter wil ſtille
und hart ſeyn / und der Stachel als fein Sohn zeucht un Vatter/
und macht Unruhe; das kan der Vatter / als die Herbigkeit nicht
erdulden / und zeucht viel hefftiger in der Begierde an ſich den ums
gehorſamen Sohn zu halten / und einzuſchlieſſen / Dadurch der
Sohn nur ſtaͤrcker im Stachel wird / und das iſt der wahre
rund und Urfach der Empfinpligfeit / weldyes in der freyen
Luſt der ewige Anfang des Bewegens der Kräffte/ Farben / und
Tugenden / und der Goͤttlichen Freuden-Neich iſt: und in der fin⸗
ſtern Begierde iſt der Urſtand der Feindſchafft / Pein und Quaal /
und der ewige Urſtand GOttes Zornes / und aller Unruhe und
Widerwertigkeit. d ı2,
Cap. ʒ. ein Boͤſes iſt worden / w. vs
J. 12. Die zte Eigenfchafft iſt die Angſt oder Quaal / oder
das Maͤllen / welche die zwo erfte Eigenſchafften machen / wenn
ſich der Stachel / als: das Rügen: in der Haͤptigkeit / alein dev
Imprefion; mit dem Müttern beweget / und die H aͤrtigkeit zer⸗
bricht / fo entſtehet / in dem Zerbrechen der Härte / die erſte Fuͤh⸗
ligkeit / und iſt der Anfang der Eflentien : Denn x. cs iſt die
Scheidlichkeit/ dadurch in der freyen Luſt im Worte der Kraͤffte
jede Krafft in ſich ſelber fuͤhlende / und unterſchiedlich wird. Es
iſt der Urſtand der Unterſchiedligkeit. = Duf die Kraͤffte ein
jede in ſich ſelber offenbahr werde / auch der Urſtand der Sinnen
und des Genuͤthes
13. Dann das ewige Gemuͤthe iſt die allweſende Krafft der
GSottheit / aber die Sinnen entſtehen durch Vie Natur mit der Be⸗
wegung in der Unterſcheidung der Kraͤffte / da eine jede Krafft
fich ſelder inempfindet / und fuͤhlet. Es iſt auch der Urſtand des
Schmacks und Ruchs. Weñ die Empfin dligkeit der Kraͤffte / in der
Unter ſchiedligkeit / je eine in die andero eingehet / ſo fuͤhle n / ſchme k⸗
ken / riechen hörenundfi ehen ſie einander / und hieriũen entſtehet
des Lebens Froude / welches in der Stille derKrafft GOttes inder
Freyheit / nicht ſeyn moͤchte. Darumb fuͤhret ſich der Göttliche
Verſtaud in geiſtliche Eigenſchafften ein dag er ihme ſelber
offenbahr und ein wuͤrckendes Leben ſey.
14. Nuniſt uns abor die Angſt in ihrer Gebaͤhrung und ſelbſt⸗
Eigenſchafft zu betrachten: Denn gleich wie in der Freyheit im
Worte ver Kraft GOttes ein Gemuthe iſt / als ein Verſtand/
alſo auch imgleichen führer Yich der erfte Wille zur Begierde / in
der Begierde der Finfternüg in ein Gemuͤthe ein / welches Ge⸗
muͤthe die Augſt⸗Quaal iſt / als ein Schwefel ⸗ Quaal / und da als
hier Doc nur Geiſt verſtanden wird.
15. Die Angſt⸗Quaal wird alſo serfianden : Dieherbe Be⸗
gierde die faffer ich / und zeucht ſich in ſtch / und macht Nich voll?
hart und rauhe /fo ift das Ziehen ein Feind der Hirte. Die
Härte iſt haltend / und das Ziehen ift fliehend; Eins wil in ſich /
nnd das Ander wil aus fi : So es aber nicht voneinander
weichen oder ſich trennen Ban ſo wirds ineinander / gleich einem
draͤhenden Rade: Eins wil uͤber ſich / das anderunterfich,
6. Denn die Härte gibt AWefen und Gewichte / und der
Stachel gibt Seiſt und das ftiegende Leben:: Diß drauͤhet ſich
mit einander in ſich und aus ſich / und kan doch nirgends hin.
bee: die Begierde / alsder Magnet / hart macht / das zerbricht
s Ziehen wieder / and iſt die groͤſte Unruhe in ſich ſelber / gleich,
euer
oe Er: Bi nu DR TER,
n RN
16 Wie aus dem ewigen Guten Cap. 2;
einer wuͤttenden Unſinnigkeit / und iſt in ſich eine erſchreckliche
Angſt / und wird. alhier doch noch Fein recht Fühlen verſtanden
biß zum Feuer / und beſcheide den rechtverſtaͤndigen Naturkuͤn⸗
diger alhier / was das ſey oder bedeute; Er mag ſich beſinnen /
in feinem natürlichen Wiſſen wird ers finden.
17. Die Angſt macht den Schwefel-⸗Geiſt / und der Stachel
nacht den Mercurium, alsden Werdmeifter der Natur: Er iſt
der Natur Leben / und die herbe Begierde macht den fiharffen
Saltz⸗Geiſt / und find alle drey nur einerztheilen fich aber in dren
Geftalte / die heiſfen Sulphur, Mezcurius , Sal: Diefe 3. Eigen—
fchafften impreffen in ſich Die freye Luſt / daß fle auch eine materias
liſche Weſenheit gibt / das iſt ein Oel / dieſer drey Geſtalten Le⸗
ben und Freude / welches ihre Grimmigkeit leſchet und fünfftia
get / und das kan kein Vernuͤnfftiger leugnen. Es iſt in allen
Dingen ein Saltz / Schwefel und Oele / und der Mercurius, als
das Gifft⸗Leben / machet die Eſſentz in allen Dingen/und alſo fuͤh⸗
ret ſich der Ungrund in Grund und Ratur ein.
© 18. Die ste Geſtalt der Natur iſt desFeuers Anzuͤndung/
da erſt das fuͤhlende und verſtaͤndige Leben auffgehet / und ſich der
verborgene GOtt offenbahret : Denn auſſer der Natur iſt er
allen Creaturen verborgen / aber in der ewigen und zeitlichen
Matur iſt er empfindlich undoffenbahr.
19. Und dieſe Offenbahrung geſchicht erfilich Durch Die Er—
weckung der Kräffte/ als durch die ebermelten 3. Eigenfchafften?
Sulphur, Mercuriam und Sal , darinnen das Oel / in welchem das
Leben brennet / und fcheint. Inder 4tenGeſtalt / als im Feuer und
Liecht / wird erſt das wahre geben offenbabr; Im Feuer das na⸗
tuͤrliche / und im Liechte das oͤhliſche / geiftliche/ und in der Krafft
des Liechtes das Goͤttliche verſtaͤndliche.
20. Leſer merck es recht: Ich verſtehe alhier mit Beſchrei⸗
bung der Natur die ewige / nicht die zeitliche. Ich weiſe dir nun,
die zeitliche darunter / denn fie ift aus der ewigen außgeſprochen /
darumb fege mir nicht Kaͤlber / Kühe/oder Ochſen Darein z wie Die
Unvernunfft zu Babel pfleget zu thun.
21. Erftlich wiffer diefes > Daß fich der Göttliche Berftand-
darumb ins Feuer einführet/ dag feine ewige Luſt mayeftatifch,
und ein Liecht werde : Denn der Göttliche Verſtand nimt Feine ,
Quaal in fich/ er darff auch Feiner zu ſeinemeignen Weſen / den.
Das Alles Darff des Ichtes nicht / das Ichts ift nur fein Spiel)
damit das Alles fpielet/und damit ihme das Gange als. das Ailes-
felber offenbahr werde / fo fuͤhrets feinen Willen In Eigenfauff*
—* J - — ER Y —
4 F
Cap. 3. ein Boͤſes iſt worden ꝛc. 17
ten ein. So wollen wir als eine Creatur von den Eigenſchaften
ſchreiben / als von dem geoffenbahrten GOTT : wie ſich das
Alles/als der ungründliche ereige Verftand/offehbare.
22. Zumandern führer fich Ber ungründliche und Göttliche
Verſtand darumb in einen aͤngſtlichen Feuermillen und Leben
ein / auf daß ſeine groſſe Liebe und Freude / welche GOTT heiſſet /
offenbar werde: Dan wenn alles nur Eines waͤre / ſo waͤre ihm
das Eines nicht ſelber offenbahr: Aber durch die Offenbahrung
wird Das ewige Gut erfant/und giebet eine Sreudenreih: Son⸗
ften fo Feine Angſt waͤre / ſo ware ihr die Freude felber nicht offene.
bar/ und wäre nur ein einiger Wille/ der thate nurimmer ein
Ding: Sp er fih aber in Widerwertigfeit einführet/fo wird in.
dem Streit die Luſt der Freuden zu einer Begierde / und zu ſei—
nem Kebe⸗ſpiel / das ſie zu würden und zu thun hat / Menſchlich
geredet.
23. Des Ewigen Geiſt-und Natur-feuers Urſtand / geſchicht
Durch eine ewige Conjunction oder Zuſammenfuͤgung / keines
ſonderlich / ſondern beydes zugleich / als das Göttliche Feuer / wel⸗
ches ein Liebe-brennen iſt: Und zum 2. das Natur-feuer/ welches
ein Wehe und verzehrliche Quaal iſt / dieſes iſt alſo:
24. Das eine Theil / als der Wille des Vatters / oder des Un⸗
grundes / fuͤhret ſtch in die groͤſte Schaͤrffe der Herbigkeit ein /
allda er ein kalt Feuer iſt / eine kalte peinliche Qual / und ſchaͤrffet
ſich durch Die herbe ſtachlichte Angſt / und in derſelben Angſt wird
r begehrend der Freyheit / als der freyen Luſt oder Sanfftmuht:
Und das ander Theil iſt die freye Luſt / welche begehret offenbahr
zu ſeyn / die ſaͤhnet ſich nach des Vatters Willen / der fie auſſer der
Natur gebohren hat / und zu feinem Spiel brauchet: Dieſe bes
gehret allhier des Willens wieder/amd der Wille hat ſich atlhier-
wieder gefaſſet ans der Angſt wieder in die Freyheit / als in die
Luſt zu gehen.
25, Verſtehet / das iſt der wiedergefaſte Wille / der begehrend
iſt der freyen Luſt GOttes. Nun hat er aber in ſich die grauſa⸗
me / herbe / harte / ſtachlichte / aͤngſtliche Schaͤrffe angenommen /
und Die freye Luſt iſt eine groſſe Sanfftmut gegen der grunmen
Natur / als ein Nichts / und da ſie doch iſt / dieſe beyde gehen nun
gegen. einander / und in einander. Der ſcharffe Wille iſt jest,
mächtig begehrend der freyen Luſt / und die Luſt iſt begehrend des
ſtrengeir Willens / und in deme ſie in einander gehen / und einan⸗
der fühlen? fo geſchichet ein groſſer Schrack / als ein Blitz / auff
Art wie ſich am Firmament das Fewer oder Blitz anzuͤndet.
20.
38 Von den zwey Prineipien Cap.a.
26. Und in dieſem Schrack geſchiehet des Fewers Anzuͤndung⸗
Denn die herbe ſtrenge Finſternuͤtz / welche eine Kaͤlte iſt / erſchri⸗
cket vorm Liechte und vor der groſſen Sanfftmuht der freyen
Luft/ und wird in ſich ein Schrack des Todes / da die Grimmigkeit
und kalte Eigenſchaft zuruͤckin ſich gehet / und ſich als Todt ver⸗
ſchleuſt. Denn im Schrack wird das finſtere Gemuͤth weſentlich /
es raffet ſich in ſich als ein Eignes / als eine groſſe Furcht für.dem:
Liechte / oder eine Feindſchaft des Liechtes: Und das iſt der wahre
Urſtand der finſtern Welt / als des Abgrundes / in welchen die
Teuffel ſind ver ſtoſſen worden: welchen wir Hölle nennen;
Das IV. Capittel.
Von den zwey Principien , als von GOttes Siehe und
Zorn: Von Finſternuͤß und Liecht / dem Leſer ſehr
noͤhtig zu betrachten.
Ndieſem Schracke oder Fewers⸗Anzuͤndunge ſchei⸗
4 den ſich 2. Reiche / und ſind doch nur eines: Aber fie:
Itheilen ſich in der Eſſentz / Quaal und Willen / werden
Dauch einander un ſichtlich / Feines begreiffet Das au⸗
AREA Oper infriner eignen Quaal / und find Doch aus einem
Urſtande / hangen auch ameinander / und waͤre Eines ohne dag
Ander ein Richts / und nehmen doch alle beyde ihre Quaal von Ei⸗
nem Urſtande. Dieſes verſtehet alſo:
2. Wenn der Blitz oder Schrack aufgehet / ſo iſts ein Punct /
und machet im Blicke einen Dreyangel A oder ein O Creutz/
und dieſes iſt die rechte Deutung des Charakters. SIſt erſtlich
die Schaͤrffe aller Dinge / und der geoffenbahrte GOTT In Drey⸗
faltigkeit. Der Dreyangel deutet an den verborgenen GOTT /
als das Wort oder Goͤttlichen Verſtand / welcher in ſeiner ewi⸗
gen unanfaͤnglichen Geburth Dreyfaltig iſt / und doch nur Einig
im feiner Offenbahrung. In der Fewer-oder Liecht-welt offen⸗
bahret ſich dieſe Dreyheit in der Geburht / nicht daß etwan ein
Ort waͤre / da eine ſolche Figur ſtuͤnde: Nein / ſondern die gantze
Geburht iſt alſo: Wo ſich das Goͤttliche Fewer in etwas offen⸗
bahret / ſo macht es in ſeiner Anzuͤndung einen Dreyangel / M
wolches den Menſchen⸗ Kindern wohl zu mercken iſt / wie ſich das
sehen alſo auch in einem Dreyangel anzuͤnde / bedeutet ——
rep⸗
—— as *
* * en. y ER J
* a *
Cap 4. als von Gottes Liebe und Zornꝛc · 19°
Dreyfaltigkeit. Und weilen des Lebens Liecht iſt in dem Worte
der GOttheit geweſen / welches dem Menſchen eingerlaſen ward
(wie Johan. amır. Cap: ſagt /) und aber im Paradeisan GOTT
verblichen: ſo hats muͤſſen am T wieder gebohren werde:
Erklaͤrung des obigen Charackers.
3. Das obere Creutz bedeutet das ungeformete Wort in
Dreyfaltigkeit auſſer aller Natur / und ſtehet der Churadter
alſo A und dieſer Charadter bedeutet Das geformete Wort / &
als die Engliſche Welt.
+ Daß aber der Dreyangel mit den drey geraden Spitzenun
ein ſolch T- Jich hat verwandelt / da der Todt daran erwuͤrget
ward / deutet uns an die groſſe Rebe GOttes / aus dem Dreyan⸗
gel / die ſich in unſere Menſchheit wicder hat verſenckt / als wir
vom Dreyangel ins Lebens⸗Aecht waren abgewichen.
5. Darumb fuͤhret ſich ver groſſe Angel unter ſich / deutet an
die groſſe Demuht / und auch dag wir den feuriſchen Angel derin
die Hoͤhe gehet / verlohren yaben / in deme wir GOttes Bild und:
Gleichnuͤß waren. Darumb hat ſich der obere Angelin der Wie⸗
dergebuhrt MT unter ſich gedraͤhet / und fuͤhret keine Spitze
mehr in die Höhe. Deutet uns eizt die wahre Gelaiſenhtit un⸗
term Tan: Da wir werden wieder imn Geiſte Chriſti durch die
groſſe Demuht GOttes im Liechtnew gebohren.
6. Nun theilet ih der Wille im Fewer⸗Schrack in 2. Reichert
da ein jedes im ſtch ſelber wohnet: Als der Schrack in der Fin⸗
ſternuͤß iſt GOttes Zorn: Und der Schrackinder Wiederfaſ
fung gegen: der freyen Luſt wird im der: freyen Luſt die Hoch⸗
triumphirende Goͤttliche Freudenreich. Denn alſo wird die freye
Luſt erhebende / und in ein ringendes Liebeſpiel eingefuͤhret und:
alſo wird te quaͤllend und wuͤrckende.
7. Richt iſts zu verſtehen / daß GOTT einen Anfang alſo
nehme: Sondern es iſt der Ewige Anfang des geoffenbahrten
Gottes: Wie ſich der Goͤttliche Verſtand mitder Kraft in Un—
terſchiedligkeit offenbahre / und in Reiche einfuͤhre: welches eine
ewige Gebaͤhrung iſt. Wir reden allhier nur / wie ſich der un⸗
ſichtbare unempfindliche GOTTin Empfindligkeit einfuhre und
offenbahre.
8. Nimm ift ung aber: mit der Fewers⸗Anzuͤndung zweyerley
Fewer / zweyerley Geiſt / und: zweyerley Weſen zu vorſtehen:
Als ein Siebesfewer im der freyen Luſt / welche mit der Impreſ⸗
Kon: oder Begierde weſentlich wird / und im Fewer — |
f eis
5
FEN vr, y *
[DE 277
*
20 Von den zwey Principien/ Cap.4.
—
Geiſt und Weſen / und ſind doch ineinander wie Geiſt und Leib
eins iſt; Und wie num ver Beiftifbr alſo iſt auch daſſelbe We—
fen. Und wie in der Impreflion der fteyen Liſt ein heiliges ſuͤſſes
Weſen iſt / und ein heilig ſuͤſſer Geiſt: Alſo iſt in der finſtern
Imprefhon ein herbes / ſtrenges / raues und bitter Weſen und
Geiſt: Wie das Weſen iſt / alſo iſt auch das Gemuͤhte des Ver⸗
ſtandes und Willens im Weſen.
9. Wiewohl das Ewige gegen der Zeit als Geiſtlich iſt: ſe
iſt aber doch der wahre Geiſt viel ſubtiler als das jenige / das er
in der Faſſung zu einer Sabſtantz macht: Dann ausder Sub-
Kant geheterft der wahre verftändige Geiſt aus / welcher vor der
Subftang nur ein Wille iſt / und ihme felber nicht offenbahr/denn:
der Wille führet ſich darumb in Subltang und Weſen ein /dager
ihme felber offenbahr ſey.
10. Nun ift uns die Scheidligfeit im Fewer zu betrachten;
wenn ſich das. Fewer anzuͤndet / fo ift der Fewer-blitz oder
Schrack Salnitrifch / da fich alle Kräffte auseinander geben/ und
im die Theilung gehen, da ſich die ewige / einige Krafft GOttes
offenbahret / und in Unterfihiedligkeitin Eigenſchafften theilet /
keides Geiſtlich und Wefentlich / wie es an diefer Welt zu ſehen
iſt / da dan die mancherley Sulge urftänden: Welche mitder
Schoͤpffung find in ſolche Marerien:eingangen / welhes in der
Ewigkeit nur ein Geiſtliches Weſen iſt geweſen / aber mit An⸗
fang der Zeit grob und harte worden.
11. Auch urſtaͤnden aus dieſer ewigen Wurtzel die mancher⸗
ley Geiſter / gut und boͤſe / ſo wohl das mancherley Geſtirne
ſamt den 4. pre A und alles was lebet wird weber. Die
Theilung aber in fich felber ift uns alfo zu verſtehen: Wenn der
Blitz aufgehet / ſo gehet aus dem: Fewer die Scheidung / der
Fewer-Schrack iſt verzehrlich / der greifftdas geſaſſete Weſen
an / beides das in der freyen Luſt / und das in der Rauhigkeit / und
verzehrts Augenblicklich / denn allhie in dem Fewer wird der
ewige Wille / der kein Grund iſt / offenbahr / vor deine mag
kein Weſen beſtehen / er verſchlingt alles in ſein Nichts.
12. Und allhier iſt der Urſtand des ewigen Todes oder der
Berschrligkeit/ und in dieſem Verzehren iſt das hoͤchſte Arca-
num oder Heimligkeit: Dan es gehet der wahre weſentliche le—
bendige Geiſt und Verſtand aus dieſer Verzehrligkeit aus / und
macht einen andern Anfang: Denn der erſte Anfang iſt GOt—
tes / der ſich vom Ungrunde in Grund einfuͤhret zu feiner Be—
ſchauligkeit. Dieſer Anfang aber der aus dem verzehren wieder.
auß⸗
Caps. als von Gottes Liebe und Zornꝛc. zur
ausgehet / iſt ein Geiſtlicher Anfang / und gibt z. Welten: Als *
erſtlich die finſter Fewer-⸗Welt in His und Kaͤlte / eine gantze
Rauhigkeit ohne Weſen / 2. Die andere Welt iſt die Geiſtliche
Liechte oder Engliſche Welt / 3. Und die dritte hat ihren Anfang
mit der Zeit Anfang genommen. Als GOTT die beyde Innere
Welten hat beweget / fo hat er dieſe aͤuſſere ſichtbahre Welt dara
aus in eine Form einer Zeit erbohren und geſchaffen.
123. Nun iſt aber Die Theilung im Fewer der Verzehrligkeit
alſo zu verſtehen: Die Kraͤfte / welche Die erſte Impreflion hat⸗
ten Weſentlich gemacht / die werden im Fewer in Geiſtligkeit
eingefuͤhret: Als J. aus der freyen Luſt gehet aus ein geiſtlich
Myſterium, das iſt / nach der Gottheit / als nach dem ewigen
Verſtande Geiſtlich / und iſt das Engliſche Leben und Liecht / fo
wohl das wahre Menſchliche / und alles deſſen was ſich denen
gleicht/ denn es find die Kräfte GOttes: Darumbtragen die
Engel den groffen Namen GOttes in fich / fo wohl auch die
rechte Menfchen / welche die Göttliche Krafft haben.
14. Ii. Gehet aus dem Weſen der freyen Luſt himmliſche
$eibligkeit / in dein Fewer aus als eine öhlifche Krafft / welche
Des Verftandes Leib iſt oder Weſen darinnen das Fewer bren=
net / und daraus der Schein oder Glanz entficher, III. Gehet
aus den Urſtande und Geiſtlichem Oehle eine webende Su ſt gleich
einem Element / und iſt auch das Goͤttliche Element.
15. IV. Gehet aus dem Element eine waͤßeriche Eigenſchafft /
und iſt doch allhier nur Geiſtlich zu verſtehen? dieſes Waſſer
iſts / davon Cyhriſtus ſaget / er wolle uns das zu trincken geben /
und wer das würde trincken / deme wuͤrde cs in einen Quellbrunn
des ewigen Lebens quellen. Es iſt das Waſſer uͤber der Veſten /
davon Moles ſaget / daß es SOTT habe geſchieden von den aͤuf⸗
fern Waſſern unter der Veſten. Dieſe wageriche und elementi=
ſche Eigenſchafft gehet aus der freyen Luſt Weſen / welche im
Fewer verzehret wird/ fo ſpricht das Wort des Verſtandes /
welches ſich jetzt im Fewer hat offenbahret / dieſe Kraͤffte aus ſich /
als ein jetzt lebende und webende Weſen / und wird die Engliſche
Welt hierinnen derſtanden.
16. In der Scheidung aus der finſtern Eigeuſchafft gehet
durchs ſprechende Wort in der Scheidung aus dem Fewer aus /
als ein ander Principium eder Anfang anderer Eigenſchafft
1. Aus der herben ſtrengen Impreſſion ein hoͤlliſcher (davon die
Holle ihren Namen hat) durſtiger grimmiger Quahl / gantz
rau / auf art der Kälte oder der harten Steine / ein Gemuͤhte /
das
/
22 Von den zwey Prineipien/ac. apa.
das iſt fihrecklich wieder Fewer-Blis. II. Gehet auch aus die⸗
gen ſeuriſchen Geiſte aus der Finſternuͤg aus ein Oehle / das iſt
ein Giftes⸗Eigenſchafft / denn es iſt der boͤſe Mercurius vom
Stachel in der aͤngſtlichen Herbigkeit.
17. 111. Machet die Angſt auch ein webendes Gemuͤhte /
gleich dem Element / aber alles in hochgrimmiger durchdringen⸗
per‘ Eigenſchafft; In welcher Die groſſe Fewers-Macht und
Willen im Zorne GOttes oder der Grimm GOttesurſtaͤndet.
Welches Lucifer begehrte zu ſeyn / und darinn zu herrſchen / und
“ward darumb ein Teuffel / als ein ausgeſpeyter aus dem Liebe⸗
fewer in das finſtere Fewer. IV. Gehet auch eine waßeriſche Ei⸗
genſchafft aus der grimmigen Eigenſchafft durchs verzehren im
Fewer aus / als aus der erſten finſtern Impreſſion: iſt aber viel⸗
mehr ein Giftquaal / in hen das finftere Leben brennet ·
18. Daß ich aber vom Oehle und Waſſer alhie ſchreibe / das
verſtehet alſo: In der, Anzuͤndung des Fewers in Schraite /
beydes in Schracke der Frewden in der freyen Liſt-⸗Weſen / und
im Schracke der Grimmigkeit in der Impreih on des finftern
Geiſt-⸗Weſens / wird das Weſen / welches die erfte Begierde
hat coaguliret oder gefaſſet / im Fewer⸗ Schracke ver zehret / das
iſt / als ſtuͤrbe es ſeiner Selbſtheit / und wird gefaſſet in den Ei—
nigen Geiſt / der ſich alhier im Feuer der Grimmigkeit und in
Liecht⸗fewer der Freudenreich hat offenbahret / der ſpricht es nun
wieder als zwey Geiſtliche Welten aus ſich aus.
19. Alſo verſtehets recht: Aus der feuriſchen Eigenſchafft ge⸗
Yet jet ini Aushauchen aus derLebens⸗quaal nach der freyen Luft
Heilig und Freudenreich / und nach der Finſternuͤß peinlich uud
grimmig. Die Grimmigkeit und peinliche Quaal iſt die Wur—
tzel der Freudenreich / und die Freudenreich iſt die Wurtzel der
Feindſchafft der finſtern Grinmigkeit: Daß alſo ein Contra-
rium — / dadurch das Gute offenbahr und erkandt werde / was
Gut iſt.
20. Und das geſtorbene Weſen im Feuer / welches die erſte
Begierde in der freyen Luſt hat coaguliret und finſter gemacht /
gehet durchs Feuer⸗ſterben als ein Geiſtliches Oel aus / welches
des Feuers und Liechts Eigenfchafft iſt / und aus der Ertoͤdtung
ein Waſſer als ein erſtorbenes unfühlendes Weſen / als ein
Gehaͤuſe des Oels / darinnen der Feuerquaal oder Geiſt fein Le⸗
bens⸗Regiment fuͤhret / welches des Feuer⸗quaals Speiſe iſt
die er wieder in ſich zeucht und verſchlingt / und den Feuerquaal
dadurch leſchet und in dir groͤſte Sanfftmuht tiaſe in
welchem
Caps. Bondenz.SenlibusoderGinnen. 23
welchem das Leben der groſſen Siebe entſtehet / als der gute Ge⸗
ſchmack; Daß der Feue requaal im Ochle durch die Ertoͤdtung als
am Waßer⸗quaal eine Demuth vder Sanftmuht witd.
21. Denn kein Feuergeiſt mag ohne Ertoͤdtung ſeines eignen
Rechts oder eigenen Eſſentz ſanfft ſeyn: Aber das Waſſer / wel⸗
ches zuvor ein gefaſſetes Weſen aus der freyen Luft war / und
aber im Feuer erſtotben / das kan dem Feuer ſeine Eſſentz in eint
fanffte Begierde verwandeln.
Das 3. Capittel.
Bon den fünf Senfbus oder Simmern.
Liebe⸗Feuer / Venus.
Je fuͤnffte Geſtalt oder Eigenſchafft iſt die ie⸗
be⸗Begierde / als das heilige Leben oder das aus⸗
gewickelte Liechtfeuer / welches im grimmen ver⸗
zehrlichen Feuer ſeine Erweckung nimt oder
Deupfaͤhet / das iſt / es wird aus dem Feuer ſchein⸗
lich / wie wir ein Gleichnuͤß an allen aͤuſſern Feuern haben / daß
"Das Liecht im Feuer urſtaͤndet / hat aber gar viel ein andere Quahl
als das Feuer; dann das Feuer iſt peinlich / und das Liecht iſt
Fanft / lieblich / und gibt Weſen.
2. Das Feuer gibt Liecht und Lufft / undaus Lufft wird Waſ⸗
ſer wegen der Sanftmuht des Liechts: Denn die Lufft zum Feuer
iſt im Feuerblitz erſtorben: Alſo iſt daſſelbe Erſtorbene im
Feuer cin ſanfft Weſen / doch nur als ein Geiſt. Wans aber
vom Feuer im Liecht außgehet / ſo coazuliret es ſich / fo iſts ein
Todt des Feuers / davon das Feuer erliſchet: So es aber in Gei⸗
ſtes Art iſt / ſo iſts des Feuers Speiſe und Erquickung: Wie
man das für Augen fichet / daß ein jedes brennend Feuer eine
Lafft aus ſich gibt / und aus der Lufft ein Waſſer / welche Lufft
ſJanit dem Waſſer⸗geiſte das Feuer wieder in ſich zeucht / zu ſei⸗
nem Leben und Glantz: Sonſt ſo es das nicht erreichen kan / er⸗
lliſchet es / das iſt / es verſtickt; denn die Lufft iſt ſein geben / und
es gebaͤhret ſie doch.
3. Ingleichen iſt ung zu verſtehen vom Goͤttlichen Weſen -
wie ſich der ewige Verſtand des Ungrundes in Grund und We⸗
ſen einfuͤhre / als in ein ewig Gebaͤhren und Verzehren / darin⸗
eun die Offenbahrung des Ungrundes ſtehet / und cin nn
eſpiel /
34 Von den s-Senfibus oder Sinnen. Cap-y.”
beſpiel / daß ver Ungrund mit feinem gefaſten Grunde alſo mit
ſich ſelber ringe und ſpiele. Er gibt ſich in Etwas / und nimt
wieder das Etwas in ſich / und giebet ein anders daraus. Er
fuͤhret ſich in Luſt und Begierde ein / darzu in Krafft / Staͤrcke
und Tugend / und fuͤhret je einen Gradum aus dem andern und
Durch den andern / daß es alſo in ſich ein ewig Spiel ſey.
4. Wie uns denn in der fuͤnfften Geſtalt der Natur zu be⸗
trachten iſt: Wenn die Kraͤffte des ewigen Worts oder Ver⸗
ſtandes durchs ewige Geiſt⸗fewer / im ewigen Liechte der Made»
ſtaͤt offenbahr werden / daß eine jede Krafft oder Eigenſchafft in
ſich ſelber offenbahr / und in ein fuͤhlendes / ſchmeckendes / rie⸗
chendes / ſchallendes / ſehendes Weſen eingehet / welches durchs
Feuer gefehichet / da alles Geiſtlich und Lebhaft wird / fo gehet
alstan eine Eigenfchafft in bie andere ein / denn fe find alle aus
einer / als aus der freyen Inft ausgegangen. Darumbiftauch
dieſelbe Luft noch in Allen / und begchren allefamt wieder in die⸗
ſelbe freye Luft / alsindas Eine einzugehen: Allda jiedan ein»
ander empfahen in ihrer heiligen, Conjun&ion ; wenn eine die
ander ſchmeckt / riecht / fuͤhlet / hoͤret und in der Eſſentz ſihet /
darinnen Dan Die wahre Göttliche Freudenreich ſtehet / fo wohl
Das wächfende Leben dicfer Welt / wie an den ſteben Eigen—
[haften / and der Sonnen Licht und Krafft in Gleichnuͤß zu⸗
— iſt.
5. Die Goͤttliche Freudenreich im Himmel GOttes / als in
dem geoffenbahrten GOtte in feinem ausgeſprochenen oder aus⸗
gehauchtem Weſen / wie Ichs etwan zum Verſtande geben
moͤchte / ſtehet in der Liebe⸗Begierde / alsin ver Krafft / die ſich
durchs Feuer im Liecht ofſenbahret / dann das Feuer gibt der ſanf⸗
ten freyen Luſt Eſſentz und Qual / daß ſie ſchiedlich und beweglich
wird / daß es eine Freudenreich wird.
6. Alſo iſt uns auch im gleichen vonder Finſternuͤß zu verſte⸗
hen / was im Liechte eine begehrende Liebe iſt / da ſich alles erfreuet /
das iſt in der Finſternuͤß eine Feindſchafft; Denn Das Fewer
iſt in der Finſternuͤß kalt und hitzig / darzu bitter / herbe und ſtach⸗
licht. Die Eigenſchaften ſind alle gantz rau und widerwertig:
Sie ſuchen nicht das Eines / ſondern ihr Aufſteigen ihrer Macht.
— je groͤſſer ihr erheben und entzuͤnden iſt / je groͤſſer iſt ihre
Macht/rund je groͤſſer wird im Liechte die Freudenreich.
7. Wasi im Liecht der Krafft gut und heilig iſt / das iſt in der
Sinfternüf ängfilich und wiederwertia. Die Finſternuͤß iſt die
* Feindſchaft des Liechts / und iſi doch die Urſach / dat Mt
sit
ap. 5. Von den 5. Senfibus oder Sinnen. z s
Sichtoffenbahr werde. Denn fo kein Schwartzes waͤre / ſo moͤch⸗
teihme das Weiſſe nicht offenbahr ſeyn; und wenn Fein Leyd
wäre/fo wäre ihr die Freude auch nicht offenbahr.
3. Alfo erpebt jich die Freude in ſich / daß fie nicht iftals das
Leyd / und das Leyd erhebt ſich in ſich / daß es eine Macht und
Staͤrcke des Feuers und Liechts iſt / dannenhero die Hoffart und
eigener Wille entſtehet / daß die finſtere Feuers-⸗Macht dem Liech⸗
te Eſſentz und bewegliche Quaal gibt / welches den König Lucifer
bewegete / daß er ſich erhub in der Feuers⸗Wurtzel / uͤber Feuer
und Liecht zu regieren / und deßhalben aus dem Liecht in die Fin⸗
ſternuͤs verſtoſſen ward / und das Liecht ſich ihme mit entzog.
9. Darum verſtehet uns an diefen Ort wohl / was die Hoͤlle
und fingtere Welt oder Zorn GOttes ſey / davon die Schrift füs
get: Daß eine Hölle ſey / das ift eine Grufft der Verzweifflung
des Guten; Nicht ifts zu verfichen von einem abtheilichen Orte
fondernesiftdererfte Grund zur ewigen Natur / der Locus iff
zwifhen GOttes und Diefer Welt Reich / und gibt ein eigen
Principium in fie felber wohnend/und hat weder Ort noch Gtäte
te / und ift allenthalben / aber nur fich felber beherrſchend / und gibt
aber der Liecht⸗ und aͤuſſeren Welt Eſſentz / das iſt / ſte iſt die Ur—
ſach zur Quaal als zum Feuer / und iſt das gantze Weſen aller
Weſen GOttes.
10. In der Finſternuͤß iſt Er ein zorniger eyferiger GOTTF
und im Geiſt⸗feuer ein verzehrend Feuer / und im Liecht iſt Er ein
Baͤrmhertziger liberGSOT / und in der Krafft des Liechts heiſſet
Er für allen andern Eigenfchaften GOTT / und iſt doch nur der
geoffenbahrte GOTT / der ſich durch die Ewige Natur in einge⸗
führten Eigenfihaffien offenbaͤhret: Sonſt fo ich ſage was
GOTT fey in feiner Tiefſe / fo muß ich fagen : Er iſt auſſer aller
Natur und Eigenfhaften / als ein Verſtand und Urſtand aller
Weſen: Die Weſen ſind feine Offenbahrung / und davon haben
wir allein Macht zu ſchreiben / und nicht von dem unoffenbahren
GHTT | der ihme doch auch felber ohne feine Offenbahrung nicht
erkant wärc.
Des Lebens Urftand / Tupiter. % .
- 22. Die 6te Geſtalt der Natur undaller Wefen entfichet auch
aus den andern allen/ und wird im Feuer durchs Liecht in der
tiebe- Begierde offenbahr / die ift ver Natur Berftand/ Schall
Rede und alles was lautet) es fey in Schhaften oder Unlebhaften :
Sein rechter Urftand ift von der herben Begierde oder Impreflion
won der erſten / andern und dritten ae [ davon das Bewegen
5 an»
\
36 Bon den 5.Senfibusoder Siten. Cape
und die Härte entftehet : Im Feuer wird das Weſen der Coagu-
lation verzehret / und gehet aus der Verzehrung ein folcher Geift
aus / beydes nach des Liechts / in der Liebe / Eigenfchafft/ und in der
Sinfternüß nach der feindlichen Quaal und Angft Eigenfhafft/
undiftunsdiefesalfo zuverfichen: °
12. Einjeder Geift begehret Wefen nach feiner Gleichheit,
Dun gehet aber aus dem Feuer nicht mehr als ein Geift aus (das
ift ein Geiftlicher Verſtand / esift die Offenbahrung des Ber=
ſtandes des Ungrumdes oder GOttes) der faffet ich in der Siebes
Begierde wieder/ und formet fich in die Eigenfchafften der Kräffe
te / und daffelbe ineinander eingehen / ineinanderinqualiren,
iſt der holdfelige Schmack der Siebe. ;
13. Das Gefaffete aber in der Liebe-Begierde / da die Begier⸗
de die Kräffte wieder coaguliren und in Formen einführen/als in
einen ſubſtantialiſchen Geift/ da die Kräfften fich Eönnen lautbar
bewegen / das iſt nun der natürliche und creatürliche Berfland
welcher im Worte war. Wie Joh. r. faget: In ihme war das
Leben / und das geben war das gicchtder Menfchen.
14. Diefer Schalldes Hörens/ Schens/ Fühlens/ Schmefe
tens und Riechens / ift das wahre verftandliche Leben / denn fo ei⸗
ne Krafftin die andere cingehet/ fo empfüher fie Die andere im
. Schalle / we fie ineinander dringen / ſo erwecket eine Die andere /
underkennt eine dieandere. In diefer Erkaͤntnuͤß ftchet der
wahre Berftand/welcher ohne Zahl / Maaß und Grund ift / nach
Art der ewigen Weißheit / als des Einen welches Alles ift.
15. Darumb mag ein einiger Wille in diefem Quellbrunn
ſchoͤpffen / fo er Göttlich Siecht in fich hat / und die Unendlichkeit
u aus welchem Schauen diefe Feder gefihrieben
ar.
16. Zudem lautbaren Leben oder Schalleder Kräffte schöret
Haͤrte und Weiche / Dicke und Dünne /undein Bewegen; denn
ohne Bewegen ift alles ftille/ und mag doch auch Fein lauten ſeyn
ohne Feuers Eſſentz. Denn das Feuer macht erft in,der Härte
sind Weiche den Klang. 1
17. Nun waͤre es auch kein Klang ohne eine Faßung / darumb
gehören alle Beftalten zum Schalle : x. Die Begierde macht
harte/ 2. Der Stachelbewegt/ 3. Die Angft faflets in Eſſentz
zum Unterfcheid/ 4. Das Feuer verwandelt die Grobheit des
erſten gefaffeten Wefens in feinem Berzehren / imeinen Geift
oder Klang / 5. Welchen die Liebe-Begierde in ihrer Weiche
und Sanfftmuth wieder faſſet und zu einem Hall 9 if.
raff⸗
|
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|
ap. 5. Von den 5.Senkbussder Siñen. 2 7
zräfften formiret /6. Und Das Gefaste-oder Geformirte iſt dee
ebens⸗Schall oder Verftand aller Unterſchiedligkeit.
18. Dieſes iſt nun das geoffenbahrte Wort / welches in ſich
nir eine Krafft iſt / da alle Kraͤffte innen liegen: Offenbahret ſich
ilſo durch die ewige und auch zeitliche Natur / und fuͤhret ſich alſo
n Formen zum Außſprechen. Dann das außgeformte Wort
at wieder eine ſolche Macht in fich die Gleichheit zu gebähren 7
ils ein folch Wefen wie die Gebuhrt des Geiftes if.
19. Im Kiechte GOttes / welchesdas Himmelreich heift / iſt
er Schallalles gans fanffte/ lieblich und ſubtile gegen unferer
zuſſerlichen Grobheit in unfern Schallen und Reden / auch
Range und Sange / gleich wie eine Stille / da das Gemüthein
ich nur etwan als ineiner Sreudenreich fpielete/ und auffinners
iche Art einen folchen lieblichen ſuͤſſen Thon hörte/umd Aufferlich
richt hörte oder verftünde / denn in Des Liechtes Eſſentz ift alles
ubtilauffeine Art/gleich wie die Gedanden ineinander fpielen /
und da doch wahrhafftig ein verftändfich unterfchiedlicher Thon
und Jede im Reiche der Herrligfeit gebrauchet/ und von den
Engeln gehöret wird/ aber nach ihrer Welt Eigenſchafft.
20. Denn wo der Schall foll grob und hart-[autend ſeyn / da
muß er in der finftern Impreflion mächtig feyn / daß ein hart⸗
brenmend Feuer fey. Gleich wie wir Menſchen nach dem Fall
Adz das Feuer der finftern Welt in unfer $chens-Effeng era
vecket / und alfo angezündet haben/davon unferer Lebens⸗Schall
alſo grob und thierifch iſt nahend dem Abgrunde gleich / alfo iſt
uns imgleichen vom Halle der Finſternuͤß zu verftchen / wie die
ebährung des Works in feiner Offenbahrung im Liecht /in der
heiligen Kraft ift/alfo auch inder Finfternüß: Aber alles gantz
rauhe / grob und hart: Was im Liecht Elinget imd ein lieblicher
Thon iſt / das iſt in der Finſternuͤß gantz rauhe / hart⸗ſchallend/
gleich einem Pochen ohne rechten Klang: Und ſolches aus der
ſſentz der herben / harten / ſtachlichten Angſt⸗Gebaͤhrung / als aus
Dem Urſtand der Kaͤlte oder Falten Feuers⸗Quaͤlle.
Das 6. Capittel.
Vom Weſen der Leibligkeit | die ſiebende Se:
ſtalt der Natur.
Das ſiebende Weſen.
¶ Luna und h Saturnus .
Aufang und Ende,
Ba 2, Wis
28 VomWeſen der Leibligkeit/ Cap.e.
* AN Fr erkennen daß GOtt in feinem eigenen Weſen
kein Weſen iſt / ſondern nur bloß die Krafft/ oder
der Berftand zum Weſen / als ein ungründficher
ewiger Wille / in deme alles lieget / und der felber
Alles iſt / und doch nur Eines iſt / und ſich aber be⸗
gehret zu offenbahren / und in ein geiſtlich Weſen einzufuͤhren /
welches durchs Feuer in der Liebe⸗Begierde / in Krafft des Liechts
eſchicht.
— So iſt doch aber das wahre Göttliche Weſen (verſtehet
Weſen und nicht den Geift GOttes) anders nichts / als der ges
offenbahrte Berftand / oder die Formirung der Kräffte/ und ſte⸗
het inder Begierde/ das iſt / in der Liebe-Begierde / da eine Krafft
die andere im Schmacke / Ruche / Fuͤhlen / Sehen und Hoͤren / in
der Eſſentz und Quaal der Eigenſchafft erkennet / davon das groſſe
ſaͤhnliche Begehren entſtehet. In denen Eigenſchafften wird
der geoffenbahrte GOtt verſtanden / als in einer feurigen Flam⸗
me der Liebe⸗Begierde / da ein eitel Wohlſchmecken / Wohlriechen /
gerne Hoͤren / lieblich und freundlich ſehen / gen Höre und ſanfft
Wolthun oderFuͤhlen innen iſt / und iſt doch nur ein geiſtlich We⸗
ſen / da nur die Kraͤffte / welche ſich durch Die Iwpreſſion haben in
Eigenſchafft eingefuͤhret / und durchs Feuer im Liechte offenbahret /
alſo in einemgiebe-Spiel in un mit einander ringen / gleich einem
lieblichen Geſange / oder gebährenden Harmoni oder Freudenreich.
Diefes iftalfo mur des geoffentahrten Gottes⸗Geiſts ABefen/wie
fich das Eräfftige allwefende Wort/ in feinem eigenen feldft Ge⸗
bähren/aus fich offenbahret / darinnen das Spielder Göttlichen
Reisheitverftanden wird.
3. Wenn wir aber wollen von himmlifcher oder Göttlicher
Weſenheit reden / darinnen fich die Göttlichen Kräffte wieder in
eine Formirung / in einen aufferlichen Grad einführen/fo muͤſſen
wir fagen / daß ſich die Kraͤffte des geformten und geoffenbahrten
Worrs in ihrer Liebe⸗Begierde / wieder in ein aͤuſſerliches We⸗
ſen einfuͤhren / nach aller Kraͤffte Eigenſchafft / darinnen ſie ihr
Liebe⸗Spiel als in einem Gehaͤuſe verbringen koͤnnen / daß ſie et⸗
was haben / damit und darinnen fie mit ihrem ringenden Liebe⸗
Spiel mit ſich fpielen / und daſſelbe wird nun alſo verſtanden.
4. Gleich wie eine mineraliſche Krafft in der Erden lieget /
und wird von der Sonnen angezündet / davon fte anheber zu
auallen / und wird’ begehrende der Sonnen Kräffte / und zeucht
diefelben in fich ; Faſſet ſich aber in folhem Begehren felber/und
former ſich zu einein Corpus „ als eins Wurtzel oder beuglelihen!
J au
Caps. die 7te Geſtalt der Natur. 29
aus welcher in derſelben Hunger-Begierde / ein ſolch Leib oder
Kraut außwaͤchſet / wie die erſte Krafft war: Alſo auch iuiglei⸗
chen formiren ſich die geoffenbahrten Kraͤffte GOttes in einen
auſſerlichen Grad / als in ein Weſen oder Leibligkeit / gegen dem
Geiſt zu achten / da doch auch nur ein geiſtlich Weſen ſoll verſtan⸗
den ſeyn / aber doch gegen dem Geiſt der Kraͤffte leiblich oder we⸗
ſentlich / gleich wie das Waſſer ein dicker Weſen iſt als die Lufft.
Denn die Lufft durchdringt das Waſſer / alſo auch imgleichen zu
verſtehen von den Goͤttlichen Kraͤfften und Weſen.
5. Die Kraͤffte ſtehen in einer oͤhliſchen Eigenfchafft offen⸗
bahr / aber die oͤhliſche ſtehet in einer waͤſſeriſchen Eigen⸗
ſchafft offenbahrrs Darumb ſtehet das Weſen der Goͤttli—
chen Kraͤffte in einem geiſtlichen Waſſer / als im heiligen Ele—
ment / aus welchem dieſe Welt mit 4. Elementen / als noch einen
aͤuſſerlichern Grad / iſt erbohren / und in ein formlich Weſen er⸗
ſchaffen worden.
6. Und verſtehen in demſelben heiligen Element oder geiſtli—
chen Waſſer das heilige Paradiß / in welchem die geoffenbahrten
Kraͤffte GOttes wuͤrcken: Welches heilige Element hat im An—⸗
fang dieſer aͤuſſern Welt durch Die 4. Elemenra durchgedrungen
und gegruͤnet / in welcher Krafft auch ſolche Frucht wuchs / darinn
die Eitelkeit des Grimmes nicht offenbahr war / welches der
Menſch verfchergte / Dat; das Grünen des heiligen Elcments
durch Die 4. Elementa und durch die Erde auffhörte / in deme der
Fluch der Eitelkeit in dem Quallen und Grünen aus der Erden
offenbahr ward.
7. Alfo verftchen wir mit der fichenden Geftalt der ewigen
Natur / das ewige Himmelreich / darinnen die Krafft GOttes
weſentlich ift/iwelches Weſen vom Glang und Krafft des Feuers
und des Liechtes tingiret wird / denn der Glan vom geiftlichen
Feuer und Liechte iſt das wuͤrckende Leben in dem Geiſt-Waſſer /
als im heiligen Element / denn id Waſſer als das gefafte Wefen
der Göftlichen Kraͤffte ift webende 2 Aber doc) gegen den Goͤtt⸗
lichen Kräften / iſt es als cin Unverftand / denn cs iſt ein Grad
Aufferlicher / wie danırein jeder Weſen oder Corpus unter den
Geifteift : Das öhlifche Weſen ift der Geift des Waſſers / als
des Waffer-Geiftes ; und die geoffenbahrteKräffte GOttes / ſind
der Geiſt des Oehles oder öhlifchen Beiftes :und der ewige Ber-
fand des Worts ift der Anfang der geoffenbahrten Kräffte/ und
gehet jeein Gradus aus dem andern / und ift alles Wefenanderfk,
nichts] als der geoffenbahrte GOtt.
B 3 8. Wenn
30 Vonm Weſen der Seibligkeitt Tap.e.
3. Wenn wir betrachten / mas doch vor Zeiten diefer äuffern
Welt im Loco diefer Welt fey vor ein Sehen / Weben und Regi⸗
ment gemefen : Was doch die Ewigkeit ſey: So finden wir /
daß fie ein folch Leben / Weben und Regiment fey geweſen / und
auch) in Ewigfeitfen/ wie oben gemeldet worden.
9. Diefe auffere vier-Elementifche Welt mit dem Geſtirne ifk
sine Figur der innerfichen Kräffte der geiftlichen Welt / und ift
durch) Die Bewegung GSttes / als Er die innerliche geiftliche
Welt hat beweget / aufgefprochen oder außgehaucht worden/ und:
vonder Goͤttlichen Begierde der innern Kräffte gefaſſet / und in,
ein Geſchoͤpffe aus der innern geiſtlichen finſtern / und aus der
Heiligen Liecht-⸗Welt eingefuͤhret worden.
x0. Dieſe aͤuſſere Welt iſt als ein Rauch oder Brodem vom
Geiſt-Feuer und vom Geiſt-Waſſer / beydes aus der heiligent
und dann auch aus der finſtern Welt außgehaucht worden /dara
umb iſt ſie boͤß und gut / und ſtehet in Lieb und Zorn / und iſt nur
als ein Rauch oder Nebel gegen und vor der geiſtlichen Welt {
und hat ſich mit ihren Eigenfchafften wieder in Formen der
Kräffte zueiner Gebäprerin eingefuͤhret / wie an Sternen] Ele=
menten umd Ereaturen /fo wohl an wachfenden Bäumen und
Kräutern zu ſehen iſt: Sie macht in fich mit ihrer Gebuhrt cin
ander Principium oder Anfang / denn der Zeit Gebaͤhrerin ift ein
Morellder ewigen Gebahrerin und ſtehet die Zeitin der Ewige
keit / und ift anders nichts als day lich die Ewigkeit mit ihrer
wunderlichen Gebuhrt in ihren Kraͤfften und Vermoͤgen alfo in
einer Form oder Zeit ſchauet.
1x. Und wie wirnunerfennen/ dag in der geiftlichen heiligen
Welt ein Weſen ſey als ein faglich Weſen / welches ſtehet im
geiftlichen Sulphure , Mercurio und Sale in einem öhlifchen und
wäfferifchen Grunde / darinnen die Göttlichen Kräffte ſpielen
und würden: Alfo auch imgleichenift in der finftern Welt eine
ſolche Eigenfchafft / aber alles widerfinnig und widerwertig /
feindig/neidig und bitter / ſtachlicht: Siehdt auch Wefen von
ihrer Begierde/aber eine ganz rauhe wäfferifche Art/ ſcharff und
frenge / gleich der Eigenfihafft der rauhen harten Steine oder
Der wilden Erde) auff kalte und hitzige / finftere/ feurifche Eigen
ſchafft / alles ein Contrarium wider die Siebe) auffdaß erfant wer⸗
de / was Sieb oder Leyd ſey.
12. Auff daß ſich die ewige Freudenreich in ſich ſelber kenne /
ſo muß die Schaͤrffe der Quaal eine Urſache der Freudenreich
ſeyn / und die Finſternuͤß eine Ofenbahrung des Liechts / auf
d
Caps. die zte Geſtalt der Natur. 31
das Liecht offenbahr fey / welches indem Einem nicht feyn koͤnte.
13. Damit ich aber dem Leſer Diefes kurtz und rund der ſteben
Eigenfchafften der ewigen Natur / welche drey Principia oder
Welten machen / befcheide : So wil ich ihme aus Liebe / Umb
der Einfalt willen /die Geftalten noch einmahl Eurg darjtellen /
alscin A. B. ©. deme nach zu finnen.
I. Geſtalt / Herbe / Begierde.
14. Siehe die Begierde des ewigen Worts / welches GOTT
iſt /ift der Anfang der ewigen Natur /undift die Faſſung des
ewigen Nichts in Etwas : Gie ift die Urſach aller Weſen / auch
der Kälte und Hige/ fo wohl des Waffers und Luffts / und die
Formung der Kräffte / und eine Urſache des Geſchmacks / aller
Saltze Mutter.
. 1. Geſtalt / Bitter / Stachlicht.
15. Die Bewegligkeitder Begierde / als das Anzichen ift die
. andere Geftalt der Natur / eine Urſache alles Lebens undRaͤgens /
ſo wohl der Sinnen und Unterſchiedligkeit.
III. Geſtalt / Angſt / Befindligkeit.
16. Iſt die Angſt als die Empſindligkeit eine Urſach des Ge—
muͤths / darinnen die Sinnen raͤge werden.
IV. Geſtalt / Feuer / Seiſt/ Vernunfft / Begierde.
17. Das Feuer iſt eine Urſach des wahren Geiſt-Lebens / da
die heiligen Kräffte der freyen Luft vonder herben Rauhigkeit
erlöfet werden ; Denn das Feuer verfehlinget in feiner E’’ens
das finftere Weſen der Impreflion , und führets in geiftliche
Kraͤffte aus dem Liecht aus fich aus.
V. Geſtalt / Liecht / Liebe.
18. Die heilige geiſtliche Liebe-Begierde / da ſich der heilige
Wille GOttes hat in der ſtrengen Impreſſion geſchaͤrffet / und
durchs Feuer mit der Krafft der Allmacht offenbahret; der fuͤhret
ſich nun durchs Feuer im Liecht aus / und hat ſich alſo in den
Kraͤfften in Leben und Bewegnuͤß / in Begierde eingefuͤhret / dar⸗
innen die heilige Gebaͤhrung und Freudenreich der groffen Liebe
GoOttes ſtehet und offenbahr ift.
| VL Geſtalt / Schall) Hall / Wort.
29. Iſt der Schall des Goͤttlichen Worts aus den Goͤttlichen
Kraͤfften / welcher ſich in der Liebe-⸗Begierde formet / und in ein
lautbar Wort aller Kraͤffte einfuͤhret / darinnen die Offenbah⸗
rung Goͤttlicher Freudenreich / in der freyen Luſt der Weißheit
Gohttes ſtehet.
| B4 VII.Ge⸗
32 Bom Weſen der Leibligkeitiie. Cap.s.
vi Geſtalt / Weſen / Gehaͤuſe.
20. Iſt das geformte Weſen der Kraͤffte als eine Offenbah⸗
rung der Kraͤffte: was die erſten ſechs Geſtalten im Geiſte find /
Das iſt die ficbende im begreifflichen Weſen / als ein Gehaͤuſe
ver andernallen/oder als eingeib des Beiftes/darinnen der Geiſt
wuͤrcket / und mitihme felber fpielet ; auch ift er eine Speiſe des
Feuers davon das Feuer Eſſentz zu feiner Zehrligfeit hofet/ dar⸗
innen es brennet / und iſt der fiebende / das Neich der Herzligkeit
GoOttes / und heiffen die ſieben alfo:
21. Die ſteben Geifter GHttes/oder Kräften der Natur / wie
ſich diefelven in Liebe und Zorne / im himmlischen und hoͤlliſchen /
fo wohl im Reiche der Welt ergeigen und offenbahren.
I. Herbe / Begierde.“, YHart/Kalt// RKalte / Harte / Steĩ⸗
3 | Geis. ne / Beine / Saltz.
2
11 Ziche oder ſtachel Stachel / Gifft / Leben / Wach⸗
(2 der Empfindligkeit. &\ Neid /
ir Angit oder Ge⸗
muͤthe. Boffart /
Feindſchafft.
ſen / Sinnen.
Schwefel / Em⸗
| pfindligkeit / Dein,
je
-r
t AV. Feuer oder Geiſt: Zorn. Geiſt / Vernunfft /
ER Liebe⸗Feuer Begierde.
JV . Liecht oder Liebe-RXSanftmuth Venus-Spiel / Le⸗
Begierde. bens ⸗Liecht.
Fo VE Schall oder*ZGoͤttliche = Lauten / Schreyen /
SVerſtand. zZ Freude. Unterſcheiden.
VII.Leiboder We) Himmel, = Leib / Holtz / Steine /
ſen. Erde / Metall /
) Kraut.
22. Günfliger Sefer verfiche den Sinn recht und wohl : Es
hat nicht den Verftand als waren die 7. Eigenfcharften getheiler/
und ware eine neben deranderen/ oder cher als die anderen : Sie
find alle 7. nur eine/ und ift Feine die erfte/ ander/ oder letzte / deñ
Die legte ift wieder die erfte: Gleich wie fich die erfte in cin geiſt⸗
lich Wefen einführet / alſo die legte in ein leiblich Weſen / die
feste ift der erften $eib. Man muß nur inStuͤckwerck alfo reden /
daß mans fan fchreiben / umd den Sinnen entwerffen dem $efer
nach zuſinnen / ſie find alleſambt nur die Offenbahrung GOttes /
nach Lich undZorn / nach Ewigkeit und Zeit.
23. Aber dieſes iſt wohl zu mercken / daß eine jede Eigenſchafft
auch weſentlich ſey: Im Himmelreich iſt daſſelbe Weſen unter
einander als sin Weſen / jnd iſt sin AAyletium, daraus —2
ca
"DRS.
Cap.7. Von der H.Dreyfaltigkeitiie. 33
Gewaͤchſe aus jeder Krafft Eigenfihafft außgwachſen. Gleich
wie die Erde ein Myſterium aller Baͤume und Kräuter / fo wohl
des Grafes und der Wuͤrme iſt / unddie 4. Elementa ein Myfte-
rium aller lebhafften / und das Geftirne ein Myſterium aller
Wuͤrckligkeit inden lebhafften und wachſenden.
24. Eine jede Eigenfchafft ift für fich felber wefentlich / und
hat in ihrem Wefen auch der andern 6. Geftälte Weſen / und
macht der andern Geftälte Weſen / in ihrem eigenen Weſen / we⸗
ſentlich / wie wir diß an Erde und Steine ſehen / ſonderlich an
Metallen / da offt in einer Compaction alle 7. Metallen inein⸗
ander innen liegen / und nur eine Eigenfchafft die Oberste iſt;
welche die andere alle in fich coaguliret und gefangen halt/ und iſt
je eine mehr offenbahr als die andere / nach deme eine jede Eigene
ſchafft in einem Dinge ftarck ift / alfo auch in den wachſenden
zuverfichen: da ift offte in einem Kraute oder Holge herbe oder
ſauer / bitter/Angft oder ſchwefliſche Feuriſche / Suͤſſe und larfche/
oder waͤſſeriſch.
Das 7. Capittel.
Bon der Heiligen Dreyfaltigkeit und Goͤttli—
chem Weſen.
L. Je ewige und auch zeitliche Natur wird fürnent-
lich mit der finftern und Feuer-welt verſtan—
en: als in den erſten 4. Geſtalten / alsı.im
der herben Begierde / zum 2. in bitter Stach⸗
licht 3. in Angft.oder Empfindligkeit/ 4. im
Feuer’ da in der Anzuͤndung im Schradie die Scheidung aus—
gehet: die Keäffte aber / beydes in der innern und auffern Welt /
worden alle im Sicchte oder Liebe-Feuer / als in der Liebe-Be⸗
gierde verffanden.
2. Denmihrerfter Grund ift das ewige Wort / alsdas Eine /
da alles innen lieget: Der andere Grund ift die freye Luſt des
Worts / als die Weißheit / da alle Farben der einigen Krafft im
Wiilen der Gottheit offenbahr find:Der 3 te Grund ift die Liebe⸗
Degierde / da fich die freye Luſt mit ihren Farben und Tugenden
der Kräffte hat durch die Natur gefcehärffet / und durchs Feuers
Anzuͤndung in ein Geiftlic Negimenteingeführet/ welche fich
im Liechte mit den Kräften ineiner ewigen Freudenreich aus⸗
führst, ®
2 Ds 3. Der
34 Von der H. Dreyfaltigkeit / Cap.7.
3. Der 4te Grund iſt der oͤhliſche / in deme ſich die freye Luſt
in der feuriſchen Liebe⸗Begierde in der Sanfftmuht / als in ihrer
eigenen Geſtalt / faſſet / und des Feuers und Liechts Glaſt und
Eſſentz mit faſſet / und in das erſte Weſen einfuͤhret; welche
Krafft vom Feuer und Liecht in der Sanfftmuht der freyen Luſt
in der oͤhliſchen Eigenſchafft die wahre und heilige Tinctur iſt.
4. Der zte Grund iſt der waͤſſeriſche von der Ertoͤdtung im
Feuer / da das erſte Geiſtliche Weſen in der herben ſtrengen fin=
ſtern Begierde iſt im Feuer verzehrt worden. So gehet nun aus
der Verzehrligkeit des Feuers aus ein geiſtlich Weſen / das iſt
Ber oͤhliſche Grund / und ein waͤſſeriſch Weſen / aus der Toͤdtlig⸗
keit / das dem Feuer-⸗geiſte feinen Grim nim̃t / daß er ſich im
oͤhliſchen Grunde nicht mag in ſeinen grimmen Eigenſchafften
anzuͤnden / auff daß das Feuer muͤſſe durch den Todt brennen /
und nur ein Liecht ſeyn / ſonſten wuͤrde der oͤhliſche Grund entzuͤn⸗
det: alſo muß das Feuer in ſeiner Verzehrligkeit das Waſſer
als ſeinen Tod gebaͤhren / und muß es doch auch wieder zu ſeinem
Leben haben / ſonſt moͤchte weder das Feuer noch das Liecht beſte⸗
hen / und alſo iſt es ein ewiges gebaͤhren / verzehren und wieder⸗
nehmen / und verzehren / und doch auch alſo ewig geben / und iſt
kein Anfang noch Ende.
5. Alſo verſtehen wir nun / was GOTT und fein Weſen ſey.
Wir Chriſten ſagen: GOTT ſey Dreyfaltig / aber im Weſen:
daß aber in gemein geſagt wird / GOTT ſey dreyfaltig in Pers
ſonen / das wird von den Unverſtaͤndigen uͤbel verſtanden / auch
wohl von theils Gelehrten: denn GOTT iſt keine Perſon als
nur in Chriſto / ſondern Er iſt die ewig⸗gebaͤhrende Krafft / und
Das Reich ſamt allen Weſen: Alles nimt feinen Urftand
von ihme.
6. Das aber geſaget wird von GOTT: Er ſey PVatter/
Sohn / heiliger Geiſt / das iſt gar recht geſagt; allein man muß
es erklaͤren / ſonſten begreiffts das unerleuchte Gemuͤhte nicht
Der Vaͤtter iſt erſtlich der Wille des Ungrundes / Er iſt auſſer
aller Natur oder Anfaͤnge der Wille zum Ichts / der faffet ſich
un eine Luſt zu ſeiner ſelbſt⸗Offenbahrung.
7. Und die Luſt iſt des Willens oder Vatters geſaſte Krafft/
und iſt ſein Sohn / Hertze und Sitz / der erfte ewige Anfang im:
Willen; und wirddarumbein Sohngenannt / daß Erim Wil⸗
len einen ewigen Anfang nimt / mit des Willens felbft-Faffung.
8. So ſpricht ſich nun der Wille durch das Faſſen aus ſich
aus / als cin Aushauchen oder Offenbahrung / und a irre
142
Cap.7. und Goͤttlichem Wefen. 35
Ausgehen vom Willen im ſprechen oder hauchen / iſt der Geiſt
der Goͤttheit / oder die dritte Perſon / wie es die Alten gege⸗
ben haben.
9. Und das Ausgehauchte ift die Weißheit / als die Krafft
der Farben und Tugend des Willens / welche er in ein Lebens
Centrum oder Herge zu feiner Wohnung ewig faffet / und aus
der Faſſung / als aus feiner ewigen Form ewig wieder auß⸗
A umd doch auch ewig wieder zu feines Herkens Centrum
aſſet.
10. Alſo iſt die Faſſung des Willens / als des Vatters von
Ewigkeit in Ewigkeit / der faſſet ſein ſprechendes Wort von
Ewigkeit in Ewigkeit / und ſprichts von Ewigkeit in Ewigkeit
aus: Das Sprechen ift der Mund des Willens HOffenbah>
rung / und das Ausgehen vom Sprechen oder Gebaͤhren iſt der
Geift des geformten Worts/ und das Ausgefprochene ift die
Krafft Farben umd Tugend der Gottheit / als die Weißheit.
ır. Allhie kan man mit keinem Grunde fagen / daß GOTT
drey Perfonen ſey / fondern Erift Dreyfaltig in feiner ewigen
Gebährung: Ergebähret ſich in Dreyfaltigkeit / und iſt in dies
fer ewigen Gebährung doch nur ein einig Welen und Gebaͤh⸗
tung zu verftchen / weder Batter/ Sohn noch Geift/ ſondern
das einige ewige Leben oder Gut.
12. Die Dreyheit wird erft recht in feiner ewigen Offenbah⸗
rung verftanden: als da Er fic durch Die ewige Natur durchs
Feuer im Liechte offenbahret.
23. Allda verfichermandrey Eigenfchafften in einem einigen
Mefen: alsden Batter mitder Feuer⸗welt; und den Sohn mit
der Siebe- Begierde im Liechte / als mit der Siecht-welt / oder mit
der groffen Sänffte im Feuer ; undden heiligen Geift mit den
webenden Leben / in der Tinkur „im öhlifchen und waͤſſeriſchen
Leben und Regiment / der im Feuer und Liechte offenbahr wird/
als in einer groffen feueriſchen Liecht⸗ und Liebe⸗Flamme / nad)
der freyen Luſt Eigenfchafft/ als nach der Göttlihen Eigen-
fhafft. Und zum z. in einer grimmigen peinlichen Quaal⸗eigen⸗
ſchafft / nach der finftern Feuͤer⸗welt / und ift Doch nur der Eini⸗
ge: im Sicchteift Er dic liebes Feuer-flamme / und im anzuͤndli⸗
chen Feuer in der Natur ift Er ein verzehrend Feuer / nach wel⸗
chem fih GOTT ein verzchrend Feuer nennet / amd in der fin⸗
fern grimmigen Quaalift Er ein zorniger Eyferer / in welcher
Eigenfchafft die Geifter der finftern Welt ſtehen. |
34, Der Datter wird alleine ein hejliger HGHTT Inder
h 36 Sehne
36 Von der H. Dreyfaltigkeit / ꝛc. Cap.7.
Sohne (das iſt in der Krafft des Kechts in der Goͤttlichen Freu—
den⸗reich / als in der groſſen Sanfftmuth und Siebe) genannt /
denn das iſt ſeine rechte Offenbahrung / darinnen Er GOTT
heiſt. Im Feuer heiſſet er ein zorniger GOTT: aber im Liecht
oder Liebe⸗feuer heiſt Er der heilige GOTT: und in der finſtern
Natur heiſſet Er nicht GOTT.
15. Man muß Unterſcheid halten / jede Welt hat fein Prin-
cipium, auch Regiment. Es ift wohl alles von einem einigen
Urftand / es fiheidet fich aber inzweyerley Quaal / wie wir def
an Feuer und giechte eine Gleichnug fehen / Da das Feuer pein—
lich und verzehrend iſt / und das Liecht fanffte und gebende: und
Adarc doch eines ohne das ander nichts.
16. Das Feuer nimt feinen Urfland in der Natur: Das Sicht
aber feinen Urftand aus der freyen Luſt / alsausden Krüfften
ver Gottheit; der Wille GOttes führet ſich nur darumb in ein
Feuer ein / daß Erdas Liecht und die Kräffteoffenbahre / und in
Weſen einführe.
17. So ich aber allyie habe ron den Geftalten der Natur
(verficherdie Ewige) geſchrieben / fo folls darumb nicht verſtan⸗
en ſeyn / als wenn die Gottheitin Zielund Maaß ſtuͤnde: ſei⸗
ne Weißheit und Krafft in Goͤttlicher Eigenſchafft iſt ohne Ziel
und Maaß / unzehlich / unausſprechlich; ich ſchreibe nur von den
Eigenſchafften / wie ſich GOTT hai durch die innere und aͤuſſe⸗
re Welt offenbahret / welches die vornembſten Geſtaͤlte ſeiner
Offenbahrung ſind.
18. Man findet in allen Dingen dieſe 7. Eigenſchafften / und
hat der keinen Verſtand der es laͤugnet. Dieſe ſieben Eigen—
ſchafften geben in der innern Welt das heilige Element / als das
heilige natuͤrliche Leben und Weben / aber in dieſer aͤuſſern
Welt ſcheidet ſich das einige Element in 4. offenbahre Eigen⸗
ſchafften / als in 4. Elemente / und da es doc) auch nur ein eini=
ges iſt / theilet ſich aber indie 4. Quellbrunnen / alsin Feuer /
Lufft / Waſſer und Erde.
19. Aus dem Feuer urſtaͤndet die Lufft / und aus der Lufft das
MWaffer / und aus dem Waſſer Erde oder ein Weſen das irr⸗
diſch iſt und find nur alſo ein Offenbabrung des Innern einigen
Elements / und für dem innern als ein ensündeter Rauch oder
Brodem: alfo ift auch das ganke Geftirne andersnichts/ als
ausgehauchte Kräffte aus der innern feurifchen finftern und
ticcht-welt/aus dem großen Gemuͤhte Göttliger Offenbahrung /
und iſt nur sin geformer Modell / darinnen ſich Das groſſe F
muͤhte
Sap.s. Bon Erfehöpff: der Engelnfsc. 37
mühte Göftlicher Offenbahrung in einer Zeit ſchauet / und mie
ihme felber ſpielet.
Das 8. Capittel.
Bon Erfihöpffung der Engeln und ihrem
Regiment.
1. Je Erſchoͤpffung der Engel hat einen Anfang:aber
die Kraͤffte daraus ſte find erſchaffen worden / ha⸗
ben keinen Anfang jemahl gehabt / ſondern ſind
mitte in der Gebuhrt des ewigen Anfangs:
Nicht daß ſte die heilige Dreyfaltigkeit / oder in
derſelben find / ſondern fie find aus dem geoffenbahrten Worte /
aus der ewigen finſtern feuriſchen und Liechts-Natur / von der
Begierde Goͤttlicher Offenbahrung gefaſſet / und in Creatuͤrli⸗
che Bilder eingefuͤhret worden.
2. GHIIT/ der ein Geiſt iſt / Hat ſich durch und aus feiner
Offenbahrung in unterſchiedliche Geiſter eingefuͤhret / welche
find die Stimmen feiner ewigen gebaͤhrenden Harmoney / in
feinem geoffenbahrten Worte feiner groſſen Freudensreich/ fie
ind GOttes Inſtrumente / in welchen der Grit GOttes in fei=
ner Freuden reich fpielet / fie find Feuer und $icchtsflammen z.
aber im einem febendigen verftändigen Regiment.
3. Denn die Kräfte der Gottheit find in ihnen gleich / wie
auch im Menfchen/ wie Joh.ı. faget: Das Leben der Mens
fihen war im Worte: alfo ift auch das Leben der Engeln im
Worte von Ewigkeit geweſen: denn Matth. 22. vers 30. ftehets
In der Aufferfichung find fie gleich den Engeln GOttes / verſte⸗
het tie Menſchen.
4. Und wie wirmit der Göttlihen Hffensahrumg durch die
ewige Natur/ Haubtgeſtoͤlten verftehen: alfo find uns auch Für-
flen-Engel mit vielen Legionen zu verfichen / fonderlich aber mit
drepen Hierarchien, nach Eigenföhafft der heiligen Dreyfal⸗
u. / und nach den drey Principien , wie das alles unlaug:
bar ift.
5. As x. eine Hierarchta wird verflanden nach der finftern
Welt mit dem Königreich Lucifers , welcher fich felber darein
verteuffet hats und die andere wird verftanden mit der lichtfeus
rifegen Liebe-welt; und die 3. mit dem Myfterio der aͤuſſern
Welt / darmit ſich die innere haͤt offenbahret.
Aa: vi. 6. Jede
38 Von Erſchoͤpffung der Engeln! Cup-®.
6. Jede Hierarchia hat ihr Fuͤrſtlich Regiment und Ordnung:
Als die in der finſtern Welt in GOttes Grimme / und die in
der heiligen Welt in GOttes Liebe; und die in der aͤuſſern Welt
in GOttes groffen Wundern nach Liebe und Zorn.
7. Die in der finftern Welt tragen den Namen (oder die
Namen) des groſſen Zorns GOttes nach den Eigenfchafften
der ewigen Natur im Grimme; und die im $iechte fragen die
Namen des heiligen GOttes / als der Göttlihen Kräfften/ und
Die in der Schöpffung der Wundern der äuffern Welt/ tragen
die Namen der geoffenbarten Kräffte der auffern Welt / als der
Dlaneten/ Sternen / umd 4. Elementen. *
8. Die in der finſtern Welt herrſchen in der Natur des geof⸗
fenbarten Grimmes / als inden Eigenfchafften GOttes Zorns /
und haben ihre Fürftliche Negimente darinnenz Und die in der
heiligen Welt regieren in den Kräfften ver triumphirenden
Welt / als inder groffen heiligen Freuden-reich / inden Wun⸗
dern der heiligen Weisheit; und die inder auffern Welt herr=
fchen über die Kraffteder Sternen und 4. Elementen / und ha⸗
ben auch ihr Fürftlic Regiment über die Welt / und ihre Kö>
nigreiche und Fuͤrſtenthuͤmer / zum Schuß des Berderbers im
- Grimme.
9. Jedes Sand hat feinen Fürftlihen Schug-Engel/ ſambt
feinen Legionen : Auch fo find Engel über die 4. Elemente x
übers Feuer und über die Lufft / auch übers Waſſer und die Er—
den / und find allzumahl nur dienftbahre Geifter des groffen
GOttes / ausgefandf zum Dienfte derer / welchedie Seeligkeit
ererben follen7 wie gefihrieben ftehet: Der Engel des HErrn
lägert fich umb die her / foihn fürchten / fte find GOttes Ambt⸗
leute und Diener in feinem Regiment / welche beweglich find.
10. Denn GOTT bemeget fich nicht allemahl / als nur in fich
ſelber: Weil aber feine Orfenbahrung der ewigen und aͤuſſern
Natur im Streite ftehet / fo find auch der finftern Welt Geifter
wider der heiligen Welt Geifter /fonderlich aber wider die Wette
ſchen / welche in Böfe und Gut offenbahr ſtehen: So hat GOTT
eins wider das ander gefeget / auff dag feine Herrligkeit offenbar
erde / beydes in feiner Liebe und in feinem Zorn.
-ız. Denn gleich wie wir Menfchen auff Erden Regimente
haben: alfo haben auch die Obern unter dem Geftirne ihre Res
simente / fo wohlauch die Ochlifchen in der Element-Lufft: Die
ganse Tieffe zwifchen den Sternen und der Erden / iftvollund
nichts leer, Ein jedes Regiment hat fein rigen Principium, ‚ah
N hes
SURTE —
Cap.8. und ihrem Regiment. 39
ches uns Mienfchen ein heil Lächerlich fuͤrkomt / dieweil wirs mit
unfern Augen nicht fehen / und bedencken nicht darbey / daß un⸗
fere Augen nicht ihrer Efleng und Eigenfchafft find / daß wirs
nicht fehen noch begreifen können: Denn wir leben nicht inihrem
Principio , darumb fönnen wir die nicht fehen.
ı2. Gleich wie in der Göttlihen Hffenbahrımg der Göttlie
chen Kräffte je ein Gradus aus dem andern gehet/ biß zur allers
Aufferfien Offenbahrung: Alfo ift uns auch mit den Engels
oder Geiftern zu verfichen: Sie findnicht alle heilig / welche
in den Elementen wohnen. Denn gleihwie ver Grimm der
ewigen Natur in der finftern Welt offenbahr ift ; alfo auch in
der auffern Welt / infeiner Eigenfchafft.
13. Arsch findder Auffern Welt Geifter nicht alle mit ei>
nem Ewigen / ſondern theils nur aus dem Anfange / welchenas
tuͤrlich im Geiſte der auffern Welt ihren Urſtand nehmen / und
auch durch die Natur vergehen / und bleibet nur ihr Schatten /
gleich wie aller anderen Thiere auff Erden.
14. Was nicht das heilige Element und die ewige Feuer⸗
welt erreichet / das iſt ohn ein ewig Leben / denn es wrftändet aus
der Zeit; und was nun aus der Zeit iſt / das wird von der Zeit
verzehret / es habe dan ein Ewiges in dem Zeitlichen / daß das
Ewige das Zeitliche erhalte.
15. Dann das Ewige wohnet nicht in der Zeit / und obs gleich
der Zeit Weſen an ſich hat / ſo wohnet doch das Ewige im Ewi⸗
gen inſich ſelber / und das Zeitliche im Zeitlichen: Wie es denn
ebner Geſtalt mit des Menſchen Seel und Leib zu verſtehen iſt /
da die Seele aus dem Ewigen / und der aͤuſſere Leib aus der Zeit
iſt / und da doch in dem Leibe der Zeit auch ein Ewiges iſt / und iſt
aber in Adam des ewigen Liechts verblichen / welches durch Chri⸗
ſtum follwiedergebohren werden.
16. Uns ift nicht alfo von den heiligen Engeln zu verftchens
Das ſie allein überdem Geftirne / auffer diefer Welt wohnen?
wie die Vernunfft tichtet die nichts von GOTT verfichet:
Wohl wohnen fteauffer diefer Welt Regiment und Quaal / aber
auch im Orte diefer Welt / wiereohl in der Ewigkeit kein Ort
iſt der Ort diefer Welt / und dan der Ortauffer diefer Welt /
iſt ihnen alles eines.
17. Denn der Anfang der Quiaal / als der 4. Elemente mit
dem Geſtirne / macht nur einen Ort / im innern iſt kein Ort / fon»
dern alles gantz; was uͤber den Sternen auſſer dieſer Welt iſt /
das iſt auch im Innern auſſer den 4. Elementen im Orte dieſer
Welt / ſonſt waͤre GITT zertrennet. 18. Die
| 45 Don Erfchöpffungder Engeln! Cap.s.
18. Die Engliſche Welt iſt im Loco oder Ort dieſer Welt
innerlich / und derſelben Quaal Abgrund iſt die groſſe Finſter⸗
nuͤß / da die Teuffel ihr Regiment haben / welcher auch in keinem
Ort eingeſchloſſen iſt: Dann ihr Ort iſt auch die Ewigkeit da
fein Grund iſt / allein iſt ihr Welt-weſen und Eigenfchafft der
Grund ihrer Wohnung / gleich wie unferer aͤuſſerlichen Menſch⸗
heit Wohnung die 4. Elemente find: Alſo haben fie in der Fin⸗
ſternuͤß auch ein Element nach der finftern Welt Eigenfchafft :
fonft wire GOTT in feinem Grimme auch gertrennet.. Denn
wo ich Fan ſagen: Hie ifEBOTT in feiner Siebe / ebenda fan
ich auch fagen: Allhie iſt SOTT in feinem Zorne/ alleine ein
Principium ſcheidet das.
19. Gleich wie wir Menfchen mit unfern Augen nicht die
Engel und Teuffel ſehen / und da fie doch umb und bey uns feynde
Urſach ift dieſes: dag fie nicht in unſerer Welt Quaal und Regi⸗
ment wohnen / haben auch nicht der aͤuſſern Welt Eigenſchafft
an ſich: Sondern ein jeder Geiſt hat ſeiner Welt Eigenſchafft
an ſich / darinnen er wohnet.
20. Der Anfang jeder Welt Quaal iſt das Scheide-Ziel/ daß
einer den andern nicht ſiehet / dan die Teuffel find in der himmli⸗
ſchen Quaal ein Nichts / dan fie haben nicht derſelben Quaal in
fich ; und ob fiedie haben / ſo iſts ihnen als wie im Tode verfchlofe
fen / gleich als wie ein Eifen glüend ift/ weil es glüet fo ifts
Feuer / und fo das Feuer erlifchet / fo iſts ein finfter Eifen. Als
fo iſt uns auch imgleichen von Geiſtern zu verftehen.
21. Alfo ſeynd auch die Engeln inder Finſternuͤß ein Nichts)
fie find zwar darinnen / aber fie ſehen die nicht / fühlen fie auch
nicht: Was den Teuffeln eine Pein ift / das ift den Engeln in
ihrer Quaal eine Freude: Alfo auch / wasden Teuffeln wohl>
gefallt/ das wollen die Engel nicht. Es iſt eine groffe Kluft zwi=
ſchen innen, die iſt eine gantze Gebuhrt.
22. Denn was kan ſonſten das Liecht von der Finſternuͤß
ſcheiden / als nur eine Gebuhrt des Sehens oder Scheins. Das
Liecht wohnet in der Finſternuͤß / und die Finſternuͤß begreiffet
es nicht / (Joh. x.) Gleichwie der aͤuſſern Sonnen Liecht in der
Finſternuͤß dieſer Melt wohnet und ſcheinet / und die Finſter—
nuͤß begreiffts nicht. So aber der Sonnen Liecht weichet / ſo iſt
die Finſternuͤß offenbahr. Allhie iſt Feine andere Klufft zwiſchen
ihnen / als nur eine Gebuhrt.
23. Alſo iſt uns auch zu verſtehen vom ewigen Liechte GOt⸗
tes / und von der ewigen Finſternuͤß GOttes Zorns es iſt alles
Nur
Fans. und ihrem Negiment. - 47
aur ein einiger Grund / der ift der geoffenbahrte GOTT: «6
ſcheidet ſich aber in abtheifiche Principia und Eigenſchafften / denn
die Schrift faget : Der heilige ift GOTT ein guter Geruch zum
Leben / verſtehet zum heiligen Goͤttlichen Leben / als in der Krafft
des Liechts; und der Gottloſe iſt GOTT cin guter Geruch) zum
Tode / das iſt in feinem Grimme / alsinder finftern Welt EL
ſentz Quaal und Regiment.
24. Denn der heiligen Welt GOTT / und der finſtern Welt
GOTT / ſeind nicht zween Goͤtter: Es iſt ein einiger GPZT:
Er iſt ſelber alles Weſen / Er iſt Boͤß und Gutes / Himmel und
Hoͤlle / Liecht und Finſternuͤß / Ewigkeit und Zeit] Anfang und
Ende / wo feine Lebe in einem Weſen verborgen iſt / allda iſt
fein Zorn offenbahr. In manchem Weſen iſt Liebe und Zorn in
gleichen Maag und Gewichte / als uns denn von diefer auffern
Welt Wellen alfo zu verſtehen iſt.
25. Nun heiſſet er aber alleine nach feinen Liechte in feiner
Siebe ein GOTT / und nicht nach der Finſternuͤß / auch nicht
nach der augern Welt / ober wohlailes ſelber iſt fo mug man
aber betrachten Die Gradus , wie die auseinander gehen: denn
ich fan weder vom Himmel noch vonder Finſternüß / ſo wohl
auch nicht von der auffern Welt ſagen / daß ſie GOTT waͤren:
Es iſt keines GOTT | ſondern GOttes geformtes und ausge⸗
ſprochenes Weſen / cin Spiegel des Geiſtes / welcher GOTT
heiſſet / damit ver Geiſt fich offenbahret / und in feiner Luſt vor
ihm ſelber mit dieſer Offenbaͤhrung / als mit feinem gemachten
Weſen / ſpielet / und iſt aber doch das Weſen nicht vom Geiſte
GOttes abgetrandt / und begreiffet Doch auch das Weſen nicht
die Gottheit.
26. Gleich wie Leib und Seel eins ſeind / und doch auch keins
das ander: oder wie das Feuer und das Waſſer / oder die Lufft
und die Erde aus einem Urſtande ſeynd / und iſt doch keines das
ander: find aber mit einander verbunden / und wäre eins ohne
das ander nichts: Alfo ift uns auch von den Göftlichen Weſen /
und denn von der Göftlihen Krafft zu verſtehen.
27. Die Krafft im Liechte ift GOttes Liebe-feuer / und die
Kraft in der Finſternuͤß ift GOttes Zorn⸗feuer / und itt doch
nur ein einig Feuer / theilet fich aber in zwey Principia, auf
dag eines im andern offenbahr werde: Denn die Flamme des
Zornes iſt die Offenbahrung der groffen Liebe; in der Finſternuͤß
wird das Siecht erkant / ſonſt waͤre es ihme nicht offenbahr.
28. Alſo iſt uns zu verſtehen: daß die boͤſe und gute ge
nahe
a2 Von Erſchoͤpffe der Engelnnze. Cap-8,
nahe bey einander wohnen und iſt doch die gröfte unermeßliche
gerne. Denn ver Himmeliftinder Hölle/ und die Hölle ift im
Himmel / und ift doch keines dem andern offenbahr: Und wenn
der Zeuffel viel hundertmahl tauſend Meylen führe / und wolte
in Himmel einfahren / daß Er denfelben fehen wolte / ſo waͤre
er doch nur in der Höle/ und fahe ihn nicht. Alfe fehen auch die
Engeldie Finſternuͤß nicht / denn ihr Sehen ift eitel Sicht Goͤtt⸗
licher Krafftsund der Zeuffel Sehen ift eitel Finfternuß GOttes
Zorns / alfo ift es auch mit den Heiligen / und denn hinwieder
mit den Gottlofen Menfhenimgleichen zu verfichen. Darumb
da wir in Adam das Goͤttliche Sehen / da Adanı aus Göttlicher
Krafft fahe/ verlohren hatten / fofprach Ehriflus: Ihr muͤſſet
von neuen gebohren werden anderft koͤnt ihr das Reich GOttes
nicht ſehen.
29.Die Engliſche Schoͤpffung iſt uns vom Geiſt⸗feuer zu ver⸗
ſtehen / da ſich der Wille des Ungrundes in Grund einfuͤhret/
und mit der Feuer-Gebuhrt das ewige ſprechende Wort oder Le⸗
ben offenbahret/ als mit dem erſten Principio, da das Geiſtli—
he Regiment durch die Feuer-gebuhrt offenbahr wird. In die⸗
ſem Geiſtlichen Feuer urſtaͤnden alle Engel / als aus den Ge⸗
ſtaͤlzen zum Feuer-⸗quall: Denn aus dem Feuer mag nichts ge>
ſchaffen werden / denn es iſt kein Weſen: aber aus den Eigen
ſchafften zum Feuer mag eine Creatur in der Begierde / als im
Verbo Fiat ergriffen / und in eine creatuͤrliche Form und Eigens
ſchafft eingefuͤhret werden.
30. Darumb ſind der Engel viel und mancherley / auch in
vielen unterſchiedenen Aembtern / und wie 3. Geſtaͤlte zum
Feuer-quaal find / alfo find auch 3. Hierarchien, und darinnen
ihre Fürftliche Regimente / und auch 3. Welte ineinander als
eine / welche 3. Principia oder Anfüngemachen ; denn eine jede
Eigenfchafft ver ewigen Natur hat ihregradus: Denn im Feuers
blis gehen fie auseinander / und aus denfelben Gradibus ift der
Unterſchied der Geifter erfchaffen worden.
31. Und ift ung mitder Schöpffung der Engel und aller an⸗
derer Beifter anderft nicht zu verſtehen / als dag fich der ungruͤnd⸗
liche GOTT in feinen geoffenbahrten Eigenfhafften / hat aus
den Eigenschaften in lebendige Ereaturen eingeführet/ mit
welchen er die Gradus befeßet / undinden Eigenfihafften damit
fpielet / fie find feine Seyten in dem allwefenden fprechenden
Worte / und find alleſamt indie groffe Harmoney ftines ewig>
ſerechenden Worts gerichtet. Alfo daß in allen — und
igen⸗
Caps. Vom Fall Lucifers /ꝛc. 43
Eigenſchafften die Stimme des unerforſchlichen GOttes offen⸗
bahr und erkandt werde / ſie ſind alle ins Lob GOttes erſchaffen.
32. Denn alles was lebet / das lebet in dem ſprechenden Wor⸗
te: Die Engel in dem ewigen Sprechen / und der Zeit Geiſter
in dem Wiederausſprechen aus der Zeit Formungen aus dem
Halle der Zeit; und die Engel aus dem Halle der Ewigkeit /als
ausder Stimme des gentfenbahrten Worte GOttes.
33. Darumb fragen fie die Namen der unterfchiedlichen Gras
duum in der geoffenbahrten Stimme GOttes / undift ein Gra-
dus je peiliger in der Krafft als der andere: Darumb find auch die
Engel in ipren Ehoren inder Kraͤfft der Göttlihen Macht un⸗
terſchieden / und hat einer viel ein heiliger Ambt zu verrichten
als der ander: Wie wir deſſen cin Erempel anden Prieſtern
des alten Teftaments haben in ihren Ordnungen / welches auff
eine Englifche Art gerichtet ward.
- 34. Ob wohl Irrdiſch: fo wardoc eben cin ſolch Engliſcher
Berftand darunter verborgen / welchen ihme GOTT auffden
zukünftigen Jeſum in menfchfiche Eigenfchafft fürftellte: und
im Borbilde alfo mit Iſrael fpielete auff das zukuͤnfftige Ewige /
welches der Jefus.aus Jchowa wicderbrachte / und in menfchliche
Eigenfchafft einführte/ welches die irzdifche Vernunfft nicht be=
griffen noch verffanden hat: aber nunmehr weil die Zeit
ebohren iſt / und der Anfang das Ende wiederfunden
at / offenbahr ſeyn follzu einem Zeugnüß aller Voͤlc⸗
fer / deutet der Geiſt der Wunder.
Vom Fall tucifers mit feinen Legionen.
ze. B ung die eigene Bernunfft alhier möchte ta⸗
deln wollen und ſagen: Wir find nicht darbey
gewefen als dig gefihehen ſey: fo fagen wir als
hier auf Magifhe Art nach Recht der Ewig-
keit dag wir wahrhafftig ſind darbey gemefen/
und diß gefehen: Aber Ich / der Ich der Ich bin / habe es nicht
gefehen. Denn ich war noch nicht eine Creatur: aber wir has
bens in der Efleng der Seelen / welhe GOTT dem Adam eins
bließ / gefehen.
2. Sp nun GTT in derfelben Elſentz wohnet / und *
F wigkei
44 Vom Fall $ucifers Cap. 9.
wigkeit gewohnet hat / und ſich in ſeinem Spiegel offenbahret und
zu ruͤck ſiehet durch die ſeeliſche Ellentz in den Anfang aller We⸗
ſen / was hat mich deñ die Vernunfft su tadlen / umb dag ſie daran
blind iſt? Ich ſoll die Vernunfft warnen / daß ſie doch wolte tin»
mahl in Spiegel des Verſtandes ſehen / und betrachten was ſie
ſey; und vom Bau der dollen Babelablaffen ; es wird Zeit feyır.
3. Der Sail Lucifers ift nicht aus GOttes Fürfas oder Vers
ordnung gefchehen ; in GOttes Grimme / als nach der finftern
Welt Figenfchafft ifter wohl erfant worden /wicer gefchehen
koͤnte oder wurde: Aber in GOttes Heiligkeit/als im Liecht / iſt
Feine folche Begierde in ſolcher Eigenſchafft offenbahr : fonft
muͤſte der heilige Gott in feiner Liebe eine Teuffels-oder hoͤlliſche⸗
grimmige Begierde baben/welches gar nicht iſt: Aber im Centro
der ewigen Natur / alsinden Geftalten zum Feuer / ift in der
finftern Impreflion wohl cine ſolche Eigenfchafft.
4. Ein jeder guter Engel hat das Centrum in fich / und iſt
je etwan in einem Grad im Centro in creafürlicher Eigenfehafft
offenbahr/welche Eigenfchafft in der Creatur die gröfte ift / nach
derfelben iſt auch fein Ambt und Regiment.
5. Waren doch dir Engel / welche aus den Gradibus des Centri
gefchaffen worden / allefambt in das Liecht gefchaffen / das $iccht
mar in allen offenbahr / und hatten freyen Willen aus dem ges
offenbahrten Willen des Willens GOttes.
6. Lutifer wäre wohl ein Engel blieben / hätte ihn nicht ſein
eigner Wille in die Feuers: Macht eingeführet /wollend in Fine
ſternuͤß und giccht in ſtarcker Feuers: Macht / als ein eigener
Gott / über und in allen herifchen : Ware er in der Harmoni
GHttes / darein ihn GOtt hatte gefchaffen/verblichen.
7. So ſpricht die Bernunfft : Er konte nicht. So ſage mir/
wer zwang ihn ? War er dochder fchönfte Fürft im Himmel:
hatte er feinen Willen in GOttes Sanfftmuth) eingeführet/ fo
hätte er gekoͤnt; fo er aber nicht wolte / fo konte er nicht : Denn
feine eigne Begierde gieng ins Gentrum ‚er wolte felber GOtt
ſeyn / er gieng mit dem Willen indie Selbheit / und inder Selb—
heit iſt das Centrum der Natur / als die Eigenfihafften/darinnen
wolte fein Wille Herr im Hauſe ſeyn.
8. GOtt aber hat ibn in feine Harmoney geſchaffen: daß er
wolte mit feinem Liebe⸗Geiſt in ihme / als auff feinem Seyten⸗
fpiele feines geöffenbahrten und geformten Wortes / fpielen/ und
das wolte der eigene Wille nicht.
9. Nun fpricht die Bernunfft: Wie kam das ? Wuſte er Pr
nic
Capo: mit ſeinen Legionen. 45
nicht GOttes Gerichte und den Fall ? Ja er wuſte es: Aber er
hatte den Fall nicht in der Empfindligkeit / ſondern nur als eine
Wiſſenſchafft. Die feuriſche Luſt / welche in ihme ſtarck war /
reitzete ihn / denn fie wolte gerne in der Eſſentz des Grimmes (als
in der Feuer⸗Wurtzel) offenbahr ſeyn. Die Finſternuͤß wolte
auch gern creatuͤrlich ſeyn / die zog ihren Spielmann / der groſſen
Feuers-Krafft / den Lucifer / zwar nicht auſſer ihme / ſondern in
ſeiner ſelbſt-feuriſchen und finſtern Eſſentz / Eigenſchafft und
Willen. Der Fall entſtund in der Creatur / und nicht auffer der
Creatur / gleich wie auch in Adam dergleichen. Der eigene Wille
war der Anfang der Hoffart.
ro. Sprichſtu / was verurſachete ihn in ihme ſelber ? Seine
groſſe Schoͤne: Daß ſich der freye Wille im Feuer⸗Spiegel
beſahe / was er waͤre / dieſer Glantz machte ihn beweglich / daß er
ſich nach den Eigenſchafften des Centri bewegte / welche zuhand
anfiengen zu qualikieiren. Denn die herbe ſtrenge Begierde / als
Die erſte Geſtalt oder Eigenſchafft impreſſete fich/und erweckte den
Stachel und die Angſt-Vegierde: Alſo uͤberſchattete dieſer ſchoͤ⸗
ne Stern ſein Liecht / und machte fein Weſen gantz herbe / rauhe
und ſtrenge; und ward feine Sanfftmuth und recht Engliſche
Eigenfchafft in ein gantz ſtrenge / rauhe / finſter Weſen verwan⸗
delt: Da war es geſchehen umb den ſchoͤnen Morgenſtern / und
wie er thaͤte / alſo thaͤten auch ſeine Legionen / das iſt ſein Fall.
1x. Er ſolte in der heiligen Krafft GOttes gelaſſen ſeyn / und
hoͤren was der HErr durch ſeinen eigenen Geiſt in ihme redete
und ſpielete / das wolte der eigene Wille nicht; So muß er nun
im Finſtern fpielen ? er wil auch noch nicht / wiewohl er itzo nach
dem Fall nicht kan wollen. Dann ſeine Sanfftmuth / daraus
Das Liebe⸗Wollen entſtehet / iſt verſchloſſen / und in ein Nichts
eingegangen / als wieder in ihren Urſtand.
12. Run ſtehet nur noch die Creatur aus dem Centro, als
aus der ewigen Natur / dar: Die freye Luſt aus GOttes Weiß⸗
heit iſt von ihme gewichen / das iſt / ſie hat ſich in ſich verborgen /
und laͤſt den grimmigen Feuer⸗Willen ſtehen: Wie Adam auch
geſchahe da er nach Boͤß und Gut imaginirte : So verblich in
ſeiner Eſſentz auch die freye Luſt der heiligen Welt Weſen.
13. Das war eben das Sterben / davon ihm GOtt ſagte: Er
wuͤrde deſſelben Tages fterben/fo er vom Baume des Erkaͤntnuͤß
Böfes und Gutes effe : Alfo auch im Sucifer + Erftarbander
+ heiligen Böttlichen Welt / und wachte auf der grimmen Welt
GoOttes Zornes.
24. Sprichſtu
\ u
”
a6 | Vom Fall Luciferss Cap.9.
14. Sprichſtu / warumb hielt ihn GOtt nicht / und zog ihn
von der boͤſen Reygligkeit abe ? Lieber ſage mir womit? Solte
er diefem Feuer-Quaal mehr Siebe und Sanfftmuth einführen /
fo wäre fein prächtiges Liecht in ihme noch mehr offenbahr wor«
den; umd der Spiegeleigener Erfäntnüß je gröffer/ und der feu⸗
riſche eigene Wille ftärcker,
15. War doch fein hohes Liecht und felbeigene Erfantnüß die
Urfache feines Falls. Solte er ihn denn wollen mitder Straffe
ziehen? QBar es doch vorhin fein Fürfag den magifhen Grund
zuregieren als ein Künftler: Es war ihm umb die Kunft zu
thun / daß er wolte mit dem Centro der Berwandlung der Eigen
fchafften fpielen / und feyn / auch thun alles was er allein wolte.
Hatte er diefes nicht erkant/fo ware er ein Engelinder Demuth
blieben.
16. Darumb find die Kinder der Finfternüß/ fo wohl auch die
Kinder viefer Welt kluͤger / als die Kinder des Liechts / wie Die
Schrifft ſaget. Sprichftu warumb ? Sie haben die magiſche
Wurtzel des Urſtandes aller Weſen in ihnen offenbahr: Dieſes
begehrete eben auch Adam: Wiewohl fie der Teuffel das beredete:
Sie wuͤrden kluͤger werden: Ihre Augen wuͤrden auffgethan
werden / und ſeyn als GOtt ſelber.
17. Umb dieſer Narrerey willen hat ſich Koͤnig Lucifer erhaben:
daß er wolte ein eigener Herr und Kuͤnſtler gleich dem Schoͤpffer
ſeyn. Waſſer der Sanfftmuth wäre gut für ſeinen Feuer⸗Willen
geweſen: Aber er wolte nicht. Darumb muͤſſen GOttes Kinder
die allereinfaͤltigſten ſeyn / wie Eſaias von Chriſto weiſſagete:
Wer iſt ſo einfaͤltig als mein Knecht der Gerechte / der viel zur
Gerechtigkeit bekehret / als auff den Weeg der Demuth.
18. Alle Engelleben in der Demuth / und ſind im Geiſt GOt⸗
tes gelaſſen / und find in dem ewig⸗ſprechenden GOttes Worte /
als ein wohlgeſtimmet Inſtrument in der Harmoney des Him⸗
melreichs / welches Werckmeiſter und Regierer iſt der H. Geiſt.
19. Der Teufel aber hat ihme ein Kiscl-Spiel / gleich den
Narren zugerichtet / da er mitfeiner Derwandlung Fan Poffen
treiben z und fich närrifch geberden / in felgame Figuren einfühe
ren/ und des Bildes ver Englifchen Einfalt und Gehorfams
ſpotten; umb das war es ihm auch eben zu thun / daß er aus der
Harmoneyder Englifchen Chöre aufigieng. Denndie Schrift
faget / er fey cin Mörder und Luͤgner von Anfang gewefen ; feine
Poſſen ſeynd eitel frembde Figuren und Luͤgen / die GOtt nicht
bat in ihme in Form eingefuͤhret: Er aber fuͤhret fie in ſich in
For⸗
Cap.9. mit ſeinen Legionen. 47
Formen ein/und weilmes wider feine Schöpffung laufft/fo finde
Luͤgen und Greuel.
zo, Er ift ein Engelgewefen / und hat feine Engels-Geftalt
und Gehorſam verleugnet / und ift indie Poſſen⸗Greuel einge⸗
gangen. Er hat die feindliche Geftaltund Eigenfchafft der fin⸗
teen Welt im Centro in ihme erwecket / darausder Grimm und
die Bogheitquellet : er fag in himmliſcher Pompa und Herrlig⸗
keit / und führete feine feindliche Begierde ins Weſen /als in
Wafferquall/ und fpreuete Feindfchafft aus ſich aus.
21. Seine Eigenfchafften waren Schlangen-Stiche / welche
erausfich außfuͤhrete. Als ſich GOttes Liebe ihme entzoch / fo
Agurirte er fein Bildnüg nach der grimmen Geftalt Eigenes
ſchafft; als da find böfe Thiere und Würme auch in Schlangen
Geftalt 5 und inkeirte oder erweckte im außgchauchtem Weſen
in der Gebährung der ewigen Natur den Salnitter vom Cen-
tro der Natur / darvon der Streit entflund : Daß der Groß=
fürft Michael mit ihme ftritte / und ihn nicht mehr in Himmel
unterder Gemeinfchafft der Heiligen Engel dulden wolte,
22. Um melches willen ſich der Wille des Ungrundes / als des
ewigen Batters/ bewegte / und ihn als einen Meineydigem ing
Grimindie ewige Finfternüg verfehlang / als ineinander Prin-
cipium: Der Himmel fpeyete ihn aus ſich aus/ erfichlindie
Sinfternüß als ein Blig / und verlohr die Stätte GOttes im
Himmelreich / inder heiligen Krafft / und alle feine Diener mit
ihme: Alldahaterdie Mutter zu feiner Gauckeley / da mag er
ihnen Poflen fpielen.
23. Mehrersift ung gu wiffen: daß er im Loco dieſer Welt
hat feinen Königlichen Sitz gehabt. Darum nennet ihn Chriſtus
einen Fürften diefer Welt/ alsim Keicheder Finſternuͤß / im
Grimme/im Orte diefer Welt.
24. Sein Königliher Stuhl ift ihıne genommen morden
und fit ihm anjeko / in der himliſchen Welt-eigenſchafft im
Locodiefer Welt / einanderer darauf: Er wird ihn nicht mehr
wieder befommen.
25. Auch ift ihme in demfelben Orte in den Elementen ein an⸗
derer König eingefeßt worden) alsbald in Erſchoͤpffung der Ster⸗
nen und 4. Elementen/welcher/ ob man ihn wohl Fönte andeuten/
doch jetzo noch billig ſtumm bleibet : umb der falfchen Magiz,auch
anderer Abgötterey willen/ wollen wir dig allhie geſchweigen /
und Doch den unfern genug verftändig ſeyn.
Das .
48 Don Erſchaffung des Hinels Cap.ıor
Das 10. Capittel.
Von Erſchaffung des Himmels und der
aͤuſſern Welt.
— komts der Vernunfft vor / wenn ſich dieſelbe
beſchauet / wie GOTT habe Sternen und 4. Elementen
geſchaffen: Sonderlich wenn fiedie Erde mit den harten Stei—
nen / und gang rauhen ſtrengen Weſen betrachtet: und licher wie
groffe Felſen und Steine gefchaffen ſeynd / welche ein Theil zu
nichts moͤgen gebraucht werden/und dem Gebrauche der Creaturen
dieſer Welt nur hinderlich ſeynd: So dencket ſte worauß mag eine
ſolche Compaction entſtanden ſeyn inlſo vielerley Formen und
Eigenſchafften? Denn es find macherley Steine / mancherley
Metalle / und mancherley Erde / darauß auch mancherley Baͤume
und Kraͤuter wachſen.
2. So fie ſich nun alſo beſiehet / fo findet ſie nichts / als daß fie
erkennet / es muͤſſe eine verborgene Krafft und Macht ſeyn /
weiche unergruͤndlich und unerforſchlich ſey / welche alle Dinge
habe alfo erſchaffen; darbey laͤſt ſie es bleiben / und lauffet alfo in
dein Gefchöpffe hin und her/ als wie ein Vogel im der Lufft flieget/
und fichetsanalsdie Kuhe eine neue Stalltyür ; und betrachtet -
ſich niemahls / was fie felber ſey; und komt ſelten alfo weit / daz
fie erkennete / dag der Menſch ein Bilde aus alle dieſem Weſen
ſey. Sie lauffet dahin alsdas Viche das Feinen Verſtand hat/das
nur begehret fich zu füllen und gu gebährens und wenns am hoͤch⸗
ſten mit ihr konit dag fie wil etwas forfchen / fo forfchet Ste in dem
Auffern Spielwercke der Sternen / oder fonften um ein Schnitz⸗
werck der Auffern Natur / ſie wil ſchlechtumb ihren Schoͤpffer nicht
fernen kennen; und ob es geſchiehet dag ein Menſch dahin kom—⸗
mit / daß er ihn lernet kennen / fo heiſſet ſie ihn naͤrriſch; und ver⸗
beut ihme den edlen Berftand an GOTT / und rechnets ihm noch
wohl für Suͤnde zu/und verfpoftet ihn darinnen.
3. Solche Wiche-Menfihen find wir nach dem Fall Adams
worden: Daß wir nicht eins betrachten/ dag wir find in GOttes
Bilde gefihaffen worden; und uit dem rechten natürlichen Ber=
ſtande bendes nach der ewigen und zeitlichen Natur begabet wor⸗
dein: daß wir gedächten das Verlohrne durch groffen Ernft wies
der zuͤerlangen; und da wir doch noch eben diefelbe erfte Seele
haben /darinnen der wahre Verkandlieget: Go wir nur dahin
möchten arbeiten / dag taffelbe verlohrne Licht Pr ..
eine
Cap.ro. und der aͤuſſern Welt. 49
fiheine/. welches uns doch aus Genaden angebotten wird.
4 Darum wird keine Entfcehuldigung feyn auffdem groſſen
Tage des.Herin/da GOTT Das Verborgene der Menſchen richten
wird; dieweil wir ihn nicht haben wollen lernen erkennen / und
feiner Stimme / welche täglich bey und in uns angeklopfet / nicht
gchorchen und uns ihme nicht ergeben: daß unſer Verſtand auff⸗
getahn würde ; und wird ein ſtrenges Gericht über dehn ergehen
welcher fich läßt Meifter und Herr nennen / und doch ven Weeg
GOttes nicht kennet noch wandelt / und auch noch darzu denen
verbeut fo ihn kennen undgehen wollen.
5. Die Schöpffung der auffern Welt iſt eine Offenbahrung
des innern Geiftlichen Myfterii, als des Centri der ewigen Na⸗
tur mit dem heiligen Elemente : Und ift durch die Bewegung deg
Innern als ein Aushauchen / erbohren worden durch das ewig⸗
ſprechende Wort / welches aus der innern Geiſtlichen Welt das
Weſen hat ausgeſprochen; und da es im Sprechen doch kein ſolch
Weſen geweſen iſt / ſondern als ein Brodem oder Rauch vor dem
Juñern / beydes aus der finſtern Welt und Liecht⸗welt Eigenſchafft /
darum iſt das aͤuſſere Weſen der Welt boͤß und gut.
6. Und iſt ums dieſelbe Bewegung des ewigen Myſterii der
geiſtlichen Welt gar wohl und gantz inniglich zu betrachten.
1. Wie das ſey zugangen / daß cin ſolch grimmig raue gang
ſtachlicht Weſen und Regiment ſey erbohren / und offenbahr wor⸗
den / wie wir an den aͤuſſern Geſtalten der Natur an dem weben⸗
den Weſen / ſo wohl an Stein und Erden ſehen. 2. Wovon ein
ſolcher Grimm entſtanden ſey / welcher die Kraͤffte der Eigenſchaff⸗
ten alſo in ſolche wilde Art compactiret und eingefuͤhret hat / wie
wir an der Erden und Steinen ſehen.
7. Denn uns iſt gar nicht zu dencken / daß im Himmel / als in
der Geiſtlichen Welt vergleichen ſey; Es find nur die Eigen—
ſchafften der Mögligkeit inder Geiftlihen Welt: Seynd aber
in folder wilden Eigenfchafft nicht offenbahr/ fondern als wie
verſchlungen / gleich wie das Liecht die Finfternüg verſchlinget;
und da doch die Finfternüg warhafftig invSicchte wohnet: aber es
nichtergreiffes;
8. So iſt uns dehme nach zu forſchen: Wie doch die finftere
Begierde fey in der Krafft des Sicchts offenbahr worden daß ſie
beyde find miteinander in die Compadion oder Coagulatiom
eingangen. Und noch visleingröffer Nachdenden giebt uns das /
Daß da der Menfch nicht beftehen Eonte im Geiftlichen Myferio
der Paradiſiſchen Eigenfhafft / * GOTT dieſelbe Compa-
ction,
so Bon Erfchaffutigdes Himmels Cap.ıe
&ion, alsdie Erde/verfluchte/ und einernft Gerichte anftellete 3
Das Sutei inder Compadtion der Erden vom Böfen wieder zu
ſcheiden / dagdas Gute foll alfoim Fluche als im Tode ftehen >
wer allhier nichts fichet/ der ift ja blind. Warum wolle GOTT
fein gutes Weſen verfluchen / fo nicht etwas wäre darein Eoma
men/ dasdem Guten zumiderfey ? oderift GOTT mit ihme
uneins worden ? würdedie Vernunfft fagen ; Denn beym Mofe
fichet: Und GOTT fahe an alles was er gemacht hattes und
fiche es war fehr gut-
9. Nunhatte dochder Menfch (um welches willen die Erde
verjluchet ward‘) nichtsindie Erde gebracht / davon ſte dißmahl
waͤre alſo boͤß worden: daß ſte GOTT haͤtte moͤgen verfluchen /
als nur feine falſche und unrechte Imagination der Begierde vom
Boͤſen und Guten zu eſſen; die Eitelteit / als das Centrum der
Natur inihme zu erwecken / und Böfes und Gutes zu wiſſen:
Aus welcher Begierdeder Hunger indie Erde einging/ daraus
der auffere Leib / als eine Maſſa war aufgezogen worden / der
führte feinen Hunger der Begierde wieder in feine Mutter eins
und erweckte aus der finftern Impreſſton des Centri der Natur/
die Wurgelder Eitelkeit / / daraus ihme der Verſuch-baum / als
Boͤß und Gut offenbar wuchs; und als er davon aß / ward die
Erde um ſeinent willen verflucht.
10. Iſt nun dieſes beym Menſchen geſchehen / daß er mit ſei⸗
ner kraͤfftigen Begierde hat den Grim in der Erden erwecket;
was mag wohl beymLucifer / welcher ebenſowohl ein Thron⸗fuͤrſt /
und darzu mit vielen Legionen war / geſchehen ſeyn? Er der Luci⸗
fer hatte ebenſowohl den Willen der ſtarcken Macht und Krafft
des Centri aller Weſen in ſich als Adam. Adam war nur ein ei⸗
nige Creatur: Luciſer aber war ein König und hatte ein Koͤnig⸗
reich als eine Hierarchiam in der Geiſtlichen Welt / als im hits
liſchen Salniter, in der Gebaͤhrunge des geoffenbahrten Worts
im Beſitz: Er war ein Trohn⸗fuͤrſt in der geoffenbahrten Kraft
Gottes: Darum nennet ihn auch Chriſtus einen Fuͤrſten dieſer
Welt; denn er ſaß im Weſen / verſtehet im Geiſtlichen Weſen/
daraus dieſe Welt als ein Aushauchen / iſt ausgehaucht worden.
ır. Er iſts / der im Innern durch feine falſche Begierde / welche
er ins Weſen einfuͤhrie / hat den Grimm erraͤget / gleich wie Adam
den Fluch erraͤgete: Er hat das Ceotrum der Natur in den grim⸗
men Eigenſchafften mit ſeiner finſtern grimmen Eigenſchafft in
der Gleichheit erraͤget. Denn er hatte in ſich ſelber erſtlich den
Srim Gottes erraͤget. Darnach ging derfelbe ——— in
sine
Cap.ıo. und der Auffern Welt. 51
ſeine Mutter ein / daraus Lucifer war zu einer Creatur geſchaf⸗
fen worden / als in die Magiſche Gebaͤrung; davon die Gebah—
rung erhebende ward wider der Ewigkeit Recht.
12. So ſaß er auch in ſeiner gehabten Engels-Geſtalte / int
heiligen guten Weſen / nach der Gebaͤhrung Goͤttlicher Sanfft⸗
muht; und erhub ſich in derſelben im Willen feines Grimmes
über die Sanfftmuht zu herrſchen / als ein eigener GOTT wider
ver Ewigkeit Acht. -
13. Als fich aber feiner Boßheit halben das fprechende ewige
Wort in Lieb und Zorn inden Eigenfhafften/ alsim Weſen
darinnen Lucifer ſaß / hat beweget / diefen böfen Gaſt aus feiner
Wohnungauszuftoffen in die ewige Finſternuͤß / fo iſtdas We⸗
fen compactiret worden: Dan GOTT wolte ihme diefe geofa
fenbahrte Kräfte darinnen er ein Fürft war/ nicht mehr gönnen
noch laffen: Sondern fchuff fie ineine Coagulation , und ſpeye⸗
te ihn daraus aus.
- 14. Und in diefer Impreffton oder Zuſammenfaſſung find die
Kräffte/ als die wäflerifche und dieöplifihe Eigenfchafften com⸗
pactiret worden ; nichthat fie Lucifer gerompactiret oder geſchaf⸗
fen/fondern das fprechende Wort GOttes / das in den geoffenbara
ten Kraften und Eigenfchafften wohnete: Daffelbe nahm alſo
dem ungehorſamen Kindefein Vaͤtterlich Erbe/und ſtieß ihn als
einen Meineydigen aus dem kindlichen Hauſe / in ein ewig Ge⸗
faͤngnuͤß / in das Haus der Finkernüg und des Zorns / darinnen er
wolte ein Herr über das Weſen der Liebe GOttes ſeyn / und
gauckeliſcher weife darinnen regieren; und das Heilige mit dem
— vermiſchen / ſein Gauckelſpiel und Hoffart darmit
zu treiben.
15. Und ſehen diß gantz klar mit hellen Augen daß dehme alſo
ſey. Denn es iſt kein Ding in dieſer Welt ſo boͤß / es hat ein
Gutes in ſich; das Gute iſt in ſeinem Urſtande aus dem Guten
oder himliſchen herkommen / und das Boͤß aus der finſtern Welt
Eigenſchafft: Denn die zwo Welten / als Liecht und Finſternuß
ſind in einander als eine.
16. Darum ſind fie auch zugleich in die Compa&tion vderCoa-
gulation eingetretten; und ſolches aus den Gradibus der ewigen
Natur/alsausden Eigenfchafften zum Feuer⸗ leben; und aus den
en im öhlifihen und Geiftlichen waͤſſeriſchen echts⸗
efen.
17. Denndie Metalle find in firh anders nichts als ein Waſ⸗
fer und Oehle / die werden von den grimmen Eigenſchaften / als von
C 2 der
52 Von Erſchaffung des Himmels Eap.ro;
der herben / ſtrengen Begierde / als von einer Saturnaliſchen⸗
Maͤrtialiſchen / feuriſchen Eigenſchafft in der Compaction des
Sulphuris und Mercurii gehalten / daß es ein Corpus iſt. So ich
aber dieſes Corpus gantz zerſtoͤre / und zertheile ein jedes in ſei⸗
ne Eigenſchafft / ſo finde Ich die erſte Schoͤpffung klar dar⸗
innen.
I. Saturnus: Sal.
18. Als erftlich nach der herben Begierde des Fiats , als der
erften Geftalt zur Natur / nach der finftern Welt Eigenfchafft/
finde Ich erftlich eine Härte und Kälte; und ferner nach diefer
herben Eigenschaft / ein tödlich ſtinckicht Waſſer von ver herbei
Impreſſion; Und zum dritten in diefem ſtinckichten Waſſer eis
neertödfete Erde; Und zum vierdten eine Schärffe/ gleich dent
Saͤltze von der Herbigkeit Necht. Diefesift der erften Geſtalt
der Natur nach der finftern Welt ihr coaguliret Weſen / und
iſt das ſteinichte Weſen / verfichet die Grobheit des Steines
und aller Metallen / fowohl der Erden / darinnen das Tödliche
(oder der Tod des Einfchlieffens) verftanden wird.
II. Mercurius.
19. Zum 2 fen nach der andern Geſtalt und Eigenfchafft der
finſtern Natur und Welt⸗weſen / finde ich inder Compadtion
der Metalle und Steine einbitter / ftachlicht / wuͤttend Weſen /
als eine Gifft/ welche in der Erden und dem flindichten Waſ⸗
fer einen ftrengen feindlichen Schmack gibt/und des wachfenslirs
fach ift/ als das raͤgende geben : feine Eigenfihafft Heiffer Mercu-
zius ‚und der herben in der erfien Geftalt heiffet Sal.
III. Sulphur.
20. Zum 3 tem finde ich die dritte Eigenfihafft / als die Angſt /
welcher itt der Schwefelsquaal/ in welcher die Theilung der Eis
genfchafften / als der Eſſentz / ſtehet.
I V. Salniter.
21. Zum 4tem finde ich das Feuer oder die Hitze / welche den
Salniter indem Schwefel-quaalermecket / derdie Compadtion
ſcheidet / als den Feuer⸗ſchrack: der ift der Urftand des Salnitri
ausder Schwerlifchen Wäßrifchen und Irrdiſchen Eigenfchafft:
Denn er ift der Auffwecker des Tods / alsinder tödlichen Ei—
genſchafft; und der erſte Urſtand des Lebens im Feuer / und biß
allhieher ans Feuer greiſſt ein der finſtern Welt Eigenſchafft /
weiter kan ſie nicht.
22. Zum
Eap.ıo. und der aͤuſſern Welt. 53
V. Oele.
22. Zum sten finden wir in der Cowpaction der Metalle und
Steine cin Dele/ das ift fürfer als kein Zucker ſeyn mag / ſofern
es von den andern Eigenfchafften mag gefchicden werden; Das
ift das erfte himmliſche heilige Weſen / welches von der ſfreyen
Luſt feinen Urftand genommen hat: Esift ſchoͤne und durchleuch⸗
tende / ſo aber der F Feuer⸗ -quaal von ihme entſchieden werden mag /
wiewohl es nicht moͤglich iſt gantz zu ſcheiden: denn das Band
der groſſen Freuden⸗reich ſtehet darinnen:) fo iſt es weiſſer
als kein Ding in der Natur ſeyn mag: Aber wegen des Feuers
bleibet es Roſinroht / welches das Liecht in gelbe / nach roht und
weiß verwandelt / wegen der irrdiſchen Eigenſchafft und der
Sonnen Gewalt.
23. So aber der Kuͤnſtler es aufloͤſen mag / und vom Feuer
des Grimmes und den andern Eigenſchafften frey machen / fo
It er das Perlein der gantzen Welt / verſtehet die Tinetur:
denn Frau Venus hat ihren Schatz-kaſten allda liegen: Es iſt
die Jungfrau mit ihrem ſchoͤnen Kraͤntzlein.
24. O duirrdiſcher Menſch haͤtteſtu das noch! allhie hats Lu⸗
tifer und Adam verſchertzt. O Menſch wuͤſteſtu / was allhie laͤ⸗
ge / wie ſolteſtu darnach trachten: Aber es gehoͤret nur d n jeni⸗
gen / ſo SYLT darzu erkohren hat. Dedle Perle / wie fü biſtu
in der neuen Wicdergebuhrt / wie ſchoͤn iſt dein Glantz!
VI. Der lebendige Mercurius, der Thon.
25. Zum Sten finden wir indiefer oͤhliſchen Eigenfchafft eine
Herrliche Kraft vom Urſtande des geoffenbahrten kraͤfftigen
Goͤttlichen Worts / das in der himmliſchen Eigenſchafft woh-
net; in welcher Krafft der Schall oder Klang in Metallen un⸗
terſchiedlich wird / darinnen ihr wachſen ſtehet: Denn es iſt all⸗
hier der heilige Mercutius, der in der andern Geftaltder Natur
in der Finfternüß kasficht feindig / und ein Gifftift ; der ift
allyier nachdehme das Feuer im Salnitriſchen Schracte / Lie⸗
be und Zorn getheilet hat in der freyen Luſt Eigenfchafft ein
froͤlicher Mercurius, darinnen die Freuden⸗reich Der Crea-
tur ſtehet.
26. Und allhier / ihr Philofophi , lieget die Krafft und
Wuͤrckung euers edlen Steines / allhier heiffet er Tinctur.
Diefe Würcung fan fingiren das verblichene Waffer in Luna:
Dennallbier ift Iupiter ein Fürft / und Solein König / und Frau
Venus des Königs ſuͤſſeſte Gemahlin. Aber Mars fol den Sce⸗
3 pter
54 Von Erſchaffung des Himmels Cap.ıo,
pter vonehe niederlegen / ſo muß auch von ehe der Teuffel in die
Hölle fahren ; denn Chriſtus muß ihn binden / und die einfältige
Lunam, welche er beſudelt hat / mit feinem Dehle des himmliſchen
Bluts tingiren/ auff dag der Zorn in der Freude verwandelt
werde, Alfo ift der Artiften Kunft gebohren / den Kindern der
Geheimnuͤß allhier verſtanden.
27. Zum 7ten finden wir in der Scheidung der Compadtion
der Metallen ein weiſſes Eryftallinifches Waſſer / das ift
himmliſches Waffer / alß das Waſſer über der Vefte des Him⸗
mels / welches vom Dehle gefchieden wird/als ein geib des Dehles.
In den Metallen undSteinen gibf es einen weiſſen Cryſtalliſchẽ
Glaſt; und Venus mit feiner Eigenfchafft machts gang weiß /
und ift ein Silberne Art/ und Venus in Soleine Güldene/ und
Mars in Venus eine Rupferne / und hinwider Venusin Mars eine
Eyſerne / Jupiter in Venus eine Zinnerne; Saturnus in Venus
eine Bleyerne: Mercurius in Venus Quedfilber ; und ohne Ve-
aus ift Fein Metall / weder der fixen noch der Mineralien.
28. Alfo verftchet mit der Venus himmliſche Weſenheit / wels
she in einem Oehle und Eriftallinifchen Waſſer ſtehet / die gibt
allen Metallen Leib / verftehet den geiftlichen fchönen Leib / ihre
felefE eigen Weſen / ohne der andern Einflüffe/ ift die groffe
Sanfftmuht und Süffigkeit. Ihr rechteigen Weſen iſt ein ſuͤſ⸗
ſes klares Waſſer: aber die Krafft des geoffenbahrten Worts
ſcheidet das Heiligſte durchs Feuer in ein Oehle / dan in dem
Oehle gibt das Feuer einen Glantz oder Schein; wenn das Feuer
das Waſſer in fich Foftet / fo gibts aus dem Geſchmack ein Dehle/
alſo ift das Oehle geiftlich und das Waſſer leiblich: Das Dehle iſt
ein Corpus der Krafft / und das Waſſer ein Corpus der Eigena
fchafften / welche im Oehle lebendig find / und das Waſſer zur eis
nem Gehaufe machen oder brauchen. Im Waſſer ſtehet das
eleinentifche geben und im Oehle das geiftliche geben ; und in der
Krafft des Oehles das Göttliche Leben / als des ausgefprochenen
Worts geben / als eine Offenbahrungder Gottheit.
29. Jetzt fehen wir nun / wie in der Compadtion des Verbi
Fiats , ift das Heilige mit dem Unheiligen in eine Coagularion
eingegangen. Dem in allen Dingen ift ein tödlich und auch ein
febendig Waſſer; und auch ein tödfich Gifts Krafft / und auch
eine lebendige gute Krafft; ein Grob und ein Subtil; eine
boͤß die ander gut/ das ift nun nach Art GOttes Liebe und
Zorns.
3% Die Grobheit der Steine / Metalle und Erden komt er
127
Cap.ro. und der Auffern Belt. ss
der Eigenfchafft der finftern Welt dieſelbe find alle in einem
tödlichen. (verfteherdas Weſen und nicht den Geift.) Der Geift
der Grobheit ift im Gifft⸗leben / in welchem Lucifer ein Fuͤrſt
dieſer Weltift.
312. Aber das. himmliſche halt die Grobheitund Gifft-auaak
gefüngen / alfo dag der Teuffel in diefer Welt Mefen die aller
aͤrmſte Ereatur ift / und nichts in dieſer Welt zum Eigenthumb
hat / ohne was er kan von den Lebendigen betriegen / welche im
Ewigen ftehen / dag fie mit der Begierde im Grimm des Ewis
gen /als in feine Gauckeley / eingeben.
32. Wenn wir wollen die Schöpfung recht betrachten / ſo
bedürffen wir nichts mehr darzu / als ein Goͤttlich Liecht und ein
Anſchawen. Sie ift gar wohl zuerforfihen / dem erleuchteten
Gemuͤhte gar leichte: Manbetrachtenurdie Gradus der Natur /
man fichetsander Sonnen / Sternen und Elementen klar ; Die
Sternen findanders nichts als ein Cryſtalliniſcher Waffer-geift/
da fie doch nicht Materialifch Waſſer find / fonvdern Kräfte des
Sulnitrifhen Schrades im Feuer.
33. Denn ihr Becir da fie ftchen ift feurifch / das iſt ein
Salnitrifch Feuer / eine Eigenfhafft der Materien der Erden/
Metalle] Bäume / Kräuter undder 3. Elemente / Feuer / $ufft
und Wafler: Was das Untere ift/ dasift auch das Obere; und
was ich in der Erdeninder Compaction finde / das iſt auch das
Geffirne / und gehoͤret zuſammen wie geib und Seel.
34. Das Geflirne bedeutetden Geiſt / und die Erde den $eihe
Es iſt vor der Schoͤpffung in der ewigen Gebährung alles unters
einander gewefen / aber in Feiner Coagulation oder Gefchöpffe/
fondern als ein Eräfftiges ringendes Siebesfpiel / ohn ſolch Mate⸗
rialiſch Weſen.
35. Aber in der Bewegung des Worts / als des Verbi Fiats
ls entzuͤndet worden / da hat ſichs mit der Anzuͤndung im Sal⸗
nitrifhen Feuer⸗ſchracke getheilet / einejede Eigenfchafft in ſich
felber / und ift durch Die erweckte herbe Impreſſton (als die erfte
Geftalt zur Natur / welchedas Fiar heiffet) gefaſſet / und alſo
<oaguliret worden ein jedes in feine Eigenfchafft / das Subtile
in feiner Eigenfchafft / fo wohlauch das Grobe / alles nach den
Graden; wie die ewige Gebährumg der Natur ift vondem Einen
an biß indie Unendligkeit.
36. Mit dem Geſtirn iſt Gut und Boͤſe offenbahr: dan die
grimme / feuriſche Krafft der ewigen Natur / fo wohl die Krafft
Her heiligen geiſtlichen Welt / iſt in wm (als sin ausgehauch⸗
| 4 tes
6 Don Erfchaffung des Himmels Bap.ıd
65 Weſen) offenbahr. Darumb find viel dunckele Sterne / dis
wir nicht alle ſehen / und auch viel liechte /die wir fehen.
37. Wie wir dig an der Erden Materia fehen / wie diefelbe
fo mancherley iſt / daraus mancherley Frucht wächfet / als nach
den Eigenſchafften ver Obern; denn alſo iſt auch die Erde als
Das grobſte Weſen / da das tödliche Waſſer iſt mit coaguliref
worden.
38. Die Erde iſt in der ſiebenden Eigenſchafft der Natur / als
um Weſen coagulirer worden: Denn daſſelbe Weſen iſts / das
Die andern ſechs Eigenſchafften in ihrer Begierde machen: fie
ſtehet erftlich in fieben Eigenfchafften / wie forne gemeldet aber
am Salnitrifchen Feuer ift die Auswicklung der Eigenfchafften]
Da fich jede Eigenfchafft wieder in ſteben auswickelt; da geherdie
Unendligkeit / und die groffe Bermögenheitan/ daß auseinem
Dinge Fan ein anders gemacht werden / das es im Anfange
Nicht war:
39. Das Werfen aller Wefen iftnur eine Magifche Gebuhrt/
aus einem Emigeninunendlih: Das Einigeift GOTT / Das
Anendliche ift Zeitund Ewigkeit; und eine Offenbahrung des Ei⸗
nen / da cin jedes Dina mag aus Einem in Viel gebracht werden /
amd hinwieder aus Vielen in Eines.
40. Das Feuer iſt der Werck-meiſter darzu / das treibet ang
einer kleinen Krafft cin Zweiglein aus der Erden / und führets
in einen groffen Baum aus mit vielen Aeſten und Frucht / und vers
zehrets aush wieder; und machts wicder zu einem Dinge als zu
einer Afchen und Erden / daraus es kommen war: Alfo auch
gehen alle Dinge diefer Welt wieder indas Ein] daraus fie ges
gangen find.
41. Das Weſen diefer Welt ift wohl zu erforfihen: Aber
Das Centrum oder der Punct der Bewegnuͤß wilder Vernunfft
ſtum̃ bleiben: es fey denn einander Liecht darinnen: Gie vera
meynt fie hats am Circkel und Fans meſſen / und hats noch nicht
im Verſtande.
42. Wenn wir betrachten die Hierarchiam und das Königlis
the Regiment inallen 3. Prineipien im Loco diefer Welt / fo weit
fich das Verbum Fiat hat zur Schöpffung der Äuffern Welt / mit
Den Sternen und Elementen eingegeben/ fo haben wir den
Grund des Pundtes und des föniglichen Stuhls / deffen die gan»
Se Schöpffung ein Gliedtift.
43. Denn die Sterne und 4. Elementa und alles das was
Daraus gebohren ift und darinnen lebet / hanget an einem *
M c ©
*
Cap. ro. und der aͤuſſern Belt, 57
cte, da ſich die göttliche Krafft in einer Form auß ſich ſelber Hat
offenbahret; und derſelbe Punct ſtehet in 3. brincipien offen⸗
bahr / als in drey Welten; fein Ding mag leben auſſer dieſem
Pundte in diefer Welt: Erift die einige Urfache des Sebens und
Bersegens aller Kräffte/ und ohne denfelben ware alles inder
Stille ohne Bewegen. ; .
44. Denn fo Fein Liecht wäre / fo wären die Elemente unbe
weglich / es ware alles eine herbe / ſtrenge Eigenfhafft/ gang
rau und kalt: Das Feuer bliche verborgen in der Kälte ; und das
Waſſer wärenur ein fcharffer Geift / gleich der Eigenfchafft der
Sterne; und die $ufft wäre in Sulphur , im Waſſer-Quaal ver⸗
borgen / und ware ein unwebend ABefen.
45. So fehen wir ja/ daß das Licht die einige Urfache alles
Raͤgens / Bewegens und Lebens ift; denn alles Schen begehret
des Sicchtes Krafft / als desaufgethanen Punctes/ und das Le⸗
ben ift doch nicht der Pundt, fondern die Geſtaltnuͤß der Natur:
Und fo diefer Pun& nicht offen ftünde/ fo wäre das Reich der
Sinfternüg im Loco diefer Welt offenbahr / in welchen $ucifer
ein Fuͤrſt iſt / und den fürftlihen Stuhlim Grimmeder ewigen
Natur /im Loco diefer Welt beſttzet.
46. Darımb O Menfch bedencke dich wo du daheime biftz
als nemlih an einem Theil inden Sternen und 4. Elementen;
und amandern Theil in der finftern Welt bey ven Teuffeln; und
am dritten inder Göttlichen Kraft im Himmel; welche Eigen
ſchafft in dir Herr iſt / derfelben Knecht biſtu / glaͤntze gleich in
der, Sonnenzliccht wie du wilft / haſtu nicht das Ewige / fo wird
Dir doch dein Quellbrunn offenbahr werden.
47. Mit den zweyen Worten /als Himmel und Erden) vera
fichen wir den gangen-Grund der Schöpffung,/ denn er lieget
indenz. Worten in der Natur⸗ſprache. Denn mitden Worte
(Himmel) verfichet mandas Aushauchen des Verbi Fiats, wel⸗
ches das Weſen (darinnen Lucifer ſaß) hat mit dem (Sähuff)aus
ſich / das iſt / aus der geiftlichen heiligen Welt / in eine Zeit oder
Anfang gefhaffen: Und mitdem Norte (Erde) verſtehet mar
den Grimm im Weſen / daß das Weſen iftim Grimme gefaffee
worden. Und aus den Eigenfihafften des finftern Sulphuris „
Mercurii und Sales / als aus den Kräfften des Urftandesder
Natur / in eine Compaction pder Coagulation eingeführet.
48. Diefe Coagulation iftdie Sylbe (£r;) Dieandere Sylbe
(de) oder (den) ift das Element. Denndie Erde ift nicht das
Element! fondern das Weben / als die Krafft / daraus fie ift
en Es coagu⸗
58 Von Erſchaffung des Himmels Cap. 10.
coaguliret worden; das iſt das Element welches geiſtlich iſt / und
nimt ſeinen wahren Urſtand im Feuer / da die Natur / welche ein
55 Leben iſt / im Feuer erſtirbet; da aus dem Sterben ein
ebendig Weben ausgehet; und aus dem Geſtorbenen eine toͤdli⸗
che Matetia, als Erde / und ein tödlich Waſſer / und auch ein
toͤdlich Feuer und gifftige Lufft / welche in den Coͤrpern der Irr⸗
diſchen / eine ſterbende Quaal machen. ⸗
49. In der Anzuͤndung der Natur hat ſich das Element auch
außgewickelt in 4. Eigenſchafften / welches in ſich ſelber nur Ei⸗
nes iſt. Das rechte Element wohnet im Weſen das im Feuer
erſtorben iſt / ſonſt moͤchte die Erde keine Frucht bringen. Das
wir anjetzo 4. Elementa heiſſen / das find nicht Elementa / ſon⸗
dern nur Eigenfchafften des wahren Elements. Das Element
iſt weder heiß noch kalt / auch weder trocken noch naß / esift das
Weben oder Leben des innern Himmels) alsdas wahre Englis
ſche Leben nach der Creatur. Es ift die erfte Göttliche Offenbah—
rung durch die Natur aus dem Feuer / wenn die Eigenfchaffters
Der ewigen Natur darein würden / fo heiffets Paradeiß.
so. Mit dem Worte (Himmel) wird verftanden / wie das
materialifhe Waſſer / als die Grobbeit inder Tödligkeit coa⸗
guliret ward / und von dem H. Erpftallinifehen Waſſer / wels
ches geiſtlich iſt / iſt geſchieden worden. Da mit dem materiali⸗
ſchen die Zeit anfieng / als ein ausgehaucht Weſen aus dem Geiſt⸗
waſſer.
sı. Das Geift-waffer iſt lebendig / und das Ausgehauchte iſt
ſtumm und unfuͤhlende ohne Verſtand / und iſt als todt gegen
dem Lebendigen / davon ſaget Moſes: GOTT hab es geſchieden
von dem Waſſer uͤber der Veſte.
52. Die Veſte iſt ein ander Principium, als ein ander An⸗
fang der Beweglichkeit / das Waſſer uͤber der Veſte iſt das geiſt⸗
liche / in welchem der Geiſt GOttes regieret und wuͤrcket /
denn Moſes ſaget auch: Der Geiſt GOttes ſchwebete auff dem
Waſſer / denn das geiſtliche Element ſchwebet in den 4. Ele⸗
menten; und in dem geiſtlichen Element ſchwebet der Geiſt Goße
tes auff dem Geiſt⸗waſſer; Es iſt eines in dein andern.
53. Der Himmel darinnen GOTZ wohnet / iſt das heilige
Element; und die Veſte oder Klufft zwiſchen GOTT und den 4.
Elementen / iſt der Tod / denn der innere Himmel hat ein andere
Gebuhrt (das iſt ein ander Leben) als das aͤuſſere 4. Elementi⸗
ſche iſt. Wohl iſts in einander / aber keines begreifft das ander /
gleich wie ſich Zinn und Silber nicht recht menget / denn jedes
—
Sap.ro. und der aͤuſſern Welt! +59
aus einem andern Principio, ob fiegleich einander ähnlich ſehen
und nahe verwandt feynd: ſo iſts doch wiedas innereund Auffere
Waſſer gegen einander/ darinnen man fe auch verfichen foll.
Denn die innere Venus und die Auffere find Stieffehwefternz
Sie kommen wohlvon einem Vaͤtter / aber fie haben zwo Muͤt⸗
ter / da die eine eine Jungfrau ift / und die ander eine Ge=
ſchwaͤchte: Darumb werden fie unterfihieden big ins Gerich⸗
e GOttes / der wird ihre Schmach (durchs Feuer) wieder
abfegen.
54. Mofes fehreibet: GOTT ſchuff den Himmel aus dene
Mitteldes Waffers / iſt gar recht: Das Geftirne ift ein aͤuſſer⸗
ficher Warfer Geift / als Kräffte des äuffern Waſſers; und das
materialifche Waſſer iſt der Kräffte Leib darinnen fie würden.
So iſt nun in dem Geſtirne der fenrifche / lufftiſche und auch irr⸗
diſche Quaal / ſolcher iſt auch in dem materialiſchen Waſſer?
das Obere iſt des Unteren Leben und Regiment / es zuͤndet das un⸗
tert an / davon das untere raͤge wird und wuͤrcket; das Untere iſt
des Obern Leib oder Weib: im Untern lieget wohl auch das Obe⸗
re / aber gleich wie unmaͤchtig.
55. Und das Obere wäre gleich ſo unmaͤchtig / wenn es nicht
von der Sonnen angezuͤndet wuͤrde: dieſelbe iſt das Hertze aller
auſſerlichen Kraͤffte / und iſt der offene Punct biß auff die 10 te
Zahl: Wenn wir nicht fo blind wären und alles verachtefen?
was die Kühe-Augen nicht fehen koͤnnen / fowäreeswehlbils
lig / daß man das offenbahrte: Weil aber GOTT hat dag
Perlein verborgen / und auch fich felber vor den Augen der
Gottlofen: fo laffen wirs auch flehen / und find doch von den
unſern verftanden / den Thieren wollen wir unfer Perlein
nicht geben.
56. Alfo verftchen wir was der auffere Himmel ift / als nem⸗
lich die Kraffte oder Faffıngdes Waſſers. Das Wort oder die
Kraft (Schuff) / das ſich mitder Welt Anfang hatangefangen?
Das iſt noch heute im ſchaffen; es fchaffer noch immerdar den
Himmel aus dem Waſſer / und der Geiſt GOttes ſchwebet noch
auff dem Waſſer; und das heilige Waſſer iſt noch immerdar
von Waſſer unter der Veſte entſchieden.
57. Daſſelbe Heilige Waſſer iſts davon uns Chriſtus ſaget:
Er wolle uns das zu trincken geben / das wuͤrde uns in einẽ Quell⸗
brunnen des ewigen Sehens quellen / die heilige him̃liſche Leibligkeit
ſtehet darinnen: Es iſt der Leib Chriſti dehn er vom Himmeh
brachte / und in unſern verſtorbenen oder verblichenen Leib / durch
6 Die
60 Bon Erfehaffung des Himmels ic. Capro.
dieſe himmliſche Paradiſiſche Weſenheit einfuͤhrte / und un—
ſern in ſeinem lebendig machete / verſtehet im Ziel des Bundes / in
der Eſſentz Mariæ; wie hernach ſoll gemeldet werden.
58. In dieſem him̃liſchen Weſen ſtehen Chriſti Teſtamenta;
und dieſes heilige Weſen der him̃liſchen heiligen Jungfrauſchafft /
mit der heiligen Tinctur hat den Tod zerbrochen / und der Schlan⸗
gen im Grimme GHttes den Kopff feiner Macht zertretten;
denn die Göttliche Krafft ift das höchfte Schen darinnen.
59. Alfo verftehen wir wie der heilige Himmel / darinnen
GHLTT wolnet/ indem Schuff oder Geſchaffenem ſchwebet /und
daß GOTT wahrhafftigan allen Enden gegenwärtig ift/un durch
alles wohner: Aber Er wird von nichts ergriffen. In dem innern
Himmel der heiligen Weſenheit iſt er in der Krafft offenbar / als
in dem Elemente. Daffelbige H. Element drang (im Anfang
Der 4. Elemente) durch die Erde / und grünete aus in heiliger
Kraft Eigenfchafft/und trug Früchte/davon die Menſchen ſolten
auff him̃liſche Art eſſen: Als es aber im Menfchen verklich / fo
kam der Fluchindie Erde: Alfoerlofch das Paradeiß inden 4,
Elementen/und bliebin fih im Innern ſtehen: Allda ſtehets den
Menfchen noch offen ; wil Jemand aus diefer Welt Willen aus⸗
gehen/und darein auf Ehriftiauffgemachter Bahn eingehen.
60. Der Pun&der zufammengefchaffenen Erven gehöret ing
Centrum Solis , aber jet nicht mehr: Er iſt gefallen der ein
König war / die Erde ift im Fluche und ein eigen Centrum wor⸗
den / da alles hinlaͤufft und fället / was in der Eitelkeit in den 4.
Elementen gebohren wird: Alles fället gegen der Erden : Denn
Das Schuffftchet noch inder Tieffe / und fchaffet alles Irrdiſche
zuſammen zum Gerichte GOttes / als zu einem Scheiben.
6x. Richt der Meynung / daß die Erde ſey alleine aus dem
Locoder Sonnen kommen / Nein/ fondern aus dem ganken
Circk / ausbeyden innern Beiftlichen Welten: Aber eshatein
ander A. B.C. in deme die Erde fürs Gerichte GOttes gehoͤret
zum fcheiden / alsdenn wirds offenbahr werden / warum gefaget
wwerde/fie gehöre in den Tun Solis.
62. Dan das Böfelte muß des Beſten Urfache ſeyn: Die
ewige Freude ftehet in dehme / daß wir vonder Pein erlöfet fennds
GOTT hat fein heilig Wefen nicht ewig verftoffen/nur die Boß⸗
heit/fo fich darein mifchetes Wenn aber die Erpftallinifche Erde
erfiheinen wird/ alsdenn wirds erfüllet werden / das gefaget
wirt fie gehöre inden Pund Solis. Allhie den unfern genug vers
ſtanden / weiter follen wir allhie geſchweigen. ei
Eab.rı. Bon Keimligkeitder Schoͤpff. Et
Das ır. Capittel.
Bon Heimligfeit ver Schöpffung.
x. Je Bernunfft des äuffern Menfehenfager: Wie
komts / daß G OTT den Menfchen die Schörffung
ec Yper Welt nicht hat offenbahret / daß Moſes und
A die Kinder GOttes fo wenig davon haben ge>
ſchrieben / weiles das aller gröfte und fürnehmfte
Werd iſt / daran alles gelegen ift ?
2. Ja liebe Vernunfft/ reuch in deinen Buſem / wortach
reuchſt du? Wefchaue dein Gemuͤhte / wornach lüftert es? viel⸗
leicht nad) des Zeuffels Gauckeley: Hätte der Teuffel diefen
Grumd nicht gewuft / fo wäre er vielleicht noch ein Engels hätte
er die Magische Gebuhrt nicht in feinem hohen Liechte gefehen/
fo hätte er nicht begehretein eigener Herr und Macher indem -. ; -
Weſen zu ſeyn.
3. Warumb verdecket GOtt ſeine Kinder / welche ſeinen Geiſt
der Erkaͤntnuͤß empfahen / anietzo mit dem Creutze / und wirfft
fie in Truͤbſal und Schlam̃ der Eitelkeit 2 Gewißlich darumb /
daß ſie das Miſerere ſpielen / und in der Demuth bleiben / und dieſe
Zeit nicht im Liechte der Natur fpielen ſonſt fo fie ſich erblicke⸗
„ten / was Magia civina ſey / fo dürfften fie wohl auch begehren
dem Teuffel nach zu Fünftlen / wie Lucifer thaͤte / umb des willen
iftsihnenverborgen. Und hat weder Mofes noch Fein ande:
rer dürfen klaͤrer ſchreiben / biß der Anfang der Sıhöp-
fung das Ende der Welt in fich erſiehet: So muß es
offen ſtehen.
4. Und ſoll uns Niemand darumb ſchelten denn die
Zeit iſt gebohren / da Moſes ſeine Decke von ſeinen Au⸗
gen wegwirfft / welche er für fein Ungefichte hieng / wann
er mit Iſrael redete / nachdehme der HErr mit ihme ges
redet: Moſes begehrte es zu ſehen / indehme er ſagete: HErr ha⸗
be ich Gnade vor dir funden / ſo laß mich dein Angeſicht ſehen:
Aber der HErrwolte nicht / und ſagete: Dur wirft mir nachſehen /
denn mein Angeſicht Fan Niemand ſehen.
5. Run iſt aber das Auge GOttes in Moſe undin den Kindern
der Heiligen geweſen / ſite haben im Geiſte GOttes geſehen und
geredet / und haben gleichwohl nicht das Schauen der geiftlichere
67 Ge⸗
62 ° Bon Heimligkeit Cap. 18
Gebuhrt gehabt / als nur zuZeiten / wenn GOtt hat wollen Wun⸗
der wuͤrcken / als beym Moſe / als er die Wunder in Egypten thaͤ⸗
te / da ſtund ihme Magia divina offen / auff Art und Weiſe wie in
der Schoͤpffung.
6. Und das iſt auch eben derFall Lucifers geweſen / daß er wol⸗
te ein Gott der Natur ſeyn / und in der Verwandlung leben.
Und dieſes iſt auch eben der Heyden Abßoͤtterey geweſen / in deme
fie die Magiſche Gebuhrt verſtunden / fielen ſie von deu einigen
GOtt auff die Magifche Gebuhrt der Natur / und erwehleten
ihnen aus den Kraͤfften ver Natur / Abgöfter.
7. Umb deffen willen ift die Schöpffung alfo dunckel geblieben /
und hat GOtt feine Kinder/in denen das wahre Siccht geſchienen /
mit Truͤbſal verdeckt / daß fe ihnen nicht find felber offenbahr wor⸗
den. Alldieweil Adam auch nach derfelben $uft Magiam zu er»
kennen und zu prüfen imagimirte / und wolte ſeyn als GOtt / fo
ließ es ihme doch GOtt zu / da er fein him̃liſches Bilde mit der
Eitelkeit der Natur und gang finfter und irrdiſch machte}
wie $ucifer auch thate mit dem Centro der Natur / Da er aus ei⸗
nem Engel einen Teuffel machte.
8. So wilich denn den $efer diefes gewarnethaben: Daß er
die Magiam recht brauche / als in einem rechten Glauben und
Demuth gegen GOtt; und Turbam magnam nicht berühre auff
Magifche Art / es gelange denn zu GOttes Ehren und menſch⸗
lichem Heyl zu gute.
9. Denn wir koͤnnen mit Wahrheit ſagen: Daß das Verbum
Fiat noch heute im fchaffen ſey: obs wohl nicht Sternen und Ers
de ſchaffet / fo wuͤrcket es doch noch in derfelben Eigenſchafft / for⸗
met und coaguliret: Der Natur iſt alles moͤglich / gleich wie ihr
im Anfange iſt moͤglich geweſen Steine und Erde zu gebaͤhren /
fo wohl Sternen und 4. Elemente / und ſolche aus einem einigen
Grunde aufigeführet hat; Alfo ifts noch heute. Durch die ftarca
ke Begierde ( welche der Magifche Grund iſt) mag alles voll»
bracht werden /fo man die Natur in ihrer Ordnung zu einem -
Wercke braucht.
10. Alle Wefen ftehen in den 7. Eigenfchafften : Wer num
das Weſen erkennt /der kan es durch denfelben Geift derſelben
Eſſentz / daraus es ein Weſen worden iſt / in eine andere Form
stanfmuriren Jauch in ein ander Weſen einführen /undalfo aus
einen Guten ein Boͤſes / und aus einem Boͤſen ein Gutes machen.
zz. Alle Dinge zu veraͤndern / muß durch die Gleichheit / als
durch fein Eigenes geſchehen: Deñ das Frembde iſt fein Feind ni
glei
Cap. x1.. der Schoͤpffung. 63
gleich wie der Menſch muß durch die Gleichheit in ſeiner verlohr⸗
nen Heiligkeit der Goͤttlichen Weſenheit / wieder durch Goͤtt⸗
liche Weſenheit in der Gleichheit neugebohren werden.
1⁊. Und wie der falſche Magus den Menſchen durch die Incan-
tation mit der Gleichheit beſchaͤdiget / uñ ihme Boͤſes in fein Boͤſes
cals in der Gleichheit) durch die Begierde einfuͤhret: Und wieder
gerechte heilige Glaub oder Goͤttliche Begierde auch in die Gleich⸗
heit eingehet/und den Menfchen dafür befehirmet/ dag die falſche
Begierdenichthafftet.
13. Alfo ſtehet alles in der Gleichheit / cin jedes Ding mag in:
feine Gleichheit eingeführet werden : Und fo cs in feine Gleich»
heit kom̃t / fo erfreuet es fich in feiner Gleichheit/ es ſey Boͤß oder
Gut / und hebet anzu qualificiren : Wie man das am Böfen und
Guten fichet.
14. Ich fege ein Erempel : Es nehme einer ein Elein Bißlein
Gifft ein / fo wird fie die Sifft im $eibe / welche zuvorn geruhet }
alfobalde mit groffer Begierde annehmen / und fich darinnen
ſtaͤrcken und anfahen zu qualificiren / unddas Widrige / als das
Gute verderben und zerftören: Und wasnundas Böfein feiner
Eigenfchafft thun kan / das fan auch das Gute in feiner Eigen»
fchafft thun; wenn das vom Grimme erlöfet wird / fo mags feine
Gleichheit auch in die rechte wahre Freude einführen.
15. Diefer Welt Wefen ſtehet im Böfen und Guten / und
mag eines ohne das andere nicht feyn ; Aber das ift das greffe
Ubel diefer Welt : daß das Böfe das Gute überwegt / daß der
Zorn ftärder darinnen iſt als die Liebe / und folches aus Urſachen
der Sünde des Teuffels amd der Menfchen / welche die Natur
durch die falfche Begierde erräget haben / daß fie mächtig im:
Grimme qualihiciret / als ein Gifft im Leibe.
16. Sonften / fo die Natur in ihren Geftälten / in gleichem
Gewichte / in der Eigenfchafft ſtuͤnde in gleicher Concordang / fd
wäre eine Eigenfchafft für der andern nicht offenbahr /es wäre
Hige und Kälte in gleichem Gerichte in der Qualificirung / ſo
wäre das Paradeiß noch auff Erden; und obs nicht auffer dens-
Menfchen wäre/fo wäre esaberim Menfchen : So feine Eigen»
fhafften im gleichem Gewichte ſtuͤnden / ſo wäre er unzerbrechlich
und unſterblich.
17. Das iſt der Tod und Elend der Menſchen und aller Crea⸗
tur / daß die Eigenſchafften ſtreitig / und eine jede in ſich ſelber er⸗
hebend / und in eigenem Willen qualificirende iſt / davon Kranck⸗
heit und Wehe entſtehet / und folches alles iſt aus deme —
en?
64 Bon Heimligkeit Gap.ır)
Den: Als fich das einige Element hatin 4. Eigenfchafften offen⸗
bahret und beweglich gemacht / fo hat eine jede Eigenfchafft die
Gleichheit begehret/als ein Weſen nach und aus fih/welchesdas
herbe Fiat hatimpreflet und coaguliret/ dag alfo ift inden Eigen»
fehafften Erde und Steine gebohren worden,
18. Nun ift uns aber jego die gröfte Heimligkeit der äuffern
Welt zupetrachten/ zwifchen den Elementen und dem Geftirne :
Der elementifche Geift ift von den Sternen-Geiſt entſchieden /
und doch nicht abfonderlich ; fte wohnen in einander wie Leib und
Seele / aber keines ift dvasander: Der Sternen-Beift macht fo
wohl feine Gorpora als der elementifche / und ſolches in allen
Ereaturen/in lebendigen und wachfenden. -
« 29. Alle Dinge diefer Welt find mit einem zweyfachen Leibe /
als mit einem elementifchen vom Feuer / $ufft / Waſſer und Ers
den / und mit einem geiftlichen Leibe vom Geftirne : Alfo auch in
einem zweyfachen Geifte/ als vom Geftirne und Elementen.
20. Der Menfch aber hat allein (unter den Irrdiſchen) einen
drenfashen Seib: Denn erhatauch die innere geiftliche Welt in
fich/welche auch zweyfach iſt / als Sicht und Finſternuͤß / und auch
im Leib und Geift ; derfelbe Geift ift die Seele : Derfelbe Leib
sber ift vom Warfer des heiligen Elements / welches in Adam
erftarb / das ift / feines Schens verblich / als die Göttliche Krafft
von ihme wich / un nicht inder erweckten Eitelkeit wohnen wolte.
21. Welcher heilige Leib muß neusgebohren werden / wil ſein
Geiſt GOtt ſchauen: Anderft mag er nicht fchauen/er werde dan
wieder ausdem Waſſer des heiligen Elements im Geifte GOt⸗
tes (der fih in Ehrifto mit demſelben Waſſer-Qual hat offens
bahret) neu gebohren/dag fein verblichenergeib im heiligen Waſ⸗
fer und Geifte [ebendig werde / fonft ter in GOttes heiligen Le⸗
ben unfühlende und unfehende.
22. Diefe zweyerley Aufferliche Corpora find uns wohl zu ers
wegen / wollen wir die Natur verfichen / und auffer dieſem Ver⸗
ſtande foll fich Feiner Meifter nennen : Denn in denen lieget das
Regiment aller äufferlichen Ereaturen und Weſen / fte find ein⸗
ander offte widerwärfig / davon Krandheit / Verderben und
Sterben im Eörper entfichet/ daß fich einer vom andern ſcheidet.
23. Der ſyderiſche Leib ift der höchfte/ auffer dem göttlichen /
im Menfchen ; der elementifche ift nur fein Knecht oder Bohne
haus / gleich wie die 4. Elementenur ein Leib oder Wohnhaus
des Regiments der Sternen find.
24. Der elementiſche Geift und Leib iſt ſtumm und —
Alla
Sapırn. der Schoͤpffung. 65
ſtaͤndig / er hat nur Luſt und Begierde in ſich / das Wachſen iſt
fein recht Keben; denn die Lufft hat keinen Verſtand ohne dag
Geſtirne. Das Geſtirne gibt den Verſtand des Unterſcheids /
der Erkaͤntnuͤß aller Weſen in den Elementen.
“25, Aberdasinnere Siccht und Krafft des Liechts gibt in dem
Menfchen den rechten Göttlichen Berftand: Aberim fyderifchen
Geifte ift kein rechter göttliher Begriff : Desn das Geftirne
hat ein ander Principiam. Der fpverifche Leib wohnet in dem
Elementifchen/gleich wie die Liecht-Welt inder Finſternuͤß: Er
ift Das wahre vernünftige Leben aller Creaturen.
26. Das ganse Geftirne iſt anders nichts / alsdas Aufferliche
außgefprochene Wort im Schalle/ esift der Werckzeug / dadurch
das heilige ewig-frrechende Wort äufferlich ſpricht und former:
Es ift wie eine groffe Harmoney unerforſchlicher vielerley
En allerley Snftrummenten/die vor dem heiligen GOtt
piclen,
27. Denn es findeitel Kräffte/die gehen mitihrer Wuͤrckung
ineinander / davon es in der Eſſentz ſchallet; und denſelben
Schallfafferdie Begierde /alsdas Fiat, und macht ihn ſubſtan-
tialiſch / dieſelbe Subftans ift ein Geiſt der Sterneny dehn faffen
die Elemente in fich ein / und coaguliren dehn in ſich / und brüten
ihn aus /gleich wie cine Henne die Eyer; davon iſt das wahre
Vernunfft-Leben in den Elementen : Und alſo wird auch der
ſyderiſche Geift in alen Creaturen auggebruͤttet und coagnliret,
28. Denn das Männlein und IBeiblein faen einen Saamen
incinander / das ift nur ein Sulphur des Geſtirnes und der vier
Elemente hernach wirds in der Matrix außgebruͤttet / umd zu tie
nem lebendigen Geifte coaguliret. |
29. Denn wert ſich das Feuer in der Matrix ‚in dem geſaͤeten
Saamen entzuͤndet / fo feheidet fih der Beift abermahlvon dem
Leibe / als ein eigenes / gleich wie das Liecht vom Feuer nach der
ewigen Natur echt; und werden zwey in einem / als ein geiſt⸗
ficher Leib vom Geftirne/und ein fleifchlicher von den 4. Elemen⸗
ten/ offenbahr, 1
30. Und derfelbe ſyderiſche Geift iſt Die Seele der groffen
Welt / die am Pun&o Solishanget/undihr Liecht und Sehen von
ihr nim̃t / gleich wie alle Sternen Liecht und Krafft von der Sons
nen nehmen /alfo auch ihr Geiſt.
31. Die Sonne ift Das Centrum des Geſtirnes / und die Erde
das Cenrrum der Elementen : Sie find gegen einander / als
Seiſt und Leib /oder als Mann und Weib; wiewohl u Ge»
EN is irne
85 Von Heimligkeit der Schipf.ic. Eapır.
ſtirne einander Weib hatı da es fein Weſen außbruͤttet / als den.
Monden / der iſt aller Sternen (fürnemlich aber der Sonnen)
Weib / inder Eflenk der Wuͤrckung zu verſtehen.
32. Nicht iftsalfo zu verſtehen: Dap das Geſtirne ſey aus
den Pundto Solisentjtanden / daß ich fie das Gentrum der Ster⸗
nen heiffe s ſie iſt das Centrum der Kräffte/die Ur ſache dag fich der
Sternen Kräffte inder Effent bewegen ; fie eröffnet ihreKräffte/
und gibtihre Krafft in ſie ein / alsein Hertze der Kräffte /und in
ihrer Effeng erfreuen fie fich/daß ſie in ihrer Eſſentz beweglich oder
begehrende werden.
33. Und eben in dieſem ftehet die groffe Heimligfeit der
Schoͤpffung / daß fich das Innere (als GOtt) hat alfo mit ſeinem
ewig-fprechenden Worte (das es felber ift )geoffenbahret ; dag
Auffere ift ein Wilde desinnern. GOtt iſt nichts frembdes / in
ihme leben und weben alle Dinge / ein jedes in feinem Prineipio
und Gradu.
34. Die äuffere Eigenfchafften wohnen in fich felber im aͤuſ⸗
fern / als im außgefprochenen Worte / und find gang aͤuſſerlich/
fie koͤnnen in ihren eigenen Vermoͤgen nicht die Kraͤffte der heili⸗
gen Welterreichen : Allein die heilige Welt durchdringet fie /
fie wohnet auch in fich felber. Aber im Punto Solis iſt die achte
Zahloffen/als die ewige Natur/das ewige Magifche Feuer ;und
in dem Feuer die ewige Tindtur, welchedie neundteZahlift; und
in der Tindur das Ereuße/da fich die Gottheitoffenbahret / wel⸗
es ift die gehende Zahl / und auffer: dDiefer Offenbahrung ift der
ewige Verftand/als das Eine (das iſt der G0OH JEHOYAH,)
als der Ungrund.
35. Nicht daß EHttabtheilig fin : Allein wir reden von feia
ner Offenbahrung/aus was Gewalt und Krafft die Sonne ihren
Schein habe / daß derfelbe unwandelbahr fey / alfo lang die Zeit
wäret/ als nemlich aus dem Blaft der feurifchen Tinctur des
ewigen geiftlichen / Magifchen Feuers.
36. Denn ihr Glaft oder Schein hat einen Grad einen tief
fern Urftand/als die Auffere Welt in fich offenbahr ift ;diefes ha⸗
ben die weife Heyden vermerckt / und fie vor GOtt gechret / weil
ihnen der wahre GOtt / der auffer aller Natur in fich felber woh⸗
sieh [nicht befant war.
Das
Cap. r2. Bon den ſechs Tagwerdenn. 57
Das 12. Capittel.
Bon den ſechs Tag-⸗wercken der Schoͤpffung.
2, U GOTT hat in ſechs Tagen Himmel und
Erden und alle Dinge geſchafſen wie Mofes.
faget / ift die gröfte Heimligkeit / und der aͤuſſern
Bernunfft ganz verborgen. Esiftin der Tieffe
ei über den Monden Feine Nacht / auch weder Mora
gen noch Abend / fondern ein immerwährender Tag von Anfang.
der Auffern Welt biß ans Ende derfelben.
2. Und ob wohl das Gefchöpffe in einer folchen Zeit/ als in
ſechs Tage⸗laͤngen ift vollendet worden/ fo haben die Tage-werde
Doch gar vicleinen fubtilern Verſtand: Dennes werden die fies
ben Eigenfchafften darunter verftanden / da ihr feche zum würd»
lichen Regiment zu guten und böfen gehören ; und der ſiebende
(alsdas Werfen) ift die Ruhe / darinnen die andern Eigenfchaffe
sen ruhen / die hat GOTT ausgefprochen und Jichtbar gemacht.
3. Im Regiment des Planetifhen Rades haben wir die Fia
gur / wie ſich die fechs Eigenfchafften des würdlichen Lebens
(welche in der ftebenvden ruhen) haben in fehs Tagen aus dee
innern Geiftlichen Welt in ein aͤußere fichtliche 4- Elementis
ſche eingeführer und offenbahret. Denn das Planekifche Radt ift
aus dem Pun&o Solis ausgegangen ; denn allda war der Königs
liche Orth der Hierarchien , deffen der gantze Circk (zwiſchen
den Sternen iminnern und auffern ) ein Glied oder Corpus iſt.
4. Weildennder Fürftder Hierarchien, als er im Him̃li⸗
Then Werfen in der Ruhe ſaß / fiel/ und ſich umbs Centrum der
ewigen Natur erhub / ſo warder indie Finfternüg geftoffen ; und
ſchuff ihme GOTT aus diefem Orth durch feine Bewegung ei—
nen andern Fürften/ aber ohne göttlichen Verſtand / zu einem
Regirer der Eſſentz / das iſt die Sonne.
5. Aus die ſem Orth find in der Bewegung GOttes außgegan⸗
gen die 7. Eigenſchafften der Natur (verſtehet die Planeten)
welche das Eſſentzialiſche Weſen in Boͤß und Gut regieren / (im
welchen $uciferfaß / darauf er verſtoſſen ward und fein Re⸗
giment im Weſen verlohr ; ) und wie die 7. Eigenſchafften ihr
Regiment imanfahen jedes Tages in der Woche haben / alfo
find auch die ſechs Tage⸗ werck der Schöpffung gewefen.
‚6. Denn $ucifer giengaus der Nuhe feiner Hierarchien aus}
in die ewige Unruhe: Nun hat GOTT in ſechs Zagen alle Ar
ieſer
3 Vron den ſechs Tag-wercken ap. 12}
dieſer Welt geſchaffen / und am fiebenden von der Schoͤpffung
geruhet / das iſt der Sonnabend geweſen / vermoͤge der Schrifft:
Das iſt aus den Ruhe⸗tage / verſtehet aus dem ewigen Ruhe⸗tage
hat er ſich zur Schoͤpffung beweget / und hat in der erſten Ge»
ſtalt der Natur angefangen den erſten Tag / das iſt / er hat ihn
aus der Impreſſion ausgefuͤhret / und ſich mit ſeinem Worte
beweget: das iſt die allerinnerlichſte Bewegung geweſen nach
dem ſprechenden Worte der Krafft.
7. Da hat in dem ausgeſprochenen Worte angefangen der
Sontag / das iſt / der waͤhre Paradeiſiſche Tag / da die Kraͤff⸗
te in groſſer Heiligkeit ineinander gewuͤrcket haben. Denn am
Sontage iſt der entzündete Sulphur und Salniter der Irrdi⸗
ſchen Eigenſchafft aus der groſſen Tieffe der gantzen Hierarchien /
aus den Geiſtlichen Welten / in einen Klumpff geſchaffen wor=
den; das iſt die Erdkugel / und iſt aus der ſtrengen Eigenſchafft
der erſten Geſtalt der Natur ausgeſtoſſen worden.
8. Allda hat ſich angefüngen die erſte Stunde des erſten Ta-
ges / und hatdie Krafftder Natur ingroffer Freuden ineinans
Ber / im ausgefprochenen Worte / regiret; aus welcher Freie
den⸗Krafft am vierdten Zane iſt im Fürftlichen Loco die Sonne
gefhaffen worden : alfo hat diefeibe Krafft Daraus die Sonne
gefhaffen ward / die erfie Stunde des Anfangs der Melt regi⸗
ret / und aiihi Drsgiment alſo angefangen / des waͤhret biß an
der Welt Ende; und darum zegiret die Sonne die erſte Stunde
am Sontage / undwird ver Tag billig alfo genennet.
9. Moſis Worte vonder Schöpffung find trefflich klar / a⸗
ber ver Vernunfft unbegrieffen / denn er fhreibetalfo: Am An⸗
fange ſchuff GOTT Himmel und Erden / und die Erde war wuͤ⸗
ſte und leer; und es war finfter auffder Tieffe / und der Geiſt
GDttes ſchwebete auff dem Waſſer; und GOTT ſprach: Es
werde Liechte und es ward Liechte: Und GOTT ſahe es / daß
das Liecht gut war; da ſcheidete GOTT das Liecht von der Fin⸗
ſternuͤß / und nennete das Liecht Tag / und die Finſternuͤß Nacht /
da ward aus Abend und Morgen der erſte Tag.
1x0. In dieſen Worten ſteckt der gantze Verſtand: Denn der
Anfang iſt die erſte Bewegung / welches iſt geſchehen als der
Fuͤrſt Michael mit dem Trachen ftritte/als er ausgefpeyet ward
in der Schöpffung der Erden. Denn allda ward dis entzüns
dete Weſen / welches fich hat mitder Entzündung in Erde und
Steine coaguliret, aus den innern ins außere geftoßen. ö
1, Und er / der Trache fick vom Himmel’ als auß ei —*
ige
/
Cap. 12. der Schoͤpffung. 89
ligen Welt / auff den Grimm der Erden] als ein Blitz / wie
gefchrieben ftehet: Ach fahe den Sathan vom Himmel fallen als
einen Blis faget CHriſtus. Dazumahl war es in der Tieffe uͤ⸗
ber der Erden gans finfter / und der raue enzündete Grimm ofa
fenbahr. Denndie Hölle war ihme bereitet / darein er fiel / als
in die groffe Finfternüß des erften Principii, darinnen er lebet.
12. Alhie lieget nunder Deckel vor der Vernunft / dag fie
dem Mofe nicht Fan in die Augen fehen / denn er fpricht : Und die
Erde war wüfte und leer. Ja recht wüfte genug / hätte nicht
ver Geift GOttes auff dem innern Waſſer ( melches mit dem
Schuff im Himmelgefaffet ward)gefchmwebet/ und hatte GOTT
nichtgefprochen: Es werde Liechte / fo folfedie Erde wohl noch
wuͤſte und leer ſeyn.
Der erſte Tag.
13. Mit dem Worte da GOTT ſprach: Es werde Liechte /
hat ſich die Eſſentz des Weſens in des Liechts Eigenſchafft / nicht
allein in der Erden / ſondern auch in der gantzen Tieffe in der
Krafft beweget / daraus am 4ten Tage die Sonne in ihrem Loco
geſchaffen ward / das iſt angezündet ward: Und in dieſem Wor⸗
te Schuff / hat ſich der Erden⸗klumpff / und auch dieſelbe Krafft /
welche Himmel heiſſet / im Weſen gefaſſet / welches zuvorn alles
nur ein Geiſt war / ein Geiſtlich Weſen.
14. Und mit dem Sprechen als GOTT ſprach: Es werde Liech⸗
te / bat ſich die heilige Krafft / welche mit im Grimme war ge⸗
faſſet / beweget; und ift in derfelben Eſſentz in der Krafft liechte
worden / und mit diefem Sicchte werden / ward dem Teuffel fei>
ne Gewalt gank im Weſen entzogen: denn allyier fchien das
Liecht in der jestauffsneu erweckten Krafft in der Finftermüß/
welchesder Fürfte des Grimmes nicht begreiffen Fonte / ihme
auch kein nuͤtze war / denn eswardas Liechte der Natur / das iſt
ihm Fein nutze.
15. Und Moſes ſprach: GOTT ſchiedt das Liecht von der Fin⸗
ſternuͤs / daß iſt alſo zuverſtehen: In der Grimmen Eigenſchafft
blieb die Finſternuͤß nicht allein in der Erden / ſondern in der gan⸗
tzen Tieffe; Aber in des Liechts Weſen ging das Liecht der Natur
vom Himmel auff / als aus der fünfften Eſſentia, daraus das
Geſtirne erſchaffen ward / welche Eſſentz in der Erden und uͤber
der Erden uͤberall iſt.
16. Alſo blieb die Finſternuͤß indes Grimmes Eigenſchafft in
der Erden Elſentz / und auch in der gantzen Tieffe dieſer Welt.
Und das natuͤrliche blieb in des Liechts Eſſentz / als ein wuͤrckend
etz
70 Von den ſechs Tag wercken Gap.ızı
Leben / durch welches das heilige Element wuͤrckete / in welchem
Wuͤrcken das Paradeiß duch die Erde gruͤnete und Frucht trug
biß auff den Fluch GOttes; da hoͤrte das heilige Gruͤnen oder
Wachſen auff / und blieb das heilige Element als ein innerer Him⸗
mel in ſich ſtehen / und fuͤhrete doch feine Kraft durch das Natur»
liecht aus / aber nicht mehr alſo maͤchtig als im Anfange; denn der
Fluch iſt ihr Fliehen / wol kein Abtrennen / aber doch nicht mehr
alſo als vor der Sünde des andern geſchaffenen Fuͤrſten des
Adams.
17. Alfo ift in der erften Bewegung des Verbi Fiatsder Him⸗
mel ( dasiftder Circk) fo weit fich Das Verbum Fiat hat zur
Schöpffung eingegeben / gefaffet / oder gefchloffen worden ; und
die Erde mit dem Verbo Fiat gefaffet/ und ans Planetifhe Radt
gefchaffen worden. Undift unsalfo des erften Tages Schöpffung
mitder Scheidung zuverfichen/ als des Liechts und der Finſter⸗
nüßs und mit dem Austreiben des Fürften Lueifers.
18. Derierfte Tag mitden geoffenbahrten XBorte führete fich
nun durch die andern fünf Tage durch / biß in den Ruhe⸗tag / da
der Anfang wieder ins Ende / und das Ende wieder in Anfang
eingehet. Denn die erſte Bewegung des Worts da fich das Siccht
der Natur hat in der Eſſentz angezuͤndet / iſt die Freude der Crea-
tion oder Geſchoͤpffes / die hat ſich mit den andern Tagen durch alle
Eigenſchafften der Natur eroͤffnet / da man jede Eigenſchafft mag
einen Himmel nennen; denn er hat und bringt feine ſonderliche
Wuͤrckung in ſich mit in die andern / und hat ſich jeden Tag eine
Eigenfchafft beweget und offenbahret / darinnen iſt cin ſonder⸗
liches Gewuͤrcke offenbahr worden.
Vom 3weyten Tage.
19. Den andern Tag heiſſen wir Montag: und darum / dag
der Monde die erſte Stunde am Tage regiret; und mag auch
wohl ſeyn / das die Alten Weiſen im Liechte der Natur haben et⸗
was davon verftanden / welches fte heimlich gehalten / und viel⸗
mehr mit Figuren gemahlet haben / als daß ſie das erfläret has
ben: Daß ſie das gewißlich verflanden haben / iſt in den Na=
nen der 7. Planeten zuſehen / dag fie ihnen haben Namen
gegeben nach den 7. Eigenſchafften der Natur / welches mit der
Natur (fowol mit ver Schöpfung ) ſo gank einſtimmet / dag
mich duͤnckt / ſie haben ein theilden Grund der Schöpfung recht
verſtanden / dieweil die Namen der Planeten ſo gantz genau
aus der Natursfprache herruͤhren: Daßes aber nicht iſt klar
ans Liecht gegeben worden / iſt die Urſache wie forne gemeldet /
wegen
er | e — 2
Cap. 12 ver Schöpffung. FT
wegen der falſchen Magia halben / daß es den Künftlern des
Gaudel-fpiels inder Natur verborgen bliebe / wegen des grofe
fen Mißbrauchs / dabey wirs auch noch follen bleiben laffen/ und
Doch den Unfern gnug verftändig feyn wollen.
20. So faget nun Mofes vom andern Tage alfo: Und GOTT
ſprach: Esmwerde eine Veſte zwifchenden Waſſern / und die
fey ein Unterſchied zwiſchen den Waſſern; Da machte GOTT
die Veſte / und fiheidete das Waſſer unter der Veſte von dem
MWaffer über der Veſte / und es gefchahe alſo / und Bott nennete die
Veſte Himmels; da ward aus Abend une Morgen der zweyte Tag,
21. Mefes fpricht / es fey ans Abend und Morgen der ander
Tag worden / dasift/ aus der Offenbahrung des Erften ift die
andere Offenbarung herfür gangen/ und fpricht ferner : Daf
GOTT habedie Veſte des Himmelsden andern Tag gefchaffen/
und habe die Waſſer entfchieden / das unter der Veſte / von dem
Waſſer uͤber der Veſte. Allhielieget nun die Verborgenheit /
da-man uns bißher in einen weitabgelegenen Himmel / der über
den Sternen auſſer dem Orthe dieſer Welt iſt / hat gewieſen:
alſo blind iſt die Vernunfft an GOTT / dag fie nichts von ihme
verſtehet / und nicht betrachtet / daß die Schrifft von GOTT ſa⸗
get: Bin nicht Ichs / der es alles erfuͤllet / und daß ihn Zeit
und Staͤtte nicht abtheilen koͤnne: vielweniger iſt verſtanden
worden / was das Waſſer über der Veſte ſey / welches fie
ſchlecht wollen von einem weiten Orthe haben / als über den Sters
nen / dahin man unsdennauch hat in Himmelgewiefen.
22. Weil uns denn GOTT den Verſtand aus Gemden giebt /
fo wollen wirs den unfern / fo es ergreifen mögen / darftellen /
und wollen aber den felbft- Klugen ver äuffern Vernunfft / hier»
mit nichts geſchrieben haben / denn ſte habens in Vernunft⸗Au⸗
‚gen / und kan ihnen nicht fehlen. Sie fönnenalles richten was
der Geiſt GOttes offenbaret / das mug ihnen eine Ketzerey feyn/
ob ſie das gleich nicht verfichen / auff daß fie hauſſen bleiben / und
nicht einſts GOTT erkennen.
23. Die Veſte iſt der Schluß zwiſchen Zeit und Ewigkeit:
Daß ſie aber GOTT Himmel heiffet / und einen Unterfehied
der Waffern macht / iſt zuverſtehen dag der Himmel in der
Welt iſt / unddie Weltift nicht im Himmel.
24. Das Waſſer uͤber der Veſte iſt im Himmel / und das unter
Der Veſte / iſt das auffere Materialiſche Waſſer.
25. Allhie ſoll man den Unterſchied verſtehen zwiſchen dem
heiligen um aͤuſſern Element · waſſer. Das Waſſer ae *
eſte
72 Dondenfechs Tag⸗wercken Cap.ız)
Veſte ift Geiftlich inder Gebuhrt des heiligen Elements; und
Das Waſſer unter ver Vefte ift tödlich / denn es iſt in der finftern
Sınprefiion ergriffen der Fluch iſt darinnen / und die auffge⸗
wachte Eitelkeit / und iſt doch nicht ein Waſſer ohne das ander.
26. Wenn ich das aͤuſſere Waſſer anſehe / ſo muß ich auch ſa⸗
gen / allhie iſt auch das Waſſer uͤber der Veſte / in dem Waſſer
unter der Veſten: Aber die Veſte iſt das Mittel und der Schluß
darinnen zwiſchen Zeit und Ewigkeit / daß keines das andere iſt;
Und ich ſehe mit den Auffern Augen von dieſer Welt nur das
Waſſer unter der Veſte: Aber das Waſſer uͤber der Veſte iſts /
das GOTT in Chriſto hat zur Tauffe der Wiedergeburt einge⸗
ſetzt / nachdehme ſich das Wort der Krafft GOttes hat darinnen
beweget.
27. Nun iſt das aͤuſſere Waſſer des innern Werckzeug / und
wird das innere Waſſer verſtanden: Dan der bewegende Geiſt
im Worte iſts / der das innere Waſſer in der Tauffe regieret:
Liebe Chriſten laſts euch geſaget ſeyn / es iſt der wahre Grund.
28. Daß aber Moſes ſaget: GOTT habe die Veſte geſchaf⸗
fen und Himmel geheiſſen / das iſt die allerinnerlichſte Verbor⸗
genheit / da der irrdiſche Menſch nichts von verſtehen kan. Der
Verſtand iſt blog in der Krafft des Waſſers uͤber der Veſte / als
im Himmel / oder wie ichs ſetzen möchte / im Geiſte Gotkes / ſo er
ſich im Menſchen / indem Waſſer uͤber der Veſte / welches in
Adam feines Lebens verblich / erwecket / der ſiehet hindurch; ante
derſt iſt kein Verſtand alhie / ſondern alles ſtumm.
29. DW Schaffen vom Himmel wird verſtanden / wie das
fprechende Wort hat die offenbahrte Kräffte der Geiftlichen
Welt gefaffet / darinnen es offenbahr iſt / auch würdet und regi⸗
ret, Zum 2. wirds verftanden von den geoffenbahrten Krafften
der äuffern Welt / welcheder Geiſt ins 4-elementifche Weſen
gefaſſet / und in die äuffere Veſte gefchloffen / daß fie der Teuffel
als der Zorn-fürfte/nicht mag ergreiffen/durch welche er mit deag
innern Waffer würden wolte/ alfo dag die Kräffte der Ewigkeit
durch die Kraffte der Zeit wuͤrcken gleich wie die Sonne das
Waſſer durchſcheinet / und das Waſſer begreifft fie nicht/fondern
fuͤhlet ſie nur; oder wie ein Feuer ein Eiſen durchgluͤet / und das
Eiſen bleibet Eiſen: Alſo iſt auch der aͤuſſere Himmel / der leidet
uñ der innere wuͤrcket durch ihn / und zeucht eine aͤuſſerliche Frucht
aus dem aͤuſſern / da doch derinnere Himmel darinnen in der Veſte
verborgen lieget / gleich wie GOTT in der Zeit verborgen iſt.
30. Und iſt uns mit dem andern Tag-werck die ehe
e
Cap.rz BerSchöpffung. 73
des innern hinumliſchen und äuffern himmliſchen Wefens / als
des Warferqueiles Offenbahrung zu verftehen / verftchetder lie=
ben Gigenſchafften Weſen / als die Leibligkeit oder das Gewuͤrcke
der andern Sechs / da im aͤuſſern die Seele oder der Geiſt der
aͤuſſern Welt innen wuͤrcket und regieret: Daſſelbe Gewuͤrcke
wird in dem aͤuſſerſten Himmel gegen der Erden dem Monde
zugeſchrieben / deun es iſt die Offenbahrung der Mondiſchen Ei⸗
genſchafft nicht des Sternes / welcher erſt am vierdten Tag⸗ werk⸗
te zum Kegirer darein ins aͤuſſere geſchaffen ward / ſondern dieſel⸗
be Eigenſchafft im ſtummen aͤuſſern Leben / als im wachſenden:
Das wachſende Leben ward am dritten Tage eröffnet.
31. Undals GOTT das Waſſer auff Erden hat in ſondere
Oerther geordnet / ſo bewegete er das aͤuſſere ausgeſprochene Wort
in dein wachſenden $chen. So ſpricht nun Moſes: GOTT habe
geſprochen: Die Erde laſſe auffgehen Kraut und Graz / das ſich
beſaame / und fruchtbahre Baͤume / da ein jegliches nach feiner Art
Frucht trage / und habe ein jeglich ſeinen Saamen bey ſich / und als
dieſes geſchehen ſey / ſo ſey aus Abend und Morgen der dritte Tag
worden.
Vom dritten Tage der Schoͤpffung,
. 32. Inder ewigen Natur Urftand/ welche ein ewiger Ur»
fand ift / findet mandie Offenbahrung der fechs Tageswerde
klar / wie fie das ewige Wort habe aus dem Unfthtbahren Geiſt⸗
lihenins Sichtbahre ausgeführet; auch fo findet man am Pla⸗
netifchen Rade die Forme/wer dig nur begreiffer mag.
33: Denninder ewigen Natur-gebuhrsifts ein ewiger Zug.
Was GOTT hatin ſechs Unterfcheiden / welche Tage⸗wercke
heiffen/offenbabret und fichtbahr gemacht / das ſtehet in der ewigen
Natur in ſechs unterfhiedlihen Graden in dem Weſen / alsin
der ſiebenden Eigenſchafft / in welcher die ſechs Gradus der Natur
wuͤrcken / und doch auch ewig vom Würden ruhen s je find felber
das Würden welches fie indie Siebende eingeben / als in iht
ſelbſt eigene Ruhe / darinnen ihr Bolkommenheit und Offenbah⸗
rung ſtehet.
34: Und iſt uns mit dem Schaffen anders nichts zu verſtehen /
als daß das Verbum kiat habe die Geiſtliche Gebuhrt gefafſet /
und in ein ſichtbar aͤuſſerlich Regiment und Weſen eingefuͤhret.
Denn da ſehen wirs in Molis Schriften klar: Wiewohl wir den
Spiegel anderſt zum ſehen haben: dag als GOTT den erſten
Tag das Grobe in einen Klumpff geſchaffen hatte / ſo hat Er aus
demſelben erſten Tage⸗werck das Subtile ausgefuͤhrt / und die
* D Waſſer
74 Von den ſechs Tag wercken c. Cap.ızi
Waſſer / als das Geiſtliche Weſen entſchieden und gefaſſet / und
aus dem erſten Tage / als aus der heiligen Krafft ausgefuͤhret in
eine Zeit / als aus dem ewigen Tage in einen anfaͤnglichen Tag.
35. Die dritte Ausführung des dritten Tag-wercks iſt nun
das bewegliche wachſende Leben / in deme das Liecht der Natur
war am erſten Tage in der Eſſentz des Weſens auff eine aͤuſſer⸗
liche Art ſcheinend worden / ſo ſchien es nun durch den andern
Tag / als durch das Waßer und Himmel / und in dieſem Schein
bewegte ſich das ausgeſprochene Wort in der Eſſentz und wuͤrcke⸗
te / allda gruͤnete die Krafft des ausgeſprochenen Worts aus dem
Liechte der innern Natur / durch die aͤuſſere Natur aus dem Him⸗
mel durch die Erden aus» Jetzt hat der Gewaltige feine Herr⸗
ſchafft verlohren / der ein Koͤnig und groſſer Fuͤrſt war; denn
Die Eſſentz des Grimmes ward im Liechte der Natur gefangen /
und Er mit. Alſo lieget er zwiſchen Zeit und Ewigkeit in der
Finſternuͤß gefangen big ins Gerichte GOttes.
36. In dem dritten Tage⸗werck iſt das Sulphurifche /_ Mere
eurialiſche und Saltziſche Leben aus dem Centro, in der aͤuſſern
Welt Eigenſchafft eroͤffnet worden aus der Angſt / und da doch
Feine Angſt verſtanden wird biß ans Feuer / fondern nur ein
unfuͤhlend treibend Leben / als ein Wachstuhm: Dan der Fewer⸗
blitz entſtehet aus der Angſt / als aus der dritten Geſtalt der Na⸗
tur / und derſelb iſt der Salnitriſche Schrack / welcher die Kraͤffte
in den Eigenſchafften entſcheidet / der iſt im dritten Tage-werck
beweget worden; da haben ſich die Eigenſchafften eroͤffnet / und
ſind im Salnitriſchen Schracke ausgegangen / ein jede aus ſich
ſelber / welche die Impreſſion wieder in ſich gefaſſet / und in dem
Waſſer cörperlich gemacht; und daraus iſt auff⸗ und aus⸗gegan⸗
gen Baͤume / Kraͤuter und Graß / eine jede Eigenſchafft iſt im
Salniter ausdringende worden / und hat ſich mit einer Fru
Dffenbahret; da man denn fichet / wie fich der finftern Welt Eis
genfchafft inder äuffern Krafft mächtig mit eingedrengt hat;
Deromegen etliche Kräuter und Gewaͤchſe giftig und böfe finds
Denn die Erdeift aus beyden innern Welten in eine Compadtion
gegangen.
37. Nun hat Mars am Dinftagedicerfte Stumdedes Tages
im Negiment/ welcher Tag ift der drittein der Schöpfung ;
und diefer Salnitrifche Feuerſchrack ift eben des Martis Eigen=
ſchafft / wie er ift grimmig und feurig /alfo iſt auch dieſe Eigen
ſchafft im Sulphur / da wir denn den Salnitrifhen Schrad für
den gifftigen Mars verſtehen / der die Hrfache des mn =
| ägen
Sap.rz. Bon Erſchaff: des sten Tages. 75
Kägens ift; und der Stachel in der erften Impreſſſon in der
ewigen Natur/ alsin der finftern Welt.
38. Am dritten Tag-werde hat GOTT die dritte Eigen⸗
fhafft der Natur beweget / alsden Schwefel⸗quall / in welchen
fichdas Feuer angezündet; und im Feuersfihracke ift die Thei⸗
fung der Kräffte / da eine jede Eigenfchafft iſt in fich felber offen⸗
bahr worden: Sofprah nun GOTT: Die Erde laffe auffge-
hen Graß / Krautund Baͤume / das iftandersnichts / als er hat
das ausgeſprochene Wort der Kraͤffte in den Eigenſchafften bes
weget; ſo haben die Eigenſchaften das Liecht der Natur in ſich
empfunden / davon ſind ſie hungerig worden / und haben ſich im⸗
preſſet / das iſt gefaſſet und compactiret oder coaguliret. Weil
fich dan das Liecht der Natur anjetzo hat in einer Empfindligkeit
gefunden, und die Natur im füffen Liechte / fo iſt dadurch in der
Coagulation die Freudenreich auffgegangen/als das Ausdringen
oder Wachstuhm. Dan alles Wachstuhm ſtehet im Liechte und
Waſſer / wenn das Liecht den Sulpyur und Waſſer⸗-quell durch⸗
dringt / ſo fpringt Mars fuͤr groſſen Freuden im Sulphur auff.
39. Dieſe Eröffnung hat ſich am dritten Tage angefangenf
und währet biß ans Ende der belt ; den erften Tag war die
Erde wüfte und leer / denn die Mögligkeit zum wachen war noch
sicht eröffnet: Allyie ward die Erde beweget und die Eigen
fchafften eröffnet; undnichtalleindie Erde / ſondern die gantze
Zieffe in Centro der äuffern Natur machte ftch aͤuſſerlich / und
lich doch auch innerlich.
Das 13. Capittel.
Von Erſchaffung des vierdten Tages.
x. En vierdten Taghat Mereurius dieerfte Stunde
des Tages / der machtdas fühlente geben. Allhie
verftchet man den Grund der Offenbahrung der
innern Natur ins äuffere gantz eigentlich / den
am vicrdten Tage ward die Sonne ımd Sternen
geſchaffen / die ſind das rechte Mercurialiſche Seben. Allhie hat
ſich die Fewers Eigenſchafft im Schwefel⸗quaal durchs Waſſer
eroͤffnet / und iſt die fuͤnffte Eſſentz durchs Liecht der Natur of⸗
fenbahr worden / als ein Oehle vom Fewer und Waſſer aus dem
Sulphur / welches iſt ein Mercurius Salnitti, ein anzuͤndlicher
Aeccutĩus, ein iebendiger fuͤhlender. Er
h D 2 2. 38
76 Bon Erfchaffung Cap.ızı
2. In der dritten Geftalt der Naturift ein unfuͤhlend Leben
im Sulphur und Mercurio, aberin der vierdten iſt ein fühlen?
geben; denn im Fewer werden die Eigenfchaften peinlich / und
am Dehlifchen werden fie fanffteund freudenreich: So ift num die
Bewegung im Oehliſchen von der Peinligkeit fühlig.
3. Alhie verftehet man nun gang gründlich / wie fidh die
Scheidung im Feuer der ewigen Natur habe im fichtbaren We—
fen der auffern Welt mit einer Formligkeit offenbaret: Denn
ander Anzündung des Fewers im SalniteriſchenSchracke ſchei⸗
Den fich zwey Weſen / alsein Wägerifchesvon der Verzehrlig⸗
teitim Fewer / da das Fewer den rauen Quaal der Impreflion
in fich verzehrt / fo gehet ausder Verzehrung eine groffe Sänffte
aus / die ift dem Fewer erftorben und ft unfühlig / und giebt den
Waſſer-quaal.
4. Zum zweyten ſcheidet ſich der feuriſche Quaal / als die Ei⸗
genſchafften zum Feuer⸗quaal / welche jetzt mit der Anzuͤndung
Des Feuers ſeynd peinlich und fuͤhlich worden / auch in fein Princi-
pium: Diefer Feuer⸗quaal moͤchte nicht beſtehen / ſo er nicht das
Waſſer wieder in ſich ſchluͤnge / davon er ſich ſtaͤrckt; davon denn
auch der Salnitriſche Schrack entſtehet / da der Grim fürm We⸗
ſen der Sanfftmuht des Waſſers erſchrickt / davon das fuͤhlen / ſo
wohl auch der Glantz des Feuers entſtehet.
5. Dan das eingeſchlungene vom Waſſer ins Feuer / wird in
ein Geiſtlich Oehle refolviret/in welchem das Feuer ſcheinet / und
aus dem Oehle gehet die Lufft / als der webende Geiſt des Feuers)
welcher im Feuer iſt beweglich worden.
6. Die Lufft iſt anders nichts / als das bewegliche Leben / da fich
Das ſprechende Wort durch die Natur / durch die Kraͤfte der Na>
tur / durchs Feuer im Dehleder Natur des Liechts / im Waſſer⸗
quelle ausfuͤhret. Sie iſt des Fewers Leben: aber ſte iſt dem
Feuer erſtorben / und wird doch vom Fewer offenbahr; fir ift das
schen der Natur nach der Eigenſchafft der Sanfftmuht.
7. Alſo find ung mit der Anzuͤndung des Fewers im Liechte des
Fewers / welches iſt das Liecht der Natur / 4. Eigenſchafften zu⸗
verftehen : Als eine ſeuriſche / eine lufftiſche / und eine oͤhliſche dar⸗
innen das Liecht offenbahr iſt / und eine waͤßeriſche; die urſtaͤnden
urſpruͤnglichen alle aus der erſten Begierde zur Natur / indehme
ſich die freye Luſt in eine Begierde und Natur einfuͤhrt; und
führen ſich ale durchs Feuer aus in cin beweglich Leben / und da
es doch kein verſtaͤndlich Leben iſt fondern nur Eigenfchafften
zum wahren Leben. Das verſtaͤndliche Leben iſt das +
Sanıız? ¶ des vierdten Tages. 77
Wort / das fih durch die Eigenfchafften offenbahret. Diefe Ei=
genfihafften find in dein Schuff / das ift/im Verbo Fiat impref-
fet / undin eine Wefenheit eingegangen / daraus ift ein Sulphur
Salnitri worden/dasiftein Magiſch Geftirne/auff AIrt und Wei⸗
ſe wie das Menſchliche Gemuͤhte iſt / welches auch ſeinen wahren
Urftand daraus hat.
8. Diefe Salnitrifche und Sulphurifche Eigenſchafft iſt aus
dem dritten Tage⸗wercke / als aus dem Fewer⸗ſchracke ausgefüha
ret worden/ und iſt daraus entſtanden die vierdte Bewegung / als
die Mercurialiſche / welche das Fiat gefaffet/un in ſich geimpreſſet /
und ſichtbahr gemacht hat; das ſind die Sternen / welche anders
nichts ſind als Eigenſchafften der Kraͤffte der Natur: Was die
Natur in einem kleinen Fuͤncklein in ſich ſelber iſt / das iſt das
gantze Geſtirne in ſeinem Circke; und was die Natur in ihrer
Heimligkeit und Verborgenheit iſt / das iſt das Geſtirne in ei⸗
nem offenen wuͤrckendem Weſen. Das iſt alſo zuverſtehen:
9. Ein jeder Stern hat aller Sternen Eigenſchafft in ſich /
aber in der Natur verborgen / und iſt nur in einer einigen Eigen⸗
ſchaft offenbahr; ſonſten wo in einem jeden Dinge die gantze Na⸗
fur offenbar waͤre / fo wären alle Dinge und Wefen nur ein
Ding und Wefen ; und darum hat GOTT durch fein ſchallendes
Wortden Sulphur Salnieri nach den Eigenfhafften beweget / daß
die Unterfchiedligkeit offenbahr werde / und diefelbe Offenbah⸗
rung iffein Mercurias: Denn das ewig-fprechende Wort / wela
ches GOTT heiffet/hat feinen Halloder Willen durch die Natur
geoffenbahret.
10. Darum iſt das gantze Geſtirne als ein ausgehauchter
Hall der Kraͤffte / ein ausgeſprochen Wort / das wieder fein Aus⸗
hallen und Sprechen ausden Eigenſchafften aus ſich giebt; es iſt
ein Nachhallen aus GOttes Liebe und Zorn / aus der finſtern⸗
und Sicht-welt.
‚20. Nach dem Geftirne find Die 4. Elemente / welche auch aus
dieſem Quell⸗brunnen urſtaͤnden / Die haben auch ihr Aus hauchen
aus ſich / ſte ſprechen auch ihre Eigenfchaften aus fich / und find ale
ein Leib der Sternen. Denn ſie ſprechen oder hauchen ein leiblich
Weſen aus ſich / und die Sternen hauchen ein Geiſtlich Weſen
aus ſich / und daſſelbe beyderley Weſen herrſchet in der ſichtbaren
Welt ineinander / als Leib und Seel.
12. Und fuͤgen euch das recht zuverſtehen: In jedem Element
lieget ein gantzes Geſtirne; das Fewer hat ein gang Geſtirne in
ſich / alſo auch die Lufft / Waſſer "> Erde / aber es iſt in ihnen
3 nicht
“
78 Bon Erfchaffung Eap.ı3?
nicht offenbahr: Darumhat GOTT den Locum diefer Welt
mitcinem offenbahren Geftirne geſchloſſen / dag fiedas ander
Beftirne inden 4. Elementen anzuͤnden / daß das offenbahre Ge⸗
ſtirne in dem Myfterio der Berborgenheit wuͤrcke / als indem Ges
flirne der 4. Elementen / und Wunder gebähre. Denn alfomag
sine wunderlichere Figur und Eigenfchafft aus einem Dinge ges
bracht werden] als fonftdereigenen Natur in fich nicht möglich
iſt zu tuhn.
13. Alſo auch iſt uns zu erkennen / daß ein Geſtirne in Magia
divina ſey / welches iſt der Quellbruñ des ewigen Gemuͤhtes des
Ungrundes / daraus die Natur und alle Weſen ſind entſtanden:
Alſo auch ein Geſtirne in der offenbaren himliſchen Welt / und
auch ein Geſtirne in der finſtern hoͤlliſchen Welt; und dieſelbe
Geſtirne alleſamt ſind nur ein einiges Geſtirne / ſcheiden ſich aber
in uͤnterſchiedliche Gradus und Principia; was in der aͤuſſern
Welt in der Figur offen ftehet/ das ftehet in der Geiftlichen
Welt in Krafft offenbahr/und nicht in Formen.
24. Alfo verftehen wir / daß das Verbum Fiat am vierdfen
Tage die vierdte Eigenfchafft der Natur beweget / als die fünffte
Effeng / und aus der Sulphurifchen Eigenfchafft aus dein Feuers
ſchracke / als aus der dritten Eigenfihaft eröffnet, Undift alfo
ein Beftirne in der $ufft offenbar worden / welches die ſichtbah⸗
ren Sternen find; Und ein Geflirne im Fewer / welches das vers
münfftige Leben aller Ereaturenift; Und ein Beftirne im Waſ⸗
fer / welches das wachfende Leben iſt; Und ein Geftirn in der
Erden / welches das grimme irrdiſche Sehen ift.
15. Das Feurifche gibt Seel / unddas Lufftiſche gibt Geiſt;
Das Waärferifche gibt das Gehäufe der Seelen und des Geiſtes /
als Blut / darinnen die Tinctur vom Fewer und giechte wohnet /
und das Irrdiſche gibt Fleiſch; Und da doch alle vier Geffirne
ein jedes einen Geiſt und Leib nach ſeiner Eigenſchafft gibt. Al⸗
leine alſo hat GOTT eins ins ander gefuͤget / daß eins im andern
offenbahr werde / und zuſammen nur ein Leib ſey / gleich wie alle
vier Elementa nur ein&lement feynd/theilen fich aber in vier Ei⸗
genfchaften/nach dem Centro der Natur.
16. Diefevier Geftirne erbähren aus fich ihren Ambtmann /
als die Auffere Natur) das ift die Seele der Auffern Welt / als ein
frätswährendes Gemuͤhte / darinnen die Allvermögenheit lieget/
als ein offenbahr groſſes Myfterium: In diefem Ambtmann haf
GOTT einen König / oder wie ichs in Gleichnuͤßz fegen möchte?
einen Natur⸗ GOTT grweckt und erbohren / mit ſechs —
we
Sap.ız. des vierdten Tages. 79
welche feine Gehuͤlfen ſind / das iſt die Sonne mit den andern ſechs
Dlanet:Sternen / welche aus den ſieben Eigenſchafften aus dem
Loco Solis ausgeſprochen ſind / und im Sprechen in ein draͤhend
Radt / nach Eigenſchafft der ewigen Erbaͤhrung / im Centro der
Natur eingefuͤhret; und ſolches in ſieben Gradibus aus der Ge⸗
buhrt eroͤffnet: Da denn der erſte Grad der Bewegung im Liechte
der Natur / von der innern Geiſtlichen Fewer⸗ und Liecht⸗welt iſt
die Sonne geweſen / welche ihren Glantz von der Tinctur der in⸗
nern Fewer und Liecht⸗welt nimt/ Die ſtehet als ein eroͤffneter
Punct gegen der Fewer⸗welt.
17. Und mit dem Aushauchen iſt das fechsfältige geben / der 6.
Gradus der Tage⸗wercke und Geſtaͤltnuͤß des Centri raußwartz
gegangen / und hat ſich geſchieden nach Art der ewigen Geburt?
Als erſtlich Venus, welche iſt der Waſſerquaal aus der Sanfft⸗
muth aus der Toͤdtung im Feuer / welcher vom Feuer eine Begier⸗
de der Sanfftmuth iſt / denn das Feuer zuͤndet die Sanfftmuth
an / davon fie begehrend wird / das iſt nun die Liebe-Begierde nach
dem Geiſte / und nach ihrem Weſen iſt fie Waſſer / welch Waſſer
in den Metallen das Edle Corpus Solis giebt.
18. Dieſe Venus, weil ſie mit ihrem eigenen Natur⸗Recht iſt
dem Feuer erſtorben / iſt unter ſich ſinckend / und gibt das heilige
Waſſer / verſtehet nach ihrer ſelbſt-⸗Eigenſchafft / welches im Gei⸗
ſte heilig iſt und aber im Weſen mit im Grimme ergriffen / da
gibts materialiſch Waffer nach der Toͤdligkeit; fie giebt allen
fieben Metallen Leib / undallen fechs Planeten Weſen / miein
Metallen zu fehenift; denn einjeder Planet macht ihr Weſen
infeiner Eigenfhafft nach ſich alsdie Sonne in Gold / der
Mondein Silber/ Jupiter in Zinn / Saturnus in Bley/Mercurius
in Quedfilber/ Marsin Eifen/ und ift doc) nur das Weſen der
einigen Venus Eigenfchafft / aber fie geben ihre Krafft und Geift
darein / und hakten das Corpus für dasihre/ weilfiedaffelbe res
giren,
19. Diefer Venus Eigenſchafft iſt im Loco Solis mit dent ers
fen Ausgange unter fich gefunden/und der Feuerquall über ſich /
der ift Mars, und ausder Venus Eigenfchafft unter fich der ſchwe⸗
te Schalljdas iſt Mercurius aufm Sulphure Salnitri durchs Waſ⸗
fer / und über fich aufm Marte die Krafft des Feuers und Liechts /
das ift Jupiter , und unter fihh aus Mercurio das Weſen der Bes
gierde / dadie Venus in ihrer feurifchen Begierde das Weſen er⸗
greifetl alsein Corpus der Kräffte/das ift Luna, und ar Ju-
piter Saturnus , als die ausgehauchte Impreſſton der erften Ge⸗
Walt der Natur, — D4 20, Dite
‚
N;
80 Bon &rfchaff: des stein Tages. Cap.ra?
20..Diefe Eigenfchafften find im Ausfprechen / im Umbdre⸗
‚ ben geftanden / auff Art wie die Gebuhrtder Naturinder El-
ſentz ift / die hat das Verbum Fiat ergriffen / und inein Corpus
gefaſſet / und zum Regiment in die vier Geftirne geordnet / über
welche er feine Englifche Regenten / als einen obern Raht geord⸗
net hat / welches wir allpier nur andeuten / und an einem andern
Orthe ausgeführet haben.
Das 14. Capittel.
Bon Erſchaffung des fünfften Tages.
x. Ls nun GOTT das Geftirne und vier Elementa /
als ein webend $chen eröffnet hatte darinnen das
ober Geflirne die Unterſchiedligkeit indem weben⸗
den Leben eingab / und dievier Geflirne inden vier
Elementen räge machte; fo führte er den Nach- oder
Aushallaus der Effeng aller Geftirne und Elemente / durch Bes
wegung feines fprechenden Worts im Verbo Fiat aus/ als die
Krafft deſſelben Lebens / welche von der Peinligkeit frey war /
und faffete fie durchs Verbum Fiat , und ſprach mit dem heiligen
ervigsfprechenden Worte durchs Fiat , daffelbe Sehen in Geftalts
nuͤſſe / nach den Eigenfchafften der Geftirne im geiftlichen Cor-
pore , in welchen Das Fiar oder die Begierde die Elemente nach
dem aͤuſſern Weſen an ſich zog / als einen Leib.
2. Und daraus wurden Creaturen in allen vier Elementen /
in jedem Geſtirne nach feiner Eigenſchafft / als Voͤgel im Ge⸗
ſtirne der Lufft / Fiſche im Geſtirne des Waſſers / Thiere und
Vier fuͤſſiges aus dem Geſtirne der Erden und aller vier Elemen—
ten / ſo wohl Geiſter imFeuer⸗geſtirne / welches auch in den andern
Elementen iſt; Und ſihet man das gar feine im Unterſcheid der
Creaturen / wie die Gradus der Geſtirne alſo unterſchiedlich
ſind: Denn die Wuͤrme der Erden leben im dritten Grad / als
im Feuer⸗ſchrack / im Sulphure, Marte und Mercurio im unver⸗
ſtaͤndlichen Leben / und da ſie doch einen Berſtand haben durch An⸗
zuͤndung des obern Geſtirnes / in welchem dritten Geſtirne in der
Eigenſchafft auch Graß / Kraut und Baͤume ſtehen / und ſich aber
auch des Obern in der Anzuͤndung behelffen / durch welches ſie an⸗
derſt qualificiret werden.
3. Und ſehen wie ein jedes Geſchlecht einen Geiſt und Leib
nach dem Gradu feines Geſtirnes habe; denn man verſtehet daß
aus
nd
Cap.r4. Bon Erſchaff· des sten Tages. 81
aus einem Geftirne vielerley Befchlechte kommen / das machts?
daß ein jedes Geſtirne wieder feine Gradus in fich hat. Denn ce
lieget in jedem Gejtirne/ was alle Geftirne find / aber in unter»
ſchiedlichen Gradibus in der Offenbahrung / darumb find die Ei⸗
genfchafften in jedem Geftirne vielfältig : alfo find auch vielerley
Gefchlechte aus jedem Geftirne gegangen. Der Geiſt jedes Ge⸗
ſchlechts iſt aus dem Geftirne: Aber der vier Elementen müffere
fih alle Gefchlechte brauchen / denn fie urftänden aus dem
Quell⸗brunnen / da alle Geftirne urftänden.
: 4. Den fünfften Tag hat Jupiter die erfte Stunde des Tages
unter den Planeten das Regiment / und ſolches daher / daß er
aus dem fünften Grad der Natur / alsaus der Krafft des ſul⸗
phuriſchen und falnitrifchen Hehles in der Erfchaffung des Gt⸗
ffirnes feinen Urftand hats und daß am fünfften Tage diefe Joa
vialiſche Eigenfchafft ift eröffnet / und aus der vierdten Tages ⸗
Eigenfchafft ausgeführet worden / als ein Feibliches Eräftiges
Leben aus allen Geſtirnen; in welches geben GOTT alle Crea⸗
turen auffer dem Menfchen gefchaffen hat / ein jedes aus feiner
Eigenfchafft feines Geftirns aus feinem Gradu : auff daß fie alle
in der Seeleder Auffern Natur lebeten / und unter einem Ambt⸗
mann geregiv.et wuͤrden / welcher iftdas äuffere Geſtirne darin⸗
nen die Sonne der Regente ift,
5. Ein jedes Geſtirne hat feine Compaction des Sulphurs und
Mercurii, der Sulphur gibt Weſen / und der Mercurius gibt Geiſt
ins Weſen / und aus dieſen beyden wird das Saltz / als aus dem
Scharffen Fiat nach Eigenſchafft des Sulphurs und Mercurii er⸗
bohren: und aus dieſen drey Eigenſchafften / als aus dem Sul-
phure, Mercurio und Sale ſind alle Creaturen in ein Leben und
Geſchoͤpffe eingegangen; und was nun vor ein Sulphur an je⸗
dem Orthe / in jedem Punto iſt in der Eigenſchafft in der Bewe⸗
gung der fünften Eigenſchafft in allen vier Elementen im Fiat
ergriffen worden: eine ſolche Creatur ift eröffnet worden; Wie die
Compaction in jedem Pun&o ift coaguliret worden / alfo hat ein
jedes feinen Geift und Saamen in fich gehabt zum wiederge⸗
bahren.
6, Die zweyerley Geſchlechte / als das Männleinund fein
Weiblein urftänden von der Scheidung des Waſſers und
Seuers-Tinetur im Sulphur. Denn im Verbo Fiat ift die
Scheidung gemwefen: da aus einem Sulphur in einem einigen
Pun&o find zweyerley Geſchlechte aus einem Weſen gegangen?
als die feuriſche Eigenfchafft in 8 ſelber zu einem —
5
#
8: Don Srfchaffides sten Tages. Cap.14.
und die Sicchts oder Waffers Eigenfharft zu einem Weiblein /
da fich denn die zwey Tincturen gefihieden haben.
7. Und wie man Jichet / daß das Feuer ohne das Waſſer nicht
brennen koͤnte umd das Waſſer ohne das Feuer ein Nichts waͤ⸗
re ; und einander felber gebähren und doch auch hefftig wieder bee
gehren / und ihr recht Leben in ihrer Conjundtion ftehet/indehme
fie einander erbohren haben / und hernacher wieder in Eins ein⸗
gehen / da fie dan fich im Feuer wieder in Eins verwandeln/ und
wieder in einem Weſen vom Feuer ausgehen / alsin einer öhlis
ſchen Eigenfchafft / in welcher fte am Bande der höchften Liebe⸗
begierde ftchen / denn ihr Liecht feheint im Oehle. Und wie die
Feuer⸗welt der Siecht-welt begehret / und die Liecht-welt der
Feuer⸗welt / als Batter und Sohn: Alfo ift uns imgleichen von
den zweyerley Gefhlechten zu verftchen.
8. Das Weibel ift aus dem Männel) als die Liechts⸗ und
Waſſers⸗Tinctur aus der feurifchen / und gehören inder Na⸗
tur in Eins. Alfo mag eins das ander nicht entrahten / und ha>
ben ein hefftiges Saͤhnen nach einander : denn des Liechts / als
Veneris Tindur ‚begehretdes Feuers / und das Feuer des Liechts /
als feiner Sänfftigung.
9. Denn Venus gibt Weſen / und das Feuer nimtdas Weſen
zu feinem Leben / und gibt aus dem eingenommenen ABefen das
Vecht / und in den feurifchen Liechte das Oehle und aus dem Oeh⸗
le wieder das Waſſer und Weſen; und davon komts / daß ſich
alle Creaturen / ein jedes mit ſeinem eigenen Geſchlechte begeh⸗
ret zu vermiſchen / und gebaͤhren alſo das dritte aus ſich / als ei⸗
ne Gleichheit nach zweyen in eins: Ein jeder Ens ein Gleichnuͤß
nach ſich aus ihme.
zo, Und ſehen klar / wie ein jedes Geſchlechte aus einem forte
derlichen Ens , ein jedes aus einem andern Gradu geſchaffen ſey /
und wie ein jedes Geſchlechte in ſeiner Mutter / daraus es ſeinen
Urſtand hat genommen / lebet / und in einem andern Gradu nicht
Icbenkan: Alsdie Thier auff Erden / welche ein Limusder Ers
den und der Lufft find /darinnen fie leben / und davon fie fich neh⸗
zen; denn das Fiat hat fie aus der Erden Eigenfchafft ausgezo>
gen) und in der sten Offenbahrung der Efleng gefaffet/ als cinen
Sulphur des sten Ens , deme die vier anhangen.
a1. Die Boͤgel ſind in dem Sulphareder Sufft gefchaffen wor⸗
den / darumb fliegen fie in ihrer Mutter : alfo die Fifche im Sul«
phure des Waſſers / und die Würme im Sulphure der Ers
zen: Allfo lebet auch ein jedes in feiner Mutter / Daraus cs im
Anfangs
Cap.ız. Von dem ſechſten Tageswerdiic. 33
Anfange worden ift/ und das Widrige ift fein Todt.
x2. Undift diefer Zeit Weſen und geben anders nichts als eine
Befchaufigkeit der innern geiftlichen Welt/ was die Mögligkeit
der Ewigkeit in fich habe; was für eingeiftlich Spiel im Ente
der innern geiftfichen Welt iſt / demſelben nach ifts in ein Ge⸗
fchöpffe aus Bög und Gut in eine Zeit eingegangen / und ſolches
durch Bewegung GOttes.
13. Und ift hiemit dem Fuͤrſten des Loci diefer Welt fein
Reich und Regiment engogen worden; denn das Ens hat fich in
ein ander Principium eingeführt/ darinnen ernicht feyn fan 7
denn er ift nicht in dieſem Principio zur Ereatur worden/ und
hat kein geben darinnen / als nur in der erweckten Grinuues⸗ Ei⸗
genſchafft in der Eitelkeit.
Das 15. Capittel.
Bon dem ſechſten Tage⸗werck der Schoͤpffung.
1. Er ſechſte Tag in der Schoͤpffung iſt der Frey⸗
tag / an welchem Venus die erſte Stunde des Ta⸗
ges regieret / welches uns recht andeutet die
Ordnung der Gradus, wie ſich das ewig ſprech⸗
ende Wort habe mit der Natur durch die Zeit
offenbahret / wieder Geiſt habe die ſechs Eigenſchafften der Na⸗
tur in ſechs Gradus oder Tagen ausgefuͤhrt in ein wuͤrckend Le⸗
ben / und habe fie aber alle wieder in den ſiebenden eingeführt /
als in die Ruhe oder indie Städte darinnen fie würden follen/
init Andeutung / def alles das jenige / was fie würdetenund
offenbahrten aus den Wundern der ewigen Weißheit / folte
wieder in das Eine / als in die Ruhe eingehen ; welches ift die
fiebende Eigenfchafft / als ein Gehaͤuſe des wuͤrckenden Lebens /
darinnen es als eine Figur zur Befchauligkeit der groffen Herr⸗
ligkeit GOttes ſtehen folte.
2. Als nun GOTT hat die fuͤnff Tage der Natur durch fünff
Eigenföhafften oder Gradus ausgeführet / alsin 5. Geftirne f
welches wohl nicht alle Geftirne find; aber doch ein Quellbruũ
einer geftirneten Eigenfchafft / alseinen fonderlichen Himmel/
wie mans etwan fegen möchte zum Berftande / fohat er am fech>
fen Tage aus der Jovinlifchen Eigenſchafft / alsausdem 5 tere
Geftirne das fechfte ausgeführt / als aus der Jovialifchen Krafft
die fennrifche Siebesbegierde / damit er durch alle Beftirne regie=
xet / dapon dan alles schen a is nach feiner —
ei
34 Von dem ſechſten Tageswerdire. Cap.ız,
heit / als wieder nach einem folhen Geſchoͤpffe / wie ein jedes Le⸗
ben in fich iſt.
3. Ein jedes schen begehrt in diefer Venus-Eigenfchafft wie:
der cin folches zu gebähren / als es in ſich felber ift ; Davon komt
. Die heftige Imagination und feurifche Begierde / das die Eigen»
ſchafflen wieder in Eins begehren/als in den Quell⸗ brunn daraus
Ne gegangen find / denn in demſelben mögen ſie die Gleichheit aus
ſich gebaͤhren.
4. Als nun GOTT hatte dieſe feuriſche Liebe-begierde außm
Lentro durch alle Eigenſchafften ausgeführt / fo war die Natur
jest in diefer Liebe⸗Eigenſchafft begierlich der Gleichnuͤß GOt⸗
tes / als einer Bildnuͤß nach und in der heiligen Siebe-begierde
Gebaͤhrung / daß dieſes heilige Geſtirne der Rebe-begierde auch
moͤchte Creatuͤrlich und Figuͤrlich ſeyn.
5. Und weil dieſe Liebe-begierde aus allen Eigenſchafften der
Natur / und der Hinumel / als aus dem Verbo Fiat, darinnen
‚alles Geſchoͤpffe von Ewigkeit in einem Myfterio gelegen } war
ausgeführet worden ; und in eine Scheidung / als in einen ſon⸗
derlichen Grad eingegangen / fo lüfterte jest die Eigenfchafft ein
Bild aller Gradus oder Eigenſchafften zu ſeyn / als ein lebendiges
vernuͤnfftiges und verſtaͤndiges Bilde / nach der Offenbahrung
dieſer geoffenbahrten Eigenſchafft.
6. So ſprach nun das ſprechende Wort im Verbo Fiat: Laſ⸗
ſet uns Menſchen machen das iſt / aus dem Meſch aller Weſen /
aus aller Kraͤfften Eigenſchafft und Geftirnen/ einen Limum
aus allen Weſen / begehrte die gicbe-begierde in ein lebendig Vils
de / cin Bilde/ das uns gleich und ahnlich fey / und die follen herr⸗
fehen indie Fifche im Meer / und indie Vogel des Himmels/und
indas Viehe / und inalle Erde / und inalle Gewuͤrme / fo auff
Erven Freucht:
7. Dieſes verſtehet alfo: Die fechfte Eigenfchafft der Natur
(als die Liebe-begierde) war ausallen Eigenfchafften ausgeboh⸗
ten / oder ausgefprochen / oder ausgebaucht worden / und war
dashegierliche Jcben in der Freuden / alsim Liechte der Natur/
das war nicht felber ein Limus, aber die Begierde zum Limo
war fie: denn dashallende Wortdas GOTT hatte ausgefpros
chen fchwebete darinnen / als das verftandige schen / GOTT
war darinnen offenbahr.
8. Daſſelbe offenbahrfe Wort GOttes begehrte in dieſe Lie⸗
besbegierde einen Limum aus der Erden / umd aller gefchaffes
nen Weſen aus allen Geftirnen und Gradus an fich zu einem
i Corpus,
Eapırz. Dondem fechiten Tageswerdiic. 35
Corpus, darumb fprah GOTT: Ein Bilde das da gerıfche in
Fiſche / Vögel/ Thiere / Würme/undalle Erde /aller Geſtirne
Weſen: Solt es nun dahinnein heriſchen / fo muſte es auch
daraus ſeyn: denn ein jeder Geiſt herrfchet in feine Mutter
darauser entftanden ift / und iffet von feiner Mutter.
9. So muß man aber diefe Siche-begierde allhie in dem auß⸗
gefprochenen Worte rechtverftehen. Das ausgefprochene Wort
hatte aller Himmel / das ift aller Entiam oder Eigenſchafften
Begierde in diefer Venus-Begierde an fich / als des innern geiſt⸗
lihen heiligen Himmels / welcher ift die Städte der Krafft
BHttes / und des auffern gefihaffenen Himmels / mit den Him⸗
melnaller Geftirne und Elemente / doch nicht wefentlich / ſon⸗
dern alseine geiflliche Begierde; und diefelbe Eigenfihafften bes
gehrten inder geiftlichen Begierde Wefentlich zu ſeyn.
zo. So lautet nun der Text im Mofe ganz Flar und rund /
da er faget: Und GOTT ſchuff den Menſchen in feinem Bilde/
im Bilde GoOttes ſchuff Er ihn: Mitdem Schaffen verſtehet
man das Corpus, welches zweyfach ift / als ein geiftlihes Cor-
pus und ein leibliches ; denn dic Venus-Begierde ift ein geiſtli⸗
cher Leib: und das fie im Fiar indie Begierde des geiftlichen $ei>
bes hat an fich gezogen / das iſt ein fleifchlicher Seib. Das Ver-
bum Fiat hat fie felber in einen geiftlichen Menſchen figuriret
aus allen drey Principien, als nach der innern goͤttlichen Welt /
beydes nach der feuriſchen und liechtiſchen / und nach der aͤuſſern
Welt.
xı. Und das geiſtliche Corpus ift das Bilde GOttes / welchen
das Fiar hat Wefen aus allen Wefen angezogen / alsder inner
heiligen $iebesbegierde himliſch heilig Weſen / him̃liſche heilige
Leibligkeit; und der Auffern Liebe>begierde den Limum der Er—
den/ und der andern Elementen famt den ſichtbaren Geſtirne des
dritten Principii.
22. Derinnere heilige Menſch war im Hunmel GOttes / und
der aͤuſſere Menſch war in dem aͤuſſern Himmel ein Limus der
aͤuſſern Himmel / und der innere ein Limus des heiligen geiſtli—
hen Himmels: Darumb faget Moſes gar wohl / GOTT hab
den Meenfchen in feinem Bilde zum Bilde GOttes gefchaffen z
den IT ift Ervon Ewigkeit in dem Mylterio der Weitpeit Lals
ein Geftirne der Magifhen Krafft vom Geifte GOttes in ders
felben Eſſentz erkant worden: In dieſelbe Erkäntnüß hat
GATT das Wefen eingeführet / und hatdas Wefen ZUM
Bilde des Magifhen Bildes GOttes —
D27 23.Alfe
N
86 Bon dem fechften Tage⸗werck / ꝛc. Cap. 15.
13. Alſo verſtehet mit dem innern Schaffen das rechte Him⸗
mels⸗Bild / als einen heiligen Menſchen aus allen Eigenſchaff⸗
ten der englifchen göttlichen Welt: Den innern Leib verſtehet
für das einige Element / daraus die vier Elementen find ausges
fprochen worden ; und den Auffern Menfch verſtehet für die aͤuſ⸗
fere Welt mit Sternen und vier Elementen / als Geuer / $ufft/
Waſſer und Erden ; und für die äuffere Tinctur / welche mit der
innern im heiligen ausgefprochenen Worte am Bande ift / und
wird nur durch ein Principium gefchieden : als da das innere ein
Aufferlich Leben aus fich gebiehrt: Das innere ift heilig/ und
das Auffere in der Tinctur wäreasıch heilig / fo nicht der Fluch
wäre darein kommen wegen der erweckten Eitelkeit / jedoch fo die
Eitelkeit mag von der Tinctur gefchieden werden / fo ift fie Heis
lig und ein Paradeiß / welches fich am Ende diefer Welt wird
eröffnen.
24, Und Mofes faget ferner: GOTT bließ dem Menfchen
ein den lebendigen Athem / da ward der Menfch ein lebendige
Seele / das heiffet lebendigen / redenden / verftändigen Geift
aus allen drey Principien , ald aus der innern Feucr-welt / wel⸗
che durch die finftere Welt offenbahr wird / und aus der hei=
Tigen Liecht⸗welt / und aus der Auffern Lufft⸗welt / das ift
die Seele.
a5. Der innere Feuer⸗athem ift die wahre ewige creaturliche
Seele / und des Liechts Athem iſt der wahre verftändige Geiſt
der Seelen / darinnen fie ein Engel iſt / und der äuffere Lufft⸗
athem ift die Vernunfft⸗Seele im wachfenden thierifchen Schen/
Damit der Menfch inalle Ereaturen diefer Welt herrfchet: Das
iſt eine einige Seele in dreyen Principien , nach dem Gleichnüß
GOttes.
26. Gleich wie ſich der einige Verſtand der ungruͤndlichen
Gottheit hat mit drey Principien offenbahret: alfo hat er auch
denfelben Geift/ als das wahre Leben / aus allen drey Princi«
pien offenbahret/ indasgefchaffene Bild eingeblafen. Der Leib
iſt ein Limus aller Weſen / und die Seele ift das ausgefprochene
Wort / als die Krafft und Verſtand aller Wefen / alsdie Of⸗
ſendahrung Böttliches Verſtandes.
„ı7. Der Geiſt Gottes hat ſich ſelber aus aller drey Princi-
pien Eigenfchafften in das gefchaffene Bilde eingegeben: Ale
der Vatter aller Weſen / hatden Geift durch fein cwigfprechens
des Wort aus aller Effeng der Kräfftel aus allen drey Principien
suögehallet oder geſprochen / oder wir mans fegen möchte / citt>
80»
at Ton EZ m u Dun
A 2 Hi Men He
Cap.ıs. Don dem fechftenTageswerefne. 87
gefprochen / alsden ausgegangenen Hall des Berftandes / wel⸗
cher fich Dusech die Bewegung GOttes / Durch Die ewige und zeit⸗
liche Natur augführte und offenbahrte : Dehn hat GOtt zu ei⸗
nem Regierer des Leibes und aller anderer Gefchöpffe / in dig ei⸗
nige Bilde wieder eingefprochen / oder wieder Teutfche Text ine
Mofe faget / geblafen.
18. Und flehet die Seele in drey Reichen / im ihren wahren
Seben und Berftande : Das erfte ift die ewige Natur / als die
ſtarcke Macht der Ewigkeit / die fingter-und Feuer- Belt /nach
welcher fih GOtt einen ſtarcken epferigen/ gornigen GOtt / und
ein verzehrend Feuer nennet / in welcher fich Lucifer gang vers
teuffet hat.
19. Das ander ift die heilige Liecht-Welt / da fich der ewige
Verſtand Hat durch die Feuer-Schärffe im Liechte der groſſen
feurifchengiche- Begierde außgefuͤhret / und die grinunige finfters
und feurifche Eigenfchafft zu einer Greuden-reich gemacht/melche
die wahre Offenbahrung der Gottheit ift/ und wird der heilige
Himmel die Englifche Wonne genannt.
20. Das dritte Reich oder Welt iſt die Auffere geftirnete und
elementifche / als die Lufft mit ihrem inherrſchenden Geftirne }
darinnen alle fünff äufferliche Geftirne herrſchen / als das Obere
und die Untern der vier Elementen / aus welchem die fünff Senfus
ihren Urftand nehmen / darinnen das wachfende und das ver>
nünfftige Leben ſtehet. Dieſes iſt die thierifche Seele / welche in
allen Creaturen der aͤuſſern Welt / fo wohl in alle Auffere Him⸗
= orgggesem in alle Erde oder Weſen der Auffern Welt
het. i
21. Diefes verfichet alſo: Der Feuer⸗Athem aus dem erſten
Principio herrſchet in ſeinemUrſtande / als in feiner eigenen Mut⸗
ter / daraus ihn der Geiſt GOttes hat gefaſſet / als im Centro der
ewigen Natur / in der Macht der finftern-und Feuer⸗Welt / und
iſt die Urſache des Liecht⸗ Lebens / und auch des aͤuſſern Lufft⸗ Le⸗
bens; wenn der nicht wäre / fo waͤre der andern feines.
22. Und der Liecht⸗Athem herrſchet im andern Principio, als
im heiligen Reiche der geoffenbahrten Krafft GOttes / der iſt das
Gehaͤuſe des heiligen Geiſtes GOttes / der Tempel GOttes / als
im him̃liſchen heiligen Weſen / verſtehet in dem heiligen geiſt⸗
lichen Leibe des heiligen reinen Elements / das mit ſeinen Eigen⸗
ſchafften in gleichem Gewichte und Maafe ſtehet / als ein zuge⸗
richt Inſtrument des Geiſtes / darinnen er GOttes Wunder aus
der ewigen Weißheit offenbahret / und in ein ——
ret⸗
38 Von dem fechftenTageswerdine. Cap.n5
führet/als in die heilige Harmoney des ewig⸗ſprechenden Worts
in die Goͤttliche Freudenreich / als in die Offenbahrung der goͤtt⸗
lichen Kraͤffte / in welchem der heilige Geiſt der wahre Spiel⸗
mann iſt.
23. Und der Lufft-Athem herrſchet auch in feine Mutter dar⸗
aus er urſtaͤndet / als in die aͤuſſere Welt / in die Figur und
Gleichnuͤß der innern Welt / als in das aͤuſſere Myfterium der
Zeit / und offenbahret feine Mutter / welche aus der Ewigkeit iſt
in eine Zeit zur GöttlihenBefchauligkeit der Wunder ver Weiß⸗
heit GOttes eingeführet worden.
24. Und find doch nicht drey Seelen / ſondern nur eine / aber ie
ſtehet in drey Principien/ alsim Reiche GOttes Zornes / und im
Reiche GOttes Siebe] und in dieſer Welt Reiche; und fo diefes
nicht wäre/fo Fönte man nicht fagen/ die Seele fahre in Himmel
oder Hölle) fodas nihtan ihr wäre; wenn die Lufft / als das
Auffere Reich der Zeit von ihr abbricht / fo st die Seele entweder
im finftern Seuer-Reiche GOttes offenbahr / oder im heiligen
Liecht⸗Reiche / im Licbe- Feuer der Kraft GOttes / wohin fie ſich
N hat begeben/darinnen fteher fie/ fo fie das Auffere Leben
verlafier.
25. Und ift uns doch in Eeinem Weege zu dencken /daf die
Seele GOtt ſelber fey / welcher weder Natur noch Creatur iftz
auch in Nichts als nur in fich felber wohnet / und doch auch durch
alles wohnet/und EeinemDinge weder ferne noch naheift : Son»
dern fie ift das aufgefprochene Wort / das geformte Wort / fie ift
der Geiſt und das Leben der drey Principien Göttlicher Offene
bahrung : So fie aber GOtt ſelber ware / fo wäre fie unverruͤck⸗
lich / und möchte Fein Gericht über fie ergehen.
26. Aber alfo magein Gericht über fie ergehen / fo fie fich aus
der Ordnung aufgibt / darein fie GOtt hat im Anfange einge»
führet / fo gehet fie ans der göttlichen Harmoney / aus der Ord⸗
nungdesgeoffenbahrten Wortsder Krafft GOttes / fo fie einen
andern Willen inihr offenbahret/als andere Eigenfchafften aus
der ſtarcken Macht der ewigen Natur.
27. Der gantze Menfch mit Leib und Seel iſt dreyfach / und
Doch nur eineiniger Menfch : Der Leib iſt aus dreyerley Weſen /
und Die Seele aus dreyerley Eigenfchafften des Geiftes. Ein
Erempel habt ihr am Feuer / $iechte und Lufft; das Feuer hat ei⸗
ne andere Eigenfchafft als das Liecht und gufft. Der feurifche
Leib ift das ewige Geſtirne /als das Magifche Geftirne / das
groffe Myfterium,aus welchem das Auffere Geftirng ift erbopren
worden / und in ein Geſchoͤpffe eingegangen, 23.3
Cap. 15. Von dem ſechſten Tage werckke. 39
28. In dem feuriſchen geiſtlichen Leibe wohnet der feuriſche
Geiſt / als die feuriſche Seele / und in dem Liechts-Leibe vom hei⸗
ligen Element / als vom wahren Himmels-Vilde / welcher ſtehet
in einem geiſtlichen Sulphure, Mercurio und Sale, wohnet die
heilige Seele/als der Seelen wahrer@eift/der ein Tempel GOt⸗
tes iſt; und in dem auffern Leibe / welcher ein Limus der Erden
und der andern Elementeift / als in dem äuffern Geftirne der
fünff Seafüs wohnet die auffere Seele /als der wahre Geiſt der
Auffern Welt.
29. Eine jede Eigenfchafft der Seelen hat auch eine leibliche
Eigenfchafft an fich 7 welche mag ein Himmel genannt werden?
als ein fonderlih Magiſch Geftirne : Als die feurifche Eigen»
fhafft der Seelen hat einen Leib vom innern Beftirne der fin⸗
fern und Feuer-Welt / welcher ein geiſtlicher Leib iſt:
30. Und die Liechts-Eigenſchafft der Seelen hat einengeifte =
lichen oͤhliſchen und wäfferifchen geib/darinnen die zwo Eigen»
ſchafften der höchften Tindur vom Feuer und Liecht /den Glaſt
und Zierde der Farben / Wunder und Tugend der Göttliche
Weisheit eröffnen : Daſſelbe Waſſer ift das Waffer über der
Veſten / davon Mofes faget ; Und daffelbe Oehl iſt das heilige
Oehl der Göttlihen Kraffte/ mit welchen Fuͤrbilde das Alte Te⸗
ſtament umbgieng / in deme der wahre-öhlifche Leib himmliſcher
Eigenſchafft war in Adam in der auffgewachten Eitelkeit ver⸗
blichen / ſo ordnete GOtt das Fuͤrbilde der neuen Wiedergebuhrt
mit einer oͤhliſchen Salbung / darinnen er kraͤfftig durch den ver⸗
heiſſenen Bund / als in einem Fuͤrbilde / wuͤrckete.
3r. Die dritte aͤuſſere Eigenſchafft ver Seelen hat in alle⸗
wege ein folhen Leib vieler Geftirne an ſich / als immer Die irmere
Eigenſchafften: welche vieleder Eigenfhafften mögen alle Him⸗
mel genannt werden. Denn cine jede Eigenſchafft des auffern
Leibes hat cin eigen Magiſch Geſtirne / als da ift ein Leib von den
ſulp urifhen Geftirneder Erden: Stemein Leib oder Geſtirne
vom mercurialifihen Gifft-$eben : Stemein Leib vonfalsifchen
Kräfften der Corporum : Item ein Leib der Seelen der äuffern ,
Melt / als des obern gefchaffenen Geftirnes / alles nach deme die
Auffern Kraͤffte der äuffern Seelen find : Alto Hat auch eine jede
Krafft eine leibliche Eigenfihafft an ſich / alfo auch Die innert
Kräffte der geiftlichen Eigenſchafft zu werfichen ſeynd mit dem
innern Leibe.
Dat
go Bom interfcheid des himliſch ⸗ Cap. 16.
Das 16. Capittel.
Vom Unterſcheid des himmliſchen und irr⸗
diſchen Menſchens.
a D wir das Bilde GHDttes betrachten / das GOtt
ins Paradeig zum ewigen umgerbrechlichen geben
hat gefihaffen / fo Eönnen wir in feinem Weege
von dem groben fleifchlichen Bilde fagen / daß die
grobe Eigenfihafftderradigkeit das Bilde GOt⸗
tes ſey / das die heilige Welt befigen fan > Denn es iſt nicht ders
felben Efleng und Weſen / davon Ehriftus Joh. 6. faget : Der
Geiſt ift das Leben / das Fleiſch ift kein nuͤtze: Item Fleiſch und
Blut ſoll das Himmelreich nicht erben; und ſo doch ja der wahre
Leib in dieſer thieriſchen groben Eigenſchafft innen lieget / wie
das Gold im groben Steine.
2. Alles was am Menſchen irrdiſch iſt / das iſt thieriſch und
zerbrechlich und nicht Menſch. Ob wohl GOtt hat den Men⸗
ſchen einen aͤuſſerlichen Leib aus dem Limo der Erden geſchaffen /
fo ift er uns doch nicht alfo zu betrachten / als er ietzt iſ. Denn
der wahre menfhliche geib nach der innern Welt iſt ein geift«
licher Sulphur, ein geiftlicher Mercurius, und ein geiftlich Saltz:
Eine jede Eigenfchafft der Seelen hat eine cörperliche oder we»
fentliche an fich.
3. GOtt ſchuff einen folchenseib wie die Seele in ihrer Eſſentz /
als im außgehalleten Worte des Verſtandes war / und bließ die
Seele zum Verſtande darein / ſo iſt der aͤuſſere fulphurifche Leib
auch mit nichten das grobe Thier / welches hingehet und nicht wie⸗
der komte: Der rechte wahre Leib der in der Grobheit verborgen
lieget / iſt ein geiſtlicher Leib gegen der Grobheit zu achten: Ex
— * in Fleiſch und Blut / aber in einem fixen beſtaͤndigen ge⸗
chaffen.
4. Durch Adams Luſt ward die Grobheit mit der Imaginati«
onoffenbahr : Der rechte äuffere Leib iſt eine futphurifche mer-
eurialifche und falsifche Eigenfchafft / eine lautere weſentliche
Krafft nach Artder Seelen ; was die Seele im Geiſte iſt / das iſt
* * menſchliche Leib im Weſen / als ein Gehaͤuſe der
eelen.
5. Alle Eigenſchafften des innern heiligen Leibes ſambt den
auſſern / waren (in dem erſten Menſchen) Jin eine gleiche Har⸗
monep gerichtet / keiner lebete in eigener Begierde / fondern *
Cap. 16. und irrdiſchen Menſchens. or
ihre Begierde alle in die Seele / in welcher das goͤttliche Liecht
offenbahr war / als in den heiligen Himmel : Das Liecht ſchien
durch alle Eigenfihafften und machte eine gleiche Temperantz in
den Eigenfhafften: Alle Eigenfihafften gaben ıhre Begierde in
das Siccht/alsin GOttes geoffenbahrte Suͤßigkeit / welche durch
alle Eigenfihafften vrang/ in welchem durchdringen fie alle mit
der ſuͤſſen $iebe tingiret worden / dag zwifchen ihnen nichts ale
ein eitel Wohlfchmecken/und Liebe⸗Begehren war.
6. Die innere heilige Seibligfeitvom reinen Element / drang
durch die vier Elementen / und hielt den Limum der Erden (ale
den auffern fulphurifihen $eib) in fich/ als wie verfehlungen ; und
T Da er doch warhafftig war/ aber auffeine Art wie die Finfternüg
im Liechte wohnet/und mag doch nicht ihr Finſterheit vorm Liech⸗
te offenbahr werden/fo aber das Liecht erlifchet/ fo ift die Finftera
nuͤß offenbahr,
7. Alfo hielt der innere Menfch den Auffern in fich gefangen 7
und durchdrang ihn / gleich wie ein Feuer ein Eifen durchglühet /
daß man meynet es fey lauter Feuer/ fo aber das Feuer erlifchet /
fo wird das ſchwartze finftere Eifen offenbahr.
8. Alfo war auch der erfte Menfch als erim Paradeig ſtund
in feiner Fixheit / auf Art wie die Zeit vor GOtt iſt / und GOtt
in der Zeit/und keins das ander/ und ift doch auch nicht abſonder⸗
‚Eich getrennt : Wie die Zeit ein Spiel vor GOtt iſt / alfo war
aus das äuffere Sehen des Menfchen cin Spiel vor dem inner
heiligen/ welcher das wahre Bild GOttes war.
9. Der Auffere Geift und Leib war vor dem innern/als ein
Wunder Göttlicher Offenbahrung/ nach der Feuer-Finfter-un®
Sicht- Welt ein Spiegel der greffen Allmacht und Allwiffenheit
GOttes; und der innere war ihm zum Regenten gegeben.
10. Gleich wie GOtt mit der Zeit der Äuffern Welt vor fich
fpielet: Alfo auch folte der innere göttliche Menfeh mit dem ge=
offenbahrsen Wunder GOttes in diefer Welt fpielen / und die
göttliche Weißheit an aller Creatur in jeder nach feiner Eigen⸗
ſchafft eröffnen/fo wonf auch in der Erden / in Steinen und Me⸗
tallen/ in welchen auch ein zweyfaches Weſen lieget / als vonder
finftern Feuer- Welt Urftand / und denn von der heiligen Liecht⸗
Welt Urſtand. Pr Art
1x. Diefes alles war ihn zu feinem Spielgegeben: Er hats
tedie Erkaͤntnuͤß aller Tin@uren/alles war unter ihme: Er herr⸗
fhete in Himmel und Erden) und in alle Elemente / fo wohl im
als Geſtirne s Und das daher / dag die Göttliche Kraft in *
offen⸗
7 *
92 Von AUnterſcheid des himliſch⸗ Cap. 16.
offenbahr war / kein Hitze noch Kaͤlte drang auff ihn. Gleich wie
eine Tinctur ein Corpus durchdringet und fuͤr der Kranckheit be⸗
wahret / und wie der Sonnen Waͤrme den Leib fuͤr Kaͤlte bewah⸗
ret / alſo drang auch die hoͤchſte Tinctur von Goͤttlichem Feuer
und Liechte / als die heilige Krafft des innern geiftlichen Leibs /
durch den aͤuſſern Leib von Fleiſch und Blute / und nahm alle
aͤuſſere elementiſche Eigenſchafft / ſo wohl den Limum der Erden
in ſeine Præſervation oder Beſchirmung.
12. Denn im Corpus des innern und aͤuſſern Menſchen war
eine Temperantz; alſo mochte auch nichts / was auſſer dem Corpus
war / dieſe Temperantz zerſtoͤren oder angreiffen; gleich wie ein
Gold im Feuer beſtehet / und wie eine Tinctur alles durchdringet
und fuͤr nichts weichet: Alſo war auch der Menſch keinem Din⸗
ge unterthan / als nur bloß dem einigen GOtt / der durch ihn woh⸗
net / und in ihme mit der Krafft des heiligen Weſens offenbahr
war; und das war ein Bilde und Gleichnuͤß GOttes / in deme
der Geiſt GOttes wohnete.
13. Die Vernunfft wird uns uͤbel verſtehen / und ſagen: ich
rede von zweyerley Menſchen; Ich aber ſage nein / ich redenur
von einem Einigen / der eine Gleichnuͤß nach GOttiſt / als nach
dem geoffenbahrten GOtt / nad) dem außgeſprochenen geformten
Worte der Goͤttlichen Krafft / des Goͤttlichen Verſtandes.
14. Gleich wie in GOtt alle Dinge im Weſen find / under
doch ſelber nicht daſſelbe Weſen iſt / und doch das Weſen be=
herrſchet / ein jedes Weſen nach ſeiner Eigenſchafft: Alſo iſt der
innere geiſtliche Menſch ein Bilde des geformten Worts der
Goͤttlichen Krafft; und der aͤuſſere ein Bilde des innern / als ein
Werckzeug des innern / gleich wie ein Meiſter muß einen Werck⸗
zeug haben damit er fein Werck machet: Alſo iſt der aͤuſſere
Menfc vom Limo der Erden und der vier Elemente/ ſambt dem
auffern Geſtirn / nur ein Werckzeug des innern / damit der innere
ſchnitzet und macht was der innere ſeeliſche Geiſt wil.
15. Wie wir dann ſehen / daß der Wille der Meiſter in allem
Fuͤrnehmen iſt / und ſehen ferner / wieder innere göttlichen Wil⸗
len und Begierde hat: Der äuffere aber nur einen thierifchen /
welcher durch den Fall nur alfo worden ift ; der gantze Menfch ift
nur ein einiger Menſch / aber feine Eigenfchafft lieget in ſonderli⸗
hen Gradibus nach den innern und auffern Himmeln / als nach
Balder Offenbarung / durch die ficben Eigenfchafften der
atur.
Von
1
Cap. 16. und irrdiſchen Menſchens. 93
Von Erſchoͤpffung des ſiebenden Tages.
16. GOTT hat alle Dinge in ſechs Tagen aus den ſteben Eis
genſchafften geſchaffen / und die ſechs Tage⸗ wercke der Offenbah⸗
rung ſeines Geſchoͤpffes in den ſiebenden eingefuͤhrt / darinnen
alles Leben ſoll würden / als in einem Leibe: Denn der ſiebende
Tag und der erſte gehoͤren ineinander als einer / denn es ſind die
ſechs Eigenſchafften der ewigen Natur alle in der ſtebenden / als
in einem Gewuͤrcke der andern ſechs gelegen. Die ſtebende Ei—
genſchafft iſt ein Myfleriam oder Weſen der andern aller; Und
aus dem ſiebenden Tag hat der erſte Tag ſeinen Urſtand und An⸗
fang genommen.
Der Siebende Tag Saturnus.
17. Denn den fiebenden Tag / als den Sonmabend / hat Satur-
nus die erſte Stunde des Tages das Regiment im planetiſchen
Rade / welches eine Figur der ſtebenfachen Gebaͤhrunge der ewi⸗
gen Natur iſt; Denn gleichwie die erſte Geſtalt der wigen Na⸗
tur die herbe Begierde iſt / als das Fiat, das die freye Luſt / welche
ats ein duͤnne Nichts im ewigen Willen GOttes im göttlichen
Verſtande iſt / in der Begierde impreſſet / und in ein geiſtlich We⸗
ſen einfuͤhret / in welcher Begierde Weſen alle Eigenſchafften ent⸗
ſtehen / wie forne gemeldet worden.
18. Alſo iſt auch Saturnus oder die 7te Eigenſchafft des ſteben⸗
den Tages die Ruhe oder Stätte der andern ſechs Tage-wercke /
darinnen ſie wuͤrcken als ein Geiſt im Leibe; die ſtebende Eigen⸗
ſchafft ſtehet ſtille als ein ſtum̃ Leben.
19. Das nun Moſes ſaget: GOTT ruhete am ſiebenden Tage
von allen ſeinen Wercken / und heiligte den ſtebenden Tag zuͤr
Ruhe; das hat einen treflichen hohen Verſtand / und da er doch
kindlich iſt / ſo wir noch im Paradeiß waͤren / und im Sabbath
wohneten: Dieſes verſtehet alſo:
20. Aus dem Verbo Fiat, als aus dem göttlichen Worte und
aus der goͤttlichen Begierde / welche das Fiat im Worte iſt / damit
fich das Wort ſormt / oder im geiſtlichen Weſen zur finſtern⸗
Fewer⸗und Liecht⸗welt einfuͤhret / ſind die ſechs Eigenſchafften
der ewigen und zeitlichen Natur ausgegangen / und haben ſich ein
jeder in einen ſonderlichen Grad einer ſonderlichen Eigenſchafft
eingefuͤhret / welcher Grad ein Himmel oder ein Magiſch Geiſt⸗
geſtirne mag genandt werden.
21. Denn eine jede Eigenſchafft iſt ein ausgehaucht Weſen /
als ein Himmel; wie denn Himmel eigentlich ein hauchen und
Faſſen in der Natur⸗ſprache heiget / da das Fiat faſſet / was das
Wort
34 Vom Unterſcheid des Himliſch⸗rtc. Cap. 16.
Wort ſpricht oder aus ſich haucht: Alſo iſt das Aushauchen
oder Sprechen in ſechs Gradus oder Tagewercke eingefuͤhrt
worden.
22. Einjedes Hauchen hat eine Zeit/als eine Tag-und Nacht»
aͤnge (inder Faffunge und Formunge) gewähret/ und iftje eine
Eigenfchaft eines Tages aus der andern ausgefprodyen oder aus⸗
gehaucht worden / big auffdie Sechſte / im welcher das geformte
Wort offenbahr worden / welches in der fünfften Geftalt/als in
der Siebesbegierde feinen Blid durchs Fewer aus dem Liechte ges
nommen / und fich in der fechften Geftaltder Natur gefaffet oder
geformet /in welcher Formunge das Bild GOttes (der Menſch)
gefchaffen worden / als ein Bild des geformten Worts / welches
GHTT inden Sabbatl) / als in den ficbenden Tag) verftchet ins
Verbum Fiat , als indie erfte göttliche Begierde zur Natur / ein
führte/darinnendas Paradeig und der ewige Tag war.
23. Denninder fiebenden Eigenfchafft lieget der ewige Tag /
daraus die Tage der Zeit find ausgegangen/ und die Alten haben
ihn Soñabend geheiffen : Er heiffet aber recht Soͤhn⸗abend /
Darinnen GOttes Siebe den Zorn verfühnet/ als da ſich die ſechs
Eigenfhafften im Gewürdeinder Impreflion indes Grimmes
Eigenschaft entzünden/ fo werden fein der fiebenden Eigen=
Schafft / als in der geoffenbahrten H. Kraft GOttes (welche ch
in der fünfften und fechften Eigenfchafft offenbaret / und in das
Gewuͤrke der andern aller/als ein heiliger Himmel einfchleuffet)
in der $iebe=begierde verfühnet / und in ein einiges Weſen einges
führet / darinnen fie ruhen als im Verbo Domini, welches ſich
hat mit den ſieben Eigenfchafftenin Natur und Weſen einge⸗
führet/und davon ſaget Moſes recht: GOTT ruhete am fiebenden
Tage von allen feinen Wercken / und heiligte den ſiebenden Tag.
24. Verſtehets allhie recht: GOTT hat mit feinem geformten
Worte / welches er erftlich in Finſternuͤß und Fewer einführete/
als in das erſte Principium, darnach er ſich ein verzehrend Feuer
nennet in dem andern Principio, da er ſich durchs Fewer im
Liechte in der Liebe-begierde / als im heiligen Fiat ausführet / als
im geformten heiligen Worte geruhet/und ruhet ewig mit feinent
eoffenbahrten Worte darinnen. Seine Ruhe darinnen ift eine
— / da die Angſt-quaal des Grimmes GOttes der
ewigen Natur / in ein goͤttlich Freuden⸗ reich verwandelt wird.
25. Und dieſelbe Ruhe iſt der heilige Himmel in dein Natuͤr⸗
lichen Himmel / da die Zeit in ſich würdet/undihr Gewuͤrcke zum
Ruhe⸗ tage / als zum Scheide⸗tage / darſtellet / da alsdenn am ——
er
Cap.r7. Von dem Paradeiß. 97
der Tage diefer Welt folldas Böfe vom Guten geſchieden wer>
den / und ein jedes Ding feinen eigenen Himmeljals feins Quaal⸗
geiftes Eigenfchafft/daraus es iſt erbohren wo rden / beſitzen.
26. Dieſe Zeit aber muß GOttes Liebe und Zorn in einander
wuͤrcken / und die Wunder GOttes offenbahren beydes nach der
Feuer⸗und Liecht⸗welt und ruhet das Verbum Domini in der
fiebenden Offenbahrung der Eigenſchafften / und ſcheinet mit ſei⸗
er Kraft in das Würken ver fechs Zage / als in die fechs Eigen⸗
ſchafften / und komt allen Sehen zu Hülffe.
27. Inder fiebenden Eigenfhafft werden alle Dinge an ihr
Enve gebracht / als in den erften Tag des Anfangs aller Weſen:
Denn der ſiebende Tag / als die ſtebende Eigenſchafft der ewigen
Natur / ift das durchfcheinende gläferne Meer vor dem Stuhl
des Alten in Apocalypſi, daraus dieſe Welt / als aus dem Myfte-
zio Magno , ift in fondere Himmel und Geftalten geſchaffen / und
im Verbo Fiat geformet worden s Der ftebende Tag ift von Ewig⸗
teit auffer aller Zeit geweſen / denn er ift das geformte Worfdes
Göttlihen Verftandes/in ihme fechet die ewige Weißheit GOt⸗
tes offenbahr / als die Kraͤffte und Wunder des Goͤttlichen Ber:
ſtandes / in welchem die GOttheit würdet.
Das 17. Capittel.
Von dem Paradeiß.
2. Dfes faget: Als GOTT habe den Menfchen ges
macht/ fohaber einen Garten in Eden gepflanket/
und der Menfchen darein gefegt/dchn zu bauen und
zu bewahren/und habe aller ley Früchte im Garten
laffen auffwachſen / luſtig anzuſehen / und gut zu
eſſen / und den Baum des Lebens / und den Baum des Erlantnuͤß
Gutes und Boͤſes in die Mitten gepflantzet.
2. Alhie lieget der Deckel vor Moſis Angeſichte / in deme er
ein verkläret Angeſicht hat / daß ihm das ſuͤndige Iſrael nicht mag
ins Angeſicht ſehen: Denn der Menſch der Eitelkeit iſt das nicht
werth / daß er wiffe was das Paradeiß ſey; und ob es uns iſt ges
geben zu erkennen nach dem verborgenen Menſchen / fo werden
wir mit dieſer Beſchreibung dem Thiere doc) ſtum bleiben / aber
von den unfern genug verftanden feyn.
3. Der Garten Eden war auf Erden eine Stätte / dader
Menfch verſuchet ward, und das Paradeig war im Himmel / und
war aber im Garten Eden. Denn gleich wie Adam vor feiner
Henn
96 Vom Paradeiß. Cap. 17
Heva vor ſeinem Schlafe nach dem inwendigen Menſchen im
Himmel war / und nach dem aͤuſſern auff Erden; und wie der
innere heilige Menſch den aͤuſſern durchdrang / als ein Feuer ein
Eiſen durchgluͤhet: alſo auch durchdrang die him̃liſche Krafft
aus dem reinen Element die vier Elemente / und gruͤnete durch
die Erden / und trug Früchte / die waren Him̃liſch und Zrodifch/
und wurden aber von der goͤttlichen Krafft qualificiret; und
ward die Eitelkeit in der Frucht alshalb verſchlungen gehalten
gleich wieder Tag die Nacht verbirget / und in ſich gefangen haͤlt /
daß ſte nicht erkandt wird.
4. Das Paradeiß war anders nichts als des ſtebenden Tages
Eigenſchafft: Die him̃liſche Weſenheit des zweyten Principii
lieget in der Erden verſchloſſen / der Fluch GOttes hat ſie verbor⸗
gen / dieſelbe grünete (im Anfangder Welt) durch Die irrdiſche
Weſenheit / gleich wie die Ewigkeit in der Zeit iſt / und die göttliche
Krafft durch allesift/ / und doch feinem irrdiſchen Dinge in der
Selbheit ergriffen oder verſtanden.
5. Aber im Paradeiß durchdrang der goͤttlichen Welt⸗-weſen
der Zeit-Weſen / als gleich wie der Sonnen Krafft eine Frucht
auff dem Baume durchdringet / und in eine Liebligkeit qualifici—
ret / daß ſie lieblich anzuſehen und gut zu eſſen iſt: Alſo iſt uns
in gleichem vom Garten in Eden zu verſtehen.
6. Das Wort Edeniftandersnichts / als wie Mofes vonder
Erden faget/ fie ſey oͤde und leer gewefen / dasift/ fie folteihre
Macht nach dem Grimmeder Eitelkeit nicht offenbahren/He folte
ftikyalten alg eine Mutter zum gebahren. Dan das Innere
wolte durchs Auffere herifchen / als die geiftliche Welt durch vie
Zeit/der Himmel durch die Erde/die Erde war leer ohne Frucht]
aber der Himmel war ihr Mann ver fie fruchtbar machte/ und
durch Ste gebahr big auffden Fluch / daverbarg fich der Himmel
* der Erden.
Die gantze Welt waͤre ein lauter Paradeiß geweſen / ſo es
—** nicht haͤtte verderbet / welcher cin Hierarcha in Loco dieſer
Welt war / im Anfang feiner Schöpfung: Weilaber GOTT
wohl erkante / daß Adam fallen wuͤrde / ſo hat das Paradeiß nur
an einem gewiſſen Orthe gegruͤnet / den Menſchen darein zu be—
ſtaͤtigen und einzuführen / welchen (ob GOTT wohl ſahe / daß er
wieder daraus muſte gehen /) Er wolte durch Chriſtum wieder
darein einfuͤhren / und in Chriſto auffs neue zur Ewigkeit ins
Paradeiß beſtaͤtigen.
8. Denn das erſte Paradeiß hat Lucifer mit ſeiner fatfehen
an
|
Kap. 17. Vom Paradeif. 97
und böfen Begierde vergiffter: Darum verhieß es GOTT in
Ehrifto wieder neuzugebaͤhren; denn der fiebende Tag dehn
GOTT zur Ruhe andeutete / ift anders nichts / als das neu wie⸗
dergebohrne Paradeif im Geifte Ehrifti/ in Menſchlicher Ei⸗
genfchafft / darinnen die arıne verderbte Seele ewig ruhen foll
vonder Quaal der ſechs Tage⸗wercke / als der ſechs Eigenfchafften
des Lebens. ug
9. Auch iftesdie fiebende Zeit oder Offenbahrung GOttes / in
welcher das Geheimnuͤß des Reichs GOttes foll vollendet werden
da es wieder im Loco dieſer Welt rein ſeyn wird: Da der Him⸗
mel wird wieder in der Welt offenbahr ſeyn / und der Zeuffelinie
ſeinem boͤſen Weſen ausgetrieben ſeyn / da kein Unreines mehr
darein ſoll eingehen; denn dieſelbe Welt / in welcher Adam vor
feiner Heva war / wie ſte vor dem Fluche war / muß wieder font»
men / in welcher Gerechtigkeit regiren wird: Aber die Eitelkeit
foll durchs Fewer GOttes Zornes gefeget / und der finſtern Welt
gegeben werden.
10. Daß aber Moſes ſaget: Der Baum des Lebens ſey mit⸗
ten im Garten geſtanden / und ſetzt bald darauff / und der Baum
des Erkaͤntnuͤß Gutes und Boͤſes: Allhie lieget ihme die Decke
vor ſeinen Augen / daß ihn der irrdiſche ſuͤndige Menſch nicht ſe⸗
hen kan / denn er iſt deß nicht wehrt: Dan ſeine Irrdigkeit im
Fluche der thieriſchen Eitelkeit / ſoll das Paradeiß nicht ererben.
11 Das edle Perlein lieget in dieſem Unterſcheide der zweyen
Baͤume / und da es doch nur einer iſt / aber in zwey Reichen offen⸗
bahr. Denn einmahl ſtehet der Baum des Lebens mitten im
Garten / denn er ſtehet im ztenPrincipio,als in der heiligen Welt /
zwiſchen der ewigen finſtern Welt GOttes Zorns / da GOTT
ein eyferiger zorniger GOTT / und ein verzehrend Feuer iſt / und
zwiſchen der aͤuſſern ſichtbaren Welt / in Mitten.
x2. Die heilige Krafft GOttes im Baum war das mittelſte
Reich; und das Paradeiß war das aͤuſſerſte Reich: Denn das
mittelſte drang durchs aͤuſſerſte / und offenbahrte ſich mit dem
aͤuſſern / das war die Erkaͤntnuͤß des Guten / das ſolte Adam in
feinem Urſtande fo wenig wiſſen als das Voͤſe: Er war zum
Werckzeug GOttes gefhaffen/ mitdeme GOTT woltefeine
Wunder in Figuren offenbahren : Er folte nur ein kindlich
Gemühtebehalten/undin GOTT gelaffenfenn.
13. Go war nun der Baum der Erkäntnüß des Böfen / die
finftere Welt / die war andiefem Baume auch offenbahr: auch fo
war die Eitelkeit / wie es heutiges Tages: in ‚aller irrdiſchen
& Frucht
98 Vom Paradeiß Cap.r .
Frucht iſt / darinnen offenbahr: Darum unterſcheidet Moſes den
Banın und ſaget den Baum des Lebens; da verſtehet er die
Eigenſchafft des ewigen gebensim Baume / als das zte Principi-
um, und mit dem Worte des Baumes der Erfäntnüß Gutes
und Böfes / verfteheterden Grin des Zorns GOttes / welcher
durch der auffern Welt Weſen in der Irrdigkeit in dieſem Baume
vffenbahr war / davon ſolte Adam nicht eſſen; denn er ſolte mit
dem innern Munde eſſen und nicht mit der irrdiſchen Begierde /
ſondern mit der himmliſchen; denn ihme wuchs auch ſolche
Frucht / die der innere Mund kondte nieſſen; wohl aß der aͤuſſere
Mund auch davon / aber nicht in Madenſack.
14. Denn gleich wie das Liecht die Finſternuͤß verſchlinget:
alſo verſchlang das Himliſche das Irrdiſche / und tranſmutirte
es wieder in das / daraus es war gegangen; oder wie die Ewig⸗
keit die Zeit verſchlinget / und in ihr iſt als ein Nichts: Alſo wa⸗
zen auch zwey Centra in Adams Munde. Denn das Reich Got⸗
tes ſtehet in Krafft / ſo ſtund doch Adam vor ſeiner Heva im
Reich GOttes; denn er war Mann und Weib mit beyden Goͤtt⸗
lichen himmliſchen Tincturen / und ſolte weder die Feuers⸗noch
die Liechts⸗Tinctur oder Begierde in ihm offenbahr ſeyn/ denn
fie ve in gleichem Gewichte innen ſtehen in GOTT ge»
laſſen.
15. Aberim Baume der Erkaͤntnuͤß Gutes undBöfes/waren
die Eigenſchafften als GOttes Liebe und Zorn / ſo wohl auch die
Irddigkeit / wie es jetzo im Fluche iſt / ein jede in ſich ſelber of⸗
fenbahr und ausdringende / das iſt / fie waren aus der Gleich»
nuͤß / aus der gleichen Concordantz ausgegangen / und waren alle
3. Zrincipia in dieſem Baum ein jedes inſonderheit offenbahr;
und darumb nennet ihn Moſes den Baum der Erkaͤntnuͤß Gu⸗
tes und Boͤſes.
16. Die Vernunfft ſpricht: Warumb ließ GOTT dieſen
Baum wachſen / weil der Menſch nicht ſolt darvoneffen? So
hat er ihn dem Menſchen zum Fall laſſen herfuͤn kommen / und
muß GOtt diellrſache des Menſchen Verderbens ſeyn. Umb dieſes
zancken alle hohe Schulen / und verſtehens nicht; denn man wil
das innere im aͤuſſern ſuchen und begreiffen / und bleibet alſo fuͤr
ihnen ſtumm / ſie verſtehen den Menſchen nicht was er iſt.
17. Der Menſch war aus allen 3. Principien nach Leib und
Seel geſchaffen / und war in den Principienin den Eigenſchaff⸗
ten der innern und aͤuſſern Welt in gleiche Zahl / Maaß und Ge⸗
ao gefegt: Kein krineipium uͤbertraff das andere/ es *
‘
Capız Dom Paradeif. Yo
eine gleiche Concordang; das Göttliche Sicht temperirte alle
Eigenfchafften/ dag fie alle mit einander in einem Liebe⸗ſpiel
ftunden.
18. Die feurifche finftere Welt erfreuete fich in der heiligen
Sicht welt / und die Liecht⸗welt inder auffern / alsinihrer Of⸗
fenbahrung + Hinmwieder erfrewete fich die auffere Weltin ben»
den inneren / als in ihrem geben / und war zwifchen ihnen ein ei⸗
tel Wohlwollen / Wohlſchmecken. Der Mercurius als das ſchal⸗
lende / hörende und fühlende Leben / alsdie Offenbahrung des
Goͤttlichen Wortsim Fiat, war in gantz freudenreicher Eigen⸗
Schafft im durchdringen aller Eſſentz.
19. Aller drey Welten Eigenfhafft oder Eſſentz griffen mit
der Begierde nach dein Liechte / und im Liechte war das ausge=
fprochene Wort heilig / daffelbe Heilige gab feine Krafftdenr
Schalle der innern finftern Feuer⸗welt / und auch der auffern
elementifchen Welt in ihren Schall / als indas innere feuri=
ſche Wort oder geben / und auch in Das Auffere irzdifihe Le⸗
ben ein.
20. Alfo regirte das heilige Göttliche Wort durch alledrey
Privcipia menfhlicher Eigenfchafft / und war eine gleiche Con⸗
cordantz / und war Feine Feindfchafft noh Wiederwillen zwi>
fchen den Prineipiis offenbahr / fondern ein eitel Wohlmollen 7
Wohlſchmecken / Wohlhören / Wohlriechen / freundlich und
lie blich ſehen / und ſanffte fühlen / und wohl thun.
21. Dan der Menſch war am ſechſten Tage in der ſechſten
Dffenbahrung der ſteben Eigenfhafften Göttliher Offenbah⸗
rung in der ausgefprochenen Krafft (welche fich durch die fünffte
Eigenfhafft/ als durch die feuriſche Siche-begierde hat ausge=
führt und offenhahret) ergriffen/ und gefchaffen in cin Goͤttlich
Gleichnuͤß und Bilde: Seinesrechten Schens Centrum war die
fünffte Eigenfchafft der ewigen Natur / als die feurifche Liebe⸗
begierde / welche das Feuer und die Finfternäß in fich verborgen
hielt / und zur Sreudenreich brauchte.
22, Aber diefes ift uns an diefem Orthe recht zu verftehen
noͤhtig woraus die Begierde zum Abfall vonder gleichen Con-
cordanf entftanden ſey / beydes im Hierarchen $ueifer / und in
Adam dem andern Hierarchen oder Trohn-fürften in Göttlicher
Bildnüß.
23. Alsfich der ewige einige GOTT durch die ewige geiftliche
Natur eins beweget hat / als in dem ewigen groffen ungründfi>
en Myſterio, und daſſelbe Myfterium in einen Umcirckel oder
€: Locum
106 Vom Paradeiß. Cap.17.
Locum gefaſſet / ſeine groſſe Wunder zuoffenbahren / und die
ewige Weißheit in eine formliche Beſchauligkeit eingefuͤhrt / und
alle fieben Eigenſchafften der innern ewigen geiſtlichen Welt of⸗
fenbahret / und in ein Geſchoͤpffe der Engel eingefuͤhrt hat: So ſind
alle Eigenſchafften beweglich und begierig worden / eine jede hat
wollen in creatuͤrlicher Form ſeyn / indem Orthe / ſo weit ſich
das Verbum Fiat hat zur Beweglichkeit / und zur Offenbahrung
eingegeben.
24. Und feynd auch die Engels-Fürften / famtihren Legio—⸗
en aus den Eigenjchafften im Verbo Fiat ergriffen und gefchafz
fen worden / vom erften Centro an / da fich Die ewige Luſt in eine
SBegierde fafjet/ und in Natur einführet / big zur aller äuffer-
fen Offenbahrung / eine jede Hierarchia in feinem Himmeloder
Eigenſchafft.
25. Weil denn Lucifer in ſeiner Schoͤpffung oder Formung
der Eigenſchafften iſt im Blitz der Eigenſchafft ergriffen wor⸗
Den / wo das anzuͤndliche Feuer urſtaͤndet / da das Liecht offen⸗
bahr wird / davon er in ſich erhebende / als der maͤchtigſte Für-
ſte / und in ſeiner Wurtzel des creatuͤrlichen Urſtandes / da das
groſſe Magiſche Geſtirne / als das Myſterium aller Weſen
Srund geſtanden / aber in finſterer Eigenfchafft / und aber fetzt
beweglich und begierig; welche Magifche Geftirne in der fin-
Fern Welt auch wollen offenbahr und ereatürlich ſeyn: fo hats
feine Begierde gegen diefen mächtigen Fürften und Hierarchen
gefuͤhret.
26. Und er / der Lucifer / hat ſich vom Goͤttlichen Liechte ab»
gewandt in das feuriſche Myſterium gegen der Finſternuͤß / dar⸗
aus das Feuer urſtaͤndet: Alſo hat ihn das Magiſche Geſtirne
Ses groffen Mykerii der finftern Welt ergriffen : denn feine Bes
gierde / welche das Verbum Fiat hat durchs Feuer im Liechte aus»
Zefuͤhrt / hatte fich wieder zurücke darein gewandt / und wolte
Dem Schöpffer aller Weſen gleich ſeyn / und fich / und das We⸗
fen verändern nach feinem Gefallen.
27. Alfo verachtete er die Sanfftmuht im Liechte / als das
zweyte Principium , welches durchs Feuersfterbeit / da der Grim̃
oder die geiftliche Weſenheit / der grimmigen finftern Eigenfcharft
am Feuer erftirbet/ und ausdemfelben fterben der Verzehrlig>
reit das zweyte Principium , als die heilige Liebe-welt der groffen
Sanfftmuht und Demuhterbohren wird / und gieng zurücd ins
erftc Principium, als in Magiam Naturz ‚in Urſtand der ewigen
Natur / und wolts ein Künftler and Allwiſſer feyn ; Erwolte
| ——
Garır. Vom Paradeiß Yor
in und über die gantze Schöpfung herrſchen / und ein Mitformi⸗
ser in allen Eigenſchafften ſeyn.
28. Alſo verloſch ihme das Liecht / denn er machte ſein En⸗
liſch Weſen / das in groſſer Sanfftmuht und in feuriger Liebe⸗
begierde ſtund / in der finſtern grimmigen Eigenſchafft gantz
raue / ſtrenge / kalt und grimmig-feurig; und entſtunden zur
Stunde die Eigenſchafften der Feindligkeit in ihme denn im
Liechte konten ſie nicht offenbahr ſeyn: Aber als das Liecht ver»
loſch / fo wurden fie offenbahr / und er ward ein Teuffel; und
ward aus feinem eigenen Himmel des zweyten Principii, aus
der Engliſchen Welt ausgetrieben.
29. Und iſt uns alfo zu erkennen / daß ihme der Fall aus fei>
ner Creatur ſey entſtanden: den hätte er nicht feine creatuͤrliche
Begierde vonder Goͤttlichen Sanfftmuht und Liebe abgewandt /
in Hoffart / und wollen in der Matrice der Gebaͤhrerin herıa
ſchen welche ihn als einen Spichnann fieng/ fo wäre Erein En⸗
gel blieben: Waͤre er unter GOttes Licbesgeift und Willen
ee fo hatte ih fein Bornegeft und Willen nicht ge—
angen.
* Alß er ſich aber hat freywillig aus GOttes Liebe⸗Willen
entbrochen / fo hat ihn jetzt GOttes Zorn-Wille in ſich; da
mus er ein Offenbahrer und Wuͤrcker der finſtern Welt Eigen⸗
genſchafft ſeyn / denn fie wolte auch creatuͤrlich ſeyn: Allda hat
fie einen rechten gefangen / der wohl im Affen⸗ſpiel kuͤnſteln
kan; und wie nım die finftere Zelt in ihrer Eigenfchafft ift in
ee a alfo ift auch ihr Hierarcha oder ereatürlichee
Fuͤrſt.
32. Und iſt uns aber hiebey recht zur erkennen vonnoͤhten / wie
der Menſch ſey zum Fall kommen. Der Menſch ward an des
ausgeſtoſſenen Lucifers Stelle geſchaffen / verſtehet der innere
Geiſtliche Menſch: Er ward im ſelben Himmel geſchaffen nach
dem innern Seelen-Menſchen / und ſolte die Hierarchiam beſt-
tzen / welche Lucifer verlohren hatte; daher des Teuffels Neyd
gegen dem Menſchen entſtanden iſt.
32. Weil aber GOTT wohl erkandte / daß ihn der Teuffel
wuͤrde anfechten / und ihme der Ehren nicht verguͤnnen; ſo hat
ſich die tieffeſte Siebe GOttes ( alsvder hehe Name Jeſus aus Je-
hovah) hierein verwilliget / dieſe Hierarchiam , welche $ucifer
hatte verumreiniget / wieder neuzugebähren/ und durchs Feuer
zu fegen/ und feine höchite Liebe darein zu führen ; und den
Grim̃ / den Lucifer erwecket hatte / —— der Liebe zu u
3 un
302 Vom Paradeiß. Cap.rz!
und in Göttliche Freude / als wieder in einen heiligen Himmel
zu tranfmuriren/ an welchem Orthe das jüngfte Gerichte ſtchet:
Und alhie its das S. Paulusfaget: Der Menfch fey in Chri⸗
ſto JEſu verfehen / ehe der Welt Grund fey geleget worden.
33. Und zudem Ende (HUF GOTT den Menfchen aus dreyen
Principien in eins / daß er nicht gank im Loco des $ucifers lebte /
daß er ihme helffen möhte: Denn GOTT fahe nach feines Zorns
Eigenfchafft gar wohl/ daß der Menfch fallen würde / fo wolte
er ihn Durch undin dem Namen JEſu / Durch den Tod der Zer>
brechligkeit / wieder indas Königliche Reich einführen / daraus
rucifer war gefallen; an welches Stelleder Menfh CHriſtus
GOTT und Menſch in einer Perfon/ als ein Hierarcha und
Hoher-Prieiter oder Groß-Fürft der Menfchen / im Namen
aind Krafft Jefu, aus Jehovah fiten folte.
34. Darumb iſt uns alhieder Falldes Menfchen recht zu be>
krachten/ wie er im Paradeiß GOttes geftanden und verſucht
ſey worden / und was das Paradeiggewefen fen. Der Menfch
ſtund in drey Principien , welche zwar im Menfchen felber / als
an $eib und Seel / ingleicher Concordantz ftunden / aber auffer
ihme nicht: Dan die finftere Belt hat ein andereBegierde als die
Liecht⸗welt / fo hat auch die Auffere Welt ein andere Begierde als
Die finftere = und Liecht⸗welt: So fund das Bi GOttes zwi⸗
ſchen drey Principien , welche ihre Begierde alle drey nach dieſein
Bilde führten: Ein jedes wolte in Adam offenbahr ſeyn / und
ihn in fein Regiment zum Regierer haben / und feine Wunder
Durch ihn offenbahren.
35. Eraber/ der Menſch / folte feine Begierde allein in die
fechtte Eigenfchafft Göttlicher Offenbahrung einführen / darin⸗
nen er war zum Bilde GHttes gefihaffen worden / Erfolte in
GOTT gelaffen ſeyn; Erfolte alleine im geoffenbahrten Göfte
fihen Worte im Gehorfam unter GOTL leben / und nicht in
eigenen Willen eingehen / fondern feine Begierde in GOttes
Willen / als in die ſechſte Eigenfcharft einführen / auff dag das
geoffenbahrte Wort GOttes fein Wille / Wiffen und Thun
wäre: gleich wie auch die heiligen Engel alfo leben / und fich als
lein im göttlichen Willen erfreuen / und im heiligen Geifte ſpie⸗
len ; wie ſich der in ihnen nach Goͤttlicher Weißheit eroͤfnet / als
fo leben / wollen und thun ſie auch mit einem Eindlichen Gemuͤh⸗
ge und Willen.
36. Das Paradeiß oder der Garten in Eden der ſtund wohl
mit den Eigenſchafften in gleicher Concordantz gegen dem en
en
—
Gap.17- Dom Paradeiß. 103
fihen : Aber die Eigenfchafften waren im fich felber ein auffge⸗
wachter Hunger / eine jede in ſich / welche zwar das göttliche
$iccht wieder in ein Temperanß einführte: Der Teuffel aber
ftund in feinem engündeten Nepde gegen dem Menfhen / und
führte feine gifftige Imagination in die menfchliche Eigenfchafft
ein / und entzuͤndete die menfchliche Eigenfchafften in Centro im
erften Principio der feelifchen Eigenfchafft/ dadie Seele mit den
Engeln und Teuffeln in gleicher Effeng und Weſen inneftehet.
37. Davon entftund Adams Imagination und heftiger Hunz
ger / dag er wolte vom Böfenund Guten effen / und in eigenem
Willen leben / das ift/ fein Wille gieng aus der gleichen Con=
cordank aus in die Viele der Eigenfchafften / denn er wolte fie
probiren / fühlen / ſchmecken / hören/ riechen und fehen / wie ihnen
denn folches der Teuffelin der Schlangen richt ; ſie würden ſeyn
als GOTT / imdihre Augen würden inden Eigenfchafften offen
ſtehen / welches auch im Fall gefehahe / dag fie Böfe und Gut)
erkanten / ſchmeckten / fahen und fühleten / Davon ihnen Kranck⸗
heit / Wehetuhm und das Zerbrechen entitund.
38. Und weil es denn die Göttliche Fürfichtigkeit hatte zuvor⸗
hin erkandt / dag der Teuffelden Menfchen füchten würde / und
infrembde Luſt einführen / damit er aber nicht nach Dem Centro
der finftern Belt luͤſterte / und würde ein Teuffel / als Lucifer
tähtes ſo ſtellete ihm GOTT den Baum des Sehens und der Er»
kaͤntnuͤß Gutes und Böfes für/ darinnen des Auffern Lebens
Zerbrechung offenbahr war.
39. Denn Adam war Schuld daran als er noch iin Paradeif
ſtund / als er nach der Eitelkeit luͤſterte umd feine Imagination
in die Erde einfuͤhrte als indas Wefen/ daraus der Limus
feines aͤuſſern Leibes war ausgezogen worden / und begehrte aus
feiner Mutter die engündete Eitelkeit / welche der Teufel hat
entzuͤndet zu probiren: So zoch ihme das Fiat ein ſolch Ge—
waͤchſe aus der Matriceder Erden / daraus es auch Adams Leib ge⸗
zogen / daß Adam in feinem Hunger zu eſſen hatte.
40. Denn die Eſſentz im Baume der Erkaͤntnuͤß Boͤß und
Guts / und der Hunger der Begierde in Adam waren gleich / was
er begehrte das ward ihme durchs Fiat vorgeſtellet: Adams Ima-
gination war Schuld daran.
41. Die Vernunft pricht: Warumb lich 8 GOTT ge>
ſchehen ? Ehriftus ſprach: Sp ihr Glauben habt als ein Senff⸗
korn / und faget zum Berge / ſtuͤrtze dich ins Meer/ fo folls ge=
ſchehen; war dach der ſteliſche a aus der groffen Böttlichen
4
2
ıc4 Dom Paravififchen Regim. Eap-ı3:
Allmacht / aus dem Centro der ewigen geiftlichen Natur/ daraus
alle a find erfchaffen worden? wie wolte er denn nicht maͤch⸗
tig ſeyn?
42. Er war cin Feucr-fund aus Gottes Macht /alseraber
war in ein Gefchöpffe der Creaturen gefaffet werten / fo wich
er in eigene Luſt / und drach ich vom Gantzen abe/ und gieng in cin
Eigenes; Alfo machte er ihm das Verderben: Das hater auch]
To ihn nicht hatte GOttes Siche erlöfet.
43. Die Seelifche Krafft war vor ver Eitelfeit alfo machtig/
Daß fie feinem Dinge unterworffen war / als fie denn noch heu—
tiges Tages mächtig ift / wenn igr nicht der Verſt and benommen
wäre: So kan ſie durch Magiam alle Dinge / was in der Aufferit
Welt⸗weſen ift/ verändern / und in andere Elſeotz einführen:
Aber die Eitelkeit im aͤuſſern Lufft-regiment / hat ihr eine Fin⸗
ffernüß darein geführt/ das fie ſich nicht Eennet: Der Fluch
GOttes hat das beſudelte Kind in Koth geſtoſſen / daß es mutß
umb ein Bad bitten / und muß ihme dieſe Zeit ſelber feind ſeyn /
das es lernet demuͤhtig ſeyn / und in goͤttlicher Harmoney bleibet
und nicht ein Teuffel wird.
Das 18. Capittel.
Vom Paradiſiſchen Regiment | wie das wohl hätte
moͤgen ſeyn / ſo Adam nicht gefallen waͤre.
x. Ch weiß daß der Sophift mich allhie tadeln / und
mir es für cin unmoͤgliches Wiſſen ausſchreyen
wird / dieweil ich nicht fen dabey gewefen / und es
felber gefehen. Dehme fey gefaget / daß ich in mei—
© er Seelen-und Seibes-Elleng / da Sch noch nicht
Der Ich war / ſondern da Ich Adams Eſſentz war / bin ja darbey
geweſen / und meine Herrligkeit in Adam felber verſchertzet habe a
Weil mir fie aber Chriſtus hat wiedergebracht / fo fehe ich im
Geifte E Hrifti / was ich im Paradeiß geweſen bin / und was ich
ander Suͤnde worden bin/ undtwasich wieder werden fol: Und
foll uns Niemand für unwiffend ausſchreyen / denn ob ichs wohl
nicht weiß / fo weiß esaber Ehriftus in mir / aus welcher Wiſ⸗
fenfchafft ich fchreiben fol.
2. Adam war ein Mann und auch ein Weib / und Doc, der
feines / fondern eine Jungfrau / voller Keufchheit / Zucht und
Reinigkeit / als das Bilde GOttes: Er hatte beyde Tincturen
ec
vn i
—i ⸗
Cap.ı3. Bom Paradififehen Regiment. 105
vom Feuer und Liechte in ſich / in welcher Conjundion die eigene
Siebe / als das JZungfräuliche Centrum ftund / als der ſchoͤne
Paradiſiſche Roſen⸗ und $uft-garten/ darinnen er fich felber
liebte: Als wir denn in der Aufferftehung der Todten dergleis
chen feyn werden / wie uns Ehriftus/ Matth, 13. und zz. fas
get Daß wir uns weder freihen / noch freihen werden laffen d
fondern gleich ſind den Engeln GOttes.
3. Ein ſoicher Menſch als Adam vor feiner Heva war} folk
auffitehen und das Paradeif wieder einnchmen/ und ewig bea
fisen / nihtein Mann oder Frau / fontern wiedie Schrift fa=
get: Sie find Jungfrauen und folgen GOTT und dem Samınes-
fie find gleich den Engeln GOttes / aber nicht allein pur Geiſt
als die Engel ! fondern in himmliſchen Seibern / in welchen der
geiftliche englifche $eib innen wohnet.
4. Weil dan Adam ins Paradeig zumemigen Leben gefchaf>
fen ward ins Bilde GOttes / und ihme GOTT felber fein Leben
und Geiſt eingeblafen hatte ; fo mögen wir ihn wohl befihreiben,
wie er geweſen ſey in feiner Unſchuld / und wieer gefallen / und
was er jest fen / und endlich wieder werden foll.
5. Hätte ihn GOTT indasirdifche/ gerbrechliche / elende/
nackte / trancke / viehiſche / mühefelige geben gefchaffen gehabt / ſo
hätte er ihn nicht ins Paradeiß bracht: Haͤtte er die viehiſche
Schwaͤngerung und Fortpflantzung begehret / ſo hätte er balde img."
Anfange Mann und Weibgeſchaffen / und waͤren die zwey Ge⸗
ſchlechte im Jerbo Fiat, in die Theilung der zwey Tincturen ge⸗
gangen / wie bey andern irrdiſchen Creaturen.
6. Eine jede Creatur bringt fein Kleid von Mutter Leibe /
der Menfch aber komt elend / nackend und bloß in hoͤchſter Ara
muth und Unvermögenheit / und vermagnichts / und iſt in ſei⸗
ner Ankunfft zu dieſer Welt die alleraͤrmſte und elendeſte / ver⸗
laſſenſte Creatur unter allen Geſchlechten / der ihme gar nichts
helffen kan; welches uns gnug andeutet / daß Er nicht in diß
Elend ſey von GOTT erſchaffen worden / ſondern in ſeine Voll⸗
kommenheit / wie auch alle andere Creaturen / welche der aller⸗
erfte Menſch durch ſalſche Luſt verſchertzte / da ihn GOTT her
nach in feinem Schlaff erſt zum natürlichen Leben in Mann und
Weib / nach aller irrdiſchen Ereaturen Eigenfchafft iuraͤuſſern
Fiat figurirt Pundihmeden Madenſack mit den thierifchen Glie>
dern zur Fortpflantzung anhieng / deſſen lich Die arıne Seele noch:
heute ſchaͤmet / dag fir mug eine thierifche Form am Leibe tras
gen.
Er 7:2mt%
196 Vom Paradiſiſchen Regiment. Fap.r8.
7. Zwey fire undbeftändige Weſen waren in Adam / als der
geiftliche Seib von der Siche Weſenheit des innern Himmels/
welcher GOttes Tempel war ; und der Auffere Seib / als der Li-
mus der Erden / welcher des innern geiftlichen Leibes Gchäufe
und Wohn⸗haus war / welcher in Eeinerley Weege nach der Ei⸗
telkeit der Erden offenbahr war / denn er war ein Limus, ein
Auszug des guten Theils der Erden / welches inder Erden am
jungften Gerichte foll von der Eitelkeit des Fluches und Vers
derbungdes Teuffels gefchieden werden.
8. Diefelbe ziweyerley Wefen / alsdas innere himmliſche und
Das Auffere himmliſche waren in einander vermähler/ und in ein
Corpus gefaffet/ darinnen war die hochheilige Tinctur vom
Goͤttlichen Feuer und Liechte / alsdiegroffe freudenreiche Sieben
begierde / welche das Werfen anzuͤndet / dag die zweyerley We⸗
fen einander gang inbrünftig in der Siebesbegierde begehrten /
und fich lichten ; das innere lichte das Aeuſſere als feine Offen⸗
bahrung und Empfindligkeit ;und das Aeuffere lichte das Inne⸗
te / als feine gröfte Süfltgkeit und Freudenreich / feine edle Pers
le und allerliebſte Gemahlin / und waren doch nicht zwey Leiber /
fondern nur einer / aber zweyerley Effeng / als eine innere him̃⸗
liſche / Heilige / und eine aus der Zeit Weſen / welche miteinane
»er in ein ewiges vermaͤhlet waren.
9. Und in dieſer feuriſchen Liebe-begierde ſtund die Magiſche
Schwaͤngerung und Gebuhrt/ denn die Tinctur drang durch
beyde Eſſentien / durch die innere und Auffere/zund ermweckte die Be⸗
gierde; und Die Begierde war das Fiat das die Liebesluft faffete/
und in eine Subftang brachte: Alfo war die Gleichheit des
Ebenbildes indiefer Subftang gefaffet / als ein geiftlih Bilde
nach dem erften. Gleich wie das Fiat hafte daserfte Bilde/ als
Adam gefaffet und geformet: Alfo ward auch die Gleichheit aus
dem erften zur Fortpflankung gefaffet / und in diefer Faſſung
war auch alfobalde die Magifche Gebuhrt / da inder Bebuhrt der
geiftliche Leib Aufferlich ward.
zo. Verſtehet / ob8 wäre geſchehen / dag Adam in der Probe
wire beſtanden: Go wäre die Masifihe Gebuhrt alfo geſche⸗
hen / nicht durch einen fonderlichen Ausgang von Adams Leibe
wie jetzunder / fondern wie die Sonne das Waſſer durchſcheinet /
und nicht zureiffet; alfo wäre der geiftliche Leib / als die Gebuhrt /
ausgegangen’ und im Ausgehen ubftantialifch worden/ ohne
Mühe und Noht / in einer groſſen Sreudensreich und Wohlthun
marc das geſchehen / auff Art / wie die beyde TE und
eibes
Cap.ı3. Dom Paradiſiſchen Regiment. 107
Weibes in ihrer Conjunction einen freuden⸗reichen Anblick
empfahen: Alſo waͤre auch die Magiſche Schwaͤngerung und
Gebuhrt geweſen ein Jungfraͤuliches Bild / nach dem erſten
gantz vollkommen.
1x. Welches hernach / als dem Adam Veneris Matrix genom⸗
men und in ein Weib geſormet ward / muſte durch Angſt /
Schmertzen / Wehe und Noht geſchehen / wie GOTT zu Heva
ſagte: Ich wil dir viel Schmertzen ſchaffen wann du ſchwanger
wirſt / und ſolſt nun mit Schmertzen Kinder gebaͤhren / und dein
Wille ſoll deinem Manne unterworffen ſeyn: Warumb ? dar⸗
umb / er war aus des Mannes Willen entſproſſen: Eva war
der halbe Adam / als das Theil / darinnen ſich Adam ſolte lieben
und ſchwaͤngern / das ward ihme / als er nicht beſtund / im
Schlafſe genommen / und in ein Weib formiret; Darumb / als
ſie Adam ſahe / ſprach Er: Man wird ſie Maͤnnin heiſſen / dar⸗
umb daß ſte vom Manne genommen iſt.
1a. Die Menſchen waͤren auff Erden nackend gegangen / dat
das himmliſche drang durch das aͤuſſere / und war ſein Kleid:
Er ſtund in groſſer Schoͤnheit / Freude und Luſt / in einem kind⸗
lichen Gemuͤhte: Er haͤtte auff Magiſche Art geſſen und ge⸗
truncken / nicht in Leib / wie jetzunder / ſondern im Maule / da
war die Scheidung / denn die Paradeiß⸗frucht war auch alſo.
13. Alles war zu feinem Spiel gemacht / Fein Schlaff war in
ihme / die Nacht war ihme als der Tag: Dan er ſahe mit ver⸗
klaͤrten Augen in eigenem Liechte / der innere Menſch / als das
innere ſahe durch das aͤuſſere; gleich wie wir in jener Welt wer⸗
den keiner Sonne doͤrffen / dan wir ſehen im goͤttlichen Sehen /
im Liechte der eigenen Natur. Keine Hitze noch Froſt haͤtte ſte
geruͤget / es waͤre auch kein Winter auff Erden offenbahr wor⸗
den / dann im Paradeiß war eine gleiche Temperantz.
14. Die Tinctur der Erden war ihr Spiel / ſie haͤtten alle
Metallen zu ihrem Spiel gehabt big auff die Zeit daß GOTT
hätte die Auffere Welt verändert ; keine Furcht noch Schrecken
waͤr in ihnen geweſen / auch fein Geſetz von etwas oder zur etwas]
denn alles wäre ihnen frey gewefen : Adam wäre ihr Groß»
fürft gewefen / und hätte in der Weltgelebet/ und doch auch im
Himmel) in beyden Welten zugleich gewohnet / das Paradeiß
ware durch die gantze Welt gewefen.
25. Beil aber die Göttliche Fürfichtigkeit wohl erkante / daß
Adam nicht beftehen wuͤrde / weildie Erde verderbet war durch
ihren gehabten Fuͤrſten / indehme —* der Grimm ag hat
zxwe⸗
208 Vom Paradiſiſchen Regiment. Cap. r8.
beweget / und das Weſen in eine Impreflion gefaſſet; ſo ſchuff
GOTT allerley Früchte und Thiere / auch allerley Artzneyen
für die kuͤnfftige Krandheiten der Menſchen / darzu allerlcy
Speiſen / dag der Menfch möchteindiefer Welt Nahrung has
ten / und auch Kleidung.
16. Dann er hatte befchloffen einen andern Fürften zu fette
den / durch welchen er den Menſchen wolte von feiner Kranck⸗
heit und Tode erlöfen; und die Erde durchs Feuer GOttes be»
währen und fegen/ und wieder indas Heilige einführen / ale
fie war) da $ucifer ein Engel war / che fie in ein ſolch Geſchoͤpf⸗
fe eingieng.
17. Und war Adam nur in das göftliche Wilde gefchaffen das
ewig ſeyn folte ; und ob gleich im Grimm GOttes erfandt ward/
Das der Menfch fallen würde / fo war aber auch in GOttes Lie⸗
be der Wiedergebaͤhrer erkandt / dem dieſe Hierarchia folte
zum fürftlichen Befiß an Sucifers ftelle gegeben werden.
18. Damit aber der Fall nicht aus Böttlicher Verordnung
herkaͤme / hat GOTT den Menſchen vollfommen/und ins Para⸗
deiß geſchaffen und eingeordnet / und ihme die falſche Luſt ver⸗
votten / welche der Teuffel durch den Limum der Erden / in Adams
auſſern Leibe / mit feiner falſchen Imagination und Hungers—
begierde erreget.
19. Und iſt Adam vor ſeiner Heva viertzig Tage im Paradei⸗
ſe geſtanden in der Berſuchung /che GOTT das Weib aus ihm
machte; fo er wäre beſtanden / ſo haͤtte HN GOTT zur Ewig⸗
keit alſo beftätiget.
20. Daß ich aber von den viertzig Tagen ſchreibe / wider der
andern Scribenten Brauch / deſſen haben wir Erkaͤntnuͤß und
Urſache nicht allein durch Wahn / ſondern aus anderer Wiſ⸗
ſene / deſſen wir euch auch wollen Fuͤrbilde zeigen / als beym
Woyſe / auffın Berg Sinai / als ihm GOTT das Geſetze gab /
das geſchahe in viertzig Tagen / und ward Iſrael verſucht / ob
fie wolten im goͤttlichen Gehorſam bleiben: Weil ſie aber ein
Kalb und Abgott machten / undvon GOTTabfielen / ſo muſte
Moſes die erſte Tafeln des Geſetzes zerbrechen / deutet an den
erſten Adam in goͤttlichem Geſetze / welcher davon abfiel: So
ward ihm daſſelbe abgebrochen / und fiel er in Zerbrechung ſeines
Leibes / gleichwie Moſes die Taffeln zerbrach; und wie GOTT
Moſt eine andere Schrifft auff eine Kugel gab.
21. Welche andeutet den andern Adam (Chriſtum) der den
erſten ſolte wiederbringen / und fein Geſetze wieder in feine —
ge
1
Cap. 18. Vom Paradiſiſchen Regiment. 109
gel des Hertzens / als ins Leben / in die Menſchheit einfuͤhren / und
einfihreiben mir dem lebendigen Geifte in den ſuͤſſen Namen
TESU ;: Alfo war auch das andere Geſetze geſchrieben / wie GOt⸗
tes Liebe wolteden Zorn zerbrechen / deffen der Bund im Gefege
ein Bilde war wie hernach foll gemeldet werden bey dem Moyſe.
22. Die andere Figur Adams im Paradeiß / feynd dievier-
Sig Jahre inder Wuͤſten / da Iſrael im Gefege mit dem himm⸗
kifchen Manna verfuchet ward / 068 GOTT wolte gehorfahm
ſeyn [dag ihrer der Zorn nicht alfo viel verfchlünge.
23. Diedritte Figuriftdiemahre/ als Adams harter Stand
mit Ehrifto in der Wuͤſten / da er an Adams ftelle vor dem
Teuffel und GOttes Zorne beftunde / Da ervierkig Tage Ma>
giſch gegeffen / als vom Verbo Domini , in welchem Adam auch,
verfirchet ward / ob er wolte gänzlich in GOttes Willen gelafz
fen bleiben; Ehriftus ward an Adams flelle / in Adams Ber
ſuchung verſucht / und mit alleın demfelben/ darinnen Adant
verſuchet ward / wiehernach foll gemeldet werden.
24. Die vierdte Figur feynd Bie viergig Stunden Chrifti im
Grabe /da er Adam aus feinem erften Schlaffe auffiweckte. Die
fünfte Figur find die viersig Tage Chriſti nach feiner Auffer⸗
ſtehung inder letzten Probe / Da die Menfchheit am Testen ver:
ſuchet ward / ob ſie nun wolte beffehen / und gan IN GOTTge⸗
laſſen ſeyn / weil der Todt war zerbrochen / und das innere menſch⸗
liche⸗ Leben in GOTT neugebohren worden.
25. Dieſe fuͤnff Figuren gehören indie fünffgradus der Nas
tur / vondererften Geſtalt der Natur big zur fünfften / als zum:
heiligen Centro der Siebesgebuhrt; ſo es nicht zu weitläufftig,
ſeyn wolte / wolten wirdas Elar darftellen / follan feinem Orhte
gewiefen werdeit.
26. Diefe viergig Tage ift Adam in feiner Unſchuld in der
Probageftanden/ oberwolte und Eönte beftchen / dem Lucifer
feinen Stuhl zu beſitzen / als ein Hierarcha und Fürfte GOttes /
welches / weils GOTT erkandt hatte / daß es nicht ſeyn wuͤrde /
hatte er beſchloſſen / ſich mit ſeiner tieffen Liebe in dieſer Adamis
ſchen Engliſchen Bildnuͤß des innern heiligen Menſchens / wel⸗
cher in Adam verblich / zu bewegen; und ihn neuzugebaͤhren /
als in des Weibes Saamen / verſtehet in der Liebe⸗ begierde Saa⸗
men / darinnen ſich Adam ſolte Magiſch ſchwaͤngern und gebaͤh⸗
ren. In denſelben Saamen war das verheiſſene Ziel des Bun⸗
des mit Chriſto geſtellet / welcher des Engels Bilde ſolte wieder
bringen / als den goͤttlichen Menſchen / wie geſchehen iſt.
E7 27. Dieſe
xzıo Vom Paradiſiſchen Regiment. Cap.ıt.
27. Diefeviersig Zageift Adam / als die Seel Adams / im
Sleifche zwiſchen drey Prineipien verfuchet worden; denn ein je⸗
des Principium zog die Seele im Fleifche / und woltedas Regi⸗
ment haben / cine jede wolte das ober⸗Regiment haben.
28. Das war dierechte Proba/ was der freye Wille der Sees
Ten thun würde/ ob er woltein göttlicher Harmoney bleiben/oder
ober wolte in die Selbheit eingehen: allhie ward er in Seel
und Leib verſuchet / und von allen 3. Principien gezogen/ ein jedes
wolte fein Wunder mit ihn verbringen.
29. Nicht dag die Principia in Adam wären in ungleichens
Maͤaß und Gewichte geftanden: In ihme waren fiein gleichens
Gewichte / aber auffer ihme nicht; auch fo war der Zeuffelin
GoOttes Zorne im erften Principio gefchäfftig mit feiner falfchen
Begierde / und führete feine Imagination ftäts indie Seele / und
in das äuffere Fleiſch / als in den Limum der Erden ; und in das
erfte Principium , alsindie feurifche Eigenfchafft der Seelen in
Die ewige Natur ein/ davon daserfte Principium in der Seelen
beweget ward / ſich in des Zeuffels Einbildung zu beſpeculiren /
als inder Magiſchen Gebuhrt zu beſchauen / wie und was Böfes
und Gutes wäre / wieesinder Ungleichheit der Efienk ſchmeckte
und wäre; davon die Luſt in der Seelen entſtundt.
30. Als im äuffern Theil der Seelen entftunde die irrdiſche
Luſt von der vielerley Eigenfchafft der Quaal zu eſſen: und im
innern feurifihen Theilder Seelen entſtundt die Hoffarts-luſt /
Boͤſes und Gutes zu erkennen umd zuprobiren / wollen GOTT
gleich ſeyn / wieder Teuffel auch thaͤte / da er wolte ein Kuͤnſtler
ſeyn in der Magiſchen Gebuhrt / darnach Adam allhie auch luͤ⸗
ſterte.
32. Wiewohl Adam nicht begehrte das erſte Principium zu
probiren/ wie $urifergethanhatte: Denn feine Luſt gieng nur
dahin / Boͤſe und Gut zu ſchmecken und zu probiren/ als die Eitel⸗
keit der Erden: Die äuffere Seele ward erweckt / dag der Hun⸗
ger in ihre Mutter eingieng/ daraus fie war gegogen/ und ineine
andere Quaal eingefuͤhret worden.
32. Undals derfelde Hunger indie Erde eingieng von Böfe
und Gut zueffen / ſo zog die Begierde im Fiarden Berficch-baum
herfür/und ſtellte dehn Adam für ; da kam das ftrenge Gebott von
GHIT / ud fprach zu Adam: Du folt nicht von diefem Baum
der Erkaͤntnuͤß Gutes und Boͤſes eſſen; welches Tages du wirft
Davon effen/folft du des Todes fterben.
33. Und Adam aß auch nicht im Maule davon / allein mit der
Ima⸗
Cap. 19. Bon Erbauung des Weibeshe. ıır
Imagination oder Begierde afer davon; davon die Himmliſche
Tinctur verblich / welche in einer feurifchen Siebe ſtundt / und wa⸗
chetedie Irrdiſche in der äufferen feelifchen Eigenfchafft auff / das
von das Himmels-Bilde verdundelt ward.
34. So war es gefhehen um die Magifche Gebuhrt/und Eonte
nicht ſeyn / obwohl Adam im Paradeis ſtundt / ſo war es ihme
doch Fein Nutz; denn in der Imagination oder Hunger nach
Gut und Böfe/ wachte der äuffere Menfch in ihme auff / und be>
kam das Kegiments da fiel Adams fhönes Bildnuͤß in Uns
macht / undnahete fich in die Ruhe von feiner Wuͤrckung / den
die Himmlifche Tinctur wardinder irrdiſchen Begierde gefan⸗
gen; dan die auffere Begierde impreffete ihr Weſen aus der Ei⸗
telkeit in ſich davon der Menfch verdundelt ward/und fein helles
ſtaͤte Augen und fehen verlohr / als aus der Goͤttlichen Eflengf
aus welcher er hatte zuvorhin gefehen.
35. So ſpricht nun Moyſes / GOTT habe gefprochen: Es
iſt nicht gut dag diefer Menſch allein fey / wir wollen ihm eine
Gehuͤlffin machen] die um ihn fey: Als GOTT hatte alle Crea⸗
turen mit dem gantzen Gefchöpffe geſchaffen / ſpricht Mofes : Und
GOTT fahe an alles was er gemacht hatte / und fihe / es war alles
fehr gut/ und beftätiget alles zu feiner Fortpflankung; Allhie
aber fagetervom Menſchen / esfey nicht gut daß er allein ſey/
denn er ſahe feinen elenden Fall / daß ex fich nicht Eönte felser Mas
giſch fortpflangen/ und ſprach: Wir wollen ihm eint Gehülffin
machen. 3
Das 19. Capittel.
Von Erbauung des Weibes / wie der Menfch fey zum
Auffern natürlichen geben geordnet worden.
0, > Nd Moyfes priht : GOTT lief einen tieffen
Schlaff auff den Menfchen fallen / und er ent=
ſchlieff; Under nahm eine Rippe aus feiner Sei>
ten/und bauete das Weib daraus / und ſchloß die
Staͤtte zu mit Fleiſch. Moſes ſaget / das Weib
ſey aus einer Rippen aus Adams Seiten gemacht worden / wer
wil das ohne Goͤttlich Liecht verſtehen ? Allhie aber lieget dem
Moftver Deckel ſeiner Klarheit vor ven Augen / wegen des thieri⸗
ſchen Menſchens Unwuͤrdigkeit.
2. Denn wir befinden / daß das Weib fen aus Adams Eſſentz/
aus Seibund Seele im Fiar gefaffet und geformer worden. Die
Rippe aber bedeutet Adams Zerbrechung/ daß dieſer Leib nei
u
112 Bon Erbauung des Weibeshe. Cap. 19.
amd würde zerbrechen; denn an ſtadt derfelbigen Kippe mufle
hernach am Ereus Ehrifti/ Longini Speer indiefelbe Stätte
eingehen / und den Bruch im Grimme GOttes mit himmliſchen
Blutetingiren und heilen.
3. Als nun Adam in feinem Hunger nach Irrdigkeit ſtund /
fo impreſſete er ihme durch feine Magiſche oder Magnetifche
Krafft die Eitelfeit Böfes und Gutes in fein fihönes Bilde ein/
davon das himmlifche Bilde vonder englifchen Welt Weſen ver>
bfich/gleich als wie man andere materiein eine Kerken einfuͤhret /
daraus. das Lecht brennet und ſcheinet / davon es dunckel wird /
und endlich gar verlifchet: Alfo giengesauch Adam / denner
führte feinen Willen und Begierde von GOTT indie Selbpeit
und Eitelkeit / und brach fich von GOTT abe / als vonder goͤttli⸗
en Harmoney.
4. Allda fand er zuhandt nieder indiellnmacht in Schlaf?
als in eine Unvermögenheit / welches den Todt andeutet: Denn
das Bilde EHXHttes / welches unverruͤcklich ift/ ſchlaͤfſet nicht:
as ewig ift Jin deme ift Eeine Zeit) mit dem Schlaffaber ward
im Menfchen die Zeit offenbahr/vdenn er ſchlieff ein der Engliſchen
Welt / und wachte auff der auffern Welt.
5. Sein Schlaffift die Ruhe Chriſti im Grabe / da das neu⸗
wiedergebohrne geben in der Menſchheit Chriſti muſte in Adams
Schlaff eingehen / und den wieder zum ewigen Leben auffwecken /
und aus der Zeit in das ewige einfuͤhren.
6. Aber die Zerbrechung Adams feiner Eſſentz / als das Weib
ward aus ihme genommen / ift die Zerbrechung des Leibes Chrifti
am Creutze / vonderfechften Stunde bif zur Neundten; denn
alfolange ift das. Fiar in Adams Schlaffe in der Scheidung
Mannes und Weibes geftanden: Denn in folher Zeit ward
das Weib aus Adam gang in ein weiblich Bildt vollendet.
7. Und als Ehriftus am Creutz / unfer jungfräulih Wild
wieder erlöfetevom Manne und Weibe / und mit feinem himmli⸗
fchen Blute in göttlicher Liebe tingirte; alser diß vollbracht hatte/
ſo ſprach er: Es iſt vollbracht: Denn zuvor ſtundt er in Adams
Durst) als Adam nach der Eitelkeit duͤrſtete / fo erfüllete jeßt
Chriſtus dieſen Durſt der Eitelkeit mit dem H. Goͤttlichen Lie⸗
be⸗durſt; und wendete der Seelen Willen wieder um / daß fie
ihren Durſt wiederum in GOTT einführte: Und als diß ger
ſchach / fo ſprach er Nun iſts vollbracht/umd wieder umgewandt ;
Chriſtus wandte Adam in feinem Schlaf von der Eitelfeit / und
won Manne und Weibe wieder um in das Engliſche —
ro
Capıy. Bon Erbauung des MWeibeske: 113
Großz und wunderlich finddiefe Geheimnuͤſſe / welche die Welt
nicht ergreifen mag / und ift ja fo blind’ daran / als der Blindgea
kohrneander Beſchauung diefer Welt: wer es aber achtet und
findet / der hat groſſe Freude daran.
8. Eva iſt das rechte Magiſche Kind / denn ſie iſt die Matrix
in welcher die Lichesbegierde in Adam ſtundt / als die Magiſche
Schwaͤngerung und Gebuhrt: Sie war Adams Parsdeififher
Roſen⸗gaͤrten in eigener Liebe / darinnen er ſich ſelber liebte dene
in der Conjunction der zwey Tincturen war die Faſſung der
Magiſchen Schwaͤngerung oder Menſchwerdung / oder goͤttlich⸗
en Bildung der Forteflantzung.
9. Und GOTT ſprach nach dem Apffelbiß zu ihnen: Des
Weibes Saame ſoll der Schlangen den Kopffzertretten. Allhie
lieget der Grund⸗ und Eck⸗ſtein indiefer Matrice, denn die weib=
liche Matrix, darinnen die engliſche Bildung ſtundt / war nach
dem rechten Leben hinunliſch / aus himmliſcher Wefenheit/darina
nen das rechte Paradeiß ſtundt.
10. Aber Adam fuͤhrte mit ſeiner Imagination Irrdigkeit und
Eitelkeit darein / als eigen⸗Willen / ſo verblich das heilige Theil in
dieſer Matrice als Veneris Begierde / welches das goͤttliche Cen-
trum in der Menſchheit war / als das geoffenbahrte Kebe-wort
im Bilde SOttes / darum gebahr Eva aus demſelben fremden in
die Matricem eingeführten Willen) zum erfienmahleinen eigen⸗
willigen hoffaͤrtigen Mörder ; denn Adam hatte mit feiner Ima-
gination diefelbe Eitelkeit] fo wohl auch des Teuffels Begierdez
eingeführet. s
11x. Aber der göttliche Liebe-wille wolte dieſe verblichene.
engliſche Matricem nicht verlaffen/und verhieg fich mit dem theu⸗
ren Namen IESUdarein / welcher fie follte wiederum in der
Heiligkeit Eigenſchafft erwecken / und des Teuffels eingeführten
Degierde und falſchem abtrinnigen Willen den Kopff zertretten /
das iſt / feins Lebens Macht gerftören und nehmen / und wieder
durch goͤttliche Liebe in das erſte Leben einfuͤhren. Und eben in
dieſer heiligen Mattice, welche GOttes Wort und Krafft in dein,
ſuͤſſen Rahmen ZESU/ indem Saamen MARIÆ im Ziel
des Bundes wieder erweckte / ward der Schlangen Gifft in der
Seelen und Fleiſche zerbrochen.
12. Und das iſt des Weibes Saame: Liebe Bruͤder merc⸗
kets / es iſt theuer erkandt worden. In dieſe Matricem ward das
verheiſſene Ziel des Bundes eingeſtellet; Aber Eva war nicht
daffelbe Kind / denn das Theil der himmliſchen Matricis ſtundt in
ihr verblichen / aber im Bunde GOttes / wie uns die duͤrre Ruthe
Aaronis andeutet. 13. Sie
-
174 Bon Erbauungdes Weibene. Cap.raı
13. Sie war wohl die gantze Matrix Adams / aber das heilige
war inihr verfchloffen / und lebete nur das Auffere Theil der Auf:
fern Welt mit Böfe und Gut / als die Matrix des dritten princi-
pii, wohl mit einer halben feelifchen Eigenfchafft / aber in der Ge⸗
faͤngnuͤß Gottes Zornes:Der heilige Bund der Liebe ruhete in dem
verblichenen Theile/ mitten im auffgewachtenZorne/aus welchen
Bundeder Prophetifhe Geift im alten Teftament redete / und
weiffagete auff die künftige Eröffnung im Bunde.
14. Bender Formirung der Eväitt die gröfte Geheimmüß zu
werfichen / denn man muß die Gebuhrt der Natur und Menſch⸗
lichen Urftand gans inniglich verftchen und ergreifen / wilman
den Grund fehen ; denn fteiftder halbe Adam nicht von Adams
Fleiſche gang genommen fondern aus feiner Eſſentz aus dei
weidlichen Theile: Site ift Adams Matrix.
15. Bon Adams Fleifihe und Beinen ift nicht mehr zum
Weibe kommen) als die Kippe in feiner Seiten / und das halbe
Creutz im Kopffe / welches des Lebens Gebuhrt⸗creutz war / daran
Chriſtus den Tod zerbrach. Die Matrix des himmliſchen Theils
war in Adam Magiſch / das iſt / ſchwebende in der Eſſentz: Aber
das aͤuſſere Theil der aͤuſſern Welt / war eingefleiſchet / und wa⸗
ren beyde miteinander verbunden / gleich wie die Zeit mit der
Ewigkeit. Das heilige Theil war im Himmel / und der Himmel
ſelber / und das aͤuſſere eingefleiſchte Theil / war in der aͤuſſern
Welt / in Matrice Mundi.
16. Alſo ward Adam aus feiner Eſſentz die weibliche Eigen⸗
fhafft im Fiar ausgezogen/ als fein liebfter Roſen-garten / und er
behieltden Limbum himmliſch und irrdifch nach des ewigen Vat⸗
ters geoffenbahrten Eigenfihafft / als der Feuer-ſeelen Matricis
Eigenfhafft / unddas Weib das Theil des Geiftes der Seelen
Eigenfhafft: Das Weib hattein ihrem verblichenen Theilder
feelifhen Eigenfhafft das Centrum der englifchen Welt / als das
geoffenbarte Liebe⸗wort / als die fünffte Geftalt der ewigen Nas
tur: Undder Mann hatte in feinem Limbo die göttliche Feuer-
welt / als das Centrum zur Siechtwelt/da8 Centrum aller Weſen.
17. Des Mannes Limbus den er behielt / als das Weib aus
ihme gemacht ward / war des Vatters Eigenſchafft nach allem
Weſen; und das Weib ward aus dem Manne nach des Sohnes
Eigenfhafft / nach allem Weſen / verſtehet das himmliſche Theil :
Darum war Ehriftusin des Weibes Theil ein Menſch / und
führte des Mannes Theil wieder in die heilige Matricem ein/
da5 der Limbus und die weibliche Marziz wieder cin Bild gr
a
Cap. 19. Bon Erbauung des Weibeshe. ır5
als eine männliche Jungfrau über und inallen drey Principien ,
alsein Ereatürlich geformeter GO T / in deme der ewige uns
geformte GOTT mitganser Fülle innen wohnete / zu gleiche in
dem Geformten und auffer dem Geformten; Denn alfo war
auch Adam vor feiner Heva/ und alfo müflen wir in Ehrifto auch
werden/wollen wirdas Bilde und Tempel GOttes fepn.
18. Allhie / alsdie Matrixder Gebährerin von Adam genom⸗
men war / ward das Weib in aller Geftalt mit folchden Gliedern
jur Sortpflangung geformiwet / als fie noch heute ift/fo wohl auch
Adam. Denn zuvorhin/als Adam Mann und Weib war/dörffte
erder Glieder keines / denn feine Gebuhrt war Magiſch / feine
Schmwängerung wäre in der Matrice ſchwebende / durch Imagina-
tion gefchehen/ denn das Verbum Fiat war in ihm offenbahr.
19. Undan ftatt der weiblichen Matrix , ward Adam der thies
riſche Madenſack der Därmen angehänget /neben anderer For⸗
mung der innern principal-Glieder zum irrdiſchen Leben; fo wohl
auch dem Weibe an ftatt des himmlischen Limbi , ward ihr der⸗
gleihen Madenſack angehaͤnget / daß fie doch möchten einen. Hauf⸗
fen Eitelkeiteinfacken Eönnen/und den Thieren gleich Icben/ weil
ſie ja fo fehr nach Böfe und Gut lüfterten.
20. Die Bernunffe wird mir Einrede thun und fagen: GOtt
habe Adam im Anfange zur einem Manne geſchaffen / und eben
nit allen Gliedern/wie er ietzt ift / weiches ſie doch nicht er weiſen
kan : Sintemahl die Seele fich diefer thieriſchen Eigenfchafft
fhämet: Auch wil ich die eigene Veruunfft fragen / obein folcher
Adam wäre zum ewigen geben ohne Mangel / auch ohne Noth
und Tod gefchaffen gewefen ; fo er alfo elende / nackend und blog
waͤre in dig thierifche Leben gefchaffen gewefen ? Und ob diefes
Stand- Haus ein Paradeiß und Tempel GOttes wäre gewe-
fen / wie er fich woltehaben für der Zerbrechligkeit befchirmer ?
Denn ein folcher thierifcher Menfch mag im Waſſer ertrinden /
und im Feuer verbrennen/mag fich auch mit Felfen und Steinen
zerbrechen.
21. Sprichftu aber / GOtt hats wohl gewuſt / daß cs alfo mit
Adam gehen werde/darumb Hat er ihn bald alfo gefhaffen? Dar⸗
zu faget die Schrift : GOTT fhuff ven Menſchen in feinem
Bilde; Za zum Bilde GOttes ſchuff er ihn / nicht zun thieriſchen
Bilde; was wolte GOtt dem Menſchen für Sünde zurechnen /
ſo er ihn haͤtte in ein thieriſch Bild geſchaffen / was waͤre ihm deñ
die neue Gebuhrt nuͤtze? Die neue Gebuhrt haͤlt diß Recht in⸗
nen / daß das Engliſche Bild ſell wieder gebohren ug —*
116 Bon Erbauung des Werbeshe. Can. 19.
Gott in Adam hatte gefhaffen. GOTT hut Adam ins Bilde
Gottes formiret ; und ober wohl erkannt hat / daß er nicht bes
ſtehen würde / ſo hat er ihm den Heyland geordnet /der ihn folte
wieder ins erſte Bilde einfuͤhren / und in ſich zur Ewigkeit be⸗
ſtaͤtigen.
22. Daß nun Adam in GOttes / und nicht im thieriſchen Bik⸗
de geſtanden ſey / findet man an deme / daß er aller Creaturen Ei⸗
genſchafft gewuſt hat / und hat allen Creaturen Namen gegeben
ass ihrer Eflenz / Form und Eigenſchafft / er hat die Natur⸗
Sprache verstanden / als das geoffenbarte und geformte Abort
— aller Eſſentz / denn daraus iſt jeder Creatur der Name ent⸗
anden.
23. Hat ers nun gewuſt / wie das Wort der Krafft in jeder
Creatur in der Form geſtanden iſt / ſo koͤnnen wir ihn nicht thie⸗
riſch ſchaͤtzen / er muß Engliſch geweſen feyn ;denn Fein anderer
Menſch wird auffſtehen / als ſolcher wie Adam vor ſeiner Heva
gemefen iſt: GOtt hat ihn vollkommen geſchaffen / aber er iſt
nicht in der proba beſtanden; darauff erfolget nun das / daß ihu
GoOtt hat laſſen indie aͤuſſere Magiam fallen / und ihn zum Bilde
dieſer Welt ins natuͤrliche Leben geordnet / als in die Zerbrechlig⸗
keit und in die neue Gebuhrt; Denn im Himmel iſt weder Mañ
oc Weib / ſondern alles ein Geſchlechte mit eigener Liebe / ohne
weitere Foripflantzung in einer ewigen Beſtaͤtigung.
24. Auch ftellet es ums dig dar / day Adam im Paradeiß ge⸗
ftorben ift/wie GOtt zu ihm fagke : Wann du vom Baume iſſeſt /
fo ftirbeftu : Er ftarb des heiligen Bildes / und lebte des auffge⸗
wachten thierifchen Bildes: Denn als Adam ietzt vom Schlaffe
auffwachte/ fo war er wohl noch im Paradeiß / dann die Eitelkeit
im Fleifche und Seele qualificrte woch nicht : Sie war noch
ſtumm und unmebende/ unfühlende / biß fie in die verbottene
Frucht gebiffen/da gieng das irrdiſche Regiment an;da wachtedie
Eitelkeit auff / als alle Geſtaͤltnuͤſſe des Lebens (eine jede in ihrer
Selbheit / und giengen aus der Gleichheit auseinander ; und
bald zuhand fiel Hise und Kalte auff ſie / deñ das äuffere inqualirte
nun mit dem innert ; und verblich vollend das hiimlifche Bilde /
welches in Adams Schlaffe / und auch in feiner Auffwachung /
—* in Adam und Even noch lebete / aber faſt dunckel und un⸗
maͤchtig.
25. Adam hat ſich in ſeiner Vollkommenheit an den Thieren
vergafft: Dieweil er Mann und Weib war / und die Magiſche
Schmängerung in fich hatte / und fich in thieriſche Luſt eingefühe
ret/
Eap.ı9. Don Erbauung des Weibesc. 117
ret / beydes nach thieriſchen Eſſen und Gebähren: Alfo hat ihn auch
das Fiat in derſelben Luſt gefangen / und alſo in ſeinem Schlaffe
geformet wie die Luſt war; und ein jedes Glied an ſeinem Orte
zur Conjundion der vichifchen Bermifchung geformet/denn eine
jede Begierde hat ihren Rund zur Offenbahrung bekommen:
Alfo hatte fih das Bilde GOttes im Verbo Fiar in ein ſolch
Zhier/wie wir noch heute find / geformet / und daſſelbe in fich fels
ber / als des Menfcheneigen Fiar, als die erſte Geſtalt zur Ra⸗
tur welche die Begierde Böttlicher Offenbahrung ift /hats gea -
than/und Fein anderer Macher auffer ihm.
26. Man foll nicht dencken / dag etwas anders fey über Adam
geweſen / das feine&vam habe aus ihme gemacht/oder das fic bey⸗
de habe zum Auffern natürlichen Leben geformet / als nur dag
Verbum Fiat inihnen/ihr Eigenthumb / und nichts frembdes auf>
fer ihnen : Wie dann die erſte Schöpffung Adams und aller
Gefchlechte vergleichen gefchehen ift 5 Das Verbum Fiat haf je>
des Ens coaguliret/ und das geoffenbahrte Wort hat fich im Ens
nach feiner Tigenſchafft entfchieden/und die Creatur nach feinem
Geſtirne und Geſchlechte geformet ; da fich dann in jedem Ente
die Matrix vom Limbo gefcyieden/und in ein Maͤnnel und Weib⸗
lein geformet.
27. Das Mahlwerk / wie man GOtt als einen Mann mah⸗
let / welcher Adam machet / und hernach Aber Adam ſtehet als er
(chläffet und ein Weib aus ihm machet /ift mehr Abgöttifch als
wahrhafftig/ und hats GOtt im Moyſe ernftlich verbotten/ kein
Gleihnüß einiges GOttes zumachen : Denn er ift kein Bild /
als nur in Ercaturen / nach dem außgeſprochenen geformten
Wort) beydes nach der Ewigkeit und nad) der Zeit Creaturen:
Erift fein Macher / fondern nur ein Formirer der Eigenfchaff-
ten / ein Schöpffer / und nicht Macher.
28. Das Schöpffen ift das Fiat , Das da faffet/und das Wort
in der Kraft des Befaften gibt den Unterfcheid nach dein Ente ;
Wie das Ens inder Bebährung des Geiftes iſt / alfo formet fich
ein Ding ( denn der Leib aller Dinge oder Weſen ift anders
nichts/als eine Signatur oder Gehäufe nach dem Geiſte: Wie die
Gebuhrt im Ente ift / da ſich der Geift formet / alfo ift auch der
Leib aller Sefchlechte in den lebhafften und wachfenden Dingen )
wie ſolches alles für Augen ift / daß der erfte Schöpffer / welcher
fish bemeget und in ein Gefchöpffe eingeführet hat / allen Creatu⸗
ren in ihnen den Gewalt gelaffen/ zur felbft-Multiplication oder
Vermehrung / Fortpflantzung und Machung / und ihnen das Fiat,
als einen Macher singelsibet zum Eigenthum. Das
118 Vom klaͤglichen uũ elenden Fall / Cap. 20.
Das 20. Capittel.
Vom klaͤglichen und elenden Fall | und Verder⸗
ben des Menſchen.
2. Es nun Adam vom Schlaffe auffwachte / fahe er fein
Weib Evam vor ihme ſtehen / und nahm ſte zu fich /
den er kante fie/da fie fein ware / daß es feine Matrix
wäre; und führete feine Eigenfchafft der Begierde
in fie/gleich wie er zuvor gethan hafte/da er fich felber
liebete: Alſo gieng iest die feurifche Tin&urder Seelen Adams
indes Geiftes oder Liechtes Tindturin Even.
2. Sie aber ſtunden noch beyde im Paradeiß im Garten in
Eden / underkandten weder Böfes noch Gutes : Denmfie lebeten
och ine Himmelreich / in Freude und Luſt / und war das der Even
erfte suft von Gut umd Boͤſe zur effen ; denn Mdams Begierde
hatte fie in das Magifche Bild / als es noch in Adams Eſſentz
war / eingeführet und iwpreſſet / gleich wie ein Kind ein Anmahl
in Mutterzleibe empfähet/ da es ihr die Mutter imprefet.
3. Alfo hatte auch Adam die falfche Begierde in feiner Eſſentz /
daraus das Weib gemacht ward / impreſſet: Darumb luͤſterte das
Weib alſo balde nach der Eitelkeit / wie man noch heutiges Tages
in den meiſten eine lautere irrdiſcheFleiſches⸗ Luſt findet: So bal⸗
de diß Geſchlechte ein wenig zu Jahren komt / ſo gehet die eigene
Luſt in Hoffart / und Glaͤntzen mit fleiſchlicher Begierde vorher /
und luͤſtern balde nach dem verbottenen Baum / wider die Jung⸗
fraͤuliche Zucht / Keuſchheit und Engliſche Demuth.
4. Der Eckel den Adam in ſeine Matricem einfuͤhrete / der iſt
alſo ſtarck in ihnen / daß ſie gleich als blöde für dem Bilde GOt⸗
tes find / das GOtt ſelber in Adam fhuff = Derowegen muͤſſen
ſte auch unterm Mann ſeyn / daß ſie die Urſache ſind / daß die Ei⸗
telkeit entzuͤndet ward / zu welcher der Teuffel ein Stiffter war.
5. Denn als er Evam ſahe / fo kante er feine eingeführte
Begierdein ihr /mwelcheer hatte in Adam eingeführt/ die blickete
in Eva in Luſt perfür: Darumb kam der Teuffeligt in frembder
Geſtalt / alsinder Schlangen Eſſentz / welche das liſtige Thier
war ; und legte fich an den Verſuch⸗ Baum gegen der Heven /
daß fich die eingeführteSucht inder Eva ander aͤuſſern Schlan⸗
gen / welche der Teuffel auch hatte inficiret/vergaffete/und alfo ei⸗
ne Luſt die andere fieng ; davon die Heva mächtig in die ver>
bottene Frucht imaginirte und luͤſterte / welches ihr der *
rie
Eap.2o. und Derderben des Menſchen. 115
richt fie folte eſſen fo würden ihr die Augen auffgethan werden?
und fie feyn mie GOtt / und Gutes und Böfes wiſſen.
6. Welches wohl wahr war / diefelbe Erkaͤntnuͤß ſtack in der
Srucht /denn die Eflentien waren darinneninder Ungleichheit s
er fagte ihr aber nicht / daß der Widerwille in ihren Fgbes-Eflen-
tien wuͤrde auffwachen / und daß Hitze und Kälte / darzu Kranck⸗
heit und der Tod in ſie dringen wuͤrde; da ſchwieg er ſtille / und
ſchmuͤckete die Sache / zog ſie in einen Schimpff / als eb ihnen
GoOtt hätte etwas fuͤrbehalten / das fie als ein Schaf finden
anöchte : Alfoliftig betrog er Hevam.
7. Undals fie fich mit der Schlangen in ein Gefpräche begaby
ward fie im Hallgefangen / denn der Teuffel inficirte denſelben
mit ner Luſt / biß er fie beredete / fie würde klug werden / fo
fie äffe.
8. Daun der Teuffel dachte / fo Eva Kinder ins Paradeig
zeugte / ſo möchte feine Sache nicht gut werden; fie möchten ihme
fein Engliſch Reich befigen. 20
9. Nun fraget fihs : Warumb betrog der Teuffel Hevam
eben durch die Schlange / und nicht durch was anders ? Konte er
es nicht im eigener Geftalt thun / wie daß er eben durch die
Schlange zur Evenredete ? Und warumb leget fich die Schlan⸗
ge an Bauın fie zubereden / wider GOttes Verbott?
10, Allhie lieget dem Moyſt abermahl der Dedel vor feinen
klaren Augen / dann er beſchreibet die Hiſtoriam wohl recht: Aber
wie mag das ein unerleuchteter Sinn verſtehen / in dehme er von
der Schlangen redet: Die Schlange habe mit Even geredet?
und ſie betrogen / da fie Doch nicht reden kan / auch nur ein Thier
äft ohne Göttlichen Verſtand / und das Bilde GOttes in ihrer
Selbheit nicht mögen erkennen; vielmeniger hat die Schlange
wie himliſche Kräffte oder das Verbott verftanden.
1x. Aber höret was Moyfes faget: Die Schlange war liſti⸗
ger denn alle Thiere auffdem Felde/die GOtt der HErr gemacht
hat. Allbie fraget fichs erfklich : Woher kam ihr die Liſt / daß eben
der Teuffel durch ihre Sift wolte reden und Evam betriegen ?
Allhie ſtecket das Myfterium.
ı2. Als ih GStt nach feinem außgefprochenen Worte im
Verbe Fiat bewegete / nach beyden innernWelten / als nach GOt⸗
tes Liebe und Zorn / nach der ewigen Natur der Finſternuͤß / und
nach der ewigen Natur und Krafft des Liechts; ſo haben ſich alle
Eigenſchafften in Boͤſe und Gut cowpactiret / dann das Fiat war
an allen Eigenſchafften / in denen zum Gentro, fo wohl als in *
ne
220 Vom Häglichen un eleuden Fall / Cap 20
nen / da die Goͤttliche Krafft in Heiligkeit offenbahr war: wie die
Eröffnung in jedem Puncte war / als die Luſt zur Offenbahrung
des groſſen Myſterii aller Weſen / alſo ergriff das Fiat, als die
erſte Geſtglt zur Natur / einen Eos oder Limum aus der Erden /
ſowohl uͤber der Erden in jedem Magiſchen Geſtirne nach den
Graden der Entſcheidung; und alſo ward kn ſelben Ens ein
Geift nach deinfelben Gradu oder Magifchen Geftirne ; und
eben einen folchen Leib oder Corpus Agurirte das Fiat, wie derfel>
be Geiftwar.
13. Weil dann Fürft Lucifer war in göttlicher Pomp, als
ein Hieracchagefeffen / und woltein göttlicher Krafft in Feuers⸗
macht über und in allen herrſchen / und GOttes Liebe und die De⸗
muth verachfete ; und mit feiner falfchen Begierde ins Weſen
des aufigefprochenen Wortesim Fiat eingieng / als ein Gaucke⸗
fer] der da auch formen und machen wolte;fo hat er daffelbe
Weſen / als nach der finftern Welt Eigenfchafft/ welches mit im
Fiat in die Coagulation, als ins Ens eingieng da Boͤſes und
Gutes ineinander hieng /inficiref : Denner( der Teuffel) bea
gehrte Der gröften Liſt aus Dem Centro der Natur /alsein ab⸗
truͤnniger Gauckler / und wolte in der geoffenbahrten Magia im
Fiarherifchen.
14. Und aus dieſem inficirten Ente (da Böfes und Gutes in
groffer Krafft offenbar war ) ift die Schlange im Fiar aus einem
ſolchen Ente gefchaffen worden: Darum faget Moyfes recht:
Sic wartiftigerdennalle Thiereauffdem Felde / denn des Teu⸗
fels Wille (als fein eingeführte Begierdein dasfelbe Ens, dar⸗
aus fie gefchaffen ward) war in ihr / ſie hatte Teuffels Liſt und
Willen: Und gleich wieder Teuffel im Anfang ein Engel war /
und aus guter kſſentz / und ſich aber ſelber in einen boͤſen einfuͤhr⸗
te; alſo iſt auch der Schlangen Ens vor ihrer Schoͤpffung vor
des Teuffels Inficirung gut geweſen / aber indes Teuffels Begier⸗
de in eine Eigenſchafft des Liſts gebracht worden.
15. Denn des Teuffels Begierde zog die ſtachlichte / ſpitzige /
ſcharffe Liſt außgm Centroder Natur / und führte ſie durch des
Fewers Anzuͤndung in himmliſchen Salniter / als in die Eigene
ſchafft darinnen er faß / und ein Engel war / ein; und allhie gieng
dieſelbe Liſt im Fiat mit in demſelben Ente in eine Compaction.
16. Denn der Schlangen Ensift an einem Theil / als an dem
himmliſchen / eine grofle Krafft geweſen / wie auch im Teuffel eine
groffe himmliſche Krafft war / denn er war ein Fuͤrſte GOttes:
Alſo führte er auch feine ausgezogene Liſt undLuͤgen in ein .
gi
Gap. 20. und verderben des Menfchen. 121
ges Ens, im Willen damit zu gauckeln/ als ein eigener GOTT.
17. Wie denn das die gelehrten Naturkündiger verfiehen /
wie das in der Schlangen trefiiche Kunst / und auch Tugend in
ihrem Ens lieget ; fo ihr des Zeuffels Gifft genommen wird fe
lieget in ihr die gröfte Eur zur Heylung aller fenrigen vergiffti=
gen Schäden auch wider Gifft/ undalles das ſich einer feuris
gen Girft gleichet/ denn die Göttliche Kraft lieget in einem
Seuershunger darinnen : aber im Fluche des Zornes GOttes
verborgen.
238. Gleich wie GOTT in der verfluchten Erden verborgen
wohnet / alfo auch allhie: Jedoch ifts den weifen gottsfuͤrch⸗
tigen Kunftfucher in feine Handt gegeben / und darfffich vorn
Fluche nicht entfegen ; denn er foll in Goͤttlicher Krafft/ um
Glauben über alle Ereaturen herrſchen: So er nicht fo viel vie-
hiſch und hoffärtig inder Schlangen Eſſentz ergrieffen wäre / ſo
möchte ihm unfer Sinn offenbahr werden] und dürfte wohl allhie
ein Arcanum der Welt finden. -
19. Diefeliftige Schlange war nun vonauffen ein überaus
huͤbſches / anſehnliches / feines / wohl gefhmücktes Thierlein / nach
des Teuffels Hoffarth wohlgeputzet: Nicht zu verſtehen / daß der
Teuffel ſey ein Schoͤpffer der Schlangen geweſen / ſondern dag
Fiat war in ihr nach GOTTES groſſen guten Krafft / und denn
auch maͤchtig nach ſeines grimmigen Zornes Krafft offenbahr.
20. Dieſe Schlange war eine lebendige Figur des Verſuch⸗
baumes / gleich wie der Verſuch⸗baum in einer ſtummen Krafft
war Alſo war die Schlange in einer lebendigen; und darum
machte ſich auch die Schlange zu dieſem Baume / als zu ihrer
Gleichheit / zu ihrer Eſſentz Gleichheit / welches der Teuffel ſahe;
und die Schlange in dem Theil ſeiner inficirten uud eingefuͤhrten
Gifft beſaß / und ihr die Zunge wapnete; und aus ihrer großen
Liſt zur Even redete / daß ſie den grauſamen Feind und rauen Gaſt
den Teuffel nicht kante.
21. Und fuͤhrte der Teuffel die Schlange darum an Verſuch⸗
baum / dieweiler ſahe / das ſich Eva am Baum vergaffte / und
gerne der Frucht hätte geſſen / daß ſich Eva folte an der Schlangen
wmonſt roſiſch machen: Und iſt der wahre Zweck dieſes.
22. Evam luͤſterte jetzt nach der Frucht des Baumes der Er⸗
kaͤntnuͤß Gutes und Boͤſes / denn Adam hatte dieſe Luſt in ſein
Ens eingefuͤhrt / daraus Eva geſchaffen ward: Nun aber ſtund
Eva das Verbott dafuͤr / und fuͤrchtete ſich vor GOTT/ und wolte
nicht wider das Verbott tuhn: So ſchloff der Teuffel in der
F Schlan⸗
122: Bomkläglichen uũ elenden Fall / Cap.ro
Schlangen Ens, als in die große Liſt; und draͤhete aber die greße
Krafft und Wise in der Schlangen Eſſentz herfuͤr dag Eva
ſahe und erkante / wie die Schlange fo klug und liſtig war: und
hieng allda am verbottenen Baume / under ſchadete ehr nicht / und
ſie ſahe die Schlange eben an / und vergaffete ſich an ihr / auff Art
wie ſich ein ſchwanger Weib vergaffet / und monſtroſiſch macht /
amd dem Kinde eine ſolche Figur einführt: Alſo vergaffte ſich Eva
an der Schlangen Witze und Liſtigkeit / auch Behendigkeit und
Kunſt / davon ſie lüftern ward von dem Baume zu eſſen: Denn
die Schlange rieht ihr das durch des Teuffels Hall und Stimme /
undgab vor / die Liſt und Kunſt kaͤme ihr von dem Baume.
23. Even Eſſentz war himmliſch / aber ſchon von Adams Ima-
gination etwas vergifftet / und böfe: ſo gieng nun der Even gute
Begierde der guten Elſſentz in ihr / in der Schlangen groffe Krafft
und innerliche Tugend / die fie aus himmliſcher Eſſentz hatte / als
aus dem guten Theil des Entis der Erden / und die inficirte Eigen⸗
ſchafft der Even / welche Adam hatte eingelaſſen / und durch Ima-
gination eingeführt/gieng in der&chlangen Eift/als ins Centrum
der finftern Weltin GOttes Zorn ein: Alfo auch hingegen gieng
vesTeuffels Heftige Begierde und Imagination durch der Schlan⸗
gen Eſſentz / in der Even Eſſentz ein / beydes durch den Hallim Ges
ſpraͤch des Redens / und durch die Conjundtion beyder Begierde.
24. Und alhie hat ſich der Even Begierde und des Teuffels
Begierde in dieſer Conjunction vermaͤhlet; denn des Teuffels
Begierde machte der Heven Luſt gantz monftrofifch / und zwang
ſie alſo in der Luſt / biß er ſie uͤberwandt / daß ſie darein in ihre
‚Begierde willigte: Sie wolte auch von dem Baume des Vers
ſtandes und Klugheit eſſen / und begehrte auch alſo Flug und liſtig
zu ſeyn / oder zu werden/alsdie Schlange.
25. Denn der Teuffel ſagete: Die Frucht würde ihr nicht
fchaden/ ſondern ihre Augen des ſcharffen Berftandes würden
ihr auffgetahn werden / und fie würde ſeyn gleich wie GOTT?
Dasdauchte Evam gut ſeyn / daß fie eine Göttin möchte ſeyn / und
willigte gantz darein: und in dieſer Einwilligung fiel ſie von
der goͤttlichen Harmoney / vonder Gelaſſenheit in GOTT/ und
von der goͤttlichen Begierde abe / und gieng mit ihrer eigenen
Begierde in der Schlangen und des Teuffels Liſt / Sucht und
Eitelkeitein.
26. Allda in dieſem Puncte hat des Teuffels Begierde der
Even Willen gantz beſeſſen und in eine Schlangiſche Subſtantz
ge fuͤhret: Alba ſyard Eyg nach der Schlangen —
———— ih
Cap. 2o⸗ undverderbendes Menſchen. 123
ihrer eigenen Eilentz monſtroſiſch / und alhie bauete der Teuffel
ſein Schloß und Veſtung in menſchliche Eſſentz ein; und allhie
iſt der Todt der himmliſchen Eſſentz / als des himmliſchen Weſens:
Allhie wich der heilige Geiſt GOttes aus Era himmiliſcher Es-
ſentz: Alfo indicfem pun&o ifl verblichen das himmliſche Theil
des Menschen / als der himmliſche Limus im Sleifche: Und das
iſt daß GOTT fagte/ welches Tages du davon eſſen wirſt / wirſtu
des Todes ſterben.
27. Als Eva ihren Willen aus dem gehorſam GOttes in
der Schlangen Liſt einfuͤhrte / ſo verblich die Krafft der himmli⸗
ſchen Sanfftmuth und Demuth in dem himmliſchen Limbo,
nicht dag ſte haͤtte der finſtern Belt Eſſentz in ihre Eſſentz gang
eingenommen: Nein / ſondern wie GOTT zu ihr ſagete: Du
wirft ſterben / dasift am Himmelreich ſterben oder verbleichen /
denn das Himmelreich nimt kein recht ſterben ein; Allein wenn
Das Liecht des göttlichen Principii verliſcht / fo iſt daſſelbe Weſen/
darinnen es brandte und ausſchien / ſtumm / und als todt ohne fuͤh⸗
len und Berftandt/als ein Nichts / gleich wie eine Kertze in einem
finftern Orte brennet/ welche ein gang Gemach liechte macht / und
fo die erlifcht / fo hat fe Eeine Spuhr nach ihr; Deffelben Krafft
schetins Nichts] auff Art wie GOTT alle Ding ausnichts ger
macht hat.
28; Nicht zuverfichen daß des Menfchen himmliſch Ens fey
ein nichts worden, esiftim Menfchen blieben: Aber dem Mens
ſchen in feinen Leben als ein Nichts / denn esttun tin GHTT
verborgen / und dem Menſchen unbegreifflicg olmeseben: In
GOTT ſtirbet nichts / aber im menſchlichen Leben verblich das
heilige Ens.
29. Undalsnun Evaan Baum griff/ und die Frucht abes
brach / das thäte fie ſchon durch den ir ıdifchen Limum , und durch
der Seelen Willen / welcheder Klugheit aus dem Centro der
Natur begehrte / welche Klugheit fieim Centroinihr ſchon eu⸗
pfandt / und aber in der göttlichen Krafft und inder gelaffenen
Demuht nicht offenbahr wars In dieſem Angreiffen grieff ſchon
des Teuffels Begierde in ihrem monſtroſtſchen Bilde mit an die
Frucht / und als ſie die Feucht ins Maul nahm und davon aſſe /
daßz ihres Leibes Eſſentz dieſe Eſſentz in ſich einnahme / ſo empfieng
die menſchliche Eſſentz die Eſſentz im Baume.
30. Und weil ſie nicht zuhandt niederfiel und ſtarb / dauchte
fie] es würde ihr nicht ſchaden / denn der Zornquell ruhete noch in
ihr; und ſie beredete Adam daß er auch aße / weil er ſahe daß es
Even nicht ſchadete. 52 31. Als
124 Bom klaglichen uũ elenden Fall / Cap.2o!
32. Als ſte aber nun gegeſſen hatten fo wachte der Grimm
GHttes Zornes auff in dem monſtroſiſchen Bilde / als die Ei»
genſchafften der finſtern Welt / als des Teuffels eingefuͤhrte Be⸗
gierde / welcher jetzt ſeinen Sitz / in dem monſtroſiſchen Bilde /
in der Schlangen Eſſentz hatte: In dieſer Stunde wacheten
alle Geſtalten der Liſtigkeit in Menſchlicher Verborgenheit
auff; denn alſolange der Menſch in GOTT gelaffen ſtundt / in
der gleichen Concordang in Goͤttlicher Harmoney / ſo durchdrang
das Himmliſche / als das Leben des himmliſchen Limi den irrdi⸗
ſchen Limum, und mochten die Eigenſchafften nicht offenbahr
werden; denn fie waren alle in gleicher Maag und Gewichte)
gleich wie die Zeit in GOTT/und GOZT in der Zeit.
32. Als aber des Menſchen eigen Wille anfieng / fo fingen
auch die Eigenfchafften aller Magifhen Geftirne / ein jedesin
feiner Selbheit in fich an zuqualificiren, denn im Menfchen
Ingen alle Magifche Geftirne / denn er war am fechften Tage an
der fechften Hffenbahrung der Böttlichen Geheimnüß / als ein
Limus aller Weſen / erſchaffen / ein Limus oder Ausgebuhrt/ dar⸗
aus alle Ereaturenerfchaffen waren / ein Geſtirne; denn er folte
auch über alle Ercaturen/ diefer Welt herrſchen / und in alle Cre⸗
aturen / und doch von Eeiner beherrfchet werden.
33. Denner ftundingleicher Eſſentz / jegtaber giengenalle
Geftirnealler Efleng aller Ereaturen im Menfchen auseinans
Der /einjedesinfeine Selbheit; davon entftund der Streit und
Widerwiile in der Eflenk / daß eine Eigenfchafft wider die an
Dere war: Allfo herrfchete auch zuhandt Der Äuffere Geift vom
Auffern Geſtirne und vier Elementen in ihnen; und ward in
ihren Leibe Hige und Kälte offenbahr / darzu aller böfen und
guten Thiere Eigenfchafft/ welche Eigenfchafften zuvorhin alle
verborgen lagen.
34. Alhie ward der Schlangen Liſt und Klugheit offenbahr /
und verdarb das edle Bild / und ward nach der Erden Limo ein
Thier aller Thieren; davon nun jetzt ſo vielerley Eigenſchafften
in dem Menſchen ſeynd / als einer ein Fuchs / Wolff / Beer / Loͤwe /
Hund / Stier / Katze / Roß / Hahn / Kroͤte / Schlange / und in Summa
ſo vielerley Geſchlechte der Creaturen auff Erden ſind / alſo vie⸗
lerley Eigenſchafften find auch im irrdiſchen Menſchen / cin jeder
etwan einer / als nach dem inherrſchenden Geſtirne / welche eine
ſolche Eigenfchafft in Zeit des Saamens im Saamen machen /
wegen ihrer Inherrſchung; welch Geſtirne am maͤchtigſten in
der Gonktellation iſt / das hat feine Begierde im Saamen / =
- ⸗
Sap.zo. und Verderben des Dienfchen. 125
fo der gefüet wird / fo wird eine ſolche Eigenſchafft in dem irrdi⸗
fchen Theil des Menſchen mit aufgebrüttet-
35. Nicht dag der ganze Menfch ein folches fey / ſondern in
der irrdiſchen Efleng wird eine folche Figur ver Begierde / und
muß der Menfch ein fol Thier im Leibe tragen/das ihn zu thie⸗
riſcher Eigenfchafft reiget und treiber : Nicpt dag erim aͤuſſern
derfelben Form habe / aber in der irrdiſchen Effeng wohl: Nach
dem aͤuſſern bleibet er inder erften Bildung. |
36. Da doch daſſelbe Thier bey einem jeden feine Signatur mit
im Auffern etwas anhanget ; fo man das in acht hat / findet man
es: Davonhieg Ehriftus die Pharifeer Nattern-Gezüchte/und
Schlangen-Geraͤcke: Item / andere Woͤlffe / Fuͤchſe / Hunde und
dergleichen / denn fie waren in der irrdiſchen Eſſentz ſolche: Und
Ichret uns / wir müffen neugebohren werden / und diefe thierifche
Eigenſchafft verlaffen / und werden als die Kinder / oder folten
nicht GOttes Neich befigen.
37. Denn wie die Effeng im Leibe iſt: Alfo figuriref und for»
met fich auch der Geift im Innern / und ſtehet die arıne Seele in
dieſer Gefängnüß an einem folhem Thiere angebunden/und mit
ihme vermählet : Es fen denn /daf der Menſch neu⸗gebohren
werde / zu welchem Grunde GOtt die Befhneidung im Alten
— und im Neuen die Tauffe in Chriſti Geiſte geordnet
hat.
38. Alhie iſt uns das hoch zu betrachten / was vor Schrecken /
Sammer / Angſt und Noth im Menſchen auffgewacht fey / un
als ein falſch eben und Willen in Menſchen ſey offenbahr wor⸗
den; deſſen wir ein Bilde am Tode Chriſti haben / als er den
Tod in unſerer menſchlichen auffgewachten Eigenſchafft am
Creutze zerbrach / und mit der groſſen Siebe in feinem himliſchen
Blute uͤberwandt / welches cr darein fuͤhrete; wie die Erde da⸗
für erzitterte / als der Limus der Erden / davon Adams aͤuſſere
Effeng war aufgezogen : Als ietzt die groffe Siebe in die mensch»
liche Erde eindrang / darinnen der Zorn GOttes im Fluche le=
bendig und würdende war / als er ietzt folte ſterben / umd in ein
andere Quaalverwandelt werden/fo erzitterte er für dieſem groſ⸗
fen Liebe⸗Feuer / gleich wie das Siche» Feuer in Adam und Heva
in der Auffwachung des Zorns in ihnen erzitterte / Davon fie er⸗
ſchracken / und hinter die Bäume im Garten krochen /und ſich
fuͤrchteten: Deñ das Schredten des Zornes war in ihrer Eſſentz
auffgewacht / und erkanten ihre thierifche Eigenfihafften.
33 Das
126 Von der Impreffion ni Urſtand Cap.zr
Das 21. Capittel.
Bon der Impreflion und Hrftand des £hierifchen Men:
fihens / vom Anfange und Grunde ſeiner Krand:
heit und Sterbligkeit.
= "4 !8 Adam und Era Monftrofifch worden / fo wich der
Heil. Geift aus dem Theil des himliſchen Limbi,
denn das Theil der himliſchen Eigenfhafft an der
Seelen verblich / darinnen das Böttliche Lecht ſchie⸗
ne / und darinnen die Göttliche Krafft der heiligen
Tindur wohnete.
2, Verftchet die Krafft des Kechts wich von ihme ind Cen-
tom, auff Art wie ein ſcheinend Liecht / das aus einer Kerk bren⸗
net / außliſchet / umd vom Liechte nur der Feuer-Quaal bleibetz
Alſo auch blieb von der Seelen Eigenfihafft nurder Magiſche
Seuer-Quaal/als das Centrum der ewigen Natur / als die Feuers
Welt und Finfternüß.
3. Und am aͤuſſern Theil der Seelen blieb der Lufft-Geiſt mit
ſeinem Geſtirne / darinnen ſchien das Liecht der aͤuſſern Natur /
deſſen muſte ſich nun die Feuer-Seele behelffen; denn das Fiat
war im Grimme GOttes / als in der feuriſchen Eigenſchafft der
Serlen / ſe wohl auch des Lelbes Regiment ergrimmet / und war
inch ſeuriſchen Hunger eingegangen / als im guffgewachten
Schracke GOttes Zornes / in der Eſſentz in Leib und Seele /
und impreflete ſich mit hartem Anziehen in der Eſſentz des We⸗
ſens / im Limbo des Leibes / davon ward das Fleiſch grob / hart
und derbe.
4. Denn im Schracke des. Grimmes wacheten alle Eigen>
fhafften aller. Geſtirne nach aller Creatur Eigenfhafft in
der Effeng auff / davon entftund die Feindligkeit und Widerwer⸗
tigkeit in der Elſentz des Leibes und der Seelen / daß eine Eigen»
ſchafft wider die ander iſt / ein Geſchmack wider den andern / denn
es gieng alles aus dem Temperament ; davon entſtund ihnen das
Wehethun und Krandheit. 3
5. Dann fodie widerwaͤrtige Elſentz ineinander eingehet / fo
machets eine Feindfchafft / überwinden / und in einander zerbre⸗
hen: Eine Eigenfchafft zerbricht die andere / und kraͤncket die
andere/davon das Sterben undLeibes-Zerbrechen entftanden ift.
6. Denn was nicht in der Temperanf ftchet / das mag nicht
ewig beſtehen ; was aber in der Tewperantz ſtehet / ee
P2
Sap.zi. Desthierifchen Menſchens. 127
Zerbrecheridenn alle Eigenfchafften lichen einander + Und inder
Liebe iſt des Lebens Wachſung und Erhaltung.
7. Und iſt uns alhie gruͤndlich zu verſtehen / wie die groben
Eigenſchafften im Grimm des Fiars in der Eſſentz des Leibes /
haben die him̃liſche Weſenheit im Sulphurvertundelt / und gantz
eingeſchloſſen / daß der hunlifche Menſch nicht mehr erkant ward /
gleich wie das Bley den Gold⸗Geiſt in ſich verſchlungen hält /
daß man ihn nicht fennet.
8. Dann die Begierde/als dieerfte Geſtalt der Natur / wel⸗
che das Fiat iſt / hat beydes in Menſchen und Metallen / das him⸗
liſche Theil mit der Grobheit verſchlungen / wie denn auch in allen
Kraͤutern und aller anderer Frucht; alles kraͤfftige von der heili⸗
gen Welt⸗ Weſen lieget im Grimm und Fluche GOttes / in der
finſtern Welt Eigeuſchafft inder Erden verſchloſſen / und gruͤ⸗
net durch der Sonnen Gewalt / und durch das Liecht der auffern
Natur in der Eſſentz Durch den Fluch und Grimm aus / welches
Außgruͤnen eine Krafft und Heylung der feindlichen Eſſentz in
den lebendigen Cörpern gibts davon der Arst entflanden/wels
eher die Tugend fuchet/und erkennen lernet / damit er der wider»
werfigen Elſentz im Eörper entgegnet / welches doch auch meter
Lau und einFüncklein davon iſt: So ernicht mag die wilde
Grobheit aus der finftern Welt Eigenfchafft von che von feiner
Cur fiheiden.
9. Denn fo die gefangene Eſſentz von der hirülifchen Welt
Eigenfhafft mag vom Fluche und Grimm der Natur erlöfet
werden/fo ſtehet Heinder Temperang ; und fo fie alßdenn inein
lebendig Corpus komt / fo erwecket fie auch das verfchloffene Le⸗
ben vonder him̃liſchen Welt⸗Weſen; wo daffelbe aber auch im
Coͤrper lieget / und vertreibet den Grimm /davon die Kranckheit
gerbricht/und die Eſſentz indie Temperang eingeht.
10. Daß deme gewiß alſo ſey / fehen wir an Adam und Era /
als der Grimm der Effeng in ihnen auffwachte / und das Fiardie
thierifche Eigenfchafften impreffete und in der Eſſentz formte;
als ſolches die Seele erfante / als das Bilde GOttes / fo ſchaͤmete
fie fich der thieriſchen Ungeftalt / daß fie in einem thieriſchen Geo
fape war/als in einem andern Principio.
zz. Denn das Auffere Theilder Seelen / als der Lufft⸗Geiſt
mitfeinem Geftirne wachte auf / und Friegete Das Regiment ;
wie denn für Augen iſt / dag bey dem meiſtentheil der Menſchen
das auffere Theil der Seelen / das Regiment über den gansen
geib führer / wie der thierifche a nur nach Wolluſt diefer
4 Welt
a
128 Bon der Impreflion nũ Urſtand ꝛc. Cap. 21
Welt trachtet / als nach aͤuſſerlichen Ehren / Macht und Schoͤn⸗
heit / nach Freſſen und Sauffen in das Thier; und alſo mit dem
Thiere ſtoltziret als mit einem GOtt / und da es doch nur ein zer⸗
brechliches boͤſes Thier iſt / in welchem der rechte Menſch ohne
Leben verſchloſſen lieget.
12. Auch fo ſoll dieſes grobe Thier GOttes Reich nicht beſitzen /
und iſt kein Nutze / Joh.6/ fondern der verborgene Menſch / der
in dieſem Thiere verſchloſſen lieget / wie das Gold im groben
Steine / welchem das grobe Thier faſt keine Ehre thut / ohne daß
es demſelben ein wenig heuchelt und ihn troͤſtet / ſich aber als cin
ſtoltzer Pfau an deffen ſtatt erheber/umd fein Thier wohl ſchmuͤk⸗
tet und mäftet/ dag der Teuffelein Reuth⸗Pferd hat / Damit er
EDttes ſpottet; und reuthet damit in der Eitelfeit im Neiche
GOttes Zornes / als auff einer falfihen Huren / welche in eigner
Gewalt und Wit begehret zu leben.
13. Denneinfolches hat der Schlangen Lift in Eva erwecket /
in ihrer auffgewachten thierifchen Monftrofifchen Eigenfhafft /
daß nun faft ein jeder Menſch ein Thier im Leibe träget/ welches
Die arme gefangene Secle befihweret ; davon fe fich auch Mona
ſtroſtſch macht /und an dem Thiere vergaffet/und fich in eine folche
thierifche Figur sinführet/melche/fo lange fie dig Bild und Figur
in ihr hat/das Reich GOttes nicht ſchauen oder fühlen mag: Sie
mug wicder in Engels-Form tranfmutiret werden / oder ihr ift
fein Rath : Darumb faget Chriftus: Es fey denn dag ihr neu⸗
gebohren werdet / anderft foltihr das Reich GOttes nicht fehen.
14. Der verfchloffene Leib des himmliſchen Theils mug im
Waſſer des Himmels / als im reinen Element- WRaffer in der
Natrice des Waffers / und im Beifte Ehrifti aus hiunmlifcher
Eſſentz / wiedergebohren werden / dag das heilige Theil der See⸗
len von der Engliſchen Welt wieder lebendig werde / undin feis
nem verblichenen und wiedergebohrnen Leibe in Göttlicher him̃⸗
fifcher Effeng lebe und würde ; und ihre Speife alldar innen von
Göttlicher Krafft vom andern Principio empfahe / ſonſt iſt das
Bilde / das EHDtt in Adam ſchuff / des Reichs GOttes nicht fähig /
kans auch auſſer deme nicht beſitzen. Es hilfft kein gleiſſen /
heucheln / kitzein noch troͤſten / es muß gebohren oder verlohren
ſeyn / denn der Perlen⸗baum iſt in Adam und Evaverdorret;
er mug wieder Göttliche Eſſentz bekommen und dem Thiere abs
ſterben / oder mag nicht grünen und Frucht tragen / davon die
Seele iffet.
25, Als nun Adam und Eva inder thieriſchen RER
auff⸗
Pa
Cap.ꝛ 2. Dom Urſtand ð wuͤrckl. Suͤndẽ rtc. 129
auffgewacht waren / ſo ſtundt das Thier allda nackend und bloß /
denn zuvor hatte das Himmels-Bilde den aͤuſſern Menſchen
gantz durchdrungen und bekleidet mit Goͤttlicher Krafft / denn das
Thier war zuvorhin nicht offenbahr; dieſelbe Eigenſchafft lag
in der Temperantz verborgen / gleich wie auſſer der Creatur auch
iſt: Als aber jetzt das Bilde aus der himmliſchen Eſſentz ver⸗
blich / ſo ward das Thier / als die thieriſche Eigenfihafft/offenbahr;
ſo ſtundt nun die arme Seele aus dem erſten Principio allda mit
Diefem Thiere umgeben / gang nackend und bloß.
16. Waͤre aber das Thier im Anfange des Menſchen offen⸗
bahr geweſen / ſo haͤtte es auch ſein Kleid aus ſeiner Eſſentz mit⸗
gebracht / wie andere Thiere: Aber der Menſch war nicht in das
thieriſche Leben geſchaffen / und ob es GOTT wohl erkante dag
es alſo gehen wuͤrde / zu welchem Ende er ihm dan mancherley
Thiere zu ſeiner Speiſe und Kleidung geſchaffen / ſo hat er den
Menſchen dennoch in das wahre Bild GOttes aus himmliſcher
Eſſentz geſchaffen / auff daß er daßelbe Bilde ſo es fiele / moͤchte
wieder in ſeinen Starum bringen / durch eine neue Bewegung und
Wiedergebuhrt / wie in Chriſto geſchehen iſt.
17. Unſer ſchreiben langet alleine dahin / zu forſchen das Bilde
GoOttes / wie das erſchaffen / und wie es verdorben / und wie es
wieder ſoll in feinen erften Statum kommen / die neue Wiederge⸗
buhrt aus Chriſto recht zuverſtehen / und den innern und aͤuſſern
Menſchen zu erkennen / was der ſterbliche und der unſterbliche
ſey / und wie er ſterblich worden: auch wie ihme zu tuhn ſey / dag
er wieder in feinen erſten Statum komme.
Das 22. Capittel.
Vom Urſtand der wuͤrcklichen Suͤnden / und vonder
Erweckung GOttes Zornes in Menſchlicher
Eigenſchafft.
1. Je Schrifft ſaget GOTT habe alle Dinge durch
ſein Wort gemacht / und ohne daſſelbe iſt nichts
gemacht was gemiacht iſt: Joh.ı. Auß ſeinem
ausgeſprochenen Worte (welches im Verbo Fiat
weſentlich ward) ſind alle Dinge in Formungen
gegangen: Erſtlich in ein Ens oder Begierde einer Eigenfchatft/
und aus derſelben Eigenſchafft in Comꝑaction des Sulphu-
$ IS,
130 Vom Arſtand der wuͤrcklichen Eap.zz.
ris, 'MercurünmdSalis , alsin cine geformte Natur / und aus
demſelben Ente inder geforniten Natur/ wird das Wort ein
Ereatürliches Leben / und führet Jich aus der Compaction des
Sulphurs / Mercuriiund Salges ausdem Eörper aus/ das ift/
es offenbahret fich im lautbaren Weſen / zu welchen Ende GOtt
Die Natur und Ereatur gefchaffen hat.
2. Alfo hat eine jede Ereatur ein Centrum zu feinem Aus⸗
fprechen oder Halldes geformten Worts in fich / beydes die ewi⸗
gen und zeitlichen; dieunvernünfftigen fo wohlals der Menfch :
Demdas erfte Ensift auf GOttes Halle durch die Weißheit
auf dem Centro ‚zum Fewer und Liechte außgefprochen worden/
und ins Fiat gefaffet/und in ein Compadtion eingangen.
3. Daffelbe Ensift auf dem Ewigen / aber die Compadtion
der vier Elementen iftaugder Zeit: Alfo lieget in jedem Dinge
ein Ewigesin der Zeit verborgen / es ſey in den lebhafften oder
unlebhafften / in Elementen und Ereaturen / inwachfenden und
ſtillſtehenden: In jedem iſt das erfte Ens daraus die Form der
Compadtion (welche aus der Zeit ift entftanden ) als ein ewiges
aus dem ewig-fprehenden Worte/ durc die Weißheit ausper
Beiftlichen Welt Weſen in eine Zeit geſprochen / als in ein ge⸗
ſormt Weſen / nach dem geiſtlichen Ente, welches Ens von keinem
Element von nichts mag zerbrochen werden.
4. Und obwohl die Elementiſche Compaction des Coͤrpers
(welchen das Ens an ſich gezogen / Das iſt / aus ſich ausgehauchet /
als einen aͤuſſerlichen Grad ) vergehet und zu nichts soird / (dam
es hat zeitlichen Anfang / ) fo kan doch das erſte Ens nicht vergehen:
Wie man dan ſiehet daß alle Dinge wieder in ihre Mutter ein⸗
gehen / daraus ſte ſind entſtanden und ausgangen / als in die vier
Elemente. |
5. In folcher Betrachtung finden wir den wahren Grund
ver Suͤnden Urftand : Alldieweil dem Menfchen-Bilde (in
fein Ens) ift das lebendige] Fräfftige / verſtaͤndige redende Wort
aus allen drey Prineipien zum Verſtande eingeblafen werden)
daß er die Eigenfchafften der Compaction des Sulphuris / Mer⸗
euris und Saltzes folte und onte regiren / fohatervenfelben
Verſtand / als das ſpreche nde Krufftige Wort wieder in die Com-
pactlon der Zeit (als ih den irdiſchen Limum) eingefuͤhret:
Allda denn das Fiarder Zeit im Corpus auffgewacht / und der
Verſtand / als den eingeblafenen Hallin fich gefangen genom⸗
men / und fich zum Herrn uͤber den Verſtand gefeket hat.
6. Alſo ſehen wir nun jetzt mit großem Jammer / wie eb
gehet /
——
Eap.22. Suͤnden uũ von der Erweck: etc. 137:
gehet / daß / fo wir wollen reden / (und ob ſich gleich das verftändige
Wort iminnern Ente faffet und wil die Wahrheit offerbahren/)
wie cs alfobalde die auffgewachte Eitelkeit im irzdifehen Limo
des Cörpers fähet / und in feine Eigenfehafft qualificiret: Daß
alfo das Wort des Menſchlichen Verſtandes / Lügen, Boß heit /
Falſchheit und Misfindige Seichtfertigkeit aus ſich aushallet =
In welchem Halkfich des Teuffels Begierde einmiſchet / und zu
einer Subſtantz der Sünden machet / welche das Reich GOttes
Zornes faͤhet.
7. Deñ in welcher Eigenſchafft ſich ein jedes Wort im Menſch⸗
lichen Halle / im Ausſprechen formet und offenbahret / entweder
in GOttes Liebe / als im heiligen Ente, oder in GOttes Zorn⸗
Ente, von demſelben wirds hingegen wenns ausgeſprochen wird /
eingenommen: Das falſche Wort aus falſchem Ens, wird vom
Teuffel inficiret, und zum Verderben verſtegelt / auch ins Myſte-
rium des Zornes / als in der finſtern Welt Eigenſchafft einge⸗
nommen. Ein jedes Ding woraus es urſtaͤndet / darein gehet es
auch mit ſeinem Ente.
8. Weil dan das redende Worteine Goͤttliche Offenbahrung
iſt / damit das ewige Wort GOttes ſich hat geoffenbahret / uñ das⸗
ſelbe redende Wort hat in dẽ Menſchen eingeblaſen / ſo iſt uns jetzt
zu entſinnen / was der Menſch mit dieſem redenden Worte offen⸗
bahre: Das verſtehet alſo; faſſet die Menſchliche Luſt und Be⸗
gierde (welche das Fiar oder Schoͤpffen des menſchlichen Worte
ft ) die Forin des Worts im heiligen Ente, als im himmliſchen
Theil der Menſchheit / fohallet das Wort aus heiliger Krafft /
und redet der Mund die Wahrheit.
9. Wo aber aus der Eitelkeit aus der Schlangen Liſt / welche
Eva in ſich impreſſete / und ihre Klugheit damit erweckte / ſo hal⸗
let das Wort aus dem Ente der finſtern Welt / als aus dem Cen-
tro zum Feuer⸗worte / und dahinein gehet es auch in feinem Ente
wans aus der Form ausgehet / als aus dem Munde; und wo es
nun hingehet / da wuͤrcket es Frucht.
10. Gehet es in einen andern Menſchen / in deme der Hunger
der Liſt und Eitelkeit in Begierde offen ſtehet / in ſein Gehaͤuſe des
Thones oder Gehoͤrs / ſo wirds alſo balde / als in einen fruchtbah⸗
ren Acker / eingenommen: bekleibet und traͤget ſolche boͤſe Frucht
daraus auch ſolche ſcharffe Worte und ſtachlichte Dornen des
Teuffels in Teufliſcher Eſſentz ausgebruͤttet werden.
xx. Gehets aber leer aus / mur in falſcher Imagination, fo
ſteigets in Willen des Gemuͤhtes / 7 * ſich iin re
2 —
132 Vom Urſtand dertofckfichen Cap.2 1’
eine Subſtantz zur cinem Sitze des Teuffels Begierde / zufeinem
Raub⸗ſchloß / das er im Menfchen hat.
ı2. Iſts aber das das falfche Wort gegen einem heiligen
Menſchen in Schimac und Laͤſterung ausgehet / und es der Hei⸗
lige in ſich nicht wil einlaſſen / und ſich in boͤſen Theil der Eigen⸗
ſchafft mit einem dergleichen boͤſen Worte erwecken; ſo niumts
GHttes Grim̃ an auſſer dem Menſchen / und wird damit maͤchtig
entzuͤndet / und nicht allein das innere Eus GOttes Zornes nach
der Geiſtlichen finſtern Welt Eigenſchafft / ſondern es wird auch
das aͤuſſere Eas des Grimmes in Turba magna damit angezuͤn⸗
det; und ſchwebet dem gottloſen Menſchen auf ſeinem Kopfe /
und rings um ihn her / und wird damit gefaffet/gleich alsfäffe er
im höllifchen Fewer.
13. Davon fagete Ehriffus das / wenn uns der Gottloſe fluch⸗
te / ſo ſolten wir ihn ſeegnen / das iſt das Wort der Liebe gegen ſei⸗
nem feuriſchen Worte / gegen⸗hallen / und ſein Wort der Boßheit
nicht in uns einlaſſen / daß es wurtzle; ſo faͤhret es zu ruͤcke / und
faͤhet den gottloſen Laͤſterer ſelber / denn Chriſtus ſaget: Wir
ſamlen ihnen feurige Kohlen auff ihre Haͤubter.
14. Denn ein jedes Menſchliches Wort gehet aus einem
Ewigen / entweder aus dem Ente GOttes Liebe / oder aus dem
Ente GOttes Zornes; und fo es nun aus dem Ente ausgefuͤhret
wird / als aus ſeiner eigenen Stätte oder Mutter / ſo wil es wieder
eine Staͤtte ſeiner Ruͤhe haben / darinnen es wuͤrcke.
15. Mag es nun auſſer dem gottloſen Menſchen (der es er—
wecket / und aus feinem Ente gebiehret / und in einen Hall oder
halliſche Subftank einfuͤhret) nicht in einer Gleichheit fahen / ru⸗
hen und wuͤrcken; ſo empfaͤhet oder uͤmfaͤhet es ſeinen Aushaller /
Der cs hat in eine Subftang gebracht / und gehet mit ſeiner Wurtzel
wieder in ſeine Mutter / daraus es iſt entſtanden / als mit dem
entzuͤndeten Geiſte / und mit der vubſtantz (als im gefaſten We⸗
ſen) umfaͤhet es des Aushallers Corpus, als die aͤuſſere Eſſentz
des aͤuſſern Sulphurs,
16. Denn ein jedes Wort / wenn es ausgeſprochen iſt / fo
iſts aͤuſſerlich gemacht worden / denn im Ausſprechen nimts der
aͤuſſere Geiſt / als das aͤuſſere Theil der Seelen mit zu feinem
Weſen: Alfo gehets auch hernach / wenn ſichs im Grinune hat
angezündet / und wenns vom Zeuffel im Ausfprechen der
Schlangen gift ift inficiret worden/ wieder in das Monftrofifche
Bilde / in Leib und Seel ein; und wuͤrcket nach feiner entzuͤnde⸗
ten vom Teuffel infichten Eigenſchafft / und bringet mu En
olcher
N)
ap. 22. Suͤnden / uũ von der Erweck: ic. 137
folcher böfer Früchte und Worte: wie denn für Augen/ dag
aus manchem gottlofen Munde nichts als Eitelkeit ausgehet. -
17. Hinwieder ift uns auch ein groffes zu bedencken wegen
der Schlangen Lift / daß / fo der Teuffeldas Wort (wenn es
im Hergengebohrenift/ undin feinem Ente gefaffet / und daß
es der Wille hat eingenommen / und zur Subftan gemacht )
hatinficiretz fo hältes derfelbe Schlangen=$ift in des Teuffels
Raub⸗ſchloſſe / als ein fein geſchmuͤcktes Käslein / wie Pie
Schlange am Baume ligende mit Eva freundlich fprache / biß
fie die Eönte in der Begierde fahen : Alfo tuht auch das falfche /
liſtige gefafte Schlangen Wort / das gehet aus dem falfchen
Hertzen / alseinlichliches/ wolhredendes Thierlein / und heiffee
fich heilig big es eine offene Menfchkiche Begierde erblicket/ die
es gerne zu feinen Ohren einnimt ; da entblöffet fichs / und führet
in diefelbe Begierde ein/ und machet ihme eine Stätte zu feinem
Wuͤrcken und WWirdergebähren.
18. Davon kommen nun die falſche heimliche Verleumder /
Ubeldeuter / Verkehrer / heimliche Luͤgner / die forne ſchoͤne /
und hinden eine Schlang ſind / die Ehren-abſchneider / Meu⸗
chelmoͤrder; und im dieſer falſchen glatten wolgeſchmuͤckten
Schlangen-Eigenſchaft iſt des Teufels Rahthaus / feine Schu⸗
le / da er der Even Kinder feine Kunſt lehret / als Gauckeley/
Narrerey / Hoffart / Geitz / Neyd/ Zorn und alle Untugen⸗
den aus dem Abgrunde der finſtern Welt Eigenſchaft.
19. Alſo tegiret der Teuffel den Menſchen(durch der Schlan⸗
gen liſtige Eſſentz) in Leib und Seele / und würdet Greuel mit
Greuel / Boͤſe mit Boͤſem / Sünden mit Suͤnden: Und das
iſt der erſte Urſtand der wuͤrcklichen Suͤnden / daß Eva und
Adam der Schlangen liſtige Eſſentz (welche der Teuffel hatte
infeiret) in ſich / in ihre Begierde einfuͤhreten / und ſich alſo⸗
balde an der Schlangen monſtroſiſch machten / davon in ihnen
der finſtern Welt Eſſentz auffwachete / daß / alſo balde das ge⸗
ſchahe / fo ſchoͤpffete der Will in dieſe monftrofifche Eigen⸗
ſchafft / und faſſete ſich in ein ſubſtantialiſches Wort.
20. Alſo ward das Wort im Menſchen in GOttes Zornes
Eigenſchafft / als in der finſtern Welt Ente auch offenbar;
und alfo redet nunder Menfch Lügenund Wahrheit / denn es
find zweyerley Ens in ihme / als eines ausder finftern Welt mit
der Schlangen und Teuffels Begierde erwecket; und einesaus
dein hinunlifchen Limo ; welches num im Menfchen beweglich
iſt / darinnen faſſet der freye Wille das Wort / das iſt / daraus
57 gebaͤhret
134 Vom ſtand der wuͤrcklichen Cap. 22
gedaͤhret er eine Frucht aus Goͤttlichem ausgefprochenen und ge⸗
formten Worte / die wird wieder von der Gleichheit ein ngenom⸗
men: entweder in Himmel oder Hoͤlle / das iſt in der Finſter⸗
nuͤß oder Liecht.
21. Dan die zwey Welten find in einander als eine: der
Gottlofe former und machet GOtt ein gutes Wort in feinem
Grimme zum Tode) als zum Stacheldes Todes und der Höllen/
und der Heilige former und machet GOtt aus feinem guten Ente
ein gutes Wort zum heiligen Leben / uñ wuͤrcken / wie die Schrifft
klar faget:Der Heilige iſt Gott ein guter Geruch zum Leben / und
ter Gottloſe ein guter Geruch zum Tode / als zur finftern Welt.
22. Ein jeder Menſch iſt nun ein Schöpfer feiner Worte /
Kraͤffte und Weſens / was er aus feinem freyen Willen machet
ad fchöpffet/ das wird alsein Werck des geoffenbahrten Worts
in jede Eigenſchafft i indie Gleichheit eingenoumen.
23. Denn inder finftern Welt ift auch Gottes Wort / aber
nach ihrer Eigenfhafft / offenbahr/ wie die Schrift faget:
Welch ein Volck esift / einen folhen GOtt hat es auch: GOt⸗
tes Wort ift in allen Dingen offenbahr / in jedem Dinge nad
feinem Ente, daraus der freye Wille außgehet: Der freye
Wille ift der Schöpffer oder Macher / damit die Ereatur im
geoffenbahrten Worte machet.
24. Es ift kein Kraut noch ander Ding was man nur nennen
moͤchte / darinnennichtein Ens aus dem geoffenbahrten Worte
liege / beydes ein Ens nad) Gottes Liebe und Zorn / nach der
finftern-und Liecht⸗welt: Denn diefe fihtbagre Welt ift aus
demſelben Worte ausgehaucht worden: Nun hat ein jedes Ens
des ausgehauchten Wortes aus ſeinem Ente wieder einen frepen
Willen aus ſich zu hauchen ein Gleichnuͤß nach ſich.
25. Das iſt aber nun das groͤſte Ubel / daß das Ens in ſeinem
Oentro iſt aus der Gleichheit der Eigenſchhafft gegangen in eine
Erhebung / als aus einem einigen Ente in viel Entia, in viel
Eigenſchafften / daran der Teuffel als ein Hietarcha des Loci
dieſer Welt / ſo wohl der Fluch Gottes über die Erden ſchuld iſt
welchen Fluch der Menſch erweckete.
26. Denn jetzt traͤget ſich nun ein boͤſes Ens aus der erweckten
Eigenſchafft in ein gut Gefaͤſſe ein / und verderbet das Beſaͤſſe /
daraus der freye Wille ſoll aus guter Eigenſchafft ſchoͤpffen / ſo
miſchet ſich das Boͤſe ins Gute / und gehet mit einander wieder
im geformten Norte ineinSubftang ein/ als ein boͤſer Menſch
erweckt offt in einem Guten / der es nie hat zuvor in Willen ges
faſſet / ein boͤſe Wort und Werck. 27. Dan
ie a
irn = ul m. ©
Cap. 22. Suͤnden / uũ von der Erweck: 1. 135
27. Dan der Zorn ift im Menfchlichen Ente räge worden /
und hanget amguten Entean/ undder Willeder Feuer⸗ſeelen
iſt frey / er ſchoͤpffet fo bald in Zorn-Ente als im Siebe-Ente; auch
ift in manchem der Siebe Ens gan unmächtig und gleich wie todt
oder erlafchen/ der würdet nur aus ver Schlangen Liſtigkeit
Frucht in Gottes Zorn: Und ob fein Mund gleich inder Schlans
gen Liſt / im Schein des heiligen Worts heuchelt / und fich als
ein Engel darſtellet / fo ifts doch nur der Fiftigen Schlangen
Ens und Form im Liechteder irrdiſchen Natur / und betreuget
fich der Menſch felber.
28. Darum faget Chriftus: Es ſey denn daß ihr umkehret
und werdetalsdie Kinder / fonft koͤnnet ihr GOttes Reich nicht
ſehen: Derfreye Wille muß gang ausder Schlangen Ens aus⸗
gehen / und wiederin fein himlifches Ens das in Adam verbliche 4
im Geift Ehrifti eingehen; und daffelbe Ens in feinem Hunger
der Begierde wieder erwecken / dag er im neuen erbohrnen
Worte / in der Menſchheit Ehrifti (welches fich in Menfch>
licher Eigenfchafft in ver Perfon Chriſti / in ver groffen Siches
eigenfchafft erweckete) auch wieder erweckt und in cin lebendi⸗
ges Ens gebohren werde; da dan der freye Wille cin neues une
verſtaͤndiges Kind wird / und der Schlangen Liſt nicht mehr will
noch einlaͤſſet / anderft fan der freye Wille nicht Gottes heilige®
Wort in fich formen undoffenbahren: ver freye Willemug nur
aus einem guten Ente fehöpffen/ wil cr im heiligen Worte
würden und leben.
29. Daß wir aber von der Schlangen Lift fchreiben/ von
ihrer geſchmuͤckten Kunft undfalfchen Tugend / fo verſtehet un:
fern fehr fiharffen und eröffneten Sinn aus GOttes
Raht alfo: Der Schlangen Ens und Urftand ift eine him⸗
liſche Jungftau der hiälifchen Pomp gewefen / eine Königinne
der Himmel und Fürftinder Weſen GOttes / gefaffetim Fiat
der Goͤttlichen Begierde / durchs Feuer im sieht: Inmaſſen
der Bierarcha $ucifer dergleichen war / und inder Schlangen
Ens ſaß Fürft $ucifer in himmliſcher Pomp / der hat das Ens
Daraus Die Schlange erfchaffen ward / infieiret / und der fin,
fern Welt Eigenfchafft darinnen erwecket; (alsdas Centrum
der ewigen Natur / daraus Boͤſes und Gutes urſtaͤndet.) Da
fih aber das Gute im Feuer ins Liecht fcheidete / und das Böfe
indie Sinfternüß/ foift der Schlangen Ens, welches guf war /
mit der Finftern inficiret/ erfüllst und befeffen worden / und
dannenher komt ihr der Liſt. 30. Denn
136 Vom Urſtand ver wuͤrcklichen Cap.22
30. Denn eine ſolcheLiſt begehrete eben der Teuffel / welche ihn
in dem ewig-fprechenden Worte auch in einer ſolchen Eigen⸗
ſchafft fieng/und darein zur Ewigfeit beffätigte: Dann es iſt in
Gott auch Wunder / wie aus einem Guten möge ein Boͤſes wer⸗
den / auff daß das Gute erkant und offenbahr werde; und ſich die
Creatur lerne vor Gott fuͤrchten / und dem Geiſte GOttes ſtille
halten / daß er allein im ewig⸗ſprechenden Worte erwecke / und
durch die Creatur mache und thue was er wolle.
31. Und zu dem Ende ift Sucifer im Grimme verfchlungen
worden / dieweil ſein freyer Wille aus der Gelaſſenheit von GOt⸗
tes Geiſt abwich ins Centrum zum Eigenmacher und Schoͤpffer /
daß die Engel einen Spiegel haͤtten an dieſem abgefallenen Fuͤr⸗
ſten und großmaͤchtigen Hierarchen : denn das Reich GOktes /
das GOttes Reich genannt wird / ſtehet in der hoͤchſten Demuth
und Liebe / und garnicht in grimmer Feuers⸗-Macht / ſondern in
Liecht-Feuers-Macht / als in Krafft.
32. Des Teuffels Reich aber darnach er ſich ſaͤhnete / ſtund in
der grimmen Feuers⸗Macht / aber dieſelbe ward ihme in ſeinem
Loco im Weſen genommen / und ward er außgeſpeyet in den ewi⸗
gen Hunger der Finſternuͤß.
33. Daß er aber das Ens der Schlangen (welche alſo liſtig
ar ) hatte inficiret und befeffen / fichet man an ihrem Cörper }
welches nur ein duͤrrer / hungriger Balg iſt / und Jich im Schwan⸗
tze mit Gifft fuͤhlet: In welcher Eigenſchafft die groſſe Liſt ent⸗
ſtehet / und darumb traͤget die Schlange den Giſſt im Schwantze /
welcher balde mag abgeſtreiffet werden / daß ihr derſelbe iſt im
Anfange in das Jungfraͤuliche Ens eingefuͤhret worden.
34. Denn die Schlange iſt darumb eine Jungſrau genannt /
nach der Ewigkeit Recht / daß ſie beyde Tincturen hat / welches
ſonſt in keinem Geſchlecht der Irrdiſchen iſt / aber ietzo im Fluche
Gottes: Jedoch wuftees der Kuͤnſtler was ihr Perlein iſt / er
ſolte ſich deſſen erfreuen:: Jedoch wegen der Welt falſchen Be⸗
gierde die nur die falfche Magiam ſuchet / iſts verborgen blieben;
Such umb deßwillen / daß der Gottloſe feine Straffe trage.
35. Denn das Perlein der gantzen Welt wird mit Fuͤſſen ger
tretien / und iſt nichts gemeiners als daſſelbe / und iſt Doch verbor⸗
gen / auff daß das Heilige nicht in ein gottloſes Ens eingefuͤhret
werde / das es nicht werth iſt; und GOttes Krafft und Wort da⸗
durch in die Jungfraͤuliche Eſſentz in eine Schlangiſche einge⸗
fuͤhret werde / wie bey der Schlangen zu verſtehen iſt / den unſern
alhie genug verſtanden.
36. Al⸗
Cap.22. Suͤnden / uũ von der Erweck:rtc. 137
36. Alſo verſtehen wir gründlich den Urſtand der Suͤnden⸗
Gebuhrt / wie die Suͤnd im menſchlichen Worte gebohren und
eroͤffnet werde; und wie GOtt in ſeinem außgeſprochenen Wor⸗
te / im menſchlichen Wiederaußſprechen erzuͤrnet werde:: Denn
der Menſch traͤget das Wort das Himmel und Erden geſchaffen
hat in feinem Ente, denn daſſelbe Wort iſt zur Subflang worden.
37. Nun hat GOtt vom Menſchen die lebendige Seele / als
den Urftand aus allen drey Principiis , als cin Geift des geform⸗
ten Worts in fein Ens, als ins geformte compactirte Wort eine
geblagen / derſelbe Urſtand hat nun wieder Machtin dem Ente,
alsindem geformten compaktirten Worte zu ſchoͤpffen / und wie⸗
der einen formlichen Hall zu gebähren.
38. Weilaber in Adam und Heva ift der Schlangen Liſt / als
des Teuffels eingeführte Begierde in ihrem Ente, als in ihrem
eompadirten und geformten Worte offenbahr worden: Sp
fchöpffet num ĩetzt der freye Wille aus derfelbenSchlangenEffeng
eitel Nattern / Gifft und Tod / und formt fein Wort darinnen / es
ſey denn daß des Weibes heiliges Ens oder Saame ſey wieder in
der neu⸗gebohrnen Liebe GOttes in —* auffgewecket / ſo mag
der freye Wille in demſelben heiligen Ens ſchoͤpffen / und der
Schlangen und Teuffels Ens im Zorne GOttes den Kopff zer»
tretten / das ift ven böfen Willen der fich immer aus der Schlan⸗
gen Ente mit indie Formung der Worte faſſet / verwerffen / an⸗
pfuyen und im Willen der Gedanden mit des Weibes / ale
Chriſti Ente ‚zerfretten / und für Zenffels-Dred und Erde hal>
ten ; welchesin den Kindern GOttes ein ftätiges Streiten zwi⸗
fihen der Schlangen Ens im Fleifche / und dann zwifchen dem
swirdergebohrnen Ens des him̃liſchen Theis ift.
39. Alſo wiffet dig : Aller Gedande der R im Willen for⸗
met / daß der Menfch in eine Sügen / oder was anders das falſch
iſt / williget / oder fo tich fein Wille in etwas unrechts fhörffit /
und das Gefchöpffe in die Begierde einführet/dag es der Menfch
gerne wolte thun / oder im falfchen böfen geformten Worte auß⸗
ſprechen /fo er nur könte/ und es Furcht oder Schanden halber
mug bleiben laſſen / das ift alles Sünde / dann der Wille hat fich
inder Schlangen Ens geformer.
40. Aber dicfes/fo fich ein guter Wille im guten Ens ſchoͤpffet /
und aberdichöfeBegierde mitanhanget/und wildas vergifften /
fo der gute gefchöpffte Wille das Böfe überwindet / und ron ſich
außſtoͤſſet Daß das Böfe nicht mag in die Compadion oder Sub-
fang gefaffet werden / fo iſts keine Suͤnde; und ob m ie böfe
Begier⸗
*
138 Vom Urſtand per wuͤrcklichen Gap.z2-
Begierde/welhe ander guten anhanget / Sünde ift: So es aber
ver gute Wille nicht mit in die Subftang einfaffet/ fondern als
ein Böfes aus den guten Willen wegwirfft/fo Fan die Suͤnden⸗
Begierde nicht ins Weſen eingehen / fo hat der gute Wille kein
Döfes hiermit gewuͤrcket / fo er nicht hat in der Schlangen Lift
eingewilliget.
41. Eine jede Sünde wird aus frembden Ens gebohren/fo der
freye Wille aus dem Eos außgehet / darein ihn EDtthat geſchaf⸗
fen : Die Suͤnde / fo im freyen Willen in falſcher Sucht ges
ſchoͤpffet / und im Ente des Willens ins Weſen gebracht wirdy
daß der Menfch gerne wolte unrecht thun / fo er nur Eönte darzu
kommen / iſt auch groß für GOtt: So fie aber in cin handthaͤtig
oder muͤndlich Weſen eingehet und Menſchen beleidiget / die iſt
doppelt / denn fie iſt in ihrem eigenen Ens geformet / und ſormet
fich auch in dehme / darein fe das falfche Wort einführer/ ſo *
das falſche Wort im Außſprechen eine Staͤtte der Ruhe findet
da es wuͤrcken kan.
42. Und darumb ſoll das heilige Wort das falſche richten / wie
auch am Ende dieſer Zeit wird das heilige Wort alle falſche Bil⸗
dung / alles das / was in der Schlangen Eus iſt gebildet worden!
von ſich außſtoſſen / und der finſtern Welt geben.
43. Ale die jenigen / welche das Wort in fich in ihrem Teuf⸗
fels-und Schlangen-Ens faffen/ und führen es gegen GOttes
Kinder/ in welchen das heilige Ens offenbahr ift/ und erwecken in.
den Kindern GOttes auch eine Argernüß / dag fich der freye
Wille in Ihnen auch inder Schlangen Ens fuffet / als im Zorne
und Widerwillen / da ſich denn allezeit das heilige Ens mitfaſſet /
und der Epfer-Geift gehet > Diefelbe falfche Anfänger und Ur⸗
facher fündigen alle wider den Heiligen Geiſt.
44. Denn fie entrüften ihn dag er muß durch den Zorn der
Kinder GoOttes gehen/ davon er fich ſchaͤrffet / und manchmahl in
der Turba der Kinder GOttes mit außgehet / und dem Gottloſen
über feinen Hals komt / wie beym Elia und Moſe zu ſehen iſt /
auch beym Elifzo , der den Knaben fluchte / dag fie die Baͤhren
zerriffen/ und beym Elia das Feuer die zwey Hauptmänner mit
ihren zo. verzehrete + Denn alfo gehet das Schwerd GOttes
durch der heiligen Kinder Mund / fo der heilige Geift enteyfert
wird ; ſo erwecket er Turbam Magna , welche Bas Schwerd über
ein Bottlofes Volck führer / und das aufffriffer.
45. Alfo verftchets doch mr genug: Der Menſch hat GOt⸗
8 Wort in ſich / das ihn hat gefchaffen / verſtehet das Wort *
ĩ
Cap.z2. Suͤmden / uũ von der Erweck: rtc. 139
fich mit dem Schaffen eingefaſſet und geformet / beydes in ſeiner
Heiligkeit / und auch im Zorne / und auch aus der aͤuſſern Welt;
dann der Limus der Erden oder die Erde ſelber iſt durchs Wort
gefaſſet und compactiret worden: Sie iſt das geformte Wort
das in Goͤttlicher Begierde / als im kiat feinen Anfang genom⸗
men / ein außgehauchter Brodem vom Geiſte GOttes aus Liebe
und Zorn: Darumb iſt fie Boͤſe und Gut / aber das Boͤſe war
verborgen und im Liechte als gantz verſchlungen / wie der Tag
die Nacht.
46. Aber die Suͤnden-Begierde im Lucifer und Adam hat
ben Zorn erwecket / daß er ift wefentlich offenbahr worden: Nur
iſt Die Porten des geformten Wortes / beydes in der Liebe und
Zorn / in der Erden / td auch im Limo der Erden / als im Men—⸗
ſchen ofſenbahr / fo wohl auch im freyen Willen des Menſchen;
was er nun ietzt in ſeinem freyen Willen former und faſſet / das
hat er gemachet / es ſey Gut oder Boͤſe.
47. Nun ſoll aber das Boͤſe in GOttes Gerichte vom Guten
geſchieden werden / und in welchem Theil der menſchliche Ver⸗
fand (als die Seele) wird gefunden werden / dahin inuß ſte mit
eingehen / als in ihr ſelber gemachtes Wohnhaus: Und darumb
ſaget Chriſtus: Ihre Werde folgen ihnen nach / und ſollen
durchs Feuer bewaͤhret werden. Item: Sie ſollen am Ende weñ
die Buͤcher der Eſſentz werden auffgethan werden / nach ihren
Wercken gerichtet werden; Denn das Werck Boͤſe oder Gut
umbfähetdie Seele / fie gehe denn gaͤntzlich davon aus / und zer⸗
breche daſſelbe wieder durch Verſoͤhnung feines beleydigten Bru⸗
ders / und erſaͤuffe die Subſtantz im Blute und Tode Chriſti / an⸗
derſt iſt kein Rath.
48. Darumb ſoll der Menſch bedencken was er reden wil/
denn er redet aus dem geformten Ens Goͤttlicher Offenbahrung;
und ſoll ſich wohl beſtnnen / ehe er etwas im Willen faſſet zu thun /
und ja nicht in Splitter⸗reden einwilligen / oder die verjahen /
weder offentlich noch heimlich.
49. Denn alle Splitter⸗rede gehet aus der Schlangen Ente,
alle Fluchen / Schweren und Stachel-Reden gehen aus der
Schlangen Ente ; und. ob es gleich folte Schimpff ſeyn / fo hat
ſich Doc) der Schlangen Ens mit ans Gute angehenckt / und mit
den Worte compatiret : Darumb faget Ehriftus: Ihr follet
sticht ſchweren: Euer Rede foll Ja / Fa / Nein / Nein feyn/ was
daruber iſt / das iſt vom Übel das iſt /aus der Schlangen Eus
gebohren.
J so. Alle
140 Vom Urſtand der würclichen Cap ꝛ2.
50. Alle Flucher und Schwerer haben ihren freyen Willen /
als die arme Seele in die Eitelkeit der Schlangen Entis einge⸗
fuͤhret und formen ihre Schwuͤre und Fluͤche ſambt aller Uppi⸗
gen Rede / die da geſchicht in der Schlangen Ens, und ſaͤen in
GoOttes Zorn ein; dagegen formen alle Kinder GOttes / denen es
auch Ernſt iſt / ihre Worte imlheiligen Ente, ſonderlich das ta
bethe / wann ſich der freye Wille der Seelen im heiligen Ente,
welche durch Chriſti Menſchheit iſt eroͤffnet worden / faſſet / ſo
formet er das wahre weſentliche Wort GOttes in ſich ſelber / daß
es zur Subſtantz wird.
51. Darumb ſaget S. Paulus: Der Geiſt Gottes vertritt
uns maͤchtig vor GOtt / nach deme / wie es ihme gefaͤllet / denn der
Geiſt GOttes wird in der Begierde des heiligen Worts gefor—
met 2 Er wird gefaſſet; und daſſelbe Faſſen iſts das Chriſtus
ſaget: Er wolle uns ſein Fleiſch zur Speiſe geben / und ſein
Blut zum Trancke.
52. Der fecifche Wille faſſet Chriſti Ens, und in Chriſti
Ente ift das Wort Ehriftidas Menſch ward/das faſſet der See⸗
fen Begierde oder Fiat in feinen/ in Adams verblichenen heiligen
Ens ein; und alhie ſtehet Adam in Chriſto auff / und wird Chri⸗
ſtus nach dem himliſchen Ente und Göttlihen Worte / und aus
* Pi Chriſti gehet Göttliche Erkaͤntnuͤß aus dein Wort
ttes.
53. Alſo find die Kinder GOttes / Tempel des heiligen Geiſtes
der in ihnen wohnet / und alſo reden fie GOttes Wort / und auſſer
dieſem iſt kein wahres Wiſſen noch Wollen / ſondern eitel Fabel
und Babel / eine Verwirrung der liſtigen Schlangen.
54. Darumb hieß Chriſtus die Phariſeer Nattern⸗Gezuͤch⸗
te und Schlangen-Gerede : Und ob fie ſchon die Hohenprieſter
waren / dann er kante fie in ihrer Eſſentz / daß ſie ihren Willen
hatten in der Schlangen Ente geformet: In ihrem Munde
führeten fie Moyſts Worte / und darein mifcheten fie der Schlane
gen Ens: Wie noch heutiges Tages von vielen gefchichet / da der
Menſchen⸗Teuffel GOttes Wort auff der Zungen führet / und
aber damit nur der Schlangen Ens verbirget / und das teufflifche
Ens mit im das buchitabifcehe Worteinführet / daraus Babeldie
Mutter aller Beiftlichen Hurerey erbohren ift/ ein eitel Wort⸗
zancken / da der Teuffel und Schlangen Ens wider das Göttliche
Ens im geformten Göttlichen Worte lauffet.
55. Aber alfo muß es gehen / auff dag das geformte und ges
faffete Wort in GOttes Kindern gefehärffet und geuͤbet
ul
Sap.22. Suͤnden / uũ von der Erweck: etc. 14:-
und die Wahrheit empor ſteiget. Lieben Bruͤder: Ein ſolches
haben uns Adam und Eva angeerbet / und das iſt die Urſache daß
der Leib ſterben und gang verweſen / und wieder in fein erſtes Ens
eingehen mug / dann der Schlangen Ens muß gan weg / es kan
GDLtes Reich nicht erben.
56. Das erfte Ens das im Limo der Erden/im Verbo Fiat co-
aguliret ward/das muß in Chrifti Geiſt gang verneuert werden?
wil es GOttes Reich beſitzen: Bleibet esaber im Schlangens
Ente gefangen / fo wird es ewig nicht mehr offenbahr werden ;
verfichet das heilige Ens das in Adam verblih / und in der
SchlangenEnte gefangen ward/dadurc der Tod ins Fleiſch kam.
57. Darumb ſoll ſich ein Menſch bedencken was er redet / ge⸗
dencket und thut / daß er nicht die Gedancken in der Schlangen
Ente ſchoͤpffe / und faſſe nicht einen Willen ins Gemuͤthe im
Schlangen-Ente; denn der Teuffel feßet fich fonft darein / und
bruͤttet einen Baftlifken aus/ als eine höllifche Form im Worte.
58. Denn aller Grim der fich im Menſchen faſſet zur Rache /
der urftändet erftlich in feinem Cenrro aus der finftern Welt
Natur und Eigenſchafft / alsin GOttes Zorne / und formet ich
ferner in der Schlangen Ente zur Subftang : Es fey ein Eyfer
wie er wolle/fo er fich in einen Grimm zur Selbft-Nache ein»
— I fpifter in der Schlangen Ente geformet / und iſt teuf⸗
ifch.
59. Und ob derſelbe Menfch gleich ein Prophet und Apoftel
wäre / und fich in Selbft- Rache im Grimme einführete/ fo ift
diefe Subllang aus dem Zorne GOttes in der Schlangen Ente
geformet / und gehet im Grimm GOttes; und eyfert darinnen
der Zorn GOttes / weicher ſich manchmahl in den heiligen Kins .
dern GOttes alſo erhebet und formet / daß die. Heiligen über ihren
fürgefegten Willen müffen dein Gottlofen die Turba über fein
Haus /auc) über Leib und Seele führen : Wie beym Mofe an
Chore, Datan, und Abiram ‚welche die Erde verfchlang /fo wohl
beym Elia im Feuer /der zwey Hauptleute über so. welche Das
Feuer frag/auch bey Elifzo und vielen Propheten zu fehen ift.
60. Und frefflich viel Exempel in den Gefchichten davon zu
finden: Wie offte GHttes Kinder haben müffen das Schwerd
der Turba in fich führen : Wie ein groß Erempel anSimfon,
auch beym Jofua mit dem Kriegen / fo wohl auch beym Abraham
zu fehen iſt / wie der Eyfer GOttes ſich in ihnen entzuͤndet / daß fie
in ihrem Epfer-Geifte / im Zorne GOttes / offte haben Turbam
Magnam erwecket / und groſſe Straffen und Plagen ——
Laͤnder
242 Dom Urſtand der wirdlichen Cap.2 2
Laͤnder erwecket: Wie Moyſes in Egypten mit den Plagen uͤber
die Egypter thaͤte.
61x Diefes muß man aber unterſcheiden / ob ſich der Eyfer
GOttes in einen heiligen Menſchen ohne feinen geſchoͤpfften
Willen erweckete/ und ihme das Schwerd GOttes Zornes gabe/
von denen / foinihren eigenen Gedancken im Grimme GOttes
ſchoͤpffen / und ven geſchoͤpfften Willen in der Schlangen Ente
einführen und zur zubſtantz machen/ das iſt Suͤnde / und obs der
Heiligſte thaͤte.
62. Darumb lehret uns Chriſtus in der neuen Gebuhrt ſo
trefflich die Liebe / Demuth und Sanfftmuth / und wolte daß ſich
ein Chriſt gar nicht raͤchen ſolte / auch nicht erzuͤrnen: Denn
er ſagte: Wer mit ſeinem Bruder zuͤrnet / der iſt des Gerichts
ſchuldige: Denn der Zorn iſt eine Faſſung in der Schlangen
Ente, der mug durch GOttes Gerichte abgefchnitten werden von
Dem guten Wefen : Und wer da zu feinem Bruder faget Racha /
der iſt des Raths fchuldig/denn die Begierde der Nacha/ urftanz
det im Centro des finftern feurigen Rades der ewigen Natur:
Darumb iſt in derFeuer-Seelen eine Forme des Feuer-Worts
eines Rades gebohren / gleich einer Unſtnnigkeit; und die feelifche
Feuer-Forme ſtehet in der Racha / als ein toll unſinnig Rad /
Das die Eſſentz im Leibe verwirret / und den Verſtand zerbricht /
dann eine jede Rache begehret GOttes Bildnüs zu zerbrechen:
Alfo hanget die Seele am Rade der ewigen Natur / als am Cen- »
tro der fchrecklichen Angſt-Gebuhrt / wie forne vom Centro der
Gebuhrt der Natur gemeldet.
63. Ferner ſaget Chriſtus: Wer zu ſeinem Bruder ſaget /
du Narr / der ſey des hoͤlliſchen Feuers ſchuldig: Das gefchicht
alſo / wenn ſich der gefaſſete Wille hat im Grimme GOttes Zor⸗
nes geſaſſet / und in der Schlangen Ens eingefuͤhret / fo ſtehet er
im unfinnigen Rade als toll; und ſo er ſich num faſſet und das
ort alfo formet / und in feinen Bruder wirfft oder fpricht/ und
zündet ibm auch einen Widerwillen aninder SchlangenEnte,
der brenner in feinem Wort-Augfprehen im Feuer GHttes
Zornes / und iſt deß ſchuldig / denn er hats in feiner Rache ange⸗
zuͤndet.
64. Darumb ſagte Chriſtus: Wenn dur wilſt deine Gabe
opffern / ſo verſoͤhne dich vonche mit deinen beleydigtenNächften/
denn er fuͤhret dir fonft feinen Grimm in dein Opffer / und hält
Dich in Deiner Begierde gegen GOtt auff / daß du nicht kanſt das
heilige Ens erreichen / welches dir fonft Dis Turba abwaͤſchet in
deinementzuͤndeten Eid, 65. Denn
Fap.z2. Suͤnden /uũ von der Erweck: rtc. 143
65. Denn das Wort Nar—r iſt in ſich ſelber in der Eſſentz an»
ders nichts / als ein entzuͤndet grimmig Feuer⸗Rad / eine Unſin⸗
nigkeit; und wer ſeinen Naͤchſten unbillig alſo heiſſet / der hat
ein Wort im Feuer-⸗Rade / und im Grimm GOttes gebohren /
und iſt deß ſchuldig; denn das gebohrne Wort urſtaͤndet aus der
Seelen und Leibes Ente.
65. Ein jedes Wort wen ſichs formet / erwecket erftlich fein ei⸗
gen Eus, daraus es urſtaͤndet / alsdann fuͤhret ſichs durch den
Rath der fuͤnff Sinnen aus gegen ſeinen Bruder; fo einer num
ein ſolch grimmig / freſſend Feuer⸗Wort gegen ſeinen Bruder
fuͤhret / der ſaͤet in GOttes Zorn ein / und iſt derſelben eingeſaͤe⸗
ten Frucht / ſo die auffgehet und waͤchſet / ſchuldig.
67. Darumb bedencke du Menſch was du gedenckeſt / redeſt /
oder begehreſt zu thun / beſchaue dich allezeit in was Eyfer du ſte⸗
heſt / ob er goͤttlich oder deiner eigenen vergifften Natur ſey! Du
Baͤtter / du Mutter / du Bruder / und du Schweſter / die ihr aus
einem Gebluͤte kommet / aus einem Ente, und miteinander in-
qualiret / als ein Baum in ſeinen Aeſten / bedencke was du deinen
Mitzweigen und Aeſten vor einen Schall in des Lebens Ens ein»
führeft/obs GOttes Liebe-Wort oder GOttes Zorns-Wort fey ?
So ihr das Boͤſe eingefuͤhrte nicht wieder mit Liebe zerbrechet /
und das Liebe⸗Ens im Zorne einfuͤhret / fo muß die Subſtantz für
GOttes Gerichte und im Feuer GOttes gefchieden werden/gleich
wie der Teuffelvom guten Ente geſchieden ift : Alfo auch du gott>
fofer Menfch mit deinem gottlogen geformten Worte aus dem
Ente GOttes Zornes.
68. Und darumb hat Gott fein heiliges Wort aus feiner
tieffeſten Liebe wieder ins menfchliche Ens eingeführet/ dieweiles
in Adam und Eva in Zorne eingeführet ward / dag der Menſch
foll in dem eingeführten Worte der Liebe GOttes in Chrifte
Jeſu ſchoͤpffen und den griuunen Zorne in ihme zerbrechen : Und
darumb lehret uns Chriftus / dag er die eingeführte Porte zus
Gott ſey / daKer der Weeg und das Liecht ſey / darauff wir kön
nen wieder in GOtt eingehen / und das heilige Ens in ihme wie⸗
der gebaͤhren.
69. Und darumb wolte Chriſtus nicht / daß wir uns ſollen er⸗
zuͤrnen und unſern Willenund Wort in Rache ſchoͤpffen / ſon⸗
dern ſo ſie ung fluchen/fo ſollen wir ſite ſegnen; und wer uns ſchlaͤ⸗
get / dehme ſollen wir nicht widerſtreben / daß nicht unſer Turba im
neu⸗gebohrnen heiligen Ente Chriſti erwecket werde / und führe
der Schlangen Liſt / Boßheit und Ens darein.
70. Son⸗
744 Dom Urſtand der wärdlichen Cap.ız)
70. Sondernwirfolleninder Liebe werdenals Kinder / Die
der Schlangen gift noch nicht verſtehen: Darum fagen wir in
Goͤttlicher Erkaͤntnuͤß theuer / daß aller Zanck / Geitz / Neyd / Zorn /
Krieg / falſche Begierde / wie das Namen haben mag / aus dem
Cen ro der Rache des Grimmes GOttes / auß der finftern Welt
urſtaͤnde / und in der Schlangen Ens zum Weſen gefuͤhret werde/
da ſich das falſche Schlangen Ens wil in Hoffart ſpiguliren.
71. Alles was im dieſer Welt um die Selbheit/zeitliche Ehre/
eigen⸗ Nutz zu feinem Aufffteigen ftrebet/das ift auf der Schlan⸗
n Ente gebohren / es fen reich oder arın/ im Obern oder Unterm)
Einen Drden noch Stand wie er heiſt aufgenommen: Alle
Menſchen die fich Ehriften oder Kinder Göttlicher Siebe nennen
wollen/ die muͤſſen aus Göttlicher Siebe im heiligen Ente wieder⸗
gebohren ſeyn in ihrem erſten in Adams verblichenen und ver=
derbten Ente, oderift feiner cin Kind der Liche GOttes: Alle
geisige Rachgierigkeitaller Stände/ wie fie heiſſen / ſind alle aus
der Schlangen Ente.
72. Richt rede ich von den Aembtern / ſondern von der Falſch⸗
heit der Aembter: Das Ambt in ſeinem Stande iſt GOttes
Ordnung / ſo das in heiliger Begierde gefuͤhret wird / und auß
einer Goͤttlichen Wurtzel zum Guten urſtaͤndet; wo aber nicht /
daß es nur aus einer Wurtzel zur Selbheit und Hoffart urſtaͤn⸗
det / ſo iſts von der Schlangen Liſt / und faͤhret ins Verderben.
73. Aller Krieg / wie der heiße / urſtaͤndet auß GOttes Zorne /
und der dehn anfaͤhet / der thuts auß einer eigenen Begierde zur
Selbheit / auf der Schlangen Ente: Es ſey dan daß ſolcher
Krieg auß GOttes Geheiß urſtaͤnde / daß fich ein Bold habe in
feinem Grimm erbohren / daß es fein Zorne wolle auf⸗freſſen / und
ein heiligers an die Stelle ordnen / wie bey Iſrael mit den Heyden
geſchahe / ſonſt iſts alles in der eigenen Turba in der Selbheit ge⸗
bohren. Keinen wahren Chriſten der aus Chrifto gebohren ift/
gehoͤret das Schwerd der Turbz zu erwecken / es erwecke es denn
der Epfer-geift GOttes in ihme / deröffters die Sünde ftraffen
soil: Alles was fihumder Selbheit/ eigen Ehre und Hoffart
willen/im Grimme erhebet und zur Nache einführet/das ift vom
Teuffel / es ſey Edeloder un⸗Edel / keines außgenommen / für
OTT find ſie alle gleich.
74. Das irrdiſche Regiment urſtaͤndet ausdem Fallein der
Schlangen Sift; alsder Menfch aus dem Siebe-willen/ aus Goͤt⸗ |
lichen Gehorſam ausgieng / fo mufte er einen Richter haben / der
die falfche Begierde inihrer Subſtantz ſtrafſete / und die falſche
Sub⸗
VE GE 0
Cap. ꝛ. Suͤnden / uũ von der Erweckung /rc. r 45
Subſtantz zerbraͤche: Darum iſt die Obrigkeit und Herrſchafft
zu einem Schuß der Gerechten Subftang und Willen von GOTT
geordnet/und nicht zur&elbheit undeigenen Willen in Wolluſt /
zum Berderben der Policeyen/und zu unterdrudenden Elenden
und Unvermögenden. Alles was das thut/das iſt aus der Schlan⸗
gen Ente entftanden/ es gleiffe wie es wolle/ undobs gantz mit
Gold und Perlen/ undgleich mitder Sonnen bedeckt ware / fo
ifts aus der Schlangen Ente gebohren / undhatder Schlangen
Ensinfeinem Regiment / und fähret ins Verderben / es werde
denn neugebohren.
75. Esift alles Abgöttifch / was nicht ausder Liebe Ente ge⸗
bohren wird / und nicht führeteinen Willen der Gerechtigkeit
und Wahrheit/dag es wil was gutes auf Erden würden / feinem
Naͤchſten zu dienen / denn wir findin Adam alleein Baum / alle
aus einer einzigen ABurselentftanden.
76. Und GOTT hat uns in feine Siebe gezeuget / umd ins Pas
radeig geführet : Aberder Schlangen Lift hat uns uneinig ges
macht / daß wir aus dem Paradeig find in ihre Schalckes⸗Liſt / in
die Selbheit gegangen / daraus muͤſſen wir außgehen / und in ein
Kinder⸗kleid eintretten.
77. Wir haben in dieſer Welt nichts mehr zum Eigenthum
als ein Hemde / damit wir die Schande vor GOttes Engeln
bedecken / daß unſer Eckel nicht bloß ſtehe / das iſt eigen und nichts
mehr / das ander iſt alles gemein: Wer zween Roͤcke hat / und fo
er ſiehet daß ſein Bruder keinen hat / ſo iſt der ander Rock ſeines
Bruders / wie uns Chriſtus lehret.
78. Denn wir kommen nackend zu dieſer Welt / und nehmen
kaum das Hembde mit / das unſer Schanden Deckel iſt / das ander
alles beſttzen wir entweder durch Ambts-Nothdurfft / oder aus
Geitz / aus der Schlangen falſchen Begierde: Ein jeder Menſch
ſoll feines Nächften Nutz und Pflege fuchen/mwie er ihm diene und
nuͤtze / gleich wie ein Aft im Baum den andern feine Krafft / EC-
ſentz und Wefen giebet / und in einer Begierde wachen und
Frucht bringen : Alfo feynd wir alle ein Baum in Adam.
79. Seynd aber in Adam in der Schlangen Ente am Liebe⸗
soillen verdorret / und müffen alle in Ehrifti $iche-Ente und
Willen neu-gebohren werden/auffer deme ift kein Kindder Siebe
Gttes; und ob in manchem etwas von Göttlicher Siebe wäre /
10 iſts doch mitder Schlangen Ente gant verdeckt/ welches Teu>
fels Ens immerdar über die Siebe außgrünet und Frucht träger.
do · Es ijſt hicht tiner der Gutes nu in der Selbheit und =
a — genem
146 Wie Gott Adam und ſeiner Eva Cap.235
genem Willen / er verlag dann im eigenen Willen was er hat/ big
auffs Kinder- Hembove ; das foll er behalten für eigen/ und Nies ,
mands geben / denn es ift feiner Schanden Dedel: Dasander iſt
alles gemein/ und erift nur ein Dienerund Ambtman derfelben J
ein Pfleger und Augtheiler einesjeden an feinem Ort.
81. Derden Armen/&lenden unter feiner Pflege läffer Noth
leyden / und ſamlet ihm zeitlich Guth zum Eigenthumb in fein
Gemuͤthe cin /derift ein Chriſt fondern der Schlangen Kind J
denn er läffet feine Zweige an ihme verdorren / und verftecket ſei⸗
nen Safft und Krafft vor ihnen / und wil nicht durch feine Mit⸗
Afte Früchte würden.
82. Nicht verſtehen wir hiemit den gottlofen faulen Hauffen /
der ſich nur wil ſaͤugen laffen / und nicht felber mit im Baume '
wuͤrcken und gebahren/ dag man ihm follden Hals füllen / daß er
Wolluſt und Eitelkeit treibe; fondern wir reden von den Zwei⸗
gen die im Baume ſtehen /und mitwuͤrcken / und gerne wollen
wachfen und Frucht tragen / welchen die gröfte Aefte dieſer
Welt den Safft entziehen/und in fich behalten / daß fie als ınagea-
re Zweiglein neben und unter ihrer Pflege verdorren : Als da
find die Reichen und Gewaltigen und Edlen/ mit denen redet der
Eyfer⸗geiſt alhier / woferne fie ihren Safft nur in fich behalten /
und ihre Aeſtlein laffen verdorren / und ihnen den Safft gar ent⸗
ziehen / daß fie Hefte an der Schlangen Baume ſind / der im Flu⸗
che GOttes Zornes gewachfen ift/umd zum Feuer GOttes behal⸗
gen werden] ſaget der Beift der Wunder.
Das 23. Eapittel.
Wie Gott Adam und feiner Eva | als fie waren indie,
Suͤnde und Eitelkeit eingegangen] und inder Schlan⸗
gen Ens auffgewacht/wiedergeruffen/ und ihnenden Or⸗
den diefer mühfeligen Welt auffgeleget ; und den
Schlangenstretter zueinem Gehülffen
verordnet.
2. Ls nun Adam und Eva vom Baum der Erfäntnüg
Gutes und Böfes hatten geffen/umd von der Schlan⸗
gen monfteoftfch worden : So fchreibet num Moyſes
davon alfo : Ihre Augen wurden ihnen auffge⸗
than / und wurden gawahr daß fie nackend waren '
snd flochten Seygen-blätter zuſammen / und machten ihnen ı
Schuͤrtze Alda hat die Seelt das Monſtroſiſche Biſd —
Em HT
> — © &
Sap.rz. alsfie warenin Suͤnde einge: 147
fich deſſen geſchaͤmet / daß in ihrem zarten Leib ein folchgrobThier
auffgewachet / mit grobem Fleiſche und harten Beinen / mit ei⸗
nem thierifchen Madenfade der Eitelkeit / und haben daſſelbe
wollen vor GOttes Augen verdecken / haben ſich für Schande
hinter die Baͤume verkrochen: Alfo ſchaͤmeten fie fich der Unge⸗
ftalt des Thiers / dann das thieriſche Ens hatte das himmliſche
verſchlungen / und ſich empor gehaben / welches fie zuvorhin nicht.
erkant hatten /fo wuſten fie jest für Schanden nicht / was ſie
thun.folten. -
2. Der Schlangen Sift.wolte alhie die Schande nicht zu⸗
decken / ſondern eroͤffnet fie nur/ und klagte ſiean / als abgefallene
und treuloſe / denn GOttes Zorn wachte in ihnen auff / und ſtellete
fie jetzt da vor ſich zum ſtrengen Gerichte/fte in ſich in die finftere
Welt einzuſchlingen / wie dem Lucifer auch geſchahe.
3. Und das iſt die Stätte davon die Erde in Chriſti Tode er-
zitterte / und die Felfen zerkluben : Alhie ſchloß GOttes Zorn
das heilige Ens der himmliſchen Menſchheit im Tod ein / welchen
Chriſtus / als er am Creutze den Tod zerbrach / wieder auffſchloß /
dafuͤr der Grimm im Fluche der Erden und Felſen erzitterte.
4. Und alhie war der ſchwaͤre Stand vor GOttes Zorne / in
welchem Stande Chriſtus im Garten als er betete / und dieſen
Zorn überwinden ſolte / blutigen Schweiß ſchwitzete / als er ſagte:
Vatter iſts moͤglich / fo gehe diefer Kelch von mir: Iſts aber niche,
moͤglich ich trincke ihn denn / fo geſchehe dein Wille.
· AmCreutze muſte Chriſtus dieſen grimmigen Zorn / welcher
in Adams Eſſentz war auffgewacht / in fein heiliges himmliſches
Ens trincken / und mit der groſſen Liebe in Goͤttliche Freude ver⸗
wandeln / deſſen der Tranck von Gall und Eßig / als cin ver⸗
miſcheter Tranck / den ihme die Juden gaben / cin Fuͤrbilde war?
was innerlich in der Menſchheit Chriſti geſchahe.
6. Dann das aͤuſſere Bilde des Menſchen folte auch vom
Zorne uud Tode erloͤſet werden / und wieder auffſtehen aus der
Erden: Darumb muſte Chriſti aͤuſſere Menſchheit vom Reiche.
dieſer Welt / auch von diefem Kelche trincken / welchen GOtt der
Vatter dem Adam in ſeinem Zorn eingeſchencket hatte / den muſte
Chriſtus außtrincken / und den Zorn in Liebe verwandeln: Dar⸗
umb ſagte Chriſtus: Iſts moͤglich / fo gehe er von mir: Es war
aber nicht moͤglich den Zorn zu uͤberwinden / der ſuͤſſe Name
Rſus truncke denn dehn in ſich / und verwandelet ihn in Freude:
So ſprach Chriſtus: Vatter dein Wille geſchehe / und nicht
meiner Menſchheit Wille.
6: 7.53%
W —
X
148 Wie Gott Adam un feiner Eva / Cap.23
7. An Adam folte auch GOttes Wille geſchehen / aber er
führte feinen eigenen Willen durch der Schlangen Liſt empor /
Denfelben eigenen Willen mufte jetzt die Menfchheit Chriſti am
Creutze dem Zorne GOttes geben zur verfihlingen: Aber der heis
lige Name SEfus führte ihn in Todt der Selbheit/ daß er
mufte im grimmen Tode fterben/ und durch den Todt in feiner
Aufferfichung / wieder in die wahre Gelaffenheit/ als in die
Göttliche Harmoney eingehen.
8. Adam ftundt im Paradeife in feiner Auffiwachung des
Zornes vor GOtt und allen heiligen Engeln in groffer Schan⸗
De / und der Te —95— ihn / dag dieſes Bilde GOttes /
welches ihme ſeinen Koͤniglichen Stuhl ſolte beſitzen / war zu
einem Monſtroſiſchen Thiere worden: Und in dieſen Spott
anufte- Chriftus eingehen / ſich laſſen verhoͤnen / verſpotten /
verſpeyen / geiſſeln / mit Dornen kroͤnen / als einen falſchen
Koͤnig / denn Adam war ein KönigumdHierarcha, ward aber
falſch und abtrünnig.
9. Allyie ſtundt CHriſtus an feiner Stelle / Tief fich ver-
artheilen zum Todes; denn Adam folte von GOttes Zorne
geurtheilet werden: Allhie ſtundt Adam das iſt / Chriftusin
Adams Menſchheit an ſeiner Stelle / Adam ſolte als ein Fluch
verworffen werden: Chriſtus ließ ſich als einen Fluch ans
Crteutze hencken / als ein Spottvor Himmel und Erden: Und
in Sunma / der gantze Proceß Chriſti von feiner Menſch⸗
werdung an / biß zu ſeiner Himmelfahrt und Sendung des
heiligen Geiſtes / iſt Adams Standt: Was Adam verwuͤrcket
hatte / in daſſelbe muſte ſich Chriſtus in Adams Perſon einſtellemn
und das Leben wieder aus dem Tode fuͤhren.
10. Adam war durchs Wort GOttes gemacht / und fielaber
von GoOttes Liebe⸗wort in GOttes Zorn-wort: Alſo erweckete
GOTT aus Genaden wieder fein liebes Wort in der tieffſten
Demuhts-⸗Liebe un Barmhertzigkeit in Adams Zorn-bildnüß/uft
führete das groffe liebs-Ens in das Ensdes erweckten Zornes ein /
and verwandelte den zornigen Adam in Ehrifto/in einenheiligen.
1x. Gar klar befchreibet es Moyſes: Aber der Deckel lieget
für dem thierifchen Menfchen / dag er ihn nicht kennet: Denn
er fpricht: Und fie höreten die Stimme GOttes des Herm
der im Barten gieng/ dader Tag Eühle worden war / und
Adam verfteckete ſich mit feinem Weibe für dem Angefichte
tes des Herrn unter die Bäume.
2, Moyſes ſpricht; Siehörrten bis Stimm Gotu⸗ -
— Her
Cap.2 3.als fie waren in Sünde eingan:2c.149
Hermderim Bartengieng: Wer iſt nundiefe Stimme der im
Garten gieng? denn Adams Ohren waren an GOttes Gchör
erftorben / und waren im Grimme aufgewacht: Er vermochte
in eigener Macht GDttes heilige Stimme nicht mehr zu hören /
denn er war an GOttes Heiligkeit/ am Himmelreiche todt /
wieihme GOTT fagte: Welches Tagesdu von dieſen Bauın
iſſeſt / follftu fterben.
13. Die Stimme war GHffes Zorn diedrang in Adams
Eſſentz / da der Tag war fühle worden / verftchet der ewige Tag
in Adams Elſentz war inder Kälte und Hitze auffgewacht / fo
höreten fte jegt die Stimmen GOttes des Herzen in feinem Zorn
in ihrer Effeng ; dandie Turba war auffgewachet / der finſtern
Welt Thon oder Gehöre ſtundt im Schale.
24. Aber derim Garten gieng und Adam wieder rief / war
eine andere Stimme / welche auf dem Zorne herfürbrach / und
im Garten gieng/ denn das wort (derim Garten gieng ) iſt
der Unterfcheid / und deutet an die Stimme Jesu auf Jenovar,
die Stimme war Terracramma: Aberderim Garten gieng /
war Tow , als das Centrum der $iccht- Welt ; Und die Stim—⸗
ine Terracramma iſt das Centrum zur Feuer⸗welt / als das
erite Principium, und das Ton das zweyte Principium: Wie
Fewer und Liecht eins iſt / und fcheiden fich aber im Außgehen in
der Offenbahrung in zweyerley Quall / alfo ift uns diß allhie
auch zubetrachten.
15. Die Stimme der Feuerzweltgieng in Adams und Eve
Eſſentz / die höreten fie / darum fürchteten fie fich und verkrochen
fich hinter die Bäume: Aber die Stimme der Liecht⸗welt ift
dieſe da Monfes ſagte: Der im Gartengieng: Die heilige
Stimme gieng im Garten des Paradeifes / denn das Wort
(Der) deutet an die Perfon Ehrifti/ der im Garten ging /
und vom Feuers Centro ausgieng / der nahm das Paradeig
ein/ und wolte es Adam wieder anzichen.
16. Darum fpricht nun Monfis: Und GP T T der Hene
rief Adam und ſprach zu ihm: Wo biftu? Warum faget er
nicht: Wo feyd ihr Adam und Eva? Nein: Er rieff Adam
als dem erften Bilde/ das er ins Paradeis fchuff/ und nicht
dem Manne und Weibe; denn der da rieff warder/ der im
Gartengieng / als das Wort der Siecht-welt/ die Stimme des
andern Principii, die rieff wieder zurüce im angezündeten
Zorn / und vermählete fich wieder in das verblichene Himmlifche
Ens ein; daß fir ſich wolte darinnen — dem Nomen) *
3 als
250 WieGott Adam und feiner Eval Eap.z 3!
‚als in der tiefften Siebe der Gottheit erwecken / und in dein ver»
blichenen Ente mit Einführung des heiligen Göttlichen Entis
von der himmliſchen Weltweſen / in Erfüllung der Zeiteinvers .
maͤhlen / offenbahren/ und das Paradeiß wieder auffthun /
und unter.deg der Schlangen Ens den Kopff zerttreten: diefer
Scylangen=tretter fagte zu Adam: Wo biftu ?
17. Sofprichtdie Bernunfft / faheer ihn doch wohl: warum
fagteerdan: Wo biſtu? Er ſahe ihn wohl / aber Adam fahe ihn
nicht / denn feine Augen waren aus Adonay ausgegangen / aus
der Goͤttlichen Welt / indie zeit / als in die äußere Welt in das
‚Schlangen Ens Boͤſe und Gut / in den Todt und Zerbrechligkeit:
Aus dieſen Monſtroſiſchen Augen ſahe Adam inFeuers⸗ Tinctur
Eigenſchafft: Aber des Liechts Tinctur Eigenſchafft / welche er
verſchertzt hatte / ſprach zu ihm: Wo biſtu Adam ? das iſt fo viel:
Suche mich und ſihe mich doch wieder: Ich bin kommen mich dir
wieder zu ergeben: Und Adam fpracy: Ich hörte die Stimme
im -Garten/ und fürchtefemich / dan ich bin nadiend.
18. Diefes Ruffen war andersnichts / als daß lich der Hall
des heiligen Worts wieder in des Lebens⸗liecht einführte / ſonſt
hätte Adam diefe Stimme nicht koͤnnen hören: Darum ſprach
er: Sch bin nackend und fürchte mich.
19. Wofür fürchtete er ih? Er fühlete in fich die Welt
GOttes Zornes; umd fürchtete / er würde fich gang entzuͤnden
und ihn verſchlingen / wie dem Sucifer gefihahe: Darumb er⸗
jitterte er vor dem Ruff der heiligen Stimme / ‚gleich wieder
Zorn vor der giebe erzittert/ wieam Creutz Chriſti zu fehen ifte
Denn alhie war fhon ver Schlangen Frucht / denn fte Eennete
die Stimme / welche in Adams Ens einrieff / und fürcchtete fich
vor GOttes Angefichte; denn fie wuſte die Falfchheit in fich /
‚Die wolte fie verftecken.
20. Und GHtt fprach: Wer hatdirs gefagt dag du nackend
biſt das ift: Es hat dirs der Schlangen Ens gefaget dag dus
folft in die thierifche Eigenfchafft imaginiren „ und diefelte
erwecken.
21. Und fehen wirs Flar allhie / dag Adam in feiner Un⸗
ſchuld won dieſem nackenden thierifchen Bilde nichts gewuſt
habe / wäre.es aber anihme offenbahr geweſen / fohntteeres
ja gewuſt: &o aber faget GOtt zuihme: Wer hat dirs geſa⸗
get / haſtu nicht von dem Baume geſſen dehn ich dir verbott }
‚Habe ich Dir doch die thieriſche Eigenſchafft der Nackentheit vers
botten / du folft fie nicht in dir erwecken: Warum Gele
mi
Cap ꝛ 3. als ſie wareninGhnde eingang.ıc 15
mit der Luſt in die thieriſche Eigenſchafft eingeführt ? Hate
te ich Dich doch in Englifihe gefchaffen: Warum biftu in meiner
Krafft ein Thier worden? hab ich dich Doch in und Durch mein
Wort gemachet / Warum hat dein eigener freyer Wille mein
Wort verändert ? .
22. Underfprach: Das Weib das du mir zugeſellet / gab
mir/ wid ich aß von dem Baume: Und GOTT ſprach
zum Weibe: Warum thäteftu das? und fie ſprach: Die -
Schlange betrog mich daB ich aß. In deme liegets Elar offen /
daß der Teufel in der Schlangen Ente den Menſchen habe ke>
trogen/ wie forne gemeldet worden; und daß fiebeyde 7 Adam
und fein Weib ander Schlangen Monftrofifih worden waren.
23. Denn GOTT ſprach zur Schlangen / durch welcher Ei⸗
senfchafft ihme der Teuffel yatte einen Sig und Wohnhauf im
Menfhen Bilde gemachet: Weildu das gethan haft / ſeyeſtu
verfluchet für.allem Diehe/ und für allen Thieren suff den
Felde ; auff deinem Bauche folftu gehen und Erden eſſen
dein Lebenlang.
24. Allyie lieget aber der Dedel vor Moſis Angefichte /
welcher bey der Schlangen fürüber gehet und fie nicht beſchreibet /
was ſit geweſewſey: weil GOTZjrtz d zarihe fugtte / ſie folks
auff dem Bauche gehen / und Erden ichs ie sat Die errang
im Anfange nicht gegeben ward / fo können wir ailhie wohl fine
den / was ſie geweſen iſt: weil ſie das liſtigſte Thier war unter
allen Thieren / und Evam um ihre Jungfrauliche Zucht brachte /
das ſie nach der thieriſchen Vermiſchung luͤſterte: So verſtehen
—* ae na ———— —— der viehiſchen
niſchung und aller Unzucht / und thieriſche
Menfihen. 3 sucht / hierifche Hurerey der
25. Danfie/die Schlange war inihrem innern Limo ‚ darein
ber Zeuffel feine Begierde einführte/ cin Zungfraüliches Ens ge-
weſen / verfichet am guten theildes Himmliſchen Entis das tım
Verbo Fiargefaffet/und nach jeder Eigenfchafft inein Creaturlich
Bilde gieng; wie auch des Teuffels Ens vor feiner Creatur ein
Jungfraͤuliches Ens Engliſcher Eigenſchafft war geweſen.
26. Dieſes Schlangen-Ens wardin Adam und Evba ein ge⸗
modelt / eingepflantzet / denn die Begierde der Even hat dieſe irrdi⸗
ſche thieriſche Eigenſchafft gefangen und in ihr eingepreffet/ als
ein Anmahl in die rechte reine Jungfrauſchafft in die Matricem
der Sebaͤhrerin: Darum verfluchete GOit das Bild der äufferr
Schlangen / und hieß fie auff dem * gehen / und Erde eſſen;
4 und
152 Wie Got Adam un feiner Eva / Cap.23.
und hiermit auch das Anmahl der impreſſeten monſtroſiſchen
Schlangen im Menſchen.
27. Denn gleich wie die aͤuſſere Schlange nun muß auf dem
Bauche gehen / und Erde eſſen / welche ihre Figur der Evenin
ahrem Bauche indie Matricem gebracht hatte: Alſo muß auch
nun der Even Bauch von der verfluchten Erden eſſen / und gehet
die Matrix, als eine liſtige Schlange auf ihrem Bauche / und
vetreuget den Limbum des Fewers Tinctur / dag er ſich nach
ährem Bauche und Schlangen=Friechen ſaͤhnet / da es doch nur
eine Liſt iſt / daß dieſe Schlangen⸗Matrix moͤge Hurerey treiben /
und ein viehiſches Werck verbringen; Gleich wie Eva den Adam
detrog daß er auch von der Frucht aß / und wie die aͤuſſere Schlan⸗
He verfluchet ward: Alſo auch die Schlangen-Matrix der thieri⸗
ſchen Eigenſchafft in Even / daraus alle ihre Kinder verderbet
ſind worden / und alle aus einer monſtroſtſchen Matrice gebohren
worden / welche vor GOTT eine Hure iſt; dan Adam / alserin
beyden Tincturen ftundt/hatte ſte ſchon verderbet: Aber mitder
Even giengs ins Werck / da ſie von Adam war gefchieden.
28. Und GOTT ſprach: Ich wil Feindſchafft ſetzen zwi⸗
ſchen dir und dem Weibe / zwiſchen deinem Saamen und
IhremSaamen / der elbe ſoll dir den Kopff zertretten / und dus
wirſt ihn in die Ferſen ſtechen. Alhie lieget nun der Grund /
denn GOTT meynte nicht hiermit die aͤuſſere thieriſche Schlan⸗
ge auſſer dem Menſchen / welche in Loͤchern und Stein-Flüfften
ſtecket / und an wilden oͤrtern wohnet / fondern die monflrofifche
ehierifche Schlange im Menfchen/welche in des XBeibes Matrice
singebildet ward.
29. Dennals GOTT Adam rieff / als er hinter dem Baume
ſteckte / und fich ſchaͤmete und fürchtete / fo gieng die Stimme des
heiligen Worts wieder ins Lebens-Liecht ein : Und alhie als
GOLIT ſprach: Ich wil Seindfchafft fesen / des Weibes
Saame foll der Schlangen den Kopf zertretten: So gieng
die H. Stimme GOttes aus Jehova, (welche fich wolte in der
Zeit noch eines bewegen / und den Zeftem offenbaren in des Wei⸗
bes Matricem ‚)in das verblichene him̃liſche Ens ein/und einleibte
9 auffs neu mit dem heiligen Worte / als in ein Ziel eines ewigen
undes*
30. Undvdiefes Wort das fich indes Weibes Saamen eins
werhieh und cinleibte / war daffelbe Wort das fih in Marien
Saamen bewegte] und den Namen Jeſus aus dem Centro der
sieffeften Siebe im Worte eröffnete: und das verblichene er
i
Cap 33. als fie waren in Suͤnde eingangne · 133
liſche Ens, mit Einfuͤhrung des heiligen lebendigen Entis in das
verblichene Ens Marix ‚ lebendig machete.
32. Verſtehet die heilige züchtige Jungfraufchafft / die ward
in Marien Saamen in Bewegung des eingeleibten Wortes / in
dem Namen Jeſu wieder lebendig / und diefes eingeleibte Wort
in Evz Saamen ſtundt inder Marrice, als ein Ziel eines ge>
wiffen Bundes; und ward in Evi Saamen von Menfch zu
Menfch indem him̃liſchen Theil mit fortgeflanget/als ein Schall
oder Moder des Göttlichen heiligen Liecht⸗ſeuers / darinnender
Name Zefus in einem Ziel und Bunde / als ein glimmende
Moder mit fortgeflanget ward / biß auff die Zeit der Erweckung
in Maria / da der Bund am Ende ſtundt / und die Thoren der
verſchloſſenen Kammer wieder auffgetahn wurden: Und dieſes
heilige Feuer iſts daraus der Name Jeſus offenbahr ward /
welches heilige Feuer in den Judiſchen Opffern brandte / welches
den Zorn GHttes verſoͤhnete / und der monſtroſiſchen Schlangen
im Menſchen den Kopff zertratt / als dem monſtroſiſchen Feuer⸗
geiſte und Willen.
32. Das Kopff zertretten iſt anders nichts / als den Eckel der
Schlangen zu zerbrechen / ſeine Gewalt nehmen durch eine rechte
Glaubens Begierde / und durch ſolche heftige Glaubens-imagi-
nation an das verheiffene Wort / daffelbe Wort faffen/ und in
der Schlangen Ens einführen / und dem Teuffel fein Raubſchloß
damit zerftören/die Matricem der Hurenebegierde damit toͤdten /
und die Matricem init ihrer Begierde indas Jungfräufiche Ens,
ins Ziel des Bundes cinführen.
33. In welchem Bunde folte und mufte das Weib und der
Mann fterben und aus dem Tode im Worte des Bundes die
zuͤchtige Jungfrau gebohren werden / mit beyden Tincturen
eigener Liebe; da denn die Schlange in ihrer Begierde / in GOt⸗
tes Zorne würde das Jungfrauen⸗Kind der neuen Gebuhrt im
Glauben/indie Ferfen ftechen.
34. Denn an der Ferſen ſtehet das Jungfraͤuliche Kind diefe
gantze Zeit an einer ſtarcken Ketten / an das Monftrofifche Bilde
feſt angebunden / und mag der Schlangen Kette dieſe Zeit nicht
gantz entfliehen: Die Kette iſt der animaliſche / thieriſche / mon⸗
ſtroſiſche Menſch / in deme das Monſtrum der Huren undSchlans
gen lieget; wie wir deſſen ein Figur in der Offenbahrung Jo⸗
hannis haben / da das Weib mit der Cron und zwoͤlff Sternen
auf dem Monde ſtehet.
35. Der Mond bedeut den thieriſchen Menſchen / und das
635 Br
’
154 Wie Gott Adam und feiner Eva /Cap. 23.
Weib bedeut Die Jungfraͤuliche Marricem im Zeil des Bundes /
daraus das Jungfrauen Kind gebohren wird.
36. In Adam / als er Mann und Weib war / und derer doch
keines war / ward die Jungfrauſchafft nach des Liechts Tinctur in
dem heiligen Ente, durch falſche Begierde vergifftet: denn die
feuriſche Eigenſchafft der Seelen gieng mit der Luſt indie Irr⸗
digkeit ein / und aus derſelben Jungfrauſchafft mit Anhangen
aller 3. Principien ward das Weib gemacht / und das Weib
machte ſich monſtroſiſch an der Schlangen; und verderbte die
Jungfraͤuliche Matricem, und fuͤhrete durch ihre Luſt eine viehi⸗
ſche monftrofifche und ſchlangiſche darein / mit des Teuffels Wil⸗
len und Begierde inbeiret.
37. Run ward diefe heilige Jungfräuliche Matrix in Even
mit der monſtroſiſchen Eigenfchafft gefangen/ und verblich in ihre
Das Bild aus himmlifchem Ente , und in diefem himmliſchen
Ente, verftchet in dem rechten Jungfräulihen Saamen der
Keuſchheit / Zucht und Reinigkeit /derin Even mit der monftro>
ſiſchen Schlangen / und vichifchen Huren=begierde gefangen
ward / verhieg fich das Wort GOttes mitdem H.theuren Nas
men Jeſu ein / day es wolte wieder lebendiges himmlifches Ens
in diß gefangene verblichene Ens einführen ; und der Schlangen
Enti, alsdem Huren-Monftro den Kopff zertretten / und feine
Degierde tödten / und das Hurenzbilde megwerffen; und den
entzündeten Zorn GOttes in dieſem Jungfräulichen Centro mit
der höchften Liebe GOttes überwältigen/ und das Monftrum
gank tödten und wegtuhns unddasiftsdas GOTT fagte: Des
Beibes Saame ſoll der Schlangen den Kopff gertretten.
38. Verftehetsrecht: Der Zungfränliche Saame der Even
am Worte GOttes (indem Namen und ſuͤſſen Krafft Jeſu folte
es tuhn /der Saame im Bude Gottes eingefaffet / daraus dag
Jungfrawen⸗Kind gebohren wird / wieder Thau aus der Mor»
genröhte/der ſolte es tuhn.
39. Dennnichtdas Kindaus Mannessoder Weibes-Blute /
folldas Himmelreich erben / fondern das aus Jungfraͤulichem
Ente,im Zieldes Bundes / aus dem verheiffenen Worte Bottesz
Des Mannes amd Weibes Kindiftein Monftrum, und muß
feerben / und inder Erden verwefen: Aberdas Jungfräuliche
Ens, welches in diefem Monftro verborgen liget / ift der wahre
Saame / daraus die Kinder Ehrifti gebohren werden / auch noch
in diefer Zeitz; denn diefes Kindes Schen ift der wahre Glaube,
and groſſe Göttliche Begierde.
—R u 49. I
*
—
Cap.ꝛ 3.als fie waren in Sünde eingang:rtc. 155
40. Inden Kindern Chrifti lebet diefes Zungfräuliche Kind
im Beifte und Fleiſche Chriſti / in einem Geiftlichen Leib mit dene
Monftro von auffen in dem Huren⸗ und Schlangen-finde ber
decket: Kein Menfih ift/der nichfdas Schlangen⸗kind von auſſen
an ſich traͤget.
4x. Aber nicht in allen lebet das Jungfrauen⸗ Kind aus Goͤtt⸗
lichem Jungfraͤulichen Eme aus Jeſu gebohren: In manchem
iſt wohl ein glimmend Moder darzu / als ein ſchwacher Glaube
und Goͤttliche Begierde: Aber das wahre heilige und theure Le⸗
ben der Jungfrauſchafft iſt noch nicht gebohren / es ſtehet noch im
Gerichte GOttes gefangen. |
42. Zedoch wohl denen) fo noch ein Moder da ift/ denen lehret
man / dag fich der Seelen=begierde follins Göttliche Moder / im
Geifte Chriſti verfenden / und mit der Feuer⸗begierde daffelbe
Moder anzünden/ dag die foll das Schlangen-Monftrum und
Hurenstind verlaffen/umd feind werden/undihren groffen Hun⸗
ger und Durftindas Jungfräuliche Ens ins Wort des Bundes
GoOttes / und indie Erfüllung des Bundes/als in die Menfchheit
Ehrifti einführen / und das Huren-Monftrum im Willender
Begierde immer tödten/ und mit Fuͤſſen tretten / alseine giftige
böfe Schlange ; ein falſch Huren⸗kind / das GOttes Reich nicht
erben kan / und auch nur dem JZungfrauen-Kinde hinderlich ift.
43. Denn nicht indes Mannes Tindtur, als in dem feelifchers
Fe uer Ente wolte fich das Wort der Berheiffung im Bunde eins
leiben / fondern indes Weibes / alsindes Liechts Tinctur ins
Jungfraͤuliche Centrum, das in Adam ſolte magiſch gebaͤhren/
in die himmliſche Matricem der heiligen Gebaͤhrerin / in welcher
Liechtes⸗Tinctur das feurifche Seelen⸗ Ens ſchwaͤcher war / als im
Mannes Feuer⸗Ente.
44. In dieſem⸗Liechts Ente wolte GOTT das Feuer-Ens,
als die wahre Seele erwecken / und gleich als neu gebaͤhren / wie
dan an Chriſti Perſon nach der Menſchheit zu ſehen iſt / welcher
in dieſem Jungfraͤulichen Ente aus des Weibes Eigenfchafft?
aus dem weiblichen Jungfraͤulichen Saamen eine maͤnnliche
Feuer⸗ ſeele annahm / gantz wider der Natur ſelb⸗ Bermoͤgenheit /
denn das Bilde GOttes iſt eine männliche Jungfrau weder
Weib noch Mann.
45. So man aber ja wil zwey Eigenſchafften betrachten nach
Goͤttlicher Eigenſchafft / fo fetze man die maͤnnliche GOTT dent
Vatter zu / als dem erſten Principio, da ſich GOttes Wort mit
der Feuerwelt offenbahret / die iſt = ER Centrum der *
Re ur 5
156 Wie Gott Adam ui ſeiner Eva / Cap. 23
tur; und die weibliche ſetz man GOTT dem Sohne zu / als dem
zweyten Principio , da ſich das Goͤttliche ewige Wort im Liechte
der Liebe offenbahret / in der Liebe-begierde einander Centrum
auffſchlenſt / und indes Feuers Centrum einführet/ auff Art/ wie
das Feuer ein Liecht gebahret / und das Liecht eine groffe Sanfft⸗
muht einer Öhlifhen / waͤßrigen und kufftigen Eigenfchafft/
welche Eigenfchafft das Feuer wieder in fich zeucht / daraus es ſei⸗
nen Schein empfahet/ und dag cs mag leben und brennen / fonft
erfticket es.
46. Und wiediefe drey einen einigen Urftand haben) als das
Feuer / Liecht und $ufft / und doc gar einen gewaltigen Unter⸗
ſcheid geben inihrer Eigenfchafft : Alfo ift uns auch imgleichen
zu erwegen; in welche Eigenfchafft im gehen des Seelen-Men⸗
{chen / fich habe ver allerfüffefte Name Zefus im Worte der
Verheiſſung eingeleibet / als in die Gleichheit / welche ſtundt in
dem Siecht-Gentroder Himmliſchen Matrice, als in dem rechten
Jungfraͤulichen Ente, aus des Liechts Eigenſchafft in Adam ein⸗
geblafen/ und im ſelben Limo erwecket / als ein wahres Centrum
des zweyten Principii,als der Englifchen XBeltjein wahrer Tem⸗
pel des Beiftes GOttes / eine erweckte und offene Pforte ver
Goͤttlichen Weißheit / in der Höchften Schöne und Siebe darinnen
das heilige engliſche Leben ſtehet / und traͤget darinnen den Na⸗
men des groſſen heiligen GOttes / als das Wort der GOttheit.
47. In dieſe Eigenſchafft vermaͤhlete ſich GOttes Wort im
Bunde / denn fie war aus dem heiligen Worte in Adam eröffnet
goorden: GOTT wolte fein heiliges geoffenbahrtes Wort das
fich mit Erfchaffung Adams hatte in ein Ens eingeführet/mwelches
der Teuffel in der Schlangen Ente aus demzorne verdeckte/nicht
verlaffen/ fondern daſſelbe Ens wiederum eröffnen / und der
Schlangen Entedamitden Kopff zertretten; und den Seelen⸗
menfchen wieder aus diefem Göftlichen Ente gebähren zu einer
männlichen Jungfrauen / als zu einem Engel/ Diener und Kinde
GOTTes.
48. Nicht iſt uns zu verſtehen / daß dieſes heilige Ens der
Schlangen Begierde habe in ſich eingenommen / als Adam und
Eva monſtroſiſch worden: Nein / ſondern er verblich / aber
die Seele nach den erſten Principio in des Feuers Eigenfchafft /
abs ing Fiar, nahm ihn ein / umd führte das Schlangen-Ens
mit der Begierde des Fiats in den irrdiſchen Limum cin; davon
aus dem einigen Element vier Elemente im Menſchen offenbahr
worden,
4% Darum
Sap.2 3. als ſie waren in Suͤnde eingan.ıc. 157
49. Darum muß num das Zungfräuliche Ens vom einiger
Element dem eingeführten Schlangen-Enti in den vier Elemen⸗
ten den Kopff zertretten/ und muß der Menfih von vier Elemens
ten fterben / verwefen undder erfte in einem einigen Element /
da alles in einem gleichen Gewichte innen lieget / mit dem Jung»
fräulichen Enteuingeben / am Züngften Tage wieder kommen.
50. Denn daffelbige jungfrauliche Ens in Chriſti Geifte
neugebohren flirbet nicht mehr / obgleich der vierzelementifche
Menfch / als das Bilde diefer Welt ftirbet/ fondern er lebet in
GOttes Reihe/ und wird den Limum der Erden/ als das
dritte Principium inder Aufferfichungder Todten umfaffen und
anziehen] als ein Kleid der Wunderthat GHttes: Aber das
Schlangen-Ens bleibet in der Erden / und foll am Juͤngſten
Zage durchs Feuer von den reinen Limo der Erden abgebrennet
werden/ da ihn dan wird die finftere Welt mit ſamt feinem
Gewuͤrcke in fich verfehlingen.
- 52. Alfo verftchen wir yierinnen klar / wie GOtt dem gefals
lenen Menfchen auf groffer Liebe ven Schlangen=tretter verheifs
fen/ und ins Zungfräuliche verblichene Centrum einvermaͤhlet /
und zu einem Gehuͤlffen un Gefährten mit gegeben hat: Denn als
fie waren von GOTT abgefallen / und hatten fich nonftrofifch
gemacht / fo war das Bilde aus dem Limo der Erden gang
vichifch morden/ und lebete in der Widerwertigkeit / in
Krandheit/ auch in Higeund Kälte/ wiealleandere Ihiere,
72. So ſagte ihnen nun GOTT /was ihr Tuhn und IBürcken
in dieſer Welt feyn würde : als dag fie in Schnergen mit Wehe
in Mühe und Noht folten Kinder zeugen) und das Kraut auff
dem Felde effen/und nun ihre thierifche Bildnuͤß in Kummer und
Sorgen / in Mühe und Arbeit bekleiden / big der 4e.&lemen>
tiſche Menſch in der thieriſchen Schlangen-Bildnüß wieder ger>
breche und zur Erden würde / davon er genommen / und als
ein Lomus ausgezogen war,
x
258 Vom Fluche der Erden! Cap. 24
Das 24. Capittel.
Vom Zluche der Erden] und vom Leibe der Krand:
heit / wieder entitanden fey ?
2. Ab GOTT den Acker um des Menfchen Sünde
willen verfluschet/ dag er fol Dornen und Difteln
fragen / und den Menfchen nac begangener
Sünde erft heiffet das Kraut auff dem. Felde
effen/ und im Schweiß feines Angefichts fein
Brod eſſen; Zeiget ung genug an/dagdasfelbe im Paradeiß nicht
gerefen wäre/ der Acker hätte nicht Dörner und Diftelngetras
gen / undandereböfe Kräuter / fo vergifftet find /aber im Fluche
wurden diefe Eigenfchafften offenbahr: Denn wie der Leib nach:
ven Falle war / alfo auch feine Speife/ der halb⸗ Schlangen
Menfch mufte nun folde Speife effen / wie feine Begierde
erforderte.
2.Der Fluch iftanders nichts / als daß fich das heilige Element
(als das heilige Ens , welches durch die Erde ausgrünete/ und
Frucht tirug / und die 4. elementifche Eigenfchafft in fich- wie
gefangen hielt) verbarg: der Himmel in der Erden verbarg fich
»order Erden / die H. Tindurfür der auffgewachten Eitelkeit /
als das him̃liſche Theil aus dem him̃liſchen Ente vor dem Theil!
im Fluche / im Ente der finftern Welt.
3. Alfo wurd dem Menfchen das hirmlifche ein Myfterium ,.
und blieb alfo im Fluche zwiſchen Zeit und Ewigkeit ſtehen am
himiliſchen als halb todt: Jedoch am Ziel des Bundes auffs neu
‚mit der Berheiffung umfangen / und am Srodifchen am Bande
der Sternen und 4. Elementen hart angebunden / mit der
Schlangen und Teuffels Sucht inficiret ; andrey ſtarcken Ket⸗
ten hart angebunden / davon er nicht mag entlediget werden /
biß in die ganke Zerbrechung feines irdifchen Jeibes ; denn der
Fluch der Erden und der Schlangen drang auch in den irrdiſchen
Menfchen / alsin den Limum der Erden.
4. Dan Gott fügte: Dur bift Erde und folft zu Erde wer⸗
den: dan als die Begierde des Limi des Auszuges aus der Er⸗
den (als des äuffern Menfchen) wieder in die Erde gieng /
and nach irrdiſcher Frucht imaginirte / fo inficirte der Teuffel
Biefelbe Begierde durch der Schlangen Eigenfchaft / und im
jeder Begierde ift Das Fiat daß da impreflet „ und die Begierde
weſentlich machet 3 Alfo ward der indifche „Hunger dieſe
Sltun⸗
Cup. 24. uñ vom Leibe der Kranckheit 1.159
"Stunde wieder gank irrdiſch: fofagtenun GOTT : du muſt
wieder zur Erden werden] Davon dugenommenbift ; dandas
Himmlifche verblich im Irrdiſchen / gleich wiedas Gold im Bley
verblichen ift.
5. Alfo wird nun ein irrdiſcher Leib in die Erde eingeſaͤet /
und die Erde nimt ihn an / als ihr Eigentuhm: Aber das Ens-
aus der Ewigkeit (welches nicht zerbrechen mag) lieget in die⸗
fein irrdiſchen eingeſaͤeten Coͤrper. Es zerbricht nur das grobe
Fleiſch / als der Zeit Weſen / gleich wie ein fixes Metall in der
Erden nicht zerbricht / alſo auch das fixe Theil des Menſchlichen
Leibes nicht; und wie der Kuͤnſtler ein ſchoͤn Gold aus der Er>
den herfür bringt / alfo auch lieget das Menfchliche Gold in der
Erdenvergraben / und wartet des Künftlers zur Erweckung.
6. Und wie der Metalliſchen Eigenſchafft in der Erden viel
und mancherley iſt; alfo auch des Entis Menfchlicher Eigen
fhafft: Darum follalles durchs Feuer bewähret worden / was
. ein jever hatfür eine Eigenfihafft diefer Zeit anfich genommen /
und feinem $eibe impreſſet (als mit der Begierde des-Fiats ).
das follim Feuer GOttes bewähret werden; ober habe eine fire
beftändige Eigenfcharft vom goͤttlichen Ente in fich eingepreffetz
oder eine höllifche / thierifche / das alles foll im Feuer GOttes
bewähret werden; und wie das Ens in jedem Körper feyn wird :
alfo auch ein folch Feuer wird ſich im felben Enteentzünden.
7. Und wie das Queckſilber im Feuer verrauschet / alfo auch:
alles gottlofes Zeuffels Schlangen-werd / welches aus der fine
fern Welt undZeuffels- Begierde ift impreflet worden.
8 Hat nun ein Menfch diefe Zeit durch ernſten Glaubeniund
Goͤttliche Begierde / Goͤttlich Ens in ſich impreſſet (verſteht
durch den heiligen Seelen⸗Menſchen) in das ſterbliche Theil
vom Limo der Erden eingefuͤhret / ſo ligets im ſterblichen Theil
verſchloſſen aber als ein glimmend Moder das zum Feuer ar:
beitet / oder wie das Eöftlihe Gold im groben Stein verſchloſſen
lieget oder im Bley / und wartetdes Künfklers biß ers auflöfer >
Alſo auch wird die Auflöfiing des Menfchen Leibes aus der Er⸗
den feyn.
9. Alfo verſtehen wir jeßt hierinnen den Leib der Krandkheit /
und auchden Arkt; dennalsdashimmlifche Ens verblich / und
mit dem irrdiſchen gefangen ward / wie das Gold im Bley / fo
wachte das aͤußere Geftiene im $eibe auf: Und wie nun das
auffere Geftirne je eincs des andern Ens zerbricht / und inein
anders transmutirtt / alles nach der. gröffeften Gewalt: ne
Er auch
*
160 Dom Fluche der Erden Eap. 24
auch wird hiemit das Menſchliche Gemuͤhte (welches auch ein
Maͤgiſch Geſtirne iſt) regieret fo wol auch der Leib / und
wird damit in fremde Begierde und Luſt eingefuͤhret / davon
er ſich kraͤncket und plaget / und je ein eingefuͤhrts Ens, beydes
durch Speiſe und Gedancken oder Kuͤmmernuͤß / das andere
acht marteFoder kraͤncket.
20. Wie für Augen ift/ daß fich der Menſch allermeift im
Sterniſchen Gemühte mit der Begierde martert und kraͤncket /
auch plaget um das / das ihme nicht werden mag/ das in ſei⸗
nem Geſtirne nicht offenbahr ſtehet / und es fein Geftirne nicht
foffen noch annehmen fan; um dasfelbe plaget fich die falſche
eingeführte Begierde vom fremden Geftirne / und Frändket fich
Tag und Nacht darum: Daraus der groffe Geis entfichet / daß
der Menfch ein folches begehret / und in fein Geſtirne einfuͤhret /
das ihme ein ſchaͤdliche Gifft und Plage iſt / und mag doch mit
fremder Materia kein fixes beſtaͤndiges in ihme machen / das in
der Ewigkeit beſtehe.
ıı. Alles was das eigene Geſtirne (als des Lebens rechtes
Geftirne)vom fremden Geftirne in fich einpreflet / das ift falfch /
und ein Widerwille/ davon die Zeindfchafft (als der groffe Neyd
in der Natur) entſtehet dag das Menfchliche Gemühte wil
Arber fremdes Ens herifchen ; und fo ihme das nicht werden
inag / fobrennet doch daffelbe fremde eingeführte Ens in ihme in
Geifts Weiſe / als ein gifftig hungerig Neyd⸗Feuer / das dem
jenigen daſſelbe nicht goͤnnet / das es ſelber beſitzen wil.
12. Und ob es geſchicht / daß es mag durch den Schlangen⸗
ist an ſich ziehen oder beſitzen fo hats in feinem rechten Lebens⸗
geftirne doch Eeinen gründlichen Gi / denn es ift def nicht
faͤhig:Die falſche Begierde aber fegetes über fich als einen Koͤnig /
und pranget damit / alseineigener GOtt / der ihme habe frem⸗
de Macht genommen / und ſitze auff fremder Gewalt; daraus
die Hoffart des Reichtums und eigen = erlangten Ehren und
Gemwaltentftchet/ und iſt alles in feinem Grund uñ Urſtand vom
Zeuffel (durch der Schlangen Ens) entftanden / welcher auch
aus feinem eigenen Ente in fremde Begierde mitdem freyen
Willen eingieng / dadurch er ihme hat die höllifhe Mars
ter und Kranckheit ( mit fremden Ente ) ceingeführet und
erwecket / dag fein Lebens-geſtirne iſt ans einander / aus der
Gleichheit ausgegangen / umd in eine Zauberifche Eigenfchaftt
eingegangen: alfo gehets auch dem gefallenen Menfchen,
33: Run aber hat der Menfih feine Cur / und der *
n
Fap.za. und vom Leibe der Krandkheitic..ıcr
nicht: dan als die Goͤttliche Fuͤrſichtigkeit erkandt hat / daß er
nicht beſtehen wuͤrde / ſo hat er ihm laſſen allerley Artzney aus
der Erden auswachſen / zu wiederſtehen der fremden eingefuͤhr⸗
ten Eigenſchafft / beydes vom Geſtirne und Elementen; und
dem Gemuͤhte hat GOtt fein heiliges Wort zur Cur gegeben /
daß ſich das Gemuͤhte ſoll in das Wort einerſencken / und durch
des Worts Krafft den eingefuͤhrten fremden Eckel ſtaͤts weg⸗
werffen.
14. Und ſo das nicht geſchicht / ſondern in dem fremden ein⸗
gefuͤhrten Ente (welches der Teuffel ſtaͤts durch der Schlangen
Vild einfuͤhret) bleibet fo wird das fremde Ens zur Sub—
ſtantz / und umfaͤhet das verſchloſſene Ens von der Himmliſchen
Welt-weſen / fo bleibet alsdan daſſelbe Ens von goͤttlicher Ei—
genſchafft im Tode verblichen / und mag nicht die Stadt GOttes
erreichen; und hieraus folget der ewige Todt / wie beym Lucifer
zu ſehen iſt / in deme auch fein Goͤttlich Ens ins Nichts / als in
die groͤſſeſte Verborgenheit gefchloffen ift / daß er in feinem
magiſchen Geſtirne in der ereatürlichen Eigenfchafft/die Städte
GHttes nicht erreichen mag.
ı5. Darumb ift dem Menfchen noth / daß er ih in das vers
heiffene eingeleibte Wort GOttes gank erfändke / und ftäts das
frembde eingeführte Weſen / das ihme der Zeuffel in fein Ge>
muͤthe einführet (dadurch er frembdeDinge begehret) gang weg⸗
werffe / und nur das annehme / was er maginguter Wahrheit
und rehtem Glimpf erlangen / das ihme in feinem Beruff aus
Leibes⸗Nothdurfft zufället / daffelbe führet ihme fein rechtes Le⸗
bens-Geftirne zu / und iſt deffen fähig / machet ihme auch Feine
Marter noch Pein / fo er nicht der Schlangen Geitz / Hoffart /
Neyd und Zorn darein cinläffer.
16. Und ift das die gröfte Narrheit / daß fich der Menfch umb
frembde Dinge reiffet/ und das in feine Begierde einführet / das
ihn nur Erändet / und endlich gar von GOtt verſtoͤſſet / das ihme
fein himmlifches Ens ( in $eib und Seel) verfchleuft; Was ift
ihıne das nüße / das er auffer fich ſiehet / und erhebet fich in cinem
Spiegel⸗Glantze / und iſt aber deffelben nicht fähig; das aber deſ⸗
fen er fähig ift / macheter ihme zu zeitlicher und ewiger Marter
und Unruhe,
‚ı7. Hatdoh GOtt den Menſchen nackend gefchaffen / und in
diefer Welt nichts gegeben / daß er folloder mag fagen / das iſt
meine : Es ift wohl alles feine / aber es ift gemein : Denn
GoOtt ſchuff nur einen Menfchen / demſelben einigen gaber pair
wa
262 Vom Fluche der Erden / Cap.24
was in der Welt war: Nun ſind doch alle Menſchen aus dem⸗
ſelben einigen Menſchen / er iſt der Stamm / die andern alle ſtud
ſeine Zweige / und nehmen alle Krafft von ihren Stamme / und
bringen Frucht auff einer Wurtzel / uud jeder Zweig genieſſet
des Baumes Ens, auch genieſſen ſie alle gleich der 4. Elementen
and des Geſtirnes.
28, Was Thorheit iſts dann / dag der Zweig wilein eigener
Baunm ſeyn / und zeucht fich auff als ein frembdes Gewaͤchſe / als
fründe fein Neben-Aft nicht auch in feinem Stamme : Der
Schlangen eingeführtes Ens ifts/ das die Zweige am Lebens⸗
Baume des Menfchen (vom einigen geben des Menfihen) ab⸗
fuͤhret / einen jeden Zweig in einen fonderlichen Hunger / wollen:
ein eigener Baum in eigener Gewalt und Regiment feyn/ fo be⸗
gehret er der Bielheitdiefer Welt zum Eigenthum / daß er fich
in der Schlangen Ente möge groß zichen/ und ein groffer/dicker/
ſtarcker / fetter / vieläftiger Baum feyn.
19. Ja Fritz riech /wornach reuchft du ? Nach der Schlangen
Geilheit / Brunſt und Bifft / und nach dem zeitlichen und ewigen
Tode / das biſtu in dem eigenen Baume/ und nichts mehr ; und ob
du gleich. ein König waͤreſt / fo ift doch das jenige unter die. nur
deinem Ambte / und nicht dein eigen. |
20. Wiltu wieder in den Schens- Barum eingehen/und ein Aft
an dem einigen Leben des Menfchen ſeyn / fo muſt du in deinem
Gemütheund Begierde alles verlaffen was in diefer Welt iſt /
und werden als ein kleines Kind / und nur auffdas fchen/was dir
dein eigen Lebens⸗Geſtirne ( in deinem Ambte) zuwirfft/ darin⸗
nen folt du würden / und nicht ſagen / es iſt mein allein : Ob du
wohl der Ambtmann darinnen bift / fo dieneftu doch nur darin
der Wurgel/darauffdırficheft : Du trägeft der Wurtzel in dei⸗
ner Arbeit ihre Frucht / die foltu frey ſtehen laffen / und dein.
Ambt damit pflegen / deinem Bruder damit zu dienen / und feis
nen Safft helffen mehren dag er neben dir auch wachfe / und
Frucht trage.
21. Znaller Selbheit und Eigenheit ift ein falfch Gewächfe:
Ein Bruder folldes andern Arst nnd Erquickung fenn/ und ihm
fein Gemüthe (mit Einführung feines Liebe-willens) ftillen,
"Es wäre alles in diefer Welt genug/ wenn es nicht der Geig in
eine Eigenheit einzoͤge und feinem Bruder gönnete als ihme
felber/ und lieſſe feine Hoffart fahren/die doch vom Teuffelift.
22. Errennetmit der groffen Hoffart und Bauchforge nur
gum Zeuffelin Ybgrumd : Er wil Edelfenn und —— ee
’ er
— —
Cap.24. und vom Leibe der Kranckheit ıc. 163
Bruder / woher wil er das nehmen? Hat doch GOtt dem Men-
ſchen nur ein Leben gegeben / und aus dem einem komt aller Men⸗
ſchen Leben.
23. Daß er ihme aber ein Edlers darein einbildet und damit
pranget / das iſt ein Abfallvon GOtt und feinem Worte: Denn
in dein Worte GOttes war das einige Leben des Menſchen / das
lieg das Wort in das geſchaffene Bilde ein / und daſſelbe einige
Leben iſt aus der Ewigkeit / und hat keinen Anfang jemahls ge⸗
habt: Warumb fuͤhret ihme denn der Menſch ein freinbdes Le⸗
ben darein / daß das einige Leben verunruhige / fo muß es doch num
darbey bleiben / dag er entweder mit feinem Willen und Begier⸗
de / wieder in das einige kindliche Leben eingehe / und das Einge⸗
führte alles verlaſſe oder in dem eingeführten Weſen ewig in
Unruhe fey.
24. &o ich denn foll alles. verlaffen / was ich mir habe zum.
Eigenthumb eingeführet / und daffelbe nur mein Schade ift /
warumb verlaſſe ich denn nicht diefelbe falſche Begierde / die mir
den Ted unddie höllifche Marter einführet ? Beffer die Begier⸗
de zerbrochen /als hernach die Subftang mit groffen Schmergen/
wie es denn ſchmertzlich zugehet / wenn der Menſch foll Die Sub-
ſtantz in ihme (durch eine ernfte Umbwendung in das Kinders
Leben) zerbrechen.
25. So aberder freye Wille im Anfange die Begierde und
Luft zerbricht / dag die Luſt nicht wefentlich wird / fo ift der Arge
all gebohren / und darffhernach nichtein folcher Ernſt vorgenom⸗
men werden / als der jenige thun muß / der aus ſeinem gemachten
Greuel ſoll aufgehen / und das Weſen das er gemacht hat / im
Gemuͤthe verlaſſen und zerbrechen; und muß Doch zu den Ende
kommen / oder mag die Pforte des ewigen Lebens das GOtt dent
Menfhengabnicht erreichen ; und fer daſſelbe nicht erreichet /
fo erreichet. er auch nicht die Pforte GOttes. ;
26. Denn das eine Leben muß ins Nichts auffer aller Crea⸗
tur und NPefeneingeführet werden: Denn aus dem Richts / als
aus Böttlichem Verſtande / hats feinen ewigen Urſtand / und in
dem Etwas iftsin Quaal: Es ſey dann fein Etwas auch mit
Her Begierde ins Nichts eingerichtet/fo ifts dem Seben des Etwas
eine Freude / daß das geben des Nichte in ihme felber mag in Et⸗
was wohnen und. würden.
‚27. Denn Gott iſt gegen der Creatur als ein Nichts / fo aber
die Ereatur ihre Begierde in ihme ( alsindas Nichts) eingefuͤh⸗
ret / ſo wird die Creatur des Nichts Etwas / und walkt und —
1
164 Vom Fluche der Erden / ꝛc. Cap.z4.
tet das Nichts im Etwas der Creatur / und die Creatur Im
Nichts ; und in dem Wuͤrcken mag keine Turba entftchen / denn
es ift fein eigen Liebe⸗Spiel / das ftch felber liebet / und ſtehet an
‚ Der Natur Endeinitfeinem $eben.
28. Alfo verftchen wir/was uns Adam hatangeerbet /alsden
Fluch und eitele Begierde/ und betrachten den auffern Menfchen
in feinem Leben / als ein Monftrum eines wahren menfchlichen
Sebens : Es feydenn/ Daß das edle Gemüthe im Geiſte Chriſti
anderſt gebohren werde / fonft ift das Auffere Centrum im Ge⸗
mühe eine Schlange.
29. Und in diefer Schlangen fißet das grobe Thier vom Ge—
ftirne und vier Elementen/ das hat das Haus des Gemüths in⸗
nen / und begehret nach feiner thierifchen Eigenfchafft / einer die=
ſes / ver ander einanders / und gibet mancherley Figuren in der
Menfchen Gemüthes Einer macht in feinem Gemüthe ein fires
Weſen / / der andere ein gerbrechliches ; was er heute machet / das
zerbricht er morgen wieder / und hat ein unbeftändiges Thier im
Gemüthe/fället bald auff diß / bald auffdas.
30. Der aber ein fixes Thier auffzeucht/ der hält es in ihme
für feinen Schat/ und pranget damit/als wäre es das Junge
frauen-Kind / und ſamlet ihme irrdifche Schaße zu feiner thie⸗
rifchen Wolluft ein /und ift doch vor GOtt nur ein Narı mit
ſambt feinem Thier /denn er muß es doch der Erden laſſen und
dem Gerichte GOttes.
31. Deraber / in deme das Jungfrauen-Kind gebohren iſt /
der tritt das Thier im Gemuͤthe mit Fuͤſſen: Er muß es zwar
Auffeglich an ſich ſchleppen / als einen Laſt⸗Eſel / der den irrdiſchen
Sack tragen muß: Aber er hat Feindſchafft mit ihme / wie GOtt
zu Adam ſagte: Ich wil Feindſchafft ſetzen zwiſchen dir und der
Schlangen/und zwiſchen des Weibes Saamen und der Schlan⸗
gen Suamen /der ſoll der Schlangen den Kopff zertretten / als
dem Schlangen-Thier ; dem Monftro des Thieres im irzdifchen
Gemütbhe/zertritt der rechte wahre Menfch den Kopff feiner Bes
gierde und Macht.
32. Alfo mug ein göttlicher Menfch in ihme felber Feind:
fchafft haben / und das Monftrum , alsder Schlangen Kind mit
Fuͤſſen tretten / und immerdar tödten; denn fo diefer thierifche -
Schlangen-Saamen nicht in uns wäre eingepreffet / und gang
eingeleibet / fo hätte GOtt nicht dürffen fagen : Ich wil Feind»
ſchafft fegen zwifchen des Weibes und der Schlangen Saamen:
Die Feindſchafft iſt im Menſchen / und nicht auffer dem *
en
Cap.zz. Wie Got Adam und Evam x. 165
Then mit der Ericchenden Schlangen : Derfelbe Schlangen
Saame im Menſchen iſt des Teuffels Reuth⸗pferd / und Schlof/
da er im Menſchen kan wohnen.
33. Und darumb / daß der Teuffel ein Fuͤrſt dieſer Welt ges
weſen iſt / und noch im Zorne iſt / wil er das Bildnuͤß GOttes /
das GOtt an feine Stelle ſchuff / beſttzen / und unter feiner Ge⸗
walt regieren / und in ſein Reich einfuͤhren / das iſt ſein Wille;
und das hat der Fluch GOttes Zorns in ſich mitbracht / der wuͤrc⸗
ket nun maͤchtig ins Verderben.
34. Und hingegen würdet der Schlangen-Tretter ins ewige
Leben / und ftehet das menfchliche Gemuͤthe in mitten diefes / ime
freyen Willen welchem ftch der freye Wille einverleibet / darins
nen wuͤrcket das Gemüthe : Es geuchtein Thier und auch einen
Engelauff /oder ein Thier undeinen Teuffel: Nach der aͤuſſern
Welt ein Thier / und nach der innern geiftlichen einen Engel
oder Zeuffel.
- 35. Alhie wird im Saame ein Korn gefüct /das ſtehet in
3. Prineipien / und iſt zuallen dreyen recht / eine Ereatur darin
nen zu gebahren/denn die Göttliche Möglichkeit aus GOttes ge⸗
offenbahrtem Worte in $iebe und Zorn / alsdas VerbumFiat,
lieget darinnen: Wie ſich der freye Wille faffet / alfo gebaͤhret
er ein Ens, und indem Enteentfichetder Geift / der formet ihme
aus dem Ente eine Ereatur/ und der Geift bezeichnet fich in
feinem Coͤrper waserift: Alfo fichet feine Figur.
Das 25. Capittel.
Wie GOTT Adam und Evam aus dem Paradeiß ge:
trieben] und den Eherub für den Garten geleger.
x. $5 Gott die Schlange ſambt der Erden verfluchet
hatte / fo war der Thier-Menfch nichts mehr nuge
im Paradeife/ denn der Früchte des Paradeifes
Eonte er nicht mehr genieffen / folegte Er ihme die
Arbeit und Muͤhe der Weltauf/ und trieb ihn aus
dem Garten Eden aus / und laͤgerte den Cherub mit dem Feuer⸗
ſchwerdte des Gerichtes dafür / daß / ſo das neugeborne Jungs
frauen-Kind aus des Weibes Saamen würde wieder kommen
und ins Paradeif eingehen / diefer Engel mit dem Feuers
ſchwerd folte der Schlangen Thier daven abfehneiden/ und
nicht mehr ins Paradeis sinlaffen. *
2.Der
256 Wie Gott Adam uũ Evam aus Cap. 25%
2. Der Engel mit dem Schwerdte iſt der rechte Wuͤrg⸗En⸗
gel der den Tod und das Leben in feinem Schwerdte führet / er
hat GOttes Liebe und Zorn darinnen/ und wenn der Menfch
in diefer Welt ftirbet / ſo komt er fürdes Paradeißes Pforten/
fuͤr dieſen Engel / alda muß die Seele durch diß Gerichte gehen.
3. Iſt ſie nun in GOttes Zorn gefangen / ſo kan ſie nicht
durch diß Gericht gehen: Iſt ſte aber ein Jungfrauen⸗Kind aus
des Weibes Saamen gebohren / ſo kan ſie durch diß Schwerd
durchgehen / ſo ſchneidet der Engel das Thier von der Schlan⸗
‚gen Ente gezeuget abe: Sp iſt alsdan die Seele ein Engel
GoOttes / und dienet ihme in feinem Tempel im Paradeiſe /
amd wartetdes Tages des Gerichtes/ als der Aufferftchung des
aͤuſſern Leibes: Wan dieſer Engel mit dem Feuerfchwerdte wird
die Erde vom Fluche ſcheiden / fo komt der rechte menfchliche Leib
wieder / denn er muß auch durch dieſes Schwerd gehen / und
das Schwerd wird fein Thier abſchneiden / auf dagerallein
ein Menſch und nicht mehr Thier ſey.
4. Dem irrdiſchen Menfchen find die Reden Mofts von dies-
fen Gcheimnüß gank verborgen: Dan Mofes faget von einem
Engelund Schwerdte/ und ob die Aufere Figur / freylich wohl
alfo war / dann alfo ward Adam auggetricben / aber es hat viel
ein ander A.B.C. im Innern der natürliche Menfch ohne
GoOttes Liecht verfichet nichts davon.
5. Daffelbe.Schwerd ift im Menfchen ; wenn der Menfch
umnkehret / und gehet in Reu feiner begangenen Sünden / und
wirfft die Eitelkeit weg / und gehet ins Kinder-⸗Hembde ein: Se
gchet der Morgenftern im JZungfräulichen verfchloffenen Ente,
im wahren IBeibes-Saamen/ im Geiſt Chrifti / auf.
6. Und in diefer ängftlichen Pforte der wahren Buſſe / ſtehet
der Engel mit dem Feuer-Schwerd/ und der fungfräuliche
Zweig dringet durch dieſes Feuer-Schwerd durch ins Paras-
deiß / als ins Liecht / ins geben Ehriftiein / und waͤchſet durch
dieſes Schwerd durch.
7. Da ftchet nun das Jungfraien-Kind mit feiner ſchoͤnen
Roſen im neuen Gewächfe im Paradeiß; unddie arme Seele
welche diefes Kind gebähret / ftehet Die gange Zeit im Feuer⸗
fchwerd inne / und mit einem Bande ander Auffern Welt an
dem groben Thiere feft angebunden: Alda wird das Jungfrauen⸗
Kind mit diefem Feuer⸗ſchwerd wohlgeftochen / dan die Feuer⸗
feele/ welche im Feur⸗ſchwerd GOttes Zorns andem Schlans
gen-Monftro angebunden ftehet / die vergaffet ich ein dem
chlan⸗
Cap. 25. dem Paradeyß getrieben N 167
Schlangen-Monftro, und fündiget; fo fchneider alsdan dieſes
Feuersfhwerd die Sünde abe/ und fchlinget ſie in GOttes Zor⸗
ne ein / alda werden fie gekältert und gerichtet. ur
8. So muß das arme Jungfrauen-Find/ welches auf der
Seelen gebohren wird unterm Ereug Chriſti / in Chrifti Tode:
ftehen / und gehet das Schwerd der Truͤbſal hindurch: Es muß
ſich saffen durch diefes Feuerſchwerd hindurch zichen/ und das
Feuer brennet den Edel/ welchen die Seele vom Schlangen
Monftroeinführet/ immerdar abe / da gehet es dan ſchmertzlich
zu / wenn der Feuerſeelen das abgeſchnitten wird / das ſie von
ihrem Monftro gerne hätte.
9. Da muß das jungfrauensKind der Feuerſeelen flehen / und
ihr die Liebe anbieten] dag ſte nur folldas Monftrum der Schlan⸗
genverlaffen: da gehetdan Streit und Wiederwillen an / denn
das Theilder Feuerſeelen hatihr das Schlangen-Monftrum eine
geführet/ und feine Freude alſo darinnen haben wollen/ und
liebet das böfe Thier.
xo. Sp fpriht Sophia / als das andere Principium , als das
Theil der Liecht⸗welt / darwider / da gehet der Streit zwifchen
des Weibes Saamen und der Schlangen Saamen an: Da
gehet denn der Menſch in Traurigkeit und in Truͤbſal / bald ſte⸗
get das jungfrauen Kind / bald ſteget das Schlangen-Kind.
ıı. So hitzet alsdan der Teufel alle Monftra gegen dem
jungfrauen-Kinde auff / das zu fchlagen / das zu fpotten / hoͤhnen
und auszulachen / und zu narren / daß es ja nicht erkant werde:
Auff daß ihme / dem Teufel / ſein Reich nicht offenbahr werde.
12. Dieſes muß das jungfrauen⸗-kind in Chriſti Geiſte trei=
ben / und ſich laſſen wohl geiſeln / ver folgen und ſchelten / und
ofte laſſen einen Beſeſſenen vom Teufel heiſſen / ſich laſſen ver-
fluchen / und immerdar als ein Fege-⸗opfer der Welt halten / biß
das aͤuſſere Thier ſeinen Lauf in ſeiner Conſtellation vollendet
hat / ſo ſchneidet der Cherub das grobe Thier abe / und laͤſſet es
hinfallen / big zum Gerichte GOttes: Alsdan muß das Theil
‚ver Feuer⸗ ſeelen alsbald durchs Gerichte diefes Schwerds
durchdringen.
13. Iſts nun daß die Feuer⸗ſeele hat viel Eitelkeit in ſich im⸗
preſſet / als Schlangen ⸗liſt / fo muß das Theil der Feuer⸗ſeelen in
dieſem Schwerdte ſtehen / biß das Feuer GOttes Zornes dieſe
eingeführte Eitelkeit verzehret welches manchem Fegefeuers
gnug iſt; welches die jegige zuviellluge Welt nicht glaubet/und
nur wpilein von auffensangenommencs Kind feyn/ und —
ena⸗
he
168 Wie Gott Adam und Evam aus Cap. ꝛ 5.
Genaden eine aͤuſſerliche Abwaſchung der Suͤnden haben / aber es
hat ein ander A.B.C.allyier/ GOTT wil der Schlangen Ens
weder im Leibe noch in der Seelen ins Paradeiß einlaſſen.
14. Dieſe Feuer-ſeele muß im Feuer GOttes beſtehen und
alſo lauter ſeyn / als das klare Gold / denn ſie iſt der Mann der
Edlen Sophiz/ auß des Weibes Saamen / ſie iſt des Feuers
Tinctur, und Sophia des Liechts Tinctur: So die Tinctur des
Feuers gantz rein iſt / ſo wird ihr Sophia in ſte eingegeben / ſo
bekomt Adam ſeine alleredleſte Braut / die ihme in ſeinem erſten
Schlaffe genommen ward / wieder in feine Arme / und iſt fuͤrbaß
kein Mann noch Weib / ſondern ein Zweig an Chriſti Perlein⸗
Baume / der im Paradeife GOttes ſtehet.
15. Darzu wir allhie eine Engels-Zunge duͤrffen / und ſeind
doch den unſern genug verſtanden: Den Saͤuen haben wir dieſes
nicht geſchrieben / was für eine innerliche groſſe Freude und Lie⸗
be⸗Luſt allhierinnen fey/ und wie gar fehöne die Brautihren
Bräutigam in feiner hellen und klahren Feuers-Eigenfchafft
annchme / wie fieihmeihren Liebe⸗kuß gebe / das verftehet alleine
der /fo bey undinder Hochzeit des Lammes geweſen iſt; den an⸗
dern iſts ſtumm.
16. Wenn die Vernunfft hoͤret vom Paradeiß ſagen / ſo ver⸗
ſtehet ſie allein einen gewiſſen abtheiligen Orth / und es iſt auch
nicht weniger: Es iſt ein gewiſſer Orth geweſen / welcher der
Garten in Eden hieß / da Adam und Eva verſuchet / und von wel⸗
cher Städte fie nach dem Falle ausgetrieben worden: Aber es
war auch die ganke Welt ein folch Paradeiß vordem Fluche;
weilaber GOTT den Fall erkante/ foward ihnen das heilige |
Paradeiß nuran einem gewiffen Orthe eröffnet : Denn was
folte die gantze Auffere Welt Paradififche Frucht tragen / weil
eine Ereatur auff Erden war / welchederer hatte können ges
nieffen.
= Adam und Eva wurden aber gleichwohl ins Paradeiß
eingeführet / auff dag / 06 ſchon diefer erfte Seib fallen würde und |
zerbrechen/ dag ſie und ihre Kinder folten mitder neuen ABieders |
gebuhrt im Geifte Ehrifti durch dig Feuer-ſchwerd / welches |
Die 2 Begierde abſchneidet eingehen: Diefe Geheimnuͤß
iſt ſehr groß. |
18. Denn Fürft Lucifer ſaß für Zeitder erfchaffenen Erden |
im himliſchen Ente in der englifchen Welt / im Loco diefer Welt/
darinnen das Ens der Erden im Fiar gefaflet/und ineine Compa-
&ion geführet ward⸗ſeine falfche Imagination hatdenLimum > |
je
Cap. 25. dem Paradeißgetriebeniic. 169
der Compaction füchtig gemacht / Es war der Ohrt feiner
Hierarchien: Nun ward der auffere Leib des Menfchen aus dem
Limo der Erden im Verbo Fiargefaffet / und nach Eigenſchafft
des menſchlichen Lebens / welches im Worte war fotmiret: Das
Wort kormitte das Ens oder Limum aus der Erden / nach Ge—
ſtaͤltnuͤß des menſchlichen Seelen⸗Lebens das im Worte war/
durch das Fiat; und weil ſich GOTT durch fein Wort hatte zum
Richter geſetzet / uͤber die falſche Sucht und Begierde des Teu⸗
fels / ihn und fein entzuͤndet Weſen zu richten / ſo war das Richter⸗
ſchwerd ſchon im Limo der Erden / davon Adam gemacht ward.
19. Denn als GOTT die Erden ſchuff / hat er ihre Zeit ge⸗
gruͤndet / da er wolte das Gericht halten / und das Boͤſe vom Gu⸗
ten ſcheiden; und das Boͤße dem abtrinnigen Fuͤrſten zur Be—
hauſung geben: Weil aber das Gute in der verſchloſſenen Erden
ohne himmliſche Creaturen war / dieweil fein Fuͤrſt war ausge⸗
ſtoſſen worden / fo ſchuff GOTT den Adam als einen andern
Hierarchen aus dieſem guten Ente zum Regirer dieſes Orths /
und daher kam des Teuffels Neid wider den Menſchen / und alle
gute Creaturen die ſer Welt.
20. Nun iſt uns aber der Menſchliche Abfall alhie mit dem
Schwerdte Cherubs zu betrachten: DennS. Paulus ſaget: Wir
find in Chriſto Jeſu verſehen / he der Welt Grund geleget ward:
und allhieher gehoͤret der Spruch Pauli / GOTT erfantedag
dieſes Ens, daraus Adam ſolte geſchaffen werden / ſchon etwas
falſchſuͤchtig war von des Teuffels eingefuͤhrter Begierde: Da⸗
rum verſahe GOTT dieſen Limum in Chriſtb Jeſu fuͤr der Welt
Grunde / daraus er den Menſchen machen wolte / daß er ihn wolte
durch das Gerichte des Feuer⸗ſchwerds / durch den Tod und durchs
Fewer durchfuͤhren / und die falſche Sucht gantz abbrennen; und
in feiner hoͤchſten Liebe in ſeinem Worte in Jehova, das iſt / aus
Jehova eroͤffnet / in dem Jeſu neugebaͤhren / einen neuen Limum in
den fuͤchtigen einfuͤhren / und mit einander durchs Gerichte des
Fewer⸗ſchwerds durchfuͤhren / und gantz rein bewähren.
21. Und allhier ſtehet auch Chriſti Höllen-fahrt / da die Liebe
GOttes in Chriſto in dieſes Feuer⸗ſchwerd eingieng / und den
Grii in Liebe verwandelte / auch den Stachel des Todes zerbrach /
der im Liwo der Erden / daraus Adam nach der aͤuſſern Menſch⸗
heit geſchaffen ward / inne war / und in der Verderbung Lucifers
hat dieſes Feuer⸗ ſchwerd feinen erweckten Urſtand.
22. Denn ob wohl Adam an einem Theil von himmliſcher
Weſenheit / welche am Worte des — Sehens war / *
ihme
270 Mie Gott Adam uũ Evam aus Cap.2 5,
ihme in den Auffern und innern Limum eingeblafen ward / ges
ſchaffen war / fo lag aber doch diefes Feuer⸗ſchwerdt / als cin glime
mend Moder im verborgenen im irzdifchen Limo des Auffern
$eibes/ welches auch Adam drang) dak er wieder GOttes Gebott
und Himmelreich luͤſterte in welchem Moder der Teufelauch
feine Begierde in ihn einführete/und zum Abfall reigete/welches/
weil es GOTT wohlerfante/daß der arıne Menfch nicht beftehen
wird hate/ erihme einen Schülffen in Chrifto geordnet/ der ihn
führen ſolte / in deſſen heiliges Weſen er folte eingeführet werden/
als in den rechten Sabbath / und ewige Ruhe. *
23. Adam war wohl in gleicher Concordantz geſetzet gantz
vollkommen / und ins Paradeiß eingeführet / fodie Seele hätte
mögen das Moder überwältigen: Und darım ward ihmeder
Derfuch-Baum fürgeftellet / obs möglich wäre / daß die Seele
2 diefe Sucht überwältigen/ und gank in der Gleichheit
bleiben.
24. Aber es war nicht möglich/darum murfte hernach Chriftus
andiefe Stelle tretten / und in der Wüften 40. Tagein Adams
Ente, und in feinem neuen eingeführten himmliſchen Ente vers
fuchet werden/ob nun die Feuer⸗ſeele in ganger Reinigkeit beite>
hen wolte: Und als fie jest in Chriſto beſtund / fo zerbrach das
neu eingefuͤhrte himmliſche Ens das Schwerd im Tode des aͤuſſe⸗
ren Leibes Chriſti / und fuͤhrete den aͤuſſern $eib/den er in Marien
aus ihrem Saamen angenommen / durch dieſes Schwerdt des
Zornes GHttes hindurch in das heilige Ens, und in derſelben
Krafft ſtund der aͤuſſere Leib vom Tode auff; und ſiget uͤber den
Tod und dieſes Feuer-ſchwerd; und nahm das Feuer-ſchwerd in
ſeine Gewalt / damit wird er ſeine Tennen am Ende der Welt fe⸗
gen / alsein Richter über Teuffel und Menſchen / fo wohl die
Erden.
25. Denn um das Feuer⸗ſchwerd war es zu tuhn / dan König
Lucifer hatte es ihme aus dem heilen Liechte in Feuer vers
wandelt / damit wolte er als ein GOTT herrſchen: Aber GOTT
ſchickte ihme einen andern Fuͤrſten uͤnd Koͤnig / der es ihm nahm /
und ihn von dieſem Trohn wegſtieß; und dieſes Schwerd im
Enteder Erden wieder ſolte in Goͤttliche Eigenſchafft verwans
deln / und den Teuffel mit diefem Schwerd ausftoffen und
richten.
26. Und iſt nicht fo ein ſchlechtes wie man es bißher mit dem
Feuer⸗ſchwerd verſtanden hat / obs wohl iſt verborgen gewe⸗
ſen durch GOttes Raht / ſo ſollen wir aber anjetzo nr
ugen
Cap 25. dem Paradeiß getrieben ꝛc. 171
Augen empor ſchlagen / und dencken was das ſey / das ein
ſolches offenbahr werde / daß eben das Gerichte dieſes
Schwerds andeute / daß der Fommen wird/ der es in
einem Munde fuͤhret; und iſt auch ein Botte / daß Bü:
bel durch dieſes Schwerd ſoll ſein Ende nehmen / und
dem Schwerdte auffzufreffen gegeben werden.
27. Nun fpricht die Bernunfft: Warum fdgete GOTT nicht
zuvorhin diefes Ens , daraus er die Erde/ und den Menſchen aus
Derfelben Erden ſchuff / che er die Erde und den Menfchen fchurf ?
Ja liebe Bernunfft / allhie haſtu es gefroffen / GOttes Allmacht
und Allwiſſen muß dir dienen / auff daß du kanſt alle Dinge in
Gottes Willen einfuͤhren / wie die Bernunfft tuht: Höre Ber-
nunfft / weiſſeſtu woraus die Erde erbohren iſt? Du ſprichſt /
durchs Wort/alsimVerbo Fiat: Ich ſage auch alſo: Nun / was
war daſſelbe Wort? Da ſiehe die Erden und dir gantze Creation
an / ſo wirftu ſehen / was die Vegierde des Worts aus dem Geiſt⸗
fichen Ente habe in ein Weſen eingeführet / du wirft allenthalben
Boͤſe und But ſehen / und GOttes Liebe und Zorn fpüren.
28. Das Wort war ein Aushall aus der Geiſtlichen Feuer:
und Siccht-welt/ darnach fih GOTT / nehmlich / nach dem Feuer/
einen ftarden / eyferigen / zornigen GOTT nennet / und nad) dem
Liechte einen barmhertzigen lieben GOTT. |
29. Haͤtte nun GOTX follen das ı. Principium alsden Feu⸗
er-quällim Enteder Erden/ daraus fie gefchaffen ward / auffhe⸗
ten] wovon wolte das Liecht feine Macht haben ? gebaͤhret doch
der Batter/als die Feuer Welt/ven Sohn / als die Liccht-welt; fo
aber nun das Wort in dergeuer-welthart entzündet ward durch
GOttes Bewegen zur Schöpffung / wie ander Coagulation der
Steine zu ſehen iſt / fo wir nicht Klöge wären / und nur Kälber
Verſtand hätten: Wormit ſolte daffelte Feuer wieder ins Sicht
in die gleiche Concordang gebracht werden / fonderlich aber das
entzumdete Ens in der Coagulation: Es muͤſte es nur GOttes
Liebe tuhn.
30. Run wie wilaber ein Creatur / als cine Feuer?ſeele oder
Engelin ein Gefchöpffe oder Formirung eingehen / foder Feucr⸗
quallnicht infonderheit beweglich ware. Es wiirde doch nur ein
gleiches im gleichen bleiben; fo es aber nur blog ein Gleiches iſt / ⸗
hats nur fein Spiel init und in fich felber / wie es von Ewigkeit
geweſen ift: Und darum hat ſich der unwandelbahre GOTZ
nach Feuer und Liecht beweget / und die Feuers Eigenſchafft
erhebet / daß er jhme ein Spiel / als ein gefafſet Wort aus ſich
H 2 macht /
72 Wie Gott Adam uũ Evam aus Cap.25.
mache / das für dem unformlihen Worte ein Spiel ſey.
32. Albie verftichen wir nun das / ob GOTT haͤtte das ent»
zuͤndete Ens, Daraus die Erde und der Menfch ward gefchaffen?
ſollen wieder in das unformliche Wort / als gans indie Gleid)>
heit in die Siebe einführen, fo möchte Feine Creatur feyn erbohren
morden ; denneinjeder Seelen-geiſt muß ein beweglich Feuer
ſeyn / ſo wohl auch Die Engel/und alles was Ichet.
32. So mag num kein Feuer-quall aus der gantzen Gleichheit
gebohren werden / die Gleichheit bewege ſich denn: So hat ſich
doch die ewige Gleichheit/ald GOTT in ſeinem Myſterio zuvoren
mit Schaffung der engliſchen Thronen beweget: ſolte er aber
nun dieſe Bewegung / welche zwar entzuͤndet / und auch vom Hier-
archen Lucifer mit Sucht vergifftet war / zuvor ehe er haͤtte die
Erde und den Menſchen geſchaffen / in Siebe verwandeln / fo hätte
er fich ſollen noch) eines nach des Feuers Eigenfchafft bewegen / fo
er 2: wollen einen andern Hierarchen und Fürften-Engel
chaffen.
ſ 33. So es aber nicht ſeyn möchte / fo ſchuffer die Erden / und
aus der Erden den Menſchen aus der erſten Bewegung / und bließ
dem Menſchen die Feuer⸗und Liecht⸗ſeele / aus dem Hall ſeines
geoffenbahrten und bewegten Worts / als aus der erſten Bewe⸗
Zung / ein: Dan aus der erſten Bewegung des Worts / ſolte ein
anderer Fuͤrſt in den Fuͤrſtlichen geſchafſenen Thron Lucifers
kommen / und die erſte Bewegung beſitzen und einnehmen.
34. Und in die erſte Bewegung ſtellete GOTT das Gericht
ein / und nahm dem Lucifer fein Regiments-ſchwerd im Ente der
Erden und des Himmels / und ſtellete es in Adam / und fuͤhrete
hernach die hoͤchſte Liebe aus GOTT in Chriſto / in Adam cin;
und brachte das bewegte Wort wieder in die Gleichheit / als in
eine ewige Beſtaͤtigung / und gab Adam in Chriſto / das Feuer⸗
ſchwerd uͤber den abgefallenen Fuͤrſt Lucifer.
35. Denn Adam / als der verderbte Limus der Erden / ſolte in
Chriſto ſeinen zu erſt gehabten Fuͤrſten / mit dieſem ſelberweckten
Feuer-⸗ſchwerd richten / wie uns Chriſtus ſaget: Daß die Hei⸗
ligen ſollen die Welt richten / verſtehet das entzuͤndete Ens des
Menſchen und der Erden / ſolten denLuͤgen-fuͤrſten der die Wahr⸗
heit im heiligen Ente hat in Luͤgen verkehret / und mit falſcher
Begierde verderbet / richten. |
36. Weil aberdas Ensdes Menfchen verderbet war und
nicht Eonte/ fo führete GOTT aus feiner Höchften Verborgenheit
das allerheiligfte Ens in das verderbte des Menfchen / als * das
imm⸗
Cap.ꝛ 5. dem Paradeiß getrieben ꝛc. 177
himmliſche Theil ein / und fuͤhrete das aͤuſſere durch das Schwerd
des Feuers und Todts auch ins Innere in cine ewige Gleichheit
ein: Alfo hat die Vernunfft allyie ihren Spiegel / iſt fie vor
GOTT erleuchtet/fo wird fte uns allhie verftchen ; wo nicht/fo ift
keine Mögligkeit zu diefem Verſtande.
37. Und wollen denLaͤſterer gewarnet haben / daß er nicht fagef
es fey eine Blafphemia. Thue er von che die Kälbersund Thicres⸗
Augen abe/ und fehe uns alhie ins Gejichte /che er tadlet; cs hat
einander A.B. C. allyie/alsdie Bernunffthat/esmug ein Grad
tieffer gebohren feyn.
38. Alfo können wir Adams Austreibung auch beffer verfte>
hen / warum er fey verſuchet worden /umd aus dem Paradeiß ges
trieben: Weil ſein Ens durchs Teuffels Gifft etwas angezündet
war /fo konte er nicht das Paradeig beitgen / fo trieb ihn GOTT
mitdem Schwerdte des Gerichts darausinden Tod und Zer⸗
brechligkeit Jund gab ihmeaber das verheiffene Wort feiner tief⸗
feften $iebe mitin das Ens der himmliſchen Welt⸗weſen zu einem
gewiſſen Bunde / darein Adam und feine Kinder folten frauen
und glauben/ dag er fie in Vollendung diefer Zeit welte in dieſem
eingeleibten Worte mit Einführung des heiligen Entis, aus
dem Tode durchs Feuer⸗ſchwerdt wieder einführen / und nit dem
Gerichts⸗Schwerdte die falſche Sucht reine abſchneiden / und !te
als Engel GOttes an des gefallenen Luciſers Stelle einführen ;
und das ift das Geheimnuͤß vom Engel und Schwerdte des
Paradeiſes.
39. Der Engel trug den Namen des Bundes / daraus GOTT
wolte den Jeſum / als den Groß⸗fuͤrſten offenbahren: Und iſt
eben derſelbe Engel / der hernach auff Erden viel Wunder⸗thaten
gethan / der bey Abel, Sem, Enoch, Noah, Abraham und Moſe
war / der Moſi im Feuer⸗ſchwerd der Flammen im Buſche er⸗
ſchien / und der Ifraclaus Egypten fuͤhrete / und ihnen in einer
Feuer⸗ſeule vorgieng / und des Tages in einer Wolcken⸗-ſeule;
der ihnen das Geſetze im Feuer gab/und fie endlich mit dem loſaa,
alsdem Feuer⸗bilde deffen / fo aus dem Feuer⸗ſchwerd folte aus⸗
gebohren werden/ ins Sand Iſrael einfuͤhrete.
40. Diefer Feur-Engel wandte feyn innerlich Liecht heraus?
undoffenbahrte fichin Chrifti Perfon inder Menfchheit / ınit
dem Chriſtus / als das heilige Salboͤhl der tieffeften verborgenen
Siebe / verwandelte das Feuer⸗ſchwerdt des Engels in ein $iche>
ſchwerdt / und heilige Regiment. A
42, Und das ift der wahre Cherub ey den falfhen Adam aus
3 Jens
274 Dondes Menſchen Fort⸗ Kap.z6,
dem Paradeife trieb/und durch Chriſtum dasZungfrauen- Kind
aus Adam in Chrifto neusgebohren / wieder einführet ; umd kei⸗
nen andern Grund noch Verſtand hat es.
Das 26. Capittel.
Bon der Menſchen Fortpflantzung in dieſer Welt /
und von Cain dem Erſt⸗gebohrnen und
Bruder-Moͤrder.
2. (> Ns ift albiedie Sache recht zur betrachten/und nicht
mis Gedichte und Fabeln Schlüffe zu machen/ wie
bighero gefchehen wegen der Gnadenwahl / da es
doch nur alles blind und ſtumm gewefen / und kein
* rechter Verſtand gefunden worden.
2. Weil man dann in der Vernunfft geſuchet hat / und nicht
moͤgen durch rechte Pœnitentz durchs Feuer⸗Schwerd durchdrin⸗
gen / und mit Goͤttlichen Augen ſehen / fo iſt auch der Vernunfft
nur das Feuer-Schwerd GOttes Zornes und ernſten Fuͤrſatzes
Des Gerichts in Augen blieben / und mehrers haben ſie nicht ge=
fehen: Darumb hat man ſchroͤckliche faͤhrliche Schlüffe ohne
genugſamen Verſtand gemacht.
3. Es wird aber die Chriſtenheit treulich vermahnet / doch
einmahl aus dem Vernunfft-Schluſſe auffzuwachen / und doch
GEottes klares Angefichte zu ſehen / ver kein Boͤſes begehret noch
begehren kan / ſich auch zum Richter uͤber alles boͤſe gottloſe We⸗
ſen geſetzet hat / und wird ſolche Schlüſſe alle im Schwerdte ſei⸗
nes Zornes zerbrechen / und den Cherub wegthun.
4. Allhie betrachtet ſichs nun / wie das ſey zugegangen / daß Aa
dam und Eva zum erſtenmahl ein boͤſes Kind / und einen Moͤrder
gebohren haben: So ſpricht die Vernunfft / es ſey aus GOttes
Fuͤrſatz geſchehen / der habe ihme eine Wahl gemacht / und einen
Hauſſen Menſchen zur Verdamnuͤß erkohren / den andern zu
ſeiner Liebe.
5. Ja liebe Vernunfft: Woraus biſtu gebohren ? und woraus
redeſtu unter dem Deckel der Schrift ? Redeſtu nicht aus der
Schlangen Enteund Worte ? Wer brachte das falfche Ens in
Eveæ Matricem ‚darinnen Cain ergriffen ward ? Thate es nicht
der Teuffel durch die Schlange / und machte Evæ Matricem
Monftrofifch. ‚
6. Verſteheſtu nicht / wie ftch alsbald habe das Wort der Ver⸗
heiffung in der Even Matricem, in ihren Saamen eingeleiber /
und
Cap.26. pflantzung in dieſer Welt / ꝛc. 775
und daß der Streit zwiſchen GOttes Zorne / und zwiſchen GOt⸗
tes Liebe bald angieng / denn GOttes Liebe hat ſich einverleibet /
‚dem Monftro der Schlangen in GOttes Zorne den Kopff zu zer⸗
tretten / darein folte die Feuer-⸗Seele / welche in GOttes Zorne
gefangen lag / ihren freyen Willen eingeben,
7. Denn die Feuer⸗Seele iſt eine Wurtzel aus Goͤttlicher
Allmacht / und darumb hat ſte freyen Willen / und der mag ihr
Durch nichts genommen werden: Sie mag im Feuer oder Liecht
ſchoͤpffen.
8. Sprichſtu aber) wie daß der Schlangen⸗tretter nicht alſo⸗
balde im erſten Saamen der Schlangen Enti, den Kopff zertratt /
und nicht ver Schlangen moͤrderiſch-gifftigen Willen in der
Seelen Ente empor ließ kommen ? Das ift gerade alfo geredet /
als fagteich : Warumb/da GOtt fahe daß Adam boͤß ward / vers
flieg er ihn nicht /oder machte ihn zu nichts / und ſchuff einen
neuen Adam? Alfo wil ſie auch von den Teuffeln richten / es habe
Gott gefallen / daß Teuffel ſeyn ſolten / auff daß erkant würde /
was ein Engel fey.
: 9. Höre Vernunft: Ich habe dir droben geantwortet /daf /
fo ſich GOtt hatte follen noch eines bewegen umb des Menſchen
willen / und die erfte Bewegung in eine Stille einfuͤhren indem
menſchlichen und irrdiſchen Ente: So hatten die fechs Tage⸗
werde der Schoͤpffung muͤſſen zuruͤcke gehen / und in eine uns
wuͤrckliche Ruhe eingefuͤhret werden / das wolte GOtt nicht; die
gantze Oteation folte und muſte in ſeiner erſten Bewegung be—
ſtehen / fein erſt geformtes Ens im Verbo Fiat folte beſehen / es
geſchehe gleich in Liebe oder Zorn / wer das ergrifſe / der Zorn war
offen / alſo auch die Siche.
20, Die Liebe allein heiſſet GOtt / der Zorn heiſſet ſeine Staͤrcke
und Macht; was nun der freye Wille würde begehren / darein
ſolte er beſtaͤtiget werden / entweder in die Liebe oder in Zorn.
ar. Denn der freye Wille war aus Liebe und Zorn / als aus
der Feuer⸗ und Siecht- Welt erbohren : Alfo möchte er ihme auch
eine Stätte zu feinem würdenden Sehen erwählen/folte GOttes
Liebe haben den freyen Willen im Ente, inder Eva Saamen/ in
ber Siebe erfauffet / in deme er war im Zorne entzündet. worden/
fo hätte die feurifche Bewegung in der Matrice müffen auffhoͤ⸗
— fo mag aus dem Liechts⸗Ente allein keine Seele gebohren
werden.
2. Auch ſo haͤtte muͤſſen zuhand das verderbte Ens des irr⸗
diſchen Limi durchs Feuer gerichtet werden / welches nicht ſeyn
Da kontel
176 Bon des Menſchen Fort: Cap.ꝛs
konte / denn die Bewegung der neuen Wiedergebuhrt / und die
Eröffnung der Goͤttlichen Suͤßigkeit / und Uberwindung des
Feuers / als des Zornes GOttes / ſtund allein Dem Namen Jeſu zu.
13. Das Wort/das ſich hatte eingeleibet / hatte von auſſen
das Feuer⸗Schwerd / als den Cherub / und von innen den IEſum /
der ſolte das Feuer⸗Schwerd mit Liebe überwinden: Alſo ſtund
der Name JEſus im Feuer-Schwerd verborgen / und war nicht
offenbahr/big auff die Zeit/ daß ſich GOtt wolte darein bewegen /
Und denfelben offenbahren.
14. Alfo mufte das eingeführte Schlangen Ens, tas Hera
hatte durch Imagination in Luſt eingeführct/ weggeworffen mer»
den /denn in Cain war das Mord: Bild der Schlangen offen=
bahr / das GOttes Reich nicht erben fan ; Hinwieder war aber
Die Seele in ihrem freyen Willen / und im him̃liſchen verbliches
nen Ente, das Ziel des Bundes im verheiffenen Norte offen⸗
dahr / darein der freye Wille follte eingehen.
15. Und ob gleich der Schlangen Ens hätte muͤſſen wegge⸗
worffen werden/ wie denn inallen Evz Kindern geſchehen mug:
ſo fag aber auch das Theil von der himmliſchen Welt: Wefen im
Bunde des Wortes / im verblichenen Ente verborgen /als eine
Mögfigkeit zur neuen Wiedergebuprt : Darumb fügte GOtt
zu Cain / als ihme der Mord-Geiſt riety ; Herriſche über die
Bünde.
6. So ſprichſtu / womit ? Er konte nicht: Warumb fonte er
aber nicht? Der Schlangen Begierde hielt ihn / und fuͤhrete ihn
zum Bruder Mord : Warumb ? Der freye NBille hatte ich in
ven Schlangen-Ens eingegeben/ der hielt ihn gefangen.
17. So ſpricht die Vernunfft / GOtt wolte eshaben/fonft hats
te er ihme feinen Willen abgewandt. Nein: GOttes Zorn
willen in der Schlangen Ente wolte es haben / der hat den freyen
Willen gefangen : So fpriht GOttes Sichewillen in ihme:
Herrſche über die Suͤnde / das iſt / uaͤber den Grimm der Schlan⸗
gen und Zorn / und laß ihr nicht den Gewalt.
18. Und iſt uns alhie recht zu erkennen / wie GOttes Liebe und
Zorn (verſtehet in dem geoffenbahrten Worte im Limoder Er⸗
ven / undim Ente menfchlicher Eigenfchafft ) ausder Erden in
ſtaͤtem Streitefey : Denn das Zorn-Ens wird vom Teuffel ger
zügetund getrieben / und wilftäts das Siebe-Ens verfchlingen /
und diefes Königreich im Zorn-Ente befisen.
29. Das Zorn-Eos wilden Menfchen haben / denn es hat ſei⸗
nen König am Lucifer: So wil ihn der Liebe Ens auch haben/
denn
Cap.26. pflantzung in dieſer Welt /ꝛc. 177
denn es hat ſeinen Koͤnig an Chriſto / und darumb muſte Chriſtus
das menſchliche Liebe-Ens durch den Tod und das Zorn-Ens
durchführen/und ein ander Principium aufffchlieffen/ als ein ans
der Reich / und den Fürften Lucifer im Zorne feines laffen / denn
fein freyer Wille hat esihme erwählet. R
20. Alfo hat auch der freye Wille in Cain den Falſch erwaͤh⸗
let/als des Teuffels Willen: So fprichftu : War den der Mord⸗
wille gantz verftoffen ? Er verſtieß fich felber ; hätte aber der
freye Wille wieder im $iebe-Ente gefchöpffet / fo wäre er wieder
neugebohren worden /auch gleich nach dem Morde / welches wir
dein Gerichte GOttes laffen / obs geſchehen fey oder nicht / weil
ihme der Tert im Mofe fo einen rauen Namen in Berzweiffes
lung gibt / dann das Wort / daraus der Name JEſus offenbahr
ward / war gegeben den arınen verlohrnen Sünder zur Buffe zu
ruffen / und nicht ven Gerechten in der Siebe ergricffen/wie Chri⸗
ftus ſagte.
. 2x. Cain war ein Bilde des erften verderbten Adams in der
Sünden, und Abelein Bilde Ehriftides andern Adams / als des
ZJungfrauen- Kindes / denn der Baum zum Böfen und Guten
fieng in Adam an : Alfo erzeigete fich auch alsbald die Frucht 7
als Chrifti Kinder/und des Teuffels und der Schlangen Kinder.
22. So fpricht die Bernunfft : War denn Cainganslid aus
der Schlangen Ente im Zorne GOttes empfangen/und zur Ver⸗
damnüß predeftiniret ? Nein: Er war aus Adams Seelen»
und zeibes-Ente, fo wohl auch aus Even Seelen⸗und Leibes⸗
Ente ‚aber das Monftrum in der Matrice der Even umbfieng dere
gefäcten Saamen/und das ift auch das ihn verführete/ aber dag
Zieh des Bundes lag im Seelen = und geibes - Ente verborgen x
Dann das Eos des Saamens Adams und Erz war gleichwohl
aus dein himmliſchen verblichenen / und denn aus dem irrdiſchen
auffgewachten Limo ; Aber der Schlangen und Teufels Willen
nahn das Haus ein / wie auch beym Teuffel / der war ein Engels
aber der finſtern Welt Wille nahm in ihme das Haus ein / und
ſchwang ſich empor/ alfo auch allda in Cain.
23. Sprichftu/wie kam das? Höre und befiche das ſchoͤne
Kind in Adams und Erz Willen / was ihr Begehren vor und
nach dem Falle war: Sie begehrten das jradifche Reich) als dañ
Evadurhaus nur jrrdifch gefinnet war : Dennals fie Cain ge>
bahrifprach fie: Ich habe den Mann / den Herren / fie gedachte es
ware der Schlangenstretter / cr würde das irrdiſche Reich ein⸗
nehmen | und den Teuffel verjagen / fie dachte nicht das ſie foilte
25 HS
173 Von des Menſchen Fort- Kap.zs,
ihres falſchen irrdiſchen fleiſchlichen Willens ſterben / und in ei⸗
nem heiligen Willen gebohren werden: Einen ſolchen Willen
fuͤhrete ſie auch in ihren Saamen ein / deßgleichen auch Adam.
24. Und daraus entſtund nun der Wille in der ſeeliſchen
Eſſentz / der Baum brachte einen Zweig aus ſich / denn Cains Be⸗
gehren war auch nur/ daß er Herr auff Erden ware sımd weiler
fahe dag Abel vor GH9tt lieber wäre /fo erhub fich fein freyer
thierifcher Wille in ihme den Abel zu ermorden/ denn dem Cain
war es nur umb die äuffere Welt zur thun / ſie zu beherrſchen / und
‚ein Herr zu ſeyn: Aber Habel ſuchte GOttes Liebe.
25. Alſo find noch ſolcher zwo Kirchen auff Erden / eine die
nur weltliche Wolluft auff Erden Macht / Ehre / und den auffern
Gott Mammon und Maozim ſuchet / und darinnen der Schlans
gen Kind zur Herbergehat : Die andere die das Jungfrauens
Kind und GOttes Reich ſuchet / die muß fich laffen vonder Cai⸗
nifchen Kirchen verfolgen / verfpotten / höhnen und tödten / wie
Cain dem Habel thate.
26. Denn der Teuffel wil noch immerdar ein Fürfte diefer
Welt in der Schlangen Kind foyn / umd fo cs ift / daß nicht das
Jungfrauen- Kind in der Schlangen Kind offenbahr wird / das
ver Schlangen den Kopffzertritt / ſo iſt und bleibet der Teuffek
Fuͤrſt und Wirth im Haufe der Seelen/ wie dem Cain geſchach.
27. Und verſtehet den Grund nur recht: In dieſer Welt⸗
gebuhrt liegen zwey Reiche offenbahr / als GOttes Liebe⸗Reich in
Chriſto / und GOttes Zorn⸗Reich im Lucifer: In aller Crea⸗
tur ſeynd die zwey Reiche im Streite / denn im Streite iſt der
Urſtand aller Geiſter / und im Streite des Feuers wird das Licht
offenbahr: Das Feuer iſt eine Urſache des Liechts / GOttes Zorn
iſt eine Urſache daß ſich GOtt hat noch eines in ſeiner tieffeſten
Siebe indem Namen Jeſu beweget / und dem Zorn damit getilget.
28 Was mag diß nun die Liebe / ſo ſich der freye Wille dem
Zorne vermaͤhlet? Oder was kan der Zorn dafuͤr / ſo ſich der freye
Wille in der Liebe ſchoͤpffet und den Zorn zerbricht ? Muß er
doch auch ſtille halten und es gefchehen laffen ; und ob er fich
wehret und flicht /fodringet doch die Liebe Durch ihn durch / ver»
wandelt ihn in Freude: Der Zornift die Wurtzel der Liebe / wie
Das Feuer die Wurtzel des Liechtes iſt; aber im freyen Willen
iſt Berſtand / der machet fich zu was er wil.
29. Sieheſtu das nicht an der Erden / daß fich der freye Wille
am Ente des Worts hat zu Steine und Metalle und Erden ges
macht: Die Steine und Erde find nicht der freye ——
er
" 23 "Ye!
Cap.26. pflantzung in diefer Welt/zc. 179
der freye Wille hat fich in ein ſolch Ens eingeführet / und durch
feine Luſt und Bewegung das Ens in eine Compadtion nder Co-
agulation eingeführet/ift doch Fein anderer Macher da gemefen 7
als ver freye Wille im geformten und geoffenbahrten Wortes
Du ſieheſt ja Wunder genug.
30. Siehe die unvernuͤnfftigen Creaturen / als Wuͤrme / Kroͤ⸗
ten / Spinnen / Heydexen / und andere grauſame Thiere an / ſo
wirſtu ja was ſehen / biſtu nicht tod: Sprichſtu / GOtt hats ge⸗
ſchaffen: Ja recht / ſeine Begierde in Liebe und Zorn hat das Ens
mit der Bewegung gefaſſet / und nach dem freyen Willen jedes
Ens in eine Form compactiret :Kein anderer Macher war allda /
als der freye Wille im Worte.
312. Die Begierde im Worte war das Fiar, das da den freyen:
Willen in einEns einführete : Alfo ift daffelbe geoffenbahrte
Wort noch in allen Dingen / und hat das Fiat , als die Begierde
in ſich / wie fich der freye Wille in jedem Dinge einführet in einer:
Geiſt / alfo former und bezeichnet das Fiat alle Dinge : Eine jede
Wurtzel gebaͤhret aus ſich einen Zweig ihres gleichen/wenn aber
der Zweig follgeboßren werden / und im Enteder Wurtzel feinen
Anfang nimmt / ſo formet fich das Ens zum Zweige / wie dißmahl
die Wurtzel in ihrer Krafft und freyen Willen ergriffen iſt / bey⸗
des von dem obern und untern Geſtirne.
32. Alſo auch im Menſchen zur verfichen / wie der Wille im
Saamen iſt / das iſt / wie des Vatters und der Mutter Begierde
ſambt den andern Einfaͤllen vom Geſtirne und den Elementen?
auch offte von des Teuffels Eingriffen in jeder Zeit ſeynd: Alſo
wird auch ein Geift im Ens des Saamens formiret /offfe ein
Engel / ſo die Eltern in heiliger Begierde ſeyn / offter auch ein
Thier Feine Schlange und Teuffels-Bild / beydes nach der See⸗
ken und des Auffern Sleifches Ente.
33° Die Krafft des geoffenbahrten Wortes gibet fi in alle
Dinge ein in jedes Ding nach feinen Willen/nac der Begier-
de im Ente; denn die Begierde im Ente ifls die Das Wort for-
met/algden Schall des Lebens / wie gefchrieben ſtehet: Welch
ein Bold das ift / einen folhen GOTT hat esauch. : Bey den
. Heiligen biftu Heilig) und bey ven Berfehrten biſtu verkehrt / das
verfichet man alles von dem aufgefprochenen Worte im Fiat ;
als im der Begierde der Natur: Und darumbhat GOTT dem
Menfchen- Bilde einander Wort aus dem Centro feiner Liebe
einvermählet / daß / ob er ſey aus böfer Eigenfchafft entftanden /
daß ſich der freye Wille ſoll as DM Ichheit aufgehen |
26 ihme
180 VWVon des Menſchen Fer Cap.26.
ihme ſelber in denſelben heiligen eingeleibten Wort erſterben;
ſo gebaͤhret und formiret das Fiat ein andere neue Creatur im
freyen Willen aus dem Ente.
34. Die Moͤgligkeit lieget in allen Menſchen / aber das Ma⸗
chen zum Kinde GOttes ſtehet ietzt dem heiligen Fiat, im neuen
eingefuͤhrten Worte zu / denn es lieget nicht an jemandes ſelber
wollen / machen / weder rennen noch lauffen / ſondern an GOttes
erbarmen: Er erbarmet ſich welcher er wil / als nur dieſer / wel⸗
che mit ihrem freyen Willen ihrer Selbheit in ſeiner Gnaden
erfterben und ſich ihme ergeben: Und verſtocket / welche er wil /
als die mit Cain ſelber lauffen / und ihnen das Reich GOttes ſel⸗
ber nehmen wollen in ihren eigenen boͤſen Willen / und nicht ihres
eigenen Willens in der Selbheit abſterben wollen.
35. So ſpricht nun die Schrifft: Hat nicht ein Toͤpffer aus
einemKlumpffen Thon Macht zu machen was er wil / ein Gefaͤſſe
zu Ehren oder zu Unchren/ das ift/ wilder eigene Wille gürnen /
fo er böfe iſt dag ihn das Fiar im Worte zu einem Gefäß des
Zornes mache/oder wil er darumb zörnen/ fo das heilige Fiat (dm
heiligen Worte )den Willen (der fich in GOttes Siebe und Er>
darmen einerfender / und feiner Ichheit erftirbet ) zus einem
Gefaͤſſe zu Ehren macht: Hat doch diefer Töpffer mit feinen
Thone ( als mitdem Ente oder Saamen ) Macht zu thun wieer
il; worzu ein jeder Saamegut und nuͤtze iſt / darzu macht er
zhmie ein Gefäffe / entweder zum Gebrauche feines Zornes / oder
zum Gebrauche feiner Siebe.
36. Der Heilige iſt GOtt ein guter Geruch zum Leben / und
der Gottlofe ein guter Geruch zum Zode in feinem Zorn / fie
muͤſſen alle zu feiner Heraligkeiteingehen /und ihn preifen: Ei⸗
ner in der Eigenfchafft feines Zornes der muß das Boͤſe
gut heiſſen; der ander inder Eigenfchafft feiner Liebe / der muß
das Gute gut heiffen ; denn alfo mug es feyn /auff daß erfant
werde der Unterfcheid des Buten und des Böfen/des Siechtes und
der Finfternüß / des Lebens und Des Todes ; denn fo Fein Tod
waͤre / fo waͤre ihme das Leben nicht offenbahr / und fo Fein Gin»
ſternuͤß wäre/fo wäre ihme das Licht nicht offenbahr.
37. Darumb fo hat fich der ewige freye Wille in Finfternüß /
Dein und Quaal / ſo wohl auch durch die Finſternuͤß in Feuer
und tiechte /undin cine Sreudensreich eingeführet / auff daß das
Nichts in Etwaserkant werde/ und dag es cin Spiel habe in ſei⸗
nem Gegen-mwillen/ dag ihme der freye Wille des Ungrundes im
Brunde offenbahr ſey / denn ohne Boͤſes und Gutes möchte kein
Grund ſeyn. 38. Denn
Eap.2s. pflangung indiefer Welt/ꝛc. 181
38. Denndas Böfe macht Pein und Bewegen) und das Gus
te machet Weſen und Krafft/und feynd die zwey Weſen doch nur
ein einig Weſen /veie Feuer und Liecht nur ein Weſen iſt / auch
Finſternuͤß und Liecht nur eines iſt / theilet fich aber in zwey
mächtige Unterfcheide / und ift aber doc, fein Abtrennen; den
eines wohnet imandern / und begreiffet doch nicht das andere ; es
verleugnet das andere / denn es iſt nicht das andere.
39. GOtt wohnet durch alles/und das Alles ift nicht GOtt / es
erreichet ihne auch nicht! was fich aber des freyen Willens loß gi>
bet / das fälle ihm heim) das ınug er haben / deñ esift Willen⸗loß/
und faͤllet ins Richts/fo iſt er un Nichts: Alſo mag der ergebene
Wille in Nichts wohnen / und da iſt GOttes Erbarmen / denn er
wil aus dem Nichts Etwas machen / daß er im Etwas offenbahr
ſey: Und darumb erbarmet er ſich des Etwas / das in ſein Nichts
gefallen iſt / und machts in ihme zu ſeinem Etwas / daß er ſelber
mit ſeinem Erbarmen den Geiſt regieret und treibet.
40. Und hierinnen ſtecket das edle Perlein: Liebe Streit⸗
Bruͤder / ſo ihr das wuͤſtet / wuͤrdet ihr vom Streite ablaſſen / und
die Vernunfft eine Raͤrrin heiſſen. Kein Eigenforſchen er⸗
greiffet es / aber der freysergebene Wille in GOttes Erbarmen /
der durch den. Weeg der ernſten Poenirn&/ und Sterbung feines:
eigenen böfen Willens eingehet/ der fället in GOttes Erbars
men / der wird ergriffen/ und auffer dieſem ift eitel felber rennen?
lauffen und wollen / und mag doch nichts ergriffen werden / als
nur im gelaffenen Willen in GOttes Erkarmen..
41. Ein gewaltig Exempel und Gürbifde haben wir an der
erften Gebuhrt / das die Mutter bricht/ dag es den Herzen folte
scheiliget und geopffert werden ; und das wahre lebendige Opffer
komt doch ausder andern Neuen-Gebuhrt / wie man an Habel /
Iſaac und Jacob ſiehet. Cain / Iſmael und Eſau waren die Erſt⸗
gebohrnen / ihnen gebuͤhrte das Erbe / aber das Loß und Erbarmen
fiel auff Habel / Iſaac und Jacob / denn das erſte Ensdes Men
ſchen war durch den Teuffel ſuͤchtig worden: Darumb muſte es
dem Feuer zu einem Opffer und Speiſe gegeben werden / und aus
dem Opffer /als aus dem Seuer GOttes Zornes ward GOttes
Liebe im Erbarmen offenbahr / und ward dererfte Adam des ans
dern in Chriſto Haufgenog / denn der ander erlöfete den erften.
42. In &ven Matrice hatte fich des Teuffels Begierde und
der Schlangen thierifehes Ens empor gefehwungen/ und den.
erfien Saamen inder Begierde ergriffen: Nun hatteaber dem.
erſten Menfchen das eich GOttes gebuͤhret; weil er es aber
527 ver⸗
‘
182 Von des Menſchen Fort- Cap.z6.
perfiherßte/fo mufte der erſte Adam der Erden geopfert werden]
alfo auch ihr erfter Saame dent Zorne.
43. Und nach diefem erften Saamen drang Habel herfür ing
heiligen Bunde/ und opfferte dem Zorne fein füffes Blutfür den
fündlihen Saamen / auff daß. der Zorn feine Flamme finden
Lieffe ; und lieffe die erfte Gebuhrt im Blute des anderen hin
durch gehen.
44. Die erfte Gebuhrt ward ein Mörder / das deutet an den
Teufel im Menfhen : Der andır aber ward ein Opffer des
erften/dag der Zorn=-Teuffelimerften Adam / im Opffer des ans
Bern verföhnet würde.
45. Nicht dag wir wollen den aottlofen Hauffen in das Opf>
fer Chriſti erheben / fo lange er gottlog ift/ der Teuffel verſchlin⸗
get den meiften Hauffen der Gottlofen ; alleinder Gottlofe/ob er
ſich bekehrte / iſt ihme alfo eine offene Pforte im Opffer des an⸗
dern gemacht worden.
46. Daß aber etliche ſchreiben / daß ſich zweyerley Saame in
Eva geſchieden habe / als ein gantz teuffliſcher aus der Schlangen
Ente, und der ander aus Chriſti Ente im Bunde : Dieſe haben
noch lange nicht das A. B. C. in dieſer Schulengelernet: Sie
haben nur einen Gpiegel-Glaft vom Myfterio, und nicht das
wahre Schen/ fie feen alfo die Gnaden⸗Wahl hierauff / aber es
iſt ihnen weit gefehlet; fie reden nur der Schlangen ihr Wort /
die es alfo begehret : Das mercket alfo.
47. Adanı hatte nur einen Limbum zu feinen Saamen / und
Eva nur eine Marricem zu ihrem Saamen /aber indrey Prin-
eipien ſtunden fte beyde: Die Principia ſtunden im Streite / wie
deñ noch heute alfo/das ander Principium (als das Reich GOttes
vder Engliſche Welt) verbliche in den Seelen-Saamen / und
GoOtt vermaͤhlete ſein einiges allerheiligſtes Wort wieder dar⸗
ein zur Wiedergebuhrt.
48. Und diefe Bermählung ſtund in Cains Ente fa wohl/ als:
in Habels Ente: Aber Cains Ens war im ringenden Rade im:
Streite der drey Principien im Zorne ergriffen / und mit dem.
Schlangen Monftro verdeckt : Nicht eben alfo zur Unmoͤglig⸗
Feit/ daß er fey zur Berdamnüfi gebohren worden / fondern zu ei⸗
ner Moͤgligkeit des freyen Willens /ob er wolte das eigen in A⸗
dam an ſich angenommene Recht laſſen ſincken / und im Willen
GOttes leben / oder ob er ihme ſelber wolte [eben / darauff gieng.
die Wahl.
49. So kennet nun Gott den fre yen Willen / worein er ein⸗
gegan⸗
| Cap.26. pflant zung in dieſer Welit /ꝛc. 184
gegangen iſt; iſt er in die Boßheit und Selbheit eingangen / ſo
beſtaͤtiget ihn GOttes Zorn in ſeiner Wahl zur Verdamniß:
wo aber ins Wort des Bundes / fo beſtaͤtiget ihn GOtt zuuꝛ
Kinde des Himmels. Es heiſſet nun allhie: Welchem ich genaͤdig
bin / dem din ich genaͤdig; und welchen ich verſtocke / den ver>
ſtocke ich: GOtt kennet feine Kinder auch noch im Ente in Mut⸗
ter Seibe/ was foller deme fein Perlein geben / den er doch wohl
kennet / dag er fich würde von ihme abwenden. Des Perleins
Grund lieget wohl inihme/ aber verfchloffen / führete er aber
feinen Willen ins Perlein/ es eröffnete fich in ihme.
50. Aus einerley Saamen kommen alle Menfehen her / aber
in einem glimmet das heilige Feuer / undimandern liegetsals-
verfchloffen/ und kan für Raͤße der Schlangen nicht,
52. So ſprichſtu: If denn der Schlangen Ens mächtiger
als GOttes Siebe? Ich hab dir oben gefaget/ dag Siebe und
Zorn im Streite feynd; worein ſich Das Ens vermählet/ von deme
. wirds ergriffen und beftätiget / doch alfo / daß der Wille frey
fey vom Böfen ins Gute / und vom Guten ins Böfe zugehen ;
und daſſelbe / weilerauff Ervenlebet/ fo fichen beyde Thuͤren
ihn offen: denn der freye Wille iſt nicht gebunden; foer aber
gebunden wäre’ ſo moͤchte ein Gerichte mit Gerechfigfeit über
ihn ergehen: Er hat Gefege und Lehre / die find ihme nicht zum
Tode gegeben / ſondern zum Leben; ſo er dieſelbe aber uͤbertritt /
und in der Ubertrettung beharret / jetzt gehet das Gerichte uͤber
ihn / denn ein jedes Gerichte entſtehet aus der Ubertrettung des
Gebottes.
52. So ſprichſtu: Er kans nicht halten / er wird gezogen: Ja
seht / ſchild ihn doch die Wahrheit ins Angeſichte / als einen.
Treuloſen / der ſich zum Boͤſen ziehen laͤſſet / das Geſetze recht
zu tuhn ſtehet ins Lebens Liecht / als ein ſtaͤter Spiegel: Er
ſihets / und weiß es / dag er ein Luͤgner ra auff des
et
Zeuffels Weege lauffet:E3 zeiget ihme den WeegLer Wahrheit /
aber der freye Wille verwirfft dehn / jetzt wird er zum VBerdamnuͤß
przdeftinirer = jedoch alſo / daß der Wille frey ſey / weil er in
dieſer Huͤtten iſt: Aber das ſchwere Band GOttes Zornes im
Zuge des Teuffels Begierde / zeucht ihr viel zur Verdamnuͤß
des Todes.
53. Die Vernunfft ſpricht: So der Menſch freyen Willen
hat / ſo iſt GOtt uͤber ihn nicht Allmaͤchtig / daß er mit ihme
thue was er wolle: Der freye Wille iſt aus keinem Anfange /
auch aus keinem Grunde in nichts gefaſſet / oder durch —
Ber»
134 Von des Menſchen Sorb ap. 2e
geformet: Er iſt fein ſelber eigener Urſtandt aus dem Worte
Goͤttlicher Krafft aus GOties Liebe und Zorn) er formet
ihme in feinem eigenen Willen felber cin Centrum zu feinem
Sitze / ergebähret fich imerften Principio zum Feuer und Liech⸗
be; fein rechter Urftand ift im Nichts / da ſich das Nichts /
als dus A / oder wie mans moͤchte alſo auswickeln / A.OLV,
in eine Luͤſt zur Beſchauligkeit einfuͤhret; und die Luſt fuͤhret
ſich in einen Willen / und der Wille in eine Begierde / und die
Begierde in ein Weſen.
54. Nun iſt der ewige Verſtand I als Gott ein Richter
uͤber das Weſen / ſo ſich die Luſt (fo von ihme abgewichen) in
ein boͤſes Weſen hat eingefuͤhret / ſo urtheilet er das Weſen in
fein Principium, in was fuͤr Quall und Eigenſchafft / oder in
was für ein Ens ſich die Luſt ausdemabgewichenen A hat in
ein Principium eingeführet / darein beftätigef es der allgemeine
ewige freye Wille/ welcher ift der Ungrumd und Urfache alles
Grundes.
55. Das Ungruͤndliche urtheilet das jenige / das ſich in Grund
einführet/ und ſcheidet das Gute / das ſich in ein gutes Ens ein⸗
fuͤhret in das Gute / als indie Goͤttliche Liebezund dasBoͤſe das ſich
hat in ein boͤſes Ens gefuͤhret / un zu einem boͤſen Geiſte un Willen
in ein Centrum geſetzet und geformet) in feinen Grün und Zorn.
56. Denn wie mag der ein Ding richtendeme esnicht Eigen
iſt? wie wolte GOtt den Willen der Creatur richten fo der
nicht wäre von ihme entfprungen? Oder aber / wie mag ein
Gerichte über ein Ding ergehen das gebunden ift / und nicht frey
iſt in feinem wollen und tuhn?
17. Der menfchliche und englifhe Wille iſt mit der Bewe⸗
gung des Ungrumdes (als fich die Gottheit in feiner Beſchau⸗
figkeit und Findligkeit hat eines beweget und mit der Bewe⸗
gung in: einen Anfang der Geifter eingeführet) aus demſelben
Anfang entftanden/ fo gehet nun ein jeder Anfang in fein En»
de; und das Ende it das / das vorm Anfange war: Aldaift
die Proba des Anfanges / worein fich ver Anfang hat eingeführet.
58. So ift num GOTT vor und auffer allen Anfängen / und
auf ihme gehetaller Anfang / auch ſo ift er aller Anfünge Ende;
fo ftehet nun das Mittel aller angefangenen Dingen zwifchen
dem Anfange und Ende; denn es muß mit feinem Anfange
durchs Ende wieder in das eingehen / Daraus es entflanden ift.
sg Weildan GOZT ein eyferiger GOT und ein vu
*
Cap. 26. pflantzungindiefer Welt / ꝛc. 85
rend Feuerift/ und auch ein licher Varmhertziger GOtt: Jege
iſt jedem freyen Willen mit feinem eingeführten Centro fein
Richter in ihme felber gebohren / entweder Göttliche Liebe oder
Göttlicher Zorn: dan wenn fi ein Ding anfünget / fo gehets
in eine Zeit; wenn aber diefelbe Zeit vom Ende / als von der
Ewigfeitergriffen wird / fo ifts in feinem eigenen ewigen / dar»
auf fihs hat ineine Compaction eingeführet / alfozur Ewig⸗
keit beftätiget.
60. Darımm hat der freye Wille fein eigen Gerichte zum Gu⸗
ten oder böfeninfich / er hat ſein Gerichte in fich / er hat Gottes
Liebe und Zorn infich; wasler faffet und begehret / das forınes
er in ſich; und formet fich alfo nur felber in feiner eigenen Luſt
in ein Centrum.
61. Dennalfo hat auch die Weltihren Urftand / als nemfich
im freyen Willen der zwey ewigen Principien aus der finftern
Feuer-luſt / und aus der Goͤttlichen Liecht-Feuer-luſt: Der
freye Wille hat ſich im vVerbo Fiat in unterſchiedliche Entia eins
eführet/ alles nach der Möglichkeitder E. Bebährerin / wie
der Mille an jedem Ohrte inder Gebährerin/ im Verbo Fiar
hat gefaſſet: Altoifts auch ein Ens worden / und aus dem Ente
fein Geift nach dem Ente entfanden / als von GOttes hauchen
oder erwecken inden Principien.
62. Weil aber Die Piincipia ſeynd unter einander als eines
gewefen/ fo ift Fein Ding im freyen Willen gefaſſet worden /
es hat ein Gutes und Böfes in ſich / nach Art und aus Gewalt
der ewigen Bebährerin/ zu Siecht und Finfternüß.
63. Nun entftchet aber ein jeder Geift mit feinem freyen
Willen erft aus ver Compaction feines Centri , und iſt nach
feiner entftandenen Gebuhrt frey / und mag in. fich entweder
aus GOttes Siehe oder aus GOttes Zorn fihöpfen / und feinen
Willen einführen/ wie er wil: aberdasift der Zweck / wie die
Mutter (als das Ens) iſt / daraus der Geiſt gebohren wird /
eine ſolche Luſt enſtehet auch im Geiſte.
64. Run hat aber der Geiſt Berſtand / und das Ens hat
keinen / auch hat er Geſetze / denn er erkennet was Boͤſe und
Gut iſt / was recht oder unrecht iſt: Auch hat ihme GOtt Ge⸗
ſetze gegeben / daß er ſoll die Luſt brechen / und mit dem Verſtan⸗
de des Liechts über die Luſt der Finfternüg herrſchen.
65. So ers nun nicht tuht / ſonder gehet mit der $uft aus
den Verſtande in eine Selbheitder Luſt / fo faffet ſich die Luſt
in se Subſtantz / daraus wieder ein neuer falfcher pe: ges
. ohren
186 Von des Menſchen Fort⸗ Cap. 26.
bohren wird / und derſelbe iſt ein Huren-Find für GOtt und der
ewigen Natur / denn er urſtaͤndet nicht aus der ewigen Natur⸗
Rechte / ſondern aus der Selbheit; und über dehn gehet das Ge⸗
richte der ewigen Natur / und wird an ſeinem Ende / wenn das
Centrum des Geiſtes ſoll wiederum in Anfang tretten / aus dem
freyen Willen der Ewigkeit ausgeſpeyet.
66. Verſtehet uns nur recht: Der Erfte freye Wille/ welcher
Adam eingeblafen ward / der war Gut / erwar wohlaus Bots
tes Liebe und Zorn/ als aus dem Centro der ewigen Gebaͤhre⸗
tin / der ewigen Geiftlichen Natur / er hatte aber den Ber⸗
ſtand in fich / fich zu regiren wie er könte ewig befichen.
67. Aber die eingeführte Sucht vom Zeuffel war im Ente
der Erden / daraus Adams aufferer Leib formiret ward/ in daſ⸗
ſelbe irrdiſche Ens führete der Teuffel feine Begierde durch die
Schlange) als durch der Schlangen Liſtiges Ens ; daß alfo die
Luſt im Ens des Leibes daraus entftund / darinn der erfte freye
ZBille der eingeblafenen Seclen gieng / und die Luſt des Leibes
annahm; und Diefelbe Luſt in eine Begierde zur Subſtantz
einfuͤhrete.
68. Und aus derſelben Subftantz entſtundt num ein ander
neuer eigener Wille / als ein Hurenkind / ein falfch Schlan⸗
genetind; und daſſelbe Hurentind hat Adam feiner Heva und
Heva ihrem Sohn Eain/ und fort ein Menſch dem andern
angesrbetz Alfo haben wir nun jetzt im irtdiſchen Sleifche den»
ſelben falſchen Willen aus der Schlangen Subftang / darein
der Teuffel feine Begierde einführer/ wind uns fichtet/ und im»
merdar nach teuffliſcher Eigenfchafft luͤſterende macht / daß feine
Begierde die er ung einführet/ in das falfche Hurenkind möge
zur Subftang und Weſen werden / darauf immerdar wieder ein
ſolch Hurenfind und Teufels Schlangen Saamen gezeuget
wird; und ausdemfelbenfalfihen Ente ein Teuffels Wille.
69. Alfo reuthet der Teufel in und über den Menfchen / im
und über Seib und Serle: Num liget aber der erfte eingeführte
freye Wille noch in allen Menſchen / welchen GOtt Adam ein-
bließ / denn er iftdie warhafftige Seele des Feuers und Liechts
Centrum, ein Funcke der Göttlichen Krafft und Allmacht / aber
in dieſem böfem eingeführten Hurenkind gefangen / gan das
mit Umbgeben.
70. Darumb hat Gott das Ziel feines Neuen Bundesin
Worte der göttlichen heiligen Krafft/ in dem Namen Jeſu |
wieder in die Eigenfchafft zum Liecht⸗ſeuer ( als in 39 — |
u J n
—
wil in Fleiſches⸗ und Schlangen Luſt und Willen leben / wit
Cap. 26. pflantzung in dieſer Welt / ꝛ⁊c. 187
blichene himmliſche heilige Ens, das in der Finſternuͤß verblich)
einverheiſſen und einverleibet / daß der erſte freye Wille (der
num in dem Huren⸗und Schlangen⸗-kinde gefangen liget) ſoll
ſeine Begierde in dieſes Ziel des verheiſſenen Bundes (welches
er in Chriſti Menſchheit erfuͤllet hat) einfuͤhren / und wieder
das heilige Ens Chriſti (daß er in unſer verblichenes Ens,
m Saamen Maris einfuͤhrete) in fein verblichen himmliſch
Ens mit der Begierde des freyen Willens der Seelen einführen ;
fo das geſchicht / fo entfteiyet aus demſelben eingefuͤhrten Ehriftt
Ente, Ehrifti Geift/ welher dem Schlangen Hurenfinde
(im Fieifch ) den falſchen Willen zerbricht / und auff feinen
Kopff tritt.
72. So ſpricht die Vernunfft / Gott gibet dieſes heilige neue
Ens Chriſti wehm er wil/ und laͤſſet verſtocket / und in ver
Schlangen Ente gefangen bleiben wehn er wil. Ja recht alſo: Er
gibet feinem dig heilige Eos indie Selbheit des Willens feines
Schlangen Kindes / es gehöret ein anderer Ernſt darzu / denn
die Selbheit Fan ihr jegt nun nichts mehr ven GOtt nehmen,
72. Aber dig iſt des freoyen Willens Proceß den er gehen
muß / wiler das heilige Ens empfahen / er muß ſich aus ver
Schlangen Begierde (aus der Selbheit und Ichheit) aufr
winden/ und in GOttes Erbarmen einwinden / und in ich der
Fleiſchlichen Begierde erfterben und gram werden; Er mug
ganz aus der eigenen Luſt des Fleifches ausgehen / und feinen
Hunger nur ins Sterben des Ichts einführen / daß er wil im⸗
merdar gerne feiner Boßheit und falfhen Begierde (die im
Fleiſche im Sihlangen-Einde ſtecket) erfterben / und wil in
Chriſti Ente eines neuen Willens aufftchen.
73. Diefelbe Begierdevie auß der Schlangen Ente aufgehet/
und hungert nach) GOttes Barmhertzigkeit / die empfaͤhet in
fih Ehrifti Ens, darauf ein neuer Wille gebohren wird / wels
cher der Schlangen (im Fleifhe) den Kopffjertritt / den das
iſt Die Neuesgeburtaus GOTT / in Chriſto JEſu.
74. Daß du aber wolteft fagen / du fanft nicht Gutes begeh⸗
ren / das iſt nicht wahr: Alleine du laͤſſeſt dich der Schlangen
Willen in deinem rechten ewigen Seclen-willen halten / und
hureft mit der Seelen⸗willen / mitder Schlangen Willen ins
Fleiſche darauf entftcher die Wahl GOttes.
75. GOTT kennet die falfche buhleriſche Seele / welche nur
wilmitder Schlangen ( mit dem Abgott Babel) buhlen/. und
ab
>
288 Bon Cains und Habels Opfferhe. Eap.2 7."
aber ein von auffen angenommen Kind feyn: GOTT follihr die
Sünde durch Wort-fprehen von auffen vergeben : Sie aber
wil an der Buhlſchafft ver Schlangen (inihrer falfchen Luſt)
bleiben hangen / diefe ermählet GOTT zum Gerichte.
76. Denn der freye AWille/ den er Adam hat eingeblafen /
der er hat von Adam geerbet/ hanget am Sucifer: Darum ſo
beftätigte ihn GOTT ins Reich der Sinfternüg zum $ucifer /
aber diefe Zeit des auffern Lebens fteher ihm die Pforte zur Gena⸗
de nochoffen.
Das 27. Capittel.
Bon Lains und Habels Opffer/ und vonder falfchen
und Antichriſtiſchen Kirchen / auch von der wahren
heiligen Kirchen.
Ein Spiegelder Welt.
2. Lhie lieget abermahl dein Mofi der Deckel für feinem
Ungefichte / wegen des Opffers der beyden Brüderr
Warum fiedoh GOtt haben wollen opfferen / und
da doch die Berfühnung allein im ernften Willen
gegen GOttes Erbarmen / im Gebete und flehen zu
ODHTT ſtehet / dag der Menfch aus dem böfen Willen aus»
gehet / umkehret und Buße tuht/ und feinen Glauben und
Hoffnung in GOttes Erbarmeneinführet.
2. So haben fie ja. müffen wiffen / warum fie räuchern/
was BOTT für einen gefallenam Raͤuchern habe / welches
wohl faft billig beym Mofe ift ſtumm blieben aus GOttes Fuͤr⸗
ſatz / und ift doc) den Kindern der Heiligen / fo wohl auch dem
Moſt nicht verborgen gewefen/ aber er hat einen Deckel für feis
nen Augen hangen.
3. Iſrael(weil ſie auch nur meiſtentheils boͤſe Kinder waren/
darzu auch Abgoͤttiſch wie an ihrem Guͤldenen Kalbe alsbald
gefehen ward) folte e8 nicht wiffen / wegen der falfchen Magia
halben; und wie wir werden auch nur den unfern fchreiben / und
Doch verftändlich genug. Diefes mercket alſo:
4. Der Seelifche freye Wille ift alfo dünne als ein Nichts
und oberin feinem Coͤrper wohl mit dem Etwas umgebenift/fo |
iſt doch fein gefaffetes Etwas in einem falſchſuͤchtigen Weſen /
rom Urſtand der Sünden. —
5» Sf. '
Sap.27. Von Cains und Kabels Opffernc. 189
5. Soll nunder freye Wille mitder Begierde gegen GOTT
gehen fo muß er erftlich aus feinem falfchen Etwas ausgehen?
und fo er nunalfo ausgehet / fo ift er bloß und ummächtig / denn
er ift wieder im erften Nichts danwiler gegen GOTT gehen ?
fo muß er der falfchen Selbheit abfterben und die verlaffen ; und
fo er diefelbe verlaͤſſet / fo ift er blog als cin Nichts / und mag alfo
nicht fahren würden oder weben: Wiler feine Macht ergeigen/
fo muß erinetwasfeyn / darinnener Jich faffer und formet.
6. Wie wir deffen ein Ereimpelam Glauben haben: Sollein
Glaube feyn / der da würde/ fo mug er fich in etwas faffen /
darinnen er würde) GOttes freyer Wille hat fich mit der in»
nern Beiftlichen Welt gefaffet / und wuͤrcket durch diefelbe ; und
der innern Welt freyer Wille hat fich mit der äuffern Belt ges
faffet und wuͤrcket durch diefelbe, Alfo muß fich der feelifche freye
Wille / welcher auch feinen Urftand aug dem Ungrund hat7
in etwas faſſen / damit er offenbahr fey / und damit er könne vor
GOtt wallen.
7. Weil denn Adams Leib aus dem Limo der Erden / und
auch aus dem Limo des H. Himmels war / und aber der Limus
des Himmels in Adam war verblichen / darinnen ſich der freye
Wille koͤnte in eine himmliſche Form faſſen / und vor GOtt wal⸗
len würden beten und flehen / fo zuͤndeten ſie die Früchte der
Erden an: Als Cain brachte von den Fruͤchten des Feldes / und
Habel brachte auch von den Erſtlingen ſeiner Heerde: Dieſes
zuͤndeten ſie mit Feuer an.
8. Verſtehet aber ein Magiſch Feuer / wie beym Moſi /
denn Moſes ſaget auch alſo: GOtt ſahe Abels Opfer gnaͤdig an /
und des Cains nicht / das iſt / ſte brachten Opfer fuͤr GOtt / und
der freye Wille der Seelen ſolte zu GOtt mit ihrem Gebete
dringen: So wolte er eine subſtantz haben / wenn er aus dem
menſchlichen Haufe des Verderbnuͤſſes ausgienge in GOtt / daß
er möchte in etwas wuͤrcken / fo faſſete ſich die Imagination des
Willens durchs Opfer / und GOtt zündete das Opfer Habels
mit dem heiligen Feur im Zieldes Bundes / daß fich folte wieder
in Erfüllung der Zeit in dem Geelen-feur anzuͤnden / an.
9. In dehme faffete fich Abels Seelen-willen ineinc heilige
zubſtantz / und drang mit der Begierde des gefaften freyen See⸗
len⸗willens vor und in GOttes freyen Willen / und das war
dem Zeufel und Schlangen Willen nichteben; diefes verftund
der Schlangen und Teufels Wille in Cain wohl / dag fich
das Zieldes Bundes im Heiligen Feuer in Habels Begierde und
Gebete eroͤfnete. 10. Darumb
E90 Bon Cainsund Kabels Opfferie.Eap.27>
10. Darımmb wolte er den Leib Habels nach feinem indifchen
Limo tödten / daß ihme nicht etwan folche Kinder möchten gezeu⸗
get werden/er möchte fonft fein Neich (im Menfchen) verliehren.
Eains Opfer wolteer aber nicht anzünden: So machet alhie
Mofes einen Deckel dafür und fpricht : GOTT fahe Eains
Opfer nicht gnaͤdig an.
11. Das An,uͤnden des aͤuſſerlichen Opfers war eine Figur
des innerlichen Geiſtes: Denn der Seelen Geift im freven
Pillen (nach dem Centro des Liechts) war mit GOttes Liebe⸗
feur angezändet/ und die Imagination des Leibes (auch des hinnn⸗
lifchen Theils) war im Opfer mit dem Feuer des heiligen Teils
der Erden (welches im Fluche verborgen lieget) angezündet / und
darinnen faffete fich der freye Wille der Seelen und der freye
Wille im Ente des himmlischen Theils des Leibes in eine Sub-
ſtantz / und drang damitvor GOttes Heiligkeit.
12. Und allhie ward der Schlangen zum erftenmahlder Kopf
gertretten/denn es war die Figur der neuen Geburt aus Chrifto;
sicht daß Habel hätte dißmahl Chriſtum im Fleiſche angezogen/
aber wohl im Geifte Ichovz, im Zieldes Bundes / in welchem
der Name Jeſus (alsein Wiedergebährer) in GOTT verbor:
gen ſtund / ver ſich wolte in Erfüllung der Zeit in diefem Ziel ber
wegen und eröfnen/ und himmlifches heiliges Ens in das verbli⸗
chene Ens des himmliſchen Theils einführen / und ihn wieder in
der eröffneten Kraft Jeſu lebendig machen.
13. Die Opfer recht und gründlich zuverftchen / muß man bes
trachten dasjenige / damit man opfert / was fich mit der Anzuͤn⸗
dung im Fewer / auß dem Fewer (aus dem angezündeten Opfer )
fheidet: Denn inder Anzundung wird nichts mehr gefehen noch
erfandt s als erftlich das Holß zum Fewer / zum z. die Materia
des Opfers / zum 3. das Fewer umd Liecht / zum 4. der auch aus
dem Fewer / welcher aus dem Fewer-Holtze und aus der Materia
des Opfers urftändet: Diefesallesift ohne Glauben und Goͤtt—
liche Begierde für GOTT cin Ekel und nichts / umderreichet
nicht die Pforten GOttes. |
14. So aber der Menfch feine Glaubens-begierde darein ein⸗
führet/fo ergiebet Erden freyen Willen darein/und wil dadurch |
alsdurch ein Mittel} in welchem Fewer fich der freye Wille des
eingeführten Sünden-ekels abebrennet / zu GOTT infeinem |
ewigen freyen Willen eindringen / und wie das num zugehe /
Verſtehet alſo.
15. GOttes Imagination (oder Luſt) gehet gegen den freyen |
eine |
I „a
Cap.27. Bon Cains und Habels Opfferie: 198 -
eingeblafenen Willen der Menfchheit/ und der Menfchliche freye
Wille gehet gegender GOttheit: alldaift eine Conjundion.
16. Nunaberift der menschliche freye Wille fündig worden?
und GOttes freyer Wille (darauf der Menfchliche anfänglich
entſtund in feinem einblafen ) ift heilig und rein. Jegt vermag
der menfchliche freye Wille nicht in GOttes Willen einzudrins
gen/er werde dan auch rein für GOttes Willen.
17. So ihn aber denn GOttes Wille gerne in fich einnehmen
oil zu feinem Liebeſpiel / ſo iſt kein anderer Raht / als daß ſich GOtt
im Centro der ewigen Natur nad) dem Fewer des andern Prin-
cipii (als nach dem heiligen Fewer) bewege / und des Menfchen
freyen Willens entzünderen Zorn und Eitelfeit verfehlinge s und
im fferben desTodes (als im Zorn⸗feuer GOttes) zu nichte mache]
auff dag der menfchlihe Willevor GOttes Willen rein werde /
und möge in GOttes $iebeswillen eingehen. Und darum bat
GOttes Siebesbegierde das Orffer beym Habel und Moſe felber
angezündet / auff daß das Liebe und heilige Fewer (im Zorn-feur
der ewigen Natur indes Batters Eigenfihafft/ im menfchlichen
freyen Seelen Willen) die Turbam verfchlinge,
18. Daß aber ein irrdiſch Opffer darzu ſeyn muſte / hat dieſen
Verſtand: Der Leib des Menſchen iſt an einem Theil ein Limus
der Erden / und am andern Theil ein Limus des Himmels; und
in die ſen Leibe iſt der freye Wille eingefuͤhret worden / und iſt Leib
und Seel nur ein Menſch.
19. Weil aber die Irrdigkeit / auch falſche Liſtigkeit der
Schlangen (mit Einführung des Teuffels Begierde) im Fleifche
des Menfihen/in feinem Fall war auffgewachet / und ſich alfo die
irrdiſche / thieriſche Eigenſchafft in feinem Ente einpor geſchwun⸗
gen; und den rechten menſchlichen Willen in dem thieriſchen
verſchlungen (das iſt gefangen) ſo muſte auch der irrdiſche Wille
auß dem Limo der Erden im Fewer / mit geopffert werden.
20. Denn der Limus der Erden ſoll wieder aus dem Tode
auffſtehen / ſollte er aber ein Opffer werden / ſo muſte er auch in ei⸗
nem irrdiſchen elementiſchen Feuer ſeiner Gleichheit geopffert
werden / daß alſo ein himmliſch Feuer und ein irrdiſch elementiſch
Feuer ineinander waͤre/ und ein jeder Wille im Opffer cine
Stätte finde zu feiner ſelbſt Einfaffung / als der Wille aus dem
irrdiſchen Limo der Erden vom Reiche diefer Welt / und der him̃⸗
liſche Wille aus dem himmlifchen Limo , als aus dem Ente des
Verbi Domini : Eine jede Eigenſchafft des freyen Willens
gieng ins Opffer / und aus dem Opffer ins Feuer / alldadie Bers
ſoͤhnung war. 21. Denn
u92 Bon Eains und Habels Opffer ꝛc. Cap. ꝛ7
21. Denn der Bund der Verheiſſung vom Schlangen=tret=
ter offenbahrete fich mit dem heiligen Feuer / welches heilige Feuer
das elementifche Feuer anzimdete ; denn das heilige Feuer foll
den elementifhen Menfchen aus dem Limo der Erden /aus dem
Zode auffwecken; und in dem heiligen Feuer foll der Menfch
(der aus der Zeit feinen Urftand genommen) inder Aufferfte>
hung bewehret werden s Welcher zwar erfilich muß gehen durch
Das Feuer des Zornes / aber die Bewalt des heiligen Feuers foll
ihn durch Das Feuer des Zornes durchführen / und feinen cinges
führten Suͤnden⸗Ekel (inder Schlangen und des Teuffels Ente)
vom Limo der Erden abfegen / daß der Limus der Erden nicht
* irdiſch ſey / ſondern als ein ſchoͤnes Gold das im Feuer
ſtehet.
22. Alſo ſoll der irrdiſche Menſch in der Aufferſtehung durchs
Feuer bewaͤhret werden / deſſen die Opffer ein Fuͤrbilde waren /
und doch in ihrer Krafft nach dein Geiſte recht beftunden : Aber
der Leib ſolte ſterben / und folte die rechte Leibligkeit und Wieder⸗
gebuhrt in dem eröffneten Leibe Chriſti anfahen / welcher mit ſei⸗
ner Eingehung und Offenbahrung in der Menſchheit den himm⸗
liſchen verblichenen Limum im menfchlichen Ente, welcher in A⸗
dam und Eva verblich / wieder eröffnete.
23. Alfoverftehet uns recht: Abelund Mofes opfferten das
Sette von Thieren / und zündeten dasmit dem heiligen Feuer 7
welches Feuer erſtmahls von GOtt angezündet ward/an :denn
in dem aufferen irrdiſchen Menfchen aus dem Limo der Erden
war die thierifche Eigenfchafft orfenbahr worden : Der menſch⸗
liche Limus aus der Erden war zu einem Thiere worden /und
Darzu fündig und böfe / voll Schlangen⸗Gifft aus ihrer Liſt.
24. Der freye Wille faffete fich in der Schlangen Liſt und
Zcuffels-Begierde / und forınete ihm ein Ens des Fleiſches / eine
ſolche Figur wie die Begierde war / davon derirdifche Leib vor
Gott eiteler war/ als ein Thier.
25. Weil aber das himmliſche Ens in der irrdifchen Eigen:
ſchafft verborgen und verfchloffen lag/ fo wolte GOtt das gantze
Bilde nicht verlaffen/welches Habel und Mofes im Geiſte GOt⸗
tes mitihren Opffern verftunden /opfferten derowegen das Fet-⸗
te/alsdasHchle von Thieren und andern irndifchen guten Früche |
ten / daß alfo die Begierde des recht = gefchaffenen Menſchen
aus dem Limo der Erden/ welcher foll vom Tode auffftchen /
in der Anzuͤndung des Opffers im Feuer eine Sobſtantz haͤtte /
Darein fie ſich ergaͤbe und fich faffete ; und Fönte alfo mit ihrem |
Willen
| Cap. 27. Von Cains und HabelsdOpfferkit. "93
Willen in der Eigenſchafft des heiligen Feuers eingehen / als in
das Ziel des Bundes / welches vor GOtt in der Figur ſtund / tif
auff die Erfüllung im Weibes⸗Saamen.
26. In welchem ſich der theure Name JEſus aus Jehovah er«
oͤffnete / und das himmliſche Leben in der Menſchheit wieder er⸗
weckte in dem verblichenen Ente; und daſſelbe gantze Bilde in
der Perſon Chriſti / dem Zorn⸗Feuer des Vatters auffopfferte /
und mit dem heiligen wiedergebohrnen undangezündeten Liebe⸗
euer immenfchlichen geben durch den Zorn/als Durch das Feuer
der ewigen Natur des Batters Hffenbahrung durchführete/ und
das Zorn-Feuer in ein Liebe⸗Feuer verwandelte : Inmaffen es
dann mit dem Fürbilde im Opffer nichts anders war ; denn das
Siebe- Feuer zuͤndete das Opffer an / und im Opffer war noch der
Fluch der Erden / wie dann auch im menſchlichen freyen Willen :
Und wenn das Opffer geopffert ward / ſo war es ein Suͤnden⸗
opffer / dadurch des Menſchen freyer Seelen⸗wille vor GOTT
verſoͤhnet ward.
27. Solie nun die Sünde verſoͤhnet werden / ſo muſte fiein
Zorne geftellet werden / als ins Gerichte GOttes / in dus
Schwerd Eherubs das fie abſchnitte / welches iſt das Schwerd
GoOttes Zorues; und fo denn der menſchliche Wille gantz ſuͤn⸗
dig / und des Feuers des Zornes gantz faͤhig war / ſo zuͤndete
GHTT das Suͤnden⸗opffer / in welchem das Zorn=feuer im Flu⸗
he verborgen lag / mit dem heiligen Feuer an: anff dag der
menſchliche Wille / welcher im Zorn-feuer ergriffen war im
Siebe-fener verföhnet würde.
28. Denn das Liebe-feuer GOttes tingirete die feelifche Wer
gierde im Opffer / gleich wie eine Tin&urein Kupffer und Eifen
tingiref / und in Gold verwandelt: Alfo auch ward der menfch-
liche ſeeliſche freye Wille / welcher dem Menfchen war gang rein
eingeblafen / tingiret / und wieder vor GOTT gereiniget / daß
er möchte in GOttes Erbarmen eingehen: Danñ im Liebe⸗feuer
war das Erbarmen/ als im Zieldes Bundes/ in dem Namen
Jeſu in GOTT verborgen: In welhen Bunde und Namen
fich der Zorn GOttes im Opffer verföhnete Fund fein Zorn=bren>
nen finden lieg / und lic den ſeeliſchen freyen Willen durch fich
durchgehen.
29. Anlangende aber das Opffer an ihme ſelber mit dem Hol⸗
tze / Feuer / Liechte und Rauche / hat dieſen Verſtand: Habel
opfferte von ſeiner Heerde ohne Zweiffel Schafe oder Rinder /
wie auch Moſes dergleichen; als Kan das Fette davon / fo
; war
194 VonCains und HabelsOpfferiie.Cap.2 7.
war nun das Opffer Holtz und Rauch am äuffern Theil mach
dem Weſen irrdiſch / wie denn auch der Menſch nach dem aͤuſſern
Leibe irrdiſch war / und inder Irrdigkeit lag der Fluch / beydes
am Menfchen und im Opffer. -
30. Wenn aber das Dpffer angezündet ward / fo wards
Geiftlich / denn aus dem Holtze gieng das Feuer / welches das
Opffer annahm / und verzehrete / undausder Verzehrligkeit
gieng erſtlich aus dem Feuer der Manch / und hernach das Liecht /
das war die Figur, darein des Menfchen und auch GOttes
Imagination eingieng / als cine Compadtion oder Conjun-
&tion,
32. In dem angezündeten versehrlichen Feuer war die Bes
gierde des zornigen Vatters / als eine Conjunction des ewigen
Natur⸗feuers gegen der Zeit⸗feuer; das ewige iſt magiſch / und
Das zeitliche ift des magifhen Subfang und Wefen/ als feine
Faſſung: Und in dem angezuͤndeten Liechte war das heilige Sie»
be⸗feuer / welches auch magifch ift/ dünne alsein ABille / und
ſich auch indem angezündeten Sicchte faffete 5 und in dem ausge⸗
hendem Rauche / welcher ein elementiſcher Sulphur nd Mercu-
us iſt / als cin Leben der Qualität / gieng mit aus der Geruch
oder Schmack / der deutet an die menſchliche Krafft des geibes/
und Auffern Geiftesder Natur.
32. In diefer Krafft aus dem Opffer/ Feuer umd Siechtemit
Einfaffung der menſchlichen Glaubenssbegierde faffete fich der
Geiſt GOttes / welcher vom Batter und Sohne außgehet / und
nahm alfo die menfchliche Glaubenssbegierde in fich / und faffere
fie alfo in die Subftang des Feuers / Liechts und ausgehender
Krafft aus dem Opffer / und führete fie durch die Pforten des
Zornes GOttes auff den heiligen Altar / ins Ziel des Bundes
ein / auff welchem folte das Lamm GOttes füraller Welt Süns
den geopffert werden.
33. Denn daffelbe Lamm GDLtes / als CHriſtus / derfolte
auff dein groffen Altar der Englifchen Welt diefeseingeführte
Dpifer völlig und recht angenehm machen / daß es GOTZ fen ein
heiliger / ewiger ſuͤſſer Geruch feiner tieffeſten Siebe / welche er
im Menſchen / in feinem eingeführten Opffer im Laͤnunlein GOt⸗
tes Ehrifto / fuͤrgeſtellet hat und die Menſchen in dieſein fürs
geftelten Opfer.
34. Das menfchliche DOpffer ward des rechten Sammes und
Dpfrers GOttes in Chriſto Hausgenoß; und wo nun das Opfs |
ſer iſt / da iſt auch ver Geiſt des Menſchen / denn des ar;
Geil
\
—
gr
N
Cap ·ꝛ. VonCains und Habels Opfferꝛc. roF
Geiſt iſt ausgegangen / und kommen von GOTT indie Zeit /
und in der Zeit hat er ſich verunreiniget / ſo muß er das Unreine
verlaſſen / und durch dieſes Opffer wieder in GOTT eingehen.
35. Soll er aber eingehen / fo muß es auff eine Weiſe geſche⸗
hen/ wie er iſt ausgangen / denn er fuͤhrete ſich in falſche Be⸗
gierde und Luſt ein: Alſo muſte er ſich wiederumb durch eine
Umdbwendung erſtlich in eine Reue und Umbkehrung einführen?
und in der Reue oder Buſſe wieder in eine Göttliche Begierdeg
welche Glauben heiffet.
36. Damit er aber die Göttliche Begierde faffete / fo führere
er den landen oder die Glaubensebegierde in ein Opffer ein?
und faffete die Glaubens-begierde im Opffer in eine Subflaug
oder Wefen / daß der Glaube wefenflich warez und diefes Glau⸗
bens Weſenheit nahm an dans heilige Feuer GOttes / welches ſich
wolte in Erfüllung der Zeit in der Glaubens: Wefenheiteröffe
nen / und die menjchliche Subſtantz darein führen / und in fich
Durch GOttes Zorn ausführen/und dehn in fich in cin Liche-feuer
verwandelt; dem alle die Worte des Gebethes bey Dem Opfer
werden mit indie Glaubens=Subftang eingenommen.
37. Denn gleich wiealle Dinge find durch das Wort GOttes
geformet / gefaffet/ und in eine Lubſtantz eingefürhret worden:
Alſo auch formeten und faffeten fich die Worte des Gebets Ha⸗
bels und Iſraels indem Opffer zur Subftant / als in ein unzer⸗
brechliches Weſen / in welchem Weſen CHriſtus GOttes Sohn
in Erfüllung der Zeit / ausden Bunde hervor brach / und daſ⸗
ſelbe Weſen neben dem menſchlichen Weſen an fih annahm /
— * als ein Held und Ritter dem Tod und Teuffel ſein Reich
zerbrach.
38. Und demſelben Glaubens⸗weſen / im Geiſt Chriſti ir
allen ſeinen Kindern und Gliedern / ward gegeben das Gerichte
Aber die Welt / auch über des Teufſels und des Todes Neich s
dieſelbe Werde damit zu zerſtoͤren / und den Königlichen Stuhl
zu befigen.
39. Diefes war das wahrhafftfige Opffer Habels/ dan der
Geift des Heiligen Liebe⸗feuers im Ziel des Bundes hatte fich in
ihme eröffnet / dag er das verftund: Und darumb opfferte er f
Daß feine Glaubens-begierde folte vor GOTT angenommenz
und in eine Subftan zur neuen Wicdergebuhrt gebracht wer⸗
den / denn erfahe auffdie BVerheiſſung vom Schlangen-tretter]
und führete feine Glaubens-begierde in dehn ein ; und wolte/ dag
fein Slanbens⸗ Geiſt und Sehen folte F dem verheiſſenen Schlan⸗
3% ger
196 Von Caius und HabelsOpfferkt.ECap.272
gen⸗tretter beftätiget werden: Er wolte darinnen vor 6 OTT ans
genehm fiyn/ mie ihme denn auch gefchahe/ dag das Feuer
Gottes fein Opffer anzuͤndete / und fein Gebethe indem Liebes
feur einnahm / und im füffen Geruch des Opffers durch den
Beift GOttes / in der Krafft des Liechts in einc heilige Sub»
fans gebracht ward / das hieß recht: fein Opffer war vor GOtt
angenehm.
40. Das Opffer hätte das allein nicht vermocht / allein der
Glaͤub der fich in dem Opffer auffden verheiffenen Meſſiam fafs
ſete (welcher den Bund und das wahre hochtheure Opffer ergriff/
der thaͤte es: Das Dpffer war nur eine Figur deffen / fodarinn
verbracht ward / gleich wie die auffere Welt nur eine Figur ift
der innern geistlichen Welt / damit fich die geiftliche Welt in
eine Figur und Weſen einfuͤhret / und als in einem⸗Spiegel
ſchauet.
Von Cains Opffer.
. 42. Bey Cains Opffer verſtehen wir recht die Maul Chris
ſtenheit die Titel⸗Chriſten in der geiftlichen Babyloniſchen
Hurerey / derer Bild iſt Cain: Und wie Eain in feinem Opffer
nur der Aufferen Welt Macht und irrdifche Wolluſt ficchte /
und mwolte vor GOTT ein von auffen angenommener Sohn
oder Kindfeyn/ GOTT folte ihm laffen fein böfes Thier ange⸗
nehm und auffgeopffert ſeyn / Er wolte mit der Selbheit inder
Schlangen Ente undFalſchheit / GOttes angenchmesKind ſeyn:
Er war ein unbußfertiger hoffaͤrtiger Menſch / der da dachte ein
Herrder Welt zu werden / und über Habel und feine Nachkom⸗
men zu herrſchen. Eben alfoift auch jegt die Antichriftifche Kir⸗
che auͤff Erden / fiebauerauc Kirchen und Altar / prediget/ ſin⸗
get und Elinget/ opffert auch im hinterlaffenen Bunde und Te⸗
ſtamente Chriſti / und decket alfo das Opffer Chriſti über ſich /
und wil ein von auſſen angenommener Sohn ſeyn; unangeſehen
das ihre Opffer im Bunde und Teſtament Chriſti nicht ange⸗
nehm / noch zur Subfan gebracht werden.
42. Denn Urſache iſt dieſes: Man verlaͤſſet ſich nur allein
bloß auff das Opffer; und lehret / die Opffer nehmen die Suͤn⸗
de weg / Chriſti Teſtamenta nehmen die Suͤnde weg: Aber ſo
wenig als Cains Opffer für GOTT angenehm war und feine
Sünde wegnahm / undalfo wenigals Cains Begierde indie
Hoͤttliche Subftant eingeführet ward/dag fich hätte das Göttliche
Feuer in feinem Opffer angezündet / und feine Glaubeughtgkien
t
FE
Eap.27.BonCains und Habels Opfferꝛc. 197
de in fich eingenommen: alfo wenig genieffet auch die Mails
Hriftenheit das Opffer Chriſti in feiner Menfchheit. Es muß
nur ein Habel ſeyn der cs genicffet / der Maulschrift kriget nur
den auffern Rauch vom wahren Opffer, es mug nureine rechte
hungerige/ durftige/ umbgekehrte Seele ſeyn / welche vonder
Schlangen Ente und aller Eitelkeit diefer Welt begehret gan
außzugehen / und dem Schlangen: ımdeitelen Willen in Ehriftt
Tod begehret abzufterben / und in einem neuen Willen unter
und in GOTT gant gelaffen begehret auffzuſtehen. —
43. Derfelbe recht hungerige Wille opffert recht mit Habel /
und fein Opffer wird im heiligen Feuer Chriſti eingenommen .
und in Ehrifti Menfchheit in eine Subflank gefaſſet: Es muß
Ernſt uns Krafft feyn / welcher Ernft das Liebe-feuer Chriſti in
feinem Teftament rüget / daß fichs in der Begierde anzuͤndet
alsdan wird erft die Begierde zu cinem rechten Glauben; denn
es ift Fein rechter Glaube ohne Göttliche Faſſung.
44. Wenn die menfchliche Begierde ihren Hunger mit ern
ſtem ſeufftzen und Gebethe mit Einergebung/ und vonder Eitel-
keit Außgehung im Opffer Chriſti einführet: Allda faſſet fich die
ſeeliſche Begierde in der himmliſchen Weſenheit / in der Menſch⸗
heit Chriſti / auff dem hohen Altar Gottes in eine Subltang. Die
hungerige Begierde wird im Worte Gottes in Chriſti Teftas
menten zu Sleifche / eines himmliſchen uͤbernatuͤrlichen Flei⸗—
ſches / und daffelbe Fleiſch ift Das wahre Opffer Gottes / Das
GOTT zu feiner Wohnung annimt/ und nicht den thieriſchen
fterblichen Menfchen.
45. In diefer heiligen Subftang ift allein der wahre Glaub’
Habels / anderſt iſt nur ein hiftorifcher gefürbter Glaude / und ein
Cains⸗ Opffer das keine Sünde wegnimt; denn die Suͤnde mu
allezeit ins Gerichte Gottes geſtellet werden / darinnen fie iſt er⸗
bohren worden / und muß ſie das heilige Liebe⸗feuer Gottes ver⸗
tilgen und erſaͤuffen: anderſt iſt feine Bergebung / und huͤlfft
weder Opffer noch Bund / auch kein Kirchen gehen / weder fine
gen noch klingen erreichet es / als nur einig und allein der hunge⸗
tige begehrende Glaube / durch das einige Opffer im Blute und
Tode Chriſti: da die Begierde im Tode Chrifti feiner Ichheit
gantz erftirbet/ und in Chriſti Aufferftchung eines wahren.
Glaubens und Chriſte nthumbs auffſtehet / nicht in Scheinheu⸗
cheley / fondern in Weſen / Worten und Ihaten.
46. Denndas ift noch lange kein Chrift / der fich einen Chri⸗
ſten nennet / ſondern der iſt einer / der im Opffer Chriſti aus
aeg J33 ſeiner
198 VonCains und HnbelsOpfferiic-Kap.z7.
feiner Menfchyeit in ihme gebohren iſt. Esgiltfür GOtt we⸗
Der Bund noch Gefere/fondern eine neue Creatur. Keine Mauer⸗
Kirche oder Gleißnerey / wie die heiſſe / tan Gottes Reidyerben
als nur einig und allein das wahre lebendige Opffer der neuen
Wiedergebuhrt / aus dem Bunde der Berheiffimg jm Paradei⸗
Ve / Durch des lebendigmachende Wort im Opffer a riſti.
47. Der Tempel des heiligen Geiſtes iſt allein / da Gottes
Wort inne gelehret und gefaſſet wird / auſſer deme iſt Cain mit
ſeiner gleiſſenden Mauer-kirche voll Hoffarth und ſtinckender
Ehren-fucht; das große Gebaͤu zu Babylon / da die Sprachen des
Wortes Gottes] als des gefhrichenen Wortes / imviel Zanc⸗
ten md Sprachen verwirret werden / da nur eitel Zanden und
Beiſſen umb die Buchſtaben innen iſt / und keine rechte lebendi⸗
ge / thaͤtige Erfäntnüß.
48. Und wo nun die lebendige Erkaͤntnuͤß Chriſttiſt / da iſt
der Altar Gottes an allen Orthen / da die hungerige Seele mag
vpffern das rechte angenehme heilige Opffer im Gebethe / da mag
ſie das Gebeth im Wort / in dem Hunger in eine Glaubens⸗Sub⸗
ſtantz einfuͤhren.
49. Richt daß wir die Mauer-⸗kirchen hiermit gantz wollen.
auffheben / ſondern wir lehren den Tempel Korifii7 welcher folk
mit in die Mauer⸗ kirche gebracht werden / oder iſt ſonſt das Weſen
der Mauer⸗-kirchen nur eine geiſtliche Antichriſtiſche Hureren /
ein Cains⸗Opffer / beydes von Lehrer und Hörer alſo verftan»
Den/ keiner beffer als ver ander / er gehe denn durch Die wahre
Thür Chriſtum in Geift und Krafft im Tempel Chriſti in die
Mauer⸗kirche / oder gedencke ſich in der Mauer⸗kirchen alldain⸗
nen in eine ſolche ernſte Begierde zu ſaſſen und zu ſchoͤpffen / an⸗
derſt gehet Cain in die Kirche zu opffern / und gehet nur ein
Bruder⸗moͤrder heraus,
so. Wie ſichs offte erweiſet: Wenn man hat in der Mauer⸗
kirchen Spotten und Richten eingefaſſet / fo gehet man alsdenn
ſo damit heraus / und mordet Habeln und Chriſti Glieder /
wie dieſem Geiſt viel hundertfaͤltig geſchehen iſt und
nur eben umb des Tempels Chriſti willen.
51. So mir wollen das Opffer Cains recht betrachten / fo
muͤſſen wir ihme in feine Effens feines Willens und Begehrens
gehen / denn er wolte auch opffern / und GOtt angenehm ſeyn:
Aber er lichte nur feine Ichheit und Selbheit; ihme war es nicht
Darımd zu thun / daß er wolte eine neue Creatur ſeyn oder wer⸗
den fordern GOtt ſolte ſeine Suͤnde alſo im Opfſer * J
Ze nehme
Eap.27.Bon Cains und HabeleOnfferiie. 199
nchmen / er wolte der alte Cain bleiben / und alſo GOtt opffern/
daß er vor ihm angenehm wäre; der Zeuffel kam in Engels Ge⸗
ftalt für GOtt.
52. Cainerfandtenicht feine böfe Schlangiſche Eigenſchafft /
die arıne Seele war damit gefangen / und hatte fich in ver
Schlangen-Efleng / Witze und Hoffart empor geſchwungen / er
wolte ein von auffenangenommener Sohn oder Kind ımd Erbe
Gottes ſeyn; das Opffer folte ihm verſoͤhnen / gleich wie Babel
thut / die nimt auch den Mantel Chriſti umb / und fpricht : Chri⸗
Rus hat alle meine Suͤnde aın Ereuge gebüffet/ich kan mir nichts
erwerben; meine Wercke verdienen nichts vor GOtt / ich darf
es nur glaubendag es Chriſtus gethan hat) und mich deg tröften/
fo bin ich ſchon gerechtfertiget von aller meiner Miſſethat.
53. Alfo Font fie für Gott / und dancket Gott / dag Erin
feinem Sohne bezahlethat / und opffert mit Zain und dom Pha⸗
tifeer im Tempel) und bleibet in fich felber ein Brudersmörder
mit Cain / das it die Babyloniſche Frucht: Gleich wir Cain
das DOpffer zu einem Deckmantel über fich nehmen wolte / alfo
auch nimt feine hinterlaffene Kirche das Opffer Chrifti zur einem
Deckmantel ihrer Sünden / und falfhen Morderey umb ſich /
und decket den Mord⸗Geiſt initzu / daß man ihn mug einen hei⸗
ligen Chriſten nennen.
54. ©. Paulus muſte ihnen darzu dienen / da er ſaget: Ich
thue das Ich nicht wil / ſo Ichs nun fiyue/ fo thue nicht Ichs Torre
dern die Sünde die in meinem Fleiſche wohner aber dag er ſa⸗
get: So diene ich nun mit dem Gemühte Gott / ımd mit dem
Fleiſche dem Gefege der Sünden: Das wil Cain nicht verfte=
hen / wie das Gemuͤhte foll ohne unterlag uͤber den ſuͤndlichen
unser: und Begierde des Fleiſches herrſchen / und die Luſt
odten.
55. ©. Paulus redet von himmliſcher Abeliſcher Begierde /
wie die Suͤnde muͤſſe im Fleiſche ertoͤdtet werden / und nicht uͤber
das Gemuͤhte herrſchen / wie beym Cain / da er ſahe daß ſtin
Bruder vor Gott angenehm war / und er nicht / ſo gieng de
Mord-geift im Gemuͤhte herfuͤr / welcher ſolte im Opffer durch
rechte Buſſe und Umbkehrung getoͤdtet werden.
5. Alſo auch gehets Babel unter dem Mantel Chrifti/ die
opffert auch Gott und dancket ihme fuͤr das Opffer Chriſti: Aber
fie ſelber bleibet im Gemuͤhte des Cainiſchen Brudermordes in
Hoffart / Geitz / Neid und Zorn / in Berfolgung / in Krieg
und Streit: Sie ſtreitet umb das Opffer und umb den Deda
34 wantel /
200 Bon Cains und Habels Opfferꝛc. Cap. 27
mantel / daß ihr der nicht entwendet werde; und maͤſtet ſich dar⸗
unter mit dem thieriſchen Opffer der Fettigkeit der Erden / und
bleibet das Cains⸗Thier / mordet auch Habeln immerdar in
Chriſti Gliedern / und troͤſtet ſich des Todes Chriſti; dieſer
muß des falſchen Mord⸗geiſts Deckel ſeyn.
57. Das Hertze und Gemuͤhte iſt ferne vonder neuen Crea⸗
gar: Es iſt nur der Alte Cainiſche Bruder-moͤrder / der decket
fich mit Chriſti Opffer zu / und opffert mit Gain; ein ſolches /
und nicht mehr iſt vonder Chriſtenheit anjetzo noch uͤberley un⸗
ter allen Secten / außgenommen die Kinder Chriſti / die noch
hin und wieder mit Habel verborgen find.
- 58. Die Cainiſche Kirche iſt niemals mächtiger auff Erden
geweſen / als cben jegund/ da man doc mitgroffen Geſchrey
ſchreyet: Lauffet alle herzu: Wir haben das Opffer Habels in
Chriſto gefunden: Ja liebe Babel / den Mantel Chriſti haſtu
wohl funden / aber befchaue nur dein Eainifches Herge / fo wirft
du fehen / ob dur mit Habelaus der neuen Ercatur onfferft / oder
aus dem falfhen Bruder-Mord-geiſte: Wo find deine Fruͤch⸗
te? wo ift Siebe und Gerechtigkeit? wo ift Wahrheit ? wo ift
Gedult und Sanfftmuht? Wo ift das Gemuͤhte das mit Pau—
lo Gott dienet? Wo biſtu du ſchoͤne Cchriſtliche Kirche auff Er⸗
den / biſtu nicht eine Mordgrube des Teuffels worden? So be—⸗
weiſe deine Chriſtliche Tugenden; biſtu doch voll Zanck und
Mord / beydes in der Kirchen und auſſer der Kirchen / dein
Mund iſt nur ein Schwager von Gottes Reich / gleich wie
Cains Mund nur vom Opffer ſchwaͤtzete / fein Hertze aber war
ein Mörder.
sy. Alſo ſchwaͤtzet man auch inden Steinhauffen vom Man⸗
tel und Opffer Ehrifti/ und mordet doch unterdeſſen in dieſem
Geſchwaͤtze immerdar die Kinder Chriſti / verdammet und urtheis
tet ſie / und machet einen gantzen hauffen laͤſter⸗Woͤlffe / die alle
ſchreyen und beiſſen / und keiner weiß wo die Hinde iſt die fie ja⸗
gen / ohne dag der Teuffel alſo fein Spiel durch ſie treibet / auff
daß das wahre Opffer Chriſti alſo verdeckt bleibe / und nur als
Myfterium in diefer Welt ſey.
6o. Denn wirarme Heva⸗-kinder ligen allpier in diefer Huͤt⸗
tenin einer frembden Herberge zu hauſe / dader Teuffel in Got:
tes Zorne Würth innenift: Wir wohnen auffder verfluchten
Erden / da der Teuffeluns über geib und Seele herreuthet / und
uns alle Stunven fichter: Wir mögen uns wohlfürfehen und
Binmahlficher ſeyn / es koſtet Leib und Seele.
| Das
Sup.z8: Bon Cains Bruder anord / tc. 20-
Das 28. Capittel.
Bon Cains Brudermord/ als von der hoffaͤrtigen
Antichriſtiſchen Scheinzfirchen auff Erden / und denn
von der unter diefer Antichriſtiſchen Kirchen ver⸗
borgenen wahren Chriſtenheit.
x. $5 der Teuffel in Gottes Zorn/ im Grimmder ewi⸗
gen Natur ſeinen Stuhl und Sitz in menſchliche
Eigenſchafft hatte eingeſuͤhret / und das Centrum
der grimmen Ratur in ihme erwecket / ſo gieng
auch zuhand eine ſolche Begierde aus der erweckten
Zornes⸗ Eigenſchafft im menſchlichen Ente oder Saamen/inder
Sortpflangung mit auff / aus welcher Eigenfchafft Babel / als
die Antichriftifche Kirche erbohren und entſtanden iſt.
2. Und wie nun Gott den Schlangen-tretter diefer ſalſchen
Eigenfchafft/ welcher folte dem Schlangen-Enti und Wille
oder Begierde den Kopff zertretten / indes Menfchen am Para=
deiß verblichenes himmliſches Ens hatte einverleibet und verheiſ⸗
fen / welches Wort der Berheiffung dem irrdiſchen Menſchen
ein Myfterium und gank heimlich war: Alfo auch ſchwebet die
falfihe Cainiſche Sleignereysfirche / welcher Hertze und Begier⸗
de nur die auffere Welt iſt / diefe ganke Zeit empor /und hat das
Auffere Regiment und den Namen / als opfferte fie GOtt:
Die rechte wahre Chriftliche Kirche aber iſt darunter verborgend
als ein gantz heimlich Myfterium , und wird nicht vonder Caini=
fehen Kirchen erfant,
3. Die Eainifche Kirche pranget einher / und gleiffet auffal>
len Seiten mit prächtigen Eeremonien : Laͤſſet von fich aus—
ſchreyen fie ſey heilig / gerecht und gut; ſie opffert auch im Bun⸗
de Cyriſti / aber ihr Hertze iſt nur cine gleiffende wohlgeſchmuͤck⸗
te Hure / voll Cainiſches Mordes / Laͤſterung / eigener Beſchau⸗
ligkeit in Hoffart / in Geib und Hochmuht: Die Habelifche
Kirche aber iſt darunter verborgen in groſſer Alberheit / mit
keinem Anſehen / und iſt nur wie naͤrriſch geacht gegen dem
Draht des Cains / und wird immerdar in ihrer Einfalt vom
Gain ermordet:
4. Rum ſpricht die Vernunft: Was hatte dan GOtt vor
einen Gefallen daran dag er zuließ / daß Cain den Habeber⸗
mordete | und daß noch heutiges Tages die Kinder Gottes von
2 35 Caint
«
—
202 Bor Cains Bruder⸗mordꝛc. Cap.28.
Cain / als ſeinen Nachkommen ermordet / verſpottet / gehoͤhnet /
gelaͤſtert / und fuͤr falſch ausgeſchrien werden? Dieſes iſt die
ache:
5. Der Fuͤrſt Lucifer war cin Hierarcha im Reiche oder Loco
Diefer Welt geweſen / wie ihn dan Chriſtus einen Fürsten diefer
Welt nennet / als im Reiche der Finſternuͤß im Zorne Gottes/
amd war umb feiner Hoffart willen aus dem Liechte in die Fin⸗
ſternuͤß verſtoſſen worden.
6. Weil dan GoOtt einen andern Fuͤrſten / als den Adam in
dieſen Locom ſchuff / mit welchem er ſich vor der Welt Grunde
in dem theueren Namen Jeſu / als mit ſeiner tieffeſten Liebe
verband / dag er wolte dem ſtoltzen Fuͤrſten Lucifer in menſchli—
cher Eigenſchafft ſeinen Stuhl und Reich zerbrechen / und mit
Siebe uͤberwaͤltigen / fo entſtund alſobald fein Neid und Grimm
wieder den Menſchen.
7. Zum andern iſt dieſes die Urſache / daß der Grimm der eis
gen und auch zeitlichen anfaͤnglichen Natur hat im Falle des
Menſchens das Ober-regiment in menſchlicher Eigenfchafft ge⸗
kriget: Denn das Himmelreich verlaſch in Adam und Eva als ſie
ärrdiſch worden / nd wachte an deſſen ſtatt auff das Reich des
Teuffels in der Schlangen Witze und Hoffart / deñ der menſchliche
Wille hatte ſich von GOtt abgebrochen / und war in die Stlbheit
eingegangen / und verſtund nichts mehr vom Geheimnuͤß des
Reiches Gottes.
8. Weil dan in Habel und den Kindern Gottes das Reich
Gottes wieder ii Zieldes Bundes gruͤnete und herfuͤr brach / fo
Fonte das des Teuffels Reich und Willen im Schlangen:Mon-
Kro nicht leiden: Auch fo iſt das Liebe⸗Reich eine groffe Feind»
ſchafft wider den Grunm der ewigen Natur nach der finſtern
Eigenſchafft / dan die menſchliche Eſſentz mar nach der finſtern
Welt Eigenſchafft / nach der Seclen ein halber Teuffel worden /
und nach der aͤuſſern Welt Eitelkeit ein halbes Thier / in wel⸗
chem Thiere der falſchliſtige / boͤſe / begierige / hoffaͤrtige / geitzi⸗
ge / neidige und zornige Schlangen-wurm mit des Teuffels
Wille inftciret ſaß.
9. Dieſes grimmige / boßhafftige / monſtroſtſche Thier woltt
a feiner ſelbſt⸗Eigenſchafft icben ; fo erſchiene ihme entgegen in
Habel das Engliſche Jungfrauen⸗kind / das diefem boͤſen Thiere
ſelte fein Reich zerſtoͤren und beherrſchen / Das ware eine große
Feindſchafft; denn der Zorn Gottes hatte den Menſchen gefan⸗
gen / und weite in ihme wuͤrcken und regieren / fo brach ur
is
Cap.23. Bon Cains Brudermord / ꝛc. 203
Liebe aus dem Zorne herfuͤr / wie ein Liecht aus dem Feuer / und
wolte den Zorn toͤdten und in Liebe verwandeln / und dem armen
Menfchen- Bilde wieder helffen / und es vom ewigen Zorn und
Tode erlöfen. 5
10. Weil aber der Zorn das Regiment im Menſchen gefrigef
hatte’ und aber das Jungfrauen-kind von der Engliſchen
Welt⸗weſen aus dem Bunde Gottes / ausdem werblichenen En-
te folte durch den Zorn durchgruͤnen / wie ein helles Liecht aus
Der Kerken durchs grimmige Feuer ausfeheittet/ welches der Fin⸗
ſternuͤß ihr Gewalt nimt / fo mufte fich der auffere geib in den
Kindern Gottes [affen pam Grimme Gottes tödten und verfols
gen / denn er war eine fremde Figur ander Jungfrauen Kinde,
ıı. Dan Habel hatte in feinem änfferen Fleiſche gleichwohl
die auffgewachte Eitelkeit inne ligen als Cain: Er war nach
dein auffern Menſchen auch fündig / aber im innern grünefe die
Englifche Welt / und das Paradeig-Wilde wieder im Bunde
Las war mm eine groffe Feindſchafft widereinander ; der innere
Menſch trattdem Schlangen-Monftroauffden Kopff feiner fal⸗
ſchen Begierde / fo flach ihm das Schlangen» Monftrum in die
Ferſen feines Englifchen Willens) und verſpottete das Engliſche
Bilde / wie es noch heute alfogehet: Sobalde das Junigfrauem-
kind im Geiſte Chriſti gebohren iſt / ſo wird der aͤuſſere irrdiſche
Leib ſamt dem Jungfrauen-kinde von den Cainiſchen Kinderen
rerfolget / verachtet / verſpottet / und als ein freibdes Kind der
Weit gehalten.
12. Denn das Schlangen-Monftum iſt vor GOtt nur als
ein Narr / und fo aber gleichwohl das edle Jungftauen⸗ kind im
aͤuſſern Fleiſche muß ein ſolch Monſtrum an ſich tragen / zu wel⸗
chem der Teuſſel noch ſtaͤtig Zutritt hat / fo wird dieſer Leib vont
Teuffel im Zorne Gottes und ihren Kinderen gewaltig angefoch⸗
ten fie wollens immerdat ermorden: dan das Jungfrauen⸗
Find wuͤrcket durch den aͤuſſern Menſchen / wie ein Liecht dutchs
Feuer / und offenbahret ſich; lehret und ſtraffet den Gottloſen
Hauffen / das kan der Teuffel nicht dulden / denn cs iſt wider ſein
Reich / gleich wie das Opffer Habels wider Cains war.
x3. Denn Cain opfferte in der hoffaͤrtigen Schlangen⸗be⸗
gierde als ein Gleißner / und wolte in feiner Schlangen⸗begler⸗
de ein frommes GOTT gefaͤlliges Kind ſeyn; Aber Habel demuͤ⸗
tigte ſich vor GOTT / und gieng mit feiner Begierde in Gottes
armhirtzigkeit: Gottes Lebe⸗feuer nahm fein Opffer an / und
ang durch das jrndiſche Opffer * ger durch: Alſo auch im
sehr
204 Von Cains Bruderamsdiic. Cap 28
geibe Habels zu verftchen iſt / gleich wie das Unverweſliche fol
das Verweſliche verſchlingen / alfo auch nahm das Himmliſche
das Irrdiſche in ſich gefangen.
14. Daßaber Cain den äuffern Leib Habels mordete / das iſt
das Bilde / daß ver aͤuſſere Leib ſoll im Zorne Gottes ertoͤd tet
werden: Der Zorn muß das aͤuſſere Bilde / welches im Zorne
gewachſen iſt / in ſich verſchlingen und toͤdten / und aus dem To⸗
de gruͤnet das groſſe ewige Leben aus.
15. Habel war eine Figur Chriſti; Die Kinder Gottes Zor⸗
nes muͤſſen das Recht Gottes Zornes an den Kindern der Heili⸗
gen/ an ihrem aufferen auch irrdiſchen und thierifchen Bildnuͤß
exeguiren. Gleich wie die Pharifeer (welche vor GOTE nur
falfhe Schlangen=Finder waren wie fie Chriftus hieg) mu⸗
ften die Menfchyeit Chrifti verfolgen und tödten: Alfo auch
war Cain das Bilde diefer ſchlangiſchen / wölffifhen Phari⸗
feer / und der falſchen Maul⸗Chriſtenheit.
16. Gleich wie das falſche Schlangen-kind ein Monſtrum
and Narı vor der Engliſchen Welt iſt / alſo halten auch die Kin⸗
Der der Finiternüß die Kinder des giechts für Narren ; denn es
muß cin Contratium ſeyn / auff dag eines im andern offenbah⸗
rer werde : Wenn der Zorn nicht haͤtte die Menſchheit eingenom⸗
wien / und in ſich verſchlungen / fo ware die tieffeſte Liebe Gottes
am Menſchen nicht offenbahr worden.
17. Alſo aber nunt die Siebe Urfache am Zorne / denfelben
mit ihrer Bewegung und Offenbahrung zu bewältigen) wie denn
in Chriſto zu erkennen: Der wahre Gottes Sohn gab ſich aber
in unſer im Zorne auffgewachtes Bilde ein / auff daß Er mit
ſeiner ‚Siebe im Zorne offenbahr wuͤrde / und dehn in Freude ver⸗
wandelte.
18. Chriſtus gab unſer Menſchen⸗bilde dem Zorne feines
DBatters im Tode zu verſchlingen / und fuͤhrete fein Leben in
Tod; und offenbahrete aber feine Siebe in dem geben / welches
der Tod verſchlungen hatte / und führete das Leben in der Siebe
durch den Tod aus) gleich wie ein Korn das indie Erde gefüet
wird/ welches in ver Erden erfterben mug / wächfet aber aus
dem erftorbenen cin jchöner newer Leib: Alfo auch folte und mu⸗
ſte der verderbte Leib Hdams dem Tode und Zorne geopffert wer⸗
den / und aus dem Zode und Zorne folte der Leib der Liebe Got⸗
tes offenbahr werden.
19. Beym Cain und Habel war das Bilde / wie es kuͤnfftig
ergzehen wurdes Weil Habel im aͤuſſern das irrdiſche Bilde
trug/
|
|
|
Cap. 28. Von Cains Bruder⸗ mord / ꝛc. 205
txug / und aber im Geiſte ein Bilde des Himmels war / ſo war ſein
aͤuſſerer Leib in der Verderbung nur ein Larva vor der aͤuſſern
Welt; denn es war ein anderer Geiſt darinnen verborgen / wel⸗
cher nicht aus der aͤuſſern Welt Ellentz und Eigenſchafft war:
Darumb weil er nicht gaͤntzlich ein rechtes Kind der irrdiſchen
Welt war / wolte ſie ihn als ein frembdes Kind nicht in ſich dul⸗
den / denn der Teuffel war Fuͤrſt in dieſer Welt in der grimmen
Eſſentz / der wolte nicht daß ihme ein Kind des Liechts durch die
grimme Effent grünete.
20, Alſo iſt das Bilde Cains und Habels eine wahre Figur
der falfihen und der wahren Kinder Gottes / und des aͤuſſern
fündlichen verderbten und fterblichen Menſchens / und des in»
nerm neuen wiedergebohrnen heiligen Menſchens: Wenn
Chriſtus mit ſeinem Liebe⸗Reiche aus dem verblichenenEote auff>
fechet aus dem Tode/ fo mug Adams irdifihe Bildnüg in
Chriſti Tode ſterben; und fo es num ift / daß der auffere Leib noch
leben muß] fo ift Er nur ein Spott und Narı vor dem Him⸗
er! fo wohl auch vor dem natürlichen $eben diefer
Belt,
. 22. Denn fobalde Chriſtus gebohren ift/ foift das fündliche
Leben zum Tode geurtheifet / und fichet im Spotte für allen fal>
fihen Kindern im Zorne Gottes / als wie eine Hure am Pran⸗
ger / welche auch helffen andere Huren verfpotten / und urthei=
ben fich auch nur felber damit: Denn fo Chriſtus gebohren wird/
fo gehet Das Gerichte über das falfche thieriſche Leben / ſo muß
diefer Menfch im Berichte Gottes ſtehen / als ein Ubelthäter fich,
laffenvernarren / verkegern / verfpotten / verlachen / auch hoͤh⸗
nen und toͤdten / auff Daß das Monftsum vor Gottes Zorne ge>
richtet werde: Die jenigen aber die es thun / find die Kinder des
fetten und mwolgemäften Zornes Gottes / weldhe der Grimm
Gottes zu feinem AWerdzeuge brauchet: Denn GOTT iſt ein
Geiſt / darumb führet Er fein Gerichte durch ein Weſentlich
Bilde aus.
22. Denn fobalde Habel in feinem Opffer die Siche Gottes
im Bunde auffs neu in feine menſchliche Begierde anzog und in
feine Elſentz einfuffete / fo gieng zuhand das Gerichte uber dent
aͤuſſerlichen fterblichen Menſchen; fo faffete ihn Gottes Zorn»
ſchwerd / welches im Cain richtete / und tödete den auffern Leib
Habels; und zudiefer Stund gieng auch das Gerichte über das
folfhe Zorn-bildnuͤß in Cain / denn da ſtund Er und ſchrie:
Meine Sünde find gröffer denn dag fie mir möchten vergeben
werden, j 7 23. Die⸗
206 Bon &uins Bruder mordfie. Gap.ıs.
23. Diefes deutet num an die Figur Chriſti / gleich wie ver
Zorn des Batters mufte das geben Ehrifti verfihlingen in det
Tode ; und als der Zorn. das geben im Tode verfihlungen hatte /
fo bewegte ſich Das heilige Seven der tieffeſten giebe GOttes im
Tod und Zorne / und verfchlang den Tod und Zorn in fich ; davon
die Erde erzitterte / und die Felſen zerkluben / und fich Die Graͤ⸗
ber der Heiligen auffthaͤten.
24. Und alſo ſoll das Liebe-Feuer und das Zorn-Feuer im
Loco dieſer Welt / welches mit der Schoͤpffung entzuͤndet ward /
als der Abtruͤnnige fiel / am Juͤngſten-Tage wieder in die Goͤtt—
liche Freudenreich verwandelt / und in der Liebe verſchlungen
werden; verſtehet im dritten Principio, da Liebe und Zorn dieſe
Zeit miteinander ſtreitet; aber in der Finſternuͤß im erſten Prin⸗
eipio bleibet er. 5
25. Die rechte Urſache darumb Cain Habelmordete/ war ihr
beyder Opffer und Gottesdienft/als die Religion / wie dan dieſer
Streit noch heute währet/die Cainiſche Kirche iſt noch nicht einig
mit der Habeliſchen.
26. So fpricht die Bernunfft : Sch ſehe es wohl / daß aller
Zanck und Streit vonder Religion entſtehet: Was iſt aber der
Grumd und die gewiffe Urfache? Siehe dieſes ift die Urſache;
ftelle dir das falfche Schlangen- Kind für / das böfe und gut iſt;
und ftelle dir zum andern das Jungfrauen-Kind aus Chrifte
gebohren fuͤr / ſo haſtu die Urſache für deinen Augen gemapfet.
27. Die Cainſſche Kirche gehet mit aͤuſſerlichen Ceremonten
umb / und wil GOtt mit etwas aͤuſſerliches verfühnen : Sie wil
ein von auſſen angenommenes Kind ſeyn / ſie wil ſchlechts fromm
und heilig heiſſen / fie ſchmuͤcket und zieret ſich und beruffet fich
auff ihr Ambt / welches ſie ihr ſelber geordnet hat:: Sie gleiſſet
in weiſſen Schafs-Kleidern / und hat den Hohenprieſter der
Selbheit ohne Chriſti Geiſte darunter zur Herberge / der regies
set das Werck der aͤuſſern Buchſtaben / und welcher dieſelbe ler—
niet ſtattlich wechſeln und verſetzen / der iſt Hoherprieſter in ihram:
Ambte; der nimt Chriſti Kleid der Unſchuld über ſich stm
Deck-Mantel.
28. Die andere Part der verwirreten Cainiſchen Kirchen
ſchreyet dann und traͤget das gleiſſende Kind umbs Geld feyl /
und hat alſo das Himmelreich in ſeine Ceremonien gebunden /
und wil das umbs Geld verkauffen / dag ih der Mann unter
dem weiffen Kleide möge in diefer Welt fett maͤſten.
39. Die dritte Part gibt vor / fie habe einen fo heiligen Or⸗
— den/
*
}
Eap.28. Bon Cains Bruder⸗mord/ ꝛtc. 207
den / daß fie derfelbe ſeelig mache / und wilvor andern heilig ge⸗
achtet ſeyn.
30. Die vierdfe Part wildas Reich GOttes durch ihr Mund⸗
gefchrey mit vielen Worten / leſen / fingen / predigen umd hören
erlangen ; die ſchilt und laͤſtert umb ſich dehn / der ihr Mundge-
ſchrey nicht alles billigen / loben und hören wil.
32. Diefe Part hat ſich mit dem weiſſen Kleide indie Buch⸗
ſtaben der Kinder GOttes gefeket / und wirffet damit umb ſich
wie der Bettler mit Steinen nach den Hunden / und trifft gar
balde einen boͤſen / gar balde einen guten: Welcher getroffen
wird / der laͤſſet ſichs mercken / dann fallen die andern auch an und
beiſſen ihn / und iſt ein ſtaͤtes Beiſſen / Verwirren / Laͤſteren /
Buchftadessanden / ein eitelaͤuſſerlich Werd / damit man mey⸗
uet GOtt zu dienen und Gnade zu erlangen / ein lauter Eaini:
Kr O fer.
Die Eainifche Kirche iſt nur in der Auffern Welt böfe und
— : Sie bauet und zerbricht) und iſt nur cine Figur nach GOt⸗
tes Liebe und Zorn zwas eine Part bauet und heilig heiſſet / das
zerbricht und laͤſtert die andere: Mit einem Munde bauet ſie /
und mit dem andern reiſſet ſie ein: Was ein Gleißzner lobet das
ſchaͤndet der ander / und iſt alles nur cine verwirrete Babylon /
boͤſe und gut; ein Wunder der Natur und Zeit.
33. Dieſe alle lauffen dahin in ihrem ſelb⸗erdichteten Orden /
und verlaſſen ſich auff ihren angenommenen Orden / opffern alſo
die Buchſtaben vor GOtt / und das Werck ihrer Haͤnde / und
wollen alſo vor GOtt von auſſen angenommene Kinder ſeyn
SPZT ſollihr Opffer anſehen / und ihnen ihre Sünde durch
Mort-fprechen vergeben: Wie ein Herr einem Ubelthaͤter das
schen aus Genaden ſchencket / fo einen unmägigfihen Hauffen
Genaden haben fie in ihrem Opffer der Buchſtaben / und in das
Werck ihrer Händegebracht/ alfodag ihr lehren und hören var
ven allerheilisften Weeg geachtet wird/ dadurch man feclig wer=-
de und wer diefenihren reg nicht mit hoͤchſtem Fleiffe chret
und fich dehme untergibet / dehn kaͤſtert / verfolget und toͤdtet man]
oder haͤlt ihn vor einen Ke Ber.
34. Aber Habels Rinder in Chrifto haben gar viel einen an⸗
dern Gatresrienft : Sie wohnen wohl unter Cains Kindern /
erfcheinen auch) in ihren Orden und Opfern ; fte opfern GOtt
ein geängftigt Hertze und zerſchlagen Gemuͤthe / in wahrer Reu
und Umbkehrung uͤber ihre begangene Suͤnde / und gehen aus
ihrer Ichheit nud Selbheit von aller Creatur / mit ihrem es
her
308 Bon Cains Bruder mord / etc. Cap. 280
lichen Willen⸗Opffer gantz aus / und erſterben der Ichheit int
Tode Chriſti / und werden als die Kinder die nichts wiſſen / noch
wollen / als nur allein ihrer Mutter / die ſie gebohren hat; in
derer Schoß werffen fie ſich ein was dieſelbe immer mit ihnen
thut / das faffen ſie in Gedult.
35. Damm ihr immerlicher Wille ift der Auffern Welt mitalle
ihrem Glantze erſtorben; fie achten fich felber für unmwürdig ge⸗
gender groffen Genaden GOttes / ſehen auch vor ihnen nichts als
ihre Eitelkeit / welche das Sleifch begehret / dehme ift der innere
geiftliche Wille gramm und feind/ mag doc, indiefer Zeit nicht
gang gefchieden werden : Shrganser Lauff durch diefe Welt ift
ein-citel Bug-würden / denn die Sünde und Unreinigkeit tritt
ihnen immer unter Augen.
36. Es ift ein ſtaͤtes Streiten in ihnen des Sleifches in der
indifchen Begierde wider die Göttliche Begierde/ und der Gött-
lichen Begierde wider des irrdiſchen Fleiſches Luſt; dann die
Goͤttliche Begierde faffet ſich in Gottes Genade un Barmhertzig⸗
keit / und ſetzet ſich in ein Centrum eines wuͤrckenden Lebens / und
dringet durch das irrdiſche falſch- luͤſtige Leben durch / und ſchlaͤget
die falſche Luſt zu boden; ſo geraͤth dann die falſche Luſt in groſſe
Traurigkeit / wenn fie den wolluͤſtigen / praͤchtigen / gleiſſenden
Lauff dieſer Welt anſtehet / und ſich alſo naͤrriſch befindet / daß
ſte das muß laſſen / darinnen fie koͤnte ihre hoͤchſte Freude und
Luſt haben.
37. Auch komt zuhandt der Teuffel mit feinen Anfechtungen /
und fuͤhret ſeine Begierde in die falſche Luſt; und zeiget ihme
das ſchoͤne Reich der Welt / und ſchilt fein Fuͤrhaben / als ei—
nen falſchen Wahn / haͤtzet über ihn den Hauffen der Gott—
lofen mit fpotten / höhnen und verachten / alsdann verleuret
fid) offte ver Glantz und Göttliche Begierde ; dann Chriſtus
wird in die Wuͤſten geführet/ als das Zungfranen- Kind im
Geifte Chriſti / und wird vom Teuffel und Zorn GOttes / auch
vom fleiſchlichen Welt-Geifte verſuchet; und verbirget ſich offte
der Geiſt Chriſti / als waͤre es gefchehen umb das Juͤngfrauen⸗
Kind: So tritt der Teuffel alsdann hinzu / und fuͤhret ihm
Zweiffel an feinem Jungfrauen-Kinde ein / als wäre es nicht
gebohren.
38. Denn das Jungfrauen⸗Kind wird in der Wuͤſten vers
borgen : So fichet dann die arıne gefangene Seele in groffen
Zranren / achzet und ſchreyet zu GOtt / mag auch das ea
Bild
Cap 28. Ben Cains Bruder⸗mord / ꝛc. 209
Bild nicht lieben / ſondern erhebet ſich als ein groſſer Sturm im
Leibe / und ſuͤchet die Pforten der Tieffe in ihrem Urſtand / und
dringet mit Macht in das Wort ein / das fie zur Creatur geformi⸗
ret hat / uñ erſincket darinnen / als ein unmaͤchtiges in ſich Willen
loſes Kind / und begehret ſeiner erſten Mutter / daraus die erſte
Seele erbohren ward zu einer Pflege / und macht ſich in derſelben
Mutter gantz Willen⸗-loß / lieget nur an ihrer Bruſt / und ſaͤuget
in ſich ihre Liebe und Genade; die Mutter mag mit ihme thun
was ſie wil: Das heiſſet alſo der Selbheit und Eigenluſt in
ſich erſterben / und in ſich nach der Seelen Willen werden als ein
Kind / wie Chriſtus ſaget: Es ſey dann daß ihr umbkehret und
werdet als die Kinder / ſonſt ſolt ihr das Reich GOttes nicht ſehen;
die Selbheit und Eigen⸗vernunfft in des Fleiſchs Luſt / kan es
weder ſchmaͤcken noch ſehen.
39: Aus ſolchem ernſten Einergeben und des ſelb⸗ igenen Wil⸗
lens in GOttes Barmhertzigkeit Erſterben / gruͤnet das Jung⸗
frauen =» Kind aus der Wüſten wiederumb herfuͤr mit ſeinem
ſchoͤnen Perlen⸗Baͤumlein / mit gar ſchoͤner und neuer Frucht;
denn alſo mug es im Feuer GOttes Zornes bewehret werden / auff
dag der Ekel des eingeführten irrdiſchen Willens an ihm erſterbe.
40. Dann die Feuer⸗Seele / als das erſte Principium, hans
get am Bande der aͤuſſern Welt / und fuͤhret immerdar gerne et⸗
wasvon der Eitelfeitin ſich ein Davon das Jungfrauen=Kind
von der engliſchen Welt Weſen /alsven Chriſti Weſenheit bes
ſudelt / verdecket und vertunckelt wird / ſo muß es alſo wieder ge⸗
reiniget und gefeget werden; und gehet mancher rauer Wind in
Trübſal und groſſen Aengſten über dieſes Kind: Es muß im—
merdar als ein Feg⸗Opffer der Welt ſeyn / denn ſein Reich iſt
nicht von dieſer Welt / wie Chriſtus ſaget: Mein Reich iſt nicht
von dieſer Welt.
41. Aber dieſes geſchicht wenn der ſchoͤne Morgenſtern im
Jungfrauen⸗Kinde anbricht und auffgehet / ſo wiro dieſe Zeit
das aͤuſſere Leben durchleuchtet; und ergibet ſich in Gehorſam des
innern ein / als ein Werckzeug und Dienerin des inneren.
42. So erſcheinet alsdann der Heil. Geiſt GOttes durch
das Jungfrauen-Kind und prediget Chriſtum den Gecreutzig⸗
ten / und ſtraffet die Welt umb ihre Suͤnden und Laſter; und zei=
get ihnen ihren falſchen gleignerifchen Irrweeg / dag fie wollen
im auffern Reiche GOttes Kinder feyn in ihren felb-erdichteten
Weegen / uñ wollen eine äufferliche Sündenzvergebung in ihren
eigenen erdichteten Weegen ſuchen; und wollen aber im ihres.
Flei⸗
“
210 Von Cains Brudermord ie. Cap.ꝛ8.
Fleiſches Wolluft in der Eitelkeit fichen leiten. Wollennur
alfo vor GOtt heucheln umd gute Worte in einem glaͤntzenden
Schein geben / als Dieneten ſie GOtt in ihrer erdichteten Mey⸗
nung / wollen aber in der Selbheit iin äufferen B ansc bleiben,
43. Diefe firaffet der Heil. Geiſt durch Das Jungfrauen⸗
Kind in Chriſti Geifte / und heiſſet ſte Heuchler und Woͤlffe is
Schafs-Kleidern / auch liſtige Fuͤchſe aus der Schlangen Ente
gebohren / in welchen eitel Kröten: Hundes = und wilder Thiere
Eigenſchafft innen jſt; und zeiget ihnen / dag Re ſich mit ihren
Lippen zu GOtt nahen / aber ihr Hertz iſt voll Mord / Gallen und
Schlangen-Begierde / und hat Feine rechte Liebe-⸗ Begierde in
ſich; auch wie fie nur Gleiß ner in ihrem Ambte ind / welche da⸗
mit nur Wolluſt und zeitliche Ehre ſuchen / wie fie mögen über
der Menſchen Leib / Seel / Ehre und Guth herrſchen / und dienen
alſo GOtt nur von auſſen mit heuchleriſchen Munde: Ihr
Hertze aber hanget an der Hurerey zu Babylon voll Teuffels⸗
Mord und Gifft uͤber dehn / der ihnen ihr Gewiſſen rühret.
44. Solche Kinder in derSchlangen-Liſt / welche denſelben
Liſt nur koͤnnen meiſterlich draͤhen / ſetzen ihnen die Kinder der
zu zu. Lehrern / und wollen von ihnen den Weeg GOttes
ren.
45. Diefe Schrer fegen ſich in die Buchſtaben der Kinder der
zuen und fchrepen aus / ſie lehren GOttes Wort / der Heil,
eiſt werde aus ihrem lehren und predigen außgegoffen ; und ob
fie gleich ige Gewiſſen uͤberzeuget / daß fie des Ambtes nicht faͤhig
find / und daß fie mit nichten Tempel des Heil. Geiftes ind /der
durch ſte ſolte lehren:: So fragen fie nichts darnach / es bringet
ihnen Geld und Ehre / Chriſtus iſt ihnen zu Himmelgefahren /
und hat ſie zu Statthaltern auff Erden in ſein Ambt geſetzet / ſie
muͤſſen ihre Lehre aus den Kindern der Heiligen / und aus der
Vernunfft aus den Buchſtaben zuſammen tragen: Ihre Zu—
ſammenſetzung der Worte muß des Heil. Geiſtes Stimme
ſeyn / ſie ſagen der Heil. Geiſt werde dadurch in der Menſchen
Hertzen außgegoſſen.
46. Und ob fie gleich nur ſelber Cain ſind / und in ihrenzuſam⸗
mengefegten Buchftaben in ihren Predigten einen gantzen Hauf⸗
fen leichtfertigen CainiſchenSpott und Brudersmord außſchuͤt⸗
ten / und offte Sügen und Wahrheit untereinander mifchen ; noch
dennoch foll es der Heil. Geiſt gelehret haben / und foll die Ge—
meine für folche heilige Schre/ wie fie die heiſſen / GOtt danden/
und nach ihrem Bruder⸗morden auch tapffer helfen Habel 2
as
Cap.28. Don Cains Bruder-mordisc. 212
das Kindlein IJEſum in feinen Gliedern mit Worten und That /
morden und toͤdten.
47. Solche Lehrer ſetzet ihr die Welt / von ihnen das Reich
GHttes zu lernen: welcher nur kan tapffer laͤſtern / uñ andere in
ihren Gaben verdammen / und kan es fein ſpitzfindig auffbrins
gen / kan ihme einen Mantel der Vernunfft umbgeben / und den
Wolff (welcher dadurch Chriſti Heerde mordet und friſt) unter
Chriſti Purpur⸗Mantel verdecken; dehme hören. fie gerne zu
denn das fleiſchliche Schlangen⸗Hertze kitzelt ſich damit in ſeiner
boͤſen Eigenſchafft / es iſt eben auch alſo geartet.
48. Solchen Saamen ſaͤen dieſe Lehrer von Menſchen erkoh⸗
ren / welche nur wind zeitlicher Ehren un Wolluſt willen das Ambt
begehren / ſind aber von GOtt unberuffen / auch ohne Göttliche
Erkaͤntnuͤß: Sie gehen nicht durch Chriſti Thuͤre ein /ſondern
durch Menſchen⸗Wahl aus Gunſt / durch ihr ſelber-Wollen/
Rennen und Lauffen: Dieſe koͤnnen in keinem Weege für Hir-
ten Chriſti erkant werden / denn ſie ſind nicht aus Chriſto geboh⸗
ren / und zu ſeinem Ambt erkohren.
49. Sie find nur Baumeifter der groſſen Babylon / da die
Sprachen perwirret / und die Menſchen dadurch uneinig ge:
macht werden / und richten auff Erden Krieg und Streit an:
Denn ſie zancken umb die leere Huͤlſe / als umb die gefihriebene
Worte und Buchſtaben / und das lebendige Wort GOttes haben.
ſie nicht in ihnen wohnende / daraus ſie lehren ſolten: Der Geiſt
Chriſti muß ſelber im Worte der Lehrer ſeyn mit lebendigem
Ausfprechen ; der menſchliche Geiſt muß Chriſtum in ſich erken⸗
nen und empfinden / anderſt lehret keiner Chriſti Worte / ſondern
nur ſtumme Worte ohne Krafft und Geiſt.
50. Dieſes nun ſtraffet der Geiſt Chriſti in feinen Kindern/
und zeiget ihnen, den wahren Weeg / wie wir muͤſſen in Chriſti
Tode der Seföheit und falfehen Eigensbegierde / zu zeitlicher
Wolluſt und Ehren erfterben ; und aus Chriſti Geiſte eines an⸗
dern neuen Willens / und Begierde aus Chrifti Siebe in eigentt
wahren Erkaͤntnuͤß erbohren werden / und Chriftum aus uns.
predigen und lehren.
52. Das kan Babel in Cain nicht leyden / daß man lehret
Chriſtus muss ſelber der Schrer in dem menſchlichen Geiſte feyn >
Sie berufen lich auff das fürgefityetebene Apoſtoliſche Wort /
und fügen ; fo fie daſſelbe fehren/fo werde der Geiſt GOttes auge
gegoſſen: Ja wohl recht / ich fage auch alfo / fo daffelbe Wort in
Chriſti Geiſt und Krafft gelehret wird / ſo iſts ja alſo.
2,08.
⸗ *
212 Don Eains Bruder⸗mord / ꝛc. Cap.28
52. Es iſt aber ver Geiſt Chriſti in feinen Kindern an keine
gewiſſe Form gebunden / daß er nichts mehr reden duͤrffte was
wicht in dem Apoſtoliſchen Buchſtaben ſtuͤnde / gleich wie der
Geiſt in den Apoftelen frey war / undredeten nichtalle einerley
Worte: aber aus einemGeifte und Grunde redeten fie ale: Ein
jeder wie ihm der Geift gab außzuſprechen: Alſo redet auch noch
der Geiſt Chriſti aus feinen Kindern / er darff Feiner zuvorhin
zufammen gefegten Formula aus dem buchſtabiſchen Worte:
Er erinnert des Menſchen Geiſt mohl felber deffen / was im
Buchftaben begriffen ift/venn Chriſtus fprach : Der Heil. Geift
reirds von den meinigen nehmen und cuch verfündigen.
53. Ehriftusift alleın das Wort GOttes das den Weeg der
Wahrheit durch feine Kinder und Blieder lehret + Das buch⸗
ſtabiſche Wort iſt nur eine geiterin und Offenbayrung von Chris
ſto / daß der Menſch daffelbe für ihm ſtehen fichet/ als ein Zeug⸗
nuͤß von Chriſto was er ſey / und was er fuͤr uns gethan habe /
daß wir unſern Glauben follen darinn ſchoͤpffen und faſſen⸗ und
aber mit der Begierde in das lebendige Wort Chriſtum einge⸗
hen / und felber Darinnen zum Leben gebohren werden.
54. Keiner iſt Chriſti Hirte der nicht Chrifti Geift hat / und
aus ihme Ichret : Keine Kunſt noch hohe Schule machet ihn
zum Hirten Chriſti / er ſey dann des Ambts in Chriſti Geift
faͤhig ; hat er dehn nicht in ſich lebendig und wuͤrckende / ſo haben
ihnen die Menſchen hiemit nur einen Schnitzer und Bauer an
der groſſen Babylon erwaͤhlet / einen Buchſtaben⸗Wechsler ohne
Goͤttlichen Verſtand und Erkaͤntnuͤß; denn die Schrifftfaget :
Der natürliche Menſch vernimit nichts vom Geiſte GOttes;
wie wil dann derſelbe den Weeg GOttes lehren / der ſelber nichts
davon verſtehet.
55. Und Chriſtus ſpricht: Wer nicht in den Schaafſtall
durch ihn / als durch die Thuͤr ſeines Geiſtes eingehet / ſondern
ſteiget anderswo / als durch Kunſt und Vernunfft / oder durch
Menſchen Gunſt hinein; der ſich zum Hirten Chriſti / unbe⸗
rufſen von GOttes Geiſte und Triebe auffwirfft / umb Menſchen⸗
Tage willen / der iſt ein Dieb und Moͤrder / und die Schaafe hoͤren
ſeine Stimme nicht; dann er hat nicht Chriſti Stimme / und
kommet nur daß er rauben und ſtehlen wil.
56. Sie aber ſagen / das auffgeſchriebene Wort ſey Chriſti
Stimme; ja das Gehaͤuſe iſts wohl als eine Forme des Worts /
aber die Stimme muß lebendig ſeyn / welche das Gehaͤuß / als ein
Uhrwerck treibet: Der Buchſtabe iſt als cin Inſtrument Meng
Can.28. Bon Cains Bruderansrdiie. 213:
als eine Poſaune / aber es gehöret einrechter Hall darcin/der mit
dem Hallim Buchftaben concordire,
57. Das Wort des Buchftabens ift ein zugerichtet Werck/
was für cin Pofaunen-bläfer darein komt / alfolautetes: Iſt
doc) die groffe Babel ganz aus diefem Werde erbauet worden.
Einjeder hat in diefe Pofaune des Buchftabens geblafen / wie
fein eigener Hallin ihme geweſen iſt; undalfo ift auch der Hall
vonjedem Pofounen=bläfer angenommen / und in ein Subflang
eingeführet worden; und diefelbe Subftanf ift die groffe Ba—
bylon / da Böfes und Gutes in ein Gebaͤue ift gebauet worden.
58. So man aber feine Erklärung über das Apoftolifhe
Wort hatte eingeführet/ und daffelbe in andere Formen gefaffet/
fo wäre das Inftrument rein geblieben: Aber Das unerlcuchtete
Gemuͤhte hat ſich zum Meifter darein gefegt / und es nach feiner
Luſt gebogen; denn die Menfchliche Wolluſt hat fich darein ge=
ſetzet / und daſſelbe nach dem fetten Bauche und Weltlichen Wol⸗
luͤſten geformet und erklaͤret: alſo iſt der Geiſt erloſchen / und
iſt nur zu einem Antichriſtiſchen Orden und Gebrauch worden.
Man hat das Wort geformet und gefaſſet / gleich als ein Orgel⸗
werd / alſo hat mans im Brauche gefaſſet / da man auf⸗ſchlaͤget /
und die andern hören dem Klange zu: Alſo auch jetzt brauchet
man meiſtentheil nur ſolche Orgel⸗ſchlaͤger / welche das Orgel⸗
werck von auſſen ſchlagen / und machen ihnen alſo ein huͤbſch
Stuͤcke das ſie gerne hören: Aber das Orgel⸗werck klinget nut
wie es der Meiſter ſchlaͤget.
59. Zu dieſem aber ſaget Chriſtus: Alle Dilassen die mein
himmliſcher Vatter nicht gepflantzet / ſollen ausgerottet werden:
Item wer von GOTT tft der hoͤret GOttes Wort: Chriſtus
faget; Des Menfchen Sohn redet nichts/ ohne was er höret den
Vatter in ihme reden: Alfoauch muß ein Schrer Chrifti hören
des Datters Geift in Ehrifto in ihme reden/ er muß GHtteg
Wort im Geiſte Chriſti in ihme hören wie David faget: Ich
wil hoͤren was der Herr in mir redet: Er muß ein Tempel Got⸗
tes ſeyn / in deme GOTT ſelber wohnet / und aus ihme redet / da er
nur das Inſtrument iſt; denn Chriſtus ſaget: Wir wollen zu
euch kommen / und Wohnung in euch machen. Item: Ich wil
mein Wort in euren Mund legen / ſaget der Prophet: Item /
Das Wort iſt dir nahe / als nehmlich in deinem Munde und Her⸗
gen: Allhie redet ver Geiſt GOttes vom lebendigen Worte / und
nicht von einer Glocke ohne Kloͤppel. *
69 Dieſes alles lehret der Geiſt Chriſti in ſeinen Kindern /
und
»14 Don Sains Bruderamnord ꝛc. Cap.2$,
und ſtraffet den hoͤltzern Klöppelinder rechten Glocken / der ſich
hat zum Klöppelin die Glockendes Göttlichen Worts gehencket /
und hat doch Feine Gewalt die Glocke zu leuten: Das verdreuft
Cain in feinem Opffer / daß man ihme faget/ fein Opffer gefalle
GOTT nicht.
61. Er gleiſſet alſo ſchoͤne von auſſen / und hat ihme eine ſolche
praͤchtige Form gemachet / darzu iſt er von den hohen Schulen
und Weltlicher Macht erkohren; und darff allda ein unanſchn⸗
licher Menſch ohne menſchlichen Ruff hinauff tretten / wie Chri⸗
ſtus / der nur fuͤr eines Zimmermans Sohn gehalten ward; und
darff einen ſolchen hohen Prieſter in ſolchen Ehren und Anſehen
ſtraffen: das glaubet die Welt nicht / daß es von GOtt ſey / daß
er geſand ſey.
- 62, Der groſſe Beer dencket balde / das iſt nur ein Schaaf / das
wil ich in meinen Mund verſchlingen: Was ſoll mich ein
Schaaf ſtraffen / der Ich ein Beer bin?! Wil mir ein unanſehn⸗
ch Schaaf meinen Ruhm bey Menſchen zunichte machen / und
mich wollen anbleden Ach wilesbalve bey feite raͤumen / und
affo beſudeln / das mans nicht kennet / daß es ein einfültig Schaͤf⸗
dein Chriſti iſt / und aus Chriſti Geiſte redet: Ich wiles in Kohte
und Spotte fuͤhren / ſo haͤlt mans für ein unflaͤtig Thier / oder gar
fuͤr eine beſudelte Sau.
63. Indeß lebe ich in meinen fetten Tagen / und bleibe Herr
uͤber Leib und Seele: Wil ſich aber das Schaflein wafchen / und
mehr erzeigen als ein Schaͤflein Chriſti / ſo wil ichs dem Metzger
helffen zur Schlachtbanck treiben.
64. Alſo gehets den einfaͤltigen Kindern Chriſti / welche der
Geiſt Chriſti treibet / und aus ihnen lehret allhie in dieſer
Welt ic. Sie ſind nur als die Schaafe unter den Woͤlffen / wie
Chriſtus ſaget: Ich ſende euch als Schaafe unter die Woͤlffe: Der
irdifhe Menſch iſt ein Schlangen-Wolff / unter dehme ſoll das
Zungfrauen-Find (als Chriſti Schaͤflein) wohnen / da gehet es
dan an ein morden / rauben und toͤden.
65. Aber dem Jungftauen-kinde ſchadet es nichts / es wird
ihme nur auch alſo ſein aͤuſſerlicher Wolff von einem anderen
abgebiſſen; denn der aͤuſſere Wolff aller Menſchen iſt aus dem
Zorne GOttes gewachſen / und in Adam mit der Suͤnden ent⸗
ſtanden: Darum muß er dem Zorne GOttes zur Speiſe gege⸗
sen werden / auff daß das Jungfrauen-kind aus des Weibes
Saamenoffentahrwerde,
66. Denn alfo fcheiden fie fich als zwen Feinde / und ſind auch
immira
Cap.28. Don SainsBrudermordiac. 215
immerdar bey Zeit des auffern Schens Feinde gegen einander/
denn dem Jungfrauen-kinde ift das Gerichte gegeben über das
eingeführte Schlangen-Eind der Sünden: In der Aufferftes
hung foldas Jungfrauen-find das Schlangen=Eind ins Feuer
GOttes verurtheilen / da foll der Limus der Erden probiret
werden; und vonder Schlangen Ente gefeget / und dem Junge
feauensFinde wieder angezogen werden.
67. Spfpricht die Vernunfft: Was hat dan GOTT vor
Gefallen an ſolchem Morden der Kinder GOttes / Fan er fienicht
behuͤten fürm Feinde ? Alfo muß es ſeyn / daß das Liecht in der
Finſternuͤß offenbahr werde / ſonſt ſtuͤnde das Liecht in der Fin⸗
fternüß ſtille / und gebaͤhre Feine Frucht: Weil dan das Liecht
kſſentz ud Findligkeit / auch Empfindligkeit von derFinſternuͤß /
als von der Quaal des Fewers an ſich nimt / ſo iſt eines wider das
ander geſetzet / auff daß eins im andern offenbahr werde: Die
Freude wider die Pein / und die Pein wider die Freude / auff das
erkandt werde / was Boͤſe oder Gut ſey.
68. Denn ſo keine Pein waͤre / ſo waͤre ihr die Freude nicht
offenbahr; ſo aber iſt alles im freyen Willen: wie ſich ein jedes
einfuͤhret in Boͤſes oder Gutes / alſo gehets in ſeinem Lauffe /
und iſt eines nur des anderen Offenbahrung; denn ſo keine Nacht
oder Finſternuͤß waͤre / ſo wuͤſte man nichts vom Liechte oder
Tage: Alſo hat ſich der groſſe GOtt in Unterſchiedligkeit eins
gefuͤhret zu ſeiner Beſchauligkeit und Freuden⸗ſpiel.
69. Alſo auch in der Unterſchiedligkeit der Menſchen vom
Böfen und Guten zu verſtehen iſt: Daß Boͤſe mug eine Urſach
ſeyn / daß das Gute ihme ſelber offenbahr ſey; und das Gute
muß eine Urſache ſeyn / daß ihme das Boͤſe in feiner Argliſtigkeit
und Boßheit offenbahr werde / auff daß alle Dinge in ihre Be⸗
ſchauligkeit kaͤmen / und ein jedes ſein Gerichte in ihme ſelber
offenbahrete auff den groſſen Scheide-fag des Herren aller We⸗
ſen / da ſich ein jedes in ſeine Ernde zu ſeiner Nutzbarkeit einer⸗
gebenfoll/ auff daß in der Ewigkeit der groſſe GOtt nach Liecht
und Finſternuͤß Creaturlich und formlich ſey.
70. Denn alle Dinge ſind durchs Wort geſchoͤpffet / und in
eine Formeingangen: Weil denn GOTT ein zorniger / eyferi⸗
ger GOtt / und cin verzehrend Fewer iſt / und auch ein lieber /
barmhertziger / ſaͤnfftiger GOtt des Liechtes und Gebens / da
nichts boſes innen ſeyn kan: ſo hat er Fewer und Liecht / Boͤſes
und Gutes miteinander ins Verbum Fiar eingefuͤhret in einen
Irepen Willen / da ſich der Wille mag im Boͤſen oder Guten for-
BER;
2 16Wie ſich der Adamiſche Baum sc.Kap 29:
men; undhataber alle Ding gut und ans Liecht gefchaffen / und
in freyen Willen gefeget ſich zu Multiplieiren im freyen Willen /
zu ſchoͤpffen im Boͤſen oder Guten; und aber einem jeden Dinge
die Gleichheit zugefellet / als einem Männel fein Weibel; daß
kein Ding Urfache hat fich zu verrücken / und dem Menfchen aber
Gebott gegeben waser tuhn umd laffen foll.
71. Alſo fichet num alles Ding zum Gerichte des groffen
Gottes / und muß alfo diefe Zeit im Streite ſtehen / auff daß eines
im anderen offenbahr werde: Alsdenn wird in der Einernde ein
jedes Ding ſeinen eigenen Sitz in ſich ſelber haben / wenn der
Streit wird auffgehaben ſeyn / und muͤſſen alle Dinge zur Ehre
und zur Wunderthat des groſſen GOttes ſtehen / welcher alleine
weiß / wozu ein jedes Ding ſoll / warzu ers brauchen wil.
Das 29. Capittel.
Wie fich der Adamiſche Menſchliche Baum aus feinen
Stamme in Ueſte / Zweige und Fruͤchte habe einge:
fuͤhret und eroͤffnet / aus welcher Groͤffnung aller
Kuͤnſte Erfindung und Regiment
entſtanden.
Dietieffe Pforte aus dem Centro der ewigen und auch
zeitlichen Natur] wie fich die ewige Weißheit in eine
formliche Beſchauligkeit hat eingeführet.
+ Er ewige Göttliche Berftand ift ein freyer Wil:
le / nicht von Etwas oder durch Etwas entitanden/
Erik fein ſelbſt-eigener Sitz / und wohnet einig
allein in Jich felber / unergriffen von Etwas /denn
auffer und vor ihme iſt nichts / und daffelbe Nichts
iſt einig / und iſt ihme doch auch felber als cin Nichts: Eriftein
einiger Wille des Ungrundes / und iſt weder nahe noch ferne / we⸗
der hoch noch niedrig/ fondern Erift Alles/ und doch als ein
Michts: Denn Er felber ift in fich keine Beſchauligkeit oder
Findligkeit / daß er möchteein Gleichheit in ihme finden.
2. Sein Finden iſt ſein ſelber aus ſich ausgehen / ſo ſchauet er
ſich in dem Ausgehen / denn das Ausgegangene iſt ſeine ewige
Luſt / Empfindligkeit und Findligkeit / und wird die Goͤttliche
Weisheit genannt: Welche Weißheit der ungruͤndliche Wille
in ſich zu ſeinem Centro der Luſt faſſet / als zu einem ewigen ee
mi
a —
— — —
u
| Eap.29. ans feinem Stam̃e eröffnet habe. 217
mähtedes Verſtandes / welchen Berftand der freye Wille in ſich
felber formet zu feinem Ebenbilde/als zu einem ewigfprechenden/
redenden / lebendigen Worte) welches der freye Willeaus der ge⸗
formten Weißheit der Luſt auf fich außhauchet / oder fpricht.
3. Und das Außhauchen ift der Geift oder der Mund des
"Berftandes imgeformten Willen der Weigheit/ welcher das
fprechende Wort unterfcheidet / daß das Gemühte und der Ver⸗
ſtand des Gemühtes offenbahr wird; in welcher Offenbahrung
Die freye Luſt oder Weisheit vom freyen Willen/durd den Geift
in Unterfchiedligkeit mitdem Sprechen oder Außhallen geforinee
wird.
4. In welcher Formung die Kräffte der göttlichen Eigen
ſchafften urftänden/ daß man recht von GOtt ſaget: Er ſey der
ewige Wille / Verſtand / Gemuͤhte / Raht / Krafft / Held und
Wunder / mit welchen Wundern der Kraͤffte er ſich hat von
Ewigkeit beweget und geformet: In welcher Formung die un⸗
ſichtbahre Geiſtliche Welt ſtehet / darinnen der Geiſt GOttes
von Ewigkeit hat mit ihme ſelber geſpielet / welche auch weder
Grund / Ziel noch Urſtand hat.
5. Denn ſie iſt die Goͤttliche Beſchauligkeit der geformten
Weißheit: Ihr Centrum iſt der geformte Wille / als das ſpre⸗
chende Wort auß allen Kraͤfften / und ihr Leben iſt der Geiſt der
im Sprechẽ oder Hauchen außgehet / welcher die Luſt der Weißhert
unterſcheidet und formet / auff daß die geformte Weißheit vor
dem Leben der GOttheit ſpiele / als wie die kleinen Kinder vor
ihren Eltern / welche ſte auß ihrer Eſſentz zuihrer Freude gebohren
haben / ſpielen / daran die Eltern ihre Freude haben.
6. Alſo iſt uns auch zu verſtehen das Weſen der Eitelkeit/
welches Wefen der ewige freye Wille hat im Wort des Außhau⸗
chens in eine Begierde eingeführet/ als zu einer Aufferlichen Be»
greiffligkeit: in welcher Begreifiligkeit der Anfang des Coͤrper⸗
lichen Wefens entftanden/ alsdas Centrum der gefaffeten Na⸗
tur / da fich die Begierde hat in Eigenfchafften gefaffet und ein
gefuͤhret / alsin Finfternüß umd Sicht / in Dein und Quaal / in
Freude und Leyd / undda man doch in der Gebährerin Fein Leyd
verſtehen ſoll: ſondern alfo formet und faſſet ſich der freye Wille
in der Begierde zur Beſchauligkeit und Offenbahrung der Wun⸗
Der Jauffdag die Eigenfcharften ineinander eine jedein fich offerta
Fahr würde, |
7. Denn fo fein Widerwille wäre/fo wäre in den Eigenſchaf⸗
In kein Brwegnüßs fofichaber der DB" Wille hat in Liebe en
Zor
3138 Wie ſich der Adamiſche Baum Capꝛ29
Zorn / als in Boͤſes und Gutes eingefuͤhret / ſo ſind in dieſen Ei⸗
Zenſchafften zweyerley Willen entſtanden / als ein grimmiger
nach Art des Fewers und der Finſternuͤß / und ein guͤtiger Liebe⸗
wille / nach Art des Liechts / auff daß einer im anderen wohne / und
den andern offenbahre.
8. Richt daß ſolche Geburth allein zeitlichen Anfang habe ge⸗
nommen: Sie iſt Ewig / undiſt die Offenbahrung Goͤttlicher
Beſchauligkeit / Empfindligkeit und Findligkeit: Allein mit der
Schoͤpffung der Creation hatſſich dieſe Geburth in cine Compa-
&ion over aufferliche Faßligkeit eingeführet / zu einem unter-
schiedlichen würdenden Regiment / zu feinem ſelbſt⸗Spiel.
9. Auc) foift ung mit der Creation nicht zudenden / daß dag
Boͤſe auß der Finfternüg und feuerifchen Eigenfchafft fey vom
- Guten entfchieden / und in ein fonderlich würdend Negiment
gefegt worden/ fondern es war einesimandern: Aber das Licht
ſchien durch die Finfternüß / und die Finſternuͤß konte es nicht
ergreiffens aus der fenrifchen Eigenfchafft iftin der Crearion
alles Leben entſtanden / und aus des Sicchtes Eigenfchafft der
Geift des vernünftigen Verſtandes: Alles feurifche Leben in
Der Creation ift in feinem Anfange ans Liccht herfuͤrbracht
worden.
10. Eshatauchder Schöpffer aller Weſen den Creaturen
Der Auffern Welt / welche zeitlichen Anfang aus dem ewigen
orte hat/ einallgemeines Liecht zur fichtbahren Befchauligfeit
gegeben; auch fohatein jedes Leben inder Creation das Liecht
der Ratur/aus dem Centro in fich felber empfangen/aus welchem
der Verftand urftändet/dag fich die Creatur Ean felber regiren.
zz. Unpdift fein Ding boͤh / oder zum Negimentder Boßhoit
sefchaffen worden; "denn obs gleich an einem Theil ein Ens des
Grimmes in fich zu feinem Leben hat / fo hat es doch am anderen
Theil auch ein Ens des Liechtes und Wolthuns in ſich / und iſt im
freyen Willen geſetzet zu fchöpffen in Böfen oder Guten: denn
esift kein Ding fo Böfe/ es hat ein Gutes in ſich damites fan
über das Boͤſe herrſchen.
12. Der Menſch aber war in feinen Eigentchafften in gleicher
Cencordang / keine Eigenfchafft war vor der anderen offenbahr =
denn er war GHLres Wilde; gleich wie in GOtt Erin Böfes of
fenbahr ift/ cr woltedan felber den Grimm der ewigen Natur in -
etwas offenbahren/ alfo auch war dem Menfchen der feeye Wille
GOttes gegeben.
235. Und darzu das Gebott / daß er ſich in feinem freyen mr
t
. ⸗
—R
4
Cap.29. aus ſeinem Stame eroͤffnet habe. 2 19
len nicht ſolte nach Boͤſe und Gut / als nach den zertheileten
Eigenſchafften gelüften laſſen / er ſolte in gleicher Harmoney
der Eigenſchafften bleiben innen ſtehen / und mit dem Liechte
uͤber die Finſternuͤß herrſchen / ſo waͤren die Eigenſchafften des
Grimmes in ihme in eitel Freudenreich geſtanden / und waͤre ein
Spiegel und Form der Goͤttlichen Weißheit geweſen / welche ſich
in ihme haͤtte nach der Freudenreich geſchauet.
14. Weiler ſich aber mit dem freyen Willen in der Ungleich⸗
heit beſchauete / wie Boͤſes und Gutes / ein jedes in ſeiner Selbſta
eigenſchafft waͤre / und ſeine Luſt darein fuͤhrete in der Eſſentz alſo
zu ſchmaͤcken / ſo hat ihn auch dieſelbe Eigenſchafft in feiner Luſt
gefangen; und hat ſich in ſeinem Willen / ſo wohl im Ente, dar⸗
aus der Wille urſtaͤndet / empor geſchwungen zu feiner ſelbſt
Beſchauligkeit und Regiment: Alſo iſt der erſte Menſch / wel⸗
cher zwar am Anfang gut war / ein Stamm oder Baum des Ge⸗
ſchmackes der Erkaͤntnuͤß Boͤſes und Gutes worden / als ein ſtrei⸗
tendes Regiment / in welchem beyde Willen ineinander / als der
Gute und Boͤſe regiereten. >
25. Weil aber der feurifche grimmige den guten aus deg
Sichts kſſentz uͤberwand / dag des Sicchts Ens in dem grimmigen
Ente gefangen ward fo fichldiefes Bilde dem äufferen Regi⸗
ment; Böfe und But in feine Gewalt / fe wohl auch dem Grimme
der inneren Natur Jals der feuriſchen Finſternuͤß / über welches
Bilde ih GOtt erbarmete/ und wieder mit einem Gnaden-buͤn⸗
deindas gefangene/ verblichene/ undan Göttliher Weißheit
blinde Ens von der Heiligen Welt Wefen einverhieß/und als einer
Bund einleibete zu einer neuen Wieder⸗gebuhrt eines neuen
Heiligen Willens und Lebens.
. 26. Alfoift uns under Stamm merfchlichen Sehens wohl
zu betrachten / wieer fih habe inder Eigenfchafften ausgetheilet /
und als ein Baum Böfe und Gut) in Aefte und Zweige einge⸗
führet / und wovon ihm fein Zeitlich Negiment der unterſchied⸗
lichen Aembter und Stände fey entſtanden / welches er mitder
Luſt nach Boͤſe und Gut in ihme erwecket / und ſich der Natur
9* hiermit unterworffen / weil er derſelben in ihr Regiment
ehl.
17. Und ſehen wir klar wie es Moſes in feinem erſten Buche
geſchrieben hat / wie ſich der Menſchliche Baum in Boͤſe und
Gut habe eroͤffnet / und in Aeſte und Zweige zu ſeiner Frucht
eingefuͤhret: Auch ſo ſehen wir / wie die feuriſche grimmige Ei⸗
genſchafft iſt alle zeit vorher sangen und ihre Frucht von erſten
K3 * gi»
220 Miefich der Adamifche Baum&ap.zg:
gebohren; Haben deffen auch Klaren Derftand in den Namen
derer / welcheder Geift GOttes hat durch Mofen indie Linien
der Fortpflantzung gefeßet.
13. Denn erfllich feßet er Cain: inder Natur-fprache vera
fechet man damit einen Quell aus dem Centro der feurifchen Bes
gierde / eineneigenen Willen der fewrifchen Macht der Seelen /
ats einen Aft oder Zweig aus dem erſten Principio, da das erfte
Principium feine Macht in dieſem Zweige inſonderheit empor
geſchwungen / und fich wollen in ein eigenes ſcheiden und von dent
Siebe-Ente abbrechen : Jedoch nicht als ein finfter Quaal / ſon⸗
dern als ein Quell der eigenen Luſt / auch feuriſchen Stärde und
Macht.
19. Denmaus Cains Ente, wie derfelbe im Centro der ges
bährenden Natur im ringenden $ebens-rade war / entſtund ſein
Wille; undausden Willendie Begierde) und aus der Begiers
de die Subſtantz / in welcher Subftang das falfhe Gemuͤhte vers
ſtanden wird / darinnen der Auffern Welt Regiment fich faffete >
darein auch der Teuffelim Grimm der Natur mit feiner Beo
gierde (hloff/ und die Herrſchaſſt dieſer Welt inder Selbheit
begehrete: Als dander gefallene Teuffel allweege die Herrfchafft
in der innern ewigen und auffern zeitlichen Natur / im Loco
diefer Welt begehret.
20. Weilfichaber das Wort göttlicher Kraft und Heilige
keit hatte in des Weibes Saamen/als in das verblichene Ens von
der Geiftlihen Melt Wefen mit einem Bunde der Wiederge⸗
buhrt darein verleibet/ daß es wolte dem feurifchen grimmigen
Willen aus dem Centro der finftern Welt feine fenrifhe Macht
der Selbheit nehmen: Sp drang nad Cain aus dem Menſch⸗
lichen Baume herfür ein Zweig aus dem Zieldes Bundes / als
der Habel/ welches Name in der Natursfprache heiffet/ein aus»
gehauchter Engel/welcyer fich mit dem erften Willen der Effent/
daraus die Sceleurftändet / im Centrodes $icchts inder Liebe⸗
begierde gefaffer hatte / / und durchs Fewers-Gentrum durchges
drungen / da ihme denn die feurifche Begierde begehrete das irıdi>
ſche Leben / welches aus der feuriſchen Begierde feinen Urftand
hat /alsihr Eigenthum abzufchneiden; aus welchen Urfachen
Habel und alle feine Nachkommen Märterer worden.
21. Denndas iſt die Thüre Chrifti / welcher fich in diefen Tod
des Grimmes mufte einergeben / unddas Menſchliche Centrum
des Seeliſchen Urftandes nach der Fewer-welt mit dem $iche>
Enze als mit der tieffſten Siehe der GOttheit durchdringen / und
die
Tap.29.aus feinem Starte eröffnet habe. zar
Die feurifche grimmiige Begierde aus der finftern Welt Eſſentz in
Siebe verwandeln.
22, Adam warder Stamm des ganken menfchlichen Batı>
mes: Als aber Era aus ihme gemacht ward) fo ward der Batıım
nach zweyen Principien zertheilet/ nicht gang im Weſen / ſondern
nach Art der Centren des Fewers und Liechts; denn in Event
Matrice ftundt des Sicchtes Centrum , als der Liebe-begierde
Grund: aber in ihrem Fall verblich das nach der Creatur:
Darum verhieß fih das Göttliche Wort wieder darein zu einem
Centroder Wiedergebuhrt.
23. Cain und Habelwaren nun die zween Aeſte / ſo aus die—
ſem Baume aus Eigenſchafft der zwey Prineipien, als des Feu⸗
ers und Liechts wuchſen / Und waren ein Bilde des gantzen Baums
mit ſeiner zukuͤnfftigen Frucht: Weil aber Habel ein Fuͤrbilde
Chriſti war / welcher folte ohne Mann empfangen werden / nur.
blo ß aus dem einverleibten Worte im Weibes-Saamen/ welcher
folteden Tod leyden für die Menfchen / fo mufte Habel ohne:
Frucht und Aeſte durch den Tod gehen 5. Denn die Frucht die
Ehriftus gebähren folte/ daswarder menfhliche Baum / den
folte erneu gebähren / und nichfandere Zweige aus feinen Len⸗
den: Darum ſolte auch Habel / alsdas Fürbilde keinen Zweig-
aus feinen Senden gebähren: Denn die Linea des Habeliſchat
Stammesblich im Bunde / und weiſete auff Chriſtum / welcher
folte aus der Habelifchen Linea entfprieffen / und der geiftlichen
Welt Werfen wieder offenbahren.
24. Darum mufte Adam einen anderen Zweig durch feine:
Heva ausdem $ehens- Baume herfürbringen/welcher dem Adam
in ſeinem Bilde ähnlich und gleich wäre / als den Seth / welcher
Name in ver Natursfprache andeutet eine Entrinnung oder
Sprung da aus dem feurifchen Willen ein Blick eines Liebe—⸗
willens entfichet / welcher doch vom Weſen der. Subflanß der
mer Welt / als mit dem verderbten Fleiſch-hauſe gehalten
wird.
25. Diefem gehaltenen und verdunckelten Willen | melcher
doch aus GOttes Liebe feiner erften Grund hatte / folte Chriftus
zu huͤlffe kommen / und ihn von dem Bande des Grimmes / darmit
der Göttliche Ens gefangen lag / erloͤſen: Denn das war Chriſti
Ambt nicht daß er gebähre/ fondern dag er fich in die Gebaͤhrung
des Seths einergebe/ und. den Seth mit feinen Aeften vom Grün
erköfete / undinfich felber neu gebähre ; nicht Kinder zudiefer
Welt / fondern daß er den Seth ” diefer Welt ausführete?
3 und
222 Wie ſich der Adamiſche Baum Cap.zg?
und in ſich in die Geiſtliche Welt einfuͤhrete.
26. Indem Seth gieng nun die Linea des Bundes fort / in
welcher ſich wolte Chriſtus nach dem Menſchlichen Baume offen⸗
bahren: Aber in Cain gieng die Linea der Wunder fort / als der
Naͤtur und ihres Regiments; denn Moſes fagte: Cain habe
Den Hanoch gebohren / under habe cine Statt gebawet / die habe
er Hanoch nach feinem Sohne genannt: Nun iſt doch Cain der
erste Menſch vom Weibe erbohren / und Habelder ander / welchen
er erſchlug.
27. Und Moſes ſagte: Cain habe eine Statt gebawet / dw
doch nicht Menſchen waren / welche haͤtten moͤgen eine Statt
bawen unb bewohnen / ſo wir die Vernunfft wolten betrachten:
Denn der Geiſt in Moſt machet allhie einen Deckel für den
Verſtand / ver liegetim Worte der Statt; denn er ſaget: Cains
Sohn habe Hanoch geheiſſen / und auch die Sktatt: Nun iſts
wohl war / der Geiſt im Moſt ſtehet aber auff Cains und Adams
Wurtzel / wie ſich der Baum Boͤſe und Gut habe aus gefuͤhret in
Aeſte und Zweyge: Denn mit dem Namen Hanoch ſiehet der
Geiſt indes Aſtes / als in Cains Sohnes Eigenſchafft / was vor
ein Volck daraus entſtehen wuͤrde / als cine Statt und Regi⸗
ment der auffern Weltinder Selbheit / denn in per Natur⸗ſpra⸗
he verfichet man es im Namen.
28. Hanoch deutet an ein Aushauchen des Lebens / und cine
wWieder aſſung zur ſelbeigener Beſchauligkeit ein Kind der
Selbheit / das ſich in der Natur in ein eigen Regiment und Wil⸗
len einfuͤhret / das ihme ein Regiment oder Region / oder Landt
oder Statt ins Gemuͤhte einmodelt / im Willen ein Baum oder
Fuͤrſt der Menſchen zu ſeyn: Denn als das menſchliche Leben
von GoOttes Geiſte in die Selbheit eingieng / fo wolte cs ein eis
gener Herrſeyn / deſſen Willens Sohn war Hanoch / als eint
Statt oder gefaſtes Weſen zum eigenen Regiment.
29. Aus welchem Regiment die Zweige oder Kinder gebohren
werden / daruͤber der H. Geiſt klaget beym Noah: Sie wollen
ſich ſeinen Geiſt nicht mehr ſtraffen laſſen / dan ſie waren ein
Baum oder ein Aſt / aus dem Baume der Selbeigenheit; aus
welchem die Weltliche Herrſchafft und Obern ſind herkommen /
und ihren Urſtand genommen: Denn als das menſchliche Leben
dem Geſtirne und Geiſte der aͤuſſern Welt heimfiehl / ſo fuͤhrete es
derſelbe in ſein eigen Regiment / aus dem Engliſchen in das Ge⸗
ſtirnete und 4. Elementiſche nach ſeiner Figur; das deutet ung
Bis Statt Cains / als. Hanoch / an / als das Regiment auff Erden,
| | 30, Nun
Eap.zg. ausfeinem Stame eröffnet habe. 223
30, Nun kan aber Hanoch nichtder Negirer ſeyn / ſondern
die Statt iſt er / das iſt / der Aft oder das Landt der Kinder ver
Hoffarth / die von GOtt abwichen in eigener Wacht: Jetzt mu⸗
ſten die Viele der Willen einen Richter haben / weil fie fih GOt—
tes Geiftnicht wolten regiren laffen. (1 Reg.8. 5.) So ſpricht
nun der Geift im Moſe / Und Hanoch zeugete Irad: Diefes ist
nun der Negent der fich aus ihrer Eſſentz über fie zum Richter
und Herren aufwarfflals ein Gewaltiger und Tyrann.
31. Denn in der Natursfprache ift der Name gantz offen/
amd heiffet ein Aushauchen des Lebens / da fich das geben alsbald
im Gentro der feuriſchen Eigenfchafft und ſtarcken Macht farfer/
als im Zorn GOttes / welcher war zum Regenten über das Leben
worden / derfaffete Irad / als einen Herrn und Zaͤhmer des Le⸗
bens / und ſetzete ihn uͤber Hanoch.
32. Aus dieſer Wurtzel find die Regenten der Welt entſtan⸗
den / denn weil der Menfch nicht wolfe GOTT zum Regirer ſei⸗
nes Lebens und Willens haben / fo gab ihnen GOtt den Regirer
in der Natur aus ihnen felber/ dag fie fich felber beherrſcheten
und regireten. *
33. Denn EHtt hatte dem Menſchen Fein Geſetze noch Negi-
ment unter ihnen felber gegeben / fondeen ihn einig zum Herren
über alle Ereaturen gemacht / daß er folte im alles herreſchen: Er
aber wolte mit feinem Geiſte überden Menſchen herrſchen / und
das Menfchliche Seben regiren: Weil aber die Selbheit nicht
wolte/fo drang Irad/ das iſt / die Fewers Stärde und Macht
aus dem Menſchen⸗baume / und ſetzete ſich zum Herren über die
Staͤtt Hanoch auff Erden.
34. Nun muſte Irad auch etwas haben darein er ſich feheter
und damit er herrſchete / denn der Fewer⸗grimm wuͤrde ſie nicht
erduldet haben / es muſte auch das Regiment was nuͤtze ſeyn: So
ſchreibet nun Moyſes gar recht und hochwunderlich / und ſpricht:
Irad zeugete Mahujael / das lautet in der Natursfprache ein
Faſſen vom aͤuſſern und innern Centro der Natur / als von dee
aͤuſſern und innern Welt ein ſelbgemacht froͤliches / trotziges
Gemuͤhte / daß den Reichthum der aͤuſſern Welt beſitzen wolte in
feiner Herrſchafft / als allerley Creaturen und Frucht: Und
fonderfich zeigets an einen Glaft vominneren Saffen / als einen
irrdiſchen GOtt / der fich aufferlich in GOttes Ambt ſetzet: Aus
dieſem Namen iſt hernach Babel / als das Thier mit der Huren
erbohren worden. |
35. Und Mofes foricht weiter a Mahujael zeugete Methu⸗
+ ſael:
224 Wie fichder Mdamifche Baum Cap.z3:
facl: Diefes ift num der rehte Wundersname / da ihme das
schen Göttliche Macht zumiffet: Denn Methuſael wolte in der:
Ratur-fprache fo viel lauten) als / Mein ift die göttliche Macht:
Sch bin ein Engelvon GOtt darein gefeget / oder ich bin GOttes
Ordnung / welches zwar wohlwahr iſt: aber nach dem erſten
Principio durch die auffere Nabur / alseine natürliche Macht
und Ordnung.
36. Mehriftindiefem Namen verborgen unter dem Engel.
das Lob der Kinder / founterdiefer Macht ſeyn würden / welche
Darunter würdenleben/ alsunter Göttlicher Ordnung: Aber
Diefer Engels-Name in Göttliher Macht faffer ſich erftlich in
Der fleiſchlichen Selbheit ; denn. die Syllaba ME, welche. das
Wort des Namens anfahet / faſſet fich in der auffern Welt Ge=
buhrt in der Meinheit / und zeiget an / daß vdiefe Ordnung nicht
aus dem Himmelreich urſtaͤnde in GOttes Heiligkeit / ſondern
qus dem erſten Principio, welches ſich in dem dritten / als in der
aͤuſſern Welt Natur in ein ſolche Ordnung formet / ſoll und muß,
derowegen ſeine Endſchafft nehmen / und durchs Gerichte GOt⸗
tes probiret werden.
37. Und Moſes ſchreibet weiter / und ſpricht: Methuſael zeu⸗
get Lamech: In dieſem Namen ſtecket nun die Verborgenheit
Goͤttlicher Ordnung nach dem Engliſchen Rath / und heiſſet in
ter Natur⸗ſprache an dieſem Orthe alſoviel / alseine Sendung. -
des Engels über die Herrſchafft der Meinheit: Als über die
Regionen der Welt/ über das fleiſchliche Sehen / das würde dem.
Sürftender Oberninder Natur witergeben ſeyn.
38. Denn allhie wird der Schade gefuchet dehn Adam eins
pfieng: Daß zweyerley Fürften der Obern über das Menfchliche
geben herrfchen / als der geſandte gute Engel / und der eingeleibte
boͤſe Engelin dem Fleiſche: Auch wird verftanden der gewaltige
Angriff des böfen Engels von. auffen und innen; denn der in⸗
nere Geift gehet im Namen aus dem Bunde GOttes / und
führet in die Auffere Welt: Das deutet an wieder Menfch leichte
fertig ſeyn werde/ und auch den Bund GOttes verſchertzen / gehet
aber mitder Faffung wieder in die Selbheit / und faffet fich im.
Dem ausgehenden Engels-Name ; das deutet an eine Gleißne⸗
riſche Hurerey in Engels-Geftalt / welche wieder. ins aͤuſſere ge>
het / undendlich den Bund mit ſambt dem Engels-Namen von
ſich wirfft.
39. Ferner ſchreibet Moſes: Lamech habe zwey Weiber ges
nommen / eine habe Ada / die andere Zilla geheiſſen: u,
e
Eay.29.ausfeinem Stam̃e eröffnet habe. 225
ftchet man in der Gebährung des Lebens-baums alfeeiel: Das
menfchliche geben erfandteden Schaden / derihme war in feinens-
Stamme entftanden / und nahm hinfort zwey Weiber / das find
zweyerley Efleng und Willen: Als Ada heiſſet / die Seele ge»
het mitdem Willen durchs Gemuͤhte / und faffet fich mit der Bes
gierde im erfien Stamme Adams / und woltegerne wieder front -
ſeyn: Aber die Zilla hatte ihme das Leben auch zum Weibe der
Gebährerin genommen / das ift fleifchliche Freude und Wolluſt.
40. Das Weib oder der Wille Ada wolte ein gut Regiment
führen/ und fi auff Erden nach Gottes Gebot regieren und
nehren / die gebahr den Jabal: Jabal deutet anden einfaͤltigen
Menſchen / als da find Bauren und dergleichen: denn Moſes
fagte aus denen find herkommen / die in Hütten wohneten / und
Vieh zogen.
41. Der ander Bruder aber ſaget Moſes hieß Jubal / von
deme herkaͤmen die Pfeiffer und Geiger / denn der andere Wille
gieng aus dem Geiſte der aͤuſſern Welt in zeitliche Wolluſt
und Freude / der hat ihme allerley Freuden-fpiel zu ſeinem Le⸗
ben erdichtet: Deutet an den Jubal / alwsinen aͤuſſerlichen Freu⸗
den-Engel / mit welchem der innere Geiſt vor ihme in einer
Gkichheit fpielete.
42. Und die Zilla gebahr auch / faget Moyfes / alsden Tue-
balkain / den Meifter in allerley Erg und Eiſen-werck / das iſt /
die feurifche Begierde ift Zilla / die faffet fich in eine Subſtantz
des Sulphuris:tumd Mercusii, in Menſchlicher Eigenfchafft / und»
führet fich mit ihrem Beifte aus der Subftang aus / in eine Be⸗
fhauligkeit /; in welchem Verſtande der Menſch hat die Künfte-
der Metallen erfinden,
43. Denn die Schwefter des Tubalkains war Naema: Als
hie lieget das edle Perlein / lieber Meiſter: Raema ift in ihrer
@igenfchafft himmliſch / mit dem äuffern Roͤckel überzogen oder
bedecket / dag ihr fie nicht kennet / denn der irzdifche Menfch iſt
derer nicht werth / dan ihr Weſen ift Jungfraͤulich / eine Jung⸗
frauder Reinigkeit : Deutet an einen Theil an dem innern neuen
Menfhen/ als die Schwefter des Sulphurifchen Menfchensz.
amd am andern Theil das grobe Ergt der Erden / und denn das
theure Erst/ als Gold und Silber,
44. Denn Tubalfainift der Naẽemæ Bruder / fie liegenin eis
nem Leibe: Aber Tubalkain ift vondiefer Welt / und Naema
iſt eine Jungfrau unter ihrem Bruder verborgen / und wird alfe
bie die zweyfache Erde verftanden / als in zweyerley Eigenfchaffe
K- 5. ten
>
326 Wie fih der Adamiſche Baum Eap.297
ten / eine himmliſche amd eine grobe irndifche/ als cin Weſen
aus der finftern Belt Eigenfharft/ und ein Weſen aus der
Liecht-welt Eigenfchafft / alfo auch im Menſchen / ven durch die
feurige Eigenfchafft Gottes Zornes / als durch das Sterben de$
irdischen Menſchen / wird Naema offenbahr.
45. Warumb ſetzet Mofes die Nacma hinzu / und ſaget doch
nichts von ihr / daß fie auch gebohren habe oder fich befreyet ?
Darımb /inder Wiedergebuhrt Hörer das naturliche Gebähren
auff; die neue Zungfraufchafft im Geiſte Chrifti gebähret Feine
Creatur mehr / fondern alle müffen fie aus dem erften Centro
and Stamme gehen / auff daß fie alle ein Baum find/ und durchs
Feuer wird das Ertzt / als die Jungfrauſchafft offenbahr; die iſt
des Tubalkains Schweſter.
46. Der Name Tubalkain hat einen trefflichen Verſtand in
fich / denn er zeiget an das Sulphuriſche Mereurialifche Rad /
wie fich das inder Gebuhrt der Metallen / und auch im Urſtan⸗
De des Lebens eröffnet: Denn GOTT hattedem Menfchenalle
Dinge unterworffen / und war ihme alles zu feinem Spiel ge—
geben: Darumb muſte ſich Tubaltain im menfchlichen Baume
eroͤffnen dag fie das verſtunden; den Unſern hiermit gnug
angedeutet.
47. Und Lamech ſprach zu ſeinen Weibern Ada und Zilla:
Ihr Weiber Lamech / hoͤret meine Rede / und mercket was ich
ſage: Ich habe einen Mann erſchlagen mir zur Wunden / und
einen Züngling mir zur Beulen: Cain ſoll ſtebenmahl gero>
chen werden / aber Lamech fieben und ſtebentzigmahl. Diefes ift
eine ſeltzame Rede / wer wolte verfichen was der Geift allyie
deutete ohne feine eigene Erklärung: Sch wilden Spoͤtter allhie
vormahnet haben unfer Werck ungetadelt su laffen / denn er vers
ſtehet nichtunfern Geiftumd Sinn,
48. Lamech faget: Er habe einen Mann erfchlagen / ihme
zur Wunden / und einen Juͤngling ihme zur Beulen: Derfels
be Mann ift Grabel nach der auffern Menfchheitvom Reiche
Diefer Welt/ umd der Züngling ift das Bilde Ehriftiaus der
Sungfräulichen Linea aus des Weibes Saamen in ihme; den
Mann hat er ihme erſchlagen zueiner Straffe/ als zu einer un⸗
heilbahren Wunden / und den edlen Juͤngling im Manne zu ei⸗
ner Beuhlen / die ihm als eine boͤſe Beuhe oder Blatterim @e-
wiſſen der Suͤnden wohl rühren würde:Dan der Grimm Gottes
wuͤrckete in dieſer Beule / ſo mochte die Wunde / als ein groſſer
Schade auch nicht geheilet werden / denn der Fluch des Herrn
gieng ans dieſer Beulen gus in die Wunde / in welchem Die =
$
Cap. ꝛ9. aus ſeinem Stam̃e eroͤffnet habe. 227
de verfluchet ward / daß das menſchliche Regiment ein Jammer⸗
thal ward.
49. Denn Lamech ſahe den Schaden / und wandte wieder—⸗
umb / und nahm ihm derowegen zwey Weiber / das iſt / zweyer⸗
ley Willen zu feinem Regiment ins Gemuͤhte / damit er wolte
auff Erden herrfhen / als einer gieng aus der Ada in die Vich>
zucht und ſchwere Handtnahrung / darinnen fandt erden Fluch
und die Wunden innen: Und der ander gieng aus dem Aſt der
Zilla indie Erde nach Metallen/zu feinem Ackerwerck und Noth⸗
durfft / fo fandt er in Metallen die roftige Beuhlen am Metalli⸗
fchen Erste: dann die edle Tinctur oder fhöne Blume der Erden
ſtund im Fluche verborgen/als mit einer böfenBenlen umbgeben.
so. So erkannte nun Lamech den Schaden / und ſprach: Hoͤ⸗
ret zu ihr Weiber Lamech / und mercket was ich ſage: Denn er
wolte ausſprechen den Schaden / er ſahe wieder zuruͤcke in den
Raum des Menſchen / und betrachtete die Rache Gottes / wel⸗
che das menſchliche Leben hatte ergriffen / und ſagte: Cain ſoll
ſiebenmahl gerochen werden / und Lainech ſteben und ſtebentzig⸗
mahl: Denn GOTT fagte auch) zu Cain als er ſtund und ſchrie:
Dur treibeft mich heute aus dem Lande / nun wird mic erfchlagen
wer mich findet: Wer Cain erſchlaͤget / der foll fichenfültig ge⸗
zochen werden] und machte ein Zeichen an Cain / daß ihn Nies
mand exfchlüge. | —
51. Dieſes find verborgene Wunder⸗reden: Cain ſoll ſteben⸗
mahl / und Lamech ſteben und ſtebentzigmahl gerochen werden;
Warumb ſoll Lamech ſieben und ſtebentzigmahl / und Cain ſie⸗
benmahl gerochen werden? Wer hat dem Lamech etwas gethan?
Allhie deutet der Geiſt aus dem Centro des menſchlichen Lebens
auff die zufünfftige Zeit wie cs mit dem Menſchen in dieſem
Schaden hernac gehen werde / wenn fich die Menfchen wurden
mehren / und würden ihnen Könige und Herrſchafften machen /
wie ſich der Grimm Gottes würde im menſchlichen Willen mitte
freiben/und mit im menfchlichen Leben und Regiment eroͤffnen.
52. So ınan aber diefes wilverftehen was Lamech ſaget mit
der Rache / fo mug man auffs Centrum fehen /denn in 7. gradi-
bus oder Eigenfchafften ſtehet das Leben aller Creaturen / wie
forne erfläret worden ift: Nun war Adam der Stamm; deu
Adam und Eva find ein Baum / aus welcher Zertheilung Böfes
und Gutes entſtund / und Cain war der erſte Zweig aus dent
Baume / da ſich die fieben Eigenſchafften des Lebens aus ihrer
rechten Goͤttlichen Ordnung im Leben aus einander gaben / und
"86 das
,
2:8 Wie ſich der Adamiſche Baum Cap.29«
Das Bilde Gottes zerſtoͤreten / deſſen Schuld war der Teuffel / wel⸗
eher ihn auch zum Bruder-mord in den zertheileten Eigenſchaff⸗
gen reitzete / daß er Habeln erſchlug; So ſprach nun G tt: Cain
ſoll ſiebenmahl gerochen werden / fo ihn jemands erfchläget:und cr
habe ein Zeichen an Cain gemacht / daß ihn Niemand erſchluͤge.
53. Der Teuffel hatte ſich in Grimm Gottes verwickelt / und
an die ſteben Eigenfchafften des Lebens eingeflochten / nachdehm
ſie waren aus dergleichen Concordantz ausgegangen / und wol⸗
ge Herr an. Stadt Gottes Geiſtes ſeyn im Leben des Menſchen /
und wolte dasLeben am Reiche Gottes gantz ermorden: So hat⸗
te GOTT cin Zeichen mit der Verheiſſung des Bundes darein
gemacht / daß es Niemand koͤnte ermorden.
54. Denn Cain ſchrie nicht allein über Furcht des aͤuſſerli⸗
hen Lebens / fondern.er fürchtete / ihme möchte fein recht ewig
Schenermordetwerden / daß er gantz von Gottes Angefichte mit
feinem Leben vertilget würde; denn er fchrie auch alſo / und ſag⸗
Ze: Sihe du treibeft mich heute ausdem Sande / und mug mich.
vor deinem Angefichte verbergen / und muß unftätte und flüch-
tig feyn auff Erden z So wird mirs nun gehen / daß mich tod⸗
Ichlage wer mich findet. Er ſchrie über Todſchlag und fürchtete
ſich / und war Fein Mann mehr auff Erden / alsnur fein Vat⸗
zer Adam/ und ohne Zweiffel feine Schwefter / welche er ihme
zum Weibe nahm.
55. Cain fuͤrchtete die Geiſter / welche ihn auch zum Mord
bewegt hatten / würden ihn toͤdten; denn er fügte: Ich muß
anich für.deinem Angefichte verbergen 5 Das ift num Feine äuffer>
liche Weife / fondern eine innerliche / denn GOTT wohnet nicht
am Auffern Auge / aber wohlim innern Geiſtlichen: So fagte
au GOtt: Wer Cain an feinem innern geben erınordet / das
ſoll ſtebenmahl gerochen werden / und machte das Zeichen des
Bundes an ſein Leben / daß ihn kein Beift im Grimme Eönte
ermorden / denn er war ein Zweig aus dem Baume des Lebens.
56. Ob wohl die 7. Eigenfchafften der Natur in ihme waren
aus einander gangen/ fo war er Hoch nicht eben deſſen Schuld/
denn alfo hatte erfein Leben von Batter und Mutter in gertheir
leter Eigenfchaffgeerbet: Darumb fo gieng auch. die Gnade
über ihn fo wohl/ als über Habel ; ausgenommen daß Habel
aus der andern Lineagieng ; aber das Cen:rum der Seelen war
in beyden gleich : Aber die Bewegung im Saamen war ungleich}
denn fie waren die zwey Bilde der Welt/ als Cain das Bild
dr. Selbheit im Zorne / und Habel das Bild der Grleffennnit
Eapı29. aus ſeinem Stam̃e eröffnet habe: zze
des Lebens / da aus dem laſſen durch den Todt aus dem Centr®»
eineandere Weltausgrüncke.
57. Richt dag Cain zum Verderben gebohsen werden / ſon⸗
dern. die auffgewachte böfe Eigenfchafft in der Ungleichheit / als’
die Seele der äufferen Welt drang im Saamenherfür/ und
faffete das Seben in feine Gewalt / unddarein machte GOtt ein
Zeichen / als feinen Bund / daß nicht die Raͤuber folten das Sera
len=leben erınorden.
58. Würde es aber geſchehen daß fich dereigene Wille würde
den Mördern.einergeben/ fo foltedas schen Cains ſtebenmahl /
das iſt / Durch alle 7, Eigenfchafften gerochen werden / und folte
der freye QBille / welcher das.geben das im Norte Gofteswar/ /
(Zohan. x.) mordete / ſtebenfach durch alle fteben Geftälteder
Natur geftraffet werden / beydes zeitlih und ewig: Das heifs
ſet/ wer das Leben mordet / welcher freye Wille fein Leben er⸗
mordet / foll ewig inden fieben Eigenfchafften ver finftern Welt
.gerochen werden.
59. Mehr ift ung die groffe Geheimnuͤß an dieſem Orthe recht
zu betrachten / denn die ſieben Eigenfchafften des menſchlichen
Baums zum Leben der Wunder Gottes hatten ſich num big auſff
Lamech ausgetheilet/ das Regiment der Welt war nun beym
Lamech in der Natur gantz außgebohren; denn Lamech war der
fiebende Menfch inder Wurgelder Wunder vom erften Stama
me./ als Adam war der erfte/ Habelgehöret nicht indie Linea»
der Wunder / fondern in die Wiedergebuhrt: Gain war der
ander in. der Lineader Wunder : Hanochver dritfe: Irad der
vierdte: Mahujael der fünffte; Metuſael der fechfte/ und $a=
mech der ficbende,
60. Sp war nun Lamech ausdiefer Lineader Wunder Gof>
tes aus der Cainiſchen Wurkelentfproffen / der war ein fromm
Mann; aber mit dem Geifteder Wunder unibfangen / der ſahe
zurüc auffden Schaden / und auch auffdas Genadenzzeichen im
Bunde / und erkannte dag nunmchr der Geiftder XBunder im
menfchlichen Sehen gans außgebohren und offenbahr wäre / das
durch alle Künfte der Welt ſolten gefunden werden.
61, Und fahe auch vor ſich / wie es in diefen Wundern ber’
Welt ergehen würde / wie feine Kinder fein. Leben das fie von
ihme ererben würden in eine Babylon der Narıheit würden
einführen umd verderben ; und fahe hiermit vornehmlich auff das
Wort) daraus das menfchliche Schen war entfproffen / wie fich
Das Leben im Geifte der Wunder der Weltwürde inein fichen
und ſiebentzigfachig Wort der PEN und Völker —
7 ren
350 Wiefich der Adamiſche Baum Eap.zs.
ren / wie zu Babel geſchahe, und würde es der freye Wille der
Natur von dem einigen GOtt abfuhren und verderben / das foll=
te ficben und Jiebensigmahl/ als jede Zunge der Spraden im
Zorne Gottes gerochen werden: Darumb dag fie fein des La⸗
mechs Leben / das fie von ihme geerbet / verderben würden / das
würde der Grimm Gottes im freyen Willen feiner Kinder der
Sprachen rächen.
62, Denn der Geift fahe wor fich wie fich der freye Wille
wuͤrde in die Selbheit begeben / und von dem einigen GOtt ab⸗
fallen ; und wie der Zorn Gottes würde den natürlichen Geift
der Wunder im Menſchen / alsdie Seele der äuffern Welt er=
greifen und serwirren/ daraus die groffe Babylon des Zanckes
umb Gottes Wefen und Willen entftchen würde; Das / fagte
der Beift in Lamech / würde fieben und fiebengigimahlgerochen
werden.
63. Denn das war eine fieben und fiebenkigfache Mache über
das Wort des Berftandes im menfihlichen Leben/ das aus einer
einigen Zungen / aus einen einigen redenden Worte und Le—
bens=Geifte/ eine ſteben und ficbengigfache Zunge / als eine ver=
wirrung des Verftandes ward: zuvorhin lag der Berftand in
einem Halle; Nun-aber Fam die Rache darein/ und wirrete
ihn in ficben und fiebensig Theile.
64. Denn das menſchliche Rad des Halles oder Verſtandes
ward umbgedrähet / und eröffneten fich in jeder Geſtalt der Na⸗
£ur die schen Geftälte des Feuers / darinnen Zeit und Ewigkeit
ſtehet das war / ficbenmahl schen ift ſtebentzig / dar zu gehöret
Das Centrum mif feinen unwandelbahren fieben Geftälten der
ewigen Natur / das ift zuſammen ſieben und ſiebentzig Theile.
65. Und hierinnen liget Myfterium Magnum; Sieben Bruͤ—
der/ So ihr nicht das Roͤcklein der Streit-fprachen an euch
hättet / fo dürffte man euch alhie ein mehrers weifen ; aber ihr
feyd noch alle inBABEL gefangen / und feyd Zändker umb den
Beift der Buchftaben / und habet deffen doch feinen Verſtand /
und wollet auch Doktor und gelehrt feyn/ verftchet aber doch nicht
euer Muttersfprache: beiffer euch umb die Hülfedes Wortes/
darinnen fich das lebendige Wort faffet/ und das lebendige Bor ,
begchret noch verftehet ihr nicht: Ihr vedet nur aus fieben und
aus ſieben und ſiebentzig / und hättet doc das Wort in einer
Zahl / darinnen aller Verftand innen lieget: Ihr habets auf
euerer Zungen ſchwebende / und moͤgets doch nicht faffen.
66. Und das ift die Urfache / daß ihr nur wollet aus fieben und
aus ſieben und ſiebentzig reden! als ans dem Grimme der die
Zun⸗
Eap.29. ans feinem Stame eröffnet habe. 237
Zungen zertheilet hat und das Leben —— fieben und ſte⸗
kensigmahlimeuerer Zungen und Sprachen raͤchet: Gienget ihr
aber auffs Centrum, und thaͤtet die Augen auff / fo wuͤrdet ihr
ſchen / wie euch die Babyloniſche Hure an ihrem Seyle gefan⸗
gen fuͤhret / und wie fie ſich hat mit ſteben und ſteben und ſtebentzig
Zahlen über das Leben der Menſchen geſetzet / und Na&ma unſer
Schweſter mit den Zahlen gang verborgen | auff daß das Thier
der Zahlen im Grimme Gottes über das Leben unferer Schwe⸗
ſter Na&ma herrfchen möge.
67. Aber wir haben einen Wächter hören fagen:
Rein ab / das Thier mit der Huren | welche an Naema
ſtadt auf Erden ftehet / ift gefallen] und der Kelter der
fiebenfachen Rache in fieben und fiebensig gegeben wor:
den) ıc. Die Mache gehet in Lamech auff und gehet
durch fieben und ſiebentzig und das Fan Niemand weh:
rven/ Amen.
68, Denn Naöma ſoll offenbahr werden alfen Bölc-
Fern / Zungen und Sprachen / und alsdan wird aus ſie—
ben und fiebengig Em Wort des Berftandes |denn aus
Einem WortÖottes iſt das Leben der Menſchen aufges
gangen / und hatfich in der Selbheit im Geifte der Wun⸗
der der Welt in ſieben und ſiebentzig Eigenſchafften des
Einigen Worts geformet und zertheilet: Nun komt die
Zeit daß des Lebens Anfang mit dem Geiſte der Wun—
der und Sprachen ins Ende / als wieder in Anfang ein⸗
gehen ſoll / ſo muß das Kind der Wunder das ſich hat fuͤr
GoOtt ausgegeben / in der Einheit offenbahr werden.
69. Und weil ſich der freye Wille hat in die Eitel—
keit der Sprachen und viele der Kräfften ergeben und
das sehen des einigen Worts ermordet und befudelt]
fo gehet die Rache aus dem Mord:geifte durch ſieben
und fiebensig/ / biß das Thier ſambt der Huren ver-
tilget und mit Feuer des Zornes Gottes verfihlun:
gen werde.
79. Alsdan findet Tubalfain feine Schweſter Nae-
ma im Güldenen Schmucke / und freuet ſich Ada in
ihrem Sohne Jabal / welcher des Biehes huͤtet; dem
samerh hat feine Kinder wieder funden / welche er = er
acht
x732 Von der Linea des Bundes. Cap-30:
Rache verlohren hatte; und hoͤret auff der Hoffart der
Selbheit / auch der Trug und Liſt der Schlangen / dan
ein jedes Thier ſoll ſeine eigene Weyde eſſen. Die Zeit
iſt nahe: Hallelujah!
Das 30. Capittel.
Bon der Linea des Bundes.
8. Je Linea des Bundes ift nicht alfo zu verftehen / ala
D gienge der Bund allein auff dieſelbe Lineam: Nein:
Der Bund gehet auff das einige Leben / das im Worte
vorzeiten der Menſchheit war; Die Linea Seths gehet allein
auff die Offenbahrung im Fleiſche / in welcher Linea ſich das
Wort im Bunde wolte aͤuſſerlich im Fleiſche offenbahren: Aber
der Geiſt aus dem Centro im Bunde gehet ſo wohl auff Cains
Lineam, als auff Habels / aber in Cains / im Geiſte; und in
Seths / im aͤuſſern Munde / als im gefaffeten Worte / als im
Lehr⸗ambte: Denn Seth war entſproſſen nach dem Geifte aus
dem Bunde) da fich der Geift imeingeleibten Worte im Bunde.
bewegte / und Cain war im Begriffdes Geiftes der Natur.
3. Denn durch Cains Linea kamen die Künfte herfür / wel⸗
che ein Wunder der Göttlihen Weißheit / Beſchauligkeit und
Formligkeit waren) als des geformten Worts / durch und in:
der Natur; und in Sethgieng das Wortin cin formlich Leben /
als in cine Geiftliche Beſchauligkeit / da lich das XBort Gottes
mit der Weißheit in einem geiftlichen Bilde ſchauete / und in
Gains Linea in einem Natürlichen geformten Worte / und Dies
net beydes zu Gottes Wunderthat.
3. Nicht wie Babel richtet / daß ihme GOTT aus feinem
Dorfag habe alfo ein Theil ver Menfchen in feinem Zorn zur
Verdamnuͤß pradeftiniret md erfohren/ und das ander Theil
wurschen: Welche alfo richten / die find noch unter der Zahl
ficken und fiebentig in der Multiplication des Wortes / dan ges
ſchahe doch Adam die Vernpeiffung che Kain einpfangenward:
Der Bund ruhete in Adam und Eva mitder Genade / aber der
Geiſt der Heiligung und Wicdergebuhrt durch Chriſtum /
gieng allein auff des Weibes Saamen / als auff den verſchloſſe—
nen Saaınen des Himmelreichs / in des Liechts Tinctur, in Ve-
neris Matricem , darinnen fich Adam / alser Mann und Weib
war / in cigener Begierde und Siebe hätte follen fortpflangen;
welches / weil esnicht ſeyn mochte [von Adam genorgmen / und
in ein Weib gemacht ward«
nr ' Als
i
⸗*
Cap. 30. Von der Linea des Bundes. 237
4. Als aber das Weib irrdiſch ward / ward das himmliſche
Theil dieſer Matricis zur himmliſchen Gebuhrt im Tode ver=
ſchloſſen / in welche Matticem ſich das Wort GOttes mit dem⸗
Bunde wieder einverleibte; ſich in dieſer Matrice mit einem
lebendigen himmliſchen Saamen zu eroͤffnen / und dem Tode ſei⸗
ne Gewalt zu brechen.
5. Denn nicht in dem geformten Worte der Natur / als in
Cains Geſchlechte / wolte ſich das Wort eroͤffnen / ſondern im
verblichenen himmliſchen Ente, und Durch denſelben wieder le>
bendig gemachten hiunnlifcehen Ens , als durcch des XBeibes Saa=-
men des himm liſchen Theiles / der Schlangen) als des Teufels:
eingefügrten Begierd im Grimm der Natur / den Kopff zertret⸗
ten / als dem Grimme in Cains und Seths Geſchlechte.
6. Im Seth und Habel eröffnete fich das Wort im Bunde/
als cine Stimme eines Lehrers; dieſelbe Stimme follte Cains
Geſchlechte in feinem Leben einnehmen / und ins Leben faſſen /
auch zur neuen Wiedergebuhrt: Daß ihrer aber feynd viclim To=
de blieben / und die Stimme verachtet / tft des freyen Willens:
Schuld / der ſich den Teuffel im Zorne Gottes halten lieg / und
noch heute halten laͤſſet dag der Cainiſche Wille die Natur und
Selbheit zu viel liebet.
7. Denn wil der freye Wille der Seelen das Wort im Bun⸗
de ergreiffen / ſo muß er ſeiner Natuͤrlichen Selbheit und Ei⸗
genwillens abſterben / und mit dem Eigen⸗willen im Bunde ge⸗
laſſen ſeyn / dag er dem Worte und Geiſte im Bunde mit ſeiner
Begierde nachgehe / wie ihn derſelbe fuͤhret.
8. Und das wil Cain nicht gerne thun / er wil ein eigener
Herr ſeyn / und figuriret ihme in feinem freyen Willen mit der
Begierde ein Monftrum und boͤſes Thier / das dem erſten Bilde
des geformten Lebens im Worte Gottes nicht aͤhnlich ſtehet:
UÜber dieſes Thier gehen nun Chriſti Worte / da er ſaget: Es-
ſey dan daß ihr umbkehret und werdet als die Kinder / das iſt /
(daß ihr aus dem Willen des ſelb⸗gebohrnen Thieres ausgehet /
und wieder in die Form des erſten Lebens eingehet) ſonſt ſollet
ihr Gottes Reich nicht ſehen. Item: Ihr muͤſſet aus dem Waſ⸗
ſer der himmliſchen Welt Weſen / und aus demſelben heiligen
Geiſte / aus dem Bunde neu⸗gebohren werden / anderſt koͤnnet
ihr nicht GOTT ſchauen.
9. Daſſelbe boͤſe Thier der ungoͤttlichen Form iſt zur Ver⸗
damnuͤß orædeſtinairet aber der Bund iſt im Leben: fo ſich der
freye Wille dem Bunde eingiebet / ſo ſtehet Chriſtus aus dem
unde in dem Leben / in ſeiger Menfchheitauffs alsdan fo *8
et
234 Von der Linea des Bundes. Cap.zor
bet das frembde Thier in Chriſti Tode / und formet ſich der Wil⸗
fe wieder in die erſte Bildnuͤß / wie fie GOTT fhuff: Und
ſolches gehet nicht allein auff Seth / fondern auff Adams Leben /
als auff das einige Leben Des Menſchen dasim Worte GOttes
war / und dringetvon einem auff alle / gleich wie atle Aefte in ei-
nem Baum Safft von der einigen Wurtzel des Stames nehmen.
zo. Aber die Eigenfchafften der Natur/ als des natuͤrlichen
Lebens / haben fih aus Adams Stamme in fordere Aeſte und
Zweige eingeführet / daraus die Vielheit der Bölder / Zungen
und Sprachen entftanden: Das Leben aber ift einerley / und der
Bund im geben drang aus der Wurtzel des Lebens / alsaus dent
Worte Gottes / daraus das Leben kam / auffalle: wie dan auch
die Suͤnde / als der Abfall’ auff alledrang / keiner ausgenom⸗
men; denn die Kinder Seths waren fo wohl unter der Sünde
befchloffen / als Cains; aber der Bund mit feiner Ofſenbahrung
drang auff Seth: Denn fein Name heiffet in der Natur⸗ſpra⸗
he ein aushauchender Sprung aus dem $eben durchs Feuers—
Centrum der Seelen / da ſich das Wort Gottes wolte wieder.
durchs Schen eröffnen.
ır. Und Mofes ſaget: Seth zeugete Enos / und zu der Zoit
fieng man an zu predigen von des Herin Namen: Denn der Nas
me&nosdeutet an in der Natur⸗ſprache eine gottlicheguft durchs
geben / da ſich das geformte Wort wolte im Halle und Schalle
des Lebens fhauen: Darumb fleng der Geiſt Gottes aus dem
Bunde durchs Schen der Menſchen anzu lchren von GOTT und
feinem Weſen und Willen / das war der Aırfang der Göttliche
Defchauligkeit durch die geformte Weißheit im Wort / da fich
das Wort durch die Weißheit im geformten menfchlichen Halle
fhauete.
12. Und wie fich das geben durch Cains Lineam durch die Wun⸗
der der geformten Weißheit der Natur mit allerley Kuͤnſten
und Wercken / auch Regimenten und Ordnungen formete / und
zu Gottes Wunderthat einfuͤhrete / als zu einer Veſchauligkeit
Boͤſes und Gutes / des Liechts und der Finſternuͤß: Alſo auch
imgleichen fuͤhrete der Geiſt Gottes aus des Bundes Linea int.
offenbahreten Worte aus / die Wunder Goͤttlicher Heiligkeit /
Wahrbheit/ Gerechtigkeit / Liebe und Gedult; und zeiget durch
Die Predigt des geformten Worts an/ was Gottes heiliges
geiftliches Reich fey.
13. Zn Gainward das Neich der Natur vorgeftellet / undin
Habelund Seth das übernatürliche Göttliche Reich: Diefe bey»
de giengen mit⸗ und in=einander auff zur Beſchawung der vos
ichen
8*
j Cap.z0. Sonder Linea des Bundes, 23%
lichen Luſt in der geformten Weißheit / und ein jedes drang in?
feierte in feine Beſchauligkeit / als ein Wunder/aus.
. Denn von Adau big auff Lamech in der Lineader Wun⸗
— find fieben Glieder / und in der andern Linea, als in ver
Bundes Linea von Adam big auff Henoch find auch ficken Glie⸗
der/ Henoch ift der achte / als cin Anfang des prophetifchen Gei⸗
fies / denn in den erften fichen Gliedern ward die Forma des
geiftlichen Neichs aus dem Lebens⸗Baume Dargeftellet.
15. Adam war der Stamm / dann fein Schen urſtaͤndet aus
dem Worte: Weil ſich aber das Schen der Natur in ihme über
das Leben im geformten Worte ſchwang und wolte das Regi⸗
ment yaben/und verdundelte das Leben aus dem Worte ; fo ergab:
fich das Wort felber zu einen geben mit einem Bunde ein / und
ſtellete ſeine Figur in Habel dar / wie das Natur⸗Leben ſolte zer⸗
brechen / und aus dem erſten Leben das Wort der Goͤttlichen
Krafft wieder gruͤnen.
16. Alſo war Habel die Figur des andern Adams Chrifti /
und muſte darumb wegen des Bundes ermordet werden; denn
Chriſtus ſolte den erhabenen natuͤrlichen Willen toͤdten / und ei⸗
nen neuen ausführen / auch folte Habel darumb Fein natürlich
Kind zeugen / fonft ware cs der Natur frembde gewefen: Denn
fie foltenalle aus einem Stamme herkommen / und das Wort
wolte durch deneinigen Baum im Bunde aufgrünen / auf dag
die Kinder der Genaden aus dem Baum der Natur aufsckahrss
wirden/ wieder Ihau aus der Morgenröthe.
17. Denn alfo ftellete fich auch die Figur der netten Gebuhrt
ausdem Stamme dar: Als erftlich aus Adam gieng die Linea ,
der war der erfte/ Habel der ander / Seth der dritte / Enos der
vierdte: da man anfieng vom geiftlichen Reiche zu lehren Kenan
war der fünffte/ der heiſſet in der Natur⸗ fprache eine außgehende
wicdergefaffete Luſt göttlicher Beſchauligkeit / in welcher ſich das
gelehrte Wort formete /als im Gebethe und in der Willens
Begierde / fo wohl inihren Opfern.
18. Mahalaleel war der ſechſte / und heiffet in der Naturs
ſprache eine englifche Form eines englifchen Reichs / da der Geiſt
das Reich Chriſti in dieſem Namen fuͤrbildete.
19. Jared war der Nebende / mit deffen Namen verfichet mar
inder Natur⸗ſprache einen Priefter oder Fuͤrſten des geiftlichen
Reiches : Denn gleich wie Irad der Regente in dem Natur—
reiche ſeyn folte ; Alfo folte Jared ein Regente im geiftlichen
Reiche fepn/denn auß Jared iſt Moſis Ambt kommen; und aus
Irad das Reich der weltlichen Herrſchafft und gefaffeten Re⸗
giments. 20. Es
236 BonderLineades Bundes. Cap. 30
20. Es zeigets aber die Natursfprache Flar an / daß Jared
nur cin Fuͤrbilde eines geiftlichen Neiches ſey denn der Name
fuͤhret den Cherub mit lich durchs Wort aus ; denn das geiftliche
Neich war auff Erden im Grimme GOttes mit gefangen / bi’
auff Chriſtum / welcher den Zorn zerbrach.
21. Diefes Jareds Ambt iſt zweyfach / als aͤuſſerlich ift die
Figur des geiftlichen Reichs mit dem Grimme GOttes verbuns
Den ; und innerlich iſt das wahre heilige Reich / welches der buß⸗
ferfige Menfch einnint/ außwendig iſt Mofes und inwendig .
Ehriftus.
22. Aus welchem aufmendigen Reiche iff die groffe Mutter
der Babyloniſchen Hurerep im Reiche Moſis bey den Pharifes
ern / und im Reiche Ehrifti bey ven Buchftab-Schreyern ent:
ſtanden / welche alle nnr in der Figur als cin Abgott prangen /
und fich fehen laſſen / als wären fie das heilige geiftliche Reich z
Aber der Cherub fuͤhret den Hall durch ihr Wort aus / als eine
Mitſtimme des grimmen Zornes GOttes.
23. Und darumb muͤſſen ſie umb das Reich des Willens
GOttes zancken / denn ſte haben wicht den Geiſt des innern geiſt⸗
lichen heiligen Reichs / ſondern nur die Stimme aus der Figur /
da Boͤſes and Gutes in Streite iſt: Den Buchſtaben haben:
und fuͤhren ſie / aber als ein ledig Inſtrument / als eine Figur der
geiſtlichen Form; Denn alſo ſtellete es auch der Geiſt mit dem
Namen Jared vor / als ein vermiſcht Reich auff Erden / dadurch
die innere geiſtliche neu⸗gebohrne Kinder ſolten geuͤbet und pro⸗
biret werden.
24. Und zeigte mit dieſer Form an / wie daß der groͤſſeſte
Haufe in die ſem geiftlihen Ambte würde ım Schwerd Cherubs
gefangen / undihme ſein Ambt vom Cherub vor GOttes Heilig»
keit abgeſchnitten / und dem Zorne zu ſeinem geiftlichen ewigen
Peichegegeben werden.
25. Dunn gleich wie Samech in Eains Linea zwey Weiber /
als zween Willen nahm / und fein Reich darein beftätigte / und-
endlich die ſteben und fiebensigfache Rache aus dem Centro der
Natur / aus den 7. Eigenſchafften uͤber den Mord des freyen
Willens / welcher fein Leben würde in vielen ermorden / fuͤhrete:
Alſo fuͤhrete auch Fared zween Willen in ſeinem Natur⸗ Namen /
als einen in GOttes Liebe und Erbarmen im Bund; und den
andern in die Figur / in welcher der Zorn GOttes mitgehet / und
den ſchaͤndlichen Abgott Bauch mitfuͤhret / und iſt trefflich wohl
abgemahlet.
26. Und Moſes ſaget weiter: Jared zeuget Henoch. Aue
| achet‘
; Cap. z0. Von der Linea des Bundes. 237
gehet die groſſe Wunder⸗Pforte auff / denn aus dem Jared / als
aus dem Reiche der Wunder mug der Prophet entſtehen; denn
der Prophet iſt des Reichs Mund : Er zeiget an was das Reich
ſey / wie es im Boͤſen und Guten ergriffen ſey und was der Auß⸗
gang und Ende aller Dinge ſeyn werde: Auch weiſet er auff
das Mittel / wie die Turba habe das Schen ergriffen / und draͤuet
mächtig mit GOttes Zorne / wie das Schwerd Cherubs wohe
den Falſch abſchneiden.
27. Henoch heiſſet in ſeiner eigenen Sprache alſoviel als ein
außgehauchter Athem Göttlicher Luſt / der ſich alſo mit dem Auß⸗
hauchen habe in der Zeit in einer Form geſchauet / welche Krafft
des Außhauchens den geformten Athem wieder in ſich zeucht / und
nur feinen Schall von ſich gibet / als eine Stimme Goͤttliches
Willens: Und deutet erſtlich an einen Zweig aus der Bundes⸗
Linea, als aus dem inwendigen Prieſter⸗Ambte / aus der heiligen
Goͤttlichen Luſt der Weißheit GOttes aus Jehovah. Der Geiſt
wolte die ficffefte Siebe in Jehovah in einen Namen ins Wort
einfaffen /der JEſus hieſſe / fpielefe aber unterdeffen inder Zeit
der Figur inder heiligen Weißheit / in des Bundes Linea damit /
als mit einem inwendigen verborgenen heiligen Reiche / welches
er wolte in Erfüllung der Zeitoffenbahren.
28. Zum andern deufets andes geformten Worts Krafft/ als
die Perfon oder das Corpus aus dem Limo der Erden / des him̃⸗
lifchen Theilsder Erden / daß derfelbe Corpus folte indas heilige
Wort gefaffet / und von diefer Irrdigkeit entzuͤcket werden 2
Gleich wie das Liecht die Finfternüß im fich entzücket und vers
ſchlinget; Alfo auch folte das guate Theilder wahren Menfchheit
in Adams erſten Bildnüg vom Worte aus der Irrdigkeit ent⸗
zuͤcket werden / und aus der Erden auffftchen / welches Enochs
Entzuͤckung vondiefer Belt andeuter.
29. Zum dritten deutets den Propheten an als die Stimme
der Göttlichen Luſt / welcher das Reich Ehrifti und auch das
Reich der Wunder / wie es künfftig gehen wiirde / verkündigte ;
denn die prophetifche Stimme offenbahrte fich wieder aus der
Verzuͤckung: Und deutet aus dem Weſen des Geiftes / als aus
dem allergeiſtlichſten Reiche / als aus des menſchlichen Engels
Reiche / durch den ſeeliſchen Geiſt; und denn aus des Corporis
Reichel als aus der Natur der Wunder / aus dem Limo der Er
den und des Geſtirnes / wie Fünfftig das auffere Reich des Men
ſchen in diefer Welt Wefen würde auffgchen/ und was darinnen
geſchehen würde: Das deutet der innere heilige allwiffende Geift
durch den auffern /als durch Die Wunder der —
aͤuſſern
3738 Von der Linea des Bundes, Tap.zo.
aͤuſſern Weſen / als durch den Geiſt der aͤuſſern Welt an / wie es
mit dem menſchlichen Reiche auff Erden ergehen würde: Denn
der innere Geiſt ſpiegulirete ſich durch die geformte Weißheit
GHttes / und beſchauete eh in dem geformten Geiſte der Wun⸗
dern: Diefes deutet uns der Name Henoch an.
30. Nun deutet der Geiſt in Mofe weiter und fpricht : Mes
noch war 65. Jahr alt und zeugete Methuſalah / und nach
deme er ihn gezeuget hatte / blieb er in einem Goͤttlichen Le⸗
ben 300. Jahr / und zeugte Soͤhne und Toͤchter / daß fein gantz
Alter war 395. Jahr: Und dieweil er ein Goͤttlich Leben
fuͤhrete / nahm ihn GOtt weg / und ward.nicht mehr geſehen.
Allhie hanget dem Moſt recht ver Deckel vor feinem Angeſichte /
wegen der Menſchen Unwuͤrdigkeit; und deutet der Geiſt im
Mofe klar / fo wir Augen des Verſtandes haͤtten / wann dieſe
Geheimnuͤß ſollen offenbahr werden.
31. Weil uns aber der Hoͤchſte durch ſeinen Rath ein ſolches
— zu verſtehen / ſo wollen wir den unſern dieſe Geheim—⸗
nuͤſſe etwas außtwicklen / ſo viel wir ſollen / und das edle Perlein
den Kindern zeigen / und doch auch ein Schloß vor den falſchen
Hertzen / vor unſer Beſchreibung liegen laſſen: Aber den Unſern
genug und gruͤndlich verſtanden ſeyn.
32. Moſes deutet in den Linien in jedem Gradu nur auff eine
Perſon / welche er in Die Lineam feßet / Dadurch der Geift der
Wunder gehet. Darnach ſpricht Moſes: Und er lebte noch ei⸗
ne ſolche Zeit/und zeugte Söhne und Toͤchter / von welchen er fer⸗
ner nichts ſaget: Wil dadurch andeuten den Geiſt der Offen
bahrungder Wunder GoOttes in jeder Linea: Ihr Alter dasder
Geiſt ſetzet / deutet an die Zeiten / wie lang jedes Negiment/beydes
des weltlichen und des geifklichen in feiner Faſſung ftehen wür-
de / das ift fo viel gefaget / wie lange jede angehende Monarchia
der weltlichen Herifchafft währen folte / ſo wohl auch der geift»
lichen Monarchia.
33. Und diefelben Monarchen der Wunder werden alfobala
aus den erften Zweigen/ausdem Anfange des menſchlichen Bau⸗
mes dargeftellet / als in jeder Linea in ficben Zahlen von Adam
durch Cain biß auff Samech / und in Der andern Linea von Adam
biß auff Jared / durch welcher Zahl und Namen der Geift deutet
in jeder Linea fonderlich auff fieben außgehender Eigeufchafft
des Baums und der Krafft der Wunder ; wie fich die Kräffteder
Runder würden hernach in Regimente einführen und wie eine
Figur ausder andernentftchen würde; und wie cine die andere
zerbrechen würde / und aus der Zerbrechung cine andere 5
x⸗
v
Cap. zo. Von der Lincades Bundes, 239
darſetzen / wie denn im geiſtlichen und weltlichen Regiment ges
ſchehen ift 5 Denn es wird allezeit das Weltliche unter dem
Geiftlihen mit verftanden / denn das Auffere geformte Wort in
dem Regiment der Natur ſetzet allegeit feine Form neben und an
die geiftliche Formung: Darumb fo mercket alhie genau.
34. Sieben Zeit find beftimmet aus dem Baume des Lebens /
im Worte der Krafft. Dieerfte Zeitgchet aus dem reinen $e=
ben Adams / denn vor der Creatur war das Sehen im Worte / da
war esrein ins Bilde eingeführet/das währete big auff den Fall:
Aus demfelben reinen Leben entfproffe im innern ein Zweig/ das
war Habel/ weil ihme aber der Fall im Auffern anhieng / fo war
daffelbe reine gehen Durch den Tod geführet in dic heilige Welt:
Deutet das Reich Ehrifti an / der uns Dura) den Tod wieder ist
das reine Leben einführen follte,
35. Die andere Zeit fühet an mitdem Seth : Denn Mofes
faget/ Adam war 230. Jahr alt / und zeugete einen Sohn der ſei⸗
nem Bilde ähnlich war/ und hieß ihn Seth; verftehet/ er war ein
Bilde wie Adam nad) dem Falle war / und war in ver geiftlichen
Wunder-Linea, und Gain darunterin einer weltlichen natürs
lichen ABunder-Linea , denn beyde Neiche gehen mit einander z
Seths Zeit währete biß an die Suͤndfluth / und fuͤhrete das Ober⸗
Regiment biß zur Suͤndfluth.
36. Die dritte Zeit faͤhet an mit Enos unter Seths Zeit / und
fuͤhrete ſich als eine geiſtliche Predigt oder Erkaͤntnuͤß GOttes
unter Seths Zeit hindurch / als ein verborgen Reich / und waͤhrete
biß an Abraham / welchem der Bund von Chriſto im Fleiſche be⸗
ſtaͤttiget ward.
37. Die vierdte Zeit faͤhet an mit Kenan / welche iſt die geiſt⸗
liche Foru mit dem Gebethe und geiſtlichen Opffern / darinnen
ſich das Wort in der Weißheit formete / und fuͤhrete ſich unter
Seths und Enos Zeit hindurch / und offenbahrete ſich mit Moſe:
Gleich wie ſich Enos Zeit erſt recht nit Abraham mit der Ver—
heiſſung im Bunde offenbahrte: Dieſe Kenans Zeit waͤhrete in
ihrer Offenbahrung und Herrſchafft unter Moſe biß auff Chri⸗
ſtum im Fleiſche.
38. Die fuͤnffte Zeit faͤhet an mit Mahalaleel / und iſt die
Faſſung der Engliſchen Form / als der neuen Wiedergebuhrt
aus dem Bunde / und gehet unter der Predigt Enos / unter dem
Seth undKenan verborgentlich im Worte der Verheiſſung hints
Durch [durch alle drey Zeiten / und offenbahrete fich mit der Er=
Füllung des Bundes in der Menfihheit Chriſti / da der rechte
Mahalaleel und Englifche Bildnuͤß / welche in Adam verlofch /
in Chriſti Menſchheit wieder effenbahr ward, 39·Die⸗
340 Bon der Linea des Bundes. Cap.zo.
39. Die ſechſte Zeit faͤhet an mit Jared / das iſt das geiſtliche
Prieſterthum unter dem aͤuſſerlichen / Da vonauſſen Seth /
Enos / Kenan und Mahalaleel inihrer Ordnung warenlin ihren
Zeiten / als die Predigt Enos von GOtt und ſeinem Weſen und
Willen / ſo wohl die Predigt Abrahams vom Bunde und der
Beſchneidung / auch Moſes mit dem Gefeß- Buche : Unter die—
fen allen gieng der innnerliche Prieſter Jared verborgentlich hin=
durch. Innerlich ift diefes geiſtliche Prieſterthum Chriftus im
neuen Menfchen : und Aufferlich in den ſelb⸗erwehleten Prie⸗
ftern ift es Babel.
40. Die fechfte Zeit hat fih im Reiche Ehrifti (nach der Apo⸗
fiel Chriſti Tode) angefangen alsihnen die Menfchen Lehrer
‚aus Gunſt und ÄufferlichemAnfehen erwähleten / das ift / fie hat
ſich allda zum erften aus der VBerborgenheit des Schattens er⸗
Öffnet/ und mit den fleinern Kirchen herfür gethan / da die Kirche
anftatt des heiligen Tempels Ehrifti ſtundt / fo regierete ja ins
nerlich in Chrifti Kindern der heilige Jared / als Ehrifti Stimme
‚me/ aber. Aufferlich der Cherub mit dem Schwerde : Denn ders
felbzerkohrnen Priefter aͤuſſerliche Gewalt den fie führen / ift
Das Schwerd Cherubs / das in dem Namen Jared mitten im
Worte inder Natur Sprache hindurch dringet.
41. Diefe fechftezeit ift in ihrer Figur heimlich und offenbahr/
‚fie ift erfant worden und auch nicht erkañt worden: Denn. Chris
ſtus ſprach: Mein Reich ift nicht von diefer Welt: Alfo hat
Diefe Zeit müffen unter dem Antichrift verborgentlich hingehen /
Da inmerlich in den Kindern GOttes iſt Chrifti Neich offenbahr
worden; umd in den andern / welche auch unter diefer Zeit haben
‚gelebet und ich auch Chriſten genennet/ ift nur Babel / und der
Antichrift offenbahr gewefen/beydes im Priefter und feinen Zus
‚hörern x Denn welche aus EHtt gebohren waren / die höreten
den rechten Jared inihnen / als die Stimme Ehrifti ; die andern
hoͤreten nur die aͤuſſere Stimme gu Babel/als von Chrifti Reich
zancken und ftreiten.
42. Denn aller Krieg den die Chriſten führen /das iſt das
Schwerd Cherubs aus Babel: Dierechte Chriften führen kei—
nen Krieg / denn fic haben das Schwed Cherubs in Chrifti
Tode zerbrochen /und find mit Chrifto geftorben / und in ihme
‚auffgeftanden / und leben nicht mehr der aufferlichen Macht und
Herifchafft ; denn ihr Reich iſt in Chrifto offenbahr / und iſt nicht
von dieſer Welt.
43. Dieſes ſechſte Reich ſaͤnget an nach der Apoſtel Tode /
nd waͤhret mit ſeinem auſſerlichen Regiment big an Er
Zion
Cap. zo. BonderLineades Bundes. 241
Zion / biß der verzuͤckte Enoch im Geiſt und Krafft wieder er—
ſcheinet: Denn Enoch iſt die prophetiſche Wurtzel / und haͤlt in
feinem Regiment Noam / Moſen und das Schwerd Elixz: Am
Ende der ſechſten Zeit faͤllet der aͤuſſere Jared / und mit ihme
daſſelbe aͤuſſerliche Gebaͤu / als die Stadt Babel.
44. Des Endes Zeichen ſtehet mit einer ſolchen Figur /
und deutet an die Zeit /als da fich das dreyfache Creutz in der
Stimme Henochs eröffnet / als eine Offenbahrung der ‚Heil.
Dreyſaltigteit / dieſelbe in der a um Gleichnuͤß an allen
+
242 Von der Linea des Bundes. Cap. yon
ſichtbahren Dingen zu erkennen : Mehr deutets an die Uber⸗
windung des Schwerds Cherubs in Babel Ida der Gewalt der
Stadt Babel fein Schwerd mit der Spitze unter fich kehret.
Zum dritten deutets an die groffe Nuthe und Straffen uͤber Ba⸗
bel/ welche Ruthe ihren Bewalt mächtig über fich führet. Zum
vierdten deutets an das grimmige Zorn- Feuer GOttes / welches
das Schwerd und Ruthe verſchlingen ſoll. Dieſes wird das
Eros det ſechſten Zeit ſeyn Das drey fache Creutz zeiget auch
an die Zeit veng das geſchehen fol: Wenn das Keich Chriſti
wird eine ſolche Zahl haben / ſo iſt Die ſechſte Zeit gantz vorüber.
Die ſiebende Zeit faͤhet am mit Henoch / als mit dem pro⸗
hetiſchen Wunde: der deutet unter allen ſechs Zeiten dic heimliche
Wunder GOttes / was geſchehen folte und führet ſich inter
Noas /Abrahamg und of ecke hindurch / biß ins Reich
Chritti/da wird derfelbe prophetiſche Geiſt in SEEN Ber ver⸗
zuͤcket / bißg zum Ende der ſechſten Zeit ſo offenbahret er ſich in
der Zahl des dreyfachen Creutzes: Weñ ſich das dreyfache Creutz
offenbahret / fo ſtehet Die rechte drey fache Cron auff dem Creutz:
Als dann ſpricht der Henochianiſche Propheten⸗Mund die groſſe
Wunder des dreyfachen Creutzes aus / das iſt / er redet nicht mehr
Mogiſch / ſondern zeiget die Heil. Dreyfaltigkeit in der Figur /
als das geformte Wort GOttes an allen ſichtbahren Dingen an /
und offenbahret alle Geheimnuͤſſen innen und auſſen.
49 Und iſt alsdann die Zeit / da Henoch und die Kinder uu⸗
ter ſeiner Stimme ein Goͤttlich Leben führen / welches das erſte
‚Leben Heuochs cin Vorbilde war / und iſt alsdann ein ſeeliges
und guͤldenes Jahr / biß Henochs letzte Verzuͤckung geſchicht / ſo
iſt alsdann die Tutba gebohren / welche / wann ſie ihr Feuer ans
zuͤnden wird / die Tenne gefeget werden ſoll / denn es iſt das En⸗
de aller Zeiten.
Benoch hatte Methufalah / als den Menſchen des hoͤch⸗
ſten Alters gezeuget / und iſt hernach nach zoo. Jahren verzuͤcket
worden: Das deutet an / daß der Geiſt / welcher in Henoch einen
Zweig nuit dem Methuſalah aus fich außführete/ welcher das
ſoll im letzten und hoͤchſten Alter regie⸗
ren / ünd ſich unterdeſſen vor derſelben Zeit verbergen / und gleich
als wie derzuͤcket bleiben gleich wie Henoch verzuͤcket ward /
und ward nicht mehr geſehen.
48. Seine Verzuͤckung iſt nicht ein Sterben geweſen / oder
eine Ablegung der Natur und Creatur / ſondern er iſt ing My-
fterium getretten zwifchen die geiftliche und aͤuſſere Welt /als
ins
h Cap. zo. Von der Lineades Bundes. 243
ins Paradeiß / und iſt die prophetiſche Wurtzel aus dem Stat
Adams in der Bundes Lines, aus welchen Geiſte hernach der
prophetifche Mund geredet hat.
49. Diefer Geift ift in der lebendigen Stimme Chrifli/ als
diefelbe aus dem Fleifche redete / verzuͤcket worden / und muſte
ſchweigen / big Jareds Stimme vollendet wird / ſo gehet er aus
feiner erften Wurgel wieder herfür durch alle Stimmen] als
durch Noahs / welcher die Suͤndfluth des Zornes über Babelver-
kuͤndiget und durch Noahs Stamm und gantze Auzbreitung
feines Baumes durch alle Linien „als durch die Heydnifihe / Ja⸗
shitifche/und durch Sems Linea auff / und durch Abrahanıs und
Rimrods/der Kinder zu Babel/ und durch Mofen und dic Pro⸗
pheten; und letzlich Durch die Stimme des geoffenbahrten Worts
im Geifte Chriſti / und offenbahretalle Heimligkeit des Baumes
8:5 Erfäntnüg Gutes und Böfts.
50. Denn duch feine Stimme werden alle obgemelte Stim⸗
men der Wunder⸗Linien, daraus die Neiche der Welt ſeynd
entftanden/in eine Stimme und Erkaͤntnuͤß verwandelt/ und in
ein Reich / als in den erften Baum Adams verfeger / der heiffee
nicht mehr Adam / fondern Chriftus in Adam : Alle Bölder 7
Zungen / und Sprachen hören diefe Stimme/denn es iſt das erſte
Wort / daraus das Leben der Menſchen herfuͤr kommen it x
Denn alle Wunder kommen im Worte wieder zuſammen in ein
Corpus, und daffelbe Corpus ift Das geformte göttliche Wort
welches fich erftlich Hat mie Adam in einen einigen Stamm eina
gefünret /umd durch ihn im einen Baum vieler Ziveige/Xefte und
Früchte / zur Beſchauligteit der Goͤttlichen Weißheit in dem
— undern der Kraͤffte / Farben und Tugend / nach Boͤſen und
uten.
sr. Dieſer hohe Vaum bloͤſſet und verklaͤret ſich mas er im
der Zeit geweſen iſt / und was er ewig feyn wird; undin feiner
Entbloͤſſung thut Moſes ſeine Decke weg / und Chriſtus ſeine
Gleichnuͤß in feiner Lehre: So ſpricht der prophetiſche Mund
dieſes Wunder-Baumes in Goͤttlicher Krafft alle Stimmen
der Kraͤffte des Baumes aus / dardurch Babel ſeine Endſchafft
nimmt / und das iſt Wunder: Und in demſelben Wunder ſte⸗
= alle Zahlen und Namen offenbahr / und das fan Niemand
wehren.
52. Denn das Verlohrne wird in dem Geifte der Buchſta⸗
- ben wieder funden / und die Geifte der Buchflaben in dem ge»
formen Worte der Creation; und * ter Creation wird ir
MN 5 3
244 Von der WunderLinea Gap. zr.
den und erkannt das Weſen aller Weſen; undin dem Wefen
aller Weſen der ewige Berfland der Heil. Drepfaltigfeit / als?
Dann hören auff die Streite umb die Erfäntnüg Gfttes feines
Weſens und Willens: Wenn fich die Aeſte werden erkennen
Das fie im Vaume ſtehen / fo werden fle nimmer fagen / ſie find ei⸗
gene Vaͤume / ſondern fie werden fich in ihrem Stamme erfreuen/
und werden ſehen daß ſie alleſambt nur Aeſte und Zweige eines
Baumes ſind / und daß ſie alleſambt Krafft und Sehen aus einem
einigen Stamme haben.
53. Und allhie ſoll Mofes der Schafe hüten) und ein
jedes Schaf iffer feine eigene Wende / darumb merdet
wann dieſes nahet zu geſchehen / fo verfimdiget NOAH
die Suͤndfluth / und ELIAs führet das Feuer-Schwerd
über das falſche Iſrael; und die Turba im Feuer des
Grimmes verſchlinget den wilden Baum mit denFruͤch⸗
tenund Aeſten: Das laß dir gefager ſeyn Babel.
54. Denn von Sensihs Göttlicher Zeit ıft ung die
Sprache benommen/ weil das Babel nicht wehrt ift/
auch nicht ſchauen ſoll / fo wohl auch die Zeiten der Alter
zu eneblöffen / welcher Zahl in der Lilien Roſen offen fie:
hen foll. i
Das 31. Capittel.
Bonder Wunder:Linea aus Henoch.
L Dr Ofes fchreibet: Henoch zeuget Methufalah : Dies
fer Name Heiffer in der Natur⸗ſprache alfovicl /
als eine außgehende Stimme / welche den Geift
Enochs andentet : Welche Stimme fich in cin
Corpus fafjet/ alsindie Natur/und gehet in ſtar⸗
cker Macht durchs Wort aus ; und wenn das gefafte Wort aufs
gegangen ift / ſo beſchauet fihs : Denn die Sylbe (SA iſt ein
feuriſcher Schein s und die Sylbe ( LAB ) iſt das außgegangene
Wort / das befchauet die Eigenſchafft was vor ein Ens das fey /
darinnen lich Das Wort habe gefaffet: Der Göttliche Hall be⸗
ſchauet fich in dem wenſchlichen Ente und Worte / wie don der
freye Wille aus menfchlichem Ente habe den Göttlihen Hall
bder Hauchen in eine Form des Geiftes eingeflihrer.
2. So fpricht nun Moſes: Und Methufalah zeugte Lamech:
Der Geiſt aus Methuſalah führere fich nun aug dem Ente im
seinen
Qapzr. aus Henoch. 24$
einen andern Zweig / und hieß ihn Lamech / als eine Beſchauung
des groflen Schadens / dag der menfihliche Ens verderbet wäre?
Denngleich wie der Samech in Cains Linea den Schaden der
Verderbung auffprach / und fagte vonder fieben und ſiebentzig⸗
fachen Rache über den freyen Willen / welcher das Leben ver⸗
derbte: Alfo auch allyie ſprach der Göttliche Geift s der menſch⸗
liche Ens ift Lamech / das iſt / der Schaden iſt zu groß / und ſchwe⸗
bet oben: Ob gleich der ſtarcke Athem SOttes in Methuſalah aus
dem Prophetiſchen Halle ausgieng/fo formte fich doch das Ens in
der Fortpflantzung in der verderbten Natur in Larmech / das iſt / in
der zween Willen/wie Moſes ſaget: Der erſte Lamech in Cains
Linea habe zwey Weiber genommen / als Ada und Zilla: Alſo
wolte es auch allhie nicht anderſt ſeyn.
3. So ſpricht num Moſes: Und Lamech zeuget Noan: Mit
dieſem Namen gehet der Geiſt aus dem Schaden Lamechs ins
Ende der Zeit / und fuͤhret das Ende in Anfang: Denn Noar
heiſſet in der Natur⸗ſprache Ende und Anfang : So findet der
Geift im Ende das heilige Wort das fich hatte im Bunde ein⸗
verleibet/ und fpricht : Diefer wird uns tröften in unferer Mühe
und Arbeit auff Erden / die der HErr verfluchet bat.
4. Dann der Troſt der Menſchen ſolte aus dem Anfange und
Ende kommen / denn im Anfang iſt und war das Wort GOttes /
das iſt aller Dinge Anfang / und im Ende iſt auch das Wort GOt⸗
tes / das iſt aller Dinge Troſt / daß die Creatur ſoll von der Eitel⸗
Feit erloͤſet werden; dahin ſah der Geiſt / und ſagete: Dieſer (da
meynete er das Wort das ſich wolte in der Menſchheit offen⸗
bahren ) wird uns troͤſten in unſerer Muͤhe auff Erden / die der
HErr verfluchet hat; Denn Noan konte die Menfchen nicht trö>
feenjdent er predigte ihnen die Straffe und den Untergang : Aber
der im Anfang und Ende war/der tröftete die Menfchen in ihrer
Mühe auff Erden/ die fie im Sluche und Zorn GOttes hatten.
5. In diefem Namen Noan fichet der Geift in Lamech für
ſich ins Ende / und hinter fih in Anfang / und faffer fich im An⸗
fang und Ende in eine Form / und heiffet diefelbe No a n,dasift/
‚ein Kaften der Wunder / wasim Anfang um Ende / undinder
gangen Zeit wäre ; und führet denfelben Geift der gangen Form
durch Noah aus in dreyerley Zweige / welche aus dem Baume
der Wunder / als aus dem Prophetifchen Ente des Enochs / in
suenfchlicher Eigenfchafft außgiengen / und davon faget Mofts :
Und Noah zeugete Sem / Ham und Japhet / Das waren die drey
Zweige der andern Monarchia ; darunter uns treffliche Ge⸗
heinmuͤſſe zu verfiehen fine, 83 6.8
2466 Von der Wunper-Linea Cap 31.
6. Sem heiffet eine außhauchende Göttliche Suft aus der
PBundes-Linea, aus dem Leben des Menfchen und eine Faffung
Der Suft/als ein Fuͤrbilde deffen / was unter der Luſt verkorgent-
lich hernach drang: Deuter an die Menſchheit Chriſti imgFleiſche /
deſſen Fuͤrbilde war Sem / als ein Fuͤrmodelung in derſelben
Luſt / in welcher Luſt auch hernach der Bund mit Abraham ge⸗
machet ward von dem Weibes⸗Saamen / darinnen der Seegen
erſcheinen ſolte.
7. Den andern Zweig hieß der Geiſt Ham / das heiſſet ein
ſtarck Hauchen aus dem Centro der Natur / und ein grob Faſſen
in ein Fleiſch: Das deutet an den irrdiſchen / natuͤrlichen / fie iſch⸗
lichen Menſchen / welches den Sem in ſich gefangen haͤlt / als den
ännern Menſchen / welcher vom Tode aus der Erden auffſtehen
Toll: Verficher den Menfchen aus dem Limo des guten Theils
Der Erden/ welcher in Sem in die Göttliche Luſt gefaffet ward.
8. Nicht verftchen wir dadurch den gang geiftlichen Men
Shen / der nur als ein Geiſt ift / fondern den aus dem Limo der
Erden des guten Theils/ der in dem Ham / das iſt / in dem groben
shierifchen Fleiſche gefangen Fieget/umd ohne die Goͤttliche Luſt als
pie tod ift/ welchen der geiftliche Ehriftus/als der gan geiftliche
Wenſch follam Ende der Tage im Noah / das ift (aus dem Ans
fang und Ende )anzichen: Diefen verborgenen Menfchen vers
ſchlinget fein grober irzdifcher Bruder Ham /als das grobe irr⸗
diſche Fleiſch / das kein nutze ift. ( Joh. 6.)
9. Und aus der Luſt des Sems entfpringet der dritte Zweig
aus dem Centro der Natur / da fich die Göttliche Luſt Durch die
Natur ſchauet / dehn hieß der Beift Japhet/das ift in der Natur»
ſprache ein Anhenckel des Sems / eine Gebuhrt aus Cains Wun⸗
der⸗ Linea, da ſich tie Göttliche Luſt durch die Natur im cine
Form der Wunder Goͤttlicher Weißheit einfuͤhret / mit Sem in
eine Beſchauligkeit der geiſtlichen Wunder in der Heiligkeit
GHttes / und in Japhet in ein natuͤrlich Wunder / als im den
Septenarium der ewigen und zeitlichen Natur ; verſtehet in eine
Form des fiebenfachen Rades oder Lebens⸗Geſtaͤltnuͤ ß / in wel>
chem Lebens⸗Rade der Geiſt GOttes außſiehet als ein Blitz der
Wunder.
10. Sem iſt ein Bilde der Liecht⸗Welt / und Japhet ein Bilde
Der Feuer⸗Welt / da das Liecht durchſcheinet: Japhet ein Bilde
des Vatters / und Sem ein Bilde des Sohnes: Aber Ham iſt
sin Bilde der aͤuſſern Welt. *8
Br, Denn in den drey Bruͤdern ſtund das Fuͤrbilde en
* ende, IRA 9 A
Eap-3 r aus Henoch. '247
Principien / und zeiget an die andere Monarehia, biß ans Ende
der Welt / was vor Menſchen würden hinfort die Welt beſitzen /
als eine geiſtliche Welt / und eine nat uͤrliche Welt der Wunder /
und eine thieriſche Welt der Thorheit 2 Das find dreyerley
Menſchen / als aus Sems Gefchlechte kam Iſrael; und aus Ja⸗
phets die Heyden / welche ſich im Liechte der Natur regiereten /
Sems aber im Bunde und Worte GOttes; der Ham aber in
thieriſcher / viehiſcher Eigenfcharft/ über welchen auch der Fluch
GOttes infeinem Vatter Roah durch den Geift gieng; dann
Chriſtus ſagte / das Fleiſch und Blut fol GOttes Reich nicht
erben.
12. Und Mofes fpricht nun weiter : Da fich aber die Menſchen
begunten zuanchren auff Erden / und zeugeten ihnen Toͤchter / da
ſahen die Kinder GOttes nach den Toͤchtern der Menſchen / wie
fie ſchoͤne waren / und nahmen zu Weibern / welche fie wolten:
Da ſprach der HErr: Die Menſchen wollen ſich meinen Geiſt
nicht mehr ſtraffen laſſen / denn ſie ſind Fleiſch: Ich wil ihnen
noch Friſt geben 120. Jahr. Allhie hat Moſes abermahl den
Deckel fuͤr ſeinen Augen / denn er ſaget: Die Kinder GOttes
haben nach den Töchtern der Menſchen geſehen nach ihrer Schoͤn⸗
heit / und haben zu Weibern genommen / welche fie wolten / und
haben ſich ſeinen Geiſt nicht wollen ſtraffen laſſen.
13. Dieſes heiſſet fo viel: Die Kinder GOttes in welchen
ſich GOttes Geiſt offenbahrete / die ſahen in Fleiſches⸗Luſt nach
fleiſchlichen Weibern / ob fie gleich Hams Arth waren ohne GOt⸗
tes Geiſt / wenn ſie nur ſchoͤne waren zu ihrer Fleiſches⸗Luſt / fo
führeten fie den Saamen des heiligen Entis in folche thierifche
Gefäffe/ und gebahren hernach ſolche Iyrannen und fleiſchlich
gefinnete Menfchen / welche fich den Geift GOttes nicht wolten
ftraffen laſſen / denn fie waren. nur Fleiſch ohne Göttlichen Geift
und Willen,
24. Sie ſolten fihnicht mit den viehiſchen Töchtern miſchen /
fondern nach dchnen fehen / in welchen der Geift GOttes wäre/
welche GOtt fürchteten und licheten / fo fahen fie auff Augen=
und Fleiſches⸗ Luſt / und verderbten der heiligen Ens im Bunde /
im welchem ſich GOtt hatteeinverleibet : Uber diefe klaget allhie
der Geift / fie wolten fich nicht meifen laſſen / fondern folgten des
Sleifches Luft.
25. Diefen Spiegel —* wir fein an Sem / Ham und Ja⸗
art: Daß dehme alſo ſey dag der Geiſt nicht wolte haben / daß
ſich Die Kinder GOttes sa Eure Neuſchen milden
— ent
9
248 Von der Wunder inea Cay.zr
denn nach der Suͤndfluth theifete der Geiſt die drey Brüder in
drey EN und wolfe dag cin jedes Befchlechte bey dem
feinen bliebe, PR
16. Denn darumb Fam auch die Suͤndfluth auff Erden / daß
fie die ſe vermifchte Voͤlcker verderkte / und hernach eine Entſon⸗
derung unter ihnen machte/nach Arth der drey Principien/dag ei⸗
ne jede Eigenfchafft feinen Ehor und Lineam in der Natur der
Wundern beſaͤſſe /aber es wolte noch nicht helffen ; So entſchei⸗
dete fie doch endlich der Geift mit Berwirrung der Sprachen zu
Babel / day fie doch in eine Theilung kamen / denn die Eigen»
fharften des Baumes theileten ſich Damahls in fieben und fie=
bentzig aus / als in das Wunder der Natur des geformten Worts.
17. So ſpricht num Moſes: Da aber der Hr: ſahe daß
der Menſchen Bofheit groß war auff Erden / und alles dich»
ten und trachten nur böfe war auff Erden in ihrem Hertzen
immerdar [Da reuete es ihn / daß er die Menjchen gemacht
hatte auff Erden] und es bekuͤmmerte ihn in feinem Hertzen /
und fprac) : Ich wil die Menſchen die ich gefchaffen babe
vertilgen von der Erden / von den Menfchen biß auff daß
Viehe und Gewuͤrme / und allesGevögel unter dem Himmel;
Denn es teuer mich / daß ich fie gemacht habe, Dieſes find
Wunder⸗Reden / daß der Geift faget/ es reue GOtt daß erdie
Menſchen und Creaturen gemacht habe: Wer wolte das verſtehen
vhne Goͤttliche Erkaͤntnuͤß / daß den unwandelbahren GOtt etwas
gereuen ſolte / fo würde die Vernunfft ſagen: Hat ers dann nicht
vorhin gewuſt was es werden ſolte; Wie mag ihn ſein Willen
reuen der er ſelber iſt?
18. Allhie muß man ins Centtum gehen. In Gogtt iſt Fein
gereuen | ihn kan nichts gereuen: Aber in feinem außgeſproche⸗
nen geformten Worte iſt ein Reuen / denn es reuet das geformte
Wort in Teufſeln / daß aus einem Liechts-Ente ein Ens der Fin—
ſternuͤß worden iſt: Es reuet den Teuffel daß er nicht ein Engel
blieben iſt. Item: Es reuet den gottloſen Menſchen ewig / daß
er in Goͤttlichem Ente, int geformten Worte geſtanden iſt / und
hat die Krafft des Worts in Boßheit verwandelt : Alfo iſt ein
Reuen im geformten Worte in der ratur über alle Geſchlechte /
daß die Eigenfchafft des Grimmesim Fluche des Zornes / im ge>
formten außgefprochenen Worte herifchet: Es reuet das Liebe⸗
Ens aus dem Worte daß der Teuffel und Grimm in ihme herr⸗
ſchet und viel verderbet.
19 Wenn nun Gott ſpricht / es reue ihn / fo verfichet gi
2 ie nA
Gap.zr. "aus Henoch. 249
stach der Creation des gefermten Wortes : Nicht nach dem ewig
ſprechenden Worte / welches unwandelbahr iſt / fondern nach der
guten Eigenfchafft in der Creation, daß fie foll mit der böfen
über ihren Willen befaden feyn ; denn der Beift faget in Mofe :
Und es habe ihn bekuͤmmert in feinem Herken : Ja wohl recht
hat es ihn in feinem Hertzen befünmerk : Der gute Ens der Erz
den der mit in eine Compact on gegangen ift/ der ift aus der
geiftlihen Welt Eigenfchafft aus dem heiligen XBorte/ der ward
in der Sünde im Tode gefangen /und in der Erden im Fluche
verſchloſſen. Jetzt reuete es das geformte Wort / und bekuͤm⸗
mierte das ewwig-fprechende Wort / als GOttes Hertze.
20. Denn unſer Seele ſchreyet in GOttes Hertze / als in das
ewig⸗ ſprechende Wort / und beweget oder bekuͤmmert daſſelbe /
dag ſich daſſelbe nach feiner Siebe ſoll in uns bewegen. Jetzt
wuͤrcket das menſchliche Wort im Goͤttlichen / und bekuͤmmert
das Goͤttliche / daß das Goͤttliche in unſer Suͤnden⸗Reuen ein⸗
gehet / und huͤlfft uns unſere Suͤnden reuen: Denn der Geiſt
bey Moſe ſagte / als Lamech den Noah gebahr: Dieſer wird uns
troͤſten in unſerer Muͤhe.
21. Das war nun der Geiſt des Anfangs und Ende aller
Dinge / dehn reuete durch die Natur der Menſchen Boßheit / und
das Gefaͤngnuͤß der Eitelkeit der Creaturen / und wuͤrckete Buß
in das heilige ewig-fprechende ABort : Der Geiſt im geformten
Norte der ganken Creation dieſer Welt ſprach: Es reuet mich /
daß ich mich habe in eine folche böfe Eigenfhafft in den Creatu⸗
ren eingeführet z Und wuͤrckete Buffe in das lebendige ewig⸗
fprehende Wort) daraus das außgefloſſene geformte Wort war
aufgegangen.
22. Denn dag dehme alſo wäre / fonchmen wir uns. cin Er»
einpel an unferer Buſſe: Wir können keine Buffe wuͤrcken / es
reue dann unfern inner Seelen-Menfchen /dag er ns Thier .
der Eitelkeit in fich geſchaffen oder gebohren habe : Soll es ihn
aber reuen / fo muß fein geforntes Wort in GOttes Herge ein⸗
fallen und dasfeibe bekuͤmmeren / und in ihme bewegen ; und ſo
das num geſchicht / fo komt alsbald die Suͤndfluth über den boͤſen
Menfchen des eitelen Willens / der mug alsbalde in feinem
Neuen im Worte des Todes erfanffen : Da reuet es GOtt im
Menſchen / daß das böfe Ihier voll Suͤnden⸗Begierde gebohren
iſt / und in derſelben Göttlichen Reue muß es in GOttes Liebe
erſauffen / und des grimmen boͤſen Lebens und Willens ab>
erben.
J—— 23.88»
250 Von der Wunder Linea Kap.zr.
23. So verſtehet nun GOttes reuen in dem Geſchoͤpffe der
Creaturen recht: Der Geiſt in der gantzen Creation / in allem
Leben das im Fewer und Lufft lebet / ſprach: Es reuet mich / dag
ich dieſes Bilde der Eitelkeit an mic) habe figuriret; und dieſelbe
Reue des geformten Geiftes im ausgefprochenen Worte be>
kuͤmmerte / das iſt bewegte das ewigfprechende Wort in ihme:
So ſprach das ewige Wort: Ich wil ihnen noch friſt geben
120. Jahr / denn alfolange waͤhrete noch die Zeit im Reguͤnent
des Geiſtes Seths / alsdan ſoll die Turba in allem Fleiſche unter⸗
gehen: Dan dieſes reuen war anders nichts / als daß das Wort
am Bunde der Menfchen Elende und Eitelkeit reuete / und wolte
Die Menſchen aus dem Wunde durch Noam troͤſten / welcher
Zroft fich in Abraham) alsin Ehos Eröffnung erft eröffnete.
24. Denn der Troft gieng in der Bundes-Linea fort / und er⸗
oͤffnete ſich mit feinem Zweige in feinem rechten Ziehl: denn
GOTT hat alle Dinge in ein Ziel geſchloſſen / wenn jedes Ding
geſchehen ſoll; und aus dem Troſte des bewegenden Worts im
Bunde kam das Urtheil / daß der alte Adamiſche Menſch mit allen
ſeinen Begierden und Luͤſten ſolte im Bunde / wenn ſich der wuͤr⸗
de im Fleiſche eroͤffnen / im Blute derſelben neuen Meuſchheit
Chriſti erſauffen und erſterben; und ſolte aus dem Troſte des
Bundes aufſtehen ein neuer Menſchlicher Geiſt und Wille / der
an Gerechtigkeit und Reinigkeit lebete; deſſen war die Suͤnd⸗
fluht ein Fuͤrbilde.
25. Denn das acforınte Wort im Leben kam die Neue aus
dem Bundean/ und darum weil daffelde Wort der Eitelkeit
reuete / fo mufte auch die Eitelkeit der Creatur erſauffen; denn
Der Wille im Bunde gieng aus der Eitelkeit aus / und bekuͤm⸗
merte das Leben GOttes / und bewegte die Matrix der Natur in
des Waſſers Gebuhrt / und erſaͤufte den feuriſchen Grimm in
der Fewers⸗Natur.
26. Es klaget aber der Geiſt ſonderlich uͤber die Menſchen
deym Noah / Über die Sodomitiſche viehiſche Luſt ſeuche des Flei⸗
ſches / als uͤber Unzucht und Geylheit: und zum andern uͤber die
Gewaͤltigen und Tyrannen / welche ſich haben in eigener Luſt
herfuͤr gethan / und geherrſchet / und nicht mehr wollen den Geiſt
Gottes in ſich laſſen herrſchen / daß ſie ſich hätten ſelber ohne
Herrſchaft gezwungen: Diefesalles war ein Eckel vor GOTT
und reuet den Geiſt im geformten Worte / daß er ſolche boͤſe
Thiere gebohren hatte / und wolte derer nicht mehr.
27. Eben derſelbe Prophetiſche Geiſt / deſſen — ſich r.
a 2 ine
Cap. 31. aus Henoch. 251
Henoch eroͤffnete / welcher beym Henoch ſeine Lineam fortrieb
mit feinen Zweigen / der beym Noah der Menſchen Boßheit
reuete / und fie mit der Suͤnd⸗fluth erſaͤuffete: Der iſts der
jetzo auch der groffen Sünden und Eitelkeit ver Men:
ſchen reuet / denn fein Mund ift ihme anjetzo anfgethan/
er iſt im Geiſte Chriſti verzuͤcket geweſen: Nun reuet
das Wort das Menſch ward der Menſcben Eitelkeit
und Boßheit / daß firh feine Kinder des neuen Bundes
nicht mehr wollen faffen ven Geiſt Christi ziehen: Go
komt derſelbe —rzer Mund anjetzo herfuͤr / denn
es iſt die Zeit feiner Offenbahrung | und verkuͤndiget die
grofe Sintfluth GOttes Zornes | und das Fewer—
ſchwerd Elie , welcher auch ins Mylterium verzucket
ward / denn er foll fein Schwerd in der Turba führen.
28, Das laß dir Babel geſaget ſeyn / er klaget maͤch⸗
fig über deine viehiſche Unzucht und Tyramney deiner
eigenen genommenen Geroalt | damit du ſtoltz und gen!
biſt / und pa dich damit in GOttes Regiment geſetzet:
Er wil dich in deiner Tyranney und viehiſchen Unzucht
mit Fewer des Zornes erfaͤuffen: Weil du nicht wilſt
deiner Eitelkeit reuen! fo reuet ex durch dich mit der
Turba und wil deine Turbam erfäuffen } auff daß fein
Reuen in ſeinen Kindern offenbahr werde / und auch fein
Troſt der Erquickung ans ferner Reue offenbahr werde.
29. Denn ohne GOttes Reuen iſt in uns keine rechte Reue
über die Eitelkeit / denn der natürliche Geift begetzret nicht zu
reuen; und koͤnte er noch grinmmiger und boͤſer ſeyn / ſo liebte er
ſich darinnen / denn es iſt des Natur⸗geiſtes Stärke und Macht;
aber das Wort GOttes das ſich in der Schoͤpffung hat mitin
das Menſchliche Ens zu einem Fräfftigen Leben eingegeben / daſſel⸗
be fo es beweget wird / das reuet dag es ein ſolch boͤſes Thier in der
geformten Natur an ſich hat / das ſpricht: Es reuet mich / daß
ich das Boͤſe Thier in der Natur geſchaffen habe.
30. Aber dieſe Reue iſt nicht eine Reue zur Nichtigkeit / daß
er der Cregtur nicht mehr wolte / ſondern es iſt eine Reue / die
GOttes Herse I als das heilige Göttliche Wort bekuͤnmert und
beweget / und ſetzet dem natuͤrlichen Geiſte eine Zeit zur Buſſe /
daß er ſoll in die Goͤttliche Pens wo aber nicht / ſo he
erden
252 Von der WunderLinea Gap.zr.
‚er den natürlichen Geiſt in feinem böfen Willen und Weſen
erſaͤuffen / wie bey ver Suͤnd⸗fluth geſchahe.
3. GOTT ſprach: Die £rd: iſt verderbet / und voll
Frevels / und alles Sleifches Ende iſt für mich kommen /
ich wil fie vertilgen. Allyierift abermahls ein groß Geheim⸗
nuͤß / aß GOTT fagte: Die Erde wäre vor ihme verderbet/alles.
Fleiſch hatte feinen Weeg verderbet / die Erde ſey voll Frevels
von ihnen vor ſeinen Augen: Die Erde war vorhin beym Cain
nach der Eitelkeit Eigenſchafft verfluchet worden: Nun ſagte er
‚aber auch an dieſem Orthe / alles Fleiſch habe ſeinen Weeg ver⸗
derbet / es ſey alles Fleiſches Ende vor ihne kommen. Dieſes iſt
nicht ſo ein ſchlecht Ding wie man es anſehen wil / denn der Geiſt
klaget uͤber alles Fleiſch / es ſey alles eitel vor ihme worden / und
ſey voll Frevel.
32. So ſpricht nun die Vernunfft: Ein Thier ſuͤndiget nicht/es
thut nach ſeiner Natur Eigenſchafft; was mag ihm Frevel zuge⸗
zehlet werden: Alſoweit kommet die Vernunfft / mehrers weiß
fie nicht / verſtehet auch nichts vom goͤttlichen Geheimnuͤß: Sie
verſtehet nichts vom geformten Worte / das ſich durch die Natut
der Zeit hatgeformet: Sie ſaget nur / GOtt hats geſchaffen / und
betrachtet nicht daß alle Ding ſind im Worte geſchaffen / daß ſich
Das Wort habe in ein Ens eingefuͤhret und compactiret; Sie
wil auch nichts von der ewigen geiſtlichen Natur Goͤttlicher
Affenbahrung wiſſen / ſie verſtehet nichts vom Grunde oder Ur⸗
ſtande der aͤuſſern ſichtbahren Welt mit ihren Creaturen / wenn
ſie ſaget: GoOtt hat alles aus nichts gemacht / fo meynet ſie / fie
babe cs ausgeſprochen / und iſt doch gantz blind und ſtumm daran:
. Sie fihet nur die aͤuſſere Farbe an / und weiß nicht woraus die
herkommen: Alſo iſt ſie nur in einer auſſerlichen Farbe gelehret /
und ſchwaͤtzet von einem Gemahl⸗-wercke / vonder Huͤlſe; und
vom Ente, davon die Farbe urſtaͤndet / iſt ſie ſtumm,
33. Der Geiſt klaget über alles Fleiſch auff dem Erdbodem /
was in Lufft und Fewer lebet: Die aͤuſſere Natur in allem Le⸗
ben haͤtte ſich verderbet / und das geformte ausgeſprochene Wort
in ein Ens der Eitelkeit gefuͤhret / das war der Frevel und eigene
Muhtwill des natuͤrlichen Lebens: Der Geiſt der Natur der
im Fewer ſei en Urſtand nimt / hatte ſich in feiner feuriſchen
Eigenſchafft erhebetaund in ein grimmes Leben eingefuͤhret / und
ſich biß ans Ende der Sanfftmuht getrieben.
34. Denn der Teuffel war ein infliegender Fuͤrſt in des
Grimmes Eigenfchafft / welcher dem Centro der anffern Natur
m
Cap. 31. ansKHenoch. 253
inder Fewers Matrice hatte Urfache gegeben / und nicht allein das
natürliche geben der Menſchen verderbet / fondern auch Die Crea⸗
turen: Denn er bewegte die Menfchen im Zorne GOttes / welche
die Creaturen zu ihrem Dienfte und Speife brauchten/ dab auch
der Fluch und die Eite keit in allem $eben offenbahr ward/dag der
Mensch in allem feinem Wandelim Zluche und Eitelkeit ftund/
und kam inder Eitelkeit im Fluche big an den Abgrund /alsans
Ende diefer Welt: Darum ſprach der Geift: Alles Fleiſches
Ende in ihrem Frevelift fuͤr mich kommen; Alles Leben hatte ſich
durch des Menfchen Eiteffeit ander aͤuſſern Natur Ende ge>
bracht/ und ſtund der Schlund des Grimmes inder Ratur offen /
und wolte alles im Grimme verfihlingen. i
35. Denndas Reich GOttes Zorneszals die finftere Welt in
ihrer Eigenfhafft/ hatfich empor geſchwungen / unddas gute
Theil der Natur ans Ende geführet : Darum bewegte oder reuete
das geforınte ausgefprochene Wort durch alles Sehen diefer Ei>
telkeit / daß es den Ekel an ſich ragen folte/und ſprach: Es wolte
die Gebaͤhrerin der Eitelkeit aus der Fewers-Mutter mit Waſ⸗
fer vertilgen / und ihr den Gewalt brechen.
36. Denn vor der Suͤnd⸗fluth iſt die Fewer-⸗wurtzel maͤchti⸗
ger geweſen / als die Waſſer-wurtzel / und ſolches vom Urſtande
der feuriſchen Bewegung / als in der feuriſchen Eigenſchafft das
Fiar geſtanden / und die Erde und Steine compactiret: Da iſt
ein groſſer Grimm in der Natur geweſen / und ſolches von der
Ausſtoſſung oder Verwerffung des Hierarchen Luciſers indie
Finſternuͤß.
37. Und allhie mit der Suͤnd⸗fluth ift der grimmen Fewers⸗
wurtzel im Centro der Natur der Gewalt genommen worden:
Denn des geformten Worts Reuen war andersnihts/ alsein
Fürbilde Chriſti / da das ewige lebendige göttliche Wort in men⸗
ſchlicher Eigenſchafft / in dem geformten Creatuͤrlichen Worte
unſer Suͤnd und Eitelfeitrenete/ und derſelben Eitelkeit in ſei⸗
nem Tode in der Creatur abſtarbe / und das geformte Creatuͤr⸗
liche Wort in menſchlicher Eigenſchafft mit goͤttlichem Waſſer
der Liebe und Sanfftmuth in dem heiligen himmliſchen Blute
erfauffete, 2
38. Alfo auch an diefem Hrthe reuete das geformte Wort dar
Eitelkeit der Creaturen daß lie damit beladen wären / und fuͤhre⸗
te das Leben aller Creaturen in Tod / und bewegte in ſeinem Reu⸗
enden Sanfſtmuht des Waſſe r⸗quaͤlles in der Ratur / daß ſich
auffthaͤten alle Brunnen der Tieffe wie Moſes ſaget / und ver⸗
87 bdlans
-
254. Von der WunderLinea ꝛc. Cap.zr.
ſchlang den Fewer⸗quaͤll im Waſſer: Das deutet dem Menſchen
an die Tauffe Chriſti / da der Fewer-quaͤll der Seelen im Zorne
GOttes / im Worte des Bundes Ehrifti mit dem wiedererbohr⸗
nen Waſſer des Geiſtes (verſtehet Geiſtlichem Waſſer) getau—⸗
fet ward / daß das Göttliche Zorn⸗ ſewer ſoll erloͤſchen: Wie oben
von den ſteben Zeiten gemeldet worden / daß ſich eine jede Zeit der
ſteben Gradus der Natur habe an ihr Ende gefuͤhret / und am
Ende iſt ein Reuen uͤber den Eckel geweſen; und im Reuen iſt
die Turba zerbrochen worden.
39. So ſehet nun / allhie beym Noah mit der Suͤnd⸗fluth war
Die andere Zeit / als des Serhs am Ende / und beym Adam im Fal⸗
le / als ihn luͤſterte von der Eitelkeit zu eſſen / war die erſte Zeit
am Ende.
40. Beym Adam reuete das Wort / und gab ſich mit einem
Bunde ins Leben / das Leben zu troͤſten / und ihme zu helffen: Und
beym Noah reuete das Wort / und erregetealle Brunnen der
Tieffe in der Natur / und erſaͤuffete den Grinum / und eröffnete den
Gnaden-bimd.
41. Undalf Enos Zeitam Ende war) zur Zeit der Kinder
Nimrot / reuete das Wortder Menichen Eitelkeit / dag fie nicht
mwolten GOTT erkennen / und erfauffete den Verftand der eini⸗
gen Zungen und zerthetlet ſie / und gab auf der Neue den gewiſſen
Berftand im Bunde mit Abraham.
42. Auch da Kenans Zeitam Ende war / daß die Kinder des
Bundes Abrahamsinder Eiteffeitder Dienftbarkeit gezwun⸗
gey wurden, forenete das Wort der Eitelkeit} und vertilgete
Pharao / und hernach alle Menſchen der Kinder Afracl inder
Wuͤſten / big auff Joſua und Caleb / und gab ihnen auf der Neue
Das Gefege feines Bımdes: Ein recht Fuͤrbilde Chriſti / welch er
den Ekel ſolte im Blute erſaͤuffen.
43. Alſo auch da Mahalaleels Zeit ans Ende kam / reuete das
Wort in hoͤchſter Reue / und brachte das Leben GOttes in Chris
ſto Jeſu / in das geformte Creatuͤrliche Wort im Menſchlichen
Ens und erſaͤufſete die Turbam im Menſchlichen Ente mit Got⸗
tes Liebe und Barmhertzigkeit / und gab ihnen den Geiſt des
Troſts und das Euangelium.
44. Auch jetzunder / da Jareds Zeit am Ende iſt / wel⸗
‚che mit Babel iſt verdecket geweſen / ſo reuet anicko das
Wort unferer groſſen Eitelkeit / und wil den Sckel mit
dem Schlund des Grimmes / mit Schwerd / Hunger)
Fewer und Tod vertilgen; und gibet auf ſeinem Reuen
u
Sap.z2. Bon den Bunde zwiſchen Gott ꝛc. 2 55
und Buͤſſen eine Lilie auß Henochs Munde in GOttes
Suͤſſigkeit. —* Ha |
45. Und wenn Henochs Zeit wird am Ende ſeyn / daß
die Eitelkeit inder Turba wieder wärhfet / fo Fomt die
allergröfte Reue über die Natur der Wunder /daß ſie
am Ende if} und ihr fein Raht mehr iſt: So komt die
letzte Bewegung mit der Turba im erſten Principio der
ewigen Natur} und verſchlinget die aͤuſſere Natur im
Fewer: Alldawirddas geformte ort der Eitelfeir
gang loß werden] und gibet auf der festen Reue die
heilige geiſtliche Welt / Amen.
Das 32. Capittel.
Bon dem Bunde zwifchen GOtt und Noch.
Bi - Ott ſprach zu Noah: Mitdir wilich einen Bund
auffrichten / und du folft in den Kaften gehen mit
deinen Söhnen und Deiner Söhne Weibern. Ein
groffes merdliches Erempel haben wir am Noah
und ſeinen Kindern: Der Bund ward mit Noah
gemacht) denn fein Geift war eine Erblidung des geformten
Worts inihme in dem Anfang und Ende der Zeit / und der An⸗
fang und Ende war das ewige Wort / das fich hatte in Bund vers
maͤhlet. In welchem Bunde die Seele Noah / alsdas geformte
Wort der ewigen Natur Genade fand / und die Beſtaͤtigung des
Genadenbundes erlangte.
2. Wie dan ſein Name eigentlich in der Natur⸗ſprache eine
Beſchauung des Anfangs und Ende heiſſet. In demſelben An⸗
fang und Ende / als in dem ewigſprechenden Worte des Batters/
welches fich wolte wieder im Menfhlichen geben eröffnen / ſtund
die Genade gegen Noah / daß SOtt den Bund mitihme beftäfigte,
3. Und haben ein trefflich Exempel / das wohl wuͤrdig iſt zu
melden an den dreyen Söhnen Roah / welche in dreyerley Linien
auß dem Stamm Adams in ihren Eigenſchafften waren: Wie
dan auch dreyerley Voͤlcker auß ihnen entſtunden / daß fie dennoch
GH im Guaden⸗bunde alle drey ſambt ihren Weibern cin>
ſchloß / und hieß fie mit in die Arcam, indie andere Monarchiam
gehen / und nicht den fleifhlichen Ham außſtieß.
4. Dieſes iſt erſtlich Hoch zubetrachten / wie allen Menfihen
eine
256 Von dem Bunde zwiſchen Gott Eap.z 2.
eine Benaden-thür offen ftehet/ und daf GOtt keine Wahl in die
Natur habe predektiniret/fondern dag die Wahl auf dem freyen
Wille entſtehet / wenn er fich vom Guten ins Böfe wendet.
5. Zumanderniftsein Bilde der drey Principien/ als Sem
der Geiſtlichen Siecht- welt im BundesundIaphet auf der Feuer»
welt / welche folteder Liecht-welt Haufgenog ſeyn / und ein Spies
gel der groſſen Freuden in der Liecht⸗welt; und Ham iſt eine
Figur des Limi der Erden / an welchem der Fluch und Zorn Got⸗
tes anhanget: Dieſe alle drey nahm GOtt In Bund mit Noah /
und fuͤhrete fie in Kaſten.
6. Dan ein jeder Menfh hat diefe. drey Welten an und in
ſich und der Bund im Worte ward darum gegeben / daß der
ganze Menfch folte erlöfet werden. —*
7. Denn Japhet bedeutet die Feur-ſeele / und Sem das Bild⸗
nuͤß GOttes auß der Liecht⸗welt / als den Geiſt auß dem Heil.
Worte; und Ham bedeutet den Limum der Erden mit dem
aͤuſſern Regiment der Lufft / und des Magiſchen Lufft⸗geſtirnes /
ſambt dem Leibe / welcher ſoll von dem Fluche durch den Bund
erloͤſet werden / und auß der Erden wieder auffſtehen. Dieſer
drey Principien waren die drey Brüder ein Bilde.
8. Nicht dag einer fey auf einem Principio allein entftanden/
Mein: Sem und Japhet hatten auch Hams Eigenfchafft in ich)
wie ſichs hernach außweiſete / welch cin böfe Vol die Zuden
waren. Allein man redet allyier vom Ober⸗Regiment / welch
. Principium die Ereatur habe im Auffern Leben in feiner Figur
gehabt.
9. Ham hatte das auffere irrdiſche elementiſche Neich Inder
Figur /welchesim Fluche ſtund: Darum ward auch fein Bilde
von ſeinem Batter im Geiſte verfluchet / denn das irrdiſche Bilde
ſoll nicht GOttes Reich erben: Aber er hat auch eine Seele ang
Adam / welche im Bunde ſtund / aber der freye Wille macht in
einer ſolchen Herberge ſelten was Gutes / und erlanget gar leicht⸗
Ach den Fluch über die Seele: Wie man dan ſiehet / daß der
Fluch hernach über dig Gefchlechte kommen ift/ dag fie Iſrael
mit dem Einzug ins gelobte Sand mufte vertilgen 5 ob wohl
nicht alle/jedoch war der Fluch uͤber ſie kommen.
ro. Ein fehr groß Geheimnuͤß iftan dem Kaften Noah / dehnt
ihn der Herr hieß alfo bauen / und ihme zeigete / wie hoch / lang und
breid er ſeyn folte / und auch mit drey unterſchiedlichen Boͤden /
auch von den Creaturen die er darein hieß fuͤhren; welches ein
ſolch Geheimnuͤß iſt / daß es auch der boßhaffte Menſch nicht
werth iſt zu wiſſen / und wir auch nicht im Brunde melden *
eun
Cap-32. und Noah. 257
Dem es hat feine Zeit darinnen es foll offen ftehen/
als in der Lilien Zeit) wenn Babel ſein Ende hat. Se:
dochetwas zu entwerfen und unferın Zweige | welcher
aus unferm Ente diefer Sifien zu feiner Zeit herfuͤrbre⸗
chen und wachen foll] welcher eine Hofe in der tilien-
Zeit ſeyn wird] einen Anlaß zu geben] wollen wirs ihme
ineiner heimlichen Deutung entwerfen. |
ı1. Das Geheimnuͤßder H. Dreyfaltigkeit: Item / dis drey
Principia: Item / die drey Soͤhne Noah: Item / die drey Maͤn⸗
ner / welche Abraham im Hayn Mamre erſchienen: Item / das
Geſicht des groſſen Tempels in Ezechiel / und die gantze Offen⸗
bahrung Jehannis gehoͤret in dieſe Figur; auch der Tempel zu
Jeruſalem.
12. Nimm fuͤr dich die Figur des Kaſtens mit ſeinen drey Voͤ⸗
den / mit ſeiner Hoͤhe / Laͤnge und Breite / und ſetze ihn in die 3.
Principia: Eroͤffne in den 3. Principiis das Geheimnuͤß der Hie⸗
rarchien Chriſti in drey Unterſcheide der Himmel / welche doch
nur einer ſind / aber in drey Eigenſchafften / wie Feuer / Liecht
und Lufft drey ſind / und Doch nur eines: Setze in die ſe Unter⸗
ſcheide die drey Söhne Noah / und fahre aus ihren Eigtnſchaff⸗
ten in die Welt / in ihre Monarchiam, welche waͤhret biß ans
Ende der Tage. Item / nimm fuͤr dich das geformte Wort nach
allen 3. Principien , fo wirſtu allen Grund finden: Sonderlich
nimm für dich Mofen/ Eliam und Chriftum inihrer Erſchei⸗
nung und Verklaͤrung auff dem Berge. Aller diefer Figuren
ift der Kaften Noah das erfie Bilde / und die Hierarchia Chriſti
iſt die Erfüllungam Endeder Tage. Den unfern genug.
13. Und der Her: fprach: Gehe in den Kaſten / Du und
dein gantzes Haus / Dan dich habe ich gerecht erfehen vor mir
zu diefer Zeit: Die Schrift faget fonft : Bor bir ift fein leben⸗
diger Gerccht / fo du wilft Sünde zurechnen. Allhie aber ſaget
GOTT : Dich habe ich gerecht erfchen vor mir zu dieſer Zeitz
Nicht wardie Ereaturder Gercchte ohne Ubel / fondern der / der
fich in-Noah zu dieſer Zeitaus denn Bunde cröffnete/ welchen
Das Ubel diefer Zeit reuete / und fein Reuen in Gottes Liebe und
Erbarmen einfuͤhrete / und alfo Die Gerechtigkeit des Erbarmens
in Das Neuen einführete/ md den reuenden Geiſt im Entedes
Bundes in der Ercatur offenbahrete: Alfo war Noch gerecht
vor GOTT zu diefer Zeit) da fich der Bund in ihme bewegte;
der Geift faget klar: Zu diefer Zeit; hierumter lieget die Gerech⸗
tigkeit, 14.Dies
258 Von dem Bunde zwiſchen Gott Cap.zz,
14. Dieſe Zeit iſt die Bewegung des Bundes / welche Noam
gerecht machte: Denn das war die Zeit / als Noah fein Leben in
Mutters Leibe bekam / fo erblicket fich der Geiſt aus Dem goͤtt⸗
lichen Ente des geformten Wortes mit feinem erften Schens=blick
in den Anfang / Daraus das Leben war kommen / und ins Ende/
Bas war das Reich Chriſti: In dieſem Blicke empfieng das $e>
ben Noah die Gerechtigkeit im Ziehl des Bundes zu diefer Zeit/
dan das war die Zeit in ihme / da er gerecht erfunden ward.
25. Acht Perfohnen führete GOTT inden Kaflen / und aus
dem reinen Biche ja leben und ſie ben das ift das Maͤnnlein und
fein Fraͤulein. Sieben Perfonen die deuten an die ſieben Eigene
ſchafſten des natürlichen $ctens/ dag GOTT wilaus allen Eis
genfchafften Kinder in feine ewige Arcam haben : die achte Prrfen
war Noah / und unter Noah war der Gerechte / das war der
Bund / daraus das Reich Ehrifti folte kommen /darinnen ſtund
der Kaſten Noah. Der Kaſten aber hatte drey Boͤden / das ſind
drey Principia in einer einigen goͤttlichen Offenbahrung / denn
eine jede Eigenſchafft der dreyen hat ſeinen eigenen Himmel in
ſich / und feine gewiſſe Choren.
16. Die ficben paar der reinen Thiere find auch eben dieſes
Geheimnuͤß / denn das Centrum hat ſieben Eigenſchafften / und
in der göttlichen Krafft ſind fie doch mr eines Aber nach der ewi⸗
gen Natur nach göttliher Offenbahrung find derer ſieben:
Deutet an / daß die Ereaturen find aus dieſem fiebenfachen Ente
in ein Leben geführet worden / da ein jeder Grad wieder ſieben in
ſich hat zu feiner Offenbahrung / daraus die Unendligkeit / als
Die Form der Weisheit Gottes erſcheinet / und dag in der ge⸗
ſormten Weißheit derer Bildnuͤß nicht vergehen ſoll: Obwohl
ihr Leben und die Creatur / fo zeitlichen Anfang hat / vergehet/
fo foll aber die Form in göttlicher Weißheit / als im Ente des
geforiuten Wortes in der Figur / zu Gottes Wunder⸗-that ſte⸗
hen; wohl nicht zueiner Wiederbringung ihrer Erestur / ſon⸗
—9* zu einem ſichtbahren Spiegel in der geſormten Weißheit
ottes.
17. Bon dem unreinen Biche aber hieß GOTTNoam von
jeden Geſchlechte nur ein paar mit in den Kaſten nehmen / die⸗
fes verſtehet alſo: Das unreine Viehe hat an einein Theil ſei⸗
nen Urſtand aus dem Limo der Erden / nach der Grobheit / als
nach der finſtern Welt Eigenſchafft: Ob wohl ihr Geiſt aus der
Natur herruͤhret / fo iſt uns aber der Unterſcheid in der Natur
zubetrachten: was aus dem Quaal der ONE —
a
Cu
—
Cap 32. und Noah. 259
ſchafft im Verbo Fiat fey mit in eine Compadion gegangen / da
mancher unreinen Creatur ein folcher Ens augehangen: Und
Deuter ung im rechten Berftande an / dag die finftere Welt / als
die unreine Welt für der Weißheit Gottes nur follin einer Ge⸗
ſtalt offenbahr erfiheinen / alsinder Finſternuͤß: Die Eigen»
fhafften aber follen nur in den Ereaturen in ihnen felber offen
bahr fepn / eine jede in ihrer Selbheit und Arth.
18. Dan die geformte Weißheit nach der Finfternüß iſt ihrer
aller Himmel/ die fichet allein nach der Finſternuͤß offenbahr;
darinnen lirget verborgen die Eigenfchafft / darnach ſich GOTT
einen zornigen / eyferigen GOTT nennet: Aus diefem finftern
Himmel nint eine jede Creatur ihre Krafft nach ihrer Eigen=
ſchafft: Sie füuget mitiprer Begierde daraus wie ihr Hunger
iſt Und deutet uns an / daß das unreine Vieh in feiner Form
ein jedes Gefchlechte in der Weißheit der Finſternuͤß / alsin der
Figur nur follineiner Form erſcheinen / wie es im Anfange iſt
gefchaffen worden / amd nicht in ſteben Eigenſchafften nach dem
Centro der Natur in allen Eigenſchafften nach Sicht und Fin⸗
ſternuͤß / wie die andern; denn fie And inder Figur des erſten
Principii , welches im reinen Himmel nur in einer Eigenſchafft
foll offenbahr ſeyn / alsnady der feurenten/ darinnen das Liecht
beweglich und die Weißheit foͤrmlich iſt.
29. Ich wil aber den Leſer allyie vermahnen unfern Simr
recht zuverfichen / und mir nicht Kälber/ Kühe oder Thiere in
ihrem Geifte und Eörper in Himmel zu ſetzen: Ich rede kini
von dem ewigen / von dergeforimten Weißheit / daraus Böfes
und Gutes offenbahr werden ift. /
20. Mehr fprah GOTT zu Noah: Uber fieben Tage wil
ich regnen laflen auff Erden 40 Tage und 40 Nacht / und ver»
tilgen von dem Erdbodem alles waãs das Wefen hat / das ich
gemacht habe: Warumb ſprach GOTT: nach fieben Tagen
foll die Sündsflush Eommen? Warumb nicht balde / cher over
langſamer ? wie dag er ihme fieben Tageamdeutet: In dehme
liegen verborgen die fieben Eigenſchafften der Natur / in wel⸗
chen ſich das Verbum Fiat hattein einen Ens, als ing geformte
Wort eingeführet / als in die Schörffung der Welt / in wel⸗
er Schöpfung das geformte Wort aller Ereaturen Eitelkeit
reuete / und fich im geforinten Worte durch die Gebährerinder
Natur bewegtey die Turbam zu erfäuffen.
21. Nun war die erſte Bewegung und Informungdes Wor⸗
tes in der Schöpfung mit dem Wercke und Ruhetage in 7. Ta⸗
— gen
260 Bon pen Dunde Zwischen Gott Cap.z2:
gen / in eine Form der Zeit eingefretten / md die ſtund inihrer
Form noch alfo; fo fi denn das Wort (das da fprach: Es wol⸗
te alles Leben mit ABaffer erfüuffen) wolte durch die fieben Ei⸗
genfhafften ver Natur zur Waſſers-gebuhrt aufffihlieffen und
eroͤffnen; fo geſchahe es in der Form / Darinnen fichs hatte mit
Der Schöpfung eingegeben/als in derfelben fiebenfachen Wuͤrk⸗
ung / welche fich im ihrer eigenen Ordnung folte eröffnen / und
feine Eigenfchafft vor der andern erheben oder engünden / ſon⸗
dern wenn fie fich alle ficben würden nach der Waſſer⸗gebuhrt
eröffnen/ fo foltc auffgchen der einige Auell-brunn aller Tieffen
im Centro der Natur: Dieweil ſie waren in fieben Tagen in ihr
Auffer förmlich würdend Kegiment getretten / fo gieng auch
das fprechende Wort zur Eröffnung in lieben Tagen ans Ziehl
zu feiner Offenbahrung deffen/was es wolte / als nehmlich die Fur-
bam zu erſaͤuffen.
22. Und ſoll das Niemand laͤcherlich anſehen / denn der des
thut / hat unſern Geiſt und Sinn noch wicht verſtanden / noch
einige Erkaͤntnuͤß von dem geformten Worte / ſondern er hat
Aur einen aͤuſſerlichen Natur-⸗verſtand / gleich einem Vogel der
in der Lufft flieget und nicht weiß was des Weſen iſt.
23. Nun ſpricht die Vernunfft: Warumb hats denn eben
40 Tage und 40 Nacht geregnet / haͤtte doch GOTT wohl koͤn⸗
nen die Welt in einer Stunde erſaͤuffen? ze. In go Tagen war
die Turba in menſchlicher Eigenſchafft gebohren worden / als
Adam vor ſeiner Era im Bilde Gottes fund 40 Tage und
Naͤcht / welche im Bilde Gottes doch nur als ein Tag war; da
wuͤrckete er in feiner Begierde / als im Fiat 40 Tage die Turbam
in ihme / in ſeiner Luſt nach der Grobheit der Erden: Das gute
Theil des Limider Erden / das da war im Verbo Fiatin eine Ma&
fam gezogen worden / hungerte nach dem böfen groben Theil aus
der intern Welt Eigenfchafft.
24. Und eben in go Tagen fo entftund in dein guten Ente der
grobe in feiner Imagination , als ein eigener Wille zur Einfafs
fing der groben Srodigkeit / in welcher Böfes und Gutes offen⸗
bahr war: Und als derfelbe Willensgeift in der Begierde ent⸗
fund / fo gieng er in eineigen Regiment / und druckete den 9.
Geiftlichen Ens am Norte der Krafft in feurifcher und irrdiſcher
Gewalt nieder. Jetzt fichl Adam in Schlaf / als ineine Ins
macht der Englifchen geiftlihen Welt / und ward aus ihme das
Weib genommen) und wurden bepde in diefer Tutba in das äufs
fere natürliche Leben figur iret.
25. Dit⸗
—
Co und Noah. 26
25. Dieſelbe Turba iſts / darein auch GOTT den Fluch ſetze⸗
te / welche beym Noah zum erſtenmahl am Ende war / da GOtt
ſagte: Alles Fleiſches Ende iſt vor mich kommen : Undausder=
felten 40 tägigen erbohrnen Turba giengen die Brunnen der
Tieffe im Waſſer-quell auff/ und erfauffeten die Turbam im
Fleiſche dieſer Geſchlechte.
26. Denn aus der Suͤnde Adams kam die Suͤndfluht uͤber die
Welt / und dieſe 40 taͤgige erbohrne Turba war die Suͤnde im
Fleiſche: Sonſt ſo ſich nicht haͤtte der Waſſer⸗brunn auffgetahn /
fo wäre der Feuer-brunn aus der Turba auffgangen im Grinum
Gottes / darumb ſagte SOtt: ESs reuete ihn / daß er die Crea⸗
turen gemacht hatte; und fein reuen gieng indie Turbam, und
erfäuffete die.
27. Der Leſer foll errinnert feyn / fo offt er die Zahl 40 in
heiliger Schrifft findet/dag fie allemahl im Anfang in die 40 ta⸗
gige erbohrne Turbam weiſet / als die 40 Tage Moſis auff dem
Berge Sinay: Item / die 40 Jahr in der Wuͤſten: Item / die
40 Stunden Chriſti im Grabe: Item / die 40 Tage nach feiner
Aufferſtehung vor der Himmelfarth gehören alle hierein / und
alle 40 Zahlen in den heimlichen Deufungen der Propheten /
denn aus diefer Turbaift der Prophet mit feiner Deu:
tung entſtanden.
28. Daß ich aber ſage / ſo nicht der ABaffer-brunn wäre auff⸗
gegangen / ſo wuͤrde der Feuer-brunn auffgegangen ſeyn / das
iſt wahr / denn die Kinder in der Turba wolten NRoam mit dem
Kaſten auch mit Feuer verbrennen / ſo ihnen das nicht haͤtte der
Hoͤchſte mit dem Waſſer verwehret; denn die Feuers-Turba war
in ihnen raͤge / das war der Welt Ende oder alles Fleiſches En=
de: Denn am Ende ſoll alles in der Feuers⸗Turba bewehret wer⸗
den / denn ſie wird ſich anzuͤnden.
29. Ein groß Geheimnuͤß iſt in dehme / daß der Geiſt im Mo⸗
fe ſaget: Noah ſey zoo Jahr alt geweſen / als er habe Sem}
Ham und Japhet gezeuget / welches ſonſt wider den Lauff der
Natur iſt / in einem ſolchen natuͤrlichen Alter Kinder zu zeugen:
Auch iſt in dehme ein groß Geheimnuͤß / daß GOtt ſagte / er folte
der Welt 120 Jahr Friſt geben / und die Suͤndfluht kam doch im
6ooſten Jahr Noah / als in 100 Jahr nach der Andeutung: Und
deutet an die Berkürgung der Zeit in ihrem natürlichen Sauffe/
und auch das Ende der Welt/ wie im Citculo des Beſchluſſes
eller Weſen eine Abkürgung ſeyn werde / davon wir in einem eis
: genen
52. Von dem Bunde zwiſchen Gott Cap:z22
zenen Ttactat etwas melden wollen / fo uns das zugelaſſen
wird.
30. Als Noah in den Kaſten gieng / fpricht Mofes: Und der
Herr ſchloß hinter ihm zu: Das deutet der Geiſt / er ſchloß zu
die ander Zeit der Welt / welche am Ende war / da ſich wolte
das Feuer bewegen / fo ſchloß der Her: mit Waſſer zu / und auch
hiemit die Thür feines Einganges / da er folte in der dritten Zeit
aufgehen] und die andere Monarchiam in der Auffern Belt ans
fahen / denn die erjte Zeit war im Paradeife; Die andere unter
Seths Eröffnung; in der dritten folte Enos Eröffnung auff⸗
achen.
31. Und Mofes fpricht weiter: Das Gewaͤſſer ftund 150
Tage auff Erden / Da gedachte GOTT an Noah und alle
Thiere / und an alles Diche/ das mit ihme in dem Raften
waͤr; und ließ Wind auff Erden kommen und die Waſſer
fislen / und die Brunnen der Tieffe wurden verftopffet
ſambt den Senftern des Himmels. Mofes füget/ GOtt ge⸗
dachte an Noam: So dencket die Vernunfft / hatte er denn ſei⸗
ser vergeffen/ fo er doch, allen Dingen gegenmwärtigift/ auch
durch alles und in allem ſelber ift ? Der Beift im Moſe machet
allyie einen Deckel für das Geheimnuͤß / dag es der natürliche
Menfch nicht verftehet.
32. Gottes dencken ift allhie der Anfang der dritten Zeit /
und Anfang derandern Monarchiz inden 4. Elementen mit den
Ereaturen: Denn im Bunde mit Noah war die andere Monar-
chia mit eingefaffet / Die gieng in dieſem Denden aufn Cen-
to der Gehährerin durch die Göttlihe Weißheit in der Nas
tur herfuͤr.
33. Und Moſes ſpricht weiter: Als das Waſſer gefallen
“war / da habe fich der Kaften auff dem Gebirge Ararath nieder>
gelaffen. Diefer Name deutet uns in der Naturfprache an cie
nen Berg oder Zufammenfaffung eines Wefens aus dem Cen-
sro der Ratur / aus-der Grimmigfeit / als da fich Gottes Zorn
hingeleget hat / fo Hund der Kaften auff dem gelegten Zorne:
Aber die legte Syllaba in diefem Worte Ararath deutet an) dat
der Grimm der ewigen Natur aus dem Centro fid habe in cin
webend Regiment gefaffet ; und werde hinfort durch die Natur
reuthen/ alsein Krieasmann / und feinen Gewalt in Menfchlis
cher Eigenfchafft mächtig führen / dadurch fie wer en Kricge ane
fahen / fih in Hoffarth und Gewalt einführen / und unter ein»
ander erwürgen/ und umb Diefen Berg des Grimmes Macht
ſtreiten. 34.Die⸗
Cap.zr und Noah. 2863
34. Dieſer Berg Ararath deutet an die Haͤuſer der Gewal⸗
tigen auff Erden / als da find die groſſe Schloͤſſer und Berge/
der Gewaͤlt der Reichen; und aus dem Myſterio majoris Mundi
entſprungenen Edlen / auff welch Reich ſich die Archa Noæ nie⸗
dergeſetzet hat: Uber dieſes Gebuͤrge der entſprungenen Kriegs⸗
gewalt aus dem Zorne Gottes / hat ſich der Bund mit Noah
zum ewigen Herrn geſetzet / als das Reich Chriſti / welches die⸗
ſes Berges Reich auffheben / und unter ſich druͤcken ſoll: Und
deutet uns recht gruͤndlich und eigentlich an / wie daß dieſe Ge⸗
walt auff Erden werden die Areha Noæ / als den Goͤttlichen
Bund auff ſich in eigener Gewalt nehmen und auff ſich tragen;
dieſelbe anziehen als ein Kleid und damit prangen / als hätte fie
das Reich Chriſti ineigener Gewalt.
35. Und wie fich diefer Berg des Grimmen Zornes Gottes
in menfchlicher Eigenfchafft werde ſchmuͤcken und mit der Archa
Rox ziehren / und werde fagen : Er fey die heilige Archa
Chriſti / und werde aber auffdem Grimmen Zorne Gottes ſte⸗
hen / und nur ein Auticpriftifch Reich ſeyn: Das zwar wohl die
Archa / als den Namen Göttliher Heiligkeit im Munde tra⸗
gen werde / aber das Herke werde diefer Berg ſeyn / welcher nur
ein Gefäffe und Hauffe des Grimmes Gottes ſeyn werde / und
werde mit der Archen über fich gleiffen und prangen; aberdas.
Herke werde nur die Schlöffer / Gewalt und Neichthumb der
Melt meynen.
36. Wehr veutets an daf die Gewaltigen werden die Ar»
cha / als den Gottes-dienft mit groffen fteinern Hänfern und
Archen auffihr Herke umd Bernunfft bauen / und dieſelbe ſtei⸗
nerne Häufer werden ihr GOtt ſeyn / dehme fieinder Archa dies
nen / und werden umb ihre eigene Steinhänferihres Gedichtes
Krieg führen, undınnb die Figur der rechten Archa flreitenz
und nicht bedencken / daß die Archa auffihrem Berge ftehet / dag,
fie GOtt habe über fie gefeget / dag fie follen unter dem Reiche
Bottes in Demuht wandeln / and die Archa auff ihnen ſtehen
laſſen / und nicht dem heiligen Geiſt feinen Gewalt nehmen;
und in ihre erdichtete Gewalt in ihre gleignerifche Form einfaſ⸗
fen ; und ihn heiffen ſchweigen / wie fie thun / in dem fie ſchreyen:
Hit Concilia „hie Kirche Ehrifti / das folt ihr glauben und thun /
das iſt der Kirche Geſetze: Nein / die Archa ſtehet auffihnen/ fie
find darunter wieder Berg Ararathunterder Archa: Chriſtus
ift die Archa / und nicht Der GSteinhauffen / das Concilium ift
unter der Archa Chriſto und nicht drüber, denn der Kaften *
264 Von dem Bunde zwiſchen Gott Kap.zz.
hat ſich über den Berg geſetzt: Deutet an / daß der Berg ſoll den
Kaſten tragen; wir ſollen die Archam Chriſti auff uns tragen /
und den Tempel dieſer Archa in uus haben.
37. Mehr deutets an / wie ſich die Figur dieſer Archa / als
das geiſtliche Reich auff Erden werde uͤber den Berg der Gewalt
und Herrſchafft ſetzen und werde mit dem Berge in der Archa
regieren / und werde ſich Des weltlichen Reiches unterfahen / und
den Berg / als die Gewalt uͤber die Archa fuͤhren; und da doch
die Archa auff dem Berge ſtehen ſoll / und Noah mit dein Bunde
in der Archa ſeyn ſoll / biß ihn der Herr heiſſet heraus gehen / das
iſt / biß Chriſtus die Archa feinem Vatter uͤberantwortet.
38. Und Moſes ſaget weiter: Mach 40oTagen | als ſich
der Kaſten mievergefenet , Meß Noch einen Raben ausflie-
gen / zu erfahren / ob fich das Waſſer geſetzt hätte ; aber der
Kabe flog immerdar hin und wieder her / biß das Gewaͤſſer
verdrucknete auff Erden. Der Nabe deutet an den irrdiſchen
Menſchen: wie ſich derſelbe auff dem Berge Ararath / das iſt in
der Selbheit und Fleiſches⸗Luſt / werde zuerſt herfuͤr thun / und
fein Reich indie andere Monarchiam bauen.
39. Und werde zwar wohlausder Archa herkommen / werde _
aber in dem Neiche feiner Selbheithin und wieder liegen / und
nicht wieder indie Archa eingehen / daraus er in Adam war aus⸗
gegangen / werde nur ein Geisiger und Fleifch-freffer der zeits
lichen Wolluft ineigenem Willen feyn und bleiben wie der Ra⸗
be / und fich nicht wieder zur Archa wenden darein zu begehremm/
fondern das Reich diefer Welt wollen zur Herligkeit befigen ;
Auch bedeutet es / wie diefe Naben-Arth werde denerften Beftg
und Regiment in derandern Monarchia haben / als der Teuffel
im Grimm Gottes / wiees die Hiftorien bezeugen / daß cs alfo
ergangen ſey.
40. Hirnac lieh Noah eine Taube von fich ausfliegen / auff
‚dagererführe/ obdas Bewäffer gefallen ware auff Erden: Da
aber die Taube nicht fand da ihr Fuß ruhen Eönte / kam fie wie»
‚der zu ihm in den Kaften: Da thäterdie.Hand heraus / und
nahm fie zu ſich in den Kaſten. Diefesdeutet an die Figurder
Kinder Gottes / welche erft hernach und unter dem Regiment
der Haben Eigenfchafft kommen / undindas Regiment diefer
Belt geführet werden / denn ſie find auch mit Adam aus der Ar»
cha ausgeflogen/ diefe böfe verderbte Welt zu ſchauen und zu pros
biren / und leben darinnen: Nenn aber ihr Geift nicht in dem
iradifchen Negiment ruhen Fan / fo Kommen fie wider * *
rcha
Cap. 22. und Noah. 2165
Archa Nox "welche in Chriſto auffgethan ift 7 fo nimt rie
Noah in Ehrifto wieder in die erſte Archa daraus Adam
ausging.
ar. Mehr bedeutet der Nabe das fiharffe Gefege Mofts im
der Feuers⸗macht unter Gottes Zorne / welches den Menſchen
bindet und toͤdtet / und richt in Die Archa einführet: Aber das
Zäublein bedeutet das Evangelium Ehrifti / welches wieder in
die Archa einführet und beym Leben erhält: Denn der Berg Ara
rath deutet auch Moſis Reich / als die Figuran; und die Ar»
cha / da das Leben innen erhalten wird / deutet die Menfchheit
Ehrifti an.
42. Da harrete Noah noch andere fieben Tage / und ließ
aber eine Taube ausfliegen aus dem Kaſten / die Eam zu
ihm umb Defper Zeit / und ftehe ein Oehlblat harte fie abge⸗
brochen / umd trugs inihrem Munde: Aber er harrerenoch
andere fieben Tage / und ließ wieder eine Taube ausfliegen
dte Fam nicht wieder zu ihm. Der Geift im Moſe zeiger mit
Diefen drey Tauben und dem Naben die Noah ausfliegen ich f
ein groß Geheimnuͤß an/ welches / ob ers wohlnicht erkläre /
Doch gewiß darunter verborgen lieget. Der Nabe deutet auch an
Das Geſetze Moſis durch Die Natur / welche in ihrer Selbpeit
bleiben wil/ und wilnicht wieder indiewahre Gelaſſenheit un
ter Gottes Gehorfam Eehren / fondern wil durch eigene Gewalt
und Weege zu GOtt eingehen.
43. Die erfte Taube deutet an den Prophetiſchen Geiſt / wel⸗
cher unter Moſe / als unter dem aͤuſſern Geſetze und Opfſern
entſtund / und weiſete durch die Opffer wieder in die Archa Noz
und Chriſti: Derſelbe Prophetiſche Geiſt gieng duch Moſis
Ambt hindurch / er floge wohl unter Moſe / aber er gieng in die
Archa Chriſti mit feinem deutenwieder ein ; gleich wie die erſte
Zaube beym Noah wohl in die Welt floge / aber ſte kam wieder
indie Archa.
44. Dieandere Taube mit dem Dchlzweige / welche auch wies
der zu Noah kam in den Kaften / deutet an das Wort im Bunde
Noch / welches aus der heiligen Archa Gottes ausgieng in diefe
Welt / als in unfere Menſchheit / und brach ein Oehlblatt in der
Welt ab / und brachte cs Noah / das iſt / es brach einen Zwerg
aus unſerer Menſchheit abe / und nahm den in das heilige Wort /
als in Mund Gottes / wie die Taube das Oehlblat / und brachte
den Zweig dem heiligen Noah / das iſt / GOtt dem Batter:
Daß es aber ein Ocehlblat war / deutet an die Salbung des H.
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1 *
266 Vom Anf.der andern Monarch. Cap. 33
Geiſtes / daß derſelbe wuͤrde die Menſchheit ſalben / und mit die⸗
fer Taube wieder in die heilige Archa einführen.
45. Die dritte Taube / welche Noah außfliegen ließ / welche
nicht wieder zur Archa kam / bedeutet das Antichriſtiſche Reich
auff Erden / das mit ſeiner Lehre wohl aus der Archa iſt außge⸗
flogen: Aber der Geiſt bleibet auff Erden im fetten Graſe in der
Selbheit / heuchelt wohl GOtt / und gibet gute Worte / aber
der Menſch mit Sinnen und Vernunfft wil die Welt nicht laſ⸗
ſen / und wieder zur Archa kehren: Sie bauen ihnen auſſer der
Archen Luſthaͤuſer zur Wolluſt des Fleiſches / und heucheln auf
fer der Archa / und wollen von augen angenommene Kinder ſeyn:
Aber indie Archa wollen fenicht /fondern fie fagen : Chriftus ift
in der Archa / er hat alles bezahlet / wir duͤrffen uns veffen nur
troͤſten / er wird ung wohl hineinführen.
46. Die ander Part ſaget: Sie habın Ehriftum inihrem
Heuchel⸗werck / die nehmen die Archa mit / wenn fie außfliegen
inihrer Wolluft des Sleifches. Diefe alle bleiben auffer der Ar—
cha in diefer Welt / und kommen nicht wieder : Diefes deutet
die dritte Taube an denn das Antichriftifche Neich gehet in
Tauben-und Schafes-Beftalt einher / ift aber nur eine Figur
des Reiches Ehrifti / welche im Geifte in Krafft ſtehet / und in
der Arche ift. |
Das 33. Capittel.
Vom Unfange der andern Monarchiz [und vom Bunte
de Gottes mit Noah und allen Ereaturen.
1. Nd Moſes ſpricht: Da redet GOTT mit Yoahi
und hieß ihn aus dem Kaſten gehen / ſambt allen
lebendigen Thieren / ein jegliches zu feines glei⸗
chen. Noah aber bauere dem HERREN einen
nF Yltarjund nahm von allerley reinem Viehe / und
von allerley reinen Dögeln / und opfferte Brand-opffer auf‘
den Altar / und der HErr roch den bieblichen Geruch / und
frrach in feinem Hersen : ch wil hinfort nicht mehr die £r=
de verfluchen umb der Menfchen willen / denn das dichten
Des Menfchen Hergens iftböfe von Tugend auff: Ind ich will
binfort nicht mebr fchlagen alles was leber / wieich gethau
habe / fo lange die Erde ftehet / [OH nicht auffbören Saame
und Ernde/ Sroft und Hige/ Sommer und Winter/ Tag
und Nacht. Mofes ſaget: GNHE habe den lieblichen an
geroche
E.3 3. und vom Bunde Gott.mit Noah / ꝛtc. 267
gerochen / und im feinem Hertzen geſprochen: Er wolle wicht
mehr die Erde verfluchen / noch alle Creaturen ſchlagen umb des
Menſchen willen: Dieſes iſt eine Figur / wie forne bey den
Opffern Habels gemeldet worden.
2. Denn ſein Hertze iſt das Wort im Bunde / welches das
Gebethe und den Willensgeift Nox durchs heilige Feuer im Opf⸗
fer ins Wort zur Subftanf einfaffete / und in der Göttlichen
Krafft / die Menſchheit Chriſti / welche fich folte im Bunde ins
Wort der Krafft ergeben / roch / das iſt / es begehrete ver
Menſchheit in feine Krafft / als einen lieblichen Geruch / und
aus dieſem Ruche ſagte der Geiſt Gottes / er wolte hinfort nicht
mehr die Menſchen und Ereaturen verderben; weil die Erde
ſtund / fo folte diefes Gefchlechte alfo bleiben.
3. Dan Noah opfferte allerley reine Thierund Vögel / und
der Geiſt ſpricht: Er habe dieſen Geruch gerne gerochen: Nun
war esihm nicht umb den Geruch des Opffers zu thun / ind doch
alle Thiere in feiner Gewalt / und vorihme / fondern umb das
verborgene Opffer im Bunde / welches die innere Welt in den
Creaturen roch mit feinem eigenen Opffer / Eünfftig vom Greuel
der Eitelkeit zu erlöfen/ und derer Figur indie heilige Weiß⸗
heit / alsindie Geiftliche Welt zu flelien.
4. Als Noah opfferte/ und der Her: / das iſt / der geoffenbahrte
GOFTIM Hpffer / Durch den unoffenbahren heiligen Namen
Jehovah, durch Ihefus oder Jefum , die heilige in Adam ver—
klichene Menſchheit roch / (das iſt / in der Luſt feiner Weißheit
ſchmaͤckete / wie fie ſolte in dem heiligen Namen Jeſu wieder of⸗
fenbahr werden ) fo ſeegnete er Toam und feine Kinder / und
ſagte: Seyd fruchtbahr / und mehret euch / und erfuͤllet die
Erde / euer Furcht und Schrecken ſey uͤber alle Thiere auff
Erden / über alle Vogel unter dem Himmel / und über alles
was suffden Erdboden Freucht / undalle Fiſche im Meer
find in euere Haͤnde gegeben: Alles was fich räger und leber
das ſey euer Speife / wie das grüme Kraut hab ichs euch alles
gegeben; alleine effer das Fleiſch nicht / Daß noch lebet in
feinem Blute/ dem ich wil auch euers Leibes Blut röchen/
und wils anallen Tieren rächen ,; und wildes Menſchen
Leben rächen an jeglichem Menſchen / als der fein Bruder
iſt: Wer Menſchen Blut vergeuft/ deſſen Blut fol such durd)
Menfchen vergoffen werden / denn GOtt hat den Menſchen
zu feinem Bilde gemacht: Seyd fruchtbahr / und mehrer
euch / und räger euch auff euer viel darauf —
2 5.
268 Vom Anf.der andern Monarch. Cap. 3 32
5. Als GOtt Noam und feine Kinder durchs Opffer aus dent
Bunde ſeegnete / und fie hieg fruchtbahr ſeyn / fo gab er ihnen
wieder ein die gantze Welt mit allem Heer / alles was lebet ſolte
unter ihnen und ihr eigen ſeyn / und gab es ihnen alles gemein:
Er maͤchte da keinen Unterſcheid zwiſchen Noah und feinen Kin
dern / keinen Herren noch Knecht / ſondern machte fie alle gleich ;
feinen Edlen oder Unedlen / ſondern gleich wie aus einem Baume
viel Aeſte oder Zweige wachſen / und alleſamt doch nur ein eini⸗
ger Baum find: Alſo auch beſtaͤtigte er den menſe hlichen Baum
auff Erden / und gab ihnen alle Thiere / Fiſche und Voͤgel in ge⸗
mein / mit keinem Unterſcheide oder Verbott / als nur ihr Leben
im Blute ſolten ſie nicht eſſen / daß ſie nicht in ihrem Leben mit
dem thieriſchen Leben Monſtroſtſch wuͤrden.
6. GOtt hieß fie über alle Thier und Creaturen heriſchen /
aber ihnen gaber kein ſonderliche Herrſchung an dieſem Orthe
über einander: Denn alle die Hereſchung da ein Menſch über
den andern herrſchet / entſtehet aus Ararath / als durch die Ord⸗
nung der Natur nach den Eigenſchafften / nach dem Geſtirn und
aͤuſſern Regiment der Fuͤrſten unter dem Geſtirne.
7. Das wahre Bilde GoOttes hat Fein ander Regiment in
feinen Gliedern / als ein einiger $eib in feinen Gliedern/ oder ein
Baum infeinen Aeſten: Aber das thierifche Bilde vom Geftirs
ne und 4. Elementen macht ihme ein Negiment nad) feiner
Mutter / darauß esift entſtanden / und darinnen es lebet.
8. Auch alle Geſetze und aufferlihe Ordnungen die GOtt
dem Menſchen anbefohlen / die gehoͤren alle imdie Ordnung der
Natur / alsin das auggefprochene geformte Wort / daſſelbe hat
GOtt dem Menfchen zum Eigentum gegeben / daß er ſoll mit
dem innern geiſtlichen Menſchen des Verſtandes nach der Weiß⸗
heit GOttes darinnen herrſchen / und ihme ſelber Ordnung (nach
dem Geiſte der Weißheit) machen.
9. Über welche Ordnung der Menfchen / Die fie ihnen felber
machen / er fich hat zum Richter gefest/ und das Juͤngſte Gerichte
darüber geſetzet / das Falſche vom Rechten zu ſcheiden: Alles was
nicht auß der Wahrheit] Gerechtigkeit und Liebe gehet/ da ift das
Gerichte GOttes darüber gefte lt: Denneswird durch die fal=
ſche Geifter der Finſternuͤg in Turba Magna erbohren/ und in
Menſchliche Eigenfchafft eingeführet / als ein falſche Liſt und
freinde Weißheit / welche das Reich GOttes nicht erben fol.
xo. Alle Königliche und Fuͤrſtliche Hochheit / ambt allen Ries
gimenten / urftänden alle aug der Ordnung der Natur: 2 Su
t
E.33. und vom BundeGott.mit Noahiic.269
GHttes ift kein Zwang / fondern ein freyreilliger begierlicher
Liebe⸗ dienſt / als wie ein Glied im Leibe / und ein Zweigam Baus
me dem ander gerne dienet/und fich im andern erfreuet. j
ıı. Meilfich aber der Menſch hat in das äuffere geformte
Wort Böfe und Gut / alsins Reich der Natur eingeführet/ fo
hat ihme das Reich der Natur dasheilige Regiment genommen /
undfich mit feiner Gewalt in die menfhliche Eigenfchafft ge—
ſetzet: Wil er aber daffelbe wieder haben/fo muß er wieder auffs
neue auß GOtt gebohren werden / ſo mag er mit dem neuen er⸗
es Sehen im Geifte GOttes Über das Reich der Natur herr⸗
chen.
12. Wohl hats in der Geiſtlichen Welt Ordnungen /Fuͤr ſten⸗
Engel / aber alles ohne Zwang in einem lieblichen Liebe⸗dienſte
und Willen / wie ein Glied im Leibe dem andern dienet.
23. Alles was der Menſch im Reiche der Natur unter feine
Gewalt zeucht/ und zum Uberfluß mißbrauchet / und feinen Mit⸗
gliedern entzeucht / welche dadurch müffen Darben / dag ihnen das
freygegebene Recht dadurch gan entzogen wird; das alles wird
in Tarba Magna,als ein Greuel der Natur eingefaffet / und vor
Das Berichte GOttes zum Scheyde-tage geftellet.
14. Die Natur fordert allein die Ordnung / und gibt Unter»
ſcheide und Aembter: Aber die Turba führet ihren Greuel von
der finftern Welt Begierde darein / als da ift Hoffahrt / Geitz /
Reid / Zorn / und Falſchheit.
15. Diefe fuͤnff Untugendten find im Reiche der Natur Hu⸗
ten-finder/ und ſollen SOttes Reich nicht erben: Des Reich
Der Natur haͤlt GOtt für feine Ordnung / und hats dem Men⸗
ſchen in ſeine Gewalt gegeben / daß er dadurch ſoll das Boͤſe vom
Guten ſcheiden / und ſoll ihme einen Richter über die Boßheit der
falſchen Begierde und Luſt ermählen/denn er faget: Wer Men⸗
ſchen⸗Blut vergeuft / deß Blut foll wiederdurh Menſchen vers
goffen werden/ als durch die Ordnung der Natur; nicht durch
eigene Gewalt fich zur rächen / fondern durch die Drdnung Der
Natur’ durch GOttes Geſetze / die ift die Raͤcherin; denn GOtt
faget: Ich wil euers Leibes Blut raͤchen und wils an allen
Zhierenrächen: Daverftcheterdurch die Ordnung feiner Ge⸗
fege und derer Ambt-vermalter.
‚6. Nichtdag ein Fürft oder Herr Macht habe Blut zu ver⸗
gieffen/auffer dem Geſetze GOttes; fo er das thut / ſo verdammet
ihn GOttes Geſetze auch zum Tode: Es iſt allhie kein eigen
Gewalt uͤber Menſchen Blut / es ſey König oder Fuͤrſt / =
M 3
5
270 Vom Anf.der andern Monarch. Cap, 33.
fie find nur Ambtleute über die Ordnung Goͤttliches Geſetzes /
und ſollen nicht weiter greiffen ohne Goͤttlichen Befehl: Das
Geſetze der Natur haben fie ja in Verwaltung / als Diener ders
ſelben / aber allein nach der Gerechtigkeit und Wahrheit / und nicht
durch eigene Begierde / denn GOtt hat den Menſchen zu ſeinem
Bilde geſchaffen: Uber daſſelbe Goͤttliche Bilde hat das Reich
der Natur in feinen Aembtern keinen Gewalt das zu toͤdten / ſon⸗
dern nur uͤber das aͤuſſere Bilde der Natur gehet das Ambt in
Goͤttlicher Ordnung.
17. Darum fo ein Ambtman der Natur einem gerechten
Menſchen eingeben nimt / dehn / der folches thut / ordnet die Natur
im GOttes Gerichte zum Scheyde-tage: Wo wollen nun die
Tyrannen hin / welche die Wahrheit in Luͤgen kehren / und die
Kinder GOttes um Goͤttlicher Erkaͤntnuͤß und Bekaͤntnuͤß
willen ſchaͤndlich hinrichten / auch Krieg und Verderbung uͤber
Land und Leuthe anrichten; dieſe alle gehoͤren in Tutbam Mag-
nam zum Gerichte GOttes / denn fie führen das Schwerd der
Tarbaæ in eigener Wolluft;es heiſſe fie es denn der Geiſt GOttes /
ſe muͤſſen ſte das Ambts halben thun / wie Iſrael mit den Heyden.
18. Alles was aus eigener Wolluſt feine Gewalt zuerhoͤhen /
Blut vergeuſt ohne dringende Noht oder Gottes Befehl / das wird
vom Grimme GOttes Zornes darzu regiret und getrieben / und
faͤllet demſelben Reiche endlich heim.
19. Ein jeder Kriegsmann iſt eine Ruthe GOttes Zornes/
damit er durch feinen Grimm die Boßheit der Menſchen alſo
ſtraffet und verfchlinget/und gehöret gar nicht in die Ordnung der
Natur / fondern indie Begierdein Turbam Magnam, ta diefelbe
begehrende grimmes=- Ordnung / dadurch GOttes Zorn Sand und
Königreiche umſtuͤrtzet.
20. Verſtehet / esiftdie Ordnung der finftern Welt⸗natur
Eigenfchafft/ welche ihren Gewaltin Zeitder Menfchen Boß⸗
heit empor fchiwinget durch GOttes Verhaͤngnuͤs / alsdan gehets
wieder Grimm wil / big fich derfelbe wohlergeget am Menſchen⸗
Blut.
21. Denndasift chen die Rache GOttes Zornes/ davon er
jaget: Er wolle des Menfchen Blut rächen / fo nimbt er offte
einen Menfchen und fchlaget den anders im Zorne tod / als der es
verdienethat.
22. Wan die Gewaltigen unfhuldig Blut vergieffen/ fo
komt alsdan der Zorn Gottes mit feinen Ambtleuten / und vera
gieſſet wieder derer Leuthe Blut / und fuͤhret das an *
urbæ
E.33. und vom Bunde Gott.mit Noahlıc. 277
Turbe infie/ davon entſtehet Krieg/ und nicht aus Göttlicher
Ordnung der guten Natur / in welcher GOTT mit feiner Weiß⸗
heit regiret.
23. Die Weißheit GOttes begehret keinen Krieg/fondern der
Zorn GoOttes nach der finſtern Welt⸗natur begehret / und fuͤhret
dehn in der Menſchen Eitelkeit und Boßheit.
24. Lebeten wir als Kinder GOttes unter einander / wir
duͤrfften keines Krieges: Daß wir aber kriegen / bezeugen wir
damit / daß wir nur Kinder dieſer Welt ſeynd / und kriegen und
ſtreiten umb ein freindes Erbe das wir doch verlaſſen muͤſſen / und
dienen damit dem GOtt des Zornes / als gehorſame Knechte:
Denn kein Kriegsmann ſoll GOttes Reich erben/weiler ein ſol⸗
cher iſt / ſondern ein neugebohren Kind aus GOttes Geiſte / Das
dieſe Welt verlaͤſſet.
25. Und GO CTT ſagte weiter zu Noah und ſeinen Soͤh⸗
nen mit ihme: Sihe ich richte mit euch einen Bund auff/
und mit eurem Saamen nach euch/ und mit allen lebendigen
Thieren bey euch/an Voͤgeln / an Diehe/und an allen Thieren
auff Erden beyeuch / von allem das aus dem Kaſten gegana
gen iſt; daß hinfort nicht mehr alles Sleifch verderber foll
werden mit Waſſer der Suͤnd⸗fiuth / und ſoll hinfort ketne
Suͤnd⸗fluth mehr kommen / die die Erde verderbe: GOTT
ſprach: Dieſes iſt das Zeichen des Bundes den ich gemacht
habe zwiſchen mir und euch / und allen lebendigen Thieren bey
euch hinfort ewiglich. Weinen Bogen hab ich geſetzet in die
Wolcken/der ſoll das Zeichen swifchen mir und der Erde ſeyn.
Und wenn es nun komt daß Ich Wolcken über die Erde führe/
fo ſoll man meinen Bogen fehen Inden Wolcken; alsdenm
wil Ich gedencken an meinen Bund zwiſchen mir und euch.
26, Diefer Bund mit dene Menfchen ift ein Bilde der drey
Principien Göttliches Weſens / als der Wefen aller Werfen.
Dander Regenbogen ift das Zeichen diefes Bundes / daß fich
GOtt erinnert / und gang innerlich anſchauet / daß der Menfch
aus drey Principiis ſey inein Bilde gefchaffen worden / und dag
erinallen dreyen leben muſte; und fahe andes Menfchen Une
vermögenheit und groffe Fährligfeit/ und ftellete ihme diefes
Bundes Zeichen zueiner Fürmodelung vor / daß fein Grimm fich
nicht mehr erweckte / und alles geben ververbte.
‚27. Denn der Regenbogen hat die Farbe allerdrey Princi-
pien : als des erften Principii Farbe / ift roth und tunckel⸗braune
Bedeutet die Finfters und Feuer⸗welt / ale das erſte Princi⸗
Jar mM 4 pium;
272 Vom Anf. der andern Monarch. Cap. 33
Pium, das Reich Gottes Zornes. Des andern Principii Farbe
iſt weiß undgelbe / iſt Die Majeſtaͤtiſche Farbe angedeutet / als
ein Bilde ver H. Welt / Gottes Liebe. Des dritten Principi
Farbe it grün und blau / bla vom Chaos ‚und grün vom QBaf-
fer over Salpeter / da ſich im Schrade des Feuers der Sulphur
und Mercarius ſcheidet / fo gibtsiunterfchtedliche Farben / welche
uns andeuten die inneren geiftlichen Welten / welche inden 4.
Elementen verborgen flehen.
28. Diefer Bogen ift die Figur des Juͤngſten Gerichts / wie
fich die inneren geiftlichen Welten werden wieder offenbahren/
und die 4: Elementiſche Welt in fich verfchlingen. -
29. Und ift das Genadenzzeichen des Bundes / welches Zei⸗
eben im Bunde den Richter der Welt andeutet / als Chriſtum /
welcher in allen drey Principien am Ende der Tage wird ers
ſcheinen: Als nach dem Feuer-zeichen ein ſtrenger Richter uͤber
die Turbam, und alles was darinnen erfunden wird werden /
wird er das Feuer-gerichte offenbahren / und die Turbam a
zuͤnden / daß das erſte Principium wird in feiner ſeuriſchen Eis
genſchafft erſcheinen / denn alle Dinge dieſer Welt Weſen muͤſ⸗
fen im Feuer des erſten Principii, als im Centro der ewigen Na⸗
kur bewehret werden: Allda wird die Turba aller Weſen im
euer verſchlungen werden.
30. Und nach vem Licchts-geichen wird er mitten im Feuer /
als ein lieblich Angefichte allen Heiligen erfcheinen / und die ſei⸗
nen in feiner Liebe und Sanfftmuht für des Feuers Flammen
Bewahren. *
312. Und nad) dem Reiche der aͤuſſern Natur dieſer Welt
wird er in feiner angenommenen Menfchheit erfcheinen / und
wird vor ihme das Auffere Myfterium der 4. Elementen / als
nad) dem Sulphure, Mercurio und Sale, nach allen Eigenfchaff>
zen der Wunder des ausgefprochenen geformten Worts / nach
Liecht und Finſternuͤß / alles offenbahr werden.
32. Deffen Bilde und Figurift der Regen-bogen / dan er iff
eine Gegenmodelung oder Gegenfchein der Sonnen / was in der
Zieffe vor eine Eigenfchafft fen: Die Sonne wirfft ipren Glaſt
in die 4. Elementa gegen dem Chaos, fo offenbahret fich das
Chaos daraus die 4. Elementa ausgehen nach den Principien
nit feinen Farben: Und deutet an den verborgenen Grund der
4. Elementen / als die verborgene Welt / umdauch die Verbor⸗
genheit der Menfchheit : Denn in diefe Verborgenheit der
Siearion ſtellete GOTZ feinen Bund / dag er derer a
m
&; 33. und vom Bunde Gott. mit Noahlıc. 273
sticht wolte nit Waſſer verderben / daß fi die Brunnen der
Zieffe im Chaos nicht folten mehr auffthun / wiein der Suͤnd⸗
fluth / und in der Schöpffung der Welt geſchahe.
33. Der Regen-bogen iſt eine Eröffnung des Chaos in der
Natur / und mag /fo die Sonne in einem guten Alpe& ſtehet / in
den Elementen eine wunderliche Gebuhrt geben in den wachſen⸗
des und lebendigen ; Auch mag ein lebendig creatürlih Weſen
Dadurch inder Tieffe erbohren werden /als nach Eigenfihafft der
Sonnen Gewalt / nach dehme fte in den Elementen eine Eigen
ſchafft vom Seftirne findet zum Boͤſen oder Guten / offters zu
Wuͤrmen / Sliegen/ Heufchrecken und dergleichen ; auch zu einem
guten Leben /nach dehme Saturnus und Mercurius in ihrer Be=
gierde entzündet find.
34. Denn fo fic) das Chaos eröffitet/ fo geucht die herbe Sarur-
nialifche Eigenfhgfft/als cin Hunger oder Begierde an fiih/ und
faffet die Eigenfchafft des Chaos ‚darinnen die verborgene Kraͤff⸗
te liegen in feiner Begierde / und coaguliretdas / fo wird Mercu-
rius alsöald im Sulphur lebendig/dann die Sonn zündet den feu⸗
tigen Martem an in feiner Eigenfchafft / Davon der Mercurius
beweglich wird. Diefes faffet Sarornus in ein Corpus ‚alsin ein
Ens, fo mag fih der Salpeter nicht mit dem Marre einigen / ſo
gehetsanein Scheiden oder Bewegen; und mögen doc) dein Sa-
turno , als dem Fiar der Auffern Welt nicht entrinnen / fo ifts
ein fliegend Leben nach derfelben Conſtellation Eigenfchafft.
35. Aus dem Regen⸗bogen mag Sarurnus, fo die Sonne in eis
nem guten Aſpect iſt / ein Thaumarffer in fich ſaſſen; verficher in
Die Saturnialifche Eigenfchafft / welche hernach über die Waſfer
fallet / welches etliche Fiſche in fich ſchlingen / und in fid) coaguli-
ren / daraus föftliche Derlein kommen mögen.
36. Denn die paradififche Eigenfchafft thut fich im Chaos init
auff / fo das nicht durch boͤſe Aſpecten verhindert wird / welches
MeifterBielklug nicht glauben duͤrfte / welcher der Natur Grund
an Fingern zehlen kan / und am Myſterio doch blind iſt / und we⸗
der das innere noch das aͤuſſere ver ſtehet / deme habe ich nichts
gefihrieben: Denn ich darf nicht Kälber zum Verſtan⸗
de meiner Schriften] fondern aute erleuchtete Augen |
den andern find fie alle ſtumm / wie klug die auchfind.
37. Das Chaos ift die Wurgelder Natur / und gibet aus fich
felber nichts / als eine guse Eigenfchafft / fo aber die Conftella-
tion boͤſe ift / ſo ergreiffetdie böfe Begierde die gute Eigenfchafft
in ſich / und verwandelt fie ins Böfe / gleich wis auch ein gufer
Ms Menſch
274 Wie Noah feinen Sohn Cap.34
Menſch bey einer böfen Gefellfchafft / fein Gutes in ein Boͤſes
verwandelt.
38, Und wirdder Negensbogen fürnemlich dem Menfchen zu
einem Genaden⸗Zeichen fürgeftellet/ dag er fich folle an einem
wahren Spiegel beſehen was er ſey: Denn im Regenbogen ift
Das Zeihen Gutes und Böfes offenbahr/als ein Bilde des Centri
der Natur /aus welcher Böfes und Gutes urftändet ; über wela
ches des Menfchen Sohn von GOtt ward zum Richter geſetzt.
39. Denn das Bilde der Archa Nox ift auch im Regenbogen /
fo wir nicht blind wären / auch foift die Dreyheit der Gottheit
Darinnenabgebifvet ; denn die rothe Farbe bedeutet den Vatter /
Die gelbe und weiffe den Sohn / und die blaue den Geift.
40. Und hat ih GOtt in einer Figur nach feiner Offenbah-
zung in das Zeichen feines Bundes dargeftellet/ das wir follen
zu feiner Genade fliehen / und feinen Bund annchmen/ und ung
ſtaͤts erinneren feiner Fünffiigen Offenbahrung / da er die geiſt⸗
liche Welt wird wieder offenbaͤhren / wie er uns am Regenbogen
ein Gleichnuͤß hat dargeftellet/pag wir ſehen follin was im Ver⸗
borgenen ſey / und wie fein Bund mit uns im Verborgenen ewig
ſey / und immerdar vor ihm ſtehe.
Das 34. Capittel.
Wie Noah feinen Sohn Ham verfluchet / und don der
Deutung Nochs über feine drey Söhne / und ihre
Nachkommen aus ihnen.
ö. Oah aber fingan und ward ein Ackersmann /
A und Pflangte Weinberge / und da er des Weins
tranck / ward er truncken / und lag in feiner
Hütten auffgedecht : Da nın Ham Tanaans
Datter ſahe feines Vatters Scham / fügte ers
feinen beyden Brüdern darauſſen; da nahm Sen und Ja>
DHet ein Kleid / und legten es auffihrer beyderSchuldern/und
giengen ruͤcklich hnzu / und decketen Ihres Datters Scham
z / und ihr Angeſicht ward abgewandt / dag fieihres Vatters
Scham nicht ſahen. Als nun Noah erwachte vom Weine /
und erfuhre was ihm ſein kleiner Sohn gethan hatte / ſprach
er: Ver flucht ſey Canaan / und ſey ein Knecht aller Knechte
unter ſeinen Bruͤdern / und ſprach weiter: Gelobet ſey GOtt
der HErr des Sems / und Cauaan ſey ſein Knecht: GOtt va
=
Cap.340 Ham verfluchet/rc. 275
te Japhet aus / und laß ihn wohnen in den Huͤtten Sems /
und Canagan ſey fein Knecht.
2. Diefes iſt das wahrhafftige Bilde menſchlicher Eigen
ſchafft nach den 3. Principien oder ABelten: Dann der Geiſt in
Noah redet aus dem Centro , und die drey Söhne Reah ftunden
jest vorm Geifte in einer Figur/wasfür Voͤlcker aus ihnen ent⸗
fichen würden. Aus dieſer Figur deutete der Geift Noah aus
dem Stammedes geformten Wortes menfchlicher Eigenfchafft/
was die andere Monarchiafeyn werde: Noah ift truncfen wor⸗
den / und ift mit der Scham bloß gelegen / deſſen hat fein Sohn
Ham gefpotfet/ und auch feinen Brüdern gewieſen / daß fie auch
dergleichen thun folten. Hie deutet der Geiſt an woraus deng
Ham der Fluch entftanden fey / als aus der Scham feines
Vaͤtters.
3. Denn das war eben der Ekel vor GOttes Heiligkeit / aus
welcher Wurtzel der Ham und fein Geſchlechte / als der Menſch
der Eitelkeit entſtehet / denn im Bilde GOttes iſt die Scham
ein Ekel.
4. Darumb hieß GOtt den Abraham fih an diefem Gliede
befpneiden : Anzuzeigen / dag diefes Glied dem Adam im Ans
fange nichtfey gegeben worten/und dag es wicder folle vom Bil⸗
de GOttes abgefchnitten werden / und nicht GOttes Reich er>
benz aus welcher Urfache fich auch der Seelen» Geift das ſchaͤ⸗
met zu blöffen.
5. Weil e8 aber Adam / in dehme er iin Bilde GOttes nicht
beftund/als feine Eva aus ihme gemacht ward / angehängfiward
zu einer thierifchen Arth zur Fortpflantzung / fo hat fich auch
diefer thierifche Baum ausder Eigenfchafft mit fortgepflantzet /
als der fleifchliche Geiſt der Eitelkeit / und iſt demn Menſchen au⸗
gehangen / deffen Figur war Ham; und darumb fpotteteer ſei⸗
ner eigenen Eigenfchafft an feinem Batter.
6. Der Geiſt aus diefer Eigenfihafft fpottete fein Ens au
dem Centro ver Natur / er befahe ftch ander Scham ſeines Bat⸗
ters /daraus er war entflanden/ als an einem Spiegel füner
Selbheit: Alfo gieng auch zuhandt derfelbe Geift/ als ein Leben
der Eitelkeit herfuͤr / und offenbahrete ſich was er waͤre / als
nehmlich ein Spott des Himmels.
7. Welches der Geift aus dem Bilde GOttes im geformten
Worte des gutenEntis in Noah erkañte / und in ihme das Feuers⸗
Centrum der Seelen im Grimm erweckte / und dieſen Geift-2er
Eitelkeit verfluchete / daß er nicht folte miterben im ,Hiwrireiche,
m 6 Dir
Lu
ur
276 Wie Noah feinen Sohn Eap za
Der Spott-Beift foll nicht GOttes Reich befisen/ fondern vom
Bilde GOttes abgefchnitten werden / das ift vom Auffern Bilde
ger geformten Ereatur.
8. Denn dieſelbe Eigenfchafft/ daraus die Scham entftanden
iſt / die it an ihr felber gut aberin Adanıs Imagination nach
ver thierifchen Eigenfchafft ward fie monftrofifch / thierifch und
frembde am Bilde GOttes; fo foll nun diefe frembde Geftalt
und Korn nicht ewig bleiben.
9. Aus der frembden Geftalt entftund der Spott. Der
Zeuffel fchloff in die Figur des frembven Geiftes des Ehams)
und ſpottete der himliſchen Gebahrerin / daß fie am Bilde GOt⸗
des war ein Monſtrum worden; darumb verfluchte der Geiſt
Noah den falſchen Spott⸗Geiſt.
10. Nicht iſts zu verſtehen / daß Ham in feiner Seelen und
Seelen⸗Geiſte ſey verflucht worden / ſondern nach der ſpoͤttigen
Figur des Spott-Geiſtes / welcher ſich aus dem Monſtro herfür
that: Er aber (das iſt / das irrdiſche Bild aus dem Limo der Er—⸗
den) ſolte im Bilde GOttes mit dem eigenen Willen verborgen /
und nur als ein Knecht oder Werckzeug des Bildes GOttes aus
dem heiligen Ente ſeyn: Nicht der irrdiſche Geiſt ſoll regieren /
ſondern der him̃liſche / als die Seele mit ihrem Geiſte / das Mon-
ſtrum, ‚als derſelbe Geiſt ſoll nicht offenbahr ſeyn. Weil aber
der freye Wille den monſtroſiſchen Geiſt erweckte / welcher nur
ein Spoͤtter war der Verborgenheit im Bunde / ſo verfluchte ihn
Noah / und ſagte / er ſolte ein Knecht feiner Bruͤder ſeyn.
11. Denn er ſagte: Gelobet ſey der GOtt des Sems / und
Cangan ſey fein Knecht: GoOtt breite Japhet aus / und laſſe ihn
wohnen in den Huͤtten Sems. Der GOtt des Sems war der /
Der fich hatte mit dem Bunde in des Weibes Saamen einverleis
bet / deffen Figur im Beifte war Sem ; und Japhet war die
Figur der armen im Monftro gefangenen Seelen / diefelde Ja⸗
phitifche (oder Seelen) Eigenſchafft folte GOtt in Seins Hüt>
ten laſſen wohnen/ und in Sems Figur außbreiten.
12. Aber des Hams Figur (mach dem inonftrofifchen Seifte )
Tolte nicht ing Regiment des Lebens in der Wiedergebuhrt ſeyn /
fordern nurals ein Knecht oder als ein Werckzeug ohne eigenen
Willen over eigenem geben der Selbheit zum Gehuͤlffen und
Diener des geiftlichen Neiches gebraucht werden/auff Arth wie
die Nacht im Tage verborgen ift/ und doch wahrhafftig ift/ und
doch als wäre fie nicht / und iſt des Zuges Dienerin zu feiner
Wuͤr ung und Kraft,
13. Alſe
Cap. 34. Hamverfluchetiic. 277
13. Alfo auch imgleichen fprach der Geiſt aus / wie die drey
Eigenfchafften der Menfchheit / als des Weibes Saame / und
der creaturlichen Seelen Saame / und der irrdiſche Saame in
Hams Figur foltenim geiftlichen Reiche in der Wiedergebuhrt
innen ſtehen umd regieren ; und zeigefe Darunter an ein Reich
der Welt / wie diefelbe Figur fich würde im Reiche und Regi—⸗
ment der Menfchheit auff Erden forttreiben / und feine Figur
alſo von auffen behalten / fo lange die Menfchheitim Regiment
der 4. Elementen leben werde / wie ſichs dann auch hat begeben.
14. Dann Sems Figur giengim Bundeauff Abraham und
Arael/als da das Wort des Bundes offenbahr und im Schall
war ; UndZaphets Figur gieng in der Natur / als durch die Weiß⸗
heit der Natur im Reiche der Natur fort; daraus entſtunden
die Heyden / welche auff das Liecht der Natur ſahen; und Sems
Linea ſahe auff das Liecht im Bunde: Alſo wohnete Japhet /
Das iſt / die arme gefangene Seele / welche der ewigen Natur iſt /
in Sems Huͤtten / als unter dem Bunde: Denn das Liecht der
Natur wohnet im Liecht der Genaden / und iſt des Genaden⸗
Liechts / als GOltes Liechts Hauſgenoß / als eine Form oder ge⸗
faſſetes Weſen des ungefaſſeten Liechts GOttes.
25. Und Hams Linea gieng auf den animalifchen Menſchen
aus dein Limo der Erden / in welchem der Fluch war / daraus
entſtund das Sodomitiſche und faft gan viehiſche Volck / welches
weder des Liechts der Natur / noch des Genaden⸗Liechts im Bun⸗
de achtete.
16. Deutet an das aͤuſſere Theil der Seelen vom Geiſte die⸗
for Welt] welcher in der geiſtlichen Welt in der Wiedergebuhrt
ſoll ein geformter und gefaſter Wille ſeyn / der nicht in eigen
Geiſtes Weiſe koͤnne oder begehre zu regieren / ſondern als ein
Knecht und Diener der Creatuͤrlichen Seelen / und des Geiſtes
GDttes in der heiligen Liechts-Bildnuͤß / der in keinem eigenen
Verſtaͤnde in der Selbheit offenbahr fey /fondern verborgen /
gleich wie die Nacht indem Tag / und doch wahrhafftigfey.
17. Denn die animalifche Seele follnicht erben das Reich des
Liechts / ob fie wohldarinnen ſeyn fol und wird / fohatfieaber
Fein Regiment: Gleich wie ein Werckzeug gegen dem Meifter
ſtumm iſt / und iſt doch des Meifters Werckzeug / damit er machet
was er wil: Alſo auch imgleichen von der animaliſchen Scele
zu verſtehen in der Wiedergebuhrt.
18, Aber in Zeit der 4. Elementen wil ſte das Ober⸗Regiment
haben / denn ſie hat ſich in ein Eigenthum und figurlich Leben
M7 aus
278 Wie NoahfeinenSohn Cap. 34.
dur Selbheit cingeführet ; und darumb hat fie GOtt verflucht
und zum Tode geurtheilet / daß ſte muß der Selbheit abfterben.
19. Dann als Adam die irrdifche Eigenfchafften aus dem
Limo der Erden in feiner Begierde erweckete / dag fie aus der
gleichen Concordanf; aufgiengen / eine jede in feine eigene Luſt /
fich alsein eigen geben zu fchauen / fo ward hiemit die thierifche
Seele zum Dber-Regiment bracht / und diefelbe ift Hams Ei—
genfchafft /die hat GOtt zum Knechte unter das englifche Reich
geordnet / und ihren fpöttigen Gewalt verfluchet / in deme fie
een Matricis ſpottete / und ihre eigene Figur dar⸗
ellete.
20. Der Geiſt ſaget im Moſe: Sem und Japhet haben ein
Kleid genommen auff ihre Schuldern / und ſind ruͤcklings zu ih⸗
rem Vatter gangen und ihn zugedecket / daß ihr Angeſicht ſey ab⸗
gewandt worden / und nicht ſeine Scham geſehen. O du wunder⸗
licher GOtt! wie gar heimlich fuͤhreſtu deine Wercke: Wer
wolte doch erkennen und verſtehen deine Weege / ſo uns nicht
dein Geiſt leitete / und den Verſtand oͤffnete.
2x. Dieſe beyde Bruͤder haben ein Kleid auff ihrer beyder
Achſelen genommen / und den Vatter zugedecket: Warumb
thaͤte es nicht einer allein ? oder warumb tranck ſich Noah trun⸗
cken / und lag alſo bloß mit der Scham? Dieſes ſiehet die Ber⸗
nunfft an) als waͤre nichts mehr darunter / und da doch gleiche
wohl Ham dadurch verflucht ward/umd zum Knechte feiner Bruͤ⸗
der gemacht / und nicht allein er /fondern auch alle feine Nach⸗
kommen aus ihme: Sofehen wir ja klar was der Geiſt damit
deutet / daß eseine Figur und Fürbilde ſey deſſen / was da kuͤnff⸗
tig ſeyn wuͤrde.
22. Der irrdiſche Geiſt / welchen der Teuffel hatte monſtro⸗
fit gemacht /der war ein Spoͤtter der himmliſchen Gebuhrt /
der fahe wohl die Scham / die er alsein Monftrum an ſich tra>
gen miſte: Aber er gieng damit hin als ein Thier / und ſpottete
der neuen Wiedergebuhrt aus ver himmliſchen Matrice. Aber
Japhet als die arme Seele / und Sem als das verhlichene Him⸗
mels: Bilde / welches im Bunde wieder räge ward / die nahmen
ein Kleid auff ihre Schufdern : Daffilbe Kleid war die neue
Menſchheit / die ſich aus dem Bunde / ausder Englifchen Welt
folte eroͤffnen.
23. Undfie giengen ruͤcklings hinzu / und decke ten des Vatters
Scham zu: Das deutet an / daß ſich der freye Wille der Selb⸗
heit ſoll und muß gantz von dein thieriſchen Monftio der *
* ei
Cap.34. Ham verfluchet / ꝛtc. 279
heit / darinnen die Scham effen ſtehet / abwenden / und wiederumb
in die gelaſſene Kindheit eingehen / und nicht mehr für ſich / ſon⸗
dern wieder hinter fich ; und muß das Kleidder neuen Menſch⸗
heit / als Ehrifti Unſchuld / und Bezahlung auff fich nehmen / und
darmit die Schande / die uns unfer Batter Adam hat mit dem
Monſtro angeerbet/ zudecken / das war allhiedas Bilde,
24. Und daß nicht Sem allein das Kleid hintrug und zudeckte /
iſt die Figur / daß die Seele / als Japhet / das iſt das innere Reich
der innern ewigen Natur ſoll helffen / denn die Seele iſt des Vat⸗
ters Eigenſchafft / derer Bilde war Japhet; und der Seelen⸗
Geiſt / als das ſchoͤne Bilde GOttes im Liechte / welches in Adam
verblich / und im Bunde im Bilde ſtund / welches Figur war
Sem / deutet an des Sohnes Eigenſchafft / welcher den Bund
folte eröffnen : Alſo iſt ung zu verſtehen / das Kleid unſerer
Suͤnden Zudedung nahm an einem Theil der Batter in feinen
Willen / der uns den Sohn fihendete / bedeutet den Japhet; und
am andern Theil der Sohn / der unſer Schande mit des Vatters
Willen zudeckete / bedeutet den Sem.
25. Denn ſoll Chriſtus das Kleid auff unſere Schande decken /
fo mu die Seele helffen / das ift/fie mug ihren Willen gang dar⸗
ein ergeben / und mit ihrem Willen wieder ruͤcklings gegen der
Schooß des Batters gehen / und nicht mehr felber wollen und
wiſſen / wie fie gehef oder gchen wil/ fondern alfo mug ficdag
Kleidin wahrer Burke auff ihre Achfelen nehmen / und das ander
Theil dem Sem auff feiner Achſel laſſen / als dem wahren Bil⸗
de Chriſti / welches iſt die edele Sophia
26. Die zwey faſſen das. Himmels-⸗Kleid / und gehen ruͤcklings
zum Vatter / und ob ſie das gleich nicht koͤnnen ſehen wie fie ge⸗
hen fo gehen fie aber im Glauben auf GOttes Erbarmen / und
wenden ihreXugen vor der Scham / Eitelkeit un falſchen Willen
abe : Denn an diefem Orthe deutet rüdlings geyen / und die
Schande zudecken anders nichts an / als die für fich gehende
Selbheit umbkehren /und wieder rüdlings in das Eine einges
gehen / daraus der freye Wille war in das Monſtrum oder Scham
außgegangen.
27. Noahs Trunckenheit deutet an / daß Adam / als er in dieſer
Welt Eigenſchafft mit der Luſt eingieng / ſey in thieriſcher Ei⸗
genſchafft truncken worden / und habe ſeine Scham darinnen ge⸗
bloͤſſet / das iſt / er hat die thieriſche Luſt darinnen gebloͤſt: Als
nun diefes geſchehen iſt / fo ſtund er vor GOtt in groſſer Schan⸗
de / ſo kam der thieriſche Geiſt in dieſem Monſtto der nich
Luſt⸗
280 Wie Noah ſeinen Sohn Kap. 34
Luſt⸗ſeuche herfuͤr / und ſpottete des edlen Himmels-Bildes / und
machte ſich zum Herren.
28. Alſo muſte Chriſtus in unſerer Seelen / und in unferer
verblichenen / und wieder lebendig gemachten edlen Sophia, un»
fers Vatters Adams / und feiner Kinder Scham zudeden/
denn er wolte darumb nicht aus Mannes Saamen gebohren
werden / fondern aus dem himmliſchen verblichenen Ente, und
führete darein fein lebendig Ens von der heiligen Welt) dag
er unfern monftrofifhen Saamen der feelifhen Eigenfchafft
mit vr. himmliſchen Ente zudeckete / den Adams Luft hatte auff⸗
gedecket
29. Die verderbte Arth / welche ſich im Paradeiß hatte eroͤffnet /
gieng in allen Menſchen mit fort; Ind ob gleich in den Heiligen
in ihrem Geiſte das Bilde GOttes wieder erbohren ward / als in
einer figurlichen Form / biß auff die Erfuͤllung Chriſti im Flei⸗
ſche; noch dennoch gieng das monſtroſtſche Bild in allen in der
irrdiſchen Eigenfchafft mit fort.
30. Weilaber die erfte irrdiſe che Welt menfigliher&igenfchafft
in der Suͤndfluth erſaͤuffet ward / und die erſte Monarchia allda
auffhoͤrete / ſo ſtellete ſich derſelben Form nach der Suͤndfluth
alsbalde wieder dar mit Noah und ſeinen drey Soͤhnen. So
deutet nun der Geiſt aus dem Stamm und Wurtzel menſchlicher
Eigenſchafft / wie es hernach gehen wuͤrde / wie ſich der Baum des
Menſchen in feinen Eigenſchafften wuͤrde in Aeſte und Zweige
einführen/ong ift/in unterſchiedliche Voͤlcker und Regimente und
wie ſie nicht alle den einigen GOtt nach feinem Genaden⸗Liechte
erkennen wuͤrden / und wie ihnen Gott werde das Genaden: Sicht
im Geſchlechte des Sems fuͤrſtellen.
31. Dann Noah ſaget: Gelobet ſey der GOtt des Sems /
und Japhet ſoll in Sems Huͤtten wohnen: Unter vom GOtt
des Sems / verſtehet er das heilige Wort im Bunde / wie ſich das
werde offenbahren: Alsdenn werden die Japhiten oder Heyden /
welche im Liechte der Natur lebeten / zu dem geoffenbahreten
Genaden⸗Liechte (ausSems Geſchlechte) kommen / und in Sems
Huͤtten eingehen / und darinnen wohnen: Das deutet an die
Heyden / welche zuvorn nur vom Liechte der Natur wuſten / als
ſich das Wort in der Perſon Chriſti mit dem Genaden-Liechte
des Evangelii offenbahrete / fo giengen fie in das Genaden—
Sicht ein.
32. Allda muſte Hamjals der fleifchliche Luſt-⸗Geiſt in feiner
Eigenfchaift und Selbheit hey denen Kindern des Liechts a
Kne
Cap.34 Ham verfluchet / etc. 281
ae werden / dem die Rinder GOttes beugen ihn unter die
Knechtſchafft / und nehmen ihm feinen fpöttigen Willen > Denn
der Geiſt Hams / welchen Noah verfluchte / deutet an/wie derfelbe
Hams⸗ Seift werde auff Erden groß werden / und nur in der
monſt roſtſchen viehiſchen Erkaͤntnuͤß einbergehen/ und der Kin⸗
Der des Liechts fpotten / ſie fürNarren halten / daß fie auff ein an⸗
ders hoffeten / das fie aͤuſſer lich nicht ſehen.
33. Alſo deutet der Geiſt in Noah auff dreyerley Menſchen /
als erſtlich auff die Kinder des Glaubens / welche bloß und allein
auff das verborgene Liecht GOttes Genade ſehen wuͤrden / und
daſſelbe in ihren Hertzen ſcheinend haben.
. Die andern würden auff das Liecht der Natur und Ver⸗
Kunfft ſehen / und würden dag verborgene Liecht wollen durch die
Vernunfft ergründen / würden fich darumb zancken und beiffen /
und nielfelsame Monftra und Gedichte aus dem Liechte der Na—
tur herfür bringen / und vor Götter oder GOttes Liecht auff>
waren /wie es denn bey den Ehriften und Heyden alfo ergan⸗
gen iſt.
35. Die dritten würden Hams Arth ſeyn / und weder das Liecht
der Natur oder Genaden erkennen / ſondern einher gehen als das
Viehe / und nur Zittel-und Maul-Kinder ſcyn darzu Spoͤtter
und Maul⸗affen / welche ſich wohl auch wuͤrden GOttes Kinder
Kennen : Aber ihre tatnaß werde nur eine aͤuſſerliche Mauer⸗
kirche ſeyn / eine Gewohnheit eines Gottesdienſtes / da das Maul
werde ven Namen Gottes führen / aber das Hertze nur einen
viehiſchen Geift zur irrdiſchen Hoffarth und Wolluſt gebaͤhren.
36. Alſo werde der Geiſt Sems / Hams und Japhets in einer
Gemeine untereinander wohnen: Sems im Glauben unter
den Japhiten verborgen in einem unanſehnlichen verachteten
Voͤlcklein: Japhets aber mit groſſem praͤchtigen Geſchrey
groſſer fuͤrgebender Gottesdienſt / aber nur als Gleißnerey aus
dem Liechte der Natur: Hams aber voll Fraſſes und Spottes;
welcher beyder / als der Kinder des Japhitiſchen Scheins / und der
Kinder des wahren Liechtes nur ſpotten werde / und werde leben
als das wilde Viehe / und doch wollen alſo in ſeinem Saͤu⸗leben
ein von auſſen angenommenes Genaden⸗kind ſeyn.
37. Derſelbe Ham hat ietzt in der Chriſtenheit das Regiment /
er hat mit Japhet geheuchel t / daß er ihme hat durch das Natur⸗
Liecht einen aͤuſſerlichen gleiſſenden Gottesdienſt / als einen aͤuſ⸗
fern Maul⸗Gott auffgerichtet: Derſelbe Maul-Gott hat den
Ham in feinem thieriſchen Sodomitiſchen Geiſte mit einer ſchoͤ⸗
nen
282 Wie fich der menfchliche Baum Cap. 35.
nen gleiffenden Dede unter Ehrifti Purpur- Mantel zugedecket/
und ihme groffe Saͤcke voll Genaden⸗-Liechts zu feinem Häubte
geleget / die foll der thieriſche Maul-Geiſt des Hams mitnehs
men /wenn er ja fterben müfte / fo habe er-doch groffe Saͤcke voll
Genaden-Liechts.
- 38. Aber das Liecht der Genaden bleibet nur in den Saͤcken/
und der Hams-Geift bleibet im ſich ein böfes Thier / und wird
die Side nicht auffinachen koͤnnen / und das Sicht der Genaden
heraus nehmen. Diefer Hams-Beift ift verflucht/und foll GOt⸗
tes Reich nicht erben/er werde dent felber aus dem Genaden⸗Liecht
neu⸗gebohren / anderſt helffen ihme die Saͤcke und Dede nichts. .
39. Denn ein Thier gehet ins Heiligthum / und bleibet ein
Thier wenns heraus gehet: Dein Heucheln/Zröften und Kitzeln
huͤlfft dich alles nichts/du geheft denn wieder in deine erfte Mut⸗
ter ein/ daraus der Menfch entfprungen ift / und werdeft als ein
kleines neu⸗gebohrnes Kind/ und lafleft Ham und Saphet mit
allen ihren Künften und Schwägen hinfahren.
40. Dei Japhet erreichetsnicht in feinem gleiffenden Reiche?
er gehe dann ın Sems Hütten ein / alsindas Genaden⸗Liecht /
daß vaffelbe in ihme gebohren werde : Nicht von auffen anges
nommene Kindergeltenvor GOtt /fondern insgebohrne Kinder
aus dem himmliſchen Ente , in Ehrifti Geifte : Wer dehn nicht
hat / ver iſt ſchon gerichtet.
Das 35. Capittel.
Wie fich der menfihliche Baum durch Noahs Kinder
habe in feinen Eigenſchafften außgebreitet / und wie fie
am Thurn zu Babel find in den Eigenfihafften / durch
- die Berwirrung der Sprachen / in unterfihiedene
| Voͤlcker zertheilet worden.
2 In jeglicher Baum waͤchſet erftlish nach dehme er
— aus ſeinem Korn entſpringet / in einem Stamm /
hernach in Aeſte und Zweige und fuͤhret ferner
heraus aus ſeinem Ente die Bluͤte und Frucht:
Alſo auch imgleichen von dem menſchlichen Bau⸗
mie zu verſtehen nach feiner Krafft und Offenbahrung feiner vera"
korgenen Wunder der Göttlihen Weißheit / welche in dent
uienſchlichen Ente verborgen lag / und fich mit der Zeit aus jedem
Gradu der Eigenfchafften yerfür thaͤte.
2, Adam
= wi x ee
Es. 3 5. durch Noas Kinder habe aufigeb. 283
2. Adam war das erfte Ens zum Korn / und daffelbe Ens zum
menfhlichen Leben war in der Böttlichen Weißheit / im Worte
der Göttfichen Krafft Göttliches Berfiandes : Denfelben heilis
gen Ens aus Böttlicher Weißheit und Luſt führete der Geiſt
B9ttes ins Verbum Fiat, als in die Begierde des formenten
Mortes/als in die Natur: Alldainnenhatder Geift GOttes
das Ens Göttliher Weißheit in ein formlich Sehen durchs
ſprechende Wort figurirer/ und die Natur der drey Principien in
ein Corpus, in welches Corpus (verftchet in das Ens der Natur)
der Geiſt GOttes daffelbe figurirte creatuͤrliche chen Görtlicheg
Derftandes hateingeblafen.
3. Dadenn der Menſch entſtanden / und eine febendige Seele
worden / beydes aus himmliſchem geiftlichen/ und aus zeitlichen
Ente der Erden und 4. Elementen) fo wohl aus dem Geftirne
Magix Divinz und Magix Naturalis, eingang Gleichnuͤß GOt⸗
tes; cin Luſt-Baum des Schens Göttliher Weißheit und Be⸗
ſchauligkeit / gepfropffet ins Paradeiß GOttes / als in Himmel.
und in Die Zeit Diefer Welt / und in beyden innenſtehende zur
Wiedergebaͤhrung und Formirung feines gleichen aus ihme;
gleich wie aus einem Baume viel Zweige / Acfte und Früchte
wachſen /da eine jede Frucht wieder ein Korn zu einem neuen
Stamm und Baͤumlein iſt: Alſo auch imgleichen vom menſch⸗
lichen Baume zu verſtehen iſt.
4. Der innere geiſtliche Ens wuchs in feiner Gewalt in A⸗
dams Leben / biß ihn der irrdifche auffere natürliche Durch des
Teuffels Vergifften übertraff : So ſchwang ſich der natürliche
inden Kräfften der Wunder der Natur herfür / und führete fei>
ne Aeſte und Zweige aus der Efleng der Natur herfuͤr.
5. Und ob wohl der heilige Ens aus der hinmnliſchen Welt
Weſen in Adam durch die Vergifftung verblich/f ergab fich aber
das Wort Göttliher Krafft wieder mit einem Bunde darein /
Daß alfo derfelbe Ens von der himmliſchen Welt in diefem Bau⸗
ine mit fortgepflanget ward / big auffdie Zeit feiner neuen Auß⸗
wachſung im Ente Mariz/ dader Bund am Ziel ftund.
6. Adams geiftlicher heiliger Stamm wuchs big an feiner
Fall / da under ftille und ergab fich das Wort mit dem Bunde
darein / als in einen verblichenen Ens zur endlichen Wiederge⸗
baͤhrung; und der aͤuſſerliche natuͤrliche Stamm kriegete den
Gewalt und das eigenwachſende Leben im Fall / da die 4. Ele—
menten ein jedes in ſeiner Eigenſchafft empfindlich und qnalifici-
sende worden/und wuchs big an die Suͤndfluth; erſtlich & *
⸗ u >
284 Wie fich der menfchliche Baum Cap.z 5.
Suͤndfluth mit feinen Heften und Zweigen / und erzeigete fich als
ein gewachfener Baum / nach allen Eigenfchafften in Böten und
Guten.
7. Die Krüffte darinnem hatten fich aber noch nicht aufge-
wickelt / dann alle Menfchen hatten nur einerley Sprachen ; die
Sprachen aus den Eigenfchafften waren vor der Suͤndfluth
nicht offenbahr.
8. Sie verſtunden wohlder Natur Sprache/als das geform⸗
te Wort in feinem Unterfcheide : Aber vderfelbe Unterfcheid
war noch nicht geformet und in Zungen formiret / big daß der
Stamm des menfhlichen Baumes nad der Suͤndfluth / ſeine
Kräffte indie Zwrige führete / Davon der menfchliche Baum aus
den Eigenfihafften der Kräfte des geformten natürlichen IBor-
tes anfieng zu bühen/ als aus der Benedeyung / da GOtt den
Noah umd feine Kinder /als die Hefte des Baumes ſeegnete / und
hieg fie fruchtbar ſeyn / und fich auff Erden rägen und mehren/und
Ihnen den Genaden-Bund gab.
9. Denn in Cain wird diefer Baum verfluchef / aber bey
Noah wieder geſeegnet / daß fih die Eigenfchafften des geformten
natürlichen Wortes durch der Natur Eigenfhafft folten mit
den Zungen herfür thun /als ein Wunder vieler Worte / oder
Bötter indem einigen lebendigen Worte.
20. Das Bilde GOttes im geformten Worte folte die For-
mung des einigen Worts aus dem erften Ente in viel Tormungen
der Sprachen herfür bringen / nach Arth un Weiſe der Fürftlichen
Regimente /der hohen Geifter/ fo auch im geformten Worte in
Unterfcheiden find / und in der Tieffe diefer Welt in den Eigen
fHafften der Natur über die 4. Elementen herafehen/auch über
Das Würden der Sternen in der Seelen der groffen Welt /
welche auch die Namen GOttes im geformten Worte der Na>
fur tragen / als cin Werckzeug GOttes / damit er foͤrmlicher
Weiſe in feinem Regiment und Siche-Spiel regieret.
1x. Daß die Altvaͤtter vor der Suͤndfluth haben alfo lange ge>
lebet / iſt das die Urſache geweſen / dag die Kraͤffte des geformten
Worts aus Goͤttlicher Eigenſchafft bey ihnen noch unzertheilet /
und unausgebohren geweſen ind: Gleich wie cin junger Baum
der voller Kraft und Saft ift/ fich in Acften und Wachſen ſchoͤ⸗
ne erzeiget / wann er aber anhebet zu blühen / fo gehet die gure
Krafft indie Bluͤth und Frucht.
12. Alfoift uns auch mitdemerften Alter der Menfchen zu⸗
verſtehen; als die Kraffte in Einer Eigenſchafft im Stamme 9
gen
Cap. 35. durch Noas Kinder habe außgeb. 235.
gen / fo verſtunden die Menſchen die Natur⸗ſprache / denn cs la⸗
gen alle Sprachen darinnen: Als ſich aber derſelbe Baum der
einigen Zungen in ſeinen Eigenſchafften und Kraͤfften zertheile—
te bey den Kindern Nimroth / fo hoͤrete die Natur⸗-ſprache / dar⸗
aus Adam allen Dingen Namen gegeben / einem jedem aus ſei⸗
ner Eigenſchafft / auff / und ward der Stamm der Natur wegen
der zertheileten Eigenſchafften im Worte des kraͤfftigen Ver⸗
ſtandes matt und ſchwach.
13. Alfo lebeten ſie nicht mehr fo lange / denn die rechte Krafft
menſchliches Lebens / Daraus der Verſtand quillet / iſt aus dem
Worte GOttes kommen: Weil ſich aber der Verſtand in viel
Zungen und Eigenſchafften zertheilete / ſo ward die Natur
ſchwaͤcher / und fiel der hohe Verſtand der Eigenſchafften der
Geiſter der Buchſtaben / denn das innerliche fuͤhrete ſich in ein
Aeuſſerliches: alfo blieb der Verſtand derſelben Geiſter In jeder
Zungen aͤuſſerlich / auffl Arth / wie man won einem Dinge res
det / davon man hoͤret ſagen / und deſſen keinen rechten Verſtand
hat / auch nicht ſehen mag.
14. Eines ſolchen find die Menſchen zu Babel beraubet wor⸗
den / als fie die Natur fo hoch erhoben / und durch die aͤuſſere Ma⸗
tur wolten einen Thurn bauen / deffen Spige an den Himmel
reichete; welches einen fubtilen Verſtand hat/ und gar fchöne
inden Namen der Kinder und Kindes-Finder Mond lieget / wel⸗
che der Geiſt im Moſe hat indie Liniender Ausbreitung geſetzet /
darinnen man die Eigenſchafften der Zertheilung des einigen
Ver ſtandes und Sprachen verſtehet / wie ſich die Eigenſchafften
des Verſtandes auseinander geben / und eine jede in einefondera
liche Sprache ] als inein eigen Worteinführen.
15. Denn der Name der Kinder Noah / und ihrer Kinder 7
davondie ander Monarchia auff Erden entfprungen „find 72.
welheder Geift im Mofe andeutet ; und hierunter liege das
— Geheimnuͤß des Thurns zu Babel / als die Zertheilung der
ungen.
16. Denn 77. iſt die gantze Zahl Goͤttlicher Offenbahrung
durchs geformte Wort / 72. find Babel / als die Zungen der Wuna
der; die andern 5. find heilig / und ligen uuter den 72. ver»
borgen/ und urftänden ausdem JOTH ‚und das JOTH ſtehet in
dem O / als in dem einen / das iſt das Auge der Ewigkeit ohne
Grund und Zahl.
x7. Durch die 5. heilige Sprachen aus dem JOTH redet der
Sk im geformten Worte der Natur heilige Goͤttliche Worz
it
236 Wie ſich der menfchliche Baum Lap-z gl
te in den Kindern der Heiligen / und durch die 72. Zungen rea
deter durch die Naturder Wunder aus Böfen und Guten / wie
ſich das Wort in einem Ente faffet.
18. Die fünf Sprachen fichen dem Geifte GOttes zu / wel⸗
cher durch feine Kinder redet wenn und wie er wil/ aber die
zwey und tiebengig fichen der Menfchlichen Selbheit und Eis
genheit zu / daraus der menfchliche eigen Verſtand / Luͤgen und
Wahrheit redet: Darum ſollen die zwey und ſtebentzigSprachen /
als Babel / durchs Gerichte GOttes gehen / und das Reine vom
Unreinen geſchieden / und im Fewer bewähret werden.
19. Den unfern in dieſer Erkaͤntnuͤß ergrieffen / wollen wir
eine kurse Andeutung geben/ unferm Sinn und Verfland (wels
chen wir andiefem Orthe noch vor uns behalten follen ) nachzu—⸗
fahren / wie er möge alle Heimligfeiten / fo unter diefen Ra—
nen liegen (welcheder heilige Geift im Mofe auffgezeichnet )
ergründen.
20. Der Geiftin Mofe feet fieben Namen in Naphets Linea,
als er habe ieben Söhne gegeuger / als Gomor / Magog / Ma:
dai / Javan / Thubal/ Mefech und Thiras. Nunift Japhet der
erſte / und deutet an das erſte Principium, und darunter das
Reich der Natur; wie aus der Natur die fieben freye Kuͤnſte
unter einer natürlichen Philofophia erfunden werden würden /
welche in dieſer Japhets-Linea, durch die Heydniſche Philofo-
phiam ift auff natürliche Arth erfunden worden. Denn das war
der Zweig/ der in Sems Hütten wohnen folte/ wie Noah
deutete.
21. Denn die ſteben Söhne Japhets deuten an die fieben Ei=
genfchafftender Natur / und unter ihren 7. Namen licget das
Geheimnuͤß der Faphetifchen Linea im Neiche der Natur was
für Völker und Reiche daraus würden entſtehen / big an der
Welt Ende / davon uns daffelbe anzudeuten die Spra—
ehe verwehret und benommen worden auffzufcbreiben ;
den unfern aber zur feiner Zeit frey ſtehen ſoll / und darzu
gang offen.
22, Hernach deutet der Geift nur von zweyen Söhnen Ja-
phets / welche Kinder gezeuget / alsvon Gomer und Javan; der
andern Kinder Japhets geſchweiget er/ was fie haben für Kinder
gezeuget. Diefes ift nicht ohne Urfache: Der Geiſt deutet an die
zweyerley Menfchen unter den Heyden im Reiche der Natur /
alsunter dem Gomer ſetzet er drey Namen / Afcenas , BL
u
Cap.z3 durch Noas Kinder habe ausgeb. 287
und Togarma, welche des Gomers Soͤhne ſind / die offenbahren
ſich in der Natur-fprache alſo / als den Ens der Natur / als das
geformte Wort in ein Eos faſſen / und in eine Befchauligkeit
einführen / als in fcharffe Vernunfft / und daraus eine Figur
machen / als eine Herrſchafft oder Form eines Negiments eige⸗
nes Willens nach dem Reiche der Natur für zeitliche Herr⸗
ligkeit.
2; 3. Und unter dem andern Sohne Javan ſetzet er vier Nas
men/ als Eliſa / Tharfis/ Kithim und Dodanim; und ſaget /
daß von dieſen vierzehen Namen ſind alle Inſulen und Spra⸗
chen der Heyden erfuͤllet worden / und daß ſie daher kommen.
Dieſe vier Namen deuten aus den Eigenſchafften der Natur an /
mit dem erſten einen guten halb⸗Engliſchen Willen: Mit dem
andern eine Einfuͤhrung des guten Willens in den Grimm der
Natur / daraus eine boͤſe Kriegeriſche Selbheit erbohren: Mit
dem dritten einen falſchen Verſtand / da ſich der engliſche gute
Wille in eine Närrin in der Selbheit der Vernunfft einfuͤh⸗
ret / und ſetzet fich mit dem fremden Schein dar ; deutet an die
Heydnifche Abgoͤtterey / darein fle fich durch die Vernunfft aufs
fer Gottes Sicht habe geführetsmit dem vierdten die Heydniſchen
Götter und groffe Königreiche / daß fe der Geift der Natur
würde in feine Form unter feine Macht führen. Denn unter
Dem Namen Dodanim deutetder Geift an das Reich der Natur
inder Selbheit mit eigenem Gottes=dienfte / alscinen Aufferlis
chen fichtbahren GOtt / den man mit Fingern zeigen fan.
24. Und unter diefen vierzchen Namen in Japhets Linea wird
das menfchliche Neich der Natur gantz fürgebildet; Und ift fons
derlich darauf zu mercken / daß fich der engliſche Wille mit dars
einfchleuft / bedeutet die Weiſen im Liechte der Natur hochver>
ſtaͤndige Heyden / in welchen fich das innere heilige Neich ſpiegu⸗
lieret / welche / ob fie wohl im wahren Böttlihen Berflande vers
ſchloſſen lagen / und durch einen äufferlichen Schein fahen in der
MWiederbringung aller Weſen / wenn die Dede wegkommen
wird/ in Sems Hütten / alsin geformten ABorteder Natur]
inihrer Eigenfchafft leben follen. .
25. Aus diefer vierzehen Zahl der viergehen Namen Japhers
Fommen die Prophetifche und Apocalpptifche Zahlen: Daraus
der Geift deutet / wie fi die Wunder der Natur nach einan-
der eröffnen würden / was in jedem Gradu der Eröffnung ges
ſchehen ſolle / deſſen wir allyie gefchtweigen / und an feinem Orthe
Beuten wollen.
26,111»
338 Wie fich der menfchliche Baum Cap.z 5.
28, Unter dem Ham führet der Geift die gröffefte Deutung
vom Reiche der Natur) denn er ſtellet die aufferliche Form der
Vernunfft dar: Denn erfaget: Ham habe den Chus / Miss
raim / Puch und Cangan gebohren: Chus gibet im Ente der
gebährenden Natur eine Andentung einer Form / einer gefaffes
ten fchnellen über fich ſchwingenden Luſt inder Selbheit / gleich
einen $auffen oder einer weiteumberrfchenden Macht / und iſt
die Wurtzel des Fuͤrſtlichen Regiments nach dem dritten Prın-
cipio: Aber Japhet ift derfelben Grund nach dem erften Prin-
cıp1®.
er Mizraim deutet an eine außdringende Krafft / die fich
in der Luft alsbalde wieder faſſet / in welcher das Centrum der
Natur mit in einer ſtarcken durchdringenden Luſt durchgehet /
und die Luſt-forme zerfprenget: Deutet an den Urſtand der
zertheilten Zungen / wie ſich die Krafft des einigen geformten
Wortes des Verftandes zertheilen werde.
28. Der Name Puch zeuget aus dem Ente der Natur an ]
eine hohe Stätte/ aus welchen fich der ARille in die Höhe ge>
ſchwungen / daß fie vermeynten einen hohen Thurn zu bauen:
Lansan deutet an cin Sandder Niedrigkeit/ alsdalih GOTT
wolte im niedrigen finden laffen ; und deutet fürnehmlich dig an/
wie diefer hohe fliegende Wille foll geftürget werden.
29. Wiewohl esift/ daß uns der Leſer in diefer Zungen nicht
möchte werftchen/ fo feie ichs nur zudem Ende / dag er lerne
nachdenden dem groffen Geheimnuͤß / welches der Geift GOt⸗
tes unter diefen Namen andeutet / worauf ein ſolch Fürhaben
der wenig Menfchen auff Erden entftanden ſey / daß es alles im
Wunder ſey / darauf die Zungen und Sprachen urfländen: denn
Der Geiſt im Mofe feet hernach / dag Chus habe ven Nimroth
gezeuget / der habe angefangen ein gewaltiger Her? zu ſeyn auf
Erden/ umd ſey ein gewaltiger Jäger vorm Herrn gervefen
wer wolte nun diefes verftchen / was er für eingewaltiger Here
und Jaͤger vor GOTT fey gewefen ohn den Berftand der Nas
tur ſprache / welche / weil fienicht jedermans Gabe ift zuverſte⸗
hen / wir nurden Sinnandeuten / was der Geiſt im Worte der
Eſſentz damit verftchet.
30. Nimroch ift eingewaltiger Herr worden / und ein Jaͤ⸗
ger vor vom Herren; So ich nun dem Geifte in feine Eſſentz
indie Formunge des Worts fehen mag / fo fche ich was Nimroth
fürein Herr und Jäger gewefen iſt: denn der Geiſt deutet hier»
aunter an die Eigenſchafften auß der Natur / wie ſich a
aben
Cap.z 5. durch Noas Kinder habe ausgeb. 289
Haben in Menſchlicher Natur eröffnet/ und in eine aͤuſſerliche
Form zu einem gefaffeten Regiment unter den Menfchen einge⸗
fuͤhret: Der Geiſt deutet mit dem Namen an / wie ſich der
Menſchliche freye Wille habe in der Natur des Verſtandes ge—
formet / und ihme ein ſolch Modell ins Gemuͤhte eingebildet /
anf welcher Einbildung das aͤuſſere Werck entſtund.
32. Denn der Name Nimrod iſt eine gar klare Deutung
in offenem Verſtande / daß er auf dem Chus komme /denner iſt
in fich eine Faſſung oder Gewalt⸗ nehmung aug der Natur / wie
fich die Natur habe in ein Regiment im Gemühte gefaffer / und
fey mit Gewalt au fich gedrungen / und habe die unfern Eigen»
ſchafften gejaget/gedränget:darımm fagetder Geift/ein Jäger vor
dem Herin; denn die Natur iſt vordem Herrn: fd fagefnunder
Geift ; ein Jägervor dem Herrn; gleich wie ein Jaͤger wilde
Thiere jaget / faͤhet und zaͤhmet: Alfo deutet der Geift an / dat
auß der felbserhebten menfchlihenRatur würden folche böfe Thies
re entftehen / die nur würden der Auffern Natur leben.
32. Uberdiefelbe thörichte Thier-Menfchen entftund auf der
Natur des Grimmes der Jaͤger / als die aͤuſſere Herrſchafft/
welche das Thier folte jagen / fangen / toͤdten / und in Zaum
halten / auff daß doch der Jaͤger die Thiere zaͤhme / und unter ei⸗
nem Regiment halte / ſonſt wuͤrde nur ein allgemein wuͤten /
reiſſen / beiffen / und einander aufffreſſen unter ven Mens
fehen=thieren ſeyn geweſen: Dieweilfie fih GOttes Geiſt nicht
wolten laffen regieren/fo muften fte fich Das Ambt ver Natur lafa
fen regierenzdenn was hätte der. Her? ſonſt eines Jaͤgers bedurfft /
daß der Geiſt im Mofe faget/ er fey ein gewaltiger Jäger vor
dem Herren geweſen: was vor dem Herrn aller Wefen jagor 7
das jaget nicht Hafen oder andere Thiere.
33. Mofes hat eine Decke vor feinen klaren Augen: der
Geiſt deutet darunter andas Regiment der Natur / wie ſich das
menfchliche Regiment habeinder Seelen der äuffern Welt ac»
faſſet / umd wie es Fünfftig unter ihnen gehen werde/was für Jaͤ⸗
ger auß dem Ambte der Natur entſtehen wärden / und vergleis
Het die menfhliche Herrſchafft einem Jaͤger /dernur nach Thies
ren jaget / dieſelbe zu fahen umd zu würgen : alfo werde es-her>
nach gehen / daß dieſe Räger würden nach Mienfcher jagen /
Diefelbe unter ihre Dienftbarkeit zu fahen / und fie im jagen durch
‚ihre Jagthunde beitzen / tödten und aufffreſſen / durch Krieg
und Mord verderben / und alles mit Gewalt zähmen/ und thun /
und ſich des Jägers Regiment in eigenem genonime nen Gewalt
wohl hrauchen. N 34.Denv
*
290 Wie ich der menfchlich Baum Eap.z 5}
34. Denn der Menfch war dem Grimm Gottes inderNatur
heimgefallen / derfelbe drängete fih nun mit feiner Begierde
empor / und faffete fich in ein Regiment nach dem auffern Ge—
ftirne und 4. Elementen / wie diefelbe bauen und zerbrechen ; Alſo
auch thäte diefer Zager mit feinen Thieren in feinem Spiel.
35. Allhie mag ihr die Welt einen Spiegel nehmen / es iſt der
wahre Grund des Urſtandes der weltlichen Herrſchafft / ob wohl
derfelbe Grund des Regiments einen innern geiſtlichen Urſtand
bat / fo iſts aber doch in der aͤuſſern Forın vor GOtt nur als ein
thierifch Zägersambt bey den Thiersmenfchen / welche man alfo
baͤndigen und zaͤhmen muß.
36. Denn das innere geiftliche Regiment ſtehet in groſſer
Demütigkeit in-einer englifhen Form / darein auch GOtt den
Menfchen ſchuff: Wäre er. nur im Paradiſe hieben / fo hätte
er nichtdes Jaͤgers gedurfft: Weil er aber wolte ein Thier ſeyn /
fo ordnete ihın Gott auch einen Jäger / der das wilde und zah⸗
me hier bandigte; und ift Jägerumd Thier vor GOtt in diefer
Welt⸗thieriſcher Eigenfchafft einer wie der ander : Weilesaber
sicht anderft feyn mochte / fo Halt es GOTT vor feine natürs
nennt denn er haft einem jeden Dinge fein Regiment
gegeben.
37. Aber esift zubeklagen / daß diefer Jager die zahme Mens
fchensthiere jaget / ſchlachtet / und friffet / die nicht unter feine
Sagt gehören: Was foll man aber fagen / oder womit wollen
fich die Kinder Gottes entfchuldigen / und von dieſem Jäger vor
Gott ledigen ? Sintemahl ein jeder Menſch im äufferen des
Jaͤgers Hinde an fich trägt / darüber der Jägerder Natur Ge⸗
walt hat; derinneregeiftliche Menfch mug nur fein uffer Thier
unter dem Jaͤger laffen / denn fein Auffer Thier itt auch böfe.
38. Unter Hams Linea feget der Geift Moſis 29. Namen /
die von Ham entftanden find: Deutet an 29. Eigenfchafften
aus dem dritten Principio, als aus dein Geifte der aͤuſſern Welt /
wie fich das geformte Wort werde durch die Auffere Natur of-
fentahren / beydes in Zungen und Eigenfchafften der Natur /
darauf die Regimente und Ordnungen der Sandfchafften find
entftanden / wie wohl eine jede Eigenfchafft wieder feine Auß⸗
gebuhrt hat / gleich wie sin Aſt am Baume andere Zweige ges
bähret. Noc dennoch deutet der Geift im Mofedie Haubt⸗
wursel/ und Eigenfhafften unter diefem Namen an / was fin
Voͤlcker darauf entſtehen / auch wie fie ihre Anderungen und
Endſchafften nehmen würden / das alles lieget in ihren Namen
verborgen. 39. Alſo
Gap. 3 5.durch Noas Kinder habe ausgeb. 291
39. Alfo hat Ham 29. Namen feiner Kinder / und er iſt der
zo fte/ 29. iſt die Zahl feiner Kinder und Kinds-kinder genannt/
darunter fiegef die Zahl des Endes ın Hams Regimente. 30.
ift feine ganke Zahl; davon fagetder Prophet / daß dieſer Ham
werdeden Gercchten verkauffen umb 30 Silberling / und die ge»
ben umb eines Töpffers Ader: Wie cin Topff gegen ſeinem
Meifter geachtet ift / alfo ift auch der fleiſchliche Hams-Menfch
gegen GOTT geachtet: Ernimbt feine zofte Zahl / welche er
folte ins Reich GOttes einführen / und giebet fie umb ein irrdiſch
Gefäffe / das dem Ader gleichet / und verfauffet darunter der
Gerechten / der unter der zo ften Zahlim Worteder Krafft vers
borgen lieget: Alfo ſcheidet fich der Gerechte unter der 30 ſten
Zahl durd) das ferben Hams Fleiſch vonder zg ften Zahldiefer
Eigenfchafften / welche fich in Ham einpor ſchwungen: Dan im
zoften Jahr fiheidete fich der Gerechtein fein Ambt / als Chriſtus /
und in der 30 ften Zahl ligetdaffelbige Geheimnuͤß. Den umfern
allyie verftanden und nur angedeutet.
"40. Sem hat in feiner Linea der Aufbreitung 26. Namen
und er ift der z7 fte. Und der Beift im Mofe fpricht gang ver⸗
decket / er fen cin Vatter aller Kinder von Eber / und Eber has
be zween Söhne gezeuget / einer habe Peleg geheiffen / der ander
Jaketan / und darumb dag zu feiner Zeit fey die Welt zertheilet
worden. Alles was der Geiſt im Mofe von den Auffern Ge>
fhichten redet / da fihet er darunter auff die Lineam Chrifti ;
Denn er faget/ Sem fey ein Vatter aller Kinder von Eber /
und da dech Eber erft im dritten Grad nach Sem iſt; noch ſthet
der Geiſt fo genau auff das Wort im Bunde / wo fich daffelbe in
einer Linea eröffnet.
412. Denn Eber heiffet in der Formung des Worts ſo viel /
als ein Schall der Offenbahrung des Worts aus dem Centro,
und faget weiter / erhabe Peldggebohren / und ihn alſo geheiffen
wegen der Zertheilung. Der Geift fihet nicht allein auffdie äuf-
fere Zertheilung der Sander / fondern vielmehr auff die Lineam,
in welcher das Ziehl des Bundes ftund / dan in Eber eröffnete ſich
das Ziehl im Worte/alsim Schalle/undgiengim Saamen auff
Peleg. Da ſcheidete fih Adams und Chriſti Linea in den zwey
Brüdern/ wie auch hernach bey Abrahams und Iſaacs Kindern]
mit Iſaac und Iſmael / und mit Jacob und Efau: Alfo auch all=
hie mit Peleg und Jaketan. Aeuſſerlich war die Welt zertheilet /
und innerlich das Reich Chriſti / und das Reich der Welt. Nicht
zu verſtehen / das Jaketan Bunde blieben / en de £
2 ei
352 Wie ſich ver menſchliche Baum Eap.z 5)
Geiſt fihet auff Die Bewegung des Saamens / in welcher Linea
Das Zichl in der Bewegung ſtund / darinnen fich das Wort wol⸗
te wieder in die verblichene Menfchheit des himmliſchen Entis
bewegen / und in der Menfchheitoffenbahren.
42. Die Namen ver Kinderumd Kindes- Kinder Sems find
eitel Andeutungen ver Eigenfchafften aus der Wunder-Linea
des ProphetifchenGeiftes Henochs / da fich diefelbe Eigenſchaff⸗
tenaustem Stamm in Aefteführetens allhieaber in Zweige.
43. Der Geiſt im Mofe feget unter Jafctans Linea 14. Na⸗
men / als die Wunder-zahldiefes Altes im Baumms-Eigenfhafft/
als das Reich Ehrifti nach der Natur Eigenfhafft: Und vor
Peleg faget er nicht mehr / als von einem Sohne / den er ge⸗
zeuget/ als er 30. Jahr alt geweſen / welchen er nennet / als
den Regu: Anzudeuten die Lineam Chriſti / darinnen das Ziehl
ſtund / deutetſder Geiſt nur auff Einen / denn durch Einen folte
der Bund eroͤffnet werden / denn der Geiſt ſahe mit dem Einen
auff das Reich ver Genaden / und mit feines Bruders 4x. Na⸗
men auff das menſchliche Reich.
44. Und in deme er ſaget: Er habe Regu gezeuget als er ſey
30. Jahr alt geweſen / da ſihet der Geiſt fuͤr ſich auff Chriſtum /
welcher würde aus dieſem Stamme entſpringen / undim 30 ſten
Jahr ſeines Alters ſich offenbahren in ſeinem Ambte; wie dan
alle Alter unter der Linea Chriſti / welche Moſes andeutet / eine
gewiffe Deutung haben / und deuten auff die Zeiten der Bewe⸗
gungim Bunde / als durch die Propheten und andere Heiligen/
isn welchen fich der Bund beweget hat.
45. Der Geiſt Mofis feet 5. Namen der Kinder Sems /
welche aus Sems Senden kommen ſeynd: Undober wohlmehr
gezeuget hat/ (denn Mofes ſaget / erhabe Söhne und Töchter
gezeuget) fo deutet doch der Geift nur auffdie Eigenfchafften
des geformten Wortes im Bunde menfchlicher Eigenſchafft.
Diefe 5. Namen figuriren umd ftellen dar / als in einem Bilde
die 5. Haubtsfprachen der geiftlichen Zungen durchs geformte
Wort aus dem hohen Namen Gottes/ aus welchen Zungen der
Prophetiſche und Apoſtoliſche Geift redet.
46. Und ob wir wohl deſſen Eönten eine Form darftellen / fo
wuͤrden wir doch dem Leſer / fodie Zunge der Natur nicht verfte=
het / ſtumm feyn / habens den unfern nur angedeufst: Denn
der Geift deutet unterden Namen auch an die Reiche / und die
Keiche find GOttes / welcher fie mit feinen Namen ordnet /
regiret und führer! ein jedes Reich nach ſeines Namens Ei«
gen⸗
Cap. 3 5.durch Noas Kinder habe ausgeb. 297
genſchafft: Wie die Eigenſchafft jedes Reiches iſt / alſo iſt auch
die Zunge der Sprachen und Sitten / wie geſchrieben ſtehet:
Welch ein Volck das iſt / einen ſolchen GOTT hat das auch.
47: Nicht daß mehr als ein Gott ſey / allein man verſtehet
darunter die Goͤttliche Offenbahrung / wie fih GOtt alſo nach
aller Voͤlcker Eigenſchafft in ſeiner Offenbahrung im geformten
Worte allen Voͤlckern ergiebet / daß ein jedes Volck daſſelbige
einige Wort nach ſeiner Eigenſchafft fuͤhret / deſſen aͤuſſerliche
Form und Zertheilung iſt Babel; denn alles Volck hatte ei—
nerley Zungen und Sprachen / und wohneten untereinander.
48. Die einige Zunge war Die Natur-fprache / daraus rede⸗
ten fie alle/ denn fie hatten fie in einer Forın / und verſtunden
in der Sprache den Senfum , als das Ens, wieder Wille den
Ens forımete / denn alfo war auch. der Geift in Ente, veffen wir
eine kurge Andeutung geben wollen dem verftändigen und er»
leuchteten Gemuͤhte nahzufinnen / und in fich felber im der Pros
ba zu verſuchen / und zu uͤben; nicht daß mans ausfprechen koͤn⸗
te / und in cine gewilfe Form bringen: Nein / das kan nicht
ſeyn / denn es iſt der Geift ver Weisheit Gottes feiner Offene
kahrung. |
49. Die Geifter der Buchſtaben im Alphabeth ſeynd die
Form des einigen Geiſtes in der Natur-ſprache / die sg. Vocales
führen die heilige Zunge der s. heiligen Sprachen aus dem Na⸗
men Jehovah, daraus der heilige Geiſt redet / denn die sy. Vo-
cales find der heilige Name Gottes nach feiner Heiligkeit : Denn
der Name Jehovah hat nichts in ſich / als nur die 5. Vocales,
A,E,I,O,V. Die andere Buchſtaben deuten an / und fore=
chen aus die Natur / was der Name Gottes im geformten Wor⸗
te in der Natur / in Liebe und Zorn / in Finfternüg und Siehe
zugleich fey : Die 5. Vocales aber deuten aneinig allein was er
am Liechte der Heiligkeit ſey / denn mit den 5. Vocalibus wird die
Natur tingiret, daß fie ein Freudenreich ſeyn mag.
50. Daß aber wie alten Weiſen dieſer Zungen Verſtaͤndige /
haben dem Namen lJeova ein (H) eingeſetzet / und ihn LEH O-
VAH geheiſſen / das iſt aus groſſem Verſtande geſchehen / dene
das (A) machet den heiligen Namen mit den 5. Vocalibus in
der Auffern Natur offenbahr. Es zeiget an wie ſich der heilige
Name Gottes in das Gefchöpffe auspauche undoffenbahre; vie
5. Vocales find der. verborgene Name Gottes / der allein in fich
felber wohnet; Aber das (H) deutet andie Göttliche Luſt oder
Weißheit / wie ſich die Göttliche Luſt aus fich ſelber anshauche.
3 su. Der
294 Wie fich der menfchliche Baum Eapı3 5}
sı. Der innerliche Verſtand inden fünffVocarızus iſt
dieſer:
(1) Iſt der Name Jnesus.
(E) Iſt der Name Engel.
(0) Iſt die geformte Weißheit oder Luſt des (1) als des
Inzsus, und ift das Centrum oder Herke GOt—
tes.
(V) Iſt der Geiſt /alsdassusandem I nz sus welcher aus
der Luſt ausgehet.
(A) Iſt der Anfang und das Ende / als der Wille der gantzen
Faſſung / und iſt der Vatter.
52. Und dieſe fuͤnff ſchlieſſen ſich ein mit der Faſſung in drey /
als in ein ſolches Wort A das iſt / A, O, V. Vatter /
Sohn / H. Geiſt: der Dreyangel deutet an die Dreyheit der
Eigenfchafften der Perſonen / und das V. am Triangel deutet an.
den Geiſt im H, als im Hauchen / da ſich der gantze GO TT
—— Weiſe mit feinem aus ſich ſelber Ausgehen offene
ahret.
53. Die andern Buchſtaben auffer den 5. Vocalibus gehen
Ausdem Namen TETRAGRAMMATON, aldausdem Cen-
gro der ewigen Natur / aus dem Principio ‚md deuten an / und
ſprechen aus die Unterfchiede der geformten Weißheit / als des
geforinten Worts in den 3. Prineipien/ darinnen die ganke
Creation lieget/ fie feynd die Senſus der Creation, als die Ei⸗
genfchafft der Kraffte / und der wahre geoffenbahrte GOTT im
orte der Natur: Diefes verfichet nun weiter alfe :
54. Wenn fich die Luſt des Menſchen in eine Begierde faffetz
als der freye Wille des Menfchen / fo faffet er das ganze Alpha⸗
beth / dan die Begierde ift Das Fiat, und die Luſt zur Begierde
ft die Befchauligkeit des freyen Willens / als das geformte
ort der Weißheit / darinnen befchauet fich der freye Wille / wor⸗
ein er die Luſt der Weißheit wil einfuͤhren in Boͤſes oder Gutes:
und wan ſich der freye Wille hat beſchauet / ſo ſchoͤpffet er mit der
Luſt in den Buchſtaben / als in dem Senfu der Natur / undcom-
poniret die Senfus der Buchftaben zuſammen / und faſſet die Luſt
in ein Wort / daſſelbe ſtehet in einer innerlichen Form / als in
einem gefaſſeten Gedancken.
55. Alsdenn nimt der freye Wille das H. als den Geiſt des
Aushauchens / und fuͤhret den geformten Gedancken / für den
Raht der fuͤnff Sinnen / die beſchauen das gefaſſete Wort /
probi⸗
Cap. 35.durch Noas Kinderhabe ausgeb. 295
probiren daffelbe / obs tauge oder nicht: fo esihmenungefället/
fo nimbt das A. als der hauchende Geift das Wort / und führets
auff die Zunge in Mund/ alda ift der Werck⸗meiſter alsdas
Fiat, welches der Göttliche Werck-zeug iſt / und figuriretdie
Senfus der Eigenfihafften aus dem Buchftaben / wie fieder freye
Wille hat componiret in eine Subftang zum Lauten oder Schal-
len / zur Offenbahrung oder Ausfprechung.
56. Run mercket uns gar eben allhier / wie fich nun ein jedes
Wort im Munde zur Subftant faſſet / als zum Ausfprechen /
wie es der Werd-meifter bildet der in den Senfibus ift / alsdas
Fiat, und wie die Zunge mitte thut/ wenn fiedasfaffet/ und
durch welchen Weeg fte das ausfuͤhret / entweder durch Die Zaͤhne /
oder uͤber ſich / oder mit offenem Munde. Item / wie ſich die Zun⸗
ge ſchmeuget im Fügen des Worts / welchen Senfum fie wieder
zurüche zeucht / und nicht wil gans ausftoffen / wie denn man⸗
eher Senfus kaum halb ausgeftoffen wird / mancher aber gar /
mancher aber wieder halb gegen dem Hertzen gezogen; und wie
nun das Wort gebildet ward / alfo iſtauch das Dingin feiner
Form und Eigenfhafft / das das Wort damit nennet/ (fo fers
ne ihme der freye Wille auch einen rechten Namen giebet / daß
er ihme nicht aus Boßheit oder Unverftand einen freimbden Na⸗
men anhänger.) Alfo ifts aͤuſſerlich bezeichnes / und innerlich in
der Compadion der Senfuaum , einer ſolchen Zugend oder Untu⸗
gend iftes.
57. Welcher Menfch nun den Verftand hat der Senfuum,
als der Geifter ver Buchftaben/ dag er verftchet/ wie fich die Sen»
fus in der Luſt haben componiret / der verſtehets in der Faſſung
des Wortes / wenn fich das zur Subftang ſaſſet / der kan die
Senſualiſche Sprache der gansen Creation ‚ und verſtehet wor»
aus Adam hat allen Dingen Namen gegeben / und worausder
Geift Gottes hat gedeutet in den Alten.
.. 58. Diefesift ver Grund der Haubt-fprachen / da alle Bölc-
ter haben in einer Sprache geredet / da haben fie einander ver»
fanden: Als fie fich aber der Lenfualifhen Sprache nicht wol⸗
ten gebrauchen / foift ihnen der rechte Verftand erlofchen / den
fie führeten die Geifter der fenfualifhen Sprachen in eine äuf=
ferliche grobe Form / und faffeten den fubtilen Geift des Ver⸗
flandes in eine grobe Form) und lerneten aus der Forın reden /
wie denn heutiges Tages alle Bölder nur ausderfelben Form
ihrer gefaffeten fenfualifchen Sprachen reven.
59. Kein Volck verſtehet mehr = fenfgalifihe Sprache / =
„4 die
+
9
F
F
296 Wie ſich der menſchliche Baum Cap.35
die Voͤgel in Luͤfften und die Thiere im Walde verſtehen fie nach
ihrer Eigenſchafft.
60. Darumb mag der Menſch dencken weg er beraubet iſt /
und was er in der Wiedergebuhrt ſoll wieder bekommen / ob⸗
wohl nicht alhier auff Erden jedoch in der geiſtlichen Welt;
denn in der Senfualifhen Sprache reden alle Geifter mit eitt-
ander / fte brauchen Feine andere Sprache / dennesift die Na⸗
tur⸗ſprache.
61. Unſere Gelehrten laſſen ſich Doctores und Magiftros
nennen / und keiner verſtehet ſeiner Mutter Sprache: Sie
verſtehen nichts mehr vom Geiſte als der Bauer von ſeinem
Werckzeuge zum Acker⸗werck / ſie brauchen bloß allein der ge⸗
faſſeten Form der groben componitsen Woͤrter / und verſtehen
nicht was das Wort in ſeinem Senſu iſt; daher entſtehet der
Zanck und Streit / daß man umb GOTT und feinen Willen
ſtreitet: Man wil lehren was GOTT ſey / und verſtehen nicht
das wenigſte von GOTT.
62. Die fünff Heilige Sprachen in der ſenſualiſchen Sprache
find Gottes Wort / es ift feine Wuͤrckung durch) die Senfualifche
Zunge / als durch die Eigenfchaffter ; wie man dan nicht laͤugnen
van/ daß GOTT allen Ereaturen und Gewaͤchſen Krafft und
Sehen gibetz denn fein heiliger Name ift durch alles; und den=
selben heiligen Namen hatte Adam zur Haabhafftigfeit in feinen
Senfibus , inwürckende / regierende und fuͤhlende: Und eben diefes
Kleynod verlohr er / das wird nun indem heiligen Namen Jeſu
herwieder gebracht und angezuͤndet.
63. Darımıb Fan fich Feiner nit echte einen Gelehrten der
H. Schrifft nennen‘) vielweniger einen Doctor derfelben / er ver=
ſtehe denn die Senfualifche Zunge / daß er wiffe wieder H.Geift
durch die Senfualifhe Sprache in den Heiligen der Schrifft
geredet habe: So er nicht den Göttlichen Senfum inder H.
Schrift verfichet / fo lager die nur ungemeiſtert / erift daritı=
nen nicht gelehret / eriffi nur ein Buchflabenswechfler / und vers "
ſtehet doch keinen einigen Buchſtaben in ſeinem Senfu.
64. Alfo auch verftehet unsindem Weege von den Kindern
Moah / als Zaphets / Sems und Hans / undihren Kindern
und Kindes-Kinderns Sie hatten Die Senfualifche Sprache
verlohren und hatten ihnen eine geforunte gemacht / und redeten
alfo in einer geformten Sprache / die fie im Senfu auch felber,
nicht verftunden: Darum war ihnen GOTT verborgen / dan fte
verſtunden nicht mehr des H. Geiſtes Stimme in ihrer J
e
Sap.z s.durch Noas Kinder habe ausgeb. 297,
che / als die Mentalifche Zunge der 5. Vocalium.
65. Und fahen fihnah GHYTT um / wo er dan feyn muͤſte /
Dachten endlichen / er wäre auch etwas formliches und abtheili=
ges; und weil fie auff Erden nichts von GOTT verfichen moch⸗
fen / was oder wo er wäre/ und hatten gleichwohl von ihren Vaͤt⸗
tern fo viel von GOtt gehoͤret / fo gedachten fie / er müfteinder
Höhe überden Sternen wohnen] und dauchte fie nicht hoch da⸗
hin zu ſeyn; nahmen ihnen derowegen für einen Thurn zu bauen/
deffen Spige an den Himmel reichte / daß fie £önten zu ihme
hinauff fteigen 2 Auch wolten fie ihnen Dadurch einen groſſen
Namen machen / daß fie haften einen Thurn gebauet biß
an Himmel,
66. Eine folhe MWiffenfchafft hat der geformte Verſtand
von BDL /alsıman denn heufiges Tages ſolche Doktores findet /
die nichts mehr von GOttes Wohnung und Weſen wiſſen / als
dieſe Thurn⸗bauer / und bauen in ihrer Kunſt allefgmt (auſſer
dem Senfualifchen Wiſſen) an dieſem hohen Thurn können nire
gend hinaus zu GOtt kominen / darum zanden fie am Bau / ein
jeder faget wie er cher und beffer zu bauen fey / und können doch
nimmermehr eines werden / Denn ſie haben fich alle zu tode daran
gebauet / biß der HErr einen Wächter ſchicket / und ih⸗
nen weiſet / daß es vergebens iſt / daß ſie ihn nicht in der
Höhe finden werden | ſondern daß er mitten unter denn
Buchſtaben iſt / daß ſie ihn nicht gefannt haben.
67. Deſſen wir uns freuen] daß die Zeit gebohren iſt /
daß wir dom Thurn zu Babel find abgeführet worden /
und den heiligen GOtt in der fenfualifihen Sprache ſe⸗
hen mögen/Halleluja ! Der Ihren ift zerbrochen und.
umbgefallen/ daran ſich unfere Bätter haben zu tode
gebauet / und dehn nicht außgebauet haben: deſſen Grund
ſoll nicht mehr geleget werden weil die Erde ſtehet: Su:
getder Geiſt der Wunder.
68. Die verborgene Geheimnuͤß des Thurns und der zerthei⸗
feten Sprachen ift diefes : Die Menſchen hatten die Senfuali-
fhe Sprache des Heil. Geiftes in eine ſtumme Form gefaſſet /
und brauchten das geformte Wort menſchliches Berſtandes nur
in einer Form als in einẽ Gefaͤſſe / ſte redeten nur mit dem Gefaſſe /
und verſtunden nicht das Wort GOttes in ihrer eigenen fenfua-
lifchenzungen dag Gott felber im redenden Worte des Verſtan⸗
des waͤre / wie auch noch auff heute dergleichen geſchiehet und ift.
RS 69.Run
298 Wie fich der menfchl. Baumac. Cap. 357
69. Nun aber hatte ſich GOTT mit feinem Worte in das
menfchliche Bilde im Anfange der Schhpffung einverleiber / als
in die Eigenfchafften der Senfuum , und wolte nicht ſtumm oder
in einer einigen gefaften Formfeyn : Weil aber alle Dinge int
Wachſen / Saamen ımd Ernde ftehen / fo war ieht die Zeitder
Bluͤthe des menfchlichen Baumes / da fich der Geift der Senfuum
in feinen Eigenfhafften mit der Blüthe herfür thäte / und die
Eigenfchafften durch die Blüth außführete/ und ausder Blüth
in Früchte; und wie nun ein jede Blüth anıalleräufferften und
Höchften des Halms oder Zweiges am Baume oder Halm fich
auffthut und herfürgehet : Alfo auch trieb der Geiſt die Mens
ſchen Kinder dahin/ dag fie auch einen folchen hohen Thurn gleich
einem hohen Baum oder Halme machten / denn er wolte feine
Bluͤth und Früchte auch in der Höhe des. Halms offenbahren/und
eben auff dem Thurne den fie wolten an den Himmel bauen/ thaͤ⸗
te fich ver fenfualifhe Geiſt mitder Blüthe auff.
70. Denn der Menfchen Wille war / dag fie wolten zu GOtt
fteigen/und in derfelben Begierde und Willen thäte ſich der Sen-,
Aualifche GOtt herfür / denn fie fircheten ihn nurauff eine umb>
ſchriebene Weife ; alfo entgegnete er ihnen auch nur auffeine ges
faffete fenfualifche Weife aus gefaffeten Zungen und Sprachen /
Daran fie doch ſtumm waren/ und ihn nicht erkannten.
71. Sie waren mit dem heiligen Senfu in die Natur einge⸗
gangen / als mit dem Mentalifhen Geifte/ und die Natur hatte
die im Berftande gefangen : Darumb offenbahrete fich auch ihnen
GOtt mit dem fenfualifchen Geifte in gefaffeter Former Zun⸗
gen / aus den 72. Eigenfchafften/durch die 3. Principia ‚als durch
sin dreyfach (enfualifch Alphabeth/ nach der drey Xelten Eigen»
Schafft / als durch dreymahl vier und zwantzig Buchftaben in ge>
fafter Forın durch die Zungen/ang einem jeden Buchftaben durch
Die drey Principia, als in drey Eigenfihafften der Zungen und
Sprachen /nah Eigenfchafft der Dreyheit der Gottheit.
72. Und daher urftänden 72. Sprachen ausder einigen fen-
ſualiſchen Zungen/darinnen alle Sprachen liegen / und gieng ei>
ne jede Zunge und Sprache aufffein Volck / nach dehme ein jedes
Geſchlechte einer Eigenfchafft aus den Stamme menfchliches
Baumes aus dem geformten Worte war : Eine folhe Sprache
entſtund auch ausihnen/aus ihrem Senfu , als aus derfelben Eis
genfchafft des geforinten Worts.
73. Denn der Senfus der menfchlihen Rede / daß er reden.
kan / komt ihme urſpruͤnglich aus dem Göttlichen Worte / das ſich
im
E36. Bon der Antichrift: Babyl-Hurert. 299
im Verbo Fiat in eine Creation einführete : Jetzt führete fich daf>
felbe Wort durch die compactirte Eigenfchafften aus / nach ihrer
Compa&ion, Arth / Form und Eigenfihafften / denn alfo unter»
fchiedlich find auch die Senfus in der Qualität im Loco diefer
Welt / über einem Sande immeranderft als über dem andern:
Alfo hat auch GOtt die Sprachen nad) jedes Sandes Eigen>
Schafft formiret.
74. Darm weil fich die Voͤlcker in alle Sande zerftreuen ſol⸗
ten /fohatteer jedem Volck eine Sprache eröffnet / wie es in ei⸗
nem Sande wohnen würde / die fich unter diefelbe fenfualifche
Qualität ſchickete und damit concordirte / dag nicht die Qualität
des Sandes die Turbam in fich einführete / fo fte mit dem Worte
ihrer Stimme dem geformten Geifte in der Seelen der groffen
Welt deffelben Orts ihre Stimme einführeten.
75. Wie die Offenbahrung des geformten Wortes in dem
Geifte der Welt an jedem Orte war / alfo formete ihme auch
der Geift GOctes durch die Natur der Eigenfchafften die Spra=
chen in jedes Land: Erftlich die 72. Haubt⸗Sprachen aus der
Natur /hernach die An⸗Enckel aus den Senfibus jeder Haubt⸗
Sprache / wie man das vor Augen fichet / daß man an keinem
Orte der Welt unter allen Haubt-Sprachen auff 5. oder 6. Mei⸗
len einerley Senfus in einer Haubt⸗ Sprache findet / fie verdraͤ⸗
hen ſich faſt alle 5. oder 6. Meilen / alles nach den Eigenſchafften
deffelben Polioder Höhe / was für eine Eigenfchafft die Lufft hat
in ihrem inherrſchenden Geftiene : Eine folche Eigenſchafft hat
auch das gemeine Bold in der Sprache,
Das 36. Capittel.
Don der Antiehriftifchen Babyloniſchen Sure aller
Zungen | Bölcer und Sprachen was unter den
Sprachen umd dem Thurn zu Babel
” verborgen lieget.
Eine offene Pfortedes Geheimnüßes der groffen
bylon.
2. Unftiger gefer / ich wil dich in Liebe gewarnet ha⸗
ben / daß du unſern Sinn nicht wolleft nach den
aAffecten aus uns gegen jemand zu ſchmaͤhen / oder
inſonderheit zuverachten / vielweniger jemand in
ſeinem Stand und Ehren aus Afledten anzugreif
N 6 fen/
300 Von der Antichriftifchen Baby⸗ Cap. 36
fen / ſondern wir ſollen ins gemein reden: Ein jeder pruͤfe ſich
ſelber / er wird die groſſe Geheimnuͤß des Babyloniſchen Thurns
ohl an ſich finden / und auch die Zahl des falſchen Thieres. Er
eſe nur unſern Sinn uit Gedult / und rechne ſich ſelber nach ſeiſ
ner boͤſen angeerbten Eigenſchafft mit darunter / als denn wahr⸗
hafftig der irrdiſche ſterbliche Menſch an allen Menſchen unter
dieſen Text gehoͤret.
2. Wir werden allhie ſchreiben was die Zeit geboh—
von und offenbahret hat / und fo es nicht durch Menſchen
offenbahrer wuͤrde / fo würden es doch die Thiere müffen
offenbahren:: Denn die Zeit ift gebohren / amd hülfft
Fein wehren der Höchite führer fein Were aus.
3. Mofes faget: Nimrod / Hams Sohn/habe zu Babel fein
Reich angefangen / und ift der erfte Herr auff Erden nach der
Sündiluth gewefen / amd cin Anfanger des Thurnes und der
Stadt Babylon: Iſt aber nicht zu verſtehen / daß allein Hams
Kinder den Thurn haͤtten wollen bauen / ſondern auch Japhets
und Sems / denn ſie waren noch alle beyeinander / und wolten ei⸗
nen Thurn bauen / deſſen Spitze in den Himmel reichete / auff daß
ſie ihnen einen groſſen Namen macheten.
4. Dieſer Thurn / auff welchem ſich Haben die Zungen zertheilet /
dabey die groſſe Stadt Babel geſtanden / iſt eine Figur des ab⸗
gefallenen irrdiſchen Menſchens / welcher iſt in die Selbheit ein⸗
gegangen / und hat das geformte Wort GOttes in ihme zu einem
Abgott gemacht; denn des Thurnes Arth wandieſes / daß er follte
da ſtehen / als ein groß Wunder / das die Menſchen in ihrem
Duͤncken gemacht hatten / darauff ſie koͤnten zu GOtt ſteigen;
und deutet an den verlohrnen menſchlichen Verſtand von GOtt
ind ſeinem Wohnen und Weſen.
5. Der Menſch hatte ſich mit dem Verſtande durch die Be⸗
gierde zur Selbftzrigenpeit in die fenfualifche Zunge compadi-
ret / und in Eigenthumd gefuffet / in welchem Faſſen der wahre
Geift der Mentalifyen Zungen aus den 5. Vocalibus von ihme
gewichen war.
6. Richt zu verftchen / daß derfelbe Geift fen von feinem Ge⸗
fchöpffe gewichen /allein der freye Wille des Menſchen im ge>
formen Worte der ſtummen Buchſtaben / darinnen ſich der Geiſt
Der 5. Vocalium,als ver ungeformte Geiſt GOttes offenbahrete /
hatte ſich aus der Gelaſſenheit des ungeformten Geiſtes in eine
Eigenheit und Selb⸗wollen / als ein eigener GOtt kr - 5
effen
Cap. 36. loniſchen Sure aller Zungenic. 30%
deſſen Fürbilde war der Thurn / da die Menfchen zu Babelwols
fen darinnen im eigenem gefaffeten Willen und Gedanden zu
GH kommen und fleigen: Sie waren felber vom Geifte GOt⸗
tes aufgegangen Fund wolten ihnen Das Reich GOttes in der
Selbheit nehmen durch eigen Vermögen : Sie wolten in Böfe
und Gut in die Eigenfchafft GOttes Heiligkeit / min eigenem
felb:erbohrnen Willen eingehen : Das deutet an Die zertheile>
ten Zungen) da fich jede Eigenfchafft hatin cine Selbheit und ei⸗
gen Verſtand / aus der allgemeinen fenfualifchen Zungen einge⸗
fuͤhret / daß fte einander nicht mehr verſtunden / da der Verſtand
gefaſſet / und in eine Eigenheit gefuͤhret ward / aus und nach den
drey Alphabeten.
. Diefe gefaſſete Zunge hat der Heil. Geiſt am Pfingſttage
in St. Petri Predigt wieder eröffnet / da Petrus aus der eröff>
neten fenfualifchen Zungen in einer- Sprache alle Sprachen rea
dete; und das war auch Adams Sprache / Daraus er allen Crea⸗
turen Namengab.
8. Alfo verſtehet uns recht / vas Babel und derThurn zu Bas
bel andeutet: Die StadtBabel ift der Hams-Menfche/der dieſe
Stadt auf Erden bauet; der Thurn ift fein eigen erwähleter
GH und Gottesdienft. Alle Vernunfft-Gelehrte aus der
Schule diefer Welt find die Baumeiſter diefesThurnes. Alle die
jenige/welche fich zuSschrern auffwerffen/und von Menfchen dar»
zu beruffen werden ohne GOttes Geiſt / die ſind alle Werckmei⸗
ſter an dieſem Thurn uñ Abgott von der Welt her / keiner anderſt;
fie ſchnitzen alleſamt nur Steine und Hol zu dieſem Thurne.
9. Denn der Name Wimrod zeiget Das auch gantz Flar itt
feinem eigenen Senfu des geformten Worts an / daß es cine ge>
faffete zufammen compadirfe Luſt ſey / die fih als ein eigener
Gott in die Höhe fhwinge/ deffen Bilde der Thurn war: GOtt
lieg ſie in ihrem verwirreten Berftande die Figur ihrer Eigen⸗
ſchafft darſetzen / als ein Bilde / was der Menſch vor GOtt wor⸗
den ſey.
10. Nun ſpricht die Vernunfft / warumb lich GOtt das ge⸗
ſchehen Alſo muſte es ſeyn / auff dag ſich die Wunder der Weiß⸗
heit im ungeformten Worte der 5. Vocalium durch das geſormte
Wort der 3. Principien in eine Form oder aͤuſſerliche Beſchau⸗
ligkeit einfuͤhrete / als eine Nachmodelung oder Formung: Deñ
die finſtere Welt GOttes Zorns war im Menſchen offenbahr
worden / daraus die grobe irrdiſche Eigenſchafft war erbohren
worden / welche auch den Menſchen hatte gantz gefangen / die ſtel⸗
lefe auch ihr Bilde dar / als ein eigener Gtt. 11. So
302 Bonder Antichriftifchen Baby: Cap. 36.
zı. So war nun der Thurn ein Bilde der finftern Welt / da
die Menfchen wolten in der finftern Selbheit GOtt fchauen /
deutet an den irrdifchen Menfchen / der ftehet vor GOtt wie dies
fer Thurn / und ift ein Bilde Böttliher Beſchauligkeit nach
Boͤß und Gut /gleich einem gemahlten geben / denn Das rechte
menfchliche geben war das geformte Wort / das war in der eiges
> Degiende zur Selbheitsein ſolch Bilde vor GOtt / wie diefer
Thurn.
2. Alle Menſchen von Adam her / fo je von GOtt gelehret ha⸗
ben / ohne Goͤttliche Beſchauligkeit des Geiſtes GSttes in ih⸗
nen / die haben alle aus dieſem Thurne der verwirreten Zungen
geredet undgelehret : Und daher iſt der Streit umb GOtt und
feinen Willen und Weſen entſtanden / daß man hat in der Selb⸗
heit umb GOtt gezancket: Einer hat geſagt / man ſolte Ziegeln
zum Bau des Thurnes bringen / der ander Steine / der dritte
Kalck / der vierdte Holtz / Waſſer / oder andere Nothdurfft / und
derer Werckmeiſter ſeynd vielerley geweſen / ein jeder aus der
Eigenfchafft feiner Zungen / cin jeder hat den Thurn wollen auff
feinen Grund der Eigenfchafft bauen/einer hat in feiner Landes⸗
Eigenfchafft Steine darzı gehabt / der ander Seimen/der dritte
Kalck / der vierdfe Holtz / und hateinem jeden gut gedaucht ſeyn /
daß er den Thurn aus feiner Materia feiner Eigenfchafft alleine
für fich bauete zu einem groffen Wunder / auff dag alle Welt
darauff fehen foll/ mas er gebanet habe.
23. Und wenn es denn die andern Voͤlcker anderer Sander ges
fehen haben was diefer gebauet hat / fo haben fie das verachtet
und gefaget/ihre Sandes-Eigenfchafft der Materia fey beffer zum
Thurn / und haben angefangen zu verachten / und den Thurn für
fich zu bauen / und den auch gelobet / welcher von andern wieder
iſt verachtet worden / und haben auch ihres Landes Materiam für
beffer gehalten / big fo lange fie ſeynd in der Hoffarth und Zanck
alfo uneinig worden / dag fte haben vom Thurn abgelaffen / und
ſeynd ineinander gefallen/und haben einander über dem Erkaͤnt⸗
nuͤß des Thurns zu Babel ermordet / getödtet und verfolget/ und
welche Parthey alsdañ hat obgelegen/dic hit an dem Thurn wie>
ver aus feiner Eigenfchafft gebauet / biß fich wieder Haben Voͤlcker
erhaben/ und ihre Materiam für beffer geachtet.
24. Denn die Sprachen zum PVerftande waren verwirret
und zertheilet / darumb haben die Völcer einer des andern Eis
genfchafft nicht erfannt noch verftanden/und hat ein jedes Volck
gemeynet das ander in der Krafft des Verſtandes im geformten
orte
Eap.36. loniſchen Hure aller Zungenkt. 303
Worte frembde ſeyn; daraus iſt die Verachtung der Religion /
alsder Erkaͤntnuͤß des Wortes entftanden/ denn die fenfualifche
Zunge ward nach der Viele der Eigenfchafften compadtiref.
15. Und alfo ergesset fich in dem Streite der Menſch im com=
pactirten Worte der Zungen / der Grimm der ewigen Natur /
uñ auch der darinnen wohnende Fuͤrſt der Teuffel in ſeinenLegio⸗
nen x Und alfo herrſchet der Antichriſt / welcher der Thurn zu
Babel iſt / als der eigene Wille des Hams⸗Menſchen im Tempel
Gottes / und hat ſich an des Heil. Geiſtes Stelle geſetzet.
16. Denn der Tempel GOttes iſt das geformte Wort der
menfehlichen Sprachen undZungen im menfchlichen Berftand /
wie gefchrieben ftehet : Das Wort ift dir nahe / nehmlich in deis
nem Munde und Herken 5; und der Gegenſatz und Wohnung
jene Teuffels iſt Die Monftrofifhe Eigenſchafft aus der finftern
elt.
17. In dieſes geformte Wort Göttliches Verftandes hat fich
der Antichrift/ alsder Wille der Selbheit aus den Eigenfchaff>
ten der Natur eingefeget / und pranget mit feiner Eigenfchafft
der Natur Jalsmwäre er GOtt / und iſt doch der verdamte ver>
fluchte Sohn der zum Tode erfohrenift/ der GOttes Meich nicht
erben Fan / denn er ift nichtaus GOttes Willen zu? Ereatur
sworden/fondern aus dem Willen der Selbheit : Gleich wieder
Teuffel/ welcher ein Engelmwar / aus dem Willen der finſtern
Welit / welcher fich in ihme empor ſchwang / ein Teuffel ward.
18. Alſo iſt uns auch won dem Antichriſtiſchen Babyloni⸗
ſchen Thiere des eigenen Vernunfft⸗willens zuverſtehen / das
fi Goͤttlich nennet / und iſt nur cin Monſtrum des wahren
Menſchens / welcher in Adam dem heiligen Bilde GOttes der
geiſtlichen Welt abſtarb / und im Worte das ſich wieder in
menſchlicher Eigenſchafft in Chriſto offenbahrete / ſoll und muß
wieder neu⸗gebohren werden / oder mag das heilige Wort / als
das ungeformte Goͤttliche Wort der Krafft / nicht ſehen.
16. Daſſelbe heilige Wort muß wieder in die compactirte
fenfualifche Zunge eingehen / und diefelbe zerfchellen / daß der
ganze Berftandaller Zungen wieder in einer offenbahr werde /
wie Chriftus vom Eckſtein faget : Welcher ein Felß der Aerger⸗
eig auff welchen er aber falten würde / den würde er zer⸗
chellen.
20. Alfo verſtehet uns nun / was der Antichrift oder die Ba⸗
byloniſche Hure mit dem Drachen⸗Thiere / wie in Apocalypſi zus
ſehen / ſey. Ein jeder Menſch fo nicht wiederaus GOtt geboh⸗
1 443°
I
304 Von der Antichriftifcehen Baby» Cap. 36;
ren Ai hat das Mahlzeichen des Thieres und der falſchen Huren
an ſich.
21. Das Thier iſt der animaliſche irrdiſche Hams-Menſch /
als aus dem Limo. der Erden / nach der Erden Grobheit und
Boßheit / welcher aus der finftern Welt ift geurſtaͤndet / und im
Fluche GOttes ftehet. Daſſelbe Thier ift in Adam und Eva /
als ſie nach Böfe und Gut imaginirten / entftanden / und in eine
Eigenheitvon Göttlicher Krafft und Willen eingegangen / und
iſt vor GOtt nur ein Thier: Daffelbe Thier hat der Teuffel
infieiret mit feiner Begierde / und gantz monftrofifch gemacht/
und feine Begierde darein geführet/ daß es nur nach Eitelfeit
luͤſtert / wie eine Kuhe nach Grafe.
22, Die Hur aber des Thieres ift die arme / in der Eifel»
keit gefangene Seele / welche im geformten Worte der drey Prin-
eipien geftanden ift / welche GOttes Wilde war / die hat ihr durch
die Luſt des Thieres einen eigenen Willen erbohren / welcher von
GOTT in die Selbheit iſt eingegangen / als eine eigene ſelb⸗
erbohrne Ereatur/die da thut was fie wil/und nicht was GOttes
Geiſt wil: Derfelbe eigene von GOtt abtrünnige Wille ift die
Dur des Thieres / Die nit ihr felber in Hoffart der Selbheit
huret.
23. Nun lieget aber die arme gefangene Seele in dieſem gro⸗
ben Thiere / und in dem eigenen erbohrnen Willen / als in der
Huren gefangen / und ſaͤhnet ſich nach GOtt / aus deme ſte aus⸗
gegangen / und in das geſchaffene Bilde eingeblaſen ward; und
ſtehet ſich auff allen Seiten umb / wo ihr recht Vatterland ihrer
Ruhe iſt / fo findet ſie daß fie mit dieſer Huren bekleidet und ver⸗
deckt iſt / und fuͤhret ihre Begierde in dieſen Huren⸗Willen / und
ſuchet die Städte Gottes zur Ruhe / fo nimbt der Huren-Wille
der armen gefangenen Seelen Begierde in fich ein / und ſchwin⸗
get fich Damit empor / laͤſſet fich duͤncken fie fey in der Seelen⸗
Begierde das fehöne Kind GOttes / das den Himmel beſitzen
ſoll / und ruffet ſich für heilig aus/ftellet fich dar als einen GOtt /
dehn man chren und anbethen fol.
24. Und weil diefes Huren-Eind /als der falfche Wille der
Selbheit nicht kan die Stätte GOttes ſchauen / was und wo
Gott ſey / ſo gehet der falfche Wille in den Weeg feiner Eigen⸗
ſchafft /und faſſet ſich in das geoffenbahrete Wort der Buchſta⸗
beit / als in den geformten Hall der Kinder GOttes ein / welche
haben aus dem lebendigen Worte geredet / uñ ſtellet ſeine gefaſſete
Form des eigenen geſaſten Entis in das buchſtabiſche Wort ein
un
Cap. 36. loniſchen Hure aller Zungen! sc. 305
und bekleidet fich Aufferfich mit dein buchftabifchen Worte / ſtehet
da / und troget und faget: Hie Stätte GOttes / hie ift Himmel /
hie iſt GOtt offenbahr 5 Aber es ift nur ein Huren=Eind vor
Gott / und iſt zur Verdamnuͤß przdeftiniref / denn GOtt hatte
es nicht geſchaffen / es iſt aus der Seelen Luſt / als ſie ihr Antlitz
von HD ins Centrum fuͤhrete / und wolte Boͤſes und Gutes
ſchmaͤcken und probiren / erbohren worden.
25. Dieſes Huren⸗-kind ſitzet auff dem thieriſchen monſtro⸗
ſiſchen Menſchen / und reuthet auff ihme / als auff ſeinem Pferde /
und iſt halb Teuffel und halb Viehe / das ſoll und muß ſterben /
oder die Seele wird nicht erloͤſet werden / daß ſie wieder GOttes
Antlitz ſchauen mag.
26. Dieſe Hure hat ihre Krafft und Verſtand aus der Natur /
als aus der Compaction Boͤſes und Gutes / als aus der finftern
und aͤuſſern Welt hergenommen / und hat das edle Bild GOt⸗
tes nach GOtt aus dem him̃ liſchen Ente in ſich verſchlungen.
27. Allhie iſt der Sauhirte / wie Chriſtus ſaget / der fein
vätterfiches Erbe mit den Saͤuen verzehrethat : Er verftehet
die arıne Seele / welche ihre himliſche Güter in dem himliſchen
Ente mit Diefer Huren des böfen eigenen Teuffels- Willen ver⸗
fhlungen und verzehret hat / daß fie vor GOtt fichet als ein
zerlumpter Saͤuhirte / und huͤtet die Frucht der böfen Huren) als
des Teuffels Maſt-Saͤu auff Erden / welche find alle gottloſe
Menſchen in ihren Früchten.
28, Alfo verftchen wir/ was die Antichriftifche Babylonifche
Hurcam Menfchen ift/ welche aus den zerfheileten Eigenfchaffe
ten ift entftanden/als aus Adam / in deme die Eigenfchaffien aus
der gleichen Concordan& auseinander giengen /cin jede inihre
eigene Begierde und Luſt zur Selbheit / davon Adam irrdiſch
und fterblich ward /daraus hernach der Baum der Biele der Zune
gen und Sprachen aus einer einigen Zungen entflund,
29. So wiffet nun diefes / day aus den zertheileten Zungen
die Diele der Glauben find erbohren worden/ dag fich faft ein je⸗
des Volck hat in fonderlihe Meynungen von Dttes Weſen und
Willen eingeführet ; und darinnen ftehet die Berwirrung /als
das Geheimnuͤß der groffen Babylon / davon der Geift GOttes
ausder Prophetifhen Wurtzel / beydes aus der Linea Ehrifti /
wie Chriſtus der armen gefangenen Seelen wieder würde zu
Hülffefommen / und ihr recht Leben wiedergebähren / und zum
andern aus der Turba Magna geweiffaget / wie dieſes Thier
ſambt der Huren von GOttes Antlis in den fenrigen Pful ge⸗
worffen werden folle, 30. In
—X
As
—*
re
——
— *—
306 Bon derAntichriftifchen Baby- Cap. 36.
30, In dieſer Hureder Selbheithaben fich alle falfche Geiſt⸗
Vichen gekleidet / welche ohne GOttes Geift fich zu Schrern vom
Geheimnuͤß des Reichs GOttes haben auffgeworffen Auß⸗
wendig haben fie das Prophetifche und Apoftolifche Wort über
fich gedecket / und fich auffdas Zeugnüg der Bibel beruffen ; aber
fie haben ihren eigenen Senfum aus der Huren Ente darein ge=
führet/und find im Hertzen an der fleifeplichen Huren gehangen/
und haben die Senſualiſche Prophetifche und Apoſtoliſche Zunge
nicht verftanden.
31. Sie haben nur aus dem Senfu ihrer thierifchen Selbheit
durch das Prophetifche und Apoſtoliſche Work geredet / und
Ehrifti Wort in ihren Senfum der eigenen Hurerey geführet
und Hurerey getrieben/ ihr HurensFindunter Chrifti Purpur—
mantel mit Silber / Bold und Edelſteinen / auch mit weltlicher
Ehren / Gunft und Reichthumb geſchmuͤcket.
32. Denen find die Menfchen nachgelauffen / und haben fte
für Götter gehalten/mit ihrem Huren-kind gebuhlet / und da doch
ihr Herk nimmermehr eins / noch auff einigem Grunde geftanden
iſt / und das iſts / das der Prophet Daniel ſaget: Sie werden ei⸗
nen Gott ehren / davon ihre Vaͤtter nicht gewuſt haben / mit Sil⸗
ber / Gold und Edelgeſteinen / uñ dehnen die ihnen helffen ſtaͤrcken
Maozgim / das Land zum Erbe außtheilen; daſſelbe gantze Ca—
pittel gehoͤret hieher.
33. Wann wir nun dieſen Babyloniſchen Thurn recht an⸗
fehen was er jest in Chriſti Reiche auff Erden iſt /und was er
unter Mofe und bey den Heyden geweſen iſt / fo finden wir Elar /
daß er bey allen dreyen gantz einer Eigenfcharft ift / fo wohlauch
bey den Türcken und jeßigen Audens Ein jedes Volck bauet ihn
aus feiner eigenen Materia , denn in der rechten allgemeinen fen-
fualifchen Zungen / wenn die in einer offenbahr ift / fo find wir
allzumahl nur eimeiniges Bold aus Adam her.
34. Daß wir aber zertrannt feynd / und in Meynungen eins
geführet worden / das ift die rfache der Baumeifter s Als der
hohen Schulen/ Pfaffen/ Paͤbſte / Bifchoffe/Doctoren. Item /
der Rabbinen und Meifter aller Voͤlcker / welche find zu Werck⸗
meiftern des Thurns gefeßet worden : Diefe allehaben aus ih>
ren eigenen Sprachen und natürlichem Berftande gerichtet/ als
aus der gefaffeten und geformten fenfualifchen Zungen / aus den
auffern Buchftaben/ und weder GOtt noch das Liecht der Natur
erkannt /fepnd in beyden blind und ſtumm geweſen / beydes die
Juden und Heyden! fo wohl auch die felb-gemachte Schrer Der
Chriſten. 35.6
Cap. 36. Ionifchen Hure aller Zungen; 307
35. Alles was auffer GOttes Geiftgelauffen ift ohne Goͤtt⸗
lichen Berftand unter Juden / Heyden / Chriften und Türcken /
das hat nur diefen Thurn in eigener Effeng gebauet / under ift
ein Thurn der groffen Wunder GOttes / Goͤttlicher Beſchaulig⸗
keit nach Liecht und Finſternuͤß / nach Leben und Tod / nach Freu⸗
de und Leyd.
36. Nicht zuverſtehen / daß dieſer Thurn nichts nuͤtze ſey vor
GOtt / er iſt das groſſe Geheimnuͤß Goͤttlicher Offenbahrung /
nach Liebe und Zorn / gleich wie GOtt aus dem groſſen Myſterio
allerley Thiere / böfe und gute / fo wohl allerley Voͤgel / Wuͤrme /
Baͤume und Kräuter geſchaffen hat / als zu feiner Offenbahrung
der groſſen Wunder: Alſo hat auch der menſchliche Baum ſolche
Wunder aus feiner ſenſualiſchen Zungen / aus der Viele der Ei⸗
genſchafften herfuͤr bracht / und in ein Weſen gefuͤhret zu ſeinem
wachſen / als zu der groſſen Einernde GOttes / da jede Eigen
ſchafft aus Liebe und Zorn / aus Liecht und Finſternuͤß ſeine
Frucht einernden / und ein jedes feinen Himmel in ſich ſelber be>
ſttzen wird / in ſeinem eigenen gefaſſeten Ente, aus dem einigen
orte EHttes / welches ſich hat allem Leben eingegeben / einem
jeden Leben nach undaus feinem Principio, nach feiner Eigen
ſchafft / als ein allgemein Wort / zur herzlichen Offenbahrung der.
E wigfeif.
37. Wen wir num dieſes Thier mit der Hure weiter betrachten?
was es in fich felber von innen und auffen fey / fo finden wir / daß
es das geformte compadtirfe Wort ver Geifter der Buchſtaben
iſt denn die Menfchen in ihrem Leben feynd alle einerley Eigen
ſchafft / alle aus einem Sleifche und Scele gegeuget/und haben alle
nur ein einig Leben / als wie ein Baum in viel Aeften und Zwei⸗
gen/ da die Aefte einander nicht gans in Form ahnlich fehen/ ha⸗
ben aber alle einerley Safft und Krafft: Alfo auch die Ereatur:
der Menſchen unter Juden / Chriſten / Tuͤrcken und Heyden.
38. Und iſt diß der einige Unterſcheid / daß uns die Geiſter
der Buchſtaben im geformten Worte im Verſtand ſcheiden /
fonft leben wir alle gleich in den vier Elementen / und effen von
einer Mutter ihrer Früchte / und bleiben in ihr / fo wir dieſem
auffern Leben abfterben.
39. Die compadtirte ſenſualiſche Zunge / welche fich in der
Geiftern der Buchſtaben haf getheilet/ machet uns irre / daß
wir vermeynen / wir fepnd einander frembde / und feynd Doch alle;
nur ein einiger Baum / welchen der Teuffelin Adam mit feiner
Begierde vergiftet hat / daß fich die Gleichheit Hat in 4 ie
———— gleich⸗
308 Bonner Antichriftifchen Baby Cap.z 6;
gleichheit ausgeführet /_ Davon die Geifter der Buchſtaben
offenbahr feynd worden/daß wir aus vielen Spracherreden/ das
iſt / daß mir Das kraͤfftige Wort GOttes haben in. die Viele
der zertheilten Eigenfchafften eingefuͤhret / und in jeder Zungen
Eigenſchafft eine Selbheit / oder eigen Begierde zur Einfaſ⸗
ſung gemacht.
40. Daraus entſtehet Widerwertigkeit und Bilder / daß wir
Das ungeformte Wort haben ins Bilde eingefuͤhret: Jetzt ſtreiten
wir nun um dieſelben Bilder / da ein jeder meynet er habe ein
beſſers / und wenn man dieſelben Bilder alle wieder in eine
Sprache einfuͤhret / und die Bilder toͤdtet / fo iſt das einig le—
bendigmachende Wort GOttes / welches allenDingen geben und
Krafft gibt / offenbahr / und hat der Streit ein Ende / und iſt
GOTT alles in allen.
42. Darımm fagenwir / als wir esin Genaden des
Einen haben erkannt] daß aller Menſchen vünden und
Wilfenfhafft von GOTT / feinem Weſen md Willen ohne
Goͤttlich Lecht / daffelbe Huren-thier iſt / das aus den compa-
ctirten Geiſtern der Vuchſtaben entſtanden iſt da man um die
Geiſter der Buchſtaben zancket.
42. Wir haben die fünff Vocales im Alphabet verlohren /
welche die Beifter der Buchſtaben alle in eine Harmoney ein⸗
führen /: und die fünff Vocales feynd gleich als wie ſtumm
gegen den andern Buchſtaben / und ſeynd doch der andern Le⸗
ben / denn es mag kein Wort gebildet werden / es muß ſein
Vocalis darbey ſeyn.
43. So iſt uns jetzo kein befferer Raht zur Einigung / daß wir
moͤgen mit uns ſelber wieder eines ſeyn / ein Volck / ein Baum /
can Menſch / ein Seel und Leib / als daß wir die Bilder der
Buchſtaben in uns alle zerbrechen und toͤdten / und kein einiges
leben laſſen / nichts mehr von GOTT begehren zu wiſſen und zu
wollen / als nur einig und allein was GOTT in und durch
uns wiſſen wil / dag wir der Seelen Hunger und Begierde
- einigumdallein/ ohn alles ander wiſſen / in die A Vocales
einerſencken / und Darinnen ift der groffe H. Name GHDttes
Teova oder Jeſus / (als das lebendige Wort / das allen Din
gen leben gibt) offenbahr / und nicht nach der Natur Eigen⸗
ſchafft / der Unterſcheid vieler Willen; ſondern in der einigen
Liebe⸗Sonne iſt er darinnen offenbahr.
44. Gleich wie die auıferr Sonne der gantzen Welt Sicht.
und — giebet: Alſo auch dieſer einiger Name in feiner
Krafft
Cap 36. loniſchen Sure aller Zungen rc. 309
Krafft / giebet allen Buchſtaben Leben und Verſtand: und
verſtehet uns gar eben recht was wir meynen mit der Hurerey
der Buchſtaben.
45. Die Buchſtaben / als die Eigenſchafften der Senſua⸗
liſchen Zungen? haben fich in eine aufferliche Form oder eige⸗
nen Millen und Verſtand eingeführet / und haben fich mit
den Vocalibus ineine Faſſung eingeführet: Als dieſes geſche⸗
hen ift / fo ift Jeſus als der heilige Name Jeova/ in den
Buchflaben mitden 5.Vocalibus der heiligen einigen Menta⸗
liſchen Zungen / in der fenfualifchen Zunge geftorben ; das
iſt der geiftlihe Menfch / welcher in GOTT gelaffen ift/ iſt des
Göttlichen Berftandes und Willens geftorben. _
46. Nun iſt aus dem Senfualifchen Geifte der andern Buch⸗
ftaben / ein eigenwilliges Thier der Ichheit und Selbheit wor⸗
den / das nur toͤdtet und todte Frucht würdet: Denn Paulus
faget / der Buchſtabe toͤdtet aber der Geiſt macht lebendig /
das verſtehet alſo.
47. Die zertheilte Senſualiſche Zunge toͤdtet uus / und
macht uns uneinig / fuͤhret uns in Babel: Aber der Geiſt der
Vocalium, als der heilige Name GOttes macht uns in ihme
wieder lebendig: Darum hat ſich das H. Wort der 5. Voca-
lium mit einem theuren Bunde alsbald im Paradeiß / als fich
die Geifter der Buchſtaben frenneten / undin die Selbheit der
Wunder GSttes eingiengen / wieder indie Buchſtaben / als
in den natürlichen Menfchen einverleibet / fich wieder miteiner
Bewegung der CompadtirtenZungen zu offenbahren/und wieder
den H. Senfum indie Senfualifche Zunge einzuführen.
48. Alfo verftchet uns nun recht: die buchftabifche Form /
in der ſenſualiſchen Zunge ift nun das böfe Thier / das in ei»
gener Gewalt herrſchen wil: In diefes böfe Thier hat fich der
Geiftder sg. Vocalium , als der Name Iehovah welcher den Je⸗
ſum mit dem H. darein hateingehaucht/ einergeben / das böfe
Thier getoͤdtet / als den eigenen Willen] und die Geifter der
Buchſtaben / als venrechten natürlichen Menfchen wieder mit
der Tinctur des heiligen Namens der Vocalium oder Ihefu tin⸗
giret / und den Tod oder Zödter in den Birchftaben mit der
Siebe getoͤdtet / und ihm den Willen der Selbheit zerbrochen /
daß ſich die Geiſter der Buchſtaben nicht mehr koͤnnen in eine ei⸗
gene Compaction der Senſualiſchen Zungen einfuͤhren / denn
fie ſeynd in eigenem Willen tod / und der Geiſt Ichova in
Zeeſu iſt ihr Sehen worden/ daß fie nicht mehr ihrer —
als
310 Bonder Antichriftifchen Baby: Cap.z 6,
als der Ratur des Grimmes leben / fondern was fie num leben;
Das leben fie GOTT.
49. Alfo iſt ietzt in uns das Thierder Huren von auffen/ als
an dem sterblichen Menſchen / und innen if& Chriſtus in dem
unſterblichen Menfchen / ver ift durch den Todt der Buchftas
ben hindurch gedrungen/ und hat den Tod zum Leben gemacht.
so. Jetzt liegets dem Menfchen nun an deme / daß erder Bil⸗
der der Buchſtaben in ihme auch erſterbe / und aus aller. ver>
nuͤnfftigen Wiſſene der Natur / und aller Babyloniſchen Bau⸗
meiſter / wie die immer heiſſen / ausgehe / und in diß einige
geben Ihefu eingehe / und um denſelben Weeg nicht diſputire /
wo er ſey / ſondern dencke nur / dag er in ihme ſey / daß er muß
alles verlaſſen / es ſey Kunſt oder Witze / und einig allein in
ſich ſelber einig werden / ſich nur in eines einfuͤhren / als in GOttes
Willen / was der mit ihme thun und machen wolle: Er muß
ſich Willen⸗loß geben / und gank in GOttes Erbarmen laſſen /
und all ſein Lernen in diß einige einfuͤhren / daß er nichts mehr in
ſeinem Lehren und Lernen wolle thun und reden / ohne was
GOTT durchihn wil: Alſo ſterben alle Bilder in ihme / und
fallet das Seeliſche Seben in das lebendige Wort cin / das ſich
an der Menfchheit offenbahret.
51. Denndasift das groffe Thier der Babyloniſchen Huren
in uns / daß wir uns im Bilde der Buchftaben einführen / und
machen uns Meynungen / dieſelbe Meynung iſt ein Thier.
52. Wir tollen uns auch ſelber nicht wollen wiſſen / ſondern
mit unſerm eigenen Willen immerdar ſterben / und in allen
Dingen GOTT die Ehre geben / und ihme das alles wieder ge—
ben / was er ums giebet / als da ift / Verſtand / Weißheit
und Witze / und erkennen daß es nicht unſer eigen ift/ fondern
daß die Göttliche Sonne / aus und durch ung fcheine/ und in ung
wuͤrcke wie fie wolle,
53. Altofollen wir auch unfer Krafft / welche die Göttliche
Sonne in uns wuͤrcket / ingemein wieder von ung geben / ohne
alle Bedinge oder Nieffung von jemanden/ wer uns unfer Leben
hülfft Aufferlich erhalten / dem follen wir danckbahr feyn / und
Niemand um feiner Authorität willen heucheln / oder feinen
falſchen Glaſt / in dig Sonnen⸗liecht einnehmen] fondern es foll
allgemein ſeyn / wie fich der Sonnen Schein allgemein einer=
giebet/ und feinem ſtarcken Dinge was anders giebet/ alsnur
ihre Lauterkeit / mit einerley Krafft tingiret fie die Erde und
ihre Kinder / amd giebetallen Leben und Kraft.
54.Hier⸗
Cap. 36. loniſchen Sure aller Zungen ꝛtc. 318
54. Hierbey ſoll man nun erkennen: Ob einer ein Lehrer von
GOLT ſey gefandt / oder ob er aus dem Geiſt der Buchſtaben
ſey herkommen: Iſt er allgemein aus der Liebe gebohren / fo
hat er das Liecht Goͤttlicher Erkaͤntnuͤß / als ven Senſugli⸗
fchen Göttlichen Verftand / eine tingirte Zunge ausdem Goͤtt⸗
lichen Ente der 5. Vocalium , und redet aus dem Geift GOt⸗
tes / ftraffet und lehret gewaltig / ohne jemands Perfon Ans
fehen/ und. hatkein Bilde in ſich: Denn er lehret aus GOttes
Geiſt / was der in ihme lehret.
55. Iſt er aber ein Baumeiſter des Thurns zu Babel / aus
dem Geiſt der Buchſtaben gebohren / als aus der Ungleichheit /
fo iſt er ein Heuchler / ein Lieb⸗-koſer derer ſo ihn ſchmuͤcken /
welche ihme helffen ehren Maozim / feinen Buchſtaben⸗Gott /
in den zertheilten Zungen / ein Spoͤtter derer ſo ihn in ſeiner
Form nicht ehren / ein eigenehriger / hoffaͤrtiger / unter gleiſ⸗
ſendem Scheine) tin geitziger / boßhafftiger / neidiger / ſich
ſelber kennender und ehrender der von Menſchen wil ges
ehret ſeyn; miſſet ihme ſelber Verſtand und Weißheit zu /
ruͤhmet ſich der Weißheit und Verſtandes / und hat doch des
rer keines / ſondern er iſt nur ein Bauer am Thurn zu Babel /
als einer aͤuſſerlichen Figur / ein gemahlter Chriſt / er wil
andere Ichren / und ift doch felber ungelehret von GOTT:
Er [chret nur aus der Form der compactirten Geifter der
Buchftaben/ welche ſich in Boͤß und Gut compactiret haben /
diefelbe nimt er in eigene Gewalt / und compactirefdie Wor⸗
te zufanmmen ineine Meynung.
56. Unddiefelte Meynungiftder Thurn zu Babel’ unddie
jenigen welche ihm zulauffen / und ſich mit ihme in der Meynung
verbinden / ſeind die Statt Babel / als die Kinder Nimrod /
welche auff dieſen Thurne wollen in den Himmel ſteigen / und
ſteigen immerdar ihr gantzes Leben / kommen doch in der Mey⸗
nung nicht in Himmel / ſondern wenn die Zeit der auffern buch⸗
ſtabiſchen Eonftellation um ift/ fo fallet der gebauete Thuru
um / als der Äuffere Menſch / mit famt der Mepnung/ und
zerbricht alles miteinander / big auff die einige Seele / die
ſtehet alsdan nackend und bloß vor GOTT.
57. Hier ift num kein Raht / fichabe dan den einigen Geift
der lautenden Buchſtaben / als das ungeformte Wort in ſich / daß
fie maginihrer Begierde daffelbe an fich ziehen / und fich damit
befleiden / daß daflelbe die gefaffete compactirte Zunge und
Bilde der Buchſtaben alle zerſprenget / umd in eine einige aunge
u
312 Bon der Antichriftifchen Baby⸗Cap. 36.
und Willen einführen / welcher ift GOTT alles in allem:
Alles muß wieder in das eine / als in das Gange gehen / in
der Vielheit iſt nur Streit und Unruhe / aber in dem einem
iſt eine ewige Ruhe / und kein Wider-wille.
58. Wenn wir nun wollen den Thurn und die Stadt Babel
in ihrem formirten Bilde auff Erden betrachten / was und
wo cr ſey / fo finden wir hell vor Augen gemahlet / dag es die
groffe Haufer ver Kirchen / Klöfter und Schlöffer find / fo wohl
die veften Mauren und Thürne der Stätte auff Erden da .
man fich für Gewaltverbirget/ und inden Kirchen / Klöftern
und Stiften inden Meynungen / vor GOTT heuchelt / und zu
ihme ſchreyet / dag er uns ſoll in unſerer erdichteten und gefaſſe⸗
ten Meynungder Buchſtaben annehmen.
59. Was ift das alles ? Eine Abgötterey und Heucheley /
ein Antihrift mit Glantz und Scheine: Was bringet man in
die gleitinerifche Babylon ? Nichts ald Bilde / und ſelbſt-gefaſ⸗
fete Meynungen aus der buchftabifchen Form: Was nimt man
mit heim aus dieſem gleißnerifchen Haufe ? Nur Bilde der
Buchſtaben / in diefelbe Bilde faffer fich die arıne Gefangene
Seele / welche doch voll Furcht und Zagen iſt / wegen der gefaf>
feten Bilde / amd fürchtet immerdar / ein ander Bold in ſei⸗
nen auch gefaffeten Bildern möchte einbrechen / und dieſe feine
Bilde zerſtoͤren. Darum hat mangroffe Schlöffer und Thürne/
und Mauren an Staͤdten und Kicchen gemacht / daß man fich
wehren kan daß nichtder Thurn / darauff fie wollen in Himmel
ſteigen / zerftöret werde.
60. Spfpricht nun die Vernunfft: Das findja Schrhäufer /
da man den Unverſtaͤndigen Ichret/ da man finger und betetz
Sihe auswendig inumd bey den buchftabifchen Menfchen / ifts
nur der Thurn und die Statt Babel ; Aber inwendig bey den
Kindern Go—ttes / in welchen der Tempel EHftes ift / wo die
Bilde zerftöret find / da ift Chriſtus / das iſt in denen / welche
alle Bilde und Meynungen in ihnen gerbrochen haben / und find
einig und allein / Durch Umwendung aus allen Bildern / in
die einige Genade und Barmhertzigkeit GOttes in fein Erbar⸗
men eingegangen / und fich gank unwuͤrdig / nichtig] und als
tod gemacht / die da nichts mehr wollen noch begehren / als
nur die einige Lauter keit GOttes in feinem Liebe- Willen / und
fich aller Annehmung viel zu unwuͤrdig achten / und in höchfter
Demuhtin G ttes Erbarmen einfallen / gleich als wären fie
nichts / und alleihr Begehren und Willen in GOttes Erbars
e men
PAR
Po
m
5
Cap. 36. loniſchen Hure aller Zungenne. 313
men einwerffen / was der in Ihnen wolle oder thue / das wolle:
fie auch / undnichtsmehr. In denen fag ich /ifts ein Lehr-⸗haus
amd Hörshaus/ ein Tempel GOttes / da der Geiſt GOttes /
in der Seelen lehret / hoͤret / betet finget und GOTT lobet /
dan fie ſind aller Selbheit / und Selb-wollens und Meynens ab⸗
geſtorben / und ſpielen einig im Lobe GOttes / in der Erkaͤntnuͤß
des heiligen Geiſtes / dieſe ſind die Kirche Chriſti.
- 6x. Die andern aber / haben nur den Thurn zu Babel in der
Meynung in ihren Bildern / dieſelben Goͤtzen tragen ſie in
Steinhaufſen / und glaͤntzen damit / beten ſte an / und tragen fie
wieder mit zu Hauſe / und ſtreiten umb ſie / als hätten fie den le—
bendigen GOTT in ſich / und führen groſſe Kriege umb dieſe
Bilder / verwülten Sand und Leut / und find doch thoͤrichter als
die Voͤgel in der Lufft / welche alle in einer Zungen und Ver—
Kande GOTT loben undchren / denn fie find alle ohne Bilde /
was der groffe GOTT mit ihnen thut / da find fie zu Frieden.
62. Der menfhlihe Baum ifEnur ein einiger Baum / fo fie
indem einigen GOTT / der fie gefchaffen hat / blieben / und ına=
cheten ihnen nicht Bilde/ wer wolte ſte umb GOTT uneinig
machen? fo fie doch alle in dem einigen GOTT leben und find /
und ftreiten auch umb GOTT.
63. Warumb ſtreiten fte ? umb ihre Bilde des Hertzens / und
umb die fleinerne Häufer der Kirchen / und umb die Hoffart
der Bilde/ ein jeder wil fein Bild ehren / und hoch erheben /
gleich. einem hohen Thurne/ daß er ein groß Anſehen habe in der
Stadt Babel) darumb bauen fie Schlöffer und Mauren / das
Bilde zu verwahren / und heucheln ihnen felber / und verſtehen
unter dem gefafferen gemahleten Bilde / den Gott Miaszim/
als ven fetten Bauch und Wolluft des Thieres / diefes Huren
Bildes; Das Bilde fegen fie auff den Thurn zu ihrer Scheint
heucheley / damit fie vor GOtt gleiffen / als mit einem eigenen
erbohrnem GOtt: Aber das Thier führen fte in die Mauer / daß
es ficher fey /da fichs mag mäften.
64. Was ift num diefes Thier mitder Huren? Es iſt halb
Zeuffel/ ver fein Reich auff Erden hat/ und ift halb Viche ;
dieſes böfe Thier hat den Menfchen / als das Bilde Gottes vers
fhlungen.
65. Und umb defwillen iſt GOTT Menfch worden / dag cr
die Werde des Zeuffels zerſtoͤre / tödte und zu nicht mache: und
dieſe Göttliche Menſchheit muͤſſen wir anzichen/ und dem Teu =
fel fein Reich in uns zerftören / und alle Bilde toͤdten / anderft
9 möge
314 Von der Antichriftifchen Baby Eapız 6,
mögen wir nicht GOtt ſchauen / das lebendige Wort muß das
buch ſtabiſche Bild toͤdten.
66. Das lebendige Wort iſt darumb Menſch worden / auff
daß das buchſtabiſche Bild ſterbe / und der erſte Menſch / welcher
aus dem lebendigen Worte in Gottes Bilde formiret ward in
Chriſti Geifte/ als in dem lebendigen Worte / wieder nenges
bohren werde: und fo er nungebohren ift / fo find ihne die Bilde
lehrer viel mehr ſchaͤdlich als nuͤtzlich: Denn fie führen nurihre
Bilde in den Tempel Chriſti ein / und zerſtoͤren das Bilde
GOttes.
67. Und das ſey allhier bey den Kindern Nimrod / und dem
Thurn zu Babel geſaget: Als es uns denn alſo der Geiſt hat zu
erkennen gegeben / und vermahnen den Leſer im Liebe ſich zu pruͤ⸗
fen / er wird ſich finden wo er ſey. Es iſt nicht geſchrieben jemand
zu ſchmaͤhen / ſondern alſo redet der Geiſt mit offenem
Munde / und zeiget an / was alles ſey / wovon / und in
was Ende das gehen ſoll. |
68. Daß aber alfovielvon dem Thier undder Huren zu Babel
geſchrieben wird / Das iſt die Urfache / daß es an feinem Ende ift/
und bald zerbrechen foll/ ſo muß es offenbahr feyn / daß man das
fee und erkenne: Denn Babel faͤllet che nicht / es falle denn
das alles / das die Bilde gemachethaben: Es müffen alle Bil-
de mit ſambt dem Thier umd der Huren fallen / fonft ift kei⸗
ne Artzney.
609. Man hat lange Zeit daran geflicket / und je gemeynet /
man wollcausder Huren eine Jungfrau machen /aber ihre Hu⸗
rerey ift Dadurch nur geſchmuͤcket und gröffer worden: ſoll dieſe
Hure fallen / fo müffen alle Secten / welche nur Bilde der Hu⸗
ren find / zu Grund und zu Boden gehen / mit ſambt dem Thier
darauff ſie reuthet: Ein jeder Menſch mug die Bilde und Abgoͤt⸗
ger infich zerbrechen / und da fie das nicht thun wollen fü.
thut es der Enfer des Herren. =
70, Wie gar febön hebet anjetzo die Hure das Haubt
empor | und höret daß der Geift von Zion deutet / als von der
geſchmuͤckten H. Braut Chriſti / fo dencket fie / fie fey das (hd =
ne Kind / das GHLE wolle in einen güldenen Tempel einführen
da eine guͤldene Zeitundeitel Freude tund Wolluſt inne ſey / und
ſiehet nnd ſich / wo dan der ſchoͤne Tempel GOttes werde her⸗
rommen / in dehn ſie ſolle eingehen / und sur Jungfrau werden /
ſie hoͤret immerdar wo denn dieſelbigen heiligen ——
her⸗
*
Cap.36. loniſchen Hure aller Zungen/rc. 315
herkommen / die eine guͤldene Welt / wie ſie dencket / machen
werden.
71. Sie dendet aber nicht / daß fte wil von ihrer geisigen
wollüftigen Hurerey ablaffen/ und fich bekehren: Nein / fie
wird je Ärger und unzuͤchtiger / voll after / dag an ihr forthin
wenig Gutes mehr iſt / und ſtehet vor GOtt alseine Hure am
Pranger die verurtheilet ift.
72. Höre du geſchmuͤckte und gekrönte Babylon / voll Ubels
vor GHLE und feinen Engeln, wir haben einen Wächter
hören fagen : Rein ab / die Stadt mit fambt dem Thur⸗
ne der Huren und dem Thiere iſt gefallen / und von dem
Alferhöchtten verurtheilet worden. Du ſolſt die Stadt
Gottes nicht fehen ewiglich / es fey denn dag deine Kin:
der den beſudelten Mod voll Schande vor SOTT gang
ausziehen und wegwerffen/ und gantz nackend und bloff
ohn einige Bilde dem Allerhoͤchſten zu Fuſſe fallen [und
fich zu ihm bekehren / diefe möchten fie ja ſehen und
die andern ſo auff güldene Berge hoffen / da man zeit:
liche Ehr / Geld und Wolluſt des Fleiſches ſuchet / gar
feiner /Amen.
73. Die Vernunfft wird allhie indem obigen Texte / als ge⸗
meldet worden iſt / daß ein wahrer Chriſt muͤſſe aller Bilder und
eigener Wiſſene abſterben / und gantz in ihme zu nicht werdenf
anheben zu ſpeculiren / zu fadlen und ſagen / man wolle die na⸗
türliche Erfäntnüg und Aufferliche finnfiche Weizheit verbie⸗
ten / damit man das Leben / und alle Dinge dieſer QBelf regieret/
fo wärs aller Berftand auffgehaben.
74. Dehme fagen wir daß am Menſchen nichts auffgehaben
wird: weder Verſtand / Wise/ noch Kunft: Denn dasalles
urſtaͤndet aus Göftlicher Weißheit / wir Heben nicht das ausge⸗
forochene Wort der geformten Weißheit GOttes auff / fondern
nur das Thier / welches in Goͤttlicher Beſchauligkeit regieren
wil: Al den thieriſchen Willen zur Selbheit und Eigenheit /
welcher von GOtt abgewichen iſt / der ſich als ein falſcher eigener
Gott ehret / und GOtt nicht glauben oder trauen mag: (als
den Antichriſt / welcher ſich in GOttes Staͤdte geſetzet hat) und
lehren hingegen / dag der Menſch der Antichriſtiſchen Bilder
folf gang erfterben/ auff dag er in Ehrifto eines neuen Lebens
und Willens gebohren werde / welcher neuer Wille im geformten
3 — Wor!te
316 Bonner Antichriftifchen Baby- Eap.z 6,
Worteder Natur Macht hat mit Göttlihen Augen alle Wunder
Gottes I beydes in Natur umd Ereatur/in der geformten Weiß⸗
heit zu ſchauen.
75. Demm fo der Antichrift in der Seelen flirbet / fo ftehet
Ehriftus vom Tode auff/ denn er ruhet inden 5. Vocalibus in
feinem Grabe / alsinder mentalifchen Zungen / welchein Mdanı
geftorben / und in dem Antichrift gefangen lieget/ wenn diefer
vom Tode in der mentalifchen Zungen auffftchet) und lebendig
wird / fo eröffnet er alle Schäße der himmliſchen Weißheit in
der Senfualifchen Zungen / dag der Menfch die Beifter der Buch»
ſtaben / als das geformte Wort der Natur / inallen drey Prin-
eipien viel Elärer verſtehet / als zuvorhin in dem Antichriftifchen
Huren⸗kinde.
76. Denn die neue Gebuhrt geſchicht wohl in der mentaliſchen
Zungen/ als indem verblichenen Bilde der himmliſchen Menſch⸗
heit / aber fie tingiret und würffet abe das falfche Antichriftifche
Bilde vonder natürlichen Menfchheit /alsvon den Geiftern der
ſtummen Buchftaben / und macht fie in ihrer Selbheit alle ſtum̃ /
und giebet ihnen ihr eigen Leben / daß fte fich in der neuen Menſch⸗
heit befchauen / und alle ihre Annehmligkeit und Formungen
in der neuen Mengchheit machen,
77. Diefelbe neue Annehmligkeit und Formung gefchicht im
Goͤttlichen Willen in der Gelaffenheit/ und das find himmliſche
Bilder und Formungen / welche im H. Geifte gebildet werdeit
zur Ehre Gottes.
78. Denn fo der heilige Name Gottes in feiner Kraft nicht
in der Bildung der Wörter ift/ alsinden Beiftern der Buchs
faben / welche das geformte Wort find / und mitin der ſenſug—⸗
liſchen Zungen das Wort Hilft bilden / fo redet nur der fals
fhe Antichrift aus der eigenen Annehmung der buchftabifchen
Form,
79. Denn der Geift Gottes bildet indas Wortdes Mundes/
fo es die ſenſualiſche Zunge faffet/ Gerechtigkeit / Wahrheit /
Glauben / Siebe und Gedult mit ein / als Göttliche Krafft und
Tugend: Aber das Antichriftifche Kind bilder in Faſſung des
Worts aus der Schlangen Ente, Luͤgen / Falfchheit / Untreu/
Hoffarth / Geitz / ſtachlichten Neid/ Zorn / Ehrenzdiche / und
alles das was wider Gott ift / mit ein / und macht das ge>
forımte Wort der Burchftaben zu einem Thiere und falfchen Hu⸗
zen-Einde/ das von GOttes Angeficht verſtoſſen wird / über
welches das Urtheil gehet.
89. Alſe
Cap. 36. loniſchen Hure aller Zungenizc. 317
80. Alfo auch mit dem Verftande der äufferlihen Weißheit
und Kunſt zu verftchen iſt / fo die Göttliche ABeigheitdarinnen
wuͤrcket / fo it der Verſtand und die Kunft alles gut / und in
Goͤttlicher Weifheitgegründet ; wo aber nicht / fo ſtehet fie in ei⸗
tel Antichriftifchen falfhen Bilden zum Urtheil Gottes.
Sr. Darımnb fo prüfe fich dor Menſch / was ihme in die Vils
dung feiner Worte in die len/nalifche Zunge mit einfallet 7 iſts
Wahrheit/ Gerechtigkeit / Glauben in Hoffnung / Siebe in Ge⸗
dult / gerne wollen die Wahrheit reven und thun / und ſolches
alles umb GOttes willen/ inder Hoffnung des ewigen gebens/
fo ifts gut mit ihme / fo bleibe er in folcher Ubung beftandig / und
würde je mehr und Eräfftiger alſo; fo ftchet fein Perlen-bäums
lein im Wachfen und Zunehmen.
82. Wo aber das Gegen-fpielin ihme gefunden wird / daß /
wenn er wil reden / ihme in feinem Worte fich Lügen /hof>
färtiger Anblick groffe Worte mit ſtarcken Anſehen: Item /
neidige Bitterkeit / Ubels wider ſeinen Naͤchſten zu reden /
Falſchheit / Zorn zu raͤchen / und übel zu deuten/ mit einbilden / fo
ſoll er gewiß und wahrhafftig wiſſen / dager die Antichriſtiſche
Babyloniſche Hure / ſambt dem falſchen Trachen-thiere in ſei⸗
uem Hertzen haͤt ſtizen / das ihme ſolchen Willen und Begierde
in ſeinem Worte zur Bildung mit einfuͤhret zur Erbauung hoͤl⸗
liſcher Bilder; denn durch dieſe falſche Einführung wird alles
zur Subfang in der Bildung der fenfualifchen Zungen.
83. Darumb fo wiffe/ O du Menſch! und prüfe dich/ daß
du Gottes Bilde bift nach dem Göttlihen Worte und Verſtan⸗
de; fo du recht redeſt / wilft und thuſt / fo biftu daffelbe Bilde
Gottes / darinnen GOtt wohnet / redet / wil/ und thut; wo
aber nicht / und das Gegenfpielerfunden wird / ſo biſtu der ab>
gefallene $ucifer in feinem Gefchlechte und Anhang / und thuſt /
wilſt und begehreft eben daffelbe / das er wil und thut.
84. Ob dur wohl nicht das hoͤlliſche Feuer begehreft / begehrte
es doch Lucifer auch nicht: Es ift aber kein andere Belohnung
fir das falſche Bild / weil fichs aus dem Abgrund bilder / ſo muß
es ja in ſein Vatterlandeingehen.
85. Dan daß der Menſch redet und verſtehet / das komt nicht
aus den Sternen und Elementen / ſonſt koͤntens andere Creatu⸗
renauchz Es komt dem Menſchen aus dem eingeleibten geform⸗
ton Worte Gottes her / esift der Name Gottes/dehn fol er nicht
mißbrauchen bey Vermeidung ewiger Straffe ; daffelbe einge⸗
keihte Wort hat der Menſch aus allen dreyen Principien in *
O3
318 Bon Abrah und feinem Saamen/Cap.37%
und hat eigenen Willen zur Bildung der Subdang / aus welchen
Principioer wil / und darauff folget auch die Scheidung und Eine
ernd eines jeden Dinges in feinen Stalle.
Das 37. Capittel.
Bon Abraham md feinem Saamen / und von der
Bundes⸗Linea in ihrer Forttzyflantzung / auch von
den Heydniſchen Göttern.
2. S Enn mandie Hiftorioder Geſchichte bey den
Kindern der Alten Heiligen anfichet mit rechten
Augen des PVerftandes/ fo fichet man eitek
Wunder / den die $inien der Kinder Gottes
find gleichwie ein Baum der in Aeſte und
Zweige waͤchſet / biß er Frucht trägt: Alfo ift auch die Linea
Ehrifti in feinem Stamm des verheiffenen Worts im Bunde
von Aſt zu Aft / big in die Höhe der Zweige gewachſen / biß zus
feinem rechten Alter / biß fich die Krafft des Baumes / das iſt/
das Wort im Bunde hatimitder herzlichen ſchoͤnen Bluͤth herfür
ethan.
. 2. Aus welcher Blüth wieder das heilige Bild GOttes in
Fleiſch und Blut / als in einem heiligen Seibe gewachſen iſt;
man ſiehet feine Aefte und Zweige alfo fehöne / Daß fich die Seele
ob ſolchem Schauen hoch erfreuet / und billig begehret auff dieſen
Aeften und Zweigen mit auszumachfen / zum groffen Job GOt⸗
ges in unſerm englifchen Baume der Hierarchien E.Hrifti des
heiligen Paradeifes.
3. GHITT machte mit Adam nad) feinem Falleinen Bund /
als er des himmliſchen Entis in ihme erflarb / dag er ihn wolte
wieder lebendig machen und neugebaͤhren: Und diefer Bund
wardie Wurtzel im verblichenen Ente, der wuchs in diefer Sinien
Adams aus Seth und feinen Kindern und Nachkommen big
auff Noam in einem Stamm des Barnes / und mit Noa vers
neuerte GOtt den Bund.
4. Dan die unzertheilte ſenſualiſche Zunge / da die Geiſter der
Buchſtaben in einer Harmoney regireten / waͤhrete biß an die
Suͤnd⸗fluth / daß alle Menſchen in einer Zunge redeten / in
welcher Zunge der Geift Gottes der fünf Vocalium fhwebete/ /
als der Göttliche Verftand. Kr
5. Weil ſie aber hatten das Bilde und Thier der it,
—
Cap 7. und von der BundeeLinea, &c. 319
die fenfualifche Zunge eingeführet / und mit der Babyloniſchen
Huren der Selbheit buhleten / fo klagete GOtt uͤber ſie / das fie
ſich feinen Geiſt nicht mehr wolten regieren Jaſſen / und ſagte:
Es reuete ihn / daß erden Menſchen gemacht hatte.
6. Denn das Reuen zur Zerbrechung eroͤffnete ſich / alſo auch
das Neuen der Buſſe zur neuen Wiedergebuhrt aus dem Bun⸗
des Alſo zerbrach das Reuen des geformten Worts in der eini⸗
gen ſenſualiſchen Zungen alles Leben / ſo in der Lufft / das iſt in
dem geoffenhahrten Geiſte Gottes lebete / als im dritten Princi-
pio, und fuͤhrete ſich das Wort der ſenſualiſchen Zungen nach
der Suͤnd⸗fluth in einer Compaction der Geiſter der Buch⸗
flaben aus. 0
7. Denn Gott ſprach zu Noah: Die Menſchen find Fleiſch /
darzu arg von. Jugend auff: Alfo wolte ſich der H. Geiſt
hernach nicht mehr in der argen gefaſten ſenſualiſchen Zungen
offenbahren / ſondern ließ fie doch machen wie fie wolten: Weil
fie ihme nicht folgen wolten / ließ er der Natur den Gewalt ihre
Wunder zu offenbahren ans Big und Gut / alsin Bilden der
finftern und auſſern Welt / da ihre Bilde nur indem Liechte der
Auffern Natur prangeten / da Bes und Gutes ımtereinander
iſt / zur Beſchauligkeit ver Wunder Gottes nad) Siebe und
Zorn / aus welchem Grunde der Heydniſche Urftand mit ihren
Abgoͤttern erbehren ward. |
8, Dan der Urſtand der Geiſter der Buchſtaben führete ſich
in Formungen vieler Sprachen / und in den Formungen der’
Gelbheit wurden die Bilde im Berfiande gebohren / darinnen
ſich die aͤuſſere Natur beſchauete / und auch der Teufel aus Got:
tes Grimm feine Imagination und Begierde darein fuͤhrete;
die Menfchen alſo vom Berftandein Bilde einzuführen / dag fie
nicht den wahren GOtt erkenneten. —*
9. Denn alle Oracula der Heydniſchen Goͤtter urſtaͤnden alle
aus der aͤuſſern und innern Naturder finftern Welt / als eine
Figur oder Verſtand der Seelen / der aͤuſſern und innern fin⸗
fern Welt / gleich einem eigenen GOtt / verſtehet einem Ras
tur⸗Gott / gleich wie die fenfualifche Zunge war zu einen ſolchen
Natur⸗Gott und Berftande kommen / die ihr felber heucheite /
und die Bilde in ſich faſſete: Alſo ließ es GOtt geſchehen / dag
ſich auch die Natur ihnengireinem Gtt in den Gracus fuͤrbit
dete / und durch die Bilde redete.
10. Dan die Heyden ehreten das Geſtirne und die 4. Ele⸗
ments / weil ſie erkannten / daß r das auffere Leben aller Dinge
tree * 4 regi⸗
320 Bon Abrah. und feinem Saamen / Cap. 37;
regireten fo gieng ihr Verſtand der compactirten ſenſualiſchen
Zungen / als das gefaſſete Wort des Verſtandes in das auch ge⸗
faſte und geformte Wort ver Natur ein: Alſo eineignete ſich
auch hingegen der Geiſt des geformten Worts der Natur in
Ahnen / und bewegte ein Verſtand den andern: als der menſchli—
che Verſtand in ihrer Begierde bewegte den Verſtand in der
Seelen der aͤuſſern Welt / des ausgeſprochenen und geformten
Morts/aus der innern finſtern⸗ und Feuer⸗welt / und ausder aͤuſ⸗
ſern Geſtirnten und 4- elementiſchen Welt / in welcher Seelen
der Verſtand des Rades der Zeit im Verſtande iſt.
11. Durch welchen Verſtand der Seelen der aͤuſſern Welt /
auch der Prophetiſche Geiſt / aus dem Geiſt Gottes gedeutet
hat / wie ſich kuͤnfftig das geformte und ausgeſprochene Wort
der aͤuſſern Natur und Zeit wuͤrde in Formungen der Zerbrech⸗
ung und Bauung in den Voͤlckern einfuͤhren / als in Auff⸗
bauung der Koͤnigreiche / und von ihrem Untergang / in welcher
Seelen der auffern Weltalle Ding in Zeit/ Ziehl Maag und
Gewichte ftehen ) gleich einem Uhr-werck / davon die Schrift
viel faget.
12. Aus diefer Seelen] als aus dem Uhr-wercke des Ders
ftandes der Natur iſt den Heyden Durch ihre Bilder und Goͤtzen
geantwortet worden / als durch den Senfum des Geftirnes / wel⸗
chesihr Glauben beweget hat / dehn fie mächtig darein führeten.
13. Und nicht eben alles durch den Teuffel / wie die Kälber»
augen richten / welche nichts vom Geheimnüg wiffen / und fa=
genmur Teuffel / Teuffel/ und wiſſen nicht was GOtt oder Teuf⸗
ſel ift; find felber Menfchen= und Bildersteuffel / und dienen
ihrem Bilder-gott Maozim in der Selbheit / und find chen fo
wohl Wilder-göten als die Heyden gewefen find.
‚24. Und haben anjeo die Turbam in ihnen zum Goͤ⸗
gen gemacht / welche ihnen auch eben die Suͤndfluth des
Feuers auff ihren Half —— wird / deſſen ſie keinen
Verſtand noch Glauben haben / und immerdar ſagen / es
hat keine Noth / und da ſie doch das Uhrwerck der Na—
tur hat an ein Ziel zur Zerbrechung gefuͤhret / denn der
verſchloſſene Geiſt der Wunder iſt am Ziel ſeiner Ge—
faͤngnuͤß / und eroͤffnet ſich aus dem groſſen Uhrwercke
der innern und aͤuſſern Natur / mit der mentaliſchen
Zungen durch die ſenſualiſche compactirte; und das iſt
Wunder ohne jemands auffhalten. 15. Und
Cap. 37. und von der Bundes-Linea, &c. 321
15. Und wie uns num von der Senfualifchen compadtirten
Zungen des geformten Berftandes der Heyden von Hams und
Japhets Geſchlechte zuverftchen iſt: Alfo auch imgleichen von
der mengalifchen / auch compadirten Zungen im Bunde / welche
in der Offenbahrung aus Sems Kindern und Gefchlechte auff
Abraham drang / da fi) nach ver Suͤndfluth das erfte geiftliche
heilige Oraculum aus der mentaliſchen Zungen der fünff Vocali-
um aus dem heiligen Namen GOttes im Bunde eröffnete / als
aus dem heiligen Feuer der Siehe GOttes / durch welches Feuer
die göttliche Stimme offenbahr ward.
16. Und fichet man es gar fchöne /wie es der Geift un Mofe
in dem Stamm-Regifter in den Namen andeutet / wie fich alle
10. Geftältedes Feuers / alsdie ro. Eigenſchafften der heiligen
Zungen zum Seuersleben (verftchet zur feurenden Zungen) in
den Namen der Kinder Nox big auff Abraham darftelleten.
17. Denn in Abraham eröffnete fich der Geift der feurenden
Zungen des heiligen Berftandes der mentalifihen Zungen aus
dem Bunde / und ftellete auch feine Figur aus der auch gefaffeten
compadtirten mentalifchen Zungen dar / als die Befchneidung
und das Opffer / welche Figuren alle auff Ehriftum deuteten /
welcher ſollte das Band der mentaliſchen Zungen zum rechten
Goͤttlichen Verſtande eroͤffnen / und das Liecht der Gnaden in
der Liebe wieder in dem geformten Worte in den Buchſtaben der
fenfualifehen Zungen anzünden/ und das Thier der geformten
Zungen zerbrechen / in welchen der Teufel hatte gefpielst / und
ſich alsein Gott darein gefekt.
18. Diefen Gaft trieb die heilige feurende Zunge inder Era
oͤffnung des Bundes/ der Geift Chriſti / aus / und nahm dem Fürs
ſten Lucifer ſeinen Stuhl in menſchlicher Eigenſchafft in den
Kindern Gottes.
19. Zehen Namen ſetzt Moſes von Noah biß auff Abraham
in die Bundes-Linea ‚als Sems / Arphachſad / Sala / Eber / Phe⸗
leg / Regu / Serug / Nahor / Thara / Abram / und ſetzt gantz wun⸗
derlich dar / wie Ihara habe drey Söhnegezeuget/ als Nahor /
Haran und Abram ; ift cin Wilde der 3. Principien / wie ſte in
diefer heiligefeurenden Bundes=Linea würden alle drey Durch
diß heilige Feuer eröffnet / und von der Eitelkeit gefehieden wer⸗
den / wie der gantze Menſch ſollte durch das heilige Feuer im
Bunde ins Bilde GOttes gebohren und formiret werden: In⸗
maſſen es denn auch die Namen der drey Brüder in der ſenſvali-
{chen zungen darftellen / ſo man den rechten mentalifihen Ver⸗
Ds ſtand
—
322 Bonbrah.umd ſeinem Saamen / Cap. 37,
ſtand darein führet / fe fichet man es in der Form der zuſammen⸗
gefegten Geiſter der Buchſtaben / welches / ob mans wohl andens
sen koͤnte / doch dem unerleuchteten Leſer nicht verſtanden ſeyn
wuͤrde; den unſern aber doͤrffen wir dieſes nicht mahlen / ſie ha⸗
bens vorhin im Verſtande.
20. Mit den zehen Geſtaͤlten des Feuers verſtehe ich erſtlich
das geformte Wort in den ſieben Geſtaͤlten der Natur / und die
achke / neundte und zehende Geſtaͤlte find Die innere Welt / welche
ungeformet iſt / als die achte Zahl / iſt das Feuer der ewigen Na=
tur Goͤttlicher Offenbahrung / auch Staͤrcke und Allmacht / das
am Ende der Tage die Tennen fegen ſoll. Die neundte Zahl iſt
die — Tin&ur vom Feuer und Liechte; und die zehende
Zahl iſt das Liebe⸗Feuer / alsder Dreyangelder Heil. Dreyfal⸗
tigkeit in der Mapeſtaͤt / den unſern nur angedeutet: In den
40, Fragen von der Seelen ifts außgeführet alsbald in der Phi-
lofophia des Einganges derfelben.
zı. Aus diefen zehen Eigenfchafften ver Namen in der
PBundes:Linea iſt Das Oraculum ‚als die Göttliche Stimme in
Abraham offenbahr worden / darumb hieß ihn der Geift des
Hermans feinem Vatterlande gehen von feiner Freundſchafft /
denn nicht aus Der Freundſchafft / alsaus feinem eigenen Ge⸗
bfüche follte die Stimme Göttliher Offenbahrung mit dem
Meflia oder Ehrifius fommen/fondern aus GOtt: In ihme lag
aber das Gefaͤſſe / als der Ens, in welchem ſich die Goͤttliche
Stimme wolte offenbahren / umd darumb / dan ein frembder
Saame ſollte in feinen eigenen Saamen eingeführet werden /
als cin himmliſcher Ens ( Joh. 3.) fo hieß er ihn von feinem Ge=
Schlechte aufgehen.
22. Denmnicht indes Menfchen En’e fund die Vermögens
heit zur Göttfichen Offenbahrung /fondern in GOttes; Aber
des Menſchen Ens mufle darzu kommen / auff daß Adams himm⸗
liſcher verblichener.Ens in Chriſti lebendigem Ente lebendig
wuͤrde / und in Chriſto aus dem Tode auffſtuͤnde: So ſprach
GOtt zu Abraham 3 Gehe aus in cin ander Land das ich dir
zeigen werde : Allhie deutet der Geift/dag er nicht in feines Bat
ters Sande / das iſt / in dem irrdiſchen Menſchen / werde GOtt
ſchauen / fondern indem Lande / das ihme der HErrzeigen werde /
welche 8 cin frembder Saame war aus Goͤttlichem Ente, in dem⸗
felben ſrembden Saamen wolte er feinen eigenen Saamen ſeeg⸗
nen und benedeyen / das iſt / tingirei umit der Göttlichen Tinctur
der neundten Zahl im Ternatio Sandto, mit der Tinctur der hei⸗
ligen geiſtlichen Welt. 23: Denn
.
4
—
Cap. s. und von der Dundes-Linea , &c. 323
23. Denn alfo fprach ver HErr zu Abraham : Gehe aus dei⸗
nem Dofterlande und von deiner Freundſchafft / und aus
deines Vatters Haufe / in ein Land das Ichdir Zeigen wil/
und ich wil dich zum aroffen Dolc machen / und wil dich
feegnen/ und die einen geoffen Namen machen ; du
yolljt ein Seegen feyn / ich wil ſeegnen die dich ſeegnen / und
verfluchen Die dich verfluchen ; und in die follen geſeegnet
werden alle Geſchlechte auff Erden. Gott ſprach: Erwolte
ihme einen groſſen Ramen machen / und alle die jenigen ſeegnen /
welche ihn würden ſeegnen Fund verfluchen / welche ihn würden
verfluchen. Der groffe Name/dehn er ihme in feinem Saamen
machen wolte/ das war nicht allein auff Diefer Welt Reich zu⸗
verfichen / denn Abraham war auff Erden nur wie ein Frembd⸗
ling / und muſte von einem Orthe zum andern wandern/und beſaß
kein Fuͤrſtenthumb oder Königreich / wie die groſſe Namen der
Heyden aus der ſenſualiſchen compactirten Zungen / denn er ſoll⸗
te in dem verheiſſenen Saamen und Stegen ein Frembdling
uff Erden ſeyn: Denn auch Chriſtus fagte/ fein Reich ſey nicht
von dieſer Welt.
24. Der groſſe Name aber der ein Seegen ſeyn follte / darin⸗
nen BD wolte alle Voͤlcker ſeegnen / war die Hierarchia Chriftz
im Bunde /welche fih wolte in Abrahams Saamen eröffnen /
Das war ein ewiger groffer Name einer Königlichen Hierarchien
eines Thron-Fürftenin Goͤttlicher Kraft und Allmacht / welche
über ven Fluch zu herrfhen hatte / denn GOtt fagte : Er wolte
fluchen welcher ihm fuchete / als den abtrünnigen Teuffeln und
allen gottlofen Menſchen / weiche dieſem heiligen Saamen und
Seegen würden fluchen / denen ſollte dieſer Saame auff den
Kopff tretten.
25. Und wird allhie die Perſon Chriſti unter Abrahams groſ⸗
ſen Namen und Seegen verſtanden / denn er ſagte: In dir ſollen
alle Voͤlcker geſcegnet werden / und ſollſt ein Scegen ſeyn. Run
konten in dem aͤuſſeren ſterblichen Menſchen des Abrahams nicht
alle Voͤlcker geſeegnet werden; denn Abraham ſtarb / und ſeine
Kinder und Kindes-kinder waren lange Zeit Frembdlinge und
dienſtbahre Leute in fremb den Sanden / wie denn in Egypten faſt
vierthalbhundert Jahr / uñ hatten keinen Scepter big unter Mo⸗
fen/welcher auch kein König war / ſondern ein Fuͤrſte SOttes / biß
auff den Koͤnig Saulum / da ſie wider GOttes Gebott und Willen
je wolten einen Koͤnig haben / welchen hernach doch Gott verwarff /
and David zum König darſtellete aus * Prophetiſchen Geiſte
O in
324 BonAbrah.und feinem Saamen / Cap. 37.
in der compactirten mentaliſchen Zungen / unter der Perſon
Chriſti / welcher ſollte den groſſen Namen und ewigen Seegen
bringen und eroͤffnen.
26. Allhie iſt uns nun recht zuverſtehen / was die Perſon
Chriſti unter dieſem Namen und Seegen ſeyn wuͤrde / nicht ein
gang Frembder / der nicht aus Abrahams und Adams Saamen
ſeyn ſollte / wie etliche alſo davon irren / und Chriſtum allein in
dem verheiſſenen Saamen / als in Abrahams verheiſſenen Saa=
men einſetzen / damit waͤre der armen gefangenen Seelen nichts
gedienet; auch wäre die Aufferſtehung der Todten aus dieſen jetzi⸗
gen unſern Leibern gang nichtig.
27. Denn wäre Ehriftus ein gang Frembder / fo müfte in
uns auch ein gank Frembder aus Chrifti Saamen und Sleifch
gebohren werden / der nicht der Sch wäre/ fondern ein anderer
Menfch / wie etliche alfo irren / daß wir alfo aus Ehrifto geboh⸗
ren werden; gleich wieder Thau aus der Morgenröthe / welches
wohlwahrift ;aber meine Ichheit /die in Adam aus Göttliche
Ente geſchaffen ward/ als aus dem guten Theil des Entis der Er=
den / welche aus der himmlifchen Welt Weſen nach dem guten
Ente in eine Coagulation eingieng/ muß Darbey feyn / wie ſolches
auch nit Abraham zu verftchen iſt.
28. Denn Gott fagte j in dir follen alle Voͤlcker geſeegnet
werden : er fagte nicht allein in mir/ fondern er fagte: Ich wil-
dich ſeegnen / und Dich zum groffen Volcke machen / und dir einen
groffen Namen machen / und dir follft ein Stegen ſeyn / du felber
follft es ſeyn / das ift / Chriftus follte Abraham werden) und
Abraham Chriftus.
29. Dennder Saame der in Adam verblich/und des mentali-
{hen Lebens abftarb / in deyn GOtt das Ziel feines Bundes mit
dein lebendigmachenden Worte cinverleibtejderfelbe ifts/indehn
GoOtt ſeinen Seegen / als den febendigen göttlichen himmliſchen
Ens wolte einführen/und Abraham und Adam / ſambt iyren Kin
dern in dieſem wieder febendigegemachtem Ente oder verblichenen
Saamen wolte ſeegnen / und lebendig machen : der lebendige Ens
des Wortes im Bunde / und der in Adam verblichene Ens inAbra=
ham ſollte eine Perſon und Leib werden/ denn es ift einerley Eus.
30. Aber die vergifftete ſenſualiſche Begierde / welche der Teu⸗
fel Hat monftrofifch gemacht / hatte denfelben heiligen Ens in A—
dam in Tod gefchloffen/und mit der grob⸗irrdiſchen Eigenfchafft
verdecket gleich einem fihönen Golde das in Bley verwandelt -
wuͤrde / fo wuͤrde man fagen / das Gold iſt todt und hinweg / und
wart
Ir,
A
’ Cap. 37. und vonder Bundes-Linea, &c. 325
waͤre auch wohl wahr) fo es nicht der Künftler wieder aufflöfere.
31. Alfo auch wolte der himmliſche Kuͤnſtler Adams verbliches
nes Gold nicht wegwerffen/ und ein ganz neues machen/ fondern
er nahm feine eigene Tinctur, und feines eigenen Golds / daraus
er hat Adams Geld gemacht / undtingirte Adams Gold mitfeis
nem eigenen Golde / mit feiner Tinctur, als mitdem Worte / als
der Kraft GOttes / und mit dem Weſen des Wortes / als mit
himmliſcher Leibligkeit.
32. Alſo dag Chriſtus wurde ein Gott-Menſch / und Adam
und Abraham in Chriſto ein Menſch⸗Gott; GOtt und Menſch
eine Perſon unzertrennet / nach und aus allen 3. Principien von
Ewigkeit undZeit / nach und aus Leib und Seele / aller Eigen⸗
ſchafft des Menſchen und aller Goͤttlichen Eigenſchafft / außge⸗
nommen die impreſſete und von Adam eingefaſſete Schlangen⸗
Eigenfcharft / die ſollte er nichtannehmen: Aber den Ens, ver⸗
ſtehet das menſchliche Ens , darein der Teuffel hatte feinen Saas
men eingeſaͤet / den follte er annehmen/ und darinnen dem Teuffel
und der Schlangen Enti den Kopff zertretfen / und die Gefäng-
nuͤß des Todes /welcher den himmliſchen Ens verſchloſſen hielt/
zerbrechen/und auggrünen / wie die duͤrre Ruthe Aaronis ſolches
andeutet / welche gruͤnete und Mandeln trug; und das iſt der
wahre Verſtand vom Saamen Abrahams und ſeinem Seegen f
wie er verſtehet.
33. Abraham im Geiſte Chriſti ſollte ein Seegen ſeyn / den
Abrahams Eas und Chriſti Ens hat alle Bölder geſeegnet; ver⸗
ſtehet die Bundes-Linea, in weicher das verheiſſene Wort im
Ziel des Bundes ſtund / als der Geift der 5. Vocalium ‚der groffe
Rame Jrmova, welchen GOtt mit der Bewegung des Bun⸗
des in Abrahams Saamen zum Jzmova oder Jerovam
machete / als cin eingehauchter GOtt / der das gange Alphabet
ver fenfualifchen Zungen / verſtehet das geformte compadirte
Wort) alsalle Bölter / Zungen und Sprachen / follte ſeegnen:
Ein Stegen der Juden und Heyden.
34. Dem er fprach : Ale Voͤlcker follen in dir gefeegnet
werden / kein Bolf aufgenommen /fondern alles alle / nicht nur
die Bundes-Linea allein / ſondern Adam in feinen Kindern ;
die Bundes-Linea feegnete Japhets und HamsLincam ‚denn
Japhet folltein Sems Hütten wohnen/das iſt / in Chriſto / als in
Sems Linea ſollte Japhet eingenommen werden.
35. Aber der grobe irrdiſche Ham (verſtehet das grobe Fleiſch)
iſt im Ham und Cain verflucht / und foll nicht GOttes Neich pe
27 en
326 Bon Abrah. und ſeinem Saamen / Cap.z 7.
ben (Joh am 6.) Nicht Ham in Seel und Leib / ſondern der
Schlangen⸗Menſch / welches Figur nach dem aͤuſſern Menſchen
muſte Cain und Ham ſeyn / auff daß alle Eigenſchafften in einer
aͤuſſerlichen Figur offenbahr wuͤrden.
36. Darum ſagen wir den Juden /daß fie ihren Meſ⸗
ſiam ſollen lernen kennen: Dann die Zeit ihrer Heim⸗
ſuchung iſt vorhanden / daß ſie aus der Gefaͤngnuͤß ihres
Elendes erloͤſet / und wieder frey wuͤrden.
37. Auch ſagen wir den Unſern / daß ſte Mariam laſſen Abra⸗
hams und Adams Tochter ſeyn / und Chriſti Mutter nach der
Seelen / und Adams geſchaffenen Bildnuͤß / und nicht nach der
Gottheit / oder nach dem vom Himmel kommenden Ente am
Wort des Lebens: Denn daſſelbe war nicht ihr Eigenthumb /
wohl ſtunds in ihr / aber im Wort der Verheiſſung im Ziel des
Bundes am Ziel.
38. Aber ſie iſt nicht die Mutter / welche GOtt gebohren ha⸗
be / wie die Juden undTuͤrcken uns ſchuld geben / daß wir lehreten:
Sendern GOtt hat ſie in ihrem Saamen wiedergebohren und
gebenedeyet / ſie hat in ihrem Saamen empfangen die Krafft des
Heil. Geiſtes im Wort / und gebohren die Creatur / welche GOtt
und Menſch war.
39. Und nicht die Eigenſchafft der Gottheit / welche weder An⸗
fang noch Ende hat / auch weder Zeit noch Staͤtte befiget / ſon⸗
dern durch alles und in allen von Ewigkeit in Ewigkeit iſt / und
ſich alleine in der Menſchheit offenbahret / wie ein Feuer ein Ei⸗
ſen durchgluͤhet / und gantz in Feuer verwandelt / und da doch das
Eiſen ein Eiſen bleibet: Alſo auch der Menſch oder die Menſch⸗
heit welche Maria aus ihrem Weſen / und aus GOttes Weſen
in einem einigen Weſen gebohren hat / zu verſtehen iſt.
40. Sie hat gebohren die Menſchheit / und GOtt der Vatter
hat von Ewigkeit gebohren das Wort das ſich in der Menſch⸗
heit offenbahrete und die Menſchheit erfuͤllete / wie ein Feuer
cin Eiſen durchgluͤhet / und Die Sonne das Waſſer oder Glag .
durchſcheinet. 2
41. Sie hat wohl den himmlischen Leib gebohren / aber nicht
aus Vermögen ihres Entis oder Saamens / ſondern aus Vermoͤ⸗
gendes in ihrem Saamen offenbahrten Entis ; als das Wefen
der Ewigkeit offenbahrete ſich durch die Zeit und die Zeit mochte
doch nicht das Weſen der Ewigkeit in feine Macht einnehmen /
fondern das Weſen der Ewigkeit nahm der Zeit Weſen an % i
; ' gich
; San; 7. und vonder Bundes-Linea, &c. 327
gleich wieder innere Himmel umd die innere Welt / den Auffern
BSimmel und auffere Welt hat aus fih gebohren / und angenom⸗
men: Alfd auch hat die Ewigkeit / das Weſen das fie in Adam
hatte eingehaucht / welches ftarb oder verblich/ im Saamen Ma⸗
riæ / (verftchet in ihrem eigenen menfchlihen Sarmen )anges
nommen.
42. Und das ift der groffe Name Abrahams in Chrifto / und
der Seegen Abrahams/ damit GOtt Abraham und feine Kinder
ſeegnete / und nicht eine frembde Perſon / wie etliche irren / welche
nicht die 3. Principia verſtehen.
43. Die Perſon iſt frembd geweſen / aber in ung einheimiſch
worden: Der Himmel nahm an ſich die Welt / und machte die
Welt in ſich zun Himmel / und blieb doch ein jedes in ſich ſelber
wohnende / als das geformte Wort des Leibes / in ſich / eine Crea⸗
tur / und das ungeformte Wort / innih EDitäsber alles und in
allen / und durch alles: Alfo auch von dem himmlifchen lebendi⸗
gen Weſen / welches ſich in Adams und Abrahams himmliſchen
Ens eingab / zuverſtehen / auch alles erfuͤllende in der Perſon
formlich / und auſſer der Perſen zugleich durch alles / und mit deu
Wort der Krafft / als eine Wohnung oder Gehaͤuß der Krafft /
auch durch alles / aber von nichts faſſende / gleich wie der Sonnen
Krafft und die Lufft durch alles dringet / und allem Weſen Leben
giebet / alſo auch allhier zuverſtehen iſt.
44. Man ſoll in Chriſti Perſon mit nichten die Creatur
auffheben / denn das er von Menſchen hat angenommen / beydes
von Seel und Leib / das iſt Creatur: Aber das er aus GOtt hat
in die Menſchheit eingefuͤhret / das iſt weder Natur noch Crea⸗
tur / jedoch in unſerer Menſchheit formlich / aber unmaͤßlich / un⸗
umbſchrieben / nicht particulariter: Gleich wie die Lufft und der
Sonnenſchein gantziſt / alſo auch allhie / und iſt uns imgleichen
zuverſtehen / als ob ſich der Sonnenſchein in etwas in eine Form
einführete/ und wäre doch mit dem aͤuſſern Schein auſſer der
Form gang eines; alfo auch von Chrifti in unfere Menfchheit
eingeführten himmlifchen Göttlichen Ente zuverſtehen.
45. GOtt iſt zum offtermahldem Abraham erſchienen / und
hat mit ihmegeredet/als in Mann mitdem andern: So ſpricht
die Bernunfft + Wie iſt das zugangen ? Hat denn GOtt cine
Form des Leibes angenommen ? In dem Ente und Weſen er⸗
ſchiene GOtt Abraham [damit er fich in feinem Saamen/ als in
Chriſti Perfon wolte offenbahren / umd redete aus dem Worte
des Bundes im Ziel im Saamen Abrahams / als gegen der
min-
328 Bon Abrah. und feinem Saamen / Cap. z 7.
mentalifchen Zungen Abrahams / welche fich im Bunde bewegte)
das verftund der fenfualifche Geift in Abraham.
46. Denn fonft yätte Abraham EDEL nicht fehen mögen/ aber
im geformten Ente himmlifches Wefens Eonte es Abraham im
Geiſte des Bundes / als in demfelben Geifte / welcher das fürges
feellte Bilde und Weſen wolte im menschlichen Weſen offen⸗
bahren / fehen.
47. Dañ Gen. 18. ſtehet: Daß ihme GOtt ſey inGeftaltdreyer
Maͤnner erſchienen / und ihme geſaget von einem Sohne aus
feinen genden / dehn ihm Sara gebaͤhren ſollte / auff welchen der
Bund gieng: Was war nun das Bilde der drey Männer ? An⸗
ders nichts als die Dreyheit der Gottheit andeutende / und die
Offenbahrung des Goͤttlichen geformten Worts / durch die drey
Principia, fo ward das Goͤttliche Bilde in drey Menſchen fuͤrge⸗
ſtellet / denn es iſt ein drey facher Ens, aber nur ein einig Weſen /
als drey Welte / und doch ineinander als eine / aber in drey Prin-
cipien unterſchieden / als mit der finſtern grimmigen Feuer⸗welt /
und mit der heiligen Liecht-und Liebe⸗Feuer-welt / und mit der
aͤuſſern ſichtbahren Welt.
48. Aus dieſen drey Welten war der Menſch geſchaffen / als
in ein Bilde Goͤttlicher Offenbahrung / darumb ſtellte ſich GOtt
dem Abraham in demſelben Ente und Weſen ſichtbarlich fuͤr / als
in Geſtalt Engliſcher Bottſchafft / und redete doch von ſich ſelber.
49. Denn der fuͤrgeſtellte Ens durch dehn Gott redete / war
englifch und menfchlich ; es wolte menfchlich werden / denn Chris
ſtus nach der Perfonder Creatur follte ein Fürft oder Engliſcher
Hierarcha ſeyn: Alfo erfihien auh GOtt dem Abraham in fol=
chem Ente, Wefen und Eigenfchafft mit feiner eigenen innwoh⸗
enden Stimme,
so. Gank wunderlich ift die Gefchichte beyin Abraham»:
Denn Das Reich Chrifti wird gank darunter fürgefteller/ nicht
allein Das Reich auff Erden / in der Zeit der vier Elementen /
welches wohl auch darunter fürgemahlet ward/ aber nur als eine
Pilgramſchafft / das nicht das rechte Neich ſeyn wiirde / dann A=
braham muſte inmerdar wandern/ fo wohlaud feine Nachkom⸗
menden/und GOtt verhieg ihme Doch das Sand (darinnenerein
Pilgram war) zum Eigenthumb / daß er und feine Kinder daffels
be ſollten ewig beſitzen.
sr. Denn alfo fagte GOtt zu Abraham) Gen. 13. Hebe deine
Augen auff/ und fiche vonder Stätte an / da du wohneſt gegen
Mitternacht] gegen Mittage /gegen dem Morgen / und gegen
den
Me
Cap. 37. und sonder Bundes-Linea, &c. 329
Den Abend / denn alle das Sand das dir fieheft / wil ich dir geben /
und deinem Eaamen ewiglich : Nun aber befamen fte daffelbe
Sand erft über eine lange Zeit zum Beſitz / und wurden erft durch
Joſua darein geführet / und erlebete es Abraham und feine
Kindes-Einder nicht / und wurden auch offt faft mehrern Theils
Daraus vertrieben / und GOtt fagte doch / er wolte es Abraham
und feinen Kindern zum ewigen Beſitz geben.
52. Jetzt aber fehen wir nicht / dag fie Das im Beſitz haben:
Denn die Türken baben es im Beſitz und hat Abrabams Saa>
men / alsdie Juden / ietzt weder Sand noch Fuͤrſtenthumb / ſon⸗
dern find anallen Orthen faft nurals gefangene Leuthe:: Nun
aber muß der Borfas GOttes beftchen / fein Wort muß wahr
fen ; Abraham in feinem Saamen foll es ewig befigen / denn
ewig ift nicht nur allein zeitlich.
53. Auch fo redet GOtt vonder Stätte / und weifet diefelbe
dem Abraham/ dag er diefelbe mit Augen fehen Eonte : Und allhie
lieget die groffe Geheimnuͤß / deñ das Paradig war inder Welt /
und Adam verlohr das Paradig: Aber in Abrahams Saamen /
als in Chrifto ward das Paradig wiederbracht / nicht nach dem
ſterblichen Menfchen / fondern nach dem himmlifchen.
s4. So fehen wir ietzt nicht / dag die Chriftenheit diefelbe
Sander im Beſitz haben / fo wohl auch die Juden nicht / und fo. es
sun Abraham in feinem Saanten /als in dem heiligen Saa⸗
men foll ewig befigen/fe ift uns pie Statt des heiligen Paradifes
recht zu betrachten/wie folches der Prophetifche Geift im Ezechi⸗
el / auch Daniel und andern mehr/fonderlich aber in der Offenbah=
rung Johannis von dem H.Ierufalem/das von GOtt herab faͤh⸗
ret ausdem Himmel / als eine geſchmuͤckte Braut ihrem Bräutis
gam/bezeugeti und in allen davon deutet) dag Ehriftusin Abra⸗
hams Saamen werde fein Reich einnehmen.
55. Denn mit Bergehung der vier Elementen / da die vier
Elementen werden in gleichem Gewichte ſeyn / und die Erde
Chriftallinifch / als ein Gläfern Meer / wie in Apocalypſi zu
fehen ift / alda wird dem Abrabam das Verheiffene von der ewi⸗
gen Beſitzung geleiftet werden / denn Ehriftus fprah: Mein
Reich ift nicht von diefer Welt: Nun ward aber dem Abraham
Das Neich diefer Welt gezeiget/und verheiffen/fo mürfen wir nun
das himmlifche darunter verftehen / und eben denfelben Locum,
der Abraham gezeiget ward / wenn das Paradeig wieder offen»
bahr werden / und Abraham in Chrifte zum ewigen Beſitz er⸗
ſcheinen wird,
56.Denn
* 2
330 Bon Abrah.und feinem Saamen /rc. C.37.
56. Denn ob es gleich anjetzo der Tuͤrck nach den 4. Elemen⸗
ten im Beſitz hat / fo hat es doch Abraham in Chriſto mit ſei⸗
nem Saamen nach dem Paradeiß / als in der Paradeiſtſchen
Welt im Beſitz / Abraham iſt in Ehriftoaufferftanden / und
befiset fein verheiffen Sand in feinem Principio, erift im Para»
deiß / und der Tuͤrck in der Auffern Welt.
57. Das Paradeiß iſt in der Welt / aber nicht im dritten
Principio, ſondern im Andern / keines irret das ander / wenn
die Kinder Abrahams in Chriſto von dem irrdiſchen Leibe ab⸗
ſcheiden / ſo nehmen ſie daſſelbe gelobte Land nach dem geiſtlichen
Menſchen ein / und beſttzen daſſelbe ewiglich.
58. Und das iſts / daß GOtt fo offt zu Abraham ſagte / er
wolte ihm diß Land zum ewigen Beſitz geben / denn da er ihme
das verhieß / ſo hieß er ihn von demſelben Orth und Stätte weg⸗
wandern / anzudeuten / daß er nicht das aͤuſſere Reich meynte /
ſondern das Ewige / und ſtellete ihm eine Figur an den Sternen
des Himmels dar: Alſo ſolte auch fein Saame ſeyn / und ge—
mehret werden wie die Sternen ein lauter Corpus haben / gegen
den irrdiſchen: Alſo auch der Saame Abrahams folte ein him̃⸗
liſcher ewiger ſeyn.
59. Daß aber Abrahams Kinder als die Juden /
anjetzo daraus verſtoſſen amd in alle Welt zerſtreuet
worden ſind / das iſt ihrer Blindheit und Halßſtarrigkeit
ſchuld / biß der Heyden Zeit erfuͤllet wird: Sie haben
den Herrn der Herzligfeit nicht erkannt / ſondern von ſich
geſtoſſen; wenn fie ſich aber werden erkennen / fo wer:
den ſie wieder in die Wurtzel eingepropffet.
60. Nicht daß ſie aus der Wurtzel waͤren ausgeſtoſ⸗
ſen / ſondern fie muͤſſen blind ſeyn | auff daß ihr Liecht
ven Heyden ſcheine biß die Heyden in dieſem Kechte
Abrahams auch blind werden: Als fie denn anyece
wahrhafftig blind find, alsdenn gehet das Liecht Abra—
hams wieder aus feiner eigener Wurtzel und Stamme
auff und leuchtet allen Bölcern: Alsdenn foll Ja—
phet in Gems Hütten wohnen und Iſrael herzu ge—
bracht werden / zu dem offenen Genaden⸗brunn aller
Voͤlcker | an welchem jeßo noch alle Völker blind
ſeynd. |
61. Aber
Cap.z 8. Vom Anfang des Heydn Kriegsrc. 331
61. Aber die Zeit iſt nahe / und der Morgenſtern
iſt erſchienen / wer das ſehen mag: Aber die Babylo—
niſche Hure hat alles verblendet / daß alle Voͤlcker in der
Nacht wandeln / ihre Unzucht iſt fuͤr den Allerhoͤchſten
kommen / der will austilgen ihre Schande / welche den
Himmel beflecket hat das wirſtu in deiner Trumefen:
heit bald erfahren] deutet der Seit der Wunder aug
feiner eigenen Wurtzel.
Das 38. Capittel.
Erklärung vom Anfang des Heydniſchen Krieges]
‚wie Abraham feines Bruders Sohn | den Loth er:
rettet hat: Und vom Königlichen Prieſter
Melchiſedech zuSalem / dehme Abraham
den Zehenden gab.
Das 14. Capittel Genefeos.
Shier fichet man nun Elar / was der Menſchen dich⸗
ten / trachten / und fürnehmen von Zugend auff
gewefen ift/ wie fie fich aus dem Wilde Gottesin
halb thierifhe und halb teuflifche Eigenfchaffteit
haben eingeführet/ als in Hoffarth / Geitz / und
eigene Gewalt / inmaffen folches der Teuffel auch begehrte / und
darumb von feinem Reiche verfloffen ward.
2. Denn allhie fingen nun die Heyden und die Kinder Hams
zu Sodom und Gomorra / in derfelben gansen Gegend / anzu
herrſchen / unter welchen Abraham nurein Frembdling war und
im Hain Mamre als gleich in einer Wuͤſten wohnete/ alldaer
der Biche-gucht wartete: Die Heyden aber rieffen ſich umb das
eich diefer Welt und Aufferfiche Macht und Gewalt / wieein
Bold über das ander herrfchen möge / welcher Willen und Re⸗
giment blieben ift big auff heute / und hat von den Heyden und *
Hams Kindern feinen Anfang/alsaus Babel] aus den zertheil⸗
ten Zungen genommen.
3. Als die Kräffte des geformten Worts / als die Eigen»
fhafften der Natur / ſich theileten / und eine jede in ein ei—
genes einführten / fo entflund Streit und Widerwillen unter
ihnen: Denn das Centtum dr Natur der finftern Welt Bug
DIE
332 Vom Anf. des Heydn. Kriegs! Cap. 38,
das Regiment in der gefallenen Menfchlichen Eigenfihafft be
kommen: Denn die Menfchen waren am Reiche GOttes als
in der Siebe und Demuth erftorben / und lebeten jegt dem äuts
fern Geſtirne / und den 4. Elementen. |
4. Auch hatteder Teufel fein Raub-ſchloß in der Schlangen
Ente im Menfchen gemacht / darum trachteten fie nur nach deme/
was fie in der Welt mächtig und groß machete / und da man
Doch ſtehet wie fie der Teuffel im Grimm GOttes nur
geäffet hat 7 daß fie einander mordeten / und zeitliche Wol—
luft höher achteten als das Leben / welches die gröffefte Narı=
heit iſt / daß man das $eben in Todes-Gefahr um fehnövder
Hoffarth willen einführet / da man doch nicht weiß ob man
das erhalten wird/ umb deßwillen man mordet und tod fchläget.
5. Und fichet mans balde wie der Teuffelin feinem Neid und
Hoffarth in ihnen regiret hat; denn hatten fie doch die gantze
Melt zum Rauın zu befigen/ und waren viel Sander und In—
ſulen unbewohnet / noch fiengen fie Krieg an / daß fie nur über-
einander herrfchen möchten / und einander berauben. Alfo führes
te fieder Teuffel als ein Menfchen- Feind in feine Hoffarth / dag
ſie ihm Dieneten.
6. Nicht vergebens heiſt ihn Chriſtus einen Fuͤrſten dieſer
Welt / er iſt ein Fuͤrſt nach der Eigenſchafft des Grimmes der
finſtern Welt darinnen / und nach derſelben! Eigenſchafft herr⸗
er dem Menſchen in Leib und Seel / in Willen und Ge»
muͤhte.
7. Denn aller Krieg und Streit urſtaͤndet aus der finſtern
Welt Natur / und Eigenſchafft / als aus den 4. Elementen
Des Zorns GOttes / welcher in der Creatur giebet Hoffart / Neid /
Geitz und Zorn / das ſind die vier Elementa der finſtern Welt /
darinnen die Teuffel und alle boͤſe Creaturen leben / und aus die⸗
fen 4. Elementen urſtaͤndet der Krieg.
8. Denn obwohl GOTT das Volk Iſrael hieß die Heyden
vertreiben / und hieß fie Eriegen / fowar cs doc, alles aus dem
zornigen eyferigen GOTT / als aus des Feuers Eigenfchafft /
geheiffen/ denn die Heyden hatten den Grimm erräget/ der wolte
ſie auffreſſen: GOTT aber / fo viel er GOTT heiffet / begeh⸗
ret feinen Krieg / kan auch nichts Boͤſes oder Zerbrechliches
bigehren: Denn er ift nach dem anderen Principio, als nach
dem — alleine gut und gebende / und giebet ſich allen Dins
gen ſelber.
9. Aber nach der finſtern Welt Ratur / iſt er ein —
eyferi⸗
| Cap. 38. wie Abr. feines Brud. Sohn/se. 337
eyferiger GOTT / und ein verzehrend Feuer / ſo ſein Grimm
erwecket wird / nach derſelben begehret er zu verſchlingen / und
auffzufreſſen / alles das was fich darinnen erhebt und entzuͤndet /
und ausderfelben Eigenfchafft hat GOTT Ifrael heiffen Eric»
gen / und die Heyden erfihlagen; Dan fein Zorn war in ihnen
angebrannt / undwaralsein Holß das ins Feuer komt / fo bes
gehrk es das Feuer auffzufreffen.
10. Darum hieß der Grimm Gottes ein Volck das andere ers
morden / daß cs auf feinem Grimm weggeräumet würde /
ſonſt hätte fich fein Zornsferer angezuͤndet wie zu Sodout und
Gomorra den 5. Königreichen gefihahe / fo ergößete fich der
Grimm GHttes an dem $eben der Goftlofen / das er in fich vers
fchlang /in deme fie einander ermordeten.
ır. Wie noch heute alfo geſchicht / da offters die Menfchen zu
GoTT fihreyenjer foll ihnen Gluͤck und Sieg wider ihre Feinde
geben / dag fie die mögenermorden/ aber GOTT giebet ihnen
nicht Sieg darinnen / fondern das Schwerd feines Zornes /
welches fie mit ihrem Gebeth und Willen erwerfen : Wären
fie rechte Menfchen und GOttes Kinder / fo dörften fie Eeinen
Krieg: Dan ver H. Geiſt krieget nicht / fondern er lichet und
giebet alleine z Aber nach des Zornes Eigenfchafft friffet er
alles gottlofe IBefen auff / und wird doch auch nur dadurch
auffgeblafen.
12. Dennje mehr mar einem Feuer Holtz giebet / und daſſel⸗
befchuret/ jemehr erhebet fich daffelbe / big es alles verzehret _
was es erreichet : Alſo auch mit dem Eyfer GOttes zu vers
ſtehen ift / derfelbe entzuͤndete Zorn-⸗eyfer GOttes war in A⸗
dam entbrannt / und hatte ihme das Bilde der heiligen Welt
verſchlungen / und drang von Adam auff alle Menſchen.
13. Denn die in der Bundes-Linea hatten den entzündeter
Enfernachdemerften Principio, als nach der Seelen und des
Leibes / auch in fich / Feiner beffer als der andere / der Schlan=
gen Ens.lag fo wol in Abraham und feinen Kindern / nach der
enfzündeten Seelen / und nach der groben thierifchen Eigen>
ſchafft des ſterblichen Menfchen / als in den Heyden / aus»
genommen die Linea Chrifti in ihnen / welche nicht des ſuͤn⸗
digen Menſchens Selbheit war / fondern ftund in GOttes
Gewalt/ wie der Himmel inder Weltſtehet / und doch feines
das ander iſt: Und wie der Himmel in der Hölle / und die
Hölle im Himmel jeher / und keines das anderrift oder be=
greiffet / oder wie Die Nacht im Tage iſt / und der Tag in
der
334 Vom Anf. des Heydn. Kriegs! Cap.z8.
der Nacht / oder wie das Liecht der Natur in der Finfternüß
fcheinetund wohne. *
14. Alſo ſollen wir verſtehen / wie die Kinder der Heiligen
haben Krieg gefuͤhret wider den Hauffen der Gottlofen / und ſie
vertrieben, als auch in des Zornes Eigenfchafft/ welcher fein
Schwerd durd) jte führe / Die Heyden und Hams-Arth zu
verfilgen / denn Abraham zog aus mit feinem gangen Haufe
und Kuthen wider die Heyden / welche feines Bruders Sohn /
den Loth / hatten gefangen mit weggeführet / umd erfchlug die
Heyden / und erlöfere feinen Bruder : Dieſes gefchahe im Ey⸗
fer GOttes / welcher alfo feine Kinder errefter duch Die Macht
feines Zorns / denn was dem Goftlofen zum Verderben gereis
chet / das gereichet den Heiligen zum Leben / und zu einer Ret⸗
tung.
15. Daß aber die jenigen / welche wollen Chriſten genannt
ſeyn / welche folten in und mit Ehrifto dem Zorn und Grimme
Gottes in Chrifti Tode ſeyn abgeftorben / Kriege führen / das
thun fie nicht als Chriſten / fondern als Heyden / fein Chrift
frieget : denn fo erein Chriſt iſt / fo if erden 4. Eleinenten des
Zorns EDLtes in der Selbheit mit und in Chrifti Tode abge—
ſtorben / und in Chriſti Geifteder Liebe eines neuen Menfchen
gebohren / welcher in Gerechtigkeit / in Liebe und Gedult les
bet / und nicht ihmefelber / fonvdern GOTT in Ehrifte. - ‘
16. Denn ein wahrer Ehrift führet feinen Wandel und Wils
Ion im Himmel / im geben und Geifte Ehrifti / wie &. Paulus
faget : Unfer Wandelift im Himmel; dag aber die Ehriften
kriegen / das thun fie aus der Heypnifchen Eigenfchafft / und
nicht aus Chriſti Eigenfchafft: Denn ein Chriſt iſt nicht won
Diefer Welt / fein Reich ift im Himmel, und er in Ehrifto der
Melt abgeftorben nach dem neuen Geiftlichen Menfchen / im
ihmes Der Hende/ als der hald teufflifche Menfch / welcher
fein Reich in diefer Welt hat / begehret inden Chriften zu Eries
gen und zu morden/ welcher auff Erden nirgend Raum hat/ wel⸗
cher in den 4, Elementen des Zorns GOttes lebet: Alsin Hofe
fahrt / Geitz / Neid und Zorn.
17. S. Paulus faget: Gebet euere Glieder gu Waffen der
Gercchtigkeits Denn warum Frieget man ? um das Neich diefer
Welt I und Ehriftus faget doch / fein Neich wäre nicht von
dieſer Welt: Alfo iſt auch ſeiner Kinder Reich in ihme nicht von
Diefer Welt ; fo wir num unfer Leib und Seele begeben zu
Waffen Gottes Zorns / und ſuchen dadurch nur die CAR
un
Cap. 383. wie Ahr. feines Buwd Sohn / rc. 335
und ermorden einander int das Reich dieſer Welt: Ich meyne
ja wir ſind hierinnen Chriſten mit dem Munde / aber das Hertz
—3— Seel iſt ein Heyde / und nicht aus Chriſti Geiſt gebohren.
18. Abraham / als er die Heyden ſchlug F- begehrte nichts
von dem genommenen Gute / fo: dern gab dem Koͤnig von So⸗
dom wieder / was ihme die Heyden hatten genommen / und
eyfert allein im Herren / er kriegete nicht um Land und Königs
reiche / ſondern ſeinen Bruder zu erretten / das war doch ein
rechter Eyfer / welchen der. Herr in ihme trieb: Er ſtund
nicht auff / und Eriegte um ein Sand oder Stadt; und da er
es gleich erhielt / begehrte er dep keines / fondern zog wieder an
feinen Ort).
19. Und gang wunderlich redet allhier der Geiſt im Mofe /
und faget / als Abraham fey von der Schlacht kommen / fo
fey ihme der König von Sodom entgegen gangen: Und Mel:
hifedech der König von Salem habe Brod und Wein auff-
getragen / welcher fey ein Prieſter GOttes des Allerhöchften
gewefen/ der Himmelund Erden befiset/ und hab Abraham
geſeegnet / und Abraham habe ihm den Zehenden gegeben : Und da
man doch fonft faft nichts in heiliger Schrifft findet von dieſem
Prie ſterthum / welches doc wahrhafftig in der Figur Chriſti ges
weſen iſt: Denn der Geiſt ſaget an einem andern Orth von Chri⸗
ſto: Er ſey ein Hoher-prieſter in der Ordnung Melchiſedech.
20. Alſo gantz heimlich ſtellet ver Geiſt GOttes die Figur
Chriſti beym Abraham dar / und heiſſet ihn einen Koͤnig zu
Salem / und einen Prieſter GOttes des Hoͤchſten / als einen
Prieſter des Heyls / und der Salbung / wie es in der fenfua=
liſchen Zungen alſo lautet / das iſt Chriſtus hat Abraham ge⸗
ſegnet und ihme Brod und Wein auffgetragen / als fein
Fleiſch und Bluth / und iſt der Hohepriefter vor GOTT / der
Abraham md feine Kinder verföhner.
zr. Denn Abraham hatte das Schwerddes Zornes GOttes
wider Die Heyden geführet. Nun kam jest Melchifedech / und
feegnete Abraham wieder / das ihn nichtdas Schwerd der Tur-
bz ergriff / und trug ihm Brodt und Wein / das ift him̃li—⸗
ſchen Ens auff/ welchen er wolte in Abrahams Saamen ei
führen / und in Fleiſch und Blut wandeln / und verſoͤhnete
allhie des Vatters Zorn im Bunde / als im Fuͤrbilde.
22. Deñ dieſer Prieſter beym Abraham iſt wahrhafftig Geiſt⸗
lich zu verſtehen / denn obwohl Abraham dergleichen mag einen
Prieſt er aͤuſſerlich gehabt Haben / unter der Figur N ; r
age
J
J
= 02
Be:
236 Bom Anf. vesHeyon.Kriegshe. Capz 8.
ſaget aber Mofes / Er fey ein Priefter fBottes geweſen / und habe
zu Abraham geſagt: Geſeegnet ſeyſtu Abraham dem Allerhoͤch⸗
ſten der Himmelund Erden beſitzet / der deine Feinde hat in
deine Hände befchloffen = Da iſt Niemand anders zuverfte-
hen als Ehriftus/ der Abrahaın gar offte in der Figur erſchien /
ri allemahl ſeegnete / denn der Geift im Mofe heiffet ihn
auch Bi König zu Salem / / das iſt anders nichts / als cin König
des Heyls.
23. Und Abraham habe ihm den Zehenden gegeben; Er mag
wohl eine Pricfterliche Ordnung haben bey ihm gehabt/dchme er
den Zehenden habe gegeben ; Aber viefer König und Priefter
war der / vom dehme er predigte / welcher fich mit ihme vers
bandt fein ewiger Hoher Priefter zu feyn / welchem Abra⸗
ham den Zehenden / als die Zehende Eigenfcharft menfchlicher
Eigenfihafften der feurenden Zungen der Seelen gab; und der
Prieſter gab darein fein Brodf und Wein / feinen Seegen / als
das Liebe⸗feuer / die Tin&ur des Lichts neben him̃liſcher Weſen⸗
heit auff dag Abraham in diefem Brodt und Wein wieder des
Liechts Tinctur in der feurigen Seelen kriegte und wieder das
Bilde GOttes gantz wuͤrde / welches in Adam mit dem Weibe
zertrennet ward; ſo gab ihme Chriſtus / als des Weibes
Tin&ur wieder des Liechts Ens, daß die Manliche und Weib—⸗
liche Eigenſchafft wieder ein Bilde wuͤrde. Dieſes deutet der
Geiſt in Moyſes allhie unter dem Koͤniglichen Prieſter zu
Salem.
24. Denn Efra / als er die verlohrne Bibel in Erfäntnäg
des Geiſtes GOttes feinen Schreibern dictirte / hat ſolches wohl
gefehen/ darum fegt es der heilige Geiſt alfo ; und fihet man
gar eben wie Efra habe im Gefichte des Geiftesdie Hiſtorien
von Abraham befchrieben / denn dieganke Hiltoria von Abras
ham wird funter Chriſti Perfon fuͤrgemahlet / und iſt fein
Bilde Ehrifti.
25. Diefen Priefter von Salem hat Abraham gefehen im
Geiſte; wenn Abraham opfferte/ fo ftund diefer Priefter in
feinen Opffer und opfferte GOTT / dennerfoltedie Welt mit
einem Dpfer verföhnen/ darum war er ein Prieſter GOttes.
26. Erführte Abrahams MWillenzopffer /als fein Gebet und
Vegierde im Glauben in den heiligen Ens Gottes / undin dem⸗
felben Ente, als in goͤttlicher Weſenheit ward der Seelen A⸗
brahams himmliſch Brodt und Wein aufgetragen / das ſie
moͤchte an Gottes Tiſche eſſen / biß dieſer Prieſter N
ward
C.39.Wie Gott Abr. im Geſichte ſeyerſch 337
ward / das iſt / ſich in Abraham mit der himmliſchen Leiblig-
keit / als mit der Seclen Speiſe / im rechten Brodt und Wein
offenbahrete.
Das 39. Capittel.
Wie Gott Abraham im Gefichte fey erfihienen und
den Bund mitihme in feinem Saamen beitätiget / und
wie Abrahams Glaube habe den Bund ergriffen /
welches ihme zur Gerechtigkeit it zugerechnet
worden; und wie ihn GOtt hieß opfern/
was dabey zu verſtehen fey.
Geneſ. x5.
Oyſes ſpricht: Nach dieſer Geſchichte begab ſichs
dag zu Abraham geſchahe Das Wort des Heren
im Geſichte / und ſprach: Fuͤrchte Dich nicht A⸗
braham / Ich bin dein Schild und ſehr groſſer
Lohn: Abraham aber ſprach: Herr / Here / was
wiltu mir geben? Ich gehe dahin ohne Kinder / und mein
Haus-vogt hat einen Sohnjdiefer Elicjer von Damafko; und
Abraham fprsch weiter: Mirhaftu keinen Saamen gegen
ben / und fiehe / dieſer Sohn meines Gefindes foll mein Erbe
feyn. Und fleheder Herz fprach zu Ihn: Eroll nicht dein
£rbe ſeyn / fondern der von deinem Leibe Eommen wird /
der foll dein Erbe feyn / und er hiß ihn hinaus gehen / und
forach : Siehe gegen Himmel / und zeble die Sterne / kanſtu
die zehlen ? umd fprach zu ihm : alfo foll dein Saame werden:
Abraham glaubtedem Herrn / und dasrechneteer ihme zur
Gerechtigkeit.
2. Indiefem Stuͤck lieget die Wurtzel des Chriſtlichen Glau⸗
bens / denn GOTT ſagte zum Abraham / er waͤre ſein Schild
und Lohn / er wolte ihme den Saamen aus ſeinen Lenden geben:
GOTT wolte Abrahams Sohn ſeyn / und ihme einen Sohn aus
ihme geben / deſſen Saame ſolte ſeyn wie die Sternen am Him⸗
mel / welche unzaͤhlig ſind; und nicht ſeines Geſtndes Sohn ſol⸗
te der Erbe ſeyn / nicht der Animaliſche Menſchen-Saame
voll Schlangen-Ens , ſondern GOttes Lohn / GOttes Ens: Er
wolte ihm ſeinen Lohn in ſeinen Saamen / als in die Krafft
feiner Senden eingeben / das folte sin Saame werden / wie die
>» Ster⸗
338 Wir Gott Abr imGeſichte werben
Sternenam Himmel: Erfahe auff den Saamen im Bunde]
als auff das ewige Neich / welches folte feyn wie die Sternen
am Himmel alfolauter / rein und unzehlich; Und dieſes glau—
bete Abraham / und das ward ihme zur Gerechtigkeit zuge»
rechnet. |
3. Glauben ift allyie fo viel/ als er fuffete das Wort / er nahms
in feine Begierde / als im menfchlichen Ens ein / das Ziehk im
Bunde in dem geformten compadirten ABorte/als in Abrahams
Ratur und Eigenfhafft/ nahm an das fprechende Wort Gottes)
als die Verheiſſung / und diefe beyde formeten fich in eines; und
in diefem Einem war Abrahams Glauben gerecht / denn GOtt
rechnete Abraham das Wort / das er in feiner&laubenssbegierde
cinnahm/ zur Gerechtigkeit / zum Eigenthum und zur Recht⸗
ferfigung.
4. Denndiefes eingenommene Wort rechtfertigte das Crea⸗
türlihe Wort / als das ausgeſprochene gefchaffene/ verftchet /
das ſich in menſchlicher Eigenfchafft hat geformet / und in eine
Creatur / als aus drey Trincipien in cin Bilde begeben / in wel⸗
chem Bilde fich der eigene Wille hat durch die Begierde und Luſt
mit der finftern Welt Eigenfcharft / als indes Feuers und Zorns
Gottes empor geſchwungen / umd in eine irrdiſche Grobheit
eingeführet / in welches grobe Bild der Teuffel hatte durch die
Schlange feinen Ens , Willen und Begierde eingeführer.
5. Diefem Ens und compa&tirten Worte und geſchaffenem
Bilde kam das lebendige ewigfprechende heilige Wort aus des
Liechts und der göttlichen Liebe⸗Eigenſchafft zuhuͤlffe und ward
ſein Lohn / daſſelbe nahm Abrahams natürliches Wort undKrafft
in ſich ein / und daſſelbe eingenommene in der Begierde gefaſte
Wort GOttes / rechtfertige Abrahams verderbtes Wort: Es
ward ſeine Gerechtigkeit das den Zorn zerbrach / und dem Teuffel
feine Begierde und Willen zerſtoͤrete / verftehet In dem Mens
fchen=Ente, als in dem geformten Wort gefchach dieſes.
6. Denn es iſt kein Glauben ohne GOttes Wort und Krafft /
fo nahm nun Abraham GOttes Wort / Krafft und Verheiſſung
in ſich in ſeinen Ens, und faſſete es in cin Subftang ſeines Gei⸗
ſtes / das war der Glaube der Rechtfertigung / daß GOttes Wort
und der Menſchliche Wille und Begierde in eine Geiſtliche Sub-
ſtantz eingiengen: Alſo rechnete GOTT dem Abraham das ein⸗
genommene oder eingeſprochene gefaſſete Wort zur Gerechtig⸗
keit / als zun Eigenthum. Und dieſes iſt des Glaubens Grund
und Wurtzel / daß er GOttes Verheiſſung in ſeine Begierde eh
faſſet /
|
Cz3 9WieGott ARME. 30
faſſet / als fein Eigenthum / und daffelbe nicht von ſich in einen
Zweiffel laͤſſet fahren; wie Jacob thaͤte der faſſete das Wort
der Berheiffung in ſich / und ſagete: Ich laſſe dich nicht / dur ſeeg⸗
neſt mich denn / und rang die gantze Nacht mit dem Worte der
Krafft / biß er ſiegete / daß ſich ihme Das verheiſſene Wort zum
Eigentyumy als zu einem Seegen oder groſſen Lohn / wie allhie
beym Abraham / cingab.
7. Alſo verſtehet uns ſcharff; das eingeleibte Wort des Bun⸗
des im Paradeiß / das GOTT Adam vom Schlangen⸗tretter
verhieß / rang durch Jacobs geformtes Wortmenſchlicher Ei⸗
genſchafft mit dem jetzt neu⸗verheiſſenem Worte / als mir dem
lebendigen Worte / und wolte daß der verderbte menſchliche Ens
mit Gottes Liebe geſeegnet wuͤrde / daß der Schade geheilet wuͤr⸗
de / undachtzete nach der Erfüllung des Bundes / daß doch GOtt
wolte bald feinen heiligen Ens himmliſcher Weſenheit in des
Menfhen Weſen einfuͤhren / das Ehriftus gebohren wurde aus
GDLtes und des Menſchen WWefen s darum foll die Chriſtenheit
wiffen/ day der Glaube nicht nur eine Hiſtoria oder Wiſſen⸗
ſchafft ſey.
8. Glauben iſt anders nichts / als feinen Willen mit GOTT
vereinigen / / und GOttes Wort ımd Krafft in feinen Willen
einnehmen / das dieſe beyde als Gottes Wille und des Menſchen
Wille einSubſtantz und Weſen werden / daß der menſchliche Wille
GOttes Wille werde: Alsdenniſt ihme Chriſtus in feinem Ley⸗
den / Sterben / Todt und Aufferſtehung in ſeine eigene Menſch⸗
heit zur Gerechtigkeit gerechnet / daß der Menſch Chriſtus wird /
verſtehet nach dem geiſtlichen Menſchen: Und alſo ziehen wir
Chriſtum in Abrahams Glauben an / und werden Zweige und
Reben in feinem Weinſtocke und Tempel GMes; wer anderſt
lehret und glaubet / der iſt noch in der compactirten unzerſchelle⸗
ten Unglaubens-Zunge / in der Hurerey zu Babylon.
- 9 Diefes iſt der rechte wahre Grumd unfers Chriſtlichen
Glaubens / das wir Chriſtum / dehn Abraham im Glauben an⸗
308 / jetzo in feiner Menfchheitnac der himliſchen Welt Weſen
im ſelben Fleiſche und Blut / welches Abraham von Melchiſedech
in himmliſchen Brodt und Wein fuͤrgetragen ward / als im
Fuͤrbilde / auch in unferm Himmlifchen Theil der Menſchheit ein⸗
nehmen undanzichen/ Fa gang in unſern Ens von der himmli⸗
ſchen Welt Weſen / welcher ia Adam ftarb / einehmen / und dar⸗
innen lebendig werden / in Chriſto vom Tode auffſtehen / und
gang eſſentialiter mit unſerm geiſtlichen Menſchen in ihme woh⸗
P 2 nen!
340 Wie Got Abr. im Geſichte fey erfch.E.39.
nen / ſo iſt er alsdenn unfer eigne Gerechtigkeit / wir in ihme / und
er in uns nur ein Chriſtus ein GOTT / ein Blaube / ein
Baum im Paradeig GOttes / im Stamm / welcher iſt GOTT /
amd in der Krafft/ welche Chriſtus iſt / und in den Zweigen des
Baumes / welche wir Chriften find/gang ein Baum / nicht zween:
Nicht verſtehen wir den grob irrdiſchen Menſchen voll Schlan⸗
gen Ens, welcher GOttes Reich nicht erben foll/ ( Ich. 6. )
ſondern den rechten Menfihen / welhen GOTT in feinem Bilde
uff.
f 10. Meifter Vielklug von Babel folluns recht in die Augen
fehen / weg Geiftes Kind wir find; nicht das Thier verftchen
wir / fondern den Menfchen Chriſtum der in Adam farb /
welcher wieder aus Abrahams Saamen gebohren ward / und
dem Tod feine Macht nahm / und die Hölle im Menfchen gerftö-
rete / und in uns den Tod erwürgte/ und vom Tode auffftund /
und ewig lebet; dehn meynen wir mit einem rechten Chriften/und
nicht Kälber und Ochſen / Hunde) Nattern / Kröthen umd ders
gleichen / welche wollen mit ihren Thieren der Eitelkeit von auſſen
angenommene unwiedergebohrne Kinder GOttes ſeyn: Kein
ſolch Thier komt in Himmel / nur einig allein ein Kind Chriſti /
das aus Chriſti Fleiſch und Bluth gebohren iſt; darauſſen ſind
die Hunde.
"gr. Darum laß dirs geſaget ſeyn / Babel / du reutheſt auff
dem Drachen der gefaſſeten halb teuffliſchen und halb Viehiſchen
Zungen in deinem eigenen Worte und Willen / und haft nicht
den Glauben Abrahams/ als im ergriffenen gefaften Worte
das Menfch worden ift / fondern du heuleft mit den Hunden /
und wilſt init —* Hunds⸗Willen in einem fremden Kinde A⸗
brahams Erbe fehM. |
12. Aber GOTT fprach zu Abraham : Deines Gefindes
Sohn foll nicht dein Erbe feyn / fondern der aus deinen Sender
gezeuget wird / der aus dem Glauben der Gerechtigkeit gebohren
wird/ der foll GOttes Erbe feyn / und nicht der Magd Sohn /
als der fremde eingeführte grob irzdifche Schlangen Ens.
13. Und GOTT ſprach zu Abraham : Ich bin der Her? /
Der Dich von UR aus Chaldea geführer habe / daß ich dir DIE
Sand zum Befigegebe : Abraham aber fprach : HErr / HErr /
worbey follichs merken / daß Ichs befigen werde / und er fprach
zu ihme: Bringe mir einedreyjährige Ruhe / und eine drey⸗
jährige Ziege/ und einen dreyjährigen Widder / und eine
Turteltaube/ und eine junge Taube ; und er ME he
olches
C. 39. Wir Got Abr.im Geſichte ſey erſch. 347
ſolches alles / und zertheilete es mitten voneinander / und
legte ein Theil gegen das ander über / aber die Dögel zerthei⸗
lete er nicht: Und das Gevoͤgel fiel auff das Aaß / aber A⸗
braham fcheuchte fie davon ; und da numdie Sonne umter=
‚gegangen war / fiel ein tieffer Schlaffauff Abraham / und
ſiehe / Schredien / und groſſe Finſternuͤß überftel ihn: De
fprach er zu Abraham / Das ſolſtu willen / daß dein Saame
wird frembde feyn tn einem Lande das niche fein iſt / und
da wird man fie zu dienen zwingen / und plagen 400.
Jahr / aber ich wil richten das Volck deine fie dienen
muͤſſen: Darnach jollen fie ausziehen mit groffem Gut;
und du folft fahren zu deinen Därtern mie Srieden / und
An gutem Alter begraben werden : Sie aber follen nach
4. Wannes Alter wieder hieher kommen / denn die Miſſe⸗
that der Amoriter ift noch nicht alle; als nun die Sonne
untergieng / und finſter worden war / fiehe/ da rauchete
ein Öfen / und eine Sener-flamme fuhr zwifchen den Stuͤk⸗
fen bin.
24. Allhie ift die rechte Figur von Chriſti Opffer für die
Menſchheit / und auch fein Leyden / Tod und Verfolgung / fo
wohl feine Überwindung fürgemahlet / fo wohl auch der Menſch
der Sünden umd Eitelkeit / wie er fein Maag auch müffe voll
machen /und wozu jedes ſoll. GOTT gab Abraham das Zeichen
ſeines Saamens / wie es damit gehen würde / als Abraham
ſprach: HErr / Her worbey foll ichs erfennen/ daR ichs
efisen werde ? ſo ſtellete ihm GOTT die Figur des Saamens
(dehn er hatte in feinem Glauben gefaffet / welcher feine Ge>
rechtigkeit war worden ) für / und zeigfe esihme in einer Figur;
denn das Dpffer deutet au das Opffer EHrifti/ die dreyerley
Thier / als diedreyjährige Kuhe/ Ziege und Widder / deufen art
das Theil der aͤuſſern Menfchheitder Zeit/ alsaus dem Limo der
Erden. -
15. Daß fie aber dreyjaͤhrig ſeyn muſten / deutet anden gan-
gen Auffern dreyfachen Menfchen vom Sulphure , Mercurio und
Sale, als die drey Eigenfchafften der drey Principien / welche in
ber Erden in einem Weſen liegen.
16. Daß Abraham aber dieſe drey Thier mitten voneinander
zertheilte und eines gegen das ander legte / deutet an den zwey⸗
fachen Limum der Erden / als die grobe Eigenfchafft aus der
finftern Welt Eigenfchafft / und denn zum andern den Limum
aus der himmliſchen Welt Eigenſchafft > welcher in der Erden
3 in
342 WeGctMbr.imGefichte fen erſch. C. 39.
in einer Compadtion lieget / Daraus der Menſch nach dem Leibe
geſchaffen ward,
27. Daß es aber Abraham zertheilte ] deutet an daß die
Grobheitvonder Subtilheit der Menfchheit/ weiche Adams Bes
gierde einführete / muß durchs flerben jertheilet werden / und eis
1188 gegen dem andern liegen / und von einander getheilet feyn/
ein jedes in feine Eigenfchafft / wie Liecht und Finſternuͤß ges
iheiletift / und doch neben einander find. "
18. Die Turrteltaube deufetan/ die arme in diefer thieriſchen
Eigenfchafft gefangene Seele / und die junge Taube deutetan
sie innere verblichene Menſchheit der armen Seelen / welcheim
Opffer follwisder jung werden als eine neue Gebuhrt.
19. Daf uber die zwey Tauben nicht gertheilet worden / fon»
dern gantz geopffert / deutet an / daß von der Seelen und von
dem innern Menſchen / vom himmliſchen Limo nichts ſoll ge—
nommen werden; ſie ſollen in ihrem Weſen gantz bleiben / und
gantz dem Zorn⸗Feuer Gottes in Chriſto geopffert werden / und
durch das Zorn⸗feuer / durch den Tod durchgefuͤhret werden / als
durch die groſſe Finſternuͤß und Schrecken des Todes und der
Hoͤllen / wie diß dan die Figur war.
20. Als Abraham hatte dieſes Opffer dargeſtellet / ſo fiel er
in einen harten Schlaff/ und es umbgab ihn Schrecken und
groſſe Finſternuͤß: Der Schlaf iſt das ſterben Ehrifti/ und
Das Schrecken ift der Grimm Gottes / alsder Höllen Abgrund /
und die Finfternüg ift die finftere Welt audeutend / in welches
das Wort I das fich hatte in Abrahams Glätiben zu einem Saa⸗
men der Kinder Gottes eingegeben / folte mit dem Opffer inder
gantzen Menfchheit mit Leib und Seel eingehen / und fich dem
Zorne des Batters gank zuverfchlingen einergeben.
21. Und des Feuers Anzündung/ welches zwifchen den ſtuͤc⸗
ken hinfuhr / ift num das heilige Feuer Gottes Maus den heilig-
feurenden / als aus dem Liebe-feurenden Wort / welches ftch in
Abrahams Glauben eingab / in der Menſchheit Ehrifti/ in
Seel und Leib / als er in des Vatters Zorn] im Tode umd der
Finſternuͤß in der Höllen ſtund / und die Menfchheit in Seel
und $eib in ven Zorn warff/ und den Zorn ins $iebesfeuer vers
wandelte / hinfuhr / dennder Grimm des Vatters nach der ewi⸗
gen Natur der finftern Welt / welcher in der Menſchheit entzuͤn⸗
det ward / mufte in der Menschheit einen folchen heiligen Liebe⸗
Ens empfahen / darinnen fich der Zorn in feinem Feuer möchte in
ein $iccht oder Liebe⸗feuer wandeln,
22. Die⸗
C.3 9. Wie Gott Abr. im Geſichte füy erfch. 343
22. Dieſer heilige Ens im Worte des Glaubens muſte in das
groſſe Schrecken des Zorns Gottes eingehen / dan die Seele in
ihrer Eigenſchafft ſtund Elſſentialitet darinnen; ſie iſt aus
des Vatters Feuers Eigenſchafft (aus feiner Staͤrcke und All⸗
macht) als aus dem erſten Principio: Allhie kam ihr das an⸗
der Pincipium (als das Liebe-feuer) zu huͤlffe / darumb muſte
ſte wieder in ihre eigene Wurtzel / daraus ſte war zur Creatur
worden / eingehen / und in Krafft des Liebe-feuers in Goͤttlichem
Liechte tingiret / und in ein ſchoͤn Goͤttlich Gold verwandelt
werden; deſſen wer diß Opffer ein Fuͤrbilde.
23. Das aber die Voͤgel auff das Aaß fiehlen / welche Abra⸗
ham davon ſcheuchte / deutet an die hungerige Elſentz der grim⸗
men Eigenſchafft des Zornes Gottes im Menſchen / welchen
nach der Menſchheit hungerte / und wolte dieſelbe in ſich freffene
Aber das Wort in Abrahams Glauben ſcheuchie den Freſſer da⸗
von / es ſolte nicht gefreſſen / ſondern geopfſert ſeyn / daß eine
Eſſentz in die andere eingienge / und die andere uͤberwaͤltigte.
24. Das Opffer Chriſti (als die Menſchheit Chriſti) gab
ſich wohl als ein Opfſer in des Vatters Zorn / in feine Feuers⸗
Eſſentz gantz ein; aber der Liebe-Geiſt Gottes verwehrete der
grimmen Eflens des Feuers / dag das Feuer nicht konte die
Menſchheit Chriſti verſchlingen: Es nahm nur der Menſchheit
den eigenen Willen / und fuͤhrete ihn wieder in den erſten gantzen
Willen ein / daraus dem Menſchen der Wille gegeben ward?
welcher ihn hat zur Selbheit gemacht und verderbet: Allhie
warder wieder indes Vatters Willen / als indie erſte Wurtzel /
eingefuͤhret; denn alſo ſprach auch Chriſtus (als er am Oehlberg
in dieſem Stand Blut ſchwitzete: Vatter / dein Wille geſchehe /
und nicht mein Wille.
25. Das zertheilte Wort menſchlicher Eigenſchafft das ſich
hat vom Gantzen / als von dem Einen abgewandt in eine Selbheit /
muſte wieder in das Gantze eingehen / und durchs Feuer Gottes
probiret und bewehret werden / und in dem Einen / als in des
Vaͤtters einigem Willen leben und wallen.
26. Die Figur von der Dienſtbarkeit in Egypten / deutet an /
daß Chriſtus in ſeinen Gliedern wuͤrde in dieſer Welt ein
Frembling feyn / und dag der aͤuſſere Menſch von dieſer Welt
Weſen ſolte dem Regiment diefer Welt Weſenunterworffen ſeyn /
und wuͤrde geplaget und immerdar nur als ein Zimmer⸗beil (da
man das Haus mit bauet) geachtet ſeyn.
27. Denn cin Chriſten⸗Menſch iſt eben als ein Zimmer⸗beẽl
P4 Gottes
8
|
#
344 Wie Gott Abr. im Geſichte ſey erſeh. C.35.
Gottes) da GOtt fein Haus mit bauet / den heiligen Kindern
zu einer Wohnung / und auch den Gottloſen / fie muͤſſen die alle
beyde bauen / inwendig aus dem Geiſte bauen ſie Gottes Tem⸗
pel / und auswendig mit den Haͤnden muͤſſen ſie dienſtbahr ſeyn /
Denn das aͤuſſere Reich (darinnen fie wohnen) iſt nicht ihr / ſon⸗
dern der Heyden / welche ihren Himmel darinnen haben / und
darinnen in Gottes Zorne wuͤrcken.
28. Wie dan gar fein zu Abraham geſaget ward / daß er in
ſeinen Kindern ſolte dienſtbahr ſeyn / biß die Miſſethat der Amo⸗
riter alle ſey. So ſehen wir klar hierinnen / wie Gottes Kinder
muͤſſen ven Amoritern / als Heyden / dienen / big ſie doch auch
ihre Erbſchafft im Grimme Gottes erreichten / und das Werck
im Zorne Gottes auch gantz ausmachen zu einem Gebaͤu der fin⸗
ſtern Welt; denn GOtt ſagte / fie ſollen den Egyptern dienen)
und nur Plage zu Lohnhaben / biß ſte ihr Maaß vollmachten:
Alſo muͤſſen die Gottloſen auch ihre Wercke gantz machen / und
— ſſen ihnen noch Gottes Kinder darunter in Dienſten behafftet
eyn.
29. Darumb / liebe Kinder Gottes / ob ihr manchmahl muͤſ⸗
ſet gottloſen Herren und Voͤlckern dienen / und werdet fuͤr Leib⸗
eigen geachtet / wie es dan jetzo alſo gehet / fo dencket daß ihr auch
GoOtt darinnen dienet; denn wie ihr in euerem Hertzen und
Munde GSttes Reich zu euerem Befig bauet; alſo muͤſſet ihr
auch mit den Händen helffen eueren Herrn ihren hoͤlliſchen Sit
bauen / denn ihr ſeyd Gottes Werckzeug zu allerley Bau tuͤchtig
genug; nicht aus euerem Fuͤrgang ſolt ihrs thun / ſondern aus
Gebott ſollet ihrs thun.
30. Denn daß der Gewaltige den Armen in ſeinen Dienſt
zwinget und Leib-eigen macht / dat thut er aus feinem GOTT/
als aus dem Reiche der Natur / aus dem Geſtirne / und aus der
Selbheit / darinnen er dem Reiche der Natur das Haus ſeiner
Wunder auffbauet / das iſt ſein Ambt darzu ihn fein GOTT
brauchet / und iſt auch ein groß Wunder vor der Ewigkeit; aber
es urſtaͤndet aus der zertheilten Zungen / da die Eigenſchafften
in die Selhheit giengen / eine jede in ſich / über welche die ſtaͤrc⸗
keſten herrfchen / denen allen muß der irzdifche Menfch als dem
Reiche der Natur) unterworffen feyn/ verftchet der Äuffere
Menfch / fonft widerftrebet er Dem Reiche ver Natur / als dem
geformten Norte.
31. Nım aber gebühret den Kindern Gottes nicht zu wider⸗
ſtreben / ſondern alles umb Gottes Willen zuthun / er 23
4
*
C. 40. Bon derFuͤrb. des Geiſtes Gotteslec. 345
GOTT nur brauchen wil; fe ſollen dencken / dag fie in dieſer
Welt / und in Ewigkeit Gottes Knechte find / und ihme in feiner
Ordnung dienen wollen.
32. Nicht richten oder verdammen wir hiermik weltliche
Herifchafft und Orduung / fondern wir zeigen den Grund aller
Geheimnüß ans die Herrfchafft urftändet aus dem Reiche der
Natur/ und mag auch wohl in Gottes Reich eingehen / fo fie-
ihren Gewalt führer / alseine Dienerin indem Reiche der Na⸗
tur / und nicht als einfelb-eigener GOTT / der da thut waser
wil / fo ſie fich erkennen als Gottes Aubt⸗leute in feinem Reiche
der Natur / und nicht überfchreiten der Natur Ordnung / und
fich höher ſetzen als fie das Ambt der Natur fetet / und ſich zu
Abgöttern machen/ von demfelben fagte GOtt zu Abraham / die⸗
fes Bol denen fie dienen muͤſſen / wilich richten.
Das 40. Kapitel.
Bon der Hiſtorien und gang wınderlichen Fuͤrbildung
des Geiſtes GOttes mit Hagar / Saray Magd /
und ihrem Sohne Iſmael / von feiner Außitof:
ſung der Erbſchafft / und von Iſaacs Erbe.
Genel. 16.
2, Erdie Gefchichte bepin Abraham / Iſaac und Jacob
| leſen wil / umd diefelben recht verſtehen wus der
Geift Bottes darunter andeutet / der muß ſie nicht
bloß anſehen als eine Hiſtoriam / darunter nichts mehr fen als cine
Geſchichte; Es iſt das gantze Reich Chriſti / ſambt deur Reiche
der Natur darunter fuͤrgemahlet / nicht allein das Werk
mwenfchliher Erlöfung / ſondern auch welche / wit / oder was aut
Menfchen / folle Gottes Reicherben: Nicht wie fich die Juͤden
ruͤhmen / daß fie alleine Gottes Belt find: Nein’ es iſt viel ein
anders! GOtt ſiehet nicht auffein Geſchlechte / fondern auff den
Stamm oder Wurgeldes Baumes.
2. Inden 2. Brüdern / als in Iſaac und Iſmael / find die
zwey Reiche fürgebildet / als in Iſmael das Reich der Natur 7
und in Iſaac das Neich der Genaden: Alfo auch in Efau und
Jacob; Denn aus Abraham giengen jest nun zwo Linien aus)
als Faphets und Sems: Iſmael war der erfte; wie dan auch
Japhet unter Noas Kindern: Alfo auch Kain unter Adams
» 5 Kiss
I
i & ’ * - a |
246 0. DBonderFinbiloung Cap⸗0.
Kindern das deutet an das Neichder Natur / welches aus des
Vatters Eigenſchafft feinen Urſtand hat / und allezeit mug das
Rep Tl: eine Ereatur gebohren werdem: _
Hernach komt erſt das Neich ver Genaden / das die Natur
einnimt / gleichwie zuvor muß ein Feuer ſeyn / ſoll ein Liecht
Feyn; das Feuer gebiehret das Liecht und das Liecht macht das
Feuer in ſich offenbahr / es nimt das Feuer als die Natur in ſich
ein / und wohnet in dem Feuer.
4. Alſo auch imgleichen iſt uns zuverfichen von den 2. Eigen⸗
ſchafften der Menſchheit 1 als in zwey Principiis nach Feuer
und Sicht / als nach des Batters und Sohnes Eigenfchafft/
—— dem Zorn und nach der Liebe / welche zwey in einem We⸗
en ſind.
5. Weil ſich aber der menſchliche Wille hat dem Reiche der
Natur unterworffen / ſo ſtellete auch das Reich der Natur ietzt
dem hoͤchſten GoOtt feine Eigenſchafft in dem Menſchen⸗Bilde
dar/ vorab in dieſem Wunder-Mann Abraham / in welchen
Jih Gottes Geiß und Wort bewegete / fo wurden dom Wort
Sortes/ welches alle Weſen aus ſich geſormet / jest die Figuren
ver ewigen Prineipien/ als zweyerley Willen aus einem Men⸗
ſchend dargeftellet / / als der abtruͤnnige in Iſmael / und der hei⸗
lige gehorſame / welcher aus Kreifft des eingefaſſeten Glaubens⸗
Worte entfproß in Iſaac.
6. Es wurden die zwey Bilder dargeſtellet / als in Iſmael
Ber arme / krancke / boͤſe verderbte/ vom Willen Gottes abe
gefallene Adam / ımd in Iſaac das Bilde Ehrifti / das dem ars
men verderbten Adam war Eommen zu hefffen / und feinen abs
trunnigen Willeninden Zod und Sterben einzuführen/ und im
Feuer Gottes wieder zu bewähren / und in dem Siches Feuer wie⸗
der neu zu gebaͤhren / und in dem erſten einigen Willen Gottes
da ver Batter and Sohn im grimmigen Zorn- Feuer / und im
liches $icchht- Feuer nureineiniger Wille und Weſen find.
7. Denn mit der Vewegung goͤttlicher Eigenfihafft / als
69: T die Natur bewegte und Creaturen ſchuff / ſcheideten ſich
die zwo Eigenſchafften / als der Liebe und des Zornes in der
Natur / af das im Streiteund Wider-willen das Geheimnuͤtz
Sottes / als die unſichtbare geiſtliche Welt offenbahr wuͤrde /
unD in ein ringendes Spiel gienge.
8. Denn ſo nur einerley Wille waͤre / ſo thaͤten alle Wefen
nur cin Ding / aber im ABider-willen erhebet fich ein jedesin
ſich ſelber zu feinen Sieg und Erhöhung / und in diefem Strei⸗
te
2
Eap.go.des Geiftes Gottes mit Hagarııc, 347
-
te ſtehet alles Schen und Wachfen / unddadurd wirdvdie Goͤttli⸗
he Weinheit offenbahr / und komt im eine Formung zur Bes
ſchauligkeit / und zur Freudensreich > Denn in ber Uberwin-⸗
dung iſt Freude; aber ein einiger Wille iſt ihm felber nicht of⸗
fenbahr: Denn es ift weder ‚böfts noch gutes in ihme / weder
Freude noch Leyd; umd obs wäre / fo muß ſich doch das Eine / als
der einige Wille/ erſt in ein Widerſpiel in tihme ſelber einfuͤh⸗
ren / auff daz er ſich möge offenbahren.
9. an iſt uns allyier auch mit Iſaac und Iſmael zuverftes
hen: Denn Ehrifius folte aus Abrahams Saamen gebohren
werden / fo muſte auch der verderbte Menſch aus diefem Abras
hams⸗ Fa ve gebohren werden / dehme Chriſtus helifen folte.
10. Dan Chriſtus / als Gottes Wort und Wille / nahm an
ſich an —8* heiligen himmliſchen Ens, des Menſchen abtruͤn⸗
nigen Ens und Willen / und führete denſelben in ihme in das
Sterben der Selbheit / auch indie Wurtzel daraus der abtruͤn⸗
nige menſchliche Wille war im Anfang der menſchlichen Schoͤpf⸗
— entſtanden / als im Grimm der ewigen Natur / in des
Vaͤtters Eigenſchafft / nach derſelben Natur / und gebahr den
abtrünnigen menſchlichen Willen wieder in demſelben Feuer?
Durch das Siehe Feuer/ er eimigfe in dem menſchlichen Wiillen
Gottes Siebe und Zorn) als die zertheilte Natur / welche ich in
der Schoͤpffung der Welt hatte in ein Contrarium zur Offen
bahrung der Wunder eingeführet.
ır. Alſo verfichet uns nun recht und ſcharff: Ehriftus ſolte
der Koͤnig und Hierarcha, als menſchucher Fürft feyn im ewigen
Reiche / dehme das Reich eigen wäre; ſo muſten nun feine Un⸗
terthanen als Diener / andere Yerfonen ſeyn als er/ welche
ihren Willen alleinisn/ als in einen Stamm) folten einfuͤh⸗
ren / erfolteder Baum ſeyn / der feinen Aeſten / alsden andern
Menſchen / Safft / Krafft / und Willen gaͤbe / daß fie ihme Frucht
gebaͤhren: Weil ihme aber feine Aeſte an feinem Baume / der
er ſelber war / waren boͤſe worden; fo gabe er ſich in ihre Böfe
Eſſentz cin / und fuͤhrete ſeine K raffti in ihnen aus / dag ſie wieder
gut wuͤrden / und in ihme gruͤneten.
12. Daß aber ſolches ſeyn koͤnte / fo mufte der Raum / und
die Aeſte des Baums unterſcheiden ſeyn / auff dag nicht die Wun⸗
der der geformten Weißheit der Natur am Bauıne auffyöreten
und vergiengen / umb welcher Willen fi) GdDFE hatte zur
Schöpfung beweget / und den Willen der Natur / alsfein ge⸗
formtes Wort / in ein Contratrium 528
6 23. Iſaac
348 Bon der Finbildung Cap.40.
13. Iſaac war im Ente Chriſti / als im gefaſſeten Worte des
Glaubens / aus Abrahams Ente im Glauben empfangen / und
ſtund in der Figur Ehrifti nicht gantz aus himmliſchen Ente ala
keine / fondern aus beyden zugleich / faus Abrahams Adamis
fhen Ente, und aus dem gefaffeten Norte des Glaubens / und
Iſmael war aus Adams Ente, aus Abrahams eigenen Naturf
nach der verderbfen Eigenfchafft/ aus Abrahams Seele und
Geifte gan aus feinem Weſen / aber nicht aus dem gefaffeters
Glaubens-worte / welches auff Ifaac drang.
14. Nun aber fund Iſmael jetzt da wie fein Vatter Abram
por dem gefaffeten Glaubens-worte / und folte daffelbe Glau—
bens-wort aus Iſaacs himmliſchen Göttlihen angeerbten
Worte auch in der Begierde faffen/ und zu einer Glaubens»
Subftang in ihme einführen: Denn Gott falbte die Menfchheit
Ehrifti/ umd die Menfchheit Chrifti falbet feine Aeſte und
Zweige / alsdie jenigen / fo auch ihre Begierde in ihn einführen?
die kommen eben auch alfo zur Salbung / wie GOtt hat Abra>
hams Saamen in feiner Blaubens=begierde gefalbet.
15. Alſo Fund Ehrifti Figur in Ifaac da / und Adams Figure
in Iſmael / und in Abraham ſtund GOtt und Adam gegen eine
ander: GOtt nahın Adam in Abram wieder in feinen Bund 2.
ort und Willen) umd ans demfelben Bunde / Wort und
Millen/ dehn Abraham von GOtt einnahm / darinnen Abram
gerechtfertiget ward / ward Chriſtus gebohren / der nahm If⸗
mael und alle arme verderbte Adams Kinder / ſo nur ihre Be⸗
gierde in ihn einfuͤhreten / in fein Wort / und himmliſchen goͤtt⸗
lichen Ens ein / und uͤberantwortet fie ſeinem Vatter / als der
Schoß Abraha / in welche fein Batter hatte das ewige / heilige
Wort Goͤttlicher Liebe eingeſaͤncket / darinnen das Erbaͤrmen
uͤber uns arme Evr Kinder ſtehet.
26. Alſo verftchet ung nun in dieſem / von Abrahams Magd
und von der Freyen / was dag ſey / daß zu Abram geſagt ward}
der Magd Sohn ſoll nicht erben mit der Freyen: Es war nicht
allein umb das aͤuſſere Erbe zuthun / ſondern umb die ewige
Erbichafftder Kindheit Gottes.
17. In Iſmael war der eigene / abtruͤnnige Natur⸗wille/
welchen erhattevon Hagar feiner Mutter / und von Abrahams
natürlichen Adamiſchen Willen geerbet! welcher ein Spötter
Ber neuen Gebuhrt war.
28. Denn der Teuffel hatte ffinen Willen in den menſchli⸗
hen Willen zur Selbheit in dem Schlangen-Emte darein *
e
Kap. go.des Geiſtes Gottes mit Hagarlıc.349
führet / der fpottete nurder neuen Wieder-gebuhrt / alsdander
Teuffel nur ein Spötter ift: Wann man ihm fagef / wie dagder
Zorn als der Grimm der ewigen Natur / derer er ein Fuͤrſt und
Beliger iſt folle im Menfchen wieder in Siebe verwandelt wer⸗
den / das ift thme nicht eben recht / diefer falfche Geift war cin
Spötter in Iſmael / von dehme fagte GOtt: Stoß der Magd
Sohn als diefen Spötter hinaus; Dennder Spott-Geift und
Hille fol nicht mit der Freyen / als mit dem einigen Willen
Gottes erben.
19. Nun ift unsaber dieſes nicht auff die gantze Perfon Iſ⸗
maels zuverſtehen / daß ihn GOtt habe aus feinem Vorſatze ver⸗
ſtoſſen von der Kindſchafft Gottes: Nein / nein / es bewaͤhret
ſich das Gegenſpiel / denn als Hagar ſtoltz war / als ſie ſchwan⸗
ger ward / und ihre Frau nicht / und GSaray ihre Frau gering
achtete / und fie (Saray) darumb ftraffte / fie aber von ihr flohe/
fo begegnete ihr der Engel Gottes / und fagtezuihr: Wohin
Hagar / Saray Magd? Kehre wieder zu deiner Srauen/ und
demuͤtige dich vor ihr / ich wildeinen Saamen alfo mehren / dag
er für groffer Mienge nicht mag gezehlet werden.
20. Und weiter fprach der Engel des Herr zu ihr / fiehe du
biſt Schwanger worden / und wirft einen Sohn gebaͤhren /
deß Nomen foltu Iſmael heiffen / darumb daß der HEre
dein Elend erhöret hat / er wird ein wilder Menſch feyn / feis
ne Hand wider jederman] und jedermans Hand wider ihn
und wird gegen allen feinen Brüdern wohnen / und fie hieß:
den Namen des HErrn der,mitihrredete: Du GOTT fies
bet mich / denn fte ſprach: Hie habe ich gefehen / dehn der
mich hernach angeſehen hat / darumb hieß ſie den Brumnen /
da das geſchahe / den Brunnen des Lebendigen / der mich an⸗
geſehen hat.
21. Dieſe Figur verſtehet alſo: Hagar flohe in dein Willen
der Selbheit / als in Ungehorſam / als in Willen der Natur/
in welcher der Teuffel nach der Grimimes-Eigenfchafft wil ein
Sürft ſeyn: Derfelbe Wille wolte ſich nicht unter den Bunde
demühtigen / und der Freyen/ als Gottes freyen einigen Wlil⸗
len gehorſamen / in der Figur flohe Hagar: Denn der Wille
der Sclbheit foll ausfliehen / und gang fterben / und nicht den
Bund und die Kindfchafft erben: Aber der Engel Gottes bes
gegnete Hagar / und ſprach: Wo wilftu hinflichen Hagark ‘
Saray Magd/ kehre wisderzudeiner Frauen) unddemühtige
dich unter ihre Hand / fiche du bift ſchwanger / und wirft einer
®P 7 Son
350° VonderFirbildung Cap.ao,
Sohn gebaͤhren / deß Namen ſoltu Iſmael heiſſen / darumb dag
der HErr dein Elend erhoͤret hat / das heiſſet alſo:
22. Du armer clender vom Reiche der Natur geſangener
Meuſch / die Natur hat dich ja in ihren Wundern in ihrem
Contrario gebohren / und der Teuffel hat dich vergifftet / daß dur
muſt ein wilder Menſch ſeyn auff Erden / zum Gegenſatz der
Kinder Gottes / daß ſie durch dich geuͤbet werden / und in die
Drang ⸗ſahl eingefuͤhret / auff daß ſte auch den Safft ihrer Wur⸗
tzel des Heyls aus dem heiligen Ente herfür bringen / und ſich in
der Preſſe mit der feuriſchen Begierde durch den Liebe-Ens, wel⸗
cher gantz ſanffte und ſtille iſt bewegen und durchdringen / auff
daß in dieſem Contrario und Streite / auch Frucht aus dem
goͤttlichen Einem wachſe: Dein wilder Wille muß ja ausgeſtoſ⸗
fen und getoͤdtet werden: Aber kehre nur wieder umb zur Freyen/
als zu dem einigen Willen Gottes / und demuͤtige dich fuͤr der
Freyen / denn ich habe dein Elend wohkgeſehen / und habe dich
nicht von meinem Angeſicht verſtoſſen / ſondern nur die wilde
Eigenſchafft / als den Willen der natuͤrlichen Selbheit.
23. Aber ich muß ihn dieſe Zeit auch haben: Denn er wird
gegen alle feine Brüder ſtehen / und fie in der Gottes-furcht
mit feinem Gegen⸗ſpiel üben: Aber Echre dur nur wieder umb
in Die Buſſe zur Freyen / ich wildich alfo mehren / daß man dei⸗
nen Saamen nicht zehlen kan.
24. Warumbebenden Spoͤtter? Darumb / in ihme lag das
Reich der Wunder Goͤttlicher Hffenbahrung aus der Natur /
als aus der feurenden Welt / aus Gottes Stärke und All-
macht / daswilerin Chriſto wieder in die Liebe / als in das eine/
in die Freye einführen: Aber Hagar / als der Wille der feu⸗
renden Seelen Natur ſoll wieder umbkehren / in die Buſſe ge⸗
hen / ſich vor der Freyen / als dem einigen erbarmenden Liebe⸗
willen / als vor dem Bund und Saamen in Iſaac demuͤhtigen /
und den abtruͤnnigen Willen von ſich aus ſtoſſen.
25. Und darumb ſchickte ihr der Herr ſeinen Engelentgegen]
und offenbahrte ſich ihr mit ſeiner Stimme / daß ſie den Namen
des Herrn hieſſe: Du Gott ſieheſt mich: Hie habe ich geſehen
dehn der mich hernacher angeſehen hat / das iſt / der Wider-wille
lieff von der Freyen / als von GOtt aus / aber GOtt ſahe die ars
ae / elende / gefangene Seele wieder an / und rieff ihr / da ſagte
die Seele: Gewißlich / hie hab ich geſehen dehn / der mich hernach /
nach dem mein Wille der Selbheit / als der Natur war ausge⸗
lauffen / angeſehen hat; das iſt ſo viel geſaget:
26. Wann
7
Kup.go. des Geiſtes Gottes mit Hagar / ac. z51
26. Wann der Spoͤtter / als eigene Wille / in ſeiner Natur
außgelauffen iſt / und ſich in ein Contratium gegen feinen Bruͤ⸗
dern / welche bißweilen in ihrem gegebenen himmliſchen Ente
nicht würden wollen / ſondern faul werden / gegen ſie mit ſpotten
eingefuͤhret / und fein Ambt der gegebenen Natur verrichtet hat /
zur Ubung der Kinder GOttes / alsdann ſtehet GOtt den Spoͤt⸗
ter / als feinen Werckzeuge zur Ubung der Seelen auch an / und
wil nicht dag Die Seele verderbe: Er fichet fie wieder an laͤfft
ihnen lehren / und fie ruffen / giehet fie auch indes Menſchen Ge⸗
wiſſen zu ſich / das heiſſet / hernach hat er mich. angeſehen / da ich
ſchon das Werck der Natur in dem Willen der Selbheit hatte
vollenbracht.
27. Als denn Hagar erſt von GOtt angeſehen ward / als ſie
ihrer Frauen ungehorſam worden war / und von ihr entlauffen /
und ohne Zweiffel in dem Widerwillen gegen ihrer Frauen / der
Frauen viel Bewegnüg wird gemacht haben / dadurch ihre Frau /
als Saray auch geuͤbet ward / dag fir ſich in ihr bewegte / und zu
GOtt rieff und betete / daß er doch ihre Schmach / in dehme fie un⸗
fruchtbahr war / wolte wenden / und ſie ſeegnen / daß ſie fruchtbahr
wuͤrde / auff daz ſie auch das Haus oder Gefaͤtz reinige / darinnen
Sie ſollte den heiligen Seegen Abraͤhams einnehmen in ſeinem
geſeegneten Saamen / und nicht etwan menſchliche Geifheitder
Natur in Abrahams geſeegneten Saamen einfuͤhrete / ſondern
daß fie eine rechte Göttliche Begierde in ſich Hatte / darein ſte den
Saamen Abrahams faſſete.
. 28, Und eben darumb machete fie GOtt unfruchtber big auff
ihr Alter / daß nicht die viehiſche Luſt in ihr empor druͤnge / und
ſich in Abrahams geſeegneten Saamen einmiſchete / denn fie
foilte alle ihre menſchliche Krafft / als des Weibes Saamen im
Bunde / welcher ſich in ihr nach dem Reiche der Natur bewegte /
in den Saamen Abrahams geben / nicht aus der Geilheit vie⸗
hiſcher Luſt / ſondern aus Begierde der Natur des geformten
Worts: Darumb muſte die in Adam eingefuͤhrete vichifche
Luſt von ehe in ihr faſt wie gar erſterben / in weicher der Teuffel
ſein Raubſchloß hat / auff daß nur die innere Natur noch in der
Begierde ſtund / als des geformten Worts Eusnachder Creatur.
29. Dann das verheiſſene Wort im Bunde mit Abraham /
aus Abrahams Saamen / ſollte ſich in Saray Saamen / als in
die weibliche Matricem in Veneris Tinctur einergeben / und den
weiblichen Ens aus der Liebe Tinctur an ſich nehmen / welche ſich
ran Adam in ein Weib geſchieden hatte. Zwar nicht nach er
+ offen⸗
- ’ a we
352. Bonperürbildung Lap-yo:
offenbahrten Leben des heiligen in ihr verfchloffenen himliſchen
Entis, welcher in Adam und Heva verblich/ welcher erft in Chri⸗
ſto offenbahr ward / fondern nach dem Neiche der Natur des ges
formten Worts / in welchem der himeliſche Ens verfchloffen lag /
big auff die Bewegung des Bundes in Mariz Ente, da das Ziehl
des Bundes am Ende ftund.
30. Alfo muſte Hagar und ihr Sohn Iſmael / welcher nach
dem Willen der Selbheit / als nach des Teuffels eingeführten
Begierde /und nach feiner Äuffern Conftellation ‚ein Spoͤtter
feiner Brüder / und zu ihrer Ubung ein Werckzeug der Natur
feyn/ dadurch GOtt feine Wunder offenbahrete.
31. Aber gleihwie GOtt die Natur nicht wil ewig von ihme
verſtoſſen / ſondern brauchet fie alfo in der Zeit in einem Contra-
rio, zu Eroͤffnung feiner Wunder ver Weißheit aus Liebe und
Zorn / zur Gebährerin feiner Wunder : Alfo ift uns auch mit
der böfen angebohrnen Eigenfchafft im Menſchen zuverftchen Z
welche die Seele nicht richten mag.
32. Aber der freyeWille dehn fie hat/fo fie damit in der Selb⸗
heit in der Boßheit bleibet / der verdammet ſte: Denn ſie wil nicht
wieder in das Eine / als in die Ruhe eingehen: Ihr Verdamnuͤß
iſt in ihr ſelber / und nicht auſſer ihr / ſie machet ihr die Hoͤlle in
ihr ſelber / das tft / fie erwecket in ihr aus dem Centro der ewigen
geiſtlichen Natur GOttes Grimm / als die Eigenſchafft der fin⸗
ſtern Feuer-Welt / in welcher fie nicht GOttes Liebe-Kind iſt /
ſondern ſeines Zornes / deſſen Weſens ſie ſelber iſt.
33. Denn ſo die Seele des eigenen Willens ſtirbet / ſo iſt ſie
der Hoͤllen als dem Reiche der grimmen Natur abgeftorben :
Nun kan ſie das in eigenem Vermoͤgen nicht thun / GOtt er⸗
blicke ſte dann wieder / wie allhie Hagar geſchahe / da fie ſagte:
Du GoOtt ſieheſt mich; Und hieß darumb dieſelbe Stätte oder
den Brunn / einen Brunn des Lebendigen und Sehenden: Denn
der Brunn des Lebens hat ſich allda in ihr offenbahret / und ſie
wieder zur Umbkehrung gefuͤhret.
34. Denn fie ſollte mit ihrem Sohne nicht aus GOttes Bora
ſatz verſtoſſen ſeyn /fondern GOtt ſtellete nur die Figur der bey⸗
den Reiche in ihrem Saamen / als in Iſmaels und Iſaacs dar:
Denn alſo ſprach hernach GOtt zu Abraham: Dazu umb Iſ⸗
mael habe ich dich auch erhoͤret / ſiehe ich habe ihn geſeegnet / und
wil ihn fruchtbahr machen / und mehren faftfehr : Zwoͤlff Fürs
ſten wird er zeugen / und wil ihn zum groſſen Bold machen.
35. Was nun GOLF geſeegnet hat / das ſoll der ME
sıneH
Cap.40. des Geiftes Gottes mit Hagaric.353
feiner Vernunfft nicht entweyhen : Er hat ihn zum Regenten
indas Reich ver Natur eingefeget / dag er die Wunder der Nas
tur offenbahrete / und nicht zur Verdamnuͤß pr=deftiniret / wie
Babel richtet <= Welcher ein Hirtenftab beffer in der Hand
wäre / alsdie Geheimnüßder Schrift mit irrdifchen Augen zu
erklären / und Schlüffe darein zu machen / welche dem Teuffel
soohldienen / und die Menſchen leichtfertig machen.
36. Dann obwohl Iſmael mit ſeiner Mutter Hagar hernach
aufgeftoffen ward / daß er nicht konte zur Erbſchafft der Güter
Abrahams kommen / das hat viel cin andere Figur / als es die
Vernunfft anſtehet: EHE hatte ven Iſmael zum Fuͤrſten im
Reiche der Natur geſetzt / und Iſaac zum Fuͤrſten im Reiche der
Genaden: Iſmael ſollte frembde Güter beſitzen / wegen deſſen /
daß er nicht war aus der Bundes-Linea entſproſſen / und Iſaac
aus der Bundes-Linea war / darumb gab GOtt dem Iſaac Abra⸗
hams Güter / als das geſeegnete Erbe / dieweil er vom Seegen
gebohren war / daß aus ihme der Herr der Güter kommen ſollte /
ſo ſollte er dieweil ein Beſitzer derſelben Herrſchafft ſeyn / biß
der Herr hernacher kaͤme / und Iſmael ſollte ein Knecht und Die⸗
ner des kuͤnfftigen Herren ſeyn.
37. Denu die Kinder der Natur find Diener im Reiche der
Genaden / nicht Herren im eigenen Willen / fie folkın nicht mie
eigenem Willen in die Erbfchafft des Reiches Chriſti eingreif⸗
fen: Denn es lieget nicht an jemands felber wollen) lauffen oder
rennen / daffelbe wollen und £önnen / in eigenem Willen nehmen
fondernes lieget an GOttes Erbarmen / es ift ein Genadenreich /
nicht cin ererbet Reich/aus einem Gefchlechte der Menfchen/fon=
dern Bott gab es aus Genaden dem Abraham in ſeinen Saamen.
38. Der Spoͤtter Iſmael muſte von dem geſeegneten Erbe
außgeſtoſſen werden : Denn er war nicht aus der erblichen Li-
nea, als aus GOttes ſonderbahren Gabe gebohren / wie Iſaac /
welcher in Chriſti Perſon da ſtund; denn Chriſtus allein ſollte
der Erbe des Seegens GOttes ſeyn / der es aus Natur-recht
hatte / die andern aber allzumahl ſollten als feine Hauſgenoſſen
ſeyn /denn Japhet foll in Sems Hütten wohnen/ nicht als cin
Herrder Hätten) fondern als cin Diener.
39. Denn auch die Perfon Iſaacs anders nichts darinnen
iſt / nach feiner angebohrnen Adamiſchen Naturyals ein Diener;
daß er aber zum Erben erfohren ward / das gefchah ihm von
Gott/als einem Statthalter feines. Heran/der aus ihme entfpriefs
fen ſollte / deſſen von GOtt gegebene Eigenfchafft er in ſich / als in
der
354° Von der Fuͤrbildung Cap.40.
der Stätte des Bundes trug: Verſtehet / er trug Chriſtum in
ſich im Bunde GOttes / dehme gebuͤhreten die Güter allein aus
Natur⸗recht / denn er war Goͤttlicher Natur / GOttes Kind und
Erbe alles deſſen / was GOtt erſchaffen hatte.
40. Den andern aber allen gebuͤhreten die himmliſche Guͤ⸗
ter nicht aus Natur-rechte / denn fie hattendas Natursrccht in
Adam verlohren/und kamen nur aus Gabe und Schenkung des
Gebers darzu / aus GOttes Erbarmen ; darumb war Ifinael
von Abrahams Gütern aufgeftoffen/ denn es war die Figur des
rkuͤnfftigen Reiches Ehrifti allhier dargeſtellet.
42. Und dag mans doch Flarfehe/ fo ficher mans an dehme
genug / dag Abraham bey einer Egyptiſchen frembden Magd
beylag/ und einen Sohn mit ihr zeugte aus feinem Saamen/
als aus feines Seibes-umd Scelen-Effeng / und denfelden Sohn
her nachmahl gleich verglich von der Erbſchafft; dag es die Figur
iſt der rechten Eindfichen Erkfchafft / dag Niemand Fönne zur
Kindfihafft Fommen / er werde dem aus dieſem Bunde/ aus
Ehrifti Fleiſch und Geifte gebohren.
42. Der alte Adamiſche Menfch nach feinen eigenen Willen
aus der Schlangen Ente wird außgeſtoſſen / und gang wegge⸗
morffen / er iſt nichts nuͤtze zum Neiche GOttes / er iſt nur cin
Werckzeug / Damit Gott ſeine Kinder über und treibet / als ein
Beſem da man das Haus mit kehret.
43. Die Seele wu den eigenen Willen gantz in Ewigkeit
verlaſſen / und mug in ihr felbereines neuen Seibes aus dem him⸗
lifchen Ente, ausihrem in Adam an GOtt verblichenen/ und aus
Chriſti Geifte wieder dareingeführten himmliſchen Ente ge=
bohren werden. . j
44. Die grobe eingeführte vichifche Eigenfihafft wird vom
Neihe GOttes außgeſtoſſen / auch gleich an allen Menſchen /
welche aus Adams fündlicyen Saamen gezeuget find / an Iſaac
und Abraham fo wohl als an Iſmael; aber ver Ens im Bunde
foll ewig loben / und den rechten in Adam gefihaffenen Menfchen
aus dem Limo der Erden/ als vom Reiche viefer Welt Weſen /
am jüungften Tage wieder anzichen; aber nicht die Grobheit der
Erden/fondern ven Ens des geformten Worts / der fich hatin ei⸗
ne Schöpffung eingegeben.
45. Der innere Ens Chrifti /dehn die Seele zu einem himm⸗
liſchen Leibe aus Chriſti Geiſt / und aus feinem Fleifch und Blur
te an ſich anzeucht /deriftgeiftlih. Es ift ein geiftlicher Leib /
welcher nicht ſtirbet mit Dem Sterben des Auffern Da
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3 * #7: ur 8,
Cap40 des Geiſtes Gottes mit Hagar ic. 355
wird guch nicht begraben / ſtehet auch nicht auff / ſondern er iſt in
Chriſto fuͤr alle und in allen geſtorben und begraben worden /
und aufferftanden/ und lebet ewig / denn er iſt vom Tode zum Le⸗
ben hindurch gedrungen.
46. Und darumb kam Iſmael nicht zur Erbſchafft ſeines
Vaͤtters Guͤter / denn er hatte noch nicht Chriſtum im Fleiſch
und Geiſte angezogen: Iſaac aber hatte ihn im Bunde / als im
eingeleibten Worte angezogen / und hatte Chriſtum im Bund
aus GOttes Gabe nun für Natursrecht in ſich / nicht aus feiner
Gewalt / fonvdern aus des Gebers Gewalt / aus Gewalt des
Buntes.
47. Iſmael aber follte nun den Bund aus Chrifto ansichen /
und nicht aus angeerbter Kindſchafft / wie Chriſtus / der ihn aus
GOtt in kindlichem Recht anhatte; und fehlet Dem Iſmael jetzt
nur dieſes / daß er fich in dem Brunnen des Sehenden und Leben⸗
digen follte beſchauen / wie feine Mutter Hagar thäte / und wie⸗
der mit dem perlohrnen Sohn zum Batter kommen / und Abra⸗
ham / das ift / feinem Erben Iſaac in Ehrifto zu Fuß fallen/ und
bitten / daß er ihn in fein Haus) welches Chriſti Menfchheit/als
die geiftliche Welt iſt / wolte zu einem Zaglöhner und Diener
annehmen / denn er hätte fein Recht zu feiner Erbfchafft/ cr wäre
nur ein Stieff-Bruder von einer frembden Mutter /als vom
Reiche der Ratur gezeuget.
48. Und umb derer Willen war Chriſtus kommen / daß er
ſich ihrer erbarmen wolte /denn er fprac auch felber alsering
Fleiſch kam / er ſey nicht kommen zu fuchen den Gerechten / ſon⸗
dern den armen Suͤnder / ſeine Bruͤder in Iſmael und Adam /
nicht feine Linea in Ifaac / denn der Gerechtfertigte darff des
Arktesnicht / ſondern der Krancke verwundete arme Sünder.
49. Und wollen nicht alſo blind die Predeftination und Ge⸗
nadenwahl hierein fchlieffen / wie Babel thut; welche lehret /
Gtt habe einen gewiffen Hauffen und Anzahl zur Verdam—⸗
nüß geordnet / und den andern zur Seeligkeit.
so. Wenn das wäre /fo ware die Natur in ein gewiſſe Maß
eingeſchloſſen / wen fie follte ein Kind GOttes gebähren / und
gieng nicht mehr im frepen Weſen; auch hatte GOtt feinen une
wandelbahren Willen in ein Anfang und Ziel gefchloffen/ und
wire immenfchlicher Eigenfchafft nichts mehr frey/ fondern was
ein jeder thäte / das muͤſte er unvermeydlich alſo thun /er raubte
over frähle / er mordete sderfäfterte GOtt / und lebte gleich wie
er wolte / ſo muͤſte es alſo ſeyn; wo das wahr iſt / ſo ſeynd Die ze⸗
ji hen
-
356 Bon der Fürbildung Cap.40
hen Gebott / und alle Schre und Gefege gantz nichtig / und darff
Keiner Buſſe thun / GOit swing ihn denn darzu.
51. Ich ſage / der alſo lehret / der braucht und fuͤhret den Nas
mer GOttes unnuͤtzlich / und entheiliget den Namen GOttes /
welcher von Ewigkeit frey iſt / welcher ſich allen aruen Suͤndern
anbeut / und ſie alle zu ſich heiſt kammen. (Matrh. ız.)
52. Der Bund ward wohl mit Iſaac auffgerichtet / als die
Göttliche Macht und Heriſchafft / fie ward aber keinem Men⸗
ſchen in der Bundes-Linea gegeben / als nur allein dem Menfchen '
Chriſto / auffdag keiner aus Recht zu GOtt kaͤme / fondernalle
inder Genade des Einen / daß ſich GOtt aller in Chrifto erbar=
mete / und auffer dehme Feine Genaden-thür mehr wäre/ den Ju⸗
den / als Abrahams Saamen /umd auch den Heyden /alle nur
aus Genaden angenommene / und inihmenenerbohrne Kinder/
und feiner auffer dem Leben Chriſti / die Juden und auch. Heyden;
Ale Menfchen / welche zu GOtt eingedrungen / als zu feiner
Genaden / die hat er allein der Genade / die er inChrifto darbeuth /
angenommen.
53. Darumb batt auch Chriſtus für feine Feinde / welche ihn
nicht Fanten/ ſondern creutzigten / daß ihnen GOtt wolte in ihme
vergeben und fie zu Genaden annehmen; in welchem Zugange
alle Voͤlcker / ſo Chriſtum im Fleiſche nicht kennen / aber zu GOt⸗
tes Genaden fliehen / eine offene Pforte haben / und in GOttes
Erbarmen eingenommen werden.
54. Denn auffer Chrifto komt Fein Menfch zur Eindfichen
Erbſchafft / ihme allein gebühren die Güter / als die Hierarchia
der Menfchen/wie er auch fagte : Vatter / die Menfchen waren
dein / aber du haft fie mir gegeben / und ich gebe ihnen das ewige
Leben; Und darumb gebühret fie ihme / daß er GOttes Sohn
iſt / aus feinem Weſen von Ewigkeit gebohren.
55. Adam war auch GOttes natürlicher Sohn / dehn er aus
ſeinem Weſen hatte geſchaffen:Aber er verlohr die Kindſchafft un
das Erbe / und ward außgeſtoſſen / und mit ihme alle ſeine Kinder /
gleich wie Iſmael von der kindlichen Erbſchaft außgeſtoſſen ward.
56. Denn inAbraham ward das Erbe der wahren Kindſchafft
wieder offenbahr; aber Iſmael war nicht aus dem Erbe der
Kindſchafft gebohren / ſondern aus dem außgeſtoſſenen Saamen:
Nun both aber GOtt aus Genaden fein heiliges Erbe in Abra⸗
ham wieder dar / daß er wolte den außgeſtoſſenen Saamen in
dieſer neuen Mutter / welche ſich in Abrahams Saamen eingab /
wieder in ſich zu einem kindlichen Saamen gebaͤhren.
sz Nicht
Cap. 40. des Geiſtes Gottes mit. Bagarhıc. 357
57. RNicht daß der abtrünnige in Adam außgelauffene Wille,
inder Selbheit in Iſmael follte in diefe Mutter genommen wer:
den ; Mein / derfelbe wird von dem Findlichen Erbe mit Iſmael
in alle Weege außgeftoffen/ er kan nicht neugebohren werden) er
fterde denn feiner Selbheit und Selb-wollens / und komme in
einem umbgekehrten Willen zu GOtt in Chriſto / in Geftalt des
verlohrnen Sohns / der niches aus Natur⸗recht wil noch begeh⸗
ret / als nur allein dag fich der Herz der Güter über ihn erbar>
me/und ihn wieder zum Tagloͤhner annehme: Denfelben umbge⸗
Eehrten Willen propffet GOtt in fein Genaden⸗geſchencktes
Erbe / als in die Güter Abrahams in Chriſto ein/ und machet ihn
zum Erben in Iſaacs Gütern /alsin Iſaacs geſchencktem Erbe
in Chrifto.
58. Iſmael ward von Abrahams / als von GOttes Gütern
außgeſtoſſen / daß er follte zu feinem Sohn Eommen / dehme er
dag gange Erbehatte gegeben / und ihn umb die Findliche Erb⸗
ſchafft bitten /denn der natürliche Adamifche Menfch hatte es
verlohren; und daffelbe verlohrne ward dein Bunde Abrahams/
als dem gefeegneten Saamen gefchgndet / als dem Menfchen
Chriſto / derfelbe ſchencket es nun dehnen die zu ihm kommen.
59. Alle Menfhen die zu GOtt dem Vatter kommen / und
ihn umb die ewige Kindfchafft bitten / dehnen allen ſchencket er
die Kindſchafft in feinem Sohn Chrifto / welchem er das ganze
Erbe/alsdiemenfchliche Hierarchiam , als den Befig des Thro—
nes der Englifchen Welt 7 im Locodiefer Welt geſchencket hat /
und ihme alle Macht der Herıfchafft darinnen gegeben/ ( Matth.
28.) da er fagte: Mir ift aller Gewalt im Himmel und auff Er>
den gegeben worden von meinem Batter.
60. Denn Gott der Vatter regieret den Locum diefer Welt
in feinem Sohne Ehrifto ; und alle Menfchen fonun zu GOtt
kommen / die Eommen in Chrifto / welcher der HErr /als der
Mund feines Battersift/ zu ihme.
61. Ehriftusiftder Stab) damit GOtt feine Schafe weydet:⸗
In der Stimme Ehrifti werden alle arıne Sünder / welche ſich
zu GOtt wenden / eines neuen Willens und Lebens gebohren }
und in Ehrifti Tode fterben fie des eigenen Willens der Selb»
heit in der Findlichen Gebuhrt / in der Stimme Chriftiabe.
62, Denm Chriftus ift der menſchlichen Selbheit indes Bat»
ters Zorne abgeftorben / undift mitdem Willen der Selbheit in
ewigen Tod begraben worden / und iſt in feines Vatters Willen
aufferftanden/ und lebet und herrſchet in Ewigkeit in feines
Batters Willen, 63. GOtt
358 Wron der Fuͤrbildung Cap. 40.
63. Gott der Vatter fuͤhrete feine Stimme und Wort / als
feine Offenbahrung / in den Saamen Abrahams ein /als in den
menſchlichen Willen der Selbheit / und fuͤhrete denſelben Wil⸗
len der menſchlichen Selbheit mit ſeiner eingefuͤhrten eigenen
Stimme in den Tod und in die Hoͤlle / welcher Tod und Hoͤlle
in der menſchaichen Selbheit eigenes Willens offenbahr war /
und zerbrach den Tod und die Hölle in Kraft feiner geoffenbahr⸗
ten Stimme) in der Stimme und Wort der Menſchlichen
Selbheit / daß der Menſch nicht mehr ihme felber wolle / ſon⸗
dern was er nun wil / das foller in der geoffenbahrfen Stimme
GOttes wollen.
64. Alſolang Iſmael in der Stime feiner ſpoͤttiſchen Selbheit
wolte / konte er kein Erbe dieſer eingeführten geſchenckten Güter
ſeyn; ſo er ſich aber zu GOtt bekehret hat / und den Willen der
Selbheit verlaſſen / fo ſchicket ihme GOtt den Engel auch noch
in feiner Mutter Leibe zu amd ſpricht: Kehre wieder zu Der
Freyen / und demühtige dich inter ihre Hand / fo ſoltu leben.
65. Denn in Mutter $eibe war Sfinaclflüchtig worden von
Gott; deutet an die fluͤchtige menfchlihe Natur indie Selb>
heit / und in Mutter Leibeſchickete ihm GOtt einen Engel zum
Wiederruffe: Deutet an/ daß ade gottlofe abtrinnige Men⸗
ſchen / auch noch in Mutter Leibe in ihrer eigenen Effeng und
Weſen durch GOttes Stimme und auch die Zeit ihres gantzen
Lebens in fich felber gerufen tserden ; allein der natürliche Wil⸗
le der Selbheitverftopffer fein Gehoͤr / daß vie Stinime Gottes
nicht darinnen offenbahr wird.
66. Das ift/ gleich wie die Sonne den ganken Tag ſcheinet /
und ſich aller Efeng einergibet / welchenur ihre Krafft einneh⸗
men wil: Alfo ſchallet auch die Stimme GOttes durch alle
Menfchen zum Wiederruff diefer Zeitihres ganken Lebens; fo
bald der Saame in Mutter $eibe gefüct wird / fo fihallet die
Stimme GoOttes darinnen zu ciner guten Frucht: Aber hinges
gen fhallet auch die Stimme des Zorns GOttes in der Eflenf
der Menſchlichen Selbheit: Es ift ein ſtaͤtes ringen zroifchen
ihnen / wie mit His und Kaͤlte; welches fieget/ deſſen ift die‘
Srucht; diefer Streitwähret / weilder Mensch in diefer Welt
feber.
67. Darum fagen wir mit Grunde / dag man nicht ſoll
Schluͤſſe machen über die Kinder der Heiligen GOttes / als ob
Gott haͤtte alſo aus feinem Vorſatz einen zur Verdamnuͤß ges
zeuget / und ihn verſtocket / daß er nicht Fönte zur zundeh
om⸗
Cap. ao. des Geiftes Gottes mit Hagarlıc. 359
kommen; und den andern in ihme erwaͤhlet / daß er nicht könte
rerlohrenwerden: Es iſt lauter Ungrund.
68. Bey den Stämmen der Heiligen / in deuen fihder Bund
GHDttes hatte eröffnet/ als bey den Patriarchen, als Adam /
Noah / Abraham, Iſaac und Jacob / find allezeit zweyerley
Bilde dargeſetzet worden / als Chriſtus und Adam / ein guter
und ein boͤſer Menſch.
69. Cain / Ham / Iſmael und Eſau waren Bilder des ver⸗
derbten Menſchen; und Habel / Sem / Iſaac und Zacob wa⸗
ten Bilder Chriſti / welcher ſich in dieſer Linea eroͤffnete / und
den verderbten Adams-kindern darſtellete / als zu einem Liecht
und Prediger / ſie zu bekehren.
70. Dim GOTT haͤtte feinen Sohn nicht geſandt / daß er die
Welt als den armen verderbten Menſchen / ſoll richten / ſon⸗
dern hat ihn darum in die Welt unter den gottloſen Hauffen
boͤſer Menſchen geſandt / daß er ſie ſoll lehren / und ruffen / und
die jenigen welche hoͤren wollen / ſoll ſeelig machen / welche nur
ein Fündlein Goͤttliches Entis zum Gehoͤr in ſich haben. In
alle dieſelbe ſchreyet die lebendigmachende Stimme Chriſti in
das kleine Fuͤncklein ein / und ruffet / das iſt / blaͤſet das kleine
Fuͤncklein auff / daß es ſoll ein goͤttlich Feuer werden.
71. Und daß man doch der blinden felbgenannten Chriſtenheit
die Augen weit auffthue in ihrem Ruhm / ſo wohl auch den Ju⸗
den / daß ſie nicht eben alſo auff ihre Wiſſenſchafft pochen / als
waren fe allein darum GOttes Kinder / daß ſte den Namen
GOttes wiſſen / nnd fi des Wiſſens troͤſten / und andere
Voͤlcker denen das Wiſſen in ihrem Willen benommen iſt /
und in eine andere Wiſſenſchafft eingefuͤhret verdammen / wie
fie leyder alſo blindlich thun / auff daß ein Volck das ander übe:
So wiſſet / daß Cain / Ham / Ifmael und Eſau das Bilde der
Tuͤrcken und Heyden ſind / welche GOTT in Iſmael geſeegnet /
und ihnen die Fuͤrſtenthum in ſeinem Reiche dieſer Welt zum
Beſitz gegeben / und ſie im Selb-wiffen von dem Wiſſen der
Kindſchafft Chriſti ausgeſtoſſen / wie er Iſmael ausſtieß und
ruffet ſte aber in Mutter-$eib mit dem Engel des groſſen Raths
wieder in die Freye / als in Gottes Güter / dag ſie ſich ſollen
zu ihme wenden. N
72. Denn fie liegen unter der Dede Chrifti verfchloflen /
gleich wie Chriftus unter dem $evitifchen Prieſterthuin unter
Moſe; und wie die Kinder Iſrael unter dem Gefege nicht
durchs Geſetze gerecht wurden / ſondern durch dehn / welcher unter
dem
»
360 Don der Firbildung Cap. ao,
dem Gefeße verborgen ſtund: Alfo ſtehen ſie unter der rechten
Wiffenfchaft verborgen / und liegen gleich als wie in Mutter
Leibe verfchloffen.
73. Aber der Engel des groffen Raths ruffet fie durch ihre
Mutter die Hagar / als durch das Reich der Natur / dag fie
die Mutter mit ſamt dem Kinde foll wieder zu Saray/ alszur
Freyen einkehren / als zu dem einigen GOTT] welcher aus
der Freyen hat feinen Sohn gebohren ; fo kommen ſie gleich
unter ver Decke / alswie in Mutter Leibe zu der Freyen/ als
zu dem einigen GOTT / welcher ihnen ausder Freyen hatden
Kern (in deffen Güter fie als Fremdlinge In Genaden anges
nommen werden) zu Haufgenoffen gebohren.
74. Denn gleichwie fich Iſmael nicht zu Iſaac wendefe / um
der Erbfehafft willen / welche doch dem Iſaac aus Rechte war /
wegendes HErrn in ihme / der es ihme geſchenckt / und ihn zum
Verwaͤlter geſetzt hatte / ſondern wolte das Erbe vom Vatter
haben: Alſo haben ſich die Tuͤrcken auch von Iſaac / als von dem
Sohn zum Vaͤtter gewendet / und wollen die Erbſchafft GOt⸗
tes vom Vatter haben.
75. Nun iſt uns aber der Vatter im Sohn offenbahr: wenn
ſie jetzt den Vatter anruffen / ſo hoͤret er allein im Sohn / als
in ſeiner geoffenbarten Stimme in Menſchlicher Eigenſchafft /
und dienen ſte doch dem Sohn im Vatter.
76. Denn wir Menſchen haben keinen GOTT mehr auffer
Ehrifto dem Sohn / denn der Vater hat fich gegen ums mit feis
ner Stimme im Sohn geoffendahret/ und höret uns allein durch
feine geoffenbahrte Stimme im Sohn.
77. Wenn nım die Tuͤrcken den Vatter anbehten/ fo höret
er fie im Sohn / und nimt fie allein im Sohn zur Kindſchafft
an/ in welchem fih GOTT einig allein wieder in menfchlicher
Eigenfchafft hat geoffenbahret/ und in keiner anderen Eigen»
ſchafft mehr.
73. Nun ſpricht die Vernunfſt: Wie können fie zur Kind⸗
ſchafft Chriſti kommen / weil fie den Sohn nicht haben wollen
für GOttes Sohn / und ſagen / GOTT habe keinen Sohn?
Hoͤre du Menſch / Chriſtus ſprach: Wer ein Wort redet wi⸗
der des Menſchen Sohn / deme wirds vergeben / wer aber den
H. Geiſt laͤſtert / der hat keine Vergebung ewiglich; das iſt td
viel geſaget:
79. Wer die Menſchheit Chrifti in Unverſtande antaſtet /
als fein eigen Fleiſch / dehme kans vergeben werden / denn er *
m
Cap.40. des Geiſtes Gottes mit Hagar / rtc. 361
net nicht was die Menſchheit Chriſti iſt: Wer aber den H.
Geiſt laͤſtert als ver einigen GOTT / welcher ſich in der
Menſchheit hat geoffenbahret / da der Vatter / Sohn und H.
Geiſt ein ciniger GOTT innen iſt / der hat keine Bergebung
ewiglich / das iſt werden Einigen GOTT verwirfft/ der hat
fich won ihme gang abgebrochen in cin Eigenes.
80. Run laftern die Tuͤrcken nicht den H. Geift / der fi} in
der Menſchheit Hat offenbahret / fondern jte fagten Die Menſch⸗
heit Chriſti anı und fügen: Eine Erentur koͤnne nicht GOtt
ſeyn.
81. Daß aber GHtt in Chriſto gewuͤrcket hat / und die Wun⸗
derthaten gethan / das geſtehen ſie / und laͤſtern nicht den Geiſt /
welcher in Chriſto gewuͤrcket hat / als in der Menſchheit: Ihnen
iſt Blindheit wiederfahren / daß ſie unter einer Decke hinfahren.
82. So ſpricht die Vernunfft: GOtt hat ihnen den Leuchter
weggeſtoſſen und fie verworffen: Höre du Menſch / was war
die Urſache / daß ihnen GOtt den Leuchter / wie er in S. Johan⸗
ne dreuete / wegſtieß / und ſie unter die Decke verſchloß? Meyn⸗
ſtu es ſey ohne ſein Vorwiſſen / ohne ſeinen Willen geſchehen?
Nein / es iſt mit ſeinem Willen geſchehen.
83. Er lieg zu / daß ihnen das Reich der Natur eine Ver⸗
nunfftelehre gab / Bieweil die Chriftenheit war an Chriſti Pers
for inder Bernunfft blind worden] und um Chriſti Menfchheit
zancketen / und verfelben allerley Schmach und Un-ehr uthaͤ⸗
ten / wie denn bey den Arrianern geſchahe / da man feine Gott-
heit leugnete / und die Biſchoͤffe in ihrer Geitzigkeit ſein Vera
dienſt in feiner Menfchheit uns Bauchs Willen/ inihre Bauch⸗
orden zogen / und allerley Leichtfertigkeit auch mit Schweren/
Fluchen und Zaubern bey feinem Leyden und H. Wunden veruͤ⸗
beten: da denn der H. Name Gottes / welcher ſich hatte im
der Menſchheit geoffenbahret gemigbrauchet ward; foverbarg
ih GOtt vor ihnen in ihrem Berftande / daß fie erftlich mit den
Arrianern ander GOttheit Ehrifti blind worden. -
84. Hernach als fie nur ja wolten blinde Thiere ſeyn / ſo ver⸗
barg er fich auch in der Türdifchen Religion für ihnen mitder
Menfchheit/ dag fie alfo des Leuchters der Welt gantz beraubet
würden / und gieng ihnen wie der Prophet zu Iſrael unter ihrem
Koͤnige ſagte: Ach! ich muß dir wieder Richter geben / wie vor
Alters her.
85. Alſo ward ihnen der Koͤnig des Liechts in der Menſchheit
entzogen / und ward ihnen wieder das Richter⸗ambt der Natur
Q zum
362 Don der Fuͤrbildung Cap.40.
zum Führer gegeben / das fie fich wiederin Mutter Leibe / als
in die Wurgel / daraus der Menfch ward gefchaffen worden /
wendeten/ als zu dem Einigen GOtt / auff daß der Name und
die der heiligen Menſchheit Chriſti doch bey ihnen
verloͤſche.
86. Daß ſie denſelben nicht alſo unnuͤtzlich zum Schwur und
falſchen Schirm braucheten / ſo muſten ſte wieder in Hagar /
als in Mutter Leib eingehen; und ſind ja jetzt ein lange Zeit von
Chriſti Menſchheit / als aus Abrahams Gehaͤuſe ausgelauffe⸗
ne Voͤlcker in ihrer Mutter Hagar geweſen.
87. Aber das ſoltu wiſſen / und ſagen das / als ein
Wort des Hoͤchſten in ſeiner Poſaunen Schall er—
kannt / welche ev gerichtet hat alle Voͤlcker zu erwecken /
und den Kreyß der Erden heimzuſuchen; daß der En—
gel des groſſen Rahts / als die heilige Stimme Ehri-
fti/ nicht alſo von ihnen gewichen ſey / ſie ewig zu ver:
geſſen; fo wenig eine Mutter Fan ihres Kinds ver—
geſſen / daß fie ſich nicht wieder erbarme über den Sohn
ihres Leibes | ob er ihr wäre ungehorfahm worden.
88, Denn gleich wie der Engel zu Iſmael / als feine Mutter
für Saray flohe / kam / als er in Mutter Leibe lag / und ihn mit
ein eegen und weltligen Fuͤrſtenthuͤmern verfahe / und die
Mukter mit dem Kinde hieß wieder zu Sarah Eehren; Alfo
auch / nachdeme die Morgenländer wieder in Mutter Seibe mir
ihrer Erkäntnäß der Religion eingiengen/ ſo gab ihnen GOtt
im Reiche der Natur den Gewalt über die Fürftenthümer der
Welt / Die unter dem Liechte der Natur zur beherrfchen / big
auff ſeine Zeit/ fo follen fie mit groffen Freuden und mit grofa
fer Demuht wieder zu Abraham / als zu Chrifto eingehen.
89. Und nicht inder Form der Babyloniſchen geformten Buch⸗
ſtaben⸗Chriſtenheit in alle ihre gedichtete Orden / welche nur
Buchſtaben⸗ Chriſten find (auff daß doch eine Zeugnuͤß von
Chriſto und feinem Neiche ift auff Erden blieben /) fondern
im Geifte und inder Krafft werden fiegebohren werden / denn
fie find der werfohrne Sohn / der von feinem Batter ift ausges
wandert und zum Sauhirten worden.
90. Wenn fie aber der Engel wird heiffen wieder:
kommen / fo Fommen fie in der Demuht des verlohr⸗
nen] und wieder zum Vatter kommenden / Sohns I
da
Cap 40. des Geiſtes Gottes mit Hagarrc. 365
da denn die groſſe Freude wird bey Chriſto und ſeinen
Engeln gehalten werden / daß der Tode lebendig / und
der Verlohrne wieder funden iſt / und gehet bey ihnen
auff das rechte guͤldene Jubel-Jahr der Hochzeit
des Lamms.
gr. Und ob gleich der ältere Bruder (als der im Buchſtaben
blieben iſt) darum gruntzet wegen der ungleichen Form / fo tie
ihnen felber gemacht haben] meiften Theils zu ihrem Bauche
und Ehren/ Das gehet fie nichts au fie ſind mit dem Batter
oͤlich.
ſe 92. Wan man nun die gemahlete Chriſtenheit und die Tuͤrc⸗
fon jet gegeneinander ſtellet / und recht befichet / fo fichet man
das fie (ſint der Zeit/ als fih die Türdenhaben von ihnen ges
fhieden) find vor GOTT in Heiligkeit und Gerechtigkeit /
nur cin einiges Volk gewefen / mit unterſchiedenen Namen.
93. Und find die 2. Söhne / da der Vatter ſaget zu einem:
Gehe hin und thue das/ under fagte Ja / thäteesaber nicht;
und zum-andern auch / thus das / und er fagte Nein / gieng
aber hin / thaͤte es: Welches die Türden alſo hoch erhoͤhet / im
den Reiche der Natur / welches die blinde Chriftenheit nicht
verſtehet.
94. Nicht daß wir die Tuͤrcken rechtfertigen / und ſagen /
daß fie in ihrer Blindheit ſollen bleiben: Nein / ſondern den
gemahlten Chriſten fagen wir es / daß fie vor GOTT gleich
find/ indehme fie ja fo blindam Reihe Ehrifti find / als die
Tuͤrcken / wie fihs beweifet/ dag die Chriſtenheit voll Streit
und Zandee ift/ umb Chriſti Gottheit und Menfchheit/ und
den H. Namen in feiner Menſchheit greulich entheiligen / und
nur zum Gebrand des Schwurs und zur Abgoͤtterey brauchen /
undvom Schwerd des Heiligen Geiftes inein Blutſchwerd ein⸗
gegangen find / da nichts als Zanden und Berachten innen ift /
und die ganse genannte Chriftenheit zu eitel Secten und Orden
worden iſt / da je eine Secte die ander verachterumd für unges
recht fchilt/ und haben alſo aus der Chriftenheit eine lautere
Merpgruben / voll Säfterung umb Chriſti Perfon und den
Geiſt Eprifti / indeme ein Ehrift foll in hoͤchſter Demuth leben?
zu cinem Difputier- Orden gemacht / und die thörichte Ver—
nunfft zum Meifter des Berftandes über Chrifti Reich geſetzet.
95. Was follman dennnunnon der Ehriftenheit/ undvon
den Tuͤrcken fagen/ dag man fie vergleiche? Alſo fagen wir :
Q2 Der
64 Bon ver Sinbildungse. Gap. 407
Der Türde iſt offentlich ein Ifinachiter und Spoͤtter der
Menſchheit Ehrifti/ und halt die nicht für GOttes und Mens
ſchen⸗Sohn zugleich: Denn er verſtehet nicht den himmliſchen
Zus in der Perfon.
96. Aber die Secten der Chriſtenheit / decken ſich zwar mit
Chriſti Mantel um / greiffen ihm aber in ſeine Menſchheit und
Gottheit ein / und ſchaͤnden ihn auch in der gantzen Perſon /
zerren und reiſſen ſich umb ſeine Perſon / und wil einer hin / der
ander her / ein jeder wil Meiſter uͤber ſeine Wort und Geiſt ſeyn /
and ſpotten alſo Chriſtum in feinen Gliedern / find chen folche
abtruͤnnige außgeflohene Ifmacliter / als die Türen / und le>
ben in eigenem Willen / und dienen dem Reiche der Natur / zu
ihrer Selbheit und Wolluſt.
97. Ein Chriſt ſoll der Selbheit mit Chriſto geſtorben und
in Thriſto auffgeſtanden / und aus Chriſto gebohren ſeyn /
und Chriſtum haben angezogen / daß er in Chriſto/ in Chriſti
Geiſte/ und himmliſchen Fleiſche nach dem innern geiſtlichen
Menſchen ein Chriſt ſey.
98. Aber an deſſen Statt hat man Babel und den Antichriſt
angtzogen / und ruͤhmet ſich in den Orden / und in den ſteinern
Haͤuſern der Kirchen und Stifften der Chriſtenheit / da heucelt
man ja Chriſto etwas / dieweil man ſeiner Apoſtel hinterlaſſene
Schrifften allda lieſet / hernach aber mit dem Predigen meiſten⸗
theil nur das Reich der Natur neben dem Zanck und Diſputiren
darein fuͤhret / und die Zeit mit diſputiren und ſtreiten der
Secten zubringet / daß eine Park die andere außrichtet / und
den Zuhörern die Ohren vergallet und verbittert / daß eine Secte
die andereanfeindet/ und für Teuflifey aufifchreyet / darauf
nichts als Krieg und Unmillen / auch Verwuͤſtung Sand und
Städte herfomt.
99. Alfo find fie vor Gott alle gleich / und liegen alle gleich
wie in Hagar in der todten Vernunfft verfehloffen / außge⸗
nommen die rechten Kinder Gottes / welcher ja noch etwan un⸗
ter allen Böldern und Secten gefunden werden / aber gan
alter und veracht / und find der VBernunfft- Welt auch unter
Chriſti Creutz⸗ Decke verdeckt.
100. Denn gleich wie die vier Elementa der Sonnen Krafft
in ſich faſſen/ und man in der subſtantz das Corpus, Doch nicht
die Sonne ſiehet / ob ſie gleich darinnen wuͤrcket: Alſo iſt auch
der Geiſt Chriſti in den Kindern GOttes verdeckt. Aber gleich
wie ein Kraut aus der Erden durch der Sonnen⸗
se
Cap. 41. Von dem Siegel des Bundesrc. 355
ſchoͤne Blume und Frucht herfuͤr bringt: Alſo ei GOttes
Kinder aus ihrer albern Ungeſtalt.
Das 41. Capittel.
Von dem Siegel des Bundes der Beſchneidung der
Vorhaut / und von der Tauffe.
$5 GOTT den Bund mit Abram gemacht hatte/
und ihn geſeegnet / und zum Vatter vieler Voͤlcker
gemacht hatte / welche durch ihn als durch Abrams
Seegen im Bunde ſolten geſeegnet werden / ſo gab
er ihme das Siegel des Bundes / als das Zeichen
und die Figur / auff welchen Ens der Seegen gienge / und zeigete
idme in dieſer Figur an was am Menſchen ſolte den ewigen
Seegen ererben und beſitzen / als nehmlich / nicht der grobe
irrdiſche viehiſche Menſch / welcher in Luſt des Fleiſches aus des
Mannes und Weibes viehiſchen Luft empfangen und gebohren
werde / welcher fich in Adam nach ver thierifäjen und vichifchen
Eigenſchafft der zertheilten Sehens Eſſentz einflochte / nicht auff
dieſen gieng der Bund und Seegen / fondernauff den geform=
fen Ens des Worts / aus dem Limo der Erden / ausder Himm⸗
liſchen Welt Eigenfhafft: nicht auff den eingeführten Schlans
gen⸗Ens, aus der finſtern Welt Weſen und Eigenſchafft / ſon⸗
dern auff die Seele und ihren rechten Leib / welcher ihr in Adam
geſchaffen ward.
2. Und ſiehet man allhie bey der Beſchneidung das Bilde/
Daß die viehiſche Vermiſchung Mannesund Weibes vor GOt⸗
tes Heiligkeit ein Eckel ſey / welcher doch unter goͤttlicher Ge⸗
dult ertragen wird / weil es nun nicht anderſt mitdem Menſchen
ſeyn mag / und er die magiſche Gebuhrt des Paradiſes verloh⸗
ren hat / denn allhier ſtellete GOtt die Figur in der Beſchnei⸗
dung dar / daß ſich alles was männlich war / muß laſſen an die⸗
ſem Gliede der Fortpflantzung des maͤnnlichen Saamens be⸗
hneiden / in dem der Mann ſeinen eigenen Willen / aus der
Natur Eigenſchafft in ſeinem Saamen ſaͤct: fo ſtellete GOtt
die Figur mit der Abſchneidung beydes des irrdiſchen Saamens /
auch Gliedes und Willens dar: Denn der Geiſt im Bunde
ſolte dieſe Figur in dem innern geiſtlichen Menſchen / durch
Chriſti Tod aͤbſchneiden / fambt dieſem viehiſchen Willen und
Begsierde.
6; ee 3. Denn /
366 Von dem Siegelder Bundes) Cap.ar.
3. Denn nicht des Mannes oder Weibes viehifcher / grob
irrdiſcher Saame foll den Bund und Seegen anzichen / wie
Chriſtus auch faget/ fondern der / der nicht aus dem Willen
des Mannes/ noch aus dem Fleiſche fordern aus GOtt ge⸗
bohren iſt; die vichifche Gebuhrt ſambt dero Gliedern/ muß
Durch den zeitlichen Tod abgefrhnitten werden / und inder ins
nerngeiftlihen Gebuhrt durch Chriſti Todt fterben / und in den
ewigen Tod als ins Nichts begraben werden.
4. Weil fich aber der Bund GOttes hatte in Abrahams
Saamen eingeleibet zu einer Fortpflansung / fo ſtellete ihm
GOtt allyie mit der Beſchneidung die Perfon Chriſti fürs in
welches Tod folte diefes Thier und Monftrum fterben / und aus
feinem Tode einenene Englifche Formhervorgehen. Denn die
Beſchneidung war nichtdie Verſoͤhnung / ſondern der gefaffete
Glaubens:Ens war die Verführung / aus welchen Glaubens
Ente folte Ehriftus gebohren werden / die Befchneidung aber
war das Zeichen / dag der Glaubens Ens im Worte GOttes fola
te den irrdiſchen Saamenabfchneiden.
5. Denn das lebendige Wort GOttes fahein Bund / und
am Bunde lag der menfchliche Saame des himmliſchen Theils
verblichen / und fiund in dem verblichenen Ente das Ziel der
neuen Wiedergebuhrt in Chriſti Bewegung / da fihdas Abort
Goͤttlicher Tinctur und Krafft wieder in der rechten in Adam gea
ſchaffenen Menfchheit wolte bewegen / und auch in den Kindern
des Glaubens in ihrem Geifte bewegte / dag ſie von GOtt im
Geifte auff die VBerheiffung der Bewegnüß des verfchloffenen
Entis, alsfchöne eingebohrne Kinder angenommen worden.
6. Nicht dag fie haͤtten Chriſtum im Fleifche angezogen vor
feiner Offenbahrung / aber wohldenfelben Ens inihrem Glaus
ben/ und derfelbe eingefaffete Glaubens-Ens war die Befchnei>
dung/welcher das Herge und Bemüthe befchneidet/zund die ſuͤnd⸗
liche Decke zerſchellete und weifeteauff die Abſchneidung des irr⸗
Bifchen in Adam eingeführten Schlangen Entis,als auffden irr⸗
diſchen Saamen / und irzdifche Glieder zur viehifchen Forts
pflantzung / dag diefes Thier folte und würde Chriftus (wenn ſich
der eingeleibte Glaubens Ens würde inder Menfchheit offenbah⸗
ren) abſchneiden umd das Leben Des Todes und der Höllen
drinnen zerbrechen.
7. Wir müffen die Beſchneidung nicht allein bloß alsein
Zeichen oder Figur anfehen / denn fie ift das Siegel des Bundes/
Das da ſtund als ein angedruckt Siegelandes Glaubens *
enn
Cap 41 und der Beſchneid. der Vorhaut rc. 367
denn der Geiſt des verheiſſenen Worts zur Wiedergebuhrt war
im Siegel / gleich wie bey den Chriſten im Sicgel der Tauffe.
8. Und darumb ſagte GOtt / welche Seele dieſen Bund vers
achten würde / dic follte außgeroffet werden aus feinem Volcke /
und hie die Ingebohrnen und Außlaͤndiſchen / fo gleich nicht
Abrahams Suamen waren / beſchneiden / anzudeuten / dag der
Bund auff alle Voͤlcker gienge / welche nur würden den Glau⸗
bens-Ens empfahen / alda würde die Beſchneidung geſchehen.
9. Denn das war nicht die rechte Beſchneidung / fo außwen⸗
dig am Fleiſch gefihahe / fondern nur das Zeichen der Befchnei-
Dung ; die rechte Beſchneidung gefhahe im Glaubens-Ente, im
Bunde in der Kraffides Worts/und Heil. Geifles/da das Wort
im Geiſte Chtiſti der Schlangen Ens von dem recht menſchlichem
Ente des him̃liſchen Theils abſchnitt / als der finftern Welt dar⸗
ein eingeführtes Weſen / durch Adams böfe Begierde / und des
Zeuffels eingeführte Begierde.
10. Der Ehrijien Tauffe undder Juden Veſchneidung / half
gank ein Recht: Beyden Juden geſchahe die Befhneidung int
Worte der Krafft / der Heil. Geift fauffete Ne init des Heil.
Feuers Tauffe / verfichet ihren rechten in Adam verdorbenen
Menſchen (welcher in dieſer Taufft tingiret ward ) als im Ente
des Glaubens / denn der Glaubens-Ens war die Tauffe ver us
ven / da der Heil. Geiſt auf Chriſti Menfchheit inne tauffere.
1x. Weil nun aber daffelbe Slaubens- Wort (als derſelbe
Glaubens-Ens ) hat die Menſchheit angezogen / und in fich zum
Leben gemacht / fo tauffet anjeso derfelbe Seit mit IRaffer /
deutet an die Menſchheit Chrifli / denn das Waffer des ewigen
Lebens / als der himmliſchen Welt Wefen/ war in Adam ver⸗
blichen / in Chrifti eingeführtem himmliſchen Ente, als auch im
Waſſer der himmlischen Kraffte/ wards in unfer ( in ihme ange⸗
nommenen ) Menfchheit/ wieder lebendig : Darumb war die
Menſchheit Chriſti ver Erjtgebohrne von den Todten.
12. Und mit demfelben himmliſchen Waſſer / Das GOttes
ort und Kraft in der Menſchheit Chriſti vom Himmel ein⸗
fuͤhrete (verſtehet vonder heiligen geiſtlichen Welt / als vom an⸗
dern Prncipio,) tauffet der Heil. Geiſt in Chriſto die Chriſten
in ihrer Waſſer⸗Tauffe / welche außwendig auch nur ein Zeichen
des —— Siegels iſt / in welchem Siegel der Heil. Geiſt
tauffet.
13. Und darumb hat Chriſtus das Siegel der Beſchneidung
inch Wafler-Tauffe geordnet / dieweil die Feuer⸗Tauffe (im
bi 24 Zum
368 Von dem Siegeldes Bundes! Cap.gr)
Bunde iſt in der Menfchheit /im Waſſer des Sehens offenbahr
worden / daß dieſelbe Feuer-Tauffe / als das reurende Lebe—
Wort/ iſt Sleifh worden Darumb ſaget Chriſtus Johann. 3.
Air muͤſſen nun durch das Warfer und Gent neu⸗gebohren
werden /anderft follten wir nicht GOtt fchauen.
"14. Dann in dem Waſſer / darinnen Jich das feurende Liebe⸗
Wort im Ente des Bundes hat in unſerm himliſchen verbliche⸗
zen Waſſer offenbahret / (das zu Fleiſch worden ift/) muͤſſen alle
Kinder Chriſti neugebohren werden / und daſſelbe Waſſer in
zhrer Glaubens⸗Begierde faſſen / in welchen Waſſer ſich dus
ewige feurende Liebe-Wort des Bundes GOttes hat eingelci⸗
bet: Daſſelbe Waſſer tauffet den innern in Adam verblichenen
Menſchen zur neuen Wiedergeburth / und den irrdiſchen viehi⸗
ſchen / halb Schlangen-und Teuffels-⸗Menſchen / zum Tode und
Sterben; es beſchneidet die arme gefangene Seele / und zeucht iht
ven Bund und die Menſchheit Chriſti in dem innern geiſtlichen
am Himmelreich verblichenen Menſchen an.
1x5. Verſtehets doch ihr Juden und Chriſten / ihr habet einer»
ley Tauffe; der Jude wird im Ente des Bundes inwendig an
Der Seelen und am verblichenen Ente der rechten himmliſchen
Menſchheit beſchnitten / als der Schlangen Ens wird von dem
himmliſchen Ente abgefchnitten / in Krafft des Worts / und der
feurende Siebe-Beift im Ente Des Worts tingiret die rechte
Menſchheit / und täuffer fie mit des eingefaſſeten Glanbens
Ente, der Glaube iin Geiſte Gottes / taͤuffet fie mir ſeinem him⸗
liſchen Waſſer.
16. Und der Chriſt wird eben nur mit demſelben Worte und
Waͤſſer im Glauben getauffet / es iſt gantz eines; nur das iſt der
Unterſcheid / daß GOTT den Bund der Beſchneidung hat in
der Waſſer-Tauffe auffgerichtet / weil fich diefelse Feuer—
Zauffe hat in Chriſti Menſchheit im Waſſer des Lebens offen
bahret.
17. Und daß ihr das doch ſehet / daß es eines iſt / Chriſtus lieg
ſich beſchneiden als ein Jude / und ließ ſich tauffen als ein Chriſt /
daß er anzeigen wolte; Er haͤtte die Fener-Tauffe in ſeiner ges
offenbahrten Liebe / in der Menſchheit im Waſſer / als in groſ⸗
ſer Sanfftmuth und Ertraͤgligkeit geoffenbahret / und in eines
verwandelt.
18. Bey den Juden war der Glaubens-Ens noch nicht Fleiſch
worden / darumb gab ihnen GOtt das Zeichen der inwendigen
Beſchneidung / mit der auffern Borhauts⸗Beſchneĩdung / daß ffe
ent
Spar. und der Beſchneid· der Borhautlzc-369
‘ein Zeichen haͤtten / Das der Heil. Geiſt im Ente des Glaubens /
im Bunde ihre fündfiche Geburth abfehnitte / daß fie Kinder der
Genaden im Glaubens-Ente waren.
19. Bey den Ehriften aber ift derſelbe Glaubens-Ens, erſt⸗
lich in Chriſti Menſchheit / und nun in feinen Glaubens>-Kine
dern in unſerm rechten Menſchen zu Fleiſche worden : Die
Chriſten ziehen jegt Chriſtum (als denfelben Glaubens-Ens,
den die Juͤden angezogen im Fleiſche) im bimmlifchen Fleiſche /
in iprer Glaubens-Begierdejan/ als im himmliſchen / lebendigen
Waſſer / in der Göttlichen Offenbahrung.
20. Daſſelbe Waſſer iſt ver Himmel / darinnen das einige]
heilige Element / das Weben und Weſen iſt / es iſt Chriſti / als
Gottes heilige Leibligkeit / als die geformte Weißheit des auß⸗
gchauchten oder geformten Worts ver Goͤttlichen Kraͤffte / SOt⸗
tes lebendiges / cwig⸗ ſprechendes Wort / welches ein Geiſt / und
der Goͤttliche Verſtand iſt / der zeuget ſein eigen aus ihme außge⸗
hauchtes Weſen / als die Formung feiner Weißheit wieder an ſich.
21. Des Vatters Wille zeucht die Seele / welche ein Feuer⸗
Atyen aus feinem Feuer⸗Geiſte iſt / an ſich: Unddes Sohnes
Wille zeucht das edle Bild / aus der Weißheit geſchaffen / als aus
hinmliſchen Weſen an ſich / und der Heil. Gtiſt zeucht den ganz
tzen webenden menſchlichen Verſtand an ſich an / daß alſo ſey ein
Gott⸗Menſch / und ein Menſch⸗Gott / GOtt in einem Bilde
offenbahr / und das iſt das Bilde GOttes: Und alfe wird die
Befchneidung und die Tauffe verffanden/ welches in beyden der
Grund und Eckſtein zur neuen Geburt iſt / bey den Juͤden und
Chriſten.
22. Daß aber nun die Knaͤblein beſchnitten wurden / und nicht
die Maͤgdlein / und bey den Chriſten alle ſollen getauffet werden /
iſt alſo zuverſtehen / merckets eben ihr Inden und auch ihr
Chriſten / auch alle andere Voͤlcker Nes wird euch allen
geſaget / denn ihr werdet hiermit geruffen / die Zeit iſt ges
bohren / daß der Antichriſt ſterben ſoll.
23. Adam war das Bilde GOttes: Er war Mann und
Weib / und doch der keines vor feiner Eva / fonder cine maͤnu⸗
liche Jungfrau in eigner Liebe / voll Zucht und Reinigkeit / die
Tincturen als Krafft vom Feuer und Liecht / nach des Vatters
und des Sohnes Eigenſchafft / waren ineinander als Eine / in
einer immerwaͤhrenden Conjundionder Begierde / darinnen die
eigene feurige Liebe⸗ Begierde ſtund.
25 34. Weil
370 Von dem Siegeldes Bundes/ Cap.45.
24. Weil aber der Teuffel die Eigenſchafft desFeuers Tinctur
ſichtete / und feine falſche Begierde darein fuͤhrete / daß ſich die Feu⸗
ers⸗Tinctut in ven Eigenſchafften der ewigen Natur aus einan⸗
der gab: Eine jede Eigenſchafft am Centro in ſeine Selbheit / dar⸗
aus der eigene abtruͤnnige Wille und die falſche Luſt entſtund /
welche Luſt⸗Begierde der finſtern Welt Wefen als aus der erſten
Welt Weſen / als aus der Erden die Eſſentz aus der finftern Welt
begehrte zu probiren / und in ſich zu ſchmaͤcken / wie es ſchmaͤckte
wann Boͤß und Gut ineinander / ein jedes in ſich ſelber offenbahr
waͤre / als in der Ungleichheit auſſer dem Goͤttlichen Einen; ſo
verſchloß die falſche feuriſche Begierde die Eigenſchafft des Liechts
Tinctur mit der eingefuͤhrten Eitelkeit des Teuffels Begierde / uñ
mit irrdiſchen Hunger nach der Eitelkeit aus der finftern Welt
Weſen in der Erden und inden Elementen / dag das himmlifche
weibliche oder recht jungfräuliche Leben im Liechts Ente verlafch.
25. Denn der Heil. Geiſt wiech aus per eingeführten Eitel⸗
keit; alfo war die heilige Matrix , als himliſche Gebaͤhrerin vera
lichen] und Eriegete die Mutter der Auffern Natur / als das aͤuſ⸗
fere natürliche ABeib / verfichet die Eigenfchafft des Weibes /
das Regiment in der Geburth: Alſo muſte Adam jeßtzertrant]
und in Mann und Weib figuriret werden.
26. Weil aber die feuriſche Eigenſchafft der Tinctur (welche
nun jcht im Mann das Regiment hat / und Mann he jſſet / wegen
des Vatters Eigenſchafft) die Urſache war der Vergifftung / daß
der Veneris „als des Weibes oder Liechts Tinctur getoͤdtet ward /
und den Ekel der Luſt in die weibliche Eigenſchafft in ihme ein⸗
fuͤhrete (dadurch hernach das Weib / als ſeine Heva alſo ſehr nach
Boͤtz und Gut luͤſterte / und das irrdiſche Eſſen anfieng) fo iſt
uns allhier zu betrachten / daß auch dieſelbe Feuers⸗Seele / als
maͤnnliche Tinctut, muſte wieder mit dem Goͤttlichen Liebe⸗
feuer getauffet werden / daß fie nicht denſelben eingeführten
Teuffels-und Schlangen-Ens in dein männlichen Saamen alfo
giftig in des Weibs Mätricem einführete; fie muſten wieder mit
Der Goͤttlichen Liebe- Tinctur, als mit dem heiligen $iebe-Ente
tingiret und getauffer werden / welches gefchahe im Glaubens⸗
Ente ‚im verheiffenen eingeleikten Worte der Krafft GOttes.
27. Das Weib aber / als Adams Jungfrauſchafft /war nun
aus Adams Natur md Weſen in in Weib oder Männintrans-
formiret eder formiref / und in ihr blieb die heilige / aber an
GoOtt verblichene Jungfrauſchafft / als der Kebe⸗ und des Liechts⸗
Tiocur, ſtehen / aber als gleich wie todt oder verblichen; F—
ie
Cap. 41. und der Beſe chneid. der Borhautc. 371
die aͤuſſere Mutter / als die 4. Elementiſche lebte jetzt an deſſen
Staͤtt in ihr / und war die Gebaͤhrerin der Natur / welche Adams /
als des Mannes Saamen in ſich wuſte einnehmen.
28. In dieſe verblichene himmliſche Tinctur des Liechts / als
indie wahre heilige Zungfraufchafft/verhieg und leibte ſich das
ewige heilige Wort der Krafft GOttes / welches Adam in ein
Bilde GOttes geſchaffen hatte / mit einem Bunde ein / daß ce
wolte dem Teuffel und der Schlangen Entiden Kopff zertretten.
29. Alſo verſtehet uns allhie ſcharff; Gleich wie der Vatter
den Sohn gebaͤhret / und wie aus Adam / welcher des Vatters
Eigenſchafft andeutet / das Weib / als feine ebe⸗Tinctur ges
nommen ward; und wie zuvorhin / weil das Weib im Manne
war / die Feuers⸗Tinctur in des Liechtes Tinctur eindrang / und
ſich darein leibte / und wie Mann und Weib ein Leib iſt / alſo auch
drang die Feuers-Tauffe der Beſchneidung aus des Mannes
Feuers-Tindurein in feine weibliche im Weibe; GOtt tauffet
im Manne des Feuers Tinctur, und aus den Mannes-Saas
men kom̃t beydes das maͤnnliche und weibliche Geſchlecht.
30. Alſo drang des Mannes Bund und Tauffe ins Weib /
als in die weibliche Eigenſchafft / denn die weibliche Tinctur
hatte vorhin den heiligen Ens im Bunde in ſtch / daß GOttes
Wort im Bunde in ihrem verfchfoffenen Ente wolte Menfch
werden / und die verblichene Zungfraufchafft wieder in fich le⸗
bendig machen.
32. Darumb follte das Weib nicht in eigenem Willen oder
Begierde das Tauff-Siegelangichen / fondern vom Manne ges
nommen werden; auff Daß fie indes Mannes Tauffe eine rechte
Maͤnnin würde /auff dag das Bild GOttes in ihr vom Manne
die Feuers⸗Tauffe und Tinctur bekaͤme.
32. Dann St. Paulus verſtund dieſes wohl / da er fagte:
Das Weib wird fechig durch Kinder zeugen / fo fie im Bunde
und in der Liebe bleibet / denn das Weib hat ihre Seele aus des
Mannes Seele / und wenn fie fih zum Manne begiebet / fo ift
fie ein Leib mit ihm / und zeuget dom Manne Kinder / fie ift fee
Maͤnnin / fein Werckzeug / ein halber Mann / ımd der Mann
sin halb Weib.
33. Daß aber die männliche Eigenfchafft die vollkommene
Liebe des weiblichen Ens wieder befäme / und das Weib den
männlichen/ fo tauffet der Heil, Geift des Mannes / als Feuers⸗
Tin&ur , mit der himmlifchen heiligen Zungfräulichen /und der
Mann kaͤuffet des Weibes Eflent — feinem Saamen mit Piss
| Ns
372 Von dem Siegel Des Bundes! Cap. 4.
feuriſchen und Goͤttlichen Tinckar, darumb hieß GOtt nur Die
Manns-⸗bilder beſchneiden.
...34. Denn in der Zuden Feuer⸗Tauffe / tauffete allein der
Geiſt ohne Waſſer / aber bey den Chriften fanffet der Geiſt durchs
Waſſer / ven Geiſt konten die Juͤdiſche Weiber indes Mannes
Feuer⸗Tauffe anziehen + Als aber nun daſſelbe feurende Wort
iſt Fleiſch worden / fo ſollen ſte jest billig Chriſtum im Fleiſche
auch anziehen und getauffet werden: Dem ihre himmliſche ver⸗
blichene Jungfrauſchafft ſoll auch Chriſti eingefuͤhrte himliſche
Jungfrauſchafft in ihr anziehen / auff daß ſte in Chriſti Geiſte
und Weſen eine rechte maͤnnliche Jungfrau werde.
35. Nun fraget die Vernunfft weiter / warumb muſten denn
erſt die Kinder als die Knaͤblein am achten Tage beſchnitten
werden? Warumb nicht eher oder langſamer? Stund es denn
nicht in Menſchen Gewalt auffzuziehen / ob vielleicht wand
Kind fehwach wäre geweſen ? Allhier fledt Gcheimnüg und
Wunder: Lieben Brüder laffer vom Zande der Buchftaben
and lernet die verborgene Geheimnuͤſſen verfichen / wir follen
Findlich mit euch handeln / fehet uns nur ins Angeficht / wo wir
ber find / woraus wir diefes alles wiffen und verſtehen.
36. GOtt befahl die Knaben am achten Tage zu befehnneiden/
warumb ? ſechs Tage feynd der Menſch in der Ratur / der ſiebende
iſt der Ruhetag in ihme / als der himmliſche verblichene Ens, dar⸗
innen die ſechs Geiſter der Natur wuͤrcken; gleichwie GOtt in
ſechs Tagen die Schoͤpffung machte / als aus den ſechs Eigen⸗
ſchafften der Natur / und fie in den ſiebenden einfuͤhrete zur Ruhe /
als in die Außgieſſung des himmliſchen Entis, dehn GOtt hat
mit in die Compaction der Schoͤpffung eingefaſſet / welche der
ſechs Eigenſchafften Ruhe und rechtes Lebens iſt.
37. Alſo hat der Menſch ſieben Tage zum Eigenthumb be⸗
kommen / der ſtebende Tag iſt fein Ruhetag; verſtehet / die ſie⸗
bende Eigenſchafft iſt die hĩliſche Natur / welche in ihm ſtarb /
allda er in die Unruhe kan; fo kam ihm der achte Tag aus lauter
Genaden zu huͤlffe / und gab ſich wieder in ſeine ſieben Tage—
werde / als indie fieben Eigenſchafften feines eigenen Weſens /
sin zund derſelbe Tag iſt Chriſtus in der Beſchneidung und in
der Tauffe.
38. Denn GOtt haͤlt in dieſem Proceß die Ordnung mit der
Wiedergebuhrt / auff Arth / wie er ihn aus ſieben Tagen geſchaſ⸗
ten hat; verſtehet in ſechs Tagen ward ſein natuͤrlich Leben aus
den ſechs Eigenſchafften der innern und aͤuſſern Ratur
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Cap. 41. und der Befchneid Der Borhautirc.373
Bilde gebracht / und die fiebende Eigenſchafft war das Paradeig/
als der Sonnabend / in welcher ſtch die ſechs Geiſter der Natur
(in ihrer Wuͤrckung) verſoͤhneten und einigten denn es war
Die geiftlihe Welt.
39. Und dannenher entſtund den Juden das Gebott / da ß fie
auch aͤuſſerlich ſollten den Sonnabend / als Sabbath / heiligen und
ruhen: Anzudeuten den innern heiligen ewigen Sabbath / in
welchem der Geift GOttes im Menſchen und aller Creatur in
jeglichen nach feiner Eigenſchafft wuͤrcket / denn alles Geſchoͤpffe
ruhet in ihme.
40. Und darumb hieß cr die Kinder am achten Tage beſchnei⸗
den / als in ihme ſelber / denn er iſt ſelber derſelbe achte Tag der
beſchneidet; denn vor Chriſti Menſchheit gieng der Proceß in
Form der Natur: Als aber nun Chriſtus die Natur des Mens
ſchen erfuͤllet hat / und ſich ſelber in die ſieben Tage des Men⸗
ſchen Eigenſchafft eingegeben ; fo iſt num der achte Tag als
Chriſtus in den fieben Tagen ; nun mag man alle Tage die Kine
der tauffen.
42. Eine fchöne Figur fichet man beym Anfang der Befchnei>
dung Fund Bunde der fenrenden Tauffe wider die Buchftaben>
Vernunfftſchluͤſſe macher / welche wollen etliche Kinder ven
Mutterleibe verdammen /als darumb / daß fie aus der Natur
verderbtem Ente gebohren und ergriffen werden; denn Iſmael
“welcher von Natur ein Spötter war / und in Mutterleibe in
zergiffictem und verderktem Adamifhen Ente gefangen war /
der muſte der erfte Menſch ſeyn dehn Abraham beſchnitt / wel
her im Bunde getauffet werd.
42. Ihr Vernumft⸗weiſen: Lieber ſtellet euch diefen Spit>
gel fuͤr die Augen / und bedencket euch was ihr thut mit euren
Schlůſſen wegen der Prædeſtination, wir weiſen euch das in
Demuth / wollet ihr nicht / ſo wirds euch mit Feur gewie⸗
ſen werden / welches erkannt iſt / denn Chriſtus war umb
Iſmael und feines gleichen kommen / ihme zu helffen / welche nur
ſelber wollen: Aber in Iſaac ſoll der Saame genannt ſeyn / als
der achte Tag / welcher komnuen iſt den andern ſechs Tagen zu
helffen / und ſie wieder in den ſiebenden / als in den Ruhetag ein⸗
zufuͤhren.
43. Laſſet euch doch weiſen / lieben Brüder: GVtt der Liebe /
der nicht den Tod des armen verderbten Menſchens wil hat doch
ſein beſtes Kleinod / daß er in ſich ſelber hat / und ſelber iſt / in Ge⸗
27 naden
374 Von dem Siegeldes Bundes! Cap.ar;
naden über alle Menfchen aufigegoffen/auff Art) / wiedie Sons
nedem Guten und Böfen leuchtet ; aber der Gottlofe verderbet
felber das Kleinod in ſich / und wilsnicht annehmen; nimt aber
den Schlangen-Ens voll Eitelkeit in fich / und wird mit Feuer
des Zorns GOttes in dem Willen der Gelbheit getauffet.
44. Gienge er aber mit dem eigenen Willen in Chrifti Tod
ein/ und begehrtevon Grund des Hertzens der Selbheit und eige=
nen Willens/ in GOttes Erbarmen abzufterben/und würffe fein
Bertrauen in GOtt / und daͤchte / dag er im dieſer irrdiſchen
Hütte nichts eigenes hatte / daß er deffen allen was er befiket /
nur ein Diener Gottes und feines Nächften darinnen wäre / und
verlieffe im Gemühte die Eigenheit: Er würde bald mit dem
heiligen Geifte getauffet werden / und Chriſtum in feinem Wil⸗
len anziehen.
45. Aber das ſchnoͤde irrdifche zeitliche Gut / zeitliche Ehre
und Wolluſt desFleifches hält ihn in verSelbheit im Schlangen⸗
Ente gefangen) dag er des heiligen Geiftes Tauffe nicht fähig if.
46. Auch find die ſelb⸗erwaͤhlte untüchtige Lehrer gang blind
hierinnen / und Ichren nur die Hülfe / als das Gefaͤſſe von der
Wiedergebuhrt / wollen von auffen angenommene Kinder ſeyn /
ob fie gleich nur im Willen der Selbheit leben / und wollen den
H.Geift in das Thier des eigenen Willens predigen / welches
Boch des Beiftes nicht fahig iſt / verftehen nichts weder von Tauf⸗
fe oder Abendinahl; die neue Gebuhrt ift ihnen freinbde / ver=
leughen die Göttliche Efentialifihe Innwohne in den Kindern
Gottes/ als den Tempel Gottes / und ftehen alfo vor den Juden /
wenn fie ihnen follen fagen was Ehriftus in uns ift/ was Tauffe
und Nachtmahl fey/ wie gemahlte Ehriften oder wie Abgötter.
47. Denn die Juden wiffen daß GOtt mit ihren Bättern hat
geredet / und ihnen die Berchneidung md den Bund gegeben /
darbey bleiben fie: Könten ihnen aber die Chriften aus dem
Grunde darftellen was der Bund und die Befchneiduhg eflen-
tialiter und würcdlich fey famtihren Opffern / fie verliefen das
Zeichen / und trätten ins Weſen.
48. Dat es aber alfo ergangen iſt / daß beydes die Juden und
auch Ehriften find blind gegangen / biß auff diefe leßte Zeit / fo
wohl auch die Türden / welche fich wegender Chriften Blind»
heit auch Zand und Gottlofigkeit haben indie VBernunfft und
Natur eingewand/ hat GOtt darumb verhaͤnget / daß die Chris
ſten und Judenden Bund und das Siegel des Bundes / beydes
sm Alten und Neuen Teſtament / nur in der aͤuſſern —
Cap. 45. und der Beſchneid. der Vorhautꝛc. 375
als im Gefaͤſſe annahmen / und lebeten nur dem aͤuſſern irrdi⸗
ſchen toͤdlichen Menſchen: Es iſt ihnen umb das irrdiſche Reich
und Leben mehr zu thun geweſen / als umb das Ewige.
49. Sie wollens nur in der Huͤlſe / als im Buchſtaben von
auſſen verſtehen / was GOTT geredet hatte / und waͤhleten ihnen
Vernunfftweiſen / welche wohl im geformten aͤuſſern Bernunfft⸗
verſtande und Worten gelehret waren / aber den Geiſt und die
Krafft des Worts und Leben GOttes in der Wiedergebuhrt
nicht in ihnen hatten / ſondern nur den Geiſt der Selbheit / Hof⸗
fart / und irrdiſchen Bauch-Gott / wie ſie moͤchten in Chriſti
Armuht auff Erden reich werden; dieſelben haben fie geblendet /
das man beydes / bey den Juden und Chriſten nur hat wollen
dem irrdiſchen Enti leben.
so. So hat GoOtt verhengt / daß ſich Doch die Wunder der
Natur in Krafft ſeines Zornes in ihnen eroͤffneten / und daß ſie
alſo in Blindheit doch im Streite blieben / daß doch der Name
und Gedaͤchtnůß feines Bundes wicht außloͤſche / ind ein Volk
das ander im Streit und in der Wiederwertigkeit uͤbete/ da⸗
durch manchmahl ift ein gruͤner Zweig aus dem Berfiande ges
wachfen / welcher ihnen iſt wegen ihrer gefaſſeten Meynung
frembde geweſen / und haben ihn verachtet und verfolget / denn
der irdifche Menſch inder Selbheit iſt des heiligen Bundes und
Siegels nicht werth.
sr. Und weil GOtt das wohl erkannt hat / daß fie ohne ihr
ur felber lauffen wollen / und würden das H. Ensim Bunde
mißbrauchen: fo iſt den. Juden die Decke Mofts / und den Chris
- fen der Thurn Babel mit dem Antichrifto/als der äuffere Chriſt
vor dem H. Ente im Bunde / als Gottes Gegenwart / gelegen?
daß fein demfelben Antichrift imnerdar find gegangen fuchen/
was dach GOtt in feinem Bunde / Willen und Weſen ſey.
52. So hat er ſie doch ja im Streite und in der Verfolgung
geübet/ in dehme ſie haben einander verfolget dar doch alfe die
Kinder Gottes find im Creutz entſproſſen / und ihnen in ihnen.
offenbahr worden; aber von auffen ift Babel blieben ftehen f
beydes bey den Juden / Ehriften und Tuͤrcken / der Antichrift
iſt bey. allen nur einer / denn er iſt der Tittel⸗gott / darinnen der
ſelb⸗eigene Wille GOtt in der Huͤlſe ſuchet und ehret.
53. Sp hoͤret nun ihr Ehriften / Juden) Tuͤrcken und
Heyden | alle Voͤlcker auff Erden /was euch anietzo iſt
in der Heimſichung des barmhertzigen GOttes in ſei⸗
‚ner Poſaunen Stimme durch feinen ii
\ 101:
376 Von dem Siegeldes Bundes! Cap.gr.
Geiſt / noch einmahl / und zur Letzte in diefer Zeit Weſen
geſehencket worden: Es krifft euch alle der Pofaunen-
ſchall / gehet in euer Gehoͤr ein / eroͤffnet es nur eine
Stunde von der Selbheit / fo werdet ihr den Schall in
euch hoͤren / er thoͤnet durch alles biß an die Ende der
Erden / aber kein eigener Wille hoͤret dehn.
54. Der einige Goͤttliche Weeg / da man Gott in ſeinem
Worte / Weſen und Willen ſchauen mag / iſt dieſer / daß der
Menſch in ihm ſelber einig werde / und in ſeinem eigenen Wil⸗
len alles verlaſſe was er ſelber iſt und hat / es ſey Gewalt / Macht /
Ehre / Schoͤnheit / Reichthumb / Geld und Gut / Vatter / Mut⸗
ter / Bruder / Schweſter / Weib und Kind / Leib und Leben /
und ihme ſelber gantz ein Nichts werde: Er muß alles uͤberge⸗
ben / und aͤrmer werden als ein Vogel in der Lufft / welcherdoc
ein Neſt hat / der wahre Menſch ſoll keines haben / denn er ſoll
von dieſer Welt weg-⸗wandern / daß er ihme ſelber nicht mehr in
dieſer Welt ſey: Er muß der Welt Selbheit ein Nichtes wer⸗
den / denn das Weſen dieſer Welt das er zum Eigenthumb be—
fißet/ / iſt der Thurn zu Babel und der Antichriſt / da man wil ein
eigener GOtt ſeyn / und mit dieſem ſelbgemachten GOtt auff
dem Thurne in Himmel ſteigen / und ſich zu GOtt ſetzen: Die⸗
ſes verſtehet alſo:
55. Es iſt nicht gemeynet / daß einer ſoll aus dem Hauſe von
Weibe / Kind und Geſchwiſtern lauffen und aus der Welt flie⸗
hen / oder fein Gut alſo verlaſſen / dag er nicht darinnen ſeyn
wolte; ſondern den eigenen Willen / welcher dieſes alles fuͤr ein
Eigenthumb beſttzet / dehn muß er toͤdten und zu nichts machen.
5. Und dencken / daß es alles in dehme er iſt / gar nichts fein
iſt / er gewinne oder verliere / er ſey Reich oder Arm / Verſtaͤu⸗
dig oder Alber / Niedrig oder Hoch / er habe Ichts oder Nichts}
daß er das alles gleich achte / ein ſchoͤn Kleid als ein graͤuliches /
das Gluͤcke der Welt / wie das Ungluͤck / das Leben als das Ster⸗
ben / ſeine Gewalt als eines Dieners / eine Koͤnigliche Cron als
einen alten Hut; und das alles im Gemuͤhte verlaſſen / und nicht
fuͤr eigen achten.
57. Sondern dencken / und ſeinen Willen gantz darein erge⸗
ken / daß er deſſen alles (darinnen er iſt) nur ein Diener def.
ſelben Standes / Weſens und Ordens iſt / daß es Gottes und
ſeinen Bruͤdern in gemein ſey / daß er nur darinnen GOtt und
Finen Bruͤdern diene / und alles was ſie ihnne auch thun/ =
Cap. gr. und der Beſchneid. der Borhautiic. 377
alfo annehme / dag es dem allgemeinen erüderlichen Orden und
Stande gefchehe / das GOtt folche Orden in der Welt mache / als
eine Figur der Englifhen Welt / dag er ihme darinne diene.
58. Und fein Bemühte gar nicht in die Sekbheit ſchwinge /
daß er wolle dencken / erfeyein König/ Naht over Richter des
Volcks / und ſey darumb etwas beffer vor GOtt oder vor Men⸗
fhen: Er foll immerdar feinen naceten Buſem anſehen / dag
ein nackend M nfrh dem andern ähnfich und gleich fiehet / und
daß fein Ambts-kleid der brüderlihen Gemeine ſey / und auch
fein Ambt Fin deme er ein Vorsteher iſt.
59. Und alle das jenige was ihme für Ehre und Gewalt) auch
Haab und Gut angetyan und gegeben wird / GOtt feinem
Schöpfer wieder geben / und im Gemuͤhte ſagen: Herr es ift
dein / ich bin unwuͤrdig darzu / es zu beherrſchen; werldu mich
aber darein gefeßet haft / fo ergebe ich dir meinen Willen gans
und gar / regiere und mache es Doch durch mich / wie dar wilft/ daß
es in deinem Willen geſchehe; und meinen Brüdern / denen ich
in meinem Ruffe / als deinem Befehl / diene / zu Nutz und Dien⸗
fie gereiche. Thu doch du / O Herr alles durch mich / und fage nur
in mir / wohin ich das Werck meiner Haͤnde geben ſoll / wehm ich
ſoll Geld / Gut / Macht und Ehre geben und anthun / und im⸗
merdar nur alſo dencken / dag er in ſeinem Stande nicht ihme
ſelber / ſondern ſeinen Bruͤdern gefalle.
60, Iſt er aber dienſtbahr / ſo dencke er / daß er GOtt in ſei⸗
nem Willen den Menſchen in Gottes / und dem allgemeinen
bruͤderlichen Ambte diene und daß ihme GOtt das Wenige in
dieſer Huͤtten habe zu einer Speiſe und Kleyde gegeben / daß er
ſo reich darinnen fen als ein Koͤnig / denn fo er ſich nackend ſchauet /
ſo ſichet er die Wahrheit.
6z. Und wann es der Menſch fo weit bringet / dag ihme alles
eines iſt / ſo iſt er der arme Chriſtus / der nicht hatte da er ſein
Haubt hinlegte / und folget Chriſto recht nach / der da ſagte:
Wer nicht verlaͤſt Haus / Hoff / Geld / Gut / Bruͤder / Schwe⸗
ſtern / Weib und Kind / und ſich ſelber verlaͤugnet / der iſt meiner
nicht wehrt.
62. Und umb dieſer Selbheit und Unwuͤrdigkeit willen hat
GOtt fein H. Angeſicht von den Voͤlckern gewendet gehabt / daß ſie
ihn haben durch ein tunckel Wort oder Schein muͤſſen erkennen.
63. Wer aber in dieſe gantze Gelaſſenheit eingehet / der komt
in Chriſto zu goͤttlicher Beſchauligkeit / daß er GOtt in ihm ſie⸗
het / mit ihme redet / und GOtt mit ihme / und —
GOt⸗
378 Bon dem SiegeldesBundeshe. Cap.gr.
Gottes Wort) Weſen und Willen ift; diefer ift tüchtig zu Ich»
sen / und kein anderer / der Ichref Gottes Wort aus ihme / denn
GoOtt ift ihme in feinem Bunde / deffen Diener er ift / offenbar
worden /denmer wilnichts ohne was GOtt durch ihn wil.
64. Er Ichret wenn es ihmeder Herz inihmeheiffet / cs fen
Freunden oder Feinden / zu der Menfchen Zeit oder zu ihrer un⸗
zeit / er dencket daß es GOtt in ihme thue wie er wolle / und ob cr
darumb mug Schmach leyden / fo gilt cs ihme gleich / zeucht man
den Hutfür ihm ab / fo demuͤhtiget er fih vor GOtt undfeinen
Brüdern / und gibet GOtt und feinen Brivern die Ehre / und
nimt fich derer nichts ans Fluchet man ihme dan) und ſchlaͤget
ihne ing Angelicht / fo dencket er / ich folge Ehrifto nach / und fte>
he jetzt in ſeinem Stande der Berfolgung/es fol mir und meinen
Brüdern zum beften dienen.
65. Schet liche Brüder / das ift ein Ehrift / und ein folcheg
beuth euch GOTT jetzo durch feinen wunderlichen
Poſaunen⸗ſchall feines Geiftes an; und es ſoll und
muß ein ſolch Reich anjego Fünfftig offenbahr werden]
und ins Weſen Fommen zu einem Zeugnüß über alle
Voͤlcker der Erden | davon alle Propheren haben ger
weiſſaget.
66. Dargegen beuth er allen Gottloſen / nicht wol⸗
lenden Menſchen feinen Zorn] / Grimm und Berftor:
fung an / fie auffzufreſſen / und mit Babel ein Ende
zu machen: Dieſes ſage nicht Ich / ſondern der Geiſt
der Wunder aller Voͤlcker.
67. Darumb ſchuͤrtze dich du Antichriſtiſche Babylon / und
friß viel Blut / denn du biſts ſelber die ſich aufffriſt / dir iſt kein
Raht / auch iſt keine Buſſe in deinem Willen: Aber den Kinz
dern Gottes unter dir haben wir dieſes geſchrieben / als
wir denn ſolches erkannt und geſehen haben.
68. So ſpricht Babel / Wo wird dan dieſes Volck herkom⸗
men das den HErrn erkennen wird / und in GOttleben? Höre
Baͤbel / unter deinen Brüdern in Zeit deiner Trangſall / in ihrem
Elende wirds gebohren / und du heiſſeſt fie Narren und kenneſt
ſie nicht; Niemand warte auff frembdes kommen / die
Zeit iſt ſchon gebohren / die Stimme des Ruffers und
Erhoͤrers iſt ſchon da / die Decke iſt von dieſer Stimme
weg:
Cap.42. Von den dreyen Mannernhc. 379
weg: Dir wird dißmahl nicht unter einer Decke geruf⸗
fen / fondern mit offenem Munde / mithellen Augen.
69. Diefe Stimme des Ruffers eröffnet Gottes
heifes Ungeficht in feinen Kindern / und inden Gottlo—
fen das zornige Angeſicht; wollen vollend alles in die
Selbheit / ale in den Antichriftifiben Sad | in Geige
einſacken / und die Hure der Gelbheit vollend gar auf
den Babylonifiben Thurn führen.
70. Das Zeichen diefes Bildes und feines Unter-
gange iſt ver Geis und Neid / fein Zeichen iſt zuvorhin
in Silber und Gold geitanden | das war das Banier
des Antichriſts: Nun hat fichdas Banier in Kupffer
verwandelt/ weil Mars die Seele im Kupffer iſt / als
der Mann; fo iſt auch Babel diefer Mars zum Ba:
nier und Zeichen gegeben worden welcher follvegieren
biß Babel ein Ende hatz und Fein gottlofer Menſch
foll das erkennen / und ob er gleichdas Zeichen in Haͤn⸗
den traͤget / fo heiffet ers doch nur lieber Buhle.
72. Aber dem Neiche das da iftundnicheift/ und
doch iſt / wird der Schmud des Goldes angehendt wer:
den / dan der Fuͤrſt der Kraͤffte det Erden hat es ihnen
gegeben! Amen.
Das 42. Capittel.
Bon den dreyen Männern / welche Abraham in Hain
Mamre erſchienen / was dieſe Figur ſey / welche gen
Sodom giengen / und die Staͤdte der Kinder
Hams mit Feuer vom Herren anzuͤndeten.
Genef. 18.
r Rſtlich / weil Abraham nur Abram hieß / ſo er⸗
ſchien ihm GOtt im Geſichte als Einer; und als er
den Bund mit der Beſchneidung hatte verfiegelt }
fo hieß erihn Abraham / alseinen hauffen Völc»
ker: Ein ausgehauchet offenbahr Volck Gottes /
in dehnen fih_GHtt hat ausgehauchet oder offenbahret; und er⸗
ſchiene ihm ad hernach in der Offenbahrung der H. Dreyfal⸗
tigkeit / als in drey Menſchen / welche nur Einer waren / darin⸗
nen
380 Von den dreyen Männernt Cap.42.
nen die Offenbahrungder H. Dreyfaltigkeit in der Gottheit im
Menfchen- Bilde dargeftellet ward / wie ſich die ganke Drepheit
der Gottheit nun welte in dieſem Bunde inder Menſchheit ofs
fenbapren/ dag man die H. Dreyheit der Gottheit wirde im
Sleifche ſehen. .
2. Und zeigte an die groffe Demuht in der Gottheit als in
Chriſto / wie Chriftus würde bey den Menſchen einkehren / und
ſich den Menſchen pflegen laſſen; wie er in dieſen drey Maͤnnern
zum Abraham kam / und ihme lieg die Fuͤſſe waſchen / auch
aß und traͤnck; Deutet an / daß man den armen Chriſtum /
welcher in dieſer Melt arm ift / fell in feinen Gliedern und
Kindern / welche auch nur arme verschte Leuthe ſeyn würden /
Pflegen; und was man dehnen thue/ das habe man diefen drey
—— als Chriſto der heiligen Gottheit in der Menſchheit
gethan.
3. Die Worte dieſer Figur lauten alſo: ( Genef. 18. verf.1.)
Und der HErꝛ erſchien ihme in Hain Mamre / da er ſaß an
ver Thuͤre feiner Huͤtten / da der Tag am heiſſeſten war; und
als er ſein Angeſicht auffhub und ſahe / da ſtunden drey Maͤn⸗
ner gegen ihme / und da er ſie ſaahe / lieff er ihnen entgegen
von der Thür feiner Hütten / und buͤcket ſich nieder auff die
Erde und ſprach: HErr / habe ich Genade funden fuͤr Deinen
Augen / fo gehe nicht für deinem Knechte über / man ſoll euch
ein weng Waſſers beingen / und euere Faͤſſe waſchen / und
lehnet euch unter den Baum / und Ich wil euch einen Biſſen
Brods bringen / daß ihr euer Herge labet / darnach ſolle⸗ ihr
fortgehen / denn darumb ſeyd ihr zu euerem Knechte kom⸗
men: Sie ſprachen / thue wie du geſaget haft: Abraham
eylet in Die Hütten zu Sara] und ſprach: Syle und menge
drey Maaß Semmel⸗mehl / knete und backe Kuchen: £r
aber lieff zu den Rindern / und holet ein zart gut Kalb / und
gabs dem Knaben / der eylet und bereittete es zu / und er trug
auff Butter und Milch / und von den Kalbe das er zubereit⸗
tet hatte / und fasste ihnen für / und tratt für ſie unter den
Baum) und ſie aſſen.
4. Da ſprachen fe zu ihm: Wo iſt dein Weib Sara? Er
antwortet / darinnen in der Hütten, Da ſprach er: Ichwil
wieder zu dir kommen / ſo ich lebe; ſtehe / fo ſoll Sara dein
Weib einen Sohn haben; das hoͤret Sara hinter hme / hin⸗
ter der Thuͤr der Huͤtten: und ſie waren be} Sara und
Abraham alt) und wolbetaget; alſo / daß vs Sara —
me
FE WER,
Cap.42. welche Abraham erſchienen / ꝛc. 381
mehr gieng nach der Weiber Weiſe / darumb lachete fie bey
ſich ſelber / und ſprach: Nun ich alt bin / ſoll ich noch Wol⸗
luſt pflegen / und mein Herr auch alt iſt; da ſprach der
Herr: Warumb lachet deſſen Sars / und ſpricht: Meynſt
du daß das wahr ſey / daß ich noch gebaͤhren werde / ſo ich
doch alt bin / ſolte dem HErren etwas unmüglich ſeyn ? mb
dieſe Zeit wil ich wieder zu dir kommen / ſo ich lebe / ſo ſoll
Sara einen Sohn haben; da leugnete Sera / und ſprach:
Ich habe nicht gelacher / Denn fie furchte ſich. Eraberfprache
Ss iſt nicht alſo / du haft gelachet.
5.9 du groſſer und wunderlicher GOtt! wie einfaͤltig mahleſtu
das Reich deines Sohns in der Meuſchheit fuͤr; mie find doch die
allergroͤſſeſte Gcheimnüg darinnen abgebildet / und iſt allhie ja
fo einfaltig gemahlet / als da Chriſtus zu Jeruſalem auff einem
Eſel einritt / and da er doch der Koͤnig von Iſrael war. Allhie
ſolt ihr die hoffaͤrtige Welt billig einen Spiegel nehmen / und ſe⸗
hen ob ſie dieſer Einfalt Kinder waͤren.
6. In dieſer Figur iſt die groſſe Rebe und Demuth Gottes in
Chriſti Perſon gang fuͤrgemahlet / wie GOtt in hoͤchſter De⸗
muht und Einfalt ſey in die Menſchheit kommen / da die Menſch⸗
heit in hoͤchſter Hitze des Grimmen Zornes Gottes entbrand
war / wie allhie die Figur andeutet.
7. Die orey Männer waren für Abrahams Hütten kommen /
da der Taz ſey am heiffeften geweſen; das deutet an / dag fich
Gott mit feinem Liebe-Vunde / und auch mit Erfüllung der
Zeit/ erſtlich mit dem Wunde habe eingeleibet/ da der menſch⸗
liche Tag / verftchet die ſechs Eigenfchafften der Tage warenim
Menſchen / im Grimm der Natur am heiffeften worden / als im
Fall / und ſich hernach in Erfüllung der Zeit / als die Menſch⸗
heit diefer ſechs Tage inder Eitelkeit und thieriſchen Eigenfcharft
am heiffeften war / mitfeiner garten Menfchheit aus dem heili⸗
gen Bundes⸗Ente offenbahret / und in drey Perſonen der Gott⸗
heit für des irrdiſchen Menfchen Eflenz oder irrdiſchen Hütten?
als der Seelen Hütten kommen / und Abraham das ift A⸗
Dam in feinen Kindern / als der menſchlichen Efleng / erſchie⸗
nen ſey.
8. Und iſt uns nun allhier abgebildet das Bilde Chriſti / wie
Abraham dieſe Maͤnner erblicket / lauffet er ihnen entgegen /
und buͤcket ſich auff die Erde / und lauffet von feiner Huͤtten⸗
thuͤre weg / ihnen entgegen / und bittet ſie ſich unter den Baum
zu lehnen / big er ihnen thue Das / warumb fir waren zu ihm
kouuuen. 9.· Wir
382 Bondendreyen Männern! Cap.ge.
9. Wir muͤſſen dieſe Figuralfo anfehen ; als fich die Goͤttli—
che Stimme in dem Ente darinnen fie wolte Menfch werden}
dem Abraham in 3. Perfonen habe fürgeftellet / fo hat fich auch
Abrahams gefaflster Giaubens-Ens , dieſem Bilde fürgeftellet/
als der Drey-einigen Menfchheitinder Figur: Denn der Ens
im Bunde in Abrahams Glauben / war mitdiefer groffen Hitze
Gottes Zornes umbfangen/ da der menſchliche Tag in menſchli⸗
cher Eſſentz am heiſſeſten war.
zo. Als er aber aufffahe / und fahe das Bild’ der Drey⸗eini⸗
gen Gottheit vor ihm ſtehen / buͤcket fich diefer Glaubens-Ens
in hoͤchſter Demuht in Chriſti Perſon / alsder da folte Ehriftus
werden / vor der Dreyheit der Gottheit / welche war zu ihm
kommen / welche fich wolte mit der Stimme / welchejego in dic»
fen dreyen Menfchen mit ihme redete / in Erfüllung der Zeit in
dieſem Glaubens-Bos ergeben / als die Menfchheit Chrifti vor
feinem Vatter / und fprach / HErr /habeic Gnade funden vor
deinen Augen / fo gehe nicht für dieſem Glaubens-Ente als deia
nem Knechte fürüber.
ıı. Denn Abraham war jest im Geifte / und redete aus ſei⸗
nem Glaubens-Ente in Ehrifti Menfchheit / und nor ihme ftund
Das Bild Chriſti Gottheit / und fagte in der groffen Demuht der
Menſchheit Chriſti: Man folleuch cin wenig Warfers bringen /
und euere Füffe waschen / das ift / die groffe Demuth Ehrifti/
der feinen Züngern / als Kindern diefer drey Männer / die Füf>
fe wuſche / deutet an / daß Chriſtus folte Gottes Kindern / wel⸗
che würden aus diefen drey Männern alsausder Drepheit der
Gottheit gebohren werden / die Füffe damit fie würden zu GOtt
gehen mit feinem Blute wafchen.
72. Und er hieß fich die drey Männer unter den Baume leh⸗
nen / das ift nun der Baum des Schens andeutend/ darunter
fich follen Gottes Kinder Ichnen / fo wolte er ihnen einen Biffen
Brods bringen / daß ſie ihr Herklabeten / darnach felten fie ges
hen / das ift / Chriftus nach dem er feinen Kindern hat die Fuͤſſe /
Damit fie Fönnenzu GOtt gehen / als zur H. Drevfaltigkeit mit
feinem Blute gewaſchen / fo giebeter ihnen einen Biffen Brods/
daß fie ihr Hertze ftärden/ daß fie koͤnnen gehen / das iſt das
Brod des Lebens / als fein himmliſch Fleiſch zu einer Speife /
daß fie ſtarck werden / und können in Göttlicher Krafft / durch
dieſe Welt in Gottes Zorne / von Abrahams irrdiſchen Huͤtten /
dem HErrn entgegen gehen / und ſich für ihme buͤcken / wie dieſe
Figur andeutet. —
13. Und
— u A a
Eap.42. welche Abraham erſchienen ic. 385
13. Und faget weiter / denn darumb ſeyd ihr zur eurem Knecht
kommen / das verftchet alfo: Die H. Drepfaltigkeit ſtund jegt
allda in einem Bilde unferer Menfchheit / und Abraham ſtund
im Bilde der Menſchheit Ehrifti/ als wie Chriftus und feine
Kinder gegeneinander ftchen: Die H. Drenfaltigkeit führet
Ehrifti Kinder in Goͤttlichem Zug zu det Menſchheit Chriſti / fo
ſtunden nun jest die drey Männer anunferer Stelle allda vor
Chriſto / alsvor der Figur / denn der Vatter zeucht fie zu Chris
flo / und durch Ehriftum im Vatter; in Chrifto werden fte ges
waschen und verföhnet/ fo fagte num jest Chriſtus zu den drey
Maͤnnern / die ihme GHrt in feiner Perfon darftellete: denn
darumb feyd ihr zu eurem Knechte kommen. |
14. Denn Ehriftus mufte unfer/ als diefer drey Männer
Knecht werden / und GHtt führer feinedrey Männer als uns /
die wir zur ihme fliehen / in ich / alsin den Willen der heiligen
Dreyfaltigkeit/ zu feinem Knechte dem Menſchen⸗Chriſto / dag
er fie waͤſchet und fpeifet / alsdenn können fie erſt recht munter zu
der heiligen dreneinigen Gottheit eingehen.
25. Und die Männer fagten zu Abraham: Thue wie du ge⸗
fagt haft / das ift/ Chriſtus beit fich feinem Vatter / als dem
drepeinigen GOtt zum Knechte an verfichetvas Wort / das
der dreyeinige EDEL in Adam vom Schlangen⸗⸗tretter einfprach/
beut fich dem dreyeinigen GOtt zum Knecht an / alsden Kin
dern fo da follen das Himmelreich befigen: So fpriht nunder
drepeinige GOtt: Thue mit diefen deinen und meinen Kin
dern / wie du gefagt haft / als mit den jeßf für dir fürgeftelten
Kindern / denm fie follen Engel feyn/ und du folft ihnen darzu
helffen / venn darumb bin ich in ihnen zu dir kommen / nun thue
wie dur gefagthaft.
16, Allhie übergab GH dem Menfchen Chrifto das Con-
fummatum mit ihnen zu vollbringen / wie er gefaget hatte / und
ift die gantze innigliche fchöne und heilige Figur der neuen Wie⸗
dergebuhrt / wie fich Die heilige Dreyfaltigkeit/ mit Figuren /
init dem eingeleibten und in Adam eingefprochenen/ undin A⸗
brahams Glaubens-Enre eröffneten Worte erluftiget / und mit
Bilden da fürftellet / und mit demfelben zufünfftigen Chrifto
in Figuren fpielet / da GOTT die Perfon Ehriftiin Abraham
fürftellet / und die Kinder der Neuen Gebuhrt / welche Chris
ſtus folte neugebähren / in der Perfon der drey Männer / als
in der dreyeinigen Gottheit / welche fie durch Chriſtum in fich
einführet/ und in die englische Chor verfegt /als ———
Man⸗
384 WVon den dreyen Männern! Cap.42.
Männer in Geſtalt dreyer Engelerſchienen / und auch in Pers
ſon der heiligen Dreyfaltigkeit / deutet an / daß die heilige Drey⸗
faltigkeit wolle in dieſem Engliſchen Menſchen wohnen / und daß
ſte ſollen das Bilde als Gottes Offenbahrung ſeyn.
17. Abraham hieß drey Maaß Semmel⸗mehl nehmen / und
kneten / und Kuchen backen / den Maͤnnern zu eſſen: was iſt das?
Dieſe Maͤnner durfften keines ſolchen Eſſens. Es iſt die Figur
der menſchlichen Wiedergebuhrt: Drey Maaß deuten an die
drey Principa, als die drey Welt im Menſchen: Semmel⸗
mehl deutet an die hinunliſche Menſchheit / als Göttliche himm⸗
liſche Weſenheit / das ſolte mit unſer in Adam werblichenen /
auch diefer himmliſchen und göttlichen Weſenheit Eigenſchafft
gekneten und gemenget werden / und ein goͤttlicher Kuchen / als
ſuͤſſes Brod / zur Speiſe der Kinder Gottes daraus gebacken
werden / verſtehet in der Hitze.
x8. Verſtehet / als Chriſtus im Feuer feines Vatters Zorns /
als in der Hoͤlle ſtund / da wurden dieſe ſuͤſſe Kuchen fuͤr Gottes
Kinder gebaden/ die fie ſollen eſſen / und drey Maaß ſind nun
die 3. Welte / als der gantze Menſch ohne die Schlange und
thieriſche Eigenſchafft / die ſollen in ein Teig mit Goͤttlichem
Ente gemenget / und Kuchen Daraus gebacken werden / das iſt
nun Chriſti Fleiſch / das er mit unferer Menſchheit hat gemenget /
und giebet uns nun jetzt die ſuͤſſen Kuchen davon / als das himm⸗
liſche Fleiſch zu eſſen: Allhie ſpielete der H. Geiſt in der Fi⸗
gur darmitte.
19. Und Abraham lieff zu den Rindern / und bereitete auch
ein gut zart Kalb zu / das iſt: Er gabs feinem Knaben / daß er
es zubereitete. O du wunderlicher GOtt! wie gar geliebet dir
doch nur die Einfalt! wie einfaͤltig ſtelleſtu uns die groſſen Ges
heimnuͤß fuͤr? Ich dancke dir daß du mir unwuͤrdigen
Menſchen ſolches zeigeſt / daran die gantze Welt blind
iſt. O GOTT thueihnen doch die Augen auff / daß ſie
das ſehen / und ſich zu dir bekehren / und in die De—
muth tretten.
20. Das zarte Kalb / das mit zu dieſem Mahl zubereitet
ward / ift der Limus der Erden / als der äuffere Menſch / welcher
vor GOtt als ein Thier iſt: Verſtehet / er iſt ein Wunder-thier/
gleich wie die gantze aͤuſſere Welt vor dem Goͤttlichen Berſtande
nur als ein Thier iſt / darinnen ſich GOtt mit dem heiligen /
gtiſtlichen Ente in ein aͤuſſerliches Korpus formet zur Offenbah⸗
rung
Cap.42. welche Abraham erſchienen ec. 385
rung feiner Wunderthat aus Liebe und Zorn / welche Figur der
äuffern Welt / als das Göttliche Thier / nicht ſoll alſo gar zu
Nichts werden / fondern nur die Eitelkeit follvom Butenins
Reich der Finſternuͤß gefihieden werden,
21. Alfo wil auch GOtt das göttliche Thier am Menſchen /
welches zwar allyier ftirbet/ nicht gang wegwerffen / ſondern
nur deneingeführten Schlangen-Ens,, und die Eitelfeitder fine
fern Welt Weſen; das göttliche Wunder⸗thier / welches des
Goͤttlichen geiſtlichen Bildes Knecht iſt / undin Ewigkeit ſeyn
ſoll / das ſoll am Juͤngſten Tage auffſtehen / und ſoll durchs
Feuer Gottes probiret werden / da es denn ſoll gar rein werden/
als ein Cryſtall / in dehme der Engel / als Gottes rechtes Bil⸗
de wohnen ſoll / in welchem Engels-bilde erſt GOtt offenbahr
iſt / und daraus durch das Thier ſcheinet / als wie die Sonne
durch ein Cryſtall: Dieſes num deutet das Kalban / als das
zarte gute Kalb / das mit zu dieſem Mahle zubereitet ward / daß
auch der aͤuſſere Menſch / nach der rechten in Adam geſchaffenen
Bildnuͤß aus dem Limo der Erden ſoll auff Gottes Tiſch ge⸗
bracht werden.
22. Daß aber der Geiſt ſaget / Abraham hab es dem Knaben ge⸗
geben / zu zubereiten / der Knabe deutet an den Diener / als dieſer
himmliſche Thier⸗Menſch / iſt der Werckzeug des Engels-Men⸗
ſchen / der wird zu einem Diener des Engels-Vildes zubereitet.
23. Auch trug Abraham dieſen drey Maͤnnern Butter und
Milch auff / und ſatzte ihnen das alles für / und tratt für fie unter
den Baum / und fteaffen. Wenn Ehriftus feine Kinder mit fei=
nem Leib und Blut gefpeifet hat / und indehme er ftefpeifet / ſo
tritter im feinen Kindern / in feiner Krafft fürdie heilige Drey⸗
faltigkeit / umd wartet in feinen Kindern diefen drey Männern
auff/ und giebet ihnen aus diefer zubereiteten Speife / damit er
feine Kinder fpeifet/ Lob und geiftliche Speife.
24. Diefelben heiligen geiftlichen Speifen / aus Krafft des
Seibes Ehrifti effen dieſe drey Männer/als die Heil. Drenfaltige
keit denn des Menfchen Wille giebet fich diefen drey Maͤnnern
gantz eigenthuͤmlich zur $obe-Speife mit einer heiligen Stint-
me und Sobe-Gebethe ein / und dieſelbe Sobe-Stimme iffet die
Kraft GOttes in fich / auf Arth wie ein Menfch eine Stimme
aus einer lieblichen Mufica in fein Gchör gerne iffet / und darin⸗
nen frölich iſt: Alfo auch erwecket fih GOtt in feiner Krafft/ in
feinem Worte des Gchörs oder Göttlichen Senlu mit des Men»
ſchen reinen demüthigen Lobe⸗Stimme.
R 25. Deun
386 Bon den dreyen Männern Cap.ar:
25. Denn darzu hat GOtt Engel uud Menfchen erfchaffeny
als zu feiner eigenen Freude / und follet wiffen / daß wir aus
dem wahren Grunde reden | nicht aus Wahn oder
Gleichnuͤſſen / fondern aus dem offenen Siegel GOttes
im ſchauen / verftehets nur reiht.
26. Und als ſich nun jest bey Abraham hatte GOtt in dein
himmliſchen Ente, den er wolte im Weibes-Saauen als auch
himmliſchen Ente, in den Ens des Bundes mit Eröffnung des le—
kendigen Worts offenbahren und einführen / eelufkiget und für
ihme gefpielet/und fich in Abrahams Glaubens-Ente, als in der
Krafft des Lobes Abrahams gefpeifet/als in feiner Demuͤthigkeit /
ſo fragte GOtt nach Sara) welche er wohl wufte/ aber die Sara
ihn nicht wufte/ dag es der Her in folcher Form wäre/fo fprach
er zu Abraham / wo ift dein ABeib Sara? Das ift / Sie war noch
gicht in dieſem Spiel / biß ſte Abrahams Glaubens⸗Ens empfieng /
ſo erweckte ſich in ihr dieſes Spiel / darumb lachete fie diefes /
denn ſie wuſte nicht die Geheimnuͤß / ſie offenbahrten ſich jetzo
alleine in Abrahams Geiſte / da der Gluubens-Ens lag / und er
ſprach; ſte iſt in der Huͤtten. Das iſt:
27. Sie iſt in der menſchlichen Hütten mit der irrdiſchen Huͤt⸗
ten verdeckt / daß ſie nicht ſtehet wer bey mir iſt / uñ der Herz ſprach:
Ich wil wieder zu dir kommen / ſo ich lebe / ſiehe / ſo ſoll Sara dein
Weib einen Sohn haben / das heiſt / ich wil mit derBewegung dei⸗
nes Saamens wieder zu dir kommen / weñ Sara wird ſchwanger
werden / ſo wil ich ſte in ihrem verſchloſſenen Saamen auffloͤſen /
und in deinen Saamen kommen / das iſt bewegen: Den kommen
heiſſet gehen bewegen: Wenn Gott komt fo beweget er den
Menſchen / und komt oder gehet in und mit dem Menſchen.
28. Daßer aber ſaget: So ich lebe / das iſt auff eſſentialiſche
Weiſe geredet: Denn GOtt ſagte ihm wie er kommen wolte /
nicht vor ihn / wie dißmal / ſondern So / das iſt / wie ſich der Son⸗
nenſchein und Krafft in eine Frucht eingiebet / ſo tritt ſie nicht
neben die Frucht / wenn ſie komt / ſondern So / das iſt / ſie dringet
eſſentialiter mit dem So ein: Deñ So iſt fo viel / als ich wil ein⸗
ſehen. So ich lebe / verſtehet man nicht / als ob er ſagte / wo ich
noch lebe / ſondern er wolte in dem So leben: Er wolte indem So
als eſſentialiter kommen / und nichtfigurlich / wie dißmahl.
29. Denn wenn GoOtt komt / fo komt er anderſt nicht als So /
das iſt / wie ein Sonnenſchein in die Frucht: In der Natur⸗
fprache verſtehet man das eſſentialiter gar ſchoͤn; Denn ſo GOtt
vorn
Cap.42. welche Abraham erfihienenhc. 387
von feinen eigenen Kommen redet /fo redet er nureflentialite
auff Arth der uncompactirten (enfualifchen Zungen.
30. Und Sara lachtediefes + Sie dachte / fie ſollte erſt einen
Sohn aus Abrahams Luſt menſchlicher Beywohnung in Flei⸗
ſches Luſt zeugen / darumb fagte fie / follich erſt / da ich und mein
Her: alt ind/noch Wolluſt piegen ? Der thieriſche Welt⸗ Geiſt
lachete feiner Zugend / daß er nunmehr ſchwach war / und follte
erft wieder geil werden / und dachtedas wäre cin Spiel/ wenn
du Fönteft : Gleich als ob man einem alten Menſchen ſagte / du
follft jego wieder jung werden / und wieder eine folche Begierde
und Luſt empfahen / als da dp jung wareſt / deffen würde dic Na⸗
tur lachen / und denen / ja wenus wahr wäre / da halb Zweiffel
und halb. Hoffen bey einander wäre: Alfe giengs auch Sarg / den
der Welt-Geift verftchet nicht GOttes Geheimnuͤß: Er it
vor GOtt nur alsein Thier /und weil der Welt-Geift jet hoͤ⸗
rete / daß es follte alfo zugehen / fo dachte er / du ſollſt Werckmei—
ſter feyn / ja wenn du auch koͤnteſt / dur wolteft wohl gerne / und
lachete feiner felber/ daß er follte wieder jung werden.
zr. Alfo viel verficher der natürliche Menſch von GOtt / wie
ein Thier/ wenn es das Heu fichet / fo dencket es / num iſt zu eſſen
da / ſo es aber nichts ſiehet / ſo hoffet es aus Gewohnheit: Aber
Sara hatte nun gehoffet / biß fie war neuntzig Jahr alt worden /
und dauchte ſie wunderlich ſeyn / daß GOtt wolte etwas an ihr
thun uͤber der Natur Lauff und Gewohnheit / und bildete ihr das
auff menſchliche Wolluſt⸗weiſe ein.
32. Aber der HErr ſprach: Warumb lachet deß Sara? Und
fie furchtete ſich und fprach : Sch Habe nicht gelachet. Aber dir
Herfprah: Es iſt nicht fo/ du haft gelachet/follte dem HErm
etwasunmöglich feyn 2 Allhie ſtehet das Bilde der Erz / als ſte
ihren Vorwitz in eigener Luſt nach) dem verbottenen Baum ge=
wendethatte / und fie GOtt hernach fragte / warumb ſie das ge⸗
thanhätte ? Leugnete fie auch ihre cigene Luſt / und legte es auff
die Schlange. ü
33. Weiljegoallyie GOtt hatte mit Abraham vonder neuen
Geburth gefpielet / fo ſpielte er auch, allyie mit Sara von Erz
Luſt / welche dieſer Weibes-Saame ] als eine Lügen follte toͤd⸗
ten : Denn darumb mufte Sara allhie jego eine Lügen fügen / ſie
haͤtte nicht gelachet / daß Eva häftegelogen ; Se ftellete ihmt
jetzt GOtt der Evz Sügen für / wie er ſte wolte mit der ewigen
Wahrheit zu ſchanden machen / und zurücke treiben / wie er Sa⸗
ra thaͤte / und ihr die Luͤgen eintrieb / Das fie ſich muſte ſchaͤmen.
Rz a 34. Und
8
388 Dom Untergang Sodom Cap.43.
34. Und ſollet allhie verſtehen / daß GOtt den gantzen Proceß
habe fuͤrgeſtellet / wie er den rechten Menfchen/den er ſchuff / wol⸗
te wieder neu gebaͤhren; wie das zugehen wuͤrde / und wie er den
Schlangen-Ens wolte im ewigen Feuer verbrennen / und wie er
die Luͤgen der armen Seelen wolte am Creutz zu Spott machen
und toͤdten / denn das ſehen wir allhier gar fein im Bilde.
35. Nachdehm GOtt hatte ven Proceß der neuen Gebuhrt
dargeſtellet / ſo giengen dieſe drey Maͤnner gegen Sodom / und
wolten den Ham / als die boͤſe Hams fleiſchliche Eigenſchafft mit
Feuer vom HErrn verbrennen / wie auch geſchahe; daß mans al>
fo fein ſtehet wie das Gerichte GOttes am Haufe Iſrael an»
faͤhet / wie Chriftus fey zu einem Nichter des Teuffels-Entis und
Willen eingefest worden / welcher foll dem Teuffel fein Weſen
mit Feuer verbrennen; wie diefe nachfolgende Figur andeutet.
Das 43. Capittel.
Vom Untergang Sodom und Gomorra / wie es GOtt
dem Abraham zuvor andeutete.
Genef. 18.19. c.
f Noder Her: fprach zu Abraham /alser Abraham
'gefeegnet hatte / und gefaget / wie er würde feinen
Kindern befchlen des HErrn Weege zu wandeln /
und wie er wolte fie alfo ſeegnen / wie forne erklaͤret
worden ift : Siehe es iſt einGefchrey zu Sodom
und Gomorra / das iſt groß/und ihreSuͤnden find faft ſchwer /
darumb wil ich hinabfahren und ſehen / ob ſie alles gethan ha⸗
ben nach dem Geſchrey / das für mich kommen iſi / oder obs
nicht alfo ſey / daß ichs wiſſe: Und die Männer wandten ihre
Angefichter und gtengen gen Sodon. GOtt ſprach: Wie
kan ich Abraham verbergen was ich thue / fintemahl er EU
ein groß Dolch werden : Und zeigte ihme auffdiefes an / was er
thun mwolte.
2. Diefe Figur fiehet die unerleuchtete Vernunfft wunder⸗
lich an / daß Gott fagte / er wolte hinabfahren und ſehen / ob das
Geſchrey wahr waͤre / daß ers wuͤſte / und ob es alſo ſey oder nicht:
So dencket die Vernunfft / iſt er denn maͤßlich oder allein oben /
weiß er nicht zuvorhin alles ? fo Doch die Schrifft von ihme ſaget:
Pin nicht Ichs / der es alles erfüllee ? Item / der Himmel ift
mein Stuhl / und die Erde iſt mein Fußſchemel; wolte er dann
erſt herabfahren gleich einem maͤßlichen Weſen / das von Zeit und
Staͤtte abgetrennt ſey? 3. Viel⸗
Cap.43. und Gomorra ꝛc. 389
3. Bielmehr iſt ihr ungruͤndlich das Gefihren } das vor ihn
fey hinauff fommen : Aus welchen Urfachen die erentürliche
Vernunfft dencket / GOtt wohne allein oben üver dem Geſtirne
in einem Himmel allein / und ſehe herunter / wie der Sonnen
Glaſt ausihrem Coͤrper auff die Erde fichet und ſcheinet: Alſo⸗
weit iſt die Vernunfft kommen / mehr weiß ſie nicht / was GOtt
und wo GOtt ſey ? Sie weiß nicht dag er alles Weſen iſt / und
durch alles Weſen wohnet und keine Staͤtte beſttzet / auch keinen
Orth noch Raum darff zur Wohnung / und daß er / ſo viel er GOtt
heiſſet / doch kein Weſen iſt / ſondern gegen dem Weſen / gleich als
ein Nichts iſt / und da er doch durch Ales iſt / und ſich ſelber dem
Weſen wuͤrckende einergiebt / gleich wie der Sonnen Krafft der
Frucht / aber nicht von auſſen hinein / ſondern von innen heraus
würdet zu feiner ſelbſt Offenbahrung mit der Creatur und ihrem
Leben / und dag die Natur und Creatur feine Offenbahrung iſt;
fo fie dieſes recht verftünde / fo hätte ſie allhie Feine weitere
Frage.
4. Spverftchet nun den Innhalt alſo: GOtt wohnet in fich
felber/ beydes nach der Siebe und nach dem Zorne/ ein jede Eigen-
ſchafft ſiehet nur in fich felber / und ift in der andern mit feiner
ſelbſt Eigenfhafft nicht offenbahr / wie ihr deſſen ein Gleichnuͤß
am Tage und Racht/ als an Liecht und Finſternuͤß habet: Das
Sicht wohnet in der Zinfternüg und ftehet das nicht/ alfo auch
fiehet dieginfternüß das Liecht nicht s und wie das Liecht in feiner
groffen Sanfftmuth im Feuer wohnet / und nimt doch nicht des
Feuers Quaal und Peinan fich/ ſondern bleibet alleine gut / ohne
ern fühlend geben des Feuers / und da es doch durch das Verzeh⸗
zen des Feuers / als durchs Sterben des Wefens uhrſtaͤndet:
Alſo auch verftchet das ABefen GOttes.
5. GOttes Siche-Auge ſiehet nicht effentialiter in die boßhaff⸗
fe abgewendte Seele / wie dann auch nicht in Teuffel /fondern
fein Zoen= Auge ſiehet hinein / das ift/ nach des Zornes oder Feu⸗
ers Grimmes Eigenfchafft ſiehet GOtt im Zeuffel und in der
falfhen Seele.
6. Darumb fagte GH : Es wäre ein Gefchrey für ihn
kommen / da verftund Er für fein geoffenbahrtes Wort / als für
De Stimme im Goͤttlichen geoffenbahrten Ente tiefer drey Maͤn⸗
ner / fuͤr den Eus, und fürdas Gehör / das fich hatte indem ver»
heiffenen Ente ‚dem Menfchen zur Menfchheit Ehrifti jest in
drey Perſonen fürgeftellet / war es kommen.
7. Denn dieſem Worte oder Gehoͤr war das Gerichte uͤber
R3 als
399 DBom fintergang Sodom Gap.43.
alle Teuffel und gottloſe Men ſchen gegeben worden/dan das war
das bewegliche Gchör/ dadurch GOtt der Vatter in die Menſch⸗
heit hörete/ Dadurch er wolte Das. Böfe vom Guten feheiden.
8. So hatte nun dieſes Gchör/ als das Gehör / das fich wolte
in der Menfchheit in Ehrifti Perfon offenbahren /die Stimme
ver Sooomiter ale der Hams-Kinder in fich / das ift /nach des
Zornes Eigenfchafft gehöret/ und das Gehör für das unendliche
Gehör ins erfte Principium , als in Urftand der Natur und
Creatur eingebracht: Dan die Sodomiter/alsgleifhes-Kinder/
Seben alle im Gehör diefer Welt/als im außgefprochenen geform⸗
sen Worte /in der Figur der Gottheit / da Böfes und Gutes in
einem Aefer zugleich offenbar ift.
9. So verfichet uns num feharff /die englifche Welt heiſſet
oben / und die geformte auffere Welt Heiffet unten / auff Art gere>
det / als wann man ein Feuer anzünder)fo ift das Liecht oben und
Das Weſen unten: Wann man von GOttes oben redet / ſo ver⸗
ſtehet man innen: Dann das innen auffer dem Weſen ift das
oben / dann es iftauffer dem Weſen alles oben / kein unten; das
unter dem Weſen / iſt auch oben.
10. So war nun das Geſchrey der Sodomiter für das Oben
kommen /als für und in das erſte Principium , da fich das Oben
aus dem Nichts in den erften ewigen Anfang/als zu einer Natur
und Formung der Kräffte oder Worts faffet / und GOttes ges
faffetes Wort oder Stimme aus des Batters und Sohnes Ei⸗
genfchafft / aus GOttes Siebe und Zorn / C welche fich hatte mit
Der Berheiffung dem Menfchen zu einem Chriſtus verheiffen /
und in einen Göttlichen Ens gefaffet ) hatte das Geſchrey in der
Eigenfchafft des Zornes/damiter ein Nichter des gottlofen We⸗
fens ift/ gehöret.
11. So ſprach der Vatter: Sch wilhinabfahren daß ich fehe/
ob es alfo ſey / das iſt / mit demfelben gefaffeten Gehör diefer drey
Männer indem Ens, den GOtt hatte zum Nichter der Welt ges
formt / der da follte Chriftus werden / kam er herab / das iſt / aus
dem Dben.
12. Denn derſelbe Ens folfte creatürlich in der Perfon ſeyn /
darumb war er im gefaffeten Worte der Berheiffung förmlich
auff Engels Arth / und damit kam er von oben / das iſt aus dem
Oben / als aus GOtt / aus dem unwandelbahren GOtt; und hoͤ⸗
rete erſtlich in Abraham in des Bundes Ens, in das Ziehl ſeines
Bundes mit ſeiner Liebe: Und mit dem Zorne / als in dem Gehoͤr
des Feuers hoͤrete er in der Menſchen Boßheit und — J.
a
Cap.43. und Gomorra lic. 391
ſahe mit dem Zorne was fie machten/ das ift/ fein Grimm fahe in
der Menfchen Eitelkeit und Borheiteflentialiter ein/auff Arth /
wie cin Modersfeuer ineinem Holtze entſtund / und wolte das
Hol verzehren : Alfo auch ſahe GOtt mit feinem Zornsauge in
dem geformten Ente, durchs felde Richter⸗-Wort in Chriſti En-
te, darinnen er wil die Welt richten / in die gottloſe Schlangen⸗
ſucht und Willen der Kinder Hams zu Sodom und Gomor⸗
ra ein.
13. Denn als ihme GOtt in Abraham die neue Gebuhrt ſei⸗
ner heiligen Kinder aus feinem Liebe⸗Ente fürftellete / fo ſtellete
er ihme auch das Gerichte in feinem Zorn: Ente fuͤr / wie er durch
dieſen Chriſtum wolte die Gottloſen im Feuer „Frobiren.
24. Und iſt das Gerichte über Sodom eine Figur des Juͤng⸗
ſten Gerichts / gleich wie die drey Maͤnner vorm Abraham eine
Figur unſerer neuen Engliſchen Menſchheit waren / da GOtt im
Menſchen wohnet / alſo auch ſein Zorn in den Gottloſen; Und
ſehen wir allhie / wie GOtt wil die Teuffel und alle gottlofe
Menſchen durch die Kinder der Heiligen richten / gleich wie er
jego allyier die Figur desRichter-Ambts in einer Drey-⸗Menſch⸗
or fürftellete / und Sodom und Gomorra von der Welt ver>
tilgete.
ı5. Auch ſprach GOtt zu Abraham: Wie kan ichs Abra=
ham verbergen wasich thue ? Dem irdifchen Abraham wäre es
serborgen gewefen / aber dem Himmlifchen aus GOttes Ente
woltees GOtt nicht bergen / und ftellete allyie GOtt die Figur
feiner Liebe und feines Zornes dar / als die Menfchheit Ehrifti in
der groſſen Demuth und Liebe / und feine Wahrheit und Gr >
rechtigfeit im den giween Engeln.
16. Denn alſo faget der Tertim Mofe x Und Abraham blich
ſtehen vor dem Herrn / als diefen dreyen Maͤnnern / welche er jetzt
nur einen heiſt / und tratt zu ihme und ſprach: Wilſtu dann den
Gerechten mit dem Gottloſen umbbringen / es moͤchten vielleicht
fuͤnfftzig Gerechten in der Stadt ſeyn / wolteſtu die umbbringen /
und dem Orthe nicht vergeben unb fuͤnfftzig Gerechter willen /
die drinnen waͤren? Das ſey ferne von dir / dag du das thuſt / und
tödteft den Bercchten mit dem Gottlofen / dag der Gerechte ſey
wieder Gottloſe / das fey ferne von dir /der du aller Welt Rich»
ser bift/ du wirft fo nicht richten.
17. Diefesiftnundie gar fchöne Figur / wie Abraham (im
Blaubens-Ente in Chriſti Perfon und Geift ) für GOTT I
' als für den Dreysrinigen — fuͤr die ſtrenge — —
R4 14
392 Dom Untergang Sodom Gap.43.
feit GOttes tritt / und den Batter wilverföhnen / und für feine
. Kinder bittet / welche unter dem Hauffender Gottlofen wohnen/
daß doc fein Batter wolte dieſen Ort (mo noch fromme Men
fen wohnen) verfchonen mit der Straffe / und zeucht feine
Barmhertzigkeit in feine Gerechtigkeit / und ſaget: Du wirſt fo
nicht richten / der du aller Welt Richter bift .
18. Diefe Figur ift anders nichts / als GOTT in feiner Ge⸗
rechtigkeit / und GOTT in Ehrifto mit feiner Barmhertzigkeit.
Allhie ftunden die zwey Bilde neben einander; was wäre es fonft/
daß * gi wolte SOET aufhalten / dag er wicht thue was
er wolle
19. Der Menfh Ehriftus hält GOttes Gerechtigkeit und
firenges Gerichte über den Hauffen gottlofer Menfchen auff /
ſonſt wären fie wol im Paradeiß im erften Ungehorfam gefreffen
soorden. Diefer ifts / dvervor GOTT undin GOTT tritt/ als
in GOttes Zorn / denn erift aus GOTT / darum kan er vor
GOTT treiten.
20. Das ift das geformte Wort / als die Creatur ftehetvor
dem Berichte/und figet im Gerichte/und läft den Zorn nicht rich⸗
gen / weilnoch fromme Menfchen da find / wie allhie zu fehen ;
wan noch schen Perfonen wären fromm gewefen / fo hätte GOtt
verfihonet: Aber da warennicht mehr als nur drey Perfonen
noch überigvor GOTT /als Loth mit zwey Töchtern ; fein Weib
war auch nicht tuͤchtig und darumb / ob fie wol aus Sodom
ausgieng / doch ſtehen blieb und zur Saltz⸗ſeulen ward / wie her⸗
ach ſollerklaͤret werden.
21. Abraham / das iſt / der Geift Ehrifti / handelte fo weit
mit GOTT / daß GOTT wolte um zo. Perfonen aller diefer
Örther verfchonen : Aber fie waren alle abgewichen biß auff feines
Bruders Sohn / welcher ein Fremdling unter dieſem Volcke
war / den führte GOTT voncheheraus/ che erden Grimm an⸗
uͤndete.
22. Gantz verdeckt redet alhier der Geift im Moſe und Eſra /
welcher dieſe Geſchichte / nach deme ſie bey den Kindern Iſrael
verlohren worden / wieder in GOttes Geiſte auffſchrieb; Und
ſtehet man eigentlich / wie der Geiſt ſo genau auff die Figur beym
Abraham ſiehet / und andeutet / was darbey zu verſtehen ſey.
23. Denn bey Abrahams Erſcheinung redet er von 3. Maͤn⸗
nern / und allhie redet er vonz. Engeln / welche find gen Sodom
gangen / und die Staͤtte verderbet: Anzudeuten / daß die Perſon
Chriſti der dritte ſey / welcher nicht mit gieng / denn allhie giengen
nux
Cap. 43. und Gomorra / ꝛtc. 393
nur zween / als GOttes Wahrheit und GOttes Gerechtigkeit /
als das Gerichte und die Wahrheit: das Gerichte blieb in So—
dom / und die Wahrheit fuͤhrete Loth heraus.
24. Und als dieſe beyde gegen Abend (da ihre Zeit aus war /
und ihr Tag vergangen war )gen Sodom kamen / ſaß Loth unter
dem Thore; und da er fie ſahe / ſtund er auff ihnen entgegen / und
buͤckete ſich mit ſeinem Angeſicht auff die Erde / und ſprach: Sie⸗
he HErr / kehret doch ein zum Haufe euers Knechts / und blei—
bet uͤber Nacht / und laſſet euere Fuͤſſe waſchen / ſo ſtehet ihr
Morgens frühe auff/ und ziehet euere Straſſen: Aber ſte fpra=
chen / Nein / ſondern wir wollen über Nacht auff der Gaſſen
bleiben: Da noͤtigte er ſte faſt / under machte ihnen ein Mahl /
und buch ungeſaͤuerte Kuchen / und fie aſſen.
25. Wenn man dieſes in ſeinem rechten Verſtande wil andeu⸗
ten / ſo ſpricht man es alſo aus: Der Sodomiter Geſchrey war
der Fluch / dehn Noah uͤber Ham thaͤte / als er ihn (wegen ſeiner
unz uͤchtigen viehiſchen Augen und Begierde) verfluchete; der—
ſelbe verfluchte viehiſche Geiſt hat ſich in der boßhafftigen gantz
irrdiſchen und ſchlangiſchen Eigenſchafft im Fleiſche und Seelen
dieſer Hams⸗kinder fortgepflantzet und auffgezogen / daß er ſich
hatte ins Koͤnigliche Regiment eingeſetzet / unter welchem ſie mehr
Bichifh als recht Menſchlich lebeten.
26. Dieſes Geſchrey des im Zorn auffgewachſenen verfluchten
Schlangen-Entis war jest in feiner Mutter (als im Zorn GOt⸗
tes inder finſtern Welt Eigenfchafft ) offenbuhr und lautbahr
worden / und hatte das Gerichte über und in fich erwecket; ſo ſand⸗
te nun jetzt GOTT sin Gericht über den Schlangen-Ens, das
war des Enochs verborgenen und jest eröffneten Giegels Zeit/
(wie forne von den ficben Linien angedeufet/) da feine Berbor>
genheitam Ende war / und jetzt als ein Schallfeiner Predigt im
Wort der Krafft offenbahr ward / beydes in Liebe und Zorn.
27. Als im Abraham in der Liebe / da ſich das geformte Wort /
das man bey Enochs Zeiten aufieng zu lehren / jetzt im geformten
gewachſenen Ente (oder Weſen) in Abraham offenbahrete / mit
dem verheiſſenen und heiligen Glaubens⸗ſaamen / und in den
Kindern der Boßheit (vonder verfluchten Hams⸗Art ber) offene
bahrte fih allyie des Zornes Eigenfhafft aus der Predigt E—
nochs / da er mit Gottes Berichte und Straffe dreuete; dieſelbe
war in den Kindern der Boßheit mit auffgewachſen / und zu einer
zubſtantz werden.
28. Und als ſich jetzt dieſes Encchs Siegel eroͤffnete / nf feine
— Ber⸗
394 Vom AUntergang Sodom Cap.43.
Verborgenheit am Ende war / und nun ſolte (nach Liebe und
Zorn ) offenbahr werden / fo ſtellete eine jede Eigenſchafft fein
Weſen dar zur göttlichen Beſchauligkeit: als was das Wort
im Liebe⸗ ga unter dem Schall Enochs hatte gewuͤrcket / und
auch der Schall des Draͤuens des Zorns Gottes. Jetzt eroͤffne⸗
ten fich die Weſen beyder Eigenfchafft / und flellten fich ins Ge—
richte zum Urtheilder Gerechtigkeit GOttes; fo ſtundt nun jetzt
am Urtheil allda / als in Abraham / Ehriftus in dem Gerichte
der Buspredigt Enochs; und inder Draͤuung der Straffe des
Enochs ftundt jetzt allda im Gerichte / ingen Kindern des Fluches
in Ham / das ernſte Gerichte GOttes/ als der Fuͤrſt Lucifer
zum exequiren in Grimme GoOttes / als ein Diener des Hauſes
der Finſternuͤß.
29. Denn GOTZ ſagte zudem Volck Iſrael am Berge Si⸗
nai: Sch wil heimſuchen und ſtraffen die Miſſethat ver Eltern
enden Kindern biß ins dritte und vierdte Glied; welches allhie
zu ſehen iſt an Ham / Noahs Sohn: Allhie kam erſt Noahs
Fluch ins Gerichte.
30. Und wurden allhie zween Engel / das iſt / in Krafft und
Maͤcht des Gerichts an Chriſti ſtatt geſchicket / weil Chriſtus
noch nicht im Fleiſch und Ambte war / denn Chriſti Ambt blieb
in Abraham vor dem HErrn ſtehen / und batt fuͤr die abtrinnige
Menſchen zu Sodom und Gomorra.
3r. Als ſie aber im Gerichte / alsim Ambte der Siebe Chrifti
mit Abraham vor dem Hera probiret wurden / ob noch Men⸗
ſchen zu Sodom wären / welche des Ambts Chriſti in der Liebe
Fabia waren/undaber keine erfunden wurden; fo blieb das Ambt
Chriſti in Abraham zuruͤcke / und gienge nicht mit nach Sodom:
Aber das Ambt Goͤttlicher Ge erechtigkeit und Wahrheit gienge
in Geſtalt zweyer Engel gen Sodom / und ſchaueten gantz innig⸗
lich in ihre Elleng und Weſen / probirten das in ſich / wie dan zu
ſehen iſt; Seradedeß zween Engel in die Stadt kamen / er⸗
oͤffnete ſich ipre Eigenſchafft / und wolten dieſe Männer heraus
Baftr lich haben.
2. Denn diefe zween Engeldatten ihre Eigenſchafften erreget
oder beweget / und fuͤr den HErrn geſtelt zu ſchauen / was in ih⸗
nen waͤre / funden ſie / daß fie nur vichifche ungichfige, Möra
Der waren / Das ſtelleten fie ins Berichtes Jet muſten fie mis
3% ach ihrer Zend gerichtet werden.
33. Daß aber der Geiſt im Moſe deutet / Loth ſey unter dem
Thore ge J ſſen / und babe dieſe Engel erkaft / und ſie genoͤhtiget / bey
ihur
| Cap. 43. und Gomorra / ꝛtc. 395
ihm einzukehren / und habe ihnen die Fuͤſſe wollen waſchen / und
Kuchen gebacken; und daß ſie geſſen haben / und ſich des einkeh⸗
rens zu ihme erſtlich geweigert / das iſt eine gantz verborgene Ge⸗
heimnuͤß: dan es war der Geiſt der Wahrheit und Gerechtigkeit /
den erkannte Loth; denn er gieng in der Efleng beweglich / und
drangmit der Proba erftlicy in Loth / und als er fich vor den
Herrn zur Erde buͤcke te und demuͤtigte / fo ward er probiret / und
in ſich gerecht erfunden.
34. Aber in ſein Hauſe weigerte ſich die Wahrheit erſtlich
zu gehen mit der Gerechtigkeit / als mit dem Gerichte / und wol⸗
fe auff der Gaſſen bleiben / denn es ward erkannt des Loths Weib /
welche / als ſie probiret ward / und das Gerichte durch ſie drang /
ihr das zeitliche Leben abgeſprochen ward: Denn ſte blieb im
Gerichte als eine Prima Materia, als ein Sulphur / Mercu—⸗
rius / das iſt eine impreſſete Materia des Gerichts /alseine Ver⸗
— ins erſte Weſen / Daraus der Leib geſchaffen ward /
chen.
35. Jedoch nicht balde vor der Execution dieſes Gerichtes /
fondern als Loth mit ihr aus Sodom gieng / und das Gerichte
anfieng/ zoch fie das Gerichte in ihr wider zuruͤcke / alsim Ge⸗
richte zu teen ift I und fieng fie/ denn es hatte fie in der Proba-
tion gefange n.
36. Jedoch ward ihr ein Gebott gegeben nicht zurück zufchen 7
ſo hatte fie mögen überwinden / fo fie wäre alsbald in die Buſſe
getretten/ und hätte den böfen irrdiſchen Willen zerbrochen / und
mit Loth dem Herrn zu Fuſſe gefallen sund das war die Urſache/
daß die zween Engel lich weigerten beym Loth einzukehren.
37. Und wird mit Loths Weib die irrdiſche Matrix angedeu⸗
tet] welche nicht ſoll mit durchs Gerichte gehen / ob ſie wohl muß
helffen die Frucht würden und gebaͤhren / als ein Werckzeug/
fo iſt fie in ihrer aͤuſſern Form doc) wicht zum Himmelreich era
kohren / denn fie ward Even in Adams Falle im Schlaffeana
gehenckt / und foll im Gerichte bleiben / und wieder in ihre erſte
Biäteria, Daraus he gefchaffen ward / gewandelt werden; nicht
zum Verdamnuͤß in Abgrund / ſondern ins Myſterium, als
in Sulphur/ Mercurium / welcher im Myfterio Magno ein
Saltz⸗geiſt iſt/ als eine Urſache aller Leibligkeit / wie dernach
bey Loths Töchtern ſoll gemeldet werden / welche ſich ſolten wong
Vatter ſchwaͤngern ınn dieſer Urſach willen.
38. Alſo verſtehet die Figur weiter im Innern; Loth buch
Kuchen von ungeſaͤurtem Teyge / und machete ihnen cin Mahl /
R6 daß
396 Vom Fintergang Sodom ap. 43.
daß ſie aͤſſen. Nun aber brauchen die Engel keiner ſolchen Spei=
fe / aber es waren nur geformte Engelin Engels Geſtalt / denn
Abraham und auch Loth yieffen fie ven Herin ; Es war GOttes
Gerichte und Wahrheit.
39. Dieſes Eſſen war auff eine Arth geſſen / wie die Opfſer
—— und Moſis / wie forne gemeldet / denn die Willens-
Begierde faſſet ſich darinnen in eine Subſtantz: GOtt iſſet nur
das Wort des Willens / aber die Speiſe verzehret der aͤuſſere
Geiſt / in deme fie gewuͤrcket wird.
40. Denn Loths Glaubens-Begierde war die Speiſe Gottes
dieſer Maͤnner: Aber mit dem Mahl / welches ihnen Loth aus
gutem Liebe⸗willen gab / faſſete ſich Loths Willen in eine sub-
ſtantz / auff dag er von auffen nach dem irrdiſchen Leben / und
von innen nach dem Glaubens-willen in dieſem Gerichte erhals
ten würde.
41. Denn diefe Engel aflen von Loths Speife/ gleich als
affen fie von feinem Leibe und Geifte/ welcher dvarinnen ergrifs
fen ward/ auf Art) / wiein opffern zu verftchen ift / wie for=
ne genug erkläret ift bey Cains und Habels Opfſer: Denn die
ungeſaͤurte Kuchen waren die Innfaffung / wie beym Mofe
Aberail zuſehen iſt und deuten an den Leib Ehrifti/ darein
GoOttes Imagination cingieng/ als in ein Fürbilde/ und ſich
Hoch nur im Glauben faffete.
42. Weiter fpricht der Geift im Moſe: Und ehe fich die
Männer legeten / kamen die Leutheder Stadt Sodom und
umgaben das Haus / Jung und Alt/ Das gange Volck /
an / und aus allen Enden / undforderten Boch / und brachen
zu ibn: Wo find die Männer die zu dir kommen (ind diefe
Nacht Rfuͤhre ſie heraus / daß wir ſie erkennen.
43. Dieſes iſt nun die Figur / wie oben gemeldet: das Ge⸗
richte / nach dehme ſichs mir Loth indem Mahl hatte verbunden /
drang cs jest in der Probation ihrer Efieng und Weſens in alle /
daß ſie hauffen-⸗weiſe / wie die Unſinnigen zum Gerichte ges
drungen und gezwungen kamen gelauffen.
44. Denn der Eyfer deß Herrn / welcher ſich nach ihnen ſaͤh⸗
nete / zog fie zu ichs ihn hungerte nach ihrem Eitel den zu ver—
ſchlingen / darum lieffen ſie alleſamt / Jung und Alt hinzu /
uid wolten den Mund erkennen / dehn nach ihnen hungerte /
denn ſie wuſten in Blindheit nicht was ſie thaͤten / alſo zog ſie
der Grimm an ſich.
45. Und Loth gieng hinaus zu ihnen fuͤr die Thür — be
eg
Cap. 43. und Gomorralt: 397
ſchloß die Thür hinter ihme zu / und ſprach: Ach liebe Brü-
der / thut nicht ſo uͤbel / ſiehe ich habe zwey Toͤchter / die
haben noch keine Maͤnner erkannt / die wil ich heraus ge-
ben unter euch / und thut mit ihnen was euch gefaͤllig / al⸗
lein dieſen Maͤnnern thut nichts / denn darum find ſie unter
den Schatten meines Taches eingangen. Sie aber fpra-
chen / komm hieher / Du bift dereinige Sremdling hier / und
wilſt regiren/ wolan / wir wollen dich. baß plagen) denn jene,
46. Allyie iſt der Grund ihrer Sünde fein abgemahlet/
worinnen ihr Geſchrey ſey für GOTT kommen/ als nemlich
Unzucht / Tyranney und eigen Muthwillen/ und das gröfte
war Beratung GOttes / denn Loth hatte ihnen von der
Straffe gefaget / fo GOtt über fie würde gchen laffen: Se
fagten ſie / du biſt ein Fremdling / und wilft uns regiren/ wir
wollen dich noch baß plagen denn jenes Anzudenten/ daß ihnen
Gott zuvorhin auch habe Warnung gefendet durch Bothen ſei⸗
nes Mundes/ dag ftediefelben nur haften geplaget und verache
tet: Darum fagten fie auch zu Loth / wilftu uns regiren mit
deiner Drauung/ und unfer Werck verachten / wir wollen dich
kat plagen als jene.
47. Denn; als fie vernommen hatten] / daß Männer GOt⸗
tes zu Loth waren eingefehret / welche ihnen die Straff und
Untergang gedräust / ſo macheten ſte einen Aufflauffwider fie
und wolten fie töoten / wiedic dolle blinde Welt allezeit gethan
hat / fo ihnen hat GOTT Botten geſendet / die fie haben ge-
ſtraffet; fo hat die Antichriſtiſche Hure gefihrien : Lauffet /
lauffet / es ift cine neue Ketzerey da Die uns wollen anderft
lehren / und ſtraffen unſern Weeg / denwirgehen.
48. Eben alſo giengs allyier auch zu / der eigene abtrinnige Teu⸗
ſels⸗wille in feinem Schlangen-Enie wolfe ungeftraffer fenn ;
und weildiefe Männer waren kommen / fo ſchrien fie Mordio/
es wären falſche Propbeten und Schrer kommen fie zu ſtraffen
und fie zu verachten / wie die Babylenifche Hure aliezeit gethan
hat: Denn fie wil nicht hören was der Herr durch feine Rinder
redet / fondern man foll allein für Heyligthum achten was fie
aus der Schlangen Enteredet.
49. Diefe Hure hat fich mit dem buchftabifchen Worte be-
decket / und heiſſet fich heylig umd pranget in einem frembden
Kleide / aber ihr Herg ift nur Sodom und Gomorra / fichet
fie dieſe zween Engel von Abraham / das iſt / von Chrifte zu ſich
in ihr Sodom und Gomorra kommen / und ihre Schande auff⸗
R7 decken /
398 Vom Hntergang Sodom Cap⸗43
decken / fo macht fie auch Die gantze Stadt mit einem Mord⸗ge⸗
fhrey rage/ day alle Menfchen / jung und altzulauffen / und
denken / cs fey ein wunder Thier ankommen.
so. Und wenn fiedenn nichts neues an GOttes Botien fehen/
und hören fie nur lehren und fraffen 5 fo dencken ſie: DO! unfer
Prediger heift ihn einen Neuling / einen Ketzer / umd falſchen
Propheten: Es iſt ein Narr / und heben an ihn für cine Eule
zu balten/ und ſtuͤrmen auff ihn und fein Haus / auff Weib
und Kinder/ mit Schmähen und Verachtung / wiedie Sodo⸗
miterauff Loth: Ein jeder dencket / er thue recht / wenn er nur
dieſe Botten laͤſtert.
sr. Und ob er gleich keine andere Urſachen weiß / als daß ihn
der Hoheprieſter (welcher hat die Hure Babylon angezogen)
verwirffts noch ift eralfo rafend blind / und laͤſt ſich einen fals
fhen Wind (als der Huren Babylon Geift ) führen / und
wuͤtet in Unverftande wie allhie die Sodomiter / welche Jung
und Alt’ Klein und Groß auff Loth / und die zween Männer
(fo bey ihme waren eingefehret) drungen / ſte zu erkennen / zu
plagen / zu verfpotten und zuperhönen: Denn alfo treibet fich
der Zorn GoOttes in ein Feuer zufeiner Anzuͤndung: Alfo doif
müffen die Leuth werden wenn die Straffe kommen ſoll / dag fir
ihre Miſſethat allemachen.
52. Und ſollen dir / du unzuͤchtige / abtrinnige/ ei-
genwillige | leichtfertige / Ubgörtifebe / mörderifche
Babylon voll Lafter der Untugend nicht bergen] daß
anjetzo auch dieſe zween Engel] als Sottes Wahrheit
und Gerichte find in dich eingetreten / amd verfündigen
dir jegt am Ende des verborgengewefenen Siegels
Enochs in feinem jegt eröffnetem Schalle / deinen In:
tergang; Deum es ift die Zeit deines Gerichts vorhau—
den / und befiebe dich wohl] und mercke ebendarauff/
du haſt anjego Loth und den zweyen Engeln auch gethan
mit Spotten und Verachtung / wie die Sodomiter /
darum gehet deine Strafe daher; und mercke / wan
die Engel werden Loth von dir ausfuͤhren unter dem
rroͤffneten Siegel] fo iſt der Tag deines Unterganges
vorhanden / daß du jetzt nicht glaͤubeſt / aber in Jaͤmmer
erfahren muſt / ſaget der Geiſt der Wunder.
53- Man ehrt an deme gar eben / was der Sodomiter Un⸗
tugend
—
Eap.4z. und Gomorrali. 399
fugend und groffe Sünde fey gewefen/ welches Geſchrey war
für GOtt kommen / denn Loth wolte ihnen feine zwey Töchter /
welche noch Jungfrauen waren / heraus geben / daß ſie doch
nur ſolten vom Auffruhr wider dieſe Engels-Boten ablaſſen /
denn er wuſte wohl/ daß ſie in Unzucht gantz erſoffen waren /
ob ſie ſich doch moͤchten erluſtigen.
54. Die innerliche Figur im Geiſte zu verſtehen was Moſes
damit andeutet / iſt dieſes: Das Gerichte faͤhet am Hauſe
GOttes an / wie auch allhie beym Loth; die Kinder GOttes
muͤſſen von erſt ins Gericht geſtellet und probiret werden / ob
noch an einem Orth Kinder GOttes ſind / welche den Zorn moͤ⸗
gen auffhalten / daß die St raffe auffgezogen werde; So ſtellet
der Geiſt die Kinder GOttes in derſelben Stadt oder Landes
Safter / und probiret te / ob fie auch deſſelben Safters faͤhig ſind /
wie allhie.
55. Loth muſte ſeine zwey Töchter ins Gerichte mit erbieten
einſtellen / er wolle fte den unzüchtigen Leuthen geben zu probi=
ren / denn/ dag er ſolches ſagte war vom Geifte alfo ange
richtet / — die zwey Zoͤchter Loth im Gerichte hatte / und
die Proba in ihre Eflenz eingefuͤhret / und der Stadt Schan⸗
de hiermit angedeutet / wie fte nur unzuͤchtige Hurcisthiere
waͤren.
56. Als aber dieſe zwey Jungfrauen dieſer Laſter nicht faͤhig
waren / fo beſchirmete ſie der Geiſt / als die zwey Engel / vers
ſtehet GOttes Sehrh eit fuͤr dem Berichte diefes Volckes / und
auch für dem $afterder Unzucht: Denn es war nichtaus Loths
Fuͤrſaz allſo geredet / dag er feine Toͤchter wollte laſſen ſchan⸗
den / ſondern der Geiſt ſtellete feine Figur dar.
57. Und ſollet gar eben wiſſen / daß das erſte Buch Moſi 3
gank aus des Geiſtes Andeuten / was jede Geſchicht Inder Fi⸗
gur bedeute/ ſey gefhrieben worden: Ber die Gefchichte le=
fen und recht verſtehen wil/ der mug ihme den alten und neuen
Menfhen in fein Gemuͤthe modeln / und Ehriftum und Adam
gegensinander ſtellen / fo mag er alles verſtehen / und auffer
dein verſtehet er nichts Davon / alsnureine kindiſe he Hiftoria „
welche Doch alfo reich an Geheimnuͤſſe niſt / daß ſie kein Menſch
vonder Wiegen bis in das hoͤch ſte Alter ausſprechen moͤchte / und
ob er gleich den Verſtand haͤtte in der Kintheit dazu gekrieget/
nad wir in unfern Gaben auch nur andeuten / ob wir.
wohl den Sinn ergriffen haben / aus Gottes or
$
400 Dom Untergang Sodom Gap. 43.
fo Fan mans doch nicht alles ausfprechen! wäre auch
der Welt unergreifflich.
58. Und INofes ſaget: Die Maͤnner der Stadt drungen
hefftig auff den Mann Loth: Und da ſie hinzu lieffen und
woͤlten die Thür auffbrechen / griffen die Maͤnner hinaus
und zogen Loth hinein / zu ihnen ins Haus / umd ſchloſſen
die Thür zu / und die Männer vor der Thür am Haufe)
wurden init Blindheit gefehlagen / beyde Klein und Groß /
big ſie muͤde wurden / und die Thüre nicht finden Eonten.
509. Diefe Figur ift aufferlich alfe gefchehen / daß fte mit
fihtbahren Augen muͤſſen an der Thür blind ſeyn / und Seth
ſambt den zwey Mannern/ ſambt feinem Haufe Einen Schaden
zufügen: Aber im Geifte ſtehet die Figur alſo:
60. Wann GOTT viefe zwey Engel/ als feine Wahrheit
und das Gerichte in eines Menfhen Geift / als in das Haus
feines Hergens ſchickt / wie allhie bey Loth geſchahe / (da auch
Der Geiſt / als Gottes Wahrheit und Gerichte in ihme offenbahr
ward / deßwegen er Sodom ftraffte/ um welches willen fie ihn
umbringeten zu ermorden) fo gehet erfilich das Gerichte über
denſelben Menſchen / der wirddiefen Sodemitern fürgeftellet /
als wäre erein Narr / den muͤſſen fie zuängften und zudraͤngen }
und ohne Unterlag auff ihn ſchelten / ihn für falfch richten.
61. Er aber muß fie ſtraffen und lehren / und er hat keinen
aufferlichen Schuß von Menſchen / fie werffen alle mit Koth
ihres Mundes auff ihn / und die es wehren folten / lachen deſſen:
Er fichet wo er hin wil / fohat er feinen Erretter. So meynet
Der Poͤbel / GOtt ſtraffet ihn alſo.
- 62, Aber dieſe zween Engel ſind bey ihme in feinem Hertzen /
und ſtehen in feiner Perfon/ als in ihrem Gefaͤſſe und Werck⸗
zeug mitten unter den Feinden; der Poͤbel aber aͤngſtiget ſich in
Muͤhe gegen ihme / ihn und ſein Haus zuvertilgen.
63. Und wenn es zum Ernſt komt / ſo greiffen dieſe zween
Engel hinaus in der boßhafftigen Menſchen Hertzen / und ſchla⸗
gen ſie mit Blindheit / daß ſie irre werden und nicht wiſſen /
wie ſie ſollen dieſem Loth und den zween Engeln beykommen /
einer ſpeyet diß / ein anderer das; Einer ſaget er iſt fromm / der
ander laͤſtert ihn / alſo lange / biß ſie die Thuͤre nicht finden koͤn—⸗
nen / darinnen ſie wollen zu ihm einbrechen / und ihme Schaden
zufügen: Denn dieſe zween Engel verſchlieſſen ihn in ſich / dag
fie die Thuͤr der Rache wicht ſehen / wis ben Loth zu ſehen iſt / wie
Gott
|
*
Cap. 43. und Gomorra ꝛc. 401
GOtt ſeines Mundes-Botten errettet / und ſie vor den Feinden
verbitget / und dieſe Feder wohl erfahren hat.
64. Und dieſe Maͤnner ſprachen zu Loth: Haſtu noch
bier irgend einen Zydam und Söhne und Toͤchter / und
wer dir angehöret inder Stadt / den führe aus diefer Stät-
te/ denn wir werden diefe Stätte verderben / darum daß
ihr Geſchrey großift vor dem Herren / der hat uns gefandt /
fie zuverderben: Da gieng Loch hin und reder mit ſeinen
Eydamen / diefeine Töchter nehmen folten : macher euch.
auff/ und gehet ans dieiem Orte / denn der Herz: wird dieje
Stadt verderben ; aber es war innen lächerlich.
65. Diefesiftein fein Spiegel/ wie GOTT auch diefe Leu⸗
the noch warnen kaft/ und wolteihrer um Loths willen verfcho=
nen / fo ſte nur hätten folgen wollen: Aber der Grimm hatte fie
gefangen und gang verſtocket / dag ſie ihn nur verlachten / und
werden geſaget haben; was iſt dem Narren wiederfahren; cr
dencket der Himmel werde einfallen.
66. Die innerliche Figur ſtehet alſo: GOttes Wahrheit in
der Liebe zoch dieſe Maͤnner / Loths Eydame / und wolte ſie
erretten / aber der Grimm war ſtaͤrcker in ihnen / und hatte fie
gefangen in der Probaihres Hertzens: Sie blieben im Gerichte
ſtehen / wie Loths Weib / welche doch Loth biß fuͤr die Stadt mit
hinaus fuͤhrete / noch dennoch zog ſie der Grimm wieder ins Ge⸗
richte / daß ſie muſte (weil fie war won Feur⸗ſchwerde um
Loths willen erlediget worden) in eine Verwandelung gehen /
bigzumlesten Gerichte / welches ein ſchrecklich Exempel iſt.
67. Bey diefer Figur mag ihr die jetzige Welt einen
Spiegel nehmen: Denn gewiß und ſo wahr als Loths
Predigt wahr war / und die Straffe darauff folgete /
alſo gewiß wird die Straffe des ſechſten Siegels Zahl
(welches Siegel anjeßo am Ende ift und fich ſchon hat
eröffnet] ) auch plöglich erfolgen.
63. Daß aber die Warnung anjetzo it fo lange vor:
ber gegangen] ift die Andeutung / daß des ſechſten
Siegels Zeit in ihrer Offenbahrung die aller wunder:
lichſte iſt unter allen diefen ſechs Siegeln / biß auff
die ſiebende Zahl: Die iſt noch wunderlicher: Denn es
iſt dieſer Welt Ende und das endliche Gerichte. |
vor
402. Wie Loth fey aus Sodom gangen! C. 44.
69. Das ſey dir Babel gefaget / unter der Stimme
des offenen Siegels diefer fechiten Zahl / ob du es gleich
verachteſt und verlacheſt / es trifft dich/ und hat dich
fihon mit ver Verſtockung des Grimmes / welcher dich
hat durchfichter / in Erſcheinung der Bottſchafft | die:
fer zweyer Engel getroffen | und wirdanjego nur noch
den wenigen angedeutet! welche mit Loths Töchtern
ſollen ausgehen und erzettet werden.
70. Der verſtockte ergriffene Hauffe iſt fibon genr-
theilet denn das Schwerd der Sichtung hat fie er:
griffen / fie lauffen jeso als die rafenden unfinnigen
Leute in Hoffahrt / Geis und Neid | und verachten der
Engel Poſaunenſchall.
71. Das geſchrey ftehet jegt in der Engel Pofau:
nenſchall / alfo: Gehet aus von Babel] Gehet aus
von Babel! Gehet aus von Babel. Sie ftehet im
Feuer-Schwerd ergriffen] Amen.
Das 44. Capittel.
Wie Loth fey aus Sodom gangen / und vom ſchreck⸗
lichen Untergange dieſer gantzen Gegend in Hams
Geſchlechte / und was ſich hierbey hat zugetragen /
auch wie das ſey geſchehen. |
Genef. 19.
I. Es der Grimm des Berichts jest anbrandte und
es Morgen Tag war / Daß die Sonne ſchiene /
J und jederman Dauchteesift Friede / und hat kei⸗
Ane Noth / hieſſen die Engel den Loth eylen / und
ſprachen: Nimm dein Weib und zwey Töchter
Die vorhanden find/ Daß du nicht auch umkommeftin der
Miſſethat die er Stade / und da Loth verzog / ergriffen die
Maͤnner ihn und ſein Weib / und ſeine zwo Toͤchter bey der
Handt / darum daß der Her: fein ſchonete / und fuͤhreten ihn
hinaus / und lieſſen ihn drauſſen vor der Stadt.
2. Die innerlihe Figur ſtehet alfoz Der Geift im Moſe
fest Die Figur alfo Elar / daß man die greiffen möchte: 2 h
age
E.44. md vom Unterg. diefer Gegendhr. 403
faget/ alsesjert Morgen Tag war / und die Sonne war auff>
gangen / hieffen die zwey Engel Loth eylen/ und als er ih
verzogen hatte / nahmen ſie ihn bey der Hand / und führten ihn
und fein Weib und Töchter forth: Und wie nun die F Figur von
auſſen / mit dem auffgangenen Tages und Sonnen⸗liecht war /
und mit der Draͤuung zu eilen: Alſo war ſie auch innerlich in
GOttes Wahrheit und Gerichte.
3. Als in der Wahrheit war in Seth und feinen zwey Töc-
tern / das Siecht des Verſtandes vom Mieffia in GOttes ABahr>
heit aufgegangen / welches Loths Töchter wohlerfannten / dag
fihs in GOttes Wahrheit haftein ihrem Vatter Loth bewe>
get / aus welcher Urfachen ı fie hernnach als fie waren vor
Sodom ausgangen/ unddie Nacht herbey kommen war / ihren
Daiter voll füffes Weins traͤncketen / und fich zu ihme legeten /
dag fie Saamen ale den heiligen Saamen von ihme empfiengen:
Denn der Geift/ beydes in Loth und in feinen Töchtern / hatte
diefes alfo in ihrem auffgegangenen Liechte angedeutet/ und
ihnen das gezeiget.
4. Und wie nun von auffen war die Sonne auffgegangen /
und lieg fich ein lichlicher Tag anfchen: Alfo war auch im Ins
nern in Gottes Wahrheit die Bundes-Sonne nach der Probas
tion inihrer Eſſentz auffgegangen / alsder heilige Sonnen-Tagf
denn fie waren jeßt durchs Gericht durchgegangen / alfo auch
hingegen war in den Kindern zu Sodom jegt der finftern Welt
Eigenfchafft Sonne / als die Würdung GOttes Zornes auff>
gegangen und drang mächtig in GHtted’ Gerechtigkeit:
Darum hieffen die Engel Loth eilen : Denn die Sonne deg
Zornes war fchon aufgegangen / und hattedie Kinder der Boß⸗
heit ergriffen.
5. Gleichwie die heilige Sonne in GOttes Wahrheit 7 welche
Loth und feine Töchter hatte inder Glaubens Eſſentz ergriffen /
doth und ſeine Toͤchter bey der Handt nahm / und von ihnen aus⸗
fuͤhrete; Alſo auch hatte der Grimm ſchon die Kinder in So—
dom ben der Handtihrer Eſſentz / und führete ſte ins Gerichte der
Execution, Und wollen dir Babeldiefe Figur auff dei—
nes Siegels Zeit deuten: Mercket darauff ihr Töchter
und Kinder soth: Es gilt euch.
6. Wann GOtt ein Sand ftraffen wil / ſchicket er ihnen erſt⸗
lich Boten] und laͤſſet fie zur Buffe mahnen / und verkuͤndiget
ihnen feine Genade: Hernach ſchicket er auch balde den Engel
dir
404 Wiedoth fey aus Sodom gangen / Cap.44.
der Gerechtigkeit / der ſie ſichtet / ob ſie auch der angebottenen
Gnade faͤhig find / und ſtellet ihnen das Gerichte für mit
Draͤuung ihres Unterganges / auch mitandeuten groffes Kries
ges und Plagen / wie er ſie vertilgen und ausrotten wil / wo fie
nicht umbkehren und Buffe thun / und zeiget ihnen durch feine
Botten das Sicht und den Weeg der Gerechtigkeit / und laͤſt
fie eine weile in dem angebottenen Liechte hinlauffen / bit fie deß
uͤberdruͤſſig werden / und nur für ein gemein Ding und Hiftoria
halten / und wieder cin Sodom werden.
7. Asdan fihicker er die zween Engel zugleich: Alsden En=
gel des Gerichts / und den Engelder Wahrheit / und laͤſſt ihnen
ernſtlich draͤuen / und ſie vermahnen / und ftelet ihnen auch das
Bericht für: wenn fie aber nur Sodom find / fo läffet er von der
auffern Figur abe / und läffet fie das Maas vollmachen; ſo laͤſ⸗
ſet ſichs dan anſehen / als wäre ihnen die Sonne in ihrem So⸗
dom auffgangen /und werde nungutwerden: Sp fpricht alsdan
der Engelder Wahrheitin feinen Kindern / eyletund gehet aus /
die Straffe und der Untergang ift da.
3. Alſo fagen wir dir Babel] SOTT hat dir fihon
bang Botten geſchicket und mit Andeutungdes Evan
gelis ſeine Gnade angebotten! div auch dabey mächtig
mit der Straffe deines Unterganges gedräuet] aber dur
haft aus ven Liechte des Euangelii nur ein Zanck⸗
Babel gemacht / und bift jegt das wolgemäfte So⸗
dom.
9. Und wife gewiß / daß dir der Her: hatjeso die
ziven Engel zur Letze geſchickt / einer hat die Wahrheit
in ſich / und heiſſet Loth mit feinen Töchtern aus Sodom
gehen] und der ander hat das frenge Gerichte] und
hat dich jest zum letztenmahl aefichtet } und deinein:
wendige Signatur heraus gedrähet amd für den Herren
geſtellet / und dein Mord-geſchrey it fir den Hoͤchſten
Fommen/ und iſt ſehr groß / der hat feinen Engel gefandt
dich zu verderben / und die Stätte umbzudraͤhen.
so. Deine Signatur, damit dur jego biſt von auſſen
bezeichnet / iſt der groſſe Geis und Neid] mitdem bo:
fen Selde deiner Wehrung / und deine groſſe Grim⸗
migkeit deines Trangſals des Slenden | ————
Cap. 44. und vom Unterg.dieſer Gegend/rtc. 405
dein Geitz hat alſo hoch geſchwungen / in willens alles
in ſich zu freſſen / daraus deine groſſe Steigerung aller
menſchlichen Notthurfft iſt entſtanden.
11. Du aber ſprichſt / ietzt iſt es gut / die Sonne iſt
mir auffgangen / und ſcheinet in meinen Sack / daß ich
dhen kan fuͤllen wie ich wil / es iſt gute Zeit vor mich / es
wird nun gut werden / ich wil mich deſſen wohl bedie—
nen / amd in Gewalt der Hoffarth auffſteigen / und ſe—
hen laſſen.
12. So hoͤre nun / was der Poſaunen⸗ſchall jetzt ſa⸗
get: Er ſpricht / gehe aus von Sodom / des Herren Zorn
iſt angebrannt / die Sonne in tiebe und Zorn ift auffge⸗
gangen/ das wollen wir euchnicht bergen: Der Engel
der Wahrheit hat Loths Töchter | famt dem Batter und
feinem Weibe jest fibon bey der Sand gefaffet / und
heiffet fie gehen | es ift Zeit] das wirſtu Sodom bald
mit Sammer fehen.
13. Denn der Engel des Zornes hat dich auch ins
Gerichte gefaffer] darumb biftu alfo grimmig / geigig/
mordifih und falfih: Beſchaue dich nur ob wir dir die
Wahrheit ſagen /du macheſt dir eine groffe Zehrung in
deiner Signatur, daf du im Abgrunde einen Borrath
haft : Wer fehen mag der fehe/ in wehme nur ein Fuͤnck⸗
lein Sehör der Poſaunen ⸗ſchall erſchallet ift / der gehe
aus Sodom: esiftfeinharrenmehr.
14. Und Mofes faget weiter + Und als er Loth harte hinaus
gebracht / fpracher : Errette deine Seele und fiehe nicht hin⸗
ter dich / und ftehe auch nicht in diefer ganzen Gegend / auf
dem Berge errette dich / daß du nicht umbEommeft. Aber
Loth ſprach zu ihme: Ach mein Her: / fiehe weil dein Knecht
Genade finden hat vor deinen Yugen / fo wolleftdu deine
Barmhertʒigkeit groß machen/die du an mir gethan haſt / daß
ou meine Seele bey dem Leben erhielteft : Ich kan mich nicht
auff Dem Berge erretten / es möchte mich ein Unfall ankom⸗
men / daß ich ftürbe / ſiehe da iſt eine Stadt nahe / dareinich
fliehen mag / und iſt klein / daſelbſt wil ich mich erreften /
iſt ſie doch klein / daß meine Seele lebendig Pen DR
prach
406 Wie Loth fey ans Sodom gangen! C.44.
ſprach er zu ihme / fiehe ich habe auch in diefem Stuͤcke dich
angeſehen I daß ich die Stadt nicht umbkehre / Davon du ges
redet haſt / eile underrette dich daſelbſt / denn ich kan nichts
thun biß daß du hinein komſt: Daher iſt die Stadt genannt
Zoar / und die Sonne war auffgegangen auff Erden / da Loth
gen Zoar kam.
Die innere Figur ſtehet alſo.
15. Der Geiſt der Wahrheit hatte den Geiſt im Bunde in
Sotygerüget/ und bey feiner geiftlichen Hand genommen / und
aus dem Gerichte geführet / verftehet die Seele Loths / in wels
eher fich hatte das verheiffene Wort im Bunde nach geiftlicher
Eigenfchafft eröffnet / in welchen die jest geſandte Stimme der
Wahrheit und des Gerichts eindrang / und Loth fuͤr und in dem
Gericht beſchirmete.
16. Denn mit dem Gericht war das erſte Principium als das
Seeliſche Centtum geſichtet und probiret durch alle Eigenſchaff⸗
ten der ewigen Natur: In dieſes ſtellete ſich des Herrn Hand / als
der Engel des Herrn mit der Gnade Chriſti des Bundes in A⸗
braham ein / und zohe Loth aus den Gerichte/ und von den Kin
dern Sodem: Darumb ſprach der Engel/ errette dich/ und fiche
nicht hinter Dich ins Gerichte / als in den engündeten Grimm]
daß Dich der nicht fahe; wie Loths Weib gefchahe / welche ihre
Begierde wieder zurück wandte zu ſchauen was doch des Hera
— waͤre.
7. Wie Adam und Lucifer dergleichen gethan haben / welche
— Gottes als ver ewigen Natur Grimm eflentialirer ſchauen
amd probiren wolten/ welcher doch ein verzehrend Feuer ift/ und
zuhand Geift und Leib probiret / undfocr etwas erreichet / deſſen
er fähig ift/ das in fich verfchlinget.
28. So ſtund jest die Seele Loths in Zittern vor dem Engel
des Gerichts als vor Gottes Gerechtigkeit/und bat) ſeine Wahr⸗
heit / cr wolle doc) feine Barmhertzigkeit im Bunde uͤber ihn
groß machen / daß ihn nicht etwa die Turba möchte ergreifſen:
und iſt cin ſchoͤn Erempel/ wie Gott feine Kinder in Zeit der
Straffe in feine Liebe faſſet / befchirmet / und vondem groffen
Verderben außführet/ wie er Soth und den frommen Kindern
im endlichen Untergange Jeruſalem thäte.
19. Auch fagte der Engel der Rache: Ich kan nichts thun biß du
hinauß komſt. Ach du wunderlicher GOtt / wer kan dir wehren ?
Iſt aber chen dieſes daß der Geiſt feiner Liebe mn Bunde k 24
ahr⸗
C. 44. und vom Unterg dieſer Öegendie. 407
Wahrheit fihhatin $othgeftellet/ und den Zorn auffhielt / dag
er nicht konte brennen / big Loth daraus kam.
20, Umd fichet man wie die Kinder Gottes offterg groffe
Straffen Gottes Fönnen aufhalten / welche eine Macht in ihnen
fey / daß auch) Gottes Zorn nichts thun koͤnne / und gleich une
mächtig ſey / wo die noch vorhanden find: Alfo auch find fie eine
Macht wider Hölle und Teuffel/ denn cin ſolch Ding ift der
rechte Glaube) dag erfan GOtt in feinem Zorn auffyalten und
bewältigen.
21. Darumb fagte der Herr zu Loth / ich kan nichts thun /
du geheft denn hinauß / und verfchonete auch des Stättleins Pels
fa oder Zoar genannt / als eine Abwendung des Zornes umb
Loths willen / denn als erdahin kam / mufte die Turba erlöfchen/
wie es der Name im der uncompadtirten ſenſualiſchen Zunge
auffpricht.
22. Da ließ der HErr Schwefel und Feuer regnen von dem
Ham vom Himmel herab auff Swom und Gomorrha]
und Eehrete die Stätte umb/ die ganse Begend/ und alle Sin⸗
wohner der Staͤtte und was auff dem Lande gamachien
war: und fein Weib fahe hinter ſich / und ward zur Sala»
Saule.
23. Diefes ift nun die Figur des Reiches Chrifti / welcher fih
hatte Abraham im der Siche eröffnet / wie er wolte das Gerichte
über die Welt halten / und wie ihme fen die Macht von GOTT
gegeben worden / dag er folledem Teuffel fein Reich auff Erden
zerſtoͤren / und alle Gottlofen dem Zorne Bottes zu verfchlingen
geben: danır als er fich hatte Abraham voffenbahret/ und den
Bund der Gerechtigkeit beftättigef/ fo ſchickte er dieſe zween
Engel als GOttes Wahrheit und Gerichte gen Sodom/ die
Kinder Hams als böfe abtrünnige / halb Teuffels-:Menfchen /
zu vertilgen/ auff daß des Teuffels Reich gefhmäglert würs
de / und nicht alfo groß auff Erden wachſe / und fein Reich
werhindere,
Die innere Figur ftehet alfo:
24. Es regnete Schwefel und Feuer vom HErin / vom Him⸗
mel / faget Mofes / das ift nicht das innere höllifche Feuer ge>
weſen / welches am Ende der Tage follden Tennen fegen / fonft
waͤren die 4. Elementen verwandelt worden / es war nureine
Figur des Künfftigen: Des Schwefels und Feuers Urftand
war in Turba Magna , als im dritten Principioerbohren/ num
ein
408 Wie Loth ſey ans Sodom gangen / C.44.
ein Rach-⸗Schwerd war es: Das innere Feuer verzehret Erde
und Steine / und alle Elementa / dieſes aber war nur ein Feuer /
wie im Schauersfihlag ſich erbieret in Turba Magna, im Egelt,
daß das Geftirme von fich ſtoͤſſet welches eine Mareria darzu iſt /
ob es wohl fein greifflich Weſen iſt / foifts aber doch ein geiftlich
Weſen / in welchem ſich Mercurius im Salniter, alsim Feuer⸗
Schrack anzuͤndet / da ſich denn der Schrack in eine Subftant oder
Weſen faſſet / welhes Schwefel ift.
25. Denn die drey / als Sulphur , Mercurius unddie Saltz⸗
ſchaͤrffe / ſind im Urftande / alsjienoc ein Geiſt find / nur Ein
Ding: Wenn fich aber Mercurius, als der Schall des geforin=
ten Worts im Principio, als in feinem erften Urftande / Durch
einen Gegenblick beweget / fo erſchrickt er in fich / das iſt die Be⸗
wegung rügerden Urſtand der Hige umd Kalte / alsden Urſtand
des erften Principii nach dem Ealten und higigen Feuer / welches
der Anfang der Widerwertigkeit und des Erſchreckens ift / da⸗
vonder Feuer⸗blick oder falnitrifhe Schrack entftchet / da fich
die drey erften/ als Hitze / Kälte/ und der Schall / ein jedes in
ein eigen Wefen im Schradimpreffen md einführen: Als die
Hike in Schwefel/ und die Kalte in falgifche Art/ und ver
Mercurius in wafferifche Art / und da fte doc nicht gang geſchie⸗
den werden / und einjedesdes andern Weſen hat / aber nach eis
ner Eigenfchafft fir wird.
26. Alfo ift uns allhie vom Schwefel-fener zur verftchen : Der
Grim̃ des erften Principii, als Gottes Zorn / nach der ewigen Na⸗
tur erblicke die AuffereNatur im zten Principiohnit einem Blicke/
welcher Turba Magna heiffet/als eine Turba in der Seelen der äufs
feren Welt / im Geifte der Natur / davon fich die äuffere Natur
anzuͤndete / und fich die drey erſten in ein Weſen fafferen / als in
Schwefel / Saltz / uñ in ein Mercurialiſch Gifftwaſſer / in welchem
ſich der Schrack oder Blick des Feuers anzuͤndete uñ ſich impreſſe⸗
te / und alſo angezündet uͤber Sodom und Gomorra / und über alle
Gegend dieſesLandes regnete / uñ alles verderbte: das heiſſet / Der
HErr ließ Schwefel uñ Feuer vom HErrn vom Himmel regenen.
27. Nicht iſt dieſe Materia des Schwefels und Feuers vom in⸗
nern Himmel kommen / ſondern der Grimm fan aus dem In⸗
nern ins Aeuſſere / dag ſich Das Aeuſſere in Macht des Innern
aus den Eigenſchafften des Innern faſſete und anzuͤndete: und
iſt ein warhafftig Bilde der innern finſtern Welt / fo ſich dieſel⸗
be Natur beweget / ſo iſt fie in geiſtlicher Eigenſchafft alſo / wel⸗
che GOtt feinen Grimm und Zorn nennet / und ein a
euer
E.44. und vom Unterg dieſer Gegendize. 409
Feuer / denn fo fich dieſelbe innere / geiſtliche finſtere Welt be—
wegte / fo würde die auſſere Welt zuhand mit den vier Elemen⸗
ten im felken Geiſt⸗Feuer verſchlungen / welches am Ende der
Tage geſchehen ſoll.
28. Und haben wir deſſen allhie an Loths Weibe / welche zur
Saltz-⸗Seule ward / eine Figur / dag ſich die drey erſten hatten
beweget / denn ſie ward / nachdem ſie zuruͤck in die Tutbam ſahe /
in dein Saltz-Geiſte in ſeiner Iwpreſſios ergriffen; das deutet
an / daz ſie iſt derſelben Eigenſchafft am mehreſten geweſen als
in der Begierde Geitzig / in welcher fie auch war in der Engel
Sichtung ergriffen worden.
29. Und weil ſie der Engel hatte fuͤr demgeuer⸗grimm beſchir⸗
met / fo ward ſie doch im Grimme der Natur ihrer ſelbſt-Eigen⸗
ſchafft ergriffen / als Turba Magna ergriff den Leib / als des drit⸗
fen Prineipii Weſen / und tranſmutirte es in feine ſelbſt-Eigen⸗
ſchafft / als in die Macht des erſten / fo in ihrem Leibe Primas
war / nach welcher Eigenſchafft ſie auch in der Turba ergriffen
ward.
30. Und ſollen uns das nicht frembd einbilden / denn wir ha⸗
ben deſſen in der Schrifft vielmehr: Sehen wir Ufam an / wel⸗
cher bey der Bundes-Lade / als er die nur anruͤhrete / ergriffen
ward / als der Grimm Gottes noch im Schalle und beweglich
war; ſehen wir an / wie er die Philiſter angriff / als ſie die
Bundes-Lade bey ſich hatten. Item / Cora / Datan und Abi⸗
ram beym Mofe in der Wuͤſten: Es hat alles einen Urſtand /
aber ein jedes in ſein eigenes / nachdeme die Tutba ange zuͤndet iſt
unter den drey erſten.
31. Hatte aber Loths Weib das Wort der Wahrheit und der
Barmhertzigkeit in der Bottſchafft des Engels ergriffen / es haͤt⸗
te ſie wohl beſchirmet; weil ſie aber unglaͤubig war dehme / was
die Engel ſagten / und ihr vielleicht ihr zeitlich Gut belicbere /
welches fie alles folte verlaffen / und wieder zuruͤckſahe / und ſich
nachdem Zeitlichen fähnete / fo ergriff ſte auch die Turba der Zeit/
dag fie nach dem Weſen des Leibs mufteindererften Maieria
(darausdorh GOtt hatte den Limumausder Erden außgezogen /
und in ein geiftlich lebendig Bild formiret) fteyen bleiben / biß
der Herr daffelbe Weſen wird wieder in ein geiftlih Weſen
tranſmutiren.
32. Und geſchach zudem Ende / daß doch der Menſch ſolte ſe⸗
hen / was er nach dem aͤuſſern Leibe iſt / fo GOtt ſeinen Geiſt
daraus entzeucht / und daß er des Hertzens Grund fordere / und
S nicht
410 Wietoth ſey ans Sodom gangen/Eap.44:
sticht nur eine Mundheucheley / daß man ſich der angebottenen Ge⸗
nade nur troͤſte / un dieſelbe als cin Genaden=gefchend von auſſen
annehmen ſolle / und im Geiſte und Willen ein boͤſes Thier bleiben.
33. Wie die jetzige Babyloniſche Chriſtenheit / welche auch
mit Loths Weib die Genade nur von auſſen annimt und ſich der
Genaden troͤſtet; bleibet aber im Hertzen in der Selbheit und
Fleiſches⸗Luſt unabgekehret / und hat ihre Augen nur gegen So—
Dom gewendet / iſt aber mit dem Munde aus Sodom außgan⸗
gen / und das Corpus iſt noch zu Sodom / und ſiehet mit Loths
Weib in den Geitz und zeitliche Wolluſt / und wil nicht mit dem
Hertzen aus Sodom außgehen.
4 Darumb ſaget der Engel der Wunder: Du biſt
geſichtet und in der Turba ergriffen worden / du biſt des
Schwefel⸗Feuers fähig: Deine Mund:heucheley daß dur
ſageſt / du ſeyeſt von Babel uñ Sodom außgangen /huͤlf⸗
fet dich nichts / du biſt nur mit Loths Weib in den drey
Erſten gefangen; weil du nur nach den dreyErſten hun⸗
gerſt / und den Geiſt Chriſti zu einem aͤuſſerlichen Deck⸗
mantel braucheſt / und nicht in dir hoͤren wilſt / was jetzo
der HErr redet / ſondern hoͤreſt nur was der Antichriſt in
ſeiner Hoffart Geitz / Neid und Zorn redet / wie du moͤ⸗
geſt dem irrdiſchen toͤdtlichen Abgott Maozim / als ei⸗
gener Liebe / eigenem Wollen / eigenem Sinn gefallen.
35. Du ſucheſt und ehreſt nur den aͤuſſerlichen Ab⸗
gott / als Silber und Gold / Kupffer und Fuͤlle des
Bauchs / zu deiner uͤppigen und ſodomitiſchen Wolluſt;
Und derſelbe Abgott iſt auch umb deinet willen geſichtet
worden / und iſt dir nahe und ferne worden / und du ver⸗
ſteheſt es nicht was es bedeute; du ſprichſt / es iſt ohnge⸗
fehr alſo und mag wohl gewendet werden / weiſt aber
nicht was damit figniret ift.
Die allerinmerlichrte Figur don Loths Weib / dag fie
zur Saltz-Saͤulen worden [ift diefe:
36. Als diefe zween Engel von Abraham) als vom Geift Chri⸗
ſti / gen Sodom zu Loth kamen / und er fich vor dem Herrn zur
Erden bückete / und diefe Engel batt bey ihm einzuziehen / fo 50>
gen fie nach Göttliher Eigenfchafft Eſſent ialiter bey ihm ein ‘
an
Eup.44. und oontinterg.diefer@egendiac.4tr
auff Arth / wie bey dem Abraham mit dem Glaubens»Ente, alſo
auch) hie/ denn es war ein Bund: Aber in Abraham ward der
Saame zur Perfon Ehrifti genannt und nicht in Loth / wie Moy⸗
ſes gar vielmahl ſaget.
37. Loths Glaube fing den Ens von dem Engel / welcher ihme
denfelben aus Abrahams GlaubenssEnte brachte / denn von ei⸗
nem / als von dehme / welcher fich in Abraham bewegte / follen
fie alle geheiliget werden. So war num jegt Loth durch der En⸗
gel Gefhäffte / verftchet geformte Engel aus göttlicher Eigen»
ſchafft aus Chriſti Ente und Wort geſandt / geheiliget/ als ein
Anenckel oder Rebe am Ente Abrahams.
38. Und weil Loths Toͤchter dieſer Heiligung faͤhig waren /
und aber die Mutter nicht / ſo muſte die Mutter wieder in die
erſte Materia gehen / und muſte Loth ſich mit ſeinen Toͤchtern
miſchen in dem gefeegneten Saamen / denn fie waren deſſen faͤhig /
und ſonſt kein Menſch in der Welt: Denn es ſolten zwey maͤch⸗
tige Gefchlechter daraus entſtehen / als die Moabiter und Am⸗
moniter / ein groffes Bol: wie denn der Beift im Moyſe gang
verdeckt von Loths Töchtern redet / dag eine zur andern ſaget;
fiche/ esift kein Mann mehr der uns befchlaffe nach menſchlicher
weiſe / folaffet uns unſerm Batter ſuͤſſen Wein geben / und als>
denn wollen wir uns zu ihm legen / daß ers nicht gewahr werde/
auff dag wir Saamen von unferm Vattererhalten: Denn die
Mutter ward diefes H. Saamens nicht fähig / weilte war in
der Sichtung / in der Turba ergriffen worden.
39. So würdedie Vernunfft ſagen: Warumb haben fich die
Toͤchter Loths nicht mit Abrahams Geſchlecht vermiſchet / und
eben mit dem Vatter wider der Natur und aller Völker Recht
und Gefehe ? Das mochte nicht feyn / denn in Abraham war der
Saame Ehrifti genannt; Nun aber lagen noch zwo andere $i>
wien im Saamen Ehrifti / als Auenckel / welche folten aus Abra⸗
hams Glauben gebohren werden / als aus Ehrifto / gleich wie
Abrahams Glauben war aus JEHOVA, aus den Namen
Jefuerbohren worden: So waren diefes Anendelim Baum der
Wunder / welche folten aus Gottes Wahrheit und Gerechtig⸗
keit entfprieffen/ und in die Siebe Jeſu eingeführes werden: Dies
fe Eröffnung brachten die Engel zu und in Loth / welche Eroͤff⸗
nung in Loths Saamen aufdrang.
40. Weil aber feine zwey Töchter waren mit in dieſem Ge»
richte beftanden / und waren in diefem Geifte / der lich in Loth
eröffnet / mit ergriffen worden / ge eben auch diefe Eigenfchaff-
2 an
**
wa.
412 WiedLoth ſey aus Sodom gang.ıc.Lap-44.
ten empfangen / als ihr Batter / fo ſolte es alſo ſeyn und war
von Gott alfo beſchaffen / daß dieſe zween Soͤhne Ammon und
Moab muſten von einem Saamen / von zwey Schweſtern ge⸗
bohren werden / denn ſie ſolten zwey Voͤlcker aus zwey Linien der
Natur ſeyn / aber aus einer Wurtzel.
42. Daßesaber der Geiſt im Moyſce alſo zudecket / und faget/
die zwo Töchter haben den Batter voll ſuͤſſes Weins getraͤncket /
daß er nicht habe gewuſt was er thäte/ und waren alſo in des
Batters Trundenheit vom Vatter fhwanger worden / welches
doch wunverlich fühe ohne Gottes Werd) das ift alfo zuverftes
hen; „nicht dag es nicht alfo ergangen ſey / es iſt alſo ergangen
wie der Text im Moyfe faget/ aber das war cin Werck des
Geiftes Gottes / und decket alfo hiermit die aufferliche
Scham zu.
42. Danndas äuffere Werck iſt vor GOtt ein Schaam / und
auch vor allen Völkern / aber das innere Werck in feiner Figur
muſte alſo ſeyn ; und iſt die wahre Figur / dag der Menfch Chri⸗
ſtus/ als Gottes Sohn folte auch durch eine Schaam gebohren
werden/ welches vor GOtt auch eine Schaam war: Aber er
nahm alfo unſer Schaam und Schande auff fich/ und hängete fie
alseinen Fluch ans Ereußes Stanm / und opfferfe fie der Ge—
rechtigkeit Gottes auff / fo muften auch diefe zwey Linien mit ei⸗
ner Schaam bedeckt ſeyn / auff daß ſie alle einig und allein unter
Chriſti Schaam an Creutz geheiliget wuͤrden; und ſie nicht ſa⸗
gen duͤrfften / fie wären rein vor GOtt und der Natur: Denn
Die Schrifft faget / er hat fie alle unter die Sünde befchloffen /
daß er fich aller erbarme.
43. Und daß folches wahr und gewiß ein Werck Bottes gewe⸗
fen ſey / fo fichet man das an dehme / daß eben an demſelben Tas
ge war die Mutter zur Salsfeulen worden / und Sodom unters
gangen / ohne zweiffel mitihrem Haab und Gut: Dap jie eben
auff diefelbe Nacht diefes zum Werck richteten / da fie doch nur
auff einem Berge bey Zoar in einer Hölen über Nacht blieben /
Daß fie wohl nicht wird der Kiel geftochen haben.
44. Aber alfo muſte es feyn / dag der Batter runden wür-
de / daß es nicht menſchlicher Verſtand thäte/ fondern dag es
Gottes Werck ſey; auch daß die Seele Loths in der Tinctur des
Saamens nicht mit der Schaam der Toͤchter turbitet wurde / ſo
muſte es gleich wie in menſchlicher Trunckenheit und Unverſtan⸗
de geſchehen / auff daß nicht die Voͤlcker ein Recht oder Gewohn⸗
heit darauß machten: Denn auch Die Töchter waren alſo im Mr.
t
Cap.45. Wir Bott Abrah. fo wunderl. 1c. 413
ſte wie truncken / auff dag der. Geiſt thäte was er wolte/ und fie
nur cin Werckzeug wären, i
45. Daß fie das aber verftunden / dag der Vatter warege>
heiliget werden/ und fie gerne hatten des heiligen Saamens -
empfangen / fichet man an dehme / dag fie fagten / cs ware fein
Mann mehr, der fie koͤnte nach Menſchen weife beſchlaffen / fo
wolten jte Jich zum Vatter legen / daß fie Saamen zeugeten. Es
waren wohl viel Menfihen auff Erden / aber feiner war Diefts
Saamens fühig /als chen feine Töchter / das gab ihnen der Geiſt
in ihnen zu verfichen,
46. Darumıb follen wir eben mercken was das andeute/ warn
der Geift im Moyfe den Dedel für feine Augen zeucht / daß es
vor GOtt nicht gang rein ſey / unddoch nur umb der Unvermeid⸗
lichkeit willen fo habe es feyn follen. or
47. Und follen inden Thaten Gottes nicht nach der Vernunfft
richten / denn die Vernunfft ficher nur auff das aͤuſſere / und ver=
ſtehet nichts vom innern: Sie wein nicht von der Wurtzel die⸗
ſes Baumes und von feinen Zweigen und Aeſten / woraug ein
jeder Aſt oder Volt habe müffen feinen unvermeydlichea lirs
fand nehmen.
Das 45. Capittel.
Wir SHE Abraham fo wınderlich habe geführet / und
wie er immerdar fey in Berfuchung geſtanden / und
wie ihn der HErr beſchirmet habe; was
dabey zuverſtehen ſey.
I, Id Braham muſte auff Erden nur wie ein Pilgram
ſeyn / und von einem Orth zum andern ziehen / und
in Hütten wohnen / und ward überall verſuchet /
wie ihm denn zweymahl fein Weib Sara genom⸗
men ward/ aber von GOtt wunderlich beſchirmet
und bewahret / als vom Pharao in Egypten/ und vom Abimelech
König zu Gerar / aber beydemahl von GOtt beſchirmet.
2. Und daß nun Abraham / als der Stamm und Anfang des
gefaſſeten Glaubens-Entis, in welchem Chriſtus verſtanden
ward / alſo von einem Orte zum andern wandern muſte / und
keine bleibende Stelle auff Erden haben konte / und darzu im»
merdar in Furcht und Verſuchung ſtund: Das iſt das wahre
Fuͤrbild der Chriſtenheit auff Erden / wie dieſelbe an Feine ge⸗
wiſſe Stätte würde gebunden ſeyn; Nicht irrgend an ein Bolck
S 3 allein!
414 Wie Gott Abraham Sapy 5
allein / das ihme GOtt haͤtte inſonderheit darzu erwaͤhlet / ſon⸗
dern daß Chriſtus mit ſeinem Evangelio vom Neid) Gottes / ſey
allen Voͤlckern gegeben worden.
3. Und wie er mit ſeiner Erkaͤutnuͤß werde von einem Bold
zum andern wandern / und nirgends cine immerwaͤhrende
Stätte bey einem Volcke haben /fondern unter den Völkern mit
feinen Kindern auff Erden nur als cin Gaſt oder Frembdling
feyn ; und wie man immerdar ‚würde verſuchen / wie man möge
wie Ehriftenheit unter den Voͤlckern vertilgen und zu fhanden
inachen/ wie man denn Saram / Abrahams ABeib wolte zus
ſchanden machen.
4. Und wie die Ehriften würden immerdar von den Böldern
verſuchet / und mit Streit und Krieg geplaget werden: Auch
wie Chriftus würde mit feinem Evangelio von einem Bold zum
andern wandern / wann fie deg würden überdrüffig ſeyn / und
nur für eine Gewohnheit halten, fo würden fie daran blind wer⸗
den / und in ein Schwaͤtzwerck tretten und Ehriftum wollen er»
difputiren.
5. Alsdenn werde er mit dem Berftande und Beift von ihnen
weichen zu einem andern Volcke / welches auch nur würde
fleiſchlich ſeyn / und Ehriftum von auffen für einen puren Mens
hen halten und anfehen ; wie Pharao und diefer König Abime⸗
lech Abraham und feine Saram anfahen / und ich mit Sara /
wegen ihrer Schönheit wolten fleifchlich vermifchen ; welches
‚eine Andeutung war / dag fie ja Ehriftum würden im Fleiſche
rg / aber nicht auffvichifche Arth / fondern in Krafft und
Geiſte.
6. Wie denn allhie beym Abimelech / und auch beymm Pharao
gu ſehen iſt / daß wenn fie haben Saram wollen fleiſchlich er»
kennen / fo ift der Herr mit Straffen und Plagen in fie getret⸗
ten / und hat ihnen fein zorniges Angeſicht gezeiget / fieverfchlofs
fen und verftarret/ als bünde er fie mit Ketten feiner Macht/ und
ihre Weiber unfruhtbar gemacht / fie auch in Gelichten und
Fuͤrbilden geſchrecket / wie dieſen Abimelech / welchem er den
Tod im Traume draͤuete / und ihme andeutete / daß Abraham ein
Mann Gottes waͤre / und wie er von ——— ſey.
7. Durch welche Mittel GOtt hat die Voͤlcker zum Glauben
bracht / wenn er iſt zu einem fleiffhlichen ungläubigen Volcke
eingezogen / fohater fichin Krafft und Wundernerzeiget / wel»
ches denn die fleifchliche Bölder gefchen Haben und fich bekehret /
und zu GOtt gemand haben.
8. Alſe
En
Tapas. ſo wunderlich habe geführet c. 415
8. Alſo muſte Abraham ein Fuͤrbild des Reichs Chriſti ſeyn
auff Erden / und von einem Volcke zum andern wandern / da
ſich dieſelbe hinterbliebene Voͤlcker ja noch des Abrahams rüh>
meten / und ſich nach ihme nannten; waren aber nur hiſtoriſche
Kinder / von fremden Weibern gezeuget / ohne Abrahams Glau⸗
ben und Geiſte.
9. Alſo iſts auch mit der Chriſtenheit ergangen / wenn lie des
Geiſtes Chriſti find uͤberdruͤſſig worden / und nur cin Schwaͤtz⸗
werck daraus gemachet / fo iſt der Geiſt Chriſti von ihnen ge⸗
wichen / und hat ſich vor ihnen verborgen: Alsdan ſind dieſelben
Voͤlcker ja noch in der Hiſtorien geſtanden / uñ haben ſich Chriſten
geruͤhmet / ſind aber nur der Magd Kinder geweſen / als der Ha⸗
gar / und Söhne der Spoͤtterey / da man einander mitdifputi-
ren hat umb Chriſti Namen und Willen geſpottet / verachtet /
verketzert und gelaͤſtert / und ſeynd eitel Iſmaeliter aus ihnen
worden.
10, Wie es jetzt am Tage iſt da man rom Spotten zum
Mord⸗ſchwerd greiffet / und Chriſtum wil gar ermorden und
außrotten / und den Babyloniſchen Thurn an Chriſti Statt ſe—
tzen / da man koͤnne in eigenem Willen und Vermögen in Him⸗
mel ſteigen / daß mar nicht doͤrffte durch ſterben des alten böfen
Menſchen eingehen ſondern daß man koͤnte alſo fein mit der
Selbheit des boͤſen Menſchen hinein kommen / oder ja ſich als
von auſſen angenommene Kinder mit Chriſti Purpurmantel
Re / daß doch der Wille der Selbheit nicht möchte zu GOtt
ommen.
1x. Und wie nun dieſelbe Voͤlcker hernach gerichtet worden /
wenn Abraham von ihnen wiche / wenn fie nur Spoͤtter der
Kinder Abrahams wurden / wie an Pharao / auch an den Hey⸗
den zu fehen ift / fonvderlich im Sande Cangan: Alfo iftsauch
den Ehriften ergangen / dag diefelbe Voͤlcker / welche alfo nur
unter Ehrifti Namen blieben / und Doch im Hergen nur Heyd⸗
nifch gewefen find / ſeynd allezeit von folchen Heydnifihen Voͤlc⸗
kern gerichtet und vertrieben worden / wie an Alta und Egypten/
auch Griechenland / und andern mehr zur fehen ift; wieihnen
hat GOtt den Mantel Ehrifti / als Mumd-heuchlern und Spoͤt⸗
tern Ehrifti abgezogen / und ein verfinſtert Herg und Verſtand
vom Keiche Ehrifti gegeben / und innen den Seuchter weggeſtoſ⸗
fen [dag Ste nicht mehr haben vürffen fagen : Wir ſeynd Ehriften
und pers Ehriftum an/ fondern Türdenund Barbarigche
Voͤlcker / aus den wilden Baume * Natur gezeuget.
4
22. Alſo
se
416 Wie Gott Abraham Gap.as.
12, Alfo ſelte Shriftus allhie in diefer Welt nur als cin Sicht
von einem Volck zum andern wandern / zum Zeugnuͤß über alle
Voͤlcker: Und wird dir Teutſchland jetzt angezeiget/ daß /
der du biſt lange unter dem Mantel Chriſti mit einem
heydniſchen Hertzen gegangen / uñ haſt dich der Kindſchaft
geruͤhmet / aber nur in Boßheit des Fleiſches gelebet / ſo
wohl denen Voͤlckern / von denen du gebohren bift / mit
dem Namen Chriſti / daß dein Gericht vorhanden it.
13. Denn der Gerichts⸗Engel in der Poſaunenſchall
ſchreyet zu den uͤbrigen Kindern Abrahams in Chriſto /
gehet aus von Sodom: Abraham in Chriſto iſt von euch
weggewagdert / ihr habt nichts mehr von Chriſto als ei:
nen leeren them un ein difputirfiches Mundgeſchwaͤtze /
eine Spoͤtterey da ein Bruder den andern umb Ehrifti
Erfäntnüß willen nur fpottet und verachtet / und tödtet
nur Chriſtum in feinen Gliedern ; die Stadt Hierufas -
lem und Babylon) darinnen du hast gepranget / ſoll un⸗
ergehen] Amen.
14. Siehe / ein Stern fiheinet von Morgen ud Mit:
ternacht / dev wird dich verblenden / und den Thurn dei⸗
ner Vormauren inJeruſalem und Babylon abbrechen:
Denn du heiffeft nicht mehr Jeruſalem fondern Babel
und die Kinder fo da fißen im Schatten der Nacht / und
die da liegen im Gefaͤngnuͤß zu Babylon follen auffgelö-
fet werden und herzu Fommen/un eingehen in die Stadt
Gottes / welche er hat auffgetban den Voͤlckern und
Zungen der Erden auff daß feine Herzligkeit erkannt
werde [ein Liecht vor allen Böldern.
z5. Die Figur mit Abraham/ Sara und Abimelech ( Ge-
nel 20.) ift ein gewaltiges Bilde der Chriftenheit / wie ſie in ei⸗
gener Krafft würden fchwach feyn / und alleinvon GOtt erret»
tet werden ; wie denn Abraham fehr ſchwachmuͤhtig ward / als
erfolte zu dieſen Voͤlckern ziehen / und feine Saram batt ! dag
fie doch von ihm wolfe fagen/ er waͤre ihr Bruder / dag fie ihn
nicht umb ihrent willenermordeten : Anzudeuten / dag ein Chrift
in feinem eigenen Vermögen nichts thun / oderihmeden Geift
Chriſti der da Muht machet/ nehmen fönte/ daß er nur blog
mitten
4
—
Cap.45. ſo wunderlich habe geführet / ꝛc. 417
mitten unter ſeine Feinde tretten ſolle / und ſich doch auff ſich
und ſein Wiſſen nichts verlaſſen / ſondern bloß allein auff Got⸗
tes Genade.
16. Denn er ſelber kan nicht beſtehen / allein Chriſtus in
ihme muß nur fein Muht und Beyſtand ſeyn; wie denn Abra⸗
ham allhie vor Pharao und Abimelech in eigenen Kraͤfften zweif⸗
felhafftig war / und immerdar furchtſam ſeines Lebens / und nur
ſehen muͤſte / wenn ihn und feine Sara GOtt behuͤtete: und iſt
dieſe Hiſtoria alfo meiſterlich und eigentlich vom Reich Chriſti /
vom Efra im Geſichte des Geiſtes Chrifti beſchrieben / als ob
der Geiſt mit Fleiß dieſe Hiſtorien vom Reiche Chriſti alſe Agu-
rirete / denn ſie gehet gantz darauff.
17. Dennder aͤuſſere Menſch verſtehet gar nichts vom Reiche
Chriſti / wie bey der Sara zu ſehen iſt / als ſte war ſchwanger
worden / und den Iſaac gebohren / fo ſagte fie / der Herr hatmir
ein Lachen zugerichtet / das iſt / die Leute werden deß lachen / daß
die alte neuntzig-jaͤhrige Sara ein Kind ſaͤugete: Sie verſtund
noch nicht das Bilde Ehrifti/ fondern der Geiſt Chriſtiin ihr
verſtunde es / umd nicht der natürliche Menſch in der Seldheit /
fondern der ergebene Wille / welcher in @ Otrgelaffen war) ders
felbe allein ergriffden Bund undden Geiſt Chriſti.
18. Aber Die Bernunfft/ als felbeigener Wille war ſtumm
daran es war ihme nur cin Sachen / denner ſahe nur auff ſich
ſelber / was er wire? Wie denn auch Abrahams Wille feiner
Selbeigenheit nur auff fich ſelber ſahe / und ſich entſetzete und
mar doch in ihme die groſſe Macht ůber alle Gewalt und Herr⸗
ſchafften / aber ſie war nicht der menſchlichen Eigenheit.
19. Wie denn auch Chriſtus in feinen Kindern nicht der
menfchlichen Eigenheit / als ded felb-eigenen Willens ift / fich
ihme auch nicht eineignet fondern dem demuͤhtigen gelaffenen
Willen] dehme eineignet er ſich / und beſchirmet alsdenn auch
öfters den cigenen Willen dadurch. |
20. Denn der eigene Wille ift von der Natur diefer Welt
ans Sleifh und Blut: Aber der gelaſſene Wille erſtirbet der
Welt / und wird in SOtt zum Leben gebohren: Alſo iſt uns auch in
Abraham und in allen Chriſten zweyerley Willen zuverſtehen /
als einer von dieſer Welt / welcher immerdar in Furchten ſtehet /
ud denn der armen gefangenen Seelen Willen nad) dem an«
dern Principio , als nach dem Hinmelreich / welcher in GOttes
Erbarmen in die Hoffnung erfincket.
— Dis
418 Von Iſaacs Gebuhrt Cap.a46.
Das 46. Capittel.
Bon Iſaacs Gebuhrt und Iſmaels Außſtoſſung mit
ſeiner Mutter Hagar / was darbey ange⸗
deutet iſt.
Geneſ. 21.
1. Er Geiſt im Moſe ſetzet die Figur des Menſchen
Wiedergebuhrt in ſeinem Proceß alſo genau und
ordentlich auff einander in der Hiſtorien von A⸗
braham / daß man es doch greiffen / geſchweige ſe⸗
hen ſollte / wie er fo genau den natürlichen Mens
fchen in der Selbheit / und denn Chriſtum neben einander ftellet/
und gleich wie mit Fingern auff die Figur weifet : Denn als
BOHLET hatte Sodom und Gomorra / und diefelbe Gegend /
da Abraham über wohnete/ verderbet / und Loth heraus ge»
führet / fo zog Abraham von dannen gegen Mittage / zeiget an /
wenn das Reich Ehrifti würde an einem Orthe verderbet ſeyn /
fo würde Chriftus davon weichen / und begab fich unter den Koͤ⸗
nig Abimelcch / und ward cin Frembdling zu Gerar.
2. In dieſen beyden Namen/ als Abimelech und Gerar/ftehet
die Figur in der Gebahrung oder Faſſung des Wortes ohne ei⸗
nige Deuteley / warumb der Geift im Moyſe eben diefe Hifto>
rien auffgefchrieben habe / und daraus fichet als durch einen
SpirgelsSlaft: Denn Abimelech deutet anden Menfchen ſinn⸗
Eicher Vernunfft / als den wahren Menſchen / aber aus Ehrifto /
nur in der Ercatur / wie er geſchaffen iſt: Berardeutet an das
ſtrenge Leben der Natur / darinnen der Verſtand wohnen muß /
welche Natur verderbet iſt und aus der Berderbung immerdar
Anfechtung und Widerwertigkeit in des Lebens Verſtand oder
Pernunfft-$iecht einwirfſet daß alſo das Leben in einer ſtaͤten
Widerwertigkeit ſtehe / und ohne Unterlaß geſichtet und gefichet
werde / welches das Creutz der Kinder Gottes iſt / daß fie fehen /
daß ſie in ſich ſelber in eigenem Vernunfft⸗Leben / nichts als
ſtrauchelen und irren koͤnnen: Wie allhie am Abraham zu fer
hen iſt / als ihn GOtt vonder Sodomiter Graͤntze wegfuͤhrete
ſo zog er gegen Mittag zum Koͤnig Abimelech.
Dieſe Figur ſtehet im Innern alſo:
3. Als ſich GOtt hatte dem Abraham offenbahret / und bie
Figur Chriſti und feines Reiches / fambtdem Gewalt des N
ri
Cap.46. und Iſmaels Außſtoſſung / ꝛc. 419
richts uͤber den Erdenkreiß dargeſtellet / ſo verbarg ſich GOtt
wieder vor Abraham / ſo gieng Abraham gegen Mittag / das iſt /
in ſeine Vernunfft / als in des Menſchen eigenen Verſtand / und
wohnete zu Gerar / das iſt / in der verderbten Natur / welche ſich
in der Geſchichte mit Abimelech außweiſet, da er in der Furcht
der Natur in der Anfechtung ſein Weib verlaͤugnete / ſie waͤre
nicht ſein Weib / daß er ſich alſo moͤchte durch Liſt der Vernunfft
bewahren: Und ſiehet man gar eben / wie ihn das jenige / ſuͤr deh⸗
me er ſich dachte in der Bernunfft vor Unfall zu bewahren / muſte
felber fEraffen und lehren / als Abimelcch ſtrafſete ihn / dag er
hatte fein Weib verläugnet / ander er fich Hätte gar nahend vers
fündiget / fo ihn nicht hatte der HErr gewarnet / undift die Er>
klaͤrung dieſes:
4. So man einen Menſchen ſiehet / den der Geiſt GOttes
treibet / und offtermahls durch ihn redet / ſo ſoll man nicht dar⸗
auff fallen / und dencken / daß er etwas anders ſey / als andere
Menſchen / wie auch Abraham nichts anders war: Die eigene
Vernunfft an ihme iſt eben ſo wanckelmuͤthig und unvollkom⸗
men in ihnen als bey andern Menſchen / und daß das jenige / was
ſie von GOtt wiſſen und lehren / gar nicht ihr Eigenthumb ſey /
wie man das allhie an Abraham ſiehet / wie er auch aus Furcht
ſeiner Sara / welche er aus Furcht verlaͤugnete / nicht ſchonete /
und ob ftehätte der Abimelech zum Kebsweibe von ihme genom⸗
men / daß er nurleben möge /und es ihme und ihrentwillen defto
baß gienge.
5. Alfo probiret GOtt feine Kinder / dag fte fehen follen / dag
fie im eigenem Vermögen nichts mehr als alle andere fündige
Menſchen ſeynd / und dag man ln auff Menfchen fallen /
und fie für GOtt halten : So laͤſſet te auch GOtt offters ftrau =
cheln und irren / und ftraffet fie alsdann noch wohl von dehnen /
welche fie ſelber lehren follten / wie allyie an Abimelech zu ſehen
iſt wie er Abraham muſte ftraffen und ſchamroth machen/dag er
feines Weibes umbeiner Eleinen Furcht willen / nicht verſchone⸗
te / und fie verläugnete.
6. Und obes gefchähe / dag maneinen folhen Menſchen / den
doch GOtt treibet / ſiehet zu Zeiten irren / fol man ihn nicht Bald
darum gar wegwerffen / und dencken / er fen gantz auſſer GOtt / wie
die Welt thut / ſondern dencken / dag GOtt ſeine Kinder alfe in
die Proba unter das Creutz ſtellet / dag fie ſich ſollen lernen ken⸗
nen /und alsdenn gehet ihnen die Sonne wieder auff/ als wie
allhie dem Abraham /als ihn ES * gen Gerar ziehen er 5
s —9—
420 Don Iſaacs Gebuhrt Cap.46.
iſt / in ſein natuͤrlich vernuͤnfftig Leben / darinnen er vor Abime⸗
lech ſtrauchelte: So gieng ihme hernach eine zweyfache Sonne
auff / als eine / daß Abimelech ihn erkañte / und lernete den HErrn
fuͤrchten / und dem Abraham das Land zur Wohnung eingab /
ihme auch Geſchencke zur Straffe gab / wie man die Heiligen
ſttraffet / da man ſich vor GOttes Straffe fuͤrchtet. Alſo gieng
ihme die Genaden⸗Sonne des Koͤniges Abimelechs auff:: Und
denn zum andern / ſo ward Sara ſchwanger / und gieng ihme ein
Zweig aus der Bundes-Linea herfuͤr / aus der Goͤttlichen Sons
nen Gewalt / und ward ihme Iſaac gebohren.
7. Und daß man das recht verſtehe / ſo ſtehet allezeit das Creutz
bey den Kindern GOttes / und immerdar Adam und Chriſtus
bey einander / wie allhie Abimelech und Abraham: und Iſmael
und Iſaac / alſo auch der Vernunfft-Menſch und die verderbte
Natur gegen der Vernunfft / welche die Bernunfft ohn Unterlaß
ſichtet: Wie denn auch allhie zu ſehen iſt mit Hagar und Sara)
welche auch gegen einander gefeget waren / daß eine Die ander
übete / als Hagar in der Eigenfchafft der verderbten Natur / als
in Adams Leben / und Sara in Chriſti Perfon / auff daß Hagar
die natürliche Saram uͤbete / dag fie aus der Bernunfft in GOrt
eindrüngete,
8. Und haben wir bey Sara und ihrer Magd Hagar mit ih⸗
rem Sohne Iſmael / und mit Iſaac Sarz Sohn / wie Sara
* habe die Magd mit ihrem Sohne außgeſtoſſen / welches dem A⸗
—
braham uͤbel gefiel / und vor GOtt aber recht war / einen ſolchen
Spiegel / als man ihn in der Bibel dergleichen nicht findet / wie
eis He Chriſtus und der natürliche Menſchmuſſe mit Sfinael und ſei⸗
+
Er
ner Mutter von der Erb-@erechtigfeit / und eigenem Willen
gantz aufgeftoffen werden / edaß der cigene natürliche Wille Fein
Erbe GOttes ſey.
9. Und wenn ihn denn der gelaſſene Wille außgeſtoſſen / fo
fißet die arme Natur des Menſchen mit ihrem verftoffenen Wil⸗
fen in Zagen/ und verweget ſich zu ſterben /wie allyie Hagar mit
ihrem Sohne Iſmael / als fie war von Abraham aufgeftoffer
worden/ fo gieng fie bey Berſaba inder Wuͤſten irre / das iſt / in
Zerborstigkeitibres Herkens / und fahe fich gank verlaffen / und
serzweiffeite an ihrem und ihres Schnes Leben / als unmaͤchtig:
Den n fie hatten verlohren das Erbe /darzu der Frauen Gunit/
und alles Guth /und war jetzo weder Waſſer noch Brod für das
schen (und waren dem Tode ergeben: Den fie fagte fich einen
Steinwurff von den Knaben / dns ſie ibn nicht doͤrffte fehen 657
J
%
Cap. 46. und Iſmaels Außſtoſſung / ꝛc. 421
ben / und als fie ſich jetzt gantz ergeben hatte zu ſterben / ſo kam der
Engel wieder zu ihr und rieff ihr und troͤſtete fie / zeigte ihr auch
einen Brunnen / und ſagte ihe fie ſollte nicht zu tode zagen / ihr
Sohn muͤſte noch zum groſſen Volck werden.
Dieſe Figur ſtehet im Innern alſo:
10. Wenn Iſaac / das iſt Chriſtus / im bekehrten Menſchen
gebohren wird / fo verwirfft der geiſtliche / neugebohrne Wille /
ſein eigene boͤſe Natur / er verachtet ſie und urtheilet ſie zum Tod /
ſtoͤſſet ſte auch aus ſich mit ihrem Sohn dem Spoͤtter / als Ubel⸗
deuter hinaus / als wolte er ſich im Gemuͤthe zerberſten / ſo gram̃
wird der neugebohrne geiſtliche Wille dem natuͤrlichen Willen
in ſeinen boͤſen Tugenden / als des natuͤrlichen Willens Sohn
Iſmael / der nur ein Spötter / Luͤgner / Verleumbder und Unge⸗
rechter iſt.
ır. Und wenn denn der neugebohrne Wille hat alfo die boͤſe
Natur / mit ihren boͤſen Kindern aus ſich außgeſtoſſen / fo ſtehet
die arme verlaſſene Natur in greſſen Aengſten / Zagen und Ver⸗
laſſenheit: Denn die innerliche heilige Seele verläffet ſie / ſo
verweget ſie ſich denn zußterben/und gehet in ſich in ihrer Wuͤſten
irre / und fichet ſich an als eine Narrinne, vie aller Menfchen
Spott ift,
12. Und wenn fich denn nun die Natur willig darcingiebet
dag fie num wil alſo ihrer Selbheit erfierben / und verzaget an
fich felber/ alsein arın verlaffen Weib /das aller Welt Herrlig⸗
keit / Reichthum / Schönheit und Wolluſt des Auffern Lebens be>
raubet iſt / und von ihrer vorigen Begierde verſtoſſen / und faſt
wie gar verlaſſen / daß die eigene Begierde anhebet zu ſchmachten;
So kom̃t alsdenn der Engel GOttes zu der Natur / und troͤſtet
ſie / fie folle nicht verzagen / gibt ihr auch Waſſer zu trincken / das
iſt / etwan einen treuen Menſchen / der fie in ihrer Verachtung
troͤſtet / und huͤlfft naͤhren und pflegen / und ſaget ihr wie ſie nicht
ſterben ſoll / ſondern ein groß Volck werden / aber nicht in ihrer
angebohrnen Erbſchafft / als in dem boͤſe Willen / ſondern bey
Berſaba / das iſt / in der Zerſchellung in Wuͤſten / als in dem
Jammerthal / in der Verlaſſenheit / ſoll die arme Natur wuͤr⸗
ken / und in ihrem Elende viel Frucht gebaͤhren / welche Frucht
der Engel wieder in Abrahams Hütten / zu Chriſti Hauſgenoß
einfuͤhret.
13. Dieſes iſt zuverſtehen / wenn Chriſtus imj Menſchen ges
bohren wird / ſe verſtoͤſſet er der Natur Eitelkeit mit dem mr
7 en /
I
422 VWVon Iſaacs Gebuhrt Cap.46.
len / welcher die Eitelkeit wuͤrcket und begehret / und machet den
natürlichen Willen zum Knechte/da er vorhin iſt Herr geweſen:
‚Aber die Natur ftehet in der verderbten Wuͤſten in der Eitelkeit
des Todes mit der Sünden umbfangen / und foll nun jegt gebaͤh⸗
ren und würden / und fichet fich doch gang unmaͤchtig / als von
dem innern geiftlichen Willen aus Chriſto / wie gantz verftoffen/
und in fich felber wie närrifch und vonder Welt verachtet / und
allenthalben aus ihrem eigenen Willen verfloffen: So hebet fie
‚denn an infich zu erfincken/ und won ihrer eigenen Begierde zu
laſſen / und wird ihr alles unwehrt / was fie zuvorhin hat erfreuet /
das iſt ihr jetzt zuwider / und ſtehet immerdar als ſollte ſie ſter⸗
ben / ie hoffet / und zweiffelt / das iſt / ſie hoffet der Beſſerung / ob
ſie doch dermahleins moͤchte vom Spott erloͤſet werden / und wie⸗
der in die Ehren ihrer Selbheit geſetzet werden; aber es vers
trocknet auch ihr Waſſerbrunn / und £ritt ihr GOttes Zorn un⸗
ter Augen / das ift /alleihre Freunde weichen von ihr / da fie hat
zuvorhin im zeitlichen Guthe / Wolluft und Ehren mit gehabt /
daß fie fich ftehet als ein immer Sterbender.
14. Und wenn diefes gefchicher/ fo ift fie recht auffıin Weeg
gen Berfaba/ und gehetin der Wüftenirre; denn fie weiß nicht
was fie thun ſoll / fie ift jedermans Spott / alles was fie anſiehet /
ſchilt ſie für naͤrriſch indehme ihr ift der Bewalt genommen
worden / daß fie mup der Welt Schönheit / Reichthum / Ehren /
und alles das / was fie mag zeitlich erheben / verlaffen /und wolte
es doch gerne haben / wird aber vom innern Menfchen in Chrifti
Geiſte davon abgezogen / und in dieſem Zeitlichen für ungerecht
ud verdamlich gefcholten.
15. Da gehet alsdenn recht Berfaba / als die Zerfchellung
des Hertzens an / und fißet die Dernunfft bey der leeren Waſſer⸗
flaſche Hagars / und tritt einen Steinwurff von ihrem Sohne
Iſmael / als der eigenen Begierde der Natur / ftehet und zwen⸗
get auch die Gedanden derNatur/und wil ihren eigenenKindern
aichts mehr geben/ alsden Sinnen des Gemuͤthes wirfft fie als
Kinder dieda jegt fterben follen einen Steinwurff / das ift / eine
weile von fich weg/ Get nicht dörffe das Sterben ihrer Kinder
fehen : Alfo gar ergiebet fih Hagar / als die Natur mit ih⸗
rem Sohne / dem Gemuͤthe ins Sterben der Selbheit des eige⸗
nen Willens / fißet und weinet in fich felber in Berfaba / alsim
zerfchelleten Hertzen / und ift an aller Bernunfft verzaget/ wolte
gerne jterben/ dag fie doch des Elendes lof würde.
. 20. Und alsdenn / wenn ſie alſo zugerichterift / daß fle ihr J
123
{
Cap. 46. und Iſmaels Außſtoſſung/ etc. 423
ber verzaget ift / und fich ins Sterben der Selbheit ergeben hat /
fo komt der Engel GOttes zu Hagar/ das ift / zu der armen / ver⸗
laſſenen und fterbenden Natur /und ſpricht: Was ift dir Ha>
gar ? Fütchtedich nicht / GOTT hat erhöret die Stimme des
Knabens / / da er lieget / ſtehe auff/ nimm den Knaben / und führe
ibn andeiner Hand/denn ich wilihn zum groffen Bold machen :
So thut alsdenn GOtt der Hagar /als der Natur die Augen
auff / daß fie einen Waſſerbruͤnnen ſiehet / fo fuͤllet fie alsdenn
ihre Flafche mit Waffer / und trändket den Knaben / und GOtt
ift alsdenn mit dem Knaben /der wächfet in der Wüften/ und iſt
ein guter Schüge / und wohnet recht in der Wuͤſten Pharan /
under muß ein Egyptifch Weib nehmen.
Die gar edle und hochtheure Figur ſtehet im
Innern alfo : |
17. Wenn der Menfch hat im Glauben Chriftum angezo⸗
gen / und ift indie rechte wahre Buſſe eingegangen/und hat in feie
nem Gemüthe alle Welt verlaffen / ja Ehre und Guth und alles
Zeitliche : So ſtehet die arme Natur des Menfchen nunalfo im
Sterbender Selbheit/ wie oben von Hagar und ihrem Sohne
gemeldet: Dem fie begehret auch der Sinnen des Gemüthes
zuerfterben / und gang indie Gelaffenheit einzugehen.
18. Und wenn ſte denn alfo in Todes-Gedancken ſtehet / und
hat ihren Willen ins Sterben ergeben / mit ſambt den Sinnen)
fo erfcheinet die inmerliche Stimme des Göttlichen Wortes in
dem Gemüthe und den Sinnen : Allda erhöret Das Göttliche
Wort die Stimme des Knabens feines TWeinens /als das be⸗
trübte Gemüthe inden Sinnen: Denn es fchallet in Göttlicher
Stimme darein/ und fprichtinder Goͤttlichen Stimme zur Nas
tur / als zu Hagar / was ift dir du betrübte Natur ? Fürchte dich
nicht / GOtt hat erhöret die Stimme des Knabens / als deiner
Sinnen die du in Begierde haft GOtt auffgeopffert/Stehe auff/
das ift / erhebe dich in GOtt in diefer Gelaſſenheit / und ftche in
der Stimmeder Erhörung auff / und nimm deine Sinnen / als
deinen Sohn bey der Hand des Glaubens / und führedie Sins _
nen: Sie follen nicht fterben/ fondern [eben und gehen/ denn ich
wil fie zum groffen Bolt machen das iſt / gu einem groffen
Goͤttlichen Verftande und Begriff in Böttlihen Geheimnuͤſ⸗
fen ;und GOtt thut der Natur den Wafferbrunnen des leben
disen Waſſers auff / daß fie in die Flafche ihres Wefens in fich
ron GOttes Brünnlein faſſet / und traͤncket damit den Knaben /
als dir Sinn. 19. Un»
424 Bon Iſaacs Gebuhrt Cap.46.
19. Und alsdenn ſo iſt GOtt mit dieſem Knaben der Sinnen/
und er waͤchſet groß in der Wuͤſten / das iſt / in der verderbten
Natur waͤchſet der rechte ſtunliche Knabe groß im Geiſte des
HErm/under wirdein Schüße/ das iſt / ein Schügedes Her
und feiner Brüder /der die Naubvögel fiheuft und die wilden
Zhiere /verftehet / er fcheuft aus feinem Beifte die köfen Thier
und Vögel in feinen Brüdern mit dem Heil. Geifte zu bodem /
er lehret fie und ſtraffet fie mit Göttlichen Pfeilen.
20. Aber er muß in der Wuͤſten Pharan wohnen/ als in dem
verderbten Fleiſche / und in der Wuͤſten unter gottloſen Volcke /
und allda cin Schuͤtze GOttes ſeyn; und feine Mutter / als die
Natur giebet ihme ein Egyptiſch Weib / das iſt / die Natur leget
dem edlen in Chriſti Geiſt neu⸗gebohrnen Gemuͤthe ein fleiſch⸗
lich Weib bey / mit der muß das neu⸗gebohrne edle Gemuͤthe in
der Ehe ſitzen / und ſich mit dieſem abgöttifchen fleiſchlichen Wei—⸗
be plagen. Das verſtehet alſo:
21. Das Egyptiſche Weib iſt fein Fleiſch und Blut mit der
Bernunfft / darinnen der Abgott Maozim /als die Babyloni⸗
{che Hure lieget /da der Zeuffel feinen Predigſtuhl hat / welcher
dem edlen Gemuͤthe das Ereuß Ehrifti ift/ da des Weibes Saa⸗
men / als der Geift Ehrifti mug ohn Unterlag der Schlangen /
als des Teuffels eingeführten Begierde / in diefer Huren Baby⸗
lon / den Kopff zertretten.
22. Diefe Hure ift num die Ubung und die Proba des geiftlichen
Sinnes im Chriftlichen Gemüthe /aber diefe Hure fhadet den
Kindern Chriſti nichts ; fte hat wohl eine falſche Luſt / und ift
ein Huren=balg / welche das Reich EDttes nicht fehen foll/ aber
fie muß doch GOttes Kindern zum beften dienen / denn aus ihr
wird dem edlen Gemüthe das Creutz auffgeleget / auff daß das
Gemüthe in der Demuth bleibe / und nicht fage : Ich bins / ich
kin heilig : Nein/nein/ die Heiligkeit iſt nicht dieſes Knabens
Eigenthum/fondern es ift GOttes Erbarmen / welcher des Kna⸗
bens /als des armen verlaffenen Gemuͤths Beinen erhöret hat ;
fo muß das edle heilige Gemuͤth / alsderneueim Beift Ehrifti
gebohrne Menfch viefes Egnptifche / böfe / abgöttifche / huriſche /
gottloſe / nichts guts wollende oder koͤnnende noch gedenckende
Weib zur Ehe haben / und fich alfolang mit ihr fehänden/ big die
unzüchtige/abgöttifche Hure flirbet : Alsdenn fo ift diefer Annas
be von den Engeln in Iſaacs / das ift/ in Chrifti Hütten / als in
Ehrifti Fleifch und Blut eingeführet.
23. Und diefis ift pie warhafftige Figur des Geiſtes in Moſe /
dar⸗
e
Cap. 46. und Iſmaels Außftoffung. 425
darumb er dieſe Figur hat alſo fein artlich abgemahllt / denn der
Geiſt in Moſe gehet dahin / daß der Menſch der Selbheit / als
eigene Wille muͤſſe von GOtt verſtoſſen werden ; und wo Chri⸗
ſtus gebohren wird / da geſchichet es / gleich wie allda / da Iſaac
Ehriſti Fuͤrbild aus der Freyen gebohren ward / fo muſte der
MAD Sohn hinaus geſtoſſen werden: Denn in Ifaac follte
der Saame / der GOttes Reich erben follte / genannt werden;
nicht aus der eigenen Natur / nicht vom Fleiſche noch Willen des
Mannes) fondern aus GOttes Willen ; aus dem erflorbenen
Willen unferer Natur /der feiner Selbheit erftirbet /und an ſich
felver verzaget/ fellein Chriſt gebohren werden: Als in GOttes
Erbarmen toll Iſmael (als der arme Sünder / wenn er der
E ünden gramm wird/ umd nicht wil) gehohren werden: Die
Natur fol und mug wohl dabey feyn / auch gleich mit dem irrdi⸗
(hen böfen Fleiſche: Aber Chriſtus wird daraus außgebohren /
wie eine ſchoͤne Blume aus der wilden Erden /wie eine Frucht
aus dem Korne.
24. Eine gar treffliche Figur ftellet ung der Geift im Moyſe
mit Abraham und Sara für / als Sara der Magd Sohn wolte
aus dem Erbe von ſich augftoffen / day der Magd Sohn nicht
follte mitder Freyen erben / fo dachte es Abraham unbillig fenn/
dieweil er feines Saamens war / und feinrechter Sohn > Aber
GOtt ſprach zu ihme / laß dirs nicht übel gefallen des Knabens
und der Magd halber ; alles was Sara dir gefaget hat/ dehme
gehorche /denn in Iſaac folldirder Saame genennet ſeyn.
Die innere edle Figur jtehet alfo: |
25. Wann ein Menfch in Ehrifti Beifte /als wie Abraham
gefchahe / neu-gebohren wird / fo dencket er öfters / er ſey gantz
neu / und kennet fich noch nicht recht / dag er noch die hurifche
Egpyptifche Magd mit ihrem fpöttifichen Sohne ver Eitelkeit in
feinen Armen hats und wenn es nun Eomt / daß öfters der Spoͤt⸗
ter als Zfinael der Magd Sohn aus ihme herfür bricht / auch
wohl gang ohne feinen Willen und Fuͤrſatz / daß ihme Sara / als
die Freye [welches fromme Gemüther find / dehnen es GOtt zu
erkennen gibt / fEraffen ; auch öfter wohl vom böfen geftraffer
wird / daß man faget / man follte diefen Spötter hinaus ftoffen /
das wilder Abraham / als der Menſch nicht gerne: Er wilunges
tadelt ſeyn / und weiß noch nicht / daß er die Zeit feines irrdiſchen
Lebens im Gerichte GOttes ſtehet / day taͤglich muͤſſen feine
Wort und Wercke probiref werden und gerichtet. Gr wil offt
einen Weeg der Rechtfertigung tretten und ſeine Sache beſchoͤ⸗
nen /
—
426 Bon Iſaacs Gebuhrt Cap.a46.
nen / und wil gelobet ſeyn / und vergiſſet derweile der Egyptiſchen
Magd in ſeinen Armen / und ihres ſpoͤttiſchen Sohns / der biß⸗
weilen im Worte mit Ubeldeuten herfuͤr kucket / und ſich fein
unter einem gleiſſenden Mantel zudecket: Dieſen nun ſtoͤſſet die
Freye hinaus / das iſt / der Geiſt Chriſti ſtoͤſſet ihn durch anderer
Leute Mund hinaus / das daucht dem Menſchen unrecht ſeyn /
dieweil das Wort iſt von ſeinem Leibe gebohren / und aus ſeinem
Gemuͤth entſtanden.
26. Aber der Her: ſpricht im Geiſte der Demuth Chriſti / laß
dirs nicht übel gefallen / daß die Leute deine Worte tadeln /
und deine Arbeit werwerffen / gchorche Sarz als der Göttlichen
Stimme / und flog felber das jenige vondir aus / daß eiwan zum
übel geredet oder gedeutetift: Dann in Ifaac/ dasift/ in deiner
höchften Demuth/folldir der Saame genennet ſeyn / da in deinen
Morten und Wercken der Geift GOttes im der Liebe wuͤrcket /
und nicht in deiner natürlichen Seldheit und Eigenheit der Ver⸗
nunfft / dader Magd Sohn redet und wuͤrcket.
27. Alfo follen die Kinder GOttes dieſe Figur wohl betrach»
ten / und dencken / daß alles was aus Affecten und Neigligfeiten
geredet oder gethan wird/ es fey gegen froimmen oder böfen Mens
ſchen /dasift alles aus der Magd Sohn / das muß ins Gerichte
zur Proba / und mug von Menfchen / als von böfen und guten
gerichtet werden / es muß hinaus geftoffen werden unter einen
Hauffen böfer und guter Zungen / da ein jeder fein Gericht dar»
über führet: GOtt richtet auf Erden im Äuffern durch Men:
fhen/ beydes durch Boͤſe und Gute. ⸗
28. Dieſes nun ſoll ihme Abraham / als der Menſch / nicht
laſſen übel gefallen / wenn man feine Worte und Wercke richtet
und probiret / und dencken: Daß ſein Goͤttlicher Saame allein
in der Liebe und Demuth gebohren werde / und daß alles das / was
er aus Reigligkeit redet / richtet und thut / wieder ins Bericht ge=
hoͤret / da es muß prebiret und gefeget werden / wie Hagar mit
ihrem Sohn Iſmael / und alsdann / wann es gerichtet it / das
iſt / von den Leuͤten hinaus geitoffen/ fo komt erft der Engel GOt⸗
tes undfchreyet dem natürlichen Menfchen zu / er folle nicht in
diefem Berichte verzagen / er foll ihme das laffen wohlgefallen /
Das feine Worte und Wercke gerichtet werden.
- 29. Darum fagen wir) als es der Herr zuerkennen giebet)
daß wer da wil die Gefchichte des alten Teftaments recht leſen
und verſtehen / der muß 2. Bilder für fich ſtellen / als auswen⸗
big Adam / als den irrdiſchen Menſchen / und inwendig *
un
Cap. 46. und Iſmaels Außſtoſſung. 427
ſtum / und die 2. Bilder in Eines verwandelen/ ſo mag er alles
— was Moſes und die Propheten im Geiſte geredet
haben.
30. Er muß nicht ſo blind ſehen / als die Juͤden und Babel /
welche mit dieſen Geſchichten Vernunfft⸗ ſchluͤſſe machen / we⸗
gen der Wahl Gottes / als hätte ihme Gott alſo ein abſonder⸗
lich Volck zu ſeinen Kindern erwaͤhlet: Die Wahl Gottes gehet
nur auff die Figur / welches Volck ſolte die Figur des innern
Reichs Chriſti im aͤuſſeren tragen / in welchem Volcke Gott wolte
das Reich Chriſti aͤuſſerlich offenbahren: Haben doch die Juden
gleichwol nur einen Spiegel und Fuͤrbilde im aͤuſſern gehabt /
als auch eben nur die Chriſten / welche auch Chriſtum im Flei⸗
ſche anſahen / als einen pur⸗ lauteren Menſchen.
‚31. Diefe Figuren ſeind der Welt faſt ſtum blieben
biß zur legten Zeit und folches aus Gottes Fuͤrſatz /
dieweil der Menfch alſo eitel und nur Fleifch ſeyn wil/ undder
Derlein bald überdrüffig wird / und diefelben hernach mit
Fuͤſſen tritt: Sohat GOTT mit dem Menfchen in Bilden und
gleichnüffen gehandelt / gleichwie Chriftus auch thate/ da er
auff Erden kam) fo redete er diefe Geheimnuͤſſe alle in Gleich»
nuͤſſen / der Menfchen Unwürdigkeit halben.
32. Und daß esaber anjehe ſoll offenbahr werden/ift
eine groffe Hrfache | davon alle Propheten gedeutet ha-
ben und iſt die Urſache diefes / daf in diefer legten SPo-
ſaunenſchall foll vollendet werden das Geheimnuͤß des
Meichs GOtites / und zubereitet werden die Braut
Chriſti als die klugen Jungfrauen / welche follen dem
HEerminfeiner Erfibeinung entgegen gehen ; und det:
tet an den Tag Ehrifti Zukunfft / da er wilmit der heis
ligen Stadt dem neuen Jerufalem erfibeinen/ und feine
Braut heimführen/fo muß von che das Geheimnuͤß des
Reichs GOttes aus feinen Bilden außgewickelt und
gantz offenbahr werden. |
33. Und dag wird der Zall des fleifihlichen fündli-
chen Menſchens feyn / dak der Menfih der Suͤnden
muͤſſe offenbahr werden ; wıe St. Paulus davon weife
faget / daß das Kind des Berderbens folle offenbaht
werden allen Völkern / Sprachen! Zungen] ur
4238 Von Iſaacs Gebuhrtec. Gap 46,
hier mit der Huren in Abgrund gehen : Das ift fp
viel: Wann das Reich Ehrifti gang offenbahr wird] fo
ſtehet das Thier und die Fleifihes: Sure / als die falſche
Magd mit ihrem fpöitifchen Sohn in groffer Schande /
und wird von jederman gerichtet werden / gleich einer
Huren am Pranger | da fie jederman fpottet.
34. Gleich wie man bißhero hat Ehriftum in dem auffern
Bilde der Einfalt in feinen Kindern und Gliedern verfpettet /
in welchem die Vernunfft nichts mehr gefehen noch erfannt hat /
als nur Hagar umd Iſmael in ihrem ausgefteffenen Elende /
unter welchen Doc) des Engels Stimme geweſen / welche fie in
der naͤrriſchen albern Einfalt unter der Decke haben verfpottet /
und den Spötter Iſmael an Chrifti Statt gefeget/ welcher nur
ein WidersChrift geweſen ift : Alſo follunter dieſer Poſau—
nenſchall derfelbe Spötter und Widerchriſt auch offen:
bahr werden] und von den Kindern Gottes in Ab:
arumd geftoffen werden/ welches Babel in Furger
Zeit fehen foll: Solches deutet der Geift der Wunder
Gottes an.
35. Wir fehen deffen eine fehöne Figur an Abimelech / daß /
wan fich Bott bey einem Bold wil offenbahren/ wieer jie mitten
inder Sünden erfchrestet / und ihnen im Zorne erfcheinet / wie
Abimelech im Gefichte / und Mofe im Bufch im Feur/ und
auch Iſrael auff dem Berge Sinai auch im Feuer; wie dan
auch dem Elia im Feuer und Winde/ da überalldie Straffe des
Grimmes Gottesvor angedeutet wird/ wie Gott der Menfchen
Hersen vorhin zerfchellet / Dap fie fich fürchten / wie allhie Abi⸗
melech / als ihme der Herr des Nachts im Geſichte erſchiene /
und ihme wegen Sara drünete/ erſchrack er / und fügte folches
feinem Bolt vor ihren Ohren / und Die Leuhte fuͤrchteten Jich
fehr } und Abimelech rieſf Abraham und machte einen Bund
mit ihme.
36. Dieſes iſt eine ſchoͤne Figur / wie Gott die Feinde ſchrec⸗
ket / und die bloͤde Natur / wan ſie ſich verweget / troͤſtet / und
ihr die Furcht in Freude kehret; und wieder Elende / ſo er from̃
iſt von Bott aus dem Elende endlich heraus geriſſen wird /
und wie ihme endlich feine Feinde / welche er zuvor hat ver»
meynet feine Feinde zu ſeyn / müffen dienen und ihn erheben:
Alſo wunderlich fuͤhret Gott ſeine Kinder / fo ſte nur die en.
id *
Cap. 47. Vom Bunde Abimelechsic. 429
fechtung erdinden / und unter dem Creutz inder Demuth) bleiben
ſtehen / und nicht auff ſelb⸗Rache ſehen / fondern die Gedult in
Hoffnung anzichen/ und im Glauben beftandig bleiben ftehen ;
fo muͤſſen auff die legte alle feine Widerwertigen fehen und fel=
ber bekennen / dag Gott mit dem Menfchen iſt / und dag ihme
die Welt hat unrecht gefhan.
37. Auch ift das eine fhöne Figur / wie Abraham / als
Gott wolte Abimelech fEraffen / für Abimelech bey Gott batt/
und ihn verfühnere / daß ihn Gott fegnete: Und ſtehet dieſe
gantze Geſchichte inder Figur Chrifti / wie Adam und Chriſtus
bey einander ftehen/ wie Chriftus fey in die felb-genommene
Königliche Eigenheit des Mienfchen kommen / und die Sünde
und Tod erfchrecket: und wie fich Die arme verderbfe Natur im
Schrecken und Erkäntnüß der Sünden zu Gott wendet / wie
allyie Abimelch zu Abraham; und wie fie alsdan Chrifte das
Reich der Natur zum Belig einraumet / und mag die innere
Figur im Geifte Moyſis / welcher Chrifti Fürbilde und Figur
war/welchernoch ausdes Batters Eigenfchafft/ auff den Sohn
im Fleiſche / als in der Menfchheitdeutet/ garnicht anderft ver⸗
fanden werden / dan chen alfo ; Es iff der wahre Grund.
Das 47. Capittel.
Bon Bunde Abimelechs und Abrahams / was dag
in der Geiftlichen Figur fen] und was der Geiſt
Moyſis unter feiner Dede allhieandeuter.
Gen. ır.
. Eine gar Edle und fchöne Pforke den Kindern GOttes
in Berſaba.
Bag Jeber Leſer / wiffe das) ſo man viel hundert Bücher
von der Geſchichte Abrahams ſchriebe / fo koͤnte
nan doch deu Reichthum nicht genug ausſprechen /
velcher unter dieſer Figur verborgen liget / wir
wollen aber den Kindern GOTTes in ihrer
Schwaͤchheit einen Dienft thun / und dieſe Figur ein wenig auff«
decken / weil es ſonſten dem natürlichen Menſchen unverftan-
den iſt / und uns aber der Herz in Gnaden alfo führet; Alß
ſoll ich ihme allhiedie Hand darzu leyhen und geben ]
mercks nur wohl/ es liget ein Perlein darunter / wel⸗
ches allhie ſoll offen ſtehen / und doch auch Bi
el⸗
430 Vom Bunde Abimelechs. Eap. 47.
bleiben / welches mit aller Welt Gutt nicht mag bezah⸗
let werden. Der Vernunfft bleibts verborgen.
Die aͤuſſere Figur ſtehet alſo im Text Moyſis.
2. Zu derſelben Zeit redete Abimelech und Pichol ſein Feld⸗
haubtmann mit Abraham. und ſprach: GOTT iſt mit
dir in allen Dingen das du thuft/ fo fehwere mienun bey
Bott / daß du mir / noch meinen Rindern / noch meinen
Nefen Eeine Untreu erseigen wollejt/ fondern die Barmher⸗
tzigkeit / Dieich an dir gethan babe / an mir auch thuft / und
an dem Lande / dadu ein Sremdling innen bit: Da ſprach
Abraham! ich wil ſchweren. Und Abraham ftraffere Abi⸗
melech um des Waſſer⸗brunnens halben) dehn Abimelcchs
Anechte hatten mit Gewalt genommen. Da antwortet
Abimelech: Ich habs nicht gemuft wer das gethan hat /
auch haſtu mirs nicht angefüger / Darzu habe ichs nicht ge⸗
hoͤret danheut. Da nahm Abraham Schaff und Rinder /
und gab fte Abimelech / und macheten einen Bund mit ein:
ander; und Abraham ftelleteda fieben Laͤmmer befonders :
Da fprach Abimelcch zu Abraham: Was follen die fieben
Laͤmmer / die du befonders dargeſtellet haft: SEr aber ant⸗
mwortete: Sieben Lämmer foltu von meiner Hand nehmen]
Daß fie mir zum Zeugnuͤß feyn / daß ich diefen Brumn gegra⸗
ben habe: Daher heifler Die Stätte Berſaba / daß fie beyde
miteinander gefchworen haben / und aljo macheten fieden
Bund zu Berfaba; Da machten fich auff Abimelech und
Pichol fein Feldhaubtmann / und zogen wieder in der Phi⸗
liſter Lande / und Abraham̃ pflangete Baͤtrme zu Berſaba /
und predigte Dafelbit von dem Iramen des Herim des ewi⸗
gen GOttes / und war ein Sremdling in der Philifter Lande
einelange Zeit.
3. Diefe Figur fichet äufferlich / als ob ſich Abimelech wor
Abraham habe gefürchtet / weil ihine Gott im Gefichte hatte
zuverſtehen gegeben / wie Abraham ein Fürfte Gottes fey / dero⸗
wegen er von Abraham den Bund und Epd begehrethabe/ daß
er nicht etwan ihn und feine Nachfömlingevertilgete. Aber der
Geiſt Ehrifti unter Moyſis Deckel hat ihme allhier gar viel eine
andere Figur vorgemahlet/ damit er fpielete und weiffagete ;
Dan unter allen Gefchichten Abrahams / welche der Geift
Moyſis hat auffgefihricben / ift ung eine zweyſache Figur fürs
gemahlet / zu verſtehen / als auswendig eine Hiftorin / en
etwan
Cap. 47. und Abrahams / ꝛc. 438
etwan gefchehen fey : Und unter derfelben Hiſtoria feket der
Geiſt Eprifti im Bunde feine Figur alfo artig dar / als fpielete
er damit.
4. Dann da iſt eben der Orth angedeutet / da Hagar mit
Iſmael hinflohe / es iſt daſſelbe Berſaba und derſelbe Waſſer⸗
brunn angedeutet / welchen der Engel Hagar zeigete: welchen
Abraham / das iſt / Chriſtus gegraben hatte / da hernach die
Chriſtenheit von dem Namen des Herin des ewigen Gottes
in Chrifto bey dieſem Waſſer-brunnen in Berfaba predigte.
5. Und der Bund mit Abimelch und Abraham ift der Bund
Chriſti mit der Menfchheit/ da Abraham / das ift/ Ehriftus
ſchwur / er wolte die Menfchheit nicht verderben ; wie er dan
fagte / als er ins Fleifch kam / er wäre nicht in diefe Welt kom⸗
men/ dag er die Welt richte / fondern dag cr die Welt feclig
mache / das ift / feegne und den Bund halte,
Die innere heilige Figur ftehet al.
6: Abimelech und Pichol / welche mit Abraham wegen des
Bundes geredt hatten / ftellet ver Geift allhie in Gottes des
Datters/ und dan in der Natur-Bilde für. Abimelech der
König deutet an den Batter in der Seelen Eigenfchafft / und
Picholfein Feld- Haubtmann / deutet andic Natur / als Got»
tes Ambtmann: Diefe beyde nahen fich zu dem Bilde Chrifti 7
als zu Abraham; Dan diefem Chrifto waren die Menfchen ge⸗
geben worden / dann er folte ein Fuͤrſt Gottes in und über die
Menſchheit ſeyn.
7. Nun hatte ſich die Natur aus des Vatters Eigenſchafft
in falſche Luſt eingefuͤhret / verſtehet in menſchlicher Natur /
dan ſie begehrete Saram als die Freye / verſtehet die himmliſche
Jungfraͤuliche Matricem in irrdiſcher viehiſcher Eigenſchafft zu
offenbahren / welches in Adam geſchahe / da er ſeine weibliche
Eigenſchafft in eine viehiſche Luſt einfuͤhrete. So deutet nun
allhie der Geiſt im Moſe auff dieſelbe Figur / und ſtellet unter
dem Koͤnig Abimelech Adam in des Vatters Eigenſchafft und
Natur fuͤr.
8. Gleichwie ſich Adam ließ geluͤſten mit ſeiner weiblichen
Eigenſchafft als mit der Mutter der heiligen Gebuhrt in der
irrdiſchen viehiſchen Mutter zu offenbahren/ oder in Veneris
Tin&ur die Wurtzel oder den Grund des dritten Principii zu
koſten oder zu ſchmaͤcken: Alfo lich ſich allhie Koͤnig Abimelech
437° Vom Bunde Abimelechs Cap. 47.
in derfelben Natur / verftchet der mänlichen aus des Batters Ei>
genfchafft / der jeßo errägeten Mutter des Bundes in Sara
gelüften fie zu erkennen / welches ver heilige Gott nicht haben
wolte / und kam deßhalben in Abimelech / und ſchreckete diefelbe
Luſt⸗Natur / und draͤuete ihr die Straffe und den Untergang.
9. So verſtehet num in Abimelcch dem König die Seele aus
des Datters Eigenſchafft / und mit Pichol verſtehet die Auffsre
Natur / als das dritte Principium, welches der Seelen / alg
des Königs Feld-haubtmann oder Knechtiſt; und mit Abraham
verficher Epriftum in der Menfchheit oder Glaubens-Ente des
Bundes / wieder Geiftindiefer Figur deutet und ſpielet.
zo. Gott der Vatter bringetdie arme Seele / alsden König
menfchlicher Eigenfchafft / nach deme fie fich Hatte gelüften laffen/
mit ihrem Knechte / als dem Leibe der Natur zu Chrifto: So
fpricht die Seele zu Abraham inder Figur Chriſti: Warum
haſtu mir nicht gefaget / dag Gott in Sara / als in diefem Bil-
de ſey? warum hafkıs mir nicht gefügt / dag fiedein Weib ſey?
verſtehet Ehrifti Weib / welcher des ABeibes Saamen in diefer
Mutter genannt wird/ daß ich mich hätte an ihr fehier ver—
riffen.
; ır. Verſtehet die Seele Adams wufte Chriftum in ihrer
himmliſchen Matrice in Veneris Tin&ur nicht / fie meynete / fie
waͤre das fchöne glingendeKind / darum gieng fie mit diefer hei⸗
ligen Tin&urjin eigene Luſt: Als aber Gott jest der Seelen diefe
heilige Tinctut im Bunde wehfete / fo fagte die Seele / ich habe
es nicht gewuft/ daß dieſe Weibliche Eigenfcharft als fie in mir
war / Gottes Weib fey/ der durch) fie gebähre; und fprach
Durch den Feld-haubtmann / als durch) die auffere Natur zu
Abraham in Chriſto: Nun nim̃ hindein Weib / als die himm⸗
liſche Matricem in mir / dan ſiehe GOtt iſt mit dir in allem das
du thuſt / das iſt / Sch wil dir wiedergeben was ich in die Mein⸗
heit habe genommen / als in mir die verſchloſſene / und
jetzo im dir erweckte Marricem der Goͤttlichen Welt Eigen»
ſchafft / nim ſie hin / fie iſtdein Weibe: Undals fie Abraham /
verſtehet Chriſtus nahm / ſo wurden alle Weiber und Maͤgde
Abimelechs und ſeiner Knechte / verſtehet Even Toͤchter durch
Chriſti Weib / als durch Saram im Bunde in der himmli—
ſchen Matrice geheilet / daß ſie wieder Gottes Kinder gebaͤhren.
12. So ſprach nun die Seele in des Batters Eigenfchafft
zum Abraham in Chriſto / als dehme war aller Gewalt über die
Menſchheit gegeben worden / ſo ſchwere mir nun bey Gott / daß
du
Cap.47. und Abrahams /ꝛc. 433
Dur mir / noch meinen Kindern / noch meinen Nefen Feine Untreu
erzeigen wolleft / fondern die Barmhertzigkeit die ich an dir ge⸗
than habe / an mir auch thueſt / und an demLande da du cin Fremd⸗
ling innen biſt: Das iſt ſo viel geſaget / als ob GOtt der Vat⸗
ter in der Seele mit Chriſto ſeinem Sohn / dehme er hatte die
gantze Menſchheit zum Eigenthumb gegeben / redete und ſpraͤche;
weil ich dir habe die Gewalt in der menſchlichen Eigenſchafft /
welche mein ift / zum Eigenthumb gegeben / fo ſchwere mir nun
bey GO TZ/das iſt / vertenffe dich damit im einen effentiali-
ſchen Eyd oder ewigen Bund / dag du meiner Natur in menſch⸗
licher Eigenfchafft / noch den Kindern / alsden Aeſten aus ihrer
Eigenfchafft aufs neue erbohren/ noch ihren Anenckeln oder Nee
fen (das ift/fo in wilder Eigenſchafft / da offt ein gottloſer Mann/
deggleichen ein gottlofes Weib fich miteinander mengen / Da das
eine gottlog ift/und das andere fromm ) wilft Feine Untreu erzeie
gen/verftchetihren Kindern : Sondern die Barmhertzigkeit / die
ich an dir gethan (indehme ich dir diefe hiumliſche Marricem,
welche in Adam / in meinem Grimm gefangen ward / und deines
Bildes in meinem Zorn verblich / wieder gegeben /) die ich an
deiner Bildnüs getan habe / und an dem Sande /das iſt / an dem
aͤuſſern Menſchen darinnen GOttes Kinder die hiniliſche Bild»
nuͤß tragen / das iſt / an deurLande da du ein Fremdling innen
biſt / auch thueſt.
13. Denn Chriſtus iſt in unſerer irrdiſchen Menſchheit ein
Freindling / und unſere irrdiſche Menſchheit machet oͤffter unſere
Kinder oder Nefenan GOtt fremde: Darumb ſagte der Natur⸗
DBatter in der ſeeliſchen Eigenfchafft zu Chriſto / er wire ein
Fremdling in unferem Sande ; wie denn auch Ehriftus fagfe /
fein Reich wäre nicht von diefer Welt / das ift/von dem irrdiſchen
Menfhen: Chriſtus aber follte die Barmhertzigkeit indiefem
freinden Sande ( verfteget fremden Menſchheit) thun/und die
Kinder fo darinnen gebohren würden / nicht verftoffen / wie de
Batter an feinem Bilde ver himmliſchen Menfchheit / welche ins
Adam verblich / hatte gethan : Diefes follte Chriftusin GOtt
ſchweren / wie er deñ im Propheten Ezechielfchweret: So wahr
ich lebe / ich wil nicht oder habe nicht Suft am Tode des Gottloſen
sder Suͤnders / ſondern daß er ſich bekehre und lebe: Denn Abra⸗
ham in Chriſto / als in der Figur ſprach: Ich wil ſchweren / das
iſt / ich wils thun.
14. Und Abraham ſtraffete Abimelech umb des Waſſer—⸗
brunnens willen / dehn Abimelechs Knechte hatten mit Gewalt
z genoms
434 Vom Bunde Abimelechs Cap.az:
genommen / das iſt / Chriſtus ſtraffete die Seele / daß der Seelen
Knechte / als die Eſſentz der Natur / hatten der him̃liſchen Leiblig⸗
keit / als Chriſti Scib in Adam / den Quellbrunn der Eſſentz ge-
nonnmmen / davon das him̃liſche Bild erftarb oder verblih: Denn
inder Seelen feurifhen Efleng quillet Chrifti heiliges Waſſer⸗
brünnleinaus/ aber der Seelen Eflentien hatten diefen Brunn
Goͤttlicher Süffigkeit in eigene Gewalt genommen / und in ſich
zu einer andern Eigenfchafft verwandelt.
15. Daantwortete Abimelech/ das ift / die Seele / ich habe es
nicht gewuft wer Das haf gethan / das ift/ ich habe es nicht ge=
wuſt dag mich der Teuffelhatte betrogen/dag die falfche Luft war
in meiner Efleng meiner Natur entftanden / und wer den Scha⸗
ven gethan hat: auch haft du es mir nicht angefaget / das ift / du
haft mirs nicht gefaget als dein Bild in mir war / daß dieſer heili>
ge Göttliche Quellbrunn dein wäre / welchen meine Knechte / als
meine Efleng/haben zur Selbheit gemacht / darzu habe ichs nicht
gehöret als heut / dasift / du haſt mirs nicht geoffenbahret / dag
dieſer Quellbrunn dein Sit ift/ als heut / das iſt / heut da dur dich
wicder in Adam nit einem Genaden- Bunde in mir offenbahreft/
da ich deine Stimmein mirhötete,
16. Danahın Abraham Schaf und Rinder / und gab fie Abi:
melech / und macheten beyde einen Bund miteinander / das iſt /
da nahm Chriftus feine Schafe) das iſt Kinder / umd feine Kine
der / das ſeynd Hepden / und die Schafe feynd die Kinder / in
deren der Bund offenbahret ward/als die Juden / und gab fie dent
Barker / und macheten zwifchen Ehrifti Geift und Menfchheit /
und zwifchen den Juden und Heyden einen ewigen Bund mit⸗
einander / daß es follte eine Menfchheit feyn / und nicht zwo.
17. Und Abraham ftellete var ſieben Sammer befonvders +
Diefe fieben Laͤmmer find die ficben Eigenfchafften der natürs
lichen Menfchheit Chriſti / welche er in unferer Menfchheit of>
fenbahrete : Und daß der Geiſt ſaget beſonders / das iſt / daß
Chriſtus in ſeiner Menſchheit der ſieben Eigenſchafften eine be⸗
ſondere Perſon ſey / daß wir Menſchen / als Juden und Heyden /
die wir in ſeine Genade kommen / nicht ſollen ſagen / wir ſeynd
Chriſtus / ſondern wir ſeynd ſein Haus / in dehme er wohnet:
Der Gewalt des heiligen Waſſerbrunnens iſt ſein / wir ſeynd
nur Zweige an ſeinem Baume ; Er iſt mit den ſteben Sämmern
der Goͤttlichen Eigenſchafft in uns beſonders / ſie ſeynd nicht des
Menſchen Selbheit.
18. Allein in der rechten Gelaſſenheit iſt Chriſtus und der
Menſch
Capır und Abrahame rs. 435
Menfch gank eins / wann der menfchliche Wille auffer Chrifto
nichts mehr wil/ fondern fich gantz in Chrifto ergiebet / ſo iſt er
der Selbheit todt/ und lebet allein Ehriftus in ihme: Auch anzu>
deuten / daß feine ercatürliche Perſon mit den fieben Eigen»
ſchafften der Menfchheit follte unter uns / als eine fonderliche
Perſon als ewiger Hoherpricfter/ wohnen.
19. Da ſprach Abimelech zu Abraham : Was follen die ſie—
ben Laͤmmer / die dir befonders dargeftelletyaft ? Das iſt / GOtt
der Vatter ſpielete durch die Eſſentz der Seelen in dieſer Figur
mit Chriſti Figur in Abraham / und ſprach: Was ſollen deine
ſteben Eigenſchafften unſerer Goͤttlichen Natur befonders ?
Warumb/weil du ſollſt die Menſchen neu gebaͤhren und in ihnen
wohnen / wilft du auch deine fteben Eigenfchafften unferer
Göttlihen Natur in eine befondere menfchliche Perfon darftels
len? Und Chriſtus antwortet inder Figur Abrahams : Sieben
Sammer follftu von meiner Hand nehmen / daß fte mir ein ewi
Zeugnuͤß ſeyen / daß ich diefen Brunnen gegraben habe ; das ift
viel geſaget / Chriſtus fpricht zu feinem Vatter in menſchlicher
Perſon / du ſollſt die Figur oder das Bilde meiner ſieben Eigen⸗
ſchafften der menſchlichen Creatur zu einem ewigen Zeugnuͤß
nehmen / daß ich den Quellbrunn des ewigen Lebens in meinem
Leyden und Tode wieder in menſchlicher Eigenſchafft gegraben
habe / daß der menſchliche neu⸗gegrabene Lebens-brunn mein iſt.
20. Und der Geiſt in Moyſe ſpricht gantz verdeckt / darumb
oder daher heiſſet die Staͤtte Berſaba / da ſie beyde miteinander
geſchworen haben; und alſo macheten ſie den Bund zu Berſaba.
Dieſes iſt die gar theure Staͤtte / da GOtt der Vatter und ſein
Sohn in der Menſchheit haben miteinander geſchworen; die
Staͤtte heiſſet Berſaba / als eine Zerſchellung des Todes bey
dem Brunnen des Lebendigen und Sehenden in der verblichenen
Menſchheit / da in Chriſti Menſchheit / welche er von uns Men
ſchen hafte angenommen / der Tod zerſchellet und zerborſten
ward / und der Brunn der Siebe aus dem lebendigen GOttin
unſer zerſchelleten Menſchheit des himmliſchen Theils wieder in
die ſeeliſche Creatur quellete. So ſaget der Geiſt Moyſts num
allhier gar fein / daß dieſe Staͤtte Berſaba heiſſe / da das Zeug⸗
nuͤß dieſes Eydes als ein Gnaden-brunn ſey auffgerichtet
worden.
21. Und wird uns armen Menſchen die Staͤtte Gottes zu
Berſaba gewieſen / da GOtt der Vatter einen ewigen Bund in
Chriſto Jeſu mit uns gemachet hat / als in der Bußfertigen zer⸗
2 ſchelle
436 Vom Bunde Abimelechs Cap.47
ſchelleten Seelen / da fich die arme Seele in dieſem theuren Bund
und Eyd mit zerſchelletem Hertzen der Buſſe gantz einergiebet /
ſo ſtehet ihr der Eyd Gottes im Bunde Jeſu Chriſti in Berſaba
als in der Seelen Zerſchellung offen / da GOtt in Chriſto Jeſu
geſchworen hat / daß er die arme Seele und ihre Kinder und Ne⸗
fen nicht verderben wil / auch dieſem Sand der Seelen / als dem
Coͤrper der Menſchheit feinen Schaden zufügen.
22. Das foilen wir nun unferm lieben Emanuel Jeſu Chris
Fo vertrauen/welcher feinem Batter in unferer feelifchen Eigen
Thafft hat einen theuren Eyd gefchworen / dag er mil feine
Barmhertzigkeit und Siebe nicht von uns wenden / wir follen nur
zu inne in Berfaba kommen und den Eyd annehmen / als unfer
Eigenthumb / das ift / mit zerfchelleten bußfertigen Hertzen.
23. Und Moyſes fagt weiter / als dieſes geſchehen fey ; da
machten ſich auff Abimelech und Dichol fein Feldhaubt⸗
inann | und zogen wieder in der Philifter Land: Das ift fo-
ich gefaget; Als GOtt der Batter hafte die Menſchheit ſeinem
ohne Jeſu Chriſto mit dieſem Bunde und Eyde übergeben /
da gieng er mit feinem Regiment / alsmit Pichol / dag ift / mit
ver äufferen Natur wieder in der Philifter fand / das iſt /indas
Regiment der auffern und innern Natur / welche Philiſtiſch /
das iſt / nach But und Böfe geneigtift: Das deutet an / daß die
arme Seele / ob fie gleich hat den Bund und Eyd Gottesanges
zogen / und mit Chrifto zu GOtt geſchworen / dennoch dieſe Zeit
mufte wieder in dem iradifchen Leibe / alsunter der Heydnifchen
Philiſtiſchen Effeng des Zleifches wohnen / welches diefem Koͤ⸗
ig Abimelech / als der armen Seelen / cin ftäter Widerſatz
iſt / und nur den Bund und Eyd verläffer/ und ſich in feiner
Philiſtiſchen Eigenslüftigen Begierde in die Gelbheitals cin
eigen Land ein fuͤhret.
24. Da denn den armen Chriſten angedeutet wird / daß ſie
mit der neuen Gebuhrt muͤſſen in dieſen Philiſtiſchen Lande oder
Fleiſchhauſe zur Herberge / als gantz Frembdlinge innen liegen /
und dieſe Zeit nicht mögen gang erloͤſet werden: Denn Pichol /
der Seelen Feld-haubtmann / als die Natur / muß dieſe Zeit
in Voͤſe und Gut regieren / und wuͤrcken / und dem edlen Bilde
Ehriſti / als der neuen Gebuhrt ein hartes Creutz / und ſtaͤte An⸗
fechtung ſeyn / dadurch das edle Perlen⸗baͤumlein beweget / und
wachſend gemacht wird / als gleichwie ein Baͤumlein aus der Er⸗
den in Hitze und Kaͤlte im Winde / Regen und Schnee wach⸗
ſen muß; alſo auch das edle Baͤumlein Jeſu Chriſti / Er
erſaba /
Cap. 47. und Abrahams / etc. 437
Da an als inder irrdiſchen Hütten ein Fremdling mit Abra>
ham if,
25. Und der Geift in Moyſe faget weiter: Abraham ader
pflantzete Bäume zu Berſaba / und predigte dafelbft von det
Namen des Herren des ewigen Gottes / und war ein Fremde
ling in der Philifter Sande eine lange Zeit: Dieſes iſt alſo viel
gefaget: Der Geift Ehrifti in Abraham / wenn die Seele hat
Den Bund und Eyd angenommen / daß fieiftgerfchelletin rech»
ter Buſſe / pflanset Bäume in Berſaba / das iſt / er gebaͤhret
him̃liſche Zweiglein in dieſem bußfertigen Hertzen in dem frem⸗
den Lande dem irrdiſchen Menſchen / und prediget aus dieſen
neuen Zweigen von dem Namen des ewigen Gottes / und wohnet
ein lange Zeit / als die Zeit des ganzzen irrdiſchen Lebens / in die⸗
fer Philiſtiſchen Hütten.
26. Umd iftdiefes eine wahrhafftige Figur des armen bußfer⸗
tigen Suͤnders / welcher in Ehrifti Geifte nach dem inwendigen
Menfchen eine neue Ereatur wird) wie er müffe indie Buſſe
eingehen / und im zerfchelleten Gemuͤhte Chrifti Baͤumlein in
ihme aus Chrifti Geiſte pflantzen und mitten unter dem Haufe
fen böfer Menſchen / auch mitdem Perlen⸗baͤumlein Chriſti in
einem frembden Sande / als im böfen verderbten Fleiſch und Blut
wehnen? und allda von dem Kamen Gottes lehren / und die
Heydniſchen / Philiſtiſchen Kinder unterweiſen / daß fie zw
ihme in Berſaba / Das iſt / in wahrer Buſſe in feine Pre=
digt kommen.
27. Alſo fein artig ſpielet der Geiſt in Moyſe mit dem Bilde
Chriſti mit einer aͤuſſerlichen Hiſtorien einfaltiger kindiſcher
Geſtalt / und zeiget uns an / wie wir immerdar werden in An⸗
fechtung / Faͤhrligkeit und Widerwertigkeit muͤſſen ſtehen /
und wie Gott feine Kinder alſo wunderlich errettet / daß auch
die jenigen / fuͤr denen ſie ſich fürchten / und die fie wollen beley⸗
digen / endlichen einen Friedens-bund in ihrem Gewiſſen mit
ihnen machen muͤſſen: Und auch wie die arme Seele fuͤr groſſen
Furchten und Schrecken / keine Ruhe in ſich habe / ftefomme
denn durch ernfte Buſſe in Chrifto zu GOtt / und macheeinen
Bund mit Chrifte in GOtt / day das blöde Gewiffen und die
Natur getröftet werden / auffer dehme iſt eitel Noth / Angft und
Schreden/ wie dem Abimelech gekhahe / da er infalfcher Luft
gegen Saram engündet war: So fihredte GOtt fein Gewiſ⸗
fen/ dag er zu Abraham gieng / und fihfürihmedemüthigtel
und neben groffer Schendung En Bund mit ihme —
3 2
438 Wir Gott Abraham verſuchte / Cap.48-
Alfo gehet es auch allen Kindern Ehrifti/wenn fie die Anfechtung
erdulden / und im Glauben befändig bleiben / fo muͤſſen fich end»
lich alle ihre Feinde ſchaͤmen / und zurück weichen / wie in Diefer
Figur zu ſehen iſt.
Das 48. Capittel.
Wir GOTT Abraham Hrfüchte) und die Figux von
Ehrifti Opffer in feinem Leyden und Tode
fuͤrſtellete.
Geneſ. 22.
xt Achdehme der Geiſt in Moyſe hatte die Figur des
Bundes Gottes in Chriſto Jeſu mit feinen Kin—⸗
dern auffgerichtet fürgemablet/ wie wir armen
Herz Kinder folten und müften aus diefem irrdi⸗
fhen Willen der Eigenheit ausgehen / und in
Ehrifto eines neuen Willens und Lebens gebohren werden/ fo
ſtellet er nun allyie die Figur dar / wie daffelbe zugehen würde
und ſolle / wie Chriftus unfere Scele und Menſchheit folle feinem
DBatter wieder auffopffern/ wieer alsein Opifer folte in Gottes
Zorn⸗feuer eingeworffen werden / und der menſchlichen Seelen
Selbheil und Eigemwillens im Grimme Gotteserfterben / und
aber mit dein göttlichen einigen Willen Gottes durch den Tod
und Zora durchdringen / und den Tod / der die Menfchheitges
fangen hielt/ zerſchellen und zu fpott machen; und alfo die
menfchliche Seele GOtt feinem Vaͤtter wieder in den einigen
ewigen Böttlihen Willen einführen / und ihm Das Reich / das er
ihme in der Menfchheit gegeben hatte / wieder überantworten /
auff daß hernach und in Ewigkeit alleine fey Gottalles in allem)
und die Ereatur wicht mehr eigenes Willens lebe / fondern nur
als ein Werckzeug göttliher Stimme in einer göttlichen Har⸗
moncy erfchalle / und der gange menfchliche Baum nur einer
in allen feinen Zweigen und Aeſten ſey.
2. Diefe Figur ftelletder Beift im Moyfe bi zum Ende aller
feiner Schriften gung Elar für / und fpielet unter der aͤuſſeren
Figur mit der innern / welche ewig bleiben ſoll: So wilich diefe
Figur von Abrahams Verſuchung mit feinem Sohne Iſaac
auch in der geiftlichen Figur darftellen / was damit foll verſtan⸗
den werden. Denn obwohldie Gelehrten gedeutet haben: GOtt
habe Abraham verſucht / daß er ſaͤhe ob er wolle URTPIADEN. w ihn
eſtaͤn⸗
Cap.48. uñ die Figur von Ehrifti Opff.rc. 439
beftändig bleiben / fo hat es Doch noch weit ein andere Deutung)
denn GStt weiß wohl vorhin / was der Menſch thun werde / fo
kan auch der Menſch ohn ſeine Genade in der Verſuchung nicht
beſtehen / wie an Abraham zu ſehen iſt / als er ſein Weib für dem
Koͤnige Abimelech / als er in Gerar zog / verlaͤugnete.
3. Abraham wird allhie in Adam fuͤrgeſtellet / und ſein Sohn
Iſaac wird in Chriſti Menſchheit fuͤrgeſtellet / und die Stimme
die zu Abraham geſchahe iſt GOttes des Batters: Dieſe 3. ſte⸗
hen allhier in der Figur des Proceſſes des Wercks menſchlicher
Erloͤſung / wie Abraham / das iſt / Adam ſolte fein Bild in
Iſaac / das iſt / in Chriſto / der Stimme GOttes im Feuer
GOttes auffopffern / auff daß die Menſchheit im Feuer GOttes
probiret werde.
4. So ſprach nun die Stimme GOttes zu Abraham: Abra⸗
ham: Und er antwortet hie bin ich: Das iſt / GOtt rieff Adam
in Abraham / als allen Menſchen und ſprach: Rim̃ Iſaac deis
nen einigen Sohn / dehn du lieb haſt / und gehe in das LandMoria /
und opffere ihn daſelbſt zun Brandopffer auff einem Berge / den
ich dir ſagen werde. Allhie ſiehet der Geiſt mit Iſaac auff Chri⸗
ſtum: Denn in Iſaac lag der Bund / und der Glaubens-Ens
vom Abraham / aus welchen Chriſtus ſollte kommen: So ſprach
nun GOttes Stimme zu Adam in Abraham / nim deinen Sohn
dehn du lieb haſt / und opfſere ihn zum Brandopffer auff dem Ber⸗
ge / dehn ich dir ſagen werde / das iſt / die Juden als Adams Kinder
ſollten Chriſtum zum Brandopffer opffern / das iſt / der Goͤtt⸗
liche Ens ſollte ſich in Adams Ente einergeben / dehn ſollen Adams
Kinder GOtt miteinander im Feuer GOttes opffern; und deu⸗
tet an / das ſich ein jeder Menſch / wenn er den Glaubens-Ens
hat empfangen / ſoll GOtt gantz auffopffern / und im Feuer GOt⸗
tes feines eigenen Willens erſterben / und in dem Goͤttlichen
Glaubens-Ente durchs Opffer im euer GOttes neu⸗gebohren
erden.
5. So ſagte der Geift im Mofe: Deinen Sohn dehn du lich
haft/ als deinen eigenen Willen / welcher fich hat in eigene Liebe
eingeführer: Diefer eigene Wille mug GOtt geopffert werden/
daß er die eigene Siebe im Feuer GOttes verlaffe/und feine Ei⸗
genheit gantz übergebe / und nicht mehr ihme felber wolle und le⸗
er fondern GOtt /Und deutet recht an / wie ich Chriftus in uns
ſerm menfhlichen Willen] welcher fich in Adam hatte von GStt
abgebrochen/oder gewandt/follte in Adams Perfon GOtt feinem
Vatter wieder gang opffern und ergeben / und wie der Grimm
z 4 GOttes
440 Wie Gott Abraham verſuchte / Cap.48.
GOttes follte den Willen /als den Willen darinnen fich Adam
hatte indie Sclöheiteingeführet/verfihlingen. |
6. In welchem Berfiplingen des Zoru⸗Feuers / der Liebe⸗
Ens im Glaubens-Worte der Goͤttlichen Krafft / der rechte in
Adam geſchaffene Menſch gefaffet / und im Feuer des Verzeh⸗
rens erhalten ſollte werden / gleichwie das Silber und Gold
auffm Teſte / da das Kupffer und alles andere Unreine davon
rauchet / und alleine Das Bold oder Silber im Feuer beſtehet:
Alſo auch) follie die menfhliche angenommene Eigenheit ſambt
dem angenommenen Schlangen- und Thieres-Ente, und alles
das / was nicht im Goͤttlichen Feuer beſtehet / im Opffer verzeh⸗
ret werden / auff dag wir in der Perſon Chriſti wieder einen gantz
lauteren Zugang und offenen Genaden-Brunn haͤtten / fo follte
Chriſtus feinem Batter unferen menſchlichen Willen der Ei-
genheitauffopfferen / und ihme wieder übergeben / und eben am
Berge Moria / das ift / in feinem Tode und Sterben da er für
alle und in allen follte der menfchlichen Selbheit erfterben /
gleich als wie / wen der Stamm des Baumes flirbet / auch alle
feine Hefte in inme erfterben / umd wie fi; der Baum verjunget/
alfo aud) er feine neue Krafft wieder in feine Aeſte einführet/
welches wohl der aͤuſſern Natur nicht möglich ift / aber in GOtt
wohl möglich ift / wie an dein dürsen Stab Yaronis zu fehen
iſt / welcher feines Safftes und Lebens war erſtorben / und Doc) im
einer Nacht gruͤnete und ſchoͤne Mandeln trug.
7. So fügte nun Gott / auff einem Berge / dehn ich dir zeigen
werde / das iſt / nicht ſolte es nach Abrahams Willen gefchehen;auch
ſoll es in uns nicht nach unſerem Willen geſchehen / daß wir uns
wolten fuͤrſchreiben / wo und wie wir uns wolten in Chriſto dem
Vaͤtter opffern / wie Babel thut: Nein / ſondern auff dem Ber⸗
ge / das iſt / an dem Orthe in der Eigenfchafft und in dem Tode /
wie ihn uns der HErr zuſchicket: Wir ſollen nur mit Abraham
gehorſam ſeyn / und uns willig darein ergeben / wenn er uns ihme
opffern wil / uns nicht ſelber geiſſelen / ſchlagen / und plagen / ſon⸗
dern nur mit unſerm Willen in ihn erſincken / und warten big
uns der HErr den Orth zeiget / wo und wie er ung ihm opfferen
wil: Wir ſollen ihme nur unſer gantzes Hertze und Willen
opffern / mit Leib und Seel / und ferner ihm befehlen / was er mit
uns thun wil / wo er uns im Bilde JEſu Chriſti wil nach dem
Seibeopfferen / und wenn ung der HErr zum Opffer ruffet mit
feinem Ereuß / oder uns des zeitlichen Todes wil auffopffern / fo
follen wir mir Abraham ſagen: Hier bin ich HErr; Thue was
du wilt. 8. Und
J
En
+
*
Cap.48. uũ die Figur von Chriſti Opff. ꝛc. 441.
8. Und Abraham ſtund des Morgens frühe auff / undgür*
tete feinen£fel/und nahm mit ſich zween Knaben / und feinen
Sohn Iſaac / und ſpaltete Hols zum Brandopffer / machete
ſich auff und gieng an den Orth / davon ihme GOtt geſaget
hatte.
Diefe Figur ſtehet alſo:
Wenn uns die Stimme GOttes ruffet / fo ſollen wir mit A-⸗
braham balde gehen: Denn fruͤhe heiſſet / wenn die Stimme als
eine Morgenroͤthe anbricht / wenn uns GOtt in uns ruffet / daß
dem Menſchen der Gedancke einfaͤllet / du ſollſt Buſſe thun und
umbkehren / ſo iſts frühe / ſo ſoll er ſeinen Eſel als ven thieriſchen
Menfchen/alsbald mit Gewalt guͤrten / ober gleich ſchreyet / har
re noch es iſt morgen Zeit / ſo ſolls balde im erſten Anblick des
Willens zu GOtt geſchehen / denn das iſt die Hinde die frühe ge⸗
jaget wird / wieder Prophetifche Geift deutet : Denn frühe mie
der Stimme Gottes follte Ehriftus diefen Efel gürten / und
zum Dpffer bringen.
9. Und die zwey Knaben welche Abraham mit nahm / deuten
an die Seele vom erſten Principio , und Die Seele dieſer Welt
als den aͤuſſern Geiſt des aͤuſſern Lebens / dieſe muͤſſen mit Iſaac /
das iſt mit Chriſto in dem alten Abraham / das iſt / Adam / zum
Opffer GOttes gehen / und Abraham / das iſt / der Menſch Adam
in ſeinen Kindern muß das Holtz / darauff das Opffer ſoll ver—
brand werden / ſelber ſpalten / das iſt / wenn er Chriſtum beken⸗
net / ſo ſpaltet er der Gottloſen Hertze / welche mit ihme zum Tode
und zum Opffer GOttes eilen: Denn Adam haͤtte in feiner
Menfchheit GOttes KLiebe und Zorn gefpalten / jest follte auch
Abraham das Holt zum Opffer fpalten : Denn Chriſtus follte
auch den Tod /und das Leben voneinander fpalten./ und fich auff
demfekben zerfpaltenen Holge des Todes und Lebens laſſen in
GoOttes Zorn opffern.
10. Und am dritten Tage hub Abraham feine Augen auff}
und fahedie Staͤtte von ferne: Allyie deutet der Geiftauff A=
dams Schlaff / da er der Engliſchen Belt enifchlieff/und am drit⸗
ten Tage nach feinem Einſchlaffen / als nun jetzt war das Weib
aus ihme gemacht / uñ der Fall geſchehen / Chriſtum als die Staͤtte
GHDttes im Bunde von ferne ſahe: Auch iſt darinn eingeſchloſſen
Die Aufſerſtehung Chriſti am dritten Tage / da er feine Stätte 4
da er wolte und ſollte die Menſchen GOtt ſeinem Vatter auff⸗
efffern und uͤbergeben / von btnege als das juͤngſte Gerichte
2
wir
x
\
—*
%
242 Die Gott Abraham verſuchte / Cap.48.
und letzte Opffer :: Much deutets an / daß Abraham im Geiſte das
Opffer Ehrifti von ferne /als zukuͤnfftig / mehr als über 2000,
Jahr ſahe / und daß der Beift ſaget Abraham habe feine Augen
sin dritten Tage auffgchoben/ und die Stätte gefehen/ift gar an⸗
ders nichts / als daß Ehriftus unfere menfchliche Augen habe am
dritten Tage aus dem Grabe von den Zoden wieder in GOtt
suffaehaben/ und dag es zu der Zeit Abrahams noch fey ferne ge=
weſen / fo fpielet der Geift alfo mit der Figur auff das Künfftige.
xr. Und Abraham fprach zu den zween Knaben die er
inienahm : Bl iberihr hie mit den Sſel / ich und der Knabe
wollen dorthin gehen/und wenn wir angebethet haben / wol⸗
les wir wieder zu euch Eommen.
Diefe Figur ftehet im Innernalfo :
Die zween Knaben mit dem Efel follten da bleiben/und diß⸗
mahl nicht mit zum Opffer gehen / nur Abraham und Iſaac ſoll⸗
ten das verrichten/ das iſt wir arıne Hevæ Kinder follen mit uns
ferer innern und aͤuſſern Serlen/ als mit dem erſten und dritten
Principio unfers Lebens dieſe Zeit mit dem Efel/ als mit dem
Auffern Seibe allhie in diefer Welt bleiben: Chriftus aber in
Iſaac/ und Abraham in Adam ſollten hin zum Opffer gehen / das
iſt / Chriſtus ſtund in Abrahams / als Adams Perſon / und auch
in ſeiner himmliſchen Menſchheit / der ſollte allein hingehen und
das Opffer feines Leibes dem Zorn⸗feuer feines Vatters auff⸗
opffern / und fuͤr uns in GOtt feinem Vatter anbethen: Dar⸗
umb ſagte er / er wolte dorthin gehen / das iſt / wenn er ſein Leben
würde auffopffern / fo wolte er dorthin gehen / das iſt / zu GOtt
gehen und fuͤr uns bey GOtt anbethen.
12. Deutet an feine Himmelfahrt nach der Menſchheit / da
er das Opffer verrichtet hatte / ſo gieng er dorthin / und bethete in
unſer angenommenen Menſchheit in GHtt feinem Vatter an /
das iſt / unſer angenommene Seele in Goͤttlicher Krafft und Ei—
genſchafft bethet und vertritt unſer Schwachheit und Unwiſſen⸗
heit in und vor GOtt. Darumb ſaget Abraham: Wir wollen
dorthin gehen und anbethen / das iſt / wir GOtt und Menſch / und
wenn wir angebethet haben / wollen wir wieder zu euch kommen /
das iſt / wir arme Heve Kinder müffen dieweil mit dem Eſel
warten / biß die Zeit feines Opffers und Gebeths aus iſt / alsdenn
fo tomt er wieder zu uns / wenn wir den Lauff des aͤuſſern Efolie
ſchen Lebens vollendet haben. } }
3. Auch deutet es an / daß er von der Staffel da er a
i J
4
Cap.48. uũ die Figur von Chriſti Opff.ꝛc. 443
fahren / wenn die Zeit feines Opffers im Gebeth wird aus ſeyn /
wil gewiß wieder zu uns kommen / und mif der ereaturlichen
Menfchheit fichtbarlich unter uns wohnen/ wie denn Die zwey
Engelfagten als er zu Himmel fuhr zu den Männern von Iftael/
ihr werdet diefen IEſum fehen wiederkommen / mie er ift auffge⸗
fahren / welche Zeit jetzo nahe] und feine Stimme die
Braut zuzubereiten ] febon erſchollen ift/ und follen die
fes für Eein ungewiß Gedichte halten. Es ift erfihienen
der Morgenftern und Botte ver Verkuͤndigung.
14. Und Abraham nahm das Hols und legte es auf
Iſaac feinen Sohn das zum Brandopffer follte/ er aber
nahm das Feuer und Meſſer in feine Hand / und giengen Die
beyde miteinander.
Die innere Figur ftehet alfo:
Adam hatte GOTTES Fiebe und Zorn in ſich zerfpaltet/ und
ftch mit dem creaturlichen $eben in Zorn eingeführet / weicher
hatte die irrdiſche Eitelkeit in fich gefaſſet: Jetzt deutet der Geift
Moyſis allhier auff dieſelbe Figur / wie Chriſtus ſollte unſer
eingeführte Sünde auff ſich nehmen und zum Feuer⸗Opffer
tragen.
15. Und Abraham nahm das Meſſer und Feuer: Abraham
deutet Adam an / welcher das Zorn-feuer GOttes in ſich nahm;
und das Meſſer deutet den Tod an / daß Chriſtus ſollte getoͤdtet
werden / und in Abrahams / das iſt in Adams Zorn⸗feuer dem
Vatter auffgeopffert werden; und deutet klar an / daß es Abra⸗
ham / das iſt / Adam ſollte C von Menſchen ſollte
Chriſtus geopffert werden: ABA der Menſch Adam hatte das
Feuer-holtz / als die Suͤnde zum Opffer auff ſich genommen / ſo
muſte es auch der Menſch / als die Juden / dem Zorne GOttes
opffern / auff daß der Menſch durch den Menſchen verſoͤhnet
wuͤrde / verſtehet durch die Menſchheit Chriſti.
16. Da ſprach Iſaac zu ſeinem Vatter Abraham: Mein
Datter : Abraham antwortet / bie bin ich mein Sohn; und
er ſprach: Siehe / hier iſt Seuer und Holg / wo iſt aber das
Schaf aum Brandopffer ? Abraham antwortet: Mein
Sohn / GOTT wird ihme erfehen ein Schaf zum Brand»
opffer / und giengen die beydemireinander.
Die there Zigur ſtehet alſo:
Der Geiſt fpielst allhie in Chriſti Perſon / welcher war in
| &6 groſſer
bu
444 Wie Got Abraham verfuchtel Eup.48-
groffer Demuth in Adams Menfchheit kommen / und ftellet fich
feinem Vatter in Adams Elſentz mit feiner him̃liſchen Menſch⸗
heit dar / und ſpricht: Siehe mein Vatter / hie habe ich die Suͤn⸗
de und den Tod in der Menſchheit auff mich genommen / hie iſt
nun das Feuer Deines Zorns / als die zertrenneten Lebens-Ge—
ſtaͤlte menfchlicher Eigenſchafft / Seltheit und eigenes Willens ;
in dieſem habe ich nun das Hols/ darinnen dein Zorn⸗-feuer bren⸗
netz Hie habe ich nun das Holtz /als aller Menfchen Sünde/
und auch dein Feuer zum Opffer / wo iſt nun das Schaf/ als das
gedultige Lamm / das da folk in Diefem Feuer geopfert werden ?
Und Abraham antwortet aus. feinem ftarden Glaubeng-Ente;
Mein Sohn/ GOtt wird ihme erfehen cin Schaf zum Brands
opffer / und giengen die beyde miteinander.
x7. Allhie ſtellet ſich Chriſtus in Ifaacs Figur in unferer atta
genommenen Menſchheit feinem Matter dar / und ſpricht: Wo
iſt nun das Schaf zum rechten Verſoͤhn⸗opffer ? Aber der Glau⸗
be Abrahams hatte das gedultige Schaf ergriffen / welches in
Ilaae lag / als dic himmliſche Menſchheit / welche GOtt wolte in
dem Glaͤubens⸗Ente in unſerer verblichenen auch himmlifchen
Menfchheit eröffnen] und ſagte / GOtt wird ihme ein Schafzum
rechten Brandopffer erfehen/ und deutet heimlich auff die himm⸗
liſche Menfchheit/ welhe GOTT würde in Shrifti Renſch⸗
heit / als in unferer Menschheit einführen/pie follte das gedultige
Schaf ſeyn / das ihme GOtt wuͤrde erfehen / welches Abraham
hatte ſchon im Glauben ergriffen / und darauff deutete.
x8. Und daß der Geiſt Moyſis ſaget: Und giengen die beyde
miteinander / verſtehet zum er / das deutet an unſere Adami—⸗
ſcheMenſe chheit / und en übernatürlihe Menfeh >
heit Böttlicher Weſenheit / dieſe beyde ſollten miteinander
zum Opffer GOttes gehen / wie denn Chriſtus hat ſeine himm⸗
Afche Menſchheit in unſerer Menſchheit dem Vatter am Creutz
geopffert / und mit der himmliſchen unſere im Zorne GOttes ge—
fangene verſoͤhnet / und im Feuer GOttes Zorns erhalten / wie
Das Gold im Seuer vonder Tinctur erhalten wird,
29. Und als ſie kamen an die Stätte/die ihme GOtt füg:
te: Bauete Abraham dafelbit einen Altar / und legere das
Hol darauff / und band feinen Sohn Iſaac / und legete ihn
auff ven Altar oben auffdas Holtz / und reckefe feine Hand
aus / und faſſete Das Meſſer / daß er feinen Sohn ſchlachte⸗
se, Dieſes iſt nun der Ernft/ als die Figur / wie GOtt feinen
Sohn durch Adams Kinder als durch NE ad *
uden.
Cap.48. nädie Figur von Chriſti Opff. 16.445
Juden / wolte binden / das iſt unfere Sünde binden / und auff
das Holg legen / das ift / ans Ereug hängen) als an die Figur
der H. Dreyfaltigkeit / welche im Menſchen war/ zu einem hölgers
nen indifchen Creutz worden/ da zuvorhin das Lebens-Creutz /
als dic Figur der Gottheit war in Adam geiftlich / und heilig ge>
wefen / hatte fich aber in der irrdiſchen Luſt irrdiſch / und wie hoͤl⸗
tzern gemacht: Alfo folle auch der Tod / als das flerben des hei⸗
ligen Creutzes im Menfchen / an einenr hölsernen irrdiſchen
Creutze GOtt wieder geopffert werden / und wieder auß dem irr⸗
diſchen Tode in die heilige geiftliche Figur gewandelt werden.
20, Ehriftusfolte nicht gefchlachtet werden / fondern auffges
hencket / durchſtochen an Händen und Füffen: Denn der Zorn.
GoOttes war in dem Wandel unferer Haͤnde Werck und unſerer
Fuͤſſe Gehen auffgewachet: Alſo muſte auch Iſaac in der Figur
Chriſti nicht geſchlachtet werden / und auch nicht verbrennet /
denn er war nicht der rechte / ſondern nur die Figur in unſerer
Menſchheit / denn er konte diß Opffer nicht verrichten in feinen
Kraͤfften / und deutet an / daß wir mit Ehriſto wohl gebunden
und auff das Holtz geleget werden / auch um Chriſti willen ſter⸗
ben muͤſſen: Aber wir koͤnnen mit unſerm Tode nicht dieſes Opffer
erreichen / daß wir es ſelber in GOttes Zorn-feur vollendeten /
und GOtt mit unſerm Tode verſoͤhneten / ſondern Chriſtus hats
allein gethan: Gleichwie auch Iſaac das nicht thun konte / ſondern
der Glaubens-Ens in Abraham und Iſaac / aus welchem Chri—⸗
ſtus entſtund / derfelbe thaͤte es / und kan es noch heutiges Tages
in den Chriſten in Chriſto / in ſeiner Menſchheit in uns thun.
zu. Und wie Iſaac in Chriſti Figur dargeſtellet ward / als ſolte
er das Opffer ſeyn: Alſo auch mug ein jeder wahrer Chriſt mit
Iſaac in Chriſti Figur eingehen / ſich willig in Tod Chrifti einers
geben / feine Suͤnde mit dem Willen im Geiſte Chriſti binden /
und auff den Altar Chriſti aufopffern / und willig wollen der
Süuͤnden abſterben; alsdenn komt GOttes Stimme / wie zu
Abraham und zu Hagar in der Wuͤſten Berſaba geſchahe / und
ſpricht: Thue der Natur / als deinem Sohn nichts: Nun weiß
ich daß du GOtt glaubeſt.
22. Es muß aber fo weit mit dem bußſertigen Suͤnder kommen]
als allhie mit Abraham und Iſaac / da Iſaac ſchon gebunden
auff dem Holtze lag / und Abraham das Meſſer faſſete ihn zu
ſchlachten / alſo gat muß es ein Ernſt ſeyn / daß der ſuͤndige
Menſch die Suͤnde bindet mit allen Sinnen und Gemuͤhte / und
ſteh in Proceß gang einergiebet / daß er nun wil der Suͤnden ſter⸗
7 den/
446 Wie Gott Abraham verfuchtel Cap.48.
ben / und fie im Glauben und Bertrauen u Gott inChriſtiTod opf=
fern. Er muß das Meffer mit Abraham in die Hand nehmen] Das
iſt / das Werder ernften Buſſe der Sünden zu flerben/gang ing
Gemuͤhte faſſen zuthun: Ins Thun muß es Eommen/ und nicht
nur für den Altar tretten/ und fagen: Sch bin ein Sünder! GOtt
hat Chriſtum für mich geopffert und den fündigen Willen anbes
halten: Sondern die Sünde in Chrifti Tod binden / und fich gan
auf allen Kräfften auff diefen Brandopffers-Altar auffs Holtz
legen.
23. Der boͤſe irrdiſche Wille muß gebunden werden und mit
ernſte uͤbergeben / und auff Gottes Altar inChriſti Tod eingeworf⸗
fen / und in Chriſti Sterben mit geopffert werden: Nicht nur den
Schalck troͤſten und mit Chriſti Tod kitzeln / ſagend / GOtt neh—⸗
me die Suͤnde in Chriſti Bezahlung von uns / wir doͤrffen ung
nur deſſen troͤſten und von auſſen annehmen: Rein / nein: Es gilt
nicht / ſondern der Sünden in Chriſti Tod mit ſterben / und Chri⸗
ſti Opffer in ſeinem Tode anziehen / und als ein gehorſamer Iſaac
in Gottes Erbarmen im Geiſte und Chriſti Willen / in Chriſto
mit und in ihme auffſtehen / daß uns GOtt von dem Altar des
Suͤndenopffers mit Iſaac in Chriſto rechtfertiget / welcher das
wahre Opffer in der Figur Iſaacs iſt.
24. Nicht wie Babel lehret / es muß Ernſt ſeyn und nicht nur
troͤſten / ſondern mit Abraham GOtt gehorſamen / alsdenn zie⸗
hen wir Chriſti Leyden und Tod an; und gilt allein Chriſti Tod in
uns / und heiſſet / ihr ſeyd auf Genaden in Chriſti Verdienſt ſeelig
worden: Nicht der Wille der Selhheit erreichet das / ſondern der
in Chriſti Tod eingehet und ſtirbet: Zum Sterben des eigenen
Willens muß es kommen / daß der Seelen-Wille der Sünden
im Fleiſche / als des Fleiſches Luſt gram werde / daß ſte Feinde
werden / ſonſt iſt Chriſti Tod keinem nichts nuͤtze.
25. Und Moyſes ſaget: Da rieff ihme der Engel des Herrn
vom Himmel und ſprach: Abraham / Abraham / das iſt ſo
viel / wann der Menſch feinen Willen gang über gibet / und wil
des Herrn Mund gerne gehorſamen / und hat ſich in Chriſti Ley⸗
den und Tod / auch Spott einergeben / daß er wilin Creutz und
Leyden nun GOTT unter Chriſti Blutfaͤhnlein ſtille halten / ſo
ruffet GOtt dem Menſchen mit einer zweyfachen Stimme / wie
allhie Abraham / da GOtt ſagte: Abraham / Abraham: Das
iſt / er ruffet ihme in feiner eigenen Stimme / in ſeinem Worte /
und auch in der Stimme menſchlicher Eſſentz das iſt / er thut ihme
in ihme das Goͤttliche Gehör / daß er GAITT von augen in ——
or
\ Eee >
Cap · 48. uũ die Figur von Chrifti Opff.ic. 447
Worte ſeiner Diener hoͤret / und auch von innen in ſeinem eige⸗
nen Lebens-Worte / als in der ſenſualiſchen Stimme / welche
fich in Babel beyden Kindern Nimroths zertheilete / undin die
Geifte der Buchſtaben füffete/ da denn die mentalifche Zunge
compactiret ward: Allhie gehet ſie wieder inder uncompadirten
fenfualifchen Zungen auff / daß der Menſch höret was der Herz
in ihme redet; davon Babel nichts weiß noch wiſſen kan / noch
wil / ſondern ſteiget in der compactirten Zungen am Thurn Bas
bel immer hinauff in einen Himmel der menſchlichen Selbheit /
und hat Chriſti Roͤcklein vonausen aber ſich / aber die zweyfache
Stimme hat fie nicht / darum höret fie auch nicht wenn GOTT
Abraham ruffet.
26. Ind Abraham antwortet: Hiebinich: Er ſprach / lege
deine Hand nicht anden Anaben / und thue ihm nichts/ denn
nun weiß ich / daß du GOtt fuͤrchteſt / und haft deines einigen
Sohns nicht verſchonet umb meinent willen. Das ſtehet al⸗
fo: Wenn der Menſch feine Selbheit / als feinen eigenen Willen
oder Sohn gantz uͤbergiebet / und ſich gantz zun Sterben in Chriſti
Tod hat zugerichtet / fo tritt Die Natur des Menſchen in Trauren /
denn ſie hat ihr Recht verlohren; ſo ſchreyet der Geiſt Gottes
durch die Seele / thue deiner Natur nichts / nun weiß ich / daß fie
mir ergeben iſt / und dag ſich die Seele in GOtt verwegen hat /
auch das aͤuſſere Leben umb Gottes Willen zu laſſen / und ihren
Willen mir in Gehorſam übergeben / wie allhie Abraham hatte
feinen Willen gantzin GOTT ergeben / cr wolte jetzt thun was
ihn GOTT heiß.
27. Und wie Abraham ſeines Sohns nicht ſchonete und ihn in
Tod wolte geben / alſo auch fehonete GOTT feines Sohns nicht /
und gab ihn in Tod fuͤr uns: Alſo auch ſollen wir unſer und unſers
eigenen Willens nicht ſchonen / ſondern lieber wollen alles ver—
laſſen / was der eigene Wille hat beſeſſen und beliebet / und allem
zeitlichen Weſen uͤnb GOttes wollen gerne abſterben / es ſey gleich
Fuͤrſtenthum oder Koͤnigreich / zeitliche Ehre oder Guth / oder
was das ſeyn moͤge / welches alles unſer lieber Sohn iſt / das al⸗
les muß ein Chriſt im Gemuͤhte uͤbergeben / und ſich nur einen
Diener darinnen ſchaͤtzen und ſchten / auch das zeitliche Leben nicht
achten als für ſeines / ſondern im Gemuͤhte von aller Creatur auß⸗
gehen: Alsdenn ſo lieget er gebunden auff dem Holtze des Brand⸗
opffers-Altar / und wartetder Stimme GOttes vom Himmel/
welche ihm zufchreyet / und feines Schens Stimme und Mund
wird; und das heiſſet recht mit Abraham GILT —
*
“=
448 ie Gott Abraham verſuchtte / Cap.48.
GOTT im Menſchen glaubet; fo ſpricht GOTT alsdenn / nun
weiß ich daß du GOTT fuͤrchteſt und ihme allein traweſt / denn
der Menſchliche Wille erſincket in das allerlauterlichſte Weſen
GOttes.
28. Da hubAbraham feine Augen auff! und ſahe einen Wid⸗
der hinter ihm in der Hecken mit feinem Hörnern hangen/und
gieng hin und nahm den Widder / uñ opfferte ihn zum Brand»
opffer an ſeinesSohns ſtatt; uñũ Abraham hieß die Stätte: Der
Her: ſiehet / da man noch heutiges Tages ſaget / auf dem Berge
da der Herr ſiehet. Das iſt die guͤldene Figur / daß die Ertoͤdtung
und das Sterben nicht den rechten Menſchen angehet / ſondern den
Widder mit feinen Hoͤrnern / welcher in Fleiſch und Blutinden
Doͤrnern der Sünden behanget: Und deutet erftlih an/ dag der
rechte Seelen⸗Menſch in Chriſto und feinen Kindern in dieſem
BrandopfferGottes nicht folte ſterben fondern nachdehme er den
Willen feiner Selbheit hat GOTT ergeben; fo thut ihme GOtt
Die Augen auff / daß er hinter fich den Widder Fals des wilden kös
fen Fleiſches Willen erſtehet und kennen lernet/welcher Wille mit
feinen ſtoſſenden Thieres-hörnerminder Dornhecke des Teuffels in
Fleiſch und Blut hanget / als in der Begierde der Eitelkeit der
Weitin eigener Luſt. Dieſen ſiehet die gelagene Seele und opffert
ihn zum Brandopffer an der wahren Natur ſtatt / dan die rechte
Natur wird in dieſem Brandopffer von dem Widder des Fleiſches
erloͤſet. Die Hörner ſeynd des Teuffels Eingriffe / und die Dorn⸗
hecke iſt der Schlangen Ens, welchen Adams Luft hateingeführet.
29. Alfo follen wir in dieſer Figur verfichen/dag nicht der. gatıs
tze Menfch in Ehrifti Perfon folte dem Zorne GOttes gegeben
werden /dagerden Adamiſchen Menſchen folle gantz verfchlingen
und verzehren; Nein / ſondern nur den wilden Widder / als den
Widerwillen / die Eigenſchafft der Abweichung / die $chens-El-
Kent aber folte ewig bleiben, Derfelbe Adam dehn GOtt ins Pa>
radeig ſchuff / derſelbe follemwig bleiben; aber die Zertrennung
der Lebens⸗geſtaͤlte / indehme fe fich hatten zertrennet / und in die
Eigenfhafft zur Selbheit eingeführet-/ davon der Sreit und
Widerwille im Menfchen Me diefer böfe Widder muſte in
Ehrifto im Feuer GOttes Zorns genpffert werden / als die einge⸗
führte Sucht / der Widerwille; das war des. Thier zum Brand⸗
erffer. Das Lamm GOttes in Adam follnicht im Feuer verzehrat
werden / ſondern nur fein Blut vergieffen/fich gan mit der menſch⸗
lichen Natur wieder in das Eine / als in dag ewige Nichts aufs
ſer aller Natur erſencken / und alsdenn heiſſet die ſelbe —
*
Cap.48. uñ die Figur von Chrifti Opff ic. 449
Hie fiehetder Herr / das iſt / wenn der Widder geopffert ift/ fe
iſt Diefelbe Stätte hernach der Teinpel Gottes da der Herr ſichet.
30. Und redet der Geiſt Mopfis gan verdeckt davon / und ſa⸗
get: Daher man noch heutiges Tags faget/ auff dem Berge dader
HErr ſtehet: Der Berg ift die Schens- Natur /dader HErr nicht
aileinin Abraham und Iſaac geſehen hat / fondern er ſiehet in
Chriſti Beifte noch heutiges Tages auff dieſem Berge inden Kin⸗
dern GOttes: Wenn murder Widder geopffert wird / alsdenn
fiehet ver Geiſt Gottes durch die Natur / wie die Sonne ein Glas
durchſcheinet / oder ein Feuer ein Eifen durchglühet.
312. Darumb ſo der Menſch nicht fo thöricht ſeyn / und fein
gantzes Schen in feiner Buſſe und Umwendung wollen marteren /
und ins Feuer des Tods opffern / ohne Befehl GOttes / ſondern
nur die Suͤnde und Eigen⸗-liebe der Eitelkeit: Nur den Widder
ſoll er opffern / und der Natur nichts thun / ſie nicht ſchlagen /
geiſſelen / oder in ein Loch kriechen / und den Leib laſſen verhuns
gern: Nein / er ſoll GOttes Bilde nicht dem Tode auß ſcineu
Vorſatze geben / fondern den Widder: Er verdienet nichts mit
eigener Plage / denn GOTT hat ſein Hertz daran gewandt / daß
er uns von Plage und Marter erloͤſe.
32. Wenn die Seele mit der rechten Natur ſich vom Widder
des Fleiſches hat abgewandt / ſo ſoll ſte den Widder vom Tode Chri⸗
ſti opffern: Sie aber ſoll in groſſer Demuth in der Gelaſſenheit
in GOTT hbleiben ſtehen / und ſich weiter nicht martern / weder
mit Zweiffel noch mit andern aͤuſſerlichen Handt⸗plagen / und der
Natur ihre Nothurfft geben / ſich ſelber nicht kraͤncken; denn fie
it GOttes Tempel und Bilde; ſondern nur den Widder im Flei-
ſche foll fie alle Stunde tödten / als des böfen Fleiſches eigen Luſt
und Willen zur Selbheit diefer Welt / obgleich das Fleisch uns
ruhig iſt / wann es foll verlagen was es gerne hätte) deflen fol
ſich die Natur und Seele nicht annehmen / auch nicht alſo umb des
Fleiſches willen ſorgen / wo das werde Nahrung nehmen / ſondern
GHIT befehlen / und in feinem Ruffe gehen als cin Tag⸗ loͤhnet
in ſeines Herrn Dienſte / und GOTT laffen für den Widder ſor⸗
gen / wascrihmgebenwil. _
33. Und der Engel des Herrn rieff Abraham abermahl vom
Himmel und ſprach: Ich habe bey mir ſelber geſchworen /
ſpricht der Herr: Dieweil du ſolches gethan haſt / und haft dei⸗
nes einigen Sohns nicht verſchonet / daß ich deinen Saamen
ſeegnen und mehren wil / wie die Sternen am Himmel / und
den Sand am Meers⸗Ufer; und dein Sgame ſoll — die
ore
N
*
450 Wie Gott Abraham verſuchte / Cap.48.
Thore ſeiner Feinde / und durch deinen Saamen ſollen alle
Voͤlcker auff Erden geſeegnet werden / darumb daß du meiner
Stimme gehorchet haſt.Alſo machete ſich Abraham wieder zus
feinen Knaben / und machten ſich auff / und zogen miteinan⸗
der gen Berſaba / und wohneten daſelbſt. Dieſes iſt nun das
Siegel des Glaubens / wann ſich der Menſch GOTT gang er>
gibet / ſo ſchweret GOTT in die Menſchheit ben ſich ſelbſt / daß
erden Menſchen wil ſeegnen / daß ſich feine Lebens-Eſſentz in feiner
Kraffthinfüro ſoll ausbreitten / und in einen groſſen Baum goͤtt⸗
licher Ellentz in der Weißheit wachſen / welches Frucht und Er-
Fantnüg unendlich und unzaͤhlig ſeyn ſoll / wie er Abraham ſchwur /
daß aus feinem Leibe oder Schens-Efleng ſolten viel Voͤlcker ent⸗
ſtehen; auch wie feine Sebens-Effens ſolle die Thore der Feinde /
als des Teuffels und Todes befigen / wie er dan allhie von Chriſto
und feiner Chriftenheit deutet / wie fie follen dem Teuffel fein
Reich zerftören / und feine Thor im Menſchen zerbrechen / ein ſol⸗
ches vermag der Glaubein GOttes Kindern.
34. Dans fo bald in dein bußfertigen Menfchen das Gerichte
tes irrdiſchen Menſchen gehalten worden iſt / daß die Seele des
boͤſen Fleiſches Willen / als den Willen der animaliſchen Seelen
verwirfft / und ins Berichte zum Berdamnuͤß des Todts ſtellet /
und ſech gantz in GOTT ergibet; fo ſchweret GOTT in Chri⸗
ſto Jeſu dieſen Eyd indie Seele / und ſetzet ſte zum Fuͤrſten uͤ—
ber die Feinde / als über die ſtoltzen Teufſel / als zu Richtern der>
ſelben / daß die Secle Gewalt über fie krieget / diefelben zu
vertreiben.
35. Nach diefen Befchichten erzehlet Monfes / wieder Seegen
Abrahams lich Habe ausgebreitet / und deutet auff ſeinen Bruder
Nahor / wie ihme die Milca habe 8. Söhne gebohren / daraus
greife Völker entflanden ſeynd / als die Syrer / welche jwar
nicht aus dem Glaubens-Ente wie Abraham / als in derLinca
Chriſthentſproſſen / fondern aus dem natürlichen Adam / über
welchen auch Abrahams Seegen gieng: Dan die Hiftoria ift alfo
fein abgemahlet / daß man kan fehen / wie GOTT nicht allein die
natürfiche Lineam Ehrifti aus Abraham und Iſaac habe erwaͤh⸗
let fondern auch die Sini der Natur im Adamifchen Baume /
welche er wolte herzufuͤhren / und fich ihnen offenbahren / undin
die Lini Chriſti einpfropfen/ und welche würdenan GOTT glaͤu⸗
bigwerden/ das ift/ welche des Göttlichen Entis in der Stim—
me des HErrn würden fühig ſeyn derer Wille gegen GOTT
fich richten würde,
>
C.48. uũ die Figur von Chriſti Opffer/ ac. 451
36. Wiedanindiefer Figur abermahl zu fehen iſt wie GOtt
das Keichder Natur im Menſchen nicht habe verworffen / fon=
dern daß ers in Chrifto aus der Angft und Wider-willen wolle
erlöfen/ und daß ein Menſch im Neicheder Natur folte und muͤ—⸗
ſte bleiben innen ftehen / gleichwie Abraham / nachdeme er diefes
Dpffer verrichtet hatte / wiederum mit feinem Sohn und zweyen
Knaben gen Berfaba giengen)/ und daſelbſt wohneten ; unter
welchender Beift Moyſis andeutet / das / als Abraham hatteden
Stindin der Figure CHrifti vor den HErım verrichtet / fen er
wieder in fein natürlich Geſchaͤffte als in das Wuͤrcken dieſer
Welt Wefen gegangen / als gen Berſaba / das ift / indie Mühe /
darein uns Adam hat eingeführet / da ein Kind GOttes in der
Zerfihellung der Natur /als in Berfaba / mugin GOtt würden
mit Schren und Vetten / und auch inderRatur init Handfearbeiten
den aͤuſſern Menfchen zunehren / unddie Wunder der aͤuſſern
Welt im geformten Wort zur freiben/un inFiguren zur Beſchaw⸗
ligkeit der Weißheit Gottes formen und helffen offenbahren.
37. Auch anzudeuten / daß ein Kind Gottes in dieſer Welt
Weſen nicht alle Tage uñ Stunden in Wuͤrckung der geiſtlichen
Figur ſtehe / Day ſein Geiſt das ſehen und erkennen möge / ſon⸗
dern auch in natuͤrlicher / da der Geiſt Gottes im Wercke der
Natur mitwuͤrcket / und ſich in anderer Eigenſchafft in ihme
offenbahret / wie bey Abraham und allen Heiligen zufehenift ı
dag gar balde Sottinder Figur Chriſti tich ihnen offenbahret /
gar baloe auch in Ereug und Mühe / in Anfechtung und Wi⸗
derwertigkeit der Natur des verterbten Adams / dag fie haben
in Schwechheit und Gebrechen Belcbet/ wie alle Adams Kinder.
38. Und follen diefe Figur beym Abraham in allem dehmer
was der Geiſt Moyſis und Efrz hat auffgefhrichen/ an
derfinicht anfchen und betrachten / als ein Fürbilde Chrifti
und Adams / als des Reichs Chrifti und des Reichs der Natur /
wie ihme Gott habe die Figur Chriftiundfeiner Chriftenheit
fürgeftellet / wie er wolle den Menſchen wieder von der groſſen
Muͤhe erlöfen. i
39. Darneben dan auch immerdar fürgeffellet wird das Reich
der Finſternuͤß in Pein und Quaal/ wiedaffelbe auch nach dem
° Menfchen greife; und wie der Menfch allhie im einem Acker
fiche und wachfe / da balde die Sonne Göttlicher Siebe über ihn
herfcheine / gar balde auch Gottes Grimm und Zorn / und wie
der Menfih muͤſſe bewähret und geläutert werden ; und ift dig
das fuͤrnemſte Stuͤck darinnen / wie fih der Menſch — im
au⸗
452 Dom Tod Sarälumdonm Erb⸗ C. 49,
: Glauben und gangem Bertrauen Gettergeben und ftillyalten /
ihn laffen in ſich würden, und wie er ſeine eigene Natur foll
‚lernen bändigen / und gegen Gott führen/ daß fie in allen
Dingen begehre Gottes Werdzeug und Diener zufenn / und
anders nichts wolle würden / ohne was gu Göttlicher Offenbah⸗
rung in den Wundern der Natur zur Beſchauung Göttlicher
Weißheit gehöret / und dargegen des Teuffels Eigenwillen und
alle Begierde zur Selbheit verwerffen. .
40. Und ſollen die auffgeſchriebene Geſchichte beym Mofe von
den Ertzvaͤttern nicht alſo blind anſehen / wie die Juden und
Babel thut / als ob es nur leere Geſchichte waͤren: nein / es
ſeynd auch nicht allein Fuͤrbilde Chriſti une Adams / als des Alten
und Neuen Menſchens / ſondern heimliche Deutungen der verbor⸗
genen geiſtlichen Welten / was hernach nach dieſer Zeit ſeyn
werde.
41. Die Vernunfft ſoll wiſſen / daß ſich nicht eben der Geiſt
Gottes habe bemuͤhet im Werde dag er wolte die Hiſtorien
der Alten darſtellen / welche doch meiſtentheils Kindiſch und
Einfaͤltig ausſehen: Nein / es iſt uns zum Fuͤrbilde und zur
Lehre dargeſtellet.
42. Der Geiſt Gottes hat die groͤſſeſte Wunder / ſo er in dem
Menſchen hat wollen vellbringen / damit fuͤrgemodelt / und
darzu gantz einfaͤltig und Kindiſch / auff daß er des Teuffels
Hoffart / und der Vernunfft Klugheit darmit zum Narren
mache.
43. Und man erkenne / daß in der Demuth und Niedrigkeit
die groͤſſeſte Krafft und Tugend ſambt den Wundern liegen;
und wie Gott allen Dingen fo nahe ſey / und ihn doch kein Ding
begreiffet / es ſtehe ihm dan ſtill amd ergebe den eigenen
Willen / fe würdet er durch alles/ gleichwie die Sonne durch
Die ganke Welt. Pa;
| Das 49. Capittel.
Vom Todt Sarz | und vom Erb:begräbnüf Abra:
hams / was darbey angedeutet und zu verſtehen ſey.
Geneſ. 23.
2. Er Beift im Moſt bat ihme die ganke Figur vom
Menfchen bey Abraham fürgeftellet/ was fein
Zuftand in Diefer Welt ſeyn würde / und was
hernach mit ihme ſey: Dann als er erſtlich vom
Anfang’ als vom Stamme Des menfhlichen
Bauıns/
Cap.49. Begraͤbnuͤß Abrahamsize. 453°
Baunms / woher der fey entſproſſen / hat gefaget ; fo zeiget er
hernach feine Acfte und Zweige / neben feiner Krafft und Tugend
an/ und meldet / wie diefer Baum in feiner Krafft und Eſſentz
fey verderbet worden / und wie GDtt habe die höchfte Tinctur
darauf gewandt; denſelben wieder zu tingiren und zu verneuern⸗
und wie ber Gifft in der Eſſentz dieſes Baumes ſey widerſtanden
worden.
2. Allhie deutet er nun gantz wunderlich an / wie dieſer Baum
in der verderbten Eigenſchafft in einem fremden Acker ſey geſtan⸗
den / und ſich mit der Wurtzel in einer fremden Eigenheit ein⸗
gewurtzelt / dariñen die Wurtzel nicht daheim geweſen; und wie die
Wurtzel des Menfihen-Baums muͤſſe den fremden Acker ſambt
der eingefuͤhrten freinden Eſſentz verlaſſen / und ſich gantz frey aus
ihrem Lebens⸗willen und Begierde ausgeben.
3. Auch wird darbey angedeutet/ wie die Stätte] daher die
menchliſche Wurgelentfproffen war / zwifchen der heiligen geift-
lichen Welt / und zwiſchen dieſer verderbten Welt ſey / wie
des Menſchen Eigenthum daher er entſproſſen iſt / in einer
zweyfachen Hoͤhle / alsin 2. Principien ſtehet / wie er muͤſſe wie⸗
der in diefelbe zweyfacht Höhle begraben werden / als cin Korn
im Acker gefüet wirds; und wie diefelbe zweyfache Höhle des
Menſchen Eigenthun ſey / deffen Weſens er felber effentia-
liter ſey.
4. Defen Figur ſehen wir allbier bey Abraham, alserin'
diefer aͤuſſern Welt wandelte/ fo folteer auff Erden fein eigen
Sand bejigen / fondern goch von einem Ort zum andern und war
überall fremde : Als aber feine Sara farb fo wolte er ein
Erb⸗-begraͤbnuͤß für fein Weib / auch für fich und feine Kinder
haben / darzu wolte ers nicht umfonft haben / fonder kauffen 5
welches alles eine gan wunderliche Sürbildungift/ und nicht
nur eine bloſſe Geſchichte / wie es die Juden gehalten haben / da
ihnen der Deckel Moyſis fuͤrn Augen hieng; Wir wollen aber
auch die innere Figur neben die aͤuſſere ſtellen / und ſehen was
der Geiſt in Moſe allhie andeutet.
5. Moſes ſaget: Sara ſey zu Hebron in der Haubt⸗ſtadt /
im Lande Cangan geſtorben. Die Geſchichte mag nun alſo ſeyn /
aber der Geiſt hat ſeine Figur darunter / dam er ſiehet auffs
Centrum, wo der Zod der Heiligen ſey / und wo der wahre
Mensch muͤſſe erfterben / als nemlich inder Haubt⸗ſtadt He⸗
bron / das iſt im geformten Worte / da erdie Ichheit und Ei:
genluſt hat ins geformte Wort feinss Sehens Eigenfchafft ik
uͤhret
454 Vom Todt Saraͤ / und vom Erb E.4g.
fuͤhret und hat ſich in ein eigen Regiment eingefuͤhret / als in
eine Haubt⸗ſtadt / dader eigene Wille ihme hat eine Stadt oder
Eigenthum ins geformte Wort eingemodelt/ und als ein eigen
Sande erbauet/ da er meynet / erfey ein GOtt oder ichts Ei-
genes / daß er thue was und wieer wolle / fo muß derfelbe eigene
Wille in der Haubtsftadtzals im geforinten Ente des Worts in
feinem Centro erfterben / alsin der Stadt feiner Eigenheit.
6. Und diefe Stadt Hebron liget gegen Mamre über/ als
zwifchen der ewigen und zeitlichen Natur / da die zweyfſache Hoͤh⸗
le iſt als Gottes undder Natur Keich / dan in dieſe zweyfache
Höhle wolte Abraham feine Saram begraben / und die Höhle
zum Eigenthun haben.
7. Das ift fo viel gefaget / wan die Kinderder Heiligen in
Hebron/ als in der Stadt menſchlicher Eigenheit des eigenen
Auffern natürlichen Lebens der Selbheitabfterben / fo wildas
wahre gelaffene geben nicht mehr in einem fremden Acker oder
fremden Eſſentz ftehen / fondern in feiner eigenen / daraus es ift
urftändlich entſtanden: Weil es aber hat denfelben Lebens⸗acker
in Adam verlohren / und fich in einen fremden Acker / alsinden
Schlangen⸗acker ver Salfchheit eingewurgelt / fo fan ihme das
Leben dem erften rechten Acker nicht aus Rechte wiedernehmen /
fondern muß ihn kauffen: Dasift die Figur! daß ihn Ehriftus
hat um fein Blur aus himmliſcher Weſenheit um die heilige
Tin&ur gefauffet / verftchet von der ewigen Natur / darinnen
Gottes Zorn/ alsder Grimm im Centro der Natur war offen
bahr worden / und denfelben Acker in menfchlicher Eigenfchafft
in fich verfchlungen als fein Eigenthum / dann aus dem Cencro
der Natur iſt das Wort Menfchliger Eigenſchafft in eine For⸗
mung gangen/ das hatten die Kinder der Selbheit befeffen ;
darum ſaget der Geift/ die Kinder Heth hätten den Acker zum
Eigenthun gehabt.
8. Und deutet an/ daf Gottes Kinder müffen das Natur—
Recht an dieſem Acker des geformten $gebens oder Worts gank
verlaffen / dann fie haben das Natur-Necht daran verlohren /
muͤſſen ihn aber in Chriſto wicder Fauffen vom Vatter der Na⸗
fur: Sie müffen Chriftum zum Loͤß⸗gelde nehmen, und dem
Vaͤtter 400. Seel Silbers davor geben. Das feind die 4. Cen-
era in des geiftlichen Leibes Eigenfihafft 7 welche in ver heiligen
Tin&ur gebeprenwerden / alsin Ehrifti Eigenfchafft.
9. Der erſte Seckel iſt das wahre magifche Feuer / der ander
ift das Liecht oder Liebe-Begierde / der dritte iſt der heilige
* Schall
|
av. 49. Degräbnüg Abrahamsiz. 455
Schall der mentalifchen Zungen / der vierdteift ver gefaffete Ens
aus den andern Eigenfchafften/ da das heilige Leben gefaffer /
und in einem Weſen ftehet. Diefes ift das reine Silber / das
ohne Mackel iſt / darunterder Geift Mopfis deutet / dag Abras
ham habe in Chriſto den Kindern Heth / als dem Ephron] vers
ſtehet dem Batter oder des Batters Eigenfchafft für feine zwey⸗
fache Höhle gegeben / als für das Centrum des Vatters Natur
ach der Eiwigfeit/ undfür das Centrum der zeitlichen Natur)
ir welchen beyden fich die Göttliche Luſt aus beyder Centrorum
Eigenſchafft hatteineinen Ens ‚und indie Ereatur der Menſch⸗
heit eingeführet/ welche Ereatur fi hatte vom Gansen ab»
gebrochen / und in ein Eigenes gangen war / fo folte fie wieder
in das Gange eingewurgelt werden: Muſte deromegen mit dem
allerheiligften Ente tingiret und eingepfrapffet werden / welches
der Geiſt Mofis allyier dem reinen Gilber vergleichet /
und alfo gans heimlich inder Figur deutet.
ro. Als Abraham auff Erden wandelte/ begehrete er Eeineg
Ackers zum Eigenthum zu kauffen: Alser aber jeßo folte feine
Sara begraben / fo wolte er das Begraͤbnuͤß erblich und eigen
haben/ und büdete fich noch vor den Kindern des Sandes/ und
bath lie darum / und da fte ihme den Acker doch wolten ſchencken /
und fich vor ihme buͤcketen: Aber der Geiſt Moyfts hat feine Fi»
gur darumter/ denn er hatte ihın ven Menfchen gantz einge=
modelt; derowegen fpielet er in dein Proceß mit der Zigur /
wie ſich Die Kinder ſo Chriſtum angehören / follen vor Gott
dem Baͤtter / aus dehme alle Weſen urftänden/ muͤſſen büc-
fen/ dag erihnen die zweyfache Höhle/ alsdas Reich der Na=
tur / und das Reid) der Gnaden wolle in Chrifti Blut verkauf
fer: Denn daffelbe mit den 4. Centris der Demuth und Liebe⸗
gebuhrt nimt der Batter für die Bezahlung an.
ır. Und daß es die Kinder Heth und Ephron dem Abraham
wolten fhenden/umd doch gleichwohl endlich das Geld auff Abra=
hams Begehren dafür nahmen / deutetan/ dag uns zwar wohl
GHtt der 3 hat das Gnaden⸗-Reich geſchencket / denn er
ſchencket es Chriſto ſeinem Sohn in unſer Menſchheit; aber
Chriſtus wolte es zum Natur-Recht haben / darumb both er ſei⸗
nem Vaͤtter feine Demuth / dag er doch feine Bezahlung / als
feine menfhliheigigenfhafft von ihme darumb naͤhme / wie all⸗
hie Abraham in Chriſti Figur thaͤte. Ob'er wohl haͤtte mögen
den Acker nehmen / ſo wolte er doch nicht / dan die zweyfache
Hoͤhle ſolte nicht genommen / ſondern theuer mitdem alleredel⸗
| fien
356 Vom Todt Saralınd vom Erb Cap.49.
Ken Weſen bezahlet werden : GN nahm das Pfand oder Loͤß ·
geld von Chriſto umb ſeine zweyfache Hoͤhle zur Bezahlung /
darumb muſte Abraham in Chriſti Figur ſtehen / dan in die
zweyfache Hoͤhle / als in die Ewige und Zeitliche Natur als
ins geformte compactirte Wort muß der Leib eingegraben wer⸗
den / ſo er aber in der Bewegung in der Stimme Seelen
Worts wieder auffftehen/ und in feinem gehabten Bilde bee
ftehen fol.
12. Dan Monfes ſaget: Hebron fen im Sande Canaan gele—
gen / welches GOtt Abraham habe verheiffen zu geben; und ver«
ſtehet mit Canaan dicheilige Eriftallinifihe Weltoder Erde/als
die Stadt Gottes / fo Fünfftigfolloffenbahr werden / da Hebron
innen liget/ als die Haubt⸗ſtadt des Landes / da von auffen die
aͤuſſere Welt mit ihrer Figur dargeftellet wird / und von innen
Das heilige ewige Sand Cangan.
13. Auch fehen wir klar / wieder Geiſt Monfts in feiner g Fi⸗
gur deutet; dan erſtlich ſtellet er mit Iſaac Chriſti Figur mit
feinem Opffer und Tode fuͤr / und bald darauff allhie ſtellet er
auch des Menſchen eigen Tod und Sterben fuͤr / und wo der
Menſch muͤſſe ſterben / als nehmlich in feiner Stadt Hebron / ſei⸗
ner menſchlichen Selbheitsund wohin er muͤſſe begraben werden/
als nemlich in die zweyfache Hoͤhle / alsi in Gottes und dieſer Welt
Reichund heiſſets darumb eine zweyfache Hoͤhle / daß es zweyerley
Wohnungen ſeynd / als zweyerley Lebens⸗begriff in zweyen Prin-
cipien / daraus der Menſch war entſtanden: So er aber in dem
Willen feiner Selbheit in der Schlangen Begierde begraben
wird / fo begreiffet er nicht dieſe zweyfache Höhle /und ober gleich
darinnen wäre / fo lebet er doch nur in der abtrünnigen E[-
fent / in der Eigenheit des Teuffels/ als indem eingeführten
Schlangen:Ente inder finftern Welt Eigenfchafft / welche in
der Seltheit des Schlangen - Entis offenbahr / und im Res
giment ift.
14. Zn diefer Figur iſt diß das fuͤrnehmſte Stuͤck / daß der
Geiſt Moyſis andeutet das zweyfache Leben / wie dieſe Welt ein
zweyſach Leben und Weſen ſey / welches er mit der zwepfachen
Hoͤhle andeutet / da Abraham wolte ſein Begraͤbnuͤß haben: ;
Anzudenten / daß feine zweyfache Menfchheit als eine aus göft-
lichen Ente „-ausder Ewigkeit und himmliſchen geiftlichen We—⸗
fen / und die ander aus der Zeit / aus diefer WeltWeſen folte in
ein ewig Begräbnüß einbegraben werden / da das Weſen des
zweyfachen Kibes folte in feiner urſtaͤndlichen Mutterinnen li⸗
gen/
Eap. 49. Begraͤbnuͤß Abrahams / ꝛc. 457
gen / und den eigenen Willen in dieſem ewigen Grabe im To⸗
de laſſen / auff daß allein der Geiſt Gottes in dem Geiſte der
Creatur / als in der —— lebe / regire und wolle / und das
Leben des Menſchen nur ſein Werckzeug ſey / damit er thue / wie
und was er wolle.
15. Dan alſo ſolte es ſeyn / daß der menſchliche Wille wieder
in den einigen Willen der Gottheit und Ewigkeit eingefuͤhret
wuͤrde / dan er war im Anfange als Gott / der die Seele ins
Fleiſch einblieh / im ewigen lebendigen Worte geweſen / (lohan.
am 1. Cap.) und Gottes Geiſt hatte ihn In ein Ebenbilde der
Gottheit formiret / als in eine Creaturliche Seele; Welche
Seele ſich hatte vom einigen ewigen Worte Gottes abgewandt in
eine Eigenheit/ im Voͤſen und Guten offenbahr zu ſeyn / und in
der — zu regiren.
16. Dieſe Ungleichheit folte wieder in die Gleichheit / als in
dus Hefen] daraus die Seele umd Leid war entflanden/ begra>
ben werden/ alsein jedcs Weſen der Eigenfchafft in feine Mut>
ter 5. ilmd die Mutter iſt eine zwenfache Höhle! als das innere
geiftliche und göttliche Reich; und das Auffere fichtbahre / emp⸗
Audliche greiffliche Reich der äuffeen Weit /da hinein wolte A⸗
braham fein Begräbnüß haben.
17. Dann das Auffere Reich bleibet ewig / dan es iſt aus dent
ewiger/ als cin Modell oder fichtbaprliches Bilde des inner
Geiftlihen Reichs: Aber das Regiment mit Sternen und 4
Elementen bleiber in folcher Eigenheit nicht ewig / fondern nur
ein Element} da ihrer 4. darinnenverftanden werden : Aber it
gleidyer Concerdang / in gleichen Gewichte / in einem einigen
Liebe⸗willen / da nicht mehr die auffteigende wallende Macht der
zertheileten Figur die 4. Elementa regiren / fondern die fanffte
file Demuht in einem lichlichen wonnefamen Saufen.
18. Die compadiirte Eigenfchafft des Wortsin der Seele der
auffern Welt / als in der Eigenheit des dritten Principi: hoͤret
auff: Der äuffere Geift der Weltwird in den innern verwandelt /
Das der innere durch den aufferen alles regireumd führe / welches
anjeso dic groffe Bewegligkeit der entzuͤndeten Macht der fin⸗
ftern Welt auffhaͤlt / und in ihrem Regiment fuͤhret / in welcher
der Teuffel ein infliegender Fuͤrſt iſt alles zur Schiedligkeit /
auff daß die Eigenſchaffteu der 3 Principien,, ein jedeg in lich ſel⸗
ber Ereatürlic würden; zu welchem Ende fich die Ewigkeit ha
in ein Fiat oder Begierde zur Formung des Weſens / als de 5
Myfterii Magni eingefuͤhret / daß alſo eins imandern offenbahr
V wuͤrde /
458 Wie Abr. feinen Knecht ausfchicket! E. 505
würde / das Böfe im Guten unddas Gute im Boͤſen / und cin
jedes Ding feinen Befig Eriegte.
Das 50. Capittel.
Wie Abraham ſeinen Knecht ausſchicket / ſeinem Sohn
Iſaac ein Weib zu nehmen / was unter dieſer Figur
zu verſtehen ſey.
x. Braham fordert feinen Knecht / welcher der Obriſte
in ſeinem Regiment war / und legte ihm einen Eyd
auff / daß er ſeinem Sohn nicht ſolte ein Weib von
den Toͤchtern der Cananiter / bey denen er wohnete /
nehmen / ſondern hinziehen zu ſeiner Freundſchafft /
zu ſeines Vatters Hauſe / und ihme ein Weib nehmen. Dieſe
Figur ſiehet die Vernunfft ſchlecht und einfaͤltig an / als ob Abra⸗
ham dieſen Voͤlckern / darunter er wohnete / ſey feindig geweſen /
wegen ihres boͤſen Wandels; aber der Geiſt GOttes im Moyſe /
welcher dieſe Figur alſo auffgezeichnet / hat ſeine heimliche Deu⸗
tung darunter / und ſpielet mit der gantzen auffgeſchriebenen
Hiſtorien des erſten Buchs Moyſis / als wie mit einer Comedien;
und deutet immer unter der auffern Geſchichte des aͤuſſern Mens
{chen auff die geifkliche Figur des geiftlichen ewigen Menfchen im
Reiche Ehrifti.
2. Einen Eyd muſte der Knecht dem Abraham ſchweren / ſeinem
Sohn ein Weib aus feinem Stam und Gefihlechte zu nehmen :
Warumb legte ihm Abraham einen Eyd auff/ und da doch der
Knecht ohne Eyd muſte feinem Herin gehorfahmen/ und Iſaac
fein Weib ohne feines Vatters Willen würde angenommen ha⸗
ben; Aber der Geift Moyſts fiehet in die innere Figur. Ifaac
ſtehet allhier inder Figur Chriſti und Abrahams Knecht ftehet
inder Figur der Natur / unddie Cananiter ſtehen in der Figur
des eingeführten Schlangen-Entis, aus welchem der Abtrinnige
eigene Wille mengchlicher Selbheit entftanden war / als in der
Figur des thierifchen Menfchens / welcher das Neih GOttes
nicht erben foll: Diefe drey hat ihıne der Geiſt Mofts fürgeftellet/
und deutet darunter auffden rechten Menſchen / welcher ewig bes
ſtehen foll.
Die innere Figur ftehet alfo.
’ 3. Abraham fordert feinen Knecht / der feinem gantzen Haufe
firgundt: Abraham bedeutet alhier GOtt den Vatter; pe F
ne
BR"
Cav.so. Iſaat ein Weib zu nehmen /rc. 459
Knecht / durch dehn er regiret bedeutet die Natur. Die Natur
in ihrer Gewalt und Macht muß allhie in GOtt ſchweren / Das
iſt / ſich verteuffen / und effentialiter verbinden / daß fie Iſaac /
das iſt den Chriſten / als Gottes Kindern / wil kein Weib / das
iſt / keine Matricem aus den Cananitern / als aus dem Schlan⸗
gen⸗ Ente einfügen oder beylegen zur Fortpflantzung des Schlan⸗
gen⸗Entis, dag ſie nicht wil den Gifft der finſtern Belt Eigen>
ſchafft an ſich ziehen / als die Cananitiſche Eigenſchafft / und den
Kindern Chriſti zum Weibe / als in Veneris Tinctur einfuͤhren /
welche die wahre weibliche Matrix in Maͤnnern und Weibern
iſt / ſondern dag fie wilden rechten Adams-Menſchen / welchen
GOtt in fein Bilde ſchuff / als die wahre menſchliche Eſſentz aus
dem erſten urſtaͤndlichen Baume aus der erſten Wurtzel / als
aus Abrahams Stamme / welcher Adam andeutet / den Ens
Chriſti beyfuͤgen / als dem rechten Iſaac in den Kindern Chriſti.
4. Dieſes verſtehet man alſo: Adam hat uns der Schlangeit
und des Teuffels Eos ins Fleiſche und in die Seele eingefuͤhret /
welchen die Natur in Seel und Leib hat eingenommen / und ei⸗
nen eigenen abtruͤnnigen Willen darinnen gebohren / welcher
GH ungehorſam iſt.
5. Weil aber nun GOtt in Iſaac hatte wiederum feinen hei=
ligen Ens feines heiligen Worts eingeführet/ welchen Abrahaın
inder Glaubenssbegierde hafte ergriffen / und in Iſaac mit ei=
nem neuen Zweige aus dem verderbten Baume Menfcplicher
Eigenschaft dargeftellet /_ und aus Chrifti Geifte gebohren:
So muſte allyiedie Natur als Gottes Ambtmann ich in Gott
verteuffen / und ſchweren / nichtmehr der Schlangen Ens zum
Weibe / als zweiner Buhlerin zu nehmen) (verſtehet aus der ver»
gifften Schlangifhen Eigenfhafft der eingeführten Boßheit
des Widerwillens /) ſondern aus Abrahams rechten Heimat /
da Abraham in Adam daheime war / als aus rechter Menfihlis
cher Eſſentz ſolte der Ambtmann GOttes / als die Natur/ Eſſentz
und Weſen nehmen / und dem Iſaac / als Chriſti Gliedern im
ihren him̃liſchen geiſtlichen heiligen Glaubens-Ens einführen /
als cin geiſtlich Weib / da der wahre Menſch in ſich ſelber mit der
hiniliſchen Matrice in reiner Begierde der Liebe buhlet / und feine
eigene Natur in GOttes Liebe liebet / und nicht in dem Canani—⸗
tiſchen Shlangen-Ente, imabgewichenen ungöttlihen Willen/
auffdag die neue Gebuhrt mit ihrer Jungfrauſchafft nach dem
innern Menfchen heilig fey.
6. Denn der Menſch in feinem Weſen fichet in zweyen
B 2
460 Wie Abr. feinen Knecht ausſchicket / C.yo
ſen / als im Natürlichen und uͤbernatuͤrlichen; im Goͤttlichen
Ente des geformten Worts / und im Natuͤrlichen Ente des Cen-
trider Natur im kiat, als in Goͤttlicher Begierde / da in der
Begierde die Natur umd feurende Welt ihren Urftand nimt /
welche feurende Natur nicht mehr falfche Luſt aus der viehiſchen
und Schlangen Eigenſchafft in ſich nehmen ſolte; davon deutet
der Geiſt allhie in der innern Figur.
7. Und Abrahams Knecht ſagte: Wie / warn das Weib mir
nicht folgen wolte in diß Land / ſoll ich denn deinen Sohn
wiederbringen in jenes Land / daraus du gezogen biſt? Das
heiſſet im innern Verſtand alſo: Die Natur ſpricht zu GOtt:
Wie / wenn mir der rechte menſchliche Ens nicht wolte folgen /
weil er an der Schlangen Gifft anhaͤngig iſt; ſoll ich denn dei⸗
sen Sohn / als denn heiligen himliſchen Ens wieder in das Land /
als in die Staͤtte / daraus er mit mir gangen iſt / wiederbringen?
das iſt wenn GOtt feinem Ambtmanne der Ratur / feinen heis
ligen Ens uͤbergiebet / denſelben in menſchliche Eigenſchafft ein⸗
zufuͤhren / und den Menſchlichen Ens zum Weibe des him̃liſchen
zu nehmen: So ſpricht die Natur als GOttes Ambtmann:
Wie / wenn mir denndas Weib (verfichet das menfchliche Ens)
nicht folgen wolte / und mit dieſem Iſaac / das ift/ mit Ehrifti
Ente in das wahre menfchlicheSand/als in den wahren Adamiſchẽ
Daradififhen Baum mit eingehen; foll ich denn deinen Sohn]
‚als deinen heiligen Eos ‚ wieder in die Stütte Gottes bringen ?
8. Da fprady Abraham: Da hüte dich / daß du meinen
Sohn nicht wieder dahin bringeft: Der Herr / der Gott des
Himmels / der mich von meines Dafters Haufe genommen
hat / und von meiner Heimat / der mir geredet hat / umd mir
such geſchworen hat / und geſaget: DIE Land wil ich dei⸗
nem Saamen geben / der wird feinen Engel für dir herfenden/
daß du meinem Sohn dafelbft ein Weib nehmeit:fo aber das
Weib dir nicht folgen wil/ fo biſtu des Sydes quit / allein
bringe meinen Sohn nicht wieder dorthin. Da legte der
Knecht feine Handt unter die Häffte Abrahams/und ſchwur
ihm folches.
9. Das heiffetim innern alſo: GOtt fpricht zu feinem Ambt⸗
mann der Natur: Dahuͤte dich / daß dir nicht nach deiner Ver:
nunfft faͤhreſt / und einen andern Willen fchöpfeft/ und meinen
heiligen Ens nicht wieder dahin bringeft / da erift herkommen /
denn er ſoll in Menfhen wohnen. Der GOtt des Himmels /
der den menfälichen Ens von dem ewigen Worte genommen 4—
als
Cap so. Iſaac ein Weib zu nehmen. 461
als von ſeiner ewigen Heimat / welches des ewigen Vatters Haus
iſt / der dem Menſchen hat das Sand Cangan nach Dir Paradt⸗
ſiſchen Eigenſchafft verheiſſen / und ihme noch darzu geſchworen
hat / wird feinen Engel für dir herſenden / daß du meinem Sohn
Bafelbft / wo ver Engelals der Göttliche Wille vorher gehet / ein
Weib nehmeſt das iſt wo GOtt mit feinem Worte und Kraft
fich wil in feinen Kindern mit einer ewigen Ehe verbinden / da
fendet er zuvorhin feinen Engel / als feinen Willen in menfche
lichen Ens, dag fich verfelbe zu GOtt wendet und befehret.
: 120, DieRaturdes Gemüthes ſoll in ihrem Vernunfft⸗ willen
nicht meiſtern / und zweiffeln was GOtt thun werde / wenn er ihr
des Knechts Ambt auffleget / ſo ſoll ſte ſich in ſich ſelber nicht be⸗
ſpieglen und zweifflen / wenn fie ſiehet / daß die Seele im Schlan⸗
gen-Ente gefangen lieget / daß fie wolte dencken / ich werde allhie
nicht ankommen mit meiner Goͤttlichen Bottſchafft / ſondern
GStt laffen walten / und ihre Bottſchafft nach GOttes Befehl
verrichten und GOtt befehlen / wie er das Weib / als den menſch⸗
lichen Geiſt wolle herzu ziehen / und mit dem Sohn Iſaac / das
iſt / mit Chriſto im Goͤttlichen Ente verbinden.
11. So aber das Weib nicht folgen wil / ſo biſt du des Eydes
quitt / das iſt / ſo dir der menſchliche Wille / wenn ich meinen Wil⸗
len fuͤr dir her in Menſchen ſchicke / nicht folgen wil / ſo iſt der
Bott als GOttes Ambtmann / mit dem geſandten Himmels-
Ente auitt : Allein bringe meinen Sohn nicht wieder dorthin /
das ift /bringe den himmliſchen Ens nicht wieder in fein außge⸗
gangenes Werfen / fondern ſtehe damit ftill / und höre / wo dich
GOtt hinlendet / denn der Regen vom Himmelfollnicht leer ohne
Frucht wieder auffſteigen: Alſo fol auch GOttes Wort und
Befehl nicht leer wieder heimkommen / ſondern in ſeiner geform⸗
ten Weißheit Frucht wuͤrcken und bringen.
12. Wil ein Menſch nicht / ſo faͤllet daſſelbe Wort auff ein
anders / das deſſen faͤhig iſt: Darumb ſoll die Natur als der
Bott oder Ambtmann / oder Forderer der himliſchen Bottſchafft
das Wort mit dem Goͤttlichen Ente nicht wieder zuruͤcke in je⸗
nen Ort / als in die innere Göttliche Stimme einführen > Denn
was GOtt durch fein Wort in Krafft einmahl auffpricht / das
fol und muß in einer Göttlichen Form zur Göftlichen Beſchau⸗
ligkeit fiehen. Die Natur foll für ſich gehen / als ein Bott feinen
Weeg / und verfündigen / daß der Herr hat Iſaac alle feine Guͤ⸗
ther gegeben/das iſt / er hat Chriſto alle ſeine Guͤther gegeben/und
fordert jetzt ein Weib / als den Menſchen / der ſich in Eheftand
mit Iſaac in Chriſto begebe. 8 13. Da
462 Wie Abr-feinen Knecht ausſchicket E-50,
13. Da legte der Knecht feine Hand unter die Hüffte ſei⸗
nes Herrn Abraͤhams / und ſchwur ihm folches: Das iſt / als
GOtt fein heiliges Wort mit himmliſchen Ente oder Weſen / als
mit der geformten Weißheit in den notuͤrlichen Ens Mariz / als
in GOttes Knecht ſenckete / und GOtt und Menſch in eine Perſon
wandelte; fo ſchwur die menſchliche Natur unter die Huͤffte des
Batters ewigen Natur in GOtt / daß ſte GOtt wolte gehorſamen /
und hinfort außziehen / und das menſchliche Weib ſuchen / und dem
Goͤttlichen Enti zur Ehe nehmen / welches alles in Chriſti Per⸗
fon zu verfiehen ift/ welcher in feiner angenommenen Menſch⸗
heit als Abrahams oder GOttes feines Vaters Knecht in na⸗
gürlicher Eigenfchafft follte außziehen mit feinem Worte / und
diß Weib / als feine Braut fuchen / welche ihme der Engel des
HErm/als GOttes Wille) follte zufügen.
14. Alſo nahm der Knecht 10.Cameel von den Cameelen
feines. Herrn / und 308 hin) und hatte mit fich alleriey Guͤther
feines Herrn / und machte fich auffinnd zog gen Meſopotami⸗
am / zu der Stadt Nahor. Altyie ſiehet nun der Geiftin ven
Proceß GOttes / wie GOtt hat feinen Engel oderBotten Gabriel
mit der Stimme der Natur zu der menſchlichen Natur zu Na=
hor / als zu Adams Natur im Ens Mariz gefandt / in welcher
Stimme das Tebendige heilige Wort mit himmlischen lebendigen
Ente verborgen war; und des Batters Natur ro. Cameel / das
iſt / die sehen Geftälte der drey Frincipien zum natürlichen und
übernatürlichen Feuer⸗leben mitgegeben/ als fieben Geftälte des
Centri der Natur / und drey Geftälte der drey Unterſcheide der
Principien/ welches alleſambt GOttes Cameel ſeynd / dadurch
er alle Ding traͤget.
x5. Und die Guͤther des Herrn ſeynd die geformte Weißheit
der groſſen Wunder und Kraͤffte. Dieſes alles nahm GOttes
Ambtmann / als er das Göttliche Wort in ſich hatte / und in den
menſchlichen natürlichen Ens ins Ens Marix einführete oder
offenbahrete / mit fich / wie man etwan die groſſe Thaten GOttes
außſprechen moͤchte / da die Auffere compactirte fenfualifche Zunge
pe; nicht genug Worte zum tieffen mentalifchen Berftande ges
en Fan.
16. Denn allyie nimt ver Geift Moyſis die englifche Botts
ſchafft mit Iſaacs Figur darzu / und fpielet äufferlich in der Fi⸗
gur mit Iſaac und Rebecca / als Ehrifti Figur / und innerlich
fpielet er mit Maria / als Adams Effeng / und mit Ehrifto / als
dem jungfraͤulichen Göttlichen Ente,
17. Und
Eap.zo. Iſaac ein Weibzunehmen. 463
17. Und der Geift Moyſis faget weiter : Da ließ der Rnecht
die Cameel fich laͤgern auffen vor derStadt bey einen Waſſer⸗
brunnen des Abends umb die Zeit / wenn die Weiber pflegen
beraus zu gehen / und Waſſer zufchöpffen. Diefes deutet im
Innern an/ wie fich das Geheimnuͤß der Natur der drey Principi-
en / als Träger der geformten Weisheit GOttes habe zu dem
Goͤttlichen Auellbrun geleger auffen vor der Stadt. Die Stadt
deutet an die verborgene Geheimnuͤß des Göttlihen heiligen En-
tis der geformten Weißheit / umb welche fich die Natur ver drey
Principien geleget / denn die Natur ift aͤuſſerlich / und der Laſt⸗
fräger der Geheimnüß GOttes; fie lieget bey dem Quellbrunn
Gottes / als bey der Gebuhrt der Heil. Dreyfaltigkeit.
Dieſes heiſſet innerlich alſo:
18. Am Abend/das iſt / in der legten Zeit der Welt / oder gegen
den Abend im Menſchen / da ſich die ewige Nacht nahet / bringet
GOtt feine Laſttraͤger / als den Willen des Vatters Natur)
welcher lich zu dem Brunnen Göttlicher Eigenfchafft im Men⸗
ſchen leget/und wil feine Cameel / als feinen Willen’ allda trance
fen / gleichwie er gegen Abend /dasift/ in der legten Zeit feinen
Willen zu der menſchlichen Natur im Ens Mariz legte / zu dem
rechten Quellbrunn feines Bundes / und traͤnckete Die menſch⸗
liche Natur alive.
19. Und wie ihme Abrahams Knecht vor dem Wafferbrunnen
in Mefopotamien fürnahın feines Herrn Willen zu vollbringen)
und Doch nicht auff fich fahe / wie es gehen follte /fondern feine
Sache GOtt befahl / wie er esmachen würde/ und nur ein Sog
für fich ftellete/ dag er fahe/ welchen AReeg ihn GOtt würde füh-
ren : Alfo auch fpielet allyie der Geift Moyſis in der Figur
Ehrifii/denn die Natur im Ens oder Saamen Mariz war der
Knecht GOttes / die lägerte fich für des Bundes Ens ‚als ein
Werkzeug GOttes / und gab GOtt die Ehre /und befahl ihm
Das / wie er fie wolte zu der heiligen Zungfraufchafft im heiligen
Ente des Bundes in Marien führen / wie allhie Abrahamg
Knecht GOtt befahl / alser zum Brunnen kam / wo crihn wolte
hinführen / oder was er thun follte / daß ihn GOtt follte zu der
rechten Jungfrauen führen / die GO TT welte feines Herrn
Sohn geben.
20. Alſo auch imgleichen iſts nicht aus der Natur Vorſatz /
Verſtand oder Gewalt geſchehen / dag ſich die Natur hat zum
heiligen Ente im Bunde gefuͤget / die Goͤttliche JZungfrau im
4
464 Wie Abr. feinen Knecht ausſchicket se,
Ens des Wortes GOttes geehligt + Die Natur verftund nichts
davon / wie es zugehen folte/oder was ihr werben oder vorbringen
feyn ſolte / fie kante die yeifige Jungfrauſchafft in Bunde nicht /
fondern als GOttes Befehl vom Engel Babriel infie fihallete/ fo
gab ji: GOtt die Ehre / was er durch fie thun und wuͤrcken wolte/
daß ihr GOit wolte die Jungſtau der Weitzheit zufuͤgen / wie all⸗
hie Abrahams Knecht EOtt bath / daß er die rechte Jungfrau / die
ihme GOtt erwaͤhlet hätte / wolfe zum Waſſerbrunnen fügen.
* 22. Denn beym Quellbrunn GoOttes follte die Natur erken⸗
nen / was vor eine Jungfrau würde kommen / und die Cameel
oder Saftträger/ die Natur traͤncken / gleichwie Reberca heraus
kam ausGOttes anrägen/und dem Rnechte Abrahams / ſeine Ca⸗
meelen traͤnckete: Alſo auch Fam Die Goͤttliche Jungfrauſchafft
im Ens Marix/ und traͤnckete die Eſſentz im Sanmen Marie {
and nahm die menfchliche Natur zum Gemahl.
22, Und die menfchliche Natur im Bunde / im Saamen Az
brahams in feinem Blaubens-Ente , da erdas Wort der Ver⸗
heiffung im Glauben ergriffe/ welches feine "Gerechtigkeit ward /
hatte die ſchoͤne Stirnſpangen in ſich / und die zween Armringe /
welche ſte dem Wort GoOttes / das ſich indes Engels Gabriels
Bottfi chafft in Marien bewegte /anhieng/ alldades Glaubens
Ens mit der jet bewegenden Stimmevermählet ward / welche
Bewegung die Natur umbfchlog / wie allhie Abrahams Knecht /
als er ſahe / daß ihme GOtt hatte die rechte Jungfrau zugefuͤget /
fo zog er herfür feines Heran Abrahams Geſchencke / und hieng es
der Zungfrauenan.
23. af v auch hieng die Natur im Bunde im Saamen Ma—
rieæ die fchöne K leinod / welche GOtt Adam im Paradeig verhieß
und in Abraham eröffnete/welcheAbrahan im Geifte und Glau⸗
ben ergriff/der Stimme GOttes / als dem lebendigen bewegenden
Worte GOttes / welches indes Engels Bottfcharft nAbrahams
— Ente erſchallete / an / und ſich hiermit auch ſelber.
24. Dann Abraham hatte das Wort des Bundes im Glau⸗
ben ergriffen / daß es fich Hatte in einen Ens geformet /aber nicht
gant in die Menschheit ; und derfelte Ens war das ſchoͤne Klei⸗
nod / das die Natur in ſich / als einen verborgenen Schatz trug /
big ans Ziel des Bundes / biß gegen den Abend der Welt / da
ſchallete GOttes lebendige Stimme in die Natur im Weibes—
Sagmen / fo gab die Natur / als GOttes Knecht das verborgene
Kleinod herfur / und hieng es an die Stirne der Jungfraͤulichen
Liebe JEſu / welche in des Engels Bottſchafft beweglich var)
und
Cap.so. Iſaac ein Weib zu nehmen. 465
und jetzt zum Brunnen kam / die verſchloſſene Jungfrauſchafft
im Menſchen vom Goͤttlichen Ente zu ſchoͤpffen / und kriegete
aber allda ihren Braͤutigam / als die Seele des Menſchen mit
des Batters Kleinoden und groffem Guthe: Mit diefem fpie>
let allhie der Geift Moyſis /als mit einer heimlichen Deutung
unter der aufferen Geſchichte.
25. Abrahams Knecht machete ihme das Loß / die Jungfrau
bey dieſem zuerkennen / welche ihn und alle feine Knechte und
Cameel tranden würde / dag fie die rechte fen: Alfo hatte auch
GHT Tdieſes Loß in die Natur der Seelen und der rechten
Menfhheit gepflantzet das / welche Jungfrau würde die Seele
mit der wahren Menfchheit aus GOttes Liebe-brunn traͤncken /
Diefelbe follte die Seele zum ewigen Gemahl begehren.
26. Als dann in Marien gefäyahe/als fie der Engel grüffete /
traͤnckete er die Seele / und auch ihren Saamen der feelifchen
Natur aus des Weibes Tindtur , davon diefelbe ſeeliſche Eſſentz
ihre Begierde gegen dem ſuͤſſen Quellwaffer des Brunnens JEſu
führete/unddeffelben Waſſers der Liebe JEſu trand/ davon und
darinnen ſie mit der ſuͤſſen ebe IEſu in Jehova vermählet ward/
dag in dieſem Saamen Maris im Ziel des Bundes eine maͤnn⸗
liche Jungfrau GOttes empfangen ward / welche iſt Chriſtus
JEſfus in unſerer Menſchheit / und im Goͤttlichen Entein Krafft
des Wortes GOttes / ein geſormter SOtt nach der Creatur: Aber
nach der Goͤttlichen Stimme GOtt alles in allem / verſtehet ein
geformter GOtt nach der menſchlichen Eigenſchafft / als ein ſicht⸗
bahr Bilde der Gottheit / und darinnen der ganze unſichtbahre /
unmeßliche GOtt in Dreyfaltigkeit im Weſen.
27. Dieſe gantze Figur ſtehet im Preceß ver neuen Wieder⸗
gebuhrt/ wie es ſollte zugehen: Denn Abraham in ſeinem Glau⸗
ben ſtehet in der Figur Adams / als in GOttes des Vatters Fi⸗
gur /welcher ibm zu feinem Ebenbilde und Gleichnuͤß hatte er=
fihaffen ; Und Sfaac fein Sohn ſtehet in der Figur der Menſch⸗
beit Chrifti./ als in des Sohns Figur.
28. GOtt der Batter hat alle feine Güther / verſtehet des ge»
formten Worts / als alle gefchaffene und gebohrne Werfen int
Loco viefer Welt / feinem Sohne / welcher fich un Ebenbilde
GOttes der Menfchheit offenbahrete / gegeben / gleichwie Abra⸗
ham hatte alle feine Gürher Iſaac gegeben / welcher Chriſti Fuͤr⸗
bilde war.
29. Und wie Abraham wolte ſeinem Sohn Iſaac ein Weib
aus feinem Geſchlechte nehmen / und ſandte feinen obriſten Ambt⸗
B 5 man
466 WieAbr. feinen Knecht ausſchicket C.50.
mann aus / ſeinem Sohn ein Weib zunehmen / und benahmete
ihm doch dieſelbe nicht zuvorhin / wer ſie ſeyn ſollte / ſondern hieß
ihn nur bloß zu ſeines Vatters Haufe und Geſchlechte ziehen / und
ſehen / was ihme GOtt wuͤrde fuͤr ein Weib zufuͤgen / ſeinem
Sohn zunehmen: Alſo auch imgleichen hat GOtt feinen Ambt⸗
mann / der feinem ganzen Haufe/ das iſt / Regiment fürfichet /
in Die Welt gefandt/welcher iſt ie Stimme feines geoffenbahrten
Worts in dem rechten Adamiſchen Menfchen / und nicht zu dem
Eananitifchen Schlangen-Ente, fondern zu dem verblichenen
Sungfräulichen Bilde GOttes /uud zu der lebendigen Seele /
welche ift aus GOttes des Vatters Haufe/ das ift/ Eigenfchafft;
und laffer feinen Sohn IEſu Ehrifto umb eine Jungfrau zum
Weibe werben / als umb die himmliſche Sungfraufchafft im
Menfchen/ welche in Adam verblih. Umb dieſe wirbet GOttes
Ambtmann der Natur durch feine Diener /welche er außſendet /
daß fie diefelbe Jungfrauſchafft follen feinem Sohn zum Weibe
nehmen / fich mit ihme zu verehligen.
30. Und gleichwie Abraham feinem Ambtmann die Jung:
frau nicht zuvorhin nannte / fondern ihn nur hieß zu feines Vat⸗
ters Haufe gehen/un allda aufden HErrn fehen/wo er ihn würde
heiffen werben /was ihme GOtt wuͤrde für eine Jungfrau er⸗
wählen und zufügen : Alfo auch imgleichen hat GOtt feinen
Ambtmann / als fein heiliges Wort durch feine Diener in die
Welt zudem wahren Menfhen gefandt; Nicht zu den Schlan⸗
gen⸗Thieren / dann diefelbe Hören GOttes Wort nicht / fie haben
Fein Gchör darzu / gleichwie die Cananiter im Schlangen-Ente,
wie gank vichifch / und am Göttlichen Gehör halb todt waren/
wegen ihrer Boßheit sind eigenen Willens.
31. Und laͤſſet fich feine Diener / als Ambtleuthe zu dem Brun⸗
nen feines heiligen Worts laͤgern / mit Befchl/ daß fie ſollen in
ihrem befohlenen Ambte allda zu GVtt ruffen und bethen / und
ſein Wort lehren / biß GOtt der Jungfrauen Hertze zeucht / und
ſie zum Brunnen ſeines Worts fuͤhret / aus dem Brunnen
Gottes Worts Waſſer zu ſchoͤpffen.
32. Und wann dieſe Juͤngfrau / verſtehet das innere Göttliche
Bilde / welches in Adam verdunckelt ward/ im Brunnen Goͤtt⸗
fihes Worts Waſſer ſchoͤpffet: So fpricht der Ambtmann /
Aorabams Knecht | als des Vatters Wille in der Seelen / gib
mir zu trincken deines füffen Waſſers der ewigen Jungfrau
Haft: Und die Edle Jungfrau fpricht zum Willeun GOttes /
Trinck mein Herr / ich wildeinen Cameelen auch ſchoͤpffen. *
ehe
Cap.so, Iſaac ein Weib zu nehmen. 467
ſtehet mit den Cameelen die Eſſentien der menſchlichen Natur
aus des Vatters Eigenſchafft; und mit der Jungfrauen verſte⸗
het des Liechtes in der Liebe-Natur und Eigenſchafft / als das
Weſen des Goͤttlichen Entis von der Engliſchen Welt / welches in
Adam verblich / und in dieſem Waſſerſchoͤpffen wieder zu ihrem
Braͤutigam der Seelen komt.
33. Und fo num der Ambtmann / als GOttes Wille non der
Zungfrauen mit feinen Cameelen / als Efentien der Natur ges
traͤncket iſt / ſo dancket der abgeſandte Wille des Vatters in der
Eſſentz der Natur in die wahre Gottheit / daß GOtt hat dieſe
Jungfrau zu ihme gefuͤhret / daß er dieſe Jungfrau der Liebe und
Menſchheit JEſu Chriſti ſoll zum Weibe nehmen.
34. Und alfobald nimt der Wille GOttes des Vatters die
edle Kleinoden / welche GOtt Adam im Paradeiß ins Lebens⸗
Liecht in die Seele mit dem thenren Namen JEſu einverleibte /
ja welche Kleinod ins Centrum der Seelen einverleibet wor⸗
den find che der Welt Grumd geleget ward / welche der Seelen
find gang verborgen gewefen ; welche Kleinod feynd das heilige
Feuer der verfchloffenen Liebe-Begierde / und hangetder Edler
Zungfrauen vonder himmliſchen Welt Weſen diefelbe an / als
eine guͤldene Spange eines halben Seckels ſchwer.
35. Dieſe guͤldene Spange eines halben Seckels ſchwer / iſt
die neue vom Himmel gekommene himmliſche Weſenheit / wie
Ehriftus (Joh. 3. )fagte / er waͤre vom Himmel kommen : Da
verſtund er den Fommenden Ens, welcher die halbe heilige
Menfchheit war / als der heilige Ens am Worte / welcher fich mit
dem verblichenen auch himmliſchen Ente inderMenfchheit einiga
te / daß diefe güldene Spange eines halben Seckels ſchwer /dem
Goͤttlichen Schalle oder Worte das in die Menfchheit komt /
(ey / das wird der himmliſchen Sungfraufchafft im Menfchen
angehangen.
36. Und wer nun die Bermählung gefchicht / daß fich der
Sungfräuliche Ens mit diefem heiligen Ente vermählet / dag die
Jungfrauſchafft diefe angehängte Spange empfaͤhet / fo ifts
ein ganser Seel Goldes/halb der Gottheit und halb der
Menfchheit.
37. Unddie zween Armeringe/ welche Abrahams Knecht / als
der Wille des Battersin der feelifhen Natur der Jungfrauen
anhänger) welche ro. Steel Goldes ſchwer find / das find die
ro. Geftältedes heiligen Feuers / welche der verblichenen Jungs
feaufchafft neben der neuen eingeführten Menſchheit JEſu
36 Ehrifti
468 Wie Abe. feinen Knecht ausſchicket C. 0,
Chriſti des Göttlichen Entis angehänget werden /davon ſie ihr
recht Leben wieder empfähet.
38. Und wann dieſe Jungfrau hat dieſe Spangen und Arm⸗
ringe alfo empfangen / ſo erfreuet fie fich umd lauffet zu ihren
Bruder Laban / als zum dritten Principio der auſſern Menfch-
heit aus dem Limo der Erden / zu der Auffern Seelen/ und faget
ihme das / das ift / wenn das Jungfraͤuliche Bild / den Ens Chri⸗
ſti / als die fhöne Spangen des halben Seckels / neben dem heili⸗
gen Feuer des Worts empfaͤhet / fo dringet fie mit ihrer Stim⸗
me der Goͤttlichen Eſſentz durch den aͤuſſern Menſchen/ als ihren
Bruder / und verkuͤndiget die Goͤttliche Krafft davon der aͤuſſe⸗
re Menſch (verſtehet das dritte Principium )froh wird / und ſich
mit der Jungfraͤuen des innern Menſchens hech erfreuet / und
lauffet auch hin zu dem Brunnen des Worts GOttes / und bittet
GOtt / daßer doch wolte mit feinem Worte bey ihm einkehren /
wie allhie Laban Abrahams Knecht bath / bey ihme einzukehren /
welches Abrahams Knecht / als der Wille GOttes gerne thut /
ud kehret bey dem aͤuſſern Menſchen ein / wie Abrahams
Knecht thaͤte.
39. Alſo thut auch die menſchliche Natur / wenn ſie hoͤret dag
Chriſtus im innern Menſchen ſchallet / und ſtehet den Schmick /
welchen der Heik. Geiſt dem Jungfraͤulichen Bilde hat angehan⸗
gen / fo bittet Laban / als der imern Bildnuͤß Bruder / den Wil⸗
len GOttes / bey ihme einzukehren.
40. Und wenn der Wille GOttes / als Abrahams Knecht an⸗
deutend / iſt bey Bethuel und Laban / als im dritten Principio der
Menſchheit eingezogen / ſoſprichtder Ambtmann GOttes / als
das Wort GOttes das im Menſchen einzeucht / Ach wil nicht von
deines / verſtehet des aͤuſſern Lebens Eſſentz / eſſen / ich werbe denn
zuerſt meine Vottſchafft dag du meinem Herrrn / als meines
Herin Sohn der Menfhheit IEſu Chrifti deine Schweſter /
als die himmliſche Jungfrauſchafft zum Weibe gebeft; under»
zehlet der menfchlichen Natur die Schickung GOttes / das iff /
er eröffnet ihme Das Göttliche Verſtaͤndnuͤß / daß der natürliche
Mensch ferner GOttes Willen verfichen / Daran er zuvorhin
blind war,
4x. Alsdenn ergiebet fich die arme Natur mit der Seelen in
GOttes Willen / und fo fpricht alsdenn Saban und Berhuek;
Das komt vom HErru / wir follen darwider nichts reden : Siehe
allhier ift deine Staͤtte / thue mit mir und mit meinem inwendis
gem wie du wilfts Hie ift Rebecca / als das geſormte J ar
Cap jo. Iſaae ein Weib zunehmen: 469
2 Eigenfihafft / nim̃ es hin / und vermähle e8 deines Herrn
Sohn / als der Menſchheit JEſu Chriſti nach deinem Gefallen /
wieder HErr geredet hat.
42. Man ſiehet allhier gar eigentlich / wie der Geiſt Moyſis
in der Figur redet / denn er ſetzet Laban als Bethuels Sohn
fuͤrn Vatter / als die aͤuſſere Seele für die innere Feuer-Seele /
die Lufft⸗Seele für die rechte Feuer-Seele / wiewohl ihr nicht
zwo ſind / ſondern eine / aber in zwey Principien verſtanden:
Denn die Feuer-Seele gibt durch. die Lifft-Seele Antwort:
Die Feuer-Seele führet die uncompadirte Zunge 3 aber die
Lufft⸗Seele führet Die compadirte geformfe Serache.
43. Darumb ſetzet der Geiſt Moyſts Laban der Rebecca
Bruder forne an / als ob das Geſchaͤffte waͤre durch Laban ver⸗
richtet worden: Anzudeuten / daß wenn der Ambtinann GOt⸗
tes / als der Wille GOttes im zuge des Vatters in den Men⸗
[hen einzeucht / und bey ihme umb Herberge und umb die Jung⸗
frau wirbet / fo muß der aͤuſſere Sl des Menſchen Die Zufage
thun / denn er ift von GOtt und der wahren Gelaſſenheit abge⸗
wandte: Jetzt mus cr ſeinen Willen gang wieder in GOttes
Willenergeben.
44. Und weun dieſes geſchicht / daß die äuffere Seele mit der
innern Fruer⸗ Scele in dieſe Heyrath gang einwilliget / under
geben ſich in GOtt / fo bůcke ſich der Wille GOttes / als der
Ambtmann im Zuge des Vatters wieder in Die wahre Gottheit]
das iſt / er tritt wieder in ſeinen SitzW / und gibet herfuͤr aus Abra⸗
hams Schatz / das iſt / aus GOttes des Vatters Schatze feiner
geformten Weißheit / die ſilberne und guͤldene Kleynoder / und
haͤnget ſie Rebecca / als der himmliſchen Jungfrauſchafft / an.
45. Denn dieſe Kleynoder gehoͤren nicht Laban oder Bethuel
(verſtehet der aͤuſſern oder innern Feuer⸗ Seelen ) dieſe Zeit des
irrdiſchen Lebens fondern der wahren Jungfrauen Rebecca /
aus dem Goͤttlichen Ente des geformten heiligen Worts / nach
der Engliſchen Welt Eig nſchafft / als dem andern Principio,alg
dem innern geiſtlichen neuen Menſchen / welcher mit Rebecca
dem rechten Iſaac Chriſto vermaͤhlet wird: Und darumb ſetzet
der Geiſt Moyſis / Abrahams Knecht habe Rebecca die guͤldene
Spange und Armringe / ſambt den ſilbern und guͤldenen Kleino⸗
den gegeben / und auch Kleider; und Laban / als Kebeccz Bru⸗
der / ſo wohl der Mutter / habe er Gewuͤrtze gegeben.
46. O du wunderlicher GOtt! wie einfültig bildeſt dur die
—* Geheimnuͤß fuͤr! Die Ä (berne und guͤldene ARTE
7 und
470 Wie Abr. feinen Knecht ausfchicker C.y0.
feynd der Schaß der Göttlihen Weisheit im Worte des Lebens /
welchen Schatz das Göttliche Wort der rechten Zungfraufchafft/
welche in Adanı ftarb / und in Chrifto wieder zum Gemahl an
genommen wird / mitbringet/ und gang eigen zu einem Mahl:
{hate gegeben wird: Und die Kleider find die neue Menfchheit /
Damit fievor ihrem Brautigam einher gehet ; und die Wuͤrtze /
fd Laban / und der Mutter gefchencket ward /ift die Krafft des
heiligen Geiſtes / welche ver Feuer-Seelen und der Lufft⸗See⸗
len / mit Einkehrung ver zarten Menſchheit JEſu Chriſti ges
ſchencket wird.
47. Dann die aͤuſſere Seele wird dieſe Zeit / weil noch der irr⸗
diſche Leib an ihr hanget / nicht mit dem neuen Kleide bedecket /
auch fo wird der Feuer⸗Seelen das ſilberne und guͤldene Kleinod
der Menſchheit JEſu Chriſti dieſe Zeit nicht gantz zur Hab⸗
hafftigkeit in Gewalt gegeben / ſondern nur Wuͤrtze / das iſt /
des Heil. Geiſtes Krafft und Anblick / dann Die Feuer-Seele
möchte wieder ſtoltz werden / wann fie dieſe Jungfrau follte in
eigener Gewalt haben/ wie Lucifer und Adam thaͤten: Darumb
muß die Fener-Seelediefe Zeit inihrem Principio bleiben / und
das Creutz Chrifti in der Lufft-Seelen / als im dritten Principio,
da der irrdiſche böfe Menſch lebet /aufffich nehmen.
48. Jungfrau Rebecca oder Sophia aber mit ihrem Braͤu⸗
tigam Chriſto bleiben in ihrem / als im zweyten Principio ‚it
Himmel: Dann St. Paulus faget / unfer Wandel iſt im
Himmel; verftehet der Zungfranen Wandel / da fie mitihrem
Gemahl Chriſto in der Ehe ftehet / da Ehriftus und Jungfrau
Sophia nur cine Perfon find / alsdie wahre männliche Jung⸗
frau GOttes / welche Adam vor feiner Heva war / dacr Mann
und Weib /umd doch der Feines war / fondern eine Jungfrau
GOttes.
49. Und wann nun dieſe Vermaͤhlung geſchehen iſt / alsdann
ſitzet Abrahams Knecht mit allen feinen Knechten / mit ſeiner ers
worbenen Braut / und mit Batter und Bruder zu Tiſche /und
effen miteinander das Hochzeitmahl : Das ift/ wan der Menſch /
verfichetder innere jungfraufiche geiftliche Menfch mit Ehrifto
vermaͤhlet ift / alsdann iffet GOtt von des Menſchen Willen
und orten / und hinwieder der Menfch von GOttes Willen
und Worten: Da fißen fie bey einem Mahl und heiffer alsdann :
er euch höret der höret mich: Wer tiefe Menfchen höret vor
GoOtt lehren und reden / der höret GOtt reden / dann fie reden in
Krafft des Heil. Beiftes Wuͤrtze / und effen vom groffem Abende
mahl Chriſti miteinander, 50.O ein
Eap.so. Iſaac ein Weib zu nehmen. 471
so. Oein herrliches Mahl wird allda gehalten wo dieſe Hoch⸗
zeit im Menſchen gehalten wird! welches kein Cananitiſcher
Schlangen-Menſch werth iſt zu wiſſen oder zu ſchmaͤcken / auch
in Ewigkeit nicht erfaͤhret / was allda fuͤr Speiſen auffgetragen
werden: Auch was für innerliche Freude darbey gehalten wird /
da Ehriftus und Jungfrau Sophia Braut und Bräutigam
feynd / und die innere und Auffere Seele bey der Braut ſitzen /
und mit ihr von diefem Mahl effen / welches wir den Kindern
Ehrifti fo darbey gewefen feynd/ zuerwegen geben : Kein Menfch
in dieſer Weltverftehetes fonft nicht / weiß auch nichts davon /
als nur der rechte Laban und Berhuel,
sr. Aber diefe Hochzeit wehret nicht immerdar/fondern als
Abrahams Knecht hat die Jungfrau erlanget/und mit dem Bats
fer und Mutter und Laban / das Mahl und Hochzeit gehalten /
und war über Nacht da blieben / da fund er früh auff/und fprac)
Laſſet mich zichen zu meinem Herrn.
Das ftehet in der innern Figur alfo :
52. Wann ſich Chriftus hat mit Jungfrau Sophien / als
der innern Menfchheit vermählet / fo fehallet balde hernach die
Stimme GHftes in die Seele und fpricht 2 Sch wil mit der
Jungfrauen von dir wegzichen / und ift immerdar/ als wolteer
auffbrechen und vom Menfchen weichen/ fo muß die arıne Seele
immerdar bitten und flehen / daß er doch wolte noch länger bey
ihr bleiben: Aber die Stimme fihallet offte / halte mich nicht
auff / ich mug zu meinem Herrn ziehen oder reifen ; du biſt böfe
und fündig / ich mag nicht länger bey dir bleiben.
53. Alsdenn ruffet Die arme Seele Zungfrau Rebeccen / als
Chriſtum mit feiner Braut/ und erinnert fie der Zufage feines
theuren Wortes und Verheiſſung / daß er wolle alle Tage big an
der Welt Ende bey uns bleiben / und Wohnung in uns machen:
Alfo wird ein Tagauffdenandern aufgezogen / und zeucht doch
Chriſtus mit feiner Braut in fein Batterland/ als ing andere
— „aber die Hochzeit wird in allen drey Principiis ge⸗
halten.
54. Bar eine fchöne Figur ift diefes / als Rebecca mit Abra⸗
hams Knecht heimzog / und ihr Iſaac auff dem Felde begegnete /
und fie ihn fragte wer der Mann wäre / und ihr Abraͤhams
Knecht fagte / dag es fein Her: Iſaac wäre / wie fie fey vom Ca⸗
meel gefallen! und Habe den Mantel fürdis Augen gehaften/ und
ſich
2 Wie Abr. feinen Knecht ausſch. 2: E50.
fich geſchaͤmet / und wie fte Iſaac habe angenommen / und indie
Hütten feiner Mutter gefuͤhret.
Die innere Figur ftehet alfo:
55. Wenn die innere verblihene Menfchheit die edle Kleinod
erlanget / dag fie im Geifte Chriſti wieder lebendig wird / und
ihren Gentahl Chriftum in fich erblicker / fo fäller fie in dic hoͤch⸗
fie Demuth) vor GOttes Heiligkeit zu Bodem / und ſchaͤmet ſich /
das ſte iſt alſo lange indem Thier-⸗Menſchen gefangen gelegen /
und daß ſie iſt eine Koͤnigin geweſen / und hat ihr Koͤnigreich in
Adam verlohren; ſo verhuͤllet fie ihr eigen Angeſicht vor GOttes
Klarheit / und demuͤthiget ſich: Aber Chriſtus nimt ſie in ſeine
Armen / und fuͤhret fie in die Hüften feiner Mutter / als in der
himmliſchen Welt Weſen / daraus er mit ſeinem himmliſchen
Weſen iſt außgangen / und allda wird ſie ſein Weib; und allda
wird Iſaac recht getroͤſtet uͤber ſeiner Mutter / als uͤber der ver⸗
blichenen Matrice in Veneris Tinctur, welche in Adam war ges
ſtorben / welche er jetzo in Jungfraͤulicher Zucht zum Gemahl bes
komt / wie die Hiftoria von Ifaac lautet.
56. Und vermahnen den Leſer unfere Erfindung nicht zu ver⸗
achten / denn es ift der wahre Grund : Denn als Ifaac feiner
Brautentgegen gieng / fo famer von dem Brunnen des Leben⸗
digen und Schenden / wie Moyſes faget : Wil einer unfern
Sinn und Erfüntnüß recht verſtehen / fo muß er fich auch zu
demſelben Brunnen machen/ dagermit Rebecca angenommen
werde/ alsdenn wird er fehen aus was Geift diefe Feder
gefihrieben hat] in welcher Zahl und Stimme fie ent:
fproffen ſey.
57. Dbaber einer allhie nichts fähe / fo mag er fich wohl blind
amd noch Feinen Menfchen fhasen : Die Zudenund Türden /
fo wohl Babel mögen ihre Augen auffpeben/umd die Figuren des
Alten Tellaments recht anfchen/Jie werdens alfo finden,
Das
E.sr. Wie Abr. habeeinander Weibic- 473
Das 5 1. Capittel.
Wie Abraham habe ein ander Weib genommen / mit
weicher er noch ſechs Söhne gezeuget / welchen er
Geſchencke gegeben / und feine Güter alle feinem
Sohn Ifaac gegeben | die andern aber laſſen bey feiz
nem Leben von fich ziehen; und wie er geſtorben fey /
was darbey zu verſtehen fey.
Genef. 25,
I. or Ofesfpriht: Abraham nahm wieder in Weib]
die hieß Kethura / die gebahr ihme Simron /
Jackſan / Medan / Midian / Jeſchback und Sush/
von welchen ſechs Geſchlechte eynd entſtanden:
Mit Sara zeuget Abraham nur einen Sohn /
von welchem die gantze Hiſtoria deutet; aber mit der Ke⸗
thura zeuget er ſechs Soͤhne / davon nichts ſonderlichs / als
nur ihr Geſchlecht / gemeldet wird.
Dieſes verſtehet man im Innern alſo.
Abraham muſte mit feiner Sara von ehe alt werden / ehe er
Iſaac zeugete: Anzudeuten / daß Chriſtus ſolte im Alter der
Welt / im Fleiſche offenbahr werden.
2. Iſaac ward aus Abrahams Natur und aus dem Glan:
bens-Ente gezeuget / in einer alten / faſt wie erſtorbenen Matrice
nach menſchlicher Natur empfangen / auff daß Gottes Ens den
Vorgang hätte, Als aber Sara ſtarb / ſo nahm ihme Abraham die
Kethura / und zeugete bald ſechs Söhne mit ihr; Kethura ſpricht
in ihrem Nahmen aus das Centrum der Natur / wan man die
Senſualiſche unconpactirte Geiſter der Buchſtaben in dieſes
Wort Kethura formet / foverftchet man / dat; Kethura eine ge⸗
formte Matrix der Natur ſey: Anzudeuten / daß Abraham / nach
deme er hatte das Fuͤrbilde Chriſti im Glaubens Ente gezeu—
get / nun ſolte fein eigen Bildnuͤß nach Adams Natur/ aus
den ſechs Eigenſchafften des natuͤrlichen Geiſt-lebens zeugen)
und fein eigen natuͤrlich Bildnuͤß auch darſtellen / alſo muſte er
ach ein ſolch Gefasle darzu haben.
3: Sara muſte nur einen Sohn gebähren : Anzudeuten /
daß das Reichder Menſchen nur Einem gegeben ſey / und dag fie
alle unter dieſen Einigen gehörten Zum» in ihme ſolten a
Finis
474 Wie Abraham habe Cap. y1.
Einige werden / als Aeſte an einem Baume / welcher Chriſtus in
allen ſeyn ſolte.
4. Allhier aber zeugete Abraham nun mit der Kethura
6. Soͤhn nad) den 6. Eigenſehafften der geformten Natur der
Wuͤrckung der fechs Tagwercke; und Iſaac / dasift / Chriſtus /
iſt Der ſiebende / als der Ruhetag over Sabbath / darein die
ſechs Soͤhne ſolten in die Ruhe eingehen / gleichwie die 6. Tage
der Schoͤpffung / verſtehet die 6. Eigenſchaͤfften des Centri der.
Natur / als das würdende Geiftsleben indem fiebenden ruhen :
Alfo auch ftellete der Geift Gottes die Figur in Abraham dar.
5. Und haben allyier gar eine fehöne Figur wider die Ber:
nunfft-weiſen / welche fagen: Wer nicht von Natur im Glau⸗
bens-Ente gebohren fey / der fey verſtocket / und koͤnne nicht zur
Kindſchafft Gottes kommen / er werde nichtvon Gott gezogen)
daß er möge zur neuen Gebuhrt kommen. Dieſe Figur ſchlaͤget
ihren Tandt zu bodem / und weifet den wahren Grund an / und
ſtellet erftlich Iſaac / als Chriſtum dar / und zeiget an/ wie
demſelben allein das eich Gottes erblich und eigen fey / und
dag es kein Menſch mehr zum Natur-Recht könne haben ; und
wie wir mit Adam alleſambt feind davon ausgeftoffen worden /
und daffelbe veriohren / gleichwie der Kethuræ Kinder allevon
ee re Gütern ausgeftoffen worten / und fie allein Iſaac
erbete.
6. Und ſtellet darneben dar / wie Adams Kinder auch aus
Abraham feynd gebohren worden / und wie er ihnen von feinem
Gut habe Geſchencke gegeben ; Deutet an wie Adams natürs
lihen Kindern aus Gottes des Vatters und Chriſti Gütern
Geſchencke gegeben werden s wie ihnen Abrahams Güter aus
Gnaden / als ein Gefchende gegeben werden.
7. Dan Abraham flieg feine natürliche Kinder nicht von fich
aus ohne Geſchenck: Alfo auch ſtieß Bott Adam nicht aus dem
Paradeiß ohne fein Geſchencke: Er fchendete ihme von che den
Schfangenstreiter im Worte des Bundes / darnach ſtieß er
Adam aus der Findlichen Erbſchafft des Natur-Rechts / und
nahm ihn aber in der Echendung wieder an; wie auch allbie
Abraham feine Kinder nicht von der Kindfchafft verwarff ( fon»
dern vom Natur-Recht feiner Güter / aber in der Kindfcharft
waren fie ihm lieb: Darum ſchenckete er ihnen von feinen Guͤ⸗
tern / und deutet damit an / daß zwar wohl das Himmelreich
allein Chriſto / als dem rechten Ifaac /gehöre : Aber gleich wie
er Adam den Bund aus Gnaden ſchenckete / und u; 4
4)
Cap. st. einander Weib genommien/ic. 475
den Kindern der Kebsweiber aus Iſaacs Recht Gefchend gab+
Alfo gibet noch heute GOtt der Batter Adams und Abrahams
natürlichen Kindern den Bund und das Erbe Chrifti als ein
Geſchencke.
8. Und wie Abrahams natürliche Kinder nicht vom Bunde
ausgeerbet waren) ſondern nur von feinen Gütern: Alfo auch ift
Eein Menfch vom Bunde GOttes in Adam und Abraham auff>
gerichtet / ausgeerbet/ ein jeder empfahet den Gefchendten
Bund in Mutter Leibe / in deme er Macht hatin frinem ge⸗
ſchenckten Bunde / in Chrifti Güter einzufchren,
-9. Aber die Güter hat er nicht in Natur-Recht / diefelbeaus
eigenem Willen zur nehmen fondern als ein Gefchende: Er
foll und mug fic) in Bund ergeben als ein Diener/ feines natuͤr⸗
lihen Willens fich im Bunde begeben / und den Willen zum
Matur- Rechte verlaffen/ und des Bundes Eigenthum werden/
alfo dag er nicht mehr feinen eigenen naturligen Willen in
Bund und das Geſchenck einführe / fondern feinen Willen dein
Bunde ergebe: Alsdenn ftehet das Gefchende an ftatt des eige⸗
nen Willens / und lebet die Natur Adams im Geſchencke / und
geneuffet gleichwohlder Erbſchafft / aber nicht im eigenen Wil⸗
len / fondern in der wahren Gelaffenheit / da der Wille des
- Bundes des Menfchen Wille wird.
. 20, Denn der Wille des Vundes erbet die Kindfihafft im
Datursrecht/aber der Wille der Natürlichen Selbheit ift davon
ausgefioffen / der mug der Eigenheit erfterben ; und fo dad ge⸗
ſchicht / ſo ſtehet er im Bunde in Chrifto auff/ und befiget das Ge⸗
(hend im Gnaden⸗ recht: Chriftus hat Jich in Bunde in Adams
Gefchende in der menfchlichen Natur offenbahret/ undift des
Bundes schen und Willen worden / und hat denfelben erfuͤllet.
11. Nun lieget aber derfelbe gefchenckte Bund den GOtt
Adam ſchenckete / inallen Menſchen / denngleichwie die Suͤn⸗
de von einem auff alle erbete / alſo auch der Bund und das Gena⸗
den⸗geſchencke von Einem auff alle: Ein jeder Menſch hat Chris
ſtum in ſich /aber der eigene Wille ergreiffet ih nicht/ fondern cr
creutziget ihn / und wil nicht der Selbheit erfterben/dag er in Chri⸗
ſti Tod eingienge / und im Bunde im Willen Chriſti auff ſtuͤnde.
12. Der eigene Wille wil nur cin angenommenes Genaden⸗
kind ſeyn / und er iſt doch vor Gottes Angeſicht verftoffen /
gleichwie Abraham ſeine natuͤrliche Kinder von ſeinen Guͤtern
ausſtieß / und ſie enterbete / und die Guͤter allein Iſaac gab;
alſo iſt das Reich Gottes allein des Bundes Willen.
73. Wels
476 Wie Abraham habe Capyr
13. Welcher zwar in allen Menſchen lieget / aber kein
Menſch kan das Reich GOttes empfahen oder ſchauen / er werde
denn des Bundes Kindt / dag erden Natuͤrlichen ausgegange⸗
nen Willen verlaffe / und ziche ven Willen Ehriftian im Bun »
de/ dag fein Willeim Bunde / in Ehrifto neugebohren werde;
alsdenn ift er ein Rebe am Weinſtock Chriſti / undempfähet
Chriſti Geiſt / Willen und Leben / und wird nach dem Bunde /
Chriſtus: Alfo wohnet denn Ehriftus in Adam und Adam in
Chriſto / und das iſt es / was der Geiſt Moyſis indiefer Figur
fuͤrmahlet.
14. Daß aber Abraham ließ die Kinder ſeiner Adamiſchen
Natur von ſich aus feinem Haufe ziehen mit den Geſchencken /
und nicht bey ſich als Hauſgenoſſen behielt / deutet diß an / dag
zwar der aͤuſſerliche Menſch dieſe Zeit werde in dem Willen der
Selbheit auff Erden leben / und daß er denſelben nach dem irrdi⸗
ſchen Menſchen nicht koͤnne gantz ablegen; aber der ſelbe irrdiſche
eigene Wille ſey von Gottes Heiligkeit / als vom Himmelreich /
ausgeſtoſſen.
15. Und obwohl das Geſchenck des Bundes in ihme verborgen
liege / fo ſey doch der aͤuſſere iradifche Menf vom Peradeiß und
Bunde Gottes ausgeftoffen/ und felle das Himmelreich nicht
erben / (Joh. 6.) ſondern allein der welcher aus dem Ge⸗
Schenke Des Bundes gebohren werde; Nicht Adam / fondern
Ehriftus in feinen @liedern/ nicht der Schlangen Ens und eige>
ne abtrinnige Ifmaelitifche fpöttige ſalſche Wille / fondern der
Wille des Bundes in Iſmaels Befchneidung / dader Spötter
vom Bunde abgefhnitten wird Da alsdenn Iſmael Iſaacs
Bruder wird, “
- 16. Der eigen felbgemachte grobe irrdiſche Adam / der ſich
Durch feine Luſt hat zu einem Thiere gemacht / und des Teuffels
Begierde und Willen in das eingeführete Thier eingenommen /
der Fan nicht im Wilde Chriſti ſeyn oder bleiben s Er iſt heraus
geſtoſſen / und wandelt in der Welt Eitelkeit und Eigen-Luſt /
auch iſt er des Geſchencks im Bunde nicht fühig.
17. Aber der rechte Adamiſche Menſch dehn GOtt aus der Er⸗
den Matric" machefe / daraus die Erde urftändete / in demſelben
fichet der Bund und das Geſchencke / gleich wie eine Tindtur im
groben Bley / welche die Grobheit des Bleyes / als den groben
Saturnum infeiner eigenen Begierde in fich verfchlinget / umd denn
Saturniſchen Willen toͤdtet / und führet feinen eigenen (ver⸗
ſtehet ver Tinftur Willen und Eigenheit) im Bley empor / das
durch das Bley in Gold verwandelt wird. 28. Alſo
Zap. sr. einander Weib genommen / ꝛc. 477
18. Alfo auch verftchet imgleichen / der grobe Saturnifche
eigene Wille aus der finftern Welt Eigerfhafft im Menſchen
tan nicht in GOttes Haufe wohnen/ er iſt hauſſen in der vers
derdten Welt/ GOTT hat ihn ausdem Paradeife ausgeftoffen
gleichwie Abraham feine natürliche Adamifche Kinder aus
Iſaacs Gütern ausſtieß; Alfo auch unfer indifher Menfche
nach feiner angenommenen Grobheit und Eigenheit / derift zum
Himmelreic nichts nuͤtze: Er iſt nur das Beyl da der Zimmer⸗
mann in dieſer Zeit mit hauen kan / im Himmel darff er dieſes
Beyls nicht / dan er darff ihme kein Haus bauen zur Eigenheit /
ſondern Chriſtus / als Das geformte Wort GOttes / iſt
ſein Haus.
19. Und wie Abraham ſeine Kinder von den Kebsweibern mit
Geſchencke aus feinem Haufe ſtieß; alſo auch iſt der Adamiſche
Menſch von Gott geſtoſſen / welchen Chriſtus als des Batters
Geſchencke / in ſich wieder annahm: Dan als Chriſtus in unſer
Menſchheit kam / fo ließ ihn GOtt ans Creutz Hängen und toͤd⸗
ten / und nahm ihn aber in feinem Geſchencke wiederan / und
ſetzte ihn zur Rechten der Krafft Gottes im Himmel / und unſer
Menſchheit mit und in ihme / aber der menſchliche Eigen⸗Wille
muſte am Creutz ſterben.
20. Alſo veut.t auch der Geiſt Moyſis allhier in der Figur
mit Abraham und feinen Natur Kindern / daß der Auffere na=
türliche Menſch nicht folte im Ens Chriſti wohnen / dan er ſey in
Adam aus dem Paradeiſe ausgeſtoſſen / fo möge er auch nach
feiner thierifhen Eigenheit nicht in Iſaacs Güter / als in den
Glaubens-Ens, als in Chrifto eingenommen werden; und ob"
gleih Chriſtus / als des Vatters Geſchencke im innern wahren
Menſchen / welden GOtt in Adam fehuff / wohnet / ſo ſoll doch
das grobe Thier/ alsdie Irrdigkeit und Eitelkeit/ von Chrifto in
alleweege ausgeftoffen fepn: Ja ein jeder Menſch / welcher ein
Chriſt ſeyn wil/ foil den irrdiſchen Willen / welchen nach Ei⸗
telkeit und eigen Luſt luͤſtert / von ſich ausſtoſſen.
21. Gleichwie Abraham in dieſer Figur feiner Kinder nicht
fhonete und fie ausſtieß / alfo ſoll auch ein Chriſt feiner Kinder
als der eigenen Luft und Begierde / und alles das deme anhan⸗
get/ nicht fehonen / fondern mit dem Berftande aus dem wahr
ren Tempel Chriſti / als aus Gottes Geſchencke täglich und
ſtuͤndlich außſtoſſen / und den alten Adam creußigen ; mo das
nicht gefchicht / fo ereusiget fonft der alte eigenroillige Adam
Chriſtum in fich /fo mug anderft Chriſtus am Creutz hangen +
und wird getödtet, 22, Auch
—
478 Wie Abraham habe Cap.yr
22. Auch iſt dieſes die Figur beym Abraham mit Außſtoſ⸗
fung feiner Natur-Kinder/ daß / gleich als Chriſtus / als der
wahre Iſaac ins Fleiſch kam / als in die Menſchheit / fo wur⸗
den Abrahams natürliche Kinder / als die Juden unter dem
Reiche Ehrifti von den natürlichen Gütern / als von aller Herr⸗
ſchafft / von Sand und Königreich außgeſtoſſen / und hörete ihre
Herrfchafft auff: denn die Herrſchafft gehöret nun Ehrifto / als
der Ehriftenheit/ denn Chriſtus brachte ein ewig Königreich mit/
die Hüter waren alle feyn / gleichwie auch dem Iſaac.
23. Und ob ſie die wohl nicht alle beherrſchen / gleichwie auch
Iſaac nur das beherifchete/ das ihm fein Batter lieg / denn die
natürlichen Kinder Abrahams von der Ketyura wurden hernach
Heyden / und beherrfcheten die Auffere Güter / als Kinder der
äuffern Natur: Noch dennoch muften Abrahams Kinder / fo
im Bunde unter der Befchneidung waren / als Chriftus fich
offenbahrete / aufgeftoffen werden: Anzudeuten/ daß auch an
des Bundes Kindern der irrdiſche Menſch / alsdie Selbheit im
Schlangen-Ente, muß von Bott verftoffen werden.
24. Alfo ward beym Abraham die Figur des Reichs Chrifti
dargeftellet mit feinem Sohn Iſaac: Als aber Ehriftus ins
Fleiſch kam / fo thät Gott die Figur weg / und nahm den auffer>
lichen Kindern Ifaacs die Auffere Güter des Landes Cangan:
Anzudenten/ dag nun das heilige fand Cangan fey offenbahr
worden / da Iſaacs Kinder follen das rechte verheiffene Erbe in
Chriſto einnehmen / und nicht mehr die Figur/ fondern das
Weſen der Figur / als das vollkommene / und nun die auffere
- Güter fambt der Figur verlaffen / und Chriſtum im Sleis
fche anziehen.
25. Das fich aber die Juden / als Iſaacs und Abrahams
Kinder als die Kinder in Ehrifti Figur nicht alle haben zu
Ehrifto gewandt als er fich im Fleifche offenbahrete / iſt diefe
Deutung: Gott gab ihnen das Geſetze der Natur / da im Ges
feße Aufferlic das Iegimentder Natur verftanden ward / und
innerlich Ehriftus / als der Bund und das verheiffene Ge>
ſchencke Gottes im Paradeife / daß das Geſetze der Natur fol
Ehrifti Haufgenog werden / dag der rechte Menfch unter dem
Gefeße der Natur in Bernünfftigkeit foll leben / und follaber
feine eigene Natug Ehrifto in fein Haus einführen / fo mufte
die Figur des Geſetzes bey etlichen Abrahams Kindern / als bey
etlichen Zuden bleiben / anzudenten/ daß das Geſetze Chriſti
Hauſgenoß fey.
26. Ver⸗
Cap. sr. einander Weib genommen / ec. 479
26. Verſtehet / da die Natur des Menfchen foll bleiben /
and iſt nicht gang von Gott verftoffen] dag alfo ein ganz
frembvder neuer Menfch folte auf dem Alten entftehen / ſondern
auf Adams Natur und Eigenfchafft/ und auß Gottes in Chri⸗
fi Natur und Eigenfchafft/ dag der Menfch ſey ein Adam»
Ehriftus; und Ehriftus ein Ehrifltus- Adam : Ein Menfcha
Gott / und ein Gott-Menſch. Und darumb iſt die Figur bey den
Juden blieben / uñ auß den Urſachen ſeynd fie nicht alle zu Chriſto
bekehret worden / daß die Natur ihre Figur und Recht behielte /
denn fte ſoll ihre Kinder unter dem Geſetze / als die Figur Chri⸗
ſti / Gott dem Batter in Chriſto uͤberantworten: Aber ihre
Figur wird im Feuer Gottes probiret werden / auff daß erkannt
werde / was ein wahres Kind des natürlichen Geſetzes in der
Figur Chriſti fey gewefen/ welcher im Geifteim Gefege auß
der Figur Chriſti gebohren worden / oder nicht.
27. Nicht ver Maultittel ift ein Jude inder Figur und im
Gefeße gebohren/ fondern der / der auß der Verheiffung im
Glauben Abrahams gehohren wird: Der in Ehriffi Figur /
als im Gefeße mit Mund und Hergenlebet / denfelben hat das
Gefeße Gottes in Chriſti Figur eingefaſſet / und wird ihn indie
Erfüllung der Figur einführen.
23. Denn es liget nicht allein an des Menſchen Wiffen /
daß er wiſſe / dag fich Chriftus habe ins Geſetz gegeben / und fey
die Erfüllung im Gefege/ wie fich der Maul-Eprift ruͤhmet /
fondern es lieget an göftlicher Ordnung /an Gottes Erbarmen:
Welcher einrechter Jude geweſen ift/ und yat Abrahams Glau⸗
ben im Gefege angezogen / der hatden Ens Ehrifti / dehn Abra⸗
ham empfieng / angezogen: welchen Ens des Glaubens die
Menfhheit Chriſti erfüllet hat / und ift ihme felber verborgen
was er ift/ denn er würdet im Ambte der Natur im Gefeße
Gottes / welches Ehriftus in fich eingenommen hat underfüller;
fo dienet er Gott im Ambte der Natur / und das Ambt der Na⸗
tur dienet Chriſto / denn es iſt Ehrifti Eigenthum worden,
29. Denn ihme iffaller Gewalt im Himmel und auff Erden
gegeben worden: (Ma:th.28.) Unter welcher Gewalt auch das
Ambt der Natur im Geſetze iſt: denn GOtt IM Geifte Chriſti
ift felber der/ welcher das Gefege und das Ambt der Natur recht
zu thun / ſambt ver Figur vom Reiche Ehrifti mit dem Glau⸗
bens-Ente, dem Abraham und Moyft gab / und ift auch felber
der / welcher den Glauben und das Geſetz erfüllete,
30. Alfo würdet der Jude in feinem Glauben in PA
mbt⸗
—
Hank"
Eee
430 Wie Abraham habe Gap. sr!
Anbtenann/ als im Geſetze / damit Chriftusin der Natur res
gieret / und hat Chriſtum in Binde und in Glausens-Enteitt
Ehrifti Figur / welche Chriſtus erfüllet hat angezogen.
3x2. Und der Chriſt / ſo Chriſtum im Fleiſche befennet/ wuͤrc⸗
ket in feinem Glauben / im Fleiſche Chriſti und hat das Ges
ſetze der Natur / als Gottes Ambtmann / recht zu thun in fei⸗
nem Glaubens; Denn Chriſtus herrfejet mit dem Geſetze Got:
tes / welches er erfuͤllet und zum Knecht gemachet hat in ſeinen
Kindern / und toͤdtet das Geſetz der Suͤnden durch die Erfül-
lung ſeiner Liebe in ſeinem Blut und Tode / beydes in denen / die
im rKegimendſeiner Uberwindung leben / als die Chriſten.
32. Denn der Glaube / fo im Geſetze in der Figur im Bunde
zu Gott dringet / der dringet in Abrahams Blaubens-Ente, auß
—3 Chriſtus gebohren ward / zu Gott: Und der aber in der
rfuͤllung gu Bott dringet / der dringet in der Menſchheit
Ehriſti als in ſeinen gantzen Proceß ſeines Leydens / Todes und
Auffferſtehung zu Gott.
33. Ein Chriſt iſt Chriſtus in der innern Menſchheit / und
ein Jude iſt Chriſtus in der Figur und im Ambtmaunn feines
Geſetzes / als nach der Natur. Nun aber iſt doch Adam in ſeiner
Natur / und Chriſtus in der goͤttlichen Natur eine Perſon wor⸗
nur eineiniger Baum: Wer iſt nun allhier der da richtet?
» &. Paulus ſpricht: Es iſt Fein Anſehen der Perſon vor
ſont, welche ohne Geſetz geſuͤndiget haben / die werden auch
ohne Geſetz verlohren werden / und welche am Geſetz geſuͤndiget
haben / die werden durchs Geſetz verurtheilet werden: Sinte⸗
mahl vor Gott nicht die das Geſetz hoͤren / gerecht ſind / ſondern die
das Geſetze thun / werden gerecht ſeyn: Denn ſo ſind die Heyden /
die das Geſetze nicht haben / und doch von Natur thun des
Geſetzes Werde / dieſelben / weil fie das Geſetze nicht ha—
ben/ und doch von Natur thun des Gefeges Werde / find fie
ihnen felber ein Geſetze / darmit dag fie beweiſen / des Geſetzes
Wercke fey gefihrieben in ihre Hergen / fintemahlipr Gewiſſen
fie überzeuget / darzu auch Die Gedancken / die ſich untereinander
verklagen oder entfchuldigen: und heiffet alfo:
35. So die Heyden Ehriftum ergreifen / fo ergreifen ſte das
Geſetze der Natur recht zu thun / denn Chriftusift des Geſetzes
Anfang und Erfüllung: Die Juden aber haben das Geſetze:
Welcher num übertritt und fündiget/ als der Jude im Gefeke
der Natur oder der Heyde / fo ſich zu Ehrifto befennet/ am
Geſetz der Erfüllung / ver fol ein jeder in feinem Gefegege-
ſtraffet
Cap. sr, einander Weib genommen / ec. 48x
ftraffet werden / als der Jude im Geſetz Gottes des Batters
in Chriſto / und der Chriſt im Geſetz des Erangelii/ als im
Gefeg der Erfüllung. den
36. Undift allyie Fein Anfehen des Namens / dag einer ſa⸗
get/ich bin ein Jude; der ander / ich bin ein Chriſt: Der Na⸗
ine machet Eeinen Unterfigeidin der Kindſchafft GOttes / ſon⸗
dermder Geiſt im Hergen recht zuthun / Gott zu gehorſamen:
Sir kommen allein der Gnade unter dem Gehorſam Chriſti zu
Gott / der Inde und Chriſt.
37. Denn auſſer Chrifte ift weder Geſetz noch Evangelium /
Chriſtus iſt die Gerechtigkeit die im Geſetze vor GOtt gilt/ auch
ſo hat der Menſch auſſer Chriſto keinen Gott: Er lauffe nun
gleich im Geſetze oder Evangelio / ſo er in der Begierde GOtt
zu gehorfamen lauffet / fo lauffet er im Geſetz der Erfüllung ;
denn Chriſtus iſt der einige Gehorſam der vor GOtt gilt / bey⸗
des im Geſetze und Evangelio. Alle Menſchen ſo ſich in Gehor⸗
ſam GOttes ergeben / Die werden in Chriſti Gehorſam / als in
der Erfüllung des Gchorfams auch angenommen / der Jude /
und auch der Chrift/ fo wohl auch der Heyde / fo weder das
Geſetz noch Evangelium het.
. 38. Denn ſo der Heyde begehret dem einigen GOtt zu gehor⸗
ſamen / und erkennet ihn aber nicht nach ſeinem Weſen ſeiner
Offenbahrung / dringet aber in Gehorſam GOttes / ſo iſt er
ihme ſelber ein Geſetze / und bezeuget im Wercke / daß GOTT
ſein Geſetze in ihn geſchrieben hat / welches er in ſeinem Sohn
erfuͤllet hat wie Paulus ſaget: Denn der das Geſetz und
Evangelium weiß / der weiß cs als eine Gabe des Gebers / der
ihm das Wiſſen gegeben hat: der esaber nichemweig/ und doch
Die Krafft des Gefeges und Evangelii begehret/ indeme weiß
BDit in Ehrifto was er wil.
39. Denn 28 liget die Genade nicht allein im Wiſſen/ dag
einer die Gnade in Chriſto weiß / ſondern im Eindringen indie
Genade/ und an GOttes Erbarmen liegt es: Einer dringet im
Geſetze in das Erbarmen / der ander im Evangelio / der dritts
ohne Geſetz und ohne Erkaͤntnuͤß des Epangelii: welcher der
feines hat / hanget aber ander Genaden Gottes / die wird ihm
im Berdienft Chriſti gefchendet / ohne alle fein Wiffen.
49. Gleichwie der Aſt am Bauıme nicht weiß / woher ihm der
Stamm den Safft und Krafft einführet / erfähnet ſich allein
nach der Kraft der Wurtzel / und zeuchtden Safft mitfeiner.
Begierde in ſich: Alſo — ſaͤhnet ſich mancher un⸗
Hass wiſſen⸗
482 | Wie Abraham habe Cap. st
wiſſender Menſch nach feiner ewigen Mutter / darauf er mil
Adam entſtanden iſt / und komt in feiner Unwiſſenheit wieder
in das Genaden⸗geſchencke / das GOtt Adam in ſeinem Falle
ſchenckete; denn der Bund und die Gnade erbet von Adam auff
alle / wie auch die Suͤnde von Einem auff alle erbete; Welcher
des einigen GOttes Gnade begehret / der erlanget fie in Chri⸗
flo / der iſt die Gnade ſelber.
41. Die Juden wollen die aͤuſſere Menſchheit Chriſti nicht
glauben undverläugnen fie. Die Chriſten aber glauben fie/ und
beflecken diefelbe mit gottlofem Wandel; und ift alfo vor Bott
einer wie der ander / aufgenommen die Kinder des Glaubens
amterden Juden und Ehriften / welcher befleckter Roc im Blu⸗
te Ehriftigewafchen wird.
42. Nicht beftättigen wir hiermit der Juden und Heyden
Unglauben/ daß fie follen inder Blindheit bleiben / denn die
Zeit ihrer Heimſuchung ift gebohren / daß fie fehend
werden; fondern wir decken hiermit auff ven falſchen
Untichrift bey den Juden und Chriften / in deme ſich ein
jeder ſeines Namens ruͤhmet und den andern verdammet / der
Jude im Geſetz / und der Chriſt im Evangelio / und der Heyde
in ſeinem Aberglauben.
43. Ein jeder wil in ſeiner Wiſſenſchafft GOttes Kind ſeyn/
und der Ungehorſam und Unglaube iſt Doch bey einem Volcke fo
groß /als beym andern / und feynd inder Biffenfchafft nur eine
Figur vor GOtt / und wird Feiner durch Das Wiſſen allein feclig :
Denn dagich für wahr halte / dag Chriſtus gebohren / und für
mich geftorben / und vom Tode aufferftandenfey/ machet nich
richt zum Kinde GOttes: Der Teuffel weiß das auch / es nuͤtzet
aber ihme nicht / ich muß Chriſtum in der Glaubens-Begierde
anziehen / und in ſeinen Gehorſam / in ſeine Menſchwerdung /
Leyden und Tod eingehen / und in ihme auffſtehen / und den Ge⸗
horſam Chriſtianziehen / alsdeñ bin ich ein Chriſt / und ehe nicht.
44. Das richten und verdammen ohne GOttes Befehl iſt nur
der Antichriſt bey den Juden und bey den Chriſten: Ohne Got—⸗
tes Erbarmen komt Niemand zur Kindfchafft/ wirmüffenalle |
durch das Erbarmen GOttes eingehen / der Jude und Chriſt |
der Wiſſer und nicht Wiſſer; Unfer Wiffen follinder Siehe |
Chriſi völlig werden / daß wir einander fieben/ fonftiftdas |
Wiſſen Fein Nuge/ ſoich nicht mein Wiſſen mitder Begierde |
in die Siebe Gottes / damit er uns in Chriſto gelieher — m
uhre |
ze
Cap. yr. ein ander Weib genommen / 2. 483
führe / und liebe meinen Naͤchſten in der Liebe Gottes in Ehri-
flo mir der Liebe / damit uns GOtt in gemein licher und geliebet
hat / da wir ſeine Feinde waren / ſo habe ich noch nicht Gottes
Liebe in mir wohnen.
45. Wie wil aber der lieben / welcher ſeinen Bruder um der
Wiſſenſchafft willen verachtet / fo uns doch Gottliebete / da wir
nichts von feiner Liebe wuften ? hat ein Menſch nicht dieſelbe
Siebe Gottes in ſich damit uns Goftligbete/ da wir ihn nicht
kannten / was rühmet er fich denn lange der Kindſchafft Gottes ?
iſt er Gottes Kind / fo hater auch Die freye Liche Gottes / Damit
Gott alle Ding lirbet; hat er die nicht / foift er der Kindſchafft
noch nicht fähig: So nun einer feinen Bruder verachtet und
verdammet / der noch nicht die Wiſſenſchafft hat / wie mag er fich
denn der Siche Gottes rühmen/ Damit Gott feine Feinde in
Ehrifto liebete damit Chriftus für feine Feinde bath.
46. D du falſche Falte Liebe der Zitel-Ehriftenheit I wie
ſchildt dich die ewige Wahrheit in dein Gewiffen/ in deme du nur
am MWiffen hangeft / und zanckeſt um die Wiſſenſchafft / und
haft der Siebe nicht / richteſt dich in deinem Richten nur felber 7 _
da je ein Hauffe den andern richtet / amd feynd vor Goft anders .
nichts / als dienatürlichen Kinder Abrahams vonder Kethura /
Da je einer Dem andern Schuld gab/ dag fieder Batter hätte
vom Erbeauggeftoffen / und mochten nicht fehen wasdie Schuld -
war/ als nehmlich der böfen verderbten Natur welche wicht eis
Erbe war. 5
47. Alſo auch imgleichenift euer Richten fein Erbe der Güter
Chriſti / es wird vor der Erbfchafft ganz aufigeftoffen / beydes
der Juden und auch der Chriſten / ſo wohl auch der Tuͤrcken / alle
euer Sagen iſt anders nichts als der Spötter Ifinael/ der
Chriſtum in feinen Gliedern fpottet: Ihr mißbrauchet alle den
Namen GOttes mit eurem Richten / und verdammet die man⸗
cherley Gabe des Geiſtes Gottes unter euch / und richtet nur in
der Selbheit / und nicht nach der Liebe Eprifti.
48. Euer Richten ift nur der Welt Schade] damitihrdie
Unwiſſenden irre machet und zur Säfterung führet: Das Ber»
dammen Ichret ihr fie/ unddas wahre Wiffen im Geifte Got»
tes habet ihr felber nichts ihr Ichret euch felber nicht ; und wol⸗
let doch andere Ichren und richten / und ſeyd indem Sauffe alle»
ſambt nur die außgeſtoſſene Kinder Kethurz / zancket und beiſſet
euch umb Abrahams / als Chriſti Guͤter / uͤnd habet ſie doch
nicht Haͤttet ihr dieſelben / ſo haͤttet ihr der Liebe Chriſti / wel⸗
che die wahre Guͤter ſeynd. — 49. Kein
—
484 Wie Abr. ein ander Weib genomen. C.57.
49. Kein Wiſſen ohne die Siebe Chriſti iſt ichts nutze zur
Kindſchafft / es ift nur Babel und Fabel Ichren und felber
nichts thun / als nur den Abgott Maozin in lich felber ehren s
der hohen Schulen Wiſſen / und des Zeuffels Wiffen auffer dene
Geifte Chrifti in der Liebe / bringen beyde nur Streit und
Derderbimg.
so. Hätte der Teuffelnicht inder Selbheit gewuſt / fo wäre
er ein Engel / und hatte Adam nicht das Selbwiflen auffer Got=
tes Liebe begehret/ fo wire erim Paradeiß blieben: Wuͤſten
Die hohe Schulen nicht das ſcharffe difpuriren / fa blieben fie in
- der Einfalt Chrifti / und hatten nicht die gange Welt mitihrem
Zancken in Meynungengeführet/ dadurch manift gan vonder
Erkaͤntnuͤß GOttes in Meynungen und in richten eingegangen/
daß jeßo nichts als verdammen in der Chriſtenheit / und alle Lie⸗
be und Wahrheit verlefhen ift/ da man die Seeligkeit hat in die
Meynungen gefaffer / und den Meifter anden Knecht gebunden:
das alfo der Antichrift uber Chriſtum herrfehet/ darunterer
doch nichts / als nur feinen $ucifer und GOtt Maozim des
Baͤuchs ehret und meynet /wie vor Augen ift. .
51. Nachdeme nun Abraham hatte der Kebsweiber Kinder
alle auf feinen Gütern mit Geſchencken von fich gelaffen / gegen
den Morgen / wie Mopfes faget/ fie wären gegen Auffgang
ins Morgenland gezogen / das iſt / ins Regiment der Natur /
da fich das Weſen anfaͤhet; foift Abraham geſtorben in einem
ruhigen Alter / da er alt und Lebens ſatt war / und iſt auch in
die zwenfache Höhle / gegen Mamre über begraben worden zu
feiner Sara.
Die innere Figur ftehet alſo:
s2. Abrahams natürliche Kinder von den Kebsweibern zogen
gegen Morgen: Dadeutetder Geiſt auffdie Figur des ganzen
Menſchen: wenn ſich Chriftus im Menschen offenbahret hat
und feine Güter befeffen/wie allyierIfaac salsden gehet die Na⸗
tur wieder inden Anfang /als indes Vatters Eigenfchafft/ und
wuͤrcket nach der Seelen im erſten und dritten Principio, und
Chriſtus fisetin mitten/ alsimandern Principio, und beherr⸗
fehet dasjenige / was die Natur indes Vatters Eigenſchafft in
göttlicher Weisheit formet und bildet.
53. Darum faget allhie Moyſes / fie wären gegen Mörgen |
gezogen) unddeutetheimlich in feiner Figur auff des Menfher |
Sigenſchafft wis Die Natur den Morgen / als den Anfang des |
Regi⸗
Cup. z2. Die Hiſtoria von Iſaac/ꝛc. 485
Regiments beſitzet / wie denn auch Chriſtus ſagte / er wäre wie
ein Weingaͤrtner der da nachleſe. Im Reiche Gottes iſt die Na⸗
tur Chriſti Knecht / aber im Reiche der Natur Selbheit hat ſich
Chriſtus mit ſeiner Demuth zum Knechte und Gehuͤlffen einge⸗
geben / und dienet dem Batter in feiner natürlichen Offenbah—
rung / und lieſet immerdar hinten nach / was der Vatter durch
die Natur formet / das führet die Weißheit in ihren Schab.
- 54. Darum ſaget S. Paulus / daß der Geift Gottes / auch
. den Kindern Gottes ımterthan ſey / und mit ihnen indie For—
fhung big in die Tiffe der Gottheit eingche; und wenn es fo
weit kemmet / fo iſt der Menfch in einem ruhigen Alter / wenn
alles in ihme in feiner Ordnung ift /als die Naturim Mor⸗
gen in des Datters Eigenfihafft / und Chriftus im Abend /
in der Demuht / fo hat der Menfc des Auffern böfen ſuͤndlichen
Lebens garfatt: Erfähnet fidy imme rdar mit feinem Weſen in
die zweyfache Höhle einzugehen / alsin die ewige Mutter / wie
voben geineldet worden, &
55. Und wenn er feine Sebens-geftälte hat indie göttliche Ord⸗
nung gebracht / wie allhie Abraham hatte alles in eine Ordnung
gebracht / alsdenn ergiebet er ich gantz und gar in einem Weſen
in die ewige Gebährerin / und mit feinen eigenen Willen in
Tod und DAS Sterben / und iſt des Lebens der Selbheit gung
uüberdruͤſſig und muͤde / und ruhet alſo in feinem Gotte.
Das 5 2. Capittel.
Die Hiſtoria von Iſaae / auch wie Eſau und Jacob
gebohren worden / und was ſich mit ihnen habe
zugetragen / was darbey zuverſtehen ſey.
Geneſ. 25.
I. Dyfes fpricht : Nach dem Tode Abrahams
ſeegnete GOtt feinen Sohn Iſaac / und er
wohnete bey dem Brunnen des Lebendigen
und Sehenden. Die Vernunfft verſtehet dieſes
aͤuſſerlich von einem Orte da Iſaac gewohnet ha⸗
be / aber der Geiſt ſtehet auff die Figur des Lebens Geſtaͤltnuͤß /
wie die menſchliche Natur und Creatur habe bey dem Quellbruñ
des Göttlihen Entis , im Bunde / welchen Abraham im Glau⸗
ben empfieng/ gewohnet / als J Seele Iſaacs wohnete *
3 es
456 Die Hiftoria von Iſaac/ Cap. 52.
dem Quellbrunn der Heil. Dreyfaltigkeit / in welchem die Sees
le ihr Liecht empfleng/ und den Willen Gottes fahe und erkann⸗
te; auf welchen Quellbrunn ſich Die höchfte Liebe der Gottheit
Ser Seelen offenbahrete / auß welchem Quellbrunnen fich her>
nach in Erfüllung der Zeit der heilige Name Ihefusauß Icho>
va offenbahrete / undder Seelen zur Braut vermählete.
2. Bey diefem Brunnen des Lebendigen und Sehenden woh>
nete die Seele Iſaacs / biß fich derfelbe Brunnauellbernach in
der Menfchheit Chriſti in der Seelen außgoß und erörfnete / (0 .
wohnete hernach die Seele im Quellbrunn / als fte in Chriſti
Derfon zur Rechten GOttes erhoͤhet ward; So floffe der Queil⸗
brunn Gottes durch die Seele auß / allda ſie goͤttliche Macht
empfieng /alsein Fuͤrſte Gottes oder als ein gebildeter GOTT/
oder ein geformbtes Wort der Stimme GOttes / durch welche
Stimme GOTT lautbar und offenbahr ward.
3. Alfo auch unfere Seele / wenn fie den indifchen Willen
der angenommenen Selbheit verlaͤſſet / und den Ens Chriſti im
Bunde ergreiffet/ und ich zu GOtt wendet/ fo wohnet fte auch
bey dem Brunn des Lebendigen und Schenden / das iſt / bey
Gottes Auge / welches er mit Chriſto hat wieder in der Menſch⸗
heit geoffenbahret : Nicht wohnet unfere Seele diefe Zeit der irr⸗
diſchen Huͤtten im Quellbrunn Gottes / dag fteden QAuellin der:
Selbheit ergriffe /fondern gleichwie die Sonne das Glaß durch
ſcheinet / und das Glaß doch nicht zur Sonne wird/ fondernes
wohnet bey per Sonnen Glaft und Krafft/ und kaffee die Sonne
Durch ſich fiheinen und würden ; alfo auch die Seele indie>
fer Seit.
4. Aber dig iſts / gleichtwie die Sonne ihre Tindur in den
metalifchen Ens gibet / und der metalifche Ens gibet feine Bes
gierde in der Sonnen Tindur, daß alfo auf diefen beyden das
ſchoͤne Golderbohren wird : Alfo mit der Seelen und den Quell⸗
brunn GOttes zuverfichenift: Die Gottheit wohnet durch die
Seele / aber die Seele begreiffet ſte nicht nach der Ereatürlichen
Gewalt / fondern das Auge oder Liecht Gottes mitder heiligen
Liebes⸗Tinctur vom Liechts-glaſt / giebet fich indie Begierde der
Seelen ein.
5. Denn die Begierde der Seelen iſt das Fiat, welches die
Krafft der heiligen Kebe⸗Tinctur in ſich faſſet und zu einem We⸗
fen machet / daß alſo auß der Goͤttlichen Tindur auf der Begier⸗
de des Liebequelles / auß dem Brunnen des Lebendigen und
Sehenden / und anf der Seelen Glaubens-begierde ein We⸗
gen wird. 6, Vet⸗
*
C 52. auch wie Eſau un Jacob gebohren/rc. 487
6. Verſtehet ein geiſtlich Wefen/ und daſſelbe geiſtliche
Weſen iſt der innere neue Menſch / als ein neues Haus oder
Wohnung der Seele / in dem ſie wohnet nach der innern himm⸗
liſchen Welt; deſſen Weſens Name heiſſet Sophia / als die
Braut Chriſti / Chriſti Menſchheit / in welcher der edle Ja⸗
cobs⸗ſtern des theuren Namens Iheſu / cin ſcheinend Liecht iſt /
davon die Seele GOTT ſiehet und erkennet.
7. Nicht wird die Seele in die Gottheit / als in den Brun⸗
nen des Lebendigen und Sehenden tranſmutiret / denn ſie iſt der
ewigen und zeitlichen Natur: Die Gottheit aber iſt nicht der
Natur / ſondern der Wille zur Natur / und offenbahret ſich
durch die ſeeliſche Natur / gleichwie ſich das Feuer durchs Eiſen
offenbahret / da man alsdenn das Eiſen anſichet als eitel Feuer /
und da es doch ſeine Natur behaͤlt / und das Feuer auch die ſeine /
und wohnet nur eines im andern / und iſt eines des andern Offen⸗
bahrung. Das Eiſen hat feine Gewalt über das Feuer / allein
das Feuer giebet fich dem Eifen / und das Eifen giebet dem Feuer
feinen Ens, und werden alfo die zwey in eines verwandelt / und
bfeiben doch zwey Weſen: Alfo auch mit der Seelen und der
Gottheit zu verftehen iſt.
8. Und wie die feurifhe Eigenfchafft ein anders iſt als das
Eifen/ und gar eine andere Quaal hat: Alfo auch ifl die neue
geiftlihe Menſchheit im Ente Ehriftiim Goͤttlichen Liebe-Feuer
viel ein ander Weſen als der irrdiſche Leib / wiewohl im Feuer
die Seele verſtanden wird / und im Liechts-glantz der Leib So⸗
phiæ / denn die Krafft des Liechts iſt die Tinctur oder der Anfang
zum neuen geiſtlichen Leibe / welche a. der Seelen Glau⸗
bens=begierde fahet / und in ein Weſen faͤſſet oder führer / das
iſt / zum Weſen machet / aus der Begierde ein Weſen oder geiſt⸗
lich Corpus, welches geiftliche Weſen der Tempel Gottes ijt }
davon die Schrift faget.
9. Aberunfer Babylon nichts Davon verftchet / fondern dar⸗
an blind iſt / denn fie wil nicht weiffen wie Chriftus in uns im
Glauben gebohren werde / und wie der Glaube zum Weſen
Eomme/ fondern wil nur fehlechts den halb Schlangen-Mena
ſchen zu einem angenommenen Gnaden⸗kinde machen / und in
Zempel Gottes fegen: Aber es gilt.nicht / dag fich der Teuffel
zur Rechten Gottes fege in den Brunnen des Lebendigen und
Sehenden / er iſt einmahldavon außgeftoffen/er wird dehn nicht
mehr befigen; ein Ihierift nicht Sophia: Die Schrift faget s
Ihr muͤſſet umkehren] und als Kinder werden/ und neu gebohren
werden / anderſt foltibr@ottnichtfehaun 4 10. Dit
IE:
Sen
433 Die Hiſtoria von Jane! Cap.gz.
10. Die Seele mag nicht EDtt fehen / als nur in ihrer neit=
gebohrnen Bildnuͤß / nur durch und in Jungfrau Sophien / im
Jacobs-Sterne / als im Namen Iheſu ſiehet ſte in Jehova im
Brunn des Lebens GOttes: Nicht iſt ſie derſelbe Brunn / ſie
giebet nur das Feuer zur Offenbahrung dieſes Brunnens: Der
Brunn aber wird im Liechte verſtanden / als in der Sanfftmuht
des Liechtes.
xı. So möchte der Seelen magiſch Feuerquel auch nicht an⸗
gezuͤndet werden / daß in der Seelen-Feuer ein Schein eines
Liechtes entſtunde / ſo ſich nicht die goͤttliche — Begierde als
Der Liebe⸗Ens ins Seelen⸗Feuer eingaͤbe: Der Ens Chriſti aus
göttlicher Siebe giebet fich inder Seelen Feuer-quell ein / den iſſet
das feclifche Feuer in feine feuriſche Effeng / und darvon erſtirbet
Das Leben der Grimmigkeit/ und wird das ſchoͤne Liecht daraus
gebohren : Denn allda ſtehet Chriffus aus dem verzehrenden
Feuer des Butters Eigenfchafft wach feinem Zorn / vom Tote aus
dem Feuer eines andern Lebens auff. Allhie wird das magifche
Seelen⸗Feuer der edlen Sophix Bräutigam; und wird allhie
Mann und Weib / als vie beyde Tindturen/ vom Feuer umd
Liechte eine Perfon / als ein Engel GOttes.
2, Alhier verleure t Lucifer feinen Stuhl / und die Schlange
ihr Gerecke / und ſetzet ſich Chriſtus zur Rechten GOttes im
Menſchen / und wohnet der ven iſch recht bey tem Brummen des
Lebendigen ind Sehenden : Und Das iſts was der Geiſt Moyſis
bey dieſer Figur mit Iſaacs Wohnung Darftellet / ob wir ich
wolten einmahl feyenvde werden/ und die Hülfe verlaffen / und
uns erkennen was wir ſeynd / nicht nach dem irrdiſchen Thiere /
fondern nad) dem innern geiftlichen hinlifchen Menfchen.
13. Nicht das Theil der thierifchen Seel erreichet das edle
Bild in diefer Zeit zum Eigenthum / nicht die fterbliche Seele /
weder vom Geftirne noch von den vier Elementen; allein die ins
nere Seele aus dem ewigen ABort GOttes / aus der ewigen Nas
tur / aus dem geformten Worte / aus GOttes Weſen / nach
Gottes Liebe und Zorn / als aus dem Centro der ewigen Natur /
welche ihren Urftand aus der Göttlichen Begierde durchs ewige
Verbum kiat hat / dadurch Die Göttliche Luſt die Weißheit in eine
Subftang zur Befihauligfeit der Gottheit former und bildet / dieſe
wird init Sophia vermählet.
14. Die auffere Seele iſt diefe Zeit mit dem Geftirne und dert
vier Elementen vermählet / die Wunder GOttes der geformiten
Weißheit in Figuren / beydes in Worten und ersten zu fora
men:
— — — —
—
— ——
. * Yale ‘ ” *
E52. auch wie Eſau uñ Jacob gebohreni?c.489 -
men: Dieſe Auffere Seele erlanget nur manchmahleinen An⸗
blick von Sophien / denn ſie hat den Tod und Sterbligkeit in ſich /
ſoll aber nad) dieſer Zeit wieder in das erſte Bilde das GOtt in
Adam ſchuff / verwandelt werden / und den Schlangen-Ens der
Erden laſſen / welcher am Ende der Tage follim Feuer GLttes
auff den Teft gefeget werden / da der Schlangen eingeführete
Begierde foll davon wegrauchen; alsdenn fo ſtehet das gantze
Bilde Go—ttes aus allendrey Principiis in einem Weſen / und
erfüllet alsdenn GOtt alles in allem. Diefes ift bey diefer Figur
zu verſtehen.
15. Zum andern fd befchreibet der Geift Moyſis die Kinder
Afınaels / wieer habe zwölf Söhne gezeuget/ aus welchen zwoͤlff
Sürften in ihren Geſchlechten entſtanden find / und ſetzet zur
letzte/ cr ſey wor allen feinen Brüdern gefallen; daverftchet er
vor Iſaacs Gefihlechte/ und da cr doch in weltlicher Herrſchafft
für innen groß wuchs / und mächtige Leute wurden) und Iſaac mit
feinen Kindern und Nachkommen nurals Pıilgerleute waren /
"und von einem Ort zum andern reyſeten / biß fie endlich nach der
Egyptiſchen Dienftbarkeit erlöfet worden / und das verheiffene
Land befiffen.
Die innere Figur ſtehet alfo :
16. Iſmael in feinen zwölf Fürften / iſt das Reich der ver⸗
derbten Natur menfhlicher Eigenſchafft andeutend / welches
eich zweyfach iſt / als fechs Zahlen aus der innern Lebens⸗Fi⸗
gur und fechs Zahlen aus der irrdiſchen äuffern Sehens» Figur/
9 alsder äuffere fichtbare greiffiiche Menſch / und der inneregeifte
liche Seelen⸗-Menſch. Dieſe beyde haben zwölf Zahlen m der
Figur) daraus zwoͤlff Fuͤr ſten entſtanden ſeynd nach der innern
und aͤuſſern Natur Eigenſchafft: Dieſe ſtellet der Geit Moyſis
indie Figur und ſaget / fie ſeynd vor allen ihren Brüpern gefal⸗
Ion: Anzudeuten / daß die zwoͤlff Regimente der innern und aͤuſſern
Natur menſchlicher Eigenſchafft in Ihrer Verderbung vor den
zwoͤlff neuerbohrnen Regimenten aus den Glaubens-Entein
ihrer verderbten Selbheit gefallen / denn der Teufel hatte ſein
Regiment und Gewalt in dieſelben Eigenſchafften gefeget:
77. Als aber der verheiſſene Glaubens-⸗Saame in Abraham
empfangen ward / ſo druͤckete er des Teufels Gewalt im Regi⸗
uient der menſchlichen Selbheit zu bodem / fo geſchahe der geiſtli⸗
che Fall in Iſmaels Linie / darinnen ſich der Teufel als ein hoffaͤr⸗
tiger Fuͤrſt hatte ins Ober-Regiment geſetzet / denn Chriſtus
toͤdtet den Hoffarth der Schlangen im Menſchen. |
85 18. So
4
490° Die Hifteriavon Iſaat / Cap. 52.
18. So ſaget nun Moyſes: Iſmael wäre vor allen feinen
Bruͤdern gefallen / das war anders nichts als cin geiſtlicher Fall
der menſchlichen Eigenheitvor GOtt / denn leiblich wurd n grofz
fe berühmte Leute aus ihnen / wie denn ihr Fuürſtlich Regiment
bezeuget / da Iſaacs Geſchlechte dargegen cine lange Zeitnur
Frembdlinge unter den Voͤlckern waren: Anzudeuten / daß Chriſti
reich und Regiment nicht in dieſer Welt Natur ſey / und doch
dieſer Welt Reiche vor Chriſto fallen / und Chriſto unterthan
ſeyn ſolten.
19. Hernach beſchreibet der Geiſt Moyſis Iſaacs Kinder von
Rebecca / und ſaget / ſte ſey unfruchtbahr geweſen / und Iſaac has
be ven Herrn gebeten für fein Weib / und Gott habe ſich laſſen
erbitten / fo fey Rebecca ſchwanger worden zweper Söhne / wel⸗
he fi in Mutter Leibe haben miteinander geftoffen. Allhier
wird num die Figur des Reichs der Natur und des Reichs Chrifti
in der neuen Gebuhrt Elar fürgefiellet / wie Nebecen fey zweyer
Söhne ſchwanger worden / als Eſau und Jacobs / als auß zwey
Linien bedeutend; Efau auß Abrahams eigener Adamiſchen ver⸗
derbten Natur / und Jacob im Glaubens-Enie, in welchem ſich
Abrahams Glaubens⸗Ens in feine Adamiſche Ratur mit einge
leibet / in welchen der Bund und die Linie Chrifti ſtund / wel⸗
cher ſolte der Schlangen in der Adamiſchen Natur den Kopff
ertretten.
20. Und wird allhier fuͤrgemahlet wie die zwey Reiche in den
zwey Bruͤdern / als des Teuffels Reich in der verderbten Natur
Eſau inAdams eigen Natur des eingeführten Schlangen⸗Entis,
und dan das Reich Chriſti in Jacob im Glaubens⸗Ente, haben in
Mutter Leibe in den zweyen Kindern miteinander geſtritten / da
denn das Reich der Natur in Eſau vor dem Reiche Chriſti in
Jacob angefangen zu fallen / denn allhie tratt ſchon des Weibes
Saame dem Schlangen-Enii in Eſau auff den Kopff ſeiner
Maͤcht / und die Schlange ſtach ſchon des Weibes Saamen / als
das Glaubens-Ens in Jacob in die Ferſen / darum fliehen fie
ſich miteinander in Mutter Leibe.
21. Auch haben wir allhier eine gewaltige Figur an Rebecca/
daß ſie ſey verſchloſſen geweſen / und habe nicht moͤgen eroͤffnet
werden / daß ſie waͤre von Iſaacs Saamen ſchwanger worden /
biß daß Iſaac habe den Herrn gebeten / dag er das Schloß im
Bunde in Rebecca eroͤffnete / da ſich der Herr hat laſſen im Bun⸗
De in dem Schloſſe Rebecca erbitten/dag er die Tindusim Weir
bes⸗ Saamen zu die ſer Schwaͤngerung eroͤffnete. =
ie
EEG
u sr
—
C.5 2. auch wie Eſau uũ Jacob gebohrenꝛc. 49 ꝛ
Die innere Figur ſtehet alſo:
22. In Iſaac war der Gluubens:Saamevon feinem Vat⸗
ter Abraham geerbet / Rebecca aber hatte nicht dieſen Ens, wohl
ſtund fie im Bunde/ aberder Glaubens-Ens war in ihr nicht
im Wefen /fondern nur im Bunde /und darum war ihre Matrix
verfihloffen / und des Glaubens-Entis nicht fähig : Alfolang
biß Iſaac feine Glaubens Begierde in den Herrn verteuffte /
verftchet in das Centrum der Natur in Rebecca / daß fich der
Geiftdes Herren im Bunde in Rebecca bewegefe/und den Bun=
de ſambt ihrer Adamiſchen Natur bewegte/ fo ward das Schloß
in ihrer Matrice, beydes im verfchloffenen Ente im Bunde /
und denn auch die Adamifche Matrix eröffnet : Daher fie zweyer
Söhne / zweyer Reiche Eigenfchafft ſchwanger ward.
23. Und das heiſſet / der Herz lieh fich erbitten/ da Iſaac feine
Glaubens: Begierde durch die ewige und zeitlihe Natur in den
Herreneinführete/ und damit in fein Weib Rebecca eindrang/
dag lieder Her? wolte durch fein Gebet und Glaubens-begierde
- eröffnen/ daß fie von ihme ſchanger werde: Welche Glaubens»
begierde fambt der Adauiſchen Natur-Begierde fich in das
Schloß der Matricis in Neberca eingegeben / und fte eröffnet /
davon fie auß einem zweyfachen Saamen Iſaacs ift zweyer Na⸗
tur Eigenſchafften ſchwanger worden.
24. Nichtalfo zuverſtehen: Daß Jacob ſey gantz außm Glau⸗
bens⸗Edte empfangen worden / fondern gleichfahls von der Ada⸗
mifchen fündlichen Natur: allein das Neich der Gnaden im
Bunde ſtellete feine Figur im Glaubens-Ente in ihm dar: Ind
in Eſau ftellete das Reich der Natur / alsdie recht-verderbte A=
damiſche Natur ihre Figur dar’ nicht als eine Abfonderung und
Berftoffung / fondernangudeuten / dag Chriſtus folte in der
Adamiſchen verderbten Natur mie feinem heiligen Göttlichen
Ente einpfangenumd gebohren werden / und ven Zod und das
Suͤndenſchloß / ſamt der entſtandenen Begierde der menfchlichen
Selb⸗und Eigenheit zerbrechen/ ond mit der $iebe- Begierde im
Göttlichen Ente toͤdten / und dem Teuffel fein darinn gemachtes
Raubſchloß zerflören /und den Grimm GOttes nach der ewigen
Natur indem Centro der finſtern feurifhen Welt Eigenſchafft
in Göttliche Liebe und Freude verwandlen / und die Adamiſche
Natur mit der heiligen Tin&ur des Liebe-Feuers fingiren.
25. Darumb ward die verderbte Adamiſche Natur in ihrem
Bilde in Eſau / neben das Bilde Chrifti in Jacob / im Mutter⸗
leibe dargeſtellet / und muſten a eijnem Sommin formis
7 ren
492 Die Hiftoria von Iſaac Kapısz,
ren / anzudeuten / dag fich Chriftus folte in unfere verderdte Ma⸗
tur geben / und unfer verderbte recht Adamifche Natur aus der
A erlöfen / und in ſich in feine heilige Natur ein»
uhren.
26. Auch fo ftellete GOtt in Eſau die Figur feines Zorns
und der Macht des Zeuffels Dar / welcher das Reich der Natur
hatte im Menſchen befegen / wieer wiirde wider den Glaubens
Ens und das Reich Ver Gnaden/ welches ihme folte feinen Gewalt
nehmen / flreiten / amd groſſe Feindſchafft darwiser führen.
27. Die Vernunfft ſpricht: Warumb verhinget das GHTT/
daß der Zeuffelwider fein Gnadenreich ftreiten folte ? Höre du
nichts⸗wiſſende blinde Vernunfft / lerne das A. B. C. im Cen-
tro, wie GOttes Liebe und das Reich der Gnaden und Barııts
hertzigkeit / ohne Streit und Widerwillen nicht offenbahr wür=
dennoch werden Fönte/ fohaftu mehr keine Frage allpier / gehe
forne ins Centrum diefes Vuches / fo findefluden Grunde.
28. Und als der Streit zwiſchen den zweyen Reichen in dies
fen beyden Kindern in Mutter-Leibe angieng / das fie fich mit
Füffen ſtieſſen: So ward Rebecca unwillig darüber und ſprach:
Damirs alfofolte gehen / warumb bin ich fchwanger worden ?
und fte gieng hin den HErrn zu fragen; und der Her fprach
zu ihr: Zwey Bolt findin deinem $eibe / und zweyerley Leu⸗
the werden fich ſcheiden aus deinem Leibe / undein Volck wird
Dem andern überlegen feyn / und der gröffere wird dem klei—
nern dienen,
29. Diefe zwey Volck fo aus einem Saamen in Rebecca
empiangen wurden/feind an einem Theil der Menfch der Adami—
fchen eigenen Natur in der Selbheit / als der Urſtand des
enſchen; und zum andern der neugebohrne geiftliche Menſch
aus dem Reiche der Gnaden im Bunde: Dieſe kamen aus ei⸗
zem Saamen / einer aus der Adamiſchen Natur allein umd
der war der gröffere als der erfte Menſch / dehn GOtt in ſei—
nem Bilde ſchuff / welches verdarb und an GOtt erſtarb; der
ander kam zwar auch aus derſelben Adamiſchen Natur / aber das
Reich der Gnaden im Glaubens⸗Ente hat ſich als einen Uberwin⸗
der darein gegeben / und dieſer war nach der Adamiſchen Natur
Der kleinere / aber GOtt war in ihme offenbahr; fo ſolte der groͤſ⸗
ſere als der erſte Adamiſche Menſch in Eſaus Geſchlechte dieſem
kleinern / der nach menſchlicher Eigenſchafft der kleineſte war /
aber in GOtt der groͤſſeſte dienen und unterthan werden.
30%. Und oa wir doch nicht fehen das Eſau waͤre Jacob *
an
—
ar 44
Cꝛ.auch wie Eſau uñ Jatob gebohren /rc. 493
than worden / ſondern es iſt die geiſtliche Figur / wie das Reich
der Natur im Menſchen bey den Kindern Gottes ſolte gebrochen
werden / und dem Reiche der Gnaden / als der goͤttlichen Demuht
unterthan werden / und ſich gang in die goͤttliche Demuht erſenc⸗
ken / und aus der Demuht neu gebohren werden. So ſtellet der
Geiſt GOttes der Rebecca eine ſolche Antwort dar / daß es
ein ſtreitend Reich ſeyn werde / da zwar der erſte verderbte
Menſch / als der groͤſſere in der Natur werde wider den Eleinern /
als den Geiſt Chriſti in feiner Niedrigkeit und Demuht ſtreiten /
und ihn verfolgen: Aber der Adamiſche Menſch muͤſſe doch end⸗
lich der Demuht Chriſti gehorſahm und unterthan werden /
wolle er Abrahams Kind und Erbe ſeyn: So aber nicht / ſo
muͤſſe er fo lange von Abrahams und Chriſti Gütern aufge:
ſtoſſen ſeyn / biger fih unter Chriſti Demuht ernidrige/ und
feine Eigerheit der gröffern in Adam angenommenen Selbheit
und Widerwillen verlaſſe.
.. 32. Mit der Rebeccæ Unmuht / Ungedult und Widerwillen /
indehm fle lauffet und den HErrn fraget / warumb der Streit
in ihr fen / das ſich die Kinder ſtoſſen / wird dieſes angedeutet:
Wann fih Chriſtus in der Adamiſchen Natur im Menſchen
offenbahret / fo gehet der Streit diefer zweyer Reiche an) als des
Zeuffels in SOttes Zorn⸗Reich im Schlangen Ente, umd dar
des Reichs Christi: So zertritt Chriflus der Schlangen den
Kopf) fo entſtehet groffe Unruhe im Gemuͤhte / dan die Schlan⸗
ge ſticht Chriſtum / als die neue Gebuhrt / in die Ferſen / fo
gehet das Fuß⸗ ſtoſſen an als eine jaͤmmerliche Zwaͤngung: Go
ſpricht die Bernunfft dan im Gemuͤhte mit Rebecca: Da mir
es alſo gehen ſolte / warumb bin ich dan in die goͤttliche Schwaͤn⸗
gerung in die Buſſe eingegangen ? Bin ich doch nur in Unru—⸗
he dadurch kommen / und bin der Welt / fo wohl meiner Vers
nunfft Narr dadurch worden / ſo gehet alsdan der Streit und
des Sathans Fuß-tretten auf im Gemühte/ mit Augſt und
Schmertzen; fo weiß das Gemühte dan nirgends hin / fondern
lauffet indie Poeniteng und fraget den HErren / warumb es
Hmealfogche.
32. So zeiget ihme der Herrinfeiner Sprache / daß Chris
ſtus jetzo in ihme in der Höllen feehe/und dein Teuffel fein Raub⸗
ſchlog ſtuͤrme: Dannenher ſey ein folcher Streit und Unruhe in
ihme / und zeiget ihme an / wie feine Bernunft und die Adas
miſche Natur / als das groͤſſere Theil ſeines Lebens muͤſſe gebro⸗
chen werden / und ſich gantz in die Gelaſſenheit in den Proeeß
| € 7 Chriſti
494 Die Hiftoria von Iſaac / Cap y 3,
Chriſti unter fein Creutz in die hoͤchſte Demuht erſencken / und
ihr ſelber fremde werden / darzu ihr eigen Feind ſeyn / und mit
der Vernunfft und des groͤſſern Adamiſchen Willens in ſein
Nichts gehen.
33. Und wann dieſes geſchicht / ſo wird Eſau / als die Adami⸗
ſche Natur wohl gebohren / und komt allemahl zu erſt herfuͤr:
Aber Jacob / als der Geiſt Chriſti / komt balde hernach / und
nimt den Eſau das Reich und den Gewalt / und machet Die Nas
tur zum Knechte / ſo muß Eſau / als die Natur / dem Jacob
dienen / als dem Geiſte Chriſti. So heiſſets alsdan allhie wie
der Sohn zum Vatter ſprach: Vatter / die Menſchen waren dein /
und dis haft ſie mir gegeben / nd ich gebe ihnen das ewige Leben.
34. Verſtehet / die Natur iſt des Vatters Eigenfchafft / dan
fie ift die Staͤrcke und Macht/ als der Feuer-geiſt: Diefer Feu—
er-geift ward dem Liechts-oder Liebe⸗Geiſt in Ehrifto / als dem
heiligen Namen JEſu gegeben / welcher fich in Abraham in ſei⸗
ner Ölaubenszbegierde in einen Ens einführete/ aus melden
Chriſtus / und denn der neue Menſch aus Chrifto gebohren wird/
dem das Neich der Natur in des Vatters Feuers-Eigenfchafft
gegeben ward/ under gab feinen Jiebe-Ens des Batterg Feuers
quaal gaͤntzlich zu einer Speiſe ein / als der feuriſchen Seelen
in des Vatters Natur / allda nahm Chriſtus mit der Liebe des
Vaͤtters Feuer-gewalt ein / und transmutirte das in die Gloria
der triumphirenden Freudenreich: Alſo auch in der neuen Ge⸗
buhrt des Menſchen zu verſtehen iſt.
35. Und Moyſes ſaget weiter: Da nun die Zeit kam / daß
Re becca gebähren folte / ficheda waren Zwillinge in ihrem
Leibe / der erſte der heraus Fam war rötlich gang rauh wie
ein gell) und ſie nenneten ihn Sſau; zurhandt darnach Fam
heraus ſein Bruder / der hielt mit feiner Handt die Ferſen des
Sſaus / und hieſſen ihn Jacob: Alhier ſtehet num die wahre
Figur am Bilde / und alſo klar / daß es auch die Vernunfft ſe—
hen mag: Alles was vorhin iſt mit Worten in der geiſtlichen Fi⸗
gur getrieben worden / das ſtehet allhie in einer leiblichen Figur.
Denn Moyſes faget: Eſau fey erftlich herfür kommen / der ſey
röhtlich mit einer rauhen Haut gewefen:
36. Nöhtlich bedeutet des Natters Natur im Feuer: Rauh
bedeutet die irrdifche Viehifche Natur / welche ihıne Adam mit
feiner Luſt aus der Irrdigkeit eingeführet hatte: Sein Name
heiffet Eſau / aus der ſenſualiſchen Zungen ausder Eigenſchafft
der Formung feiner Natur-Eigenſchafft; Der ches in *—
#72
—
En auch wie Eſau uũ Jacob gebohrenrc. 495
Formung in der Natur-ſprache alſo: (E) iſt der Urſtandt aus
dem Uno, als aus dem Einem / iſt die wahre in Adam geſchaffene
Engels-Eigenſchafft: (Sau) iſt das gefaſſete Thier der Eigen⸗
Luſt / welche das (E) haͤtte unſchloſſen / und in ſich vertunckelt
und geloͤdtet / das iſt / da es in ſich nach des Liechtes Feuer ver⸗
loſchen war / fo ſtundt noch die (Sau) dar / als der aͤuſſere
Thieriſche Menſch / welcher das (E) als das Engels Bilde hatte
inein Thierverwandelt / darum hieß ihn der Geift Eſau als ein
gefaſſet Bilde ver Luſt aus der Subtilyeit in Grobheit / da zwar
das( E noch innen war / aber mitder (Sau) umfchloffen.
37. Dieſem nach komt Jacob / als das Bilde Chriſti im Glau⸗
bens⸗Ente gefaſſet / und haͤlt den Efau bey der Ferſen: Diefes
deutet an / daß das Adamiſche Bilde / das GOtt ſchuff / muſte und
ſoll zuerſt gebohren werden / denn daſſelbe iſts / das ewig leben
ſoll ( aber nicht in feiner rauhen Thiers-haut: Denn daß Jacob
den Eſau / als den erſten Menfchen/ bey der Ferſen haͤlt / deutet
an / daß der andere Adam / als Chriſtus / dein erſten Adam nach⸗
gebohren werde / und ihn von hintenzu faſſe / und wieder zuruͤcke
aus dem Lauffe ſeines eigenen Willens ziehe indie erſte Mutterz
daraus die Natur entſtanden iſt / als zu einer andern neuen
Gebuhrt.
38. Daß aber Eſatumit feiner Gebuhrt für ſich gehet / und
ihn Jacob nicht bey der Ferſen halten kan / ober ihn gleich faffetz
Deutet an / daß der irrdifche Menſch in ſeiner Selbheit werde für
ſich gehen / und dieſe Zeit nicht gantz wieder zuruͤck in die Mutter
der neuen Gebuhrt eingehen / ſondern er werde mit dem Thier—
Menſchen Durch die Zeit hinwandeln / denn das Thier ſoll nicht
neugebohren werden/ fondern das Bilde Gottes das in Adam
verdarb,
39. Und deutet ferner / wie Ehriftus werde den rechten Ada⸗
wifchen gefchaffenen Menfchen bey feiner Ferſen / das iſt bey dem
Gemuͤhte feines Wandels faſſen / und wieder zuruͤcke in die erſte
Mutter / daraus er entſtund / ziehen; und wie der Geiſt Chri⸗
ſti werde die Zeit des irdischen Menſchen muͤſſen hinten nachge⸗
hen / wenn der Zeuffel im Zorne Gottes werde den irrdiſchen
Drenfchen vorher führen / ſo werde Chriftus hernach Eommen }
unddieinnere Eigenfihafft des arınen gefallenen und gefanges
nen Menfchens in feine Arme faffen/ als das arme verderbte
Gemuͤhte der Seelen / und werde es aus des Teuffels Nee zu⸗
ruͤck ziehen / wie denn Chriſtus ſagte / er waͤre wie ein Wein⸗
gaͤrtner / welcher nachleſe: Dan in dieſer Zeit ſtehet das Ada⸗
miſche
\ ’ DV REN
BA HEN —
1956 Die Hiftoriavon Iſaac / Cap.y⸗.
miſche Natut⸗bilde forne / und das Bilde Chriſti hinten / darum
muß der Natürliche Menſch ſterben / und Chriſtus in ihme auff⸗
ſtehen / und ſich herfuͤr wenden.
40. Und deutet ferner an / wie der Geiſt Chriſti in Jacobs
Linea werde den Eſau in dieſer Zeit bey feiner Ferſen faſſen / hal⸗
ten und ſtraffen / und ihme ſeinen boͤſen Wandel ſeiner Fuͤſſe
wehren durch ſeine Kinder: Aber die Eſauitiſche Art werde es
verachten / und nur mit Fuͤſſen tretten / und umb ſich ſtoſſen als
ein boͤſes Thier / wie es denn alſo geſchicht / wenn Gott ſeine Pro⸗
pheten ſendet / daß ſie die Menſchen ſtraffen muͤſſen / fo ſtoſſen
ſie dieſe mit Fuͤſſen als Hunde von ſich / wollen ſie nicht leyden;
aber Jacob / das iſt / der Geiſt GOttes haͤlt ſie doch bey der Fer⸗
ſen / und machet fie bloß / biß ſo lange Jacobs Spur erkañt wird.
41. Jacob heiſſet in der Formung des Namens in der hohen
Zungen eine ſtarcke Luſt aus der mentaliſchen Zungen / als aus
dem Namen] EHOVA ineine Compadtion oder Ens, da das
(T)das (A) faſſet / und fichim (A) empor zwinget / unddie fen-
ſaaliſche Zunge in die mentalifche einfaffer / als in das (COB,)
daß das (O) zum Centro des Worts geſetzet wird / da fich der
ſchwere Name Bottesins (O) faffet/ und wird recht darinnen
verftanden / wie fich des Batters Natur) alsder (enfualifche
Geiſt im (a) (C) und (B)ins (T)und(O) faſſet: Denn (T) if
das Centrum der hoͤchſten Liebe / und (O) iſt das Centrum des
faßlichen Worts in der Gottheit / welches auſſer aller Natur
verſtanden wird.
42. Dieſes hat der Geiſt in Iſaac verſtanden / darum heiſſen
ſie ihn Jacob / biß ſolange dieſer Name durch das (I) im Blatt:
bens⸗Ente beweget ward / daß das (1) das (C) und (B)eroͤffnete /
und den gefaſſeten Eos im (O) da ſich das (I) mit dem O) in die
Natur gefaſſet hatte / durch die Natur / als ein heilige Blume
ausfuͤhrete / fo hieß der Name Jacob JESUS, denn das (1)
fuͤhrete ſich in Adams Natur in feine verſchloſſene Engels-Ei⸗
genſchafft wieder ein /fo wardausdem (A) ein (E:) denn der
Batter gab ſeine Natur inder Menfchheitdem Sohne / als dem
() , und der Sohn machete wieder durch das(T) einen Engel dar⸗
aus: Denn das (1) gieng in die tieffeſte Demuht und Niedrige
keit / fo ſtund die Figur alſo / (TE) daraus der ſeuriſche Liebe⸗
geiſt ausgieng / und ſich in die Hoͤhe ſchwang / und ſeinen Cha⸗
racter für ſich ſetzete mit dem (S) und (V:)denn das (S) iſt des hei⸗
ligen Feuers Character, und das (V) des Ausganges aus dem
Feuer ſein Charadter,
43. Alſe
en
-———
f
!
l
E. sr. auch wi Eſau nũ Jacob gebehrennc.497
43. Alfo ift ver Name Zacob in den Namen JEſus gewan⸗
delt wordenfin Erfüllung der Zeitim Ens Diariz/ welcher Ver⸗
fand / beydes bey den Juden und Chriſten iſt ſtumm worden / da
kein Boldt mehr feine eigene Sprache verftehet) und zancken nur
umb die Compadien der geformten Natur des Äuffern Namens
und Verftandes. Die mentalifche Zunge wil Feiner verfichen /
wie fich diefelbe in der fenfualifchen hat in den Worten und Ras
men geformet und gebildet/und da doch der ganze Verſtand ohne
Meynungen darinne lieget : Wenn wir nicht alfo blind un»
verſchloſſen waren /und liefen uns die Selbyeit in Hoffart res
gieren / fo kaͤmen wir bald zum hoͤchſten Berftand / aber der Xit=
tichrift führet Das Regiment / darumb regieret im Verſtande
nur Efau.
44. Und Menfes faget weiter : Da die Knaben groß wur⸗
den/ ward Efau ein Jaͤger und Ackersmanm / Jacob sberein
fromm Mann / und biteb in der Hütten: ind Iſaac hatte
Efau lieb / und aß gerne von feinem Wildwerch: Rebecca
aber hatte Jacob lieb. O du wunderlicher GOtit! wiegar ein
faͤltig ſeynd Doch die allergroͤſſeſten Geheimnuͤß fuͤrgebildet!
Wer mag das verſtehen ohne Deinen Geiſt / woher das kerme /
daß der theure Mann Iſaac im Bilde Chriſti hat den natuͤrli⸗
chen Menſchen in Adams verderbten Bilde den Eſau licher ge=
habt / als den Jacob im BildecChriſti in feiner Figue ? Go du
mir nicht den Verſtand in deiner Wiſſenſchafft vergoͤn⸗
neteſt / ſo muͤſte ich alhie wohl blind ſeyn: Aber dein Rath
O Her: der iſts / daß wir dich erfennen und deine
Zeit iſt gebohren / da du das Verborgene offenbahreſt.
45. Mofes faget : Efau fey ein Jäger und Ackersmann wor⸗
den / und der Vatter habe gerne feines Wildwercks geften / und
ihn lieb gehabt/ und mehr geliebet. Allyier ftehet eine äufferliche
Figur / als hatte Iſaac den Efau umb feiner weltlichen Ubung
willen lieb gehabt/ und mehr gelichet als Zacob : Alſo gar hatder
HErr das Hers der Weifen und feiner Kinder in feiner Handt /
daß nicht feine Kinder in ihrem Willen thun müffen was fie
wollen/ und öffters wohl verftchen/ fondern was GOtt wil.
46. Auch fiehet man hierinnen / wie öfters GOtt den Aller-
heiligften die Geheimnüffen entzeucht / daß fie müjfen Kinder
daran feyn 5 und ob fie gleich das Göttliche Spiel in Händen
tragen und ihre Ubung ift / noch muͤſſen fie ein Lindifch Herg im
Verſtande daran haben / wie allbie an Iſaac zu fehen iſt.
47.Er
e
4958 Die Hiſtoria von Iſaac / Cap. sz:
47. Er hatte ven Eſau lieber als den Jacob / warumb das?
Der Ens Chriſti lag in ihme / der regierete ihn: Dann Chriſtus
ſollte feine Feinde lieben / als den verderbten Eſau und feine na⸗
tuͤrliche Kinder / dehn ſollte er mehr lieben als ſeine Goͤttliche
Natur / dann er fuͤhret ſeine Goͤttliche Ratur in den Tod des ver⸗
derbten Adams ein / und liebete Adamsverderbte Natut mehr als
ſeinen heiligen Ens, welchen er umb der verderbten menſchlichen
Natur willen ins Zorn-feuer GOttes eingab / daß er ſte in feiner
Liebe erloͤſete: Deſſen Figur war allhie Iſaac in Chriſti Bilde /
welcher ſeinen Jaͤger mehr liebete in feiner boͤſen Natuꝛ als Jacob:
Nicht liebete er feine Boßheit / ſondern feine Findliche Natur/de>
ren viel gutes zu thun / wie uns Chriſtus in unſer adamiſchen Na⸗
tur liebete / un uns gutes thaͤt: Nicht liebete er uns nach den Suͤn⸗
den⸗ willen / wie auch Iſaac ſeinen Sohn Eſau nicht darinnen lie⸗
bete / ſondern nach des Vatters Natur und Eigenſchafft nach der
Findbeif Ze: L
——— Die innere Figur ſtehet alſo:
48. Als Iſaac den HErrn bath / daß er Rebecca ließ ſchwan⸗
ger werden / ſo gieng ſeine natuͤrliche Begierde mit der Luſt des
Goͤttlichen Glaubens-⸗Entis in Rebecca ein / dadurch Rebecca
eroͤffnet ward: Alſo hat ſich dis natuͤrliche Licbe Iſaacs / welche
mit dem Glauben umbſchloſſen war / in feinem Saamen fort⸗
gepflantzet und in Eſau mit eroͤffnet: Nicht nach Eſaus vers
derbten Natur hat ſich Iſaacs Liebe in ihme eröffnet / nicht nach
dem Zeiche dieſer Welt Natur / ſondern nach dem Bunde / nach
den andern Principio, als nach GOttes Reich / welches die aͤuſſere
ſatur in ihme noch nicht ergriffen hatte / gleichwie ſich der Goͤtt⸗
liche Ens in Abraham auch nur nach dem zweyten Principio eroͤff⸗
nete / und nicht in der ſterblichen verderbten Adamiſchen Natur der
aͤuſſern Welt; Alſo auch alhier in derFigur in@fan zu verſtehen.
49. Nicht dag Eſau habe den Ens Chriſti im Bunde wie Ja—
cob empfangen / ſondern feines Vatters Liebe-⸗Begierde / in wel⸗
cher der verborgene Bund unbeweglich ſtund: Alſo war es jetzt
mit ſeines Vatters natuͤrlicher Liebe eine Conjunction; dann
eine jede Eigenſchafft liebet feine Gleichheit / zumahl fo die
Gleichheit von dem Liebenden Weſen ift aufgegangen) wie Eſau
von feinem Vatter durch feine Siebe: Begierde war in Rebecca
empfangen worden.
50. Und iſt eben das / dag der Göttliche Ens in GOttes Siehe
in Iſaac die verderbte menfihliche Natur liebete / fie zur erloͤſen:
Darumb hatte GOtt ſeine Siehe in Abrahams Glauben a
pahre
C.5 2. auch wie Eſau uñ Jacob gebehrenkc.499
bahret und in einen Ens eingefuͤhret / dag dieſelbe Liebe / welche
GOtt hatte gegeben zu erloͤſen den Menſchen / ſollte die menſch⸗
liche Natur in ihrer Verſchloffenheit lieben ; als dan wahrhafftig
in Eſau Die wahre rechte Adamiſche von GOtt geordnete Natur
verſchloſſen war / und dargegen das Reich des Grimmes das
aͤuſſere Regiment hatte. Diefes zu erlöfen liebete der Geift im
Bunde durch Iſaacs Natur feinen Sohn Efau / als die Find»
liche Natur / und nicht eben wegen deſſen / daß er cin Jäger der
Creatur war.
sr. Wiewohl allhie bey dieſem Jaͤger eben das verſtanden
wird / was forne bey dem Nimrod verſtanden wird / welcher eins
gewaltiger Jäger vor dem HErrn war / dann dieſe gantze Be>
ſchreibung des erſten Buchs Moyſis iſt des Geiſtes GOttes Fi⸗
gur oder Fuͤrmodelung / da er mit dem Reiche der Natur und
Dann mit dem Reiche Chriſti ſpielet / und hat die Geſchichte der
heiligen Ertzvaäͤtter alſo unter feiner Figur fuͤrgemahlet / da man
bey allen Hiſtorien des Geiſtes GOttes Spielen ſiehet / wie er
hat das Reich Chriſti und das Reich der Natur / ſo wohl des
Zeuffels Reich im Grimme der ewigen Natur fürgemodelt /
und haben weder die Juden nech die Christen big daher
deſſen einen rechten Verstand gehabt ] welches bey den
Ersvättern imrechten Verſtande gewefen ift.
52. Als aber hernac ihre Kinder und Nachkommen deſſen
nicht geachtet / und ihre böfe Natur mehr gelichetals den Geiſt
im Bunde ; foiftihnen der Berftand verloſchen / big fie endlich
auch das Geſetz⸗Buch mit den Gefchichten verlohren / und ihnen
Eſra die Figur und Gefhichte im Geiſte GOttes wieder be>
ſchrieben / und gang kurtz umd eigentlich nach der geiftlichen Fi—
gur / daran ſie mehr ſtumm als fehende geweſen / wiedenn auch
och ihre Augen geblendet find ; und ſolches darumb / weil fie der
Erküntnüg des wahren GOttes gemigbrauchet/ und der Natur
Dieter Welt mehr gedienet / und ihren böfen Willen vor GOtt
geehret; fohatfich innen auch GOtt mit feinen Geheimnuͤſſen
entzogen / und ſie faffen als Kinder in Unverftand mitder Figur
hinlauffen / biß fo lange der Heyden Zeit in der Offenbah:
rung derGenaden/ in der fie in der Genadenzeitund des
offenen Siegels in ihrer böfen Natur auch nur gemiß—
brauchet haben / auch ans Ende fommen; fo wird die Fi-
aur im Weſen gang offenbahr zu einem Zeugnuͤß aller
Voͤlcker | und darauf das Gerichte, 53. Und
seo Die Hiſtoria von Iſaae / ꝛc. Capızz
53. Und der Geiſt Moyſis ſaget weiter: Jacob war ein
fromm Mann) und blieb in der Hütten / und Rebecca hatte
Jacob lieb. Die Vernunfft verfichet diefe Figur von einer
weiblichen/ mütterlichen/natürlichen Liebe aber darumb Hat der
Geift diefe Figur nicht gefihrieben / denn Rebecca drangherftig
auff das / daß Jacob den Seegen Abrahams und Ifaacs cms
pfieng: Sie liebete Jacob nach feinem Urſtande / welches / ob fie
daſſelbe wohl nicht mag aͤuſſerlich vernuͤnfftiglich verftanden ha⸗
ben / ſo verſtund es aber der Geiſt im Bunde in ihr / welcher fie
auch zu einer ſolchen Liebe gegen Jacob bewegte / denn es war
such allda eine Conjundtion zwiſchen Mutter und Sohn.
55. Denn Rebecca war verfihloffen /alsaber Iſaac fein Ges
beth in GOtt umb ihrentwillen einführete / fo ergab fich der Eus
im Bunde in feinen Glauben in feiner Begierde / und fortin die
Eroͤffnung der Rebecca in die Schwaͤngerung: Dem allda
Ward auch hiermit die verfchloffene Mutter eröffnet / day alfo
ihre Frucht als Sacob und lie in einen Grad der Natur kamen /
und einerley Liebe aus Iſaacs Begierde empfiengen / denn in
Veneris Tinctur in Rebecca ward der Gluubeng-Ens empfan⸗
gen slind wie von Maria Chriſti Mütter nach ver Menſchheit
geſaget wird / ſte waͤre gebenedeyet unter allen Weiber ;allo
hat auch allyier die kıcı di: Benedeyung erlanget von dem
Göttlichen Ente; wohl nicht in dein hohen Grud Diariz /abe
doch nach Eigenfchafft des Bundes. Und daher Fam es / daß
in ihr die Siche des Bundes offenbahr war / wie auch in Jacob der
Glaubens-Ens, darinnen die Siebe GOttes brannte / daß fie
Jacob mehr liebete denn Eſau: Denn die giche- Begierde in
Mutter und Sohn war aus einem Urftande / und darumb ein—
eignete ſich ihre Begierde in Jacob mehr als in Eſau / und auch
darumb / dieweil in ihrem verblichenen Bilde nach der himmli—
ſchen Welt Weſen war dieſelbe in Adam verblichene himmliſche
heilige Matrix gerüget worden / welche hernach in Marien gantz
eröffnet ward / daß fich dieſelbe Matrix nach dem Ente Chriſti/
welcher in Jacob offenbar ward / fühnete/ dehn zu empfangen /
welches erſt in Marien geſchahe / und doch der Geift im Bunde
allyie fein Liebe⸗Spiel und begehrende Luſt damit hatte.
55. Daß aber der Geift Moyſts fügte / Jacob fey ein Fromm
Mann gemwefen / und ſey inder Hütten blieben / verftchet er da⸗
mit /wieder rechte Jacob im Glaubens=Ente ſey inden Hütten
der Auffern Natur blieben / daß der Glaubens-Ens in feiner Na⸗
tur / welcher nur eine Hüfte darzu iſt / ſey blieben; daß er *
I
re
® C.5 3 Wice Eſau fein erſte Gebuhrt veracht/sor
nicht habe der Huͤtten begeben / wie Adam thaͤte / ſondern er ſey
darinnen blieben in feinem Principio, biß ihn in Erfuͤllung der
Zeit habe Gott in Chriſti Menſchheit Durch Die Hütten der
Natur heraus geführet.
Das 53. Capittel.
Wie Efau feine erfte Gebuhrt verachtete/ und umb ein
Sinfen- Gerichte verfauffte / was darbey zu
verſtehen fey.
Genef. 25.
2, Tg Ss der Seift Moyſts hat die Gebuhrt Efau und Ja⸗
cobs beſchrieben / ſo faͤhret er bald fort / und ſtehet wie
iM der natürliche Adamiſche Menſch dieſes hohe Ge⸗
ſchencke im Bunde wenig und nichts achten werde /
und nur nach der Bauchfuͤlle des irrdiſchen Lebens
trachten / wie Eſau / welcher ſeine erſte Gebuhrt umb ein Anſen⸗
Gerichte gab / das ſeinem Bauch dienete.
Die Figur Moyſis ſtehet alſo:
2. Und Jacob kochete ein Serichte: Da kam Sſau vom
Felde / und war muͤde / und ſprach zu Jacob / laß mich koſten
das rothe Gerichte / denn ich bin muͤde / und daher heiſſet er
£dom : Aber Zacob ſprach: Verkauffe mir heute deine erſte
Gebuhrt: Sſau antwortete; ſiehe ich muß doch fterben/ was
fol mir denn die erſte Gebuhrt ? Jacob ſprach / fo ſchwere
mir heute / und er ſchwur ihme / und verkauffte alſo Jacob ſei⸗
ne erſte Gebuhrt: Da gabihme Jacob Brod und das Linſen⸗
Gerichte / und er aß und tranck / und ſtund auff und gieng
danon: Alſo verachtete Sſau ſeine erſte Gebuhrt. Dieſe Fi⸗
gur ſiehet aͤuſſerlich kindiſch aus / und iſt doch eine Figur der
groͤſſeſten Geheimnuͤſſen: Denn Eſau deutet an die erſteKrafft
des natuͤrlichen geſchaffenen Adams / und Jacob deutet an die
Krafft des andern Adams Chriſti / ſo ſpielet der Geiſt allhie
mit der Figur.
3. Denn Adams Natur kam om Felde und war muͤde / und
lüfterte nach dem Gerichte/ das Jacob hatte; Adam wareinLi-
mus der Erden / umd ein Limus des Himmels: Alseraber war
dem Limodes Himmels erſtorben / fo hatte ihn die irzdifche Nas
fur in ibrem Streite müde gemacht] in deſſen Figur fund
allhie Eſau. 4. Das
502 Wie Eſau fein erſte Gebuhrt veracht / 577°
4. Das rothe Linſen-Gerichte / das Jacob hatte) darnach der
müde Adam in Efau lüfterte/ war das Glaubens-Ens , als der
Ens Ehrifti: Die Adamiſche Natur in Eſau / inihrer Angft und
Muͤhſeligkeit inihrer Verderbung lüfterte nach diefem Gerich⸗
te / das in Jacob war : Aber die irrdifche Natur Efaus verftund
Das nicht / fondern die feelifche Natur / w.lche auch in der Luſt
nach Ehrifli Ens ſtund / welches der Vernunfft frembde war.
5. Efaus ſeeliſche Natur Sprach im ihrer Luſt zu Sacob / laß
nich Eoften das rothe Gerichte / denn ich bin müde vom Treiber
der ängftlichen Gebuhrt / und von dieſer Luſt heiffet er Edom /
das heiffet in Der Compadtion des Ports in der Formung der
Senfualifchen Zungen / fo vielalsein Eintauchen der gefangeneit
englifchen Eigenfchafft in dig Serichte/als da Die feclifche Luſt / in
welcher noch der Engels Charadter , wiewohl gefangen ftund / in
dem heiligen Ens mit der Begierde eintauchte / und wolte den
‚heiligen Ens indem Göttlichen Gerichte / alsdie himliſche We—
fenheit in die Luſt der Selbheit faffen / fo heiſſet die Figur Inder
hohen Zungen Edom.
6. Dann die Begierde der Seelen Eſau fprach zum Goͤtt⸗
lichen Ente in Jacob; Gib mir deinen Schmad in meine El-
feng meiner creaturlichen Selbheit ; Aber Zacob / das ift / der
Geist Ehrifti im Glaubens⸗Ente ſprach: Verkauffe mir deine
erfte Gebuhrt umb das Gerichte / das iſt / gib mir der Seelen
Sehens Geſtaͤltnuͤh / als das Centrum der feelifhen Natur / das
für/ dag deine erfte Gebuhrt / als das feelifche Centrum mein ci>
gen ſey / fo wil ich dir den Ens GOttes geben.
7. Denn Eſau hatte die erfte feclifche Krafft von feinem Vat⸗
ter geerbet / und hatte das feelifche Centrum zum Natur-Recht;
diefem nach Fam der Ens Chrifti als ein Goͤttlich Geſchencke /
ohn ein feckifch Centrum : Denn der heilige Ens follte das ſeeli⸗
fche Centrum vonder Adamifchen Natur nchmen : So bifhlete
nun allyier die Adamifche feelifche Natur umb Chrifti Ens , und
der Geift in Chrifti Ente buhlete umb die feelifche Nagur/ und
wolte der Geift Ehrifti in Zacob der feelifhen Natur in Efau »
nicht den Schinack des Göttlichen Entis geben / fie gebeihn denn
Das teurifche Centrum zum Anfange der feelifchen Ereatur zum
Eigenthumh / das iſt / fie ergebe fich dann gang inder natärlichen
Selbheit in GOttes Willen / und verlaffe die erfte Gebuhrt der
Creatur / und achte fich in ihrer Selbheit als wie fodt ; und uber»
gebe des Lebens Negiment und Willen dem Geifte Ehrifti in
dieſem himmliſchen Gerichte,
8. Weil
SA
IE
Yu ————
Br -\
C.53. uñ umb ein Linſengericht verkaufft. 503
8. Weil aber die Vernunfft in Eſau dieſes nicht verftund /
ſprach er zu Jacob: Siehe ich muß doch fterben/ was follmir
denn die erſte Gebuhrt; Alfo leicht fuhr die Bernunfft dahin /
und wuſte nicht was der armen Seelen gebräche : Aber der@eift
Moyſis fpielet allhier mit der innern Figur alfo / und deutet
heimlich darunter an / was das äufferliche bedeutet Habe.
9. Und Jacob fprach : So fihwere mir heute das iſt / das
Sehen Adams in Eſau follte fich frey aus der fenrifchen Macht
außgeben / und dem Böttlichen Enti gan einergeben / und dag
feurifihe Recht der Eigenheit verlaffen/ und folltedas heute / als
von nun an in Ewigkeit thun: Dasheiffet in GOtt fchweren F
als gang verteuffen / und in Göttliche Gewalt einergeben / nicht
zuwiderſtehen / bey Vermeydung Göttlicher Außſtoſſung.
10. Und er ſchwur ihme: und allhier als er ſchwur / ſo hieß er
Edom. Denn die feuriſche Seelen-Natur verteuffete ſich in die
Luſt des Goͤttlichen Entis, dannenher heiſſet diß Linſen⸗Gerichte
roͤthlicht: Dann allhie in dieſem Schwur gieng die feuriſche
Eſſentz in die Luſt des Goͤttlichen Entis ein / ſo empfieng des Lichts
Ens des Feuers Ens; und ſpielet der Geiſt Moyſis allhier in der
Figur / wie ſich die ſeeliſche Eigenſchafft in des Feuers Eſſentz in
Chriſti Menſchwerdung werde in den Goͤttlichen Lichts- nd
Liebe-Ens, in Bunde / als in die Goͤttliche Luſt / muͤſſen gantz
cinergeben / und ewiglich verteuffen; wie der Lichts-Ens werde
die verderbte ſeeliſche feuriſche Natur annehmen / und ihr den
Luſt buͤſſen / auch wie die Seele werde ihr Natur⸗Recht uinb diß
roth Gerichte uͤbergeben.
ır. Denn diß iſt eben die Figur / wie GOtt der Vatter feine
Natur / als die Seele ſeinem Sohn Chriſto / gantz in der Liebe
Ens ein⸗ und zum Eigenthumb giebet / da das feuriſche Recht der
Liebe im Liecht unterthan wird: Denn eben alſo gehets auch in
unſerer neuen Gebuhrt zu; Die Seele luͤſtert auch nach dieſem
Gerichte / wil fie dig aber ſchmaͤcken / fo muß fie ihre erſte Ge-
buhrt darumb geben/und muß darzu heute/das iſt / in Ewigkeit in
Gott ſchweren / ihr Natur-Recht zu verlaſſen / welches die Auffere
Vernunfft ſpoͤttlich anſtehet / als die Kinder der irrdiſchen Luſt /
wenn ein Menſch Ehre und Guth / auch das zeitliche Leben umb
ditz Gerichte giebet / dehn heiſſen ſie eben einen Narren / wie all⸗
hie den Eſau.
ı2. Jirdiefer Figur iſt zweyerley Verſtand / als inwendig iſt
die Figur Chriſti und Adams / wie oben gemeldet worden / und
aufwendig ift die Figur des irrdiſchen Menſchen / wie er alſo
leiaht⸗
As
BE
Wie Cſau fein erſte Gebuhrt veracht / C.y 3
leichtlich dahin faͤhret / und das himmliſche umb eine Bauchfuͤlle
und Luſt⸗willen verkauffet / und uͤbergiebet: Die arme Seelt
luͤſtert wohl in ihrer Eflens nach dieſem rothen Gerichte/ aber
dieſe irrdiſche Vernunfft begchret nur ein Linſen-⸗Gerichte für
den lüfterenden Bauch / wie denn auch in Efau zu verfichen ift.
13. Die Seele Eſaus luͤſterte nach Jacobs himmliſchen Ens,
aber der irrdiſche Eſau nach der aͤuſſeren Seele / meynete nur die
irrdiſche Krafft; das Reich der Natur war in ihm alſo hart irr⸗
diſch worden / daß es das Ewige nicht verſtund noch achtete / ſon⸗
dern ſagte / was ſoll mir die erſte Gebuhrt / ſo ich doch ſterben
muß / ſatzte ſich nieder / aß und tranck irrdiſche Speiſe für vie
himmliſche.
14. Um Moyſes ſaget: Als er geſſen und getruncken hat⸗
te / ſo gieng er davon. Das iſt / Er fuͤllete den Bauch mit dem
Sinfen-Gerichte / und verkauffte Jacob das Natur-Recht / und
gieng mit dem irrdiſchen Menſchen von der Goͤttlichen Nieſſung
hinweg.
Die innere Goͤttliche Figur ſtehet alſo:
15. Abraham empfieng den Goͤttlichen Ens in feiner Glau⸗
bens- Begierde / und der war der Stumm und die Wurgel
Iſraelis: Er aber war nicht Ifrael / denn das Reich der ver—
verbten Natur und das Reich der Genaden / als der empfangene
Glaubens-Ens,waren inihimenoch nicht eines/gleich als wei ein
Korn indie Erde gefüet wird/fo hat dasKorn noch Feine Wurtzel /
Darauffder Stengel und Srucht wachfen foll ; des KornsKrafft
zeucht aber der Erden Effeng in fich / und aus dieſen beyden / als
aus dem Korne und aus der Erden Krafft waͤchſet Die Wurtzel
des Halıns /und oben wieder Die vielfältige Frucht.
16. Alfo auch allyie zu verſtehen iſt; der Göttliche heilige Ens
ift nicht der Natur 5 die Seele aber ift der Natur: Soll nun der
Göttliche Eus offenbahr werden / fo muß es durch ein natürlich
Weſen gefihehen / darinnen das Unfichtbahre in ein Jichtbahr
Weſen femme.
„17. Der Göttliche Glaubens-Ens , welchen Abraham em⸗
pfieng war der unfichtbahren geiftlichen Eigenfchafft; der be—
gehrete fich durch die menfhliche Natur in ein ſichtbahr / we⸗
ſentlich / creatuͤrlich und natürlich Weſen zu einem würdenden
Leben einzuführen / da des heiligen Sicchts natürliches Ens , und
der ſeeliſchen Feuers⸗Natur Ens in ein Werfen würceten / und
Frucht gebahren: Denn die Adamiſche Natur war vom heiligen
Ente
C.53. uñ umb ein Linſen⸗gericht verkaufft. scy
= Ente aufgegangen / welcher in ihr verblichen war; und allhier
war wieder der Grand der Bereinigung / and wie cs iſt mit dene
Korn im Acer /da lich Die Kraft im Korn mit der Erden Eus
menget / und hernach feine Hülfe verläffet/da der Erden Ens und
des Korns Ens in Einen Ens gewandelt werden; alfo aud) allyie
zu verftehen ift:
18. Abrahamempftengden Göttlichen Glaubens-Ens , date
innen feine Rechtfertigung ftund/aber feine Lebens⸗Natur hatte
ihn noch nicht zur eigenen Gewalt ergriffen/denn das Göttliche
Weſen ergibet ſich nicht in der Natur eigenen Gewalt; wohl gie⸗
bet ſichs in die Eilentz der Natur / aber die Goͤttliche Begierde
eineignet ſich nicht der Natur in ihren eigenen Willen / daß die
Natur das Ober⸗Regiment habe / wie wir deſſen ein Gleichnuͤß
am Korn haben / welches geſaͤet iſt.
19. Die irrdiſche Natur kan in ihrer Gewalt nicht ein ander
Korn machen / und ob fie wohl des Korns Ens in ſich zeucht / fd ge⸗
biehret ſie doch nur einen Halm / in welchen Halın des Korns
Ens außgruͤnet / und ſich in eine Bluͤth / und wieder in ein Korn
einführet/darzu die irrdiſche Natur mit ihrem Ente nur muß ei
Knecht ſeyn.
20. Und wie die irrdiſche Natur der Erden ihr Kind allezeit
zum erſten ſichtbarlich in Wachſen zeiget / und ſich des Korns Ens
darinnen verbirget / alfo auch allhie beym Abraham zu verſtehen
iſt: Die Adamiſche Natur aus Abraham erzeigete ſich am erſten
mit ſeiner Frucht / mit dem Iſmael / aber der Göttliche Ens war
noch in ihme in feiner Natur verborgen / und gruͤnete mit Iſaac
aus; Und beym Iſaac grünete wieder die irzdifche Natur und
Die himmliſche nebeneinander aus/ wicwohlineinem Saamen.
21. Aber gleichwie der Erden Ens in dem Halm / und des
Koras Ens indem inwendigen Grunde in⸗ und miteinander auff⸗
wachfen / und doch ein jedes feine Frucht darftellet / als die Erde
den Hafın und des Korns Gehäufe / und das Korn die Blüthe
unddie Früchte / und Doch eines ohne Dasander auch nicht zum
Weſen kommen möchte: Alfo auch allpie zu verftehen iſt.
22. Abraham war der Ader / in welgen GOtt fein Korn
ſaͤet Ifinael war die Wurgelals dieerfte Geburt: Ifaacwar
Die Frucht / ſo aus GOttes Saamen wuchs / verfichef aus dene
Ente der Genaden / und Sfinaelaus dem Ente der Natur aus des
Vatters Eigenfhafft: Denn das Ens der Genadenhafte ſich in
den Ens der Natur eingegeben / fo ſtellete anjetze ein jedes feine
Figur dar/ mit Iſmael Das Meich der Natur / und mit Iſaac
) das
506Wie Eſau ſein erſte Gebuhrt veracht / C.53
das Reich der Genaden; Iſaac war nun der Zweig / ſo aus dem
Glaubens-Acker außwuchs / als in der Linea Chriſti / und aus
ih Fam JZacob / als der außbreitende Zweig in einem Baum
mit vielen Zweigen und Aeſten.
23. Nicht zu verſtehen daß Jacob ſey einig aus dem Reiche
der Genaden entfproffen/denn das Reich der Natur) in welchem
Iſmael und Eſau ſtund / war auch fein Grumd nach der Crea⸗
tur / aber der Glaubens Ens hatte fich darein gegeben/ und die
Natur tingiret / und führete feine Krafft/ als die Lineam des
es Gottes Inder Natur empor,
4. Gleihwie eine Bluͤthe aus dem Halm eine gar viel ſub⸗
tilere Eigenfgaftt hatals der Halın und die Wurtzel / und wie
aus der Bluͤth erſt vie Frucht und ein neuer Saame komt / als
ausdem ſubtilem Ente : Alfo auch kam in Jacob erft die Bluͤth
des Reichs Iſrael herfuͤr / und nicht mehr in der Theilung / wie
mit Iſmael und Iſaac zu verſtehen iſt / ſondern beyde Reiche zu⸗
gleich / als das Reich ver Natur / und das Reich der Genaden /
nicht mehr in der Figur jedes Reich beſonder / ſondern im Bilde
der neuen Wiedergebuͤhrt / wie ſich GOtt in feiner Kebe hätte
wieder in den Meyoſchen / als in das Reich der Natur eingegeben /
und wie durch ſeine Krafft ſollte der falſche vom Teuffel einge⸗
ſaͤete Ens der Schlangen ins Reich der Natur gebrochen und
getödtet werden.
25. Und darumb hieß GOtt den Jacob / Iſrael / als einen
grünenden Bann vieler Zweige und Aeſte /oder wie es in der
Faſſung des Worts in der hohen Zungen verſtanden wird / cin
Grünen des Paradeifes : Dadas( T)fich indie Wurtzel zu ei⸗
nem neuen Centro eingegeben / und durch die Wurtzel außdrin⸗
get / mit welchen man das ort des Bundes in dem Namen
Jzsu verftehet: Denn diefes (1) ift der Charadter des Unius ,
als des ewigen Einen in der Söttlichen Luſt / welchen Adam ver>
lohr / als er aus dem (1), als aus dem einigen Willen GOttes /
in die Selbheit und Viele der Eigenſchafften in die ungleiche
Concordantz eingieng / zu probiren und ſchmaͤcken Gutes und
Boͤſes in den 5. Seuſibus.
26. Dieſes (J1) fuͤhrete ſich aus Genaden wieder in die zer⸗
theilete und getrennete Eigenſchafften des Adamiſchen Mens
hen-Baums ein / und gruͤnete durch und mit dem Adamiſchen
Baum aus; und daher entſtund ihme der Name Iſrael / als ein
groſſer Hauffe ſolcher Zweige / welche alle in der neuen Tinctur
gruͤneten und qußwuchſen: 3 In welcher doch auch der Ens der
ver⸗
E.33.niumbein Linſen⸗gericht verkauft. 507
verderben Natur zugleiche mit wuchs / gleichwie der Sonnen
und der Erden Krafft in der Frucht des Baums miteinander
wuͤrcken und wachſen / und ſtaͤts miteinander im Streite ſte—
hen / biß fo lange die Frucht zeitig iſt und ein neuer Kern
zu einer neuen Frucht gebohren und reiff ift / fo verläffer der
Bam die Frucht / und fact den neuen Kern zu einem andere
Baͤumlein.
27. Alſo auch kam in ſolcher Arth der Streit mit Eſau und
Jacob in Mutterleibe empor / anzudeuten / daß die verderbte
Natur ſollte mit der Schlangen Ens verſtoſſen werden / gleichwie
der Baum die zeitige Frucht verlaͤſſet / und nur das Korn begeh⸗
ret; alſo auch als der Ens Chriſti in Jacob ſich erraͤgete / entſtund
allda der Streit und Widerwille: Denn der Ens Chriſti ſollte
regieren / ſo wolte der Grimm in der Schlangen Ente auch re⸗
gieren / ſo gieng der Streit umb das Regiment und Reich anm:
Der Ens Chriſti führete ſich in Jacob empor / und tratt dem
Schlangen⸗Enti in Eſau auff den Kopff der Eſſentz / fo ſtach
die Schlange allda Chriſtum in die Ferſe / und dannenhero
kam es / day die beyde Kinder fich miteinander in Mutterleibe
ſtieſſen.
28. Nicht zur verſtehen / daß Eſau ſey gang der Schlangen
Ens geweſen: Nein] er war der rechten adamiſchen Natur aug
ſeinem Batter Iſaac und Abraham: Allein Gott ſtellete die
Figur allhie mit dem Reiche der Natur / welche im Menſchen
vergiftet war / und denn dem Reiche ver Genaden/ dar: dag der
natuͤrliche Menſch foll den eigenen böfen Willen verlaſſen / uñ ſich
Damit in das Reich der Genaden erſencken / und gantz einerge
ben / ſo ward die Figur in Eſau dargeſtellet / daß der boͤſe Adami⸗
ſche Menſch vor GOtt nicht taugte / er waͤre von GOtt außge⸗
ſtoſſen / er folle fein Natur⸗Recht der Eigenheit gantz verlaffen?
und ſich in Gottes Willen ganz einlaſſen. —
508 Wie Ifaac inder Theurung ſey Cap.54.
Das 54. Capittel.
Wie Iſagce in der Theurung fey zum Könige Abime:
fech zu Gerar der Philifter gezogen] und wie ihm der
Her: allda fey erfibienen / und ihn heiffen allda blei:
ben/und allda ven Bund feines Batters mit ihm ver:
neuert / und was darbey zuverfichen fey.
Genef. 25.
I. As 26. Capittel Gen. zeiget ferner an die Hiftes
riam mit Iſaagc / wieihn GOtt habe alfo wunder⸗
lich gefuͤhret und ven Bund Abrahams feines
Vatters mit ihm verneuert / und ihn ſamt feinem
Weibe bewahrt und geſeegnet:Deñ als das Reich
der Gnaden im Bunde GOTTES in ihme war offenbahr wor⸗
den / fogrünete nunder Geegen GOTTES in feinem Vorha⸗
ben durch das Reich der Natur herfür.
2. Dargegen fehen wir auch wieder Teuffel diefem Seegen ſey
gram geweſen / und das Reich der Ratur in Ifaac / und ſeinem
Weibe Rebecca / in welchen noch der Schlangen Ensim irrdi⸗
ſchen Fleiſche gelegen / begehrete zu ſichten / durch die Luſt des
Koͤnigs Abimelech.
3. Und iſt Big abermahl eine Figur Adams im Paradeiß /
und auch Chrifti in der neuen Wiedergebuhrt / wie Adam ſey
zum Könige Abimelech gezogen in fein Landt / das iſt / in ein
fremdes Reich / als in dies. Elementa / allda er fein Weib /
als die Matricem der himliſchen Gebahrerin in ihme habe vers
laͤugnet / indem er feine Luſt indie chierifche Eigenfchafft hat
eingefuͤhret.
4. Wie allhie Iſaac feinem Weibe beym König Abimelech
aus Furcht ſeines Lebens thaͤte / alſo auch ſtundt Adam in ſeiner
fremden Luſt im Reiche der 4. Elementen und des Geſtirns /
auch in Furcht vor dem fremden Könige / als dem Reiche dieſer
Welt / und verläugnete feine himmliſche Gebuhrt aus Furcht
Des Neichs diefer Welt / und gab feinen ewigen Willen dem
Könige diefer Welt / day es ihm defto bag im feiner fremden Luſt
gehe/ wie allyie Iſaac mit feinem Weibe vermeynte zu thun/wels
cher damit in der Figur Adams ſtundt.
5. Welche Figur ihr die Goͤttliche Imagination mit Iſaac hat⸗
te für gemodelt / und den Bund der Wieder-gebuhrt darneben
ge⸗
C.54. zum Könige Abimilech gezogen/rc. 509
gefteilet / als feine verheiffene IBahrheit] wie er feine Gnaden⸗
Kinder / bey dem fremden Könige/ als in dem Reiche dieſer Welt
wolte führen / und für diefes Königs Luſt und Begierde bewah⸗
ren / und wolte diefein Könige mit feiner Krafft eingreifen / und
ihm feine Luſt und Begierde / als die Luſt der Sternen und vier
Elementen / ineinen andern Willen der eflentialifihen Begier⸗
de wandlen: Daß des Geflirns fharffe Macht in Sleifh und
Blute / muͤſte in den Friedes-bund gewandelt werden / und den
Kindern der Gnade im Bunde nichts thun / ſondern muͤſſe ihnen
ſelber den Seegen und die Fruͤchte gebaͤhren / daß ſie groß wach⸗
fen / wie allhie Iſaac beym Abimelcch in lauter Seegen ſtundt
daß ſeine Haab von Viehe und Guͤtern alſo groß ward / daß
Koͤnig Abimelech dauchte / er wuͤrde ihm zu ſtarck / und ihn deß⸗
wegen hieß aus ſeinem Lande ziehen.
6. Welches eine Figur iſt von der neuen Gebuhrt im Reiche
der Natur / daß / ſo der innere Geiſtliche Menſch dem Reiche
der Natur in Goͤttlicher Krafft uͤberwaͤchſet / ſo entſetzet ſich das
Reich der aͤuſſern Natur in Fleiſch und Blut im Spiritu Mundi
davor / dan es ſiehet und fuͤhlet ſeinen Untergang und Abnehmen /
und wolte gerne ſein Eigenthum im aͤuſſern Leben erhalten.
7. So komt alsdan der Geiſtliche Menſch im Bunde der
neuen Gebuhrt / und ſtraffet ven König Abimelech / als das auf:
ſere Sehen im Geiſte der augern Welt umb die Waſſerbrun⸗
nen / welche die göttliche Sinnen / als Knechte des neuen Men—
ſchen im feelifchen Grunde / alsim ewigen Centro hatten gegras
ben; daß fie der Abimelech wit feinen Knechten/als den böfen irrdi⸗
ſchen Gedancken und Sinnen haben miteitel Luſt des Fleiſches
zugefuͤllet / welches die Waſſerbrunnen / welche Abrahams Knech⸗
te im Glaubens-Ente hatten gegraben / als Abrahams Glau⸗
bens⸗begierde andeutet / umb welche Abimelechs Knechte / als
die Fleiſches⸗Begierde gezancket / und dieſelben immerdar zuge⸗
fuͤllet / welche Iſaacs Knechte in der Wurtzel Iſraelisb wieder
auffaruben / und endlich einen Brunnen gruben / da ſie des le⸗
bendigen Waſſers funden / allda ſie ſich hinlaͤgerten / welcher
Brunne Chriſtum andeutet: Dan ſte hieſſen die Stätte Berſa⸗
ba / als eine Eroͤffnung oder Zerſchellung / welches die Buſſe o⸗
der Zerſchellung des irrdiſchen Willens andeutet / in welcher
Buſſe das lebendige Waſſer / als Chriſtus ausquillet.
8. Dieſes gantze 26. Cap. Geneſeos iſt eine Figur von dem ar⸗
men gefallenen Menſchen in dem verderbten Reiche der Natur /
wie er darinne ſchwimme / und wie die arme Seele darinnen
93 was
510 Wie Jnacinder Thenrung fey Cap.54.
wandele / wie fie fich in äuffern Dingen! Mühe und Krafft ſuche /
und finde Doc) nirgends Eeine bleibende Stätte darimien / fon=
Bern wandere von einem ins andere / und würde jeko in diefem /
baldin einem andern / und ſuche Ruhe / und finde aber Feine /
biß fie gen Berſaba komt / als in die Demuth vor Gott / fo
quillet ihr der Brunn deslebendigen Waſſers aus Bem Bunde
GDttes aus.
9. Und obgleich die Worte in diefem Terte des 26. Capittels
fcheinen von aufferlichen Dingen zu handeln / fo ifts doch anders
nichts/ alsdag der Geift im Moyfe unter der auffern Geſchichte
mit einer geiftlichen Figur vom Reiche der Natur / und vom
Reiche Chriſti nur alfo darmit fpielet / dan er fühet an und fa=
get von einer groffen Theurung / foins Sand Eommen ſey / aus
welcher Roth Iſaac fey zum Könige Abimelech der Philifter gen
Gerar gezogen.
Die innerliche Geiftfiche Figur ftchet alfo.
10, As GOtt Adam gefchaffen haste / fo famer indie Theu⸗
rung / als in die Verſuchung / da die Seele nicht folte vom aͤuſ⸗
ſern Reich eſſen / ſondern vom innern: Weil ſte ſich aber ins
aͤuſſere Reich mit ihrem Willen wandte / ſo lebete ſie in der Theu⸗
rung / als im Hunger nach der aͤuſſern Welt Weſen / und wandte
ſich deswegen zum Koͤnige Abimelech der Philiſter zu Gerar / das
iſt / zu dem verderbten Reiche in GOttes Zorne / als zu der Hey⸗
den Koͤnige / unter ihme zu leben.
11. Da erſchien ihr der Herr / wie allhier dem Iſaac und
ſprach: Zeuch nicht in Egypten / das iſt / du arme Seele / zeuch
nicht in die viehiſche Luſt / ſondern bleib in dem Lande / das ich dir
ſage / und ſey ein Fremdling in dieſem Lande / das iſt / bleib in
meinem Bunde und ſey mit der Seelen in dieſem Fleiſch-hauſe /
darinn die Seele nicht daheim iſt / ein Fremdling / ſo wil ich mit
dir ſeyn / und dich ſeegnen / dann dir und deinem Saamenwil ich
alle dieſe Laͤnder geben / und wil meinen Eyd beſtaͤttigen / dehn
ich deinem Vatter Abrahauı geſchworen habe. Das iſt:
12. Bleib nur in meinem Willen ſtehen / ſo wil ich dir das
Reich der Natur nach ſeinem inwendigen guten Grunde nach die⸗
fer Zeit zum Beſitz und Eigenthum geben / und wil meinen Eyd /
als JeſuuChriſtum / welchen ich dir in deinem Falle habe vers
heiffen / und in Abraham in feinem Glauben eingeführet / mit
Dir ewig beftättigen/und wildeinen Saamen im Neiche der Na⸗
kur / darinnen du in dieſer Zeit im Wuͤrcken / in Mühe u: 4
)
E. 54. zum Könige Abimelech gegogenlzc. z311
ſtehen muft / alfo mehren wie die Sternen am Himmel / und deis
nen Sanınen aile diegewürdete Kräfte und Werde zum ewi⸗
gen Eigenthum geben / und durch Deinen - Saamen ſollen alle
Bölder auff Erden geſeegnet werden: das iſt: er
13. Durch deinen Glaubens-Ens, weicher in Chriſto / als im
Ziel meines Bundes foh im Reiche deiner Natur und — A
cher Eigenfchafft offenbahr / und in dir Menfch werden / ſollen alle
Voͤlcker / als der gange Ndamifche Baum geftegnet werden ; und
Darum / das Abraham ift meiner Stimme gehorfam gewefen /
und hatgehalten meine Nechte / Gebott / Weiſe und Geſetz / das
iſt das Abraham hat mein würdendes ort in feiner Seelen⸗
begierde eingenommen / und meiner Stimme in ihrer Wuͤrckung
gefolget / welche Göttlihe Würdung iſt das Gebott / Gefes
und Weiſe [ aus welher Würdung auch GOtt dem Abraham
mitder Befhneidung die Figurdes Reiches Chriſti zeigete / wie
Daffelde wurde die Sünde und Eitelkeit abſchneiden / welche Fi⸗
gur Gett feine Weiſe / Geſetz im Bunde und fein Recht hieß.
14. Von dieſer Figur fabretder Geiſt Moyſis weiter / und
Deuter unter der Auffern Geſchichte des Königs Abimelech an / wie
die Knechte Abimelechs mit Iſaacs Knechten haben Waſſer⸗brun⸗
nen gegraben / welche Brunnen aus Neid und Wider⸗wiillen
von den Philiftern immerdar verfiopffet worden : Mit welcher
Figur der Geift heimlich andentet / wie Die Kinder der Heyligen /
als die Ersvätter Abraham und Sfaac in ihrem Glaubens-Ente
immerdar haben nach dem Brunnguell des Lebens im Bunde
* gegraben / und haben auch die Erkaͤntnuͤß vom Meſſia
erlanget.
15. Aber dieſelben Brunn-quellen find immerdar durch dent
Teuffel in Gottes Zorne und Durch ihre ir®ifche Vernunfft
zugedecket und verdunckelt worden/ big ſte haben die Berheiffung
vom Meſſia im Glauben ergriffen und gefaffet ; fo fagten ſie / wir
haben einen Brunnen gegraben/ und des lebendigen Waſſers
funden / denſelben hieß Iſaac Saba / und deutet darunter an den
Sabbath / Chriſtum / wie er dan alsbald darauff ſaget / Daher
heiſſet die Stätte Berſaba / als einẽ Zerſchellung ever Zerbre⸗
chung des Zorns und Neides des Teuffels in menſchlicher Eis
genſchafft / anzudeuten/ wie der Sabbath / Chriſtus / als der
Geiftlihe Brunnquell Berfaba heiffe / als eine Zerſchellung
des Todes / da fi der Sabbath) in den Todt einfuͤhret / und den
Brunn des Schens durch den Todt ausführer.
26. Zu welchem Brunnquell ſich * Kinder des Bunds Got⸗
24 tes
512 Wie Iſaac in der Thenrung ſey Cap. 54.
tes fägerten / und auff Verheiffung warteten / biß derfelbe
Brunnquell in der Menfchheitoffenbahr ward/ und aus Ehrifti
Blut und Tode ausauall/ davon die arme Seele tranck / und
hiermit in den ewigen Sabbath eingeführet ward / da fie vom
Sireisder Philiſter / als vom Streit Des Zorns GOttes und
Teuffels erloͤſet ward / wie ſolches die Hiſtoria in dieſem
Text in der hehen Zungen klar andeutet / welche ihme der Geiſt
Moyſis in der Figur alſo hat fuͤrgemodelt / und mit Auffſchrei⸗
bung dieſer Figur ſpielet.
17. Wie dan das gantze alte Teſtament eine Figur des Neuen
iſt / und das Reue eine Figur der kuͤnfftigen ewigen Welt /
Ddarinnen die Figur in Goͤttlicher Krafft ſtehen wird / und ver
Geiſt GOttes in Ewigkeit mit feinen Wunder-Hhaten ſpielen
wird; zu welchem Ende er auch den Menſchen geſchaffen / und
Die Krafft feiner Stimme / als das lebendige Wort in ihn einge⸗
ſprochen / daß er ſey ein Bilde des ewigen Worts / mit welchem
Bilde der ewige Geiſt ſpielen und Wunder würden wil / auff dag
änderewigen Weißheit eine Freude und Erkaͤntnuͤß ſey.
18. Als nun der Geiſt Moyſis die Figur Adams und Chriſti
unter einer Hiſtorien angedeutet hat / ſo faͤhret er fort / und deu⸗
tet ferner an / wie es den Kindern Gottes in dieſer Zeit geben
muͤſſe / in was fuͤr Begierde die arme Seele im Fleiſch und Blut
gefangen liege / und immerdar gequaͤlet werde / wie allhie Iſagt
und Rebecca: Deun der Text ſaget / als Zfüu go. Jahr alt
war / nahm er zum Weibe Judith die Tochter Beri des
Hethiters / und Basmath die Tochter Elon / Des ‚He>
thiters / Die macheten beyde Iſaac und Rebecen eitel Her⸗
Sen-leyd / und fagt an Diefem Orte weiter nichts von die—
fen Weibern oder ihren Kindern / anzudeuten / dag es eine Fi—
gur ſey / darunter er deute / welchedie Vernunfft gank fremde
anfichet / und ſich wundert / wie GOtt dem heiligen Iſaac durch
ſeinen Sohn habe noch zwey boͤſe Weiber zugefuͤget / mit denen
er neben feiner ſchoͤnen und geſeegneten Rebecca habe müffen in
Kummer und Widerwertigkeit leben 5; Alfo gar heimlich ſtellet
Der Geift Moyfis feine Figur dar / dag die Vernunfft daran
muß blind ſeyn.
Die Geiſtliche Figur ſtehet alſo.
19. Die 40. Jahr des Alters Eſau / oder Iſaacs nachdem er
den Eſau gezeuget / deutet an / daß Adam mit ſeiner Heva/ als
er
Eap.z4zum König Abimelech gezogen/rc. 513
er Mann und MWeib/ und doch der Feines war/ fey im Paras
deife 40. Tage in der Verfuhung oder Proba geftanden/ und
mit feiner schönen Eva / als mit feiner Weiblichen Eigenſchafft
in ihme felver Freude gehabt.
20. Aber Abimelech / als der König diefer Belt / hat feine
Luſt in diefen ſchoͤnen weiblichen Nofensgarten/ als in Veneris
Tin&ur, verftehet in das heilige Leben der Liebe in Adam einge⸗
führet/und dnsCentrum der ſeeliſchen Natur räge gemach / davon
Adam Lüfterend ward / infeiner Eigenſchafft noch zwey Weiber
zu nehmen / als dasvichifihe Weib nach thierifcher Eigenſchafft
aus den 4. Elementen / uñ das ſyderiſche Weib aus dem Geſtirne /
welche falſche Weiber in Adaıns weiblicher Eigenſchafft auffwa⸗
cheten / die er ihm zum Weibe ſeiner Luſt annahm; wie Eſau die
Weiber der Spoͤtterey / mit welchen er ihme und ſeiner rechten
weiblichen Eigenſchafft eitel Hertzenleyd und Jammer zurich⸗
tete / wie wir das noch heute dulden / und unſer Zeit mit ihnen in
Jammer verzehren muͤſſen.
21. Mehr zeiget dieſe Figur an die 40. Jahr Iſraelis in der
Woͤſten / alß ſte Manna aſſen / und fihmis Rebecca unter ei—
nem fremden Koͤnige erfreueten / als da ſie im Reiche dieſer
Welt lebeten / und aber im Goͤttlichen Arm gefuͤhret / erhalten
und genehret wurden / und darumb vor der gantzen Welt groß
wurden / wie Iſagac unter den Könige Abimelech: Und als If>
rael nach 40. Jahren ſich gen Verſaba / als ins gelobte Land laͤ⸗
gerten / nahmen fie ihnen noch dieſe zwey Weiber in ihrer Fleiſch⸗
lichen Luſt / welche ihnen eitel Hertzenleyd macheten / um wel⸗
cher zwey Weiber willen ſte von GOtt hart geſtraffet / und end⸗
lich Darm von Berſaba vertrieben worden.
22. Zum dritten deutet dieſe Figur an den harten Stand
EHriftiinder Wuͤſten in Adams Stelle / als Chriſtus in unſere
Menſchheit hatte dieſe zwey Weiber / welche in Adam durch fei=
nen fremden Sohn oder Willen offenbahr worden / an feine
himmliſche Wefenheitangenommen/ und fie 40. Tage hungern
lieſſe / dag fleigre Begierde muſten dem Göttlichen Weſen einer⸗
geben / und himmliſch Mannalerneneffen/ anzudenten/ daß die»
fe irrdiſche Luſt von Sternen und 4. Elementen folte im Tode
Ehrifti zerbrechen und ——
23. Zum vierdten deuttes an die 420 Stunden Chriſti im Grab/
da dieſe zwey Weiber der Unruhe in menſchlicher Eigenſchafft
wieder in ein einiges Weib gewandelt worden / als in die rechte
Rebecca und rechte Adgmiſche Era / welche in Adam vor feiner,
Em war, | 95 24. DM
514 Wie Iſaac unwiſſend den Jacob C. 55.
24. Zum fuͤnfften deuttes an die 40. Tage Chriſti nach ſeiner
Aufferſtehung / da die Weiber Adams und Eſaus wieder in eine
männliche Jungfrau gewandelt worden / da dieſe Jungfrau / als
Chriſtus in unſerer maͤnnlichen und weiblichen Eigenſchafft die
40. Tage Adams im Paradeiß / als er in der Proba ſtund / recht
beſtund; und derowegen durch Goͤttliche Macht ſich in den Koͤ⸗
niglichen Thron des verſtoſſenen Lucifers / als cin Richter
einſatzte und mit diefen ziweyen Weibern in einer Jungs
frauſchafft und einigem Bilde über ihn / als über den Urfacher
menſchliches Elendes herrſchen wolte J als der eine Urſache gewe⸗
fen / daß ihme Adam / als das Bilde Gottes / durch feinen Sohn
Des neuen Willens/ noch zwey Weiber in feiner Jungfrauſchafft
offenbahret hatte.
25. Dieſes deutet der Geiſt in Moyſe und Efra heimlich un⸗
ter einer aͤuſſern Figur an / wie es kuͤnfftig gehen wuͤrde; und ob
uns vielleicht die Bernunfft nicht glauben wolte / daran ung nichts
lieget / dieweil wir dieſes ihrenthalben nicht entdecket haben / ſon⸗
dern um der verſtaͤndigen willen; ſo wiſſen wir doch auch wohl /
in was Schauen wir ſchreiben.
Das ss. Capittel
UÜber das 27. Cap. Genef: erffäret wie Sfaac unwiſſend
den Jacob an Efaus flätte arfeegnet/als er alt war
und fterben folte / was darbey zuverftehen fey.
Die Pforten des groffen Geheimnäß der ganzen Bibel.
78 An die Bernunfft diefe Hiftoriedes 27. Capit⸗
tels Gene. lieſet / fo hat ſie zweyerley Gedanc⸗
ken daruͤber: Einer iſt / als ob Rebecca habe
Jacob mehr geliebet als Eſau / und ihn derowe⸗
gen mit Liſt dahin gebracht / daß er den Seegen
ſeines Vatters habe bekommen: Zum andern dencket ſie ja / daß
es eine Schickung von GOtt ſey geweſen / daß Eſau des See⸗
gens nicht ſey wehrt geweſen / und wil Eſau gantz verdammen /
darauff fie Dan die Predeftination geſetzet hat / und aber gang
nichts von dieſer wunderlichen Figur verſtehet.
2. So wir nun dieſe Figur wollen recht verſtehen und deuten /
fo muͤſſen wir den Ertzvatter Iſaac an GOttes des Vatters
Gtaͤtte in der Figur ſetzen / welcher allein ſeegnen kan / Sr
an
Gay. ss. an Eſaus ftätte gefeeguetiic. 515
auch Iſaac in Abrahams Saamen geſceegnet hat / daß Iſaac folte
wieder feinen Saainen in der Bundes Linea ſeegnen.
3. Und Eſau ſetzen wir an des verderbten Adams ſtelle / als an
Das Reich der verderbten Natur in menſchlicher Eigenſchafft / im
Zorne Gottes ergriffen.
4. Und Jacob ſetzen wir in die neue Wiedergebuhrt in die
Menſchheit Chriſti welche GOtt der Vatter an ſtatt des ver⸗
derbten Adams geſeegnet hat / da er eine neue Wiedergebuhrt aus
unſerer Meuſchheit in dieſer Linea hat ausgefuͤhret.
5. Und ſehen allhie wie Adam hat den Seegen und Göttliche
Salbung verſchertzet und verlohren / und wie er in dem irrdiſchen
Bilde von GOtt verworffen ſey / wie er habe ſein Recht der Goͤtt⸗
lichen Salbung verlohren / wie allhie Eſau die erſte Gebuhrt
und auch den Seegen.
Die innere Geiſtliche Figur ſtehet alſo:
6. Iſagc war alt / und wartete des ſterbens / und ruffete
feinem erſtgebohrnen Sohn Sſau / daß er ihn mit dem Seegen
Abrahams ſeegne / und hieß ihn ein Wildbraͤdt fahen / und
zurichten / wie ers gerne eſſe / auff daß ſich ſeine Seele erquicke /
und den Seegen des Heranin ihm erhebe / Daß er £fau möge
ſeegnen. Und Sſau gieng hin / daß er hate wie ſein Vatter ha⸗
ben wolte / auff daß er ihn ſeegnete. Das iſt / im innern Ver⸗
ſtande in der Figur ſo viel:
7. Als Iſaac jetzt ſterben ſolte / ſo bewegete ſich der Seegen
in Gottes des Vatters Eigenſchafft in ihme / und wolte ſeinen
natuͤrlichen Saamen der Adamiſchen Natur ſeegnen / als das
Reich der Natur in Eſau: Dan Iſaac luͤſterte nach Wildbraͤdt /
als nach dem Reiche der Natur in tyierifser Eigenſchafft / als
nach dem verderbten Adamifhen Menſchen nach ver erften
Schoͤpffung. 2
8. Dan des Batters Seegen wolte auff Adam dringen in
welches Stelle Eſau ſtundt / aber ver himmliſche Ens war in
dem erften Adam verloſchen; darum mochte dem natürlichen
Menſchen nicht mit einem Seegen allein gerahten wrden/ ſon⸗
dern es mufte ein anderer Ernft ſeyn: Der Seegen mufteim
Reiche ver Natur ein Weſen / als Menſch werden / veffen war
das Reich der Natur in feiner eigenen Krafft und Macht nicht
fahig / wie allhie Eſau in feinem Reiche der Natur des Batters
Stegen nicht faͤhig war.
9. Denn das Reich menſchliſcher Natur war alfo vergiftet]
daß es zerbrechen muſte / darum wandte fich 38 Seegen GOttes
des
yrs Wie Iſaat unwiſſend den Jacob Cap.sz.
des Vatters in des Weibes Tinctur, als in die Adamiſche weib⸗
liche Tinctur, verſtehet des Liechts Tintar: Denn die feuriſche
7Tinctut in Adam war im Grimme auffgewachet / als im Reiche der
Finſternuͤß / und hat ein irrdiſch Bilde gemacht / und hierinnen
Das him̃liſche verſchlungen / und getoͤdtet: Demſelben himliſchen
verblichenen wolte der Seegen zu huͤlffe kommen / auff daß es im
Seegen wieder lebendig wuͤrde / und das Reich der Natur / mit
dehme es verleibet war / ſeegnete / tingirete und neu gebaͤhre.
10. Weil denn in Abrayam und Iſaac in ihrem Saamen
zwey Lineen außgiengen / als in Iſmael und Eſau das rechte ver⸗
derbte Adamiſche Bilde und in Iſaac und Jacob die Bundes—
Linea in der geſchenckten Genade / fo wandte ſich der Seegen
Gottes des Vatters / welcher in Iſaac war offenbahr worden /
auff Jacob / als auff die Lineam Chriſti / welchen GOtt geſalbet
hatte / daß er ſollte hinwieder den erſtgebohrnen Eſau / als den
erſten Adamiſchen verderbten Menſchen falben / denn der erſte
hatte ſeine erſte Gebuhrt aus dem Goͤttlichen Worte in der
Schoͤpffung geſchehen / verlohren / und mochte nicht mehr aus ſei⸗
nem Centro geſeegnet werden.
a. Denn der ſeeliſche Wille war vom ewigen Worte Goͤtt⸗
Eicher Heiligkeit abgebrochen / und hatte ſich ins Centrum des
erſten Prine pii, als in Grimm der ewigen Ratur indie Schied⸗
ligteit des ſprechenden Worts eingewandt / als in die Wider—
wertigktit des Streites; daher auch Iſaac den Eſau mit dem
Worte des Streites ſeegnete / als er im Seegen zu ihm fpradj’>
Du wirft dic Deines Schwerds naͤhren / und die Laſt deines
Bruders von deinem Halfe reiſſen / anzudeuten / daß die ver-
derbte Natur in ihm nun cin Knecht GOttes Zornes fey / und
den Streit / welchen Adam in pen Lebens-Eigenſchafften er>
wecket hatte / führen / und deffelben Diener feyn würde, °
r2. Day aber Ifaac folches nicht verſtund / und wolte Eſau
aus dem Seegen des Brrndesfcegnen /undden Seepter in Ziom
geben) darau schen wir/dag Iſaac und alle heilige Kinder GOt⸗
#8 / ob fg leic) in der Bundes-Linea aus der neuen Gebuhrt
grbohren ſeynd / und darinnen fichen/ den inwendigen Grund
ihres Weſens / darinnen das Reich GOttes in Krafft würdet
und ſtehet / nach der ſeeliſchen Vernunfft in eigener Macht nicht
urgreiffen / verſtehen / und damit in eigenem Willen was thun
koͤnnen / ſondern GOlt wendet denſelben inwendigen Grund der⸗
Stätte GOttes wo er hin wil / und muß ihme die Seele nachſe⸗
hen wet er thut / wie allhie Iſgac miſte nachſehen / wehn ber
Herr durch nis geſeegnet hatte, 23. Denn
*
Cap.55. an Eſaus ſtaͤtte geſeegnet lic 517
13. Dentt Iſaac fagte zu Efeu / er folkte ihme ein Efferr
machen wie ers gern äffe/ fo wolte ihn ſeine Seele ſeeggnen: So
fund aber diefer Seegen in der Bundes: Einea, in welcher Chris
feus follte entfprieffen / nicht inder Seelen Mast / fondern in
GoOttes Macht: Den die Seck Iſaacs und, aller Kinder Adams
waren noch immer mit der ſeeliſchen Wurbel am Bande des
Zorns GOttes / welcher Zorn dieſe innerliche eingeleibte Gena⸗
den⸗ Lineam im Tode Ehriſti felte zerbrechen / und i in die Bundes⸗
Lineam gantz einverleiben und einigen.
24. Darumb folfte nicht der fecliſche Wille in Iſaac den
Seegen diefer Bundes-Linea fortplangen / umd dem Reiche der F
ſeeliſchen Natur / als dem erſtzebohrnen Eſau und erſten Adam
geben / denn die Gecle war eine Urfache des Verderbens nicht
die Feuers⸗Tinctur hatte den Gewalt der neuen K crafft empfan⸗
gen / daun ihre Macht ſollte gebrochen werden / als ihr ſtoltzer
$ucifer / der fie felber iſt / ſondern des Liechts Tinctur, welche in
Adam verbliche / als die Feuers⸗Macht ftnſtere Irrdigkeit dar⸗
ein führete / welche in dieſer Bundes⸗Linea in Krafft des einge⸗
ſprochenen und verheiffenen eingeleibten Senaden- or ta wie⸗
der zruͤnete / Diefe Hatte den Gewalt und Die Kraft des Seegens..
15. Des Weibes Saame/ als des Liechts TindurundKrafft
follte der urifäyen Schlangen Ben Korff zertretten / und der
Scelen ihre fruriſche Macht in cin ſanfft Siebe euer verwone
deln: Derfenrifihe Seelen- Wille feilte und mufte gang rani-.
murirefund in Sanfftmuth gewandelt werden.
16, Weildann die ſelbe verbli chene Liechts⸗ Tinctur von Adam
ins Werb / als in Era gebracht ward / welche als Hein Apanı warf
fein ſchoͤner paradiſtſcher Roſen⸗Garten der eigenen Liebe war /
darinnen GOtt offenbahr war / und jetzo beym Seegen Iſaacs
die Figur der Wiedergebuhrt ſtund / ſo muſte auch ſein Weib /
als die geſtegnete Rebecca kommen / als eine / welche auch inter.
Bundes-Linea ſtund / und die rechte Figur Chriſti / als den Ja⸗
cob an die Stätte des Seegens ſtellen / anzudeuten / daz Chri⸗
ſtus in dieſer Bundes-Linea ſollte im Weibes-Saamen / als in
ver Liechts⸗ und des Feuers Tioct roffenbahr werden / und der.
Seelen Ratur ans des Liechtes-Krafft annehmen / auff daß er
möge über die Feuers⸗Natur der Seelen herrſchen Lund fie ins
giechts Kraft wandeln.
17. So war jetzo an die ſer Stätte die Rebecca Iſaacs Weib?
eine Figur der Sungfrauen Marien / welche Chriſtum / als den
—— GoOttes darſtellete / welcher follie Eſau und alle
27 andere
513 Wie Iſaac unwiſſend den Jacob Cap. 55.
andere Adamiſche Kinder ſeegnen / und war alſo vom HErrn be⸗
ſchaffen / daß er Rebecca alſo führete / daf fte verſtund / daß der
Seegen / als der Scepter Iſraelis in Jacob ruhete.
18. Denn weil das Scepter in Zion im Weibes⸗Saamen nel
als in der Jungfrauſchafft / fo ward auch allyier anjego daffel
Scepter im Weibes-Saamen rage / dag ein Weib mufte Di
Bundes-Linea zur Stätte Des Scegens GOttes des —
welcher in Iſaac war / darſtellen / und muſte des Mannes / als
der ſeeliſche natuͤrliche Feuer-Wille / hinden nachgehen / und
Knecht ver Wunder GOttes ſeyn / und ſehen was GOtt mit ihm
gethan hatte.
19. Daß es aber ſcheinet zu ſeyn als eine Liſtigkeit und Trug /
Das Rebecca hat den Jacob angerichtet / und dem Eſau den See⸗
gen entwandt / als häfte fie Sacob licher gehabt als Efau / dar=
innen hat die Bernunfft blinde Augen: Denn durch des Teuffels
Liſt kam der Fluch in die Welt / und durch Die Göttliche Liſt in der
Liebe / kam die Zerbrehung des Todes und der Höllen wieder in
die Seele /die Göttliche Liſt tödfete des Teuffels gift.
20, Berjichets recht: Ein jede gift entficher aus der Luſt:
Des Teuffels gift entſtund aus falſcher Suft : Alfo kam auch,
GOttes Luſt wieder in des Weibes Saamen / in welche himm⸗
liſche Matricem der Teuffel hatte ſeine Luſt eingeſchmeiſſet / und
zerbrach des Teuffels Luſt.
21. Aus GOtt war es / daß Jacob den Seegen bekam / gantz
wider der Vernunfft Meynen und Wollen: Denn er ſtund in
der Figur Chriſti / und Eſau ſtund in der Figur des verderbten
Adams.
22. Darumb war Eſau gantz rauh auff der Haut / das deutet
an die menftrofifche thieriſche Eigenſchafft / welche Adam im
Falle durch die Luſt erwecket hatte / als ſich die Luſt Adams in ein
Weſen einfuͤhrete / ſo ward das Fleiſch grob und thieriſch: Alſo
verſchlang das thieriſche in ſich das himmliſche / und ward der
Tod im Fleiſch offenbahr / und ſehen allhier in dieſer Figur klar
das Bilde / wie es gehen ſollte.
23. Iſaac wolte den thieriſchen Menſchen am Eſau ſeegnen /
das welte GOtt nicht / fondern Chrifto gehörete der Göttliche
Seegen: So fontederverderbie Adam auch des Seegens GOt—
tes nich faͤhig werden / es nehme denn Chriſtus dieſe rauhe Thies
res⸗Haut / welche Adam anzog / uͤber ſich / wie allhie Jacob nicht
konte geſeegnet werden / er ſtunde denn auch in einer rauhen
thieriſchen Haut.
24.8048
Cap.55. an Eſaus ſtaͤtte geſeegnet / a. 5919
24. GOTT der Vaͤtter ſtellete ihme unſer Elend in ſeinem
Bunde in Chriſto inunferer arnenangenommenen Menſchheit
fuͤr: Denn Chriſtus ſollte in unſere Menſchheit eingehen / und
in unſerer rauhen Geſtalt wandelen / und unſeren Tod der thie—
riſchen Eigenſchafft zerbrechen / wie geſchrieben ſtehet: Er nahm
all unſer Kranckheit auff ſich / uñ lud auff ſich unſere Schmertzen.
25. Denn gleichwie Iſaac ſeinen Sohn Jacob in der rauhen
Haut begreifft und fuͤhlet / ob es ſein Sohn der Erſtgebohrne
war / dem der Seegen gehoͤrete: Alſo auch griff GOtt der Bat⸗
fer in die Eſſentz ſeines Sohns Chriſti ein / und fuͤhlete / ob die
denſchheit Chriſti das erſte in Adam geſchaffene Bild wäre /
davon ihme die Angſt am Oelberge entſtund / daß er blutigen
Schweiß ſchwitzete / davon Eſaias ſagte / Er lud auff ſich unſere
Schmertzen.
26. Und gleichwie Iſaac von auſſen nur Eſaus Haut an Ja⸗
cob fand / und inwendig Jacobs Stimme hoͤrete / und ihn doch an
Eſaus Statt ſeegnete / als waͤre es Efau: Alſo auch fand GOtt
der Vatter an Chriſto unſer rauhe menſchliche Eigenſchafft /
und herete aber von innen / daß GOttes Stimme in ihme ſchalle⸗
te / daß der Goͤttliche himliſche Ens unter unſerer angenommenen
Menſchheit innen war: Darumb ruhete auch ſeine Stimme am
Jordan in der Tauffe uͤber ihme / da er unſere Menſchheit ſeegne⸗
— Fin dehm er ſprach: Das iſt mein lieber Sohn / den ſollt ihr
hoͤren.
27. Alſo auch hoͤrete wohl Iſaac Jacobs Stimme unter der
rauhen Haut / und verſtund / daß es nicht Eſau war / aber der
Geiſt in ſeinem Seegen drang doch auff ihn / denn er pruͤffete in
ihme den eingeleibten Grund des Bundes / als dieLineam der
neuen Menſchheit: Dann er ſprach: Die Stimme iſt Jacobs
Stimme / aber die Hände ſeynd Eſaus Hände / in welchem der
Geiſt andeutet / daß in Jacob und allen Kindern GOttes im
Fleiſch und Blut eben auch nur der erſte verderbte thieriſche
Adamiſche Menſch ſey mit ſeiner rauhen Haut / welches GOtt
nicht anfichet / fo nur die Göttliche Stimme im innern Seelen⸗
Menfchen inne wohnet/ welche mit GOtt Ein Geift ift.
28. Und denn fehen wir in diefer Figur / daß unfere Thieress
Haut in Fleiſch und Blute / damit wir alfo prangen/ vor GOtt
nur ein Trug fey / gleichwie Jacob in dieſem Thieres= Zelle vor
feinem Batter als ein Betrüger ſtund / und feinen Batter mit
ber Thieres: Haut blenden wolte: Alſo auch tritt der irrdiſche
Meuſch in ſeiner thieriſchen Eigenſchafft für GOtt und begeh⸗
ret
4
20 Wie Iſaac unwiſſend den Jatob Cap. ss.
vet GOttes Seegen: Aberer mag ihme nicht wiederfahren / cr
habe denn Jacobs / als Chriſti Stimme unter dieſer Thieres⸗
Haut in ihme.
29. Dann gleichwie Jacob unter dieſer Thieres-Haut glatt
und reine war; alſo auch muͤſſen wir in unſerem inwendigen
Grund unter der Thieres-Haut glatt und rein ſeyn / wollen wir
aber daß GOttes Seegen uͤber uns ruhen foll : Denn wir ſehen
in diefer Figur gar wohl / daß der Seegen nicht wolte auff Eſau
ruhen / welcher von Natur eine rauhe Thiercs- Haut in feiner
Eſſentz hatte / ober gleich der Erſtgebohrne war) dem der Seegen
erblich gehörete. Denn der erfte Menſch war in feiner Natur
verdorben/ und hatte Das Erbe GOttes verlohren ; der Seegen
ſambt ver kindlichen Erbſchafft ruhete nur allein auff dem andern
neuen Adam.
30. Mehr deutet dieſeFigur an / daß der neue Menſch in Chri⸗
Fo wuͤrde dem Teuffel / ſo wohl dem Menſchen der Voßheit / ſei⸗
nen Scepter und Gewalt nehmen / und uͤber ihn in diſem See⸗
gen in Krafft herrſchen / gleichwie Jacob über feine Feinde zum
Her geſetzet ward : Dieſe Figur deutet gantz auff Chriſtum.
32. Denn gleichwie Jacob eine frembde Geſtalt an ſich nahm /
und in frembder Kleidung für feinen Vatter fratt/ und den
Seegen von ihme begehrete / und auch erlangete : Alfo nahm
auch Chriſtus / als das ewige Wort eine frembde Geſtalt / als.
unſere Menfchheit an fich / und brachte diefelbe für feinen Bat⸗
ter / daß er fie ſeegnete.
32. Und wie Ifaac feinen Sohn Jacob mit dem Thau des
Himmels ımd der Fettigfeit der Erden / fo wohl mit Korn und
Wein fergriete > Alſo auch ſeegnete GOtt der Vatter unfere
Menfchheitin Chriſto: Denn unfere Menſchheit war auch aus
dem Limo der Erden inihrem Urftande/ und war von dem Thau
2.3 Himmels /von Korn und Wein genähret und auffgezogen/
das ſeegnete GOtt zur neuen Gebuhrt und Aufferfichung der
Toden / auff das Fünfftige Leben.
33. Und wie Iſaac den Jacob in dieſem Seegen zum Herrn
über feine Brüderder natürlichen Eigenſchafft feßere : Alſo
euch bat GOtt die neue Gebuhrt im Seegen Chrifti zum Herin
übertie Adamiſche ratur im Sleifch und Blute gefeget/ dag der
neue Menſch aus GOttes Stegen gebohren/foll über alle Glie⸗
ver feines natürlichen Leibes herrſchen / und daß fie follen dem
neuen Menfihen unterthan ſeyn.
34 Und wie Iſagc den Fluch darzwiſchen fetzete / daß We
Jaco
Cap.ss. an Eſaus ſtaͤtte geſeegnet / ꝛc. 521
Jacob fluchete / der ſollte verflucht ſeyn / und wer ihn ſeegnete / der
follte auch geſeegnet ſeyn: Alſo hat auch GOtt den Fluch auff
das verderbte Adamiſche Reich geſetzet / dag / welcher nicht im
Seegen Chriſti befunden würde / der muͤſſe ewig im Fluche
GHDttes feyn: Wer aber fein Gemuͤthe und Willen würde in
die ſen Jacobs⸗als Chrifti Seegen einführen / der ſollte twig im
Seegen ſeyn.
35. Ferner ſehen wir in dieſem Bilde wie es den Kindern
GOttes gehet / denn als Iſaac hatte Jacob geſeegnet / fo Fam
Eſau mir feinem Wildpraͤt / dafuͤr entſatzte ſich Iſaac fein Bat—⸗
ter / und ſprach: Wie / wer biſt du? Und erſchrack dafuͤr / daß
erden Jacob hatte unwiſſend geſeegnet: Welches cin Bilde iſt /
wie der Adamiſche Menſch fo gar nichts von GOttes Weegen vers
ſtehet: Wie ihn Bott nach dem innern Grunde offters ſo wunder⸗
lich fuͤhret / daß ob er gleich auff dem Weege GOttes geführet
wird / fo ſichet er doch mehr die aͤuſſere Vernunfft an) und ftöjfet
ſich offte an aͤuſſerlichen vernuͤnfftigen Dingen zeitlicher Ord⸗
nung und Guͤther / und laͤſſet ihme eine Furcht antommen / und
wil ſchlecht / dag feiner Vernunfft Wille geſchehe / wie allhier
ſich Iſaac entſatzte / daß ihme ſein Vernunfft Wille war gebro⸗
chen worden.
36. Und erkennen hierinnen das Elend und Unwiſſenheit der
Kinder GOttes / wie die Vernunfſt in ihr eigen Regiment ein⸗
gehet / und ſich nicht wil GOtt gantz laſſen / und ſich entſetzt wenn
es anderſt gehet / als ſie ihr hat eingebildet.
37. Und denn ſehen wir / wie GOtt mit feinem Liechte ja Ver—
ſtande endlich herfuͤr bricht und dem Menſchen feinen Weeg
anzeiget / daß cr ſich befriediget / wie allhie Iſaac thaͤte / da er fagtes
Dieſer Jacob iſt geſeegnet / er wird auch wohl geſeegnet bleiben:
Denn er verſtund nun GOttes Willen.
38. Ferner ſehen wir in dieſer Hiſtorien / wie Eſau alſo klaͤg⸗
lic) vor feinem Vatter umb den Seegen weinet / und zu ſeinem
Vatter ſaget: Seegne mich auch mein Vatter / haſt du denn nur
einenSeegen? haſt du mir keinen Seegen vorbehalten! Aber fein
Batterfprach: Ich Habe ihn zum Herzen über Dich geſetzet / und
alle feine Brüder habe ich ihme zu Knechten gemacht / init Koru
und Wein habe ich ihn verfehen / was foll ic, doch dir nun thun?
Diefes deutet andas Reich Chriſti wie es GOtt habe zum Her=
ren über dag Neich der Natur gemachet / wie Chriſtus fagtes
Mir iſt aller Gewalt un Himmel und auff Erden von meinen
Vatter gegeben worden.
| 39. Mehr
522 Wie Iſaac unwiſſend den Jacob Capı ss.
39. Mehr deutets an / wie die verderbte Adamiſche Natur in
Eſau und allen Menfchen nicht möge dieſes Seegens theilhafftig
werden; ſie ſterbe denn zuvorhin ihres eigenen Rechts und
Willens abe; Gleichwie Efau von feinem Vaͤtter nicht Fonte
mit Dem heiligen Scegen gefeegnet werden: Denn er war das
Bilde des verderbten Adams nach dem Reiche der Natur: Alfo
mag auch die irrdiſche Natur des heiligen Geiftes in ihrer EL-
ſentz nicht fähig werden: Davon Ehriftus ( Joh: 6. ) füget:
Fleiſch und Blut ſoll GOttes Reich nichterben ; Es falle denn
indie Erden / und gehewieder infeiner erften Mutter Leib wie
ein Korn / und übergebe feine Natur der erften Mutter.
40. Und denn fehen wir allhie / wie Iſaac feinem Sohne E⸗
ſau einen zeitlichen Seegen giebet / und ihme nur andentet/ wie
der natürliche Menſch vom Geifte diefer ABelt / als vom Spititu
Mundi geführet werde : Denn zu Sacobfagteer: GOtt gebe dir
vom Thau des Himmels undvon der Fettigkeit der Erden / und
Korns und Weins die Fülle: Aber zu Efau fagteernur: Sies
he da / du wirft eine fette Wohnung haben auff Erden / und vom
Thau des Himmels von oben her / deines Schwerdts wirft du
Dich nähren/ und deinem Bruder dienen und es wirdgefcher
hen / daß du auch ein Herz feyn/ und fein Zoch von deinem Halfe
reifen wirft,
41. Und deutet damit an / in was Negimentder äuffere nas
tuͤrliche Menſch gefuͤhret / getrieben und genaͤhret wird / und
was feine Begierde und Thun ſey / als nehmlich / dahßer in ſei⸗
nem Gemuͤhte nur ein Raͤuber / Moͤrder / und boͤſes Thier ſey /
Pi nur begehre mit Gewalt und Morden/ alles unter fih zu
ziehen.
42. Denn Iſaac ſaget nicht: Du ſolſt dich des Schwerdts
naͤhren / ſondern du wirſts thun / als Gottes Grimm im Reiche
der verderbten Natur mit des Teuffels Willen / wird dich darzu
bewegen / daß du wirſt die Fettigkeit der Erden an dich ziehen /
und wirſt von oben herab vom Geſtirn geregieret und getrieben
werden / und wirft in natürlicher Krafft die Kinder GOttes |
welche in GOttes Kraffi herrſchen / von dir abtreiben / das iſt /
Das Zoch von deinem Halfe reiffen : wennfieder H. Geiſt in
Gottes Kindern wegen ihrer Tyranneh ftraffet / fo morden und
tödten fie diefelben/und reifen des H. Geiftes Schwerdt von ih⸗
rem Halſe / wie allhie Iſaac ſaget: Du wirſts tim.
43. Wie es deñ Eſau alsbald thaͤte / und wolte Jacob toͤdten / daß
ZDacob MB Seegen vor ihn wegfliehen muſte: Allda * er
ibm
Cap. 55. an Eſaus fkätte gefeegnet. 523
ihme des H. Geiſtes Laſt von feinem Halfe geriſſen / und iſt die ſes
Andeuten oder Weiſſagen des Ertzvatters Iſaac ein Figur / wie
die Eſauiten und Tyrannen / als fleiſchliche Bruͤder der Ehriſten /
wuͤrden unter den Chriſten wohnen / und Bruͤderlicher Art
nach / von einerley Eltern gebohren werden / wir Eſau und Ja>
cob / und wuͤrden ſie doch nur mit Schwerdt und Plagen ver⸗
folgen / und von ſich ſtoſſen; und wuͤrden doch auch ſtehen als
Chriſten und den Seegen Gottes begehren / wie denn Eſau ſtund
und weinete umb denSeegen / und ware ihm doch nicht umb Got⸗
tes Reich zu thun / ſondern daß er moͤchte ein Herr auff Erden
uͤber ſeine Bruͤder und andere Menſchen ſeyn / und moͤchte
Reichthum und Bauchfuͤlle haben.
44. Dieſer Eſau in ſeinem Seegen iſt eine wahre Figur des
Antichriſts / welcher mit den Lippen ſich zu GOtt nahet / und ſich
in einen aͤuſſerlichen Scheindienſt Chriſti begiebet / als thue ers
GoOtt / ſtehet auch und pranget mit Gleißnerey / ſtellet ſich an⸗
daͤchtig / auff daß er von Menſchen geehret werde / und daß fein
GOtt Maolim fett werde / weinet auch für Boßheit / wenn man
ihme nicht wil thun / was er haben wil / wenn er nicht mag
den Bauch⸗Seegen bekommen / wie viel fein GOtt Maoſim wil⸗
und wer ihn antaſtet / und vom Seegen Gottes ſaget / dehn wil
er toͤdten / er mag auch keinen Diener Chriſti unter ſich dulden.
45. Die Vernunfft meynet / weil daß Iſaac zu Eſau ſagte:
Du wirſt dich deines Schwerds naͤhren / es habe ihms GOtt be⸗
fohlen / und ſteuret ſich darauff:: Es iſt aber ein anders: GOtt
wil keinen Krieg / ſondern das Reich der Natur in Gottes Zorn
wil dehn / welcher einig alleine aus dem Reiche der Natur gebohren
iſt / der lebet auch demſelben.
46. Darumb ſagte Ifaar/ du wirſts thun; als wolte er ſagen /
du wirſt durch deinen Zorn dem Zorn Gottes dienen / und wirſt
ein Herr im Reiche der Natur in dieſer Welt ſeyn / wie ſich die
Reichen in Gewalt und Macht einfuͤhren / und thun es durch das
Reich der Natur im Grimme.
47. Und ſehen weiter / wie Eſau ſeinem Bruder Jacob ſey
gram̃ umb des Segens willen geweſen / deſſen er doch nicht faͤhig
war nach dem Reich der Natur: Anzudeuten / wie die wahre
Kinder Chriſti um diefes Seegens willen würden yon den Kin
dern im Keiche der Natur angefeindet/ verfolget und getoͤdtet
werden : Und Urfache ift diefes/ da das Neiche der Gnaden ſol⸗
te über das Reich der Natur hersfchen/ und daffelbe am Ende der
Tage gerbrechen und in feine Gewalt wandeln: und darum iſt
der Streit zwiſchen beyden Reichen. 48. Den
524 Wie Zacob von Efanswegen Cap. 56.
48. Denn die Kinder Chrifti müffen in diefer Zeit nach dem
Auffern Menfchen im Keiche ver verderbten menschlichen Natur
leben / als im Reiche ver Efauiten / und find doc) nach dem Gei—
fie nur frembde Gaͤſte darinnen / wie Chriftus-fagte: Mein
Reich iſt nicht von dieſer Welt / darumb find ihnen die Kinder
* Welt gram̃ / und verfolgen ſte / wie Eſau ſeinen Bruder
acob. x
49. Denn wo das Reich Chriſti anhebet zu gruͤnen / allda he⸗
bet alsbald das Reich des Teuffels an zu zoͤrnen / und folches
Darum) dag ihme das Reich Chriftiden Gewalt und Fürftlichen
Thron nehmen und zerbrechen wil und foll/ daher ift ver Streit
indiefer Welt zwifchen Jacobs und Efaus Kindern,
so. Dennalsbald Jacob den Seegen empfieng / fo fakte ihm
Eſau für in feinem Gemühte den Jacob zu morden / welches ei⸗
ne Figur Ehrifti iſt / wieihn Gottes Zorn in diefem Seegen in
unferer angenommenen Micnfchheit nach dem Reiche ver Natur
folte morden; und wie die Kinder Chriſti in Gottes Zorn nach
dieſem Ratur-reiche würden gemordet werden / und ihr Blut in
die ſem Mordegeifte vergieffen / auff daß Gottes Zorn damit ges
tilget / und in Liebe verwandelt würde,
Das 56. Capittel.
Wie Iſaac und Rebecca den Jacob muften von
Eſau weg in frembde Lande ſchicken / und wie ihme der
Herr im Gefichte erfibienen auff der Leiter / welche
biß an den Simmel gereichet hat und wie fich Eſau
hernach gegen feinen Eltern gehalten habe] was
darbey zuverjtehen.
Uber das 28. Cap. Genel.
I. $3 Jacob den Sergen empfangen hatte / fo muſte er
aus feines Datters Haufe von Batter und Mutter
wer wandern / und vor dem Grimm Efaus fliehen;
Diefes ift num eine Figur Chrifti/ wie derfelbe /
nach dem er unfere Menfchheit angenommen und ge>
ſalbet hatte/ würde mit unferer Menſchheit ausihres Vatters as
damifchen Haufe wiederindas erfte Paradififche Haus fliehen.
2, Uno denn deutets ſerner an / wie die Kinder Chriſti / -
a
Sap.sd. in frembde Sande geſchicket / ꝛc 325
bald nach ihrer Salbung und Seegen / in dem die neue Gebuhrt
im Seegen Chriſti in ihnen anfaͤhet / ſollen und muͤſſen aus ihres
Batters Adamiſchen Haufe der verderbten Natur mit Sinnen
und Gemühte augflichen / wieihnen alsbald der Teuffel und die
Welt gramm wird / dag fte fich müffen alsbald auff Chriſti Pils
gram⸗ſtraſſen begeben / und unter der Welt dienſtbarem Joche
in Elende und Zwängung leben : Denn GHtt führet fie alsbald
init ihren Sinnen und Gemühte ausdem Haufe ihres Vatters /
als aus der Begierde im Fleifch und Blute / daß fieder Welt
Wolluſt nichts achten und davon außfliehen / wie Sacob von feie
nes Vatters Haufe.
3. Und denn ſehen wir / wie GOtt ſeine Kinder alſo wunder⸗
lich fuͤhret / und ſie fuͤr ihren Feinden beſchirmet / daß ſie der
Teuffel in Gottes Zorn nicht morden mag / es ſey denn Gottes
Wille / wie er Jacob für dem Zorn Eſau behuͤtete / und von ihs
me wegfuͤhrete: und haben ein ſchoͤn Exempel an Jacob / wie
er habe feines Vatters Haus / auch Vatter und Mutter um
dieſes Seegens willen verlaſſen / und GOtt mehr geliebet / als
alles zeitliche Gut / und gerne dem Eſau alles gelaffen / daß er
nur moͤchte der Geſeegnete Gottes feyn.
4. Und wie ihme alsbald / nachdem er dieſer Welt Reichthum
in feines Vatters Haus hatte verlaſſen / ſey der Herr mit dem
ewigen Gute erſchienen / und ihme die Leiter gewieſen / darauff
er koͤnte in Gottes ewiges Reich ſteigen: Welche Leiter anders
nichts war als Chriſtus / welchen er hatte in der Burndes-Linea
angezogen /fo ward ihme allda ein Bilde fürgeftelleti was Chri⸗
ſtus vor eine Perfon feyn würde. E
5. Denn diefe Leiter reichete / feinem Beduͤncken nach / won
der Erden/ mitihrer obern Spise biß in Himmel; darauffdie
Engel Gottes auff und nieder fliegen ; welches andeutet / wie
fich Das ewige Wort mitder Kraft des Himmels / als mit der
englifchen göttlichen Welt Wefen wärde in unfer von GOtt
abgewichnes/ und an GOtt blindes Weſen einerfenden/ un®
unfere Menfchheit annehmen / und alfo den Himmel mit der
Welt im Menfchen vereinigen / dag die Menfchheit durch
dig Eingehen der Gottheit in die Menſchheit / eine Leiter zu
GOtt hätte.
6. Und wie die Menſcheu würden in der Engel Befellfchafft
Durch Ehrifti Mienfchheit Fommen (Matıh. 13. v. 22.) wel⸗
ches diefes Elar andeutet / daß die Engel Gdttes auffdiefer Lei⸗
ter auff und abftiegen = Als dag der Himmel wuͤrde im *—
en
326 Wie Jacob von Eſaus wegen Cap.56.
ſchen durch dieſe Eingehung des goͤttlichen Weſens in die
Menſchheit / wieder auffgeſchloſſen werden / und dag die Kinder
Gottes würden die Engel zu Gefährten in diefer Welt haben /
welches GOtt dem Jacob zeigete/ dag die Engel Gottes auff die»
fer Seiter zu ihmauffundabfteigen. -
7. Welches den Kindern Goͤttes / welche fich von ihres Bat
ters Haufe / als von diefer Welt Eitelkeit] zu diefer Jacobs⸗Lei⸗
ter wenden / eingroffer Troft ſeyn ſoll / daß fie gewiß wiffen fole
len / dag Gottes Engel auff diefer Leiter / zu der fie ſich haben
gewandt / zu ihnen kommen / und gern umb fie ſeyn.
8. Denn dieſe Leiter bedeutet eigentlich die Pilgram⸗ſtraſſe
Chriſti durch dieſe Welt in Gottes Reich / indehme den Kin⸗
dern GOttes noch alleweile das Reich der verderbten adamiſchen
Natur anhanget / und fie in Fleiſche und Blute im Geiſte dies
fer Welt zuruͤcke halt / fo muͤſſen jre nach dem inwendigen Mens
ſchen in Chriſti Geiſte ohne Unterlaß in viel Ereug und Trübfal
dieſe Leiter ſteigen / und Chriſto unter ſeiner Creutz und Blut⸗
fahne nachfolgen.
9. Dagegen lebet die Welt in Wolluſt in ihres Vatters Ada⸗
mischen Haufe in Spötterey und Verdruß / alles was ſie koͤn⸗
nen diefen Jacobs Kindern zuwider thun / das ift ihnen cine
Freude / und fpotten derer nur/ wie wir deffenein Exempel an
Eſau haben/ wie er feinem Batter und Mutter zu Troge und
Verdruß die Iſmaelitiſche Weiber ausder Lineader Spotterey
genommen habe / welche beyde Iſaac und Rebecca eitel Hertzen⸗
leid gemacht haben.
10. Da man denn Flar fihet wie der Teufelim Neiche diefer
Welt/in der verderbten menfchlichen&igenfchafft ſeinen Gewalt
hat/ und Gottes Kindern ohne unterlaß widerftchet und fie aͤng⸗
feet und plaget/und mit ihnen um fein Königreich/welches er ver»
lohren hat) ftreitet/ und ihnen das nicht gönnet.
11. Und ſehen gar ſchoͤn wieder HErroben auff dieſer Leiter
der Pilgram ⸗ſtraſſe Chriſti ſtehet / wie beym Jacob / und den Kitts
dern Chriſti ohne unterlag ruffet und ſie troͤſtet / daß ſie ſollen nur
getroſt darauff ſteigen / er wolle ſie nicht verlaſſen / ſondern zu
innen kommen und ſie ſeegnen / daß ihr Saame und Frucht ſolle
gruͤnen wie Staub auff Erden / das iſt / daß ſie in dem inwendigen
goͤttlichen Reiche in ihrer Muͤhe und Angſt würden außgruͤnen.
12. Denn ſoviel die Kinder Chriſti von dieſer Welt aufgehen
und dieſelbe im Gemuͤhte verlaſſen / alſo viel gruͤnen ſie im in⸗
wendigen Reiche Chriſti aus / da denn GOtt eben auff dieſer Lei⸗
ter
/
Cap. 56. infrembde Sande geſchicket / tc. 527
ter ſtehet / und immerdar feinen Seegen und Krafft in ſte ein⸗
ſpricht / dag fie als Neben an feinem Weinſtocke wachſen / wel⸗
chen er in Chrifto in dieſem Jacobs-⸗Seegen hat wieder in unſer
Menſchheit eingepflantzet.
13. Und ſehen hierbey klar / daß dieſes gantze Bild von Abra⸗
ham an biß auff Jacob eitel Figuren vom Reiche und der Perſon
Chriſti und ſeiner Kinder ſey; denn allhie verneuret GOtt den
rerheiffenen Bund Abrahams vom Weibes⸗Saamen mit Jacob
auch / daß aus feinem Saamen / als ausder Bundes-Linea folte
der keimen (welcher alle Bölder ſeegnen folte / um welches wil⸗
len auch Jacob von feines Batters Haufe geführet ward / auff
daß GOtt Das Reich Chriſti Aufferlicy in der Figur vor ihm
ſtehen Hätte / um welches willen er feinen Zorn von den Kindern
des Unglaubens finden ließ und te nicht verderbte / undihnen
Zeit zur Buſſe ließ / und feinen Grimm alfo in diefem Bilde vera
föhnete auff die zukünftige Erfüllung.
14. Auch haben wir allyier einen ſtarcken Grund und Berfiches
rung / daß Ehriftus warhafftig habe unfere Adamiſche Seele
und Wenſchheit im Leibe Mariaͤ an ſich genommen / und den
Tod / Hölle und Gottes Zorn in unſerer angenommenen Menſch⸗
heit zerſtoͤret / und dieſe Jacobs⸗Leiter auffgerichtet; Denn Gott
ſprach zu Jacob: Durch dich und deinen Saamen ſollen alle
Geſchlechte auff Erden geſeegnet werden; Durch dich Jacob /
durch deinen eigenen Saamen / welcher iſt GOtt und Menfch /
als himliſcher Zoͤttlicher Ens und Weſen / und menſchlicher Ens
und Weſen in Krafft des ewigen Worts.
15. In welchem Worte ſich der heilige Name Iheſus / als die
hoͤchſte Liebe der Gottheit außgewickelt hat und in unſerer ange⸗
nommenen Menſchheit offenbahret; welche einige Liebe Gottes in
dem Namen JESU den ri der ewigen Natur in unſerer See⸗
len aus des Vatters Eigen haft im Zorne überwinden und in
Siebe der Göttlihen Freude gewandelt / und den ftillen Tod / der
unshattevon GOttes Schen abgefihieden / zerbrochen / und das
Goͤttliche Leben der hoͤchſten heiligen Tinctur im ewigſprechenden
Worte der Goͤttlichen Krafft im Tode offenbahret / und den Tod
zum Leben gemacht / das alſo unfere Seele in dieſer Goͤttlichen
Krafft mit durch den Tod und Zorn GOttes gedrungen.
16. Und haͤlt ſich mit nichten alſo / wie etliche ſagen / das We⸗
ſen darinn das Wort ſey Menſch worden / ſey nicht von Adam
herz ſondern wie fie gang irrig ſagen / die Jungfrau Maria fey
sicht von uns Menſchen / fie habe nur äufferlich einen Menfe .
zei
523 Wie Jacob von Efaus wegen ap. ss,
Leib von Anna an fich genommen) und fey nicht von Joachims
Saamen / fondern fey eine ewige von GOtt hierzu erkohrne
Qungfrau vor der Welt gewefen.
17. Diefer Text lehret uns ein anders/ da GOtt fagte: Durch
dich und deinen Saamen/nicht allein Durd) einen freinbden Goͤtt⸗
lichen fordern durch Dich und, deinen Saamen / mit Eingehen des
Göttlihen Weſens: Chriftus folte in Adams Seele und Leib
den Tod zerbrechen / und die Höllein Adams Seele und Leib /
welche im Paradis war offenbahr worden / zerflören.
18. Denn allhie lag unfere Krankheit und Elend/ das Chris
ſtus / als ein Joch auff ſich nahm: Chriſtus opfferte feines Vat⸗
ters Grimme / welcher in unſerer Menſchheit war entzuͤndet wor⸗
den / und auffgewachet / ſeine hoͤchſte Liebe in unſerem menſchli⸗
chen und feinem heiligen Blut: Seine heilige Tinctur gieng in
unſern menſchlichen Tod ein / umdringirete unfere in Adam vers
blichene himliſche Weſenheit welche in Adam verblich / alser
Irrdigkeit und falſchen Willen darein führete/ und wertete unſer
verblichenes himmliſches Weſen mit ſeinem lebendigen Weſen
auff/ daß das Leben durch den Tod gruͤnete; und dieſes war die
duͤrre Ruͤhte Aaronis andeutend.
19. Darum iſt dieſes nicht der wahre Verſtand daß etliche
ſagen / Chriſtus habe in der ewigen Jungfrauen Maria eine
Seele aus dem Worte an ſich genommen / daß Chriſtus / als der
von GOtt kam / und feine Seele in der Menſchheit Chriſti eines
Anfanges ſey.
20. Wohl find ſie in der Menſchwerdung vereiniget worden /
daß ſie unzertrennlich ſind / aber der wahren Seelen Ens, wel⸗
chen das Wort im Namen lESUS aunahm / war von uns Men⸗
ſchen aus des Weibes Tinctur, als aus der rechten Adamiſchen
Seelen / jedoch aus der Eigenſchafft des Liechts / welche aus
Adam ins Weib geſchieden ward / auff daß dieſelbe Liechts-Ei⸗
genſchafft die feuriſche maͤnnliche Eigenſchafft wieder in die Siebe
und Göttliche Demuth ſolte trranfmutiren/und die mannliche und
weibliche Eigenfchafft wieder gans in cin Bilde gewandelt wuͤr⸗
de /wie Adam vor feiner Eva war/da er weder Mann noch Weib
war / fondern eine männliche Jungfrau.
21. Darum nahm Chriftus feine Seele vom Weibe /alsvon
einer Jungfrauen / und ward aber cin Mann / auf dag er recht
im Adamiſchen Bilde fund / und die abgewandte zertheilete Le—
bens⸗Eigenſchafften / in welchen fich unfer Wille hatte von Gott
abgebrochen] wieder in die Temperatur und Einigung/ als in das
Eins braͤchte. 22, Dei
Cap. 56. in frembde Landen geſchicket / 20. 529
22. Denn Adam wandte ſeinen Willen von dem einigen Wil⸗
fen Gottes / und IESUS Chriſtus nahm unſere Seele wieder in
den einigen Willen GOttes ein / und wandte unſern Seelen⸗
willen in unferer angeno mmenen Menſchyeit wieder in den eini⸗
gen Willen GOttes ein.
23. Daß wir aber den Leſer gantz gründlich beſcheiden was
unſere Seele / und denn das Wort das Menſch ward / gegen ein⸗
ander ſey; Dieſes iſt alſo: Unſere Scele war vorm Anfange der
menſchlichen ſeeliſchen Creatur ein Ens des Worts GOttes im
Worte / (loh. x.) und ward aber vom ſprechenden Worte GOt⸗
tes dem Menſchen-Bilde in ein natuͤrlich und creatuͤrlich Leben
eingeſprochen / und in ein Bilde des ewigſpreckenden Worts for-
miref, Dieſes creatuͤrliche Seelen⸗ Leben waͤudte ſich in Adam
von dem Goͤttlichen Sprechen ab / in ein eigen llen und
Sprechen / und war deßhalben vom gantzen ungruͤndlichen We⸗
ſe en abgebrochen und von GOtt geſchieden.
24. In dieſes abgeſchiedene Wort / als in die Seele gab ſich
das einige Goͤttlich ſprechende Wort wieder ein / und wandte
der Stelen Willen wieder in das ewige Eine / als im das ewige
Sprechen Gottes ein; darum iſt die Seele ja wohl anf dem e⸗—
wigen Worte / aber Chriſtus / als die hoͤchſte Liebe der Gottheit
nahm nicht eine neue Seele aus den ewigen Sprechen / ſondern
unſere Seele / als das einmahl in Adam geſprochene und ge⸗
formte Wort/aufdager daſſelbe einmahl in Adam geſprochene
uñ geſormte Wort / als unſere Menſchliche Seele in ſeinem Lie⸗
be⸗ ſprechẽ wieder in ie Gnade un Einigung der Gottheit braͤchte.
25. GOtt ſprach unſerer armen abgewandten Seelen im
Paradeiß nach dem Falle alsbald den Bund und die Wurtzel
ſeiner hoͤchſten Liebe und Gnade durchs Wort wieder ein / als ein
Generum der Gnaden zur wieder⸗ Umwendung und zur neuen
Wiedergebuhrt.
26. Und in Abraham eröffnete er den Bundj we Ihen Abra>
ham mitfeiner Begierde ergriff / als einen Ens zum Baume /
und Geiftlicher Artempfieng / aber ohne Weſen im Menſchen
ſtund / fondern als eine geiftlihe Form und Inmodelung des
fräfftigen IBoris.
27. Welches Wort infiner geiftlihen Figur in Maria der
Sungfranen am Ziel / als am Ende der geiftlichen Forme ſtund /
ailda dieſelbe geiſtliche Form von Wort GOttes in einen we⸗
ſentlichen Ens ge faſſet ward / und hiemit auch zu: aleich unſer
menſchliches Weſen nad) der Seclen ins Bilde des Worts / und
3 nach
530 Wie Jacob von Eſaus wegen Cap. 56.
nach dem Weſen des Leibes in Menſchliche Bildung eingefaffet /
und ein ſelbſtaͤndiger Gott⸗ menſch war.
28. Diefes eingefaffete geiftliche Bilde / welches des Glau⸗
bens Saame war / welchen Abraham im Glauben ergriff / kam
auf Iſaac / undvon Iſaac auff Jacob / und zu Jacob ſprach
GHtt: Durch Dich und deinen Saamen ſollen alle Voͤlcker ge—
ſeegnet werden / als durch Diefen Glaubens-Saamen / welchen
Jacob hatte von feinem Batter Iſaac in diefer Bundes-Linea
empfangen welche Glaubens>Linea fich hatte in die menfchliche
Eigenſchafft / nach dem innern Grunde des zweyten Principii
eingelcibet / als in das in Adam verblichene Bilde von der him̃⸗
liſchen Welt Wefen.
29. In welchem eingeleibten Grunde das Ziehl des Bundes
Gotted ifeiner geiſtlichen Form blieb ſtehen biß auff Mariam /
und ward von Meuſch zu Menſch fortgepflantzet / als von Adam
und Eva biß auf Mariam / allda hat ſich das Wort der Goͤtt⸗
lichen Krafft beweget / und unſer menſchlich Fleiſch und Blut
ſambt der Seelen eſſentialiter angenommen / und den verbli=
chenen himmliſchen Ens im Saamen Marix unſers Theils leo
bendig gemacht; welche Offenbahrung auch in Marien himm⸗
liſche Weſenheit eindrang / daß ſie derſelben himmliſchen Jung⸗
frauſchafft / welche in Evaverblich / lebendig ward / und in dies
ſer lebendigen Jungfrauſchafft / als in Adams himmliſchen
Matrice, ward GOtt Menſch.
30. Und das iſt Marien Benedeyung unter allen Weibern /
das fie die erſte von Adam her iſt / in welcher iſt die himmliſche
Matrix wieder eroͤffnet worden / in der die duͤrre Ruhte Aaronis
recht gruͤnete als das Reich GOttes: Sie iſt die erfle/ in
welcher das Derfchloffene offenbahr ward / denn in ihr ſtund das
Ziel des Bundes im geiſtlichen Bilde am Ende / und in ihr ward
es mit unſerer Menſchheit erfuͤllet.
32. Sie aber iſt wahrhafftig Adams / Abrahams / Iſaacs und
Jacobs Tochter / beydes nach der Menſchheit und nach dem Bun⸗
de der Goͤttlichen Figur / und in ihrer Empfaͤngnuͤß / als das ine
nere eingeleibte Bildedes eingeſprochenen im Glauben gefaſſe⸗
ten Gnadenbundes / unſer menſchliche Eigenſchafft annahm / ward
Das Reich Chriſti im Fleiſche offenbahr.
32, Allda hernach die Gläubigen Chriſtum in ihrem Glau⸗
ben / im Fleifche anzogen / aber allein nach demſelben bimmlie
fhenin Adam verblichenen Wilde /wie Maria / da Ehriftus die
arme Seele in feine Armen faffer/ und fie mit GOttes Kraft
umgiebet /
Eav. 56. in frembde Sande gefchitetne. 531
umgiebet / und ihr feine Liebe in ihr einfloͤſſet / welche Siebe fie für
— —— Zorn / Suͤnden / Tod / Teuffel und Hölle beſchirmet und
erhaͤlt.
33. Dieſes iſt kurtz Sunmariſch der wahrhaffte Grund / was
der Geiſt GOttes bey den Ertzvaͤttern hat fuͤrgebildet / in dem er
ſie hat alſo wunderlich gefuͤhret / und mit Chriſti Figur / wie es
hernach gehen folte / hat alſo geſpielet.
34. Denn Jacob war nun der Stamm/ auf welchen der groffe
und weite Baum Sfraelis folte in Zertheilung ver Aeſte / als Ge⸗
ſchlechte / ſich außg breiten / darum muſte er von feines DVatters Haus
fe weggehen / und muſte Weiber neymen von feines Vatters Ge⸗
ſchlechte / aAals von Abrahams Bruders Sohn] auff daß das Bolt
Sfrael / als die Bundes⸗Linea, auß einem Stamme herkaͤme.
35. Als nun Jacob vom Traume der Goͤttlichen Geſichte er⸗
wachte / da ihm war der HErr erſchienen / und den Bund beſtaͤt⸗
tiget / ſprach er: Gewizlich iſt der HErr an dieſem Orte / und
ih wuſſe es nicht / und fuͤrchtete ſich und ſprach: Wie heilig iſt
die Stätte / hie iſt nichts anders denn Gottes Haus / und hie iſt
die Pforte des Himmels. Dieſes iſt eine Figur]; wiecs Gottes
Kindern gehet / wenn GOtt in ihnen offenbahr wird / fo ſtehen
ſte noch wohl in Furcht und Truͤbſal / und meynen Gott ſey fer⸗
ne von ihnen / und habe ſie verlaſſen.
36. Denn wo GOtt Im Menſchen einzeucht / allda wird alles
zeit die Suͤnde und der Zorn GOttes im ſelben Menſchen zu erſt
ofſenbahr / daß fie ſich erktennen und vor der Suͤnde erſchrecken 7
und in die Buſſe eingehen / alsdenn erſcheinet ihnen Gottes
freundliches Angeſichte / und troͤſtet ſie: Denn ſo die Seele von
der Suͤnde außgehet / ſo gehet GOttes Gnade in ſie ein; ſo
ſpricht ſite alsdenn: Gewißlich iſt der Herr bey mir geweſen in
meiner Angſt / und ich wuſte es nicht; nun ſehe ich / daß der Herr
bey den betruͤbten Hertzen iſt / welche in Goͤttlichein Eyfer be⸗
truͤbt ſind / allda iſt Gottes Staͤtte und die Pforte des Himmels.
37. Ferner deutets an / wie ſich die hoͤchſte Liebe GOttes in
dieſem Bunde in Chriſto / in unſere Menſchheit einerſencken
würde; und wie die Menſchheit Chriſti wuͤrde in Truͤbſal wan⸗
deln muͤſſen / in dem er all unſer Truͤbſal und Elend auff ſich
nahm / und wie ſich die Menſchheit Chrifti würde vor dem Zorn
Gottes undder Höllen entfeßen / wie gm Delberge geſchahe / da
fie in Aengſten blutigen Schweiß ſchwitzete / und Chriſtus in
feiner Menſchheit ſagte: Vatter / its müglich / Jo gehe dieſer
Kelch von mir: da ihm alsbald die Pforte SOttes erſchien und
3 2 die
33% Wie Jacob dem Laban ap. 5?
die Menſchheit troͤſtete / wie allhie dem Jacob / als er in Truͤb⸗
ſal auß ſeines Vatters Hauſe weichen muſte in Furcht und
Schrecken vor feinem Bruder / welcher ihn zu morden dräuete /
welches alles eine Figur auff Chriſtum ift/ als ihm GOttes
Zorn in unſerer Menſchheit zu morden drauete / da ihme wuͤr⸗
de angſt und bange ſeyn / und wie er wuͤrde zu ſeinem Vatter
bethen / und wie ihn fein Batter würde troͤſten / welches alles
vor feinem Leyden gefchehen iſt / fonderlich auch am Delberge /
an welder Stättedie Zacobs Figurerfülletward.
38. Und wie Jacob den Stein) welchen er unter feyn Haube
fegte / hernach zur einem Denckmahl auffrichtete und Deldarauff
goſſe: Alfo-hat Ehriftus feine Angft uns armen Menfchen zu
einen Denckmahl auffgerichtet / und fein Freuden=öhlder lIber>
windung darauff in unfere erſchrockene Hergen gegoffen / und
auf demfelben Steine feine Kirche zur ſtaͤtswehrender Gedaͤcht⸗
nuͤß auffgerichtet / welches die Figur beym Jacob alles ein Fürs
bild gewefenift.
39. Welches Jacob mit Elsren Worten andeutet/ da cr
ſpraͤch: So GOtt wird mit mir feyn/ und nich behuͤten auff
dem Weege den ich reyſe und Brod zu effen geben und Kleia
der anzuzichen / und mich mit Srieden wieder heim zu meinem
Batter bringen / fo foll der Herr mein GOtt ſeyn / und dieſer
Stein dehnt ich auffgerichtethabe zu einem Mahl/ follein Bots
tes Haus werden / und alles was du mir gicbeft / der wilich die
den Zchenden geben; Da er denn Flar unter diefer Figur das
Sevitifche / und hernach das Evangelifche Prieſterthum andeu⸗
tet / wie es hernach gehen würde,
Das 57. Capittel.
Wie Jacob zu Laban kommen ſey / und ihmer4. Jahr
um ſeine zwo Toͤchter der Schaaf gehuͤtet / was die
geiſtliche Figur mit der Braut Chriſti darunter ans
deutet wie GOtt den Jacob in Chriſti Figur ge:
ſtellet / und mit dem Bilde Chrifti alfo gefpieler.
Uber das 29. Enpittel Gene.
2. A— nun Jacob in Truͤbſal von ſeinen Eltern ziehen muſte /
und vor ſeinem Bruder Eſau weichen / und ſich in ſeinem
Seegen Gott beſohlen / ſo fuͤhrete ihn GOtt zu feiner lieb⸗
ſten
——
C.57. habe 14. Fahr gedienet ꝛc. 533
ſten Braut / bey der er eine Zeit in Freuden mit Gedultzu=
brachte/ big er wieder mitgroffem Gute zu feinem Vatter kam.
2. Diefes ift erſtlich eine weltliche Hiftoria und Gefchichte /
darunter wird die geiftliche Figur vom Keiche Chriſti vorgefiel-
Ist / denn / fo fi der arme Suͤnder zu Gott wendet / fo crlan⸗
get er erſtlich den Seegen / alsdie Tauffe Chriſti / da ihn der
Heilige Geiſt in feinem inwendigen Grunde taufſet; alsdenn
ſtellet er ihn in Proceß Chriſti unter feine Creutz-ſahne / und
heiſſet ihn von ſeines Vatters adamiſchen Suͤndenhauſe auß⸗
gehen / und ſich auff Chriſti Pilgrams-ſtraſſe zu machen.
3. Allda muß er den harten Stein der Vernunfft unter ſein
Haubt legen / und auff dieſem Steine der Bernunfft ruhen und
ſchlaffen / das iſt die Vernunfft mug ſtille fichen / und das
Gemuͤhte mug ſich in ſich ſelber in den allerinwendigſten Grund
in höchfter Demähtigkeit zur Gnaden GOttes einwenden / und
ſich gang willig auff Chrifti Pilgramzsftraffe begeben / wie all⸗
hie Jacob thaͤte; Alsdenn begegnet ihm feine allerliebfte Braut
and fchöne Rahel / als dic edle Jungfrau Sorhia der göttlichen
Buhlſchafft / in der Liebe und Menſchheit Chriſti.
4. Erſtlich komt er zu dem Brunnen / da dieſe edele Sophia
ihre Schaͤfflein traͤncket / das iſt / die Secle wird zu Chriſti
Bruͤnnlein gefuͤhret / darauß das Waſſer des ewigen Lebens
quillet / da ſichet und erfraget er ſich erſtlich bey den Hirten /
wo die edle Sophia mit ihrer Herde weidet. Die Hirten deuten
andie Kinder Chriſti / als schrer des Worts Chriſti / in denen
der Geiſt Ehriftiift 7 welche auch Chriſti Schnaft weisen: Als
da fraget der busfertige Menſch nach feiner ewigen Sreunds
Schafft / als nach dem Paradiſiſchen Haufe/ da fein Großvatter
Adam innen gewohnet hat / fo zeigen ihme dieſelbige Hirten daſ⸗
ſelbe Haus und auch die ſchoͤne Rahel / welche in dieſem Hauſe
gebohren iſt / als die edle Sophiam.
5. Welche] wenn dieſe die arme Seele erblicket / Die Seele
freundlich anſchauet / davon die Seele ingroffer Licbe entzuͤn⸗
det wird / und den groſſe n Stein von dem Brummen wegwaͤltzet /
und der edlen Sophie ihre Schaafe trändet/ das ift/ die See—
le waͤltzet von ihr weg alle irrdiſche Luſt / welche ein Dedel für
Dem Brunnen desewigen Lebens iſt geweſen / und trändet und:
fpeifet die arıne nothlepdende Schaflein Ehrifti / als die Schäf-
fein diefer edlen Sophiæ / und küffetdie edle Sophiam mit ihrer
inbrünftigen Begierde zur Siebe Chriſti.
6, Und wenn dieſes die edle PRO, Sophia ſiehet / und *
534 Wie Jacob dem Laban Gap. 57-
Ihr die arme Seele alle ihre Weege / die ſte zu ihr hat gerichtet /
entdecket / fo lauffet fie zu ihrem Batter und ſagets ihme / daß
ihr lieber Buhle und Freund darauſſen bey Chriſti Schaͤflein
ſtehet und huͤffft dieſe traͤncken / das iſt / vie Siebe Chriſti dringet
mit der armen Seelen Begierde in GOtt den Vatter / und ſa⸗
get: Dieſe Seele iſt mein Freund / mein Braͤutigam / ſo heiffet
ſie GOtt der Vatter in fein Haus einfuhren / wie allhie Rahel
dem Jacob thaͤte / und ſolches ihrem Vatter anmeldet / wer die⸗
ſer Jacob waͤre / und was ſein Fuͤrhaben wäre: Alſo auch zeiget
Chriſtus feinem Batter an / was der armen betruͤbten Seelen
Fuͤrhaben iſt / wenn ſie zu ihm komt.
7. Und wie dem Jacob dieſe Rahel zum Ehegemahl zugeſaget
ward / darum er ſich verwilligte ſteben Jahr der Schaafe zu
hüten/ und dieſelbe hertzlich liebete / und ihme dach hernach in der
Hochzeit die andere Schweſter mit ihren bloͤden Augen beygele⸗
get ward / welche er nicht hatte begehret: Alſo gehets auch Chri⸗
ſti Kindern / wenn fie ſich zu GPL wenden / und ſich zu Hirten
der Schafe Chriſti begeben / derſelben zu pflegen / ſo wird ihnen
die allerliebſte und ſchoͤnſte Sophia zugeſaget / und unter Augen
geſtellet daran fie in ſich Freude emıpfinven.
8. Aber wenn es nun komt / daß die Seele meynet / fiewolle
dieſe Braut in ihre Arme faſſen / und vollkommene Freude mit
ihr haben / ſo wird ihr die andere Schweſter / als die Sea} das iſt /
Das Creutz Chriſti dafuͤr beygeleget / und verbirget ſich die ſchoͤ⸗
ne Sophia / und muß von ehe das Creutz Chriſti zum Ehege⸗
mahl nehmen / und noch andere ſteben Jahr um Rahel / als uͤm
Die edle Sophia die Schaafe Chriſti huͤten / ehe er fie zum Ehe—
gemaͤhl bekomt.
9. Denn die Menſchheit Chriſti giebet ſich nicht balde der feu⸗
riſchen Seelen zum Eigenthum; fie bleibet wohl in der Verloͤb⸗
nüg im inwendigen Grunde indem Bilde von dem himmliſchen
Weltweſen / welches in Adam verblich / ſtehen: Aber GOTT
Der Datter giebet der Seelen in deſſen ſtatt di ander Schwe—⸗
ſter / als die Bloͤdigkeit des Hertzens / daß die Seele in dieſer
Zeit nicht im Roſen⸗garten ſpiele / ſondern in Trübfal/ auff
Daß ſie verſuchet und demuͤhtig wuͤrde / und immerdar die Schaͤf⸗
lein Chriſti huͤte / und ſich nicht in ſolcher Ehe in Wolluſt over
Hoffart begebe / wie Lucifer thaͤte.
10. Und ob es geſchicht / daß der Seelen dieſe edle Rahel oder
Sophia zur Ehe gegeben wird / wie es denn den ſtandhafften
Kindern Chriſti geſchiehet / daß die Seele dieſe groſſe —
orte
1
Cap. 57. babe 14. Jahr gedienetiie. 535
hochzeit mit diefer Braut halt/ welches allein dieſe verſtehen /
welche bey diefer Hochzeit feind Gaſt gewefen / fo ſtellet fich noch
wohl hernach die edle Sophia / als ware fie unfruchtbar / Die
Höchzeitliche Freude vergehet/ und der Seelen ift / als ware ihr
die Siebe diefer Braut genommen.
1x. Indeſſen bricht Sean unterm Creutz Ehriftiherfür / und
bringet Frucht /das ift fo viel gefaget / wenn die Seele den Geiſt
Chriſti einpfaͤhet / fo gehet diegroffe Freude dieſer Vermaͤhlung
an / davon Chriſtus ſagte: Es wird Freude ſeyn im Himmel
uͤber einen Suͤnder der Buſſe thut / mehr als über 99. Gerechte /
die dieſer Buſſe nicht beduͤrffen.
12. Denn das iſt die Hochzeit des Lammes / daß GOtt und
Menſch vermaͤhlet / und Ehriſtus gebohren wird / alsdenn ſte⸗
het er in unſerer armen und einfaͤltigen Geſtalt in unſerm in
wendigften Grunde/ und verbirget feine groffe Suͤſſigkeit /
welche vie Seele in der Bermählung hat geſchmaͤcket / und decket
fie mit feinem Creutz zu / ſo muß die arme Seele derweil die
bloͤde Leam / als die Gedult / nehmen / und mit ihr in Chriſti
Weinberge Frucht wuͤrcken.
13. Es komt auch wohl / daß die Seele bey dieſer Lea ſtrau⸗
chelt / alsdenn fo wird dieſe Rahel im inwendigen Grunde der
Seelen frembde / fie ſtellet ſich fremode gegen ihr / wie Nabel
gegen Jacob / als ſie zu ihm ſagte: Scharfe mir Kinder oder
ich) ſterbe: Alſo ſaget auch wohl die edle Sophia zur Secelen/
würde in meiner Liebe-Begierde göttlihe Früchte, over ich
weiche von dir/ da doch die Seele in eigenem Vermoͤgen ſolches
nicht thun kan.
14. Dieſes geſchiehet aber darum / auff daß ſich die Seele
deſto hefftiger zun Gebet wendet und GO TTum goͤttliche
Wuͤrckung goͤttlicher Früchte bittet wie Jacob GOtt bath / dag
Rahel fruchtbar ward) und ihm den Joſeph und Fuͤrſten
über gang Egyptenland gebahr / welcher fie in der Theurung
ernaͤhrete.
x5. Alſo auch wenn ſich die edle Sophia gegen der Seelen
unfruchtbar ſtellet / als koͤnte fie nicht Gottes Krafft Inder See⸗
len gebaͤhren / und aber die Seele in Gedult zu GoOtt flehet /
daß doch der in ihr wolte wuͤrcken und ſie ſeegnen / davon ſich
offte die Seele in ſo groſſe Buſſe einwendet und in GOttes Er⸗
barmen einwirffet / biß dieſe edle Sophia beweglich / fruchtbar
und ſchwanger wird / ſo gebiehret ſie gewiß den rechten Joſeph /
als eine demuͤhtige / keuſche und ir Seele / welche hernach
4 ein
„6 Wie Jacob dem Laban Cap. 57.
ein Sürftüber das Egyptiſche Haus in Fleiſch und Blut wird :
in welchem Hauſe der Pharao wohnet / als der thieriſche Geiſt /
uͤber denſelben wird dieſer Joſeph zum Regenten und Stadt⸗
halter geſetzet / und wird ein Regent der Vernunfft / und regie⸗
act dieſe be init Joſephs / als mit Gottes Geiſt.
16. Dieſes iſt alſo an einem Theil die Geiſtliche Figur beym
Jacob / damit der Geiſt ſpielet auff das zukuͤnfftige Reich Chriſti /
aa er alsdenn / nun jetzo mit der Erfüllung / alſo in den Kindern
Chriſti mit ſpielet / und ſie noch immerdar alſo führer.
17. Wir ſehen aber fuͤrnemlich in dieſer Figur die Weege
Gottes; wie Gottes Sinn viel anderſt iſt als der Menſchen:
Was der Menſch liebet / darinnen verbirget ſic Gott: Denn
ähm gefaͤllet wohl / was vor ver Welt alber und verachtet iſt /
was allein ihm anhanget und ihn fuͤrchtet.
. Jacob liebete die ſchoͤne Rahel und begehrete derſelben:
Aber die Vundes Linea, in welcher ſolte Chriſtus gebohren
werden / wolte nicht auſſ Rahel dringen / ſondern auff Lea / auch
konte Rahel nicht ſchwanger werden / biß dag Lea hatte die Wurt⸗
zel oder Linea des Königlichen Prieſterthums und Fuͤrſten⸗
syums gebohren / als den Levi und Juda.
19. Denn auß Levi Fam das Prieſterthum / und auß Juda
das Scepter des Koͤnigreichs / und der Fuͤrſt Chriſtus nach der
Menſchheit / anzudeuten / das Chriſtus alleine in denen Men⸗
ſchen wolle offenbahr und gebohren werden / und fein Prieſter⸗
thum des H. Geiſtes in ihnen ſuͤhret und wuͤrcket / welche von
der eigenen Liebe und Fleiſches Wolluſt außgehen / und ror der
Welt bloͤde / alber / und verachtet ſind / welche ſich zu ſolchen
Ehren duͤncken unwuͤrdig ſeyn / und ſich folcher göttlichen
Wuͤrckung nicht fuͤr Eigenthum annehmen und damit ſtoltziren /
wie die ſtoltzen Phariſeer thaͤten und noch thun.
20. Denn dieſe Lea begehrete allein dem Jacob Kinder zu ge⸗
baͤhren / daß fie ihme möchte angenehm werden / weil ſte ſonſt
wegen ihrer Bloͤdigkeit verſchmaͤhet ward: Alſo auch begehren
Die wahren Kinder Gottes / nur darum in Goͤttlicher Krafft mit
lehren / und einfaͤltigen Leben in den Weegen Gottes zu wan⸗
deln / daß ſie GOtt gefallen und ihme dienen mögen.
ze. Und ſehen abermahl allhier bey Jacobs Saamen / daß
die Linea Chriſti ſich nicht hat wollen in ſeinem erſten Saamen
offenbahren bey ver Lea / daß Chriſtus nicht in menſchlicher
Wolluſt oder Geilheit des Fleiſches Luſt offenbahr werde: Deut
erſtlich gebahr Lea den Ruben / welcher ſeines Vatters Fe
us
Cap. 57. habe 14. Sahrgedimetiic. 537
beſudelte / anzudeuten / das diefe Wurtzel noch von Menſchen
Luſt entſproſſen ſey.
22. Als aber Sea unwillig ward / wegen deß daß fe veracht
ward / und gerne waͤre auß der Verachtung kommen / fo gebahr
ſie den Simeon / welcher ein ſcharfſes Gemuͤhte fuͤhret / von
welchem Jacob ſagte als er ſterben ſolte / da er von allen ſeinen
Kindern weiſſagete / was fuͤr eine Wurtzel ein jeder war; Die
Bruͤder Simeon und Levi: Ihre Schwerder find moͤrderiſche
Waͤffen / meine Seele komme nicht in ihren Raht / und meine
Ehre ſey nicht in ihren Kirchen / anzudeuten / daß er auß der
EyferLinea entſproſſen ſey / da Lea eyferte / daß fie alſo un⸗
wehrt geachtet ward / wie ſie denn ſagte; Der Herr hat gehoͤrt /
dag ich fo unwehrt bin / und hat mir dieſen auch gegeben.
23. Als fie aber in ihrem Eyfer zum Herren rieff um Erret⸗
tung auf der Verachtung / fo ward fie ſchwanger ımd gebahr
den $evi/ als die Wurtzel des Levitiſchen Prieſterthums / ein
Fuͤrbilde des Reichs Ehrifti: Denn ſie rieff zu GOtt / daß fich
ihr Mann wieder im Liebe zu ihr thaͤte / wie fie denn alfo fagte :
Nun wird fih mein Mann wieder zu mir thun / anzudenten /
das fih GOtt mit dem Levitiſchen Prieſterthum in einem Fuͤr⸗
bilde wuͤrde wieder zu den Menſchen thun / und in einem Fuͤr⸗
bilde vom Reiche des Paradeiſes / wieder unter ihnen wohnen /
wie beym Moyſes alſo geſchaht.
24. Aber der Geiſt GOttes ſagte durch Jacob als er ſterben
ſolte: Meine Ehre ſey nicht in ihrer Kirche; das iſt / ſie ſeynd
moͤrderiſchen Cainiſchen Gemuͤhtes / und dienen mir nur in
einer Figur auff das kuͤnfftige Reich Chriſti: Aber der Geiſt
meiner Siebe ind Gnade iſt nicht bey ihnen in ihren Opffern und
Gotteszdienften/ welche Siebe und Gnade er feine Ehre nennete /
welche er wolte durch die Lineam Auda in Chriſto offenbahren.
25. Welche Ehre war / daß erfolte den Zod zerbrechen und
die Hoͤle zerſtoͤren / und dem Teuffelfeinen Stuhl im Menfchen
nehmen: Diefes hieß der Heilige Geiſt feine Ehre / und die ware
sicht imLevitiſchen Prieſterthum / noch unter den Titul⸗Prieſtern
mit ihren Kirchen; ſondern als Lea ihren Willen gang in GOt⸗
tes Willen eingab und ſprach: Nun wil ich dem Herren danc⸗
fen / der mich von der Schmach des Teuffels und der Welt er⸗
loͤſet hat / ſo gebahr ſte den Juda als die Lineam Chriſti.
26. So ſpricht nun allhie der Geiſt gantz heimlich und ver⸗
deckt / und fie Hörer auff Rinder zu gebaͤhren / anzudeuten /
Ba Chriſtus der letzte wire] — des Levitiſchen a
> 5 Ende
38 Wie Jacob dem Laban Gap. 57.
Ende und Erfüllung ſey / darunter der Geiſt andeutet / daß
man Chriſtum nicht wuͤrde in der Prieſter Kirchen / Geſetzen
und praͤchtigen Ordnungen finden / er wuͤrde in ihren Kirchen /
mit feiner Ehre des Sieges nicht wohnen / umd fich nicht laſſen
nit feiner Ehre an Steinyäufer binden / da mangleisnerifchen
Schein treiber / und aber nur mörderifche flolge Herken innen
hat / und mitden Mordfchwerden des Levi einander mit Wor⸗
ten toͤdtet und verachket.
27. Sondern in des Menſchen Seelen / damandem Herzen
in groffer Demuth dancket und lobet / wie die Lea / als fie Ju—
dam die Lineam Chriſti gebahr / thaͤte / da wil er wohnen / und
mit nichten in dem Raht dieſer Prieſter und Leviten / die Titul⸗
Prieſter ſeynd / welche nur glaͤntzende Weege tichten zu ihren
Ehren und Wolluͤſten / und aber des rechten Dancks in der De-
muth vergeſſen / und ſich nur ſelber lieben und ehren / und alſo
ihrem gedichteten Ambte die Ehre anthun / welche allein Gott
und der Liebe des Naͤchſten in groſſer Demuth gehoͤret.
28. Bey dieſer Figur ſehen wir klar / wie ſich GOtt nicht in
der fleiſchlichen eigenen Liebe wil offenbahren: Denn Jacob hat⸗
te Rahel lieber als Lea / und begehrte auch nur Rahel im Anfan⸗
ge: Aber fein Saame muſte bey ihr verſchloſſen bleiben / bi
fich Rahel vor GOtt demuͤhtigte / und Jacob für fie bath : auch
anzudeuten / daß Gott nicht in unferer eigenen Liebe würden wil /
in deme wir uns unter einander nach fleiſchlicher Luſt / und nach
weltlichen Ehren und Reichthum lieben und ehren / da fich die
Menſchen zuſammen fügen/ und einander lichen nach ihren
hohen Standen / Reichthum / Herrligkeit / Schönheit und Wol⸗
luſt dieſer Welt.
29. Sondern EHttes Geiſt fordert eine demuͤhtige getreut
Siebe / dadie Seele in GOtt gelaffen ift / und nicht eigen Wol⸗
luſt und eigen Liebe ſuchet / ſondern da fie auffdie Weege Gottes
fichet / und fich zu demuͤhtigen Kindern thut / welche Gott lieben
und ihme fräts danken ; allda offenbahret fich Gott und wuͤrcket
in ihnen / dag fie vem HERRNR Frucht gebähren.
30. Erftlich dienete Jacob fieben Jahr um Rahel / welche er
ihme hatte felber erfohren in eigener Siebe / aber fie ward ihme
nicht gegeben / um den Dienft der erften fieben Jahr / fondern
Lea ward ihme unwiſſentlich dafür zugeleget : Jacob begehrete
Rahel zu einem Lohn für feinen Dienſt: Weil aber der Bund
des Herꝛen in der Linea Chriſti in ihme lag / fo empfieng er von
ehe den geiſtlichen Lohn der Gnaden Gottes.
31. Denn
Cap. 57. habe 14. Jahr gedienetlse. 539
31. Denn Ehriftus ift der Sohn der Kinder Gottes / war
fie ihrem Herrn um weltlihen Sohn dienen müffen/ fo lohnet
ihnen erfilih GOtt mitfeinem Gnaden-bunde: hernach fo
empfahen Ite auch den zeitlichen Sohn: Wie Saraberftlich mu⸗
fie die Gabe GOttes / wie es GOtt mit ihme ſchickete / anneh⸗
men) ob es der Vernunfft wohl übel eingieng / hernach em⸗
pfieng er auch den Lohn nach feinem Willen / um welchener ans
dere fieben Jahr dienen muſte.
32. Welche fieben Jahr im innern Grunde indiefer Figur
andeuten die ſieben Eigenfijafften des natürlichen $ebens / wel⸗
che fie muͤſſen GOtt zum Dienfte begeben / in welche ih GOtt
felber zu einem Lohne in mitwürckender Kraft eingiebet / da die
fieben Sebens=geftälte erftlich dem Herzen helffen eine geiftliche
Figur und Bildnuͤß gebähren/ und die Lineam Chrifti offen»
bahren/ hernach fo eröffnet diefelbe geiftliche Form auch Die
natürliche Form / undgebähret einen Fürften in das natürliche
geben / in welchem GOtt würder/ und durch welchen er die
Welt regieret / wiebey Jacob zu ſehen iſt.
33. Sieben Jahr dienete er um Rahel / aber weil er GOtt
fuͤrchtete / fo ward ihme erſtlich der Göttliche Sohn / als die Li-
nea Chriſti gegeben: Hernach ſeegnete GOtt auch die menſch⸗
liche eigene Liebe nach dem Reiche der Natur in ihme / daß er
mit Rahel / welche er hatte in natürliche eigene Liebe gefaſſet /
einen Fürften und weifen Mann zeugete/ als den Joſeph /
durch welchen der Geiſt Gottes richtete / und ihn zum Herren
machete.
34. Und ftellet uns diefe Figur für/ dag erſtlich Chriftus
ſolli in uns gebohren werden / alsdenn ſo gebiehret auch Chriſtus
in uns den natuͤrlichen Menſchen mit Verſtand und Weißheit /
und ordnet ihn zu feinem Dienſte im Reiche ver Natur / und
auch im Reiche der Gnaden / wieden Joſeph.
540 Wie Gott Jacob bey Laban mit Cap. 58.
Das 58. Capittel.
Wie Jacob dem Laban ſeinem Schwaͤher Vatter ha⸗
be 20. Jahr gedienet / und 12. Soͤhne und eine Toch⸗
ter gezeuget / und wie ihm Gott geſeegnet / daß er ha⸗
be groß Reiehthum bekommen | und wie ihme Laban
oͤffters habe feinen Sohn verändert | und doch nicht
ſchaden moͤgen / was darben zuverſtehen ſey.
Genef. 30.
7 N diefer Hiftorien fehen wir fürnemlich / mic es
A den Kindern Gottes indiefer Welt gehet/ wie fie
m müffenincitel Creutz und Wiederwertigkeit leben /
Qy wie Jaceb mit feinen Weibern: Denn als
XRahel ſahe/ / Daß fie unfruchtbar wat | fo
neidete fie Leam ihre Schweſter / anzudeuten / daß die eigene
Ziebe des Menſchen nicht Gottes Ehre ſuchet / ſondern nur ſich
ſelber / wie denn Rahel Leam neidete / daß ſte einen Namen hat⸗
ge) daß fie Gott geſeegnet hätte — Jacob ſprach: ſchaffe
mir auch Kinder / wo nicht ſo ſterbe ich.
2. Da wir denn ſehen / wie der Vernunfft die Weege Got⸗
tes gantz verborgen ſeynd / und ob ſie gleich in der Figur der
goͤttlichen Wunder ſtehet / wie allhie Rahel / welche allhie an⸗
deutet die adamiſche eigene Natur / die begehrete von Jacob
Die Lebens⸗krafft auß dem Seegen GOttes / und wo ſie dieſelbe
nicht kriegte / ſo muͤſte ſie ſterben; welches der Eyfer-geiſt in
ihrer Begierde zwar wohl andeutete nach ihrem inwendigen
Grunde im Bunde Gottes / aber ihre Vernunfft verſtund das
nicht / ſondern begehrete nur Kinder / auff daß ſie von der
Schmach erloͤſet würde: Aber ihr inwendiger Grund ſtund ver⸗
dorgen und faͤhnete ſich durch die Menſchliche Natur in Menſch⸗
licher Eſſentz zu offenbahren: Darum deutete der inwendige
Grund im Gnaden-Bunde / durch ihre eigene adamifche Eſſentz
an / daß wo derſelbe inwendige Grund nicht durch die menſch—
licht Eſſentz offenbahr wuͤrde / ſo muͤſte ſte ewig ſterben: Darum
fprach die Vernunfft: Schaffe mir Kinder / oder ich ſterbe: wel⸗
thes aͤuſſerlich ſcheinet ein Widerwille und Unmuth zu ſeyn: Aber
Ber Geiſt Gottes hat allyier ſeine Figur / darunter er deutet.
3. Und denn ſehen wir an dieſen beyden Schweflern / u
do
C.5 8. Kindern mi Reichthumb gefergnet. gar
Doch Töchter des Bundes GOttes in der Verheiffung waren /
wie Sich der Schlangen Gift in Grimme GOttes im Fleiſche
und Blute/fo heiftig wider Die Lineam Ehrifti im Bunde ge>
feget/ und diefelbe immerdar verfehmähet/und fich alsein ſtoltzer
$ucifer / der vernünftigen menfchlichen Eigenheit des eige-
nen Willens erhebet und eupor fihwinget / und wil das Regi⸗
‚ment haben,
4. Wie allbie Rahel ihre Schwefter verachtet / daß fie von
auffen fchöner war als Lea / indehme Lea vor der Welt einfültig
and blöde war [und Rahel aber ven Welt-Geift in der Ver
nunfft in Zierheit hatte) fo regierte die Adamiſche Natur in
Rahel uͤber den geoffenbahrten Seegen des Bundes in Sen ; an=
zudeuten: Daß die Linea Ehrifti in diefer Welt würde in al-
berer einfältiger und verachteter Geftalt in folchen dergleichen
Menfhen offenbahr werden. | {
5. Welche Menfchenvonder Welt Vernunft / Pracht und
Schönheit nur würden für Narren und blöde geachtet werden /
welche in ſolchem Spott und Verfhmähung zwar wuͤrden da⸗
hin gehen und mit Thraͤnen ſaͤen / würden aber in ihrem inwen⸗
digen Grunde in der Linea Chrifti gebähren / und endlich mit
Freuden ernden: Anzudeuten / daßz Chriſti Neich nicht von diefer
Welt fen / dag es in dieſer Welt müffe in GOttes Zorn und
Verſchmaͤhung / und in Zodeingeworffen werden / und mit fols
her Einwerffung den Zorn GOttes mit Liebe und Ganfft-
mu th erfüllen / und mit der Siebe durch den Zorn und Tod herfür
grünen / und den folgen Lucifer in menfplichen eigenen Willen
und Fleiſches⸗Luſt zu Spott und zunichte machen] als ein unbe⸗
ſtaͤndiges Leben / welches geben die Göttliche Demuth nicht kan
überwältiaen.
6. Welche Demuth unter allem Spott grünet/ und auch
durch den Tod und Zorn GOttes durchbricht / und den Tod zum
schen machet/ und der Hoͤllen ipren Sieg nimt / undden Stachel
der falfchen Schlangen⸗ Eſſentz mitder füffen Siebe verwandelt /
wie wir allhie bey der Sea ſehen / ob fie gleich von ihrer Schweſter /
als von der Vernunfft geneidet ward / ſo gruͤnete doch in ihr die
Linea Chriſti im Bunde aus unter allem Spotte / und machete
fie fruchtbahr / und Rahel unfruchtbahr / big ſie ihre Magd ih⸗
‚rem Manne zum Weibe gab; welches andeutet die Adamiſche /
als knechtiſche Linea, welche in Chriſti Reiche in Knechts-weiſe
zur Ehligung der Lineæ Chriſti komt.
7. Denn Adam hat die Lineam verſchertzet / das Natur-⸗Recht
37 im
\
542 Wie Gott Jacob bey Laban mit C.58.
im Reiche GOttes ift in Adam vorlohren worden/und komt nun
in Knechts-weife wieder zur Ehligung/wie die Maͤgde der Wei—⸗
"ber Tacobs/ da wir denn ſehen / daß Rahel als das Rechteigener
Natur nicht mochte Frucht bringen oder würden / biß die Linea
der Dienftbarkeit unter dem Joche der Adamifchen Natur ver
eigenen Siebe /von che fruchtbahr ward : Anzudeuten daß fich
die menfihliche Natır muß zum Dienfte unter die Lineam
Chriſti begeben / wil fie inder Linea Ehrifti gechliget und zum
Erben Gottes eingefeget werden.
8. Alsdenn grünet erft das Reich der Natur in GOttes
Reich aus / und wird im Seegen fruchtbahr / gleich wie Rahel
erft fruchtbahr ward / als ihre Magd hatte gebohren: An-
zıdeuten / daß Rahel auch muſte eine Magd vorm Bunde GOt⸗
res und Chriſti Linea ſeyn / und dag in ihr die Linea Chriſti
auch ihr Herr ſey / dag fleauch in Magds-weife zur Ehligung
der Linez Ehrifti kommen / daß fie die Lineam Ehriftinicht in
eigener Gewalt) im Natur⸗Recht in ihr gehabt / fondernals ein
Genaden⸗Geſchencke / dasineinemanderen Principio ſtehe.
9. Und deutet hierumter an/ wie die Linea Chriſti nicht in
anenfchlicher eigenen Macht fortgepflanket werde / fondern daß
fie felber in ihre Zweige eindringe / und nicht angefehen werde
Ber hohe Name / oder die Stamme der Menfchen / fondern drin
get fo bald auff die Elenvdeften in der Welt / welchenur Knechte
und Mägde fennd /als auffdie Hohen.
10. Wie wir deffen cin gewaltig Erempelan Jacob haben /
welcher muſte 20. Jahr Bienftbahr feyn als ein Knecht / big durch
ihn die 12. Stämme Jfraclis gezeuget worden: Anzudeuten /
Dasein Chriſt mäffe unter dem dienftbahren Joche der verderb⸗
ten) ſelb⸗herrſchenden / tigen-willigen Adamifchen Natur geboh>
ren werden 5 foller aber als ein Chriſt aus Ehrifti Linea geboh-
zen werden / fo muß fich der Gebahrer zum Knechte GOttes be=
geben / ud im Neiche der Natur / nur als ein Diener GOttes
ſeyn / welcher in feinem Hertzen alles zeitliche verläffet/ und
nichts für eigen achtet) ſondern fich in feinem Stande nur als ei⸗
nen Diener achtet / der feinem Herrn darinnen dienef.
11. Gleich wie Jacob unter folchem Dienfte die Stämme
Sfraclis zeugete / anzudeuten / dag fie in diefer Welt folten
frembde Gäfte feyn / und GOtt ihrem HErrn im Reiche der
Natur darinnen dienen / welcher ihnen den Lohn würde felber
ſtimmen /daf fie würden mit groffem Guthe aus diefer Welt
ins Reich Chriſti / als in ihr erftes Adamiſches Pr
Batter⸗
E. 58. Kindern un Reichthumb geſeegnet. 543
Batterland eingehen / wie Jacob unter feinem Dienſte feines
Schwaͤhers Guth mit groffem Seegen erlangete.
Diefe innere geiftliche Figur ſtehet alſo:
12. Als Adam war gefallen / fo muſte er ausdem Paradeife
ausgehen / und fich zum Dienfte unter Den Spiritum Mundi im
Heiche dieſer Welt begeben/und dem Geftirn und den 4. Elemen⸗
ten unferthan werden / und ihnen in ihrem Reiche dienen / und
ihre Kinder als die Creaturen diefer Welt pflegen / wie vor Aus
gen ift.
13. Als er aber aus dem Paradeiß mufte aufgehen / wie Ja⸗
cob aus feines Vatters Haufe / fo begegnete ihm der HErr / und
zeiget ihm durch den Weibes-Saamen und Schlangen »tretter
wieder den Eingang ins Paradeiß / gleich wie er denſelben auch
Jacob mit der Liter / welche biß an den Himmel reichete / zeigete.
14. Und als Adam war aus dem Paradeiß gegangen / ſo muſte
er ſich nun unter ein frembdes Joch zum Dienſte begeben / und
den Reiche der Natur in feinen Wunderen dienen / und der Na⸗
tur Kinder pflegen / welches Reich der Natur ihn im Fall war
frembde worden / in dehm esihnnun mir Zwang hielt /auch mie
Hitze / Kälte) Krandpeit und Wehethunplagete / und in fich ge>
fangen hielt/und zu feinem Dienfte brauchete/ welches zuvor war
fein befter Freund und Groß-Batter gewefen.
15. Gleich wie Jacob in dieſerFigur muſte zu feinem Freumd/
feiner Mutter Bruder flichen / und ihme dienen / welcher ihn als
einen Knecht / und doch auch als einen Eydanı hielt / wegen feiner
Zöchter : Alfo auch mufte Adam unter dem dienftbahren Zoch
feines Groß-Battern/alsdem Reiche der Natur dienen/welches
Reich ihme feine Töchter zum Weibe gab/ aus dehnen er die
Kinder GOttes im Sergen GOttes / unter folhem Joch zeu⸗
gete / und feine Kinder auch darftellete / als dienftbahre Knechte
in feines Batters Haufei/ als ins Neich diefer Welt.
16, Und wie nunJacob im Seegen GOttes groffes Guth ge⸗
wann / und ſeines Herrn Guth mit Liſt an ſich brachte / in dehm er
Die Liſt mit dem Halb-gefchelleten Staͤben / uͤber den Tranck⸗ rinnen
brauchete / davon die Schafe truncken / und daruͤber empfiengen /
und auch bunte Schafe brachten : Alſo auch imgleichen / als Adam
war unter das dienſtbahre Joch des Reichs der Natur kommen /
darinnen auch des Teufels Neid ungift herrſchete nach dem Reiche
des Grimmes / fo zeigete ihme Gott / wie er das Reich der Natur/
als die Wuͤrckung der Natur mit ihren Wundern mit Liſt F ſich
rin⸗
544 Wie Bott Jacob bey Laban mit E58.
bringen ſollte / und ihme die Rräffte ver Natur zum ewigen Eis
sentpyumb machen / Bag ihme feine Wercke /welche erim Reiche
Der Natur würdete/ muſten in fein ewiges DBatterland nachfols
gen / und fein eigen werden. *
17. Welche Liſt war dieſes / welche ihm GOtt zeigete / als der
Schlangen⸗tretter / welchen Adam im Bunde anzog / welcher das
Reich der Natur von uns Menſchen an ſich zug / und mit Goͤtt⸗
Ficher Liſt unſerm Heran als dem Neiche des Zorns GOttes / der
uns gefangen hielt unter feinem Joche /feine Krafft und Ge=
walt nahm / und alle menfchliche Krafft an fich zog / und dem
Herin / als den Reiche der Natur / eigenen Gewalt entzog / wie
Jacob feinem Herin feine Güther.
28. Und wie ver Geift GOttes dem Jacob im Geſichte zeige⸗
te / wie die Boͤcke auff die fprenglichten und bunten Schafe und
Ziegen fprangen: Alfo auch ward Adam im Geifte des Bundes
Der Verheiffung gegeiget/ wieder Geift der Genaden im Bun⸗
De / auff die bunte menschliche Natur Fame und fie ſeegnete / dag
fiedes Beiftes im Bunde ſchwanger wurden.
9. Welche menfhliche bunte Natur anders nichts ift als
Die halb irrdiſche verderbte / und wieder im Bunde neu⸗gebohrne
himmlische Natur / über diefe kam der Geiſt GOttes nach dem
himmliſchen Theil/ und machte fie fruchtbahr / Daß fie unter dem
irrdiſchen Joche /die Kräffteder Natur in Göttlicher Gewalt in
das himmliſche einzogen: Alfo ward dem Herin/ als dem Reiche
der Natur fein Guth entwandt / und zoge es der him̃liſche Menſch
in Bunde mit Goͤttlicher Witze und Liſt an ſich / und zog darmit
von feinem Herrn / als dem Reiche der aͤuſſern Natur aus / wie⸗
er in feines Battern Haus als ins Paradeiß / wie Jacob in
feines Battern Haus.
Die Figur ftehet gruͤndlich alfo :
20, In Adam lag das Neichder Natur in der Temperatur,
als alle Eigenſchafften in gleichem Gewichte sale aber Der fees
liſche Wille mis der Luſt indie Schiedfigkeiteingieng / ſo wach⸗
tendie Gigenfchefften auff / und zertrannte fich Die Temperatur,
ſo ward die Schiedligkeit fein Herr /und hielt den Willen ge=
fangen als einen Knecht / der nun dieſem Herrn dienenmufte,
21. Als aber GOtt feine Genade mit dem Bunde der Liebe
wieder darein fprach / fo zog der innere eingeſprochene Genaden⸗
Grund das Reich der Natur mit feinen Wundern an ſich / und
Pike
E58. Kindern un Reichthumb geſecgnet. 543
entwandte ihme den Reichthumb und eigene Macht/und führete
ihn mit dem innern neuen Menſchen wieder in das Paradeiß.
22. Denn der Reichthumb des natürlichen Auffern ſterblichen
Menſchens / in dem er die Wunder GOttes durch feine Ubung
herfuͤr bringet / gehoͤret nicht dem auſſern Reicht der Natur zum
Eigenthumb / ſondern dem innern geiſtlichen neuen Menſchen
aus Chriſto gebohren / derſelbe ſoll dieſe Wunder an ſich ziehen /
und zu ewiger Beſchauligkeit der Wunder GOttes mit ſich
nehmen.
23. Wenn der Leib der aͤuſſern Natur hinfaͤllt / ſo ſollen dem
neuen ſeine Wercke nachfolgen / als ein Schatz / welchen er durch
Goͤttliche Witz und Liſt hat an ſich gezogen / und dem boͤſen Ada⸗
miſchen Natur: Haufe des eigenen Regiments entzogen / wie
Jacob welcher in der Figur des neuen geiftlihen Menſchens
ſtund / mit dem der Geift GOttes im Fürbilde fpielete auff das
Fünfftige Reich Ehrifti / wie Chriſtus würde alle Güther dieſer
Welt und allen Reichthumb der Macht der Natur im geform⸗
ten aufgefprochenem Worte GOttes unter feiner Dienfibar-
keit /in dent er fich zum Knechte GOttes im Reiche der Natur
einbegab/an fich ziehen / und fich zum Herrn darüber machen /
und mitin fein ewiges Reich in unferer angenorienen Menſch⸗
heit einführen/und endlich am Ende der Tage tiefer Melt offene
bahren / und uns in unfers erſten Batters Haufe wieder geben.
24. Alfo follen wir mit nichten dieſe Figur beym Jacob irr⸗
diſch anſehen / als ob GOTT haͤtte ven Jacob heiffen feinen
Schwaͤhervatter mit Liſt betriegen und das ſeine entwenden /
als haͤtte GOtt gefallen ans Menſchen natuͤrlicher falſchen Liſt:
Nein / es wird die geiſtliche Liſt in der Figur dargeſtellet / wie wir
den ungerechten Mammon im Reiche Chriſti ſollen erlangen /
welchen wir nicht zum Natur⸗Recht haben / aber durch Goͤttliche
Wise erlangen / fo leydet alsdenn das Himmelreich Gewalt;
und die Gewalt thun / die reiffen es zu fich mit folher Witze der
ee Scieng / wie Jacob in der Figur vom Reiche Chrifti
thaͤte.
25. Und wird den Juden / welche ſich mit dieſer Figur in ih⸗
zer Liſt und irrdiſchen Trug behelffen / angedeutet / daß dieſe Liſt
beym Jacob eine geiſtliche Figur przfiguriret / und mit nichten
ihre Falſchheit zudecket.
26. Denn der da ſagte / laß dich nicht geluͤſten deſſen / was dei⸗
Naͤchſten iſt / der hat allen aͤuſſerlichen gift und Trug verbotten;:
Aber in den Stamm⸗Linien hat der Geiſt GOttes 9 *
sie
516 Wie Gott Jacob bey Laban mit E58.
Neiche Ehrifti alſo in der Figur auff ven inmwendigen Grund
des neuen Menſchens / mit einer äufferlihen Figur gedeutet umd
gefpielet.
27. Wie beym Iſmael / Abrahams erften Sohn / welchem
auch die Büther entzogen wurden / anzudeuten / daß jlenicht X =
dam inder Berderbnüß gehöreten/ fondern Chrifto/ als dem an⸗
dern Adam / welcher fie mit Göttlicher Wis und Liſt vom Reiche
des Zorns GOttes im Menfchen nahm / da er fich mufte von che
dem Zorn GOttes unterwerffen/ und in angenonmmener menſch⸗
licher Natur dienen / und entzog ihme aber alfo die Güther / und
nahm ihm alle fein Guth; und das ift dieſe Figur beyin Jacob
andeutend.
28. Eine gantz wunderbahrliche Figur ſtellet der Geiſt beym
Jacob dar / wie ihm Laban habe feinen Sohn zehen mahl veraͤn⸗
dert / und doch nicht mögen Schaden thun / anzudeuten / wie es
GoOttes Kindern in dieſem Dienſte gehe / in dehme fe unter dem
Soc der Natur ſollen die Guͤther des Reichs der Natur an die
Göttliche Witz / an dem innern neuen Menfhen anzichen/ fo
komt dein Menfchen folche groffe Enderung in fein Fürhaben/
dag / wenn er ihm jest hat einen Weeg fürgenommen dehn er
wandeln wil/ fo kommt der Zeuffel mit feinem Neide/ und verhin⸗
dert ihme fein Fürhaben durch böfe Menfchen / daß es nicht forte
gehet/ wie den Jacob / wenn er dachte die ſcheckichte Schafe und
Ziegen follen dein Lohn feyn / fo wandte ihm fein Herz ven
Sohn umb.
29. Alfo auch gehet es GOttes Kindern inihrer Arbeit/wenn
fie dencken / da wirſt du GOttes Seegen ernden : Item / da wirft
Du GOttes Kinder antreffen / mit dehnen du kanſt würden und
Frucht bringen / da wilſt du Gutes thun / und diß Werck in
Deine Glaubens-Begierde einfaſſen / daß dir das nachfolge/ ſo
werden ihme allenthalben feine Werck und Fuͤrhaben zerbro—
chen / daß es ihme gar nicht gehet nach ſeinem Meynen und Wol⸗
len: Er muß ſich nur GOtt vertrauen / wie Jacob / fo kan ihm
Fein Feind ſchaden thun; und ob es gleich ſcheinet zu ſeyn / als ge⸗
ſchehe ihme Schaden / und waͤren ſeine Wercke vergeblich / ſo
wuͤrcken ſie doch Frucht der Vernunfft unfaßlich / und zeucht der
Menſch endlich mit groſſem Guth aus dem Reiche dieſer Welt
wieder in ſein Vatterland / wie Jacob.
30. Denn die Schrifft ſaget: Die Wercke der Kinder GOt⸗
tes folgen dem Blauben nach / fie nehmen ſie mit / fie ſeynd des
Glaubens Lohn; Der Glaube nimmet Chriſtum in ſich —
2
E58. Kindern ui Reichthumb gefeegnet. 547
Chriftus nimt des Glaubens Wer mit ſich: Alfozeucht ein
wahrer Eprift mit groffem Guth wieder in fein Vatterland
heim / welches er mit (einer Glaubens Begierde har in die Hoff:
nung eingeführet.
32. Welche Hoffnung ihme GoOtt in Chriſto mit him̃liſchen
Ente erfüllet/ und feine Wercke der Natur hiemit auch annim̃t /
und an fich zeucht zu einen ewigen Schn welcher ift Chriftus
mit dem außgeſprochenen Worte / als dem Reiche der Natur /
darinnen des Menfhen Wunder und Weſen innen liegen / bes
halten zum groffen Scheidetag Gottes / da ein jeder wird einerne
den / was er allhie aufgefüet hat.
32. Wenn wir diefe Hiftorien recht anfehen und betrachten /
wie Gott das Reich Iſraelis habe mit einem Dienfibahren Schafe
hirten angefangen / und vor allen gewaltigen Reichen auff Er—
den big in Ewigkeit erhönet/ und betrachten /wie die 12. Staͤme
Ifraelis find unter einem dienftbahren Joche in Knechts-weiſe
gezeuget worden / auß welchem Stamm Eoriftus nad) der
Menſchheit reolte gebohren werden ; So fehen wir/ dap aller
Welt Hochheit / auch alle Kunft und Witz ver Natur vor GOtt
wie naͤrriſch ift / damit die Menfchen doch alfo prangen/ und hale
gen ihre weltliche Ubung / und ihre hohe Stände vor groß Ding /
und find doch vor GOtt noch lange nicht einem frommen Schaf⸗
hirten gleich. x
33. Ein Schaf-hirt / in dehm Gottes Geift würdet der iſt
vor GOtt hoͤher geachtet / als der allerweifefte und Gewaltigfie
in eigener Wiß / ohne Göttliche Regierung; und fehen gar eben/
wie Gott fein Reich in den albern niedrigen und unanfehnlichen
Menfchen anfähet / welche vor der Welt nichts geachtet ſeynd /
und nurden Hirten gleich gelten vor Menſchen Augen; Wie
ihme denn auch Chriftus nur folcye Apoſtel erwaͤhlete / welche nur
arme geringe unachtbare Leute waren / durch welche er das Reich
Iſraelis in Goͤttlicher Krafft offenbahrete.
34. Wo ſind die Hochgelehrten und Weltweifen ? Item / wo
ſind die gewaltige Heran / die das Albere verachten ? wo bleibet
ihre Macht} Kunſt und Wise? Sie müffen alle miteiander in
Staub / und hierunter zur Einfalt folder Schaf-hir ten Forms
men / und ihr Herk indie Dienfibarfeit unter Chrifti Joch beu>
gen/ wollen fie dieſer Schaf-hirten Sinie theilhafftig werden :
3a / ſie muͤſſen werden als die Mägde der ABeiber Jacobs /wols
Ion fie gu diefer Ehe Eommen.
35. Denn dir Linea Chriſti hat fich im Anfange mit Abel in
einem
548 Wie Gott Jacobbey Saban mit Cap.s8.
einem Schäfer orfenbahret / alfo auch hernach beym Abraham /
Iſaac und Jacob / Mofe und David / alle feynd fienur Schaf:
hirten geweſen / wenn ſich die Linea Chriſti hat offenbahret : Da
ift kein Gewaltiger / Edler / Neicher / Gelehrter oder Hoch—
weltweiſer darzu kommen / fondern geringe unanfehnliche Lute /
welche ihr Vertrauen in GOtt geſetzet haben
36. Wo bleiben allhier dic hohen- Priefter und hohe Schulen/
welche ihnen den Gewalt dieſer Geheimniſſen zufchreiben un neh⸗
men / und offte die Gaben des Heiligen Geiftes in ſolchen Schaf:
hirten mit Füffen tretten/ fie verlachen und für Narzen halten?
Seynd ſie nicht alle Cain / Iſmael uñ Efau von der lindensinien/
vom Reiche der Natur diefer Welt in Gleißnerey der eigenen
Vernunfft Twelche vor Gott nicht einem Schafhirten gleich iſt.
37. O ihr arme in Adam blinde Menfchen ! werffet enere
Augen von dem Hohen / und niedriger euch unter Die Einfult
Chriſti in dieſe Schaf⸗hirten⸗Linie / und feher nicht auff ven
Pracht der Kunſt und Hochheit / oder ihr werdet jaͤmmerlich be—
trogen: Wollet ihr dieſer Linex fühig werden / fo moͤget ihr es
nicht von der Hochheit erlangen / welche in dieſem Hirtensambte
in Glei znerey pranget / ſondern in der Demuth und alberen
Einfalt / da ſich die Seele unter Chriſti Joch ergiebet / wird die
arme an GOtt blinde Seele in dieſe Ehe eingewurtzelt / und dies
fer Linex fähig.
38. Diefe ız. Kinder Jacobs find eben die Linien, welche der
Geift GOttes von Adam biß auff Noam und feine Kinder ans
deutet / welche aus der Bundes⸗Linea im Paradeig entfproffen/
und von Adam auff Abeldrungen / und fo fort biß auff die Kin
der Noa / allda auch zwölf Linien oder Stämme angezeiget
werden: Allhier eröffnete fich derfelbe Bauın wieder aus einem
Stamme / welcher war Jacob / und deutetan/ wie diefelben Li-
nien folten alle in einem Stamme geheiliget werden / welcher
Stamm ift Chriſtus / welcher ihme auch 12. Apoftel erwählete /
dieſen Baum zu offenbahren / welcher aus der Bundes-Linca
war gewachfen.
39. Undals Jacob dieſe 122. Söhne gezeuget / fo geugete er
auch eine Tochter / mit Namen Dina /weldye ausgieng die Töch-
ter des Landes zubefchen/ und dadurch ihre Ehre und Jungfrau⸗
ſchafft verlohr / und zeugete diefelbe aus Sea Jin welcher die Linea
Chriſti offenbahr ward aus dem Stamm Juda; anzudeuten /
daß die Linea Chrifti dißmahl noch indes Weibes-Tin&ur ver>
korgen geſtanden / und fich aber durch Die mänliche / ala F
an
Tap.ʒ8. Kindern uũ Reichthum geſeegnet. 548
ſche / offenbahret / biß auff Mariam Chriſti Mutter / wie wir
das am Bunde Abrahams / Iſaacs und Jacobs ſehen / daß der
Bund auff ihren Saamen drang; fo wohl ſehen wirs ander Bea
ſchneidung / welche alleindem Manne gegeben ward.
40. Und vielmehr ſehen wirs am Geſetze am Berge Sinai/
welches auch in feurender Art gegeben ward / anzudeuten / dag
die Menſchen vor Chriſto ſeynd indes Batters Eigenſchafft ges
fuͤhret worden /welcher uns im Zorne gefangen hielt / biß ſich
feine Liebe / als ſein Sohn durch den Zorn in des Weibes Tinctur
offenbahrete / und des Mannes und Weibes Tinctur wieder in
eine wandelte / darum gruͤnete die Linea Chriſti bey den Vaͤttern
in der weiblichen Tinctur, durch des Mannes Tinctur aus.
41. In des Mannes rinctur ward fie im Glaubens-bunde
in Abraham raͤge / und ward ausdes Mannes Tinkurim Wei⸗
be offenbahr: Aber in Erfüllung der Zeit ward fie in Maria}
indes Weibes Tindur offenbahr / alsinder höchften Siebe / in
welcher Liebe jich Adam vor feiner Eva felber liebete dan GOtt
war darinnen offenbahr,
42. Darum ſehen wirallpier mit Dina eine Figurder Even] /
dan / nachdehm Lea ſechs Söhne gebohren hatte) fo gebahr fie eine -
Tochter / welche die weibliche Tinctur andeutet / welche ihre Ehre
in ihrem Fuͤrwitz verſpatzirete / gleichwie Eva woltedie Zöchter
der Welt / alsdie Viehiſche Ereatürfiche guft befehen und wif>
ſen / und in ſolcher Luſt die Paradififche Jungfrauſchafft verlohr.
43. Alſo ſetzet ihme der Geiſt GOttes allhie mit Dina eine
Figur der Even neben der Linea des Bundes / dieweil aus der
Bundes-Linea ſolte dieſer kommen / welcher die arme Eve⸗Kin⸗
der I und ſeelig machen.
44. Dan ſechs Söhne gebahr Sea / die deuten an die ſechs Ei⸗
genſchafften des natürlichen Lebens / und die ficbende iſt das
Weſen oder die Seibligkeit der fechfen / in welchem geiſtlichen
Weſen Adam an GOttes Reich ftarb oder verblich / als ſein
"Hille ich von GOtt abbrach; s und diefelbe ficbende Eigenfchafft
der Natur iſt nun eben das Weib / als die Mutter / darinnen
ſich die andere ſechs immer gebaͤhren / welches wol recht die Ada⸗
miſche Evam andeutet / als Eva noch in Adam in einem Bilde
war.
45. Deſſen Figur ſtellet ver Geiſt GOttes beym Jacob mit
Dina dar / wir dieſelbe ſtebende Eigenſchafft der Natur in Adamt
ſey an GOtt zur bruͤchigen Huren worden; und ſetzet dieſe Figur
neben die Lineam Chriſti / daß Chriſtus kommen ſolte / und dieſe
Hure /
350 Wie Gott Jac. bey Laban geſeegnet. C.y8.
Hure Jals die fiebende Eigenfchafft des menfchlichen Sebens wies
der indie Jungfraufchafft wandeln.
46. Darum ward Ehriftus voneiner Jungfrauen gebohren/
daß er die weibliche Tinctur wieder heiligte / und in die mäne
liche Tinctur wandelte / auffdag der Mann ımd das Weib wie»
der ein Bilde GOttes würden/und nicht mehr Mann und Weib
waren / Sondern Männliche Jungfrauen / wie Chriftus war.
47. Bey Rahel ſehen wir nun die eigene Siebe im Reiche der
Natur / da fich die beyde Tincturen / männlich und weiblich/ nach
dem Reiche der Ratur in eigener Rebe in DerConjundtion verbins
den /wiedan Jacob feine Rahel nach vem Reiche der Natur /
nach der Tindur eigenen Begierde licbete/un hinwieder auch Nas
helden Jacob : Darum muften dieſe Tincturen der eigenen na⸗
türlichen Liebe / fo lange verfchloffen ſeyn / und Eein geben herfür
bringen) bieder Herzan Rahel gedachte umd fie erhörete / wie
der Text im Mofe fager: Das iſt / biß der Herz die Tinduren des
Heihsder Natur mit feinem Seegen bewegte / fo gebahr fie
einen Fürften indas Reich der Natur / als den JOSEPH, in
welchem wir fehen an feiner groffen Zucht und GOttes ⸗furcht /
daß der Sergen GOttes die Tinduren des Reichs der Natur]
welche im Saamen verfihloffen lag / bewegte/ und den Bund
der Gnaden darinnen offenbahrete.
43. Dandas Reich der Natur im Menfchen folte Chriftus
som Grimme erlöfen/ darum ftellete ihme auch der Geift in
dieſer Zigurein Bilde mir Joſeph für/welchen er auch indie
Figur mie Ehrifti Menfchheit feßere/wie es Fünfftig mit Ehrifti
Menfchheit / welche er von uns Menſchen annahm / gehen folte.
49. Bey Sea ward Ehriftus nach feiner himmliſchen verbor>
genen Menfchheit fuͤrgeſtellet / wie ſich der himmliſchen Welt
Weſen wuͤrde in unſerer Menſchheit / unter dem Joche GOttes
Zornes verbergen / und wie CHriſtus muͤſte in Knechtes-und
verachteter Geſtalt erſcheinen.
50. Bey Rahel mit Joſeph wird nun die Figur dargeſtellet /
wie er wuͤrde uͤberwinden / und in unſerer menſchliche Ratur ein
Herr und Fuͤrſt über alle ſeine Feinde / die uns arme Menſchen
in Fleiſch und Blut gefangen halten / werden / und wie er uns
würde ausdem Elende der Theurung Adams ausführen in ein
gutes Land / und nicht gedencken wie wir ihn haben in diefer Welt
indie Grube geworffen / wieden Joſeph feine Brüder.
52, Diefe Figur fteller inne der Geift GOttes bey den 12.
Ertzvaͤttern für zu einem Spiegel / Durch welchen GOtt in
? feinem
Cap.5 9. Wie Jacob ſey von Laban gezogen. z51
ſeinem Zorn verſoͤhnet ward / auff die zukuͤnfftige Erfuͤllung /
dan der Text im Moſe redet gantz heimlich in dieſer Figur und
ſaget: Da nun Rahel den Jofeph gebohren hatte / ſprach Jacob
zu Laban: Laß mich ziehen und reyſen an meinen Orth und in
mein Laudt / gib mir meine Weiber und meine Kinder / darum
ich Dir gedienet habe / daß ich ziehe. .
Die innere Geijtliche Figur fteher alfo :
52. Wan der Seegen Jacobs / als Ehriftus im Reiche der,
menfhlichen Natur) offenbahr wird / dag der Menſch in Chriſti
Bilde fichet/ fo begehreter aus der Dienfibarkeitdiefes Hauſes /
darisınen er dienen mußz / wieder in feines erfien Batters Haus zu
ziehen / und begehret feine Fruͤchte / als Kinder / Brüder und
Schweſtern / und alle Kinder diefer Gebuhrt mif zu nehmen:
Er befombt ein groffes Saͤhnen darnach / wie Jacob nach feines
Batters Haufe; aber der Herz fpricht zu ihme / bleib und diene
mir noch allhie und weide meine Schafe / ſtimme dir den Sogn 7
dehn ich dir geben foll/ das iſt / bitte von mir / fo wilich dirs ge⸗
ben / wie Chriſtus ſagte: Was ihrden Batter bitten werdet in
meinen Namen / das wil er euch geben.
53. Alſo erſencket ſich alsdan die ſer Jacob in die Gedult / und
huͤtet der Schaͤflein Chriſti auff Hoffnung des ewigen Lohns /
welcher ihme nachfolget: dan in Joſeph / das iſt / in Chriſto wird
ihm erſt der Lohn gegeben / gleich wie N ofeph der Sohn Jacobs
im Auffern Reiche ward / und ihn ſambt ſeinem Haufe in der
Theurung ernährete/ welches Chriſtum andeutet / der ung ce
wiglich in fich wil ernehren / und mit ſich heimfüren in feines
Datters Haus / wie Jofeph feinen Vatter und Kinder in ſeines
Her Sand einführete.
Das 59. Capittel.
Wie Jacob ſey von Laban gezogen] was diefe Figur
andente | was darbey zu verſtehen ſey.
Geneſ 31.
x. m N dieſem Eapittel wird mehrentheils die Aufferlia
che Geſchichte dargeſtellet / darunter doch der Geiſt
ſeine heimliche Figur hat mit der er ſpielet / dan
pe der Zertfüget: Und es Eamenfür Jacob die Re⸗
den der Rinder Sabans / daß ſte ſprachen: In
- cv
352 Wie Jacob fey von Laban gezogen. C.y9
cob hat all unſers Vatters Gut zu ſich gebracht / und von
unſers Vatters Gut hat er ſolchen Reichtuhm zuwege ge⸗
bracht. Und Jacob ſahe an das Angeſicht Laban / und ſtehe /
es war nicht gegen ihm wie geſtern und ehegeſtern.
2. Dieſes iſt eine Figure im Geiſte Chriſti fuͤrgebildet war
der Geiſt Chriſti im Menſchen hat das Reich menſchlicher Na=
tur an ſich gezogen / ſo wachet der Schlaugen Neid im Grimme
der Natur im Fleiſch und Blutauff / indehm er verſtehet und fuͤh⸗
[st das ihme die Krafftder Natur im Menſchen entzogen wird /
und feindetden Geift Ehriftiinder Krafftder Natura.
3. Da gehet algdan ver Widerwille im Menſchen an / dag
Ber arınen Seelen an allen Orten bange wird / indehme ſte ge⸗
wahr wird/ dag fie in einem fremden Gut wohnet / und ihr der
Teuffel zum Nachbar ift ( und zu ihrer eigenen Natur noch im⸗
merdar einen Zutritt hat und fie anfeindet/ daß ſie ihme in Ehri=
ſti Geifte das Neich der Natur / als fein gehabtes Landt oder
Sit hat entzogen; fo frellet ſich die ſterbliche Natur / in Gottes
Zorn mitihrer Begierde / gegen der armen Seelen alsdan frem⸗
de und unfreundlich / wan fie ſtehet / daß fte ihr wolluͤſtiges irr⸗
diſches Erbe verleuret / welches recht die Kinder Labans andeu⸗
tet / da die Vernunfft ſiehet / wie ſie um zeitliche Ehre und Wol⸗
luſt keint / und ihr all ihr Natur-recht entzogen wird / wie
Jacob durch Liſt dem Laban feine Güter entzog.
4. So ſpricht alsdan Gott zur Seelen wie allhie zu Jacob:
Zeug wieder in dein Vatterlandt zu Deiner Freundſchafft / ich
wil mit dir ſeyn; das iſt / die arme Seele ſoll wieder in ihr erſtes
Batterland/ als in das ewige Wort / daraus ſie kam / einzie⸗
ben / alldainnen ſeegnet fie GOTT und alldainnen kan
ſie auch ihren Kindern und Gliedern ruffen / und ſie mit aus dem
Dienſt-hauſe des Zorns Gottes im Reiche der Natur alisfuͤh—
ren / wie Jacob feine Weiber und Kinder ruffete / und aus dem
Dienste ihres Batters ausfuͤhrete: Al’ auch führe die erleuch⸗
tete Seele ihres Lebens Kraft im Neiche der Natur / ſamt ihren
Mitgliedern aus den Dienfthaufe des Fleifches und Bluts wire
der in das erſte Haus / alsin Gottes Wortein.
5. Und wie Jacob aus dem Dienfihaufe feines Schwaͤher⸗
vatters flohe / und ihm Saban nachjagete / und ſchaden wolte:
Alſo auch imgleichen geſchiehet es mit Chriſti Kindern / wenn ſie
anheben aus dem Dienſthauſe des Sathans auszufliehen / als
aus der fleiſchlichen Wolluſt / und wollen wieder in ihr erſtes
Vatterlandt / als in Gerechtigkeit und Gottes Furcht / fo kom⸗
met
©. 59 Wie Jacob ſey von Laban gezogen. 553
met alsbald der fleiſchliche Hauffe der gottloſen Welt mit Gruft
und Leichtfer tigkeit hernach geflogen / und wollen ſie toͤdten / und
all ihr Haab und Gut in GOttes Gerechtigkeit mit falſchen
Zungen nehmen.
6. Aber der Herr draͤuet ihnen / daß fie das nicht thun fon
nen / wie dem Laban geſchahe / ob ſie wohl ſtehen / und ſchelten
die Kinder Gottes vor Ungerechte / dag fie ſich von ihren Goͤt⸗
tern und Greuelen abwenden / und ihrer Heucheley nicht mehr
wollen / auch ihr falſches Joch nicht mehr tragen wollen / und
ihnen in ihrer Ungerechtigkeit dienen / und ihre Falſchheit gut
heiſſen / wie die jetzige Welt unter diefem Joche heuchelt / und
iR er Falſchheit dienet/ dag nur ihr Gott Maoſim fett werde und
eben mag.
7. Auch ftellet allhier der Geift Gottes cine Figur dar / wie
nie fich werde eine zeitlang unfer dDiefes dienſtbare Joch ins
Reich der Natur einſtellen / und werde ihme Adams Töchter /
das iſt / unſer Fleiſch und Blut vermaͤhlen / und Adams Haab
und Gut / als das Reich menſchlicher Natur an ſich ziehen / das
iſt / viel Menfchen an fich ziehen / und endlich darmit aus diefent -
jenfthaufe diefer Welt wieder in feines Batters cwiges Haus
gthen / in welchem Ausgange zu feinem Batter ihn ver Teuffel /
fambt der falfchen Welt / würde verachten und gan wollen toͤd⸗
ten/ und die Güter fambt feinen allyie gezeugeten Kindern wol-
fen rauben und wieder nehmen / wieder Teuffel durch die Pha—⸗
riſeer und falſchen Juden thaͤte welche wolten Chriſto alle ſei⸗
ne glaͤubige Kinder wieder nehmen und rauben / wie Laban Jacob
nachjagte / und wolte ihm fein worbenes Gut wieder nehmen.
8. Aber gleichwie Gott nicht wolte zulaſſen / daß Laban kon⸗
te Jacob ſchaden thun: Alſo auch ließ Gott dem Teuffel und den
falſchen Hohenprieſtern nicht zu / daß ſie konten Chriſto ſein er⸗
worbenes Gut rauben / ob ſie gleich die aͤuſſere Menſchheit an
ihm toͤdteten / fo ſtund er doch wieder vom Tode auff / und fü:
rete fein erworbenes Gut in fein Batterlande.
‚9. Ein wunderlihe Figur feßetder Geift Moyſis in dieſem
— dar / welche wohl zu mercken iſt / daß er etwas heimli⸗
es darunter andeutet: Dan er ſagt / als Jacob ſey von Laban
geflohen / ſo habe Rahel ihrem Vatter die Gögen geſtolen / und
faget ferner: Alſo ſtal Jacob dem Laban zu Syrien das
Hertze / Damit daß er ihme nicht angeſaget / daß er Hohe)
und ſehen auch ferner / wie Laban als er zu Jacob kam / alſo —
tig nach den Goͤtzen getahn habe / und dem Jacob allen ſeinen
An Haufe
x
554 Wie Jacob fey von Laban gezogen. C. 59
Hauſraht / wegen der Goͤtzen durchſuchet: auch ſehen wir in
dieſem Texte / wie Rahel dieſelben Goͤtzen muſte lieb gehabt ha⸗
ben / indehme fie ſich darauff ſetzet / und ſie alſo verbirget / daß
fie ihr Batter nicht koͤnte wieder bekommen.
, 20. In dieſen Worten reird uns eine äufferliche und auch eine
innerliche Figur dargeftellet/ wie es kuͤnfftig mit Iſrael gehen
würdes Denn diefe Gößen find nicht Heydnifche Abgötter ge⸗
weſen / nach dem Moloch des Geſtirns / wiedie Heyden hatten /
fondern wie man liefet / fo haben fie Bilder ihrer Verftorbenen
gemacht zur einer Erinnerung welche Bilder hernach bey den
Heyden auch find zu Abgöttern worden / und mögen wohl folche
Bilder ihrer Verſtorbenen Freundtfchafft ſeyn geweſen / welche
Saban nicht gerne verlohr / weiler fichdaran feiner lieben Vor⸗
fahrenden Sreundeerinnerte.
11. Aber dierechte Figur / darunter der Geift deutet auf das
Zukuͤnfftige / iſt dieſe: Zum erſten / das Ifrael nicht würde alles
mahl von gantzem Hertzen an GOtt hangen / ſondern ſie wuͤrden
dieſe Goͤtzen fleiſchlicher eigenen Liebe aͤllezeit mit ſich nehmen /
und ſich und ihre Bilder / als Geſchlechte der Menſchlichen Ho⸗
heiten / mehr lieben als Gott / wie dan auch geſchehen iſt. —
12. Sonderlich deutet dieſer Außzug Jacobs / den Ausgang
Iſraels aus Egypten ins gelobte Landt an / da fie auch ihre
Fleiſchliche Gösen mitnahmen / und hernach ihren eigenen
Goͤtzen dieneten / als menfchliher Hochheit/ und ihren GOtt
verliefen / und fahen auffihren Mammon / und wolten Könige
unter ihnen haben nach Gewonheit der Heyden / und verlieffen
ihren rechten König/ welcher fie hatte aus Egypten geführet.
13. Zum andern deutets an / wie Chriftus / in welcher Figur.
Jacob ſtundt / würde diefe Rahel in unferem Fleiſch und Blute
an ſich nehmen / als dieſen in Adam von Gott abgewandten
Goͤtzen⸗willen der Seelen / welcher ſich hatte mit Bildern und
Goͤtzen gefaſſet / und dieſelben beſeſſen wie Rahel / und wuͤrde
der Seelen abgewendeten Willen mit ihren gefaſſeten Goͤtzen
und Bildern aus dem Goͤtzen⸗hauſe ausführen / welche Goͤtzen /
als Goͤtzen⸗willen und Begierde hernach im Todte Chriſti ha⸗
ben muͤſſen alle zerbrochen werden.
14. Wie uns dan aͤlsbald (Gen. 35. Cap.) die Figur dar⸗
geftellet wird / als GOtt zu Jacob ſprach: Mache dich auff und
zeuch gen Bethel / und wohne daſelbſt / und mache daſelbſt einen
Altar / dem Gott der dir erſchien da du floheſt für deinem Bru⸗
der Eſau: So ſprach Jacob zu ſeinem Hauſe / und zu —
mi
C. y9. Wie Jacob ſey non Laban gezogen. 555
mit ihm waren; thut von euch die fremden Goͤtter / ſo unter euch
ſind / und reiniget euch / und aͤndert eure Kleider / uñ laſſet uns auff
ſeyn / und gen Bethel ziehen / daß ich daſelbſt einen Altar mache /
dem Gott der mich erhoͤret hat zur Zeit meines Truͤbſals / und iſt
nit mir geweſen auff dem Weege den ich gezogen bin / ꝛc.
15. Welche Geſchichte Jacobs anders nichts andeutet / als
dieſes: wan Chriſtus würde mit dieſer Goͤtzen-⸗Rahel / als un⸗
ſerin Fleiſch und Blute aus dieſem Dienſthauſe ausziehen / und
zu ſeinen Vatter gehen / ſo wuͤrde er durch ſeinen Ausgang /
wan er wuͤrde den hohen Altar vor Gott bauen / welcher Altar
er ſelber iſt / dieſe unſere Goͤtzen im menſchlichen eigenen Wil⸗
len / als alle Bildlichkeit eigener Liebe vor Gottes Altar in ſei⸗
nem Todt ablegen / und unſere Hertzen / als den ſeeliſchen Willen
reinigen / und unfere Kleider / als Fleiſch und Blut andern / wie
dieſer Text im z5. Cap. klar andeutet / und gantz darauff gehet /
wie uns Chriſtus werde auff demſelben Altar ſeines neuen
Zeftamentsdehm Gott auffopffern / der uns in unſerer Truͤbſal it
unſerem Elende nach dem Falle in ſeinem Gnaden⸗bunde wieder
erſchienen iſt.
16. Daß aber der Text Moyſts ( Gen, 31.) ſagt: Jacob
habe Laban dem Syrer ſein Hertz geſtohlen / daß er ſey heimlich
mit ſeinen Toͤchtern geflohen / hat auch eben dieſelbe innerliche
geiſtliche Figur in ſich: Dan das Wort ward Menſch / und
nahm Laban / als dem irrdiſchen Adam feine Töchter / und fuͤh⸗
rete fie durch göttliche Sift aus Adams Haufe hinweg in Goftes
Haus / das heiffet an dem Ort geftohlen/ dag dem Reiche des
Zorns Gottes] Adams Kinder alfogeftohlen/ das iſt / in Goͤt⸗
licher Wis weggeführet worden. |
17. Dan der Zorn Gottes hatte die Menſchen im Nature
recht befeffen/ aber Chriſtus kam / und chligte ſich mit ihnen /
und ftahl fie dem Zorne mit famt den Goͤtzen hinweg / und opffers
se fie Gott / aufffeinem Altar derer felber ift/ auff / und legte
Die Bilder der eigenen Liebe der Menfchen abe / und reinigte un⸗
fere Kleider vor GOtt / auff daß wir ihme bey dieſem Altar Dies
nen follen. —
‚18. Dieſes wird eigentlich bey Ben Goͤtzen Rahels verſtanden /
die Figur ſtellet wohl die aͤuſſerliche Geſchichte dar / aber der
Geiſt Gottes hat ſeine Figur darunter: Dan die gantze Hiſto⸗
ria / mit Abraham / Iſaac und Jacob ſtehet innerlich in der
Figur Chriſti / dan der Bund zwiſchen Laban und Jacob / und
alles was ſich allda hat begeben / —— Figur BERN ER
Anz abaıt
556 Wie Jacob ſey von Laban gezogen. E. 597
Laban ftehetallhier inder Figur des Reichs der Natur / und Ja⸗
cob in der Figur Chriſti.
9. Laban ſchalt Jacob / daß er von ihme flohe / und ihn nicht
Hätte laſſen zuvor feine Kinder kuͤſſen / daß er ſie hätte mit
Paucken in Freuden geleitet: Alſo tuht auch das Reich der Na⸗
tur mit Chriſti Kinderen / wan ſie heimlich von ihm fliehen / und
das Goͤtzen⸗ haus verlaſſen / fo ſchelten die Kinder des Reichs der
Natur / dieſe Kinder Ehriſti fuͤr Fluͤchtige und Meineydige /
fuͤrKetzer und Neulinge) für Enthuſtaſten / und was der Nas
men mehr ſind / und ſagen zu ihnen: Da ihr wollet vom gottlos
ſen Weege in ein ander Leben gehen / warum ſaget ihr daſſelbe
nicht unſern hohen Prieſtern an / daß ſie euch mit ihren Cere⸗
monien dahin geleiteten / als mit Beichten / Sacramenten /
und Fuͤrbitten Warum haltet ihr nicht der Kirchen Gebraͤu⸗
che / da Chriſti Reich in Freuden ſtehet mit Getümmel / Or⸗
geln und Pfeiffen? Warum ſtehlet ihr euch heimlich von uns
weg / und gehet einen andern Weeg / als unſere Ordnung und
Saͤtzungen ſeynd / und werden ihnen darum feind / verfolgen
fie / jagen ihnen mit Berdammen und Schmaͤhen nach / als boͤſen
Kindern oder Meineydigen / welche ihnen ihre Goͤtzen hätten
geraubet / und nicht ihre Gleißnerey für Götter chren wollen /
wie Saban dem Jacob naceilete und ihn ſchalt / daß er nicht
hätte zuvorhin fein Gepränge gehalten / und ihms zuvorhin ass
gefaget dag er wandern wolte.
20. Alfo auch wil Babel fchleht haben / es follen die Kinder
Chriſti allein durch ihre Gepränge und Bauchzorden zu GOtt
eingehen / und wer anderft als durch ihren Orden zu Gott eine
gehen wolle/ und aus diefem Dienfthaufe flichen/ ver fey vers
dambt / und koͤnne nicht zu Bott kommen.
21. Aber Jacob konte wol ohne Labans Gepraͤnge zu feinem
Datter kommen: und ob ihn gleich Laban ſchalt und feinen
Weeg unrecht hieß / ſo war er doch vor Gott recht. Dan Gott
hatte es ihme geheiſſen / und konte ihn Laban gar nicht halten:
Alſo auch mögen Chriſti Kinder / wan fie ver Geiſt Chriſtiin
ihnen heiſſet ausfliehen von Babel / gar nichtgehalten werden /
auch ſchadets ihnen gar nicht / wie übel fie die Welt darum
ſchilt und fie erachtet / verlachet / vernarret / werkegert/ umd
für Enthufiaften ſchilt.
22, Der Höchfte ſtraffet doch Saban / daß er mit Jacob ana
derſt nicht als freundlich reden foll ; das iſt / die Säfterungen Bas
bels uͤber Chriftj Kinder muͤſſen ihnen endlich zweitel Steuben
un
8.600. MWi&fau fen Jac.entgegen gezogen. 357
und zur Freundligkeit gereichen/ und mug fie Saban nur sichern
laffen mit ihrem Haab und Gut: Dan Gott heiffer feine Kin»
der von Babelausfliehen / und wieder in ihr erftes Vatterlandt
cingehen / daraus fie mit Adam feynd ausgangen / nicht durch
das Gepränge zu Babel / fondern durch Ummwendung des Ge⸗
muͤths und Willens / als einen neuen Schorfam.
23. Dan Bott hat an dem Gepränge zu Babel eben ſo viel
Gefallen / alsan Labans Paucen und Reyhen: Er fordert cin
bußfertiges umgekehrtes Her / welches in hoͤchſter Einfalt und
Demuth / ohn alles Gepränge fich zu ihme nahet und von Ba
bel ausgehet / mit dehm gehet er und feegnet ihn. 1p8
24. Danals Jacob ohn Gepränge war ausgezogen / ſo begeg⸗
neten ihme die Engel Gottes / welche er Gottes Heer hieß: das
deutet an / wan Gottes Kinder von Menfchen-Tandt und Bild»
ligkeit ausgehen / und alles irrdiſche für nichts achten / auch fich
aller Titul-brüder in ihrer Gleignerey entfchlagen / fo bekom⸗
en fie Gottes Engel zu Gefärten / welche mit ihnen umgehen /
und ſie auff ihren Weegen inihrem Ausgänge aus Babel beglei⸗
then wie allyie Jacob geſchahe.
25. Dan fo bald Chriſtus im Menſchen gebohrenift/ daß
das Gemuͤhte aus dem adamiſchen Dienſthauſe der Bildligkeit
ausgehet / ſo ſind ihme die Engel Gottes zu Gefaͤrten zugeordnet.
Das 60. Capittel.
Wie Eſau ſey Jacob mit 400. Mann] einem Kriegs⸗
heer | entgegen gezogen] was diefes andeute: auch
wie Jacob feinem Bruder Efau habe das Geſchencke
entgegen geſchicket: und wie ein Mann habe die
ganze Nacht mit Jacob gerungen | was diefes alles
fey. Gen. 32. Dem Leſer hoch zu betrachten.
2. Ofes richt: Jacob aber fehickete Botten vor
ihm her zu yeinem Bruder Sſau ins Lande Seir /
In dee Gegend Edom / und befahl ihnen und
\ prach: Alſo fager meinem Herren Sſau: Dein
Knecht Jacob laͤſſet dir ſagen: Ich bin bie
daher bey Laban lang auffen geweſen / und habe Rinder und
Ziel Schafe! Anechte und Maͤgde / und habe ausgefande
dir meinem Herrn ansufagen! daß ich Gnade por deinen
Aa 3 Au⸗
558 Wie Eſau fey Zac. entgegen gezogen. C.00.
Augen finde: Die Botten kamen wieder zu Jacob / und
fprachen / wir kamen zu deinem Bruder £fan / und er zeucht
dir auch entgegen mit 400. Mann; Da furchte fich Jacob
ſehr / und ihm ward bange / und theilete das Volck das bey
ihm war / und die Schafe / und die Rinder / und die Cameel
in zwey Heere / und ſprach: ſo Eſau auff das eine Heer komt
und ſchlaͤget es / fo wird das uͤbrige entrinnen.
2. Diefes gantze Eapittel ſtehet gewaltig in Ehrifti Figur:
Denn als das Wort war Menfch worden / und wolte num
von dieſer Welt ausgehen / und wieder feine ewige Stätte mit
anferer Menfchheit befigen/ fo begegnete ihm nun dieſes Kriegs»
heer im Reiche der Natur in Gottes Zorne.
3. Denn das Reich der Natur / als der natürliche Adam /
war der erftgebohrne Eſau / welcher um den Seegen und him̃⸗
liſche Erbe / als um das ewige geben / mit Jacob / das iſt / mit
Chriſto zoͤrnete / daß es fterben/ und fein Recht verliehren folte/
in welchem Reiche der Zorn Gottes hatte das Regiment bekonien;
derfelbe Zorn Gottes kam Chriſto entgegen/als er jetzt wolte fein
erworbenes Gut in ſein ewiges Vatterland/alsin Gottes Liebe /
einfuͤhren / wie Eſau dem Jacob im Bilde der Figur: Vor die ſem
Kriegssheer entſatzte ſich Chriſtus / als vor Gottes Zorn / wie am
Oelberg zufehen ift / wie Jacob vor dem Zorn Efans.
» Und wie Jacob feine Heerde für Efaus Grimm inz.
Zheil theilete / / daß ob Efau das eine Heer fehlüge / doch das an⸗
der entrünne; Alfo auch war die Menfchheit Ehrifti in zwey
Weſen getheilet / als in ein himmliſches / davon er (Joh. 3.)
fagte: Er wäre vom Himmel kommen / und ware im Himmels
und denn in ein irrdiſches aus unſerem Fleiſche und Blute / daß
ob der Zorn Gottes das eine Theil als unſere Menſchheit mit dem
Tode ſchluͤge / daß doch das himmliſche Theil dem Zorn entrinne /
und durch den Tod durchdruͤnge / und unſere Menſchheit darinnen
lebendig machte: Denn die Botten welche Jacob zu Efau
ſchickete / ſeynd anders nichts als das Gebehte Chriſti: welches
er durch GOttes Zorn in ſeine Kiebe / als in das Erbarmen
ſchickete dag unfer Menſchheit möchte Gnade bey Gott finden.
5. Denn gleichwie Jacob Eſau fagen lieg / er waͤre biß daher.
bey Saban lange auffen gewefen / und hätte Knechte umd Mägde
und Cameel / famt andern Biehe bey fich / daß er doch möchte
mit diefen allen Gnade bey feinem Herin Efar finden: Alfd
faget auch Chriſtus zu feinem Vatter in unferer angenommenen
Menſchheit / als in Adam / er waͤre lange auſſen geweſen re
Gr
E.60. Wie Eſau fey ac. entgegen gezogen. 559
Gottes Reich / und Hätte ihme in dem Keiche diefer Welt in
Gottes Wunder⸗wercken viel Bilder aus der Göttlichen Weiß⸗
heit / durch Formung der Natur erbohren/dag Er doc möge mit
dieſer Foruuung der Wunder vor Gott Gnade finden/dieweildies
fe Wunder waren durch die Natur feines geoffenbahrten Zorns
erbohren worden / das fie Doch moͤchten zur ewigen göttlichen
Befchauligkeit kommen.
6. Aber der Zorn zog ihme in den 4. Elementen entgegen,
und wolte die Irrdigkeit und Bofheit Davon verfhlingen : Den
die 400. Man Efaus / deuten anders nichts an als den Grimm
der Natur in den 4. Elementen des Leibes / derfelbe z0g der
Menfchheit Chrifti entgegen / als Chriftus wolte das in Adam
sefhaffene Bilde inunfere Menſchheit in Gott einführen / als -
ins Paradeiß / fo wolteder Grimm Gottes von chedas adami⸗
ſche Bilde tödten / auff daß es nicht mehr im Reiche des Zorns
lebete / weiles ſolte in Gott leben.
7. Und wie fi Jacob vor GOtt demühtigte/ und prach /
Gott meines Datters Abrahams / und Bott meines Dat-
ters Iſaacs / HErr / der du zu mir gefager haft) Zeuch wieder in
dein Vatterlandt / und zu deiner Freundſchafft / Ich wil die
wol thun; Ich bin zu geringe aller Barmhertzigkeit und al»
ler Treue / die du an deinem Knechte gethan haft / (denn ich
hatte nicht mehr / weder diefen Stab / ds Ich über diefen Jor⸗
dan gieng/ und nun bin Ich zwey Heerworden:) Errefte
mich von der Handt meines Bruders von der Hande£füu/
denn ich fürchte mic) für ihm / dag er nicht Eomme und
ſchlage mich / die Mutter ame den Kindern: Alfo auch des
muͤhtigte fich Chriftus in unferer angenommenen Menfchheit
vor Gott; und ob ihn gleich Bottim Propheten David in uns
ferer angenommenen Menſchheit bat heißen zu feiner Rechten
ſitzen / big er feine Feinde zum Schemel feiner Fuͤſſe legete /
noch demuͤtigte er ſich wie Jacob vor dem Zorn Efau / alſo auch
Chriſtus vor feines Vatters Zorn.
8. Und mie Jacob fprach : Als ich über diefen Jordan 308 /
ſo hatte ich nurdiefen Stab / jegebinich 2. Heerreich: Als
ſo auch als Chriftus/ als das ewige Wort göttlicher Kebe zu
uns in unſere Menfchheit kam / fo war cs nur der einige Stab
göttliherGnade;aber in unferer MenfchheitindemDienft-gaufe
Adams ward er zwey Heer reich / als einer zweyfachen Menſch⸗
heit / alsder himmlifchen in Adam verblichenen / und der irrdi⸗
schen aus dem Limo der Erden: Darımı fagte ex in diefer zwey⸗
| Ans fachen
560 Wie Eſau ſey Jac. entgegen gegogen.E.6o.
fachen Menſchheit / wie Jacob zu Gott ſagte; Gott meines
Vatters Abraͤhams / und Gott meines Vatters Iſaacs / Herr der
du mir zugeſaget haſt / zeuch nun wteder in dein Vatterland /
und zu deiner erſten Freundfchafft ; Ich bin zuwenig und zuge⸗
ringe aller diefer Barmhertzigkeit / die du an deinem Knechte
gethan haſt: anzudeuten / dag es mur in Böttlicher Varmhertz⸗
igkeit geſchehe / daß dieſe zwey „Heer / als die zweyfache Menſch⸗
heit wieder heim in ihr erſtes Batterlandt des Paradeiſes zu der
englifchen Freundfchafft ame.
9. Undals fich Jacob hattevor Gott und feinem Bruder Efatt
gedemühtiget/ fo blieb er die acht alda / umd nahm von deh⸗
me das erfürhanden hatte / Geſchencke ſeinem Bruder Sſau /
Zwey hundert Ziegen / zwantzig Boͤcke / zwey hundert Schafe /
Zwandig Widder / und dreiſſig ſeugende Cameel / mitihren
Fuͤllen / viertzig Kuͤhe / und zehen Farren / zwantzig Sſe⸗
linnen / mit zehen Fuͤllen / und thaͤt fie unter die Handt fet-
ner Knechte / ja eine Heerde ſonderlich / und ſprach zu ihnen:
Gebet vor mir hin / und laſſet Raum zwiſchen einer Heerde
nach der anderen: und gebot dem erften / und fprach : Wenn
dir mein Bruder Sſau begegnet / umd dich fraget / wehm ge-
hoͤreſtu an / und wo wilft du hin / und weß iſt es das du für
dich treibeſt? So ſolſt du ſagen: Ss gehoͤret deinem Knech⸗
te Jacob zu / der ſendet Geſchencke feinem Herrn Sſau / und
zeucht hinder uns hernach.
xo. Dieſes Bilde iſt nun der groſſe Ernſt / da der Geiſt
Gottes in der Figur damitte deutet auff das Kuͤnfftige; Denn
dieſes Geſchencke Jacobs ſeinem zornigem Bruder Eſau / deu⸗
tet an die Stätte Chriſti / als er den Zorn feines Vatters ver»
ſoͤhnen wolte; ſo muſte er ihme zuvorhin dieſe Thiere in unſe⸗
rer eingepflantzeten Menſchheit zur Verſoͤhnung ſchicken / wel⸗
che dem Zorne Gottes geſchencket wurden.
ız. Dieſe Thiere aber / welche Chriſtus dem Zorne Gottes
zuvorhin vor feinem Leyden und Todt ſchickete / waren unſere
eingepflantzete Thiere; Als da iſt Hoffarth / Geitz / Neid / Boß⸗
heit / Luͤgen / da ein Menſch den andern verleumdet / mit Worten
ſchaͤndlich hinrichtet / niederdruͤcket / und für falſch und gott⸗
loß ausſchreyet / und in ſumma alle Laſter des Teuffels und der
boͤſen Welt.
x2. Dieſe boͤſe Thiere ſeynd in Adam inder Sünde alle auff⸗
gewachet und lebendig worden / dieſelbe Lebens-Geſtaltnuͤß /
darinnen Adam hatte ſeine boͤſe Thiere gebohren / da die a
} vers
8.60. Wie Eſau fen Zar entgegen gezogen. z61
peratur der Natur fich gertrannte / nahm Chriſtus in unferer
Menfchheit alleauff ſich / wicihrer denn inder Figur beym Ja⸗
cab wohl fünff hundert und achtzig angedeutet werden/ und ſchick⸗
te fie dem Zorn Gottes zu einer Verſoͤhnung / alser gar nahe
die Menfchpeit von diefen Thieren erlöfen wolte.
13. Und diefe Thiere waren bey Chrifte feine Berachtung /
Verſpottung / Berfpeyung /alles was ihme die Pfaffen der Juͤ⸗
den anthaͤten / das warenalles unfere Thiere / welche Chriſtus
dem Zorne Gottes an feinem Leibe übergab als ein Selbſchuldi⸗
ger / und da cr doch dieſer Thiere keines in feinem Willen geboh⸗
ten hatte / fondern Adam hatte fie gebohren / und er nahm fie auff
ſich als ein Lamm / und ſchenckete fie dem Zorn Gottes an feinen
$eib und schen / und thät als ein Selbſchuldiger / daß ſie der
Zorn Gottes an feinem Leib und geben verfchlang / als fein an⸗
gebohrnes Erbgut / das er am Menfchen zum Natursrecht hate
fe / damit Gottes Zorndas feine bekaͤme / und fein Grimmund
Hunger nach diefer Eitelkeit / ſie zu verfchlingen/geftillet würde.
14. Undder Geift Moyſis redet weiter inder Figur Chriſti /
und pricht: Alfo giengdas Geſchencke Jacobs vor ihm ber /
aber er blieb diefe Nacht beym Heer / und ftund auffinder
Nacht / und nahm feine zwey Weiber/ und die 2. Maͤgde /und
feine ır. Rinder / und 308 an den Furt Jabock / nahm fie /
und führete fie über das Waſſer / das hinuͤber kam was er
hatte / und blieb alleine.
Die Figur von Chriſto ſtehet alſo.
15. Als Chriſtus dieſes Geſchencke hatte dem Zorne Gottes
vorher geſchicket / ſo blieb er bey ſeinem Heer / als bey ſeinen
Juͤngern / und ſtundt auff in der Nacht der groſſen Finfternüß
in unſerm Gefaͤngnuͤß des Elendes / und nahm ſeine 2. Weiber
als den zwey achen geiſt des Menſchen / als die Seele / und
den Spiritum Mundi, die Auffere Seele und die innere ewige
Seele i famt den 2. Mägden/ als der zweyfachen Menfchheit
des Leibes; und die 1x. Kinder welche find die zz, Apoſtel / und
zog-an ten Furt Jabock / das iſt / gieng über den Bach Kidron
in finfterer Macht über das Waͤſſer / wie allhie Jacob / mitalle "
dehme / was er war/ und von uns Menfchen hatte angenommen.
16. Dan der wahre rechte zwoͤlffte Apoftel Ehrifti war noch
sicht erwähletan Judas Stätte! wie allhie beym Jacob der
ı2fe. Sohn auch noch in Mutterzleibe fag ungebohren; und wie
Jacob mit xr. Söhnen über das Waſſer in der groffen Nat
der Finſternuͤß gieng: Alfo gieng Chriſtus mit ſeinen xx. Juͤn⸗
Aa5 gern
562 Wie Eſau ſey Jac. entgegen gezogen. C.60.
gern in dieſer Jacobs⸗ Nacht uͤber den Bach Kidron in Garten /
und rang mit dem Zorn Gottes / daß er blutigen Schweiß
ſchwitzete / biß er überwandt.
17. Gleichwie mit Jacob in dieſer Nacht ein Mann rang
biß die Morgenroͤhte anbrach; Alſo auch rang der Ggift Got⸗
tes / als die Liebe Gottes in unſerer angenommenen Menſch⸗
heit mit Gottes Zorne in unſerer Menſchheit / biß die Liebe der
Gnaden dnurch den Zorn hrach / und der Morgenſtern goͤttlicher
Liebe in der Scelen auffgieng / und den Zorn überwandt/ wie
der Text im Moſe allhier gar verborgentlich / und doch gantz klar
in dieſer Figur deutet / in dem er ſpricht:
18. Da Jacob in dieſer Nacht mit feinen 1x. Kindern und
beyden Weibern ſamt den Maͤgden und allem Heer ſey gegan⸗
gen und hernach allein blieben; da rang ein Mann mit ihm
biß die Morgenröhte anbrach; und da er ſahe / daß er ihn
nicht uͤbermoͤchte / ruͤhrete er das Gelencke feiner Huͤffte an }
und das Gelencke ſeiner Huͤffte ward uͤber dem Ringen mit
ihm verruͤcket / und er ſprach: laß mich gehen / denn die
Morgenröhte bricht an; Aber er antworttet / ich laſſe dich
nicht / du ſeegneſt mich denn, Er ſprach: wie heiffeftu? £r
antwortet Jacob: Erſprach du ſolſt mcht mehr Jacob heit
ſen / ſondern Iſrael / denn du haſt mit Gott und Menſchen
gekaͤmpffet / und biſt obgelegen.
19. Dieſer Text ſtehet gantz in Chriſti Figur / denn dieſer
Mann welcher allhier mir Jacob die gantze Nacht rang / iſt
anders nichts als Gottes Gerechtigkeit und Wahrheit / in
welcher Gerechtigkeit war in Adam und allen Menfchen das
firenge Gerichte Gottes auffgewachet > und iſt eben der Mann
andentend/ welcher vem Volck Afracl auff dem Berge Sinnt
im Feuer und Schrecken das Gefege gab/ da er fich lieg in fei>
ner Gerechtigkeit im Vorbilde des Gerichts fehen / und dem
Menfhen das Gefege der Gerechtigkeit befahl zu halten bey
Straffedes ewigen Fluches / da er von dem Menfchen das Koͤn⸗
nen und Vermoͤgen forderte / als das Bilde Gottes das er in
Adam geſchaffen hatte.
20. Weil aber der Menſch nicht war beſtanden in der Pro⸗
ba / fohatte ihme Gott den Grund / als den Quellbrunn feiner
allerinnerlichften verborgenen Liebe mit der Verheiſſung vom
ES chlangen-tretter eingefprochen / als den heiligen Namens
3ESU: Dieſer Name 1ESU ſtundt num als ein Gnaden⸗bund
in Gotes ſtrengen Gerechtigkeit / in dem allen ar 5
za
-
8.60. Wie Eſau ſey Jac. entgegen gezogen. 563
Grunde der menſchlichen Seelen verborgen / und eroͤffnete ſich
bey den H. Vaͤttern Abraham / Iſaac und Jacob in ihrem
Glaubens-Znte.
21. Weil aber Jacob anjetzo mit feinem Bruder Eſau in der
Figur ſtunden / als Jacob im Bilde Chriſti / und Eſau int
Bilde Gottes Gerechtigkeit im Zorne nach dem Reiche ver Na⸗
fur / ſo ward jeko in diefer Nacht / da Jacob in groffen aͤngſten
war / dem Jacob im Geifte dieſe Figur offenbahr / daß er er⸗
kante wie Gottes Siebe im Gnadenbunde in dem eingeleibten
Namen IESU mit Gottes des Vatters Gerechtigkeit im Zorne
des Gerichts gerungen / als in der groſſen Nacht der Finfternüg
Gottes Zorns / darin die arme Seele gefangen lag/ und fich
alfo hart mit Gottes Gerechtigkeit gefaffet / und darein erge>
ben / und den Zorn mit der Gerechtigkeit nicht wollen von fich
laſſen / er ergebe fich dan in die Siebe ver Gnade ein / daß die
Siebe durch den Zorn möchte durchbrechen / wieder Schein des
Liechts aus dem Feuer / oder wiedie Morgenroͤthe aus der fiit-
ſtern Nacht anbricht / und die finftere Nacht in Tag verwandelt.
22. Denn der Gnaden⸗bund in der Liebe und die Seele ſtun⸗
den jetzo in Einer Perſon / fo mufte jetzo die Seele Jacobs in
Ehrifti Figur und Vorbilde mit Gottes Gerechtigkeit um das
himmliſche Ens ringen / als um die Weſentliche Weißheit /
welche der Name TESUS derarmen Seelen in ihre auch himmli⸗
ſche Weſenheit / welche in Adam verblich / mitbrachte / darin
nen Adams verblichene in diefer lebendigen wieder ausgrünete /
als eine neue Gebuhrt.
23. Darum fagte der Geift Gottes zu Jacob: Du haft mit
Gott und Menfchen gerungen/ als mit Gottes Siche im Bun⸗
de / und mit der Fünfftigen himmliſchen Weſenheit / welche
Weſenheit im Saamen Mariz Menfch ward/ undbiltohgeles
gen: Denn Chriſtus / in welcher Figur Jacob ſtundt / follte
alfo in unferer angenommenen Menſchheit mit Gottes Gerech⸗
tigkeit ringen und obfiegen.
24. Undder Geiſt in Mofefaget allhie: Und da er fahe daß
ee ihn nicht uͤbermochte / (verftchet Gottes Gerechtigkeit im
Zorne des Berichts übermochte nicht Die Gnade /) fo ruͤhrete er
Das Gelence feiner Hüfte an/ und das Gelende feiner
Huͤffte ward über dem Ringen mit ihme verruͤcket.
25. Diefes deutet nun an die Zerbrechung und Verruͤckung
der Adamiſchen Menſchheit / daß / wenn Chriftus würde dieſen
Sieg beſtehen / ſo wuͤrde die Menſchliche Eigen⸗ macht uñ Eigen⸗
“a6 wills
564Wie Eſau ſey Jac. entgegen gezogen E.60.
Wille verruͤcket / und gebrochen und getoͤdtet werden: Aber
gleichwie Jacob von diefem Ringen nicht ſtarb / ob ihm gleich
das Gelencke verruͤcket ward; alſo ſolte auch unſere Menfnheit
nicht ewig ſterben / ſondern nur verruͤcket / das iſt / verwandelt
werden.
26. Dieſes deutet vornemlich an / wieder bußfertige Menfch
muͤſſe in diefen Jacobs: Kampff tretten / und alfo mit SDLE
und Menſchen im Beifte Ehrifii in GOttes Gerechtigkeit / im
Zorneringen: Und wenn er nun ſieget / fo wird ihm fein Ge—
lencke des Hleifchlichen eigenen Willens gebrochen daß er in die=
fer Welt muß einhergehen als ein halber Lahmer / der nicht
wohl könne auff dem Weege der Welt wandeln/ fonvern er gehet
nur alsein Hindender / dehm die Glieder halb gebrochen find
damit der Welt Uppigkeit getrieben wird; denn der Geift im
Siege Ehriftirühret ibn fein Gelende/ daß er in der Welt
Hoffart und Boßheit halb lahm wird / und derfelben nicht mehr
groß achtet / fondern gehet einher als einverachteter lahmer
Menſch / deſſen der Welt Hoffarth in ihren geſunden Sprüngen
wenig achtet / ſondern haͤlt ihn nur fuͤr einen lahmen Menſchen /
welcher die Poſſen und Leichtfertigkeit der Welt nicht kan nach»
thun Aber er hat mit GOtt und nit Menſchen gerungen / und
iſt alſo von dieſem Sieg geruͤhret / und gezeichnet worden.
27. Dieſes verſtehet der Welt Hoffarth und Uppigkeit nicht /
denn ſte gehet noch in GOttes ſtrengen Gerechtigkeit im Reiche
der Natur in der Feurs-macht / in eigenem Willen einher / und
laͤſſet ihr wohl ſeyn / biß das Gerichte feine Stätte beſitzet / fo
muß die arme Seeleim ewigen Gerichte ſtehen / und in Pein⸗
ligkeit leben.
28. Undals Jacob im Ringen ſtundt / und ihm fein Gelende
gerühret ward daßer hinckete fo fpradh der Mann zu ihmes
Laß mich gehen / denn die Morgenröbte briht an; Aber er
antwortet / ich laſſe dich nicht / du ſeegneſt mich denn.
29. Diefesifterftlich die Figur Chriſti / als er fih in GOttes
Gerechtigkeit in des Datters Zorn einbegab/ dag ihn der Zorn
nach unſerer Menſchheit toͤdtete / ſo ſprach die Gerechtigkeit: Nun
laß mich gehen / denn jetzo iſt die ewige Morgenroͤhte in mir an⸗
gebrochen: Aber Chriſtus hatte die Gerechtigkeit gefaſſet / und
ſprach: Ich laſſe Dich nicht / du ſeegneſt denn Die Menſchheit wie⸗
der /daß das Gerichte auffhoͤre / das iſt / du fuͤhreſt denn die
Miorgenröhte,veiner inwendigen Krafft durch die Menſchheit
aus / dapıber Fluch auffhoͤre und der Menſch gänslich wieder
in Goͤttlicher Würdeng im Segen ſtehe. 30. Zum
E.60. Wie Eſau ſey Jac. entgegen gezogen 5365
30. Zuut andern iſt es das ſchoͤne Bilde) wie es mit dem buß⸗
fertigen Menſchen zu gehe / wenn er ſich durch ernſte Buſſe in
dieſein Kampff Chriſti /als in Chriſti Leyden und Todt / in feine
Uberwindung einergiebet / uñ im Geiſte Chriſti mit Gottes ſtren⸗
gen Gerechtigkeit / welche ibn iñerdar im Gewiſſen ſchilt / ringet.
32. Wenn GoOttes Gerechtigkeit im Gewiſſen ſpricht: $aß
mich / denn du biſt todt in Suͤnden / und haſt kein Theil an Goͤtt⸗
licher Gnade / du haft fuͤrſatzlich und muthwillig geſuͤndiget / und
Die Gnade hindan geſetzet: Jetzt biſt du mein / es huͤlfft dich kein
bitten / ich laſſe dich nicht in deinem Gewiſſen zur&nade/du wirft
Feinen Troft mehr von GOtt erlangen) die Morgenröhte wird
dir im Gewiſſen nicht mehr auffgehen/ denn du bift ein Kind des
Todes: Nur laß abe / und lag mich / daß ich dich hinunter in des
Zodes Kammer cinföhlieffe.
32. Wenn dieſes geſchicht / fo erſencket fih die arme Seele
gang in Chrifti Tode ein / und ergichet fich Gottes fFrengen Bes
rechtigkeit im Gerichte ein / denn das Gerichte faſſet fie: Sie
aber ergreiffet die eingeleibte Gnade im Tode Chriſti / und erſenc⸗
fet ſich darmit inden allerinnerfien Grund des Gerichts GOt⸗
tes / in welchein Grunde iſt Gottes Liebe Durch die Gercchtige
Feit und durch Das Gerichte durchgebrochen / als durch dir, ewige
Nacht / und hat dieſelbe Nacht indem Menfgenzum Tage ge=
macht.
33. In dieſen Tage) als in Abgrund auffer aller Menſchen
Bermögenheit oder Können erſincket ſie / als sin nichts mehr koͤn⸗
nendes oder wollendes Kind/ das aller Gnaden viel zu unwuͤrdig
ſey / und ſich ja muͤſſe dem Gerichte ergeben: Aber mit ſolchem
Einerſencken uͤbergiebet die Serle all ihr Koöͤnnen / Wollen und
Vermoͤgen / und wird in ihr ſelber / gleichwie Natur-⸗ und Crea⸗
tur-loß / und faͤllet wieder in das Wort ein / darinnen fie vor
ihrer Creatuͤrlichen Art im ewigen Sprechen ſtundt.
34. Denn GOttes Gerechtigkeit und Gerichte hat keinen
tieffern Grund/ als nur in das Ereafurliche Leben; wan fich
aber der Sielinswilleausder Creatur ausgiebet md in Ans
grumd erſincket / ſo ift fie wieder als cin neues Kind) denn der Um;
grund im ewigfprechenden Worfe/ daraus fich die höchfte Liebe
und Gnade GOttes hat offenbahret / ergreiffet fie / und dringet
in fie ein / wie die Sonne in das Ens eines Krauts/ davon das
Kraut halb Sonniſch wird: Alfo wird in dieſem einerfinden die
Seele in ihrem Willen bald Göttlich / alsdenn ringet-fie mit
GoOttes ſtrengen Gerechtigkeit im Fleiſch und Blut und wil
den Zorn GOttes uͤberwaͤltigen. SANT 3. So
566Wie Eſau ſey Jac. entgegen gezogen. C.60
35. So ſpricht alsdenn GOttes Gerechtigkeit im Gewiſſen:
Laß mich doch / das iſt / laß doch von mir ade / und toͤdte mich
nicht / denn ficheftu doch wohl / dag die Goͤttliche Morgenroͤhte
in mir auffgehet /höre nur auff mit ffürmen wieder dag Gerichte
GOttes: Aber in den rehtenKampffern fpricht die Seele zu
GOttes Gerechtigkeit: Ich laſſe dich nicht / du feegneft mich
denn / Das ift / du giebeft mir denn. die verheiffene Gnade
aus dem Tode Ehrikti in feiner Überwindung / daß ich meinen
Heyland Chriſtum anziehe / dag er mein und ich fein fey: So
ſpricht alsdenn GOttes Gerechtigkeit / wie zu Jacob / wie heiſ⸗
ſeſtu? fo nennet ſich alsdenn die arme Seele nach ihrem Crea⸗
tuͤrlichen eigenen Namen / wie Jacob thaͤte / da er ſich allhie
Jacob nennete: Aber gleichwie der HErr zu Jacob ſprach: Du
folſt nicht mehr Jacob heiſſen / ſondern Iſtael / das iſt / ein
Baͤum desLebens; Alſo auch ſagt GOtt zu der Seelen: Du ſolſt
nicht mehr eigenen Namen in mir haben / ſondern du ſolſt ein
Chriſt inChriſto heiſſen / als ein Aſt in Baume Iſraelis / ein Rebe
am Weinſtock Chriſti / denn du haſt mit GOtt und Menſchen
gekaͤmpffet und biſt obgelegen; du haſt GOttes Gerechtigkeit im
Grimme des Zorns in deinem Kampffe im Geiſte Chriſti über-
wunden / und biſt nun ein eſſentialiſcher Chriſt / und nicht mehr
ein — * und Maul⸗Chriſt / von deme die Gnade noch
erne iſt.
N 36. Und Moyfes fpricht weiter: Und Jacob fragte ihn,
und ſprach: Sage doch/wie heiffeftu ? £r aber fprach/warum
frageſtu wieich heiſſe ? und er ſeegnete ihn daſelbſt / und Ja⸗
cob hieß die Stätte Pnuel / denn ich habe GOtt von Ange⸗
ſicht geſehen / und meine Seele iſt geneſen.
Die innere heilige Figur ſtehet alſo:
37. Als Jacob mit der Glaubens-Begierde in ſeinem rin⸗
gen die Morgensröhte GOttes im Geiſte Chriſti ergriff / und
She Chriſtum von ferne ohne Creatuͤrliche Menſchheit / ſo ſprach
er /wieheiffeftir ? Aber Chriſtus ſprach / warsım frageſtu wie
ich heiffe ? dasift / ich bin kein fremder / fondern bin eben der
Iſrael in dir felber / ich habe feinen andern Namen / ſondern
Dein Name und mein Name foleiner ſeyn.
38. Dan Gott hat auffer der Natur und Creatur feinen
Damen / fondern heiffet allein das ewige Gut] als das ewige
Eine / der Ungrumd und Grund aller Weſen: Ihme ift Feine
Staͤtte er funden / darum Fan ihn auch Feine Creatur rent nen⸗
nen]
8.60. Wic Eſau fen Jac. entgegen gezogen. 567
nen / dan alle Ramen ſtehen im geformten Worte der Kraͤffte:
GoOtt aber iſt ſelber die Wurtzel aller Kraͤffte ohne Anfang und
Namen / darum ſaget er zu Jacob / warum frageſtu wie ich yeiffe®
und ſeegnet ihn.
39. Gleichwie die Creaturen / ſo wohl alle Gewaͤchſe der Er⸗
den nicht koͤnnen wiſſen / wie der Sonnen Krafft heiſſet / ſondern
ſie ſtehen der Sonnen ſtille / und die Sonne gibet ihnen Krafft
und Waͤrmde / und ſeegnet fie / daß fte wachſen und Frucht brin⸗
gen: Alſo auch allhie mit Jacob und allen Menſchen zu verſte⸗
hen iſt. Als Jacob die Morgen-roͤhte GOttes in feiner Seelen
ſahe und fuͤhlete / fo ſeegnete ihn die Göttliche Sonne im Nas
men Jeſu durch effentialifche Wuͤrckung.
40. Und muß eben dieſes darbey andeuten / wie es Jacob
und allen Kinderen GOttes in dieſer Sonnen-ſchein gegangen
iſt und noch gehetz wann die Gnaden⸗ſonne mit ihrer wuͤrckenden
Krafft in der Seelen auffgehet / ſo erfreuet ſich die Seele / und wil
inuner gerne GOttes Antlitz auff Creatuͤrliche Art ſehen / wie
auch Moyſes begehrete / und dencket immerdar / GOtt ſey etwas
foͤrmliches / fie ſche GOtt nicht recht/ und wil Gott in Bildligkeit
erkennen: Alſo hart liget uns die Creaturliche Bildligkeit im
abgewichenen eigenen Willen im Gemuͤhte / dag wir nirgends
verftchen fönnen was Gott ift/ als daß er der Abgrumd aller Na⸗
ur und Ereaturfelber ifi/ als das ewige Eine das in nichts / als
nur in ſich ſelber wohnet/ und Feine Form noch etwas hat.
42. Und wäre recht und gut /- dag wir nicht alfo von den
Meittern der Buchftaben in Bildlicher Form geführet würden/
wan man von dem einigen GOtt lehret und redet / wie biß an⸗
hero geſchehen iſt / daß man uns in eitel Bilden im eſſentiali⸗
ſchen Willen gefuͤhret hat / als wolle der einige GOtt dig oder
das / da er doch ſelber der einige Wille zur Creatur und Natur
iſt / und die gantze Creation einig und allein in der Formirung
ſeines ausgehauchten Worts und Willens inne liget / und die
Scheidligkeit des einigen Willens im Ausſprechen / und mit der
Infafſung zur Natur verſtanden wird.
42. Wann die Hoffart des $ucifers denfelben Meiftern
moͤch te ausden Herken und Augen geriffen werden / fo würde
man bald GOttes Antlig ſehen: Aber der Babyloniſche Thurn
da man wil in Stiegen und in Meynungen zu GOtt auffſteigen
in einen beſonderen Himmel / da GOtt eingeſperret ſitzet / haͤlt
die wahre Erkaͤntnuͤß und den Verſtand auff / daß wir immer⸗
dar fragen / wie heiſſet GOtt? wo if GHtt? was wil —
stem]
568Wie Eſau ſey Jac. entgegen gezogen. Co.
Item / er wil Gutes und Boͤſes / daraus fie ein hauffen De-
creta Goͤttliches Fuͤrſatzes machen / wie ein Fuͤrſt in ſeinem Lan⸗
de Geſetze machet / und haben eben ſo viel Verſtandt von GOtt
und ſeinem Willen / als der Topff von ſeinem Toͤpffer verſtehet.
43. Zu klagen iſts / daß man uns alſo blind fuͤhret / und die
Wahrheit in Bildern auffhaͤlt / dan / ſo die Goͤttliche Krafft im
inwendigen Grunde derSeelen mit ihrem Glantze offenbahr und
wuͤrckende wird / daß der Menſch begehret vom gottloſen Weege
auszugehen und ſich GOtt zu ergeben / fo iſt der gantze Dreyei⸗
nige GOtt in der Seelen geben und Willen gegenwärtig / und
it der Himmel / da GOtt innen wohnet in der Seelen auffge>
fchloffen ; undift chen die Stätte allda in der Seelen dader
Batter feinen Sohn gebähret/ und da der heilige Geift vom
Batter und Sohn ausgehet.
44. Dan GHtt brauche fich Eeiner mäßlihen Gtätte/ er
wohnet auch im Abgrunde der goftlofen Seelen / aber verfelben
“nach feiner Siebe nicht faglich / fondern nach feinem Zorn in der
gottlofen Seelen offenbahr und faßlich.
45. Dan das ewige Sprechen des Worts (nach der Infaßs
lichkeit zur Natur und Ereatur ) wird nach dem feclifchen
Willen bildlich / Davon die Schrift faget: Bey den Heiligen
biftu heilig / und bey den Verkehrten biftu verfchret: Item /
welch ein Volck das iſt / einen folden GOtt hat es auch.
46. Daninden Thronen der heiligen Engelift SDtt in ſei⸗
ner Liebe offenbahr / und inden Thronen der Teuffel ift er mit
feinem Grimme offenbahr / als nach der Finſternuͤh und Pein⸗
lichkeit / undift doch nur ein einiger GOtt und nicht zween
Nach ver Natur der Peinlichkeit/ wiler Peinlichfeit/ und nach
der Liebe wil er Liebe / gleichwie ein brennend Feuer nur hin
wieder einen harkigten Schweffel begehret nach feines gleichen/
und das Sicht aus dem Feuer begchret nichts als nur eine offene
Stätte / darinnen es fcheinen mag: Es nimt nichts / fondern
65 gibet ich felber zur Freude des Lebens / es laͤſſet fich nur neh⸗
men / und hat keinen andern Willen in fich/ als das fichs wil fel-
ber geben / und wil gutes würden: Alfo Hat auh GOtt nach
feiner Heiligfeit keinen andern Willen in fich / als dag er wil
feine Lebe-Krafft und Schein (in der Greatürlichen Form )
offenbahren /gleichwie fich Die Sonne in einem Kraute offenbah⸗
basket / und daffelbe tingiret und gut machet / alfo auch von Gott
zuverſtehen ift.
47: Darum iftg alles sin unnuͤtz Geſchwaͤtz und —
ild⸗
—
C. 60, Wie Eſau ſey Jac. entgegen gezogen. y6
Bildlichkeit dag man fraget / wie heiſſet GOtt? Item / daß
man viel ſaget / er wil diß und das / Voͤſes und Gutes) und weiß
aber nichts vom Grunde zu fagen / wie er Böfes und Gutes wol»
le / wie man die Sprüche ver Schrift verftehen foll.
48. Diefer Streit umb die Buchſtaben it wol recht die ver⸗
wirrete Zunge auff dem hohen Thurne der Kinder Rimrods zu
Babel / dan derſelbe hope Thurn ift eine Figur der Facultaͤten der
hoben Schulen | da die einige Göttliche Zunge verwirreiundin
viel Sprachen verkehret wird / dag ein Volk das ander nicht
verſtehet / dag man umb den einigen GOHE zandet / in dem wir
leben und find / dadurch doch jadas Neich der Natur in ——
Wundern offenbahr / und in figuͤrliche Wunder gebracht wird.
49. Aber der wahre Grund was und wie GOtt ſey / was das
Weſen aller Weſen ſey / iſt ja bey ihnen fo blind / als der Blind⸗
gebohrne an der Beſchaulichkeit dieſer Welt iſt: Und ob ſie ſich
gleich Meiſter der Buchſtaben nennen / ſo haben fie doch die 5. Vo-
cales verlohren / welche die Krafft aller Wörter ſind / welches wohl
zu beklagen iſt / daß man gar nichts mehr von des H. Geiſtes Zums
ge verfichet/wasder Geiſt Gottes in Moyfe und den Propheten
geredethat/ und wie er in ſeiner Sprache auff das zukuͤnfftige
Ewige gedeutet habe: Man hanget bloß an einer Hiſtoriſchen
Geſchichte / und ficher nicht was mit dieſer oder jener Geſchichte
angedeutet ift.
so Dan umb geringer Schäffer Gefehichte willen / wiedie
aͤuſſere Form fichet / hat GOttes Geiſt nicht folhe Wunder ges
than / und eben diefelben Gefchichten fo genau auffgefihrieben /
als wan ihme ſo viel an einer Hiſtoria gelegen wäre/dag er dieſel⸗
be hat bey allen Voͤlckern erhalten / und laͤſſets fuͤr ſein Wort
ausruffen: Nein / ſondern umb deß willen / das unter ſolchen
einfältigen Geſchichten angedeutet wird / damit GOttes Geiſt
in der Figur ſpielet auff das kuͤnfftige Ewige: Darumb ſolte
man die Schrifft des Alten Teſtaments mit hellern Augen an⸗
ſehen / dan das gantze Neue Teſtament lieget darunter in der Fi⸗
gur der einfaͤltigen Geſchicht. *
5. Als GOtt Jacob geſeegnet hatte / fo hieß Jacob dieſelbe
Staͤtte Pnuel / das iſt ein Einſechen Gottes in die Seele / da
Gott inder&eclen offenbahr ward/ fo fprach die Seele: Ich habe
Gottin mirvon Angeſicht zu Angeſicht gefehen/und meine@eele
iſt in dieſem Einſehen genefen: Und als er vor Pnuel uͤberkam /
ieng ihm die Sonne auff; das iſt / wan GOttes Sonne / als
Krafft / in der Seelen offenbahr wird / ſo faͤhet der Gen
Ellen&
570 Wiekfan fey Jac. entgegen gezögen.E.60
Eſſentz diefelbe Kraft in fich/ fo gehet die Göttliche Sonne in
der Seelen Eſſentz auff/ dan allda hat num der Batter feinen
Sohn inder Seelen gebohren / welcher die Sonne der Gerech>
tigfeit/fo wohlder Göttlichen Liebe und Freude ift/alsdan hinc»
tet die eigene Natur / dan ihre Spannsadern des natürlichen
Willens werden ihr verrücket / dag der eigene Wille in feinem
Vermoͤgen lahın wird, wie allyie Jacob. Undder Tert Moyfis
faget : Daher effen die Rinder Iſrael Feine Spañ⸗ader auf
dem Belende der Hüffte biß auff den heutigen Tag / Darum
Daß die Spañ⸗ader an dem Gelencke der Hüffte Jacobs ges
ruͤhret ward.
52. Diefes zeiget klar an dat Jacob und feine Kinder dieſe
Geheimnuͤß verſtanden haben / und ihnen ein ſolch Gedaͤchtnuͤß
mit der Spañ⸗ader auffgerichtet haben: Dan / was gehet das
ein Thier an was mit Jacob geſchehen iſt? Es iſt darum nicht
die Spañ⸗ader am Thiere verruͤcket oder vergifftet / allein die
Kinder ver Heiligen ſahen auff den grund GoͤttlicherGeheimnuͤß.
53. Daran die jetzigen Juden wohl blind ſeynd / und hangen nur
an dem Geſetze: Trachteten fie alſo ſehr nach Jacobs Sonne
als ſte am Geſetze hangen / fo würde dieſelbe Spañ-ader in ih⸗
nen auch verruͤcket werden / und wuͤrden ſie nicht alſo nach Geitz
und Wucher trachten; aber ſte waſchen ihre Becher und Schuͤf⸗
ſeln auswendig / und inwendig bleiben ſte unrein.
54. Wie dan auch die — nur an der Hiſtoria han⸗
get / als an dem Purpur⸗Mantel Chriſti / und Chriſtum in
ſeiner Krafft jagen ſie von ſich / und wollen nicht mit Jacob die
Spañ⸗adern der wilden thieriſchen Eigenſchafften des wolluͤ⸗
ſtigen Fleiſches Willen verruͤcken und hinckende werden / ſondern
fein gerade mit dem Thiere unter Chriſti Mantel wandeln.
55. Dieſe verrückte Spañ-ader deutet / das Adam in feiner
Unfchuld vor feiner Eva nicht ein folches grobes Thier gewefen
iſt wichernach: Darumb als Chrifti Geift im Bunde in Ja⸗
cob offenbahr ward, fo rührete er ihme die thierifche Gelencke /
anzudeuten / daß fie in Ehrifto folten zerbrechen und auffhören /
dag ein geiftlicher Menſch folte vom Tode auffftchen / und nicht
ein ſolch grob Thier⸗Menſch.
%
Cap.61. Wie Jacob zu Eſaukam / ꝛc. 37%
Das 61. Capittel.
Die wunder⸗ſchoͤne Figur / wie Jacob und Eſau zuſam⸗
men kommen | und alles Leyd und böfer Wille in groſſe
Freude und Erbärmde gewandelt ward
was darbey zuverftehen iſt.
Genef. 33.
1. Ey dieſem Texte ſoll die blinde Vernunfft ihre Au⸗
gen beſſer auffthun / als ſie bißhero gethan hat / und
die Figur mit Jacob und Eſau beſſer betrachten /
und das Decretum wit Jacob und Efau lernen
recht verftchen /da die Schrift faget : Jacob ha⸗
be ich geliebet / und Sſau gehaſſet / da die Kinder noch in
Mutterleibe lagen / und weder Gutes noch Boͤſes gethan
hatten / auff daß der Fuͤrſatz GOttes beſtehe.
2. Allhie ſoll man den Fuͤrſatz GOttes recht anſehen / was
GHttes Geiſte darmit meynet; Denn Eſau ſtund im Bilde des
verderbten Adams / und Jacob im Bilde Chriſti / welcher war
kommen dem armen Adam zu helffen: Darumb muſten dieſe
zween Bruͤder aus einem Saamen kommen / anzudeuten / daß
GOtt würde Menſch werden / und dag GOttes Saame als
fein Wort / und Adams Saame in feiner eigenen Natur / ſoll⸗
ten in Einer Perſon offenbahr und ein Menſch werden / und daß
GOttes Saame den ververbten Adams-Saamen ſollte mit
groſſer Goͤttlicher Liebe uͤberwinden / und des Vatters Zorn in
der Seelen mit der Siebe leſchen / und ſollte ſich die Goͤttliche Sie»
be gantz in Zorn der Seelen einergeben / auff daß GOttes Gena⸗
de und Erbaͤrmde in der Liebe durch den Zorn druͤnge / und den
Zorn auch in Erbaͤrmde wandelte / wie allhie Jacob mit ſeinem
Geſchencke und ſeiner groſſen Demuth ſich ſeinem Bruder Eſau
einergab / und ſeinen Zorn / den er auff Jacob wegen des Natur⸗
Rechts der erſten Gebuhrt und des Seegens trug / in ſolche groſſe
Erbaͤrmde wandelte / daß ihm Eſau mb feinen Hals fiel/ und in
groffer Erbaͤrmde weinete / und fein Zorn ihme in Liebe gewan⸗
delt ward / gleich wie Chriſtus ſeines Vatters Zorn mit ſeiner
groffensiche und Demuth in unſerer angenommenen Menſchheit
in unferer feuersbrennenden Zorn⸗Seelen in ſolche groffe Er=
baͤrmde wandelte / das die Göttliche Gerechtigkeit im Zorn von
unferer Seelen auffhoͤrete.
3: Denn
572 Wie Jacob zu Eſau kam / da alles Cap. ı!
3. Denn gleich wie Jacob feinen Bruder Efau mit dein Ge—
ſchencke und der Demuth verföhnete / als er ſich dem Zorn Eſaus
einergab; alfo auch verföhnete Chriftus den Zorn GOttes / ais er
fein himmliſches Blut mit der groffen $iebe-Tin&ur dein Zorn
GOttes einergab zu verfchlingen / fo ward der Zorn / als die Na⸗
tur der finftern Welt / welche in Adam war offenbahr worden/
wieder ins Göttliche Liecht der Liebe / alsinein Liebe⸗Feuer ge⸗
wandelt.
4. Moſes ſpricht: Jacob hub ſeine Augen auff / und ſahe
feinen Bruder Sſau kommen mit 400. Mann / und theiles
te ſeine Kinder zu Lea und zu Rahel / und zu den beyden
Maͤgden / und ſtellete die Maͤgde mit ihrtn Kindern vorn an /
und Sea mit ihren Rindern hernach / und Rahel mit Jo⸗
ſeph zuletzt / und er gieng vor ihnen her / und neigte fich fiebene
mahl auff die Erden big er zu feinem Bruder kam.
Die innere theure Figur ſtehet alſo:
Als Chriſtus in ſein Leyden gieng in unſerer angenommenen
Menſchheit / ſo kam ihm der Zorn GOttes in den 4. Elementen
bes Leibes entgegen / fo theilete Chriſtus feine Gottheit und feine
Menſchheit / als der himmliſchen Welt Weſen / welches er von
Gott in unſere Menſchheit brachte / und das Reich der natͤr⸗
lichen Menſchheit von Adam in unterſchiedliche Paincipien:
Denn die Gottheit / nach Goͤttlicher Allmacht / ſtund jetzt ſtille:
Darumbfagtedie Menſchheit am Creutz / Mein GOtt / warumb
haſtu mich verlaſſen!
5. Die zwey Weiber Jacobs mit ihren Kindern deuten all⸗
hie in Chriſti Stande an die zweyſache Seele / als von Zeit und
Ewigkeit / und die zwey Maͤgde mit ihren Kindern deuten alla
hie in dieſem Stande an / die himmliſche und irrdiſche Leiblich⸗
keit: Als Lea in ihrer Bloͤdigkeit deutet an den Spiritum Mundi
im Limo der Erden / darinn die Verderbung in Adam geſchahe /
darinn GOtt den Schlangen⸗tretter verhieß / darinnen Chriſtus
ſolte offenbahr werden: Darum ward in der Lea die Linea Chriſti
als der Schlangen⸗tretter in dem Vorbilde / als der Juda geboh⸗
ren / und Rahel deutet an den verblichenen Ens von der himliſchen
Welt Weſen / darinnen die rechte Seele wohnet / welcher in
Adams Fall verblich und unfruchtbahr ward / wie Rahel / big
ihn GOtt im Geiſte Chriſti fruchtbahr machete / wie Rahel
geſchahe.
6. Und wie Jacob die Maͤgde mit ihren Kindern fornean
ſtellete /
Cap.6 1. Leyd in Freud gewandelt ward. 57%
ſtellete / alfo ward die irrdiſche Bildlichfeit in der menſchlichen
Natur im Leyden Ehrifti fornean geftellet / welche follte durch
die Schärffe des Todes gehen / hernach wird Lea / das ift/der Leib
ans dem Limo der Erden/ indem der Schlangen=tretter lag / im
genden Epyriftidargeftellet/ und hernach Rahel / als der himmli⸗
ſche Limus mit dem Fürften Joſeph / das iſt / mit dem recht en A⸗
damiſchen Bilde/ von der Göttlihen Welt Weſen / un? der Nas
ine JEſus gieng im Leyden Ehriffi vorher / wie Jacoo vor ſei⸗
9 Weibern und Kindern.
Und als der Name und die Krafft JEſu / als Gottes
ei gkeit und Siebe / den Grimm Gottes in menſchlichem
Fleiſche und Setle ſahe und empfand/fo buͤckete fih der Name
JEſus durch alle 7. Geftälte des Natur-Lebens / darinnen der
Zorn GOttes war offenbahr worden / dasift / er drang allda .
eſſentialiter durch das Centrum der Natur / durch alle 7. Geftäls
te der Natur / durch den grimmen Feuer⸗Quaal hindurch.
8. Wie ſich Jacob ſtebenmahl zur Erden vor dem Zorn Eſaus
buͤckete / und Eſau in dieſer Demuth verſoͤhnete: Alſo verſoͤhnete
auch allhie die Siebe indem Namen JEſu den Zorn des Vatters
Eigenſchafft im Feuer / in Seele und Leib: Denn das natuͤr⸗
liche Leben vom Spiritu Mundi als die Seele von der Zeit / welche
Adam in feine Nafen eingeblafen ward / mufte ihr Natur—⸗
Recht übergeben / und fterben : : Gleich wie Jacob feinem Bru⸗
Der fein Guth und auch das auffere Sehen übergab / was der mit
ihm thun würde; Alfo übergab auch Chriftus dem Zorn GOt⸗
tes unfer Leben / und ließ es willig: Aber der Name JEſus
gieng vorher /und führete unſer natürlich Sehen durch den Tod
hindurch / und nahm es wicder zu fich / und triumphirete mit un⸗
ſerm Natur⸗Leben über und durch den Tod.
9. Und wie Efau feinen Bruderin folher Demuth und Ein⸗
ergeben entgegen lief] undihm umb den Hals fiel und Eüffete /
undingroffer Erbärmde an feinem Halfe weinete : Alſo auch
imgleichen / als die Effenf des Zorns GOttes / Die füffe Liebe im
Namen JEſu / indem Blute Ehrifti Eoftete / fo ward fie tranf-
mutiret/ und in folche groffe Erbarmde über das menfhliche
Geſchlechte gewandelt / wie Zeremias im Geifte davon deutete /
da er in dieſer Figur ſpricht: Ephraim mein gefrautes Kind /
mein Herg bricht mir / daß ich mich feiner erbarınen mug ; da er
von diefer Erbaͤrmde redet.
10, Und als £fau dem Jacob an feinem Halfe weinete /
hub er feine Yugen auff / und fahe die Weiber mit den —
ern
e
574 Wie Jacob zu Eſau kam / da alles Cap.sr:
dern und ſprach: Wer find diefe bey dir ? Jacob antwortet:
Ss feynd Rinder / die GOtt deinem Ancchte befcherer bat}
und Die Maͤgde tratten herzu mit ihren Rindern / und neige⸗
ten ſich vor ihm: Lea tratt auch herzu mit ihren Kinderen /
und neigeten ſich vor ihm / darnach tratt Joſeph und Rahel
herzu / und neigeten ſich auch vor ihme.
Die innere Figur ſtehet alſo:
Als GOttes Zorn die Menſchen in der Finſternuͤß gefangen
hielt / fo wurden fie im Zorne nicht vor GDtfesjheilig Bild er»
kant: Als aber im Leyden Ehrifti die Siebe in der Menfchheit
Durch den Zorn brach/ dag der Zorn verwandelt ward / fo fahe fie
der einige GOtt wieder an in feinem Bilde / und ſprach zu dem
Damen JEſu / wer find diefe welche bey dir ſeynd ? UndIEfus
antwortet GOtt und ſprach: Das feynd Kinder/ Die GOtt dei⸗
nem Kncchtebefcheret hat.
ıı. Dann allhie ftellet fih Chriftusals ein Knecht GOttes
mit feinen in ihme im Glauben gebohrnen Kindern dar/als mit
uns armen Evz Kindern: Und cs fratten durch den Tod Chriſti
zuerft herfuͤr vor GOTTES Angefichte die Maͤgde mit ihren
Kindern / das ift / der gewefene fündige Menfch / der ftellet fich
erſtlich in GOTTES Angefichte / welche Jacobs Mägde an»
deutet.
ı2. Hernac fo drang hergu die Bundes-Linea mit der geiſt⸗
lichen Lea / als das erſte gefchaffene Bild aus dem Limo der Er⸗
den / darinnen die s.Nägelsmahlder Wunden Eprifti ſtunden /
die wurden dem einigen GOtt gezeiget / daß er Der Maͤgde Kin⸗
der darinnen ſollte annehmen / die neigeten ſich alle vor GOtt.
13. Hernach ſo kam Joſeph mit feiner Mutter / als das Bild
von dem himmliſchen Welt⸗Weſen / und neigete ſich vor Dem ei⸗
nigen Gott / welcher über ſte war zornig geweſen.
14. Dieſes ſoll inan nicht mit zertheileten Figuren oder Bil⸗
den verſtehen / ſondern wie die Eigenfchafften der Menſchheit
durch das Leyden Chriſti ſind in einem einigen Bilde / als in
Chriſti Menfehheit im Reiche der Wiederbringung / als im
Himmelreich vor GOtt oifenbahr worden. Der Leſer ſoll un⸗
fern Sinn eigentlich verſtehen: Denn wir fehreiben allhie im
Anſchauen aller 3. Principien / wiedas fey zugangen / und noch
heut mit der neuen Gebuhrtzugehet: Unfere Erklärung duldet
Eeine Unterfcheidung der Figur oder Kreatur / wir verſtehens
in einer Creatur.
15. Unſere
Ze —
Cap.sı. Leyd in Freud gewandelt ward. 55
15. Unſere hertzliche Betrachtung iſt dieſes / daß wir ſehen
und verſtehen / wie wir arme Eva Kinder durch Chriſti Leyden
und Tod hindurch fuͤr GOttes Angeſichte geſtellet werden / und
wie am erſten die Seele mit dem Leibe der Suͤnden muͤſſe durch
den Tod gehen / und in der Aufferſtehung wieder für GOtt tret⸗
ten mit dem Seibe/da dergeib vom Limo der Erden vor GOtt wie
freinbde geachtetift: Darumb wird er inder Figur in der Maͤg⸗
de Geftalt præfiguriret / daß alsbald in demſelbenLeibe die Naͤgel⸗
mahl und das Leyden Chriſti vor GOtt geſtellet wird / aus wel⸗
chem Tod Chriſti wieder das ſchoͤne in Adam geſchaffene Bild er⸗
ſcheinet / wie die gantze Figur mit Jacob alſo ſchoͤne auff einander
ſtch bildet / und der Geiſt Damit gedeutet hat.
16. Und Eſau ſprach ferner zu Jacob: Was wilſt du mit
alle dem Heere / dehm ich begegnet bin? Er antwortet: Daß
ich Genade finde vor meinem Herrn. Sſau ſprach / ich habe
genug mein Bruder/behalt was du haft; Jacob antwortet:
Ach nicht! Habeich Benade finden vor dir / fo nimm mein
Öefchende von meiner Hand : Denn ich fahe dein Ange⸗
fichte / als ſaͤhe ich GOttes Angefichte / und laß dirs wohlge⸗
fallen von mir : Nim̃ doch den Seegen von mir an / den ich
dir zubracht habe / denn GOtt hat mirs befeheret / undich
habe alles genug ; alfo nöthiger erihn daß ers nahm. Diefes
iſt num die gar fchöne Figur da der Geift mit fpielet / wie Chri⸗
ſtus mit feiner Chriſtenheit vor GOtt erſcheinet / als mit feinem
erworbenen Guthe / ſo ſpricht der Vatter zum Sohne / wo wilſt
du mit dieſen deinen Kindern / welche mir taͤglich begegnen / in
dem fie zu dir kommen / hin ? Und Chriſtus ſpricht: Ach Hera
daß ich Genade bey dir mit ihnen finde. Und der Vatter ſpricht;
Sie ſeynd dein erworbenes Guth / behalt was du haſt / ich habe
ohne das genug und alles.
17. Chriſtus aber ſpricht: Ach nein / mein HErr / nimm doch
den Seegen an / den mir GOtt in meinen Kindern beſcheret hat /
den ich dir habe zubracht: Denn GOtt hat fie mir beſcheret / und
ich habe alles genug / under noͤthiget GOtt feinen Vatter / dag
er das Reich von ihn wieder annimmt; Und iſt eine wahre Figur /
wie Ehriftus/ nachdehm er zur Nechten GOttes figet/ und herr⸗
fhet über feine Feinde / werde das Reich feinem Vatter wieder
überantworten / da alsdenn auch wird der Sohn dem Vatter
unterthänig ſeyn mit ſambt feiner Chriſtenheit / wie die Schrift
ſaget: Welches der Geift in diefer Figur gewaltig pr=figuri-
ret / und im Bilde fürgeftellet,
a8. Die⸗
776 Wie Jatob zu Eſau kam / da alles Cap. 6x
18. Dieſes iſt eine ſchoͤne Figur / da Jacob zu ſeinem zornig⸗
gewefenen Bruder Eſau komt / und ſiehet wie ihme Eſau umb
ven Hals faͤllet und weinet / daß er ſaget: Ich ſahe dein Ange⸗
ſicht / als ſaͤhe ih GOttes Angeſicht: Welches ung andeutet /
daß der Grimm GOttes im Reiche der Natur in Adams Seel
und Leib war zu einem Feinde worden /als die feurifche Seele
felber / welche indes Vatters Eigenfihafft in der ewigen Natur
innen ſtehet.
„29 Als aber dieſe groſſe Liebe und Demuth im Blute Chriſti
hindurch drang / ſo ward dieſer Grimm / als die feuriſche Seele
wieder in GOttes klares Angeſichte verwandelt / und bekam
wieder das Auge der Liebe GOttes: Alſo iſt uns auch vom Efau
zu verfichen; als ihn der Genaden- Bund in der Figur Chriſti
in Jacobs Demuth anblickete / fo ward fein Fluch und Boßheit
durch Chriſti Geift in Siche gewandelt) dag er nicht mehr der
war / von dehme die Schrift faget : Efau habe ich gehaſſet:
Denn im Reiche der Adamiſchen Natur war der Haß GOttes
in ihm offenbahr / und war felber der Haß / und davon ſaget die
Schrift: Efauhabe ich gehaffet. Alfolange nun der Haß in
ihme das Negiment hatte/ ſo war erin GOttes Haffe / und fel>
ber ver Haß; als ihn aber der Genaden-Bund in Jacob ans
blickete und Jacobs Demuth in feinen Haß drang / fohuberan
zu jammern und zu weinen / und ward GOttes klares Angeficht
in feinem Haffe offenbahr /dager in groffer Erbaͤrmde Jacob
umb feinen Halß fiel und weinete.
20. Welches andeutet die Buſſe des armen Sünders/ wenn
ſich die boßhafftige Seele / welche in GOttes Haſſe gefangen lie⸗
et / zu GOtt wendet / ſo gehet erſtlich dieſe Erbaͤrmde und Reue
Aber die begangene Suͤnde an / wenn der Geift Chriſti die Seele
ruͤget / ſo weinet ſte alsdenn / und reuet ſie / daß ſie iſt eine ſolche
Boßheit geweſen / und gehet ihr zuhand die Sonne auff / daß der
Has Gottes in das Angeſicht der Liebe gewandelt wird / da aus
einem haͤßigen Geiſt ein Engel wird.
21. Und ob ſchon die Schrifft an einem Orth ſaget: Eſau
habe die Buſſe mit Thraͤnen geſuchet / und doch nicht gefunden /
ſo giebet uns aber dieſer Text viel ein anders zu verſtehen / als
nemlich / daß ja Eſau uñ alle verderbte Adams-Kinder / die Buſſe
in ihrem eigenen wollen / lauffen und rennen nicht finden / ſonſt
ſtuͤnd es ins Menſchen Macht die Genade zu erreichen / ſondern
die Genade und das Goͤttliche Erbarmen wuͤrcket die Buſſe:
Aber der Menſch muß ſein Wollen dem Goͤttlichen Wuͤrcken
ginergeben, ! 22. Dit
Eapor. Leyd in Freud gewandelt ward. 577.
22. Der ſeeliſche Wille muß ſich gegen der verheiſſenen Ge⸗
nade wenden; alsdenn wird ihme die Goͤttliche Sonne in ſeinem
Willen erſcheinen / uud den Haß der Boßheit zerſchellen / alsdenn
greiffet die Seele nach der Genaden⸗Sonne / fo gehet das Buſſe⸗
würden in der Genaden⸗krafft an / ſo giebet alsdenn der Zorn
GOttes in der Seelen feine ſtrenge Gerechtigkeit dem Geiſte
Ehrifti ; fo faget alsdann Chriftus zu feinem Vatter: Ich habe
deren Feinenverlohren / die dirmir gegeben haft.
23. Die Schrift faget: GOtt wil / daß allen Menſchen ges
holffen werde; und Chriſtus iſt kommen zu ſuchen und ſeelig zu
machen das verlohren iſt / und hat nicht Gefallen am Tode des
Suͤnders. So ſpricht die Vernunfft: Sp SOtt denn wil / daß
allen Menſchen geholffen werde / und nicht das Boͤſe wil; kan es
ihnen denn nicht allen helffen ? Warumb bleiben fiedenn ver⸗
ſtocket / ſo er die Berſtockung nicht wil?
24. Reſp. Die Seele ſtehet im ungruͤndlichen Willen GOt⸗
tes in dem ewig-fprechenden Worte: Sie iſt cin Funde vom
Göttlichen Sprechen / da fich der Ungrumd / als das ewige Eine /
in Die Scieng / Berftand und Erkaͤntnuͤß der Unterſchiedligkeit
außſpricht / fie ift im Sprechen in Natur und Ereatur kommen /
und hat nun den Gewalt zum wieder Außſprechen / als ein Bild
nach ihr.
25, Auch fpricht fie in ihrer Wiffenfchafft aus die Wunder
der Göttlichen Bermögenheit in Gutem und Boͤſem / fte fpriche
fih in ihrem eflentialifhen Sprechen aus der ewigen Scieng fele
ber in Boßheit: Da fie foll fprechen GoOtt / fo spricht fe in ihr)
Noth: Da fie foll inihrer Scieng in das ewige Eine einſprechen /
als in GOttes Siebe und Weißheit / fo fpricht ſte ſich in Schied>
ligkeit / als in die Vielheit / und führet die Scieng ihres Vermoͤ⸗
gens / welche im ewigen ſprechenden Worte innen ſtehet / aus der
rTemperatur, in einen eigenen Willen / welcher ſich von dem eini⸗
gen Willen GOttes abbricht / und in eine Selbheit eingehet.
26. Darumb fo verwandelt fie den ewigen Willen der Ein⸗
heit in ihr / ins Centrum der Schiedligkeit / darinnen dereinige
Gott feinen einigen Wien im Ausfprechen des Worts in Na⸗
tur und Peinligteit zur Göttlihen Findligkeit und Empfind-
lichkeit einführet / als in ein eſſentialiſch geiftlich Feuer und aus
dem Feuer im ein Liecht / dadurch der Ungrumd majeſtaͤtiſch und
würcende wird ſo fpricht fich Die falfche Seele nur in einen
Feuer⸗quaal.
27. Denn ihr Wille zum Sprechen / welcher in GOtt im Un⸗
Dh grund
578 Wie Jacob zu Eſau kam / da alles Cap. 61
grunde ſtehet / welcher ſich durch die Begierde ins Feuer⸗ſprechen /
als in Eigenſchafften einfuͤhrete / der gehet nicht wieder zuruͤcke in
Ungrund /als in das ewige Eine: Soer aber wieder zuruͤcke als
in das ewige Eine / als in GOtt / eingehet / fo wird die feuriſche
Scientz auch majeſtaͤtiſch und liechte / ſo iſt die Seele ein Engel
GoOttes / als ein Bild der ewigen Goͤttlichen Scientz.
28. So aber der Wille im Feuer bleibet / als ein magiſche
Feuer⸗quelle / ſo iſt die Seele nur derſelbe Feuer-quell: Wer ſoll
nun demſelben Feuer-quelle rathen / weil er ſeinen Grund im
Abgrund hat / und iſt ſelber fein Grund ? Die Krafft der Mas
jeſtaͤt ſcheinet durch ihn / aber die Begierde ſchleuſt ſich ein und
machet ſich ſinſter / alſo daß das Liecht darinnen nicht mag offen⸗
bahr werden / (wie Joh. x. ſtehet:) Das Liecht ſcheinet in der
Finſternuͤß / und die Finſternuͤß hat es nicht begriffen / ſi wohnen
ineinander / wie Tag und Nacht / die Seele machet ſich in ihrer
infaglichen Begierde zur Finfternüß.
29. Dasewige Eine /als EHE / iftinihr / und fie begreiffee
ihn nicht / fie machet fich zum zornigen GOtt / da GOttes Wort
im Zorn fpricht/und ſich in Natur und Ereatur formet/fie wuͤrc⸗
tet in ihrer Selbheit Boßheit: Stünde fie aber in ihrer Wuͤrc⸗
kung einen Augenblick ſtille / fo erſuͤncke ſie wiederumb in das
ewige Eine / als in GOtt / fo würde die Göttliche Scientz im Liecht
in ihr anheben zu wuͤrcken / ſo kaͤme ſie zur Buſſe / wie denn mit
den Bußfertigen alſo geſchiehet. Und davon ſaget Chriſtus: Es
ſey denn daß ihr wieder umbkehret / und werdet als ein Kind / ſonſt
werdet ihr GOtt nicht ſchauen.
30. Der ſeeliſche Wille / welcher in GOttes Offenbahrung
feinen Grund und Urftand hat daraus er. ein würdend Leben
worden ift /der ſoll und muß fich wieder in feine Mufter/ daraus
er kommen iſt / einwenden / ſo ift er allda als ein Kindın Mutter⸗
feibe ; alsdenn ſchauet er infeiner Mutter/ GOtt / als den Un⸗
grumd aller Weſen / und wird in feiner Mutter neu⸗gebohren /
das iſt / die Mutter giebet ihme die Liechts-Krafft / undinders
felben Krafft befomt er die Vermoͤgenheit zur Buſſe⸗wuͤrckung /
alsdenn gebichret der ewige ungründliche Wille GOttes / der cin
DBatter aller Wefen heiffer/feinen einigen Sohn / als feine Liebe⸗
krafft in und durch die feclifche Scientz ; als indem Particular des
gantzen Willens GOttes / denn der Grund der Seelen / und
Gottes ewig fprechendesg Wort ift ein einiger Grumd/ une
getrannt.
38. Und wie wir erkennen / daß ſich daſſelbe einige a
gebah⸗
Kap.cı. Leyd in Freud gewandelt ward. 579
gebährende und fprechende Wort im Himmel /alsin der Krafft
Des Liechts in Heiligkeit auffpricht / als die heilige Weißheit:
Alfo auch fpricht fich Daffelbe einige Wort inder Hölleder Fin⸗
ſternuͤß in Flamme der Peinligkeit als in hoͤlliſchen Eſſentz / dar⸗
nach ſich GOtt einen zornigen GOtt und ein verzehrend Feuer
nennet / aus; denn auffer dem einigen Worte oder Sprechen!
GoOttes ift nichts : Alfo auch vonder Seelen / fo wohl Engel
und Teuffeln zu verfichen ift.
32. Zn der gelaſſenen Scele ſpricht GOtt der Vatter den
heiligen Namen JEſu / als die Genade und das Erbarmen aus/
Das ift/ er gebichret Chriſtum in ihr/ und führet den Adamiſchen
böfen gebohrnen Willen / durch Chriſti Scyden und Tod durch
wieder in das ewige Eine/dader Sohn dem Vatter das Reich
der ſeeliſchen Natur wieder überantwortet.
33. Wil aber die Seele von ihrer Wuͤrckung der Boßheit nicht
ſtille fteyen/fo foricht der Batter durchs Wort in der Seelen hoͤl⸗
liſche Pein / und der Seelen Begierde impreſſet und faſſet ſich dar⸗
innen / und ihre Impreſſion macht die ewige groſſe Finſternuͤß als
eine Klufft zwiſchen GOtt / und da doch kein frembder Sprecher
verſtanden wird / welcher von auſſen in die Seele einſpraͤche / ſon⸗
dern das Wort / das die Seele ſelber iſt / ſpricht ſich alſo in Boßheit.
34. Aber das gute Sprechen / als die Göttliche Vermögen»
heit / hat ſie in Adam verlohren / und ift aber aus GOttes Er>
barmen wieder aus Genaden im Paradeiß / als ein eigen Cen-
trum der Seelen / eingefprochen worden / und ſtehet nun jeßt in
der Seelen als ein eigen Cent um oder Principium , und fpricht
immerdarin die Seele ein / fie fol von ihrer falſchen Bildligkeit
fill ſtehen 7 fo wil fich daffelbe Gute wieder in der Seelen offen»
bahren ; fo aber die Seele von ihrem gottlofen Sprechen nicht
ſtill ſtehet / fo mag fich das gute Einfprechen in der Seelen nicht
offenbahren / fo mag fie auch nicht befchret werden.
35. Darumb ſo ift dasder Schluß / daß Gott in der falſchen
Seelen Sprechen nicht fan gut feyn / und in der gelaffenen
Seelen Willen / kan er nicht böfe ſeyn; in fich felber ift er wohl
gut / aber nichtinder Seelen.
36. GH wird allein GOtt genannt / da feine Siebe außge⸗
ſprochen und würcflich und empfindlich erfannt und offenbahr
wird / davon die Schrifft auch faget/ als: Das Wort welches
GH iſt / iſt dir nahe / alsnemlich in deinem Munde und Her⸗
Ken: Item / das Reich GOttes iſt inwendig in euch: Bey den
Heiligen biſt du heilig / und bey den Verkehrten biſt du verkehrt.
Dh 37.38
580 Wie Jatob zu Eſau kam / da alles Eap.sı)
37. Im Himmel heiſſet er GOtt / und in der Hoͤllen heiſſet er
Zorn / und iſt doch im Abgrund beydes im Hinnel und im der
Hölle nur das ewige Eine / als das einige Gute.
38. Und fan man weiter oder fichfer von GOttes Willen
nichts reden / ale nur blog in feiner Offenbahrung Durchs Wort /
da fih das Wort in Natur und Ereatur einführet: Allda wil
GOtt durchs aufgefprochene Wort Böfes und Gutes / wie die
Scien& jedes Dinges im geformten Worte iſt / alfo iſt auch GOt⸗
tes Willen darinnen: Daſſelbe außgeſprochene Wort iſt in den
Engeln engliſch / in den Teuffeln teuffliſch / in Menſchen menſch⸗
lich / in Thieren thieriſch / und bleibet doch in ſich ſelber in ſeinem
ewigen Sprechen in dem Einen nur GOtt / als ein einiges heili⸗
ges Wort/ein Grumd und Wurtzel zu allen Weſen.
39. Darumb lieget das Helffen an der Seelen Willen / ob fie
ihr wil laſſen helffen / ob ſte wil in ihrem Willen ſtille ſtehen;
nicht dag ſte ihr das Helffen nehmen koͤnne: Nein / es iſt ein Ge⸗
naden⸗geben / allein die Goͤttliche Sonne ſcheinet in ihr im Ab⸗
grund / und lieget an ihr / ob ſie ſich mit ihrem Willen dehn fie aus
Gott hat / wil wieder einen Augenblick in ihre Mutter / als in
GOttes ungruͤndlichen Willen einerſencken / fo wird fie dus
Koͤnnen erlangen.
40. Denn das Koͤnnen hat ſeinen Gaumen gegen der Seelen
auffgeſperret / und ſpricht: Komm her zu mir: gleich wie die
Sonne den gantzen Tag in alle Kraͤuter einſcheinet / und giebet
ihnen Krafft / und mangelt nicht an der Sonnen daß die Diſtel
eine Diſtel wird / ſondern an dem erſten Ente, daraus ſte eine
Diſtel wird.
42. Alſo auch wird eine falſche Seele aus dem Ente GOttes
Zorns in dem Fluche und aus angeerbier Boßheit /fo wohlaus
wuͤrcklicher Boßheit eine Diftel / in dem fich der Wille /als die
ſeeliſche Sciengf in eine Diftel ſpricht; und aus folchem falfchen
Grunde wachfen deñ mehr Difteln/wie GOtt im Moyſe fpricht :
Er wil ſtraffen die Sünde der Eltern an den Kindern ins dritte
und vierdte Glied / und Ehriftus fager > Einarger Baum kan
nicht gute Früchte bringen.
a2. Alfo fehen wir dag das Berderben aus der Seelen komt /
und fehen daß GOttes heiliger Wille nicht mag in der falfchen
Wuͤrckung offenbahr werden: So lange der Seelen Wille Boͤſes
wuͤrcket / ſo formet ſich GOttes Sprechen in ihr im Zorn; wert
ſie aber anhebet von ſolcher Wuͤrckung ſtille zu ſtehen / ſo wird
Gottes Liebe⸗krafft in ihr offenbahr: den fo fie nicht mehr wuͤrcket /
fo wuͤrcket der Ungrund in ihr als das Eine, 43. Denn
Cap.61. Leyd in Freud gewandelt ward. 581*
43. Denn GOtt würdet von Ewigkeit in Ewigkeit / aber
anders nichts als nur fin Wort / und das Wort iſt GOtt / als
eine Hffenbahrung des Ungrundes :z So num die Seele nicht
mehr eigenen Wilten ſpricht / fo wird in ihr der ungründliche
Wille ſprechende: Wo die Creatur ſtille ſtehet / da würdet GOtt.
44. Sol num die Creatur mit GSOtt würden / ſo muß ihr
Wille in GOtt eingehen / alsdenn fo würdet GSOtt mit und
durch die Creatur / denn die ganze Creation, himmliſch / hoͤlliſch
und irrdiſch ift anders nichts als das wuͤrckende Wort / das Wort
iſt ſelber Alles.
45. Die Creatur iſt ein compactirter coagulirter Brodem
des Worts / und wie ſich das Wort aus dem freyen Willen aus⸗
hauchet / da es der freye Wille aus dem Ungrunde in Grund fuͤh⸗
ret: Alſo auch fuͤhret der freye Wille der Engel und Seelen das
ort in einen Grund / und derſelbe Grund iſt die Creatur / als
ein Feuer⸗quell zu feinem Wiederaußſprechen; und aus demſel⸗
ben Wiederaugiprechen gehet nun Böfes und Gutes / und nach
demſelben wiederauggefprochenem Weſen und Kräfften hat vie
Seele ihr Gerichte.
46. Denn das iſt das Gerichte / daß das Boͤſe vom Guten ge⸗
ſchieden werde / und ein jedes Ding ſein eigen Principium beſitze:
Welche Seele nun hoͤlliſche Quaal außfpricht / als Fluch / die
mas in Ted / daß fie nicht mehr GOttes Wort im Boͤſen und
Guten führe/ fondern nurdas Böfe/ alfodag ein jedes in dem
feinen oleibe.
“47. Und darumb dag in dem Loco diefer Welt durchs Wort
Boͤſes und Gutes ausgeſprochen wird / fo ift dem Loco ein enda
liher Scheide⸗ tag beſtimmet / da aufhören fol Gutes und Boͤ⸗
fes in einer Stätte zu fprechen ; und wird den Gottlefenihr Lo-
cus bereitet ſeyn / da VBöfesgefprochen wird in feine Ewigkeit?
auf dag das Gute erkannt / und in dem Guten die Freude offen»
bahr werde ; auch dag erkannt werde was Böfes und Gutes fen /
auch was schen und Tod fey / und die Kinder GOttes fich freuen
mögen.
48. Dennwürde das Böfe nicht erkannt / fo würde die Freu⸗
de nicht offenbahr 2 So aberdie Freude offenbahr wird / fo wird
das ewige Wortinder Freude gefprochen/ zu welchen Ende fich
das Wort mit der Natur in cin Gefchöpff eingeführet bat.
40 Und diefes ift der wahre Grund / da alles Wahnen und
Mepnen darinnen erkañt wird/ und alle Sophiſterey zu Grunde
lieget / und aller Streit sin Ende hat: Wer diefes recht ſiehet und
7 Bb 3 vera
’
532 Wie Jacob zu Eſau kam / da alles Eap.sr!
verſtehet / der hat umb nichts Feine weitere Frage / denn er fiehet
daß er in GOtt lebet und iſt / uñ ergieber ſich GOtt / daß der ferner
durch ihn wiſſe / wo le / und ſpreche was uñ wie er wil / er ſuchet nur
Die Staͤtte der Riedrigkeit / auff daß GOtt in ihme allein hoch ſey.
50. So lange aber der Lucifer im Menſchen Das Regiment
hat / fo dringet die Creatur empor / und wil ſelber fein eigen Gott
ſeyn / und das iſt auch Wunder / ſo wohl als GOttes Weißheit in
Der Liebe im Wunder ſtehet / alſo auch in der Ichheit und Eigen»
heit der Creatur.
51. Ein jedes Dieng iſt in ſeinem eigenen Principio, darin⸗
nen es lebet / gut / aber dem andern iſts ein Widerwille: Jedoch
muß es alſo ſeyn / auff daß eines im andern offenbahr werde / und
Die verborgene Weihheit erkannt werde / und in der Schiedlig⸗
keit ein Spiel ſey / damit der Ungrund / als das ewige Eine fuͤr
ſich und mit ſich ſpiele.
52. Darumb ſollen wir die Schrifft lernen recht verſtehen /
wie GOtt Gutes und Boͤſes wolle / als nemlich / nicht in ſich fel=
ber iſt der Schluß / ſondern im außgeſprochenen Worte / als in
der Natur und Creatur: Gott haſſete Eſau in der verderbten
Natur in Eſaus Natur ſelber / Eſau war das Bild des Haſſes
ſelber; aber in GOtt ſelber / als in dem eingeſprochenen Gena⸗
den⸗bunde liebete er ihn.
53. Darumb ſtellet er das Bilde Ehrifti/ als feinen Bruder
Jacob neben ihn / und ließ fie beyde aus einem Saamen kommen /
anzudeuten / daß Chriſtus follte Efau und die verderbte Adami⸗
sche Natur im Hafle GOttes zur Buffe ruffen / und neu gebaͤh⸗
ren /wie Jacob Efau zur Buſſe brachte /dag er feine Boßheit
fincken lieg / und jaͤmmerlich weinete /und von dem böfen Willen
gegen Jacob außgieng.
54. Darumb it dieſes der Schrifft Verſtand / daß der irr⸗
diſche Adam im Reiche der verderbten Natur in ſeinem digenen
Willen die Buſſe nicht findet noch finden kan / denn es iſt keine
Vermoͤgenheit darinnen zum Guten / aber die eingeleibte Gena⸗
de in ihme erwecket dieſelbe / wenn ſich der Wille zu ihr wendet:
Denn / ſo der eigene Wille koͤnte Buſſe wuͤrcken und fromm wer⸗
den / ſo doͤrffte er der Genade nicht.
ss. Die decreta der Schrifft gehen allein auff die zwey Reiche /
als die VBerſtockung gehet auff den falſchen Willen; der falſche
Wille verſtocket ſich felber / GOttes Zorn in des Willens eigenem
Weſen verſtocket ihn; nicht von auſſen einfahrende / ſondern in des
Willens eigenem Weſen offenbahrende. Der Wille iſt R
u
Cap.6r. Leyd in Freud gewandelt ward. 583
und derſelbe GOtt im Willen fuͤhret ſich in Verſtockung ein / auff
Arth / wie er ſich in der Hoͤllen / in Finſternuͤß und Pein einfuͤh⸗
ret: Alſo auch von dem Reiche der Genaden zu verſtehen iſt.
56. GOtt wil im Menſchen allein Gutes in dem Reiche fi»
ner Genaden / wo fich der freve Wille in die Genade ergiebet / fo
wil GOtt Gutes in dem Willen durch Die Genade.
57. Daß man aber ſagen wolte / der Menſch koͤnne ſeinen
Willen nicht gegen dem Guten wenden / als gegen der Genade /
das iſt ein Ungrund: Stehet doch die Genade im Abgrund der
Creatur in allen gottloſen Menſchen / und darff der Wille nur
von der falſchen Wuͤrckung ſtille ſtehen / ſo hebet er an ſeines ei⸗
genen Willens in Abgrund zu erſincken.
58. Denn was ſtille ſtehet / das ſtehet mit dem ewigen Einem
ſtille und wird mit den Einem ein Weſen / denn es gehet in ſein
Nichts. Musß doch der falſche Wille umb weltlicher Geſetze
willen aus Furcht der Straffe von unrechten Wercken ſtille ſte⸗
hen / warumb denn auch nicht umb GOttes Gebott willen ? Kan
er ſeinem weltlichen Herren gehorſamen / und an einem Ende / wo
er ihn hin haben wil / ſtille ſtehen / warumb auch nicht GOtt?
So ihm doch das Koͤnnen alsbald gegeben wird / ſo er den Willen
nur zum ſtilleſtehen fuͤhret.
50. Daß aber der gantzfalſche gottloſe Wille nicht ſtille ſtehet /
und ſich zu der Genade wendet / iſt die Urſache / daß er ſchon eine
gebohrne Diſtel iſt / in dem die Genade zu tieff innen lieget / und
der Grimm GOttes zu ſtarck in der Natur iſt. Die Genade
zeucht ihn und weifet ihme feine Falfchheit /aber er verach⸗
tet die Genade / und würcket als eine Diftel in ver Sonnen
Krafft; diefer iſt GOtt ein guter Geruch zur Verdamnuͤß des
Zodes in der Hoͤllen / auff daß die Genade vom falfchen Willens
unterfihieden würde.
60. Aber die Bernunfft-Sshlüffe welche lauten / daß GOtt
in ſich ſelber / ſo viel er GOtt heiſſet / habe beſchloſſen / daß ein
Theil der Menſchen / und zwar der groͤſſeſte Hauffe / ſolle und
muͤſſe verdammet werden / und daß er ſie aus eigenem vorgeſetzten
Willen verſtocke; iſt falſch / und hat weder in der Schrifft / noch
im Liechte der Natur einen Grund / ſo man die Schrifft recht bew-
trachtet / und nicht blind anſtehet.
6. Denn in GOtt / ſo viel er GOtt heiſſet / iſt kein Fuͤrſatz
noch anfaͤnglicher Wille / Er iſt ſelber der Wille des Ungrundes
als ein Einiger / und wil in ſich ſelber nichts als das Gute / und
darumb ſo iſt er auch ſelber . wollende Gute / denn das
b 4 Gutt
*
384 Wie Jacob zu Eſau kam / da alles Cap.or
in das cr will das ift die Gebuhrt feiner Krafft / als fein
ohn.
62. Gott wil in ſich ſelber nichts als fein Gutes / das er ſelber
iſt / offenbahren / und das moͤchte nicht geſchehen / ſo ſich nicht die
einige gute Krafft mit dem Außhauchen in Begierde zur Naͤtur /
and in Schiedlichkeit als in die Scientz cinführete/denn fo das
Gute einig bliebe / fo ware Feine Wiſſenſchaͤfft.
63. Nun aber macht ich wicht das Gute / als GOtt in fich fels
ber boͤſe oder ſchiedlich fondern die Scieng / als das Fiat oder die
Begierde zur Schiedlichkeit / die führer fih in die Natur und
Creatur ein/ und aus der Scienk urſtaͤndet Böfes und Gutes /
und nicht aus GOtt oder In GOtt in feiner Dreyheit.
64. Dann allda iſt kein Decret: dann waͤre ein Rathſchlag
darinnen / fo muͤſte auch eine Urſache zum Rathſchlage darinnen
ſeyn / und alsdann wieder ein Urſach zu demſelben / und muſte et⸗
was vor GOtt ſeyn oder nach GOtt / darumb er ſich berath⸗
ſchlagete.
65. So aber iſt er ſelber der Ungrund und das Eine / und iſt
ein einiger Wille / der iſt er ſelber / und der iſt allein gut / dann ein
einig Ding Fan ihme nicht widerwertig ſeyn / dann cs iſt nur
Eines / und dat mit nichts zu friegen.
66. Darumb iſt das eine Thorheit der Vernunfft / dag fie vom
Zwange der Unvermeidlichkeit redet / und verſtehet nicht das
Myſterium Magnum oder daß fie ſaget / GOtt wolle aus feinem
Vorſatze den boͤſen Willen / welchen er verſtocket hat / nicht mit
der Genade ruͤhren.
67. Dieſer blinden Vernunfft weiſe ich eine Diſtel / welche die
Sonne einen gantzen Tag ruͤhret / und giebet ihr Liecht und
Krafft / fie bleibet doch eine Diſtel; alſo auch der gottloſe Wille:
Ihme ſcheinet die Goͤttliche Sonne den Tag ſeines Lebens / aber
fein Grund iſt ein Ens der Diſtel.
68. Sonſt fo ihn GOtt aus Fuͤrſatz verſtockte / ſo haͤtte die
Gerechtigkeit kein Gerichte in ihme / dann der da thut was er
thun muß / der lebet ſeinem Herrn nach ſeinem Willen: So aber
Gott nicht gottloh Weſen gefaͤllet / (Plalm. 5.) fo komt das Boͤſe
aus der Wurtzel / und in die Wurtzel der Wiſſenſchafft aus dem
Grunde der Natur zur Creatur / und durch Zufaͤlle; und umb
de zwillen hat GOtt feinen Willen offenbahret / und Geſetz und
Evangelium gegeben / das iſt / ſeine Straffe und ſeine Genade
offenbahret / autf daß ein Scheide⸗tag mit Gerechtigkeit möge
gehalten werden / und ſich teine Creatur möge entſchuldigen.
09. Und
Kap.sı. Leyd in Freund gewandelt ward. 585
69. Und die Hiftoria fager weiter: Nachdehm £fau das Ge⸗
ſchencke von Jacob genommen/habe er gepprochen zu feinem
Bruder Jacob : Laß uns fortsiehen und reyfen / Ich wil mie
dir ziehen : Jacob aber fprach zu ihm: Mein Herz / du er⸗
kenneſt daß ich zarte Rinder beymir habe / darzu Dieb und
fäugende Kuͤhe / wann fie einen Tag übertrieben wuͤrden /
wirde mir diegange Heerde fterben : Mein Her? ziehe vor
aleinem Knechte hin / ich wil mählich hernach freiben/ darnach
das Vieh und Die Rinder gehen koͤnnen / biß daß Ich komme zu
meinem Herrn in Seir. Diefer Text feheine nur ein aͤuſſer⸗
liche Geſchichte zu ſeyn / aber der Geiſt hat auch ſeine innere Fi⸗
gur darunter / dan Jacob ſtehet in Chriſti Figur; und ſtehet alſo:
70. Als Chriſtus durch fein Leyden und Tod des Vatters
Zorn im Reiche der Natur verföhnete / fo ſprach der verfühnete
Zorn: Nun wollen wir auff / und mireinander forfreifen / ver⸗
ſtehet indes Menſchen Leben aber die Liebe ſprach: Der Menſch
iſt zu zart und unvermoͤgend / und koͤnnen uͤbel in GOttes Wee⸗
gen gehen / ich wil bey ihnen bleiben biß ans Ende der Welt /
(Matth. 28.) und ſie maͤhlich fuͤhren / nachdeme fie gehen koͤnnen /
auff daß ſie nicht in Anfechtung und Irrthum gerathen / und an
der Genade blind werden. Gehe du voran mein Herr/ich wilfte
fein ſanffte führen unter meinem Creutz⸗Joche daß fie nicht ſter⸗
ben / dann fo fie num jetzt follten indes Vatters firengen Gercch >
tigkeit geführet werden) fo Fönnen fie noch nicht s Ob fie wohl er⸗
loͤſet find / ſo leben fie aber noch im Fleiſch und Blut /ich wil mit
ihnen hernach kommen zu dir in Seir / das iſt / in GOttes Ge⸗
rechtigkeit.
7x. Und Eſau ſprach: Somilich doch bey dir laſſen etliche
vomdold das bey mir iſt. Erantwortetimas ifts vonnsthen/
lag mich nur Genade vor meinem HErrn finden : Das if / GOtt
der Vatter ſprach / fo wilich doch etliche meiner ffrengen Gerech⸗
tigfeit / Sebott und Geſetze bey Dir laſſen; Aber Chriſtus
frrah : Was iſts vonnöthen ? Laß mich mit diefen erlöfeten
Kindern nur Genads bey dir finden / dann fie koͤnnen die Geſetze
nicht erfüllen.
22. Alſo 308 des Tages£ fan ſeinen Weeg wieder nachSeir)
das iſt / alſo tratt GOttes Gerechtigkeit in fein eigen Priocipium,
und Jacob zog gen Suchoth / und bauete ihm ein Haus / daher
heiſſet die Staͤtte Suchoth. Dieſes iſt in der Figur ſo viel ge⸗
ſaget / Chriſtus fuͤhrete feine Chriſtenheit / als feine Kinder / nicht
gen Seir / das iſt / in die Proba — Gerechtigkeit / obwohl
5 Die _
a — 2 3
586 Wir Jacob zu Eſau kam / ꝛc. Gap.sı,
Die Genade in ihnen offenbahr worden; ſondern errichtete ein
Haus / als die Ehriftliche Kirche auff Erden auff/und machete fei>
nen Kindern Huͤtten / das iſt / Chriſtliche Ordnungen /darinnen
ſie koͤnten wandeln; und daher heiſt ſie eine Chriſtenheit / wie Ja⸗
cobs Stätte Suchoth hieß: Alſo auch heiſſet die Staͤtte der Chri⸗
ſtenheit ſuchet / ſo werdet ihr Chriſtum finden / welcher alle Tage
in die ſer Huͤtten bey feinen Kindern iſt / biß ander Belt Ende.
73. Und der Text ſaget weiter im Moſe:: Darnach zog Ja⸗ g
cob gen Salem zu der StadtSichems / die imgande Canaan
lieget / nachdeme er aus Meſopotamia kommen war / und
machete ſein Laͤger vor der Stadt / und kauffte ein Stuͤck
Ackers von den Kindern Hemor / des Vatters Sichems / umb
xoo. Groſchen / daſelbſt richtete er feine Hütten auff / und
richtete daſelbſt einen Altar zu / undrieffan den Namen des
ſtarcken Gottes Iſrael. In dieſem Text fpieletder Geift recht
mit der zukuͤnfftigen Chriſtenheit; dann Chriſtus fuͤhrete feine
Kinder nach feiner Auffer ſtehung zu Salem / das iſt in das Heyl
vder zu der Salbung des Geiſtes / wie Jacob feine Kinder zu
Salem führete/ aber zu der Stadt des Sichems / das iſt / unter
Die Heyden.
74. Undmachete fein $ager für der Stadt / dag iſt / Chriſtus
follte feine Wohnung bey ven Heyden machen/und ſeinen Tempel
und Lehre neben ver Heyden Gößen-Tempel feßen / und die
Stätte feiner heiligen Ehriftlichen Kirchen von den Heyden
darzu erfauffen / das iſt mitfeinem Blut von GOttes Gerech⸗
tigkeit darzu erkauffen / wie auch geſchehen iſt / und ſeinen Altar
allda unter den Heyden auffrichten / und von dem Namen des
GOttes Iſrael / das iſt / von Chriſto predigen.
75. Denn der Name Sichem deutet an / daß die Chriſtliche
Kirche wuͤrde muͤſſen in Elend und Truͤbſal ſtehen; Wie Jacob
ſeine Wohnung nur vor der Stadt Sichem bauete / alſo muͤſſen
auch die Kinder Chriſti nur frembde Gaͤſte in dieſer Welt ſeyn /
und nur als Hauſgenoſſen der Heyden / Gewaltigen und Kinder
dieſer Welt; ob ſie wohl ihre Wohnungen / als den Tempel Chriſti
in ſich haben / welchen ihnen Chriſtus hat mit ſeinem Blut er⸗
kauffet / fo find fie doch aͤuſſerlich nur frembde Gaͤſte und Pil⸗
grams-$enthe / und wohnen nur auſſen vor der Stadt dieſer
Welt / als in einer indifchen Huͤtten / im Fleiſch und Blur,
Das
Cap. 62. Bon Dina /Jacobs Tochter / ꝛtc. 397
Das 62. Capittel
Von Dina Jacobs Tochter / welche er von Lea zeuge⸗
te / wie fie ſey von Hemors Sohn geſchaͤndet wor⸗
den / und wie Jacobs Soͤhne Sichem und alles was
Männlich it geweſen in diefer Stadt / darum erwuͤr⸗
get / und Dina wieder genommen haben / was bey diſer
Figur zu verſtehen ſey. Genel. 34.
Die Pforte der Chriſten Kriege / um die Babyloniſche
Hurerey / jest hoch zu betrachten.
2. Oyſes ſpricht: Dina aber / Lex Tochter / die
fie Jacob gebohren hatte/ gieng heraus die
Töchter des Landes zu feben/ und da die
she Sichem / Hemors Sohn des Hethiters /
oder des Landes Herr war / nahm er fieund be
fehlieff fie / und ſchwaͤchete fie / und fein Hertz hieng an ihr /
und hatte die Dirne lieb / und redete freundlich mit ihr: Und
Sichem forach zu feinem Datter Hemor: Nim mir das
Mägdlein zum Welbe. Der Sefer wolle jaacht haben auffdie=
fe Figur / und dem Text im Moyfe recht nachdencken und ihm in
die Augen fehen/ ſo wird er unfern Sinn und hechtheuren Bes
griff/ uns ausgöttlicher Gnade eröffnet / wolverfichen / und
die Schriften des erſten Buchs Moyſis lernen mitrechten Au⸗
gen anfchen.
2, Lea / Jacobs Weib) gebahr dem Jacob ſechs Söhne
als den halben Stamm Iſrael / und ausihr kam Juda / als die
Wurtzel Davids/aus weicher Chriſtus nach unferer Menfchheif
offen bahr ward: hernach gebahr fie dieſe Dinam / eine Tochter/
mit welcher Figur der Geift die Chriſtenheit gewaltig prrfigu-
riret / daß nach Ehrifti Himmelfahrt nach dem Wercke menſch⸗
licher Erlöfung werde die rechte wahre Chriftenheit gebohren
werden / gleichwie Jacob erſtlich die 12. Erkvätter gebahr / here
nach aber würde aus Lea / das ift/ aus der Mutterder Chri⸗
ftenheit / eine Tochter fleifglicher cägenen Siebe gebohren wer⸗
den/ welche Tochter würde ausfpaßiren / und die Töchter des
Landes / unter welchen fie cin Fremdling feyn follte/ befehen
wollen. Das ift fo vielinder Figur:
3. Wenn die Chriſtenheit würde gebohren werden/ dag ihre
66 Zahl
%
588 Wie Dina ſey von Hemors Cap. 62.
Zahl groß ſeyn wuͤrde / ſo wuͤrden ſie in eigene Liebe gehen / und
die Fleiſches⸗Wolluſt ſuchen / und würde ihr Hertz nach den Ge⸗
wohnheiten und Sitten der Voͤlcker richten / und vonder Nie—
Drigkeit und Demuth ausgehen / und wollen die Geylheit und
Hoffart der Töchter des Landes / das ift / der Voͤlcker befuchen /
fo würden fte alsdenn dieſe Tochter Dinam gebaͤhren / und für
GoOtt in Fleiſchlicher Wolluſt geiftliche Hurerey treiben/ und
würden mit der Heyden Gewonheiten huren / und würden fich
aber fchön und geſchmuͤckt darſtellen wie eine Zungfrau voll
Brunſt / welche außlauffet fich fehen zu laſſen / dag ſie Buhler
uͤberkomme / wie Dina thäte / welche auch alfo auffpasircte.
4: Alfo auch würde fich die Chriſtenheit ſchmuͤcken / und mit
groſſem Geprängemit Kirchen und Schulen ſich ſchmuͤcken / und
gleiſſende anſehnliche ſcheinheilige Kleider anthun / auff daß fie
ein Anſehen vor den Toͤchtern des Landes / als vor fremden
Voͤlckern / haͤtte / und würde aber voll Brunſt der eigenen Siebe
amd Fleiſches⸗Sucht unter ſolchem Habit ſeyn / und ein Huriſch
Her haben / gleichwie eine Hure von auſſen gleiſſet / ſich
ſchmuͤcket / und wil durchaus eine zuͤchtige Jungfrau genennet
ſeyn: Alſo auch würde dieſe geſchmuͤckte Chriſtenheit wollen heilig
genennet feyn / aber ihr Hertz würde nur mit der fleiſchlichen
Wolluſt buhlen. -
8. Sie würden wohlden Schmuck der Töchter des Sandes bes
fehen / welcher Schmuck anders nichts ift / ale die heydniſche
Weißheit und Philofophia, und würden diefelbe in Chrifti
Reich ziehen] und unter Ehrifti Purpursmantel in denſelben
Rechten und Gewonheiten leben / und fich damit ſchmuͤcken / und
wuͤrden darbey gang vergeffen / dag ihre Hüften und Wohnun⸗
gen auſſer der Stadt diefer Bölder Gewohnheiten fey / gleich»
wie Jacob auffer der Stadt des Hemors wohnete; und auch
Ehriftus fagte/ fein Neich wäre nicht von diefer Welt.
6. Diefe Chriftenheit aber wuͤrde ihr Hertz indas Neich die⸗
fer Welt fegen/und nur alfe in einem Jungfräulichem Schmuc⸗
ke mit vielen Kicchen / Prieftern und Geremonien unter Jungs
fraͤulichem Anſehen prangenz aber mit ſolchem Ausgehenvon
der Einfalt und Demuth Chrifti / würden fienur inder Welt
ſpatzieren / und den fleiſchllchen Buhlen ſuchen / wie Dina thaͤ⸗
te / welche ein Bilde der fleiſchlichen Chriſtenheit iſt / welche
allezeit nach den rechten Kindern Chriſti gebohren wird / wie
Dina nach den x2. Erkvättern gebohrenward. Das ift:
7. Wenn die Chriſtenheit bey einem Volck offenbahr a. gt»
ohren
Cap.62. Sohn geſchaͤndet worden / 389
bohren wird / fo gebiehret fie an ſolchem Orthe / erſtlich die 12.
Ertzvaͤtter / als den Grund der Apoſtoliſchen Lehre; wenn fie
ſich aber wieder mit den heydniſchen Weiſen und mit Fleiſches⸗
Luſt vermengen / ſo gebichret ſolcher Orht eine Dinam / als
eine Hurerey mit Chriſto / als einen Schein⸗Chriſten / das
Hertz aber wird zur Hure / und alsdenn gehet dieſe Hure aus
ſpatzieren / und beſuͤchet der Voͤlcker Sitten. Das iſt:
8. Sie ſuchet wieder in dem heydniſchen Grunde / und ver-
miſchet fich mit den Heyden) undwirdvon der heydniſchen Phi-
lofophia gefihwängert / undgebichret ein Huren⸗ kindt / welches
halb Chriſtlich und halb Heydniſch iſt / als eine neue Seit oder
Lehre / welche mit dieſer Boͤlcker erſten Gewohnheit / in der fie
find entſproſſen / nicht gantz in Forma uͤbereintrifft; und da fie
dach in ihrem Hergen nichts befjers ſeynd.
9. Und alsdenn empoͤren ſich dieſe Voͤlcker wider die fremde
Meynung / und ſchreyen im Zorn / dieſer hat unſere Schweſter
Dinam geſchaͤndet / und hat Se zur Hure gemacht / und erzuͤr⸗
nen ſich uͤber der neu⸗erfundenen Meynung / wie die Soͤhne
Jacobs uͤber Sichem / und lauffen mit Streit und Schwerd /
mit Sturm und mit Fluchen / wider ven Schaͤnder ihrer Schwe⸗
ſter Dinæ / und ermorden ihn / und nicht allein denſelben / ſon⸗
dern auch alle Mannſchafft die bey ihm wohnet / wie Jacobs
Soͤhne den Hemorrhiten thaͤten: Alſo ung dan der Unſchuldige
mit den Schuldigen leiden / anzudeuten / daß fie alle miteinan⸗
der nur in ſolcher göttlichen Hurerey leben: Dan die Hure um
welcher willen fie ſich rächen / iſt ihre Schweſter / und aus ihnen
gebohren / gleichwie Dina ihre Schweſter war / und aus einer
Mutterherfam,
10. Wir fehen allhierdas Bilde der ftreitenden Chriftenheit
gewaltig / wie die Ehriftenheit gang halsftarrig in Meynungen
wuͤten werde / und darzu in groſſer Blindheit / und nicht wiſ⸗
fen werum ? und würde ſich nicht ſehen / das fie in ihrer eigenen
Hurerey alſo wuͤte / und nicht um die Krafft der wahren Thri⸗
ſtenheit / als um das rechte Chriſtliche Leben / ſtreite / ſondern
nur um ihre gefaſſet Meynungen / als um ihre Schweſter Dis
nam / welche von ihnen ausſpatzzieret / und ſich in fremder Mey⸗
nung vergaffet / fo ſchelten ſte die Meynung für eine Hure}
und ſehen aber nicht / wiefteihrer Schwerter Hertze / darinnen
die Huren⸗Luſt ſtecket / helffen koͤnnen / gleich wie Jacobs Soͤh⸗
ne nicht dahin fi ahen / wieſſte dem übel fönten helffen / dag ihre
Scqhweſter wäre bey Ehren blieben 5 und ob fish gleich Hemer
Bb7 und
E
590 Wie Dina fey von Hemors Kap. 62.
und Sichern anbotten/ fie woltendie Morgengabe geben / und
ihre Schwefter ehligen und lieben / und ſich beſchneiden laffen /
undein Volck mit ihnen werden/ und ihnen auch alle Liebe) Treue
und auch Freundtfchafft anbotten / noch halffdas alles nichts.
ır. Und ob fie ihnen gleich auch zufagten / fo fie fich würden
beſchneiden laſſen / und ein Bold mit ihnen werden / fo wolten
fie ihme ihre Schwegtergeben / noch wurden fie rafende mit more
den und tödten / anzudeuten / daß diefes cine Figur fey auff die
Fünfftige Chriſtenheit welche aus dieſem Stamme entfichen
folte / wie wir dieſes für Augen fehen dag es alſo gehet / dag
man nur um die ausgelauffene Meynung ftreitet / und einander
darum ermordet und toͤdtet und doch nur eben auch um der
Meynung der falfchen Hurerey Willen/ welche die Tituls
Ehriftenheit hat angenommen darinnen fie eben auch nur in
Gleißnerey und Hurerey pranget/ und fehen nicht auff das /
wie ihrer Schwefter möge geholfen werden / welche in frembde
Meynungen ift gerahten / fondern fle greifen zum Schwerd /
und wollen die neue Meynung tödten / und reiffen ihre Schwe⸗
fter / welcheigefhwängertift mitanderer Meynung / mit ihrem
Hurenkinde/ mit Gewalt wieder aus Hemors Haufe) und
toͤdten Hemor und Sichem / ſambt ihrer Manfchafft.
12. Und ob fie ſich gleich wollen mit ihnen / als mit dem wah⸗
ren Chriſtlichen Grunde vereinigen / als mit den Haubt⸗Ar⸗
tickeln Chriſtlicher Lehre / jo yülffts doch nichts / fie wollen doch
wieder alleTreue undZufage nur morden/und ihre Meynungen/
welche fie haben in gute fette Baͤuche und heydniſche Menſchen⸗
Tage gefaffet / erhalten / wie ſolches jego mit den Streiten und
Meynungenvor Augen ift.
13. Die Menſchen der eigenen Liebe haben ihr Chriftenthumb
in cin fleifehlich Meich eingefügret / und mit Gefegen/ Cere⸗
monien und Meynungen ſchoͤn gezichret / und Ehrifti Durpurs
Mantel darüber gedecket / und leben doch in eitel Geiftlicher
Hurerey darumter mit gleiffendem Scheine: Ihr Hertze aber
gebicyret ſtaͤts dieſe wellüftige Dinam / welche ausläufft von der
Einfalt und Demuth Ehrifti/ und buhlet mit den Göttern der
Fleiſches⸗Luſt / als mit Hoffart und Geitze / und eitel eigen»
Ehre und wolläftigem Leben / gang wieder den wahren Chrifte
lichen Grund.
14.Dieweilaber Chrifti Geift noch allegeitin feiner Chriſten⸗
heit wohnet / fo erwecket er offt Menſchen / welche alfo den
Schlaff und die Hurerey der Titul⸗Chriſtenheit in *
#>
Gap. 62. Sohn gefchändet worden. jyx
Sodomitiſchen Leben erkennen und fehen / und fih von ihnen
abwenden / und in ver Schrift / fo wohl im Ficchte der Natur
forſchen / ob auch diefer ihr Heifiplicher Grund vor GOtt be>
ſtehe / und wenn fie ſehen / dag er falſch ift / fo faffen fie fich in
andern Grund / und fraffen die Hurerey der Titul-Chriftenpeif.
15. Und wenn diefes die Gleigner inihren QBollüftigen Eh>
ren hören und ſehen / daß fie Dadurch geſchaͤndet werden / und dag
ihr GOtt Maofim offenbahr wird / fo ſchreyen fie: O Ketzer da/
diefer ſchaͤndet unſer Schwefter Dinam / als unfere Meynung /
und machet. die Kirche zur Hure / und ob ihnen gleich jener dar
beutet feines Grundes und Meynung Rechenſchafft zugeben /
und ſich mit dem wahren Chriſtlichen Grunde zu chligen/ und
ihre Schweſter Dinam / als den erſten wahren jungfräufichen
Ehriftlihen Grund zu ehlichen / und ein Hertze und Willen in
dem Chriſtlichen Grunde mit ihnen zu ſeyn / das alles huͤlfft
nichts / ſie reiſſen ihre Schweſter/ als den Chriſten-NRamen von
ihm / und behalten lieber Die befleckte Magd / deren die Wars
heit hat ihre Schande auffgedecket mit ihrem Huren-kinde bey
ſich / als daß fie ſehen / wie ihrer Schweſter Schande zu helffen
ſey / das ſie in Ehe ſtand Chriſti komme.
16. Sie dencken wann ſie nur ihre Meynungen mit Gewalt
koͤnnen wieder zu ſich reiſſen und erhalten / und ob gleich die Hu⸗
rercy in der Meynung entbloͤſſet iſt / daß ſie geſchwaͤchet und ge⸗
ſchaͤndet iſt / noch wollen ſie ihre Dina fuͤr eine Jungfrau geach⸗
tet haben: und ob gleich ihre Schande der Hurerey am Tage⸗
licht ſtehet / ſo wollen ſie doch dieſelbe mit Mord und Schwerd
erhalten / wie fuͤr Augen iſt / und die jetzigen Streite anders
nichts inhalten / als das offenbahr worden iſt / daß Dina iſt zur
Hure worden / als die Titul⸗Chriſtenheit die vor GOtt nur Hu⸗
rerey treibet / und ihr jungfraͤuliche Zucht und Reinigkeit ihres
Gewiſſens verlohren hat; ſo ſtreiten jetzo die Bruͤder dieſer Di⸗
naͤ um fie / wollen ihre Ehre mit Schwerd nnd morden erhalten?
und alle dieſe ermorden / welche ihre Dinam ſchaͤnden.
17. Dieſe Dina iſt anjetzo anders nichts / als die ſteinerne Kir⸗
chen und groſſen Pallafishaufer ihrer Diener / da man den Nas
men Chriſti innen fuͤhret / und aber dadurch nichts als eigen
Ehre / Wolluſt und fette Tage ſuchet / wie man vor der Welt
mag geehret werden.
18. Denn der rechte Apoſtoliſche Tempel / iſt der Tempel
SESU Chriſti / als der neue Menſch / der in Gerechtigkeit
und Reinigkeit vor GOtt lebet / welcher in Demuth und der
Ina
F — 9
592 Wie Dina ſey von Hemors Cap. 62
Einfalt Chriſti wandelt / und deſſen Diener ſeynd dieſe / welche
den Frieden in der Liebe Jeſu Chriſti verkuͤndigen / welche dahin
arbeiten / daß die gefehwächte Dina nit Sichem gechligt werde/
und dag Hemor und Sichem mifihren Maͤnnern auch Chriſten
werden / welche das Schwerd in der Scheiden laſſen / und lehren
mit dem ſanfftmuͤhtigen Geiſte JESU Chriſti / und zeigen an
vor das Mord⸗ſchwerd den Geiſt der Reinigung / wie dieſe ges
ſchwaͤchte Dina möge wieder zu Chriſtlichen Ehren kommen /
und ihrem Bräutigam vermaͤhlet werden.
29. Siehe du Ehriftenheit :Diefes hatdir der Geift
in der Figur bey den 12. Ertzvaͤttern dargeſtellet und ge:
deutet] daß du folches thun wuͤrdeſt / nicht daß dur es thun
ſolleſt: Wiewohl diefer Streit kommen muſte / auff
daß die wahren Kinder Chriſti geuͤbet und offenbahr
wuͤrden / ſonſt ſo kein Streit entſtanden waͤre unter den
Chriſten / fo hätten ſich alle gottloſe Menſchen vor Chri⸗
en koͤnnen darſtellen / aber der Streit machet ſie offen⸗
yahr / daß dem Maul-⸗Chriſten fein falſcher Grund un:
ter Augen geſtellet / und er von den wahren Kindern
Chriſti entſchieden wird / welches auch wird ein Zeugnuͤß
am Juͤngſten Gerichte uͤber ſie ſeyn.
20. Das wahre Chriſtenthum eines Menſchen ſtehet in dem
inwendigen Grunde der Seelen im Grunde des Menſchen / nicht
in die ſer Welt Gepraͤnge und Weſen / ſondern in der Krafft der
Wolthaͤtigkeit im Geiſt und Gewiſſen.
21. Der Streit damit ein wahrer Chriſt ſtreitet / iſt allein
der Geiſt der Gerechtigkeit / welcher die Falſchheit im Fleiſche
und Blute von ſich abwirfft / und alles gerne leidet und duldet
um Chriſti willen / der in ihm wohnet / auff daß er nicht ihm ſel⸗
ber lebe / und gefalle / und ein Wolgefallen an ſich ſelber habe /
und mit dem irrdiſchen Lucifer prange / ſondern daß er GOtt ſei⸗
nem Schoͤpffer in Chriſto IESU gefalle.
22. Er hat um nichts in dieſer Welt zu ſtreiten / denn es iſt
auch nichts ſein eigen: Denn er iſt in Chriſto nicht von dieſer
Welt / ſondern wie die Schrifft ſaget / Unſer Wandel iſt im
Himmel; Alles darum und damit er ſtreitet / das ſtreitet er um
den irrdiſchen wolluͤſtigen fleiſchlichen Lucifer im ſterblichen
Fleiſch und Blute: Dan Chriſtus ſagte / ſein Reich waͤre nicht
von dieſer Welt / alſo iſt auch eines Chriſten Reich / ſo vieler
ein
m. & —
Cap. 62. Sohn gefchändet worden / ꝛc. 593
ein Chriſt iſt / nicht von diefer Welt/fondern in Chriſto InGDff,
23. Darum / fo iſt aller Chriſten Streit nur um die Dina/
als um die fleiſchliche Hurerey: Einem Chriſten gebuͤhret ana
ders nichts /als nur im Geifte und Krafft zu ſtreiten /widerden
Weeg der Ungerechtigkeit und Falfchheit.
24. Der äuffere Krieg dehn die Chriften führen/ift heydniſch /
und gefihicht um des thierifchen ſterblichen Menſchens willen z
denn die Ilnfterbligkeit kan man sicht mit Schwerd und Gewalt
erhalten oder erlangen / fondern mit Gebette und Eingehen in
Die GOttes-Furcht: Aber der irrdifche Lucifer ſtreitet um den
Bauch / und um Weltliche Ehreumd Wolluſt / in welchen Fein
Chriſt iſt / fondern ift nur die geſchwaͤchte Dina/ da man um ſtei⸗
nerne Haͤuſer und zeitliche Güter Erieget/und Damit an Tag gie⸗
bet / daß die geiftlihe Sungfraufchafft im Geifte Chriſti iſt zu
einer Hure worden / welche um das Reiche dieſer Welt buhlet.
25. Höret ihr alle, die ihr euch Apoftel Chriſti nennet / hat
euch Chriſtus zum Kriege und Streit geſandt / daß ihr ſolt um
zeitliche Guͤter / und äufferlihe Macht und Herzligkeit ſtreiten?
iſt das euer Gewalt (Joh. 20.) da er euch des Geiſtes Schwerd
gab / befahl er euch das? Hat er euch nicht geſandt feinen Frieden
zu verkuͤndigen / dehn er uns bracht hat? Was wird er zu euch ſa⸗
gen/ wenn er wird ſehen / daß euer Apoſtoliſch Hertz hat einen
Harniſch angezogen / und dag ihr euere Weltliche Könige und
Fuͤrſten habet zum Schwerd und Kriege gereiget / und habetihe
nen dasauschriftlicher Freyheit vergönnet/wird er auch euch in
feinem Dienfte alfo finden? Thut ihr das als Chrifti Jünger ?
26. Seydihr nicht Apofteldes Zorns GOttes worden ? Wo
wollet ihr mit eurer Schande hin ? Sehet ihr nicht / daß ihr ſeyd
an Ehrifto / der euch den Frieden Ichrete / zu meineydigen Hu⸗
ten worden ? Wo ift eure Chriftliche Jungfrauſchafft? Habe
ihr Die nicht mit Dina in weltlicher Wolluſt verprange ? Was
wird Chriftus zu euch fagen / wenn er wird wiederkommen / wels
cher auff Erden nicht hatte / da er fein Haubt hinlegte / wenn er
‚ wird euern Pracht und Herzligkeit in ſolchen Pallaft-häufern
fehen / welche ihr habet in feinem Namen auffgebauet / darum
ihr auff Erden habt Kriege geführet ?
27. Wen habt ihr umden Tempel JESU Chriftigeftrita
ten? Habet ihr nicht allegeit um euere Dallaft-häufer / und um
euer eigen Geſetze gefiritten / Darinnen ihr habt in Meynungen
gelebet / und um die Meynungen difputiree * Was darf Chris
ſtus derer ? Chriſtus beut ſich feinen Kindern lebendig ſelbſtaͤndig
dar
394 Wie Dina ſey von Hemors Cap 62
dar / daß er wil in ihnen wohnen / und wil ihnen ſein Fleiſch zu
einer Speiſe geben / und ſein Blut zu einem Tranck / was darff
er Meynungen / daß man um ihn ſtreite / wo und wie er ſey?
28. Wenn ich einen rechten Chriſten ſehe / ſo verſtehe ich daß
Chriſtus allda innen wohnet und iſt / was machet ihr denn mit
euren aͤuſſerlichen Gottes-dienſten? Warum dienet ihr ihme
nicht in euren Hertzen und Gewiſſen / ſo er doch in euch gegen⸗
waͤrtig iſt / und nicht im Gepraͤnge aͤuſſerlicher Dinge: Ihr habt
des heiligen Geiſtes Schwerd zu rechte / mit dem ſolt ihr ftrei=
ten / brauchet euch der rechten Apoftolifchen Kirchen Gewalt /
und nicht des Schwerds der Hände.
29. Der Bann ift euer Schwerd; Jedoch dag erin Krafft
des heiligen Geiftes im Goͤttlichen Eyfer geführet werde wider
den Gottlofen/ und nicht dahin gerichtet ſey Menfihen Tandt
Damit zu beſchuͤtzen / daß man muͤſſe eure Geiſtliche Hurerey in
Meynungen eine zuͤchtige Jungfrau heiſſen / wie ihn die Baby⸗
loniſche Kirche lange Zeit nur zu ſolchen Gewalt gebrauchet hat.
30. Alle aͤuſſerliche Ceremonien ohne den inwendigen Grund /
das iſt / ohne Chriſti Geiſt und Mitwuͤrckung / iſt eine Hurerey
vor GOtt / daß ſich ein Menſch ohn den Mitler Chriſtum wil
zu GOtt nahen: Dan Niemand Fan Chriſto dienen als ein
Chriſt / dag Ehrifti Geift felber im Dienftemitwürdker: Wie
wilaber diefer Chriſto dienen / der in einer Handt den Kelch Chri⸗
fi traͤget und in der andern Hand das Schwerdder eigenen
Rache? Ehriftus foll bey den Chriſten durch feinen Geift die
Sünde tilgen] und nicht des Vatters Feuersfhwerd im Ge⸗
feße der ſtrengen Gerechtigkeit.
31. D ihr Kinder gevt und Simeon / der Geiſt hat von euch
an Jacobs Ende gedeutet/ dag eure Schwerder mördliche Ach»
ten feynd / daß Ehriftus nicht in eurem Rath fey / wie Jacob
fagte: Meine Seele] das ift / ver Bund und die Genade Chriſti
fey nicht in euren Kirchen/ noch in euren Rath. Ließ nur daffelbe
( Gen. 49. ) da der Raͤth der Pharifter undder Schrifft-gelehr=
ten / welche fich ohne Göttlihen Ruff zu Hirten einfegen / damit
angedeutet wird.
32. Alle geiftliche Hurerey komt daher / dag Ehrifti Diener
weltlichen Gewalt befigen/ fo heuchelt einer dem andern / der Ge⸗
ringere auffer dem Gewalt heuchelt dem Gewaltigen / auff dager
ihn auch erhebe / und zu Ehren und fetten Tagen bringe / damit
faͤllet der Eyfer⸗Geiſt / und wird die Wahrheit in Luͤgen verwan⸗
delt / und dem Eyfer⸗Geiſt der Mund mit der Gewalt geſtopffet /
und ein Menſch an Gottes ſtatt geehret. 33. Dieſe
Cap.6ꝛ. Sohn gefchändet worden / ꝛc. 595
33. Diele Hiftoria/wie Simeon und Levi find in die Stadt ge⸗
gangen zu Hemor und ſeinen Kindern / und haben in dieſer Stadt
alles erwürget / was männlich geweſen iſt / iſt gar wohl zuver⸗
ſtehen / daß es eine Figur ſey / mit dehr der Geiſt deutet / daß es
in der Figur auff die kuͤnfftige Zeit geweiſet / und alſo ſey be⸗
ſchrieben worden / als eine Figur.
34. Auch lautet die Hiſtoria / daß ſich Hemor ſambt feinem
Sohne Sichem / und der gansen Stadt / alles was männlich
geweſen iſt / habe laſſen beſchneiden / und waͤren Juden worden /
und Hätten fie dieſe 2. Brüder Simson und Levi erft hernach er=
mordet / welches wahrlich eine ſchwere Figur iſt im Verſtand /
da die Vernunfft dencket / obs auch alfo gefchehen fey I dag =.
Manneine gantze Stadt ermordet hatten? Weil es aber cine
Sigurift /undift eben von Simeon und Levi geſchehen / als von
dem Stamm und Wurtzel des Levitiſchen Prieſterthums / und
deutet auff die zukünfftige Ehriftenheit / fo ift diefes darunter
zuverjichen.
35. Diefe 2. Brüder willigten von che darein / dag fü ft fie fi
würden laffen beſchneiden / und ihre Gefege annehmen / daß fie
ihnen wolten ihre Scywefter geben / uud hernach als es gefchahe/
fo erwürgeten fie diealle / die Unſchuldigen mitden Schuldigen:
Dieſes iſt eben das / was Ehriftus zu den Pharifeern ſagte:
Wehe euch Pharifter / ihr umziehet Sande und Waſſer / zu
machen einen Juden- genoffen / und wenn ers wordenift/ je
ai ihr ein Kind der Höllen aus ihm / gweyfältig mehr als
ihr ſeyd.
30. Alfo auch von den Chriftlihen Leviten zu fagen wäre)
das fie Voͤlcker bereden/ daß fie fich tauffen laſſen / und ſich
‚ Chriften nennen / und wenn das gefhehenift/ fo ſtecken ſte das
Mord-fchwerd in ihre Hertzen / dag fie lernen andere Voͤlcker /
welche nr ihres Ramens und Meynung ſind / mit Worten
ermorden / fie verſluchen und verdammen / und geben alle Urs
ſache / dag ein Bruderden andern verfolget / läftert / verdam⸗
*met / undihmfeind und gram wird / und verfichet doch nicht /
warum. Das heiffetrecht / dieſer Levit hat mir feine Schweſter
zum Weibe verheiſſen / daß ich bin ein Chriſt worden / und nun
ermordet er mich mit falſcher Lehre / und nicht allein mich / ſon⸗
dern alle mein Geſchlechte / die ihme nur zuhören / und feine Laͤ⸗
ſterung für Göttlich annehmen / und ihme glauben daß es recht
ſey / daß ein Menſch ſolle alfo das ander richten und verdam⸗
men / welches doch Chriſtus ernſtlich verbotten hat / und fich der
Menſch
b
39€ Dina von Hemors Sohn geſchaͤndt. C.52
Menſch dadurch nur ſelber richtet / ſiutemahl er ſelber thut /
was er an andern richtet.
37. Alſo wird das Mordſchwerd in viel unſchuldige Hertzen
geſtochen / daß ſie durch die Leviten unſchuldig ermordet werden:
Weil aber ver Simeon und Levi zuſammen genommen wird /
und ſie auch Jacob / als er an ſeinem Ende von ihnen weiſſagete /
zuſammen nimt / und heiſſet fie moͤrderiſche Schwerder / fo
hats die Deutung / daß fie fie nicht allein mit dem Schwerde
des Mundes wuͤrden ermorden / fonder fie würden fich auch in
Weltliche Gewalt fegen /umd ſie umb der Wahrheit willen leib⸗
lich tödten / und würdens eben denen thun / welche auch unter
der Befihneidung und unterm Evangelio wären / welche fie erſt⸗
lich yatten zur Beſchneidung oder zur Tauffe beredet.
38. Wie es denn alſo unter den Ehriften ergangen iſt / daß
man ſie hat erſtlich zur Tauffe beredet / hernach wenn ſie haben
über eine Zeit ihre Greuel geſehen / daß ſte aͤrger als Heyden le⸗
ben / und ihnen nicht wollen inrallem Veyfall geben / fo iſt die
Verfolgung mit Feuer und Mordſchwerden angangen / und
haben ſte mit ihren unſchuldigen Kindern ermordet / beydes an
Leibe und Seele / welches dieſe Figur beym Simeon und Levi
gewaltig præßguriret / ſonſt ware das eine grobe Mordthat von
Kindern der Heiligen / dag ſie wolten Leute zu ihrem Glauben
bereden / und ihnen Treue zuſagen / und ſte unter ſolchem Schei⸗
ne hernach alle mit einander / den Unſchuldigen mit den Schul⸗
digen ermorden / und da ſie ſich doch haben alſo hoch vor ihme
gedemuͤtiget.
39. Darum ſoll man dem alten Teſtament / ſonderlich dem
erſten Buch Moyſts / wohl in die Augen ſehen: dan es hanget
der Deckel Moyſts dafuͤr / es iſt allezeit was mehrers unter dem
Texte angedeutet: Wiewohl wir den Tert in einer Geſchichte
wollen auch ſtehen laffen / und daran gang nicht zweifeln / wel⸗
ches GOtt bewuſt iſt / der cs alfo hat laffen aufzeichnen.
40. Dan der Tert faget: Daß fie find in die Stadt einge—
fallen / und alle Mannfchafft ermordet / und alle ihre Kinder
und Weiber gefangen genommenn / und haben alles geplündert
wasinihren Häufern iſt gewefen / welches / ob es wohl andeu⸗
ter / daß folches 2. Mann nicht hatten tuhn mögen / fo bezeuget
doch Jacob felber / daß ihrer nichtmehr gewefen find; da cr zu
Simeon und Levi fagte: Ihr habet mir Unglüde zugerichtet/
daß ich ſtincke für den Einwohnern diefes Sandes ; welches wohl
recht in der Figur ſtehet dag das Mordſchwerd der “lee
olche
© wor
E.63 Gott heiffer Jac. gen Bethel ziehen etc. 597
ſolche Unruhe in der Welt anrichtet / daß die Chriſtenheit fuͤr
Den boͤſen Mordtpracticken bey fremden Voͤlckern ſtincket / dag
ſie ſagen: Waͤre das GOttes Volck / ſo waͤren ſie ja nicht ſolche
Tyrannen / Schänder und Spoͤtter / und feinden fie umb deß⸗
willen auch an / und morden ſie als ein unruhig boͤſes Volck / das
nur in der Religion zancket / und einander darum ermordet / ſo
muß ja Feine Gewißheit bey ihnen ſeyn / und ihr Gottesdienſt
falſchlſeyn / fagen ſie: Um welches willen die Gewaltigen Mor»
genlander von ihnen gewichen find / und fich einer Schre der
Bernunfft unterworffen/ wie an den Tuͤrcken zu fehen ift/ dehme
ferner nachzufinnen ift. ä
Das 63. Capittel.
ie GHDtt Jacob von dannen habe heiffen ziehen) was
fich allda begeben] und wie hernach Rahel Benjamin
babe gebohren / und über der Gebuhrt fey geftorhen/
und wie Iſaac fey geitorben / und was darbey zuver⸗
ſtehen ſey.
Uber das 35ſte Cap. Geneſ.
x. 88 nun Simeon und Levi die Mordthat begangen
hatten / ſprach GOtt zu Jacob : Mache dich auf
und zeuch gen Bethel / und wohne daffelbit / und
mache daſelbſt einen Altar / dem GOtt der die
erfchien / Da du floheft vor deinem Bruder Sſau.
Da ſprach Jacob zu feinem Haufe und zu allen die mit ihme
waren: Thutvon euchdie fremden Götter / ſo unter euch)
ſeynd / und reiniget euch / und ändert euere Rleider/ und
laſſet uns aufffeyn und gen Bethel ziehen / daß ich daſelbſt
einen Altar mache dem GOtt / der mich erhörer hat zur Zeit
meines Trübfals / und iſt mit mir geweſen auff dem Weege
dehn ich gezogen bin. Da gaben ſie ihm alle fremde Goͤtter die
unter ihren Händen waren / und ihre Ohrenſpangen / und
er vergrub fie unter eine Eiche / die neben Sichem ftundes
Und fiezogen aus / und es kam die Surcht GOttes über die
Städte die um fie her lagen / daß fie den Söhnen Jacob nicht
nachjachten: Alfo kam Jacob gen Lußin Lande Canasan |
die da Bethel heiſſet / ſamt alledem Dold das mitihme war)
und bauer daſelbſt einen Altar / und hieß die Stätte *—9
ar⸗
598 Wie Gott Jacob geheiſſen Cap 63.
darum daß ihm Gott daſelbſt offen bahr ward / da er flohe fuͤr
ſeinem Bruder. Dieſe Hiſtoria prafiguriret abermahl gewal⸗
tig die zukuͤnfftige Zeiten / wie es beydes mit Iſrael und auch
mit der Chriſtenheit gehen wuͤrde: Dan als Levi und Simeon
die Mordthat hatten begangen / und alle Mannſchafft zu Sichem
erwuͤrget / auch alle Weiber und Kinder geſangen und alles ge⸗
pluͤndert / ſo fuͤrchtete ſich Jacob vor den Leuten des Landes / ſo
hieß ihn GOtt von dannen ziehen gen Bethel / und einen Altar
allda machen.
Dieinnere Figur ſtehet alſo:
2. Wenn die Menſchen / beydes die Juden und hernach die
Chriſten wuͤrden in fleiſchlicher Hurerey und unzuͤchtigem Leben
zunehmen und boͤſe werden / ſo wuͤrde GOttes Geiſt von ihnen
weichen / alsdenn wuͤrden ſie eine geiſtliche Hurery und Abgoͤtte⸗
rey anfahen / und in den Meinungen irre werden / und würden
einander in die Haar fallen / und je einer zum andern ſagen / er
ſchaͤnde feine Schweſter Dinam / das iſt / feinen Gottes⸗dienſt /
und wuͤrden uͤber einander fallen / und einander mit Krieg ermor⸗
den / toͤdten / pluͤndern und rauben / und ihre Laͤnder in Verwuͤſtung
bringen und in Elendt; und alsdenn wenn ſte in ſolchem Elende
und Truͤbſahl ſtecken wuͤrden / ſo wuͤrde ſte die Furcht und Schrec⸗
ken ankommen / wie allhie Jatob uͤber die Mordthat ſeiner Kinder /
denn der HErr wuͤrde ihr boͤſes Gewiſſen rühren / und fie wieder
zur Buſſe ruffen / wie er Jacob und ſeinen Kindern thaͤte / da er
fie hieß von der Stätte dieſer Mord-that wegziehen / und hieß
Jacob ihme / als dem HErrn einen Altar zu Bethel machen /
das iſt / in der Niedrigkeit der GOttes-furcht.
3. So deutet der Geiſt allhie / wie ihnen alsdenn GOtt wuͤrde
wieder Propheten und Lehrer ſenden / die ſie wuͤrden von ihrer
Abgoͤtterey und gottloſem Leben abmahnen / wie allhie Jacob
die feinen vermahnete / fie folten die fremden Götter und die Hof⸗
farth der Ohren⸗Ringe von ihnen wegthun / und war fie dan
alfo würden den Zorn des Heringefehen haben/ welcher ihr Sand
verderbet/ und ihrer viclauffgefreffen um ihrer Hurerey / Hofs
farth und Abgöttifchen Lebens willen / fo würden fie alsdenn den
Propheten / welche fie darum ftraffeten/ folgen/ und ihre Goͤtzen /
als Abgoͤtterey / für GOtt bringen und von ſich wegthun / und
wuͤrden wieder den Tempel GOttes in ihnen ſuchen / fo würde
GoOtt wieder feinen Altarinihnen aufbauen / und fie würden
ihme wieder rechte Dpffer / als ihre Seele / auffopſſern / und
wuͤr⸗
Cap.s 3. gen Bethel zu ziehen! :c. 599
wuͤrden ihre Kleider / das iſt / ihre Hertzen reinigen / wie Jacob
allhie ſeinem Volck befahl / ſolches wuͤrden auch die Propheten
und bey den Chriſten die rechte Apoſtel und Lehrer befehlen.
4. Und ſehen allhier weiter eine gewaltige Figur / wie Jacob
habe ihre Goͤtzen und Ohrenſpangen genommen / und bey Sichem /
da die Mord⸗that geſchahe / unter eine Eiche begraben. O du
groſſer wunderlicher GOtt! was deutet das an? Anders nichts /
als daß dieſe ihre Irrung und Abgoͤtterey ſambt ihren Kriegen
und Streiten ſolten alſo eine zeitlang im Zorne GOttes vergra⸗
ben liegen.
5. Und weil der Geiſt eine Eiche andeutet / darunter dieſe
Goͤtzen und Hoffarth ſey hinbegraben worden / fo iſt uns die Fi⸗
gur klar: Denn eine Eiche iſt magnetiſcher anziehender Art /
und machet zaͤhe und hardte in ihrer Eigenſchafft / darzu ſchwartz /
tunckel und finſter. Dieſes deutet nun an / daß die vorige Ab⸗
goͤtterey / Suͤnden und Laſter / welche ſie getrieben haben / wer⸗
den allda im Hunger-grimm des Zorns GOttes in Turba
magna, alsunterder grofjen Eiche im Spiritu Mundi, als im
verborgenen Myfterio eine zeitlangftille fichen. 3
6. Und was ſie denn wuͤrden auffs neue fündigen / Das würde
dieſe magnetiſche Eiche alles zus fich ziehen / und zudem Schage
Der vorigen Abgötterey und Hoffarth bringen / big dag derfelbe
groß werde / und ihn die Erde unter der Eichenicht werde mehr
bedecken können / fo werde diefeihre alte und neue Hurerey und
Abgötterey mit einander vor dem Zorne und Gerichte GOttes
blog werden / undihr Maaß vollfeyn.
7. Und würden fievor diefen Greueln vor GOtt ſtincken / umd
welches willen der Geiſt GOttes fuͤr ihnen wuͤrde ſein Antlitz
verbergen / und ihnen den Leuchter ſeines Angeſichts wegneh⸗
men / daß ſie wuͤrden in eitel Irrthuͤmen lauffen / und wieder auff
den Weeg ſolcher Hurerey tretten / und dieſelbe mit ihrem boͤſen
Eyfer uͤber Dina ihre Schweſter / welche doch eine geſchaͤndete
Hure iſt / mit Morden und Rauben vertretten.
8. Wie denn ſolches bey den Juden und Chriſten alſo geſchehen
iſt / daß ſte hernach im Eyſer ihrer Abgoͤtterey und Hurerey ha⸗
ben die von GOtt geſandte Propheten und Diener JEſu Chriſti
ermordet und getoͤdtet / daß ſie nur haben mögen in ihrer Hoffarth
und Sodomitiſchen Hurerey leben / biß fie GOtt hat alſo in ihrer
Hertzen verkehrten Sinn gegeben / daß ſie gantz boͤſe vor ihm
worden ſind / ſo iſt das Maaß voll geweſen / und die greuliche
Straffe erfolget / wie an den verſtoſſenen Juden / welche |
ol⸗
‚600 ir Gott Jacob geheiffen Cap.63.
ſolcher Greuel willen find von ihrem Sand und Königreich ver—
trieben worden / fo wohl auch bey den Ehriften / welche in ven
Morgenländern Die befte Chriſten gemefen / und jego den Alco⸗
ran an Ehrifti ſtatt haben muͤſſen / undihre Sünder greulich zu⸗
vor im Zorne verwuͤſtet worden / zu ſehen iſt.
9. Alſo gehet es auch jetzt dir / du ſtreitende Babylon und
Titul⸗Chriſtenheit voller Abgoͤtterey und Ohren-ſpangen der
Hoffarth / welche eine lange Zeit ſeynd unter der Eichen gelegen /
und der Magnet derſelben Eiche hat alle deine Greuel / Abgoͤtte⸗
rey und hoffaͤrtiges boͤſes Leben an ſich gezogen / daß ſie die Erde
nicht mehr bedecken kan / und jetzo bloß vor GOttes Angeſichte
ſtehet / darumb auch dein Gericht vorhanden und nahe iſt.
20. DiePropheten ruffen dir / und ſtraffen dich / aber du raſeſt
umb deine Schweſter Dina’ als umb dein erbauetes fleiſchliches
Reich voller Hoffarth / Abgoͤtterey und fleiſchlicher Liebe / und
mordeſt deine Brüder umb deiner Schweſter Hurerey willen/
als umb der Phariſeiſchen Hurerey willen / und ſieheſt nicht wie
du ſollſt deiner Schweſter Hurerey helffen / daß ſte in Eheſtand
kaͤme / und zeuchſt nur deine Schweſter mit ihrem Huren-Einde /
welche doch vor GOtt und aller Welt in Schanden ſtehet / wieder
zu dir / und wilſt man ſoll ſie Jungfrau heiſſen. Gaͤbeſt du fie
Sichem zum Weibe / und lieſſeſt ihn ſich beſchneiden / und lebteſt
mit in Frieden / ſo wuͤrde deiner Schweſter Hurerey zu⸗
gedecket.
zz. Aber dein Brimm) O HErr [der machts daß es
alſo gehet / denn der Miſſethat iſt zu viel / und die Erde
kan ſie unter der Eiche im Spiritu Mundi nicht mehr be—
decken] fie fteher vor deinem Angefichte bloß : Darumb
fliehet ihr weiſe Kinder aus —— ihr Untergang
and ernſtes Gerichte iſt herbey kommen / das Magß iſt
voll / der Zorn brennet an / die Sünde hat den Verſtand
getoͤdtet / daß fie der Verſtand nicht mehr ſiehet / und
dieſe Kinder daran blind ſind / und immerdar ſagen:
Hie guͤldene Zeit / es wird gut werden / und uns nicht alſo
gehen: Deine Propheten ſind fuͤr Thoren und unſinnig
in dir geachtet / biß dir geſchehe / und du dir ſelber thueſt /
was ſie dir geſagct haben. J
12. Siehe doch nur und laß abe umb die Hure zu kriegen / daß
dir der HErr mit Jacob ruffe / und Dich wieder zu deinem —
Alta
Sap.sz: gen Bethel zu ziehen! etc. sor
Altar in Ehrifto JEſu führe. Thue weg die Goͤtzen / als die
Meynungen / und bauedein Herk zum Altar im Tempel IEfir
Chriſti / ſo wirftu von dem Morden weggeführet werden / und
| wird die Furcht GOttes über die Männer kommen / welche
‚dir wollen nachjagen / wie beym Jacob zu ſehen iſt. Wirſt dıe
aber nicht ablaffen umb die Hure zu Eriegen /fo wirft du mit
ſambt der Huren zu ſchanden und verwuͤſtet werden.
13. Lerne fie doch nur Eennen/fie giebet Sichem Urfach zu
Buhlſchafft / denn ſie lauffet aus ihrem Harfe / und ſuchet Buh
ler: Siehe nur ihre Hoffarth an / reiß ihr die Ohren⸗ſpangen
vom Halſe damit fie pranget / fo wird ſie nicht mehr alſo ſtoltzi⸗
ren: Fordere ihre Abgoͤtter von ihr / vergrabe ſte mit Jacob:
Baue ſelber den Altar in dir / und fuͤhre deine Kinder zum Opffer;
heiß ſie nicht umb Dina ſtreiten / ſondern laß Dina den Mann
nehmen der ſie beſchlaffen hat / oder wirſt vergeblich umb ihre
Jungfrauſchafft kriegen / denn es iſt offenbahr allen Voͤle⸗
kern / daß ſie gehuret hat.
14. Mercke was dir geſaget iſt / es iſtZeit / ihre Schan⸗
de kan nicht mehr zugedecket werden / denn ſie hat das
Hurenkind gebohren: Sieheſt du das nicht / und ken⸗
neſt du die Hure mit dem Kinde nicht / fo biſt du blind.
15. Sie ſitzet in hohen Ehren der Menſchen / undgruͤſſet ſich
felber ; dieſe iſts mit der du buhleſt / und verlaͤſſeſt denen GOtt
und ſeinen Altar IEſum Chriſtum in dir. Erbarme dich doch
nur über dich felber / und befiche dein Elend / wie dir iſt die Hure
an ftattdes Altars GOttes in deine Seele gefeffen/ und hat dir
Leib und Seele eingenommen /undreutjet auff dir / als auff ih⸗
rem Thier / ſie führet dich an ihrem Seile / und du ſteheſts nicht /
du fageft esfey recht alfo. O du böfesThier voller Hoffarth deiner
Huren ! wie wird dich ver HErr mit ſambt der Huren zu Boden
werffen/wieinder Offenbahrung zu ſehen iſt
16. Eine treffliche ſchoͤne Figur deutet der Geiſt allhie weiter
an / wie ſich GOtt habe dem Jacob offenhahret / nachdem er den
Altar zu Bethel hatte gemachet / und die Staͤtte EL Bethel / als
eine engliſche Wohnung geheiſſen/ da GOtt in Engels Geſtalt
mit Jacob umbgieng / wie es die hohe Zunge giebet / wie GOtt in
Engels Geſtalt mit ihm im Geſichte geredet / als in der Engels⸗
Geſtalt der zukuͤnfftigen Menſchheit Chriſti / und ihme ange—
deutet / wie er nicht mehr Jgcob / fondern Iſrael / das iſt ein groſ⸗
fer Baum oder Hauffe Völker heiſ en ſolte / den GOtt ge⸗
c guck
3
602 Wie Gott Jacob geheiffen ——
ſeegnet hatte / daß er alle dieſe Lande ſolle beſitzen / und ſolle alſo
groß werden / daß auch Könige ſollen von feinen genden kommen /
da er auff das kuͤnfftige Koͤnigreich Iſrael und Chriſti deutete /
wie es gehen ſollte. |
17. Undalsver HErrmit Jacob geredet hatte/fnrichtete JZas
cod andemfelben Orthe ein fteinern Mahlauff/ welches andeurct
den Tempel Chrifti / fo wohlauch den Tempel zu Serufalem im
Fuͤrbilde Ehrifti/ fo wohl die Chriftlichen Kirchen bey den Chris
Teen /wieman vondem Worte des HErin werde einen Orth und
Mahl aufbauen /daman zuſammen Eommen werde/ die ABune
der des groſſen Gottes zu verkündigen) und ihn allda anguruffen/
und das Tranck⸗opffer des Gebeths allda auffzuopfferm.
18. Und der Geiſt ſaget weiter: Alſo fuhr GOtt auff von
ihme / da er mit ihme geredet hatte / das iſt / als er ihme war in
ſichtbahrer Geſtalt im Bilde Chriſti erſchienen / ſo verbarg er
ſich wieder in den koͤniglichen Orth / davon er ſich wolte hernach in
feinem Samen in dieſer Figur in der Menſchheit offenbahren
und fichtbar machen.
19. Und Jacob hieß die StätteBethel/als eine Erniedrigung
der Gottheit indie Menfchheit/da der Göttliche Altar offenbahr
worden / da man GOtt Lob opffert: So deutet der Geift beym
Jacob von dieſem Bethel auff das zukuͤnfftige Bethlehem / da
Ehriftus ſollte Menſch gebohren werden / wie dann dieſe Stätte
Bethel trefflich viel bey den Altvaͤttern angezogen wird / welches
alles auff das zukuͤnfftige Bethlehem deutet / da der rechte Altar
Chriſtus follte gebauet und auffgerichtet werden/ auff welchem
Jacob und feine Bätter und feine Kinder hatten im Glauben
und Fürbilde geopfert ; Und unterdeffen fuhr GVtt in ficht>
bahrem Bilde von ihnen auff/big auff die beſtimte Zeit / daß diefer
Altar zu Bethlehem auffgerichtet ward mit der Gebuhrt Chriſti.
20. Und der Geift im Moyſe redet alsbalde gan tunckel in
dieſer Figur darauf und ſpricht: Und fie zogen von Bethel /
da er dann den Aufzug aus der Figur Chrifti andeutet / daß
man wuͤrde von diefer Figur aufgehen zur Gebuhrt Chriſti / und
ſpricht: Da noch ein Feldweeges war gen Sphrath / da gebahr
Rahel / und es kam ſie hart an über der Gebuhrt.
21. Diefesgeldmwerges deutet an die Zeit fo noch zwifchen dem
Altar Epriftifey/als sinSeldweeges war Adam vom Altar GOt⸗
tes aufigangen/ das ift / aus der geiftlichen Welt in die irrdiſche /
da es Rahel / als die menfhliche Natur nun hart ankomt wieder
den Ertzvatter Benjamin / das iſt / einen Chriſten zu a
a
‚Caps. gen Bethelzuzichense! 603
dag auch deralte Adam indiefer Gebuhrt muß fterben und une
ergehen / wie Rahel ftarb als ſit den Benjamin gebahr.
22. Welcher Benjamin andeutet / dag / wann wir GOttes
Altar in uns auffrichten/ Chriſtus in uns wohnet/ alsdann
fo wird Benjamin / das iſt / unfer legter Menſch gebohren / fo
ftirbet die alte Mutter / welche das Reich der Natur bat am
Menſchen gebohren / und wird ver neue geiftlihe Menſch of>
fenbapr.
23. Diefer Benjamin wird erft gebohren nach dem Außzuge
Jacobs aus Mefopotamia/ als der Geift hatte die Figur beyan
Eſau und Jacob in ihrer Zufammenkunfft von Chrifti Leyden
amd Uberwindung perfiguriret/ und war eine Figur des Apoftels
Matthiz/ welcher erft nach Chriſti Himmelfahrt und Vollen—⸗
dung feines Leydens zumXpoftelgemwehler ward an Judas ſtaͤtte.
24. Auch iſts die Figur / wie der Menſch muͤſſe vonche in
Chrifti Leyden und Tod eingehen / und das der Altar Chriftus
mäffe vonche inihme auffgerichtet werden / che vie menfehliche
Natur aus Chrifto gelohren werde 2 Dann Zudas muß fich
porsche in feiner Falſchheit und VBerrätherey imalten Adam mie
Reue uͤber die begangene Sünde erhenden /undanfeinem Bera
mögen verzagen umd fterben / alsdenn wird erft Benjamin / als
die neue Ereatur in Chrifti Geifte gebohren / und Matthias/als
per erfte gefihaffene Adam zum Apoftelerwehler.
25. Dann Matthias war fhon vor Chrifti Seyden gebohren /
und war bey Ehrifto /aber er ward erft ein Apoftel als Chriſtus
in ihme war der Sünden abgeftorben / und fich Judas erhencket
hatte: Alfoift auch der Adamiſche Menſch / welcher ſoll ein Apoſtel
oder Chriſt werden / ſchon vorhin gebohren / ehe Chriſtus in ihme
leidet; Aber Chriſtus muß vonehe in ihme vom Tode auffer⸗
ſtehen / und muß ſich Judas / als der Schlangen Wille / ponehe
im Tode Chriſti ſeines boͤſen Willens erhencken und ſterben /
alsdann wird erſt Adams Menſch ein Chriſt; nicht der hiſtoris
ſche Menſch durch eine zugerechnete Genade / da Judas unter
Chriſti Purpur⸗mantel noch lebet / iſt ein Chriſt / wie Babel von
ihrer Tochter Dinz Jungfrauſchafft alſo fein unter der Dede
fpielet / daß das fchöne Töchterlein mag ihre Hurerey freibenz
amd bey ihrem Buhlen dem Sudas fein fanffte fchlaffen / und der
Buhlſchafft pflegen.
26. Groſſe Dinge find in diefem Terte prxfiguriret / dann der
Text ſaget: Da esihr aber fauer ward über der Gebuhrt Ben⸗
jamins/ fprach die a zu ihr ; Fuͤrchte dich nicht /
c2 dann
oh Wie Got Facobgeheiffen Cap.az.
dann diefen Sohn wirft du auch haben. Da ihr aber die
Seele außgteng daß fie fterben muſte / hieß fieihn Benont:
Das iſt: Sie ſahe auff den inwendigen Grund / auff die neue Ge⸗
buhrt / was er in Chriſto ſeyn wuͤrde / und achtet des Namens der
auffern Creatur nicht.
27. Dañ Benont iftein gantz geiftlicher Name auff englifce
Arth / dann Nie ſprach im Geiſte / als fie die Wehemutter daruͤber
troͤſtete / fie würde dieſen auch haben: Ich habe ihn nicht mehr
in der Welt / das aufferevergehet ; und deutet auff ven engli>
ſchen neuen Namen ; aber fein Batter hieß ihn Benjamin / als
mit der Belt Naine /daf er follte ſtehen wie ein Chriſt müffe
unterm Creutz Chriſti in Schmertzen gebohren werden / dahin
auch feine Mutter ſahe / als wolte fie fagen: Durch Schmertzen
kommen wir ans Leben / als meines Schmertzens Sohn.
28. So ſaget der Geift : Alſo ſtarb Raͤhel / und ward be⸗
graben an dem Weege gen Ephrat/ die nun heiſſet Betlehem:
Und Jacob richtete ein Mahl auff uͤber ihrem Grab / daſſelbe
iſt das Grabmahl Rahel biß auff dieſen Tag. Diefes ifteine
heimliche Figur / daß Nahelfey ander Stätte geftorben und be>
graben worden ; und deutet an/ daß fie allda durch die Gebuhrt
Chriſti folle aufffichen I denn Ehriftus follte allda gebohren
werdet:
29. Auch deutets an / daß / wenn wir würden gen Bethlehem
zur Gebuhrt Chriſti fliehen / ſo wuͤrde Benjamin / als der neue
geiſtliche Menſch aus Rahel / als aus der Mutter des alten Ada⸗
miſchen Menſchen im Geiſte Chriſti gebohren werden : Un»
alsbald würde die Mutter ihr Gebuhrt⸗Recht dem Beifte Chris
ſti übergeben / und ihres Natur-Rechts fierben ; da alsdenn
würde die geiftliche ewige Gebuhrt anheben /und Eva unterge⸗
ben: Denn allda richtet Jacob das Grabmahl auff / und ſpricht
der Geift : Es ift Das Grabmahl big auff den heufigen Zag /
anzudeuten / daß esauff das Künfftige deute / und daß diß Grab:
mahl ſollte bleiben / und Chriſtus allda gebohren werden / da Ra⸗
hel ſey geſtorben.
30. Wir ſehen in dieſer Hiſtoria der Geſchichte Jacobs klar /
daß der Geiſt mit dieſer Auffzeichnung eine Figur habe / darun⸗
ter er deutet. Den Rahel war mit Benjamin Hoch ſchwanger als
Jacob von Laban zog / als fie auff den Goͤtzen ſaß / da ſte ihr Bat»
ter ſuchete / ſagte ſie / es gehet mir nach der Weiber Weiſe / ich
kan nicht vor dir auffſtehen. Nun ſaget aber der Text / wie Ja⸗
cob ergt habe feine Huͤtten vor Sichem auffgeſchlagen und I
gewoh⸗
Cap.sz. gen Berhel gu ziehen / etc. Sog
gewohnet / und hernach ſey er erft gen Bethel gezogen / fo habe
Be. gebohren / daß es ſcheinet zu ſeyn / als rede der Geiſt gang
in der Figur / denn die Geſchichte gehen alle ganz ordentlich in
der Figur Chriſti einander nach / wie ſichs mit Chriſto hat zuge⸗
tragen / darauff wehl zu ————
32. Ferner ſaget der Geiſt Moyſis: Und Iſrael zog aus /
und richtete eine eHuͤtte uff jenfeit dem Thurn £der ;und
es begab fich da Iſrael im Sande wohnete / gieng Ruben hin /
und ſchlieff dey Bilha ſeines Vatters Kebs⸗ weibe / und das kam
vor Iſrael. Welch eine Figur iſt dieſes / die wohl tieff verborgen
iſt —* die Umbſtaͤnde machen fie ſonnenklar.
Iſrael ift jenfeit des Babylonifchen groffen Thurns ge>
are und hat allda bey denfelben Kindern gewohnet / welches
wohl mag ein ziemlicher Weeg von Ephrath Bethlehem feyn ges
weſen / aber der Geift hat allyie feine Figur / darunter er deutet:
Das iſt / als Jacob die frembde Goͤtzen hatte von feinem Bold ge>
than / und ſte ſambt ihren Hhrenfpangen vergraben / und den Als
far des HErrn gebauet / und fi zu GOtt gewendet / und fie in
Ruhe faffen / fo hat fich der natürliche fleiſchliche Menſch wieder
zur Luſt der Kinder Babel gewendet / wie denn der Tert füget :
33. Jacob fey dahin gezogen / und habe allda gewohnet / ſo habe
ih Ruden zu feines Vatters Kebsweibe geleget / als zu Biiha /
Rahels Magd/der Mutter Dan und Naphthali/und eine Blut⸗
ſchande begangen / welche aͤrger war / als die mit Sichem und
Dina: Aber der Geiſt hat alſo mit dieſer Geſchichte eine Figur
dargeſtellet auff das Zukuͤnfftige / wie cs gehen würde / wie ſich
Iſrael wuͤrde von Goͤttlicher Ordnung abwenden vom Altar ih⸗
zes GOttes / und ihres Vatters Gottesdienſt in natürliche
Hurerey vermifchen / als in die heydnifche Gögen=opffer / wie
beym Jerobeam zu fehen if; und deutet der Geift darmit an/
va * erſte Adamiſche Menſch nur werde fleiſchliche Begier⸗
haben.
34. Damm Ruben war der erſte Sohn Jacobs von Lea / als
von der / aus welcher auch die Linea Chriſti entfproß/ anzudeuten /
Daß die jenigen / welche ſich wuͤrden Juden und Chriſten nennen /
und auch aus ſiden Stamme gebohren ſeyn / würden GOtt
verlaſſen: und mit ihres Vatters Kebsweibern / als mit der Ab⸗
goͤtterey und Menſchen⸗Findung und Tandt der Phariſeer und
Schrifftgelehrten / und mit ihren Geſetzen buhlen / und des wah⸗
ren GOttes und ſeines Gebottes in ihren Sertzen vergeſſen / und
ihnen dieſe Hurerey in ihres Hertzens Luſt einbilden.
er; 35: Dem
56 Wie Ruben mit feines Batters Cap.sz.
35. Denn Ruben war wohl Jacobs erſter Sohn / wie auch
Adam der erfte Menfch war /aber in Ruben war nicht die Linea
Ehrifti offenbahr /wie auch nicht in Adam /fondern in Abel und
33 Juda ward fie offenbahr/und wie Adam im Spiritu Mundi mif
GoOttes Kebs-weib / durch welche er feine Frucht gebähret/huret /
und fich in das Weib / alsindie Mutter der äuffern Natur/ ein⸗
begab / und fich zu ihr legte/ und mit ihr Hurerey trieb / und das
Heilige himmlische Ehe-bett der Keufchheit beſudelte: Alfo auch
Fund diefe Figur Rubens mit feines Datters Kebs-weib für der
Figur Ehrifti vorgebildet / denn Chriſtus follte diefe Adamifche
Hurerey wieder ins himliſche Ehe⸗bett einführen amd des Men»
Shen Blutfchande zudecken / darumb ward es allhie mit bey der
Figur Rahels / als bey der neuen Wiedergebuhrt / prxfiguriret.
Der Ehriftenheit Figur fteher alfo:
36. Diefes Kebsweib ift in der Chriftenheit nichts anders
andeutend /als die fleinerne Kirchen) die feynd ja GOttes Kebs⸗
weib / darinnen fein Wort und Teſtamenta gehandelt werden /
in welchen GOtt feine Kinder gebaͤhret / darinnen man ſoll mit
GoOtt wuͤrcken / und fein Hertz zu GOtt wenden: Aber Ruben /
als der Adamiſche Menſch / verlaͤſſet GOtt / und buhlet mit den
ſteinern Kirchen / und treibet Hurerey mit ihr / und hat fie in die
Siebe in feine Arme gefaſſet / und gehet in fie ein/ und heuchelt mit
ihr / und dencket cs fey genug wenn er nur da hineingehe und Pres
digt höre/und die Abfolution und Sacramenta brauche/ und glau⸗
be dehme daß es alfo fey/ was allda gelchret wird / und tröftet fich
deſſen dag er gerne dahin gehe / und das für recht halte/ und
dehme beyfall gebe was allda gehandelt werde / und decket alfo
Ehrifti Purpur-Mantel über fich / und gehet wieder aus der
Kirchen wie er hinein gegangen ift; gehet wohl zwantzig oder
Hreiffig Jahr hinein / biß an fein Ende/ und freibet Hurerey mie
der Kirchen/ und dencket er thue GOtt einen Dienft/wenn er nur
unter andern allda erfcheine) fige/ und Predigt höre/und wenn er
hinaus Eomt / weiß er nichts davon/ was es gewefen ift.
37. Hat auch unter folchem Gehör fein Herk Daheim / oder
In feinem Gewerb/ oder führet feine Augen indie Geftalt ſchoͤner
Weiber und Männer / und in ihre hoffartige Kleidung / und
füllet fein Hertz mit Imagination voll Brunft/und huret weid⸗
Lich mit diefem oder in diefem Kebs=weibe / der Kirchen.
3. Und das noch mehr ift / wenn der Prediger offte Sünden
und Safter ftraffet / auch offte wohl aus Affecten Dornen füct/ fo
faſſet man daffelbe ein / und kitzelt fich Die u
ung
Eap.63. Kobssweib Hurerey getriebenhc. 607
und erdencket darinnen fpisfündige Ehrenrührung / wie man
Leuthe wil damit hoͤhnen /fpigen und dornſtechen / uno hält eg
für das Beſte / das man gehoͤret hat / und ſetzet diefen Lucifer an
GOttes Statt / und buhlet ſtattlich in der Hurerey / als in der
Brunſt die ſes Kebs-weibes.
39. Und die allergroͤſſeſte Hurerey in dieſem Kebs-weibe iſt
dieſes / daß man das Hertz ſo gantz von GOtt auff die Diener die⸗
ſes Kebs-weibes fuͤhret / uno Hurerey mit ihnen treibet/undfie
mit Geſchencke uno Gaben ehretidag fie oft boͤſe / gottloſe / hoffaͤr⸗
fige/geigige Leuthe welche nur den Elenden außſaugen / und mit
Gewalt drängen, loben / und groffe Denckzettel und Lobe⸗brieffe
machen) und fie ftattlich tituliren / hoch anzichen/ groffe Gottes⸗
furcht und Liebe ihnen zumeffen / ſie in. ihren Gefchlechten und
Stämmen hoch feren / und dermaffen Gaudeley umb Geldes
willen freiben/wie einander Gauceler/und Dasgchsweib® Dis
tes / als die Kirche / mit Heucheley und Lügen fhanden. Das
heiffet erfi recht : Ruben iſt zu feines Batters Kebs-weibe gekro⸗
chen / und hat mit ihr gehurers Denn fie find es / welche bey dieſem
Kebs⸗ weibe wohnen follen/ und ihre Pfleger ſeyn: Aber ſte fuͤllen
dieſes Kebs-weib voll ihres falſchen fleiſchlichen Saamens / und
gebaͤhren Huren⸗kinder in GOttes Kebs⸗weib / daß alſo die falſche
Fleiſches-Luſt ihre Hertze gang in fie einführet/ und dencket /
es gelte vor GOtt / und ſey recht alſo: Ihre Suͤnden werden alſo
durch die Gifft des Geldes zugedecket / und bilden ihnen dieſe
Heucheley ein / daß fie dencken / fe ſeynd beſſer als andere / und le⸗
ben alfo in ſolchen hoffaͤrtigen Gedancken / in ſolcher Kirchen⸗
Hurerey immer hin.
40. Und alſo gebaͤhret Ruben aus feines Vatters Kebs-weibe
der Kirchen einen Hauffen Huren-Einder / ſtoltze / hoffürtige /
ruhmredige / gierige Leuthe / welche die albere Mutter der De⸗
auch und Einfalt JEſu Chrifti / als die Lineam Chriſti / welche
in dieſem Kebs-weibe verborgen lieget/ und follte offenbahr und
gebohrn werden / nur beflecken / und die Hurerey über fie ziehen:
Und alfo ift GOttes Kebs⸗weib als die Kirche zur Huren gemacht
worden / und alfo fehe gefchändet / dag ihre Schande vor Iſrael
kommen iſt / als vor die Augen aller Kinder GOttes / welche fie
anpfuyen / und für eine unreine geſchwaͤchte Hure halten ; dar»
innen ſolche Hurerey /neben allen Pracht und Hoffarth getrie⸗
ben wird / dader Zeuffel mit der Imagination und falfchen Luſt
darinnen mehr im folcher Suft Ichret und regieret/ als der Geift
Chriſti / umd iſt mehr eine hoffär race Hure/und ein finfter Thal
als ein Tempel JEſu Chriſti. Er4 41. Und
608 Wie Ruben mit feines Batters Cape 5:
41. Und das noch greulicher ift / fo werden faft eitel Affecten
und Schmähungen darinnen getrieben und gelehret/da man ein»
ander umb Meynungen willen / die ihme doch ein jeder hat felber
gemachet / fchändet/ verfolget / und für ketzeriſch außſchreyet / und
füet ſolchen Gifft in dieſem Kebs-weibe der Kitchen aus / dadurch)
Die Einfallt geirret / und folche Gifft der Schmähung in ihre
Hertzen fleigen und wachfen/dag in der Kirchen nichts alsStreit /
Zanck / Verachtung / und Gottes⸗laͤſterung gelehret und getrieben
wird / daß ein Bruder den andern umb ſeiner Meynungen willen
verachtet / verketzert / und dem hoͤlliſchen Feuer giebet / dadurch alle
Liebe / Wahrheit und Eintraͤchtigkeit verliſchet.
42. Die groͤſſeſte Unzucht / dafuͤr ſich auch der Himmel und die
Elementa anjetzo entſetzen / welche in dieſein Kebs-weibe der Kir—
chen getrieben wird / iſt dieſe: Daß man auch der heiligen Kinder
Gottes / als der Propheten und Apoſtel / und ihrer Nackkom⸗
men Schrifften nimmt 7 und diefelben zum Deckmantel ſolcher
Hurerey brauchet und falſch anzichet / und verbittert / und eitel
Secten und Schwärmereyen daraus machet und einander da>
mit ſchaͤndet / ſchmaͤhet / ver folget / auch zu Krieg un Blutvergieſſen
Urſache Dadurch giebet; und wird aus der Bibel eine eitele uns
zuͤchtige Hure gemachet/ da ein jeder Hurerey mit ihr freibet/
und Meynungen daraus fauget/ md desandern Meynung das
nit verachtet/und ihn ſchmaͤhet und verdammet / und nehmen doch
ihr Dieng alle aus der Bibel : Alfo machen fie ihres Vatters
Kebs⸗weib / als die heilige Dropheten und Apoftelalle zu Huren /
amd huren fälfchlich mit ihnen / und freiben nur Unzucht und
Hoffarth mitihren Schrifften / und lehren den Sayen ihre ins
zucht und Schmähen/ das ein Chriftden andern aus der heifigen
Schrifft lernet ſchmaͤhen / uñ ſeine Schmähung mitden Schriff⸗
ten der Heiligen zu beſchoͤnen. Dieſes heiſſet recht: Ruben / du
biſt meine erſte Krafft / aber du biſt auff mein Bette geſtiegen /
und haft daſſelbe mit Unzucht beſudelt / du haft mein Kebs-weib /
als mein geformtes Wort / zu deiner Hurerey gebrauchet / und aus
der Kirchen meiner Kinder ein Huren-haus gemachet / und haſt
mein Ehe⸗bette / das ich in der Kirchen habe / da ich meine Kinder
zeuge / beſudelt.
43. Dieſes deutet der Geiſt GOttes bey der Deutung des
Ertzvatters Jacob klar an (Geneſ. 49.) da er von dieſer Kirchen
und ihren Opffern alſo ſaget: Ruben mein erſter Sohn / du
biſt meine erſte Krafft und meine erſte Macht / der Obriſte im
Opffer / md der Obriſte im Reich: Er fuhr leichtfertig dahi *
wit
Cap.s3. Kebs⸗weib Hurerey getrieben. 609
wie Waſſer; du jet nicht der Obriſte feyn ; denn du bift auff
Deines DattersLaͤger geſtiegen / und daſelbſt haſtu mein Bette
beſudelt mit dem Auffſteigen.
44. In dieſem Texte —*— der Geiſt klar: Dann Ruben
deutet an die Ordnung der erſten Kirchen / als die Krafft daraus
fie gebauet worden / die iſt die erſte Krafft ver Chriſtlichen Ge—
meine / und iſt GOttes Kebs⸗weit/ bey welcher er wohnet: Aber
ihre Diener ſeynd in GOttes Ehe⸗-bette geſtiegen / haben dag
Kebsweib an ſich gezogen / und in ihre Gewalt genommen / und fie ſte
mit Menſchen⸗ Tand undFleiſches⸗ Ehren un Wolluſt geſchwaͤn⸗
gert / und ſaget klar; Du biſt ver Obriſt im Opffer / und im Reiche:
Dann alſo ſollte es ſehn /wañs die Hurerey nicht thaͤte: Weil aber
Ruben mit der Kirchen Hurerey treibet / ſo ſaget er: Du ſollſt nicht
der Obriſte ſeyn: dann er fuhr leichtfertig dahin wie Waſſer /
und zeiget damit an / wie ſie ſich wuͤrden in eigene Liebe und Flei⸗
ſches⸗Luſt / darzu in Leichtfertigkeit begeben / und deßwegen von
ED verworffen werden.
45. Alfo deutet der Geiſt unter die ſerFigur / wie diß Kebs⸗ weib /
als die Kirche wuͤrde mit ihrer erſten Krafft / als ihrer eigenen
Kinder geſch aͤndet werden / daß von der Kirche wuͤrde geſaget wer⸗
den / ſie ſey ein geiſtliches Hurenhaus; da man den Tempel IEſu
Chriſti von ihr muß unterſcheiden: Dañ der Geiſt ſaget: Du ſolſt
nicht der Obriſte ſeyn / weder im Opffer noch im Reiche: Alſo hat
ſte den rechten Goͤttl. Gewalt durch die Hurerey ihrer Diener ver⸗
lohren / und ſtehet jetzt recht als eine Veſchaͤmte / welche ſey zur Hu⸗
ren worden / welcht von Ifrael lgeſchmaͤhet wird wegen der Unzucht /
die mit ihr getrieben wird / welche faſt von jederman angepfuyet
wird / da eine jede Parthey der anderen Kirchen vor cin Huren⸗
haus außſchreyet / wie genug vor Augen iſt / undalle Buchladen
ſolches Geſchreyes vol ſeynd / und man jego im Sturme fichet /
das Huren⸗haus einzuſtuͤrmen.
46. Den Rindern GOttes aber wird dieſes geſaget; daß die
Kirchen Niemand Fein Leyd thun / und And von der erſten Chriſt⸗
lichen Krafft guter Meynung halben geſtifftet worden; und mie
ren ſehr gut und nuͤtzlich / und doͤrfften keiner Umbſtuͤrtzung / wann
nur Kuben von feiner. Hurerey ablieſſe / damit er ie ſchaͤndet: Daß
ihre Diener renoviret wuͤrden / und nicht ohne Salbung des 9,
Geiftes fich zu Dienern diek sKchs-weibes GOttes auffwuͤrfſen /
wie dann geſchicht / nur umb zeitlicher Ehren und Wolluſt wil⸗
fen / welche der Kirchen fo viel nuͤtze ſeynd / als dem Wagen das
fuͤnffte Radt / ohne daß ſie ohne das mit fuͤnff Raͤdern an ihrem
Cc5 Wagen
510 Wie Ruben mit feines Dattersizc. E67,
Magen fahren / da das fünffte in der Lufft fihwebet / und in Ab>
grumdder Hölleneinfähret mit ihrem Zancke.
47. Das fleinerne Hausder Kirchen] hat keine gröffere Heiz
ligkeit in fich felber als andere Häufer / dann es wird von Stei⸗
nen gebauet /wie andere Haͤuſer / und iſt GOtt darinnen nicht
Fräfftiger alsinandern Häufern: Aber die Gemeine/welche da
hinein gehet) und allda zuſammen komt / und fich mit ihrem Ge»
bethe allda in einen $eib in Chriſto / deſſen Fürbilde die Kirche
iſt / verbindet/ die hat den heiligen Tempel JE fu Ehrifti in fich.
48. Ihr Lob⸗Geſang ift die Wiege des Kindleins JEſu Chri⸗
ſti / da das Kindlein JEſu mit einhelliger Stimme gewieget
wird in der Menſchen Hertzen / und nicht im Begriff der Kirchen
welche ſtumm iſt.
49. Ihre Diener ſind nichts mehr als alle andere Menſchen /
aber die Krafft ſo in der Salbung des Heil. Geiſtes geuͤbet wird /
die hat den Gewalt im Opffer / und iſt der Schluͤſſel.
50. Wer da wil wuͤrdig in die Kirche gehen / der ſoll den Tem⸗
pel JEſu Chriſti in ſich mit hinein bringen / oder ja in ſolchem
Fuͤrſatz ſeyn / daß er ihn wil mit heraus in ſeinem Hertzen brin⸗
gen / ſonſt hat er mit feinem Ein-⸗ und Außgehen / nur eine geiſt⸗
liche ſchein⸗ heuchleriſche Hurerey begangen / und iſt nichts heili⸗
ger wen er heraus gehet / und hätte für fein Hoffarth-prangen
Der ſchoͤnen Kleider fo gut am Marckte geftanden/da ihn auch die
Leuthe hätten gefehen / und hätte vielleicht nicht manches froms
mes Herke damit geirret.
sı. Dieſes haben wir bey der Erkaͤntnuͤß dieſer Figur an⸗
deuten wollen / daß ein Chriſt nicht auffden Schein der Kirchen
ſehen foll / fondern denden daß die Kirche nur cin Fürbilde
Chriſti ſey / und dag nicht dag ein Chrift fey/ der nur indas Fürs
bild eingehet und fich darzu befennet ; fondern das ift ein Chrift /
der in Chriſti Menſchwerdung / Leyden un Tod gant eingehet/und
in Ehrifti Tode feiner Heucheley abftirbet/und aus Ehrifti Tode}
eines neuen Willens und Gehorfams auffftchet/ und nach ſei⸗
nem inwendigen Grund in Chrifto lebet undift / welcher felber
der Tempel Ehrifti wird / in dehme Chriſtus mit feiner Krafft
wuͤrcket / und dadurch die Sünde im Fleiſche toͤdtet: Diefer ift
ein Ehriftin Chriſto / und mag recht in das Fürbilde Chriſti eine
gehen / und fein Chriſtenthumb darinnen uͤben / der wird GOttes
Wort hoͤren / und in feinem Hertzen bewahren.
52. Und ob eine Kuh⸗ſchelle den Namen GOttes in ihrem
Halle andeutete /fo wird ihme Ehriftus in ihme felber a;
aber
|
i
j
Cap.64. Über das 36.und 37.Cap.Gen. 611
aber fein Toder magden andern vom Tode auffwecken / noch ein
Blinder den andern den Weeg weiſen / anderft fallen fie beyde in
vie Gruben / foricht Ehriftus.
53. Ferner ſetzt der Geift Moyfts in feiner Figur den Ertz⸗
vatter Iſaac mit feinem Tode / und fprigt: Und Jacob kam
zu feinem Datter Iſaac gen Mamre in die Haubt⸗Stadt /
die heiffer Hebron / da Abraham und Iſaac Srembolinge
innen geweſen find/und Iſaac ward 180. Jahr alt / und nahm
ab und ſtarb / und ward verſamlet zu ſeinem Volck. Dieſes
iſt eine Figur / wie Chriſti Kinder in dieſer Pilgramfchafft nur
frembde Kinder feynd / und in der Welt nichts eigenes haben /
und Fommen endlich alle wieder zu ihrem erſten Batter der fie
erfchaffen hat / wie Jacob wieder zu feinem Batter vor ſeinem
Ende kam: Alfo auch feynd wir in dieferPilgramfchafft in diefer
irrdiſchen Kirchen nur Haufgenoffen und frembde Kinder / dann
wir müffen endlichen in unfer rechtes Batterland eingehen! als
in die englifche Kirche Ehrifti.
Das 64. Capittel.
Uber das 36. und 37. Cap. Genef. Iſt der Anfang der
gank fihönen Figur mit Sofeph Jacobs Sohn:
was darunter zuderfichen fey ?
8. As 36. Cap. Gen. ift das Gefchlecht-Negifter des
gewaltigen Stammes Efau / wie ihm GOTT
cr Yhabe groß Reichthum / und viel Kinder und Kin
des=Finder gegeben / und feßetder Geift ein groſ⸗
fes Regiſter / und befchreibet feine Kinder und
Kindes-Einder / wiegroffe Fürften aus ihnen feynd Fommen /
und der Welt Herzligkeit beſeſſen: da er von Jacob nichts ge>
genwärtigesvon Weltlicher Herzligkeit faget/fondern faget nur
von dem zukünfftigem Reiche in Ehrifti Figur.
2. Damwir klar fehen /wie Eſau in der Figur des Reichs der
Natur fiche / und wie ihm ſey der Natur Herzligkeit zugefallen/
und ereingroffer Fürfte worden / und viel fürjtfihe Stämme
gezeuget/ und wie ihn GOtt geſeegnet / und groß gemachet hat)
und wie der Heil. Geiſt mit beſonderm Fleiß fein Geſchlechte
auffgezeichner hat/ anzudeuten / dag wir die Figur mit Jacob
und Efau follen lernen recht verftehen /und nicht fo blind hinan
fahren / und Efau in Abgrumd verdammmen / wie allzuviel ge:
Er 6 ſchicht:
Si2 Uber das 36. und 3 7.Cap.Gen. Cap. 64.
ſchicht: denn wir ſehen / wie ihm fein Vatter Iſaac habe eine fette
Wohnung auff Erden angedeutet / dehm GHDtt viel zeitlichen
Seegen geben wolte: Aber feine Figur in Adams Natur muß
untergehen und Ehriftus in ihm aufffichen/ auff dag von Eſau
die SAU wegkomme / / under imE. als cin Engel beftcyen bleibe 4
darzu ihme Chriftus in Jacobs Figur helffen wolte.
3. Auch: giebet der Geiſt Moytis dem Efau einen Namen!/
und heiffet ihn den Edom / der feine Wohnung auff dem Ge—
birge Seir gehabt hat / darunter der heimliche Verſtandt liegets
Denn Sdom deutet in der hohen Zungen einen Rohtfaͤrbigen
an / als der durch das rothe Blut JSESU CEHRISTT infeis
nerharten Bürgichten Natur folte roth gefarbet werden.
4. Undfagtder Geiſt weiter: Die zwey Brüder haben fich
von einander gefchieden / das deutet anden natürlichen Ada⸗
miſchen Efau/der fol fich init feinem Willen von Jacob / das ift/
von Chriſto ſcheiden / denn der natürliche eigene Wille ſoll nicht
GOtt ſchauen: auch deutets an / wie ſich Böfes und Gutes iam
Meiche diefer Welt fcheiden wuͤrde / und ein jedes ſein Principium
beſitzen.
5. In dieſem Namen der Kinder Eſau lieget in der Nature
ſprache ihr Reich der Welt / wie ſie ſich haben ausgetheilet biß
ans Ende der Welt / davon an einem andern Orte / weil es
zu viel Raum nehmen wolte/ auch die Zeit des deutens nicht
vorhanden iſt. Den unfern anug.
6. Das 37. Eap. von Joſeph ift nun die allerfchönfte Figur
von den Reugebohrnen Menſchen aus dem alten Adam / welcher
ein Fuͤrſt über Das Reich der Natur / und auch ein Herz über
alle feine adamifche Glieder / als Brüder des Kindleins JZESU
an ihme / iſt / wie Joſeph cin Fuͤrſti in gantz Egyptenlandt ward /
und ein Herr uͤber alle ſeine Brüder und gantzes Geſchlechte⸗
und zeiget uns in ſeiner Figur in der Hiſtoria gewaltig an / wie
ein Menſch ein ſolcher Joſeph werden muͤſſe / wie es mit ihme
zugehe / und wie die Welt mit ihme umgehe / ehe er zum Fuͤrſten
uͤber ſein Adamiſch Reich feiner Natur geuachet werde / daß der
neue Menſch das Regiment und den Gewalt uͤber feine irrdiſche
Glieder befomme/ wie der Teuffel im Grimme GOttes den cd»
len Sinien Zweige in GOttes Krafft/ daraus der züchfige Jo—⸗
ſeph waͤchſet und gebohren wird / zuſetzet / und ihn indie Grube
der Finſternuͤß in Fleifch und Bluth zuvor hinein fürget und
verbirget / dap ihm Feine Krafft foll zugehen / und alfo verder⸗
hen muͤſſe.
7. Wie
Cap. 64. Don Zofeph Jacobs Sohn. 13
7. Wie Joſephs Brüder mir Joſeph thaͤten / alfo thun auch
Die irzdifche Glieder des alten Adams dieſem Lilien Zweige der
neuen Wiedergebuhrt in der Keuſchheit des Geiſtes Christi]
Darbey der Teuffel gefchäfftig iſt und immerdar die Böfe Thiere
voll Fleiſches Luſt und Brunft in Fleiſch und Blut erwecer)
das ſie wollen das Regiment haben,
8. Auch führet der Teuſſel des Potiphars Weib / als ums
züchtige Menſchen / von auſſen zu ihme / welche das züchtige An⸗
geſicht des inwendigen Grundes wollen beflecken / daß dans irrdi⸗
ſche Fleiſch ſoll an der Welt Hurerey und Unzucht aller Leicht⸗
fertigkeit anbeiſſen / und mit Iwagination an ſich ziehen / und
den neuen Joſeph zu Potiphars Weib ins Huren⸗bette ziehen /
welcher alſo gewaltig davon reiſſen und dringen muß / daß er ſein
Kleid / als fein Weſen mug fahren laſſen / und blog in Geift
und Krafft darvon fliehen / dag ihme feine keuſche Jungfrau⸗
ſchafft vor GOttes Angeſichte moͤge bleiben.
9. Und fo Joſeph alſo ringet / und ſich nicht laͤſſet Fleiſch und
Blut / darzu die ſchnoͤde Welt halten und uͤberwaͤltigen / ſo wird
fie ihm gar gram werden / und in Todt verrahten / daß er nicht
wil mit ihr Unzucht treiben / alsdenn wird Joſeph / als der rin⸗
gende Menſch indie Gefaͤngnuͤß / das iſt in Spott und Vera
achtung um feiner Zucht und Gottes-furcht willen geworffen /
und muß ſich unters Creutz Chriſti / unter ſein Joch in Chriſti
Leyden und Todt verbergen / und wie ein Gefangener im Elende
ſchweben / da ihn die Welt von ſich ausftöffet / als einen der nicht
werth ſey daß ihn die Erde trage / ihn als einen Gefangenen,
weicher umb Hurerey willen gefangen und verachtet werde /
echten / nicht gerne mit ihm umgehen weil ihn die Obri⸗
ſten / als Potipyars Weib ſchmaͤhen und der Unzucht beſchul⸗
digen.
ı0. Welches Weib abermahl die falſche Hure der Gleißner
im geſchmuͤckten Haufe der Chriftenheit andeutet/ welche / wenn
fie Joſeph mit ihrer Hurery nicht koͤnnen fahen und halten / und
er ihnen entreiſſet / fo ſchreyen fie ihm faͤlſchlich nach / behalten
auch fein Kleidt zum Zeichen / und beſchuldigen ihn der Unzucht? /
als Abaötterey/ und fihelten ihn für einen Träumer und
Schwaͤrmer / wie Joſeph geſchahe.
ır. Und wan das der Herz hoͤret / ſo glaͤubet er dieſem Poti⸗
phars Weibe / als dem geſchmuͤckten Gleigner im Haufe der
Gleißnerey: Alfo wird Joſeph vom Hern in Verdacht gezogen/
und wird ven ihm verworffen md in die Gefaͤngnuͤß des Eiendes
Ci 7 ges
—
61a Uber das 36. und 37. Cap. Gen. Cap.64.
geſtoſſen / alda mug er als ein Schuldiger / und doch nicht Schule
diger / im Elende und Verachtung ſchweben.
12. Aber ſolche Verachtung / Verſtoſſung und Elend iſt ih⸗
me gut / dan damit wird er von der Welt Hoffahrt / Hurerey
und aller ihrer Falſchheit / welche feinem Fleiſch und Blut moͤch⸗
ten zuſetzen / und die neue Gebuhrt verhindern / abgezogen / und
alſo waͤchſet das edle Perlenbaͤumlein unterm Creutz Chriſti in
der Welt Elende / und wird groß und ſtarck.
13. Auch fuͤget GOtt ſolchem Joſeph unterdeſſen noch from⸗
me Leuthe zu / welche ihn pflegen und nehren und ſeine Unſchuld
erkennen / und ſich freundlich zu ihm tuhn / und ſeine Keuſchheit
amd Gottes-furcht betrachten / und ſich feiner annehmen / biß der
inwendige Fuͤrſt in GOttes Kraff tuͤchtig zum Regiment iſt:
alsdan ſo fuͤhret ihn GOtt aus dem Gefaͤngnuͤß / und gibet ihme
den Scepter ſeines Regiments / daß er muß ein Fuͤrſt in ſeinen
Wundern ſeyn / und in Goͤttlicher Erkaͤntnuͤß in Gottes Wun⸗
dertaht regiren / wie Joſeph uͤber Egyptenlandt / in welchem
Bilde dieſe Feder auch gebohren iſt / und gar nicht ans
derſt / welches der Vernunfft verborgen iſt.
14. Dieſes iſt alſo die Summa der Erklärung über Joſephs
Hiſtoriam / weil fie aber fo gar reich iſt / fo wollen wir eine
gründliche Erklarung über den gansgen Text machen / dem lieb»
habenden Sefer / welcher gedencket auch ein Zofeph zu werden /
zu einer Anleitung : wird es ihme Ernſt feyn / und dig fleifig
leſen / und fich felber in diefer Figur betrachten und kennen lernen?
fo wird er fehen / weß Geiſtes Kind diefe Schrifften ges
ne hat: daner wird diefe Feder in feinem Hergen
nden.
15. Der Zertfaget alſo: Jacob wohnet Im Lande da ſein
Vatter ein Frembdling innen geweſen war / nemlich im
Lande Cangan / und das ſeynd die Geſchlechte Jacobs: Jo⸗
ſeph war 17. Jahr alt / da er ein Hirte des Viehes ward mit
ſeinen Bruͤdern / und der Knab war bey den Kindern Bilha
und Silpa / feines Vatters Weibern / und brachte für ihren
Vatter wo ein boͤſe Geſchrey wieder fie war. Iſrael aber hatte
Joſeph lieber dan alle feine Bruͤder Darum daß er ihn im
Alter gezeuget hatte / und machteihm einen bundten Roc
Da nun feine Brüder ſahen / daß ihn ihr Datter lieber Hatte]
dan alle feine Brüder / waren ſie ihm feind / und konten ihm
fein freundlich Wort sufprechen, 5
it
Cap. 54, Don Joſeph Jacobs Sohn. 61)
Die innere Figur ſtehet alſo:
16. Jacob hatte ſeine fleiſchliche natuͤrliche Liebe auff Rahel
geworffen / weil fie ſchoͤn war / weil aber in Jacob die Linea Chriſti
im Bunde lag / fo ward Rahel verſchloſſen / daß nicht fein Saame
in natuͤrlicher Fleiſches Art in ihr offenbahr wuͤrde / biß Jacob
und Rahel alt worden / und ſie beyde nicht mehr nach fleiſchlicher
Liebe einander liebeten / ſondern nur eine Frucht ihres Saamens
begehrten / darum dan Jacob und Rahel GOtt baten / daß er
ſie wolte eroͤffnen und fruchtbar machen / und als dieſes geſchahe /
fo ward aus dieſem Jacobs Saamen eine Linea / und bildete eine
Sigurder reinen natürlichen recht Adamifchen Menſchheit / ge⸗
bohren in der Figur /wie Chriffus würde die Adamiſche Menſch⸗
heit/ inihrer erftgehabten Zucht / Reinigkeit und Gottes- Furcht
wieder gebähren.
17. Danin Lea / als in der Einfalt und Niedrigkeit/ ent⸗
fproffe die Linea Chrifti / und in Raheldie Linea des erſten Ada⸗
michen Menſchen in feiner Unſchuld / alseine Figur derfelben/
welche Figur ſtundt / wie ein Chrift in Chrifti Bilde und in
Aams Bilde zugleich fechen würde / und was ein Ehrift in dies
fer Welt von innen und auffen feyn würde /wie er einChrift were
denmüffe. Darumfagtder Tert: Jacob habe Joſeph lie⸗
ber gehabt als alle feine Kinder ; denn Urfach war dieſes /
das Zofeph war aus Jacobs eigener natürlichen Linea / der na⸗
türlichen Siebe gegen Rahel entfproffen / darinnen fich die Sinen
in der Siebe. Ehrifti im Bunde hat mitte eingegeben und offen
bahret / und ſtundt auffrecht inder Figur einer neuen Wieder⸗
gebuhrt / wie ein wahrer Chriſt ſtehen wuͤrde / nach dehm Chri⸗
ſtus wuͤrde im Fleiſch menſchlicher Natur offenbahr werden.
18. Und darum ward Joſeph in ſeinem Gemuͤhte alſo genei⸗
get / daß er das Falſche nicht konte verſchweigen / wan er etwas
Böfes hoͤrete von ſeinen Brüdern / das fagte er feinem Vatter
an. Diefesverdrog feine Brüder / und haſſeten ihn / und hiefs
fen ihn einem Verrähter / und neidetenihn / denn der Geift?
welcher die Boßheit und Falfchheit ftraffet / war in ihme offen»
bahret: Denn EHriftus folte die Welt um die Sünde ftraffen;
weileraber nun im Bilde eines Ehriften ſtundt / fo fügte ers
feinem Batter an ;aus welchem der kommen ſolte / der die Belt
ſolte ſtraffen: Und ſehen allyier gar eben wie Fleiſch und Blut
alſobald im Fuͤrbilde der Chriſtenheit / ſey dem Fuͤrbilde gram
geweſen / und ihme nicht moͤgen ein freundlich a ai
3
616 Uber das 36. und 37. Cap.Gen. Cap. 4.
Denn es verdreuffet die Schlange im Fleifch und Bluth/ wenn
Ehrifius komt nnd wil ihr den Kopff zerfretten.
19. Darzu ſehen wir gar ſchoͤn / wie jich der Geift Gottesim
Joſeph geoffenbahret / und ihme die Figur feiner Conſtellation
gedeutet / daß er koͤnte Träume und Geſichte verſtehen / auff
Arth / wie die Propheten im Geiſte CHriſti Gefichte ſahen/
und fie deuten Eonten / alfo auch Joſeph.
20. Da ihm denn im Gefichtegezeiget ward/ wie er folte ein
Fuͤrſt über feinen Vatter und alle feine Bruͤder werden / wel»
ches recht den inwendigen Menſchen im Geiſte Chriſti andeutet /
welcher ein Fuͤrſt über feines Vatters adamiſches Haus wird /
in welchem Bilde der Joſeph auch aͤuſſerlich ſtundt; und darum
ſo ward auch aͤuſſerlich die Figur neben ihn geſtellet / mit dem
Haffe feiner Brüder / wieder Hauffe der Welt würde das neue
Kind in Eyrifti Beifte anfeinden / verachten und ihme gram
werden/ und wie es eben von denen geſchehen würde/ welche
auch Ehriften wären / und fich Chriſti ruͤhmeten und auch int
inwendigen Grunde foldye wären; wie der adamifche Menſch
Chriftum von auffen fo gar nicht kennen / und unwiſſende Chris
ſtum in feinen Brüdern und Gliedern verachten werde.
21. Anzudeuten/ dag Ehriftus indiefer Welthabeden Spott
in Gottes Gerechtigkeit auff fih genommen / dag er fich wolle
nicht allein in feiner Menſchlichen Perſon laffen verfpotten /
und Adams Spott tragen/ daß er iſt vom Bilde Gottes gewi⸗
chen / fondern daß er fich auch wolle laffen in allen feinen Blies
dern und Kindern verfpotten / daß er auch den adamifchen Spott
wolleinihnen tragen / und fie feinem Bilde ahnlich machen,
22. Darum muften Jacobs Kinder / die auch in Chrifti Li-
nea waren) nach ihrem natürlichen adamifchen Menſchen das
Bilde eines Chriften-Menfihen in Joſeph fpotten und anfein=
den / anzudeuten / wie ein Ehrift ven andern im Eyfer üben
wuͤrde / und feinen Neben-Chriften um Natürlicher Meynung
willen verachten / wie es jeßo und allezeitin der Ehriftenheit als
fo ift ergangen / daß eine Parthey die ander um natürlicher Ge⸗
fee und Meynung vermepnter Gottes-dienft halben verachtet
und anfeindet.
23. Wie Joſeph von feinen Brüdern um der Erkaͤntnuͤß ſei⸗—
ner Geſichte willen angefeindet ward: Alſo wird noch heute die
göttliche Weihheit / welche ſich in Gottes Kindern offenbahret /
von dem natuͤrlichen Adam vernichtet und angefeindet / welche
Anfeindung alle miteinander aus ven Pharifzifchen Geſetzen /
aus
ci:
9
Ki Cap. 64. Bon Joſeph Jacobs Sohn. 617
aus dent Kebs-weibe Chriſti der Skeinern Kirchen und ihrez
Diener herkommen / welche das Kebs-weib E.Hrifti felber alfa
ſchaͤnden / wiefür Augen ift / und Chrifti Kinder damit pers
achten.
24. Denn neben dem Kebsweibe Chriſti der Kirchen iſt der
Babplonifche Thurn der hoben Schulen gebauct / da kommen
die verwirrete Sprachen her / daß man Chriſtum in feinen Kin⸗
dern nicht verſtehen kan / wenn ſie in der Einfalt Chriſti die Ge⸗
ſichte Joſephs deuten / ſo verachtens die ſelbe fremde Sprachen /
denn ſie haben auff dem Thurne andere Zungen bekommen aus
der compaction der fenfualifchen Zungen] da fich jeder Senfus
der Buchſtabiſchen Geifter hat in eine Formirung einer fonders
lichen Zungen / eingefuͤhret.
25. Und die Hoͤhe des Thurns giebet dieſer ſenſualiſchen Zum:
gen Unterſcheidt der Sprachen / daß ſie einander im Verſtande
nicht verſtehen / welche Höhe die Hoffarth der eigenen Liebe
andeutet / für welcher ſich Die 5. Vocales verbergen / daß fie die
Kraft Gottes (in Gottes Kindern in der Einfalt Joſephs)
nicht verfichen / ſondern heiſſen ihn einen Traͤumer / Zeichene
deuter / Schwaͤrmer / Entyufiaften und Narren.
26. Alfo wird der Geift Ehriſti in feinen Kindern am flatt
unſerer Adamifchen Schuld verachtet ; und alfo erfüllet Chrie
fins in feinen Kindern GOttes Gerechtigkeit / und wirdder al
te Menſch auch hiedurch getödtet / und iſt dem Joſeph (Ehrifti)
gut / daß es ihme alſo gehe / ſonſt wuͤrde er nicht in die Welt⸗
gruben geworffen / und den Midianitern verkauffet / daß er zu
Pharao kaͤme und ein Fuͤrſt wuͤrde.
27. Darum ſoll ihme ein Chriſt den Haß (Joſephs) ſeiner
Bruͤder nicht laſſen ſchwer ſeyn / ſondern vielmehr dencken: Ach /
day dur auch in Joſephs Grub egeworffen wuͤrdeſt / damit du von
dem Suͤnden⸗hauſe weggefuͤhret wuͤrdeſt / und kaͤmeſt auch in
Joſephs Gefaͤngnuͤß / daß du Urſache haͤtteſt von der Welt zu flie⸗
hen / und unter Chriſti Creutz-Fahne auch möchte dieſer F Fuͤr⸗
ſte / der diegöttlihe Geſichte mit Joſeph in feinem Worte ver
Krafft verſtehet / offen bahr und gebohren werden/ dag in dir auch
möge die Göttliche Keuſchheit Kofepys (der reiten Zungfraus
hart) offenbahr werden/ daß du auch möchten ein ſolch Gottsa
fuͤrchtiges züchtiges Hers befommen: Das ſoll eines Chriſten
Wunſch ſeyn / und nicht wie er moͤge aus dem Thurn zu Babel
in den fremden Sprachen groß werden / welchen Unterſcheid
doch nur die Höhe (als Die Hoffart) urſachet / N
»_
613 Nber das 36. und 37. Cap. Gen. Cap. 54.
der nicht in Siebe / / Sanfftmuth / Demuth undin der Einfalt
Chriftiverftehen wil/ in deme wir doch [eben und find.
23. Darum wird. dir jeßo | DO du arme verwirrete
Chriſtenheit durch ven Schaden Joſephs geſaget / daß
du doch wolteſt deinen Schaden fehen | wo der herkom⸗
me / anderſt nirgends als aus dem Neide deiner Brit:
der / welche auch in Chriſti Linea find / wie Joſephs
Brüder : Mercde es nur) vom Thurn zu Babel] von
den Titulen und Hochheiten deiner Brüder ] welche in
ihrer Hoffarth der verwirreten Sprachen find in eigene
Liebe eingegangen! daher Fomt dein Schade: Mercke
es doch nur / daß aller Streit und Zwenfpalt in der
Welt daher font.
29. Du aber ſprichſt: Dieſer Thurn macht mich hoch / daß ich
in fremder Art der Sprachen über Joſeph reuthen und ihn ban⸗
digen mag / daß er muginder Gruben liegen: alfo bin ich Herz
in Ehrifti Reiche auff Erden.
30. Höre merd es / wir hahen einen Wächter hören
fagen: Es kommen die Midianiter / und nehmen Jo:
ſeph mit fich / und führen ihn zu Pharao / da folldeine
Untreu und Ungerechtigkeit offenbahr werden / wie
wilſtu denn für Joſephs Augen beſtehen? Die Zeit iſt
nahe.
Oder meyneſtu / Joſephs Schaden werde nicht geeyffert
werden? Siehe / in der Theurung deines Elendes / wenn Die
wirft hungern und dürften / fo muftu wieder zu ihm fliehen. Der
hohe Thurn wird dir weder Troft noch Rettung geben; Die Zeit
iſt gebohren daf — Schaden geeyffert werde |
und die Hurerey Rubens mit Jacobs Kebs-weibe für
Iſrael komme. *
32. Was figeftu lange und heuchelſt die / und ſprichſt: Noch
lange nicht: Siehe / es ift fiir den Augen Iſraelis / daß
Du mit dem KRebs:weibe hatt eine lange Zeit gehuret/und
Die Lineam Chriſti beflecket. Iſrael wil das nicht mehr
dulden / du wirt mit Ruben aus dem Oberzambte des
Opffers und Regiments verworffen/das hat die Stim⸗
me des Waͤchters gefaget.
33. Als
' Gay. 64. von Joſeph Jacobs Sohn. 619
33. Als Joſeph die zwey Träume gehabt / einen von feiner
auffgerichtefen Barbe die da ſtundt / und feiner Brüder Gar—
ben fich für ihme neigten : Den andern von der Sonne und
Monde und den xx. Sternen / welche fich vor Joſeph hatten ge>
neiget / entſtundt alsbald der Neid unter ihnen / nnd meyneten
er wuͤrde ihr Herr werden / und weil ſie die aͤlteſten waren / ſo
— fie über ihn zu herrſchen.
34. Da man denn ficher/ wiees dem Auffern Menfchen nur
RUE um das Neich diefer Welt zu thun geweſen / welches
eben auch der Schaden Adanıs ift / dag er das Innere verlieh /
und nach dem Xeuffern trachtete.
35. Joſephs bundter Rod / welchen ihn fein Vatter marhes
te / deutet an / wie ſich die innere Krafft GOttes wieder durch den
Auffern Menſchen wuͤrde offenbahren / dadurch die Menſchliche
Natur würde bundt (das iſt / mit GOTT gemiſchet) ſeyn/
als das innere geiſtliche Reich mit dem aͤuſſern.
Die Geiſtliche Figur ſtehet alſo:
36. Joſeph mit ſeinem bundten Rock war ein Juͤngling / dar⸗
zu noch zart und jung / und hatte noch nicht der Welt Witz und
Liſt / und ſagte in Einfalt die Wahrheit denn feine Seele war
noch nicht von auſſen mit der Liſt der Luͤgen beflecket / und der
Geiſt GOttes hub an ihn zu treiben / denn ſein bundter Roct
war eine Figur des innern.
37. Diefe Figur præfiguriret uns num das Bilde einesanr
fangenden rechten Ehriften-Menfchens / wie er feyn muͤſſe /
wenn ihn GOttes Geiſt ſolle treiben / als nehmlich / er muß fein
Hertz zu GOtt ſeinem Vatter wenden / und ihn Hertzlich lernen
lieben / wie Joſeph gerne bey feinem Vatter war / und ihme
anſe igte was UÜbels unter feinen Kindern geſchahe. Alſo mug
ein anfahender Chrift auch alle feinen und der feinigen/ fo wohl
auch der ganzen Ehriftenheit Schaden / täglich vor GOtt brin=
gen; Wie Daniel die Sünde des Bolds Iſrael für GOTT
beichtete / und Joſeph den Schaden feiner Brüder vor ſeinem
Batter: Alfo auch beichtet ein wahrer Chrifi tüglich das Elend
und die Sünde feines Volkes im berslichen Mitleyden/ daß
fich doch GOtt ihrer erbarmen wolle / und fie für groſſem Ubel
und Sünden behüten.
38. Und wenn diefes gefchicht / ſo wird fein Herk gar einfaͤl⸗
tig / fromm und gerecht / denn er begehret keine Liſt / fondern wil
Daß es recht und wohl zugehe/ und iſt ihme alles a
147
620 UÜber das 36. und 37. Cap.Gen. Cap. 64.
der / denn er beichtet ſtaͤts das Unrecht des Volcks vor GOet:
alſo wird ſein Gemuͤth gantz einfaͤltig / und ſuchet keine Liſt /
ſondern ſetzet feine Hoffnung zu GOtt / und iebet in Einfalt
und Niedrigkeit ſeines Hertzens vor GOtt und der Welt / und
iſt wie der zarte junge Knabe Joſeph / denn er hoffet immerdar
das Gute von GOtt feinem Batter.
39. Wenn nun der Menſch ſo weit komt / ſo iſt ſchon Joſeph
gebohren; ſo bekleidet GOtt ſein Vatter ſeine Seele mit dem
bundten Rocke / als mit goͤttlicher Krafft / ſo hebet alsbald der
Geiſt GOttes in ihme am mit der Seelen zu ſpielen / wie mit
Joſeph: Denn der Geiſt GOttes ſiehet durch die Seele / und
mit der Seele (wie Joſeph im Geſichte der Träume zukuͤnffti—
ge Dingeim Vorbilde ſahe / da der Geiſt alfo nit feiner Seelen
ſpielcte:) Alſo ſpielet auch alsbald der Geiſt GSOttes mit der
Seelen eines neuen Joſephs mit der innern geiſtlichen Welt /
daß die Seele Goͤttliche Geheimnuͤß verſtehet / und in das ewi⸗
ge Leben ſiehet / und erkennet die verborgene Welt / welche
am Menſchen noch ſoll offenbahr werden; wie dieſer Feder
auch geſchehen iſt / davon fie ihren Geiſt der Wiſſen—
ſchafft hat.
40. Adern nun dieſer Menſch anhebet von göttlichen Din⸗
gen und Geſichten von der verborgenen Welt goͤttlicher Geheim⸗
nuͤß zu reden nnd die Wunder GOttes auszuſprechen / und
ſolches ſeine Bruͤder / als die Kinder der aͤuſſern Welt hoͤren /
in denen die verborgene geiſtliche Welt noch nicht offenbahr wor=
den / ſo halten ſie es vor Tandt und Schwaͤrmerey / und halten
ihn fuͤr Naͤrriſch / daß er von den Dingen ſaget / die ſie nicht
verſtehen und begreiffen mögen / halten es für Einbildung und
Gedichte: Item / für einen Aſtraliſchen Trieb / und was des
Dinges mehr iſt / ſonderlich ſo er ihre boͤſe Wercke ſtraffet und
offenbahret / wir Joſeph thaͤte / fo feinden ſte ihn an / und goͤn⸗
nen ihm nicht ſein Leben / wie Joſeph geſchahe.
ar. Wenn nun dieſes geſchicht / fo ſtehet ſich die Vernunfft
wie gantz irre / und weiß nicht die Weege GOttes / daß es GOt⸗
tes Kindern alſo gehen muͤſſe. Sie dencket du ſucheſt GOTT /
under fuͤhret dich in Noth: Alſo gehet denn dieſer Menſch irre/
wie Joſeph in der Wuͤſten irre gieng / als ihn ſein Batter zu
ſeinen Bruͤdern ſchickte / daß er ſehe wie es zugienge.
42. Alſo gehet es auch mit GOttes neuen Kindern / wan fie
Gottes Geiſt ſchicket / daß fie muͤſſen um Joſephs —
eye
Cap. 64. von Joſeph Jacobs Sohn GE)
eyffern / und fie die Belt allenthalben darum haffet und ver>
folget/ ſo dencken ſie denn in der Vernunfft dieſer Welt / Gehe⸗
ſtu auff GOttes Weegen / warum gehet es dir denn alſo / Daß
Du nur der Welt Rarı wirft? Da hebet ſich alsdenn das Ges
muͤͤhte an zu gremen/ und weis nicht wie ihm geſchiehet / denn
es hoͤret allenthalben das man ihn für thöricht und gottloß
ſchildt / uno ihn anfeinder/ denn das anfahende Gemuͤth im
Fileiſch und Bluth / verſtehet den göttlichen Proces nicht / wie
die Vernunfft muͤſſe zum Narren werden / und wie Ehriſtus
alſo gantz willig des Teuffels und der Welt Spott im Menſchen
ſelber auff ſich nehme und wie GOttes Gerechtigkeit und A>
dams angeerbte Schuldt muͤſſe allezeit erfuͤllet werden mit Ley⸗
den; wie ein Chriſt muͤſſe in Chriſti Figur ſtehen.
43. Und wenn es nun alſo zugehet / ſo gehet die Vernunfft
in groſſer Traurigkeit und Verlaſſenheit recht mit Joſeph in der
Wuͤſten iere/ und iſt ihr allenthalben bange und muß doch
feines Batters Gebott und Willen verrichten: Aber GOTT
verlaͤſſet nicht feinen Joſeph / ſondern fenderihme einen Mann
zu /der ihm troͤſtet ] und den Weeg zu feinen Brüdern weifer /
wie Joſeph geſchahe / als er inder Wuͤſten irre gieng. Das iſt:
44. Er ſendet ihme auch einen eyferigen Chriſten zu / wel⸗
cher feine Weege erkennet / und ihn troͤſtet / beſtaͤndig in GOt⸗
tes Weegen zu verharren / dadurch dieſer neue Joſeph wieder
Muth und Krafft empfaͤhet / und auff den rechten Weeg kom⸗
met / und durſtig zu feinen Brüdern gehet / und ſtehet was fe
thun / was ihr Vorhaben iſt. Das iſt:
45. Er ſtellet Hnen GOttes Gebott und Willen unter Au⸗
gen / wie Joſeph das Gebott ſeines Vatters / und wenn ſie ihn
ſehen / daß er wil mit GOttes Wort ſie ſtraffen / ſo ſchreyen
ſie: Sehet der Traͤumer und Schwaͤrmer komt / und wil uns
viel einreden / er ſchaͤndet unſere gute Gewonheit / darinnen
wir Ehre und gute Tage haben / was ſoll uns dieſer ſtraffen?
Er iſt nicht von der hohen Schulen kommen / und wil uns [che
ren und ſtraffen: laſſet uns einen Rath haften / wie wir ihn
mögen aus dem Weege räumen daß er getoͤdtet werde ;- mas
fol uns der elende Menſch wollen Ichren und flraffen ? Wer ift
er? Er ift doch ein Laye / was fol uns diefer einreden ? Er iſt
richt darzu beruffen/ und iſt nicht feines Ambts: Ermilnur
alfo ausbrechen und ihme einen Namen machen / wir wollen “
äh alfo ſchweigen / dagerfollaller Welt Narı werden: Wir
wollen ihme ſeine Eyes ind Gefaͤngnuͤß legen / und ſchaffen dag
127
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-
622 UÜber das 36. und 37. Cap. Gen. Cap. 64.
er verfolget und gehaffet werde / einem andern derung wil an⸗
fechten zum Erempel / dag er daheime bleibe/ / und feines
weltfichen Standes warte; und uns / Die wir vonder Obrig⸗
£eiteingefeget find / laſſe in göttlichen Dingen richten / die wir
in hohen Schulen ftudiret und folchesgelernethaben.
46. Alfo nehmen fte den arınen Joſeph / welcher aus feines
DBatters Befehl zu ihnen komt / und binden ihn mit Spott
und Schande/ und fchreyen ihn falfchlich aus rauben ihm ſei⸗
nen bundten Rock vor allen Brüdern / den ihm GOtt fein Bat >
ter hatgemachet / wie Jacobs Söhne Zofeph thäten/ und hals
ten ſtaͤts Rath wie fie ihn wollen tödten / und gar aus dem Wee⸗
geräumen/ wie Joſephs Brüder thäten.
47. Uber gleichwie Ruben / der altefie Bruder / folches
wehrete / und nicht zulaffen wolte/ daß fte Joſeph tödten ſolten /
und damit er auch nicht wider ihren Nahtthäte/ fprach er:
Sehet es ift eine Grube in der ABüften / dahinein wollen wir
ihn werfſen / und dieſen bundten Roc dem Vatter ſchicken / dag
er dencke / ein wildes Thier habe ihn zerriſſen: Alſo imgleichen
erwecket denn GOTT in ihrem Raht den Ruben / als den aͤlte⸗
ſten Bruder / welcher Macht hat den falſchen Phariſæiſchen
Rahtſchlaͤgen zu wehren / als etwa einen frommen Gotts⸗
fuͤrchtigen Herrn welcher dem Mord⸗Raht der Pharifzer
widerftehet.
48. Und ob er fich wohl nicht gank wider ihren Raht leget /
fo widerftehet er doch der thätigen Verfolgung / und faget:
Toͤdtet ihn nicht / werffetihn nur indie Gruben / und ziehet ih⸗
ine feinen bundten Kock aus / daß er nicht mehr Träume habe /
auff daß er ihn möge vom Mord⸗ſchwerd erretten.
49. Sie aber nehmen ihn (tie Jofephs Brüder den Jo>
ſeph) und zichen-ihme den bundten Rock aus/ und werfen
ihn in die Gruben der Wuͤſten / und nehmen feinen bundten
Rock / und tuncken ihn in Bocks⸗blut / und fchicken ihn alfo feinem
Baͤtter; das iſt fo viel geſaget: Sie ziehen ihme mit ihrem Laͤ⸗
ſtern feine Ehre aus / und nehmen feine Wort und Lehre / und
machen falfche Auszüge daraus / und beſudeln fie mit Bocks⸗
blut / das iſt / mit falſchen Verſtande / und ſchicken ſolche Schmaͤhe⸗
brieffe unier die Leute / und für feinen Vatter / als fuͤr die gantze
Gemeine / und ſchreyen / Sehet dieſer beſudelte Rock iſt die ſes
Mannes / und morden alſo den Geiſt ſeines Vatters im Rocke /
als in ſeinem Namen / ſchaͤnden und laͤſtern ihn faͤlſchlich und
ſagen / er ſchaͤnde mit ſeinem bundten Rocke das Blut Chriſti
un
Cap. 64. von Joſeph Sucobs Sohn. 623
und betriegen alfo feinen Batter / als die gange Gemeine mit
tem falfhen Borks-blut / darein fie ihme haben feinen Rock gea
tuncket dag die Gemeine dencket / ein wildes Thier habe Joa
feph zerriffen / das iſt / ſte dencken der Teuffel habe diefen Mena
ſchen befeffen / und fey ein falſcher Menſch.
so. Alfo wird der Vatter / als die Gemeine und Obrigkeit
durch Joſephs Brüder) als durch diefe / welche auch ſollen den
Weeg GOttes lehren / mitdem beſudelten Rocke betrogen / dag
fie dencken / der Teuffel Habe diefen Menfchen gefreffen und fein
Hertz beſeſſen: Alfo wird der arme Jofeph hinunter indie Gru⸗
be der Wuͤſten geworffen/ und ligetim Elende / als ineiner
Gruben da fein Waſſer innen ift/daerja nicht mag ertrincken /
und aber auch fonften Eein Labſall hat / fondern fißet gang vera
laſſen von aller Welt) und wartet was doch GOtt nun mitihme
machen wil/dieweil er ihn alfo bey den Menfchen verwirffer,
51. Allda hat er nun keine Hülffe bey einigem Menfchen /
auch feine befte Freunde halten ihn für thoͤricht fein Name iſt
als eine&ule unter den Bögeln/dan alfo muß er durch das Gerich⸗
fe GOttes gehen / und vor allen Menfchen zu fpotte werden s
wan er foll zur Befchaulichkeit göttlicher Heimligkeit kommen /
ſo muß er vonche gerichtet werden / und der Welt in ihr Gerich⸗
te kommen / dag fie feine angebohrne Sünde richten / und alſo
vor GOtt auffopfern/ dag er alfo durchs Gerichte GOttes in
Enrifti Figur hindurch dringe / und zu göftlicher Beſchauligkeit
in fich ſelber komme.
52. Alfo gans muß ein rechter wahrer Chrift von diefer
Belt Luſt und Ehren vonche abgefondert werden / und gan
naͤrriſch und zum Kinde feiner eigenen Bernunfft in ihme
werden/ auch Aufferlich vor närrifch geachtet werden; wie ihn
dan die Welt für naͤrriſch achtet / wan er zeitliche Ehre und
Gut um der Hoffnung des ewigen Guts/ das ernichtfichet /
werläffet.
53. Und wan es dan alfo mit dem armen Joſeph gehet/ dag
er in der Grube des Elendes liget / fo laſſen fich feine Brüder
noch nicht genügen / dag ſie ihn haben indie Grube geworffen /
fondern ziehen ihn auch heraus / und verfauffen ihn ven Midia⸗
nitern / dag er von ihnen weg in freinde Sande geführet werde?
daß ift / ſie nehmen ſeinen Namen und Sehre / und ficken fie in
fremde Sande / dadurch der bundte Rock Zofephs durch göttliche
Schickung bekannt wird.
54. Aber ſie meynen es faͤlſchlich / und verkauffen alſo Joſeph
zum
"or
824 Uber das 36. und 37. Cap. Gen. Cap.64,
zum Spott und Dienftbahren Knechte / day er folle der Welt
zu ihrem Spotte dienen wie dein Joſeph von feinen Brüdern
geſchahe / unddiefer Feder auch gefibehen it.
55. Alfo wird alsdan Joſeph in Egypten geführet und zum
Knechte verkauffer / aber GOTT iſt mit ihme / und gibet ihme
Berftand md Weißheit / dag er zum Hausshalter feines Herrn
gefeget wird / dag fein Hera nichts ohne ihn anfahet / fondern
ihm alles vertrauet: Alfo auch war der Geift Joſephs /ob wohl
zwar ſchmaͤlicher Art in fremde Sande verkauffet wird / da man
Die Perſon nicht kennet 4 fo fehen die Weiſen dem Geifte in feine
Augen und kennen ihn / dag ihm GOtt hat ſeine Weißheitund
Geiſt gegeben / und nehmen feine Schrifften und Lehren / md
richten ihr gantzes Leben darnach; fo ſitzet Joſeph im Regenten⸗
ainbte des Pharao Hoffmeiſters / und regiret ſein gantzes Haus.
56. Aber hiemit iſt Joſeph noch nicht durchs Gerichte gegan⸗
gen / dan in dieſem Regiment ſtehet ihme erſt die groͤſſeſte Gefahr
feines Lebens zu: Dan allda iſt erſt des Hoffmeiſters Weib in
Unzucht gegen ihm entbrandt / als die falſche Secten / welche fich
ia feinen Geiſt wollen vermiſchen / und ihr Ding zu zeitlicher
Ehre und Kunſt darmit ſchmuͤcken: Und wan fich Diefer Joſephs⸗
Geiſt nicht mit ihrem Menſchen-Tandt miſchen wil / ſo ſchreyen
fie erſt Ach und Wehe uͤber ihn / und bezuͤchtigen ihn der Un—
zucht / als falſcher Schrei und verklagen ihn vor dem Hoffmei⸗
fer / das ift /vor der Obrigkeit.
57. Allda muß Joſeph erft in Kercker / und gefangen fiken/und
recht probiret werden / biß ihn GOTT heraus zeucht und fuͤr
Koͤnig Pharao ſtellet / ſo wird erſt ſeine Weißheit und GOttes⸗
furcht offenbahr / daß erkannt wird / daß ihm ſein Verſtand iſt
von GOTT gegeben worden / und alſo wird fein Verſtand zum
Regenten über Egyptenlandt geſetzet / welcher nicht allein frem⸗
de Voͤlcker regieret / ſondern auch feine Brüder muͤſſen endlich
in ihrer Theurung / wenn der rechte Verſtand göttlicher Er#
kaͤndnuͤß bey ihnen theuer wird / zu ihm kommen /umd er erneh⸗
ret fle auch mit feiner Weißheit: Und alfo hat ihn GOTT zu
ihrem Batter voran geführet / dag fie hernach müffen kommen /
und bey fremden Völkern ihres Bruders Joſephs Weißheit
fuchen und genieffein.
58, Denn alfo hat auch Ifraeldie Propheten verfolget / biß
fie ſind in Finſternuͤß und Abgötterey in ihres Fleifches Luft ge»
zahten/ und alledas jenige / davon ihnen die Propheten gefagt
tzatten / über fie kaun; Alsdenn wenn fie im Hunger = =
ee
Cap 64. von Joſeph Zucobs Sohn, 62%
Elende ſaſſen / und ihr Sande voll Greuel war / fo fucheten fie
der Propheten Schriften herfür / und erfanntenerft/ daß ihre
Rede wahr war/ und dag ſie ihnen hatten Unrecht gethan / und
ſchmuckten ihre Graͤber / und fagten: Hattenwir bey unſerer Vaͤt⸗
ter Zeit gelebet / wir hätten fie nicht wollen toͤdten: Aber der
Hoͤchſte hat fein Gerichte alfo (dag er am Haufe Iſrael anfan⸗
get zu plagen) und feinen Zorn in den Kindern der Gnaden [e>
ſchet; dan das Blut der Heiligen in Chrifti Kraft hat allezeit
dem Zorne widerflanden/ dag Iſrael nicht iſt auffgefreſſen
worden.
59. Zofeph ward um zo. Silberling verfaufft/ und Chria
ſtus um 30/ anzudeuten / daß die Menſchheit Chrifti höher und
vollkommener fey / als der andern feiner Kinder / dieweil er
mit von Manncs-Saamen empfangen ward / und in der na⸗
tuͤrlichen Tindtur von des Liechts Eigenfhafft entſproß; die
adamiſche Seele aber von des Feuers Eigenfchafft / daraus dag
Liecht feinen Urftand und Offenvahrung nimt: Alfo dag in Chri⸗
fo des Lichts Eigenſchafft des Feuers Eigenfchafft / als die
Adamiſche Serlefin fih nahm und fich das innere verborgene
wieder heraus wendete / welches in Adam zwar zugeficgelt war
worden / und am Liechts⸗leben verofich.
60. Darum weilein Chrift unter Chriſto iſt / und in Chris
ſto wieder in GOTT offenbahr wird / fo ſtehet die Figur Chrifte
in 30. Zablen / und eines Chriſten in 20. Zahlen in dieſer Figur
fürgefichlet; denn ein Chrift wird verfauffet in Menſchen⸗
Handenzu leyden: Chriftus aber mufte nicht in Menſchen
Handen allen leyden / fendern fih auch vom Grimme GOttes
eineracben / davon er Blut fihwiste.
6r. Und iſt dieſe gange Figur mit Joſeph gewaltig præfigit⸗
riret/ wie ein Chrift in feiner Figur vor GOtt und der Welt fie»
het; denn die gaͤntze Geſchichte Joſephs gehet dahin, wie Adanr
ein Ehrift werde / wieer müffe im Proceß CHriſti / in EHriftt
Figur geftellet werden / und ein Bild Chrifti werden / und wie
ihn GOTT in Chrifti Preces im Reiche Chriſti wieder erhöhetf
und zur Rechten GOttes feet / wie Joſeph zur Rechten des
Königs Phargo geſetzet ward / nach dehme er in Chrifti Proceg
geftanden / und hindurch geführet ward,
>» Dar
42 Br 43 a ET a a aa a Eu Fe a FL ]
A ’
626 Bon Juda und Thamarl und was E. 65.
Das 65. Gapittel.
Bon Juda und Thamar: Eine heimliche Figur von
Adam und EHrifto: darinnen dienene Wiederge—
buhrt trefflich prefiguriret wird.
Uber das 38. Cap. Geneſ.
SEnn man die Hiftori Joſephs nach der aͤuſſern
Bernunfft betrachtet / fo ſpricht die Vernunfft:
Warum fichet Joſephs Hiftoria nicht nachein=
ander in ver Bibel/ da ſie doch nacheinander
geſchehen iſt? Barum feget Mofes diefe Figur
mit Juda und Thamar darzmwifchen? So wir aber dieſe Hiſto—
ri mit Juda und Thamar / und denn Joſephs Figur mit rech—
sem Verſtande anſehen und betrachten / fo ſehen wir dag ſie der
Heilige Geift mit groffen Sleiffe hat alfo gar rechtin die Ord⸗
nung gefeset.
2. Denn Zofephift das Bild eines Ehriften / wie cin Ehrift
an diefer Weck vor GOtt und der Welt ſtehe / wie erin Chriſti
Proceß und Figur geftellet werde: Aber die Hiftoria mit Juda
amd Thamar ift num eine Figur / wig ein Chriſt aus Adams
Bilde nach der Menfchheit iin Reiche der Natur müfte entſproͤſ⸗
ſen / als aus dem erften adamifchen Bilde / und wie daffelbe
adamifche Bilde böfe ſey / und fterben müffe / welches der Zorn
Gottes tödtet/ und wie doch das erfte Recht beftchen muͤſſe /
daß ein Ehrift nach Menfchlicher Natur und Eigenfchafft eben
nur das Adamifche Bilde fey / und kein fremdes / und wie fich
Chriſtus in diefem adamifchen böfen Bilde offenbahre/ und die
Boßheit todte; und doch diefer Zeit einem Chriſten äufferlich
anhange / diefes prefiguriretder Geift allhie gewaltig.
3. Denn allyier fehen wir eine gewaltige Figur mit Juda /
in welchem dieLinea CHriſti ſtundt nach der Ordnung der Ge⸗
ſchlechte daraus EHriftus folte offenbahr werden : Diefer
Juda 308 von feinen Brüdern hinab / und thaͤte fich au ei⸗
nem Mann von Odollam / der hieß HIRA / und Juda
ſahe allda eines Cananiters Mannes Tochter / die hieß
SIAA / und nahm ſie / und da er fie beſchlief / ward fie
ſchwaͤnger / und gebahr einen Sohn / den hieß er GER / und
fieward abermahl ſchwanger / und gebahr einen Sohn / den
bir ſie OWAIT ; fiegebahr abermahl einen Sohn / den ie
e
9
*
Cap. 65. dieſe Hiftoriaprefiguriret. 62%
ſie SELAH und fie war zu CHESIB / da fieihn gebahr 3
und Juda gab feinem Sohn GER ein Weib / die hieß THA⸗
ITAIR: Averer war boͤſe für dem Herrn / Darum toͤdtete ihn
der Herr / da ſprach Jude zu Onan / lege dich zu deines
Bruders Weib / und nimm fie zur She / Daß du deinem Bru⸗
der Saamen erweckeſt: Aber da ONAN wuſte daß der Saa⸗
me nicht ſein eigen ſeyn ſolte / wenn er ſich zu ſeines Bruders
Weib iegte / ließ ers auff die Erde fallen und verderbts?
auff DaB er feinem Bruder nicht Saamen gabe; das gl
dem Herrn übel] das er thät / und toͤdtete ihn auch.
Die Figur ſtehet alſo:
4. Juda ſtehet allhie in der Figur Adams / in dem der Gena⸗
den-bund vom Weibes Saamen war wieder in Adam einge⸗
ſprochen worden / ſo ſtehet er in derſelben Figur / wie der Gena⸗
den⸗bund im boͤſen Adam ſtundt / was Adam allda war: gleich⸗
wie in Juda die Linea Chriſti / als der Genaden⸗bundt / in der
Bewegnuͤß ſtundt / als ein Ziel biß auff Mariam / alſo auchi in
Adam biß auff Judam.
5. Und Thamar ſtehet in der Figur der Even / in welche
GOTT bat feine Verheiſſung / als das Wort zur Wiederge⸗
buhrt / dag des Weibes Saamen in Krafft des Wortes folte
der Schlangen den Kopff zertretten / eingefprochen / fo ſtehet fie
als eine irrdiſche Eva / inder im inwendigen der Genaden-bund
ſtundt / und auswendig die verderbfe Eva war / welche in dieſer
Figur Aufferlich ſtehet als cine Hure / aus welcher doc) die Linea
EHrifti/ mit dem Perez ihrem Sohne entfproß / gleichwie aus
der Eva der Abel / ob Eva gleich war irrdiſch worden / und fe=
hen allhie das Bilde gar eben / wieder Geift indiefer Figur mie
dem alten und neuen Adam / fo wohl mit der alten und neuen
Era ſpiele F
6. Denn Adam war aus ſeines Vatters Haus gegangen mit
feiner Luſt wie Juda zu den Cananitern / und hatte ihme in
feiner Luſt-begierde das Cananitiſche Weib der 4. Elementen
genommen / mit der zeugete er 3. Söhne / der erſte hieß Ger / als
eigen Begierde / da das Reich der Natur des Menſchen in eige⸗
ner Begierde ſtundt als in eigenem Willen / und dieſer Sohn war
die erſte Welt vor der Suͤndfluth / dieſem gab der Vatter ſei⸗
nen Namen / anzudeuten / daß er in des Vatters Natur lebete.
7. Den andern Sohn Dieb fie Onan / den nennete feine
Mutter ge deutet an, die andere Ken dr Suͤndfluth /
Dd denn
me,
8
28 Bon Juda und Thamar / und was C.65.
denn die Natur des Vatters im Menſchen ſprach zu GOtt; O
nein / mein Herr / ertraͤncke mich nicht mehr / und die Mutter
alsdas Weib dieſer Welt im Spiritu Mundi im ausgeſprochenen
Worte und Leben / gab ihrem Sohne diefen Namen: Denn
GOTT hatte feine Genade in ſie eingeſprochen / daß dieſer ihr
anderer Sohn als die andere Welt / nicht ſolte mit Waſſer er>
trencket werden: darum ſtehet dieſer Name in der hohen Figur
alſo / und heiſſet Onan / denn der Geiſt verbirgets in der hohen
Zungen / und heiſſet ihn Oman / oder Onein!
8. Den dritten Sohn hieß fie Sela / und ſte war zu Chefib /
da fie ihn gebahr. Chefib deutet in der hohen Zungen anelır
Aushauchen/ und wieder Einfaffen/ das iſt / dieſer Sela
deutet an die Zeit der Offenbahrung des Geſetzes / da ſich Der goͤtt⸗
liche Wille im Worte / durch das ausgeſprochene Wort hat offen⸗
bahret / und in ein Geſetze oder Gebott eingefaſſet.
9. Dieſe 3. Söhne deuten an die z. Zeiten / von Adam Fig
auff Chriſtum: Ger ift die Zeit vor ver Suͤnd⸗flut in eigener
Suft und Begierde: Gnan iſt die andere Zeit nach der Suͤnd⸗
flut; diefer Sohn / alsdie Welt nach. der Sauͤnd⸗-fut hatte
GHttes Gerichte und Straffe erkannt / die hebet an vor GOt
zuflehen: Onein Herz / ftraffe uns nichtmehr alfe!
10. Die dritte Zeit ift die Zeitdes Geſetzes / alseine Offen»
bahrung der Sünden und heiffet billih Sela: Dan diefer
Sohn faget / ich habe meine Seele wieder indem ‚Herren ges
funden / aber er warnoch nicht der / welcher Thamar / das ift
Die verborgene Eva / in welcher der Genaden-bund Ing / ehligen
koͤnte / er konte nicht den MWeibes-Saamen erwecken: dan Chri—
ftus war im Gefege noch verborgen / fo follte Thamar warten
bif Sela groß würde) das ift / das Geſetz follte auff die Erfül-
fung der Zeit warten / aber nichts defto weniger ward Thamar/
das ift die neue Eva/ welche unter den Suͤnden⸗deckel verbor=
gen lag / durch den Geiſt im Bunde geſchwaͤngert / undgebahr
die Lineam Chriſti / der aͤuſſren Thamar oder Erenverbor-
gen: wie dieſe Figur mit Juda und Thamar ausweiſet.
Die innere Figur ſtehet alſo.
ır. Juda gab ſeinem erſten Sobne ein Weib / die hieß Tha⸗
mar / aber er war boͤſe vor dein Herren / darum toͤdet iin der.
‚Herr: Das ift im innern Berfinnde fo wich geſaget / GOTT
gabder erſten Welt / als dem erſten Sohn Ger dieſe Thamar /
als den verheiſſenen eingeleibten Bund Im a
| er
Cap. 65. dieſe Hiftoriaprefiguriret. 6
Aber fie ſahen nur auff die aͤuſſere Exa / und trieben Hurerey mit
ihr / alſo blied Thamar bey dieſem Sohne unfruchtbahr / und ges
baͤhr nur die aͤuſſere Evam in ihrer Hurerey: Alſo war Ger}
als die ; SleifäyesBegisıde böfe vor dem Herrn / darum toͤdtete
ihn der Her mit der Suͤnd⸗fluth.
x2. Als nun diefer Sohn getoͤdtet war / fo fprach der Geift
GOttes zum andern Sohnenadh der Sündzilut: Nim du dei⸗
nes Bruders Weib / und erwecke in Thamar einen Saamen
aus der Linea des Bundes / das iſt / tritt du in den erſten Bund
von Weibes-Saamen / und führe deinen Willen in Gehorſam
Gottes / und wuͤrcke in der verheiſſenen Genade: Aber der andert
Sohn / als die andere Welt wollte ſich auch nicht mit ven goͤtt⸗
lichen Willen ehligen und in der Genade wuͤrcken / ſondern
ſchuͤtteten ihren Saamen auff die Erde / das iſt / ſie ſatzten ihre
Begierde in irndifche Dinge und wollten Einen Saamen in der
innern Eva im Genaden-bunde erweden] fondern führeten ihren
Saamen nur in irrdiſche Gefaͤſſe / und gebahren Kinder der
Fleiſchlichen Souuft wie an den Kindern Nimrods / und bald
— an Sodom und Gomorra zu ſehen iſt.
Weil ihnen aber GO TT hatte den Genaden-bund mit
Hain angedeutet / dag er ſie nicht wollte mehr mit Waſſer toͤd⸗
ten] da fie fägten: O neim Herr) födte ung nicht mehralfe ;
und fie hatte gcheiffen vor ihm wandeln und ihme Frucht gebaͤh⸗
ren / und ſie hren Saamen nur indie Eitelkeit führeten/und vor
dem Herrn verſchuͤtteten / und nicht Thamar / als den inmwendt>
gen Genaden-bund ehlichen wollten / ſondern hureten nur mit
Ber irrdiſchen Eva] und verſchuͤtteten ihren ſecliſchen Saamen
für der innern Eva im Bunde / ſo toͤdtete der Herr dieſen Onan
auch / mit Sodom und Gomorra / und mit den Heyden / als
fie Iſrael aus ihren Laͤndern vertrieb und toͤdtete: Dan dieſelbe
Heyden wollten nicht das Weib im Bunde ehlichen ſondern
ehlichten ihre eigene Vernunff und macheten ihnen Goͤtzen / por
denſelben ſchuͤtteten ſie ihren Glaubens⸗ ſaamen recht auff die
Erden / darum toͤdtete ſie der Herr auch / wie Onan.
14. Und der Geiſt redet weiter in der Figur unter einer aufa
ferlichen Sefehichte/ und fpricht: Da fprach Juda zu feiner
Schnur THamar / bleib eine Witwe in deines Darters Hau⸗
ſe / biß mein Sohn SEla groß wird / dan er gedschte/vielleiche
möchte er auch ſterben wie feine Bruͤder: Alſo gien THamar
hin und blieb in ihres Vatters Hauſe. In der erſten Welt vor
der Suͤnd⸗ fluht / ſo wohl in der Welt nach der Suͤnd⸗fluht /
Iches
630 Bon Juda und Thamar / und was €. 65.
lebete die Welt frey / ohne göttlich Gefege : dan fie waren mit
dem Bunde der Genaden verchliget/ und follten unter dom Gna>
den⸗bunde leben / als unter der Verheiffung des Weibes-Saa-
anens/ dieſer Weibes-⸗Saame hat ſich mit ihnen verchliget/'wie
Judeæ Söhne mit Thamar : Aber fichureten nur mit der irrdi⸗
ſchen Eva / alfo blieb das rechte Weib im Bunde inihnen un:
fruchtbahr.
25. Als ihnen aber GOTT das Gefeke gab /fo verhieß er die⸗
fen Weibe im Genaden-bunde unter dem Gefege den rechten
Sela: Aber fie/ als des Weibes Saamen im Bunde / follte
after dem Gefeße eine Witwe bleiben / biß Sela groß würde /
dDas iſt / biß das Geſetz feine Zeit erreichet hatte / indeß follte das
Weib im Bunde in ihres Vatters Hauſe / unter dem Geſetze
verborgen bleiben als eine Witwe in ihrem Stande: denn das
Seſetze ſollte unterdeſſen regieren. Sie aber / als das heilige
Weib der Genaden follte ſtille feyn / daß nicht der Zorn GOttes
etwan (um diefer hohen Genade willen / welche er den Men
ſchen gab / da fie verfelben nicht achteten / noch fich derfelben an⸗
nahmen und darinnenlebeten) Iſrael auch toͤdtete wie Juda
dachte der Herr wollte Sela auch tödten.
26. Und ſehen in diefer Figur recht / daß nicht dem Sela als
dem Geſetze dig Weib im Bunde gegeben ward) ob das Ge⸗
ſetze gleich lange darauffwartete / fo mochte doch Sela dig Weib
Im Genaden-bunde nicht ehligen/ fondern Juda / das iſt / GOt⸗
tes Wort und Krafft muß ſich wieder zu dieſem Weibes⸗Saa⸗—
men im Bunde legen / und denſelben erwecken / dag die ſes Weib
ſchwanger ward / und den Weibes-⸗Saamen gebahr / welches in
Marien erfuͤllet ward / wie wir die Figur mit Juda und Tha—
mar ſehen / wie fie Juda / als fie vor der Thuͤr ſaß und auff
ſeine Verheiſſung wartete / daß er ihr wollte Sela geben / ſelber
habe geſchwaͤngert / denn das Geſetze konte die rechte Thamar
- Ian Bunde nicht ſchwaͤngern / ſondern das Wort im Bunde mu—
ſte fich bewegen / und Thamar ſchwaͤngern.
17. Denn allhier ſehen wir die allergewaltigſte Figur des
gantzen Alten Teſtaments: Da ſtehet Juda in der Figur in der
Linea des Bundes / wie ihm fein Vatter Jacob andeutete /
und Thamar als fine Schnur / aus welcher die Kinder des
Bundes aus Judæ Linea follten Saamen erwecken / ſtehet in
‚Her Figur der äuffern und innern Eva; Innerlich deutet fiean
Die Mutter des Genaden-bundes / in welcher das eingeleibte
Genadenzwort ſtundt / und aufferlich ſtehet Ne in der Fi—
gur
Cap. 65. Die Hiftoriaprehguritef. 63%
gur der verderbten Evz / in welcher der Bund im Ins
nern lag.
18. Nun follten die Lineen , fo aus diefem Bunde waren ent⸗
ſproſſen / göttlihen Saamen fan / und Früchte In GOttes
Reich bringen: und das konten fie nicht thun / denn die eigene
Macht war verlohren: darum muſte ſich das erſte ewig-fprechen»
de Wort/ das den Bund hattein Eva / alsin Weibes-Saas
men eingeſprochen / felber wieder in diefem-eingeleibten Gena=
Den=bunde im Weibes Saainen bewegen / und diefes Weib fel>
ker ſchwaͤngern / daß fie Chriſtum gebahr / gleichwie Jude ſei⸗
ne Schnur in diefen Fürbilde ſchwaͤngerte.
29. Der Text Moyſis lautetalfo: Da nun-viel Tage ver⸗
lauffen waren / ftarb des SUHA Tochter / Judæ Weib
und nachdehm Juda ausgetrantet hatte/gieng er hinaufffei=
ne Schafe zu feheeren / gen Thimnath mit feinem Hir⸗
ten HIRA von SOPELLMN: Da ward der Thamse
angeſaget / fiehe dein Schwäher gehet hinsuffgen Thimnath
feine Schafe zu fiheeren: Da legte fiedie Wittwen-Kleider
von fich Die fie erug / deckte fich mit einem Mantel / und ver>
hullete ſich und jaste ſich vor die Thüre heraus an ders:
‚Weeg gen Thimnath; dem fie fahe daß Sela war groß wor⸗
den / und ſie war ihm nicht zum Weibe gegeben.
Die innere Figur fiehet alfo:
20. In Zuda lag die Wursel des Bundes/ welche auffs
Ziehl drang/ da fie follte mit Ehriflo offenbahr werden / fe
Kunde Juda allyie in diefer Figur an flatt des Soͤttlichen
Worts / welhes Wort GOTT dem Adam zum verſtaͤndigen
Leben einſprach: fo ſaget allhie der Text; dem Juda ſey ſein
Weib / als des Suhaͤ Tochter / geſtorben. Dieſes Weib ſtarb in.
Adam: denn es war die Mutter der himmliſchen Gebuhrt in
der Himmliſchen Welt Weſen / um welche Adam traurete / und
als ihn nun GOTT hatte zu dieſer Welt geordnet / fo hoͤrete
fein Traurenauff: denn er Dachte er wäre num daheime / und
gieng aus dem Paradeig hinab, die irrdiſche Früchte zu ge⸗
nieffen/ fo wohl der Thiere / fo fpricht allhie ver Geift: Er
habe feine Schaͤflein geſchoren / welches mit Zuda wohl mag alſo
geſchehen ſeyn: Aber ver Geiſt yatallpie die allerheimlichfte Fi⸗
gur / darunter er Adam hat: denn der Geift faget allhier/ / Juda
habe feinen Hirten Hira von Bdollam mitgenommen.
21, Diefer Hira iſt in der Figur der Cherub/ welcher in der
22.4 indie.
°;2 Bon Juda und Thamar / und was. 65.
irrdiſchen Begierde und thierifchen Kleidung des Menſchen
ſtecket / den nahın Adam mitte / alserausdem Paradeiß gieng/
wie Schäflein diefer Welt zu ſcheeren: denn derfelbe war fein
Hirte] verftchet die irıdifche Begierde: denn dieſelbe huͤtete
sun der Thiere und Schafe / und fihor fie auch / / daß Adam
Kleider und Nohtturfft hatte.
22, Und der Geift heiffet die Stätte Thimnath / da Juda
feine Schafe hatte: In der Haubtszungen lieget dieſer Ver—
ſtand im Senfu gang offenbayr: denn Thimnath iſt anders
nichts als das ausgefprochene Wort / in feinem mächtigen Wie⸗
derausſprechen / und deutet anden Geiſt diefer Welt in den E>
lementen / darinnen das Auffere Eödtliche Leben ſtehet / darin-
nei hatte Adam feine Schäflein / und hat fie auch noch darinnen
in feinen Kindern.
23. Dein in diefer Stätte iſt Sela gebohren / alsdas Be»
fee der Natur / weiches dem Menſchen die Gerechtigkeit gebeut /
auff welches Befeze Thamar / als der Bund der Genaden lange
Zeit unter der Jugend Sela wartete / ob das Geſetze koͤnte mit
dem Genaden⸗bunde verehliget werden: aber cs Eonte nicht feyn /
daß GOttes Gerechtigkeit aus dem Geſetze häfte mögen genug
geſchehen / und daß Thamar als die Genade im Bunde und das
Seſetze moͤchten in die Ehe kommen.
24. So deutet nun der Geiſt allbier klar / als ſich GOttes
Wort hat mit den Geſetze in der Welt ofſenbahret hat Thas
mar; dasift/ der Genaden:bund feine Wirtwen- Kleider beys
feite geleget und hat ſich an den Weeg des Worts im Gefege /
geſetzet da unter dem Geſetze der Geiſt der Propheten aus der
Linea Judæ / vom Reiche Eprifti fürüber gieng / diefen Geiſt
swolteder Gensden-bund zum Gemahlhaben denn es war der
rechte / aus deme Die Propheten unter Dem Gefege auf Chris
ſtum deuteten.
25. Aber Thamar / das ift/ der Genaden-bund verhüuͤllete
fein fchönes Angefichte vor dem irzdifchen Adam / und ſchaͤmete
ſich der Ungeſtalt des irrdiſchen Menfchen / Das die Kinder des
Gefeßes/ fo wohldie Propheten / von auſſen alſo irrdiſch waren:
gleichwie Thamar ihr Antligvor Juda verhuͤllete: Weilaber
Die Zeit da war / daß der Bund follte offenbahr werden ; fo ftel=
Tete fich der Geift des Bunds vor Sela / als für das Gefese /
Denn die Genade follte Adam wieder in ſich nehmen / gleichwie
Thamar Saamen von Juda ihrem Schwäher annahm / und
fich ſchwaͤngern lieg,
awäng 26. Aber
Cap 65. bie Hifteriaprzfguriret. 633
26. Ader das heilige Antlitz des Genaden-Bundes in feiner
Krafft blieb Adam im Geſetze noch verborgen / jo wohl auch den
Propheten biß auff Chriſtum / gleich wie ſich Lhamar vor ihrem
Schwaͤher Juda mit ihrem Angejichte verhuͤllete / daß er ſie nicht
kannte: Alſo auch ſtund der Bund der Genaden im Geſetze / aber
init verhaͤlletem Angeſichte. Und der Geiſt redet weiter im Moſe
und ſpricht:
27. Da ſie nun Juda ſahe / meynete er es waͤre eine Hure)
denn ſie hatte ihr Angeſicht verdecket / das iſt / als die Kinder
im Geſetze den prophetiſchen Geiſt von Chriſto hoͤreten re⸗—
den / ſo dachten ſie / er ware in ihrem Geſetze / und des Geſetzes
aber cr hatte fein Angeſicht verhuͤllet wie Thamar / und Juda
machte ſtich zu ihr am Weege / und ſprach: Lieber laß mich
bey dir liegen: Denn er wuſte nicht daß es feine Schnur war }
das iſt / Adams Natur im Geſetze ſprach zum prophetiſchen Gei—
ſte vonder Genade / lieber laß mich zu dir / Liege bey mir / ich wil
dir Saamen meiner Natur geben / und er erkannte nicht / dag
GOtt in dieſem Geiſte ware und begehrete ſich auff crea⸗
tuͤrliche Arth mit ihme zu miſchen: Er erkennete auch nicht / daß
dieſer prophetiſche Geiſt der eingeleibte Geiſt im Bunde im
Menſchen ſelser waͤre: So gar blind war die Adamiſche Natur
am Bunde. |
28. Die Adamiſche Natur dachte / es wäre eine Hure / die
ſtellete ih alfo im prophetifchen Geiſtt fuͤr ſie; darumb haben
gar offtdie Juden die Propheten getödtet: Dann fie meyneten /
fte göreten einen ſalſchen Huren-Gelft reden : Aber allyie mit
Juda war Die Figur /wie ſich ſollte Die erſte Adamiſche Natur
mit dem Bunde Ber Genaden miſchen / wie der himmliſche Ens
wuͤrde den Adamiſchen menſchlichen wieder in ſich nehmen / und
wie es der Menſch ſelber nicht ver ſtehen würde / was GOtt mie
ihm thun wuͤrde.
29. Die Adamiſche Natur wurde ſich zwar in ihrer Luſt nach
himm liſchen Ente fahnen / aber fie wiirde ihn nicht kennen; ob
fie denſelben gleich wurde ſehen / fe würde fie dencken / das iſt mei⸗
nes gleichen / ich wil mit ihm huren / alfo frembde iſt dem Adam
das Paradeiß worden.
30. Und als ſich Thamar mit verdecktem Angeſichte für Juda
auff den Weeg ſtellete / under zu ihr fprach : Schlaff bey mir⸗
fo ſprach Thamar zu Juda; was wilt dir mir geben / daß die
bey mir liegeſt; Sr ſprach / ich wil dir einen Ziegenbock vork
der Heerde fenden I fie — ſo gib mir ein ur
} p) u
634 Von Juda und Thamar und was C.65.
daß du mir es fendeft ; er ſprach / was wilt du für ein Pfand
daß ich Dir gebe ? Sie antwortete / deinen Ring / und deine
Schnur / und deinen Stab / den du in den Haͤnden haſt: Da
gab er es ihr / und lag bey ihr / und ſie ward vor ihme ſchwan⸗
ger; Und ſie machte ſich auff und gieng hin / und legte den
Mantel ab / und zog ihre Wittwen⸗Kleider wieder an.
3r. Allhie fpielet der Geiſt nun ger ſchoͤne in der Figur / wie
Adams Natur mit der fuͤrgeſtelleten neuen Even im Bunde
buhlet / und fie doch nicht kennet und wieder Bund mit Adams
erſten rechten Natur buhlet / wie ſie in frembder Geſtalt zuſam⸗
anen kommen / wen Adams Natur ſpricht: Schlaff bey mir/und
wil dieſe Evam im Bunde nur auff eine kleine Wolluſt haben /
wie die Adamiſche Natur in ihrer Selbheit alſo thut / daß fie nur
mit falſchem Schein mit der neuen Eva buhlet / und ihr Hertz iſt
weit von der recht ehligen Bermaͤhlung / und nahet ſich nur mit
einer heuchleriſchen Hurerey zu ihr / wie im Ambte der Phari⸗
ſeer geſchicht: So ſpricht dieſe Eva zu der Adamiſchen Natur /
was wilt du mir geben: So verheiſſet die Adamiſche Natur ei⸗
nen Bock / das iſt / einen thieriſchen Willen voll Brunſt der
Heucheley.
32. Aber dieſe Eva / als Thamar / ſpricht; gib mir indeß dei-
nen Ring / Stab und Schnur zu Pfande: Der Ring iſt die See—
fe / welche aus dem Wort GOttes kam; Die Schnur iſt der
Spiritus Mundi, als der aͤuſſere Geiſt; und der Stab iſt der Leib:
Dieſes wil die neue Eva / als die Linea Chriſti im Wunde zum
Pfande haben / und dieſe Kleinode muſte Adam dem Genaden—
Bunde / als des Weibes innern Saamen in der eingeleibten
Genade von der himwliſchen Welt Weſen zum Pfande geben.
33. Als dieſe theure Eva im Saamen Dariz ſollte bey Adam
ſchlaffen / und Adams Saamen inihre heilige Gebuhrt einnch-
nen / gleich wie Juda / in welchem Die Linea des Bundes lag/
muſte Thamar / welcheim Bilde der neuen Even /als der himm⸗
liſchen Welt Weſen ftund / diefe Kleinode/ als feinen Ring /
Schnur und Stab geben / welche beyde in der Figur ſtunden /
wie Chriftus follte aus Adams Natur in Marien) da die rechte
Thamar oder neue Eva innen lag / offenbahr werden.
34. Undals Thamar den Ring / Schnur und Stab kriegete
zum Pfande/ fonahm fiediefelben / und legte fich zu ihine/ umd
fragte nichts nach dem Ziegenbocke / fondern behielt diefe Kleino-
Ber / und gieng damit davon / und tratt wieder in ihren vorigen
Wittwen⸗ſtand / und verbarg fich für Juda / dag ernicht wuͤſte
wer fie waͤre / und wo fie fey hin kounnen. 35.Dies
. . A .,®, >. ®_ E .-
Cap.65. dieſe Hiftorinprefiguriset.. 635:
35. Dieſes iſt nun die gar fchöne Figur / wie fich der Geift int
Bunde mit der himmliſchen Welt Weſen / als mit der neuen-
Ehe oder Even / mit Adams verblichenem Weſen / auch von der
bimmlifchen Welt Weſen / welches Weſen im Falle verblich /
wieder menget und einiget; wie GOtt Menſch wird / und Menſch
GoOtt wird /und wie ſich dieſes Bild im neuen Goͤttlichen Saa⸗
men empfangen / alsdenn wieder fuͤr dem irrdiſchen Adam ver⸗
birget/dag Eva muß wieder ihre Wittwen⸗Kleider anziehen und
tragen /daf der edle Saame in diefer Welt nicht erfannt werde] /
wie bey den Kindern Chriſti zu fehen ift / welche aus Ehrifto
nach diefem inmwendigen Grunde gefhwängert fepnd / wie fie
nach der Hochzeit des Sammes / als dieſes Göttlihen Beylaͤ⸗
gers oder Zufammenfägung / welche zwar in groffer Freude der
Seelen getcyiehet/wieder in den Stand der. Traurigkeit fresfen]
undin diefer Welt verlaffen feyn als eine arnıe Wittwe.
36. Und wie Thamar nichts nach dem Ziegenbod fragte) ſon⸗
dern wolte cin befäntlih Pfand haben: Alfo fragef auch der Geiſt
im Bunde nichts nach Aufferlihem Gepränge/ da man ihm wil
Gaben opffern : Er wil Leib / Scel und Beift zum Dfande haben.
37. Er ſtellet die Juͤdiſche Opffer in diefer Figur nuf gleich
einer Hurerey vor GOtt für / denn gleich wie Juda mit Thamar -
hurete/ undnurdie Hurerey meynete / und einen Bock darumb
geben wolte : Alfo auch ſtunden die Priefter des Geſetzes / und
buhleten in Schein» Heucheley mit GOtt / mit Thieres-⸗Bluth
und Fleifch/ welches zwar eine Figur des innern war/und es ihm
GoOtt gefallen ließ: Aber GOtt wolte nicht ihre Opffer annch>
men /er vermengete ftch auch nicht mit den Opffern / fondern mit -
dein Glauben in Leib / Seel und Geiſt des Menſchen / und ſehen
deſſen allhier ein trefflich Exempel. |
38. Juda hatte drey Söhne mit dem Lananitifchen Weibe
gezeuget/ aber die Bundes-Linea ‚weile in ihm lag/ wolte nicht -
auff das Eananitifhe Weib und ihre Kinter dringen / ſondern
in dieſer Hurerey Judz und Ihamar eröffnete fie fich mit dem:
Deres / welchen Thamar von Juda aus dieſem Benfchlaff em⸗
pfieng / mit welcher Figur ihm G Ott des Menſchen Elende fürs -
ſtellete / und ftellete feinen Bund der Genaden mit Eröffnung -
diefer theuren Bundes-Linea , welche auff das Zichl Chriſtum
drang /in diefe Hureren Iudz und Thamar / als in den irrdi⸗
ſchen Adam und in die irıdifche Evam / aber in den inwendigen
Grundihres Weſens: Anzudenten/ dag auch die Kinder GOt⸗
tes inihrer verderbten Natur nur Hurerey vor GOtt treiben / und
Dd 6 daß
536 Bon Juda und Thamar / und was E.65.
dag ihr Eheftand nur eine Hurerey und beſudeltes viehiſches
Weſen vor GOtt ſey / und gar nichts tüchtiges oder reines darin⸗
nenvor GOtt fey :Darumb offentahrete ſich Die Linea des Bun⸗
je in diefer Hurerey Judz und Thamar / anzudeuten / daß aus
ieſer Bundes⸗Linea follteChriftus kommen / und ins Mittel dit»
fer Hurerey eintretten / un der falſchen Huren-Begierde und irr⸗
diſchen Schlangen den Kopff zertretten / und unſere fleiſchliche
unreine viehiſche Empfaͤngnuͤß mit feinem himmliſchen jung»
fraͤulichem Saamen reinigen / und wieder in ihme ſelber ins Pa⸗
radeiß⸗-Bild wandeln.
39. Auch offenbahrete GOtt die Liveam ſeines Bundes darum
indiefer Hurerey JIudz und Thamar / auff daß fein Grimm in
unferer menfchlichen Unreinigkeit nicht Leib und Seele anzuͤnde
und verfehlinge/fondern dag der Bund der Genaden dem Zorn in
unferer Unreinigkeit entgegen ſtund / auff daß GOtt nicht Iſrael
in ihren Greuelen und Unreinigkeit in feinem Zorne auffraͤſſe.
40. Weil denn in Juda die Linea des Bundes zur Offenbah⸗
rung und Fortpflansung lag / und Iſrael nach der Adamiſchen
Natur auch unrein war / fo ſtellete ihm GOtt feinen Genadens
Bund mit der erften Fortpflantzung aus dem Stamme Ifraclis
in cine ſolche Figur / auff daß ihm Abrahams / Iſaacs undJacobs
Glaube in dem erſten Zweige aus ihnen / als in Juda und ſeinen
Kindern in ſeinem Grimme entgegen ſtund / und allezeit der
Glaube Abraͤhams / als der Geiſt Chriſti in Abrahams Glauben
ein Mitler ſey zwiſchen GOtt und des Menſchen Unreinigkeit.
41. Eine ſolche Figur ſehen wir auch beym Königlichen Pro»
pheten David mit der Bethſaba / auff welche auch die Linea des
Bundes mit Salomon drang / und ob ſchon David ihren Mann
Uriam toͤdten ließ / und Falſchheit trieb / daß er nur Bethſaba
zum Weibe bekam / welches in menſchlicher Natur vor GOtt ein
Greuel war und groffe Sünde; aber der Geiſt hatte auch feine
Sigur alfo mit David / dieweil GOtt feinen Genaden- Bund
von Chriſto mit ihm verneuerte / fo jteilete GOtt die Lineam ſei⸗
nes Bundesin Davids Ungerechtigkeit in das Weib /dag er hat
mit Unrecht in Hurerey an fich gegogendurh Morden ihres Ehe⸗
mannes/ anzudeuten ! das alledes Menſchen Weſen vor EOtt
eitel und böfe fey / und daß er wolle unferer Sünde und Unrei⸗
nigfeit mit feiner Genade felber zu huͤlffe kommen / und feine
Genade in unfere Suͤnde einführen /und fie mit der Genade
tödten / fo ſtellete ihme GOtt in David dieſes Bild für zur Bere
oͤhnung auffdie Zukunfft Chriſti / welcher / als er ſich in Die Figu⸗
ren
?
Cap.s 5. dieſe Hiſtoria preſguriret. 637
ren eingab / aller Menſchen Sünde auff ſich nahm / und die Hure⸗
rey Judæ und Thamar / fo wohl Davids und Bethſabæ / als As
dams und Evz wieder reinigte / und ſich zu ihnen ins Ehe⸗bette
legte/wie zuguda und Thamar/auhDavid un Bethſaba / in deh⸗
nen die Bundes⸗Linea in ihren böfen Fürhaben offenbahr ward.
42. Dann allyie ward das alte Sprihwort erfuͤllet: Wo
GHtttine Kirche hinbauet / alldahin bauet auch ver Teuffeleine
Capellt. GOtt hatte in Juda und David eine Kirche feines
Bundesgebauct/ darneben bauete auch der Teuffel in GOttes
Zorne in Menfchen-$uflfeine Eapelle ;aber die Kirche GOttes
widerſtund ailegeit der Capelle des Teufels.
43. Dann allyier in dieſer Figur ſtellete ſich des Weibes
Saame cin/ wie er wolte in des Menfchen Unreinigkeit der
Schlangen den Kopff zertretten: Allda war das Bild GOttes
Zorns /unddas Bildder Genaden in einer Figur dargeftellet/
als Adams fleiſchliche Hurerey mit feiner Eva und allen ihren
Toͤchtern / und dann des weiblichen Saamens von der him̃liſchen
Welt Weſen / welcher ſich mit dem Worte der Genaden ins
Mittel ſtellete.
44. Noch viel eine trefflichere Figur ſehen wir an dem hoch⸗
weiſen Koͤnige Salomon / welcher eben in der Figur Judæe ſtund⸗
wie Juda Jacobs Sohn war / welcher die Verheiſſung empfieng /
und Jacob gaͤntzlich in Chriſti Figur ſtund: Alſo empfieng auch
David Die Verneuerung des Bundes der erſten BVerheiſſung /
und Darid zeugete dieſen Salomon auc von unrechter Ehe/wies
wohl er fie inine zum Weibe nahu fo fund doch das Unrecht und
der Mord hinter ver Thür.
45. Diefer Salomen ward begabet mit hoher Göttlicher
Weißheit / und drang auch die Linea des Bundes auff ihn /aber
er ward endlich ein ſolch unerſaͤttlicher Buhler / daß die Schrifft
von ihme ſaget / er habe 700. Kebs⸗weiber und 300. Ehe⸗weiber
gehabt / und ſich mit heydniſcher Koͤnige Toͤchtern gemiſchet / und
ſie zu Weibern genommen / und habe den heydniſchen Weibern
vergoͤnnet ihre Gösen-Bilder zur Abgoͤtterey für Jeruſalem
auff ven Höhen auffzurichten.
46. Zn diefer trefflihen Figur deutet der Geift /daf der
Menſch von GOtt abgefallen / und nur abgöttifch ſey dag Adanz
mit allen feinen Kindern in eigener Natur ein ſolches vichiſches /
hurifches und abgöttifches Geſchlechte ſey; und ſtellet darneben
in diefem Könige Salomon die Lineam feines Bundes unter
dieſe heydniſche / abgöttifche / huriſche Kebs⸗weiber / welche in ci=
Dd7 gence
638 Don Juda und Thamar / und was €: 65,
gener Natur vor GOtt nur ein Greuel waren : anzudeuten/ dag
ſich Chriſtus aus diefer Bundes-Linea follte mitten unter die
Heyden ftellen/und die Abgötterey von ihren Hergen reiffen/und
fie alle zu Eprifto bekehren.
47. Auch anzudeuren / daß GOtt der Heyden Weife unter
der Gedult derFigur Chriſti trage / und daß er mir den Juden nur
ein Fuͤrbild des Tempels Chriſti habe dargeſtellet / daß ſie / die
Juden / in ihrer Natur eben nur ſolche abgoͤttiſche Hurer waͤren
als die Heyden / ohne daß ſte in ihrem Geſetze das Fuͤrbild Chriſti
hatten mit ihren Opffern / darauff der Bund ſahe; wie GOtt Juden
und Heyden von Adams Greueln und Abgoͤtterey erloͤſen und reis
nigen wolte / und daß ein Volck vor ihme waͤre als das ander / und
keines nicht beſſer / ſondern alle miteinander nur der boͤſe Adam:
Darumb ſtellets ihme der Geiſt in Salomons Figur in der Li-
nea des Bundes fuͤr Augen / auff daß er ſich aller erbarme umb
Chriſti willen / welcher dieſe Lineam erfuͤllen ſollte.
48. Und wird den Lehrern zu Babel hiemit angedeutet / welche
ein Theil wollen Salomon wegen der heydniſchen Goͤtzen ver⸗
dammen / daß fie eben unter der Decke nur ſelber liegen / wie die
Juden unter Chriſti Fuͤrbilde / und ja ſo wenig die Schrifften
verſtehen als die Juden / und eben auch nur in abgoͤttiſcher zaͤncki⸗
ſcher Hurerey vor GOtt ſtehen / wie Salomon mit feinen Kebs⸗
weibern / und die Juden.
49. Dann Salomon hatte auch das Gefetze / aber mit dem
Hertzen hurete er endlich mit den heydniſchen Weibern und
Bösen: Alfo auch Babel welche fich ein reines Kind nennet/
führet ja den Namen Ehrifti / und ftreitet Hefftig darumb in
Meynungen/ und alledie Meynungen darinnen fie zanden/find
Salomons heydnifche Weiber und Goͤtzen / und keine Zanck⸗
meynungiftetwasbeffer.
so. Dann Chriſtus ſteckt in keiner Zanck⸗ meynung / fondern
in der Linea ſeiner Genaden iſt er mitten unter uns getretten /
und fo wir ihn annehmen / ſo nimt er auch uns in ihme an / und
darff keines Streites noch Meynung / ſondern nur das einige
wil er von uns haben / daß wir in ihme bleiben / fo wiler in ung
bfeiben/ und dag wir uns in ihme lieben / wie er uns in fich liebet/
auff dag wir alle dem Zorne GOttes in feiner Liebe vereiniget
werden / und daß feine Genade und Liebe uns allefambt/ die wir
zu ihn kommen /von unfern Sünden und abgöttifchen Greu⸗
ein abwafche / und aus Juda / Thamar / David / Salomon und
allen Kindern der Juden / Heyden und Chriſten eine reine —
af.
Cap.65. dieſe Hiſtoria prefiguriret. 639
frau mache / die er ihme ſelber zubereitet durch ſeine Liebe in ſei⸗
nem Blute / die er in Genaden zu uns gewandt hat / daß wir ihn
in derſelben Liebe erkennen / und mit ihm ein Leib und Geiſt wer⸗
den / alsdann iſt Adam wieder geholffen.
51. Weiter redet der Geiſt Moyſis im Texte alſo: Uber drey
Monden ward Juda angeſaget / deine Schnur Thamar hat
gehuret / darzu ſiehe / fteift von der Hurerey ſchwanger wor⸗
den; Juda ſprach / bringet ſie her / daß ſie verbrannt werde:
Und da man ſie herfuͤr brachte / ſchickete ſie zu ihrem Schwaͤ⸗
ber / und ſprach: Don dem Manne bin ich ſchwanger / deſſen
dieſes iſt / und ſprach: Kenneſt du auch weß dieſer Ring / und
dieſe Schnur / und dieſer Stabift? Juda erkannte es und
ſprach: Sie iſt gerechter dann ich / dann ich habe ſie nicht ge⸗
geben meinem Sohne Sela / Doch beſchliff er ſte nicht mehr.
Dieſes iſt nun eine gewaltige Figur / wie die Hurerey vor GOtt
ein Greuel ſey / und wie GOtt dem Menſchen feine Sünde un
ter Augen ſtellet / und deutet uns dieſes allhier an / daß die Ada⸗
miſche Hurerey und Greuel vor dieſem Genaden-Bunde offen⸗
bahr ſeynd / und daß der Menſch in ſolchen Greueln des hoͤlliſchen
Feuers ſchuldig ſey / wie Juda ſeine Schnur Thamar zur Ver⸗
damnuͤß des Feuers urtheilete / und nicht erkannte daß er der Hu⸗
ren⸗Mann ſelber ſey / welcher in gleicher Verdamnuͤß ſtund.
52. Auch ſtellet allhier der Geiſt in dieſer Figur die falſche
Gerichte der Menſchen dar / daß ſie eben daſſelbe thun / was ſte
richten / wie allhie Juda die Hurerey Thamar zum Feuer ver⸗
dammete / und ſeinen Fall ſahe er nicht / daß er eben der Schuldi⸗
ge ſelber war / anzudenten / daß ſich auch Chriſtus hätte in der
Welt Gerichte in dieſer Bundes-Linea eingeſtellet als ein ge—⸗
rechter Richter / welcher das Ungerechte vom Rechten fcheiden
wolte / und der Welt Hurerep und Abgötterey verdammen ;
Aber hingegen fehen wir indiefer Figur wie Thamar das Pfand)
als den Ring/ Schnur und Stab fürs Gerichte / und für
das ſchwere Urtheil Juda ſtellete und dem Juda fein gefälletes
Urtheil darmit niederlegte / und feinen Zorn ftillete / daß er fich
mufte erbarmen / und ihr recht laffen.
53. Alfo auch Fund dieſe Figur vor GOtt im innern Grunde
beym Juda und der Thamar/mit Adam und Eva: Dann Adam.
hatte ſich in fleifchliche irrvifche Luſt eingeführet / und mit feiner -
weiblichen Eigenfchafft vurdy Imagination auff viehifche Art ge⸗
huret / und die himmliſche magiſche Art der Göttlichen Ehe ver⸗
geſſen / darumb ihme auch das himmfifche Weib ſtarb / * vn a
en
640 Bon Juda und? hamar / und was Cap.65.
deſſen ſtatt das irrdiſche thieriſche auffwachete / mit welcher er
nun viehiſcher Arth nach Hurerey trieb. Dieſes ſtellete GOtt
in ihme als in Adam ſelber in ſein Gerichte / und wolte Adam
zum Tode verdammen / als ihn dann GOttes Gerechtigkeit vers
dammete.
54. Aber die wieder-eingeleibete Eva im Bunde der Genas
den / welche fih hatte in Eva /als in des verblichenen Weibes
ES aamen von der himmliſchen Zelt Weſen eingeleibet / tratt fire
BHttes ftrenges Gerichte/und [prach zu GOttes Gerechtigkeit
Siehe) ich Lin von den Mann gefchwangert worben/ dehme dies
ſes iſt / das iſt: Siehe / ich habe Adams Seele / Geiſt und Leib
zum Pfande genommen / da ich mich wieder mit ihme vermiſche⸗
te / und bin mit ihm vermaͤhlet / und habe des Vatters Natur im
auffgewachten Zorne in meine Liebe eingenommen / und bin ſetzo
des Menſchen Natur hwanger/und wurde einen Gott-⸗Menſch
gekühren.
ss. Und da des Vatters Eigenfchafft inter Seelifchen Natur
im Zorne erkannte / daß ſie der Vatter hatte ſelber wieder in die
Genade / als in die ncue Evam im Bund eingeſaet: So ſprach
der Zorn des Vatters inder Seelen / als ihm die Genade entge—
gen tratt / zu dieſer neuen Even: Du biſt gerechter / als ich / dan
ich habe die Unreinigkeit Adams geurſachet / dag er iſt irrdiſch
worden / uud vor mir gehuret hat; und ich habe der neuen Even
nicht Sela zum Manne gegeben / das iſt / ich habe das Wort
zur neuen Wiedergeburt nicht durchs Geſetze und im Geſetze / ge⸗
geben: Darum hat Thamar / das iſt / Die neue Eva unter der
Zeitdes Geſetzes mit Juda und feinen Kindern umb die ſeeliſche
und menfchliche Natur gebuhlet / und Sela / als Das Geſetze /
laffen in der Figur ftchen/und hat [ich Die Genade der neuen Evaͤ
im Bunde iinmerdar mit GOttes Kindern vermifchet / als an
den Heiligen) fonderlich an den Propheten zu fehen iſt / welche
auswendig unter dem Geſetze lebeten und daſſelbe tricben / und
Doch immerdar fich mit der neuen Eva in der Genade miſcheten/
und nicht dem Geſetze / fondern der Genade lebeten.
s6. Undistdiefesdie gewaltige Figur an dieſem Orte) wie
der Bund der Verheiſſung inQuda/und die erwedung des Bunte
des im Weibes⸗Saamen immerdar ſeynd gegeneinand: r geftan=
den / und miteinander in Liebe gebuhlet auffdiezuftinfftige Ofa
fenbahrung im Sleifhein Chrifte...
57. Dan dieſe Figurbeym Juda und Thamar iff im inwen⸗
digen Grunde anders nichts als Daffelbige / ud Aufferlich wird
der
ww“ > =.
en RE:
*
Cap. cz. dieſe Hiſtoria prebguriret. 641
der huriſche boͤſe Adam mit ſeiner fleiſchlichen Eva in die Figur
geſtellet / als auswendig der Menſch der Suͤnden mit einer ſuͤnd⸗
lichen Figur / und inwendig die Vermaͤhlung der neuen Ehe Ar
ver Wievergebuprt.
58. Und der Geiſt redet weiter im Morfe und fpricht: Und
da Thamar gebaͤhren ſolte / ſiehe du wurden Zwillinge in
ihrem Leibe erfunden / und als fie jegt gebahr / thaͤt ſich eine
Hand heraus: Da nahms die Wehemuůtter und bandt einen
rohten Fadem darum und ſprach: Der wird der erſte heraus
kommen: Da aber der feine Handt wieder hinein zog / kam
fein Bruder heraus / und ſie ſprach: Warum haſtu umb dei⸗
nen Willen ſolchen Riß geriſſen / und man hieß ihn Peres.
Darnach kam ſein Bruder heraus / der den rohten Fadem um
feine Handt haͤtte / und man hieß ihn Serah.
59. O du wunderlicher groſſer GOtt / der du fo tieff und hoch
bift /wie gar einfaͤltig und Kindiſch modelſtu uns deine Weiß⸗
heit fuͤr! Was iſt doch alle Kunſt und Witz der menſchlichen
Hochheit vor dir / der du dich alſo ſehr erniedrigeſt / und deine al⸗
lertieffeſte Weißheit und Hochheit in kindiſche Einfalt ſtelleſt /
deſſen ſich billig aller Menſchen Hochheit und eigene Witz ſchaͤ⸗
men ſolte / wan ſie die ſo groſſe Geheimnuͤſſen Gottes in ſolcher
Kindheit ſiehet ſtehen.
60. O Welt / wie naͤrriſch biſtu! daß du dich im blinden Le⸗
en erhebeſt / und ſteckeſt doch noch in der Huͤlſe / und ſieheſt
nicht was du biſt / und verſteheſt nicht die göttliche Einfult: Wie
wilſtu dan die göttliche Tieffe ergreiffen ? Dlag abvon deiner
Witz und lege dich zur Einfalt/ auf Das du doch einen Kinders
Berjtand Eriegeft / und vor Gott nicht ummeifer / als die Thie⸗
re ſeynd / geachtet werdeſt / die doc) in ihrem Kleite und Stan⸗
de bleiben / wie fie Gott geſchaffen hat. O Welt! warm
ſchlaͤffeſtu ins Teuffels Arm / der dich in ſich pleget und ſeuget /
und fuͤhret dich in feinen Willen und Leben in feiner Macht?
Ach fiche doch!
61. Dieſe gewaltige Figur præfiguriret uns nun dieſes mit
dieſen Zwillingen / da ſich des einen Handt hat heraus gethan /
m welche die Wehe-mutter einen rohten Fadem gebunden / und
gemeynet er werde der erſte ſeyn / und er aber ſeine Handt wie⸗
der hinein getahn hat / und ſein Bruder ſey heraus kommen:
Wie Chriſtus in dieſer Bundes-Linea die menſchliche Natur
angenohmen hat / ſo hat ſich die menſchliche Natur nach Adams
Recht und eigenem Willen in dieſe Welt zum erſten — *
ahn
642 Von Juda und Thamarlıc. Cap. 65.
tahn und offenbahret / / um welche Adamifche Natur in der
Menfchheit Chriſti muſte diefer rohte Fadem mit feinem Blut⸗
vergieſſen gebunden werden.
62. Als diſes geſchahe / ſo muſte ſich die Menſchliche Natur
mit ihrem Rechte wieder hinein tuhn / das iſt Adams heraus⸗
gewanter Wille muſte wieder hinein in Mutter⸗Leibe / als ins
Wort eingewendet werden / undalsdan fo komt der inwendi⸗
ge neue Adam heraus / deme gehet die adamiſche Natur nach mit
dem rohten Fadem. So ſpricht dan die Mutter zum neuen A⸗
dam in Chriſto: Warum hatteſtu um deinen Willen ſolchen
Riß getahn ? Um deinen Willen ſagt die Mutter / und nicht
um deinet willen / ſondern um das / daß ſich dein Wille empor
winde / und Adams Wille hinten nachgehe / ſo hat der Wille
im Bunde der Genaden das feſte Schloß des erſten Principii,als
das Reich Gottes Zorns mit Gewalt zerbrochen: dan der gute
Wille war in Adam / in Todt und in die Hölle eingefchloffen /
und in Ehrifto rigerden gewaltigen Riß durch Todt und Hölle
im Reiche der ewigen Natur hindurch / und wandte fich wieder
heraus ins natürliche Leben / daß Gottes Reich ins Menſchli⸗
she Leben wieder offenbahr ward.
63. Diefes ftellete der Geift bey Thamar in der Bıuntdes-Li-
nea fuͤr und modelte ihme fiir den Riß Chriſti durch Todt und
Hölle. /.wie dag zugehen folte;. und mit dieſer Fuͤrmodelung
- ward der Hurenswille Thamars und Zudz geheilet/ und ihre
Huren⸗Kinder in der Linea CHriſti im Bunde der Genaden
gechliget.
64. Bey Efau und Jacob ſtundt die Figur / wie Adam nach
der Natur das Reich gebühret Hätte / und wie ers hatte verſcher⸗
zzet und fey darum in feinem Natürlichen Willenvon GOT⸗
Tes Reiche verftoffen worden / und wie Chriftus ihmefey zu
hülffe commen. Allhie ſtehet nun die Figur / wie Chriftus ha=
be das Keich eingenommen / und habe Adam zurück gewandt I.
und fich in Adam heraus gewandt / alfo dag num Adam Ehriftus
heiſſet / und ſchicket fich trefflich wohlin die Figur Joſephs / und
ſtehet billich und recht zwifchen der Hiftoria Joſephs.
65. Denn Joſeph ift die Figur eines Chriftens.und diefes mit
Juda und Thamar iſt eine Figur / wie ein Ehrift aus Adams
Natur urſtaͤnde / und wie Adams Natur wieder hinein gekeh>
ser werde/ und CHriſtus heraus gefehret werde / und wie diß
Bilde eines Ehrifien-Menfchen in diefer Welt Aufferlich mit
dem iradifchen Adam bedecket fen / daß man das wicht oe
1
J
EL
⸗
C.66 Joſeph wird dem Potiphar verkauft 643
und wic alfo EHriffus in Adam feine Schuldt aufffich nehme /
auch wie Adam müffe mit diefem rohten Fadem gezeichnet wer-
den / welches Zeichen recht das Pfandt bey Thamar iſt das ihr
Juda gab; und wollen den Leſer dieſes in Liebe ermahnet
haben / unſere Erklärung dieſes Textes nicht zu ver-
werffen / ſondern ihme nachzudencken / und in die Aus.
gen zu ſehen / ſo wird er wohl ſehen wer der Erklaͤrer ge⸗
weſen ſey / iſt er aber deſſen werth.
Das 66. Capittel.
Die gar ſchoͤne Figur von Joſeph: wie er ſey dem Po⸗
tiphar verkauffet worden / was ſich mit Joſeph
habe zugetragen / und von der Keuſchheit
und Gottes⸗furcht Joſephs.
Genel. 39.
Oſeph ward hinab in £Egypten geführer/ und Po⸗
tiphar ein Egyptiſchermann des Pharaonis Kaͤm⸗
merer und Hoffmeifter kauffete ihn von den Iſ⸗
2 maeliten / die ihn hinab brachten: und ver HERR:
war mit Joſeph / daß er ein gluͤckſeeliger Mann
ward / und war in ſeines Herrn des Egypters Hauſe; und
ſein Herr ſahe / daß der HErr mit ihm war; denn alles was er
thaͤt / da gab der HErr Gluͤck zu durch ihn / alſo daß er Gena⸗
de fand vor feinem Herrn / und fein Diener ward / der ſetzete
ihn über fein Haus ! undalles was er hattel thaͤt er unter
feine Hände: Ind von der Zeit an / da erihn überfein Haus
und alle feine Güter gefeger hatte/feegnete der HErr des Egy⸗
pters Haus um Joſephs willen / und war eitel Seegen des
Herm / in allen was er hatte zu Haus und zu Selde/ da⸗
rum lief ers alles unfer TJofephs Handen was er hatte / und
er nahm ſich Feines Dinges an / weilerihn hatte / denn daß
er aß umd tranck: und Joſeph war huͤpſch und fehön von.
Ungefichte.
2. Die Hiftoria prrfiguriret ung einen wahren Chriſten⸗
Menfchen / wie er ſey / und was er inder Weltfey/ auch was
ſein Ambt ſey / das iſt / wenn Chriſtus in ihme offenbahr wird /
ſo iſt er nicht mehr ſein eigen / daß er thue was er wolle / auch
hat er in dieſer Welt nihtsmehr zum Eigenthum / daß er kan
mit
644 Wie Joſeph ſey den Cap. 65.
mit Wahrheit ſagen / Mein / oder Ich / Ich bins / Ich hab es
es iſt mein eigen / ich mag darmit thun was meinem Fleiſche und
eigenen Willen luͤſtert / ich mags brauchen zu meinen Ehren und
Wolluſt / daß ich dadurch in der Welt hoch ſey: Nein / das al⸗
les hat ein rechter Chriſt nicht in Gewalt.
3. Denn er herrſchet wohl in dehme mit Nechte / das er mit
Rechte und Wahrheit hat und beſitzet / aber nur als ein Diener
ſeines Herrn Chriſti. Denn ein Chriſt iſt ein Chriſt in Chri⸗
ſto / und iſt zum Chriſtlichen Leben und zum Gehorſam des
Glaubens durch das Bluth Chriſti um Chriſti zo0. Silberling
erkauffet worden davon hat ihme fein Herr Chriſtus Joſephs
20. Silberlinge eingethan / und ihn darüber zum Berwalter
gefeget/ Bag erfolldamitwerben/ biß daß er auch 30. Silber»
Eingedarans mache / die ſoll er zum Mahl⸗zeichen frines Herrn
Chriſti in fih tragen / als einen Schaß feines Chriſtenthums.
4. Dieweil aber fein Herr Chriſtus um 30. Silberling zum
Tode verrathen und verkauffet ward / und Joſeph um zo. Sil⸗
berling zum leibeigenen Snechte von feinen Brüdern verkauffer
ward / fo ſtehet im dieſen beyden eines Chriſten Figur / als nem⸗
lich Chriſtus / wenn derfelbe im Menschen offenbahr wird/ zei⸗
get dem Menſchen an die 30. Silberling / darum er verfauffet
ward zum Leyden und ſterben / dieſes ſein Leyden und Sterben
zeucht er ihm an / in welchem die Figur der 30. Silberlinge / als
wie er iſt verrahten und verkauffet worden} eingepffetzet ſtehet:
Allda wird der Menſch ein Chriſt in Chriſti Leyden und GStera
ben / und ſtehet in Chriſti Figur / und verleuret das Recht ſeines
natürlichen eigenen Willens / fo wohl das Reich dieſer Welt.
5. Denn in Chriſti Tode ſtirbet er nach feinem innern geiſtli—⸗
chen Menſchen dieſer Welt abe / und iſt nach demſelben innern
Menſchen nicht mehr in der Welt / ſondern in Chriſto in Gott /
als im Reiche Gottes / wir geſchrieben ſtehet: Das Reich Got⸗
tes iſt inwendig in euch; Item / Prüfer / ob Ehriftus habe ei⸗
ne Geſtalt in euch gewonnen; Item / Ihr ſeyd Tempel des H.
Geiſtes / der in euch wohnet; Item / ihr ſeyd Chriſti Knechte /
und ſollet eſſen das Fleiſch des Menſchen Sohns / ſo bleibet er
in euch / und ihr in ihme / und ohne ihn habet ihr kein Leben:
gleichwie ein Kraut und Graß / ſo woll alle irrdiſche Dinge ohne
der Sonnen Krafft Fein Leben noch Wachstuhm eder Wuͤrk⸗
kung in ſich hat ; alſo auch der Menſch ohne die göttliche Son⸗
ne / welche fih hat durch Chriſtum in feinen Chriften offenbah—
ret / hat kein Leben oder Seeligkeit auſſer Chriſto in N 4
. un
Cap. 66. Potiphar verbauffet worden. 645
—* *
a
Bi:
6. Und wie nun Chriftus iſt um 30. Silterling verfauffer
worden drin Leyden und Tode / welche 30. Silberlinge andeu⸗
ten die 30. Jahr Eyriflivor feiner Zauffe / cheer ins Ambt und
göttliche Regiment nach der Mienfchheit eintratt) da er feinen
Menſchlichen Willen Gott übergab / und der creatürliche ei⸗
gen Wille in ihme auffhoͤrete: Alfo auch muß ein Chriſt / wenn
er das in Wahrheit worden iſt / ſeines eigenen natuͤrlichen Wil⸗
lens um 20. Silberinge aus Ehriſti 30. Silberlingen zumKnech⸗
te Gottes in Chriſto vertauffet werden / zum Dienſte und Ge⸗
horſam feines Heran / derinihme lebet: denn feine verlauffene
ahre der Adamiſchen natürlichen Zeit dieſer Welt / find in und
mit Chriſto um zo. Silberlinge verkauffet worden: Alfo hoͤret
die adamiſche Zeit ſeines natuͤrlichen Willens in ſolchem ver⸗
kauffen in Chriſti Leyden und Todt auff / und wird er von ſeinem
Herzn / welcher in ihme iſt vom Tode aufferftanden / und über
Ben Todt herrſchet und regieret zum Ambtmann in Chriſti Guͤ⸗
ter eingeſetzet / dieſelbe durch en iſt / alsin feines Herrn
Krafft / welcher in ihme iſt / in dieſer Welt nach demfelben Rei-
che Chriſti zu verwalten.
7. Gleichwie Joſeph von feines Batters Haufe weggenom⸗
men ward / und ward erſtlich in die Grube geworffen / darin⸗
nen er verderben folte/ und ward hernach wiederron feinen Bruͤ⸗
dern um 20. Süberlinge zum Dienſte eines Leibeigenen Knechts
ver kauffet: alſo wird auch ein Chriſt / erſtlich von feines Bat
ters Hauſe / als von der adamiſchen Natur genommen / nnd wird
in die Gruben / als in Chriſti Leyden und Tod eingeworffen /
und verleuret allda die Adamiſche Erbfchafft des Reiches dieſer
Belt / und wird mitfeinem Willen und Semühte Davon weg⸗
geführet/ allda muß er frines Batters Haus / als alle Eigen
heit] ſamt dem natürlichen seben / feinen Brüdern in feines
Vaͤtters Haufe / das iſt der Gewalt GOttes im Regiment
diefer Welt übergeben / und fich larfen in die Gruben des Todes
feines natürlichen Willens einwerffen / und ſich allda innen dem
Zevde Chriftiübergeben/ undgerne wollen des Willens dieſer
Welt / als feines adamiſchen Hauſes abfterben / und alles ger⸗
ne leyden / was ihme feine Bruͤder dieſer Welt thun.
8. Als denn ſo er alſo in der Gruben Chriſti lieget / und ſich
dem Tode Chriſti hat übergeben / dag er willig wil alles um
Chriſti willen verlaſſen / und des Todes ſeines eigenen Willens
erfterben/ fo zeucht ihme Chriftus fin Herz in ihme ſtine Auf⸗
erftehung vom Tode gn / und machet ihn in ihme lebendig mit
ſeiner
646 Wie Joſeph feydem Lap. 66.
feiner Kraft / und zeucht ihn aus des Todes Bruben mit Joſeph /
und führer ihn in ſeinen Dienſte wie Joſeph in Dienſt des Pha⸗
raonis Hoffmeiſters / ſo gehet alsdenn alles gluͤcklich in ihme zu:
Denn die göttliche Krafft regieret ihn / er bekomt nun jetzo goͤtt⸗
lichen Verſtand und Weißheit / und weiß wie er ſoll mit ſeines
Herrn Guͤtern umgehen / das iſt ſo viel in der Chriſtlichen Fi-
gur geſaget:
9. Wan ein Menſch alſo in ſolchem Proceß ein Chriſt wirdy
ſo hat er alles / was er von zeitlichem Gut hat und vermag / ſo
wol ſeinen eigenen Willen / Gott uͤbergeben / der fuͤhret ihn
erſtlich in Chriſti Bildnuͤß ein / und machet ihn Chriſto aͤhnlich /
und nimt ihme aber nichts von deme / was er hat zuvorhin im
Ruautur⸗recht gehabt / als da ſeynd die Verwaltung zeitlicher Gü=
ter / ſondern er nimmet ihme feine Gewalt der eigenen Natur /
als den böfen eigenen Willen / welchen Adam hat. von GOtt in
eine Ercatürliche Selbheit eigenes Wollens und Werckens in
irrdiſche Dinge eingeführet / damit Adam GOTZ feinem ‚Her:
ren das Regiment in ihme entzog / und ihme das Weſen diefer
Welt zum Eigenthum machete / gleich als hätte ers gemachet /
md wolte darinnen nicht Gottes Diener und feiner Mitszweige
Pfleger ſeyn / und ihnen feine Krafft/ Willen und Weſen ges
ben; fondern fagte: Mein / das iſt / es iſt mein eigen / ich wils
alleine für mich behalten / und in Mir folls ruhen / und wolte
nicht darmitte in das Leben ſeiner Bruͤder wuͤrcken / und ihnen
auch von feinem Leben und Krafft geben / und entzog ihnen auch
durch die Meinheit die Krafft im Reiche der Natur / als die Ge⸗
waͤchſe der Erden / wolche GOTT in gemein gab / und wolte
nur ſeinen eigenen Leib fuͤllen / und damit groß geachtet / und
ein Herz feiner elenden verſchmachteten Mit⸗zweige feyn/ denen
er doch faͤlſchlich den Safft / damit fie folten ihr Leben ſtaͤrcken /
entzog / und in eine Meinheit einführete: Diefen Gewalt nim⸗
net Gott einem Chriften/ und machef ihn wieder zum Pfleger
feiner Brüder / als zu einem Haushalter feines Herrn; Er lafe
fet ihn in feinen gehabten Zeitlichen Gütern / fo fern er diefelben
im Natur-recht mit Recht und Wahrheit beſitzet / ſitzen / und
machet ihn zu einem Joſeph darinnen.
10. Dieſer Joſeph ſpricht nun nicht das iſt Meine / das Dorff /
Stadt / Landt / Fürſtenthum / Königreich / und Keyſerthum:
Item das Haus / Acker / Gelt / Gut / Vieh / Weib und Kind
iſt meine; Sondern er ſpricht mit gantzem Hertzen und Gewiſ⸗
ſen aus einem neuen guten Chriſtlichen Willen: Es iſt alles
mei⸗
SER
Fir
Er
Cap. 66. Potiphar verkauffet worden. 647
meines Gottes und feiner Kinder: Er Hatmich zum Verwalter
und Hauschalter darein geſetzet / daß chs ſoll dahin wenden / da
er es hin haben wil / ich ſoll mich und ſeine Kinder / als die Noth⸗
duͤrffigen damit naͤhren / und ſoll ihr Pfleger ſeyn / und ihnen
auch meine Krafft und Verſtandt Goͤttlicher Gaben geben / und
ſie damit unterrichten / pflegen und zum guten regiren: Gleich⸗
wie mich Gott mit ſeinem Geiſte regiret / alſo ſoll auch ich / der
ich ſein Ambtman in diefer Welt bin / mit meinem Berſtande
und Ambte meine Mitglieder in ſolcher Krafft regiren und ihrer
pflegen / denn alles / daruͤber ich herrſche / iſt nicht meine / ſondern
Gottes undihrer / ich aber ſoll ihnen than wie Gott mir thut.
1x. Dieſem giebt Gott Joſephs Verſtand und MWeigheit/
und regiret durch ihn das Haus dieſer Welt / er fey in was
&tandeer wolle / fo figeter darinnen in GOTTes Ambt / und
iſt nur ein Diener des Ambts / und ein Pfleger Göttlicher
Ereaturen : Denn ſeines geht Chriftlichen Willens Regiment
iſt im Himmel) er wandelt zugleich im Hummel und auff Er=
den / wie die Schrift faget: Unfer Wandel ift im Himmel:
Denn nac dem innern Grunde feiner Seelen und Geiftes ift er
in Ehrifte in Gott / als in dem ewigfprechenden Worte / aus
welchem fich Adams Wille hat abgewandt / und heraus in dieſe
Welt gedrähet / welchen Willen ihme CHriſtus hat wieder hi=
neingedrahet ins ewige Wort: alfo regiret er nun jetzo mit
dem wiedereingekchrten Willen durch das Auffere ZBefen dieſer
Welt / als in dem geformten ausgefprochenen Worte als ein
Diener und Werkzeug des ewigsfprcchenden Worts in feinen;
Geheimnüffen der Weißheit / als in fichtbarlichen Ereatürli-
chen Worte.
12, Darum wird dir/ O du Regiererin im Ambte Joſephs
diefer Welt / in allen Ständen / angefaget und unter Augen
geſtellet daß du im deme du dich einen Joſeph nenneft / jeßo
nicht regireft als cin Joſeph / nicht als ein Chrift / ſondern als
ein Kind der Sternen und Elementen / du regireſt anderſt nicht
als die Brüder Joſephs / welche nicht wolten / daß Gott den Fo»
fep hatte zum Regenten erkohren / ftewoltens felber ſeyn / che
swolten fie Joſeph tödten / che fie woltenerfahren was Gott mit
Joſephs Geſichten thun wolte; fte wolten nicht leyden das Jo⸗
ſeph ihr Unrecht dem Vatter anſagte / ſondern wolten tuhn was
ſte recht dauchte: Dan ſie fprachen bey ſich ſelbſt / wir ſind die
aͤlteſten und ſollen regieren / was wil uns der Kleineſte einrevden? »
wir beſttzen das Regimentvon rechtswegen im Natur⸗recht; *
er
643 Wie Joſeph ſey dem Cap. 66.
fer iſt die Gewalt / wir wollen Joſeph hinweg räumen / und ihn
indie Brube wertfen/ fo thun wir was wir wollen. :
23. Alfo auch thuſtu / du Regirerin der Chriſtenheit in aller
Ständen) die Sternen und der böfe abgewandte Adam in feis
nem eigenen Willen regiret durch dich in Gottes Ambte im
Reiche diefer Welt / du yaft nur ven Mantel Eprifti darüber
gedeckt / daß man dich nicht foll kennen / dag du der böfe Adam
biſt / und regireft mit der Stern-Witze / umd durch des Zeus
fels Liſt / in eiteleigener Selbheit eigenes Wollens / zu deiner
Pracht eigenen Macht / und heffartigen Herzligfeit.
24. Höre: biſtu ein Chriſt? fo biſtu mit Chriſto des falfchen
Hans Willen / und Des Teuffels Hoffart geſtorben: So du
aber heydniſch wilſt undlebeft / was ruͤhmeſtu dich dan eines
Chriſten? Warum Eriegeftu um Sandt/ Städte und Doͤrffer /
fo du nicht mit Joſeph zum Negenten von Gott darzu biſt einiges
ſetzet und. beruffen biſt ? Was machchzu Dir in Chriſti Reiche das
sand leib-eigen fo du Doch cin Furſt und Diener in Gottes
Ambt biſt / und ihme dieneft ?
15. Biſt du ein eigener Herr auff Erden / und thuſt was
dein eigen Wiile wil / ſo thuſtu nicht was Gottwilf auch re—
gireſt dur nicht aus dem Himmel / ſondern aus der Welt / und
wit der Welt Macht: Woher niniſtu aber das in Ehrifti Secich /
und aus was Gewalt / daß di in Gottes Ambte dem Elenden
feinen Schweiß an dich zeuchſt / und ihme feine Krafft nimmeſt /
und laͤſſe ſt ihn darben ? Item / daß du ihn mit deiner Laſt quaͤ—
leſt / daß du nur magſt viel Reichthum befigen / und groſſe hauf—
fen Eigentuhm machen / mit welchem du dich gewaltig macheſt /
unddeinen Sinn in Hoffahrt fuͤhreſt: Woher nimſtu das in
Chriſti Reich / dag du wilft beffer feyn als deines Leibes Glied⸗
maffen ? und da wir doch in Ehrifto nur einer ſeynd / als ein ci>
iger Baum in viel Zweigen und Aeſten / und Ehriftus alleine
iſt unſer Safft und Krafft / und pfieget unfer in gemein den
Ambtman als den Aſt / anderſt nicht als Die Zweige Darauf
die Frucht waͤchſet.
16. Du Gewaltiger im Ambte Gottes / weiſtu nicht / daß du
in deinem Ambte ein AR im Baume Chriftibift / und dag auff
Beinen Zweigen fol die Frucht wachfen ? So du nun den Zwei⸗
gen deinen Safft entzeuchſt / und ſie nur mit Bewegen treibeſt /
was koͤnnen ſie dir für Fruͤchte gebaaͤhren ? Sie verdorren doch
str an dir und bringen Feine Fruͤchte / daran biſt du nun Schuld /
zaf der Aſt / Der du im Ambte Gottes biſt / ohne Frucht ſtehet /
was
— ——
Kap. 66. Potiphar verbkauffet worden. 649
—
*
*
F— EEE — —
——
was nutzeſtu nun deinem Herren der dichacpflanket hat / wir⸗
ſtu nicht abgehauen und ins Feuer Gottes Zorns / als ein dir»
res Holt eingeworffen werden ? Seyd ihr nicht die groffen Baͤu⸗
ne im Walde der Welt / welche ohne Frucht mit iyren Zweigen
ſtehen? was tragen fie für Früchte ? anders nichts als Laub / wel⸗
ches vom Winde abfaͤllet und verfaulet / und wieder ohne Fruͤch⸗
te in die Erde gehet? Was dienet nun ein Baum ohne Fruͤchte
dem Leben? anders nichts als nur zum Feuer / oder zu einem
Gebaͤu einer Wohnung.
17. Alſo auch biſtu nur in deinem Ambte ein Gebaͤu einer
Wohnung darinnen Gottes Kinder wohnen ſolten: aber aus
Deinen Stamme wachſen ſie nicht / dus biſt nur ein Ambt-⸗ mann
des Geſtirns / und dieneſt dem Reiche der Schiedlichkeit ins
Boͤſe und Gute / wie daſſelbe zerbricht und bauer / alſo auch du;
Was ein Ambtmann bauet / das reiſſet der ander nieder:wer aber
in Chriſti Geiſte in dieſem Ambt dienet / der wuͤrcket mit Jofeph/
dag eitel Seegen in feinem Ambt iſt / daß feine Zweige viel Fruͤch⸗
fein CHriſti Reiche bringen.
18. Ihr Edlen und Gewaltigen unter CHriſti Namen /
woher komt euch das in CHriſti Reich / daß ihr unter einem
Chriſtlichen Namen ſolche ſeyd? Euer Ambt iſt GOTTes / ſo ihr
als ein Joſeph darinnen regiret / als Diener Chriſti / fo iſts
recht / und GOTT gefällig: Woher komt euch aber in CHriſti
Reich der Adel / und die Leibeigenheit? Iſt das nicht heydniſch?
Worinnen ſtehet ſein Grund? Anderſt nirgends / als in des
Teuffels Hoffart und eigenem Willen.
19. Wer hat euch im Anfange gepflantzet? EuereFuͤrſten und
Koͤnige / welchen ihr gedienet habet: zu was Ende iſt das geſche⸗
hen? Darum daß die Hoffart mit einem auch ſchoͤnen Rocke ums
geben ſey / und man nicht von den hohen Aembtern Gottes ſagen
moͤge ſie waͤren mit einem gemeinen Kleide bekleidet / ſondern
dag fie unterſchieden würden von der Niedrigkeit und Einfalt /
und das war auch eben Surifers Fall.
20. CHriſtus aber hatte auff Erden nichfda er fein Haube
hinlegte / weder Haus / noch was anders; alfo hat auch ein Chri⸗
fie nichts zum Eigenthum / was er aber hat / das hat er Ambts⸗
halben / und dienet darinnen feinem Herrn: weraber anderſt
darinnendienet / der dienet der adamiſchen Eigenheit / und nicht
CHriſto / und ift Fein Chriſt / fondern nur cin Titul-Chrift x
Er aber iftcin Kind der Naturdes Reichs diefer Welt / in wel⸗
ches innern Grunde die Helle ſtehet / und dienet dem Meiche der
&: Fin⸗
650 Mie ofephfey vom ap. 66.
Finfternäß s äufferlich aber dienet er dem Fürbide GOTTes
nach Siebe und Zorn / da alles mit einander im Streite fteyet auff
ven Tag der Scheidung / und Herwiederbringung deſſen was
vor dieſem gewefenift.
zr. Denn in dieſer Zeit gehet alles in freven Willen / was num
Fein Geſetze hat / das hat auch kein Gerichte: was aber Geſetze
bat / das hat fein Gerichte in ſich: Darum weil der Menſch /
fonderlich ein Chrift/ ein Gefege hat dag er nicht mehr. fein
eigenift/ daß er iſt einem andern untergeben / als Chriſto / und
er aber ihme nicht wilunterworffen ſeyn / fo iſt das Gerichte in
dem Geſetze und verdammet den eigenen Willen und feine Eis
enheit.
22. Richt heben wir die Aembter auff / die find GOttes / fo
wohl auch die Ambtleuthe find GOTtes Knechte / wir unterſchei⸗
den nur was ein Diener Chriſti / und denn ein Diener der Nas
tur in menſchlicher Eigenheit ſey: Iſt einer in einem adelichen
Ambte im Reiche Chriſti / fo iſt fein Ambt adel: Er aber iſt
ein Diener unter dieſem adelichen Ambte / und wird wegen des
Ambts billich geehret / man nimmet ihm nicht die Ehre / die ſein
Ambt traͤget / aber alle Eigenheit um Reiche E.Hrifki iſt der
böfen Ndamifhen von GOTT abgewandten Natur : denn in
CHriſto ift kein Adel/ fondern allefamt find wir nur Kinder
und Diener. *
23. Unfer adamifcher Adelift in Adam verlohren / was einer
aber indiefer Welt in Chriſti Neiche Adelift / das iſt er feinem
Ambt adel / als ein König und Fürft ift feinem Ambt adel/
deme er dienet; dienet eraber darinnen nicht Chrifto / ſondern
nur feinem Ambts-Adel umd feiner Eigenheit / und fpricht:
Meinifidie Gewalt und das Neich / der nimt Gott feinen Ge>
walt / und machet eine Eigenheit daraus | und wird.ein Sucifer
unter Gottes Ambt.
24. Gleichwie $ucifer/ welcher auch ein Thron-Fürfte und
König in Gottes Ambt war sals erihme aber das Ambt zur Ei⸗
genheitimachete / foward er verftoffen / und Eriegete ein ander
ſein gehabtes Ambt im Neiche Gottes: Er aber blieb wohlein
Fürft in feinem Ambte / aber nicht in Gottes Liebe / fondern im
feinem Zorn / darinnen muß er ihme auch nun dienen: Alto auch
mitden Aembtern in diefer Welt zu verſtehen ift.
25. Denn ein gottlofer Fürft und Edeler / bleibet wohl in dent
Ambte / aber erdienet GOttes Liebe nicht / fondern dem Zorne/
wie jego gefchicht / da dir Fuͤrſten dem Zorne Gottes mit Mor⸗
den
Cap. 66, Potiphar verkauffet worden. 651
den und Berwüften Landes und Seuthedienen/als in Rache / und
in Gewalt der Eigenheit / darinnen Gottes Zoriyauch creatürs
lich wird: das thun ſie aber nicht Chriſto in Chriſti Ambte / ſon⸗
dern dem Zorn Gottes / der die falſche Titul-⸗Chriſtenheit mit
feinem Zorn · Ambte dadurch ſtraffet.
26. Denn in Chriſti Ambte iſt nur Liebe und Gerechtigkeit / ſo⸗
wohl Demuth und Gottes⸗furcht in der Eigenheit: Aber das
Ambt batden Gewalt das Boͤſe vom Guten zu ſcheiden als eine
Dienerin Gottes / aber nur mit Gerechtigkeit / umd nicht mit
eigenem Willen 5 Der da ſaget / Du folft nicht toͤdten / der ſa⸗
get auch zum Ambtmann / daß er ohne das Ambt Niemand toͤd⸗
ten foil / noch unrecht thun. ’
27, Denn das Ambt fodert ein recht Gerichte / alsdenn toͤd⸗
tet Das Ambt das gottlofe Weſen / und fiyeidets vom Guten /
und der Ambtmann ift frey von dem Geboth des Tüdtens ; was
= 9 ſeinem Willen thut / da gehet das Gerichte auch uͤ⸗
er ihn.
28. Bey Pharaonis Kaͤmmerer Potiphar haben wir eine
gewaltige Figur; welcher Joſeph uͤber ſein gantzes Haus ſetze⸗
te / und ihm allen Gewalt gab in feinem Regimente zu herr—
ſchen: wie Gott feine Ambtleute habe in fein Haus diefer Welt
eingefeßet/ daß ſte ſollen in creatuͤrlicher Art das thun und vera
richten / was GOtt in ihnen geiſtlicher Art thut.
29. Denn Potiphar nahm ſich nichts an / und ließ Joſeph
das Regiment verwalten: alfo auch ſeynd alle Ambtleute im
Heichediefer Welteingefeget/ das lite follen aufferlih GOttes
Regiment verwalten / wie CHriſtus ein Gleichnuͤß giebet vom
Schaffner / den fein Herr uͤber alle ſeine Güter ſetzete / und fern
uͤber Land zog / und uͤber eine lange Zeit wieder kam / von ſeinem
Schaffner Rechenſchafft zu fodern / da er hatte die Aembter aus⸗
getheilet / und einem 5. Pfund / dem andern 4. Pfund / dem
dritten 3/ dem vierdten 2 / und dein fuͤnfften x. Pfund / gegeben /
damit ein jeder ſolte werben und Nus ſchaffen; und da der / fa
nur ein Pfundt gehabt / nichts gewonnen hatte / hieß er ihme
Haͤnde und Fuͤſſe binden / und ihn in die Finſternuͤß hinaus
werffen / und hieß auch die jenigen Mörder umbbringen/ und
ihre Stadt angünden / welche / nachdehm ihr Her: weggezogen
war / und ihnen hatte feine Güter eingethany alsbald hatten int
Haufe angefangen zu rauffen und zu fchlagen / zu fauffen und zu
ſpielen / und feine Botten/ die er zu ihnen gefendet/zu toͤdten / wel⸗
ches alles Gleichnuſſe auf ſeine Ambtleute im Hauſe dieſer Welt
Ee— ſeyndl
-
’ ,
652 ie Sofephfeyden Gap. 66.
- feynd / wie er die boͤſe Haushalter wil mit höllifchem Feuer ſtraf⸗
fen/ md ihre Stadt / alsihr gebauetes Reich in eigener Wol⸗
luſt zu ihren eigenen Ehren verbrennen / und fie ewiglich von
feinem Angefichte vertilgen: Den andern aber/ welche in feinem
Dienfte waren treu geweſen / gab er vollen Gewalt über fein
Haus) und gabihnen auch das Regiment und das Pfund deſ⸗
ſen / ver es hatteindie Erde verborgen / und fein befohlen Ambt
nicht hatte wollen treiben.
30. Alfo ift allen Gewaltigen in Aembtern folches wohl zu bes
trachten / daß fie follen in GOttes Ambte wuͤrcken / und wohl
haushalten / und nicht dencken / wie fie nur auff Adel und
Hochheit trachten / und wie ſie wolleniyren Bauch und Wolluſt
mit freffer und fauffen füllen / und wie fie wollen dem Elenden
feinen Schweiß mit Unrecht abdringen / und auff ihre Hoffart
und Pandetirerey wagen / umd den Elenden und Intern mit Ge⸗
walt zwängen und drangen. Diefe alle miteinander find die bö>
fe Ambtleuthe und die Mörder / welche der Her: hieß umbbrin⸗
gen / und ihre Stadt mit Feuer GOttes Zorns anzünden.
3r. Aber jego iſt die Welt voll folcher Ambtleuthe /
welchen ihr Herr hat ſchon lange Zeit viel Botten ge:
fandt/ aber fie haben fie nur gehönet und verachtet:
Darım ſo iſt auch nun die Zeit der Ankunft des Herin/
dennfie haben ihme auch anjetzo feinen Sohn ermor:
det | als dierechte Wahrheit ſeines Worts | und in
- eitel einen Luſt gewandelt ; darum fo follen diefe Haus:
halter Rechenſchafft von ihren Aembtern geben.
32. Weiter faget Monfes von Joſeph / und fpricht > Und
es begab fich nach dieſer Geſchichte / Daß feines Herrn Weib
ihre Augen auff Jofeph warf / und fprach : Schlafbey mir ;
Zrieigertefichs aber / und fprach zu ihr : Stehe/ mein
Herr nimt ſich nichts an vor mir was im Hauſe iſt / und al⸗
les was er hat / das hat er unter meine Haͤnde gethan / und
hat nichts ſo groß in dem Hauſe / das er vor mir verhohlen
haͤtte / ohne dich / indehme du ſein Weib biſt: Wie ſolte ich
denn nun ein ſolch groß Ubel thun / und wider Gott ſuͤndi⸗
gen? Und ſie trieb ſolche Wort wider Joſeph täglich / aber
er gehorchete ihr nicht / daß er nahe bey ihr ſchliffe / noch um
ſte waͤre. Dieſes iſt nun das mächtige Bilde / wie es mit Got⸗
tes Kindern gehet / wan ſie haben das Goͤttliche Regiment in der
neuen WiedergekuhrterlangefY indehme ſie nun muͤſſen in *
cm
Cap. 66. Potiphar verkauffet worden. 657
fein Fleifch-haufe und adamiſchen Gefaͤngnuͤß mit ihrem heili⸗
gen gefeegneten Regiment wandelen 5 wie Die Seele habe diefed
unzuͤchtige Huren- Weib im Geiſte dieſer Welt in vichiſcher
Begierde in Fleifch und Blut / zur Ehe genommen: Welch hu⸗
riſch Weib nun gegen dein züchtigen Zofeph ſtehet / und ihn im⸗
merdar wil zu ihrer Buhlfchafft treiben und zieyen/ daß das
neue Jungfrauen-Kind foll wieder mit der fhierifchen Huren
buhlen / wie Adam thäte / auß welcher Buhlſchafft ihme die
irrdiſche Eva entſtundt / mit der er hernach gleich allen Thieren
buhlete.
33. Dieſe buhleriſche Eva ſtecket nun den Kindern Gottes
noch in Fleiſch und Blut / und iſt die animalifihe Seele / als der
ſterbliche Geiſt voller boͤſer Luft und Unreinigkeit / darinnen der
Teuffel ſein Schlangen⸗gerecke noch ſtecken hat / um deſſen wil⸗
lender? erben und verweſen muß / auch muß dieſer viehiſche
Geiſt zerbkechen und wieder gantz in feine Mutter eingehen / da⸗
raus er im Anfange gegangen iſt.
34. In dieſer Huren ficht nun der Teuffel das edele Jung⸗
frauen⸗kind taͤglich an / als den zuͤchtigen Joſeph in Chrifti
Geifte mit himmliſcher Geiftlicher Leiblichkeit umgeben / als
mit Ehrifti Fleifch und Blut. Diefes Jungfrauen=Eind iſt nun
das Weib in Apocalypfı ‚das auff dem Monden ſtehet / alsauff
diefer irzdifchen Huren / und hatzwolff Sternen in ihrer ron
auff dem Haubte / welches Weib der Drache in der irrdiſchen
Huren ftäts verfihlingen wil/ wan fie das heilige Kind / als
den edelen Joſeph gebähret/ alsdie Zucht und göttliche Neiniga
keit welches dem Drachen in Fleiſch und Blut wehe tuht / daß
er follfein Reich übergeben / und deswegen / den groffen Waf—
ſerſtrahl der Irrdigkeit auff Ne fcheuft / das Kind fambt der
Mutter zu toͤdten.
35. Aber die Erde komt dieſem Weite zu huͤlffe / Das ift]
Die irrdiſche Begierde in Sleifch und Bluty perretihren Rachen
auff / und verſchlinget des Drachen Strahl infich / dieweil es
ihres gleichen iſt / auff daß dem Jungfrauen-kinde nichts ſchade;
wie dem Joſeph des Potiphars Weibes unzuͤchtige Drachen-hu⸗
ren⸗Strahlen nichts ſchadeten / indehme er von ihr drang / und ſei⸗
nen Willen nicht in ſte eingab.
36. Und dieſes iſt erſt die allergewaltigſte Proba der Kinder
Gottes / daß / fo bald fir zur neuen Gebuhrt kommen / fo komt
der Teuffel und beweget die Fleiſchliche Hure in Fleiſch und
Blut mit allerley falſcher — und Einbildung / da bildet
e3 er
654 Don Joſephs Bottesfurcht Cap. 66,
er in dieſe Hure ein der Welt Ehre und Heriligkeit : Item /
Reichthum und Wolluſt diefes Lebens: Item / er modelt cin
Das groffe Elend und Verlaffenheit / darinnen die arıne Geele
muß inder Welt Spottund Schande ſtehen: Item / die groffe
Anwuͤrdigkeit der Seelen: Item / den Geitz daß ſie dencket / es
wird ihr an zeitlichem Gute fehlen / und werde in groß Elende
Zommen.
37. Den Gewaltigen und Rechen modelt der Teuffel in diefe
hres Fleifhes Schlangen Hure ein ihren Mel und Hochheit /
groffe Ehre und Macht : Item gut effen und trincken / und
wie fie das mit Macht und Liſt können zu wege bringen: Item /
AUnzucht und Seichtfertigfeit; Daß / wo fie alfo folten in die De=
muͤhtigkeit treiten/ fo würden fievor der Welt ihr Anſehen ver⸗
liehren / wer wolte fie fürchten und ehren / fo fie fich nicht felber
einpor wendeten ?
38. Diefes alles fepnd die Worte der Potipharifhen Huren
an Sleifch und Blut / welche der Teuffel in der Schlangen ein»
geſchmeiſtem Gifft mit feiner Imaginarion räge macht / damit er
Die arme in Fleiſch und Blut gefangene Seele plaget / und fie zu
ſolcher und dergleichen Unzucht und Sünden reitzet: Und diefe
Hure im Sleifche fpricht immerdar zur Seelen ; Schlaf nur
bey mir/ buhle nur mit mir / du wirſt noch wohl feclig werden /
xflege nur deiner Luſt mit mir; und thut ſolches täglich / dag fie
Kr moͤge den Joſeph in Luſt bringen / als das neue Kind / da
die Seele follanbeiffen/ und das neue Kind mit feiner fehönen
Crone befudlen. .
39. Dan diefe Hure fchämet fich vor dieſem neuen Kinde / fie
af gleich als eine befudelte Sau gegen der Sonnen zu gleichen s
Wenn fie höret von der Welt Uppigkeit reven / da erfreuet fie
ſich / wenn manaber von folcher Zucht und Reinigkeit redet / fo
ſchaͤmet fie ſich und pefudelt der heiligen Kinder Rede mit deu
vbigen Greueln / und erachtet fie / denn fie weiß das / fo Jos
feph das Regiment behaͤlt / dag fie ſterben muß.
40. Aber der fromme und züchtige Joſeph / als der innere
neue Menſch foricht zu diefer Huren: Siehe / mein Herr hat mir
all fein Ewiges Gut und ganze Reich Ehrifti verfrauet / wie
folte ich denn fo übel vor ihme thun / Ich ſchlaffe nicht bey dir /
du bift deines Heron Weib / als des Geiſtes diefer Welt / Ich
wilnicht nahe um dich feyn / noch bey dir liegen,
41. Und Moÿſes fpricht weiter : Ss begab fich der Tage '
einen daß Joſeph in das Haus gieng feine Geſchaͤffte zu
thun /
Bay: 66, und Keufchbeit. 655
thun / und war kein Menſch des Befindesim Haufedarbey /
und fie eewiſchte ihn bey feinem Kleide / und ſprach: Schlaff
bey mir; £r aber lie das Kleid in ihrer Hand und tlohe/
und lieff zum Hauſe hinaus: Da fie nun ſahe daß er fein
Kleid in ihrer Hand ließ / und hinaus flohe / rieff ſie dem
Gejindeim Hauſe / und ſprach: Siehe / er hat uns den He⸗
braͤiſchen Mann herein gebracht / daß er uns Zzu ſchan⸗
den mache: Er Fam au mir herein / und wollte bey mir
ſchlaffen / Ich rierf aber mit lauter Stimme) und da er
böretedaß ich ein Geſchrey machte / undrieff / da ließ er fein
Kleid bey mir / und ſiohe / undlieff hinaus. Diefesift num
die Figur / wieder Teuffel durch dieſes Huren-⸗Weib der See=
len mit Gewalt zufeget / zumablen wenn der Teuffel mercket
daß die Seele allein ift / dag fih der Geift GOTTES nicht in
ihr beweget/ fo lauffet er gar mit Sturme an fie / und ergreifs
fet fie in ihrer Lebens Eſſentz / und wil fie in ſolche Hurerey zwin⸗
gen / daß nur das edle Jungfrauen-kind möge beſudelt werden /
—— Doch möge mis der Schlangen⸗Krafft mit der Seelen
buhlen
42. Auch iſt die ſes die gewaltige Figur der huriſchen und un⸗
zuͤchtigen Welt / wie die ſchoͤne Eræe⸗Toͤchterlein in des Teuffe ls
Trieb der zarten Jugend nachrennen / und fie mit heuchliſchen
Geberden / mit falſcher Brunſt an ſich ziehen / welche ſich ſchmuͤc⸗
ken und zieren / als ſaͤſſe ein Engel unter ihrem Schmucke / und
manches frommes Kind / welches deſſen niemahls begehret hat /
an ſich ziehen / und gleich mit des Teuffels Ketten anfaſſen / und
um Ehre und Zucht bringen.
43. Und ob ein frommer und güchtiger Joſeph wäre / der in
diefe Saͤubaͤlge und Zeuffels Cloack-haͤuſer nicht wollte ein=
gehen / denſelben ſchreyen fie aus / und bezüchtigen ihn der Un⸗
zucht / als hätte er fie wollen betriegen / und rauben ihme feine
Ehre / und feynd doch eben felber diefelbe Brunſt-hengſte / wel:
che Zucker ausſtreuen / und Galle zu freſſen geben / welche freim-
den Männern fo lange Zuger ausftreuen als fie Geld im Veut-
tel haben / big fie vie um Haab/ Ehr und Gut bringen / daß fie
2 nicht mehr zu geben haben / alsdenn ſchaͤnden ſie die / und
laſſen ſie ohne Rock / wie Potiphars Weib den Joſeph / zu Hau⸗
fe geben; fo hat der Teuffel die Seele / und die Hure den Roc
zu Pfande / in welcher Huren anders nichts regieret / als die
Schlange mit ihren Jungen ; und wer fich zu ihnen thut / der
wird von der Schlangen — Denn die Slange ſchmeiſ⸗
ſet
856 Von Joſephs Gottesfurcht ap. se!
fet ihme ihr Gerede in geib und Seele / und vergifftet ihn alſo
ſehr / daß er fein Herg an die Hure hänget / und ihr nachlauffet/
als wire er anftevefte angebunden.
44. Diefes Ungezieffers ift anjego die Welt voll bey Hohen
and Riedrigen / und darum ſo ift anjetzo auch die Schlan⸗
ge felber ſchwanger / und wird ihr Gerecke aus ſchuͤtten /
welches der Eyfer GOttes verzehren wird: Denn Jo—
ſeph mit ſeinem Regenten⸗ambte lieget anjetzo recht im
Kercker / und regiret Potiphars Werd in ihrer Brunſt /
die fie zu Joſeph trug. Weil fie aber Joſeph nicht
konte betriegen | fo hatte fie fich felber in Fofephs Re⸗
giment gefeget/ und regiret das Haus diefer Welt /
amd hat aus dermalfen viel Huren-Finder gezeuget]
welche jeto an ihrer ſtatt regiren; und darum fo Fomt
das Gerichte ihrer Hurerey | und zerſcheitert fie] daß
man fagen wird: Gie iſt gefallen) Sie iſt gefallen!
Babel) die Mutter der groffen Hurerey / und eine
Behauſung aller Teuffelund unreinen Geiſter worden]
fie iſt ewig in Abgrund verfiegelt.
45. Hingegen fehen wir nun auch in dieſem Bilde die groffe
Zucht und Reinigteit Joſephs / welcher / als er mit Gewalt
gehalten und gezogen ward / doc) von dieſer Huren flohe / und
lieber fein Kleid und guten Namen im Stiche ließ / daß er nur
ein gut Gewiſſen behielt.
Die heilige Figur ſtehet alſo:
46. Wenn dieſes zuͤchtige neue Jungfrauen-Kind im Geiſte
Chriſti dieſe Hure in Fleiſch und Blut ſiehet zu ihr nahen / daß
ihre Begierde dieſe Keuſchheit anfaſſet / ſo fleucht er aus dem
Hauſe / das iſt dig Jungfrauen⸗-kind verbirget ſich in fein Prin-
cipium, und mag auch der Seelen nicht nahen / dieweil die
Scele von dieſer Huren Gifft beſudelt wird / daß ſie in Luſt ge—
bracht wird: Alſo gewaltig bewahret ſich die Goͤttliche Reinig⸗
keit vor der Eitelkeit des Teuffels.
47. Dan in dieſem neuen Kinde ſtehet der ſchoͤne Carbunc⸗
Eeljiein der hoͤchſten Liebe GOTTes in dem Namen IESU,
welcher fich nicht mehr laffer befudeln / denn er ift einmahl durch
Todt und Hölle durchgedrungen im Menſchen; Er wil nun
rein
Eap.66. und Keuſchheit. 657
rein feyn / amd den Stuhl GOttes befigen / davon die Schrift
gewaltigredet/ daß / welcher Menſch einmahl die Suͤſſigkeit
der zufünfftigen Welt gefchmäcket hat / umd wieder davon wei=
het / daß dieſe Seele keine Vergebung ewiglich mehr habe: das
ift anders nichts / als wo das edle Jungfrauen-Find aus der
Seelen in ihrem. in Adam verblichenem Weſen einmahlwieder
auffs neue gebohren wird / und die Seele wieder davongang
abweichet/ und ſich mit ihrem Willen davon ſcheidet / daß es
noch einmahl verbleichet / dehme ift Eein Rath mehr ewiglichz
Denninder Gebirhrtdiefes Jungfrauen-Kindes wirdder Seele
der Vorſchmack der ewigen Freuden gegeben das gefchicht in der
Hochzeit des Sammes / den Unſern bewußt.
48. Darum verbirget fich diefe edle Jungfrau mitihrem ſchoͤ⸗
nen Stein gar leichtlich vor der Seelen / aberdie Ehe mitder
Seelen bricht fienichtabe / Die Seele breche fich denn felbft von
ihr / da doch groß Flehen und Jammern gefchichet gegen der
Seelen / fo fie lich wieder befudelt / wie im Büchlein von der Poe-
mtentz ausgefuͤhret worden ift/ und auch dem Joſeph nicht leicht⸗
lich wiederfahren fan: Denn die Seele wird in Chrifti Arm
erhalten und gefaffet / wie Matth. 10. ſtehet: Meine Schaͤflein
findinmeiner Handt.
49. Alfo verfichen wir in diefer Figur / wie GOttes Kins
dern inihreminwendigen Grunde alfo ein Eeufches zuͤchtiges reis
nes Hertze gegeben werde / und wie fie muͤſſen alfo gewaltig pro=
biret werden / che ihnen Das Regiment göttlicher Beſchaulich⸗
keit gegeben wird/ dag fie koͤnnen My teriom Magnum fehauen.
so. Und Moyſes fpricht ferner : Und Des Dotiphars Weib
legte fein Kleid neben ſich bif fein. Herz beim Fam / und
ſagte zu ihm eben dieſelbe Worte. In dieſer Figur fehen wir
nun der Welt Untreu / wie ſie in Falſchheit ihren Chriſtlichen
freuen Dienern lohnet: Joſeph ſtundt ihrem gantzen Haufe
treulich fuͤr / und gieng alles gluͤcklich durch ſeine Handt: Als
er aber nicht wollte mit dieſer Huren buhlen / und ſich mit iger
verunreinigen / fo trachtete fie ihme nach Leib und Leben / auch
wie fie ihme mochte feine Ehre faͤlſchlich ſtehlen / weil fe ihme die⸗
ſelbe nicht konte mit Liſt und Teuffliſcher Begierde nehmen.
51. Dieſes iſt nun die Figur / wie cin wahrer Chriſt ſolche
grauſame Feinde hat / und iſt allenthalben ısit Feinden umge—
ben / und ob er gleich im zeitlichen Gluͤck ſtehet / und von vielen
Menſchen Gunſt und guten Willen hat/ fo ſoll er doch nicht
ſicher ſeyn: Dan der Teuffel trachtet ihme ſtaͤts nach / wie er ihn
Erz mag
658 Von Joſephs Gottes⸗furcht Cap. 66.
mag fellen / denn was er ſelber in Fleiſch und Blut bey GOttes
Kindern nicht thun kan / das richtet er durch ſeine Werckzeug
zu / daß die Kinder GOttes faͤlſchlich verrahten werden / ud
eben nur um ihrer GOttes furcht und Frommigkeit willen.
52. Denn ſo in GOttes Kindern die neue Himmliſche Eva
gebohren wird / fo wil dieſe der Teuffel in der irrdiſchen Eva
nicht leiden dern eine Hure und eine zuͤchtige Jungfrau /
ſtehen uͤbel nebeneinander.
53. Auch ſo haben die Kiuder GOttes keine groͤſſere Gefahr /
als wenn ſie zu weltlichen Ehren erhaben werden / dann der
Teuffel iſt ein Geiſt der Hoffart / und ſetzet ſich ſelber mit ſeiner
Luſt in die weltliche Hochheit in hohe Aembter: dan erwil noch
zmmerdar ein Fuͤrſte dieſer Welt ſeyn / wie ihn dan Chriſtus
auch alſo heiſſet; und er es auch iſt / nach der Eigenſchafft der
Eitelkeit / Falſchheit und Boßheit / und ſetzet feinen Stuhl
alle zeit gerne dahin wo groſſe Aembter und Ehren ſeynd / wo
Maͤcht und Gewaͤlt geuͤbet wird / darein flicht er ſich / auff daß er
möge mit im Regiment der Welt ſitzen.
54. Darım leidet er nicht gerne dag ein Joſeph neben ihm
figen ſoll / jondern Reiche / Edele/ Eigenschrige / welche nur
nach zeitlicher Ehre und Wolluft erachten / welche ihren Bauch
taͤglich füllen / und doll und voll ſeyn / und nur nach Liſt trach⸗
ten / wie ſie moͤgen dem Elenden ſeinen Schweiß abdringen und
in Hoffart wenden / welche ſich ſchmuͤcken / und an allen Orten
gleiſſen / da man in ſolcher Zierheit einen Wolgefallen an ſich
ſelber hat da man einander groſſe Ehren⸗-titul zumiſſet / da
das Haus voll geſchmuͤckter Huren unter zuͤchtigem Schein
ſtecket / allda iſt der Teuffel ein froͤlicher Gaſt innen / dan es gehet
ihm nach feiner Eigenſchafft und Willen,
55. Schicket aber GOTT cinen Joſeph darzu / welcher ger>
ne wil nach GOttes Willen leben und thun / fo gehet es ihme
wie Joſeph / und Daniel welchen ftefälfchlich zur Loͤwen⸗Gru⸗
ben brachten / und den Joſeph in Kercker / aber des Teuffels
Reich Pr doch endlich zu ſchanden wie beym Joſeph und
Daniel.
56. Darum wil einer ein Joſeph ſeyn / und wilauch in Welt⸗
lichen Aembtern und Ehren ſitzen / ſo muß ers mit groſſem Ern-
ſte und mit Demuth feines Hertzens feyn / und ſtaͤts bethen /
und dem Teuffel widerſtehen / daß er mit ſeinem Stuhl der
Hoffart nicht koͤnne bey ihme wohnen; wo nicht / ſo bleibe er ja
davon / oder wird zu Grunde in ſolchen Aembtern gehen. J
&os
Cap. 66. und Keuſchheit. 659
Joſeph nicht mit Chriſto gewapnet / welcher den Teuffel uͤber⸗
wunden hat / ſo laſſe er ja die hohe Aembter unbetretten / dan
der Teuffel leidet ihn nicht darinnen / weil er ihme zuwider iſt /
er muß entweder ein rechter Joſeph und Daniel ſeyn / oder muß
der Welt Sinn haben / wiler die Welt regiren.
57. Dan dieſe Welt hat zweyerley Aembter / als GOttes und
des Sathans Ambt / eines in GOttes Liebe / das ander in
GOttes Zorne / als nach der Eigenfchafft des Liechts / und der
Finſternuͤß / welche in der Natur die ſer Welt neben und in ein⸗
ander regiren / und ſind zwey Reiche / als eines iſt Chriſti
Reich / das ander des Sathanus.
58. Darumb / biſtu nicht gewapnet und GOtt gantz ergeben /
daß du auff den Fall kanſt mit Jofeph drinen Rock / darzu Ehre
und Gut um der Gerechtigkeit und GOttes willen verlaſſen /
und den Zeuffel mit göttlicher Krafft überwinden ; fo dringe
Dich in kein Ambt / du werdeft dan ordentlich beruffen / fo ſtehe⸗
ſtu doch entweder in Joſephs oder in der Welt Stuhl.
59. Du muſt in einem Ambte entweder GOtt oder dem Teuf⸗
fel dienen / dan zween Herrn Fanftu zugleich nicht dienen: dan
Eigenheit und Gelaffenheit iſt zwey: Welcher GOTT dienst
der ift in GOtt gelasfen/ und fichet in allen Dingen auff die
Mahrheit und Gerechtigkeit / dieſelbe wii er fordern: Wer aber
der Eigenheitdienet/ der fichet auff Gunft und der Welt Hoch⸗
heit / daß es alles ihme zuftatten fomme. Diefer iſt im Dienfte
des böfen Adams / in dehme der Teuffel feinen Stuhl hal / und
huͤlfft ihme recht fprechen.
60. O du MWeltzrichter / verlaß dich hicht auff den Thurn zu
Babel / auff Welt⸗ſchluͤſſe/ auff Menſchen⸗Satzungen / ſeine
Spitze reichet nicht in Himmel / er iſt nur die Hoͤhe der Ber⸗
wirrung des Streits und falſchen Verſtandes; GOTT ſiehet
Dir ins Hertze / er pruͤfet deinen Willen / die Geſetze verfreften
Dich nicht vor GOTT / wan du nach denfelben richteft / und dein
Hertz weiß doch viel ein anders / dencke nur anderft nick] als
dag dur dem Teuffel das Recht ſprichſt / und ihme unter einem
gleiffenden Mantel dieneft : Das Recht ift GOttes und GOtt
felber / aber das Unrecht ift des Teuffels und der Teuffel ſelbſt:
Welchem Herın du dieneſt / der wird dir lohnen / er wird felber
dein Lohn ſeyn / das haſtu in deinem Ambte zugewarten.
61. Und Moyſe s ſaget weiter: Dia nahm ihn fein Her?
und legte ihn ins Gefaͤngnuͤß / da des Königs Gefangene?
innen Ingen : Und er lag allda im Gefaͤngnuͤß aber der Her?
Ee6 war
660 Bon Joſcphs Gottesfurcht Cap. 66;
war mit ihm / und neigete feine Hulde zu ihm / und ließ ihn
Genade finden por dem Ambemsii über das Gefängnüß/
daß er ihm unter feine Hände befahlalle Gefangene im Ge⸗
faͤngnuͤß / auff Daß alles was da gefchabe / durch ihn geſche⸗
ben mufte/ dan der Ambtmañ über das Gefaͤngnuͤß nahm
fich Feines Dinges an: dan der HErr war mit Jofeph /und
was er thäte/da geb ver HErr Glüc zu. In diefer Figur
fehen wir nun die endliche und feßte Proba mit Gottes Kinderny
wie fie muͤſſen Ehre und Gut verlaffen / auch das Leben in Ge—
fahr feßen / und fich gan in GOTT laffen / wasder immer mit
ihnen thun wolle / dan fie müflen alles um GOttes willen ver=
laſſen / und die Welt übergeben / und werden als ein Gefange⸗
ner / welcher des Todes wartet / und ſich auffkeinen Menſchen
mehr verlaffet / oder einigen Troft von einer Ereatur weiß zu
empfangen, fondern fich blog auff den lauteren GOTT und
feine Genade verläffet/ alsdan ift ein Menfch durch alle Proben/
und ſtehet jetzo und wartet auff das Gebott feines Heran / worzu
ihn GOTT haben wil.
62. Dan er ſpricht zu GOTT gantz inniglich: Hera / wilſt
Su nic) im Gefaͤngnuͤß und Elende haben / daß ich foll im fürs
Fern fißen/ fo wil ich gerne allhie wohnen: Führeftu mich in
die Hole / fo wilich auch mit / dan du bift mein Himmel: Wan
ich nur Dich habe / fo frage ich nichts nach Himmel und Erden /
und wan mir gleich Leib und Seele verſchmachtet / noch biſtu
mein Troft/ich ſey wo ich wolle / ſo bin ich in Dir und dus in mir / ich
habe alles genug wan ich dich habe / brauche mich worzu dur wilſt.
63. In dieſer endlichen Proba wird der Menfch wieder GOt⸗
125 Bilde / dan ihme werden alle Dinge gleich und eines / cr
wird mit Glück und Ungluͤck nit Armuth und Reichthum /
nit Freud und Leyd / mit sicht und Finſternuͤs / mit geben und
Tod allem eines: Er iſt ihme felber wienichts / dan erift allen
Dingen in feinem Willen todt/ und ſtehet inder Figur/ wie
BOT in allem und durch atlesift/ und iſt doch dem allem ein
Nichts / dan es begreiffet ihn nicht / und das alles wird dach
durch ihn effenbahr / und er iſt felber das Alles / und hat doch
wihts/ dan das Etwas iftvor ihme in feinem Begriffe auch als
eiamichts/ dan es begreiffet ihn nicht: Erift allen Dingen wie
codt / und iſt doch felber das Leben aller Dinge / erift Eines und
doch auch Nichts und Alles: Alſo auch wird ein Menſch nach
feinem gelaffenen Willen; war er fich gang in GOTT ergibet }
fo faͤllet ſein Wilze wieder in den ungruͤndlichen Willen =
f 3
Cap. ss. und Keuſchheit. 661
tes / daraus er im Anfang kam / und ſtehet alsdan in der Form
als ein Bilde des ungruͤndlichen Willen GOttes / in welchem
GOTT wohnet und wil.
64. Dan fo die Creatur nichts mehr wil ohne was GOTT
durch fie wil/ fo ift fie ihrer Selbheit todt / und ſtehet wieder
im erften Bilde / als in dehme / darinnen fie GOTT in ein Seben
formirete: Dan / was iſt das Leben der Creatur / anders nichts
als ein Fuͤncklein vom Willen GOttes; welche Creatur nun
dem Willen GOTTes ſtille ſtehet / derer Leben und Wille iſt
GOTT / der ſie treibet und regiret.
65. Was aber ſelber wil und laͤuffet / das trennet ſich vom
gantzen Willen GOttes / und führer ſich in Eigenheit / darin⸗
nen doch keine Ruhe iſt / dan es muß in eigenem Willen und
Rennen leben / und iſt ein eitele Unruhe: Dan die Unruhe iſt
das Leben des eigenen Willens: dan wan der Wille nicht mehr
ihm ſelber wil / fo kan ihn auch nichts mehr peinigen / fein Wol⸗
len iſt ſein eigen Leben: Was aber nur in und mit GOtt wil / das
iſt Ein Leben mit SG DEE.
66. Es iſt beſſer nichts wiſſen / als ſelber wollen: dan was
nichts weiß / deſſen Willen vergehet mit dem creatuͤrlichen Le⸗
ben / und hat fern Streit ein Ende / und hat mehr Feine Quaal /
als uns an den unvernuͤnfftigen Creaturen zuverſtehen iſt.
67. Dan das iſt aller Berdamten Quaal / daß fie wollen;
Als / ſie wollen Eigenheit / und in ihrem Wollen gebaͤhren ſich
Geſtaͤltnuͤſſe als Widerwollen oder Widerwillen / da die
Willen ſtreitig find / daß ein einiges Ding zugleich in vielen
offenbahr ift / Darinnen feindet es Jich felber an; war esaber
mit dem ewigen Einem nur Eines iſt / fo mag feine Feindung
darinnen ſeyn / und iſt auch Feine Mügligfeit zur Feindung
darinnen.
68. Darum iſt das des Menſchen letzte Proba / wan er GOtt
in allen Dingen ſtille ſtehet / ſo wird ihme aus der Finſternüß
cin Liecht / aus dem Tode ein Leben / und aus der Traurigkeit
eine Freude; dan GOTT iſt in allen Dingen in und mit ihme /
und ſecgnet ihn / wie Joſeph im Gefaͤngnuͤß; fein Gefaͤngnuͤß
ward ihm zur Freude / dan er ward auch ein Regent uͤber die
Gefaͤngnuͤß in der Gefaͤngnuͤß / er war als cin Gefangener)
und Doch als ein Herzder Gefangenen: er regirete die Gefaͤng⸗
nuͤß / unddie Gefangenen / und war ein Batterund Dfleger der
Betruͤbten; fein Herr nahm ſich nichts an/ und lieg es ihm
wohlgefallen was Joſeph thaͤte / denn es war vor ihme alles wohl⸗
gefaͤllig und recht. Erz 69. Al⸗
662 Von Joſephs Gottes-furcht. Cap. 66.
69. Alſo verſtehet uns allyier teuer: wan der Menſch gantz
INGOTT gelaffen iſt / ſo wird GOTT fein Wille / und nimt
ſich GOTT nichts um das an was der Menſch thut / esiftih-
me nicht zuwider / dan GOttes Wille thut es in ihme ſelber /
und hoͤret alle Sünde auff: und ob GOttes Zorn⸗Wille ſich in
ihme bewegte / und brachte Feuer vom Himmel vom HErrn /
wie mit Elia / fo iftallesrecht vor GOTT / dan er thuts nicht /
ſondern GOTT durch ihn / er iſt das Werckzeug / durch dehn
GOTT ſpricht und thut.
70. Und wie nun GOTT / indehme er GOTTiſt / nichts als
nur Gutes wollen kan / ſonſt waͤre er nicht GOTT fo er ſelber
etwas böfes wolte : Alfo auch Fan in eines folden Menfchens
Rollen nichts als nur Scegen und Gottes Wollen ſeyn / wie
vom Joſeph gefüagetwird/ GOTT ſey mit ihme in allem feinem
Thun geweſen / und habe alles durch feine Hand gefeegnet : Alto
gehet dem Frommen das Liecht auff in der Sinfternüg / und wird
ihme aus der Nacht ein Tag / und aus dem Unglüde cin Gluͤcke /
aus der Welt Fluch und Boßheit ein Paradeiß / und gehetih-
me wie ©. Paulus ſaget: Denendie GOTT lieben/mürfenalle
Dinge zum befien dienen.
71. Dan Joſephs Gefangnüß bracht ihn für König Pharao /
und fegte ihn auffden Stuhl über Sand und Leute / und machte
ihn zum Herren über Vatter und Brüder / und zu einen Pfle⸗
ger und Ambtmann des Königes/ und zu einem Negenten © Dt:
tes / Durch welchen GOTT groffe Sand und Königreiche regi>
rete / wie beym Daniel vergleichen zu fehen ift.
72. Darum foll ein Chrift die Anfechtung lernen ertragen /
wan ihn GOTT in Zofepbs Grube und Gefaͤngnuͤß wirfft /
und in allem feinem Thun GOTT vertrauen / und fich gans in
GHITT ergeben / fo wird er in fich mächtiger werden als vie
Melt und Hölle ift / denn diefe alle werden an ihme endlich f
nach dehme er iſt in allen Proben beſtanden / zu Spotte.
Das |
®
C.o7. Erklär. des Sch. uũ Bed. Träum. 667)
Das 67. Capittel.
Wie Kofepb im Gefaͤngnuͤß des Königs Pharaonis
Obriſtem Schenden und Becker jedem feinen Traum
erklaͤrete / was darbey zu verſtehen ift.
Genef. 40.
I. Ndieſem Capittel ftellet der Geift eine Figur dar’
wie der Geift GOttes durch des Menſchen Geift
fehe / und des Menſchen Beift in fein Sehen ein⸗
führe / dag er Eönne verborgene Dinge verftchen >
Denn Träume zu erklären / iſt anders nichts / als
die Figur fehen und verftchen / wie fich der Spiritus Mundi in
des Menſchen Eonftellation in eine Figur faffe mit dehnen Din⸗
gen/ welche in des Menſchen Leben fhon in der Würdung
fichen/ oder ja in der Konstellation durch groffe Conjunctionen
in eine Figur gefaffet find / da die Wuͤrckung noch nicht vorhan⸗
den / und doch natürlich eingemodelt iſt / da des Menfchen Geift
durch göttlichen Gewalt an dem Vorbilde erfennet / was er vor
eine Mürdung habe / auch mag das durch die fleiſſige Betrach-
tung der Aftronomiz inder Aftrologia verstanden werden / dar⸗
innen die natürliche TBürkung prefiguriret wird / was natuͤr⸗
lich durch dieſe Kraͤffte gewuͤrcket und figuriret wird.
2. Weit aber Joſeph ein Knabe war / amd ich folcher Kunſt
von auffen nicht befliſſen / fo iſt zuverſtehen / daß ihn der Beift
GDttes hat mit feinem Schen indie Bilderder Traͤume einges
führet / und dag der Geift GOttes hat die Träume durch Jo⸗
ſephs Geift bedeutet / wie auch beym Daniel geſchehen iſt; Dan
Zräume zu deuten / ift anders nichts als ein magiſch Bilde des
Geftirns indes Menfchen Eigenfchafft zu verfichen.
3. Dan ein jeder Menſch trägetdas Bilde feiner Conſtella⸗
tion / als ein magiſch Geftirne in fich / und wenn nun die Zeit
komt / daß ſolches magiſche Bilde / von dein obern Geflirne ans
"gezündet wird/ fo gehet es in feine Würdung: alsdenn bes
ſchauet ſich der Aſttaliſche Geiſt in den Elementen ſelbſt was
er vor cine Figur hat. }
4. Weil aber Die Elementa unverftändig ſeynd / und nur ein
thierifeh Corpus geben in ihrer Figur / ſo kan fich der Aftralifche
Geift anderft nicht beſchauen / als etwan in dergleichen irrdi⸗
ſcher Ereataren Forme / es fen denn dag ſich der ſeeliſche ei
N mitte
6 Wie Joſeph des Pharao. Schencken C.o⸗ —
mitte in die Wuͤrckung des Aſtraliſchen Geiſtes eingebe / ſo
wirds in Menſchen⸗Form und in rechter natuͤrlicher Geſtalt fürs
gemedelt: Denn die Seele hat alleine rechte menfchlihe Aus
gen / der Aſtraltſche Geiſt aber Hat nurcinen thieriſchen Schein?
und ſiehet auff Art der Thiere.
5. Weil aber auch ein groſſer Unterſcheid iſt zwiſchen einer
falſchen Seelen / welche ſich nur täglich in Thieres-Geſtalt bil⸗
det und thieriſch wil / und zwiſchen einer goͤttlichen Seelen / da
der Geiſt GOttes inne offenbahr iſt / fo ſeynd auch die magiſchen
Einbildungen un Aſtraliſchen Geiſte unterſchiedlich: Denn
einem Thiere traumet von Phantaſey / alfo auch einem Thier⸗
Menſchen / wicwehl ſich aber doch gleichwohl die Bildnuͤß der
Conſtellation gewißlich mit einmodelt / es ſey in Boͤſem oder
Gutem / in welchem ſich der Aftralifche Geiſt ſelber quaͤlet /
wenn er ſich alſo beſchauet / was natuͤrlich fuͤr eine Wuͤrckung
in ihme ſtehet: weil er aber nur ein Thier iſt / ſo fuͤhret er in ſei⸗
nem Bilde mit ſeiner Begierde gemeiniglich das Modell in ein
Phantaſeyiſch Bilde / und machet ihme aus Freude Leyd / und
aus Leyd Freude / aber die Seele kraͤncket ſich in ſolchem Spie⸗
gel und Vorbilde / davon dem Leibe offte groſſe Unruhe entſtehet.
6. Wo aber ein rechtes wahres Geſichte im Menſchen ge⸗
ſehen wird / das geſchiehet durch der Seclen Einmodelung /
wenn ſich dieſelbe mitte in die Figur durch ihre Imagination ein⸗
bildet / ſo ſtehet das Bilde im rechten menſchlichem Verſtande /
wiewohl ſich Doch der Aſtraliſche Geiſt immerdar in irrdiſche
Formen bildet / daß ſelten ein gantz vollkommen Geſichte er⸗
ſcheinet / wie das Werck an ihm ſelber ſeyn ſoll / auch veraͤn⸗
dert offte des Menſchen felbft » Einbildung / was ihme der
Menſch bey Tage einbildet / die magifche Form / daß die Figur
nach feiner Einbildung ftehet.
7. Die rechten Gefichteaber feynd dieſe wandes Menfchen
Wille in GOTT ruhet / foift GOTT in des Menfchen Willen
offenbahr / fo fichetdie Seele mit GOttes Augen aus ihrem in⸗
wendigften Grunde, da Ile im Worte GOttes inmen flehet;
fo gehet das fprechende Wort mit der Seelen in das magiſche
Bilde der Conkellation,fo kan fich der Aftrafifche Geift nicht in"
die Phantafey bilden / fondern mug im Bilde inder Figur ſte⸗
hen wie die Conftellation ift / fo fichet die Seele was der Höchfte
hat fürgebildet/ was gefchehen foll : auch fofpricht das Wort
Gottes als der Grund der Seelen / Die Figur in der See—
Ion aus] daß es dig Seele verſtehet / wie es allhie Joſeph Be
us
3.7. und Beckers Traum erklaͤret. 665
auch Daniel außgeſprochen und gedeutet hat: Alsbald beym Jo⸗
ſerh nur die Figur Des Geſichtes angeſaget ward/ fo ward der
Geift GOttes mit in der Stimme des Anfagers/ und deutet in
Joſeph das Gefichte / denn alſo find auch aller Propheten magi-
ſche Geſtchte.
8. Denn nachdehm GOtt den Propheten einmahl iſt in laute
bahrer Stimme erſchienen / und fie zu Propheten berufſen / wie
den Samuel : So iſt er ihnen hernach in wagiſchen Geſichten
erſchienen / und hat ihnen geantwortefauff ihre Fragen.
9. Der rechte prophetifche Grund des magifchen Schens und
Berftandes ift alſo: Einjeder Prophet iſt ein Zienldarinnen
eine Zeit eingeſchloſſen ift / fo iſt er deſſelben Reichs Mund / das
iſt / wenn daffelte Reich hat vie Tarbam in ſich erwecket und ge⸗
bohren / ſo iſt er der Mund des inwendigen Grundes / der da auß⸗
ſpricht die Eitelkeit in der Turba, und auch Die Genade GOttes /
welche ſich hat uͤber das menſchliche Elende erbarmet / und Deu
Grimm der Turbæ widerſtehet / das iſt / er offenbahret den er⸗
weckten Grimm GOttes / und ſtraffet das Reich umb ihrer Ei—⸗
telkeit und Abgoͤtterey willen / und troͤſtet ſie mit der eingewan⸗
den Genade wieder.
10. Denn ſein Geiſt ſtehet in der Figur / in das ewige
fprehende Wort GOttes / Daraus das Leben außgeſprochen
ward / und in cine Creatur gieng / wieder eingewandt / als ein
Werdzeng des Geiſtes Gſttes / dadurch der Geift GOttes
fpricht und deutet : Denn der prophefifche Geiſt Fönte in eige⸗
ner Macht nicht die Eünfftigen verborgenen Dinge deuten / ſo
nicht der Geift GOttes durch ihn ſaͤhe und das Wort GOttes
mit durch fein Wort indie magifche Figur gienge / Die der Pros
phet fiehet. .
21. Denn der Prophet weit das jenige mas er deufet/nicht zu⸗
vorhin in eigener Gewalt / fondern wenn fid) das Wort mit in
Die Figur einmodelt / fo fichet der prophetifige Geift dur) GOt⸗
tes Sehen / wiedas Wort GOttes mit derFigur fürüber gehet:
Allda fpricht das Wort durch den prophetiſchen Geift Die Figur/
aus / wie allhie beym Joſeph gefhahe /als ihme des Koniges
Kämmerer ihre Traͤume fagten / fo ftellete das Wort die Figur
wiees gehen follte / in Joſephs Verſtand / daß Joſeph erkannte
wasihre Gelichte waren,
12. Zuvorhin abervoufte er es nicht; aber im Außſagen des
Zraumes modelte fich das Wort des Berftandes in Joſephs Ders
ſtand / daß ers wuſte: Denn Joſephs Geiſt fund ineiner a
2
656 Erklär. des Sch. ui Beck. Traum. C.67
fen Figur wieder eingemandt ins Wertt / auff Art wie die neue
Wiedergebuhrt in ChriſtiGeiſte wieder eingewanet fchet : Alfo
auch der andern Propheten/durch welher Mund GOttes Wort
aus dein inwendigen Grunde / durch ihren Mumd vie Wunder
GOttes in der Natur / als im geformten cereaturlichem Worte
außfprach und deutete.
13. Bey dieſer Figur Joſephs / indehme er Göttliche Wiſſen⸗
ſchafft kriegte / und die verborgene Dinge deuten konte / ſehen wir
nun / tie der eingewandte in GOtt gelaſſene Geiſt des Men⸗
ſchen / wenn er alles eigene verlaͤſſet / wieder das Goͤttliche Auge
zum ſehen und Verſtand bekommet / daß er vielmehr hinwieder
bekomme / als er hatte verlaſſen / daß er viel reicher iſt / als er zu⸗
vorhin in der Seinheit war: Dann in dem eigenen Willen hat
und faſſet er nur ein Particular / aber in der Verlaſſenheit komt
er in das gantze / als in alles; denn aus dem Wort GOttes iſt
alles worden.
24. So er nun in daffelbe kemt / fo komt er inden Grund / da
alles von Ewigkeit innen gelegen iſt / und wird aus einem Ar⸗
men ein Reicher / wie denn Joſephs Figur außweiſet / daß aus
einem armen Gefangenen ein Fuͤrſt ward / und eben nur durch
das Goͤttliche Wort / das ſich hatte in ihme offenbahret / da ſich
das Wort wieder in ſeiner Verlaſſenheit außſprach / fo ſprach es
den Joſe ph in ein koͤniglich Regiment / d durch welchen das Wort
Gottes in Egypten wolte regieren / und ſolchem Königreich
Verſtand geben.
15. Weiter ſehen wir in dieſer Figur Joſephs / wie den Kin⸗
dern GOttes endlich muß alles zum beten dienen / alles was fie
muͤſſen unrecht leiden / das wird ihnen im Aufgange in citel
Freude verkehret ; denn in Trübfallernen fie erkennen / was fle
ſeynd / wie fie fo ſchwach uñ elend in der Eigenheit feynd/wie ihnen
der Tod und das Elende fo nahe iſt / und wie es umb aller Menſchen
Troſt und Hoffnung / indehm man ſich auff Menſchen wil ver⸗
laſſen / und ſich nen Gunſt troͤſten / fo ein gantz unbeſtaͤu⸗
dig Weſen ſey / wie der Menſch feine Hoſſnung muͤſſe zu GOtt
wenden / wann er gedencket durch Menſchen-Gunſt aus der
Zrübfalerlöfet zu werden/fo müjfen ihme endlich doch der Mens
ſchen Gunſt und Rath zu ftatten kommen.
16. Aber ſo er wil Menſchen Gunſt und Kath pflegen] fo ſoll
er feine Hoffnung in GDtt ſetzen / ob ihn GOtt wolte durch
menfchlihe Mittel tröften/ und vom Elende erlöfen /undfeine
Hoffnung garnichtin der Menſchen Gunft fogen / — en
tt
-€.8. Bon Pharaenis Traͤumen /rc. 667
Gott ſehen / was er wolte durch Mittelwürden : Und ob ſichs
anlieſſe als hätte GOtt feiner vergeſſen / wie mit Joſeph / welcher
muſte zwey Jahr im Gefängnüg bleiben / fo foll er dennoch
denden / GOtt wil mich allhie haben /wil er mich aber durch—
Mittelan einem andern Ort haben / fo wird er Mittel darzu ge⸗
ben/ und es zu feiner Zeit wohl ſchicken / wie allhie zu ſchen iſt.
17. Das Verbrechen des Koͤniges Kaͤmmerer / indehme ſie zu
Joſeph ins Gefaͤngnuͤß geſetzet wuͤrden / war ein Mittel dadurch
GOtt wolte Joſeph für den König bringen: Aber es geſchahe
nicht balde / indehme Joſeph hoffete / der Weinſchencke des Koͤni⸗
ges wuͤrde ihme beym Koͤnige gut in Worten ſeyn / und ihme ſei⸗
ne Unſchuld anſagen / fo vergaß der Weinſchencke feiner/ und lieg
Joſeph im Kercker figen/ dag alfo Joſeph muftegant an —
lichen Mitteln verzagen / und zu GOtt fliehen / und als er das
thaͤte und an allen Menſchen-Mitteln verzagte / und ſich bloß
auff GOtt verlieh /fo muſten eben diefelben Mittel /auffwelche
Joſeph hatte gehoffet / und doch auch in langem Verzuge daran
war verzaget/wicder herfür brechen) un ihme zu ſtatten kommen.
18. In dieſem follein Kind GOttes fernen / dag alles waser
von GOtt bitter / daß ihm foll zu ſtatten kommen durch Men:
ſchen / dag er nicht foll feine Hoffnung auff Menfchen ſetzen / fon:
dernauff GOtt / fo gefigicht ihme endlich das jenige / was er von
GOtt gebethen hat / daß ihme ſollte durch Menſchen Mittel zu
ſtatten kommen; wenn das Gemuͤthe an Menſchen Mitteln
verzaget / und ſich wieder in GOtt erſencket / ſo bricht GOttes
Huͤlfft durch Menſchen Mittelyerfür. Alſo wird das —
the geuͤbet / daß er lernet GOtt vertrauen.
Das 68. Capittel.
Von den Traͤumen des Koͤnigs Pharao / wie Joſeph
aus dem Gefaͤngnuͤß geholet / und für den Koͤ—
nig geſtellet worden und zu grogen
Ehren Fommen ſey.
Genef. 41.
2 OOſfes fpricht : Und nach zweyen Jahren hatte
Dharao einen Traumjmwieer ſtunde am W affer!
und fahe aus dem Waſſer steigen fieben ſchoͤne
fette Rühe/ und giengen an der Weideim Gras
fe : Nach diefem ſahe er andere ſteben Kühe aus
dem
/
.*
68 Bon Pharaonis Traͤumen / und wie C58.
dem Waſſer auffſteigen / die waren heßlich und mager / und
tratten neben die Kuͤhe am Ufer des Waſſers / und die magern
und heßlichen fraſſen die ſteben ſchoͤne fette Kuͤhe; da erwaͤch⸗
te Pharao. Und er ſchlieff wieder ein / und ihm traumete aber:
mahl / und ſahe daß ſteben Aehren wischfen aus einem Halnı
voll umd dicke / darnach fahe er fieben dünne und verſengete
ehren auffgehen / und die fteben Dünme und versengete Aeh⸗
ren verfehlungen die fieben Dice und volle Aehren. Da er⸗
machte Pharao) und mercket daß es ein Traum mars und de
es Morgen ward / ward fein Geiſt bekuͤmmert / und ſchickete
sus/ und ließ ruffen alle Wahrfager in Egyten/ und alle Wei⸗
fen / und erzehlet ihnen feine Träume ; aber da war Feiner
der ſte dem Pharao deuten konte / ic. 3
2. Diefe Traume wurden Pharaoni von Gott fürgeftel>
let / darumb konte fie Eein Magus und Natur-kuͤndiger deuten s
Dannder Magus Naturalis hat nur Gewalt inder Natur / nur in
dehme was die Natur in ihrer Wuͤrckung bildet; Er kan nicht
in das eingreifen / und darinnen rathen / wasdas Wort GOt⸗
tes modelt und bildet : Aber der Prophet hatGewalt darinnen zu
deuten : Dann er iſtein Göttlicher Magus , wie allhie Joſeph.
3. Bey den Egyptern war die wagſſche Kunſt gemeine: Als
fe aber in einen Mißbrauch und Zauberey gebracht ward / ward
He außgerottet / wiewohl fie bey den Heyden verblich big auff das
Reich Chriſti / big die Göttliche Magia auffgieng / fo gieng die
natürliche bey den Chriften unter / welches im Anfang wohl gut
war daß fie untergieng / denn der heydniſche Glaub verlofch dar⸗
mit / und wurden die magıfchen Bilder der Natur / welche fie vor
Goͤtter ehreten/ damit ausder Menfchen Hertzen gereuttet.
4. Als aber der Epriften Glaube gemein ward / ſo Famen an⸗
dere Magi auff/ als die Secten in der Thriſtenheit / welche ſich au
ftatt der heydniſchen Gösen-Bilder für Götter einſetzeten / und
trieben gröffern Betrug als die Heyden mit ihren magifchen
Bildern.
5. Denn die Heyden fahenauff den Grund der Natur Vers
mögenheit und Würdung : Diefe aber fegeten fich über den
Grund der Ratur/ blog in einen hiftorifchen Glauben) dag man
glauben follte / was fiefichteten.
6. Wie den auff heute folcher Magorum die Titul⸗Chriſtenheit
voll iſt / da kein natuͤrlicher Berſtand / weder von GOtt noch der
Natur mehr bey ihnen iſt / ſondern nur ein leeres Geſchwaͤtze von
einem uͤbernatuͤrlichen magiſchen Grunde / darinnen ſie ſich 9
N
E63. Joſeph außm Gefaͤngnuͤß geholet. 669
ben zu Abgoͤttern / und Goͤtzen eingeſetzet / und verſtehen doch we⸗
der die Goͤttliche noch natuͤrliche Magiam, daß alſo die Welt
durch fie ſtock blind iſt worden; daraus der Zanck und Streit im
Glauben iſt entſtanden / daß man viel vom Glauben ſaget / und
eines hin / das ander her zeucht / und machet einen Hauffen Mey⸗
nungen / welche allefainbt ärger find als die heydniſchen Bilder /
welche doch in der Natur ihren Grund hatten : Diefe Bilder
aber haben weder in der Natur /noch im übernatürlichem Goͤtt⸗
lichen Glauben Eeinen Grund / ſondern feynd ſtummeGoͤtzen / und
ihre Diener ſeynd Baals-Diener.
7. Und wie es hoch noth und gut war / daß bey den
Chriſten die Magia Naturalis fiel/ da der Glaube von
Ehrijto offenbahr ward : Alfo thut es jeßo vielmehr
von nöchen/ daß die Magia Naturalis wieder offenbahr
werde /auff daß doch der Titul⸗Chriſtenheit ihre ſelb⸗
emachte Goͤtzen durch die Natur offenbahr und er:
annt werden] daß man in der Natur erkenne] das auß⸗
gefprochene geformte Wort GOttes | ſo wohl die neue
Wiedergebuhrt / und auch den Zall und Verderbung /
damit der Streit und die gemachten übernatürlichen
Goͤtzen möchten untergehen) daß man doch ander Nas
tur lerne die Schrift verſtehen / weil man ja den Geiſt
GoOttes in der Göttlichen Magia des wahren Glaubens
nicht frauen wil / fondern fegt nur den Grund auff den
Thurn zu Babeljin die Zaͤnckerey und gemachte Goͤtzen⸗
Meynungen / als in Menſchen-Satzungen.
8. Nicht ſage ich / daß man die heydniſche Magiam ſoll wieder
ſuchen und pradiciren / und die heydniſchen Goͤtzen wieder anneh⸗
men; ſondern dag es noth thut / daß man lerne den Grund der
Natur ſorſchen / als das geformte Wort GOttes nach Liebe und
Zorn / mit ſeinem Wieder⸗außſprechen / daß man nicht alſo blind
am Weſen aller Weſen ſey.
9. Denn die Vaͤtter des erſten Glaubens ſind nicht alſo blind
am Reiche der Natur geweſen / ſondern haben an der Natur er,
kannt / dat ein verborgener GOtt fey / welcher fich Durchs Wort
feines Außhauchens und Informens mit der gefhaffenen Welt
hat fichtbahr gemacht/ und haben am Gefchöpff GOtts Wort er,
kannt / welches jest vielmehr noth thut / auff daß die Mey⸗
nungẽ⸗
«
670 Bon Pharaonis Traͤumen / und wie E,6g,
nungs⸗Goͤtzen möchten ans Liecht kommen und erkannt werden/
das man doch fehe/ was der Glaube ſey / wie er nicht nur eine
Meynung und Wahn fey/ fondern ein Goͤttlich Weſen / welches
Weſen in dem ichtbahren Menfchen den äuffern Augen verbors
gen ift/wieder unfichtbahre GOtt in dem fichteahren Weſen diea
fer Welt verborgen ift.
xo. Daß nun die Magi Naturales dem Pharaoni feine Traͤu⸗
me nicht deuten Eonten/ war diefes die Urfache / dag die Träume
Pharaonis aus dem Gentro der Natur herrühreten / welches Die
heydnifchen Magi nicht verftunden : dann ihr magifcher Grund
im Verftande war nur in der Würdung und Figur des Ge⸗
ſtirns und in den Elementen : Sie verftunden nicht den Grund
der ewigen Natur / daraus die Natur diefer Welt ihren Ur>
fprung hat / und darinnen fie ſtehet: Aber die Traume Pharao- _
nis hatten ihren Urſtand aus der ewigen Natur / und werden
Buchs Wort GOttes imein ſichtbahres Bild in die äuffere Nas
Eur der Zeit / und in die auffere Figur des Menfchen gefteller.
xx. Dei die fieben fette Kuͤhe im Srafe deuten im inwendigen
Grunde an die fieken Eigenfchafften der ewigen Natur im hei=
Üigen guten Wefen/ als im Reiche des Himmels/da die Göttliche
Krafft wefentlich ift / und diefieben magerc heßliche dürre Kühe/
deuten an im inwendigen Grunde / die ficken Eigenfchafften der
ewigen Natur im Grimme Gottes / als im Neichedes Hungers
und Durftes / da die Natur ohne Goͤttlich Weſen der guten
Krafft GOttes iſt / und die fieben dicke und fette volle Aehren / fo
wohl die ſteben dürre verfengte Aehren / deuten auch daffelbe an.
22. Dapaber Pharaoni diefer Traum zwenfach erfihlen/ das
deutet in dieſer Figur an: Erftlich den Grund der ewigen Natur
in ihren fieben Eigenfchafften/ was GOtt dadurch zeigen wolte :
Zum andern wegen ver andern Erfcheinung deutet es anff den
menſchlichen Grund / welcher in feinem Weſen aus den fieben
Eigenfcyafften feinen ereatürlichen Urftand yat. Mehr deuters
en den zweyfachen Menſchen nach dem ÄAuffern Leibe und dem
aͤuſſern Geift / und denn nach dem innern feelifchen Geifte / und
nach dem innern heiligen Wefen der Göttlichen wefentlichen
Krafft / und ſtehet inder Figur eines heiligen Göttlichen Men:
Then / welcher von Göttlicher Krafft voll und ſchoͤne ift / der im
rechten himmliſchen Grafe nes Weſens der wefentlichen Weiß⸗
heit GOttes gehet und wendet.
23. Und zum andern zeigets an einen gottlofen Menſchen /
welcher an folchem Goͤttlichen Weſen verdorret / mager und 1
i
©. 63. Joſeph außm Gefängnüß geholet. 677
lich ift / und iſt doch eben derſelben Natur Eigenfchafft als der
Goͤttliche iſt: Aber er ift feines guien Weſens verderben und
verdorret /der Grimm der ewigen Natur in den fieben Eigen»
ſchafften hat ihme fein Werfen verzehret / daß er nur als ein hun⸗
geriger Feuer⸗Geiſt iſt.
x4. Alſo ſtellete der groſſe GOtt dem Pharao fuͤr / was in der
Egypter Figur auff dißmahl ſtunde / dann er wolte ſte heimſu⸗
chen: Erſtlich zeigete er ihnen ſeine groſſe Genade / in dehme
er ihnen mit Joſeph einen Propheten und weiſen Fuͤrſten gab /
welcher fie ſollte regieren: So zeigete er ihnen in dieſem Geſichte
an / daß in ſeiner Genade in dem Reiche der innern und aͤuſſern
Natur / in den ſieben Eigenſchafften eitel Seegen und Gut ſey/
fo fie würden darinnen wandeln / fo würden jte ſeyn als die ſteben
fette Kühe und Aehren:
ıs. Wo aber nicht / fo würde fein Zorn über fie kommen / und
Bas Gute an Leib und Seele an ihnen verzehren / und fie mager /
duͤrre und heglich machen / wie den Zeuffeln gefchahe /als aus den
Engeln Teuffel wurden, da ihr Gutes / als die wefentliche Goͤtt⸗
liche Weißheit an ihnen verblich / und ihre fieben Eigenfchafften
der ewigen Natur / alfo heßlich / mager und duͤrre ward / wie die
fieben dürre Kühe umd die ſteben verfengete Aehren / da keine
Krafft mehr innen war.
16. Und wie die fieben dürre Kühe und ficben duͤrre Aehren
die gute fette Kühe und Achren verſchlungen /und doch nur viel
magerer und heplicher waren als zuvorhin / daß man ihnen nicht
Eonte anſehen / dag fie diefelben haften in fich gefreffen: Alſo
deutet hiermit der groffe GOtt auc an / day der gottlofe Menfch
mit feinen Neben Eigenfchafften der Natur im Zorne GOttes
angezündet/an ihme das gute un ſchoͤne Bild GOttes verſchlinge /
in dehme er in eigene Begierde ſich einfuͤhret / in welcher falſchen
Begierde die Natur peinlich wird und in Unfriede tritt / und doch
hernach nur heßlich / greulich und duͤrre wird / als ein geitziger
Hund / ob der gleich viel friſſet / ſo verzehret ihn doch ſeine geitzige
Natur in ſeinem Neide/ auch fein Fleifih das er nicht hat / was er
andern Hunden nicht gönnet.
17. Alfo ftelletediefes der groffe GOtt den Egyptern für mit
fieben guten fetten Jahren / und mit fieben dürren Jahren / wels
he die ſieben verſchlungen dag man dieguten nicht mehr era
Fannte / darımlergoc gar gewaltige Dinge prefiguriret wora
den / wie hernach foll gemeldet werden.
18, Daß aber ven Pharao dieſes Geſtchte bekummerte / und er 3
IE
373 Bon Pharaonis Traͤumen / und wie C.8.
doch nicht verſtund / und ihme ſolches auch ſeine Weiſen nicht deu⸗
ten konten / deutet an / daß es ihme Gott wolte durch ſeine Krafft in
Joſeph ſelber deuten / und daß die Zeit ſolcher Heimſuchung ſchon
vorhanden ſey / darum ward Pharao in ihme ſelber alſo errägetz
daß er es gerne haͤtte gewuſt.
19. Daß es ihme aber die Weiſen im Liechte der Natur nicht
deuten konten / deutet an / daß die Werde Gottes dem natürs
lichen Menſchen / ohne die Gnade / verborgen ſeynd / daß er nichts
von Gottes Weegen weiß oder verſtehet / es offenbahre ſich dan
Gott durch ihn / dan dieſes war eine Bewegung der ewigen Na⸗
tur durch die aͤuſſer Natur / darum kontens die Natur⸗weiſen
nicht verſtehen.
20. Als nun dieſes Niemand dem Könige deuten Eonte / ges
Dachte der Schende des Konigs an Joſeph / wie er ihm hatte ſei—
nen Traum erklaͤret / und fagte foiches vor Pharao : Und allyie
in diefemGefichte Pharaonis hat Gott auch dem Joſeph geruffen/
und das jenige was ervor zwey Jahren hatte durch Menſchen⸗
hülffe begehret / erfüllen und ihn gewehren wollen.
21. Da fandte Pharao hin und ließ Joſeph ruffen / und
lieſſen ihn eilend aus dem Loche / und erließ fich beſcheren /
und 209 andere Kleider an / und kam hinein zu Pharao. Da
fprach Pharao zu pmerlitic hat ein Traum getraͤumet / und
4: Niemand der ihn deuten Ean: Ich aber habegehöret von
dir fagen/ wan du einen Traum hoͤreſt / fo kanſtu thn deu⸗
ten: Joſeph antwortet Pharao und ſprach: Das ſtehet bey
mir nicht / Gott wird doch gutes dem Pharao weiſſagen;
Und Pharao ersehleteihme feine Träume.
22. Diefe Figur / indehm Kofeph andere Kleider angezogen
und ſich befcheren laffen/ als er für den König tretten folte/ deutet
uns dieſes an / daß Bott dem Joſeph anjetzo das Kleid feines
Elendes habe ausgezogen? und habe ihme anjetzo das Kleid der
Weißheit angezogen / daßer ihn jego wolle an einem anders
Orthe haben als zuvor / und dag er ihn wolte mit dem Kleide der
Weißheit für Pharao ſtellen unddem Pharaoni zum Pfleger
geben: Dan der Geift Moyfis feget die Figur trefflich genau
undeigentlich / als hätte er geoffe Luſt darinnen zu fpielen.
23. Und ſehen weiter wie Joſeph zum Könige fagte/ dag es in
feiner natuͤrlichen Macht nicht ſtuͤnde / folche verborgene Dinge
zu wiſſen / fondern daß cs ihme allein Gott gebe zu wiffen / daß
er weder Kunſt noch magifche Bilder darzu doͤrffte fonvern Gott
würde Pharao durch ihn gufes deuten. *
24. Dar⸗
C. 68. Joſeph außm Gefaͤugnuͤß geholet. 673°
24. Darum ſol ein Magus ſeinen Willen Gott ergeben / und
feinen magiſchen Glauben / Damit er wil die Figur der Natur
in ihren Geftaltenforfchen / in Gott faſſen / dag er das Work
Gottes ergreiffe / und mitte in die Figur der Natur einführe 7
fo iſt er ein rechter göttlicher Magus , und mag den innern Grund
mit göttlicher Krafft bewaltigen / ımd die Natur in eine Figur
bringen: Wer anvderft hierinnen bandelt/ der iftein falfcher Ma-
gus, wieder Teuffel und feine Heren folche ſeynd.
25. Und iſt mit nichten zu dencken / als ob ein Chriſt nicht
dörffte den Grund der Nafıır angreiffen/ daß er nur müffe ein
Klotz und ſtummes Bilde inder Wiſſenſchafft ver Gcheimüffere
der Natur ſeyn / wie Babel fpricht / man dörffe es nicht forfchere
und wilfen /es wäre Sünde / welche allemiteinander eben fo viel
vonder Sünden Grund verfichen/ alsder Topff vom Töpffer.
26. Wan fie follen fagen wie es Suͤnde ſey und wie ma
Gott erzuͤrne / fo haben fie ja nichts zur Einwendung / als Bil»
der der Meynungen / welche das Ggwiffen in folhe Bilder eina
ſchlieſſen das ſich das Gewiſſen für ihren Bildern fürchtet f
und der Sünden Grund durch die fieben Eigenfchafften der Ma»
fur / wicihrefette Kühe / mager und Dürze gemachet werden
erkennet es nicht.
27. Oihr Bildermacher | wie draͤuet euch der Zorn
Gottes im innern Grunde enerereigenen Natur mitden
fieben duͤrren Kuͤhen und Aehren: Joſeph iſt aus dem
Gefaͤngnuͤß / und deutet dom Pharaoni Gottes Rath.
28. Die Zeit iſt ſchon da / da die Figur Pharaonis
um Wercke ſtehet / euere Bilder der falſchen Magiæ wer⸗
den durch Joſephs Erklaͤrung der Geſichte vor der gan⸗
tzen Welt offenbahr: Brechet abe die Bilder / und be⸗
thet zu Gott / daß er euch den Verſtand der Geſichte
Pharaonis gebe | fo möger ihr der ſieben guten Kihe
und Aehren in euch theilhafftig werden.
29. Wo nicht / ſo muͤſſen eure Bilder der falſchen
Magix alle zu ſolchen duͤrren Kühen und Aehren wer—
den / als ſie dan im innern Grunde meiſtentheils ſchon
alſo worden ſeynd / und aͤuſſerlich anjego m Freſſen
find] und freſſen immerdar die ante Zeit und Jahre in
ſich; dan fie haben Die siebe | a a
J
674 Bon Pharasnis Träumen/und wie E63,
Gerechtigkeit / une und Öottesfurcht fait alle in
ſich gefreſſen und in Abgrund verfihlungen / und jetzo
freſſen fie nun auch alle aͤuſſerliche Nahrung in ſich: Sie
haben das Silber in ſich gefreffen / daß nichts als nur
Das magere Kupffer noch da iſt / noch findfiealfo hun:
gerig / daß fie am Kupffer liegen nagen / als ein Hund
am harten Beine | und wollen gerne mehr davon fref:
ſen / und haben dochnichts mehr daran.
30. Darum ſeynd ſie alfo hungerig / daß fie einan—
der vor Hunger felber würgen und auffteffen / und ıhr
Landindie Thenrung bringen : Aber hiemit werden fie
dem Zorne Gottes in den fieben Eigenſchafften der Na:
tur Seibeigen gemacht | gleich wie in der theuren Zeit
Sofephs dem Könige Pharaoni ganz Egypten Landt
eigen ward.
31. Diefer Zorn Gottes wil hernach euch Saamen geben /
Sar ihr muͤſſet Bilder und Gößen ſaͤen / und diefelben wieder in
such freſſen / wie ihr ſchon lange Zeit gethan habt / und muͤſſet
ſeine Leibeigene Knechte ſeyn / wie Egypten dem Pharaoni.
32. Das laß dir O Egypten der Chriſtenheit durch
Zeferhe Erklärung im Geifte der Wunder der fechftem
Siegels-Zahl geſaget ſeyn / es giltdir / wache auff und
werde ſehend / die groſſe Theurung in Leib und Seele
iſt sorhanden / oder du muſt verſchmachten.
33. Du ſteheſt jetzo in Feiner andern Figur dor Gott]
als die fieben heßliche hungerige / verdorrete mage:
re Kuͤhe und Kehren: der Seegen Gottes ii von die in
rLeib und Seele geWichen] dag du nur nach Gut und zeit:
licher Rahrung achtzeſt / und deffen doch nicht fatt wirft.
Je mehr du wirft hungern/ und an Beinen augen / Je
hungeriger wirft dir werden / biß du alle deine gute Kuͤ—
he im Gewiſſen in Leib und Seele / mit Land und Leuthen
in dich friſſeſt / und deine Geſtalt alſo heßlich wird / daß
dich die Fuͤrſten der innern und aͤuſſern Himmeln nicht
anſehen moͤgen / und dich zum Berdamnüß des Todes
helffen urtheilen / faget der Geiſt der Wunder in Jo⸗
ſephs Deutung. 34. Schaue
€. 58. Zofeph aufn Gefaͤngnuͤß geholet. 679
34. Schaue dich nur recht an / biſtu nicht alfo heßlich und
hungerig / betrachte dich in allen Tugenden / du bift rafendea
blind für groffem Hunger / denn das dich folte feegnen / das has
ſtu in Abgrund verfchlungen / und Deiner Bögen-diener Heu⸗
cheley an die Stättegefegets die Gerechtigkeit / Wahrheit / Lie⸗
be/ Glaube / Demut / Keufihheit und Gottes-furcht wäre dein
Seegen / daß du wieder fett wuͤrdeſt / aber du haſt alle dieſe Ei⸗
genſchafften verſchlungen / und deine Goͤtzen an die Staͤte geſetzt /
und mit Chriſti Purpur-Mantel bedecket / nun find in dir die
böfen hungerige Geftalten des Freffers auffgewachet.
35. Die erfte Eigenfchafft des Freffens mit CHriſti Mantel
bedecket / iſt Hoffart / als Begierde der eigenen Macht unter dem
demuͤhtigen Mantel Chriſti / wollen mächtig und ſchoͤn ſeyn /
wie Lucifer unter feiner ſchwartzen Kappen / welcher noch im⸗
merdar meynet / er fey der mächtigfte / Da er doch vor Gott nur
ein Herrinder Phantafen ift.
36. Die andere Eigenfchafft deines Hunger mit Chrifte
Mantel bedecket / iſt der Geitz / als der Sreffer / der fich felber
friſſet / der dem andern feinen Schweiß und das Fleiſch von Beis
nen friſſet / und an ſich zeucht / und doch nichts hat / und lieget
immerdar als ein Gifft / und ſaͤuget ſich ſelber aus: Dieſer hat
Die Wahrheit / Gerechtigkeit / Gedult / Siebe) Hoffnung /
Glauben und Gottes-furcht alles in fich gefreffen / und iſt doch
nur als cineitel Hunger: Er hat jetzo alles Silber vom Kupffer
gefreffen/ und fichetdoch nur aus als hätteer nichts gefreſſen /
denn man fichetsnicht an ihme: Erifthungeriger als zuvor / er
hat die gute Zeit in fich gefreffen / und triffet noch immerdar aller
Vorrath / welchen Gott aus Gnaden gicber / und wird Doch
alle Tage hungeriger mit freffen/ umd ob er Fonte den Him⸗
mel freſſen / fo wolte er auch die Hölle in fich freſſen / und bleibet
doch mır cin Hunger.
37. Die drite Eigenfihafft deines Hungers mit Ehrifti Man⸗
tel bedecket / iſt der Neid / als ein Sohn des Geitzes / Die Hofa
farth iſt ſein Großvatter; dieſer ſticht und wuͤtet in dem Hun⸗
ger / wie ein Gifft im Fleiſche / er ſtichtin Worten und Werc⸗
ken / und vergifftet alles / er leuget und treuget / und iſt nim⸗
mer ſtille: Je mehr der Geitz gierig wird zu freſſen / je groͤſſer
wird dieſer fein Sohn / der Reid / er wil alles allein beſttzen /
und hat doch keine Staͤtte / weder im Himmel / Welt / oder
Hoͤlle / da er Ruhe haͤtte: Er kan weder im Himmel noch in der
Hölle bleiben / ſondern ſtehet mir im Hunger des Geitzes / und
iſt des Geitzes Leben. 5f2 33. Die
z4
675 Bon Pharaonis Traͤumen / und wie E.68-
38. Die vierdte Eigenfchafft Des Hungers unter Chriſti
Mantel bedecket / iſt der Zorn / Derift des Neides Sohn und
der Geitz iſt ſein Großvatter / was der Neid nicht kan todt ſte—
chen / das wil der Zorn todt ſchlagen: Er iſt alſo boͤſe / daß er
ſeine Gebeine zerſchlaͤget und zerboͤrſtet: Ihn duͤrſtet immerdar
nach morden / dag nur fein Vatter und Großvatter / als der
Geitz / Neid / und die Hoffartraum hat / erzerbricht Leib und
Seele in ihrer Art der Fettigkeit / und verwuͤſtet Land und Staͤd⸗
te / noch iſt er ſo boͤſe / koͤnte er er ſtoͤrete den Himmel und die
Hoͤlle / und hat doch nirgends keine Ruhe.
39. Dieſes ſeynd die vier Elementa des Hungers / welche die
ſieben fette Kühe und Aehren Pharaonis in ſich verſchlingen
and freſſen / und ſeynd doch wie vorhin / und jetzo bat fie Io:
ſeph in Phargonis Traum geſehen und offenbahret /
daß ſie in der Welt ſind offenbahr worden / und ſeynd
fuͤr die Augen der Waͤchter geſtellet / welche im Raht
des Urtheils ſitzen was doch mit dieſen duͤrren / heß—
lichen Kuͤhen mehr zu thun ſey / dan Gott hat ihnen die
fieben fette Kuͤhe ſeiner Genaden⸗-offenbahrung gegeben /
aber ſie freſſen alles in ſich / und werden nur hungeri—
ger/ alſo ſehr / daß die Hölle in ihren vier Elementen
wohnet/und das Reich der Teuffelin ihrer Figur ſtehet.
40. D Egypten der Ehriftenheit ! du hoffeſt auf
Gutes] und begehreft doch nur Böfes zu wuͤrcken; es
komt dir Fein gutes] du ſterbeſt dan diefes Hungers abe/
oder zerbörfteft dich felber in diefem Hunger. Wovon
folldır gutes von Joſeph gedeutet werden / fodu nur
je mehr alfo hungerft ? die Natur gebähret in dir nur
ein folches] wie dein Hunger und Begierde ift/ du darffit
auff nichts hoffen / du befehreft dich dan / und zieheft
zofepbe neuen Rock an / fo wird dir der Herz feinen
eiftgeben/ daß du wirft deine Bilder ſehen und ver:
stehen | und diefelbe weatuhn / und mit Sofeph vor
Gottes Ungefichte ſtehen / wie Joſeph fir dem Ange:
ſicht Pharaonis / und wirst Einen die Wunder Got:
tes fehen und fie deuten.
A. Ep wird dich alsdander Hera mit Jofeph über
das
E.68. Joſeph außm Gefaͤngnuͤß geholet. 677
das Reich feiner Geheimnuͤß fegen / daß du wirſt den
Magiſchen Grund des Glaubens recht verſtehen / und
wirſt nicht mehr in Bildern der aͤuſſern natuͤrlichen Ma-
six forschen / wie du lange Zeit getahn haft | fonderndir
wirft den innern Grund fehen | and mit Jofeph über
Egypten herrſchen / dasift / über die Geheimnüffen /
und wirſt darinnen dem Herrn dancken | und in ſeinem
Brunnen ſchoͤpffen / und Waſſer des Lebens trincken.
42. Dan das Wort das du nun verſtehen und lernen ſolſt / iſt
dir nahe / als nemlich in deinem Munde und Hertzen / du biſt
Gottes geformtes Wort / du muſt dein eigen Buch / das du ſelber
biſt / lernen leſen / fo wirſtu aller Bilder loß / und ſieheſt die
ſtaͤtte / welche heiſſet: Hie iſt der Herr; Als dan wirſtu dein
geben der Tugenden wieder bekommen und wieder fett werden /
amd den Mantel Ehrifti wegtuhn / und ſagen: Hie ftehet der
Mann der in Chrifti Fußſtaffen wandeln / und ihme in ſei⸗
nem Leben und Bilde gleich aͤhnlich nachfolgen wil.
43. Die ſe gantze Hiſtoria aritdenTäumen Pharaonis ſeynd eiıf
Bilde / da der Geiſt unter einer aͤuſſerlichen Geſchichte fuͤrbil⸗
det den Grund des Menſchen / wie ihn Gott hat alſo gut ges
ſchaffen und in feine Fettigkeit gefeget / und wie er durch des Sa⸗
thans Neid und Gifft alfo verderbet / und in ein ſolch heßlich
Bilde gewandelt werde.
44. Mit Rofeph aber ftellei nun der Geift die Figur dar / wie
ein Menſch muͤſſe wieder durch die neue Geburt aus folder Ge⸗
fingnügausgrünen‘/ und wie er wieder würde für Gott geſtel⸗
let / und wie ihme Bott feinen Geift gibet und zum Regenten in
Gottes Haufe macht/ wie er ll himmliſche Früchte ſamlen im
Glauben und guten Gewilfen / für die Zeitder Anfechtung wars
die Theurung / als Gottes Zorn / die Seele fichtet.
45. In welcher Sichtung alsdan diefelbe Früchte zur Speife
gehören / dag die Seele inder Buſſe beſtehet und ihr Perlena
Bäumlein mit feinen Aeſten darinnen wächfer / zunimt / und
gute Früchte traͤget. | |
46. Diefelben Früchte find alsdan die Erklärung des Jo⸗
ſephs / wie er Pharaoni Gottes Raht andeutet / undihn lehre⸗
te: Alſo bringet die neue Gebuhrt ſolche gute Fruͤchte und Leh⸗
re / welche dem Neben-⸗menſchen Gottes Weege verkuͤndiget /
und ihme mitWeißheit fuͤrſtehet / wie Joſeph dem Pharannisund
ſehen ſolches in dem Rahte Joſephs / nach deme er hatte Pharaoni
5f3 feis
878 Bon Pharasnis Traͤumen / und wie. 68.
feinen Traum gedeutet / ſo ſprach er zu Pharao: Der König
ehe fich um nach einem Elugen und weifen Manne / welcher
harao Kornhaͤuſer baue/ daB man Vorraht auffſchuͤtte / daß
man in der Theurung Nohtdurfft habe welches der Geiſt heim⸗
lich in des Menſchen Figur darſtellet / dag fih ein Menſch ſoll
nach weiſen Gottsfuͤrchtigen Menſchen umſehen / welche helf»
fen den goͤttlichen Schatz und Vorraht famlen mit weiſem Ver⸗
ſtande / mit Lehren / Leben und Bethen / auff daß dadurch ein
göttlicher Schatz und Vorraht geſamlet werde.
47. Wan alsdan die Zeit der Sichtung und des Hungers
Pomt/ daß Gettes Zorn darmitauffgehalten werde / und nicht
alfo bald Leib und Seele / Sand und Voͤlcker alfo mager mache
amd aufffreffe/ daß etwas im Vorraht ſey / Davon GOTT ſag⸗
te / er wolte wol tuhn dem Gottsfuͤrchtigen ins zooofte Glied /
Derfelbe Vorraht ſoll währen biß ins tauſenſte Glied.
48. Und Moyſes ſpricht weiter: Dieſe Rede Joſephs ge⸗
fiel Pharao und allen feinen Knechten wol ; und Pharao
For.cy zu feinen Anechten : Wie Eönten wir einen folchen
Mam Finden) in deme der Griſt Oottes fev / umd ſprach zu
Joſeph: Weil dir Bott ſolches alles hat kund getahn / iſt
Zeinerfo verſtaͤndig und weiſe / als du / du ſolſt uͤber mein
aus ſeyn / und deinem Worte ſoll alle mein Volck gehorſam
ſeyn / allein des Koͤniglichen Stuhls wil ich hoͤher ſeyn / als
du. Und weiter ſprach Pharao zu Joſeph: Siehe / ich ha⸗
be dich über ganz Egypten⸗land geſetzet / und taͤht feinen
Ring von feiner Hand / und Eleider ihn mir weifler Seyden/
und hieng ihm eine Güldene Retten an feinen Hals / und
ließ ihn auff feinem andern Wagen fahren / und ließ vor ihm
Her ausruffen: Diefer ist des Landes Vatter / und fegteihn
uͤber gang -Egyptenlande. Und Pharso fprach zu Tofeph :
Ich bin Pharao / ohne deinen Willen foll Yiemand ſei⸗
ne Hand oder feinen Fuß raͤgen in gang Egyptenland / und
nennete ihn den geheimen Raht / und gab ihm ein Weib Aß
nath / Die Tochter Potiphars / des Priefters zu On.
49. Dieſes iſt nun die allerſchoͤneſte Figur der gangen Bibel?
Danirgendsihres gleichen ift von einem Menfchen / und ftchet
än der Figur eines probirten Ehriften / welcher ift in allen Pros
ben beſtanden; welchen der Geift Chriſti mit fich hat durch fein
Leyden / Tod / Hölle/ Gefängnüg und Elende hindurch gefuͤh—
ret / wie ihn der einige GOTT / als dergroffe König für ſich
ſtellet / und feine Weißheit / welche er hat in Chriſti Proceß
; empfana
E.68. Joſeph außm Gefaͤngnuͤß geboler. 679
/ empfangen / probiret {wie erihn in Freuden annimt / und dig
Zeugnuͤß von ihme gibet: Es ift Niemand fo weile cisdu / dir
fern Schen hat fe verborgentlich in Gedult koͤnnend urch Tod und
Hoͤlle zu GOTT einfuͤhren / als du.
50. Und wie ihme GOTT vollen Gewalt über fein Reich gi⸗
bet / und ihni in feiner Liebe zu feinem Gehuͤlffen machet / wie ein
Raht des Koͤnigs dem Koͤnige huͤlfft ſein Koͤnigreich regiren; Als
fo auch ſetzet ihn GOTT in fein Reich ein / und regiret durch ihn?
und gibet ihme feinen Siegel⸗ ring / als die Menſchheit ud Gott⸗
heit in der Liebe Jeſu Chriſti an feine Seele / und laͤſſet ihn auff
dem andern Wagen nad) ihm fahren / das iſt; wo Gottes Geiſt
gehet / deme gehet ein folcher Menſch allzeit nach / und darff der
Teuffel / Tod und Hölle feinen Gewalt an ihn nicht mehr ruͤh⸗
ven s denn er bekomt alſo den Gewalt uͤber Teuffel / Tod / und
Hölle / und auch über fein ſterblich Fleiſch und Blut / wie Jofeph
uͤber Egyptenland.
51. Und wie Joſeph als bald auszog und bauete dem Könige
Kornhäufer/ Vorraht auffzuſchuͤtten: : Alſo auch bauet ein ſol⸗
cher Menſch / welcher nach ſeinem inwendigen Grunde im Reia
che Gottes figet / GOTT feinem Herm viel ſolche Menſchen ·
haͤuſer / als Menſchen Seelen / in welche er den goͤttlichen
Uberfluß / den i ihm GOTT in Chriſto Jeſu gibet / als die Goͤttli⸗
ehe Erfäntnügund Wa heit ſchuͤtte mit guter Unterrichtung?
Schr und Leben / das fich feine Lehre ausbreitet / und groß wird
wie Sand am Meer : alfo unzählich breitet fich fein Perlen»
Baͤumlein aus / dag viel hundert taufend Seelen Davon effen ?
wie von Joſephs Vorraht in der Theurung.
52. Und alsdann wird ihm die Tochter Potiphars / das iſt
des Prieſters Tochter zu On / als die wahre Chriſtenheit zune
Gemahl gegeben / derer er fell pflegen und fie lieben / und mit
ihr diefe 2. Söhne zeugen / alsallezeit auffdiefem Weege reiſig
ſeyn / und dan mit gewaſchenem Hertzen wandeln / wie Joſeph
fuͤr der theuren Zeit in Egypten mit feinem Weibe / den Ma⸗
naſſe und Ephraim zeugete / und ihme mit dieſem Namen
fuͤrſtellete / wie ihn GOTT haͤtte in dem Hauſe ſeines Elendes
laſſen groß wachſen / und viel gegeben.
53. Alſo auch tuht alsdan ein Kind Gottes ſeinen Schatzka⸗
ſten auff wan die Theurung komt / daß Gottes Zorn die Welt
ſichtet / wie Joſeph feine Korn⸗ haͤuſer / und theilet ſeinen Mit⸗
zweigen aus feinem Schatz-kaſten mitte / daß ſie nicht in ſolcher
Theurung verderben.
E14 Das
580 Wie Jacob ſeine Soͤhne in Egyptenl. C.s⸗
Das 69. Capittel.
ie dieſe Theurung ſey durch alle Sande geganaen /
und wie Jacob feine Söhne in Egyptenland nach
Getreyde ſchickete und wir fie find fuͤr Joſeph
fommen / und wie er ſich habe gegen ihnen
erzeiget was darbey zu verſtehen fey.
Genel. 42.
x Jeſes 42. Capittel Genef. mit Joſeph und feinen
Brüdern iſt nun eine Figur / wie GOTT einen
folchen befchrten Chriften / welcher hat muͤſſen
mit Edrifto in feinen Proceß tretten und nun
überwunden hat / endlich auch feine Feinde ſchen⸗
Het welche ihn haben in Ehrifti Proceß mitihrem verfolgen und
falſchen verrahten einbracht / und wie ihnen ihre Sünde auch un⸗
ter Augen geſtellet werden / wie fte auch in Angſt und Noht eins
geführet werden / und wie fie endlich aus lauter Gnade vonder
Dein und Strafe erlöfet werden / und wie ihnen GOTT fo
gnaͤdig wird / in deme fie fich bekehren / und nicht allein Die Srtaffe
erlaͤſſet / ſondern auch mit ſeinem Seegen begabet / wie allhie
Joſeph ſeine Bruͤder.
2. Aber darneben wird auch in dieſer Figur fuͤrgeſtellet / wie
ſich GOZT ſo ernſthafft gegen der Sünden erzeiget / wie allhie
Joſeph gegen ſeinen Bruͤdern / und da es doch GOTT nicht Ernſt
iſt / daß er den Bußfertigen Suͤnder wil ſtraffen nach der Schaͤrf⸗
fe / ſondern er ſtellet ſich harte gegen der Seelen in ihrem Gewif⸗
ſen / auff daß die Suͤnden auffwachen und erkannt werden / und
daß die Buſſe deſto groͤſſer werde / daß der Menſch in ſolchem
Schrecken fuͤr der Suͤnde demuͤhtig werde / und gantz von Suͤn—
Den ausgehe und ihr gram werde / weil er erkennet / daß die
Suͤnde ein ſolch ſchrecklich Gerichte in ſich hat.
Die Hiſtoria lautet alſo:
3. Da aber Jacob ſahe / daß Getreyde in Lgypten feil war /
ſprach er zu ſeinen Söhnen / was ſehet ihr euch lange um /
Siebe / ich höre es ſey in Egypten Getreyde feil/ ziehet hinab /
und kauffet uns Getreyde / daß wir leben / und nicht ſterben:
Alſo zogen hinab ro. Brüder Joſephs / daß fie in Egypten
Getreyde Faufften: Aber Benjamin Joſephs Bruder lies
I ⸗
Cap.69. nach Getreyde ſchicket ꝛc.. 681
Jacob nicht mit hinab ziehen I dan erfprach: £s möcht ihm
ein Unfal begegnen. |
4. Diefes ift nun erftlich eine Figur / dag war fich der Menſch
in Görtlichem Zorne in folher Theurung / da ihme Gerechtig⸗
keit mangelt / "be findet / wie Jacob mit feinen Kindern in der
Theurung/ fo fpricht der Batter im Gewiſſen zur Seelen: Was
harreftir fange und ſieheſt dich um ? gehe hinab in die Buffe / da
Gerechtigkeit im Tode Ehriſtt feil iſt / da Chriſtus Gerechtigkeit
fuͤr deine Suͤnde giebet / ſo du dich nur hertzlich zu ihm wendeſt:
Alſo ergibet der Vatter feinen Willen in des Suͤ nders Buſſe
und Umkehren.
$- Aber Benjamin / Joſephs Bruder das iſt / die Menſch⸗
heit Chriſti giebet er ihnen nicht bald mit / er gibet ihme von ehe
ſeine fuͤndliche Brüder / das iſt er gibt ihm von ehe in ſein Ge⸗
wiſſen ſein Schrecken / und verbirget den Troft in feiner Gna⸗
de/ als den rechten Benjamin Fofer 96 Bruder por den Eigen⸗
ſchafften der Suͤnden / und ſchicket die Eigenſchafften der Suͤn⸗
den / als diefe / darinnen die Sünden feynd gewuͤrcket worden /
Bee der Senade / ſolch Getreyde ben Joſeph / als bey Chriſto zu
auffen.
6 Der Souͤnder muß ſelber dran / und mit Ernſt ins Leyden
nd Tod Chriſti eingehen / und feiner Suͤnden vor der Genade
im Kaͤrker Des Zorns GOttes abfterben / und fich in Joſephs /
als in Chriſti Erbarmen auff Genade einwerffen / nicht nur
drauſſen bleibeirf ſtehen und jagen Ben Chriſto iſt Genade feil /
und ſich mit der Genade kitzeln amd troͤſten: Nein / das erquic⸗
ket nicht die arme Seele / dur muſt hinab: im Egypten sieben. zu
deinem beleydigten Bruder / we —* du haſt mit deinen Suͤn⸗
den in dir / in die Grube geworffen-/ und muſt ihme in groſſer
Demuht unter Augen tretten / ob du ihn wol nicht bald wirft
kennen / biß er ſich Dir wird in feiner Erbaͤrmde zu erkennen ge⸗
ben / allda muflıin Chriſti Macht und Herrligkeit / die er in
feiner Aufferſtehung hat erlanget / Getreyde für vie arme Seele
dauffen / daß ſie lebe und nicht ſterbe wie Jacob zu feinen Kin⸗
dern fügte.
7. Und Moyſes ſaget weiter Alſo kamen die Kinder Iſ
raels Getreyde zu kauffen / ſamt andern die mit ihnen sogen]
dan es war im Lande Cangan auch theuer: aber Joſeph war
der Regent im Lande) und verkauffte Getreyde allem Volcke
am ande. Da nun ſeine Bruͤder zu ihme kamen / fielen fie
xor ihm nieder zur Erden auffihr as I und erfahre fie =
15 %
58: Wie Jacob ſeine Soͤhne in Eghptenl. C.6s.
und kannte ſie / und ſtellete ſich fremde gegen ſie / und redete
hHart mit ihnen / und ſprach zu ihnen: Woher komt ihr? Sie
ſprachen / aus dem Lande Cangan / Speiſe zu kauffen; Aber
spicrwol er fie kennete / ſo kannten ſie ihn Doch nicht.
8. Dieſes iſt nun der erſte Stand / wan ſich die arme Seele zu
Chriſto wendet / von ihme Speiſe zu holen / fo fiehet er der Scea
len in ihren Willen / gantz in ihre Eßentz / ob der freye Wille
ſſich gegen ihme habe gerichtet / und fo er nur umgewendet ſtehet /
ſo kennet er ihn / aber er ſchrecket vonehe das Gewiſſen / und
ſtellet ſich fremde und hart gegen der Seelen / wie gegen dem Ca⸗
naneiſchen Weiblein / und verbirget der Seelen feine Genade
biß ſte ihre Buſſe ausfhütter / und vor Chriſto ihr Antlitz beu⸗
get / und alle ihre Schuld bekennet / und ſich gantz zur Gruben
Des Gerichts beuget / und ſich in Gottes Zorn und Straffe einer⸗
giebet/ als dem Sterben ihrer Selbheit.
9. Alsdeñ ſtehet Chriſtus in ſie ein / und faſſet fie zwar mit dem
ernſten Bande Gottes Zorns / aber ſeine Liebe und Genade ver⸗
birget ſich nur darinnen / ſie iſts / welche dem armen Sünder feine
Suͤnde ruͤget / und ſtoͤret / daß er erſchrickt / und ſich vor Gott
fürchtet > wan die Seele ſtehet und zu Bott ruffer / fo ſpricht
Ehrifius im Gewiſſen / Wer biſtu? fiche dich nur an /ob du auch
aneiner wehrt bift/wie allhier Joſeph thate/de er fagte: Aber ſeyd
ar? und ſtellte ſich Hart und fremde.
zo. Und Joſeph gedachte an die Träume) die ihme von ihnen
getraͤmmet hatten / und ſprach zu ihnen: Ihr ſeyd Kundſchaffter /
und ſeyd kommen zu ſehen wo das Land offen iſt; das iſt / Chris
ſtus gedencket an ſeine Barmhertzigkeit / und an ſein bitter Ley⸗
Den und Sterben / amd ſpricht zur Seelen: Du biſt ein Kunde
ſchaffter / und komſt zu mir / und wilſt nur ſehen / wo die Pforte
meiner Genade offen iſt: aber das ſoll dich nicht helffen / du muſt
anderſt dran / du muſt vonehe in die Pforten meines Leydens und
Todes eingehen / anderſt biſtu nur ein Kundſchaffter / und wilſt
ſehen / wo die Pforten meiner Genade offen ſtehet / daß du dieſelbe
moͤchteſt zu einein Deckmantel uͤber dich decken / es muß Ernſt ſeyn
mit dir; dan duwilſt nur mein Verraͤhter ſeyn / und meine Ge⸗
Bade in deinem Munde fuͤhren.
ıx. Und Joſephs Brüder antworteten ihm / und fprachene
Nein mein Herr / Deine Anechte find kommen Speife zıx
aufn) wiralle And eines Mannes Söhne / wir findreda
Uch / und Deine Ancchtefeynd me Rundfchaffter geweſen. Das
kinder Figur ſo viel / ehe ſich dis Eigenſchafften der Bi in
14
Mu
C.69.nach Getreyde ſchicket ꝛc. 683
ihrer Eitelkeit recht erkennen / wenn ihr der Zorn Gottes unter
Augen / alsinihre Eſſentz tritt / fo dendet die Seele / es gefchehe
ihr unrecht / dan fie dencket / fo fte fich des Verdienftes Jeſit Chri⸗
fti tröftet/ undan Chriſtum glaubet / dager Gottes Sohn fey/
und habe für die Sünde bezahlet/fo koͤnne ſie nicht für einen goͤtt⸗
lichen Kundſchaffter und ungerechten Heuchlergetcholten werden/
fie fen jadurch Ehrifti Rechtfertigung gerecht / dieweil fir es glatte
bet / daß es ihr fen zu gute geſchehen.
12. Aber gleich wie Joſeph zu feinen Brüdern prah: Nein;
fonvern ihr ſeyd kommen zu befehen / wo das Sand offen iſt; Alſo
auch ſchuldiget der Geiſt Chriſti der Seelen Eſſentien: dan er
pruͤfet ſie / daß ſie noch nicht zerſchellet ſeynd / und noch eigene
Begierde in ſich haben / und wil nur alsbald zur Genade / als.
zur offenen Pforten greiffen/ welches der Seelen nicht gilt / fie.
mug vonche in Chriſti Leyden und Sterben eintreffen / und von»
ehe daffelbe durch ernſte Buffe und Umkehrung ihres Willens /
anziehen: alsdan mag fie durch die offene Pforten durch Chriſti
Runden und Zod in feiner Aufferſtehung eingehen.
13. Weiter fagten Joſephs Brüder : Wir deine Knechte
find zwoͤlff Bruͤder / eines Mannes Söhneim LandeLanaan/
und der jüngfteift noch bey unferm Vatter / aber der eine iſt
wicht mehr vorhanden. Joſeph ſprach zu ihnen; Das iſts /
Das ich euch gefagt habe! Kundſchaffter ſeyd ihr / Daran wil
ich euch prüfen bey dem Leben Dharsonis: Ihr ſollt nicht
von dannen kommen / es Eommedan euerjüngiter Bruder
ber / ſendet einen unter euch hin / der euren Bruder hole /ihe
ober follt gefangen feyn : Alſo wil ich präffen eure Rede / ob
ihr mit Wahrheit umgehet oder nicht; dan wo nicht / ſo feyd
ihr bey dem Leben Phaͤraonis Rımdfchaffter/ und ließ fie
keyfammen verwahren drey Tagelane.
Die innere theure Figur ttchetalfor
24. Wan fi, alfo die Seele zu Chriftonahet/ und wilals>
Bald feine Aufferfichung anziehen / fo fpricht der Geiſt Chrifti
in die feelifche Eſſentz / das ifts./ das ich euch gefaget habe / deine
Effentien ſeynd Kundfchaffter bey.dem Leben GOttes / Daran wil
ich fie pruͤffen / ob ſie auff redficher Bahn zumir kommen / wo
ſie mir ihren juͤngſten Bruder / als den rechten Joſephs⸗Bruder /
Das iſt / die eingeleibte Lineam des Genaden-bundes in ihrer in
Adams verblichenen Himmliſchen Weſenheit / mit bringen |
As den eingeleibten ig geſchehen / alſo
—*
684 Wie Jacobſeine Soͤhne in Egyptenl. C. 69
daß ſich die ſeeliſche Eſſentz mit ihrem inwendigſten Grunde zu
mir und in mich einwende / ſonſt kommen ſie nur als Heuchler
und Kundſchaffter ver Genaden-Pforten.
15. Das heiſſet recht den juͤngſten Bruder holen: dan dieſel⸗
be eingeleibte Genade in der Berheiffung im Paradeiß geſchehen /
iſt der Seelen juͤngſter Bruder / welchen fie mit der Sünden
verbirget und zudecket / und im Anfange ihrer Buſſe daheimen
laͤſſet beym Leben GOttes.
16. Darum ſaget der Text Moyſis gantz heimlich: Er wolle
fie beym Leben Pharaonis daran pruͤffen / Das heiffet in der Fi—
gur beym Leben GOttes / bey welchem dieſer juͤngſte Sohn da—⸗
hinden blieb) den mug cin Bußfertiger Menſch mit zur Genas
Den Pforten bringen / fonft muß er 3. Tage verfchleffen und ge=
fangen liegen / big er ihn bringet / wie Joſephs Brüder: Das
aft / fonft muͤſſen die 3. Principiaim Menfchen fo lange im Zor⸗
ne GOttes gefangen liegen / und können nicht Göttliche Speife
Zauffen / fie yaben dan diefen ihren jüngften Bruder /das iſt /
Die Pforten mit /Darinne Ehriftus im Menfchen in demfelben
Bilde vonder himmliſchen Welt Weſen / welches in Adam vers
Klich / vom Tod auffltchet / darinnen er fein Wohnhauß ha⸗
ben mag.
17. So wird ein Menſch beym Leben GOttes gepruͤfet wan
er ſich zu GOTT wendet / ob er ſich gantz und gar zu ihm wende /
und dieſen eingeleibten Genaden-Grund mit bringe / darinnen
ſich Chriſtus wil und ſoll offenbahren: wo nicht / fo ſpricht Io»
ſeph / das iſt / Chriſtus zur Seelen Eſſentien: Ihr ſeyd an
GOttes Leben nur Kundſchaffter / und forſchet nur die Recht⸗
fertigung des Menſchen von Leyden und Verdienſt Chriſti / dns
ft / ihr lernet nur die Hiſtori / und nehmet den theuren Bund
GOttes in euren Mund / und heuchelt euch ſelber mit Chriſti
Genugthuung / und bleibet doch nichts ale nur Kundſchaffter der.
Genaden: Aber das ſoll euch nicht gelten und nichts helffen / ob
ähr gleich Chriſti Reich erkundſchafftet / mein Zorn und meine
Gerechtigkeit im Eyfer ſoll euch Doch mit allen 3. Principien
gefangen halten / fo lange ihr den innerſten Grund eures We⸗
ſens nicht mitbringet / das heiffet alle ız. Söhne Jacobs für
‚Zofephjdas ift/ für IEſum ſtellen / und ihme mit Leib und Ser»
ie | von innen und auffen/ aus allen feinen Kräfftenzugufe
ſallen / und fich in ſeine Genadeergeben.
38, Dann es heiſſet nicht die Gerade koͤnnen nehmen / ſondern
fd in dis Genade erſencken / daß ſich ihme die Genade
—J nut.
E.69. nach Getreyde ſchicket ꝛe⸗ 685
dan des Menfchen können nehmen ift verlohren / der eigene
Wille iftvon GOtt abgetrannt / er muß ſich gaͤntzlich in GOtt
erſencken und vom Willen ablaffen / daß ihn GOtt wieder in
feine Genadenimt.
19, O Babel! wie trifft dich das? Dur bift bey dem Schen
GOttes mit deiner Heucheley nur ein Kundſchaffter der Genas
Ben GOttes / du fücheft nur vie Genaden-Prorten / wie dw
möchteft mit eigenem Willen ohnedeinen inwendigen Benjas
min in Chrifti Reich eingehen 5 ja du wilſt ein von auſſen ange⸗
nommenes Genaden⸗-kind ſeyn / dehme feine Suͤnden ſeynd
durch Chriſti Verdienſt vergeben / und bleibeſt doch nur Babel
und Fabel / und wilſt nicht ein Chriſt in Chriſto ſeyn / du wilſt
in Himmel einfahren / aber das gilt dir nicht: Joſeph / das iſt/
Chriſtus haͤlt dich im Zorn GOttes gefangen in Leib und Seele 4
du gebeſt ihm denn Benjamin / als deinen inwendigen Grund /
fo führe der Himmel in dich / und ftehet Ehriftus in dir aus ſei⸗
nem Grabe / das du felber bift / won Tode auff / alsdan hat deine
Kundſchaffterey ein Ende. |
20. O ihr hohen Schulen] und alle die ihr wollet GOttes
Diener ſeyn / und den Weeg GOttes Ichren / und darum zanca
ket / was ſeyd ihr ? Sehet euch Doch in dieſer Figur an: Ans
ders nichts als Kundſchaffter GOttes / ihr forſchet immer / und
lieget doch nur im Gefaͤngnuͤß: GOTT wils alſo nicht mehr
haben: dan er pruͤffet ſelber der Menſchen Gedancken / und iſt
ſelber allen Dingen gegenwaͤrtig / ſein iſt der Verſtand / ſein iſt
das Wiſſen vom Reihe GOttes / ohneihn wiſſet ihr nichts.
21. Eier Kundſchafften und Wiſſen huͤlfft euch nicht ing
Reich GOttes / ihr Eönner nicht darinn einfahren / es fahre dan
in eurem Leben aus /dasift/ es werde dan in euerem Leben offen
bahr / dag ihr GOttes Kinder in Chriſto in feinem Leyden /
Tod und Aufferſtehung in ihme ſelber ſeyd / nicht durch hiſtori⸗
ſchen angenommenen Glaubens-Schein / ſondern effentiali-
ter/ wie die Rebe am Weinſtock: ihr muͤſſet ein Zweig am
Baum ſeyn / ihr muͤſſet Chriſti Leben / Fleiſch und Bluth wuͤrck⸗
lich und weſentlich in dem inwendigem Grunde in euch haben ?
und Chriſtus ſeyn / font feyd ihr alle miteinander nur Kunds
ſchaffter / Forſcher nnd hiſtoriſche Chriften / und nicht beſſer 7
als Juden) Tuͤrcken und Heyden,
22. O ihr einfaͤltigen Menfchen j Taffet euch doch weifen 3
gehet nur vom Thurnder verwirreten Sprachen aus / fo moͤget
Sr bald zu recht kommen / en zur Rechten *
ur? a
686Wie Jacob fein Söhne in Egyptenl C.69
tes incuch / er ſitzet allda / ſchlieſſet nur euren Willen auff / das
iſt: ergebet ihm nur denſelben / er wird ihn wohl auffſchlieſſen /
euer Buſſe muß Ernſt ſeyn / oder ſeyd alle miteinadder nur
Kundſchaffter.
23. Gaffet nicht mehr / es iſt Zeit: Sie iſt wahrhaf⸗
tig gebohren / euer Erloͤſung nahet ſich: Der Bräuti:
gam ruffet ſeiner Braut / ja ins Gefaͤngnuͤß Joſephs
Br ihr in diefer Theurung | fo ihr nicht wollet/
men.
24. Und Moyfes fpricht weiter; Am dritten Tage aber
forach er zu ihnen: Wollerihr leben / fo thut alfo / Denn ich
fürchte GOtt: Seyd ihr redlich / ſo laſſet eurer Brüder eis
nen gefangen Kegen in eurem Befüngnüß / Ihr aber ziehet
bin / und bringet heim / was ihr gefauffer habet für den
Hunger / und breinget euren juͤngſten Bruder zu mir / fo wil
ich euren Worten glauben daß ihr nicht ſterben mäffer.
Und fie thaͤten alfo. |
Die Figur ſtehet alſo:
25. Wan fich die Seele zu GOTT naher / und wil Buſſe
thun / und ift aber ihr inwendiger Grund noch gantz inder Ei—
telkeit verfihloffen / dag das Gemühte noch an der Eigenheit
hanget / fo ie aber nicht wil von der Buſſe ablaffen / und mag
Doch auch der irzdifchen Begierde noch nicht lop werden / und
bleibet im Gebethe / ſo laͤſſet GOtt der Batter der Scelen Effen--
rien / ja aus der Gefüngnüß feines Zorns/ dag dem Gemüthe
wieder wehlwird/ gleicheinem der aus der Gefängnüg ift erle⸗
diget worden / fo fpricht das Gemuͤthe auch / Mirift gar wohl
worden in meinem Gebethe diefer Buffe.
26. Denn GSttes Zorn hatdie Natur aus feinem Gefaͤng⸗
nuͤß gelaffen / daß fie foll mitgroffer Arbeitzu GOtt dringen >
denn inihrer Gefaͤngnuͤß kan ſie nicht; denn ihr iſt bange umd
ſtehet nur ihre begangene Suͤnde / welche ſte immerdar zuruͤcke
treiben / daß ſie ſich vor GOtt fuͤrchtet / und ſchaͤmet: Aber wenn
fie der Zorn loß laͤſſet / ſo krieget fie Krarft zum Gebethe / und
Buſſe⸗-Wuͤrckung. 9
27. Aber ver Zorn GHttes hält fie noch immerdar an einem
Bande /gleichwie Zofeph feinen Bruder gefangen behielt/ biß fie:
ihme den leuten Bruder auch brachten: Alfo muß die arme See⸗
can einem Bande der Gefaͤngnuͤß des Todes bleiben Inn TE
*
8.69. nach Getreyde ſchicket / rtc. 687
ſie den letzten Bruder / als den inwendigſten Grund außſchuͤttet /
und fuͤr GOtt tritt / und ſaget: HErr ich wil umb Chriſti und
meiner Seeligkeit willen alles verlaſſen / und meinen Willen
dir gantz ergeben / wirff mich in Tod oder Leben / in Schande oder
Spott / in Armuth oder Elende / wie du wilſt / fo wil ich an dir
bleiben / ich wil nicht mehr vor dir heucheln / und dir meinen Wil⸗
len nur halb geben / wie ich gethan habe.
28. Alsdañ ſo der Ernſt alſo in die Practica gehet / daß GOtt
erkennet / daß es Ernſt iſt / fo wird auch ver letzte Bruder loß ge⸗
laſſen / das iſt / fo wird auch das legte Band des Zorns GOttes
log; Aber unter diefem / che esalfo gehet / muß die Seele an ei⸗
nem Bande gefangen liegen.
29. Aber nichts deftomweniger fpricht GOtt zu den andern
koßgelaffenen Lebens⸗Geſtaͤltnuͤſſen Nun zichet hin mit dehme/
was ihr jeßo in diefer Buffe bey mir gekauffet oder befommen/
und bringets heim / das ift/ beſudelts nicht wieder / lebet davon /
und genieffet diefer jest gefchenckten Genade / und führets zu
GoOttes Ehren ein / daß es mit der Wuͤrckung vor GOtt komme.
30. Moyſes ſpricht weiter: Sie aber ſprachen unterein⸗
der / das haben wir an unſerm Bruder verſchuldet / daß wir
ſahen Die Angſt feiner Seelen / da er uns flehete / und wir wol⸗
ten ihn nicht erhoͤren / darumb kom̃t nun dieſe Truͤbſal über.
uns. Ruben antwortet ihnen und ſprach: Sagte ichs euch
nieht / da ich ſprach; Verſuͤndiget euch nicht an dem Knaben/
und ihr woltet nicht hoͤren: nun wird ſein Blut gefordert;
Sie wuſten aber nicht daß es Joſeph verſtund: Dam er redete
mit ihnen durch einen Dolmetſcher / und er wandte ſich von
ihken und weinete; da er ſich nun wieder su ihnen wandte /
und mit ihnen redete / nahm er aus ihnen Simeon/ und band-
ihn vorihren Augen.
32. Diefe Figur ift nun der Ernſt der Buſſe / da der Menſch in
ſeiner Buſſe vor GOttes Augen ſtehet / wañ er zu GOtt flehet / de.
ihme ſein Gewiſſen ui die Suͤnde auffwachet / wie alhie den Bruͤ⸗
dern Joſephs / ſo ſpricht er in ſich / das habe ich mit meiinen Suͤnden
verdienet / daß ich habe Chriſtum in mir / und auſſer mir in mei⸗
nen Mitgliedern helffen creutzigen und ihn verſpottet / und fein:
Flehen inmeinenneben-Chriften nicht geachtet / ſondern habe ſie
verhöhnet und zum Verdamnuͤß gerichtet / jet trifft michs nun?
da ich mich wil zu GO T Twenden / und wil Buſſe thun / jetzt
halten mich ſeine Seufftzen und Thraͤnen auff / die ich ihm habe
heraus getrieben zu meiner Wolluſt / Spoͤtterey und Haaren €
i
638 Wie Jacob feine Söhne in&gyptenl.E 69
beet ſtehe ich nun hie /umd der Himmel wird mir im Gewiffen
ifern.
32. Sofprihtdann GOtt im Gewiſſen / haft du es doch wohl
gewuſt / darzu habe ich dir mein Wort laſſen ſagen / du wuſteſtes
wohl / daß du unrecht thaͤteſt / aber dein boͤſer Muthwille muſte
regiren:: Jeizt wilſt du nun Genade haben / und der Teuffel
fpricht : Es iſt umbfonft / die Genade ift weg / der Himmel iſt
zu/ die Hölle offen / Laß nur abe/ duerlangeſt nichts.
33. Aber die groffe Varmhertzigkeit in der Genade Chriſti
im inwendigen Grunde deinget hindurch mit feinem Jammer
und groffer Erbaͤrmbde / wiewohl ſie auff jeko noch ihr Augeficht
der Liebe verbirget / dag fie die Seele nicyt kennet / und machet die
betrübte Seele voll Jammer / Das fie in fic) vor GOtt flehet und
weinet/ und fich aller Boßheit ſchuldig gibt / und hebet in ſolchem
angezündeten Jammer an igre Sünde bitterlich zu beklagen und
zu bereuen / uñ iſt aus ſo voll Schande vor Chriſti Augen / daß Ne
ihr Angeſicht vor GOtt verbirget / und weiß nicht was ſie ſoll für
Jammer anfahen: Dann fie ſiehet in ſich mit Aagen / daß fie
GOttes ſtrenge Gerechtigkeit in ihrem Leben bindet und haͤlt /
wie die Bruͤder Joſephs ſehen muſten / daß ihr Bruder umb ihrer
Saͤnden willen vor ihren Augen gebunden ward.
34. Dann obwehl Chriftusin der Seelen Eſſentz in dem in⸗
wendigen Grunde der cingeleibten Genade raͤge iſt / und jicalfo
zerfchellet / daß fie ihre Suͤnde fichet amd bereuet / noch ftelleter
fich gar frembde gegenter Seelen / und wil ſie mit feinem Liebe⸗
Strahl beruͤhren /wie ich Joſeph frembde ftellete/als verftiinde cr
nicht ihre Sprache/umd redete durch einen Dolmetſcher zu ihnen.
35. Derfelbe Dolmetſcher ifts eben / der die Seele in folche
Reue bringet/fonft Eönte fie nicht : Dañ fie hatin eigener Macht
nichts mehr als nur dieſes / daß fte ihrem ungründlichen übernas
zuͤrlichen Willen gegen Gott/als in das daraus er kom̃en ift/mag
wenden / uñ allda ftille fechen/welches ihr aber ſehr ſchwer iſt / und
doch möglich ; eg fen dann / daß ihr Wille ſich habe gantz von der
eingeleibten Benaden- Pforten abgebrochen / und des Teuffels
Girft ergeben. / dag der Wille des Ungrumdes der Seelen feyin
eine Figur einer falſchen Diftel gegangen / und ſey ganz gifftig /
fo ifts ſchwer / und gelanget zu Feiner Reue /fondern iſt leichtfer⸗
rig und verſtocket / und begehret ſich keirmahl umbzuwenden / es
reuet fie auch keine Boßheit / ſondern erfreuet fich derſelben / alſo⸗
Lunge fie den Leib traͤget / alsdann iſts umb fie geſchehen: Wo
aber noch ein Fuͤncklein Goͤttlicher Begierde iſt / da iſt noch a |
. 30. An⸗
————
E.69: nach Getreypefihidetiie. 689
36. Und Moyſes fpricht weiter: Und Joſeph thaͤt Befehl daß
man ihre Saͤcke mit Getreyde füllese und ihr Geld wiedergäs
be / einem jeglichen In feinen Sack / darzu auch Zehrung auff
den Weeg / und man thaͤt ihnen alſo. Und fie luden ihre Waar
suff ihre £felund sogen von dannen. Da aber einer ſeinen
Sid! auffthaͤt / daß er feinem Zfel Sutter gebein der Herber>
ge / ward er gewahr feines Geldes / das oben im Sade lag /
und fprach zu feinen Brüdern; Mein Geld iſt mir nieder
worden/ fiehe in meinem Sadeiftes : Da entfiel ihnen Das
Herge umd erſchracken untereinander / und ſprachen: War⸗
Und hat uns GOtt das gethan?
37. Dieſes iſt nun die liebreiche Figur / wie GOtt dem bußfer⸗
tigen Suͤnder / wann der in feinem Willen alles uͤbergiebet / und
gedencket an GOtt beftändig zu bleiben / nichts nimmt; er nimmt
fein Geſchencke noch was anders von ihm / er nimmt ihme auch
nicht fein zeitlich Guth / wann er es nur GOtt uͤbergiebet und
die Meinheit verläffer : Alsdenn füllet ihme GOtt feinen
Sack / und giebet ihmedas Geld /daser den Armen und Elenden
giebet in feinem Seegen /alles wieder /und legers ihme oben an
in feine Nahrung / dag der Dienfch fichet / Das es ihme GOtt hat
wieder in feinem wunderlichen Seegen befeberet.
38. Davor fi) ein Menfch offt verwirndert wie es zugehet /
das ihme zeitliche Nahrung auff folche wunderbahrlihe Weiſe
zufaͤllet [da er es doc nicht hat alfo geſuchet / oder etwas Davon
gewuſt / und fich gleich Darüber entfegei / ob ers auch foll anche
men / dencket auch wohl / es geſchehe ihme zur Verſuchung / wie
allhie Joſephs Bruͤder dachten: Joſeph verſuchte ſie alſo / daß
er Urfache zu ihnen haͤtte.
39. Auch iſt dieſes das innerliche Seſchencke Chriſti andeü⸗
tende / daß / wenn der arme Suͤnder fein Hertz vor GOtt aus⸗
ſchuͤttet zur Bezahlung der Genaden / und SOtt gicbet was cr
hat / ſo fuͤllet ihm GOtt mit der Genade Chriſti den Sad ſei⸗
nes Hertzens voll / und giebet ihme noch eine gute Zehrung / als
Verſtand und Weißheit auff den Weeg feiner Pilgram⸗ſtraſſen /
da er ſoll durch dieſes Janmerthal wieder heim in fein Vatter⸗
land reyſen.
40. Aber mit dieſer Reyſe auff dieſer Pilgram⸗ſtraſſen / in⸗
dehme dem Adamiſchen Menſchen ſein Sack gefuͤllet wird mit
himmliſchem Gute / wird dem Reiche des Zorns GOttes / fo wohl
der Irrdigkeit das ihre (daß fir am Menſchen haben) geraubet /
wie in dieſer Figur zu ſehen iſt.
4, Dann
N;
—*
— Zi
u;
890 Wie Jacob fein Söhne in Egyptenl. C. 69
41. Dann als Jacobs Soͤhne heim kamen zu ihrem Vatter /
und ihme ſagten wie es ihnen waͤre ergangen/ und ihre Saͤcke
außſchuͤtteten / und das Geld wieder funden / und wolten auch
Benjamin mitin Egypten haben / fo fprach Jacob: Ihr berau—
bet mich meiner Rinder / Joſeph ift nicht mehr vorhanden /
Simeon iftnicht mehr da / Benjamin wolf ihr hinnehmen :
Es gehet alles über mich,
42. Allhie fechet Jacob ihr Vatter in der Figur der Äuffern
Natur Eigenheit/wie fich die Natur beflaget/ wer ihr ihr Necht/
und was ſie ans Liecht gebohren hat /geraubet wird; und Khet
jagt trefflich fchöne in der Figur/ dann die Auffere- Natur fpricht/
wenn fie die Göttliche Gaben in fich ſtehet / dadurch fie das Recht
ihrer Eigenheit verleuret / ich werde meiner Macht beraubet:
Joſeph / alsder inwendige Grund des Himmelreichs / den ich im
Paradeiß hatte / verift nicht mehr vorhanden / fo wilmir auch
dieſes Geſchencke meinen Gewalt/als meine Kinder / das ift / die
Eigenfchafften meiner Natur nehmen: Es schet alles über mich/
ich muß mich laffen berauben.
435. Kuden aber ſprach zu feinem Vatter: Wenn ich dir
Benjamin nicht wiederbringe / ſo erwuͤrge meine zwey Soͤh⸗
ne; Gib ihn mirin meine Sand [ich wildir ihn wiederbrin⸗
sen. Dasift/ GOtt tröfter die Natur /und fpricht: Gib mir
Deine Geftältnüß / als deine Kinder in meine Hand / Ich wil fie
nur in Egypten zu Joſeph / das ift / zu JEſu führen / und wil ſie
dir wiedergeben / du ſollt nichts verliehren / wo nicht / ſo toͤdte
meine beyde Soͤhne an dir / das iſt / toͤdte das erſte und andere
Principium.
44. Welches auch geſchaͤhe / fo die Natur ihrer Geſtalt be⸗
raubet würde / fo müfte in der Natur des Menfchen GOttes
eich in der Liebe / und auch GOttes Reich inder Feuers⸗macht
auffhoͤren: Alſo gar heimlich ſpielet der Geiſt GOttes in der
Figur der Wiedergebuhrt / welche Erklaͤrung die Bernunfft
wird frembde anſehen / aber wir wiſſen was wir allhier
ſchreiben / den unſern verſtanden.
45. Und Jacob ſprach: Mein Sohn Benjamin ſoll nicht
mit euch hinab ziehen / dem ſein Bruder iſt todt / und er iſt
allein uͤberblieben: Wenn ihn ein Unfall auff dem Weege
begegnete / da ihr auff reyſet / würdet ihr meine graue Haar
mit Hergenleid in die Brube bringen. Das ift : Die Na»
zur ift bloͤde / wenn fie follin Tod Chriſti eingeben / und "
Id:
| €. 70Wie Far. Söhne wegen der Theur.etc. c9 1
ſich fuͤrm ſterben / und wil nirgends dran / fie entſchuldiget ſich
ihres gehabten himm liſchen Joſephs / als des Himmels⸗Bildes/
welches / weil fie das nicht begreiffen mag / fo ſpricht fie / Es iſt
todt; wenn nun diefen meinen Schens-Geftalten auff dieſem
Werge auch Unheil wiederführe / fo müfte ich mit Hertzenleid
zergehen/ und haͤtte mein Leben ein Ende.
Das7o. Capittel.
Wie Jacobs Söhne wegen der Theurung yeieder in
Egyptenland zu Joſeph ziehen nach Getrende | und
DBenjaminmitnehmen/ wie fie Joſeph ließ in fein Haus
führen und von feinem Tiſche Effen fürtragen :
Was darbey zu veritehen it.
Genef. 43.
x. EI Jeſes gantze Capittel prefiguriret uns nun das
gar ſchoͤne Bild / wie erſtlich die Auffere Natur in
EEE ſolchem Procchl Vann ſie ſoll ihren Willen drein
a geben / daß ihre Schens-Efleng in Egypten / das
iſt / in Tod Chriſti foll eingehen / gar blöde und
zaghafft iſt / und doch endlich darein williget / daß alleihre Sehens»
Geſtaͤlte ins Sterben ihrer Selbheit / als in das rechte Egypten
auff Goͤttlich Vertrauen eingehen mögen / dag fie der Wille
GoOttes mit ſich darein führe.
2. Und dann wie ſich die Lebens-Geſtaͤlte vorm Joſeph / das
iſt / vor GOttes Angeſichte fuͤrchten / dieweil fie in ſich das boͤſe Ge⸗
wiſſen fuͤhlen wie Jacobs Söhne ſich vor Joſeph fuͤrchteten dan
fie dachten immerdar / GOtt würde fie umb Jofephs willen ſtraf⸗
fen / dafuͤr ſie erzitterten.
3. Und zum dritten / wie GOtt mit den Geſtaͤlten der feelis
Shen Natur erftlich fo freundlich umbgehe/ und ihnen erftlich
Himmel-Brod von feinem Weſen gebe / und doch noch in fremb⸗
ver Geftalt ; wie Joſeph feine Brüder zu Gafte ladete/ und von
feinem Tifch fpeifete / dag fie affen und runden und frölich wur
den / und ſie hernach in Friede ziehen lich : Und aber alsbafd mit
der ſchrecklichen Berfuchung hernach Fam / indehme er ließ ſei⸗
nen Becher in Benjamins Sad legen / und ihnen nachjagen und
ſie zuruͤckholen / welches alles gewaltig in der Figur des bußfer⸗
tigen Suͤnders ſtehet / wie es mit ihme gehet / biß ſich GOtt ihme
in der Liebe zu erkennen giebet.
4 Moy⸗
692 Wie Zar. Söhne wegender Their E.70.
4 Moyſis Worte folgen alfo : Diefe Theurung aber druͤcke⸗
te das Land /und da es verzehrer war was fie für Getreyde
aus Egypten gebracht hatten / fprach Ihr Vatter au ihnen:
Ziehet wieder hin und Fauffer uns ein ivenig&speife s Da ant⸗
wortete ihme Juda / und jprach: Der Mann band uns das
Hart ein / und ſprach: Ihr ſollt mein Angeſicht nicht ſehen / es
dann euer Bruder mit euch; Iſts nun / daß du unſern
ruder mit uns ſendeſt / fo wollen wir hinab ziehen und dir
zweiten kauffen: Iſts aber dad du ihn nicht fendeit/ fo zie⸗
hen wie wicht hinab / dann der Mann bat gefüger zu uns:
Ihr I mein Angeficht nicht ſehen / euer Bruder fey dann
mit euch.
Dieſe Figur ſtehet alle:
5. Die Seeele des Menſchen ſtehet in drey Principien/ als in
der ewigen Feuers-⸗Natur / und in des ewigen Liechts Feuers⸗
Natur) als in dem Liebe⸗Feuer / welches in Adam verloſch / dar⸗
umb jetzt nun der Streit iſt:: Und zum dritten ſtehet fie im Spi-
ritu Mundi, im Reiche dieſer Welt / als in der Sterbligkeit und
Wiederbringung.
6. So verſtehet uns num recht / wann der innere ſeeliſche
Grund / als die ewige Seele aus des Vatters Eigenſchafft des
Worts GOttes wieder zuruͤcke wendet / und ſich nach ihrem
Perlein / als nach dem andern Prineipio der engliſchen Welt Ei⸗
genſchafft umbſiehet / fo wird fie gewaͤhr / daß es in Adam verloh⸗
ren iſt worden: Daraus entſtehet ihr Jammer und Wirder⸗
kehren / und fo balde fie wiederkehret / fo giebet ihr GOtt feine
Genade wieder ein / aber ihr unerkanut und unverſtanden / und
begehret daß ſich Die innere Feuer-Seele / als Das Centrum der
ewigen Natur / ſoll mit der im Paradeiß eingeſprochenen Ge⸗
nuden⸗ Stimme / welche gantz einverleibet ward / wieder zu GOtt
wenden.
7. In welcher Goͤttlichen Begierde dieſe groſſe Unruhe in
der Seelen entſtehet / daß ſte alſo in die Buſſe gehet / wann fie
ſtehet daß fie hat ihr Vermoͤgen verlohren / fo kan / inag / noch ſoll
fie auch in keinem andern Weege ihr erſtes gehabtes Perlein
wieder erlangen und zu Goͤttlicher Hulde kommen / ſie wende ſich
dann mit ihrer Feuers-Macht gang wieder in den eingeleibten
Genaden-Grund / und ergebe ſich dehme.
8. Und wenn nun dieſes die aͤuſſere ſterbliche Seele / als die
Natur des dritten Principii des Reichs dieſer Welt ſiehet / fo iſt
ſie
E.70. rung wieder zu Joſeph ziehen! ꝛc. 693
fie zaghafft / wie Jacob über feinen Kindern / und dencket immer⸗
dur ſie werden umb Leib und chen /umb Guth und Ehre kom⸗
men / ihre Lebens-Geſtaͤlte werden ihrer Aufferlihen Macht)
welche fie in diefer Welt Haben / beraubet werden.
9. So mag auch) die innere feurifche Seele ihren inmwens
digen Grund/ alsden rechten Benjamin richt erheben / und mit
in Egppten für Joſeph / das ift /in Die ernfte Buſſe für IEſum
bringen. Die auffere Seele vom Spiritu Mundi werde dann das
hin gebracht und gang übertäubet /dag fie auch endlich darein
wiiliget / daß lich die feurifche inwendige groffe Seele ſoll alfo in
allen dreyen Princeipien bewegen/und den inwendigſten Grund /
als Joſephs Bruder / als die eingeleibte Genaden⸗Pforte / ſambt
allen aͤuſſerlichen Eſſentien der aͤuſſern Seelen erheben / und
mit in die Buß-wuͤrckung vor den rechten Joſeph oder IEſum
bringen.
10. Dann der fenrifchen Seelen wird von Jofeph/ das ift /
von JEſu gedraͤuet / daß / wo fie inihrer Zunahung nicht den in=
wendigfien Grund mitbringet / als den Bruder Zofephs oder .
Ehrifti/welcher in feiner Offenbahrung der Tempel Ehriſti wird /
fo ſoll ihr Band an GOttes Zorn nicht log werden / ihr Bruder
Simon follim Gefüngnüg bleiben / big fie auch Iofephs Bru⸗
der/als den inwendigften Grund/ erhebet und mitbringet.
ır. Auch follen ihre Säcke nicht mit himmliſchem Manna
gefüllet werden zu ihrer Speife/ das iſt ihre Glaubens-Begier-
de ſoll leer und yungerig bleiben, und nicht mit Goͤttlicher Kraft -
lan werden / fie bringe dann den rechten Tempel Chrifti/ als
dierechte Saͤcke mit / darein der himmliſche Joſeph feine Speife
einfüllet.
12. Diefes fichet num in diefem Texte in der Figur/ wie es den
alten Adamiſchen Menſchen / als ven alten Jacob dündet gar
ſchwer feyn/ dag er foll alle feine Lebens⸗Kraͤffte mitin Egypten /
das iſt / für Zofeph oder JEſum in die Burfe einführen laſſen /
zumahl weiler fichet/dag er follfeinen Willen brechen/ und dar⸗
umb alles Zeitliche verlaffen / wie der alte Jacob alle feine Kin
der umb diefer Speife willen mufte verlaffen.
13. Es gieng ihme ſchwer ein / und doch drückete ihn die Theu⸗
rung und Hunger / daß er esendlich willigen mufte / daß alle ſei⸗
ne Söhne in Egpgten zogen / und auch fein jüngfter Sohn mit⸗
zog / und er allein war / als einer welcher kein Kind hätte : : Aifo
gang muſte fich die Auffere Natur verlaffen/ das fte in fich ift/ als
hätte fie Erinen Gewalt mehr zu irrdiſchen Dingen / und Ann,
Selb⸗
694 Wie Zac. Soͤhne wegen der The €. 70.
Selbheit der innern Seelen / welche im Zuge GOttes ſtehet / uͤber⸗
geben / daß Die innere Seele den aͤuſſern Seelen-willen mit in
die Umbwendung nimmt / alsdenn bleibet der alte Jacob / das ift/
der alte irrdiſche Adamifche Leib allein in feinem Haufe in Trau⸗
ren / und weig nicht wie es nun ihme gehen werde/ dieweilfein
Geift mug mit in die Umbwendung gehen/ fo dencket der irrdiſche
Lucifer in ihme / alsdie fleifchliche Begierde : Hiermit wirft du
umb zeitliche Ehre und Guth kommen / undder Welt Narı wer⸗
den z Diefes wird nicht zu deiner Luſt dienen.
14. Aber die groffe Theurung/als die Suͤnde / drüdetdasars
me Leben in allen dreyen Principien/ dag fihs muß auffmachen/
und in Egypten / das ift/in die Buffe gehen/und Göttliche Speiſe
ſuchen / und von dem rechten Haufhalter Joſeph oder JEſu bit⸗
ten und begehren / und in ſolcher Bitte und Begierde auff ſein
Angeſicht der groſſen Demuͤthigkeit vor Joſeph oder JEſu fal-
len / und von ihme Speiſe begehren.
xs. Daß aber Jacobs Soͤhne muſten zweymahl in Egypten
nach Getreyde ziehen / und zum erſtenmahl wohl Getreyde em⸗
pfiengen / und aber dadurch in Noth kamen und gepfaͤndet wur=
den / hat im innern dieſe Figur : Wann ſich der Menſch zum
erſtenmaͤhl in die Buſſe wendet / fo ſtehet erſtlich vor ihm die
ſchreckliche Figur feiner Sünden / daun fie wachen ihme auff /
und das Gewiſſen ſtehet in GOttes Zorn.
19. Wie die Brüder Joſephs zum erftenmahl vor Joſeph
ſtunden / da er ſie nur fürKundfihaffter hielt : Alfo auch ſtehet der
Menfch vor EHtt /als cin Kumdfchaffter Böttliher Genaden;
denn er dencket / erwilauff dißmahl in die Buſſe eingehen / dag
ihme jollen die alte Sünden vergeben werden; aber er hat feinen
Willen noch nichtalfo Hart bezwungen, / dag der Wille gedencke
fein lebtag / weil der Leib währet / in folcher angefangenen Buſſe
zu bleiben / fondern er gedencket nur alſo einmahl die Sünde im
Gewiſſen zu filgen / und dic alte Sünde in Bug und Neu zu er⸗
ſaͤuffen.
17. Und es komit auch darzu / daß fein Gewiſſen / ob es gleich
erſtlich geſchreckt wird / endlich befriediget wird / und daß ihme
Goͤttliche Speiſe vom himmliſchen Joſeph in die Saͤcke ſeiner
Begierde gegeben wird / daß ihn der Zorn GHttes laffet hinzie⸗
hen; aber der Zorn GOttes in ſeiner Gerechtigkeit nimmt
ein Pfand vom Gewiſſen und behält dieſes / ob der Menſch an
dieſer eingeladenen Speife wolte bleiben / und daran genug ha⸗
Sen; wo nicht / fo habe er fein erftes Recht in Seel und ei
20
Be
Cao rung wieder zu Joſeph ziehen / ꝛc. 695
18. Wie es uns armen Menſchen dann alſo gehet / daß wir dit
erſte Speiſe / welche uns der himmliſche Joſeph in der Buſſe gie⸗
bet / gar leichtlich wieder verzehren / und wieder in groſſe Hungers⸗
noth und Elende des Gewiſſens kommen und wieder darben
muͤſſen / und eben darumb / daß wir nicht zum erſtenmahl unſern
Benjamin / als den allerinwendigſten Grund mitbringen / daß
unſer Wille nicht gantz gebrochen iſt / daß wir gedencken biß an
unſer Ende in der Buſſe und Goͤttlicher Gelaſſenheit zu bleiben:
Wann daſſelbe in der erſten Buſſe geſchaͤhe / ſo koͤnte GOttes
Gerechtigkeit im Zorne kein Pfand von uns nehmen / ſondern
muͤſte uns gantz frey laſſen.
19. Diefespzfiguriret nun dieſe Figur / daß Jacobs Kinder
muſten zweymahl nach Speiſe in Egypten zu Joſeph ziehen /
amd zum andernmahl ward ihnen erſt Joſeph offenbahr / und
zumprittenmahlnahmen fie Weib und Kind / Haab und Guth /
ſambt ihrem Batter mit : Dasift / wann der Menſch durch die
Sünde) dieerfte Göttliche Speife hatverzehret /dag er muß im
Gewiſſen wieder hungern und Darben / dag ihn das Gewiſſen
drücker und anklaget / wie ein hungeriger Bauch nach Speife
Elaget / fo dencket er wieder an die erfte Buſſe / wie ihme ift Ges
nade wiederfahren.
20. Aber fein inwendigfter Grund / als das Band GOttes
Zorns Flaget ihn an umd verdammet ihn/ dag er die Genade nicht
hat bewahret / es ſchilt ihn für einen meineydigen treulofen Mens
fen / welcher GOttes Genade hat geſchmaͤcket / und wie es ihme
fey aus lauter Barmhersigkeit gefchehen / und hat es umb Flei⸗
ſches⸗Luſt willen alles wieder verderbet und verlohren / ſo ſtehet er
alsdann wie einer der nicht wehrt ſey / daß er den Himmel ſolle
anſchauen / und daß ihn die Erde trage / daß er hat ein ſolches wie⸗
Der umb ſchnoͤde Fleiſches⸗Luſt willen verſchertzet / und dencket wie
er doch mit dem armen Zoͤllner und Suͤnder / und mit dem ver⸗
lohrnen Sohn dem Saͤu⸗hirten wolle wieder umbwenden / und
zu GOttes Huld koumem alsdann iſts erſt ein rechter Ernſt / da
ziehen Jacobs Soͤhne alle miteinander zum andernmahl in E⸗
gypten in die Buſſe / himmliſch Getreyde zu kauffen / fo muß der
alte Adamiſche Jacob / als der Leib / daheime bleiben in Truͤbſal.
21. In dieſem Ernſt wird erſt Benjamin / als der inwendige
Grund mit genommen: Jetzo wird der erſte Willegebrochen /
und gehet nicht mehr in ſolchem Fürfage wie zum erſtenmahl /
und kommen jetzo nicht mehr Kundſchaffter fuͤr Joſeph / ſondern
ernſthaffte hungerige Menſchen / als ein hungeriges Leben / ff
es
696 Wie Zar. Söhne wegen der Theu⸗C.70.
a es aus allen Kräfftennach Goftes Barmhertzigkeit / nad der
Speife Jeſu Chriſti hungert.
22. Allhie gehet nun der Ernſt in Zittern und Furcht an / und
dieſes iſt der rechte Auszug nach himmliſcher Speiſe / da das Ge⸗
wiſſen in Aengſten ſtehet und die Bernunfft an ihrem Vermoͤ⸗
gen verzaget / und dencket: Ach! Gott iſt uͤber mich erzuͤrnet: Wo
ſoll ich Genade ſuchen / ich bin ihrer nicht wehrt / ich habe fie mit
Fuͤſſen getretten / ich muß mich vor Gott ſchaͤmen: In welche
Tieffe ſoll ich gehen da ich mein Antlitz darff vor Gott auffhe⸗
ben / und ihme meine Noht klagen?
23. So komt alsdan das arme Gewiſſen in Noht und Zittern
fuͤr Gott / und hat nicht viel Beichte oder Wort / dan es achtet
ſich zu unwuͤrdig ein Wort vor Gott zu ſprechen / ſondern trit
für fein Angeſichte / und beuget ſich zu Grunde / und erſtncket al⸗
ſo in ſich ſelber in die allerlauterſte und tieffeſte Barmhertzigkeit
Gottes in Chriſti Wunden / Leyden und Todt ein / und hebet
aus ſeinem allerinwendigſten Grunde an zu ſeufftzen und in die
Genade zu flehen / und ſich gaͤntzlich zu ergeben / wie Joſephs
Bruͤder zum andernmahl alſo für Joſeph kamen / und vor ihme
niederfichlen.
24. Undals fie Joſeph alfo fahe / daß ſie alleda waren und als
fo deinuͤhtig vor ihm ſtunden / ſo erbarmte er fich alfo fehr in fich
über fie / daß er auch Fein Wort mochte ſprechen / fondern wandte.
ſich / und weinete. Und dieſes iſt die Stätte/ da der inwendige
in Adam verblichene Grund von der Himmlifchen WeltWeſen /
in welhen GOTT fein Wort der Genaden im Paradeik wieder
ein fprach zu einem Banier und Zichl/ wieder in diefer Erbärm>
de lebendig wird /da Chriſtus warhafftig im Menfchen in dieſem
Grunde gebohren wird/ und jetzo auch alsbald durch fein Leyden
vorm Tode im Menſchen auff ſtehet / und allda zur Rechten feines
Vaͤtters / welche Rechte die feurifche Seele aus des Vatters Eis
genfehafft im Wort der ewigen Natur iſt / figet / und die Seele
in dieſem Grunde vor Gottes Zorn vertritt / und dehn mit Liche
erfüllet.
25. Und allhie hebet ein Chrift an ein Chriſt zu ſeyn / denn er
ifts in CHriſto / und iſt nicht mehr ein Kundſchaffter und Maul⸗
Ehrift/ fonderniminwendigften Grunde; undallhie wird Si-
meon loß / undijt nichts mehr verdamliches an dieſem / der da
alſo in EHrifto JEſuiſt: Obgleich der aͤuſſere Leib in dieſer
Welt iſt / und der Eitelkeit unterworffen / fo fchadet ihme num
nichts mehr / fondern alle Fetzle / die er nun im Fleiſche An
muͤſſen
-&. 70. rung wieder zu Joſeph ziehen / ꝛc. 897
muͤſſen ihme zumbeften dienen : Denn er hebet nun an das Ge⸗
ſchaͤffte des Fleiſches zu tödten/ und den alten Adam immerdar zu
creutzigen / denn ſein gantzes Leben wird nun ein eitel Buſſe /und
Chriſtus in ihme huͤlfft ihme nun Buffe würden / und fuͤhret ihn
nun zu ſeinem herrlichen Mahl / wie Jofeph ſeine Bruͤder / als
ſte wieder zu ihm kamen / da er hieß zurichten / und gab ihnen von
ſeinem Tiſche.
26. Alfo ſpeiſet nun CHriſtus die bekehrte Seele mit feinem
Fleiſch und Blut / undin Diefer Vermaͤhlung iſt die wahrhaffti⸗
ge Hochzeitdes Lammes: Wer allhie iſt ein Saft geweſen /
der verſtehet unſern Sinn / und Fein anderer] fondern al⸗
leſambt ſeynd fie nur Kundſchaffter / ob ſte gleich meynen fie ver⸗
ſtehen es / ſo iſt doch kein rechter Verſtand von dieſem Mahl in
keinem Menſchen / er ſey denn darbey geweſen / und habs ſelber
geſchmecket / denn es iſt der Vernunfft ein gantz unmuͤglich Ding
zu ergreiffen ohne Chriſti Geiſt in ihme ſelber / welcher ſelber die
Speiſe bey dieſem Joſephs-Mahl iſt.
27. Und wird dir Babel in deiner Kundſchaffterey durch J0>
ſephs Mahl gefaget / dag du die Chriſtenheit betreugeſt / in deh⸗
me du fie mit dieſem Mahl zur Aufferfichung der Toden weiſeſt /
du irreſt: Allhie muß ein Ehrift effen das Fleiſch des Menſchen
Sohns / oder er hat kein Leben in ihme: In der Aufferſtehung wird
GOTT ſeyn Alles in Allen. Allhie ſitzet Chriſtus zur Rechten
GOttes im Menfchen/ und vertritt ihn mit feinem Leibe umd mie
finem unſchuldigen vergoffenem Blut / das decket erüber die
Seele / und floͤſſets in fte wenn ſich Gottes Zorn errägen wil/ we⸗
gender Begierde des Fleifhes.
28. D du armer alter Jacob der Eundfhafftenden Chriſten⸗
beit ! laß doch deine hungerige Söhne / welche gar mager für
groſſem Hunger im Gewiffen find 7 zu Sofephzichen / halt fte
Doch nicht mehr in deiner Furcht auff: Was ift doch deine Furcht?
du meyneſt / folldiefer Grund ans Liecht der Welt kommen / ſo
werdeftu deine Söhne verlichren / welche du liebeſt: Wer find
aber deine Söhne ? Esift deine eigene Ehre / indehme du ver=
meyneſt an E.Hrifti ſtatt auff Erden zu figen. Item / es ift dein
Lucifer der fleifchlichen Ehren / du haft Sorge/ dein Anfehen fals
fe / und man würde ein Apoftolifch Leben von dir fordern / und
Dich im Proceß Chriſti fuchen / fogefäller dir bag / daß du in
Sleifhes-Ehren und Welluft / in Kundſchaffterey lebeft/ und
deinen Bausch ehreſt / umd die arme Ehriftenheit unter einem
Sg
Deckel fuͤhreſt.
29. O
=
PO SR Milan * — *
598 Wie Jac. Söhne wegen der Theu⸗ C. 70:
29. O du armer alter Jacob / betruͤbe dich doch nicht alſo um
zeitliche Dinge: Sicht doch / wie es dem alten Jacob ging / als
er ſeine Söhne lieg alle von ſich zu Joſeph zichen/ wie ihn Joſeph
ließ zu ſich Holen 7 und ihme ſambt feinen Kindern fo viel gutes
thaͤte und in der Theurung ernährete / und in ein beffer Sande
einſetzete: Alfo wird dirs auch gehen / fo du wirft deine Söhne
laſſen zu Joſeph ziehen: Wirſt du fie aber. von nun an laͤn⸗
ger aufhalten / fo muſtu ſambt deinen Kindern erhun—⸗
gern / and in Elend verſchmachten / faget der Geift ver
Wunder durch Joſephs Mahl. Er
30.0 Iſrael mercke dieſen Text gar wohlles trifft. dich)
und hat dich ſchon getroffen / ohne daß du in deinem hun⸗
gerigen Elende noch blind biſt / und warteſt des
Schwerds der Turbæ, das ſoll dich auffwecken / fo wilſt
du es haben.
312. Ein jeder dencket / wan num drey Theil der Menſchen
untergingen / ſo wolte ich mit denen übrigen gute Tage haben /
und alsdan wolten wir fromm werden / und ein gerechtes from⸗
cs Leben führen: Item / man gaffet immerdar / wo doch dns
Heyl her kommen werde/ davon man alſo viel ſchreibet: und ſa⸗
get / und dencket / das Heyl werde von auſſen indie Fleiſches⸗Luſt
einfahten / man gaffet immerdar nach einem irrdiſchen Reich
Chriſti. ——
32. O Iſrael / wuͤſteſtu dieſe jetzige Zeit darinnen du
blind lebeſt / du thaͤteſt im Sacke und in der Aſche Buſſe:
du ſieheſt nach dem Signat⸗ſterne / und er iſt ſchon er⸗
ſchienen / er leuchet wer Augen hat der mag ihn fehen /
ift er doch ſo groß als die Welt iſt noch wil man blind
ſeyn. Den unſern genug. **
33. Und als Jacobs Kinder mit ihrem Vatter wegen Benja⸗
minsvielgeredet / und ihme denſelben verhieſſen wieder zu brin⸗
gen / fpracy er zu letzte: Muß es dan ja alſo ſeyn / fo tuhts / und
nehme von des Landes beiten Fruͤchten in eure Saͤcke / und
bringe dem Manne Geſchencke hinab / ein wenig Balſam
und Honig und Würze, und Myrrhen / und Datteln) und
Mandeln] nehmer aucy ander Belt mit euch / und das Belt
das euch oben in euren Saͤcken wieder worden iſt / bringet
sich wieder mit euch / vielleicht iſt ein Irrthum da geſchehen;
derzu nehmet euren Bruder / machet euch auff und kommet
wie⸗
⸗
# —
# €. 70. rung wieder zu Joſeph sichen! ie. 699
gr
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u in
wieder su dem Mann; aber der Allmaͤchtige Gott gebe euch
Barmhertzigkeit vor dem Manne / daß er euch laſſe euren ans
dern Bruder / und Benjamin: Ich aber muß ſeyn wie einer
der ſeiner Kinder gar beraubet iſt.
34. Dieſes iſt nun die Figur / wie oben erklaͤret iſt / und ſe⸗
hen aber noch gar ein ſchoͤnes Bilde darinnen / wie Jacob ſeine
Söhne hie von den koͤſtlichen Früchten des Sandesmit nehimen /
und Joſeph bringen; in welchem der Geiſt in der Figur fuͤrmo⸗
delt / wiedie Epriftliche Kirche / war fie ich in ſolcher Truͤbſal
und Geiſtlichen Hungers⸗noht ſtehet / und fett auffden Weege
der Buſſe iſt / ſoll ſolche gute Früchte mitte bringen vor Battzals
Hoffnung / Glauben und goͤttliche Zuverſicht / nicht wilde Fruͤch⸗
te als Geitz / eigen Luſt und Heucheley / ſondern einen Fuͤrſatz zur
Waͤhrheit / Gerechtigkeit / Keuſchheit / Liebe und Sanfftmuht.
35. Alſo muß der alte Menſch ihme einen Vorſatz nehmen /
daß er in ſolchem Willen wil zu Joſeph wandeln / das iſt / zu
Chriſto: alsdan uͤbergiebet er alle feine Söhne auff dieſer Vil⸗
gram ⸗ſtraſſen / und ſpricht: Nun bin ich aller meiner Söhne be⸗
raubet / ich habe nichts mehr in wolluͤſtiger fleiſchlicher Begierde /
ich Habe von allem mitte in Gottes Willen gegeben.
36. Auch fehen wir in diefer Figur / wie Jacob hieß das Unrech⸗
te Geld / das fichatten in den Saden wiederbragt/imit.nchmen/
und wieder erftatten zalfo muß auch cin Menſch / welcher wil ein
wahrer Chriſt werden und ſeyn / alles Unrecht wieder von ſich
thun; alles was er hat mit Liſt und Unrecht an ſich gezogen / das
ſoll er wieder geben / oder ja den Armen geben.
37. Dan was er den Elenden Nothleydenden giebet / das gie⸗
bet er Joſephs hungerigen Brüdern / und der himmliſche Joſeph
nimts in feinen hungerigen Brüdern und Mit⸗glieder n an / und
giebts ihme vielfaͤltig wieder / wie Joſephs Haußhalter ihnen das
Geltin Saͤcken / das fie hatten zum erſten mahl wieder heim⸗
bracht /wicdergab / und fagte / gehabt euch wohl / eures Vatters
Gott hat euch einen Schag beſcheret.
38. Alles Unrechte muß ein Menſch von ſich tuhn / wil er zur
Hochzeit Jeſu Chriſti eingehen: Es gilt nicht heuchlen und troͤ⸗
ſten; es muß Ernſt ſeyn; Und dieſes iſts chen das die Menſchen
vom Weege Gottes auffhaͤlt / und dag fie auff die Gleißneriſchen
Weege tretten / und ihnen ſelber heucheln / dag ſie ſollen vom
Unrecht und Wucher ablaffen/ und das Falſche wiedergeben; So
haben fie Chriſti Purpermantel über den Schalck gedecket mit
ar Genugtuhung / daß nur der Dieb darunter leben mag.
632 39. 9
700 Wie Jac. Söhne weger der Then C. yo:
39. Odu arme Chriſtenheit / wie hat dich der Antichriſt mit
dieſer Decke betrogen / O fliehe von ihme es iſt Zeit: die Decke huͤlfft
keinem Schalck und Ungerechten / ſo lange er das iſt / ſo iſt er des
Teuffels Knecht.
40. Ein Chriſt iſt eine neue Creatur in ſeines Hertzens Grunde /
ſein Siun ſtehet nur wohl zu thun / nicht zu ſtehlen / ſonſt wäre
Chriſtus ein Dieb im Menſchen. Laß nur den Mantel Chriſti
fallen / und gieb wieder / was du geſtohlen haſt / und gewuchert
mit unrechte / und wirff die alten Hadern alle von deiner See⸗
fen / und tritt nackend und bloß unter das Creutz da Chriſtus an
hanget / und ſihe feine Blutstrieffende Wunden an / und faſſe
ſein Blut in deine hungerige Seele / ſo biſtu geneſen / und wirſt
von aller Noht erloͤſet werden / anderſt huͤlfft dich kein troͤſten der
Genugtuhung: Aller Troſt iſt nur dieſes / daß ſich ein Chriſt troͤ⸗
ſtet / er werde in ſolcher Buſſe in Chriſto Jeſu einen genaͤdigen
Gott erlangen / und das ſoll auch eben fein Troſt ſeyn / daßer
nicht verzage.
41. Die Genugtuhungdamitfich der Ungerechte tröftet / umd
ſpricht: Meine Wercke gelten nichts / Chriftus hats gethan /
ich Fan nichts thun; und bleibet unter ſolchem Troſt in Suͤnden /
das iſt eben des Teuffels Fiſch-hamen / da er mit Chriſti Mantel
ſeine Fiſche faͤnget.
42. Ehrifius hatte nur den Purpur⸗mantel um / da er in ſei⸗
nem Leyden ſtundt; da er aber am Creutz hieng / hatte er ihn nicht
mehr / viel weniger in feiner Aufferſtehung: Alſo ſoll auch ein
Menſch dieſen Mantel alleine umnehmen / wenn er in Chriſti
Leyden und Todt indie Vuſſe eingehet / in der Buſſe iſt er alleine
guͤltig / und ſonſt nirgend nicht / daß ſich die arme Seele darein
wickele / wenn ſie ſich in ihren Suͤnden vor Gottes Angeſichte
ſchaͤmet.
— 43. Alles was anderſt lehret und glaubet / das iſt Trug und
Fabel und Babel: Alle Lehrer / welche anderſt lehren / die ſeynd
nur des Bauchs und des Teuffels Fiſcher-Knechte / und ein Trug
der Welt / vor denen huͤte ſich ein Menſch: Denn welcher ein
Lehrer ſeyn wil / der ſoll auch ein wahrer Chriſt ſeyn / daß er in
Chriſto auch moͤge alſo leben: anderſt iſt er der Dieb und Moͤrder /
der anderswo hinein in den Schaff⸗ſtall ſteiget / von deme Chri⸗
ſtus ſaget.
44. Und Moſes ſpricht weiter; Da nahmen ſie die Geſchenc⸗
keund das Gelt zweyſaltig mit ſich / und Benjamin / und
inachten ſich auff 7 und zogen in Egypten / und tratten für
Joſep h
€. 70. rung wieder zu Joſeph ziehen / ꝛc. 701
Joſeph: da fahe fie Joſeph mit Benjamin / und ſprach zu-
feinem Haushalter/ führe dieſe Maͤnner zu Haufe / und
ſchlachte und richte au / Denn fie ſollen 3 zu Mittag mit mir eſ⸗
fen. Und der Mann thaͤte wie ihm Joſeoh gefager hatte / un®
fuͤhrete die Maͤnner in Joſephs Haus.
45. Diefes iſts nun / Das der Verhaͤler unter dem Mantel
berfür muß / und fen unrecht Gut wiedergeben / und für dag
Angefichte des himmliſchen Joſephs retten / und mit feiner Ich⸗
heit / ohne eigen Können nacket und blog kommen / und den rech⸗
ten Benjamininihmemitbringen/ fo nahet fich Joſeph zuihmer
und ficher ihn an / und befihlet feinem Haushalter / als dem Gei⸗
fe der Kraft / dag er dieſe Menfchen fell in fein Haus führen
als in feine Menſchheit: Allda folldas Lamb Gottes zugerichtet
werden / und fol diefer Menſch oder die Sebens=Eflentien der rech⸗
fen Seelen an Joſephs Zifche mit ihme zu Mittage (das ift Mit⸗
tage /alsim hohen Gnaden⸗Liechte / da das Lichte am Mittag in
der Seelen ſcheinet) mit Zofeph effen / und allhie werden Joſepys
Brüder verföhnet / wenn fiemit Zofeph / dasift mit Ehrifto von’
feiner Speife eſſen.
46. Diefesift das Abendmahl Apocal. 23. Hie thut mand den
Mantel weg / und wird ein Bruder Joſephs / und darff Feines‘
Tröftens mehr] fondern ein Chriſt ſeyn in Chriſto / der mit Chri⸗
ſto feiner Sünden geſtorben / und in ihme lebendig worden / und
in ihme aufferſtanden iſt / und mit ihme lebet / mit ihme an ſeinem
Tiſche iſſet / und nicht mehr ein Knecht der Suͤnden iſt / der ich
abermahl fürchten müffe ; fondern der ein Sohn im Haufe iſt /
dehme das Erbe gehoͤret / vermöge der Schrifft.
47. Und als ſie nun Joſephs Haußhalter hatte in Joſephs
Haus gefuͤhret / fuͤrchteten fie ſich noch / und redeten mit ih⸗
me vor der Thuͤre von dem Gelde | das fie in den Saͤcken
funden hatten : Er aber rröftetefie / undfprach : Ich habe
euer Belt finden / und iſt mir worden: Euer Gott bat euch al»
ſo einen Schatz befcheret in euere Saͤcke: Und er führete Si⸗
meon heraus zu ihnen / und fuͤhrete fie in Joſephs Haus /
und gab ihnen Waſſer daß ſie ihre Fuͤſſe wuſchen / und gab
ihren Eſeln Futter: Sie aber bereiteten das Beichende äu /
biß daß Joſeph Fam auff’den Mittag: denn ſie hatten gehoͤ⸗
ret / daß ſte daſelbſt das Brod eſſen ſolten.
48. Dieſes iſt num die Figur des betruͤbten Menſchen / welcher
nun in Joſephs Haus eingehet / und das Unrechfe /da er hat viel
Unrecht gethan / und nicht wiederzugeben hat / mit feinem Her⸗
633 hen
D u © *
702 Wie Jac. Soͤhne wegen der Theu⸗C. 70.
gen vor Joſephs Haufe in wahrer Beichte und Bekaͤntnuͤß wie⸗
dergiebet / und gerne wolte mit der Hand wiedergeben / ſo er es nur
vermoͤchte: Zu die ſein ſpricht Joſephs Hauſhalter / fürchtet euch
sicht mehr / ich habe cs ſchon in euerer Buſſe empfangen/Chriftus:
hats fire euch in feinem Blute bezahlet und erftattet / fo dag alles
hin iſt / und nichts mehr vorhanden / und ihr in Armuth und E>
lende ſeyd / fo behaltet das wenige / das ihr haber / euer Leben zu
friſten; ob ihr es wohl zu unrecht habet / und in diefer Welt nichts
Eigenes haben ſoltet / ſo hat euch doch GOTT einen Schatz be⸗
ſcheret: Nehmet Waſſer und waſchet eure Fuͤſſe / das iſt: Rei—⸗
niget euerer Haͤnde und Fuͤſſe Wandel / uͤnd thut nicht mehr
uͤbel / und behaltet nicht was unrecht iſt / ſondern nur das weni⸗
ge / das ihr noch zu rechte habet / damit ihr nicht koͤnnet das Uu—
rechte bezahlen.
+9 Richt alfo verftanden / daß er nicht folte von dem feinen }
daser neben dem Bucher zu Mech te hat/ wollen das unrecht wie⸗
der erftatten / wenn er das vermag; Wir reden von dem Armen/
der nichts als nur ein Stuͤcke Brod für fein Sehen noch hat: Fein
Einſchlieff gilt vor Gott / das Gewiſſen muß rein ſeyn worden?
oder du biſt ein Dieb: Denn die Figur ſtehet allhier darbey: da
ter Haushalter ihren Eſeln auch hakte Futter gegeben / das deu—⸗
tet auff den irrdiſchen Leib das ihme CHriſtus wil durch feine
Haushatter laſſen Futter und Speiſe geben.
50. Dieſe Haushalter allhie / ſeynd fromme Leuthe in der
Welt / welche ihn doch ſollen helffen pflegen / daß er lebe / und ob
er gleich waͤre zuvorhin ein falſcher Menſch geweſen / und waͤre
nun von Hertzen fromm worden.
5x. Nicht wie die falſche Welt richtet / welche einen Mangel
auff einen bekehrten Menſchen weiß / den er hat gehabt / und ihn
noch immerdar vor unrecht ſchilt und verdammet / welcher Teuf⸗
feley die Welt voll iſt / daß ſo man einen Menſchen ſiehet / der
umgewand iſt / daß man ihm alle alte Stuͤcke / welche doch ein je⸗
der Menſch in Fleiſch und Blut an ſich hat / fürwirffet / und ihn
darnach richtet / und ſehen nur auff das / was er geweſen iſt / und
nicht auff das / was er nun worden iſt. Allhie ſaget Chriſtus: Rich⸗
tet nicht / ſo werder ihr nicht gerichtet. X
52. Da nun Joſeph zum Haufe eingieng / brachten ſie ih⸗
me zu Hauſe das Geſchencke in ihren Haͤnden / und fielen vor
ihm nieder zu der Erden: Er aber gruͤſſete fie freundlich / und
ſprach: Gehet es eurem Vatter dem Alten wohl / von dem ihr
mir ſagetet / lebet er noch? Sie antworteten: Es gehet Ka
necha
nr
*
€. 70. tung wieder zu Joſeph — ꝛc. 703
Rnechte unſerm Vatter wohl / und lebet noch / und nei igeten
fich / und fielen vor ihm nieder.
53. Diefes iſt num der Stand / da die Seele lauterlich für
Gottes Augen trift/ und hat ihre Geſchencke indas Leyden und
Todt Chriſti eingewickelt / und traͤgets in ihren Händen mit der
Figur der Naͤgel⸗mahl Chriſti vor Gott. Als da iſt: Der Wille
zur Gerechtigkeit / Wahrheit Keuſchheit / Liebe / Sedult / Hoff⸗
nung / Glauben / Sanfftmuth; Dieſes iſt nun im Willen der
Seelen? und dieſes giebet die Seele dem himmliſchen Joſeph /
und fället vor ihme nieder in Demuth.
54. Diefer Joſeph aber gruͤſſet die Seele / das iſt / Er ſpricht
fein Gnaden-Wort in ſie / und redet freundlich im Gewiffen mit
ihr von ihrem alten adamiſchen Jacob ihres Leibes / und ſpricht:
lebet er noch / das iſt / weil er noch lebet / und nicht gar tod iſt / fo
ſoll ihm wol Rath werden; davon wird die Seele erfreuet / und
| frriht; Es gehet deinem Knechte meinem Vatter nach wohl und
lebet noch.
55. Und Joſeph hub ſeine Augen auff / umd ſahe feinen
Bruder Benjamin / feiner Mutter Sohn | und fr ich:
das euer juͤngſter Bruder da ihr mir von fageret/ und fer ni
weite: Gott ſey dir genaͤdig mein Sohn ; und For ch eylet 3
denn ſein Hertz enr brand ihm gegenſeinem Bruder / und ſuch⸗
te wo er weinete / und gieng in ſeine Kammer / — te
daſelbſt 7 und da er ſein Angeſicht gewaſchen hatte / gienger
heraus! und hielt fich feſte / und ſpraͤch: leget Brod uf.
56. Dieſes iſt nun das ſchoͤne Bild 7 wie oben gemeldet / da
Benjamin / das ift / der inwendigfte Grund / darinnen die
Genaden⸗Porte des Paradeifes innen lieget / vor Chriſti Au⸗
gen offenbahr wird / in welchem ſich die groſſe Erbaͤrmde anzuͤn⸗
det ; So ſpricht Gott in Chriſto die lebendige Erbaͤrmde ein].
wie allhie Joſeph in Benjamin] da er ſagte: GOtt ſey dir gnaͤ⸗
Dig mein Sohn. Dieſes Weinen des himmliſchen Joſephs / zuͤn⸗
det dig verblichene Paradeiß⸗Bilde wieder an mit diefer weinen⸗
ven Demuth Chriſti / dag aus Chriſti Weinen in dieſem Bilde
die ewige Freude auffgehet: alsdenn leget Chriſtus Brod auff/
das dieſes Bilde mit ihm eſſe.
57. Und Moyſes ſpricht weiter: Und man trug Joſeph be⸗
ſonders auff / und ihnen auch beſonders / und den Sgyptern
die mit ihm aſſen auch befonders : Denn die Sgypter doͤrf⸗
Fen nicht Brod effen mit den Hebreern / den es iſt ein Greuel
vor ihnen: und man ſatzte fiegegen ihm / den Erſtgebohrnen
NER
z
704 Wie Jar. Söhne wegen der Then. 70°
nach feiner erſten Gebuhrt / und den Juͤngſten nachfeinet
Jugend / deß verwunderten fie ſich untereinander / und man
trug tönen eſſen fir von feinem Tifche: aber dem Benjamin
ward 5. mahl mehr denn den. andern./ und ſie truncken / und
wurden truncken mit ihm.
58. Dieſe Figur iſt nun der allerheimlichſte Grund und hoͤch⸗
ſte Geheimnuͤß zwiſchen Gott und Menſchen: ob es wohl auſ⸗
ſerlich ſcheinet zu ſeyn / als haͤtte ſich Joſeph alſo wollen vor feinen
Bruͤdern verbergen / daß er auch ein Hebreer aus ihrem Her⸗
kommen fey; fo hat doch der Geiſt allhie eine ſolche tieffe Geheim⸗
nuͤß dargeſtellet / daß es keine Vernunfft ſehen mag.
59. Denn Joſeph ſtehet an dieſem Orthe in der Figur Chriſti /
der hat beſondere Speiſe / davon ſte nichts wiſſen / wie beym Ja⸗
cobs⸗Brunnen zu ſehen iſt / da ihn feine Juͤnger zum eſſen mah⸗
neten / da ſagte er / Er haͤtte eine Speiſe / davon fte nichts wuͤ⸗
ſten / daß er thaͤte den Willen deß der ihn geſandt hatte: deñ des
heydniſchen Weibleins Glaube war ſein Speiſe.
60. Chriſtus nach dem ewigen Worte der Gottheit iſſet nicht
vom Weſen des Himmels / wie eine Creatur / ſondern des Men⸗
ſchen Glaube und ernſtes Gebethe / und das Lob Gottes der See⸗
len des Menſchen iſt ſeine Speiſe / welche das ewige Wort / das
Menſch ward / iſſet / als ein beſonders / das keinem Menſchen/
auch ſonſt keiner Creatur gebuͤhret / und das auch nicht eſſen kan /
und in deme er den Glauben und Gebethe / ſamt dem Lobe GOt⸗
tes von unfern&eelen iffet/fo wird der Menſchliche Glaube ſamt
nem Gebete und Lobe Gottes im Worte der Krafft mefentlich/
und iſt nie dem Weſen der himmlischen Seibligfeit E.Hrifti
ein Weſen / alles nur der einige geib CHriſti / ugleich Gott und
Weſen: als Gott} Menſch / und Weſen / gank eines.
61. Diefes Weſen / weldyes mit feiner von unsangenomener
Menfchheit Ein Weſen iſt / darinnen er hat fein Blut vergoffen/
weiche zugleich Göttliche und Menfchliche Weſenheit ift / als
äbernatürlich Fleifch und Blut / und denn auch von der menſch⸗
lichen Ereatur / Fleiſch und Blut / aufgenommen die Irrdigkeit
unſerer Menſchheit / giebet er nur-dem Menfchlichen Glauben
wieder zu effen undzu trinken.
62. Denn der Glaube in feiner Hungers-Begierde iſt der
Mund / der es in lich empfahet und einnimet / in welchem Im-
preffen/ Faffen oder Einnehmen / der Glaube / Chriſti Fleifh und
Blut iſſet und trincket / welches Eſſen und Trincken in das in⸗
wendige Paradeiß- hilde / welches in Adam verblich / ei as
? riſto
C. 70. rung wieder zu Joſeph ziehen ꝛc. 705
E.Hrifto wieder lebendig wird / eingefaſſet und behalten wird:
Alda das menſchliche Paradeiß⸗weſen / und Chrifti Sleif und
Blut gantz ein Wefen ift / und ewig bleibet. Welcher inwendia
ge Menfih nun nicht mehr Adam fondern Ehriſtus heiffer / als
ein Glied am $eibe und Weſen Chrifti/ darinnen der Tempel des
heiligen Beiftes ift / und Gottes heiliges Wort alda innen we=
ſentlich ift/ und ift eine Form der unbildlichen Gottheit) als das
gebildete Wort Gottes / ein Ebenbilde Gottes.
63. Diefes gebildete Wort / oder Ebenbild Gottes / iſt nun
der Weſentliche Glaube und Chriſtus felber im Menfchen / der
im Menfchen bleibet/ der des Menschen geben und Liecht iſt; das:
iſt ver Tempel des H. Geiſtes / der in uns wohnet/ wie S. Pau⸗
lus ſaget: Wiſſet ihr nicht / dag ihr Tempeln Gottes ſeyd / daß
der Geiſt Gottes in euch wohnet. Derſelbe weſentliche Glaube
iſt auch der Rebe am Weinſtock Chriſti / welche Krafft den gan⸗
tzen Menſchen durchdringet wie die Sonne ein Kraut. Nicht
daß ſolche Gewalt bey dem Leben des Menſchen ſtuͤnde / daß er
koͤnte Gottes Weſen in eigener Krafft nehmen / Nein-es wird
ihm aus Genaden gegeben / gleich wie fich die Sonne dem Kraut
aus ihren Willen giebet / das Kraut aber darumb nicht fagen
Fan: Ich bin die Sonne) darumb / daß die Sonne in ihm würdet;
alfo auch fan der Menfch nicht fagen : Ich bin Ehriftus / weil
Ehriftus in ihm wohner und würdet / als in feinem Ebenbilve
oder geformten Worte Gottes.
64. Diefes ift nun eben die Figur / daß man Jofeph beſonders
aufftrug / und ſeinen Brüdern auch befonders / Day noch ein Un⸗
terfcheid fey zwiſchen Chriſto und feinem Effen/ und zwifchen
dem Menfchen/ und feinen Effen / nicht nach der ereatürlichen
Menfchyeit Ehriftivon uns / ift ein Unterfcheid / fondern zwi⸗
fehen dem ungeformbten cwigfprechenden Wort in ihme / Dader
ganze Gott würdlich und gebaͤhrlich innen iſt / nicht eingeſchloſ⸗
fen/ fondern außſprechende in voller AUmacht / nicht creatuͤrlich /
ſondern goͤttlich.
65. In uns Menſchen aber / ſo viel der Menſch in der Habhaff⸗
tigkeit in eigenem Weſen von Bott und Ceriſto in ſich hat / iſt
das Wort geformet und weſentlich / und dieſes geformte weſent⸗
liche Wort iſſet wieder von dem geformten Worte GOZTTes / als
von EHrifti Fleifh und Blut / darinnen doch auch Das unge
formte Wort ſambt der gangen Fülle der Gottheit wohnet .
66. Aber der Menfhlichen Ersatur nicht in eigener Habhaff⸗
tigkeit und Eigenheit / wie in Chrifts Sf ’ fondernalstin Ge⸗
835 Kap
706 Wie Zar. Söhne wegender Theu⸗C.70
faͤſſe und Wohnhaus Gottes / auff Art im Gleichnuͤß wie ein.
Feuer ein Eifen beſitzet / und durchsluͤet daßes gantz feuriſch iſt /
und hat doch das Feuer nicht in eigener Moͤcht / oder Gewalt /
dan ſo das Feuer verliſchet / ſo bleibet das Eiſen ein finſter Eiſen⸗
oder wie die Sonne ein Kraut durchdringet / and fich im Kraute
mit auffzeucht / und weſentlich wird / und doch der Sonnen Geiſt
an eine Krafft im Kraute bleibet undiſt / umd das Corpus des
rauts nicht zur Sonne wird: alfo auch zwifchen GOTE umd
Menfchen zu verftchen ift.
67. Daß aber Mofes faget ; Und man trug den Egyptern auch
befonders auff (denn die Egnpterdurfften nicht Brod effen mie
den Hebreern / hat auch feinegigur/ob es wohl mag an ihme felber
Aufferlic alſo ſeyn geweſen / daß fie nicht haben doͤrffen mit ihnen
eſſen / welches wir in feinem Werth ungetadelt laſſen / ſo wohl auch
alles andere wir laſſen es in einer Geſchichte ſtehen / aber wir
wollen nur den Verſtand deuten / warum es der GeiſtGottes hat
fo genau auffzeichnen laſſen.
68. Wenn wir nun dieſes forſchen wollen / ſo muͤſſen wir be⸗
trachten einen natuͤrlichen adamiſchen Menſchen / was Geſchlechts
oder Namens der ſey / er ſey gleich ein Heyd / Tuͤrcke / oder Maul⸗
and Titul⸗Chriſt / oder Jude / ſie ſeynd allhie alle gleich / keiner
anderſt: Dieſe alle doͤrffen nicht eſſen mit einem rechten Chriſten /
als mit Joſephs Bruͤdern; Warim? Sie haben keinen Mund
zu ſolcher Speiſe / ihr Mund iſt ihnen noch verſchloſſen / und koͤn⸗
nen die Speiſe des Leibes Chriſti nicht genieſſen / fie ſeynd ein
Greuel darfuͤr / und haben wieder einen Eckel dafür / wie man
das ſiehet / daß es den Juden / Tuͤrcken und Heyden eine greuliche
Rede iſt / dag ein Chriſt ſaget: Er fe CHriſti Fleiſch / und
trincke ſein Bluth.
69. Alſo iſts jezund der Titul-Chriftenheit ein Greuel / da die
eine Part die weſentliche Nieſſung des Leibes Ehrifti nicht glau⸗
bit / ſondern wils allein Geiſtlich haben:: Die ander Part wil
den Mund des Adamiſchen ſterblichen Menſchens voll haben /
und mit demſelben faſſen / undijb keine rechte Wiſſenſchafft oder
Berftand in Feiner Partey / und ſitzen ja zu Tiſche / aber wie die:
unwiſſenden Jofiphs- Brüder/ welche Joſcph nicht kañten / da ja
ihr Glaube iſſet / aber ihr Verſtand kennet Joſeph in feinem.
Mahl nicht.
70%. So ſpricht nun die Bernunfft s Weil die Juden / ZTuͤrc⸗
ken / und unwiſſende Heyden keinen Mund zu ſolcher Speiſe
haben / und Chriſtus ſaget: Wer nicht iſſet das Fleiſch des Fe
chem
i - y
C. 70. rung wieder zu Joſeph ziehen / ꝛc. 707
ſchen Sohns / der habe fein Leben in ihm / fo müffen fie alleſamt
verdamt ſeyn ? OIſrael wie blind biſtu allhier / und weiſſeſt ſo
wenig als ſie / oder Joſephs Bruder von Joſeph wuſten.
72. Die Tuͤrcken / Juden und fremde Voͤlcker / welcher Begiet⸗
de uñ Gebeth zudem einigen Gott gehet / haben wohl einen Mund /
aber nicht alſo wie ein rechter Chriſt: Denn wie die Begierde als
der Mund iſt / alſo iſt auch die Speiſe in Munde ſie begehren des
Geiſtes Gottes / alſo iſt auch ihr eſſen / auff Arch wie vor Chriſti
Menſchheit im Batter und Sohn /alsim Wort.
72. Ein wahrer Ehrift aber hat einen eingefleiſchten Mund:
Denn die fechfche Begierde / oder vichnehr der wefentliche Chris
ſtus / als Jungfrau Sophia hat einen Mund des wefentlichen
Worts / jene aber / des unweſentlichen Worts: Sie begehren
" Gottes des Batters Eigenfchafft als des einigen EHffes / und
den empfahen fe auch zaber allhie iſt Die Genade nicht offenbahr.
73. Weil aber der Ratter hat die Menſchen feinem Sohn
Chriſto gegeben wie Chriſtus füget / und hat die Gnade in Chri⸗
ſto offenbahret / und beut ſte alleine in Chriſto an / und daß auſſer
Chriſto Fein Heyliſt: ſo giebet er ihme auch der ernſten anruffen⸗
den Gebethe/ welches Ehriftus von feinem Batter annimmt /
und in ſich faſſet / und iſſet / und er erfuͤllet ihn mir feiner Menſch⸗
heit / Senden Tod / und Blutvergieſſen / und find alfo mit ih⸗
rem Geiſte in Chriſto wefentlich / aber in ihnen / als ihnen ſelber
verborgen
74. Denn fie begehren nicht hinwieder das Fleiſch des Wiens
ſchen Sohns: darumb haben fie in ihrer ©: heit Einen Mund
zu Chriſti Fleiſch und Blut / denn ſte haben keine Begierde dar
zu / aber mit ihrem Geiſt ſind ſte weſentlich in Chriſto: Aber ihre
inwendige in Adam verblichene Paradeiſt ſche Menſchheit dar⸗
innen die eingeleibdte Gnade im Paradeiß innen lieget / bleibet
ihnen verborgen / und ohn ein beweglich Leben.
75. Denn Chriſtus — nicht weſentlich darinnen / wie in
einem wahren Chriſten: Ihr Glaubens-Weſen aber iſt in Chri⸗
ſto verbergen auff den Tag der Wiederbringung deſſen / das ver⸗
lohren iſt in Adam / da ihr Paradeißz-bilde / welches in dieſer Zeit
nicht offenbahr wird / wird ihres Glaubens Weſen in Gottes ge⸗
ſchenckter Genade welhe gehet von cinem auffaile rauf Chriſti
Geiſt anziehen: Dann dieſelbe eingeleibte Genade / als das eiu⸗
geſprochene Wort / ſtehet auch in ihnen / und ſaͤhnet ſich nach Chris
fi Weſenheit.
7. Weilaber ihre We fenheitim Ban auffer diefer Stätte’
&g 6 u;
708 Wie ac. Söhne wegen der Then: E. 70.
in Chrifto ift / da Chriftus in fich ihren Glauben an GOtt cr?
füllet / fo wird auch ihr wefentlicher Glaube in GOtt das einge?
leibte Wort im Paradeiß-bilde / ſamt demfelben in. der Offen
bahrung Zefu Chriſti anziehen / und hiemit auch den gangen
Menfchen.
77. Denn die Schrifftfagetzaus Genaden feyd ihr feelig wor>
den / und daſſelbe nicht aus euch felber / nicht durch euer Wiſſen /
ſondern durch GOttes Erbarmen: Nicht liegets am Wiſſen / dag.
das Wiſſen Chriſtum nehmen koͤnte / ſondern es lieget am Gebeth /
als an der Genade / welche CThriſtum gibt den Unwiſſenden in ih⸗
rem Glauben inGott / ſowohl als denWiſſenden in ihrer Begiera
de / ihnen beyden geſchichts aus Genaden.
78. Denn Adam gieng auß dem einigen GOtt in cine Selb-
heit in die Unwiſſenheit / und fuͤhrete uns alle mit ſich in dieſelbe
Unwiſſenheit / aber die Genade kam wieder auß demſelben eini—
gen GOtt / und beut ſich allen Unwiſſenden an / den Heyden als
den Juden.
79. Bey den Juden aber ſtund das Bild der Gnaden in der
Figur / wie die Genade wolte die Menſchen wieder anuchinen,
Nun aber hatten die unter der Figur / als die Juden nicht mehr
Theil an der Genade / als die jenigen/ bey Denen fid) das Bilde
nicht yatte.offenhahret / den das Fürbilde fahe auff Chriſtum:
Die Juden drungen mit ihrem Glauben und Gebeth durchdas
Sürbilde in die einige Genade/ welche in Gott war/ welche Gott
Adam und feinen Kindern fehendete :.Die Hepdenaber / welche
das Geſetze nicht hatten / und glaubeten aber ohne Beſchneidung
in die einige verheiffene Genade Gottes / die drungen ohne Fürs
. bilde indie Gnadc ein.
80. Denndas Können ward einem Volck als dem andern ge⸗
geben / fein Bold konte auß ihm ſelber / ſendern die Genade nahm
den Willen fur das Koͤnnen / und gab ihnen gleiches Vermoͤgen /
den Juͤden als den glaͤubigen Heyden: Aber der Unglaube und
nicht⸗ wollen war beydes bey den Juden und Heyden ihr Berdam⸗
un / daß Nie ihren Willen in der Selbheit und Verſtockung be⸗
—— und hureten andern Goͤtzen nach: Alſo war nicht die
eſchneidung und die Opffer der Juden Seeligkeit / ſondern die
Genade / welche ſich mit ſolcher Figur auff die MenſchheitChriſti
dar ſtellete / da die Genade wolie die Figur erfüllen ; die kuͤnfftige
Erfüllung war ihre Seeligkeit.
81. Alſo auch anjetzo / die Chriſten haben die Figur der Gena⸗
den unter dem Evangelio jn der Erfüllung: Nicht in —
Fa»
C.70. rung wieder zu Joſeph ziehen / ꝛe. 709
Vermoͤgen koͤnnen fie die. Erfüllung nehmen / ſondern die Gena⸗
Den-erfullung beut ſich ihnen an; ſo ſie ſich wollen darein erge⸗
ben / ſo wird ihnen der Mund in die Genade gegeben.
82. Die andern aber fuͤhren ihren Willen gegen der Genade
Gottes / welches eben auch der Chriſten Genade iſt und nichts
mehr / aber vie wefentliche Genade im Bildeder Erfitllung ken⸗
nen fienichts Aber Die Genade nimt ihren Willen mit der Bes
gierde in ſich / und giebet der Begierde Inder Genade einen Mund] '
welcher der Creatur verborgen iſt / auf den Tag der Offenbahrung
Jeſu Chriſti.
83. Darumb iſt zwiſchen ihnen kein anderer Unterſcheid / als die
weſentliche Bewegung im Paradeiß⸗bilde / da das Paradeiß⸗
Bilde noch nicht hat Eyriftum im Weſen angezogen / wie bey den
wahren Chriſten / und doch ihr Slaube in der Genade Gottes im:
Chriſto weſentlich iſt / aber nicht in des Menſchen Eigentuhm /
ſondern in GOtt / der alle 8 Ding erfüllet / und durch alles iſt und
wohnet: Alſo iſt den glaubigen Juden und Tuͤrcken die weſentli⸗
liche Genade nahe und in ihnen / aber ihrer Creatue nach uner⸗
riffen.
R 84. Siehaben Chriſtum in ſich / aber fie ergreifen ihn nicht]
ihr Wille gehe dan in Die wefentliche Genade Chriſtiein / alsdau
fo offenbahret ih Chriſtus in ihrer Creatur / wie auch In denChris-
ſten; aber den glaͤubigen Juͤden und andern Voͤlckern iſt die Ge⸗
nade inChriſto beygeleget / dan fe ſchwebet durch ſie / und ihr Wil⸗
le zu Gott iſt darinnen / und wandelt darinnen.
85. Ein Titul-⸗Chriſt ohne goͤttlichen Willen iſt weiter das
von / als ein glaͤubiger Jude / Tuͤrck und Heyde / und wer der ſey /
welcher fein Vertrauen in GOtt ſetzet / und SOtt feinen Willen
uͤbergibet; dieſer iſt viel naͤher / und wird den Titul⸗Chriſt vers
dammen / darum daß er ſich des Wiſſens ruͤhmet und der Genas
de troͤſtet / und bleibet aber nur in ſeinem boͤſen Willen auſſer der
Genade / und wil ſeinen Schalck in Gottes Genade verſetzen.
86. So ſprichſt du: Die fremde Voͤlcker find nicht auff Chri⸗
ſtum getauffet / fo ſind ſite auch nicht Kinder der Henade des Buns
dis. Relp. Wo die Beſchneidung ift die Seeligkeit allein gewe⸗
ſen / ſo ifts auch die Tauffe / dan einesift wie das ander ;aberG Ott
fordert einen Juden / der iuwendig im Hertzen beſchnitten waͤre.
Die Beſchneidung war nur das Bilde / wie Chriſtus wolte die
Suͤnde abſchneiden (welche Chriſtus erfuͤllet hat: Alſo auch tau⸗
chet der Geriſt Chriſti mi dieſen Bunde in das Paradeiß-Bilde
indie cingele ihte Benade/ und zůndet cin Moder anm
63.7: 87, Er
710 Wie Jar. Söhne wegen der Theur. C.70. |
87. Er fordert aber einen Glaubens-Ens, der des Eintaus
chens fühig ift/ welcher Font von den Eltern / und durch das ernſte
Gebete derer /die mit den Wercke umbgehen / anderſt wird der
Bund verachtet / und iſt keine Beſchneidung des Hertzens und
Geiſtes: Dann die Gewalt damit der Heil, Geift tauffet / ſte⸗
het nicht bey Menſchen / ſondern in GOtt. Wer feinen Bund
verachtet / und nicht mit Ernſt mit befihnittenem Hertzen treibet/
den tauffet er in feinem Zorn / wie SE. Paulus vom Abendmahl
Chriſti ſaget dag es der Goftlofe zum Gerichtfeempfahe.
88. Nicht hat ein goftlofer Prieſter den Gewalt mit dem Heil
Geiſt zu tauffen / er hat nur das Waſſer / und iſt des Ambts felber
unfähig 5. aber der Ens des Kindes und der glaͤubigen Eltern /
und derer /fo da fordern das Werck / ihr Ernſt und Gebeth reis
chen den Bund init ihrer Glaubens- Begierde dem Täuffline
e var.
e 89. Der gottloſe Driefter aber ift nichts mehr nüß darbey /
als der Zauffftein der das Waſſer hält ; alfo führer er nur das
Maffer nd die Ceremonien / welches cin Tuͤrck thun Eönte ohne
Glauben.
90. Ein Frembder aber fo die Tauffe nicht hat und davon
wicht weig/ wird in ſeinem Glauben im Hertzen beſchnitten / und
der Heil. Beift tauchetin feine Glaubens- Begierde/ und tauffet
ihn auff die Offenbayrung JEſu Ehrifti/ du fein Glaube fell.
auch den weicntlichen Bundin der Genade anzichen, —
9%. O Babel] wie blind biſt du! wie haben ſich deine
Ordens-leute an Ehrifti Statt geſetzet. Aber fie dienen
nicht alle Ehrifto) fondern ihnen felber / zu ihren fleiſch—
lichen Ehren. DO Babel kehre umb / die Thür ist offen /
du wirſt ſonſt außgeſpeyet: Die Zeit iſt gebohren / over
du wirſt instiecht geſtellet und probiret werden / ſo ſteheſt
du in Schande vor allen Voͤlckern.
92. Mehr hat der Geiſt GOttes in dieſem Texte noch cine
gewaltige Figur / indehme Jofeph-Lieh feine Brüder gegen ihme
nach der Ordnung ihrer Gebuhrt fegen /und lieg feinem Bruder
Benjamin fuͤnffmahl mehr auftragen als den andern. Dieſes
pizfigurirct uns erſtlich den Unterſcheid im Reiche Ehrifti / wie
. fieinder Wiedergebuhrt ungleich ſeyn würden/wie St. Paulus
Davon faget / ſie werden einander mif Klarheit übertreffen wie
Sonne) Mond und Sternen.
93. Denn allda wird nicht gelten ein geweſener König/ Sn
Her
—
E. 71. Wie Joſeph ließ feinen Bruͤdernc. 7178
Herr) Edeler oder Gelehrter/fondern welcher die groͤſſeſte Krafft
in ſich hat / welcher Die Genade m Namen ISſu amlauterlich-
ſten in feinem Ringen der Buſſe wird erreichet haben / der wird
der groͤſſe ſte allda ſeyn: Denn dieſe Ordnung deutet uns nur an⸗
wie ſie in Goͤttlicher Hochheit werden ungleich ſeyn / als in der
Krafft / wie die Engel in Krafft und Schoͤnheit einander übers
treffen.
Daß aber Benjamin fuͤnffmahl mehr Eſſen fuͤrgetragen
ward/ deutet in der Figur auff den innern Menſchen / denn Benz
jamin ſtehet in derſelben Figur / weil er Joſephs Bruder iſt / und
Jo ſeph allhier in der Figur Chriſti ſtehet; fo gebuͤhret demſelben
innern Menſchen von ſeines Bruders Chriſti Speiſen / aus fti>
nen fuͤnff Wunden zu eſſen / das iſt / die theure Figur allhie an⸗
deutend / wer das ſehen mag.
95. Daßaber der Geiſt ſaget: Sie truncken und wurden alle
truncken / deutet an / daß im Reiche Chriſti eine allgemeine
Nieſſung und Freude iſt / und in demſelben Fein Unterſcheid iſt /
Das ſie ſich im ſolchem Unterſcheide werden allein Einem GOtt
erfreuen: Denn ihre Trunckenheit deutet allhie die ewige Sreu-
de an / da wir in ſolcher Krafft gleich wie truncken ſeyn werden
fo wird der innere Menſch aus der ſuͤſſen Genade / welche in
Chriſti fuͤnff Wunden iſt offenbahr worden / trincken und eſſen }
und ſich der feuriſchen Seelen hiemit einergeben / welche in ihrer
Feuers⸗ Elſentz wird in dieſer Suͤſſigkeit den Triumph der Goͤtt⸗
lichen Frendenr:ich exwecken / und hiermit die edle Braut ihren
Braͤutigam / als die Seele / hertzen wird.
Das 71. Capittel.
Wie Joſeph ließ feinen Vruͤdern ihre Saͤcke füllen!
und das Geld oben in. ihre Saͤcke einlegen | ſowohl
auch feinen Becher in Benjfamins Sad | und ließ:
ihnen nachjagen / und fie Diebitallg ziehe:
Was darbey zu verſtehen.
Genel 44. Fr y
Oyſes fpricht : Und Tofeph befahl feinem Hauſ⸗
¶ halter / und Sprach : Gülle den Mennern ihre:
“a Side mit Speiferfo viel fie führen moͤgen / und
Ikge jeglichem fein Geld oben in feinen Sack /
und meinen flbern Becher lege oben in des:
jüngjten Sand mit dem Gelde vor des Getreide; Der u ne
altre
T.
„12 Wie Zofeph ließ feinen Bruͤdern C.71
yilter thaͤte alfo wie ihm Joſeph gefager hatte. Des Mor:
ns da es Hecht war; lieſſen fie die Männer ziehen mit ihren
Eſden / da ſte aber zur Stadt hinaus waren / und nicht ferne
kommen / ſprach Jofeph zu feinem Hauſhalter: Buff / und
jage den Wänmern nach] und wenn du fie ergreiffeft/ fo fprich
zZu ihnen:: Warumb habt ihr Gutes mit Boͤſem vergolten
iſts nicht das / da mein Herr aus trincket / und damit er weiß⸗
ſaget / Ihr habet uͤbel gethan: Und als er ſie ergriff / redete er
mit ihnen ſolche Worte.
2. In dieſer Figur ſtehet nun ein Chriſt / wenn er das in rech⸗
ten Ernſt worden iſt / im Bilde in der Proba auffChriſti Pilgram⸗
ſtraſſe / in dieſer Welt / wie ihn GOtt nun uͤbet und laͤutert / denn
dieſes iſt der Proceß auff Chriſti Pilgram⸗ſtraſſe / wie ſich GOtt
und auch die Welt gegen der creatuͤrlichen Vernunfft des Men⸗
ſchen ſtellet: Denn in dieſem Bilde ſehen wir / wie GOtt den
bußfertigen Menſchen / wenn ihme das recht Ernſt wird / feine
Säcke / als das Gemuͤthe und das Gewiſſen in des Lebens Ei⸗
genſchafft mit ſeiner Genade fuͤllet / und leget ihm den Kelch des
Heyls / als den rechten ſilbern Becher / als den Kelch Chriſti / dar⸗
aus er in ſeinem Leyden tranck / oben in die Saͤcke der eingefuͤlle⸗
ten Genaden / daraus ein Chriſt auch trincken muß / und Chriſto
in ſeiner Schmach nachfolgen.
3. Denn der Becher Joſephs / daraus er tranck / dadurch er
weiſſagete / iſt in dieſer Figur nichts anders / als der Becher
Chriſti ſeines Teſtaments vor ſeinem Leyden / aus welchem er
mit ſeinen Juͤngern tranck / und dadurch von ſeinem ewigen
Reich weiſſagete / daß / wer aus dieſem Kelche wuͤrde trincken / der
wuͤrde mit ihme auff das ewige Leben weiſſagen.
4. Aber dieſe Figur deutet den groſſen Ernſt an / wie dieſer
Becher werde GOttes Kindern eingeſchencket werden / was der
Wein ſey / den ſte daraus trincken muͤſſen: Denn erſtlich ſchicket
Zoſeph feinen Hauſhalter hernach / und läſſet ihnen fagen /ſie
haͤtten ihme den Becher geſtehlen / und ſtellet ſich hart gegen fie /
und da fie Doc) unſchuldig waren; Alſo auch wenn einemChriſten
ſeine Saͤcke mit dieſer Speiſe gefuͤllet werden / ſo wird ihme
Chriſti Becher darzu geleget: Dieſen nun ficht der Grim GOt⸗
tes in der menſchlichen Natur nach feiner Seelen und nach dem
ſterblichen Leibe an / und fpricht zum Gewiſſen: Du haſt diefen
Becher nicht aus Natur: Nccht zu rechte / du haft ihn aus GOt⸗
tes Haus/ Genade und Krafft geftohlen/das Himmelreich leydet
hierinnen Gewalt / und du haft Gewalt gethan / und dieſen get
her:
»
€ 71. ihre Säcke füllen I2c. 713
cher zu Dir im Deinen Sad gezogen / du haft die Genade nicht
zu Natur-Recht / dur wilft mit diefem Becher in Friede auff die⸗
jer Straffen hinwandern..
5. Aber nein/ es gilt dir nicht / wilft du Chriſti Genade in dir
mitnehmen / fo muft du auch fein enden / Sterben / Spott und
Berfolgung und Elend auff dich nehmen/ und Dich immerdar laf>
fen in der Welt für einen falſchen Menfchen fchelten / und vor
der Pharifzifchen Heucheley lajfen für einen Schalt achten /
welcher ihnen habe ihren Becher geſtohlen / uñ in ſeine Gewalt ges
unommen / in dehme er nicht wil mehr vor die groſſe Babyloniſche
Hure / welche einen Becher voll Heucheley und Laͤſterung hat
eingeſchencket / niederknien / und aus ihrem Becher ſauffen; ſo
ſchilt ſie ihn fuͤr einen Schalck / der ihr habe den Becher und Ge⸗
walt geſtohlen / und rennet ihme nach / und wil ihn morden / ver⸗
dammet ihn zum zeitlichen und ewigen Tode / und ſchilt ihn ohne
unterlag für einen Treuloſen / welcher den Becher geſtohlen hat.
6. Das iſt / wenn ein wahrer Chriſt den Becher Chriſti er⸗
reichet / und daraus trincket / o kommt der Zorn GOttes in der
fleiſchlichen boͤſen Natur / ſo wohl der Teuffel / und die boͤſe Welt /
und ſetzen ihme auffallen Seiten zu / daß er dieſen Becher in ihrer
Wohnung hat) und wider fie weiſſaget / daß ſie den Becher der
Hurerey und des Greuels in ſich haben / daß er das offenbahret /
und nicht wil mit ihnen aus ihrem Becher der Heucheley und
Laͤſterung ſauffen.
7. Da muß alsdenn ein Chriſt feinen Sad der Genaden-
BHttes niederlegen für ihre Fuͤſſe / und fich laffen in ihre Schaͤn⸗
dung und Schmähung binden und fangen / da nimmt man ihme
offt Leib und Leben / Ehre und Guth / und fteller ihn mit feinem
Becher für ihr Urtheil ; allda mug ein Chrift aus feinem Becher
Chriſti Spott / Creutz / Leyden und Zod trincken / und Chriſto
mitdiefem Becher nachfelgen./ und nicht alfo mit ven gefuͤlleten
Saͤcken der Genaden Ehrifti in Frieden durch dieſe Welt heim
in fein ewig Vatterland ziehen: Er muß Chriſti Bild aͤhnlich
werden / und ihme in ſeinem Weege / dehn er in dieſer Welt hat
gewandelt / nachfolgen: Dieſes iſt in dieſer Figur gewaltig præ—
Aguriret,
* Deñ Joſephs Brüder ſtunden jetzo in der Figur eines bes
kehrten Chriſten / dehme GOtt hat Chriſtum angezogen / und
den Creutz⸗ becher mit der Genade mit eingeleget / und darzu oben
in Sad / anzudeuten / daß / fo die Genade Eprifti/ welche einem
Chriſten geſchencket wird / ſoll würden / und Frucht a fi ſo
g*! Isa
e ”
W
7 14 Wie Joſeph ließ feinen Brüdern C.71.
geſchichet es nicht in friedlichen Stillftande / da cin Menſch in
guter Ruhe / in guten Ehren-Tagen ſtzzet / ſendern imStreit umb
dieſen Becher / denn er lieget oben im Saͤcke der Genaͤden / und
muß allezeit der Streit umb den Becher vorher gehen.
9. Denn Chriſtus ſaget / des Menſchen Sohn iſt nicht kom⸗
men daß er Friede auff Erden anrichte / ſondern Streit und
Verfolgung / day eines wider das ander ſey / und das verfolge.
Item , Er habe cin Feuer angezuͤndet und wolte dag es brenne.
Eben dieſes iſts / daß den wahren Chriſten allezeit muß wider⸗
ſprochen werden / auch ihre eigene Hauſgenoſſen im Fleiſch und
Blut muͤſſen ihre Feinde ſeyn / auff daß der geſaͤete Perlen⸗
baum beweget werde / und Frucht wuͤrcke.
10, Gleich wie ein irrdiſcher Baum muß in Hitze / Kälte und
Wind / ingroffen Anſtoͤſſen /in Widerwaͤrtigkeit ſtehen / das
durch der Safft aus der Erden in Baum gezogen wird / daß er
bluͤhet und Frucht trägst: Alſo muß auch die arme Seele in
ſolchen Anſtoͤſſen und Widerwaͤrtigkeiten / in Spott und Elende /
die Krafſt aus der geſchenckten und dargebottenen Genade / als
aus dem Acker und Worte GOttes in ſich ziehen mit ernſtem
Betten und Wuͤrcken / und dadurch Fruͤchte des Glaubens ge⸗
baͤhren / als gute Lehr und Wandel.
11. Denn dadurch ſpeiſet die Seele den Geiſt Chriſti 7 umd
Chriſtus ſpeiſet hinwieder die Seele aus dem Sacke der weſent⸗
lichen Genade / als mit ſeinem Fleiſche der weſentlichen Weißheit
GOttes / und giebet ſich alſo eines dem andern ein Fl einer im⸗
mer ſtaͤtswaͤhrenden Wuͤrckung.
12. Und ſehen hierbey / wieder Gottloſe auch GOtt in feiner
Genaͤden⸗wuͤrckung dienen muß / denn er iſt ſein Sturm⸗wind;
und fein Fluchen und Laͤſterung über GOttes Kinder / iſt die
His und Kaͤlte damit GOtt fein Perlen-baͤumlein in feinen
Kindern beweget / daß es nach himmliſchen Sufft hungert / und
den in ſich zeucht / und wächfet und dieſes iſt das Chriftus fagte:
Er wäre kommen auff Erden Streit anzurichten: Dann Chri⸗—
ſti Reich iſt ein Streit wider Hoͤlle und Teuffel / Chriſtus ſtrei⸗
tet ohn Unterlaß in feinen Kindern und Gliedern / mit dem Sa⸗
tan umb das Reich.
13. Dann im Berta Menfchen lieget noch der Schlangen
‚Grund /als eine Wohnung des Satans /darinnen Der Satan
dem Reiche Chriſti widerftehet : Alfo widerſtehet auch hinwie⸗
der das Reich Ehrifti inder Genade mit dem Becher dem Reiche
des Satans / und wehret dieſer Streit immerdar / weil der irr⸗
diſche Leib waͤhret. 14. Dann
——
Er. ihre Saͤcke füllen / ꝛe. 75
14. Dann alſo würdet GOttes Zorn in der Liebe / auff daß
die Kebe / als das ewige Eine und Gut ſchiedlich/ empfindlich /
und findlich werde / dann im Streit und Widerwillen wird ihme
der Ungrund / als das ewige Eine / welches auſſer der Natur und
Creatur iſt / offenbahr.
15. Und hat ſich GOtt mit feinem heiligen Worte der Kraͤff⸗
ten darumb in Natur und Creatur / darzu in Pein und Quaal /
in Liecht und Finſternuͤß eingefuͤhret / auff daß die ewige Krafft
feines Worts in der Weißheit mit ſeinem außgeſprochenen Wor⸗
te ſchiedlich und emp findlich werde / dag eine Wiſſenſchafft ſey.
16. Daun auſſer dieſemn wäre die Wiſſenſchafft des ewigen
Einen nicht offentahr/ und waͤre auch feine Freude; und ob fie
waͤre / ſo wire fiei ihr Doch felber nicht offenk ahr: Alſo offenbahret
fie ſich durch Einfuͤhrung in Natur durch die Schiedligkeit des
Sprechens / da ſich das Sprechen in&igenfchafften einführet/und
Die Eigenfeh afften in Widerwillen / fo wird durch die Widerwil⸗
fen das ewige Gut / welches ich im Wort des Spreche us mit in
Schiedligkeit fuͤhret / ſchiedlich / creatuͤrlich / und bildlich.
17. Sonſt wann das Boͤſei im Widerwillen fein nuͤtz wäre /
fo würdecs SH als das ewige KRISE Gut / nicht zulden ſon⸗
dern zunicht machen: Aber alſo dienet es zur Offenbahrung der
KHerzligeeit @Httes und zur Freu ih / und if cin Werck⸗
zeug GOttes / Damit er fein Gutes bNich inachet] auff daß das
Buteerfannt werde: Dann / ſo Erin Boͤſes wäre / ſo wirde das
Gute nicht erfannt.
18.. Wann kein Zorn⸗Feuer wäre/ fo möchte auch Fein Liecht⸗
feuer ſeyn / und wäre ihr die ewige Siehe verborgen / dann es wäre
nichts Das da fönte gelicher werden : Alfo hat diefiche GOttes
eine Urſach zu lieben / dann fie liebet die Verlaſſenheit / als die
Schwachheit / auff Das lic auch groß werde.
19. Daum BHttes Siebe kommt alleinden Schwachen De>
müthigen und Berlaffenen zu huͤlffe und wicht dehme / was in
Feuers⸗Macht faͤhret: Nicht ver Macht der Eigenheit/fondern
der Unmacht und Verlaſſenheit; was niedrig / unachtſahm / de⸗
muͤthig und verlaſſen iſt / in dehme wuͤrcket dee Liebe und wehnet
darinnen.
20. Dann die Liebe iſt in ihrer ſelbſt-Eigenſchafft anders
nichts / als die Göttliche Demuth aus dem Grunde des SL
Die Siche ſuchet noch begehret nichts als nur das Eine / dann
iſt ſelber das Eine / als das ewige Nichts / und doch durch Alles
und in Alemlaher der Selbheit eigenes wollens iſt ſie re
Aka
16 Wie Joſeph ließ feinen Brüdern C.71.
21. Darumb iſt vor GOttes Liebe alles thoͤricht und boͤß ge⸗
achtet / was in eigenem Vermoͤgen ſelber wil / ob es wohl nuͤtzlich
iſt / dadurch ſich das Nichts-wollen offenbahret / ſo iſt es aber doch
vor dem Nicht-wollen nur eine Phantaſey / als ein Spiel eines
ſelbſt-Treibens / und ſich ſelber-quaͤlens.
22. Dan was nichts wil / als nur das daraus cs iſt gegangen /
das hat in ſich ſelber keine Quaal: dann es iſt ihme ſelber nichts /
ſondern iſt nur demfelben / daraus es iſt kommen; es ſtehet dem
Macher da / der eshafgemachet / er mages laſſen ein Ichts oder
ein Nichts fen : Alſo iſt es mit dem ewigen Einen ein Ding:
Dannes quaͤlet fich nicht/ es liebet fich nicht / 65 fuͤhlet fich nicht
in eigenem Willen: dann cs hat keinen eigenen Willen / ſondern
4a Gangen ergebe,
.Wie wir ſehen / daß Die vier Elementa in fich felber in
folgen Willen fechen / ihrer ſeynd vier und doch nur eines :
Dann die vier ſtehen in einem Grunde / und der Grundift weder
Hitze noch Kälte] weder feuchte noch trocken; Er iſt das einige
Element / cin unempfindlich Leben: Aber alſo wäre es ihme ſel⸗
ber nicht offenbahr: Darumb hat es GOtt beweget / und aus ſich
ſelber außgehauchet / und aufigemwichelt/ daß cs ihme felber wi⸗
derwertig fey / und immer in Streite fiche / auff daß das Eine im
Ber Vielheit offenbahr fi
24. Aber hierinnen zerbricht Feines das ander/ daß es auffhoͤ⸗
re / und ein Richts fey/ fendern welches uͤberwaͤltiget ift / das fle>
ſtet dehme ſtille / das es hat uͤberwaͤltiget / die Hitze der Kaͤlte / und
die Kaͤlte der Hitze / und iſt kein eigen Beſitzen noch Wollen / ſon⸗
dern ein Element wil dem andern / daß das andere offenbahr
werde / und ſo es offenbahr wird / ſo giebet ſichs dem ſtaͤrcke ſten im
Weben / und iſt alſo ein Streit / und doch die groͤſſeſte Liebe unter
ihnen: Dann von wegen des Liebe⸗Ningens entſtehet ihr Streit
und Wollen oder Bewegung.
25. Darumb iſt ihme der Menſch wegen ſeines eigenen Wol⸗
lens ein ſelber-Feind; gäbe er feinen Willen GOtt / und lieſſe
ſich GOtt / fo wolte GOtt durch ihn / und mit ihm / und wäre fein
Wollen GOttes Wollen: Dieweil er aber ſein ſelber⸗Wollen
liebet / und nicht dehn / der ihm das Wollen hat gegeben / ſo iſt er
zweyfach ungerecht.
26. Eines wegen des eigenen Wollens / daß er nicht wil dem
un und Grunde ſeines Wollens ſtille halten / und mit ihme
ein Ding ſeyn / wie die vier Elementen ihr Wollen alle in den
Grund eingeben / daraus ſie gehen / und nur demſelben wallen
und wollen. 27. Zum
R
n
&.71: ihre Säcke füllen / ꝛtc. 717
223um andern / daß er feine Liebe von der Liebe des Ungrundes
abbricht / ſich ſelber liebet / und die Lebe / die ihm ſeine Liebe hat
gegeben / verlaͤſſet / und ſelber wil / lauffet / rennet / ſorget / und nach
viel trachtet / und ſich von der Einheit abbricht: Darumb lauf⸗
fet er in eigenem Wollen in den Beftälten der Natur und vier
Elementen / fo wohl inder Vielheit der Effeng des Geftirns ins
eitel Unruhe.
28. Unddie Unruhe führer ihn in Angſt / und die Angſt ftehet
An Begierde feines Wollens/ und die Begierde einfaflet fich und
beſchattet ſich / dag fe in fich finfter iſt / und fich felber nicht ſchau⸗
er mag: Darumblauffer der eigene Wille in eitel finſterer Angſt /
und quaͤlet fich in der Begierde / amd ſuchet die Siebe in der Bea
gierde / und findet doch darinnen nichts als Bilde der vier Ele»
mente / welcye die Begierde felber machet; alfo dienet der Wille
feinen Bildern und liebet dir Bilde in fich / und das ift die gröf-
fefte Thorheit welche die Natur erbohren hat / und ift doch das
Werckzeug dadurch die höchfte Weißheit offenbahr wird.
29. O ihr Menfchen) die ihr euch weife nennet / und Ehre von
einander nehmet / wegen enerer eigenen Liebe und eigenen Wol⸗
fen; Wie toll feyd ihr vor dem Himmel ! euer eigene Ehre / die
ihr gelber ſuchet / iſt ein Stand vor der einigen Liebe GOttes;
wer aber den andern ſuchet und ehret und ihn lieber der iſt ein
Ding mit dem Gantzen: Dann fo sr feinen Bruder ſuchet und
liebet / fo fuͤhret er feine Liebe in feines Leibes Glieder / und wird
von dehme geliebet / geſuchet und gefunden / der den erſten Men⸗
ſchen aus ſeinem Worte machete / und iſt mit allen Menſchen
nur ein Menſch / als mit dem erſten Adam nur einer in allen ſei⸗
nen Gliedern / ſowohl auch mit dem andern Adam Chriſto nur
Einer.
30. Dann GOtt gab dem Menſchen nur einen Willen / daß
er nur das wollen ſollte / was GOtt wolte: GOtt wolte die Welt
und die Cregturen / die wolte er durch und aus feinem Worte /
die ſollte der Menſch auch durch daſſelbe Wort wollen / wie es
das Wort wolte / alſo ſollte es auch der Menſch wollen: GOtt
ſchuff durchs Wort / und aus dem Worte alle Ding in feine
Gleichheit / je eines das andere zulieben: Alfo follte auch der
Menſch feine Gleichheit lieben.
31. Denn alle Menſchen find nur der einige Menſch Adam ;
Gott ſchuff ihn allein/und das ander Schaffen ließ er dem Men⸗
ſchen / daß er ſollte fein Wollen in GOtt laſſen / und mit GOtt
die andern Menſchen aus ihme ſelber in die Gleichheit gebaͤhrt
a
N
718 Wie Joſeph ließ ſeinen Brüdern C.71
da es aber nicht geſchach / fo verfluchte GOtt des Menſchen gege⸗
bene Gewalt / daß ihme das Wollen der Creaturen widerwertig
ſey / dieweil er fie zum Mißbrauch wolte / und wolte nicht mehr
ein Herr der Creaturen ſeyn / ſondern mengete auch feine Liebe
in ſie / davon ihn die vier Eleinenta fiengen / und auch zum Thiere
nach dem Leibe macheten: Alſo laufſet er nun jetzt im Wollen
des Fluches.
32. Denn er iſt GOttes Bild / und bildet aber feinen Willen
in thieriſche Bildung / und zerruͤttet die Ordnung GOttes / wie
dieſelbe iſt im Worte der Schoͤpffuug gewefen : Er drucket
nieder das rechte wahrhafftige Wollen GOttes / und ſetzet fein
Wollen an die Staͤtte / er iſt mit ſeinem Wollen ein Feind aller
Creaturen / und alle Creatuͤren find fein Feind.
33. Darumb muß das Goͤttliche Wollen im Menſchen nun
wieder in folcher Angft im Wiederwollen gebohren werden / und
muß fich das rechte Göttliche Wollen der neuen Wiedergebuhrt
Jajfen von allen Creakuren anfeinden : Darumb dag der Menfch
in ſeinem Libe cin thieriſch Wollen träger / da das thierifche
Wiederwollen ſambt dem Fluche darinnen offenbapr ift-: So
feindet nun das geben im Fluche / das gehen im Friede an / und
wil das nicht in fich leyden.
34. So aber das thierifche Wollen im Fleifche möchte gang
gebrochen und getödtet werden / fo hörete ver Fluch auff / fo Eönte
ihn Eeine Ereatur mehr anfeinden. f
35. Weil aber dieſes nicht ſeyn mag / fo muß der Menfch im
Streite ftehen/ und viel Böfes laffen von auffen in fich wollen /
‚auch viel Böfts aus ihme felber in das/ fo auffer ihme ift/wollen :
Und ſtehet alfe im Streite zwifchen Böfem und Gutem / und in
Voͤſem und Gutem /und lebet im Streite der Elementen / und
auch im Streite feines eigenen Wollens/ das ihme GOtt gab,
36. Dann er ſchuldiget fich immerdar / es gefchehe ihm un⸗
recht / und iſt doch felber cin unrecht Wollen / denn Das rechte %
Wollen daser in der Wiedergebuhrt krieget / iſt nicht fein eigen I
natuͤrlich Wollen / ſondern es iſt das Wollen der Genade J
Gottes / welche in feinem Wollen offenbahr wird / weldhes”
Wollen fein natürlich Wollen täglich toͤdtet und den Menfchen
durh GOttes Werckzeug mit den Kindern des Zorns unter Au⸗
gen ſchilt.
35. Moyſes redet weiter und ſpricht: Ste antworteten ih⸗
me / warum redet mein Herr ſolche Wort? Ss fey ferne von
Deinen Rnechten ein folches zu tuhn: Siehe das Belt / —
wire
Cap.7r) ihre Saͤcke fuͤllen / / 719
wir funden oben in den Saͤcken haben wir wieder bracht zur
Dir aus dem Lande Cangan / wie folten wir denn aus deines
Herrn Haufe aeftohlen haben Silber oder Gold ? bey wel⸗
—* er funden wird unter Deinen Rnechten der ſey des To⸗
s: darzu wollen auch wir meines Herrn Anechte feyn Er
— I ja es ſey wie ihr geredet habet / bey welchen erfunden
wird / der fey mein Knecht / ihr aber folt ledig ſeyn.
38. Diefes ft nundie Figur / wie Nch das Gewiſſen begehret
zu rechtfertigen /wenn es vom Grimme GOttes Zorns afrleabkfs
fen wird/dag esentweder GOtt mit Plagen in der Natur / auch
offte in Berbergung der Genaden oder dur) die. böfe Welt ſchilt /
und für unrecht darftellet / fo wil ſichs immerdar rechtfertigen /
als geſchehe ihm unrecht.
39. Denn ſo ſichs einmahl hat zur Genaden gewendet / und
vom gottloſen Weege abgebrochen / ſo dencket es nun / es ſolle ih⸗
me nichts Ubels wieder führen? GOtt ſey es ſchuldig zu beſchuͤ⸗
tzen / und die Welt tuhe ihme unrecht / wenn ſie es fuͤr falſch ſchilt /
es doͤrffte nunmehr den Straffen und Plagen nicht unterworffen
ſeyn / und miſſet ihme Froͤmmigkeit und Gerechtigkeit zu / da⸗
mitte es GOtt ſeine Genade ſtielet / und ihme a as
zurechnet / als ſey es nicht mehr ander Sünden ſchuldig.
40. Vermiſſet fih auch wohlgegen der Welt/ wenn ihm die
Welt noch wil Sünden und Laſter zumeffen / fo er derfelben
ſchuldig ſey / fo wolleer des Todes oder dergleichen feyn / wie Jo⸗
ſephs Brüpder thaten welche nichts von Diebſt all wuſten / und
verftunden aber nicht / dab alle ihre Ungerechtigkeit faınbt dem
Diebſtall Joſephs / da ſte ihn ihrem Datter ſtahlen und verkauf⸗
feten / in den Säden der Gaben Joſephs / als vor Joſephs Au=
gen offenbahr ſtunde / daß ofen) ihren Diebſtal wufte und er=
kennete / darum er fie auch für Diebe fehelten lieg / und ihnen als
Dieben nachjagen ließ / und fie wieder zuruͤcke holete / und für
Recht ſtellete.
41. Aber an ſtatt ihres Diebſtals ihrer begangenen Suͤnden /
darum ſie ihr Leben hatten verbrochen / ließ ihnen Joſeph feinen
ſilbern Becher in ipren Sack zu der Gabe einlegen / und ließ ſte
Des Diebſtals des Bechers beſchuldigen / welches fie nicht geſte⸗
hen wolten.
Die Figur ſtehet alſo:
42. Wenn ein Menſch alſo / wie oben gemeldet / ein wahrer
Chriſt wird / daß ihme GoOtt ſeine Genade giebet / ſo leget er ih⸗
me
720 Wie Joſeph lieh feinen Brüdern Cap.7r:
me feine Genade verborgentlich in feinen Sack des Leibes / in des
Sebens Eſſentz / und leget ihme darzu denCreutz⸗ becher Chriſti / und
ſchuldiget ihn nun nichtmehr im Gewiſſen / wegen feiner vielfalti⸗
gen begangenen Suͤnden / denn er hat fie mit der Genaden⸗Verge⸗
bung getilget / und ihm ſeine Genade in den Sack ſeiner Suͤnden
eingefuͤllet für feinen Hunger der armen Seelen; aber er beſchul⸗
diget ihn nun des Bechers Chriſti / dag er an deinfelben fchuldig
fey/ als an Ehrifti Spott / $eyden und Tod / dag er hat Chriſtum
mit feinen Sünden ans Ereuß gebracht / dag er nunmehr des
Ereug:bechers Chrifti fchuldig fey / und garnicht gerecht ſey.
43. Denn wenn ihme GHLE die Tod-Suͤnden durd die ce
nade vergiebet / foläffet er diefen Becher Ehrifti oben in die Ge>
nade legen/ dieweil Chriftus ift ein Selb-fchuldiger feiner Süns
Den worden/ amd diefelbe auff ſich genommen / fo iſt diefer Menfch
nun am Becher des Creutzes Chrifti (da Chriftus den Zorn
GoOTTes im Menfhenmufte ſchmecken und austrincken) ſchul⸗
dig: GOttes Gerechtigkeit fordert ihn nun ins Leyden / Spott und
Tod Chriſti / dag er ſoll mit Chriſto ſterben / und ſich in ſeinen
Spott eingeben / und mit Chriſto leyden.
44. Weiler aber es nicht thun kan / und zur ſolchem Leyden im
Zorn GOttes zu ſchwach iſt / fo hat ihm die Genade dieſen Bes
cher mit eingethan / daß er ſoll aus Chriſti Uberwindung trincken /
und von Chriſti Leyden und Todte weiſſagen / und denſelben ver⸗
kuͤndigen.
45. Aber Gottes Gerechtigkeit / welche den Menſchen nun in
Proceß Chriſti fordert / als in Chriſti Leyden und Todte / und ihu
aber in feinem Wandel und Willen nicht allemahl darinnen fine
Det / die fchildt ihn für.einen Dieb / welcher Chriſti Ereußsbecher
nur als ein Dieb im Sacke ſeines Lebens⸗Eſſentz traͤget / und for⸗
dert von ihme den Diebſtall / fo er anderſt wandelt als im Pro⸗
ce; Chriſti.
46. Denn Ehrifiushatdie Menfchenin fein Leyden und Tor
eingenommen / und der Gerechtigkeit des Zorns Gottes entiwandt? -
und ſie mit ihrem ſchuldigen ewigen Tode in ſeinen unſchuldigen
Tod eingefuͤhret / und iſt ihrer Suͤnden und Boßheit in ihme ſel⸗
ker abgeſtorben / und in dieſen Abſterben Chriſti fordert nun Got⸗
tes Gerechtigkeit in Zorn einen Ehriften-Menfchen.
47. Sp eraber auffen wandelt/ und nicht darinnen / fo ſpricht
die Gerechtigkeit: Du biſt ein Dieb / und haft diefen Becher
Chriſti mit unrecht in deinem Sacke / Ich wildich für mein Ges
richte ſtellen und netbeilen/ wie Joſeph feinen Brüdern thäte / da
er fie liß zuruͤcke fürs Urtheil feines Gerichts holen. 48. Dar⸗
he
Cap.rı. ihre Säde füllen! ꝛc. ER
48. Darum fo hat ein Chriſt / welcher unter Ehrifti Creutz⸗
fahne wandelt / keine Entfchuldigung / wenn ihn GOtt durch
feinen Haushalter/ als durch die Kinder diefer Welt /inder Ge⸗
rechtigkeit feines Zorns ergreiffen laͤſſet / umd für eien Dieb und
Ungercchten fchelten; Item / für einen Fremden) Neuling] En⸗
thufiaften/ Narren/ und dergleichen / da man ihme alle feine
Maͤngel des natürlichen fündlichen Sleifches aufmutzet / und ihre
ohn unterlaß für falfch und unrecht fchilt / undihn zur Berdam⸗
nüß des zeitlichen und ewigen Todes urtheilets ob er diefes wohl
nicht vor ver Welt / und der Welt fchuldig ift/ fo iſt ers aber dem
Spott / Leyden und Tode Ehriftifhuldig nach zu tragen / als ein
Chriſt / undift ſchuldig ven gangen Proceß Chrifti auff fich zug
nehmen / und Ehrifto darinnen nachzufolgen / und in Chriſto
alles zu leyden / Chriſtum in ſeiner Schmach / Berachtung/seydere
und Tode gantz anzuziehen / und ihm ſein Creutz und Spott nach⸗
zu tragen /auffdag er in Chriſti Reich eingehe / als ein Glied an
Chriſti Leibe / das mit ihme gelitten habe / und täglich im Tode
re feiner würdlihen Suͤnden sem Zorn GOttes abgeftors
en ſey.
49. Dennalle Suͤnden / Laſter und Unwahrheiten / welche ihme
zu unrecht vonder Welt zugemeſſen werden / welcher er aͤuſſerli⸗
chen im ABercke nicht fehuldig ift/die leyder er im Proceß Chriſti /
als ein Chrift / und trincket alfo hiemit aus dein Creutz⸗becher
Chriſti / welcher unfchuldig hat für feine Sünde gelitten.
so. Denn / ifter derfelben in feinem Seben gleich wicht ſchuldig
worden /foift er dererdoch in der angeerbten Suͤnden fhuldig /
undhat fiemit in dem Saamendarauser ift herkommen / an⸗
geerbet / fie liegen in feinem Grunde; Er kan fih vor GOtt im
Proceß Ehrifti nicht entſchuldigen / er iſt aller adamiſchen Suͤn⸗
den ſchuldig.
51. Aber das iſt fein Troſt / daß ſte Gott durch die Kinder ſeines
Zorns in dieſer Welt offenbahret / und alſo als einen Fluch durch
die Kinder des Zorns ans Creutze Chriſti hefftet / und in ſolcher
Offenbahrung im Blut und Tode Chriſti in ihme erſaͤuffet / in
deme er GOtt ſtille haͤlt wie Chriſtus feinem Vatter / und laͤſ⸗
ſet ſich der Suͤnden ſchuldigen / welche er nicht hat gewuͤrcket / ſon⸗
dern ihme nur angeerbet ſeynd / und alſo werden ſie von ihme ge⸗
nommen / und dem Zorn Gottes in ſein Gerichte gegeben / daß er
fieurtheile.
s2. Denn alfo in folher Figur verſoͤhnete auch Joſeph feis
nen gerechten Zorn gegen feine Brüder; Sie waren alle an ihm
| 5h fchul⸗
—
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327 Wie Joſeph ließ feinen Brüdern E. 71.
ſchuldig / aber er forderte nicht ihre Schuld / ſondern ſchuldigte fie
nur feines Vechers / denn er hatte ihnen ſchon alle ihre Schuld
vergeben : Alleine am Becher wolte er fte nicht unſchuldig halten /
und da fie doch aus Recht nicht daran fehuldig waren: Erhatte
ihn aber zur feinem Geſchencke ihnen eingeleget / und fie daran
ſchuldig gemacht.
53. Mfpauch hat uns Gott ſeine Genade aus lauter Liebe ge⸗
geben / nachdehme wir ſchon des ewigen Gerichtes ſchuldig waren /
und hat uns aber Chriſtum mit der Genade in unſere Saͤcke des
Lebens eingeleget / mit ſeinem Leyden und Tode / mit ſeinem Creutz⸗
becher / daran haͤlt er uns nicht unſchuldig / wir find alle daran
ſchuldig / und haben dieſen Becher nicht zum Natur⸗recht / ſon⸗
dern er iſt uns eingeleget worden ohne unſer Wiſſen; Darum ſo
koͤnnen wir uns nicht anderſt entſchuldigen / wir ergeben uns dent
wieder dem Zorn Gottes / ſo ſchuldiget uns der Tod / Hoͤlle / und
Zorn Gottes / und haͤlt ung in ſich gefangen; So führt ung Chris
ſtus aus dem Tode aus: Jetzt mag nun der Menfchgreiffen zu
welchem er wil.
54: Daß aber Joſeph ließ den Becher in Benjamins ſeines Bru⸗
dern Sack ſtecken / hat dieſe Figur / das Chriſtus im inwendigen
Wenſchen / als in ſeinem Paradeiß-Bruder wohne / und dieſen
Creutz⸗becher in ſeiner Hand habe / daraus die ſchuldige Seele
ſambt dem Leibe / trincken muß / er ſtecket ihn in ſeines Brudern
Sack / dan derſelbe inwendige Grund iſt ſein Bruder / aber die
andern Bruͤder muͤſſen daraus trincken / dieſer Bruder Chriſti
haͤlt ihn nur in ſich / denn er iſt Chriſti Glied und Wohnung.
55. Darum ſagte Joſephs Haußhalter; Bey welchen der
Becher funden wird / der ſey mein Knecht / ihr aberfolt ledig
ſeyn / als der inwendige Grund der rechte Joſephs-als Chriſti
Bruder: der iſt Chriſti Knecht welcher ſeinem Herrn und Bru⸗
der dienet / und den Becher in ſeinem Sacke halten muß: Die an⸗
dern LebensGeſtaͤltnuͤß der Natur ſind frey / und können Chriſto
nicht den Becher halten.
56. Denn ſie ſeynd nicht der rechte Sack darzu / ſondern der
Grund von der himmliſchen WeltWeſen iſt ver Sack darein der
H. Becher Chriſti gehoͤret / welcher dem Grunde der Natur das
raus ſchencket: Darum muſte Joſephs Bruder des Bechers be⸗
ſchuldiget werdẽ / daß er in der Figur des innern Menſchen ſtund /
darinnen ſich Chriſtus mit feinem Creutz⸗becher wolte offenbah⸗
ren / fo ſolten die andern Brüder / als die arme Seele / ſamt dem
Leibe / ledig werden / und non Schuld erlöfet ſeyn.
* 57: Da⸗
2 nn u AT TEE ERTL
Cap. 71. ihre Säcke füllen! sc.‘ 72
57. Darum ſaget Joſephs Haushalter / der iſt mein Knecht /
der den Becher hat / der ſoll mir dienen / ihr aber ſollet ledig ſeyn
Das iſt / Chriſtus iſt in dieſem inwendigen Benjamin Joſephs
Bruder / und dienet GOtt mit Uberwinden des Todes und Zorns
GoOttes im Menſchen / fo werden die andere Bruͤder / als das na⸗
türliche Leben alle von Schuld und Pein ledig / und ſtehet trefflich
in der Figur.
58. Moyſes ſpricht weiter; Und ſie eileten / und legten eite
jeglicher ſeinen Sack abe auff die Erden / und ein jeglicher that
ſeinen Sack auff / und er ſuchete / und hub am Groͤſſeſten
an biß auff den Juͤngſten; da fand ſich der Becher in Benja⸗
mins Sad: Da zerriſſen ſie ihre Kleider / und luden ein jegli⸗
eher auff ſeinen £fel / und zogen wieder in die Stadt.
- 59. Als Adam war indie Sünde gefallen / fo forderte ihn das
Geſetze und Gebott wieder zuruͤck / und ſchuldigte ihn ver Suͤn⸗
den und Diebſtals / daß er von unrechter Frucht mit falſchem
Munde hatte geſſen / ſo muſte er wieder umkehren indie Stadt
als in die Erde / daraus der Leib war gegangen / und allda ſeinen
Sack niederlegen in Die Erde: Allda ſuchte GOTTES Gerech⸗
tigkeit in allen natuͤrlichen Cigenſchafften / als die Wahrheit und
Gerechtigkeit / die vor GOTT gilt / als das Hinmels-Bilde/und
fieng vonder erſten Geſtalt der Natur an / big auff diejuͤngſte
und letzte / als biß auff den eingeleibten Genaden⸗grund nach deng
Falle / und konte dieſen Becher des Heyls in keiner natuͤrlichen
Eigenſchafft finden / ob gleich der Leib gar zu druͤmmeren gieng in
dem Suchen / biß auff denſelben juͤngſten Bruder im eingeſproche⸗
nen Genaden⸗Worte / allda lag der Becher Joſephs und Chriſtĩ
innen: dieſes præfiguriret der Geiſt in dieſer Figur gewaltig.
60. Moyſes ſpricht weiter: Ind Juda gieng mit ſeinen Bruͤ⸗
dern in Joſephs Haus / deñ er war noch daſelbſt / und fie ftehlen
vor ihme nieder auff die Erden: Joſeph aber ſprach zu ihnen:
Wie habet ihr das tuhn doͤrffen / wiſſet ihr nicht / daß ein ſol⸗
cher Mann wie ich bin / es errahten koͤnte? Juda ſprach / was
ſollen wir ſagen meinem Herrn ? Wie ſollen wir reden ? und
was koͤnnen wir ung rechtfertigen? Bott bat die Miſſethat
deiner Knechte funden: Siehe da wir und der / bey dem der
Becher funden iſt find meines Herrn Knechte; Er ſprach a⸗
bet: das ſey ferne von mir ſolches zu tuhn / der Manmn bey
dem der Becher funden ift / der foll mein Knecht ſeyn / ihr aber
ziehet hinauff mit Frieden au eurem Vatter.
Dh Die
724 Die Joſeph ließ feinen Bruͤdern etc. C71.
Die innere Figur ſtehet alſo:
61. Als GOtt die Menſchen wegen Per Suͤnden ſchuldigte /
und ihnen dieſe in ſeinem Zorn bey der Suͤndfluth / auch Sodom
und Gomorrha inter Augen ſtellete / daß ſie hatten im Haufe Jos
ſephs / das iſt / im Genaden⸗ bunde geraubet / und den Bund übers
tretten / ſo gieng Juda mit ſeinen Bruͤdern / das iſt / Moyſes mit
Den Kindern Juda und Iſraelis in Offenbahrung des Geſetzes /
Da ihre Sünde offenbahr ward / wild Gott den Becher von ihnen
forderte / hinauff in Joſephs Haus / das iſt / das Geſetze gieng in Jo⸗
ſtphs Hans; Denn Juda und Ifracl konte es nicht halten / fo
gings indie Genade / allda tratt ihnen der Bund der Genaden / als
der rechte Joſeph / unter Augen / und ſprach: Weil ihr nun Rauͤ⸗
ber und boͤſe ſeyd / meynet ihr ich koͤnte euer nicht entrahten ? fie
aber konten ihme nicht antworten / ſondern muſten ſich in ſein
Recht ergeben.
62. Denn Iſrael konte weder den Bund noch das Geſetze hal⸗
ten / ſo muſten fie nur vor ihme niederfallen / und ſich feiner Er⸗
baͤrmde ergeben: Iſrael wolte ſtch nun GOtt zum eigenen Knecht
ergeben / aber er wolte fie nicht haben mit ihrem Gefegesdienen /
ſondern er wolte nur dehn Haben zum Knechte / in welchem der Be»
‚cher lag: Er wolte nicht nur äufferlichen Gottes⸗dienſt in der Fi⸗
gur Ehriftimitdem Geſetze haben / fondern er wolte Benjamin,
als den intern Grund / won der himmlifchen Welt Weſen zum
Knechte habens Des Gefeges Diener aber / als der natürliche
Menſch folte im Frieden wieder heim in fein Batterland ziehen /
und die geſchenckte Genade in feinem geben mit nehmen zur Spei⸗
fe; Diefes ftellet der Geift Gottes alfo unter dieſer Geſchichte in
eihe Figur auff das Künfftige.
‘63. Unter en Figur deutet nunder Geift mit Juda / wel⸗
cher Bürge für Benjamin war / gar heimlich. an / wie, diearme
Seele nicht könte vD mit dem Bunde der Genaden wieder heim
ziehen in ihr Batterlandy fte Hätte denn Benjamin / das iſt / Chri⸗
ſtum im Weſen in ſich: Denn Juda entſchuldigte ſich trefflich / er
doͤr ffte nicht heim konmen / er braͤchte deun Benjamin mitte / o⸗
der er wolte ſelber zum Knechte da bleiben.
64. Alſo ergibet ſich die arme Seele GOtt / wenn fie GOttes
Gerechtigkeit heiſſet mit dem Wunde heimgehen / fo wil fie nir>
gends hin / ſite habe dan Benjamin das iſt / Chriſtum weſentlich
"bey ihr / ſte koͤnne ſonſt GOtt nicht ſchauen / wie ſich allhier Juda
in dieſein Bilde entſchuldigte / welcher ſprach / fo er Pa
u
C. 72. Wie fich Zofeph offenbahretelzc- 723
und Benjamin nicht mitbrächte/fo würde er feines Batters graue
Haar / weilfeine Seele an Benjamins Seele hieng / unter die
Erde bringen.
65. Das ift / fo der adamifche Menfch folte ohne Chrifti Leben
und Weſen wieder ins Paradeiß gehen / fo würde er ſeinen Dat»
ter / als die Lebens⸗Natur in die ewige göttliche Verborgenheit
bringen / dan das Leben der menſchlichen Natur nach goͤttlicher
Eigenſchafft wuͤrde nicht offenbahr: das iſt / es koͤnte nicht im
Himmelreich leben.
66. GDtt hieß die Seele wohl mit dem Geſetze heimgehen ins
Paradeiß / aber es konte nicht ſeyn / fie haͤtte dan Chriſtum im
geben und Weſen in ſich / fo dorffte ficheimgehen inserfte Bat⸗
terland.
Das 72. Capittel.
Wie ſich Joſeph fuͤr ſeinen Bruͤdern offenbahrete:
Was darbey zu verſtehen ſey.
Geneſ. 45.
1. Oyſes ſpricht weiter: Da konte ſich Joſeph nicht
F aanger enthalten np allen) Die um ihn herſtun⸗
Sen / und er rieff: Laffet jederman von mir hin⸗
zusgehen / und ſtund kein Menſch bey hm/ da
ich Joſeph mit, feinendrüdern bekennete / umd er
werete la it / daß es Die Egypter und das Geſinde Pharao hoͤ⸗
reten / und ſprach zu feinen Bruͤdern: Ich Din Joſexh; lebet
mein Vatter noch ? Und feine Brüder konten ihm nicht ant⸗
worten / ſo erſchracken ſte vor ſeinem Angeſichte.
Die innere Figur ſtehet alſo:
2. GO gab Iſrael das Geſetze / und hieß fie dadurch wieder.
heim ins Paradeiß gehen / wie dan die Figur mit dem gelobten
Sande / darcin fie gehen ſolten / und aber lange Zeit nicht konten /
big dag fie Joſua hinein führete /allda ftund als ein Fuͤrbilde der
rechten Einführung durch Jeſum; und unfer dem Geſetze hatten
fie auch den paradeilifchen Genaden-bund/fo wohl die Propheten?
* fie auff GOttes Erbarmen-führeten.
. Aber fie konten durch derer keines wieder in ihr erſtes ada⸗
unit paradififch Batterland zur Ruhe kommen: GOttes Ge⸗
rechtigkeit ſchuldigte ſie ohn as: und forderte das Pe
3 319
726 Wie ſich Joſeph fir Gap. 72.
und Vermoͤgen / daß ſie ſolten dem Geſetz und Bunde vollen gehor⸗
ſahm leiſten.
4. Als es aber nicht ſeyn konte / daß fie weder das Geſetz noch
der Bund konte einfuͤhren / ſo offenbahrete ſich der himmliſche
Joſeph aus dem Bunde / dan er konte ſich nicht länger enthalten
wegen der Menſchen Elende / und führete feine groſſe Erbaͤrmde
durch den Bund ins Geſetze / welche Erbaͤrmde Joſephs groffes
Weinen andeutet / da er ſich fuͤr ſeinen Bruͤdern nicht mehr kon⸗
fe enthalten / und weinete / daß es auch die Egypter und das Ge⸗
finde Pharaonis hoͤreten / welches andeutet / daß dieſes Weinen /
als die Erbarmung GOttes durchC hriſtum auch ſolten die Egyp⸗
ter / das iſt / alle Heyden und Voͤlcker hoͤren und annehmen / wie
dan auch geſchahe / da Chriſti Weinen und Erbarmen unter alle
Voͤlcker ſchallete / daß ſie es alle in ihre Hertzen nahmen / und ſich
zu die ſen Joſeph wandten / welcher ſie alle annahm / und das Ge⸗
ſetze font dem Bunde erfuͤllete.
5. Daßaber Joſeph rieff / laſſet jederman von mir hinaus ge⸗
hen / als er ſich mit ſeinen Bruͤdern bekennete / daß kein Menſch
ſolte bey Ah ſtehen / iſt dieſes andeutend: da ſich Jeſus Chriſtus /
als die hoͤchſt Erbarmung SOttes aus dem Bunde offenbahrete /
ſo muſte das Geſetz mit allen Ceremonien / ſambt dem Bunde
auffhoͤren und weg gehen / auch aller Menſchen Koͤnnen und Ver⸗
moͤgen / ſamt allem Wollen / Lauffen und Rennen muſte hi—
naus gehen.
6. Dan es tratt der hervor aus dem Bunde und Geſetze / welcher
den Vund und daß Geſetz erfuͤllete / und ſtellete ſich an Statt des
Bundes und Geſetzes zwiſchen und in GOtt und Menſchen ins
Mittel / als ein Gott-Menſch und Menſch-GOtt / der allein fol-
te Adam ins Paradeiß fuͤhren und die Suͤnde tilgen: Es ſolte
Niemand mit ihm ſeyn / cr allein wolte und ſolte ſich der Menfch«
Heit offenbahren zu einem Liechte / Johan. 8.) und zu einem neu⸗
en $chen.
7. Und ift die Figur / wie der bußferfige Menſch zu GOtt
kommen muß / dan er muß alles von ſich wegtuhn zalle ſeine Werk⸗
ke und Tuhn koͤnnen nicht an der Spitze ſtehen / er muß nur gantz
indie Gelaſſenheit und Verlaſſenheit gehen / und ſich von aller
Creatur Troſt und Huͤlff abwenden / daß er bloß und allein fuͤr
die allerlauterfte Erbarmung GOttes in Chriſto Jeſu trette.
8. Keine Heucheley oder Menſchen Troſt / damit man ihn ki⸗
zzelt / gilt ihme wor dieſem Angeſichte Joſephs / ſondern cine gan⸗
HeBerlaffenheit aller Creaturen / da alles verlaſſen iſt big gr
oſſe
P7
. — \ j >
C. 72. feinen Brüdern offenbahrete / ꝛc. 727
bloffe Seele / die muß ſich vor diſem Angefichtdes himmliſchen
Joſephs in alle ihrem Willen in fich erſencken / und fich ihme gan
frey laſſen / und nichts ohne ſeinen Willen wollen / und keinen an⸗
dern Mitler oder Mittel an die ſpitze ſtellen / es gilt alles nichts.
9. Das gantze Creatuͤrliche Leben muß gelaſſen und ſeines
Willens verlaſſen ſeyn / auff daß der creatuͤrliche Wille wieder
von dem uncreatuͤrlichen Willen eingenommen und gereiniget
werde / daß GOttes und des Menſchen Wille ein Wille werde /
alsdenn iſt GOtt alles in allem in ihme / nach der innern und aͤuſ⸗
ſern Welt / in ieder Welt nach ihrer Eigenſchafft / als nach dem
ewigſprechenden Worte in ver Seelen / und nach der animali⸗
ſchen Seelen im Spiritu Mundi , in allem / als ein Werckzeug
Goties.
10. Wenn nun dieſes geſchicht / fo ſpricht der himmliſche Jo⸗
ſeph in feiner Erkarmungs Ich bin IfSſus in dir / umd eroͤffnet
ihme Das inwendige Auge / daß er ihn in einem Augenblicke
kennet / und ſpricht der Seelen freundlich ein / und ſaget: Lebet
mein Batter/ das iſt / des Vatters Natur noch in der Seelen:
iſt noch ein Athem des göttlichen Lebens in ihr.
zı. Bordiefer Offenbahrung erſchrickt nun der Seelifhe ei⸗
gene Wille / dag er ineigener Macht Fein Wort mehr reden oder
in der Selbheit fprechen kan / dan in dieſem Schracke gehet die Ei⸗
genheit des Wollens zu Grunde: Dan es gehet mit dieſer Ein⸗
blickung GOttes Wollen auff/und toͤdtet der Seelen eigen Wol⸗
len / gleich wie Joſephs Bruͤder alſo ſehr vor ſeinem Angeſichte
erſchracken / daß fie kein Wort mehr ſprechen konten / all ihr
Vermoͤgen entfiehl ihnen / als verſtummeten ſte: Alſo wird auch
der Gottloſe am Juͤngſten Gerichte vor GOttes Angeſicht er»
ſtummen / und zum ewigen Tode erfihreden/ dag fein Schen wird
eineitel Angſt ud Schrad des boͤſen Gewiffens feyn / welches
ihn ewig tagen wird. ET |
12. Joſeph aber fprach zu feinen Brüdern : Trettet Doch
ber zu mir: und fie tratten herzu / und er ſprach: Ich bin Jo⸗
fepb euer Bruder / denihr in Egypten verfauffer habet: und
nun hekiimmert euch nicht] und dencket nicht / daß ich darum
zuͤrne / daß ihr mich hieher verkauffet habet / denn um euers
Lebens willen hat mich GOtt fuͤr euch her geſandt.
Die heilige Figur ftehetalfo:
23. Wan Chriftusmit feiner Offenbahrung die Seele alfo er⸗
ſchrecket / daß der Seelen eigener = lle im Todt feines Wollens
5h4 und
728 Wie ſich Jofephfie Cap. 72.
ans Könnens erfchricket / fo fpricht er fein Genaden-wort in fie
sin / und gibet ihr Krafft / und fpricht in ver Seeliſchen Efleng ;
Tritt doch her zu mir / und hebe dein Angeficht auff vom Schrade
des Todes / gehe in meiner Krafft zu mir und in meinem Wollen /
ach zoͤrne nicht mehr mit dir / daß ich bin in deinen Tod verkauffet
worden? GOtt hat mich euch zuvor hergefandt / Daß ich euch foll
än eurem Hunger des Elendes/ als im Hunger GOttes Zorns
ernehren / big ihr des irrdiſchen Leibes loß werdet / in welchem der
Surf Hunger und göttliche Thenrung im Zorne GOttes inne
eget.
24. Denn um euers Lebens willen hat mich GOtt in euere
Menfhheitund Seele gefandt / denn es wird in eurem Sleifche
roch 5. Jahr theure Zeit ſeyn / das ift / der göttliche Hunger wird
noch in eueren s. Sinnen der irdischen Vernunft bleiben/ fo hat
mich GOtt zuvorher/che diefe Welt auffpöret/zu euch und in euch
gefandt / auffdag er euch in euren irrdiſchen fünff Sinnen erret⸗
te mit einer gewaltigen Errettung / da meine Krafft der Then
rung inden 5. irrdiſchen Sinnen die die arme Stele errettet und
ſpeiſet; GOtt hat mich euerer Natur zum Vatter geſetzet / und zum
Herrn und Fuͤrſten / daß ich fiefollregiren / wie Joſeph über E⸗
gyptenland: Ich bin ein Herr worden über all euer Haus / und
was ihr habt und ſeyd / daß ich euch in euerer Thenrung mit göftli=
cher Speiſe meines Fleiſches und Bluts ernehren ſoll / ſeyd nicht
mehr verzaget / Ich bin bey euch in der Noht des irrdiſchen Le⸗
bens / ich wil euch erretten und zu Ehren machen.
15. Und Joſeph ſprach weiter: £iler num und ziehet hinauff
zu meinem Vatter und ſaget ihm: Das laͤſſet dir Joſeph dein
Sohn ſagen / GOtt hat mich zum Herin in gantz Egypten
geſetzet; komme herab zu mir / ſaͤume dich nicht / du ſolſt im
Lande Goſen wohnen / und nahe bey mir ſeyn / und deine
Rinder und Kindes⸗kinder / dein klein und groß Vieh / und
alles was du haſt / Ich wil dich daſelbſt verſorgen / denn es
ſeynd noch 5. Jahr theure Zeit / auff daß du nicht verderbeſt
mit deinem Hauſe / und allem dem / das du haſt.
16. Siehe / eure Augen ſehen / und die Augen meines Bru⸗
Vers Benjamin / daß ich muͤndlich mit euch rede / verkuͤndi⸗
get meinem Vatter alle meine Herrligkeit in Egypten / und
alles was ihr geſehen habt / eilet und kommet hernieder mit
meinem Vatter hieher. Und er fiehl feinem Bruder Benjamin
um den Hals / und weinete / und Benjamin weinete auch an
feinem Halſe / und kuͤſſete alle feine Bruͤder / und weinete über
fie: darnach redeten ſeine Brüder mit ihme. 17. Die⸗
E.72. feinen Bruͤdern offenbahteteläc. 729
7. Diefes ift nun die Figur / daß / wenn die Seele des Hiis
Kifen Joſephs Angeficht hat gefehen / dager ſie hat getröftet umd
wieder erfreuet / fo fpricht nun das Göttliche Wort in ihr s eile
nun / und bringe auch deinen Vatter / das iſt / deine Natur und
dein gantzes Leben mit alledeinem Wandel in deinem Stande zu
mir / und du ſolſt mit deinem aͤuſſern Leben nahe bey mir woh⸗
nen / und ich wil dich nehren und pflegen / ſambt alle deme / daruͤ⸗
ber du biſt geſetzet: Zeuch mit alle deinen Sinnen und Wercken
herab in Egypten / das iſt / in die Niedrigkeit und Demuth zu
mir / daſſelbe Sand wil ich dir zur Wohnung eingeben / das ift.}
in der NRiedrigkeit und Demuth ſoll deine Wohnung ſeyn; allda
magſtu in deinem zeitlichen Stande / mit zeitlicher Nahrung /
in zeitlicher Haabhafftigkeit bey mir wohnen: Eure Augen ſollen
meine Güte allda ſehen dag ich euch wohlthun wil in der Theu⸗
rung eurer Irrdigkeit.
18. Dan das Land Goſen / deutet an eine Fettigkeit vom See⸗
gen GoOttes in dieſer Irrdigkeit: Alda innen ſehen eure Augen?
und auch die Augen meines Bruders Benjamins / als des in⸗
wendigen neuen Menſchens / dag ich muͤndlich / das iſt eſſenta⸗
Uter in euch / mit euch rede: Denn ſo der Menſch zur neuen Ge⸗
buhrt kout / fo redet Chriſtus eſſentialiter, das iſt wuͤrcklich in
ihme / und die Augen der Seelen ſamt dem inwendigſten Grun⸗
de / in welchem Chriſtus / als das Wort / weſentlich iſt / ſehen
und empfinden daſſelbe.
19. Aber die aͤuſſere fuͤnf Sinne moͤgens in dieſer Irrdigkeit
noch nicht gantz ergreiffen / ſondern ſte wohnen nahe darbey: Die
inwendige Augen ſehen durch die aͤuſſere Sinnen / wie die Son⸗
ne ein Glaß durchſcheinet / und das Glaß doch nur ein Glaß blei⸗
bet; alſo bleibet auch die aͤuſſere Natur dieſe Zeit der fuͤnff noch
theuren Jahre der irrdiſchen Eſſentz in ihrem Rechte / biß Die
Seele den Leib verlaͤſſet / alsdenn ſoll am juͤngſten Tage auch der
rechte Adamiſche Leib der fuͤnff Sinnen wiederkommen zu der
Seelen / aber die Grobheit des irrdiſchen Thieres hat keine Staͤt⸗
te mehr: denn alles zeitliche ſcheidet ſich ins Myfterium Magnum,
daraus es iſt gegangen.
20. Daß aber Joſeph feinem Bruder Benjamin um den Hals
fiehl und weinete / und ſie alle kuͤſſete / iſt dieſes in der Figur:
Wan Chriſtus in dem inwendigen Benjamin / als im Bilde und
Weſen von der himmliſchen Welt Weſen / welches in Adam ver⸗
blich / wieder offenbahr wird / ſo kuͤſſet der H. Name Jeſus / als
GOTTes groſſe Liebe / den eingeleibten Genaden⸗grund / und
| N 945 durch
ru H (ed 4 7
730 Miefich Zofephfir Kap. 72.
durchdringet dig Bilde mit feiner weinenden Liebe / als mit GOt⸗
tes groſſer Suͤßigkeit / als den Tempel Chriſti / und kuͤſſet hie⸗
durch der creatuͤrlichen Seelen Eſſentien, und dringet auch mit
der weinenden Liebe durch ſie / alsdan kriegen fie ihr Leben wie⸗
der / und reden mit GOtt iM Chriſto Jeſu.
21. Dan in dieſer Rede oder Stimme wird die Seele alle—
in von GOtt erhoͤret / Dan in dieſem Kuß wird der Seelen ihr
Gehoͤr wiedergegeben / daß ſie GOttes Wort hoͤret und lehret;
dan der Seelen Sinne ſtehen nun im Worte des Lebens / und
hoͤren was der Herr in ihnen durch Chriſtum / aus dem inwendi⸗
gen Grunde redet; und das iſt das Chriſtus ſagte: Wer aus
GOtt iſt / der hoͤret GOttes Wort; und zu den Phariſfaͤern ſag⸗
te er: Darum hoͤret ihr nicht / dan ihr ſeyd nicht aus GOtt.
22. Wan die jetzige Zanck⸗Babel den Kuß Chriſti in ſich haͤt⸗
te / ſo wuͤrde ſte ſich mit Joſephs Bruͤdern zum himmliſchen Jo⸗
ſeph wenden / und in groſſer Demuth und Niedrigkeit mit Joſeph
zeden / und würde GOttes Wort in Joſephs Liebe hören / und
demuͤhtig mit ihme reden / fie würde nicht um zeitliche Ehre und
fette Baͤuche / um Herrſchung zancken / und das Sand Gofen ver»
wuͤſten auff heydniſche Arth.
23. O Babel! deine Schand iſt vor den allerhoͤchſten
äns Gerichte geſtellet worden | du biſt derſelbe Anti—
chriſt / von deme ©. Panlus gefaget hat: Du ruͤhmeſt
Dich GOttes Wortes im lehren und hören/ und dein
Grund iſt nicht aus GOtt / fondernaus dem Thurn zu
Babel: Du wilſt mit Buchſtaben ohne das lebendige
Wort in die GOttes Wort lehren / aber die Schafe
hören deine Stimme nicht / dan fie komt nicht aus den
Kuß Joſephs.
24. Und Moyſes ſpricht weiter: Und da das Geſchrey kam
An Pharaonis Haus / DaB Joſephs Brüder kommen wären/
gefiel es Pharao wohl / und allen ſeinen Knechten; und
Pharao ſprach zu Joſeph: Sage deinen Brüdern) Thut ihme
alſo / beladet euere Thier / ziehet hin / und wenn ihr komt ins
Land Cangan / fo nehmet euren Vatter und Geſtnde / und
komt zu mir / ich mil euch Güter geben in Egyptenlandt /
Daß ihr eſſen ſolt das Marck im Landes und gebeut ihnen /
Thut ihme alſo: Mehmet zu euch aus Egyptenland Wagen
an euren Rindern und Weibern / und fuͤhret euren Vatter /
und komt / und ſehet euren Hausrath nicht an / denn die Bü»
der des ganzen Landes Sgypten ſollen euer ſeyn. Dieſe
—
C. 72. feinen Brüdern offenbahrete / c. 73
Dieſe Figur ſtehet alſo:
25. Wenn Jofeph / als Chriſti Schall in der Seelen erſchal⸗
let / ſo dringet dieſer Schall in GOttes des Vatters Eigenſchafft /
denn die Seele iſt in ihrer Ratur aus derewigen Natur im Wor⸗
te / aus des Batters Feuers⸗Eigenſchafft: alſo wird fie wieder
im Vatter / von deme ſich ihr Wille hatte abgebrochen / offenbaht:
und der ſpricht in ihre $ebens-Effeng eins denn es gefaͤllet ihme
wohl / daß die Seele iſt in Chriſto offenbahr worden / und heiſſet
die Seele mit allen ihren Eigenſchafften durch Joſephs / als Chri⸗
ſti Geſchaͤffte / wieder in das Paradeiß einſuͤhren: Er giebet ihr
Wagen undalles was fie bedarff darzu / welche Wagen find ſein
Geiſt im Worte der ſie fuͤhret / und giebet ihr das gantze Egyp⸗
tenlandt / das iſt / das ganze Paradeiß oder Himmelreich zun
Eigenthum: dieſes præfiguriret der Geiſt GOttes unter dieſer
Hiſtoria gewaltig.
26. Und die Rinder Iſrael thaͤten alſo / und Joſeph gab ih⸗
nen Wagen nach dem Befehl Pharaonis / und Zehrung auff
den Weeg / und gab ihnen allen einen jeglichen ein Feyer⸗kleic/
aber Benjamin gab er drey hundert Silberlinge / und fin
Feyer⸗Kleider / und ſeinem Vatter ſandte erdarbey zehen E⸗
ſel mit But aus Sgyptenlandt beladen / und zehen Sſelin mit
Getreide und Brod und Speiſe feinem Vatter auff den Weeg
Alſo ließ er feine Brüder / und fie zogen hin / und er ſprach zu:
ihnen: Zancket nicht auff dem Weege.
Die Figur ſtehet alſoe
27. Chriſtus nimt den Borrath / ſo wohl die Wagen / als den
heiligen Geiſt vom Batter / den er ſeinen Kindern ſendet / wie
Joſeph die Wagen und Geſchencke vom Pharao nahm / und gie⸗
bet ihnen Zehrung auff den Weeg ihrer Pilgrams⸗ſtraſfen / als
ſeinen Leib und Blut zur Speiſe und Trauck.
28. Das Feyer⸗kleid / welches Joſeph jederm Bruder gabf iſt
den Tempel Chriſti andeutend / darinnen die Seele feyret und⸗
ruhet und Joſephs fuͤntf Feyer⸗ kleider die er ſeinem Bruder Beu⸗
jamin gab / ſeind die fuͤnff Wunden Chriſti da ver innere:
Menſch in GOttes Liebe feyret: aber die drey hundert Silter⸗
linge die er Benjauin gab / ſind die Gaben des Worts aus die⸗
fer groſſen Liebe / da dieſer Benjamin ſoll mit wechfelmund han⸗
delß und feinem Hern und Bruder / dem himmliſchen Joſeph
ah 6 wich
732 Wie Joſeph Wagenund Cap. 72.
viel gewinnen / denn mit Belde Handelt man: Alfo foll auch der
inwendige Benjainin mit feinen Gaben der drey hundert Sil-
‚berlinge / als mit ven Gaben Chriſti handeln / das iſt / lehren
und GOttes Wunder verfündigen / denn er ift Chrifti Knecht
und Schülffe / ja fein rechter Bruder.
29. Aber die xo. Efel mit Gut aus Egyptenland beladen /
‚welche Fofeph feinem Batter ſchickte / deutetin der Figur an die
20. Gebottim Gefegeder Natur / welche Jofeph hatte mit Gut
beladen / dasift / Chriftus Hat fie mit feiner Genade beladen /
und ſchickte ſie GOttes Gerechtigkeit im Gewiſſen / davon die
arme Natur zu zehren hatte.
„zo. Aber die zo. Eſelin mit Getreyde / deuten an die zo. Ge⸗
ſtaͤlte des ſeeliſchen und natürlichen Feuer⸗lebens / auff welche
Chriſtus der Seelen Speiſe ladet / wenn ſie in ſeinem Proceß
ſtehet: Das Brod und die Speiſe auff dem Weege / deuten an
das Wort GOttes / davon der arme alte Adam eſſen muß / dag
er leben mag.
32. Dieſes giebet Chriſtus ſeinen Kindern und Bruͤdern auff
den Weeg ihrer Pilgram⸗ſtraſſe / wan ſie im Proceß Chriſti
wieder heimwandern / daß ſie Zehrung haben / und davon die Na⸗
tur / als der alte Vatter iſſet / und befiehlet ihnen ſie ſollen auff
dieſein Weege nicht miteinander zancken / ſondern in Liebe und
Friede heim ins Paradeiß ziehen.
32. DIfrael! wo iſt jetzt dein Friede ? Es ſiehet als haͤtteſtu
allen Vorrath Joſephs verzehret / und muͤſſeſt jeko darben / die⸗
weil du alſo ſehr um dieſe Speiſe zanckeſt / und haſt ſolch Mor⸗
den darum angerichtet. Warlich du haſt unterwegen deinen
Bruder Benjamin gemordet / darum ſteheſtu im Streit / und
wilſt nicht heim ziehen / du fuͤrchteſt dich / aber die Theurung wird
dich fort treiben / oder du verhungerſt.
33. Alſo zohen fie hinauff von Egypten / und kamen ins
Land Canaan zu ihrem Vatter Jacob / und verkuͤndigten
ahm / und ſprachen: Joſeph lebet noch / und iſt ein Herr im
ganzen Egypten⸗ Lande / aber fein Hertz dachte gar viel ein
anders / denn er glaubte ihnen nicht ; Da ſagten ſie ihme alle
Worte Joſephs / die er zu ihnen geſagt hatte / und da er ſahe
die Wagen / die ihm Joſeph geſandt hatte / ihn zu führen /
ward der Geiſt Jacobs ihres Vatters lebendig / und Iſrael
frac): Ich hade genug daß mein Sohn Joſeph noch lebet /
ich wil hin / und ihn ſehen I ehe ich ſterbe Sp
P }
—n DT
Cap. 72. Geſchencke zu Jacob fchickete. 733
Diefe Figur ſtehet alſo:
34. Als Chrifti Apoftel mit diefem Geſchencke waren bela⸗
den / fo giengen fie damit in ihres Batters Haus / als inter die.
Brüder im Reiche der Natur in ihrem Unglauben / und verkuͤn⸗
digtenihmen die groffe Herrligkeit / und das Geſchenck Jeſu Chris
ſti / das er ihnen haͤtte gegeben / das ſie ſolten ihnen bringen / a⸗
ber ihr Hertz glaubte das nicht / dag dieſe einfaͤltige Maͤnner /
Die Apoſtel / von GOtt durch dieſen Joſeph mit ſolchem groſſen
Gute beladen / waren geſandt / biß ſie ſahen die Wagen des H.
Geiſtes / der das Geſchencke in groſſer Krafft und Wundertaht
fuͤhrete / und hoͤreten die kraͤfftige Worte JEfuChriſti mit Wun⸗
der und Thaten aus ihrem Munde; da ſprach Iſrael; Jetzt hab
ich gnug / nun kan ichs glauben / ich wil auch mit zu Chriſto / auff
daß ich ihn ſehe / wie der alte Jacob ſagte: Ich habe gnug daß mein
* Joſeph noch lebet / ich wil hinauff / dag ich ihn fehe / ehe dan
ich ſterbe.
35. Alſo auch fahren dieſe Wagen aus GOttes Kindern bey
den Unglaͤubigen an / welche erſtlich nicht wollen glaͤuben: wan
fie aber dieſe Wagen und das Geſchencke in ihnen fuͤhlen / ſo fas-
gen ſie auch / ich habe gnug / ich wil mit in Egypten in die Buſſe
gehen / auff daß ich auch meinen Heyland ſehe und erkenne: dan
ihr Geiſt wird auch lebendig / wie Jacobs Geiſt.
36. Wo find jest dieſe Wagen im der Lehrer Munde / da der
Heilige Beift darauf faͤhret / und Iſrael ſein Herge rühret / daß
fein Geift lebendig wird ? Ja faget Babel: Der Geift Ehrifts
wuͤrcket jetzo nicht fo Fräfftigin unfern Worten / wir haben num _
die Erfäntnüß vom Reiche Chriſti / es darff es nicht / wirfellen
nur glauben die Worte / ſo uns Ehrifti Apoſtel haben hinterlafa -
ſen / es iſt gnug.
37. Sonſt fo wir ſolten alſo kraͤfftig lehren / fomüften wir -
auch alſo armſehlig leben / wie Chriſti Apoſtel / und die Welt ver⸗
laſſen: Es darff es nicht / Chriſti Reich muß jetzo im Anſehen (in
Pracht und Herꝛrligkeit) ſtehen.
38. O Lwie wird dich der arme Chriſtus / welcher auf Erden
nicht hatte da er fein Haubt hinlegte / unter Augen ſchelten / daß
du haſt feinen Bund genommen in falſchen Mund; ver Ernſt iſt
niemahls noͤhtiger geweſen / als eben ietzunder / da alle Wagen :
umgeſtoſſen / amd in groſſer Berwirrung ſeynd.
867 DM:
734 Wie Jactob mit allen feinen Kin- €. 77:
Das 73. Capittel.
Wie Facob mitallen feinen Kindern) und allen die bey
ihme waren fambt allem Viehe / fey in Egypten
gezogen.
Geneſ. 46.
I. Oyſes pricht &: Iſrael 308 hin mit allem das er
hatte / umd da er gen Berſaba kam / opfferte er
Opffer / dem GOkte feines Datters Iſaac; Und
Gott ſprach zu ihm des Nachts im Gefichte : Jacob /
Tacob; £r fprach: Hie bin ich ; Und er fprach : Ich bin
Sott / der GOtt deines Datters Iſaac / fürchte dich nicht in
Sgypten hinab zu ziehen: Denn daſelbſt wil ich Dich zum
groſſen Volck machen) Ich wil mit dir hinab in Egypten zie⸗
hen / und wil auch dich herauff fuͤhren: und Joſeph ſoll ſeine
Haͤnde auff deine Augen legen.
Die innere Figur ſtehet alſo:
2. Jacob muſte in der groſſen Theurung und Hungers⸗noht
mit allem Heer was er hatte / in Egypten ziehen / und machte
ſich auff / als er von Joſeph hoͤrete / als ihn Joſeph ließ durch ſei⸗
ne Soͤhne fordern / als er ſahe die Schenckung und die Wagen
Joſephs / allda ward ſein Geiſt lebendig / und machte ſich auffe
Alſo iſts auch in der Figur der neuen Gebuhrt / wenn der adami⸗
ſche Menſch die Stimme des Himmliſchen Joſephs in ihme hoͤret
ſchallen / und ſiehet die Wagen des heiligen Geiſtes in ihme / ſo
machet er ſich auff mit allen ſeinen Kraͤfften / und zeucht in Egyp⸗
ten der Buſſe.
3. Und wan er gen Berſaba / das iſt / in die Zerſchellung ſeines
Hertzens und Seelen komt / fo opffert er fein Leib und Seel / mit
allem was er hat / dem GOtt feines Vatters auff / das iſt / er er⸗
giebet ſich mit ſeinem Leben und allem das er iſt / in das Wort ein /
das ihn in Adam geſchaffen / und aus ſich gemachet hat; welches
iſt der GOtt feines Vatters: ſo ſpricht alsdan daſſelbige Goͤtli⸗
che Wort in ihme / das iſt / es ſpricht wuͤrcklich und kraͤfftig in ihme.
Des Rachts im Geſichte / heiſſet allhie in der Verborgenheit des
Menſchen / dagich GOtt der Vernunfft und Creatur verbirget /
und aus feinem Principio in das Leben Troſt und Krafft ein⸗
Gerät / und ruffet ihm mit ſeinem Namen / wie Jacob / das iſt /
* —
Eap. 73. dern ſey in Egypten gezogen. 733
er faffer feinen Namen ins Wort feines Sprechens / welches iſt
das Buch des Lebens / Dader Kinder GOttes Namen eingefaffer
oder gefchrieben werden.
4. Und warn ihn dieſer Menfch in. der-Krafft empfindet/ fo
fpricht er wieder ins Wort ein: Hie bin ich / Herr / mache aus
mir / was du wäilft / ich, ſtehe für dir / und daffelbe inwendige
Wort GOttes fpricht in Krafft / Ich bin GOtt / der GOtt dei⸗
nes Batters / das iſt / es giebet dem Menſchen in dieſer ſprechen⸗
den Krafft Goͤttliche Erkaͤndtnuͤß / daß es der Menſch verſtehen
lernet / daß GOtt in ihme wuͤrcket und was EDEL iſt.
5. Weilaber der Leib ein finſterer Thal / darzu in ungerechter
Neiglichkeit iſt / ſo ſpricht das Wort in die arme Seele: Fuͤrchte
dich nicht / wan du in Egypten / als in die Buſſe / eingeheſt / und
aus dem Sande Canaan / als aus der Welt Wolluſt / Falſchheit
und Ungerechtigkeit ausgeheſt: ob ſie dich gleich werden feinden
und verfolgen / ſo fuͤrchte dich nicht / Ich wil mit dir in Egypten /
das iſt / in deine Umwendung und Goͤttlichen Gehorſam ziehen /
ich wil dir helffen Buſſe wuͤrcken / und in deinem Egypten / das
iſt / in deiner Bußwuͤrckung / dich ſeegnen / und deine neue Ge⸗
buhrt zu einem groſſen Baum machen / welcher viel guter Fruͤchte
in Goͤttes Reich bringen foll / wie er zum Jacob ſagte: Ich wil
dich in Egypten zum groſſen Volck machen / und wil dich auch
wieder herauff bringen / das iſt / du ſolſt nicht als ein Todter oder
Abgeſchiedener von dieſer Welt bleiben: ob du gleich in Egypten
in die Buſſe zeuchſt / und im Gemuͤhte die Weltverläffeft / ſo wil
ich dich doch aus der Angſt und Truͤbſal wieder heraus ziehen / und
in deinem Stande laſſen / fo derſelbe recht iſt. das geſchicht alfoz
6. Wann der Menſch in diß Egypten zeucht / ſo muß er ſein
Land / als alle feine zeitliche Fleiſches⸗Luſt / verlaſſen und GOtt
Abergeben / und nichts mehr für eigen halten / ſondern gedencken /
daß es nicht fein eigen ſey / daß er deſſen Diener ſey / daß er GOtt
und ſeinen Mitgliedern darinnen diene / nnd ſein Hertz alſo rich⸗
te / wie ein Pilgram der da reiſet / und in der Welt nirgends da⸗
heime iſt / er muß ſich mit Jacob auff Joſephs / das iſt / auff des
H. Geiſtes Wagen fetzen / wo ihn derſelbe in dieſer Theurung
hinfuͤhren wil / ſo zeucht GOtt in und mit ihme / und ſeegnet ihn /
daß er viel Goͤttliche Fruͤchte wuͤrcket / und ſein Name im Wort
GOttes ſehr groß wird.
7. Aber GOtt ſtoͤſſet ihn darumb nicht aus dem zeitlichen
Beſitz / er fuͤhret ſeinen Geiſt wiederumb herauff indie Wuͤrck⸗
ang feiner Haͤnde Arbeit / als jn ſeinen weltlichen Stand /
E
36 Wie Jacob mit allen feinen Kin» C.73.
er GOttes Wunderthat / auch ihme ſelber / und ſeines Leibes
Gliedern / als feinem Naͤchſten / darinnen dienet: Es wird ihme
nichts genommen / als nur die Ungerechtigkeit und Unwahrheit:
GOtt machet ihn nun in feinem Stande zu ſeinem Diener/ er
mag ſein Viehe / Haab und Gut wohlbehalten und mitnehmen
zu feiner Nothdurfft / wie Jacob that/ aber das Falfche muß er
wegthun.
8. Und wann er dieſes thut / ſo ſpricht GOtt: Joſeph ſoll ſei⸗
ne Hand auff deine Augen legen / daß du ſeheſt / das iſt / Chriſtus
ſoll mit ſeiner Genaden⸗Hand in dein an GOtt blindes Geſichte
greiffen / und ſeine Hand der Goͤttlichen Sonnen auff deine Au⸗
gen legen / ſo wirſt du in Goͤttliche Beſchauligkeit und Erkaͤnt⸗
nuͤß in dir ſelber kommen / daß ſich deine Vernunfft verwundern
wird / woher dir ein ſolch Liecht und tieffe Erkaͤntnuͤß komt.
9. Jacob iſt mit fiebengig Seelen in Egypten kommen / mit
allen feinen Kindern und Kindes: Findern / Davon Ihr fechs und
fechzig aus feinen genden kommen waren/ welche mit ihm zogen /
dann Fofeph hatte zween Söhne in Egypten gezeuget.
zo. Diefe Zahl ſechs undfechzig iſt eine groffe.geheime Zahl /
fo wohl die Zahl fiebensig / welche eine Zahlder groffen Babel
iſt: Und die Zahl ſechs und ſechzig iſt des Thieres und der Huren
Zahl / von welcher Iſrael und ein jedes Kind GOttes ung aus»
iehen.
ız, Dieſer Außzug Iſraelis iſt eine wahrhafftige Figur und
Bild des letzten Außzuges des Volckes Iſraelis / als der rechten
wahren Chriſten / welche auch aus die ſen Canaan / als aus Ba⸗
bel / außziehen ſollen im Ende des Thieres und der Huren Zahl /
welcherSianat:Stern mit dem Wagen Joſephs / ſchon
erſchienen ſind
12. Dann die groſſe Theurung bey Jacobs Zeiten]
als die groſſe Sungers:noth umb himmlifihe Speiſe /
Die iſt vorhanden / und nicht allein ein Geelenshunger
nach Simmels:brod / fondern auch eine gar. groffe heff⸗
tige * von der Welt her faitunerhörtelmprefbon -
* ball zur Eigenheit/ als zu Geitz / Wucher und.
offahrt.
23. —— im Grimm GOttes nach der Eitel⸗
keit die zu verſchlingen I it ſo groß | daß er.anjeko der
Simmels: Kräffte impreflet / daß aller Borrath und
Seegen
C.73. dern ſey in Egypten gezogen. 737
Seegen verſchwindet / und der Menſchen Gemuͤthe alſo
hungerig nach Eitelkeit it) daß gar feine Ruhe auff
Erden für diefer Begierde iſt.
14. Esift dasdritte Principium , als der Spiritus Mundi des
Reiches in den vier Elementen mit impreflet / davon aller See»
gen verſchwindet / und andeffen Statt ein unerfattliher Geitz⸗
hunger entitandenift : alſo dag das Thier und die Hure / ſambt
ihren Anbethern / alfo hungerig nach Hoffahrt / Geitz / Reid /
Zorn / Ungucht und Hurerey / und thierifcher Wolluſt iſt und
alfo hart in folcher Begierde impreſſet / daß die Zeit da iſt/
dag diefes Thier ſambt der Huren zerbörften muß.
15. Ind alsdann fo wird Jacobs Geift lebendig / und
glaubet / daß Joſeph ein Fuͤrſt in Egyptenlande / als in
der Bekehrung it; allda wird Joſeph feinen Brüdern
offenbahr werden/fo müffen fie fich ſchaͤmen ihrerFalſch⸗
heit / daß fie haben Joſeph untertretten / und mit fügen
ins Elende verfauffer.
16. Dan Joſephs Angefichte in der Wahrheit] folt
gang Iſrael und Egypten beſchauen: Dann Iſrael
muß aus Canaan aufziehen] und Babel in der 70. Zahl
verlaffen: Uber ver Hunger zu Babel ſpricht: Ich wil
mir vonehe meinen Sack füllen/dag ich auff dem Weege
Zehrung habe; und weiß nicht ] dat; Joſeph hat Iſrael
Zehrung / darzu Wagen und Kleider gegeben | daß fie
nur ſollen ihr Viehe nehmen / und ſonſt ihre Wohnung
und Vorraht dahinten laſſen.
17. Die Zehrung / welche anjetzo Iſrael in Vabel einſamlet /
gehoͤret alle der grimmen 1mprelſion des Zorns GOttes / der ſoll
ſie alle verſchlingen wann fein Feuer brennet: GOtt hat ſeinen
Kindern ſchon Zehrung durch Joſeph zuvor hin geſchicket / ſte wer⸗
den wohl genug haben / ſo ſie nur nicht zancken auff dieſem Weege:
Es ſind ihnen Feyer⸗Kleider bereitet / daß ſie von dieſer Unruhe
des Treibers feyren ſollen.
18. Aber Babel dencket / noch lange nicht / Iſrael muß mir
dienen / ich wil fie baß plagen: Aber die Suͤndfluth / und das
Feuer zu Sodom uͤberfaͤllet fie ploͤtzlich daß Fein Er:
retten da iſt; Wer da wacher / der fey munter [daß er
nicht einſchlaffe / dann der Braͤutigam zeucht ——
hinten
738 Wie Jacob mit allen feinen Kin- E.73.
hinten nach wollen die tolfen Jungfrauen ihresampen
fhmücen: aber esift zu fpät / der Hunger zu Babel er:
greiffet und friſſet fie im feinen Schlund.
‚19. Moyfes fpricht weiter: Und er ſandte Juda vor ihme
bin zu Joſeph / Daß er ihn anweiſete zu Goſen / und Famen in
das Land Goſen: Da ſpannete Joſeph ſeinen Wagen an /
und zog hinauff feinem Vatter Iſrael entgegen gen Goſen:
Und da er ihn ſahe / ftel er iym umb feinen Half / und weinete
lange an feinem Halfe da fprach Iſrael zu Joſeph: Ich wil
sum gerne fterben/ nachdem ich dein Angeſichte gefehen habe /
daß du noch lebeft,
Diefe Figur ftebetalfe :
20. Juda deutet an den eingeleibten Bund GOttes im Men»
ſchen / als die Goͤttliche Genade in Chriſto / diefe ſchicket Iſrael /
das iſt / der gantze Menſch vorher zu dem himmliſchen Joſeph /
und vereiniget ſich mit ihme / daß der himmliſche Joſeph in der
eingeleibten Genade das Reich der Natur im Menſchen / als den
alten Jacob und Adam zu Goſen / das iſt / auff dem Weege der
Umbwendung / indie Ruhe Chriſti einfuͤhret / daß er ans rechte
Ziel komt / da er Speiſe fuͤr das hungerige Gewiſſen findet / als
den rechten Weeg zur Sceligkeit / da recht gelehret wird / und
Unterweiſung iſt / da iſt Goſen vorhanden / da die Seele im Fet⸗
ten ſitzet / und ſich in der fetten Weide Chriſti weides.
21. Und wenn das der himmliſche Joſeph Chriſtus fichet/ day
der alte Jacob / das iſt / der Adamiſche Menſch hat feinen Juda zu
ihme geſchicket / und hernach kommet / ſo ſpannet er ſeinen Wa—
gen an / das iſt / ſeine Wuͤrckung mit einem kraͤfftigen Gegen-zug /
und zeucht dem natuͤrlichen Menſchen entgegen / und wann ſte
ſich zuſammen nahen / ſo faͤllet die ſer Jo ſeph diefem Jacobs: Adam
umb ſeinen Halß / das iſt / er faſſet ſeine Begierde und Luſt / und
erfuͤllet fie mit feinen Thraͤnen / welche er in feinem Leyden hat
vergoffen / und in feiner Uberwindung hat durch den Tod indie
ewige Freude geführet.
22. Mit diefen Freuden Thränen zündet er die Seele des
alten Jacobs⸗Adams an / daß Jacob vor groffer Freude am
Halſe Joſephs / das ift/ in Chrifti Freuden-Thränen/ lange wei⸗
net / und feine innerfiche Freude mit den Thränen Chrifti
uiſchet: Mit welchen Freuden Thränen der alte Jacobs⸗Adam
mächtig getröftet / und in fich erquicket und geſtaͤrcket wird / dag
es 5 dag fein himmliſcher Joſeph in ihme noch lebet / daß
er
B L
C.73. dern ſey in Eghpten gezogen. 739
er in der Theurung der Suͤnden nicht iſt geſtorben / oder gantz
von ihme gewichen.
234So ſpricht dann der natuͤrliche Menſch: Nun wil ich
gerne ſterben / und alle mein Recht und Willen uͤbergeben / da ich
nun meinen lieben Sohn Joſeph erkannt und geſehen habe; das
iſt / weil ich empfinde / dag der neue Menſch in Chriſto iſt in mir
offenbahr worden / ſo wil ich nun gern meines Willens der Eitel⸗
keit in ſeiner Liebe⸗Krafft ſterben / wie Jacob zu Joſeph ſagte.
24. Joſeph ſprach zu ſeinen Bruͤdern und ſeines Vatters
Haufe: Ich wil hinauf ziehen / und Pharao anſagen / meine
Bruͤder und meines Vatters Haus iſt zu mir kommen aus
dem Lande Cangan / und find Viehe⸗hirten / denn es find Leute
die mit Viehe umbgehen / ihr klein und groß Viehe / und alles
was ſie haben / haben fie mitgebracht; Wann euch nun Pha⸗
rao wird ruffen / und ſagen: Was iſt euer Nahrung ? So ſollt
ihr ſagen: Deine Knechte find Leute die mit Viehe umbgehen/
von unſerer Jugend auff bißher / beyde wir und unfere Däfter/
auff daß ihr wohnen moͤget imLande Goſen / dann masDiehes
hirten ſeynd / das iſt den Egyptern ein Greuel.
Die innere Figur ſtehet alſo:
25. Wann der himliſche Joſeph / Chriſtus / ſich hat der See⸗
len und Adamiſchen Menſchen offenbahret / Das ſie fegnd zuſam⸗
men kommen und haben einander empfangen und angenommen /
fo dringet daſſelbige kraͤfftige Wort in Chriſti Geiſte / das ſich
hat im Menſchen offenbahret / wieder in des ewigen Vatters Ei⸗
genſchafft / als in das ewige Sprechen des Vatters / das heiſſet
dann allhie: Ich wil Pharao anſagen / daß meine Bruͤder / ſambt
meines Vatters gantzem Hauſe iſt zu mir kommen.
26. Dann Pharao ſtehet allhier in der Figur GOttes des
Batters/ welcherder ewige König iſt / dehme ſaget Chriſtus / als
das Wort der Siebe und Genaden an / dag feine Bruͤder / als die
Eigenſchafften des menſchlichen Lebens / aus und mit aller Krafft
ſind zu ihme kommen / das iſt / das Wort Chriſtus / welches vom
Vatter kommen iſt in unſere Menſchheit I ſpricht durch feine
Krafft das natürliche menſchliche Lebens-Wort in das ewige
Wort des Vatters ein / das heiſſet allhie dem Koͤnige anſagen.
27. Dann Chriſtus iſt auch des Vatters Hauſhalter uͤber
die Menſchen / wie Joſeph Pharaonis: Dann alſo wird der
Menſch wieder in GOtt offenbahr / wann ihn Chriſtus in des
Vatters Wort einſpricht und anſaget / ſonſt moͤchte der —
i
740 Wie Jacob mit allen feinen Kin- E73.
nicht GOtt erreichen z Dann das menfchliche geben ift auch aus
GOttes des Vatters Wort kommen: Dann der Geift GOttes
ſprach durch und aus des Vatters Wort im Menfchen/Jon.r.
28. Aber cshatfich / nachdehme esin eine Ereatur kam / und
natürlich ward/von GOttes Liebe⸗Sprechen abgewandt/und im
Zorn⸗Sprechen offenbahret / die Kraft des $iche- Sprechens
war ihme verlofchen / als dasander Principium die heilige Ge⸗
bährung oder Wuͤrckung Göttliher Kräffte / und vermochte in
eigener Kraft und Macht nicht wieder in Das Sich Sprechen
eingehen / daß es hätte mögen Göttliche Liebe⸗krafft fprechen oder
gebäahren/es hatte fich von GOttes Liebe getrannt/und in ein na⸗
tuͤrlich Sprechen der Selbheit und Eitelkeit eingeführet.
29. Diefes jammerte GOtt / und führete fein Liebe-ſprechen⸗
des Wort wieder in das creatürliche gebildete Wortder Seelen
und Menfchheit ein / das ift num diefer Joſeph / welchen GOtt
hat zuvorher gefandt / daß er das menſchliche geben foll wieder in
das ewig-fprechende Wort einführen oder einfprechen/ / und dar⸗
innen vortem ewigen Könige offenbahr machen / der führet das
menſchliche Wort in des Batters Eigenfchafft im Wort GOt⸗
tes / und verfühnet dasabtrünnige menschliche Wort indes Bat:
ters Zorn-fprechen mit feiner Siebe / das iſt er verwandelt den
Zorn im menfchlichen Lebens⸗wort in feine Liebe⸗ thraͤnen in die.
Göftliche Freuden-reich / und offenbahret das menſchliche Leben
würclich in GOtt / das heiffet allhie wie Joſeph fagte : Ich wil
zu Pharaofagen: Meine Brüder und meines Vatters gantzes
Haus iftzu mir aus dein Sande Canaan kommen.
30. Dann Ehriftus iſt unfer Bruder worden: Das Wort
Ber Siche ward Menfch und wohnete in uns: Es nahm Adams
Natur anfic ; darumb heiſſet ers in diefer Figur feines Bat-
ters Haus/ als den erften Adam und feine Kinder/ heiffet er feine
Brüder ; alfo gang heimlich redet der Geift Moyſis in der Fi-
gur Ehrifti/ fonft hätte er an diefem Ort wohlgefaget: Mein
Vatter iſt zumir kommen / foer nicht eine andere Figur darun⸗
ter hätte. ?
32. Erfaget/aus dem Lande Canaan / und find Vichehirten /
alfo wolte er für Pharao fagen/ auff das fie möchten im Sande _
Gofen wohnen das iſt in dieſer Figur fo viel z Ehriftus zeiget
am Norte des Batters mit feinem $iebesfprechen.an/ daß feine
Brüder aus der Eitelkeit der Cananiter / aus wildsthierifcher
Eigenſchafft find zus ihme kommen / dag fie von ihrer Jugend
auff / ſint Adams Zeit her / nur find Biche-hirten geweſen / das —
A
—
C.73. dern ſey in Egypten gezogen. 741
das menſchliche Lebens⸗wort / hat muͤſſen in dieſem fleiſchlichen
Cangan wohnen im Fleiſch und Blut / und hat muͤſſen der thie⸗
riſchen Eigenſchafft des Fleiſches huͤten und pflegen.
32. Dann die animaliſche Seele im Spiritu Mundi im Men⸗
ſchen hat viel hundert Thiere / die ſie hat in ſich mit der falſchen
Luſt erwecket und offenbahret; dieſer Thiere muß nun das menſch⸗
liche Lebens⸗wort von Adam her immerdar huͤten / und muß init
ſolchem Viehe umbgehen / und dieſe Thiere pflegen: So ſagte
nun Joſeph / auff daß fie möchten mit ihrem Viehe im Sande Go⸗
ſen wohnen / das iſt / in einer beſondern Staͤtte / und nicht bey
Pharao; dann die Viehe ⸗ hirten faget der Geiſt / wären vor den
Egyptern ein Greuel: das iſt / die thieriſche Eigenſchafft im
Menſchen iſt vor GOtt ein Greuel / darumb fuͤhret Ehriſtus
nur den inwendigen Paradeiß⸗grund / dieſe Zeit der Thiere fuͤr
Gottes Angeſichte: Aber die Thiere fuͤhret er in Goſen / das iſt /
in das außgeſprochene creatuͤrliche Weſen dieſer Welt /ineine
geſeegnete Staͤtte GOttes.
33. Der thieriſche Menſch kan nicht fuͤr Pharao / das iſt / in
GOttes Majeſtaͤt und heiliger Krafft wohnen : Joſeph oder
JEſus laͤſſet ihn in der auſſern Natur / im Reiche dieſer Welt /
und ſetzet ihn in einen Seegen / daß er nahe bey GOtt wohne /
aber ein Principium iſt der Unterſcheid / wie zwiſchen Zeit und
Ewigkeit.
34. Und Joſeph ſagte mit Fleiß / er wolte ſagen: Sie haͤtten
klein und groß Vieh mitgebracht / anzudeuten / daß der gantze
enſch mit allen ſeinen Wercken waͤre in die Genade und fette
geſeegnete Wohne vor GOtt gebracht worden / daß Chriſti Kin⸗
der mit allen ihren irrdiſchen Wercken gen Goſen geſetzet wer⸗
den / als in eine Genaden⸗ſtaͤtte.
35. Und ſaget zu feinen Braͤdern; Wann euch Pharao wird
fragen/was iffeuer Nahrung ? So folltihr fagen : Deine Knech⸗
ge find Biche-hirten von Tugend auff geweſen / das ift fo viel:
Wann euch GOttes Geift wird forſchen /undprobiren in Sinn
md Gemüthe was ihr fegd / ob ihr Engel und GHttes Diener
ſeyd / fo demuͤthiget euch vor GOtt / und ſaget nicht vor euch vor
GDLtes Augen /wir figen in deinem Ambte/ und find Herren;
Item, Gewaltige der Welt / Neiche / Edele /Schoͤne / Gelehrte}
Berftändige / und dergleichen ; duͤncket euch nicht felber vor
GoOtt gut zu feyns ſaget nicht / wir find deine liche Diener in deis
ner Krafft/fondern ſaget: Wir deine Knechte find Viehe⸗hirten
von Adam her / wit huͤten unſere thieriſche Eigenſchafft —*
br
#.
722 Wie Jac.mit allen ſeinen Kind.ꝛc. C.73.
Wercks deiner Wunder / die du gemachet haſt / wir koͤnnen nicht
vordir/ Oheiliger GOtt / beſtehen: Denn wir find untuͤchtige
und unverſtaͤndige Biehe⸗hirten deiner Wunder / laß uns nur
Genade finden / daß wir moͤgen in dieſem Goſen fuͤr dir wohnen.
D HErr / wir wiſſen nicht was wir fuͤr dir thun ſollen / gebeut dat
und lehre uns / wie wir dieſe deine Heerde weiden ſollen / dann
wir ſind deine Knechte / und wollen vor dir dienen als deine
Dieheshirten.
36. In dieſem Spiegel beſchaue dich / du ſchoͤne Welt / was du
in Deinen hohen Ständen und Aembtern biſt / alleſambt vom
Kaͤyſer an big auff den Bettler und Beringften/nur Biche-hirs
gen; Einjeder iſt nur ein Bicheshirte/ denn er verwaltet nur ein
Ambt des thierifchen Menſchens / und hat unter feiner Both⸗
maͤßigkeit nur über Ihiere zu herrſchen / und nichts mehr : Dann
über den innern Goͤttlichen Menfchen Ean Eein weltlich Ambt
herrſchen / er muß in feinem Ambte nur einen Hauffen Thiere
hüten / fie regiren und ihrer pflegen / hingegen pflegen fie ihn
wieder.
37. Mit dieſem Bichehirten-Ambte ſtoltzitet nun der irrdi⸗
ſche Lucifer / als haͤtte er cin englifh Negiment / und ift doch vor
GH nur ein Bichehirte/ und nichts mehr,
38. Darumb hat GOtt fein Geheimnuͤß mit folchen einfäftie
gen Viche-hirten fürgebildet/ dag der Menſch fehen foll / was er
in feinem Ambte und Stande iſt; auch dag fich nicht fein Grimm
erhebe/ und dieſe Hirtenverderbe/ fo hater ſie ihme allefambt in
feiner Fürbildungnurals Vichchirten fürgemodelt/ auff daß er
feine Benade möge über des Menfchen Unverftand atiggieflen.
39. Hierinnen befchet euch nun ihr Gewaltigen/ Edelen /
Reichen / Gelehrten /allemiteinander / wie euch der Geiſt GDt-
tes mit den theuren Ertz⸗ vaͤttern nur in Viehehirten ambts⸗ weiſe
in feiner Geheimnuͤß · Offenbahrung für ihn ſtellet; Ihr ſeyd für
ihme alle miteinander nichts anders als ſtine Dicheshirten /der
Kaͤyſer als fein Diener) der Edele als fein Unterer [einer wie der
ander: Einerhütet in dieſem thierifchen Ambte / der ander in
einemanderen.
40. Aber der Pharifzus wird fügen : Ichhüteder Schäf:
lein Chriſti. Wehe dehme / der feine Schäfflein einem Wolfſe
vertrauet: Lehret er was gutes aus Chriſti Geiſte / ſo iſt daſſelbe
nicht aus feiner Gewalt / ſondern der Ertz-hirte Chriſtus thuts
durch ihn; Er aber gehet nur mit Thieren umb / und traͤget ſelber
ein Thier unter ſeiner Heerde an ſich / welches auch muß gehuͤtet
werden / oder der Wolff friſſet es. 41. Alſo
3.74. Wie Jacob für PharasgeftHetric. 743
41. Alfo hat GOtt alle Aembter ins Hirten-Ambt gefeget/
Das je eines des andern hüten und pilegen foll/ und findaber nur
alle ſambt Hirten vor ihme / welche des Viehes huͤten: Chriftus
iſt allein der Hirt der Seelen / und feiner mehr.
42. Es ſoll einer ſein Schaͤflein Chriſti / das er in ſich hat /
keinem irrdiſchen Viehehirten / ſondern allein dem Hirten Chris
ſto vertrauen / dann in allen aͤuſſerlichen Hirten⸗Aembtern ſind
Woͤlffe / welche auff das Schaͤflein Chriſti zielen / und das freſ⸗
fen wollenz Unter dem Hirten⸗ambte mager wohl gehen / aber er
ſehe ſich nur fuͤr des Hirten Hunden vor daß ſie ihn nicht beiſſen.
43. O Welt in deinen hohen Staͤnden! wan du dich doch nur
betrachteteft/ / was du in deinen Ständen biſt vor dem Himmel /
und ſetzteſt deine Stände nicht ſo hoch in GOttes Liebe / fie ſtehen
nur in ſeiner Wunderthat / im Boͤſen und Guten,
44. Wan GoOtt hat einen weltlichen Staͤndt wollen in feiner
Liebe fuͤrbilden / ſo hat er Viehehirten darein geſetzet / oder ja ge⸗
ringe / arme / verachtete und unanſehnliche Leute: Siehe an Ha⸗
bel / Seth / Enos / Noa / Abraham / Iſaac / Jacob / Joſeph /
Mofen / David: Item „die Propheten und Apoſtel und alle Hei⸗
ligen / durch welche fich GOtt hat jemahls offenbahret / fo wirftu
das ſehen / das vor ihme keine Hochheit nichts gilt /fteift nur ein
Spiegelder Wunder im Böfen und Guten / zugleichein Spiel
GoOttes Siebe und Zorn / eine Fürmodelung der englifchen Herze
ſchafften in Liecht und Finfternüg / in Himmelund Hölle,
Das74.Capittel.
Wie Jacob für Pharao geftellet ward mit den 5. jüng:
sten Brüdern Joſephs; und wie Jacob den Pharao
ſeegnet / auch wie Joſeph bat dem Pharao gantz E⸗
gypten eigenthinnlich erfauffet: Was allhier zu
verſtehen fey.
Genel. 47.
I. OHyfes Spricht : Da Fam Joſeph / und fagte
Pharao an) und fprach: Mein Vatter und mei⸗
ne Brüder / ihr Elein und groß Dieh / umd alles
was fie haben / feynd Eommen aus den Lande
Cangan / und fiehe / fie find im Lande Goſen:
und er nahm feiner jüngsten Brüder fuͤnff / und ſtellete fie für
Pharao: De fprach Pharao zu feinen Bruͤdern: Was 1 ge
is
744 Wie Jacob fuͤr Pharao Cap. za.
Nahrung? Sie antworteten : Deine Knechte find Viehe⸗hir⸗
ten / wie und unfere Dätter/ und fagten weiter zu Pharao:
Wir find kommen bey euch zu wohnen im Lande) dan deine
Rechte haben nicht Weide fuͤr ihr Diehe/ fo hart druͤcket die
Theurung das Land Canaan / fo laß doch nun deine Knechte
im Lande Bofen wohnen: Pharao fprach zu Joſeph: Es iſt
Dein Vatter und find Deine Brüder / die ſind zu dir Eommen /
Das Land Egypten ftehet Dir offen / laß fie am beften Orte des
Landes wohnen / laß fieim Lande Bofen wohnen / und fo du
weiſt daß Leute unter ihnen jeynd Die tuͤchtig ſeynd / fo fee fie
über mein Dieb.
Diefeinnere Figur ftehet alfo:
2. Wan Chriftus feine Brüder umd ven alten Vatter Adam
in GOttes Kraft offenbahret / daß fte find mit allem ihrem We⸗
fen zu ihme kommen / und fichihme gang ergeben haben / fo nimt
er indes Lebens Eigenfchafften fünff ver jüngften Brüder / und
ſtellet fie für GOtt / das iſt / er nimt die fünff Sinnen des Men⸗
ſchen / welche immerdar die juͤngſten in des Lebens Eigenſchafft
ſind und bleiben / dan ſie gebaͤhren ſich immerdar neu / und ſtellet
dieſe mit ſeiner Lebens⸗Krafft für GOtt.
3. Dan dieſe ſind es / welche ſollen GOttes Diener in der Lie⸗
be ſeyn; Dieſen giebet Chriſtus Raht ein / und ſaget: Wan ihr
fuͤr GOttes Antlitz kommet / daß der Geiſt GOttes in euch fuͤr⸗
über gehet / und euch pruͤfet und ſichtet was euer Ambt und
Wuͤrckung vor Gott ſey / fo demuͤhtiget euch / und ſaget vor
GH: Deine Knechte find nur Viehe-hirten / und find in der |
Theurung des Elendes in unferm groffen Hunger zu dir kom» |
men / bey euch im Sande GOttes zu wohnen / dan wir haben in |
unſern eigenen Kräften in dem adamifchen Reiche der Natur
wicht ABeide und Speife für das arıne elende Leben:So laß doch
nun / 9. HErr/ deine Knechte im Sande Gofen/,als in deinen
Borhöfen/ wohnen] daß wir effen vom Thau des Ammels/und
in unferm Ambte dir dienen.
4. Sofpricht alsdan der ewige Batter zu Chriſto als zu feis
nem Haushalter: Siehe / dasift dein Batter Adam / und find
Deine Brüder nach der Menfchheit / die find zu dir Fommen : Das
sand Egypten ſtehet dir offen ; das ift / das Himmelreich ; ſamt
dem Keicheder Natur ſtehet dir offen / du bift mein Haushalter
im Reiche der Genaden / und auch im Reiche der Natur menfch>
licher Eigenfchafft / Tag fie am beſten Drte im Reiche der *
den
‚Eap-74: geſtellet ward / etc. 745
den und im Reiche der Natur wohnen; und fo du ſieheſt / daß
Männer unter ihnen ſeynd / welche tuͤchtig ſeynd / Die feße über
mein Biche das iſt / welche unter ihnen tüchkig feynd / Die mache
zu Ambtleuten im Reiche der Natur / dag fteüber meine Erras
turen herrſchen / das iſt / ſetze fie in das Apoſtoliſche Ambt / daß ſte
meine Heerden weiden / welche du inwendig in ihnen mit deinem
Stabe weideſt; laß ſie aͤuſſerliche Suten ſeyn / und die Eigen⸗
ſchafften der Natur / als meine Schafe oder Viehe weiden und
regiren.
5. Alle geiſtliche Hirten in dieſer Welt ſitzen in dieſem Ambte
des Batters/ fo wohl auch die Weltlichen / welche nur durch Chri⸗
ſtum ſeynd eingeſe tzet / durch weiche Chriſtus inwendig ſelber herr⸗
ſchet und regiret / die ſind alleſambt GOttes Ambtleute.
6. Welche aber ohne den Ertz-hirten Chriſtum einſttzen in
Aeubler/ die And alleſamt nur im Sande Canaan in der Theu⸗
rung des Zorns GOttes / und ſeynd nur freſſende Wölfe, einer
wiederander / er fen geiftliches oder weltliches Ambts / er ſey E=
Del oder Unedel / Fuͤrſt oder Vogt / Priefter oder Köfter / einer
wiederander: Alleswasauffer GOttes Geift im Ambte heri=
ſchet / das hersfhet der Selbheit und dem Gerichte GOttes: Wer
nicht gedencket in feinem Ambte GOtt zu dienen / und fein Ambt
zu verwalten als ein Hirte GOttes / der dienet dem Luciſer.
7. Mofes fpricht weiter: Joſeph brachte auch ſeinen Vatter
Jacob hinein / und ſtellete ihn fuͤr Pharao; und Jacob ſeeg⸗
nete den Pharao; das iſt / Chriſtus ſtellet auch das adami⸗
ſche Bilde vor GOtt / nicht allein die fuͤnff Sinnen / ſondern
den gantzen Menſchen / und der ſeegnet SoOtt / das iſt / er danc⸗
ket GOtt / und bringet ihme Fruͤchte zum Lobe Gottes als
einen Seegen: So ſaget dan GOtt in feiner Wuͤrckung:
Wie alt biſtu? Und erfpricht / 230. Jahr iſt die Zeit meiner
Walfahrt / wenig and boͤß iſt die Zeit meines Lebens / und
langer nicht an die Zeit meiner Däfterimihrer Walfahrt: Und
Jacob feegneteden Pharao / und gieng heraus von ihme.
8. Alfo bekennet und beichtet der adamiſche Menfch vor GOtt
feine böfe Zeit in der irrdiſchen Begierde / und füget es fey nureine
Walfahrt / als ein frätes wandern und quälen in ſtaͤter Muͤhe
und Unruhe / dadurch der Menſch GOttes Wunder wuͤrcket.
9. Und Moyſes fpricgt weiter: Es war aber kein Brod in
allen Landen / denn die Theurung war faſt ſchwer / daß das
Land Egypten und Cangan verſchmachteten vor, der Theu⸗
zung; und Joſeph brachte alles ra zuſammen das in, £=
gypten
746 Wie Joſeph dem Pharao gang Cap. 74
gypten und Lanaanfimden ward / um, das Getreyde das fie
Faufften/und er thaͤt alles Geld in das Hau Pharao: Da nım
das Geld gebrach im Sande £gypten und Cangaan / kamen slle
Egypter au Joſeph / und ſprachen: Schaffe uns Brod / war
um laͤſſeſtu ums vor dir ſterben / darum Daß wir ohne Geld
ſeynd? Joſeph ſprach: Schaffet euer Diehe her/fo wil ich euch
um das Diebe geben / weilihr ohne Geld feyd ; Da brachten
jte Joſeph ihr Vieh / under gab ihnen Brod um ihre Pferde
und Schaafe / Rinder und LEſel; alſo ernehrete er fie mit Brod
diß Jahr umb allihr Diehe.
10. Diefe Figur iſt fehr mächtig / undhatgroffen Verftand /
wiewohl ſie ihme der thieriſche Menſch voll Geitz und Wucher ein»
bildet / als ſey ſie für ihn / ſo iſt aber doch die wahre Figur gantz wi⸗
der ihn / gleich wie das Gleichnuͤß im Evangelio vom ungerechten
Haushalter ſaget / Der Herr habe ihn gelobet / daß er alſo kluͤg⸗
lich getahn hatte.
ıı. Diefe Theurung in Egypten und Cangaan / da alles Sand
war verfchmachfet / prafiguriret den armen gefallenen Menfchen
in Leib und Seel / welchen der Zorn Gottes hat ausgedorret/ daß
er verfchmachtetift. Denn Egypten deutet ander Seelen Natur/
und Canaan des Leibes Natur: Der groffe Worraht des Getrey⸗
des / dehn Joſeph famlete/ und inder Theurung verfauffte/deutee
andas Göttliche Genaden-wort; Das Geld der Egnpter und Ca⸗
naniter / darum ſie das Getreyde beym Joſeph Fauffeten / deutet
an das erentürlihe Wort GOttes menfchlichen $ebens ; Das
Viehe das ſie auch dargaben ums Brod / da fein Geld mehr war/
deutet an die bildfiche Eigenfchafft indes Menfchen geben,
Die Figur ſtehet alfo:
ı2. Wander Menfch in Seelumd $eib in diefe Theurung und
indiefe Hungerssnoth ir GOttes Zorn und Ausdörrung Fomt/
fo hat er kein Labſal noch Troft/ dan fein Gewiſſen dörret ihn alfo
in GOttes Zorn aus / fo muß er zum himmlifchen Joſeph ge⸗
ben / und dieſer Genaden-fpeife kauffen.
13. Erftlich / weildie Seele fambt dem Leibe noch ein wenig
Krafft und Troft in fich empfindet / ob fisgleich das Gewiffen na⸗
get) fo gibet fie diefem Haushalter SEfu Chrifto gute Wort /
und bethet zu ihme / und Fauffet um creatuͤrliche bildliche Worte
von Jo eph Speiſe; das deutet nun das Geld an / weil dieſe Wort
nur wollen in der Einbildligkeit dem Gewiſſen ein wenig Troſt
und Krafft geben / ſo kauffet die Natur der Seelen und des Leibes
immer⸗
—
C.7 Egypten eigenthuͤmlich erkauffte. 747
immerdar umb ſolch Geld / Genade / und giebet dieſem Joſeph
ein gutes Geſchwaͤtze mit einem einbildlichen Weſen und einem
figurlichen Gebeth aus Gewohnheit / und lebet alſo von ſolcher
— in Hoffnung.
4. Wan aber die Angſt des Gewiſſens dieſe Hoffnung aus=
——— daß ſolch kaltes Gebeth und hiſtoriſcher Glaube nichts
mehr helffen wil / daß das Gewiſſen ſchreyet / du muſt im Zorne
GOttes verſchmachten / esift kein Gebeth mehr Das vor GOtt
gilt; Alsdan komt die arme Seele zu dieſem Jo ſeph / und ſpricht:
Was laͤſſeſtu mich verderben Darum daß ich mein Gt Bebeth und
Glauben nicht für dich bringen kan / damit ich moͤchte Speiſe für
mein Leben befommen: Siehe meine Krafft ift dahin / ich ver>
mag nichts / ich habe nicht mehr Worte / damit ich koͤnte Deine
Genade erreichen.
15. So fpricht alsdan der himmliſche Joſeph zur Seelen:
Bringe deine Thiere / als Pferde/ Ochfenund Efelyer zu mir;
fo wil ich dir Speife darum geben s das iſt / bringe alle deine irr⸗
diſche natuͤrliche Begierde und Bilder / falſches Vertrauen auff
die Creaturen / als auff eigene Witz und Liſt in Falſchheit / zu mir /
und aͤbergib mir dieſelbe alle / daß du ledig Davon ſeyeſt / fo wil
ich dir Speiſe geben dag dus lebeſt / und wil auch deine Bildlig—
—* der Gedanden fpeifen. Diefes ift alfo der Eingang dieſer
igur.
16. Und Moyfes fpricht weiters Dadas Jahr um war / ka⸗
men fie su ihm im andern Jahre / undfprachen zu ihm: Wir
wollen unferm Herrn nicht verbergen / daß nicht allein das
Geld / ſondern auch alles Viehe dahin iſt zu unſerm Hera /
und iſt nichts mehr uͤbrig fuͤr unſerm Herrn denn unſer Leib
und unſer Feld; Warum laͤſſeſtu ung vor dir ſterben und un⸗
ſer Feld / kauffe uns und unſer Land um Brod / daß wir und
unſer Land leibeigen ſeynd dem Pharao / gib uns Sasmen
daß wir leben und nicht fterben / umd das Feld nicht verwuͤſte.
Diefesift nun der rechte Ernft / da der Menſch alles uͤberg giber?
und fich felber gang ergiebet.
Die Figur ftehet alſo:
17. Wenn der Menſch alfp in der Gewiffens-thenrun g ſteh et
dag nicht allein die Worte welche er vor GOtt ſaget / nicht mehr
gelten wollen / daß er möchte Troft empfahen / fordern das auch
endlich diefes dahin faͤllet / wan er fich b at aller bildlichen Be⸗
gierde entſchlagen / und dieſe Welt in der Begierde verlaſſen / ſo
iz ſpricht
* LE 7:
748 Wie Joſeph dem Pharao gang C. 74
fpricht denn Die arme Seele zum himmliſchen Joſeph: Ach mein
Herr / was ſoll ich für dich bringen / daß ich deine Genade möge
erlangen: Siehe / mein Gebeth empfindet Feine Krafft / und ob
ich gleich habe die Welt verlaffen / und habe meinen thierifchen
Willen übergeben / fo ftche ich doch in groffem Hunger vor dir /
ich habe nichts mehr / als nur meinen Leib und Seele: Mein Her
nim̃ es doc von mir zu dir / ich ergebe mich dir gang zum Eigen»
thum: Gib mirdeine Genade / daß ich in dir möge feben / ich wil
nich dir gantz mit Leib und Leben übergeben / und wildein Knecht
im Gehorſam ſeyn. Gibdu mir nur Saamen/das ift/ gib du mir
ur Willen und Gedancken / und für das Land meiner Natur / und
fa meinLeben deinen Knecht ſeyn / daß ich mir ohne deinen Willen
nichts mehr ſey / ſondern daß ich deinLeibeigen und dein Knecht ſey.
18. Alſo iſt denn ſeiner genug / wenn er hat Leib und Seel
mit Willen und Gedancken / und allem dem das er hat und iſt /
gang dieſem Joſeph übergeben / daß er iſt als ein leibeigener
Knecht Gottes / der nur hofſet was ihm fein Herz geben wil/ da
alles Vertrauen auffdie Eigenheit gang übergeben ift; fo ift die
Vernunfft recht getoͤdtet undhat der Teuffel feinen Stuhl im
Menſchen verlohren; Denn er hat in der Gelaffenheit nichts eige>
nes / und der Teufel kan anderft nicht dem Menfchen beykom⸗
men / als in der Begierde zur Eigenheit.
19. Und Moyſes ſpricht weiter: Alſo kauffete Joſeph dem
Pharao das ginge Sgyptenlandt / denn die Egypter verkauff⸗
ten ein jeglicher ſeinen Acker: Denn die Theurung war zu
ſtarck uͤber ſie / und ward alſo das Landt Pharaoni eigen / und
er theilete das Volck aus in dieStüdte von einem OrthEgyp⸗
gen biß ans ander/ausgenommen der Priefter Feld / das kauf⸗
fete ea nicht / denn es war von Pharao für die Priefter verord⸗
net / daß fte fich nehren folten von dem benanten dss erihnen
gegeben Hatte] darum dorfften fie ihr Feld nicht verfauffen.
Die Figur ftehet alfo:
20. Chriſtus kauffet um feine Genade auff eine folche Art /
wenn ſich der Menſch in diefer Hungerssnoht zu ihine nahet/feine
gantze Natur mit allen Geftülten / und bringet alles was am
Menſchen iſt wieder indes groflen Pharaonis/ als in GOttes⸗
Haus’ und machets GOtt feinem Batter wieder untertyunig.
21. Dennin Adam ſeynd alle Menfchen treulog worden / und
ſeynd in Eigenheit des Willens eingegangen, aber Chriſtus ers
kauffet ihm die menfihliche Eigenheit wieder zu ſeinem Eigen⸗
thum /
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-
E.74. Egypten eigenthuͤmlich erkauffte. 749
thum / und uͤbergiebet dieſe wieder GOtt feinem Vatter / und
deutet recht an die Chriſtenheit / welche Chriſtus hat mit ſeiner
Genade durch den Schatz feines theuren Bluths erkauffet / und
zum Eigenthum gemachet / und hat nun ſeine Aembter ausge⸗
theilet / darinnen ihme die Chriſten dienen / und fein eigen find.
22. Daß aber der Prieſter Feld nicht verkauffet ward / und
da ß es Pharao nicht wolte kauffen / ſondern ließ es ihnen vor ei⸗
gen / das deutet an den innern Menfchen / welcher der Prieſter⸗
liche Tempel Chriſti iſt; dieſen kauffet GOTT nicht wieder zu⸗
ruͤck / er wil daß ihn der Menſch zum Eigenthum habe: Er bes
gehret nur das Reich der Natur zum eigenen Knechte; aber den
eingeleibten Genaden⸗grund / als den Tempel Chriſti laͤſſet er
der Seelen zum Mahl⸗ſchatze / denn es iſt die Staͤtte GOttes /
darinnen GOTT im Menſchen wohnet: Es Fan fie fein Menſch
wicder verkaufen / verpfaͤnden / noch mit ſchweren vertenffen /
denn fie gehöret zumewigen Einen / und nicht zur Ereatur Habs
hafftigkeit / ſondern ift ein gefipendter Genaden⸗grund / da Ehri⸗
ſtus fein Ambt darinnen treibet / es iſt ſein Wohnhaus.
23. Da ſpach Joſeph zu dem Volcke: Siehe / ich habe heut
gekauffet euch und euer Feld dem Pharao / ſiehe / da habet
ihr Saamen / und befaͤet das Feld / und von dem Getreide
ſolt ihr den Fuͤnfften Pharao geben: Dier Theil ſollen euer
ſeyn zu beſaͤen das Feld zu eurer Speiſe / und für euer Haus
und Kinder; Siefprachen / laß unsnurleben / und Genade
für dir finden / wir wollen gerne Pharao Leib-eigen ſeyn; Alſo
machte Joſeph ihnen ein Gefege biß auff den heutigen Tag uͤ⸗
ber der £gypter Seld / den Fuͤnfften Pharao zu geben / aus=
gengmmen der Priefter Feld / das ward nicht eigen Phsrsont.
24. Diefe Figur iſt ein rechtes Bilde der Chriſtenheit / wels
che Chriſtus hat mit feiner Liebe in feinem Blut erkauffet / da er
per Chriſtenheit feine Genade und Gerechtigkeitanbeut zu geben
fir ihre irrdiſche Bildlichkeit / daß fie ihme nur folldiefelbe übers
geben Fund ſo das geſchiehet / fo fpricht Eriftus: Siche Hich habe
heut / dasift / von nun an biß in Ewigkeit gekauffet alle euer irr⸗
diſche Bildung mir geib md Secle ; Ich habe euch mir zu ewigen
Seibeigenen Knechten und Dienern mit meiner Genade von
Hunger GOttes Zornserfauffet / ſehet / da habet ihr Scamen/
Das iſt / da habet ihr mein Wort / damit befüet den Acker euers
Gewiſſens in Leib und Seel / dag dieſer Saame Frucht trage]
und von dieſer Frucht ſolt ihr den Fuͤnfften Phargoni / das iſt /
GoOtt / wiedergeben: Denn 4. — ſollen euer Speiſe ſeyn / 3*
33 iſt/
75° Wie Joſeph dem Pharao can C.74.
iſt / dieſer Saame ſoll euere 4. Elementa des Leibes / fo wohl die 4.
Eigenſchafften des ſeeliſchen Feuer-lebens erquicken / und ſollet
die ſen Saamen des Goͤttlichen Worts vierfach zur Erquictung
cuers Lebens behalten / aber den Fuͤnfften ſolt ihr GOtt geben.
25. Der Fuͤnffte deutet allhier gar heimlichen an die Fuͤnffte
Geſtalt des natürlichen Sehens / als das Liebe-feuer im Liecht /
welches aus den 4. Eigenfchafften erbohren und offenbahr wird /
darinnen fichder uncreatürliche übernatürliche GOtt offenbah>
ret: Diefelbe Geftalt gebährer nun die Göttliche Freude und das
LobGOttes / darinnen die Seele ein Engel iſt / und SOtt lobet und
dancket / daß er ſite hat aus dem Feuer-quall der Peinligkeit er—
rettet / und hat fich ſelber mit ſeiner Liebe und Genade in ihren
Feuer⸗quall eingegeben / und ſie in ein Liebe⸗ſeuer und Goͤttlich
Liecht gewandelt.
26. Dieſen Quell der Liebe / als die fuͤnffte Eigenſchafft des
Lebens / darinnen die Seele ein Engel wird / gibet ſte nun GOtt
wieder mit groſſem Lob und Danckſagung / dan ſie gibet die fünffa
te Geſtalt Chriſto wieder zu ſeiner Wohnung;: Dan das iſt feines
Worts Wohnung / darinnen das Reich GOttes in uns iſt / und
da wir Tempel des heiligen Geiſtes ſind / der in ung wohnet: Und
dieſe fuͤnffte Geſtalt im Lob GOttes fordert Chriſtus wieder von
ſeiner Chriſtenheit / daß ſte dieſe ihme geben ſollen / daß er das Lob
GOttes / als die Fruͤchte der Liebe ſeinem Vatter in das Haus
der Goͤttlichen Krafft einſamle.
27. Aber der Prieſter Feld / das iſt / den inwendigen Grund
von der himmliſchen Welt Weſen / den kauffet er nicht mit ſeinem
Blut / dan derſelbe hat niemahls die Turbam der Zerſtoͤrung an⸗
genommen / ſondern iſt nur im Fall Ade verblichen und in Un—
zrund gangen / daß ihn die Seele nicht mehr zur Habhafftigkeit
hatte / dan er war in der Seelen als wie todt / und da doch in GOtt
nichts ſtirbet; aber die Seele war blind daran / auff Art wie
GoOtt / als das ewige Eine durch alles iſt / und begreiffet ihn doch
nichts als nur dieſes / deme er ſich mit in fein Weſen einergichet /
da er ſich wil offenbahren.
28. Dieſes verblichene Bilde oder Weſen iſt der Prieſterliche
Acker / da GOtt ſein Wort und Saamen imParadeiß wieder ein⸗
ſprach oder ſaͤete / der wird nicht mit Chriſti Blut erkauffet / wie
Die abgewandte Seele / ſondern er wird mit dem himmliſchen En-
ze, mit Chrifti Fleiſch und Bluterfuͤllet / daß er Ehrifti Fleifch
und Blut iſt / da der hohe Prieſter Chriſtus inne wohnet: Es iſt
ſein ewiger Sitz / darinnen GOtt IM Menſchen offenbahr iſt / *
4
i
©. 74. Egypten eigenthuͤmlich erfauffte. 757
erift die Rebe an Chrifti Weinftorke / welche Gottes und nicht
des Menfchen Eigentuhm ift.
29. Wohlift fie im Dienfchen / aber nicht inder Habhafftig⸗
keit der feurifchen Seelen Eſſentz; fie hat ein ander Prinsipium
als die Seele / und ift doch in der Seelen / und durch die Secle/
und ausder Seelen / auff Art wie das Liecht aus dem Feuer iſt /
welches durch das Feuer / und in dem Feuer /und aus dem Feuer
feine Offenbahrung hat/ aus welchem Liecht und Feuer eine Lufft /
undausder Lufft ein Waͤſſerlein urftändet ; und daffelbe Waͤſ⸗
ferlein deutet an das Weſen diefes inwendigen Grundes/ welches
dem Feuer wieder Nahrung / Speife / Glaſt und Schen gibf.
30. Alfo auch von der Seelen zu betrachten iſt / alsihr das
göttliche Liecht verlafch/fo erbahr fich diefes Weſen aus und inihr
nicht mehr / fondern blich verblichen oder erlofchen ; fo hatte Die
Seele keine göttliche Speife mehr für ihren Feuer⸗quell / dan fie
hatte ihre Begierde heraus ins dritte Principiumgewandt / und
war überwunden worden vom irrdiſchenLucifer und vom Sathan /
als des Grimmes Eigenfchafft / nach der finftern Welt Eigen»
fchafft/ im Loco dieſer Welt.
.. 32. Diefer abgewandten Seelen Fam die Genade zu huͤlffe /
diefe ward durch Chrifti Blut erkauffet / dan der Käufer tratt
mit feinem@enaden-gelde in dig verblichene Bilde ein / und nahm
es. an fich/ und fate fich der Seelen darinnen zum hohen Prieſter
und Schrer.
32. Und diefes Bilde war num diefes Priefters- Feld das er nicht
kauffete / dan es war vorhin GOttes: GOtt fegete nur feinen ho=
hen Prieſter Chriſtum darein / daß erdarinnen die arme Seele
folte fpeifen und Ichren / dag fe nicht folte von der Eitelkeit eſſen /
—— Bilde beſudeln / vertunckeln / und wieder zunichte
machen.
33. Und diefes iſts auch eben in der Figur bey Joſeph / dag er
das Prieſter⸗feld nicht kauffete / auch fo ifis die Figur beym Mo⸗
fe undder Leviten / dag te ihr Feld und Acer behielten / und doch
nur als Schen befaffen / welches alles den inwendigen Menfchen
von der himmliſchen Welt Weſen andeutet/ welcher GOttes Ace
ker iſt darein GOtt fein Genaden-wort / als Chrifti Geift eins
füet / welcher Acker oder Wefen allein dem hohen- Pricfter Chri⸗
ſto gehöret zu befigen/ und nicht dem ereatürlichen Schen/ ſondern
das creatürlihegeben empfaͤhet Krafft davon; es hats wohl in
ſich aber es ift mit der Natur nicht ein Ding / gleich wie das
Licht / und Die peinliche Quaal des Feuers nicht ein Ding iſt.
314 34. Die
ae
* mi + a 2 _
752 Wie Jofephdem Pharao gang C. 74:
34. Diefe Figur beym Joſerh /da er hat Vharae Egypten zum
Eigenthum ertauffet / und fie zueigenen Knechten gemachet / iſt
anders nichts andeutend / als daß uns Chriſtus werde von GOt⸗
tes Sorninter Iheurung unſers Verderbens / durch feine Gena⸗
de zur Leibeigenheit durch fein Blut erfauffen/ und werde uns ſein
Wert zum Saamen geben/dag wir damit fein erkaufftes Gut / als
unſer natürlich Sehen befaͤen.
35. Und daron ſollen wir nun von dieſer Frucht ihme den
Fuͤnfften / als die Liebe⸗gebuhrt / die fünffte Eigenſchafft des Le⸗
bens wiedergeben: dan in der fünfften Eigenſchafft ſtehet der
Glaube / denfelten follen ihme feine Kinder wicderoeben : dieſes
tamlet erin ſeines Batters Scheuren ein zum ewigen Lobe / und
zur göttlichen Offenbahrung feiner Winter.
36. Da$ aber die irndifchen Menſchen haben einefolche Leibei⸗
genheit gemacht / und einander vor $eibeigen halten/ und einander
darinnen quaͤlen / marteren /umd den Schweiß außſaugen zu ih»
rer Pracht und Hoffart/ das iſt ein Bilde des Zorns GOttes/
welcher ih auch nach der himmliſchen Figur bildet.
37- Denn alle Dinge muͤſſen ih nach der Ordnung des Worts
GoOttes bilden / es bilde ſich gleich ein Ding ins Boͤſe / als in Got⸗
tes Zorn / nach der Hillenseigenfhafft/ oder ins Gute Fin Hims
mel/ ins Reich Chrifti / denn bey den Heiligen ift das Wort hei=
> His /umd ben den Berkehrten/ iſts m GOttes Grimm offenbahr >
was für ein Bold das iſt /einen ſolchen GOtt hatesauch / ſaget
die Schrift. »
38. Die irrdifchen Menfchen feken dar das Bilde.im Zorne
GoOttes / indeme fie einander mitder $eibeigenheit quälen) mars
teren /plagen / und daffelte für recht halten } fe itsim Grimm
Der Natur in GOttes Zorne recht / und ift eine Figur der Hoͤllen /
und iſt auch eine Figur des Reichs Chriſti der himmliſchen $eiber»
genheit:Denn alles was der irrdiſche Menſch mit Dein und Quaal
thut das thut Chriftus in feinem Reiche mit feinen Kindern / in
Freude I Liebe / Demuth und Kraft.
39. Der irrdiſche Menſch nimt feinem Bruder feine Arbeit}
Atem ſeinen Willen und feinen Schweiß Jund Nahrung : Chri⸗
fius nimt auch feinen Kindern ihren böfen Willen /umd auch ihre
Arbeit / indene fiein GOtt würden / und mit groffer Dein in
groffen Aengften dahin dringen; diefe ArbeitnimtC Hriftusauch
alle von ihnen Fund ſamlet fte in feinen Schatz ⸗ Kaſten⸗ Er durch⸗
forſchet auch ſeiner Kinder Leib und Seele / wo nur ein Fuͤncklein
Hl das ihme würden und dienen kan und wil / das m
3
E. 74. Egupten eigenthuͤmlich erfauffte. 753
thiget er e göttliche Hoff=dienft / als in Weinberg Chrifti.
40. Erentzeucht ihnen auch offtedie Genaden⸗ ſptiſe / und läfz
fet ſie datnach Hungern und jamanern/ und laͤſſet fie im Elende is
tzen / und quälet fie / dag-fie nrüffen in groſſen Aengſten / in Jam⸗
mer / Furcht und Zittern? fuͤr ihme InGötrlicher Arbeit würden:
denn der alte Adams⸗Eſel wil ungern das göftliche Arbeiten.
41. Darumb wirder offte gezwungen] dag die Straffe und
Draͤuung immer hinter ihme heriff/ da ihme Chrifti Geift ine
ewiſſen mit der Höllen und GOttes Zorn draͤuet; gleich wie
auch die irrdiſchen Herrn auff Erden mit ihren Untern thun / wel⸗
He wohlinder Figur Chrifti ſtehen / aber das Auibt iſt ungleich.
42. Chriftus ſamlet ſeinem Batter / durch das Würden ſei⸗
ner Kinder viel hunmliſcher Früchte ein welche der Menſch wird
wieder bekommen und dieſelbe ewig genieffen; Aber ein weltli=
er Herr famlet durch der Armen Arbeit und Schweiß nur
Geld und Gut in feinen Kaften / zu frinen eigenen Ehren/ welche
Arbeitder arme Mann in diefer Welt nicht mehr genieffen kau:
Aber Ehriftus iſt doch fein sohn / indeme er der Figur GOttes
Zornes allbierim Elendedienen muß.
"43. Aber am Ende / dadie indifchen Aembter ſollen auch in
ihre Scheure eingeſamlet werden / in ihres Herrn Schatz⸗kaſten /
deme fie damit haben gedienet / da werden ungleiche Behalter
ſeyn / es wird mancher ſehr viel dem Reiche GOttes Zorns haben
eingeſamlet / und davon wird ihm in Ewigkeit wieder ſeine Spei⸗
ſe gegeben werden / als der Fluch des Bedraͤngten; Item die
Marter/ Furcht / Pein und Unruhe der Armen / das ſie allhie
mit ihrem Treiben durch Den Untern würden das wird ihnen
nach dDiefer Zeit auch zur ewigen Speift gegeben werden: Denn
was ciner alliyie ausfäct/ das wirderin ewigen Leben in ſeincr
Scheure finten.
44. Alle Aeınbter diefer Welt ſind GOttes / und alle Ambt⸗
leuthe vom Keyſer big auf den Geringſten / find GOttes Ambt⸗
leuthe: aber fie dienen ihme ungleich / einer dienet ihme in feiner
Liebe als cin Diener Ehrifti/ der ander dienet ihme in ſeinem
Zorn / als ein Diener der Hölen.
45. Alles was feine Eigenheit indiefen Aembtern ſuchet / und
nicht gedenket GOtt und feiner Ordnung / und Den Menſchen
darinnen zu dienen / das dienet dem Zorne GOttes / und ſamlet
in die Hölle.
46. Dan alle Schaͤtze der Fuͤrſten und Gewaltigen ſollen zer
gemeinen bruͤderlichem Nuse geſamlet ſeyn / zu Unterhaltang
sis ur
754 Wie Joſeph dem Pharao gantz E74:
der guten Ordnungen und Aembter / auch der Elenden und
Schwachen / daß gleichwie ein Haus⸗wuͤrth mitdem feinen wuͤrc⸗
ket und arbeitet / und doch den Nutz zu ſich zeucht / und aber alle
feine Diener und Helffer Damit verſorget / ſpeiſet und naͤhret /
und das uͤbrige zu einer gemeinen Nohtdurfft fuͤr ſich / ſein Weib
und Kinder / und worzu er deſſen moͤchte duͤrffen / oder fuͤr arme
Leuthe laͤſſet liegen: Alſo iſt auch der Aembter ſamlen: es ſoll al⸗
les zum gemeinen Nutz geſamlet ſeyn / oder iſt cin Schatz des
Zorns GOttes / und wartet des Urtheils GOttes.
47. Daß aber der Gewaltige anjetzo alſo zu feinen eigenen Eh⸗
ren / zur Wolluſt und Hoffart ſamlet / und den Elenden deßhal⸗
ben deſto ſehrer quaͤlet und ausſauget / daß er nur damitte moͤge
Hoffart treiben / und den armen Untern hält Ms einen Hund /
und in ſeinem Hertzen ſaget: Sie ſeynd mirs ſchuldig / ich habe
es erkaufft oder ererbet / ich habe es zu rechte / das geſchiehet alles
miteinander im Zorn GOttes / ſie dienen in ſolcher Eigenſchafft
3 nur dem Sathan / als in der Figur GOttes Zorns / keiner
beſſer.
48. Alle Eigenheit gehoͤret indie Hölle / mache es wie du wilt—
Es gilt vor GOtt Fein ſcheinlich Abreden / du ſamleſt indie Hoͤl⸗
ke: GOtt fordert des Hertzens Grund / und wil getreue Ambtleute
haben.
49. Aber der Elende ſoll wiſſen / daß er in ſolchem Zwang und
Dienſte / fo er das ohne Murren in Treuen tuht / auch feinem
Herren Epriffo dienet; Dan GOtt zeucht ihn Damit von diefer
Welt weg / daß er ſeine Hoffnung in das künfftige feßet/ und in
diefer Dienftbarfeitder Hande) ſamlet er ihme mit feinem Gebe⸗
the in dieſem Sammer Haufe feinen himmliſchen Schaß / daß fo
er in derfelben Zeit diefer Drangfal in Wolluſt des Fleiſches
ſtuͤnde / er nichts gutes fanlen würde; Darum müffen denen die
Gott lieben alle Dinge zum beften dienen.
50. Alſo ſoll man die Figur unter Jofephs Befchichte verftchen;
wiswoldie Sefchichte mit groſſem Fleiß iſt nach der innern Fi-
gur befchrieben worden / nach Eingebung des Beiftes GOttes /
welcher allegeit mehr auff Chriſti Reich deutet / als etwan auff ei⸗
ne Hiftori einer fchlechien Geſchichte.
52. Dandie Bibliſchen Geſchichte ſtehen nicht nur chen dar
windar / daß man ſoll der alten Heiligen schen und Thaten fehen/
wie Babelmepnet: Nein >: Das Reich Chriſti ift uͤberal damit
abgebildet / ſowohl auch das Neich der Höllen: die ſichtbare Fi⸗
gitr weifet immmerdarauff die unfichtbare / welche in dem geiſt⸗
Eichen Menfchen offenbapr werden folk, 52. Moy⸗
E.74. Egypten eigenthuͤmlich erkauffte. 755
r 52. Moyſes vollendet nun allhie die Figur mit der neuen Wie⸗
dergeburt unter Joſephs Geſchichte / und ſpricht ferner: Alſo
wohnete Iſrael in Egypten im Lande Goſen / und haften es
‚ innen / und wuchſen und mebreten füch fehr / umd Jacob les
>
* 17. Jahr in £aypten / daß fein gantzes Alter war 147.
Jahr.
53. Da nun die Zeit herbey kam / daß Iſrael ſterben ſolte /
rieff er ſemem Sohn Joſeph und ſprach zu ihm: Habe ich
Genade vor dir funden / ſo lege deine Hand unter meine
Huͤfften / daß du die Liebe und Treue an mir thuſt / und be⸗
grabeſt mich nicht in Egypten / ſondern Ich wil liegen bey
meinen Vaͤttern / und du ſolſt mich aus Egyptenland fuͤhren /
und in ihrem Begraͤbnuͤß begraben ; er ſprach / Ich wil tuhn
wie du geſaget haſt; Er aber ſprach: ſo ſchwere mir / und er
ſchwur ihm; da neigete ſich Iſrael auff dent Bette zu den
Haͤubten.
54. Diefes iſt nun eine gantz heimliche Figur; und deutet auff
die Aufferſtehung der Todten / da die Seele ſoll wieder zum Leibe
kommen / und der Leib wird rein und heilig ſeyn: Dan das Land
Canaan/ welches auch voll Greuel der Heyden war / deutet an
den irrdiſchen Leib; und Egypten / da Pharao wohnet / und Jo⸗
ſeph Haushalter iſt / deutet an die Seele welche in Gottes Wort
wohnet / als bey dem ewigen Koͤnige.
55. Und ſehen in dieſer Figur gar fein abgebildet / wie Adam⸗
Seele ſich hat mit der Luſt / in das irrdiſche Canaan des irrdiſchen
Leibes gewandt / und ven GOtt abgewandt / ſo muſte nun die See⸗
le wieder in Egypten in die Buſſe zum Joſeph / als zu Chriſto /
und zum König Pharao / als zu GOtte; und allda wird fie ange⸗
nommen als ein Genaden⸗kind zur Leibeigenheit / daß fie wolte
GoOtt gehorſam / und fein Knecht und Diener ſeyn / und muſte
das irrdiſche Canaan / als den Boͤſen Leib mit ſeinem Willen und
Geſchaͤfften verlaſſen / wie Iſrael muſte Canaan verlaſſen.
56. Aber nachdem er fterbenfolte/ ſo wolte er feinen Leib im
Lande Eanaan haben / daß er alldahin begraben würde: Das
deutet an / daß der irrdiſche Leib muͤſſe in feine Mutter die Erde
begraben werden / und wieder in ſeine erſte Mutter kommen; und
deutet an / daß die Seele ſolle wieder aus Egypten / als aus der
Dienſtbarkeit des Buſſe-quaͤlens zum Leibe in die Ruhe kom⸗
men / dan aus Canaan muſten die Heyden vertrieben werden / als
Iſrael wieder darein zog:Alſo auch muͤſſen die Greuel in der Ei⸗
genſchafft des Leibes verzehret / und alle falſche Begierde getoͤdtet
316 wer⸗
75 6Joſeph erkaufftdem Pharao dasLand. E.74
werden / ehe die Seele wieder zum Leibe komt / und darinnen woh⸗
nen wird.
57. Und iſt gewaltig abgebildet / wie ſich der Seelen Wille
in dieſer Zeit folle und muͤſſe von irrdiſchen Canaan als von der
Sit des Leibes abbrechen/ und wieder zu GOtt durch ernſte Buſ⸗
fe eindringen / da dan die Seele recht in Egypten / als cin armer
Dienftbarer Knecht in viel Angft und Qualen ſeyn mug; aber
am Ende / wander Leib fterben foll/ fo begehret lie auch mit aus
dem Dienftshaufe / als ausder Quaal der Buffe/ und wil wieder
in das erfte adamifche reine Bilde das GOtt ſchuff / wie Jacob
wolte bey feinen Bättern liegen / da er doch haͤtte in Egypten fo
gut gelegen: Aber der Geiſt ſtund in der Figurder Wiederbrin⸗
zung / wie der gantze Menſch ſolle wieder in das erſte von GDLE
geſchaffene Bilde gehen.
58. Daß aber Jacob einen Eyd von Joſeph forderte / daß er ihn.
wolte wieder in Canaan zu ſeinen Vaͤttern begraben; deutet an
den Eyd / welchen Gott mChrifte mit dem Menſchen gemachet hat
dah ſtch Gott hat mit ſeinem Worte der Liebe mit dem Menſchen
verleibet / und verteufſet / als einen ewigen Eyd / dieſen Eyd for⸗
derte Jacob von Joſeph / als von der Figur Chriſtt / und begeh⸗
zete er ſolte ſeine Hand unter feine Huͤffte legen und ſchweren.
59. Diefesift nun die Figur / wie Chriftus folte feine Hand /
das iſt / feine Kraft und Wiacht als das ewige Wort / welches die
Handift die alles gemachet hat / in des Menfchen Efleng / im:
Lib und Seel einlegen / und nicht allein darein / fondern auch
unter die Hüffte/ als unter Menfchen Gewalt / und ſich den
Menſchen zum Eigentuhm geben und darein ſchweren / dasift /
fich alfo verbinden / daß er wolle den ganken Menfhen/ wan er
allhie deg zeitlichen Todes abgeflorken ift/ wieder in das erſte Erb⸗
land / darinnen Adam in der Unſchuld wohnete / als ins Para⸗
deis einfuͤhren / und den Leib und die Seele mit ſeinem Eyde in
GoOtt begraben / als in die göttliche Ruhe.
60. Dieſes deutet die Figur Jacobs an / da der Text ſaget /
Iſrael habe in Egypten lange Zeit gewohnet / und ſich allda ge⸗
mehret > Und als Jacob habe ſollen fterben/fo habe er nach ſeinem
Tod wieder ins Land Cangan zu ſeinen Vaͤttern begehret; daß.
ein Chriſt oder Kind GOttes muͤſſe in diß Egypten / als in die
Buſſe und Ausgang des irrdiſchen Willens gehen / und die Zeit
ſeines zeitlichen Lebens darinnen bleiben / und viel guter Fruͤchte
in ſolchem Lande zeugen / und alsdan ſo ſol ihn Chriſtus / als der
Anunliſche Joſeph wieder in ſein rechtes Batterland zur Ruhe
ana
C.75. Jacob fergnet Joſephs Söhnel 1. 757
einführen / als in das Rechte gelobte Sand / da Mitch und Honig
der göttlichen Krafft innen fleuſt. 2
6x. Und ift die gantze Geſchichte aller s. Bücher Moſis eben
nur diefe Figur; der Ausgang aus Cangan / nnd der wieder-Ein⸗
zug in Cangan /iftnurdiefes: Wieder rechte adamiſche Menſch
erde wieder mit groffem Heer und erworbenen Gute / in goͤttli⸗
her Würdung gefihehen/ ins ewige gelobte Sand einzichen / und
wie er diefe Zeit muͤſſe ein dienſtbahrer Knecht des Zorns GOttes
in diefem Egypten ſeyn / der ihn in feinem Zorn⸗ambte durch ſei⸗
ne Diener werde quaͤlen / martern und peinigen / und immerdar
fuͤr Leibeigen halten / biß ihn der rechte Joſeph durch den zeitlichen
Tod ins Paradeiß in die Ruhe wieder einfuͤhren werde.
Das 75. Capittel.
Wie Jacob die zween Soͤhne Joſephs vor ſeinem Ende
geſeegnet / und den Juͤngſten dem Aelteſten vor geſe—
Ber habe / was darbey zu verſtehen ſey.
Genef. 48.
Y. Oyſes fpriht: Darnach ward Joſeph geſaget
fiehe dein Vatter iſt kranck: und er nahm mis
Ach feine beyde Söhne) Manaſſe und Ephraim;
Da ward Jacob angefüger: fiehe dein Sohn
Joſeph komt zu Dir; und Iſrael machere fich
ſtarct / und faste fich im Bette / und fprach zu Tofeph: Der
Almöchtige GOtt erfihten mie zu Lus im Sande Canaan /
und ſeegnete mich und ſprach zu mir; Siehe / ich wildich
achten laffen und mehren] und wiLdich zum Hauffen Volcks
machen / und wil DIE Land zu eigengeben Deinem Saamen
nach Mr ewiglich: So follen nun Deine zween SoͤhneSphraim
und Manaſſe / die dir gebohren ind in Egyptenland / ehe ich
herein kommen bin au die / mein ſeyn / gieich wie Ruben und
Simeon / welche du aber nach ihnen zeugeſt / ſollen dein ſeyn /
und genennet werden wie ihre Bruͤder in ihrem Erbtheil.
2. In dieſer Figur ſtehet nun der Ertz-⸗ vatter Jacob wieder im
Ziel des Bundes / darsin ihn GOtt in Mutterleibe geordnet
hatte; alser hatte feinen Lauff inder Welt vollendet mit der Fi⸗
gur vom Reich Ehrifti und feiner Chriftenheit/ fo bildete fich fein:
Seift wieder in das Ziel des Bundes’ und ſeegnete durch das Zick
377 des
758 Kacob feegnet Joſephs Söhnel Cap. 75.
des Bundes feine Kinder und Kindesskinder/und deutete auff die
zukünfftige Zeit wie es mit ihnen gehen folte / dasift/ Er redete
aus der Wurtzel / und deutete an die Aeſte und Zweige diefes
Baums / welhen GOtt im Paradeig wieder nach dem Abfalle
gepflantzet /und mit Abraham offenbahr gemachet hatte : fo ſtund
Sacob im felben Stamme / und deutete aus dem Geiſte diefes
Baumes auff ſeine Aeſte und Zmeige/fonderlich aber mit Joſephs
beyden Soͤhnen / welche beyde er wieder zuruͤcke in feine Wurtzel
einſetzte / daß ſte ſolten ſeine Soͤhne ſeyn wie Ruben und is
meon.
Dieſe Figur ſtehet alſo:
3. Jacob ſprach zu Joſeph: Der Allmaͤchtige GOtt er⸗
ſchien mir zu Lus in Sande Canaan / und ſeegnete mich / und
ſprach zu mir: Siehe ich wil dich wachſen laſſen und meh⸗
ren / und wil dich —— Volcks machen / und wil
dig Sand zu eigen geben deinem Saamen nach dir ewiglich.
In diefer Figur redet nun der Geift nicht allein von der Erb>
ſchafft des auffern Sandes Cangan; fondern auch von der Erb>
ſchafft des Neihs Ehrifti/ unter diefem Cangan verflanden /
denn er faget: GOtt habe ihme und feinen Kindern diß Sand zum
ewigen Befig gegeben / welches fie anjetzo eine lange Zeit nicht in⸗
ne over erblich gehabt haben: da denn in dieſer Figur / das Reich
Chriſti verftanden wird /welchescwig währen foll. |
4. So nahm nun Jacob die 2. Söhne Joſephs / und ſetzte ſie in
ſeine Wurtzel / in die Erbſchafft dieſes Reichs ein / und darzu in
feine erſte Krafft / wie Ruben und Simeon feine erſten Söhne /
welches andeutet / wie Joſephs / das iſt / Chriſti Kinder im Glau⸗
ben und Geiſte / welcher Natur doch vom verderbten Adams⸗
Saamen kommen ift/ wieder durch den Glauben in die erfte
Wurtzel des Bundes GOttes eingepflantzet werten follen: Denn
Adam hatfeine Zweige und Kinder mit fich in das Reich GOttes
Zornsgefeget; aber der Bund unddie Genade nimt dieſe adami⸗
ſche Zweige / und feßet fie wieder zuruͤcke ins Bilde GOttes ein /
deffen Figur Jacob mit Joſephs Söhnen allhier darſtellet.
5. Und Iſrael ſahe Die Söhne Joſephs / und fprach / wer
find die? Joſeph antwortete feinem Vatter: £s find meine
Söhne) die mir GOTT gegeben hat. Das iſt / der Ge⸗
naden=bund war frembde gegen der verderbten Natur / und
fprach : Wer find dieſe Kinder der Natur in ihrer Selbheit / ha>
ben fie fich Doch von GOtt abgebrochen: Aber Joſeph inder Fi⸗
gur
—
C.75. und ziehet den Juͤngſten vorr. 7359
gur der Menſchheit Chriſti ſprach: Es ſind meine Kinder die mir
Gott in dieſer Welt Reich gegeben hat / und der Bund der Ge—
naden in Jacob ſprach: Bringe fie her zu mir / daß ich fie ſeegne
Das ift / dag ich fie mit der Genaden falbe / das ift / Chriſtus ſol⸗
le fie zu GOtt führen / dager fie wieder fergnete.
6. Und Mofes fpricht ; dan die Yugen Iſraelis waren dun⸗
Eel worden vor Alter ; das ift / die Natur in des Batters Ei»
genfchafft der feclifihen Ereatur war verdunckelt und veraltet /
und folches darum / daß fich der ſeeliſche Ens hatte in die Zeit ges
bildet / denn alles was in der Zeit lebet / das veraltet und vers
dunckelt: aber der Bundin Jacob veraltet nicht / der Bund wol⸗
fe die Söhne Joſephs mit der zufünfftigen Offenbahrung der
Krafft im Namen Jeſu ſeegnen; und Zofeph welcher im Bilde
der Menfchheit Chrifti ſtund / ſolte ſie zu dieſem Segen führen z
dan die Menfchheit Eprifti fünret Adams Kinder zum Seegen
GoOttes / wie allyie Joſeph feine Söhne zum Bunde Gottes in
Jacob.
7. Moſes fpricht weiter; SEr aber kuͤſſete fie/ und hertzete fie/
und ſprach zu Joſeph: ſiehe ich habe dein Angeſicht geſehen/
Das ich nicht gedacht haͤtte / und ſtehe GOtt hat mid) deinen
Sgamen ſehen laſſen uñ Joſeph nahm fie von ſeinerSchooß /
und neigete ſich zur Erden gegen feinem Angefichte.Das iſt fo
viel in der Figur: Als Joſeph im Bilde der Menfchheit Chriſti
feine Söhne zu ſeinem Vatter als fürn Bund GOttes brachte?
fo nahm fie der Bund indie Arme oder auf die Schooß feiner Bes
gierde als in GOttes Eflens / und füffete fie mit dem Kuffe der
Liebe / welche GOtt in Chriſto wolte offenbahren / und des Bat
ters Gerechtigkeit im Wort der Macht fprach zur Seelen EL
ſentien / fiche du wareſt vor mir vertunckelt / und nun habe ich
wieder dein Angeſicht durch die Liebe und Genade Gottes geſehen /
das ich nicht dachte: denn ich dachte die Seele in der ſtrengen
Macht GOttes Zorns zu halten / dieweil GOttes Auge mit ih⸗
rem Abwenden in ihr war weggangen / fo war ſte in GOttes Ge⸗
rechtigkeit von GOtt getrannt: Nun aber habe ich wieder der
Seelen Angeſicht / durch GOTTes Liebe in der Genade GOt—
tes geſehen / und fiche GOttes Liebe Hat mich den Saamen dieſes
Genaden-bumdes fehen laſſen.
8. Und der Geift Moyſis fpricht : Und Tofeph nahm fie
von feiner Schooß / und neigete fich zur Erden vor feinem
Angefichte ; das iſt als das Wort Menſch ward/fo nahm Chri⸗
ſtus dir Seele von der Schooß des Vatters / als aus des Date
ters
2 [I ”
760 Jacob feegnet Joſephs Söhnel E.7 5.
ters Natur in fich / und tratt in creafürliche Art mit der anges
nommenen Menfchheit für GOtt den Batter / und neigete / das
iſt / demuͤthigte ſich mit der angenommenen Seele / als GOtt und
Menſch in einer Perſon / biß zur Erden / das iſt / biß in den Tod /
und tratt gegen GOttes Angeſichte mit unſerer angenommenen
Seele / das iſt / Er fuͤhrete der Seelen Willen durch die einge—
fuͤhrete Krafft der Gottheit wieder zuruͤcke in die gelaſſene Des
muth fuͤr GOttes Auge.
9. Und Moyſes ſpricht weiter: Da nahm ſie Joſeph beyde /
Ephraim in ſeine rechte Hand gegen Iſraelis lincke Hand
und Manaſſe in feine lincke Hand gegen Iſraelis rechte
Hand) und brschte fie zu ihm. Diefes iſt nun die theure Fia
gur des groffen Ernftes GOttes / wieder Menfch ſey wieder ges
ſeegnet worden :z Denn Ephraim war nicht der Erftgebohrne /
fondern Manaſſe: Aber Jacob legte feine rechte Handauff des
Juͤngſten Haubt; Joſeph aber nahm Ephraim in feine rechte
Hand und Manaffe in feine linde Hand) auffdag er mit dem
Erfigebohrnen für Jacobs rechte Hand ſtunde / und mit dem an—
dern für Jacobs linde Hand / aber Jacob wendete ven Willen
Sofephs mind,
Diefe Figur ftchet alfo :
10. Das Wort ward Menſch / verſtehet das unnatuͤrliche un⸗
creatuͤrliche Wort GOttes offenbahrete fich in dem creatuͤrlichen
Worte GOttes der Seclendes Menfchen/und nahm an fich das
verblichene Lichts-bilde / und machete es in fich, lebendig / und
ftellete esin GOttes linde Hand / als indes Vatters Zorn cin /
Das heiffet allyie / er ſtellete den jüngften Sohn als Ephraim für”
Jacobs / als vor GOttes linde Hand / und nahm ihn aber in fei>
ne rechte Hand.
11. Dann Chriſtus nahm den eingeleibten Genaden⸗bund in
dem verblichenen Himmels⸗bilde / welcher eingeleibter Genaden⸗
bund im Menſchen der juͤngſte / als der neue Menſch war / in ſei⸗
ne rechte Hand / als in die höchfte Siebe in Namen JEſu ein /
und traͤtt mit dieſem neuen Menſchen aus dem Genaden-bunde
fuͤr GOttes lincke / als fuͤr GOttes ſtrenge Gerechtigkeit im
Zorne / daß er moͤchte die Seele / als die erſte Gebuhrtverföhnen/
und die Seele / als die Erſtgebohrne / nahm Chriſtus in ſeine
lincke Hand / das iſt / er nahm das erſte Principium „welches zu⸗
vorhin hatte das Ober⸗recht und den Gewalt gehabt / und ſtellete
es unten an / daß feine Gewalt / als der eigene Wille / ſollte hin⸗
tennach gehen / uñ in die Demuth für GOttes richte Hand
E 12. Dañ
C.75. und ziehet den Züngitenver. 761
z2. Dam diefe zween Söhne Joſephs deuten allbierecht air
den innern geiftlichen Menſchen / als die feurifche Seele / welche
der aͤlteſte Sohn iſt; und den Geiſt der Seelen / als des Liechtes
Krafft / weichesden andern Sohn andeutet / als die zwey Princi-
pia : Diefes fleilete Jofeph / das iſt / Chriſtus / für GOtt / und
nahm den Geiſt / als das andere Principium, in feine Nechte J
als in feine Liebe / und ſtellete ihn mit feiner Liebe für GOttes
Lincke / als für einen Zorn / dann cr ſollte der Schlangen den Kopff
zertretten; und die Seele ſtellete er für GOttes Rechte / daß ſie
ſollte GOttes Scegen von GOtt empfangen / das iſt / daß ſich
ſollte GOttes Liebe aus der Seelen ofſenbahren; aber dieſes
mochte nicht ſeyn: Dann Moyſes ſpricht: Aber Iſrael ſtreck⸗
te feine rechte Hand aus / und legte fie auff Ephraims des
jüngsten Haubt / und feine lincke auf Manaſſe Haube / und
thaͤte wiſſcutlich alfo mit feinen Haͤnden / dann Manaſſe war
der Erſt⸗gebohrne.
13. Das iſt in der Figur ſo viel: GOtt wolte nicht mehr tes
erſten Gebuhrt / als der feuriſchen Seclen / das Regiment geben/
dieweil ſie hatte ihren Willen von GOtt abgewandt / ſondern
legte feine Hand der Krafft und Ailmacht auff den andern / als
auff des Liechtes Bild / welches in Chriſto in feiner Liebe wieder
lebendig ward: Dieſem gab er nun den Gewalt der Goͤttlichen
Krafft / daß die Seele unter Ehriſto ſey / dann im Liechts-bilde
wird Chriſtus verſtanden / und auff ihn legte GOtt die Hand ſei⸗
ner Allmacht und Genade; und auff die Seele legte er feine
Lincke / dag fie foll ein Knecht ſeyn / und ein Diener der Ge⸗
naden.
24. Alfo ward die erfte Gebuhrt hinten nach / als in die Une
terthaͤnigkeit / und die andere empor ins Regiment gefegets und
allhier iſt die Figur davon Chriftus ſagte: Vatter / die Menſchen
waren dein / das ift/fie waren aus deiner Natur Eigenſchafft / aber
du haſt ſie mir gegeben: dañ der Vatter gab Chriſto den hoͤchſten
Seegen und Gewalt / dadurch die feuriſche Seele ihr Regiment
des eigenen Willens verlohr.
ı5. Und Moyſes ſpricht: Jacob thaͤt wiſſentlich alſo / das iſt /
der Bund G ttes wuſte es in Jacob / daß es GOtt alſo haben
wolte: Mit feinen leiblichen Augen konte Jacob die ſe beyde Kna⸗
ben nicht wohl erkennen vor Alter / aber mit den Augen des Bun⸗
des GOttes ſahe er ſie / und kannte ſie / dañ GOttes Geiſt in ihme
thaͤt dieſes.
26. Und er ſeegnete Joſeph und ſprach: GOtt / vor dehme
mei⸗
. : . ©
762 Jacob ſeegnet Joſephs Söhnel CE. 75:
meine Vaͤtter Abraham und Iſaac gewandelt haben / GOtt /
der mich mein lebenlang ernehret hat biß auff dieſen Tag;
Der Engel / der mich erloͤſet hat von allem Ubel / der ſeegne die
Knaben / daß ‚fie nach meinem und nach meiner Dätter A⸗
brabams und Iſaacs Namen genennet werden / daß ſte wach⸗
ſen und viel werden auff Erden.
Dieſe Figur ſtehet alſo:
17. GoOtt der Liebe ſeegnete den eingeleibten Genaden-bund /
aus welchem ſollte Chriſtus / als der himmliſche Joſeph / kom⸗
men / wie allhie Jacob mit ſeinem Seegen an Joſeph anfieng /
und ſeegnete Joſephs Soͤhne durch Joſephe: Alſo ſeegnete GOtt
auch durch den Namen JEſu die Seele und den Geiſt / dann
GOtt hat ihme den Namen JEſu zu einem Genadensthron
fuͤrgeſtellet md durch denfelben Genaden » thron fergnete er
Chriſti Kinder und Glieder nach der Menſchheit /und machte
allhie in den Worten des Seegens zwifchen den Kindern keinen
Unterſcheid / anzudeuten / dag die Seele foll mit dem Geiſt in
Ehrifto gleicher Genaden und Gaben genieffen ; allein den Ge⸗
walt gab er ver neuen Wiedergebuhrt aus dem verblichenen
Himmels-bilde / dag die Seele folldurc Krafft der neuen Wie—
dergebuhrt würden / und fich mit derfelben aufibreiten und groß
werden Das ift/ dag der feelifche Baum mit feinen Aeften fol
aus dieſem Seegen wachfen.
18. In den Worten dieſes Seegens iſt ein ſolcher Verſtand:
der eingeleibte Genaden-bund in Krafft des Wortes ſprach die
Krafft aus / und faffete in Jacob feinen Leib / Seel und Geift in
eines / und ſprach fich dadurch aus auff vie Kinder Joſephs:
GOtt vor dehm meine VaͤtterAbraham und Iſaac gewandelt has
ben / das iſt / durch den Willen / welchen meine Batter zu GOtt
gerichtethaben/ mit dehme fie haben vor GOtt gewandelt: Item,
durd die Kraft GOttes die mich mein lebenlang ernähret haf
biß auff Diefen Tag: Irem , der Engel der mich erloͤſet hat von
allem UÜbel / der ſeegne die Knaben. Das ift/ er ſeegnete fie durch
Göttliche und menſchliche Krafft Durch den Engel des groffen
Raͤths in Chrifto JEſu / welcher Engel don Menfchen erloͤſet
hat von allem Ubel / dag fie ſollten nach dieſem Namen als Kinder
des Bundes GOttes genennet werden/und in diefer Krafft wach»
fen und groß werden.
19. Da aber Joſeph ſahe dag fein Vatter die rechte Hand
auff Ephraims Haube legte / gefiel es ihm übel/und faffete ſei⸗
[1447
nd
C.75. und ziehet den Juͤngſten vor. 763
nes Vatters Hand / daß er fie von Ephraims Haubt auff
Manaſſis Haubt wendere/nmd fprach zu ihm : Nicht fo mein
Vatter /diefer ift der Erſtgebohrne / lege deine rechte Hand
aufffein Haube : Aber fein Datter weigerte fich/ und ſprach:
Ich weiß wohl mein Sohn / ich weiß wohl, dieſer ſoll auch
ein Volck werden/und wird groß feyn/ aber fein juͤngſter bru⸗
der wird gröffer denn er werden / und fein Saame wird ein
groß Dold werden.
20. Mit der äuffern Figur deutet der Geift auff ihre Nach
kommen / welher Stamm den andern würde in Gröffe und
Macht übertreffen/ aber mit der innern Figur von der Umbwen⸗
dung und neuen Gebuhrt des Menfchen ſiehet er auff den innern
Grund /wieder innere und juͤngſte Grund der eingeleibten Ge⸗
naden in Chrifto würde gröfler ſeyn / als ver Grund des erſten
geſchaffenen Adamiſchen Menfchens.
21. Das ſich aber Joſeph dieſes weigerte / und nicht gerne wolte
daß der Juͤngſte dem Aelteſten vorgeſetzet ward / iſt dieſes in der
Figur: Joſeph ſtund in der Figur der neuen Wiedergebuhrt /
wie ſich in der Menſchheit Chriſti ſollte der inwendige Grund /
als das ewig⸗ſprechende Wort durch unſere Seele heraus wen⸗
den / und der Seelen ihren Gewalt des eigenen Willens nehmen /
und das wolte die erentürliche Seele nicht / daß ſie ihren Gewalt
verluͤhre; fie wolte nicht gerne ans ſterben ihres eigenen Willens/
fonderr ihr erſt Natursrecht behalten.
22. Wie wirdas an Chrifti Menfchheit Jalsander menfchs
lichen Seelen ſehen / als fie jegt ihrer Selbheit fterben follte /und
ihr Natur⸗recht übergeben ; fo fprach Chriftus am Delberge /
Vatter iſts möglich / daß iſt / die menfchliche Seele in ihme aus
des Batters Eigenſchafft im Worte ſprach: Vatter iſts moͤg⸗
lich / ſo gehe dieſer Kelch von mir / iſts aber nicht moͤglich / ich trincke
ihn denn / ſo geſchehe dein Wille: Wie auch allhie Joſeph in dies
fer Figur nicht gerne daran wolte / daß der Letzte dem Erſten
vorgezogen wuͤrde.
23. Der Text ſaget: Es gefiel ihm uͤbel; dem natürlichen
Menſchen gefaͤllet es übel / daß er foll fein Natur⸗ recht überges
ben/ und faffen das Reich ver Demuth in ihm herrſchen / cr wolte
lieber felber Herz ſeyn / aber fein eigener Wille hat es verſchertzet /
dag er wird hinten angeſetzet / denn es ift nicht möglich daß er
GOttes Kind werde] er trinde denn den Kelch) Davon er des eige—
nen natürlichen Willens erfterbe : Darumb fügte Chriftus
Vatter / dein Wille gefchehe / und nicht mein natuͤrlicher *
wilder
764 Jacob feegnet Joſephs Söhmel C.75.
miſcher menſchlicher Wille / ſondern GOttes Wille in meinem in»
wendigen Grunde der geſchehe / und nicht meiner Adamiſchen
Seelen Wille: Es ſoll und muß in GOtt gelaſſen ſeyn / das erſte
Natur-recht muß hinten nachgehen / und Chriſtus vorher / ſonſt
iſt keine Seeligkeit.
24. Mit dieſem Vilde ſpielete der Geiſt GOttes bey Den Kin⸗
dern der Heiligen / wie ſich das neue eingeleibte Genaden⸗-reich
wuͤrde empor ſchwingen / und wie das Reich der Natur wuͤrde
hintennach geſetzet werden / denn ſo Chriſtus im Menſchen auff⸗
ſtehet und gebohren wird / ſo muß Adam Knecht und Diener ſeyn.
25. Und deutet darneben / daß das Reich der Natur auch wür=
de groß ſeyn / aber das Reich der Genaden noch gröffer / wie wir
de ein Gleichnuͤß an einem groffen vicl-aftigen Baum haben /
welcher durch die Natur viel Zweige und Aeſte zeuget / und dis
Natur darinnen gewaltig ift/ aberder Sonnen Krafft iſt darin⸗
nen viel gewaltiger: Dann ſo diefe nicht mitwuͤrckete / fo Eönte
der Baum nicht wachſen / auch keine Frucht tragen: Und ſchen
klar daran / daß ſich der Sonnen Krafft muß empor winden / ſoll
der Baum warhſen und feine Frucht reiffen und nuͤtz ſeyn: Alſo
auch im Menfchen.
26. Der Menſch iſt die Natur / und die Natur zeugetihn daß
er in Form und Geftalt der Ereaturen komt / aber ver Verſtand
muß in ihme herfuͤr kommen / welcher die Natur regieret und pfle⸗
get. Die Natur wil wohl daß ihre Begierde erfuͤllet werde / aber
der Verſtand herrſchet über die Natur.
27. Nun iſt aber die Natur cher als der Verftand/ die Natur
gehetvorher / wann aber der Werftand kommt / fo muß fie hinten
nachgehen: Alfo auch ın Dieter Figur beym Jacob und Joſeph
vonder neuen Wiedergebuhrt zu verfichen ift / daß / wann der
Göttliche Verſtand wirde im Menfchen wieder offenbahr wer⸗
den / fowürde die Natur hintennach gehen.
28. Alſo feegnete er lie des Tages und fprach : Wer in Iſrael
wi jemand feegnen/ der ſage: EOtt ſetze dich wie Ephraim
und Manaſſe. In dieſem Texte iſts Sonnen-klar was der Geift
in Diefer Figur deutet : Dann Ephraim und Manaffe wurden
wi eder zurück indie Wurtzel Jacobs) das ift/ in Genadensbund/
welchen GOtt in ihme hatte offenbahret/ cingefeget 7 und wurden
mitder Gebuhrt des Natur-rechts verwechfelt Jals der Juͤngſte
ward vor den Ackteften gefeget : Alfo ſoll auch ver Seegen und
Wunſch ſeyn bey den Kindern GOttes / daß ſte GOtt wolte aus
dem boͤſen Adamiſchen Willen der Selbheit wieder zuruͤck in den
para⸗
—
— * Ei: i BEL
C.75. und ziehet den Juͤngſten vor. 765
paradiſiſchen Bund ſetzen / und wolte ſie verwechſelen / und das
Genaden⸗reich in ihnen herfuͤr bringen / und über das Reich ver
Ratur der erſten Adamiſchen Gebuhrt ſetzen: Wenn dieſes um
Menſchen geſchicht / ſo iſt er wieder ein Kind GOttes in Chriſto /
und ſtehet im Seegen GOttes.
29. Liebe Rabbini und Meiſter der Buchſtaben / lernet doch
nur die Figuren des Alten und Neuen Teſtaments verſtehen / und
zancket nicht umb die aͤuſſere Huͤlſe der Woͤrter; ſehet auff den
Haubt⸗grund warumb der Geiſt GOttes alſo redet / und war⸗
umb er ſolche Bilde darſtellet / und dencket ihme nach was dieſes
andeute / daß der Heil. Geiſt in allen Figuren Chriſti immerdar
den Juͤngſten vor den Aelteſten ſetzet / fahet an Cain und Habel
an / und fahret durch aus / fo komt ihr zur Ruhe / und nimmt euer
Streit ein Ende.
30. Die Zeit des Streits iſt ans Ende / Ephraim ſoll
über Manaſſe herrſchen / wo ihr dns nicht thut / fo wird
euch die Sonne mit ihrem Auffgange verblenden / daß
ihr muͤſſet ewig blind ſeyn. Ihr wollet warlich nur mitdem
Auge des Reichs der Natur ſehen / und das Auge der Genaden
verachtet ihr; aber Ephraim bekomt das Natursrecht der erſten
Gebuhrt: Wie wollet ihr wider euren Vatter Jacob ſtreiten?
Ihr ſeegnet nicht recht / dann ihr ſetzet Manaſſe vorne an / und
Ephraim hinten nach / eg iſt vor den Augen des Allerhoͤch⸗
ſten offenbahr worden / der hat Ephraim wieder herfuͤr
geſetzet: Das Reich der Natur in menſchlicher Selb⸗
heit ſoll Knecht werden] und das wollet ihr nicht | aber.
der Zürfag des Höchften gehet für firh/ und follet ihr
gleich darumb alle zu Grunde gehen] fo iſt Fein auffhal⸗
tenmehr.
31. Als nun Jacob Joſeph umd feine Soͤhne hatte gefeegnet /
fo feset er ein gang heimlich Bild der Ehriftenheit auff Erden
dar; dann alſo fpriht Moyſes: Und Iſrael ſprach zu Joſeph /
ſtehe / ich ſterbe und GOtt wird mie euch ſeyn / und wird
euch wiederbringen in Das Land euerer Vaͤtter: Ich babe
dir ein Stuͤck Landes gegeben auſſer deinen Bruͤdern / das ich
ante meinem Schwerd und Bogen aus der Hand der Amort>
ter genommen babe.
32. Ob nun wohl mag eine Aufferlihe Figur allhie darbey,
ſeyn / welches denn allemahl ift/ fo ift dieſes doch vielmehr eine
innerliche Figur von der Ehriftenheit: Dann was konte Jacob
wege
766 Jacob ſeegnet Joſephs Söhnene. C.75.
weggeben / das er ſelber nicht in Beſitz hatte: Er hatte Sichem
nicht im Beſttz / wie es die Gloſſen bey dieſem Texte erklaͤren
wollen / welche nur auff aͤuſſerliche Dinge ſehen / ſo hat er ſie
auch nicht koͤnnen dem Joſeph beſonder gegeben haben / denn Jo⸗
ſeph hats nicht bewohnet / ſondern iſt mit allen ſeinen Kindern
und Kindes-kindern in Egypten geſtorben.
33. Darzu ſagte Jacoby er haͤtte es mit feinem Schwerd und
Bogen aus ver Hand der Amoriter genommen / welches ſonſt
irgend zu erweiſen iſt / und doch wohl mag eine üufferliche Ge—
ſchichte darbey feyn / weiler fpriht 3 Erhabe es Joſeph als dent
Fuͤrbilde der Chriſtenheit gegeben/und habe es mit dem Schwerd
genommen / ſo iſts eine Figur und heimliche Rede.
34. Denn Jacob fagte : Siehe ich fterbe/ und ihr follet wie»
der in diß Land kommen / GOtt wird eüch darein bringen.
Diefes deutet erftlich nur auff Chriſtum / welcher aus Jacobs
Grumde/dehn GOtt in ihm hatte / follte Eoinmen; wenn derfelbe
wuͤrde nach unferer Menfchheit fterben/ fo würde GOtt Iſrael
wieder ins Sand des Bundes GOttes bringen/und der Bund habe
ein Stüde Sandes in dieſer Welt/das zu allen Zeiten würde eine
Wohnung der Ehriftenheit auff Erden feyn / ob gleich daffelbe
Stüd Land mit Manaffe und Ephraim würde offt von einen
Orte zumandern verwendet werden.
35. Daffelbe Sand ſtuͤcke oder Ehriftlihe Wohnung bat
Ehriftus mit feinem Bogen und Geiftes Schwerd gewonnen /
amd den Fürften diefer Welt in feinem Siege abgefchlagen / dag
die Ehriftenheit dieſes folle zu allen Zeiten auff Erden haben:
Da mir den ſehen / daß diechriftenheit werde den geringfien@icg
auff Erden haben / daß ihr Reich nur einem eroberten Stüd
Landes verglichen wird / daß alfo der Name Chriſti aͤuſſerlich
erkanntund befannt wuͤrde ſeyn.
36. Mehr iſts die treffliche Figur von Iſrael / welches mit Ja⸗
cob / das iſt / mit Außgehung des Reiche Chriſti würde fterben/
das iſt / daß die Juͤdiſche Policey wuͤrde untergehen / aber GOtt
wuͤrde ſie in der letzten Zeit wieder in diß Land / als in den wahren
Bund in Chriſto einfuͤhren / denn er hat ihnen auch dieſes Stuͤck
Land zuvor behalten / daß fie daſſelbe ſollen wieder beſitzen /
welches Babel nicht glaubet: aber ihre Zeit iſt nahe /
denn der Heyden Zülle ift am Ende,
Das
Us
C.76. Wie Jacob feine Söhne ſeegnet. 767
Das 76. Capittel.
Wie Jacob alle feine Söhne vor feinem Ende berief
und ihnen andeutete uñ weiſſagete / wie ihre Geſchlechter
wuͤrden auffgehen / und was jedes Zuſtand ſeyn wuͤrde
damit er die Wurtzel des Baumes Abrahams ſambt
feinen Aeſten und Frucht außſprach / was jedes Stand
und Ambt ſeyn wuͤrde und wie fie ſich würden halten /
amd wie Chriftus würde aus dem Stamm Juda ge:
bohren werden : Auch wie lange ihr Reich un:
term Geſetze währen follte.
Geneſ. 49.
1. Oſes ſpricht: Jacob berieff ſeine Soͤhne und ſprach /
D verſamlet euch / daß ich euch verFündige was euch
begegnen wird in Eünfftigenzeiten: Komt zu hauff
und hoͤret zu ihr Rinder Jacobs / und hörek euren Vatter
Iſrael. In dieſem Capittel lieget der gantze Verſtand / wie es
mit den Kindern Iſraels in kuͤnfftiger Zeit unter dem Geſetze
fo wohl hernach mit der Chriftenheit gehen werde : Denn der
Geiſt hat in dieſem Eapittelaufigefprochen und figurlich darge-
fiellet den Baum Ifraelis mit feinen Aeſten / Zweigen und Frucht /
beydes nach dem Reiche der Natur und nach dem Reiche der Ge:
maden / und darunter auff alle Stände / Orden und Aembter / bey
Juden und Chriften gedeutet/ fonderlic wird das Antichriftifche
Keich bey den Juden und Chriſten darunter gewaltig prefiguri-
ret / wo daſſelbe herkomme / und wie es müffe wieder zu Grunde
gehen / und Doc, lange Zeit biß auff die Offenbahrung Chriſti
währen würde.
2. Dann Ifraclfprach allyier unter diefer Deutung den gan⸗
gen Adamiſchen Baum aus / wie derfelbe anfänglich gut gewefen
und wie cr verdorben/ auch wie ihme würde wieder gcholffen
werden / und wie das Reich der Natur in GOttes Zorne würde
äufferlich regiren / und Doc das Reich der Genaden mit durch
den Zorn würden / dadurch fich der natürliche böfe Menſch wuͤr⸗
de äufferlich erzeigen als wolte er GOtt dienen / und würde aber
nur cine falfche Gleißnerey und Schein⸗heucheley ſeyn / alſo lan⸗
ge biß Chriſtus aus dem Bunde GOttes würde herfuͤr brechen /
und dem Satan ſein gleißneriſch Reich zerſtoͤren.
3. Und
nt SE
783° Wie Jacob allefeine Söhne C.76.
3. Und heket anan Ruben / als ron der erfien Krafft menſch⸗
lichen Lebens / und deutet bik auf Benjamin den letzten / unter
welchem die Chrifienheitgewaltig prefsuriret ift / was ihre Ei>
genfhafft fiya mrerbej au fa werbenhir Beiten der Weltbarune-
ter gewaltig fuͤrgebildet: Der $efer wolle darauff merden und
den Sinn darein ſchwingen / ſo wird er unfer Erklärung un ecch⸗
ten Grund finden.
L Das Teſtament Rubens.
4. An Ruben fieng cr an und fprach : Ruben mein erfter
Sohn | Du bijt meine Krafft und meine erite Macht] ver
Obrifteim Opfer] und der Obrifteim Reich: Erfuhr leicht⸗
fertig dahin mie Waſſer; Du ſollſt micht der Obrifte feym/
Denn du bist auff Deines Ditters Läger geſtiegen / daſelbſt
haſt du mein Bett befudelt mit deinem Aurfiteigen.
In der Figur fiebets alfe: |
5. Der Get im Bunde fprad aus die menſchliche Natur
AMamsjals die erfeKrafft des erſten Saamens zur Wirder-fort>
Flansung / wie denn aud Ruten die erſte Kraft Jacobs war;
und deutet an / wieder nafürlühe erfie Adamiſche Menſch ſollte
zer Obriſte im Opfer GOttes ſeyn / das iſt / et ſollte ihme rechte
Früchte aus ihme gebaͤhren / welche GOtt lobeten / umdin ihrer °
Kraft dic hĩmmliſche Freude vernchreten : Erfelite ipıme Krafft
un? Wieder⸗ auf ſprecqung durd das eingepflanzet W Wort 91:
tes gebaͤhren: Das kifft GOtt epfferen /wenn das creafüre °
liche menfhliche Wert | welches GOtt in cine Ercatur formete /
als das menſchlicht verfiindlise Sehen wieder SOttes Wert aus
fi auffpricht / und in heilige Bilde formet.
6. Welche Fermung in ver Gebährung der himmlifchen mer-
ara Vera at@ichet/ als auff Art / wann das einge>
rfiant im Menſchen fi in den Gefang ver Göttlichen 7
Freuteureich bildet / und in dem heiliaen reinen Clement vor?
GOtt ice / in welchet Bildung over beiliger Begierde die hei=
lige Weifpeit GOttes mir tingttildet / und in Wunder figuriref &
wird/tadurd das cwige C Eine formlich und ſchitdlich / als innter⸗
erkannt wird: Dirfes deiſſct Dit gespftrt/iauff Art wie
ſcdicden
die Zweige und Acht: dem Baum feine Früchte gekaͤhren / dadurch
der Baum erfannt und effendabt wird/dager gut iſt: Alſo
folte das creatürlige arformte Wertjals der Menſch / dem ewige?
Iprechenden heiligen Wort GOttes / welches Wert der Simm
IR / dem Pr ni gute Ftuͤchte / als das Leb GOttes ra
C76.vor ſeinem Ende geſeegnet. 769
7. Das heiffet Adam war der Oberſte im Opffer /daner war
das erſte ausgeſprochene Wort das GOtt in ſein Bilde ſprach /
und war auch der Oberſte im Reiche / dan ihme gebührete die
ewige Herfhung: Er war aus dem Ewigen ins Ewige geſchaf⸗
fen ; Erwar das Bilde GOttes / darinnen Das Wort GOttes
nach Zeit und Ewigfeit gebildet war.
8. So ftellet ine nun der Geiſt im Bunde mit dem Stammt
Sfraclis/ aus welchem der neue Baum ausden alten entſprin⸗
gen felte/ foldyes für/umd deutet beydes von dem adamiſchen / und
denn auch von dem neuen Baume derWirtergebuhrt ; und fpricht
ferner von dererften Kraft in Adam und Jacob) als vom Reiche
der Natur / der erften Bildung :
9. Erfuhrleichtedahin wie Waſſer; wie wir das an Adam
und allen natuͤrlichen Menſchen prüfen / wie Adam von feiner
Herzligkeit / berdes vom Göttlihen Keiche / und auch vem Opf⸗
fer GHttes ſey plöglich und leichtfertig dabin gefahren / und fen
in eigenen Willen getretten/und habe GOttes Willen verlajfen/
und ſich von Göttliher Bildung in irrdiſche Bildung mit det Be⸗
gierde und Luſt einge fuͤhret / davon er thieriſch und boͤß ward.
10. Davon ſagte nun der Geiſt im Bunde durch Jacob: Dig
ſolſt nicht der Oberſte ſeyn / das iſt / die erſte Bildung ſoll nicht
Das Regiment behalten / weder in der Herrſchung des Reichs als
natuͤrlicher Gewalt / noch im Opffer GOttes / ſondern der ander
Adam / Chriſtus / aus Juda ſoll es ſeyn / und ſolches darumb /
denn du biſt auff deines Vatters Läger geſtiegen / daſelbſt Haft
Du mein Bett beſudelt mit deinem auf ſteigen.
Dieſe Figur ftchet alfo:
1x. Adam hatte feines Vatters keuſches Ehe⸗bett in ſich / als
feine Eva noch ungemachet war/er mar Mad und Weib / und doch
derer Feines / ſondern ein rechtes Ehe⸗bett GOttes / GOttes
Wort in ſeiner Ehe in beyden Tincturen, als des ers und
Liechts in Krafft wuͤrckete / deñ er ſtund im BildeG Dttes/in deme
GPL wuͤrckete / wie in den heiligen Engeln. Die Fortr Aantzung
ſtunde in einem Bilde / gleich wie GOtt ein einiges Weſen iſt?
alfo auch ward eraus demſelben Wefen aller Weſen in ein ti>
niges Bilde geſchaffen: Denn die Spermatiſche Ratur un? Art
- war in ihme das Verbum Fiat, welches ihn hatt: ins Bilde GOt⸗
mer
tes forwiret / darinnen die eigene Siehe lag / als in der ſtaͤtswaͤhh⸗
renden Conjundtion der beyden Eigenfchafften der einigen Tin-
&uralsdieKrafft vom heiligen magischen Frust und Liechte / wel⸗
ches geiſtlich iſt und Das wahre Leben.
Kt 12. In
7790 Wie Jacob alle feine Söhne 6,
12, In diefem Bilde war er der Oberſte im Opffer/umd im
Reiche: Denner hätte können GOtt opfferen / beydes geiftfich
und creatürlich/auff Art wieder Baum felber ohnezuthun eines
andern feine Hefte und Früchte gebähret/und die ſchoͤne Bluͤth im
lieblichem Geruche und Krafft / mit fehönen Farben nach) feiner
Art aus ſich wirffet / und wie ihn GOttes Wort hat aus fic) ges
worffenundgebkohren : Allerdiefer Gewalt lag auch in ihme.
13. Aberder eigene Wille fuhr leichtfertig dahin / und führes
ie fich in thieriſche Eigenfharft/ in falfche Luft und Begierde
ein / umd flieg mit thierifcher Luft und Begierde ein in dig
heilige Ehesbett GOTTES in welche Luft ihn der Satan
einführete / alsder Grund der finftern Welt nach der Bildung
der Phantaſey / fo wohl der Teuffel mit der Fürftellung der
monttrofifchen thierifehen Eigenfchafft / auch der gift und Wis
der Schlangen) als des Grundes des erften Principii, daß der ci=
gene Wille Jich Barein ſchwang un damitinficiret ward/und feine
Krafft der Bildung nach Seele und Leib monftrofifch machte / da⸗
von die thieriſche Imagination in Adam auffwachete und anfieng.
14. Und allhie flieg er auff feines Batters / alsauff GOttes
Ehebett / und befudelte das mit vichifcher / fo wohl teufflifcher
falfcher Imagination, welche Luft er in GDttesKebs-weib/als in
den himmliſchen Sperma von der himmliſchen Welt Weſen ein»
führete / davon GOttes Geiſt /als das heilige Wort in diefem
himmlifchen Welt⸗Weſen von ihme wich: Das ift / der eigene
Mille des Menfchen trannte fich vom Willen des Worts:
Jetzt ward er in des Teuffels Gifft leichtfertig/ und verlohr das
Königreich und Prieſterthumb / als ven fürftlichen Thron / und
warddarüber unmaͤchtig und an GOTT blind / und fiel nieder
in Schlaf / und lag zwischen GOttes und diefer Welt Reich in
Ohnmacht:
15. So jaget nun Moyfes : Und GOtt ließ ihn ineinen tieffen
Schlaf fallen/und machte ein Weib aus ihme / und brachte fie zu
ihme / und gab ihm ein thierifch Ehebett für ein yirälifches : da er
jetzo nun mag ineigener Luſt darinnen buhlen / welches vor dem
Hinmeldoch nur ein befudeltes Ehe=bett ift/aber unter GOttes
Erbarmen in göttliher&evult getragen wird / dieweil das Gefaͤß
dieſes Ehe⸗bettes verweſen und ſterben muß / und Chriſtus ſich in
diefes Ehe⸗bett ins Mittelieingegeben hat / als ein Erloͤſer von
dieſem monfrofifchen Bilde / welches er in ſich wil neu gebaͤhren.
16. Dieſes gewaltigeBild ſtellet nun der Geiſt GOttes beym
Ruben auch dar / welcher Jacobs erſte Krafft war / da ſich 55
gierde
C.76. vor ſeinem Ende geſeegnet. 771
gierde Rubens auch in das Adamiſche Bild modelte / und hin⸗
gieng / und zu ſeines Vatters Kebs-weibe legte / und in Falſchheit
mit ihr buhlete / wie der freye Wille der Seelen in Adam mit
GOttes Kebsweibe in ihme mit falſcher Luſt buhlete / und zum
Ehe⸗brecher GOttes ward / wie Ruben thaͤte.
17. Und umb dieſes willen hat Adam / als die erſte Krafft des
natuͤrlichen Menſchen / in allen Menſchen das koͤnigliche Prie⸗
ſterthumb verlohren / daß der natürliche Menſch in eigener Krafft
nicht mehr kan GOtt opffern; Er verſtehet auch nichts mehr von
GOttes Wort oder Reich / es iſt ihme eine Thorheit / und Fans
nicht mehr begreiffen: Denn er ſtehet in einem vergiffteten
menftrohfchen Bilde / welcher in dieſer Adamiſchen Eigenſchafft
GoOttes Reich nicht erben kan / und hat das Reich GOttes vers
lohren / und iſt nur eine Figur dieſer Welt und der Hoͤllen / ein
Monftrum des Bildes GOttes / und fol nicht mehr der Oberſte im
Opffer und Reiche ſeyn / ſondern Chriſtus in der neuen Gebuhrt
in ihme hat das Reich im Opffer und Regiment bekommen.
18. Der natuͤrliche Menſch / als die erſte Krafft / muß Knecht
werden / und das monftrofifhe Huren-bild ablegen/ und wieder
neusgebohren werden ; die Seele durch Ehrifti Geift / und der
Seib durch die Putrefadtion der Erden / davon er am Ende der
Tage foll geſchieden werden/und wirder ins Bild GOttes forıni-
ret werden.
I. III. Das Teftament Simeons und Levi.
19. Die Bruͤder Simeon und Levi / ihre Schwerder find
mörderifihe Waffen : Meine Seele Eomme nicht in ihren
Rath / und meine Ehre fey nicht in ihren Rirchen ; Dennin
ihrem Zorn haben’ fie den Mann erwuͤrget / und in ihren: -
Muthwillen haben fie den Ochſen verderbet ; verflucher fey
ihr Zorn / daß er fo hefftig iſt / und ihr Grimm; daßer fo ſtoͤr⸗
rigift: Ich wil fie sertbeilen in Jacob /und zerſtreuen in
ſrael.
ze In diefem Zeftament nimmt der Geiſt gang wunderlich
zween Brüder zuſammen / und ftelletihre Figur darin cın / wel⸗
ches wohl zu mercken ifts Wie ſte denn auch der Geiſt Moyſts
um 34. Cap. zufammen nimmt /alser faget : Simeon und Levi
hätten ihre Schwerder genommen und wären dürftig in die
Stadt gegangen/umd Sichem fambt Hemor feinen Batter / und
in der gangen Stadt alles was männlich geweſen erwuͤrget / und
Weib und Kind gefangen genommen / und alles geplündert /
J Kt welches
—* — e X
772 Wie Jacob alle ſeine Söhne C.76.
welches wohl eine That und ein Raub von zween Knaben moͤchte
geweſen ſeyn: Aber der Geiſt hat am ſelben Ort / ſo wohl auch
an dieſem ſeine Figur / wie dann auch Jacob ſagte / Er wolle
ihnen ſagen / wie es hernach nach dieſer Zeit mit ihnen gehen
werde.
21. Bey Ruben ſtellet der Geiſt für die Adamiſche verderbte
Natur / wie die erſte Krafft des Menſchen habe GOttes Prieſter⸗
thumb und Koͤnigreich / als das Himmelreich verſchertzet / und
GHttes Ehe-bette beſudelt / und ein Huren-bette Daraus ge—
machet: In dieſer Figur aber ſtellet nun der Geiſt GOttes die
gewaltige Figur dar / wie diefelbe erſte Krafft des Menſchen dan⸗
noch würde begehren ihr Prieſterthumb und Herrſchafft zu er⸗
halten / und was fie für Prieſter und Regenten würden in dieſer
Welt ſeyn / im Reiche der eigenen Natur.
22. Denn aus dem Stamm $evifam das Prieſterthumb uns
ter dem Geſetze / und von diefemredet allbieder Beift/ und nim⸗
met Simeon mit darzu / als die weltliche Herrſchung / und faget
von beyden / als von einem / ihre Schwerder ſind moͤrderiſche
Waffen /meine Seele komme nicht in ihren Rath / und meine
Ehre ſey nicht in ihren Kirchen; das iſt / GOttes lebendiges Wort /
welches er feine Seele heiſſet / ſoll nicht in dieſer irzdifchen Welt⸗
Herrſchaft als in des Menſchen erſten natürlichen eigenen Krafft
ſeyn / ſein heiliges Wort ſoll nicht in ihren Rathſchlaͤgen ſeyn /
darinnen ſie nur zeitliche Wolluſt und Reichthumb ſuchen: So
ſoll es auch nicht in ihren Kirchen und Prieſterthumb ſeyn / in
dehme ſie nur mit dem Munde heucheln / dann er ſaget: Meine
Ehre ſey nicht in ihren Kirchen.
23: Seine Kirche aber iſt das wahre Bild GOttes von der
himliſchen Welt Weſen / welches in ihrer Mörderen / durch der
Sclangeweingeführete Gifft in Adam verblich) und in Chriſto
wieder gebohren wird : Weil ficaber nur in dem Monſtto der
Schlangenvor GOtt heucheln wolten / und haften nicht GOttes
Kirche in ihnen / ſo faget der Geiſt: Meine Ehre fey nicht darinnen.
24. Dann nicht aus dem natürlichen Adam follte GOttes
Ehre mit Chriſto JEfu kommen /fondernaus GOtt und feinem
heiligen Worte : Dieſes follte die heilige Kirche GOttes im
Menſchen feyn/alsdas Bild von der himmlifchen Welt Weſen /
welchesin Adam ſtarb / und in Chrifto wieder gruͤnete / in dieſem
fellte GOttes Ehre erfcheinen / wie dag $eben Fünte durd) dert
Tod grünen /diefes wor GOttes Ehre : Aber diefe Ehre follte
ter eigene Adamifche Wille / welcher sin Moͤrder ward /undin.
* ihme
Lau
8.76. vor ſeinem Ende gefeegnet. 773
ihme das himmliſche Bild ermordete/nicht haben / dieſe Ehre ſoll⸗
te in feinem Mord⸗willen nicht erſcheinen.
25. In dieſem Bilde ſtehet klar die Figur / welche in Apoca-
lypũ fuͤrgemahlet wird / von dem groſſen ſieben-koͤpffigen Dra⸗
chen / darauff die Babyloniſche Hure reuthet / da der Drache und
die Hure auch für cin Bild prafiguriret werden / und iſt eben die⸗
ſes an dieſer Stelle beym Simeon und Levi / und deutet in der A—⸗
damiſchen verderbten Krafft in dem monſtroſiſchen Bilde an das
Regiment der Natur ineigenem Willen / ſambt dem Sectiriſchen
heuchleriſchen Prieſterthumb.
26. Die ſieben Koͤpffe des Thieres ſeynd die fichen Eigen-
fHafften der Natur / welche feynd aus der Temperatur außge⸗
gangen/und fieben Köpffe / als cinen fiebenfachen Willen bekom⸗
men / davon das Leben in Streit / Elend / Krandpeit und Zer-
brechen kommen ift ; und die Hure auff dieſem Thier ift nun Die
Seele / welche befudelt ift als eine Hure/ und tritt mit dieſem
Huren-bilde für GOtt / und heuchelt ihme.
27. Aber der Wille des fichen-Eöpffigen Thieres giebet der
Huren Jalsder Seelen feine Kraft / dag die Seele voll Morde»
rey / Hoffahrt/ Huren⸗luſt / und eigener Ehre ſtecket / und in dies
fer Kirche und Mörderey wil GOttes Ehre nichtfepn.
23. Diefe Figur und magifhe Deutung beym Simeon und
Levi prefigariren uns die geiftliche und weltliche Herrſchafft / bey⸗
des in jedem Menſchen ſelber / damit er fich regiret / als in geiſt⸗
lichen und natuͤrlichen Dingen z und zum andern auch die Ambts⸗
verwaltung der geiſtlichen uñ weltlichen Aembter / als in Kirchen⸗
und Welt-Aembtern: Alles was in der eigenen Adamiſchen
Kraft auffer der neuen Wiedergebuhrt darinnen herefchet / das
traͤget dieſes Bild in fich/ als das Mord-ſchwerd / da man einan⸗
der mit Worten toͤdtet und verdammet. J
29 Ale Schmaͤh⸗buͤcher / da man einander umb Goͤttlicher
Gabe und Erkaͤntnuͤß willen laͤſtert und mit Worten toͤdtet /
ſeynd dieſe Mord-ſchwerdter Simeons und Levi. Lem, alle une
gerechte Urtheil der Welt Gerichte ſind eben auch dieſes / und
GOttes Ehre und Willen iſt nicht darinnen.
30. Der Geiſt nimt fie eben nur darumb zuſammen unter ei⸗
ne Figur / daß dieſe beyde Aembter die Adamiſche Natur regiren;
Sie regiren die Welt / als das geformte außgeſprochene Wort
Gottes; Ihnen iſt der Gewalt vom Reiche der Natur gegeben/
aber fie ſollen von dieſem Regiment Rechenſchafft geben: Den das
Gerichte Gottes iſt in deſtis DICH Apecalypfıs wirfft
3 die
“
774 Wie Jacoballefeine Söhne C.76.
die Falſchheit diefer Bildnüg hinunter inden fenrigen Pfuhl der
mit Schwefel brenner / und verfiegelt das Thier und die Hure
in Ewigkeit / und giebet das reich und den Gewalt ſambt dem
Priefterthumb Ehrifto/und feinen aus ihme gebohrnen Kindern,
31. Der Beift Moyfis fpricht : In ihrem Zorne haben fie
den Mann erwuͤrget / und in ihrem Muthwillen haben fieden
Ochſen verderbet. Der Mann deutet an den innern geiftlichen
Menfchen / welchen Adam in allen feinen Kindern durch feinen
Zorn / als durch das erſte Principium ‚das Reich GOttes Zorns/
welches Adam mit der $uftsbegierde in ihme erweckete / mordete/
als das wahre Bild GOtkes; und deutet ferner auff die Zukunfft
Ehrifti / welchen die Leviten mit den Simeoniten / als weltliche
Herrfhafft / als die Pharifzer und heydniſche Herrſchafft toͤdten
würden : Dann Jacob ſagte / er wolle ihnen verkuͤndigen / was
ihnen in kuͤnfftigen Zeiten begegnen wuͤrde.
32. Darumb ſiehet dieſe Figur auch auff den kuͤnfftigen Mann
Chriſtum / welchen Die Leviten würden tödten in ihrem Neide
und Zorne/ wie auch geſchehen ift / und umb vegwillen follte feine
Ehre nicht mehrin ihrer Kirchen feoyn : Dann nach folden Er=
wärgen Ehrifti/ifkihnen ihre Kirche genommen/ undder Tempel
zerſtoͤret worden / und haben ihre Opffer auffgehöret/in welchen
zuvorhin Die Figur von Chrifto als GOttes Ehre fund.
33. Aber der Ochſe / welchen fie in ihrem Muthwillen haben
verderbet /deutet an den Auffern Menfchen aus dem Limo der
Erden / welchen fie mit der Begierde der Eitelkeit verderbet ha>
ben / daß er iſt alſo grob / thieriſch und elende worden/dag er ift aus
dem himmliſchen Paradeiß⸗-bilde / in cin zerbrechliches geſetzet
worden / welches aus Muthwillen geſchehen iſt.
34. Mehr deutets auff den zukuͤnfftigen Muthwillen der Le—
viten mit ihrer weltlichen Herrſchafft / wie ſte würden mit ihrem
Moͤrd⸗ſchwerdern wuͤrgen und toͤdten / da fie Doch nichts mehr
an GOttes Kindern verderben koͤnnen / als nur den Ochſen / als
den thieriſchen Menſchen: Welch Mord = fhwerd bey dieſem
Geſchlechte unter den Juden und Ehriften immerdar gegangen
iſt welcyesdie Kinder GOttes wohl mercken follen/dag der Geift
GoOttes im Bunde fagte / feine Seele foll nicht in ihrem Mord»
rath ſeyn / noch feine Eyre in ihren Kirchen / umb welcher willen
fie viel Menfchen morden und verderben / welche ihren Secten
und Muthwillen nicht glauben wollen.
35. Zumahl bey jegiger Zeit /da man nur umb die Kirchen
ftreitet/ und einander darumb ermordet; und Land und — it
ihr em
—
————— —— —
C.7c. vor ſeinem Ende geſeegnet. 775
ihrem Muthwillen verderbet / da man doch nur im Muthwillen
lebet / und nicht GOttes Ehre meynet und dadurch ſuchet / ſondern
nur eigen Ehre / Macht und Gewalt / und maͤſtet dadurch den
Ochſen als den Bauch⸗GoOtt / bey dehnen allen iſt nicht GOttes
Wort und Ehre / ſondern wie Jacob ſagte: Verfluchet ſey ihr
Zorn / daß er fo hefftig ift / und Ihr Grimm | daß er fo ſtoͤrrig
It ; denn ſie thun alles aus Muthwillen und Zorn/ und darinnen
treibet fteder Zorn GOttes: Darumb lauffen ſie nur im Fluche
mit dem Mord⸗ſchwerdte.
36. Und ſpricht weiter: Ich wil fie zertheilen in Jacob /
und zerſtreuen in Iſrael; welches ihnen denn auch begegnet iſt /
daß fie ſeynd unter alle Voͤlcker zertheilet und zer ſtreuet worden /
und nunmehr weder Stadt / Land noch Fuͤrſtenthuub haben ;
auch deutet der Geiſt auff die Zertheilung des irrdiſchen Lebens /
da dieſer Zorn und Muthwillen mug gang zertheilet / und der
Leib wie Aſche zerſtreuet werden: Denn der Fluch zerboͤrſtet
und zerſtreuet beydes ihre Herrſchafft und Prieſterthumb / ſambt
ihren Leib und aͤuſſern Sinnen und Leben. Denn es iſt vor
Gott alles nur cin Fluch und citel.
37. Dennvder Grift Jacobs ſpricht: Ich wil ſie zertheilen in
Jacob. Das ift / Durch dem Bund Jacobs / als durch Chriſtum /
und wil ſte zerſtreuen in Iſrael / das iſt / ducch das neue Gewaͤch⸗
fe aus dem Bunde ſoll der Adamiſche Baum jzerſtoͤret / getheilet 7
und ſeine Wercke mit Leib und Sinnen zerſtreuet werden / und
des Teuffels Wercke zunichte gemachet werden: Auch ſoll die ſes
ihr Prieſterthumb und Herrſchafft noch alſo zerſtoͤret / zertheilet
und zerſtreuet werden / wie die Spreu vom Winde / wenn auff-
gehen wird das Reich Chrifti mit feinem Prieſterthumb / da
Ehriftus alleine herrſchen wird / fo nimmt dieſes alles ein Ende /
welches Babel frembde anfichet.
IV. Das Teftament Juda.
38. Juda du biſts; Dich werden deine Brüder loben : Det:
ne Hand wird Deinen Seinden auff Dem Halfe feyn/ für dir
werden Deines Datters Kinder fich neigen : Juda iſt ein jun⸗
ger Loͤw / Du bift hoch kommen mein Sohn durch groflen
Sieg / Er hat nieder gekniet und füch gelägert / wie ein Löwe /
and wie eine Loͤwinne / mer wil fich wider ihn aufleben ? £s
wird das Scepter von Juda nicht entwendet werden / noch
ein Meister von feinen Fuͤſſen / biß daß der Held Fomme/
und Demjelben merden die Dölcker anhangen ; Er wird fein
Kt 4 Fuͤllen
776 Wie Jaeoballefeine Söhne C.76.
Fuͤllen an den Weinftoc binden / und feiner £felin Sohn an
den edlen Reben: Er wird fein Kleid im Dein waſchen / und
feinen Mantel imlDeinbeer-blur : Seine Augen find roͤth⸗
Ucher dann Wein / und feine Zaͤhne weiffer dann Milch.
39. Bey den erſten drey Soͤhnen Jacobs deutet der Geiſt von
dem verderbten Adam und ſeinen Kindern / wie ſie ſuͤr GOtt
waͤren / und was ihr Reich auff Erden ſeyn wuͤrde: Allhier aber
beym Juda faͤhet er an vom Reiche Chriſti / als von Chriſti Ders
fon und Ambte zu deuten / und ſetzet Chriſtum in die vierdte Knie/
welches cin groß Geheimnůuͤß iſt / dañ in der vierdten Eigenſchafft
der Gebaͤhrung der Natur / wird das Feuer / als des Feuers Urs
ſtand verſtanden / aus welchem das Liecht ſeinen Urſtand nimmt /
dadurch der Ungrund majeſtaͤtiſch wird / darinnen auch der Ur⸗
ſtand des Lebens verſtanden wird / vorab die Seele wird allda
nach ihrer Eigenſchafft verſtanden.
40. Weil dann dieſer ſeeliſche Grund in Adam war gefallen
und verderbet / ſo hat auch GOtt ſeine Figur mit dem neuen Leben
darein geſtellet / und ſtehet die Figur in dieſem Teſtament der
zwoͤlff Erk-vätter / wie der Anfang des Lebens ſey / und wie die
nee Gebuhrt durch das verderbte Feuer-leben im Liechte wieder
außgruͤne: Auch werden im Teſtament Zuda ale Umbſtoaͤnde
angedeutet / wie das neue Leben in Chrifto werde dureh Die Seele
außgruͤnen / und über des Todes Stachel herrſchen.
4r. Jacob ſagte: Juda du bifts/dich werden deine Brüder
loben; Hiermit ſiehet er aͤuſſerlich auff das Juͤdiſche Koͤnigreich /
welches in kuͤnfftiger Zeit ſolte angehen / uñ innerlich ſiehet er auff
das Reich Chriſti / welches beydes die Juden und Heyden wuͤrden
annehmen / und Chriſtum für Dt und Menſch loben und chren.
42. Und ſpricht weiter: Deñ deine Hand wird deinen Fein⸗
den auff dem Halſe ſeyn. Mit dieſem verſtehet er nicht die Auf
ſerliche Feinde der Juden / ſondern wie die Hand / als die Gena=
den⸗Krafft Chriſti / wuͤrde dem Satan und Schlangen⸗gifft und
Willen im Fleiſche und Blute eſſentialiter wuͤrcklich auff dem
Halſe ſeyn / und in feinen Glaubens-Kindern immerdar derſel⸗
ben Schlangen den Kopff zertretten.
43. Item : Vor dir werden deines Vatters Kinder fich
neigen das iſt /vordiefen Chriſto aus Zudz Stamm / würden
ſich alle & Dttes- Kinder neigen/ biegen/und ihn anbethen / als ci»
nen Gott-Menſch und Menfih- Gott.
44. Item: Juda iſt ein juͤnger Loͤwe; das iſt / ein Brüllen
wider den Teuffel / und Zerbrecher des Todes und der Hoͤllen / als
ein
C.76. vor ſeinem Ende geſeegnet. 777
ein munterer junger friſcher Loͤwe maͤchtig von Krafft iſt.
45. Rem: Du biſt hoch kommen mein Sohn / durch groß
ſen Sieg; das ift/ nachdem er hat über GOttes Zorn / über Tod}
Simde/ Zeuffel/ und Hölle gefteget/ fo iſt er als cin Menſch⸗
Gott zur Rechten der Krafft GOttes geſeſſen / und herrſchet über
alle ſeine Feinde
46, tem: Er hat niedergekniet / und ſich gelaͤgert wie ein
Loͤwe / und wie eine Loͤwinne / wer wil ſich wider ihn auff⸗
lehnen? Das iſt / er hat ſich mit ſeiner hoͤchſten Liebe ſo hoch ge⸗
demuͤthiget / und in angenommener Menſchheit in den Spott
und Verachtung des gefallenen Menſchen eingegeben / und iſt in
GoOttesZorn niedergekniet / und hat laffen das natuͤrliche menſch⸗
liche Leben zerbrechen / und gar gedultig feine ſtarcke Loͤwens⸗
Macht darein gegeben.
47. Das aber der Text ſaget / wie ein Loͤwe / und wie eine
Loͤwinne: So deutet der junge Loͤwe das Goͤttliche Wort in der
Seelen an / und die Loͤwin deutet den Namen JEfu in dem aller⸗
innerſten Grunde von der himmliſchen Welt Weſen an / als die
edle SöwinneSophiz ,tasift/der rechte Weibes-Saamen von
der Adamiſchen Sicchts-Tin&ur, welche in Adam verblich/ und in
Diefem Loͤwen wieder in Göttlicher Krafft lebendig ward /und ſich
wieder zum Loͤwen / als zur Seelen gefellete.
48. Item: Wer wil fich wider ihn aufflehnen ? dasift / wer
fan ſich wider dieſen Loͤwen und himmliſche heilige Loͤwin auff>
Ichnen / welche GOtt über und durch allesift ? Wer wil —3
die Macht nehmen / der ein Anfang aller Krafft und Macht ift ?
Wo iſt ein Held der da ftreiten mag da Fein höhere Krafft it ?
49. Item : Es wird das Scepter yon „udn nicht entwen⸗
det werden / noch ein Meiſter von feinen Fuͤſſen / biß daß der
Held komme / und demſelben werden die volcker anhangen.
Dieſer Verſtand iſt zweyſach / als aͤuſſerlich vom Koͤnigreich Ju⸗
da / daß der Juͤdiſche Scepter ihres Koͤnigreichs ſollte waͤhren /
und ſie ein Koͤnigreich ſeyn / biß dieſer Held / als der Loͤwe mit der
Loͤwin / als Chriſtus / das iſt / dieſer Bund Menſch wuͤrde: welches
auch alſo geſchehen iſt / daß ſie haben ihr Koͤnigreich behalten / ob
es gleich iſt offte gantz vertilget worden / biß auff Chriſtum / da
bat es gantz auffgehoͤret / und iſt ein anderer Meiſter / der ſte regie⸗
ret / denn ſie muͤſſen ſint der Zeit dienſtbahre Leute ſeyn: Dann
der Held hat ihr Koͤnigreich eingenommen / und iſt damit unter
die Heyden getretten / und fie auch zu ſich beruffen.
50. Der innere Grund iſt int daß das Königreich a
mi
7738 Wie Jacob alle feine Söhne C.70.
mit ſeiner herrſchung uͤber Suͤnde / Tod / Teuffel und Hoͤlle nicht
wuͤrde auffhoͤren / noch ein anderer Herrſcher oder Meiſter von ſei⸗
nen Fuͤſſen / das ift/vom Bunde GOttes kommen / biß die ſer Held
Chriſtus wuͤrde wieder zum Gerichte kommen / und ſeine Feinde
ſcheiden; ſo ſoll er das Reich ſeinem Vatter wieder uͤberantwor⸗
ten / da alsdenn wird GO TTſeyn alles in allem: Dero—
wegen die Juden vergebens auff einen andern Meiſter hoffen /
wiewohl er ihnen auch kommen wird in der Zeit der
Offenbahrung / welche nahe iſt / da das Reich Chriſti
wird offenbahr werden allen Voͤlckern.
51. Item : Demſelben werden die Voͤlcker anhangen:
Dieſes iſt nach feiner Menſchwerdung geſchehen / und
wird vielmehr in ſeiner Offenbahrung geſchehen / daß
ihme werden die Voͤlcker anhangen und erkennen / wenn
Babel fein Ende nimt | alsdann wird dieſes erſt gang
erfuͤllet / welches Anhangen anjeso die Bilder und
Secten zu Babel auffhalten / daf die frembde Bölder
fi) am Zancke der verwirreten Spracheirärgeren / und
davon bleiben.
52. Wenn aber der Thurn zu Babelumbfäller / fo
follen ihme alle Voͤlcker anhangen / ehren und dienen :
welches Unhangen die vermennte Ehriftenheit hat auff⸗
gehalten mit dem Antichriſt / welcher iſt lange Zeit an
Chriſti ſtatt als ein irrdiſcher Gott aefeffen ;wann diefer
auffhoͤret / ſo wird das Reich Chriſti ganz offenbahr /
welches man jetzo nur in Bildern fiehet ; den Unſern ver=
fanden.
52. Item : £rwird fein Füllen an den Weinftock binden /
und feiner Efelin Sohn an den edlen: Reben. O du armer)
krancker / elender Adam / verftündeft du diefes recht / fo waͤreſt du
aus allem Streite erloͤſet. Wer iſt das Fuͤllen / und der Eſelin
Sohn? Das Füllen iſt die menſchliche Seele: Denn der junge
Loͤwe deutet an die Krafft des Goͤttlichen Worts in der Geelen];
das Füllen aber ift die natürliche Seele / die follte Chriftus an
feinen Weinſtock der Göttlichen wohlſchmeckenden Liebe binden /
als das ewig-fprechende Wort woltediefes Fuͤllen / als das crea⸗
türliche Seelen: Wort / ver Seelen Efleng und Wefen an ſich
binden / und mit ihr vermaͤhlen; Und die Eſelin iſt nun der innere
Paradeiß-Menſch / as der Goͤttliche Menſch vom Ente des in
nern
C.76. vor ſeinem Ende geſeegnet. 779
nern Grundes / von der himmliſchen Welt Liechts-weſen / als
Jungfrau Sophia.
54. Dieſe Eſelin / welche muß den aͤuſſern Laſt des thieriſchen
Menſchens auff lich tragen / ſollte Ehriſtus / das iſt / as Wort / an
den Namen JEſu / als an GOttes felb-ftändiges Weſen anbin⸗
den / als an die alleredelſte Reben / welche den ſuͤſſen Wein der
Liebe GOttes gebaͤhret.
55. Und dieſe Eſelin iſt der Tempel GOttes / da das Reich
GOttes im Menſchen iſt offenbahr worden / es iſt Chriſtus in
uns / welcher als eine Eſelin im Menſchen ſelber des MenſchenLaſt
und Suͤnde auff ſich nimmt / und durch den jungen Loͤwen toͤdtet.
5. Dieſer innere / neue / geiſtliche heilige Menſch iſt recht der
Eſelin Sohn / denn durch die Seele muß er offenbahr werden / wie
ein Liecht durchs Feuer offenbahr wird / ſo verſtehet man / daß das
Liecht des Feuers Sohn iſt / und aus dem Sterben der Kertze
durchs Feuer offenbahr wird: Alſo auch im Grunde der Seelen /
welche auch ein Geiſt⸗feuer iſt / zu verſtehen iſt.
57. O du arme Chriſtenheit! verſtuͤndeſt du doch nur dieſes
recht / und druͤngeſt dahinein / daß du auch mit dieſer Eſelinne /
welche in Adam verblich / an der Füllen edlen Reben ſtuͤndeſt /
was duͤrffte cs ſtreitens ? iſts Doch nur eine einfaͤltige Eſelinne
die Chriſtum und Adam auff ſich traͤget / als Chriſtum in ſich /
welcher ihre edle Rebe iſt /als ihr Safft und Krafft / und Adam
auff ſich als eine Laſt.
59. O du Babyloniſche Hure du haͤlteft mit deineen Drachen⸗
thiere dieſe Eſelin auff / Das die arme Ehriſtenheit muß dein bö=
ſes Thier tragen / darauff du Hure reutheſt / aber deine Zeit iſt
nahe / daß du in Abarund des hoͤlliſchen Feuers geheſt /
ſaget der Geiſt der Wunder.
59. Item: £rwirdfein Kleid in Wein waſchen / und ſeinen
Mantel mWeinbeer⸗blut: das iſt / Chriſtus wird unſer Menſch⸗
heit / als das Kleid der Seelen in dem Wein feiner Liebe waſchen /
das beſudelte Adamiſche Fleiſch / von dehme wiler den irrdiſchen
Koth und Schlangen⸗gerecke / das Adam hat mit ſeiner Begierde
und Luſt impreſſet / davon der aͤuſſere Menſch cin Thier ward/
mit der Liebe abwaſchen / und das Schlangen-gerecke der Erden
laſſen / und am Ende durchs Feuer GOttes verbrennen.
60. Und feinen Mantel in Weinbeer⸗blut. Der Mantel iſt
die Decke / welche das gewaſchene Kleid zudecket / und iſt eben der
theure Purpur⸗mantel Chriſti / als Chriſti Spott / Marter und
Kk6 Leyden /
780 Mie Jacob feine Söhne ſeegnet. E.76.
Leyden / da er unfern Mantelder Sünden darmitin feinem Blut
wuſch / das iſt / das rechte Weinbeersblut ) da er feinen Mantel
innen wuſch / den er uns nun umb unſer Kleid decket / als umb uns
ſere Menſchheit / dag uns GOttes Zorn und ver Teuffel nicht
rühren mag.
61. O Menſch! bedencke dieſes: Diefer Mantel wird nicht
dem Thiere und der Huren uͤbergedecket / wie Babellchret / fon=
dern dem gewaſchenen Kleide / das in rechter wahrer Buß iſt mit
GOttes Liebe gewaſchen: Dieſem Kleide der Seelen wird der
Mantel Chriſti / welcher in feinem Weinbeer-blut iſt einmahl
gewaſchen worden / uͤbergedecket / und nicht Huren Buben}
Beigigen/Wucherern/Ungerechten/Störrigen/ Hoffärtigen : fo
lange fie folche find / fo haben fie nur den Mantel der Babyloni⸗
fhen Huren umb / und bekommen nicht diefen heiligen gewafche>
zen Mantel Eprifti über ſich: Heuchle wie du wilft/ fo kriegeſtu
ihn nicht / du ſeyeſt dann zuvor gewafchen; Dein Tröften gilt dir
nicht / du muſt mit Ernſt daran / dag deine Efelin lebe / und dein
Süllen am Weinſtock Chrifti effenrialiter angebunden ſey / an⸗
derſt biſt du ein Glied der Huren auff dem ſteben-koͤpffigen Dra=
En; und wann du gleich koͤnteſt durch die Thronen fahren / ſo
waͤreſt du doch nur ein Kind des Drachens.
62. O Baͤbel / Babel! was haft du gethan ? daß du dieſen
Mantel Haft den Thieren uͤbergedecket / und biſt ſelber nur dar⸗
unter ein Wolff geblieben.
63. Item: Seine Augen find rother denn Wein/ und feine
Zähne weiſſer dern Milch, Seine Augen ſeynd nun die feuer⸗
flammende Liebe / welche durch des Datters Zorn dringen / und
durch die feuriſche Seele fehen/darinnen des Vatters Zorn in der
ſeuriſchen Seelen ein fiecht-flammende Liebe⸗feuer ift worden ;
fo ift der Seelen Eflenß dadurch ein ſuͤſſer wohl⸗ ſchmeckender
Goͤttlicher rother Liebe⸗wein worden / da eine Eigenſchafft in der
ſecliſchen Eſſentz die andere in groſſer Liebe-begierde ſchmecket /
. und des Baͤtters Zornes Eigenſchafft in einen lauteren guten
Beat quillet.
Und ſeine Zaͤhne ſind weiſſer denn Milch. Dieſe weiſſe
ah find die Begierde des innerigeiftlihen Menſchen / da das
heilige Wort mitinder Begierde diefer Zähne iſt; welche weiffe
Zähne ver himliſchen Begierde den Leib und das Weinbeer-blut
Chriſti faſſen / eſſen und trincken / denn es iſt der geiftliche Mund /
dehme Chriſtus ſein Zeftament geordnet hat/ day er foll mit dies
fen weiſſen Zähnen fein Fleiſch eſſen md fein Blut —
ie»
E.77. Erklärung desTeftaments$acobsıc.781
Diefes deutetder Geift im Bunde durch Jacob hell und Elar am.
65. Denn das Teftament Zuda gehet durchaus auff Chriſtum/
auff feine Perſon / Ambt und Reich: denn aus Juda folte Chris
ſtus nach der Menſchheit kommen / auswendig ſtehet die Figur
des Vorbildes / und inwendig in der Geiſtlichen Figur ſtehet
Chriſtus klar.
Das 77. Capittel.
Weitere Erklaͤrung des Teſtaments Jacobs] von den
andern acht Sohnen / wie beydes das Judiſche Regi⸗
ment oder Reich auff Erden / und auch die Chriſten—
heit darunter fuͤr gebildet ſey wie es mit ihnen gehen
wuͤrde.
Geneſ. 49.
= Enten erften 3. Soͤhnen Jacobs wird in der Fi>
gur das Neich der verderbten Natur / alsder ada⸗
miſche Menſch fürgebilder / was er fey; und ben Ju⸗
da wird Chriſtus fuͤrgebildet / welcher kommen fols
te/umd den adamifigen Menfchen in fein Reich brin⸗
gen : Aber ben den andern 8. Soͤhnen Jacobs wird nun die Figur
der weltlichen Admbter und Stände fürgebiloet / wie der ada⸗
miſche Menſch wuͤrde das Ober⸗Regiment führen / und wie auch
immerdar die innere Figur vom Reiche Chriſti wuͤrde darbey
ſtehen.
2.- Denn allhie wird in der aͤuſſern Figur erſtlich vorgebildet /
wo ein jeder Stamm werde ſeine Wohnung haben / und was ſein
Ambt in Iſrael ſeyn werde: Aber darneben ſtehet immerdar die
Figur / wie der aͤuſſere und innere Menſch werde beyeinander
ſtehen; wie das Reich der Natur und das Reich der Genaden
werden beyeinander wohnen / und wie ſich die 7. Eigenſchafften
der Natur im Zorne GOttes nach dem erſten Principio werden
auch auswickeln / und in die Figur zu Goͤttlicher Beſchaulich⸗
Feit einführen: Darauf wolle ver Leſer acht haben) denn wir wol⸗
len die innere und Auffere Figur erklären.
V. Das Teftament Schulone.
3. Sebulon wird am Anfuhrr des Meers wohnen/ und am
Anfuhrt der Schiffe/ und reichen an Sidon. Dig iſt erſtlich
Die aͤuſſere Figur / wo dieſer Stamm im Gelobten Lande woh⸗
$Ez nen]
782 Erklaͤrung des Teftaments Jacobs E77:
nen werde/ aber der Geiſt hat auch feine innere Figur / darauf
er fichet.
4. Dann Sebulon heiffet inder Natur-fprache im Senfu eine
Luft die zu GOtt gehet / die bey dem Guten wohnet; und deutet
allyie an /wie der Adamifche Menfch würde nahe bey GOtt woh⸗
nen / und wie er würde vonder Göttlihen Beywohne / Luſt und
Erquidung haben : Dann Jacob zeugete Sebulon von Lea / wels
ehe fonft unwerth war / weil fie bloͤde und nicht fo Ichöne wie Ra⸗
helwar / welche Lea ihre Hoffnung zu GOtt fuͤhrete / daß er fie
wolte feegnen / daß fie fruchtbahr wuͤrde und ihrsin Manne Ja⸗
cob Kinder gebähre-
5. Als ſie nun Sebulon gebahr / fprach fiel GOtt hat mich
wohl berahten / das ift/ ich Habe meine Begierde zu ihme gewandt /
under hat fiemirerfüllet : Nun wohnet fein Wille bey meinem/
und hie ß ihn Beywohnung / dasift/ GOtt wohnet bey mir) nun
wird auch mein Mann in Liebe bey mir wehnen ; und deutet an
wie dannoch die Genade GOttes infeinem Erbarmen werde bey
den armen adamifchen verderbten Sleifhes- Kindern welmen/
und ſie in ihrem Elende nicht verlaffen.
6. Mehrfichetsauffden Bund / daß die Kinder des Bundes
inihrer adamifchen Natur auch nur werden eine nahe Beywoh⸗
nung in der Hoffnung feyn / daß der auſſere Menſch nicht wuͤrde
das Reich Chriſti ergreiffen / ſondern wuͤrde eine nahe Bey⸗
wohnung ſeyn / da Chriſtus wuͤrde im innern Grunde wohnen /
als in der Geiſtlichen Welt / und Adam in dieſer Zeit / und doch
eine Beywohnung ſeyn wuͤrde.
7. Dann als der Geiſt hat mit Juda Chriſtum im Fleiſche ge—
wieſen / ſo weiſet er nun allhie daß unſer aͤuſſerer Menſch nicht
Chriſtus ſeyn werde / ſondern eine Beywohnung Chriſti; Chri⸗
ſtus wuͤrde den innern Grund beſitzen / wie er auch ſaget: Mein
Reich iſt nicht von dieſer Welt. Darumb ſoll der aͤuſſere toͤdliche
Menſch nicht von ſich ſagen / Ich bin Chriſtus; Er iſt eine Bey
wohnung Chriſti / gleich wie die aͤuſſere Welt nur cine Beywoh⸗
nung des Reichs Chriſti ift / denn Chriſtus iſt die innere Geiftfis
che Welt / in der aͤuſſern ſichtbahren verborgen / wie der Tag in
der Nacht verborgen iſt / und doch eines bey dem andern wohnet.
VI. Das Teſtament Iſaſchar.
3. Iſaſchar wird ein Beinern Sſel ſeyn / und ſich laͤgern zwi⸗
ſchen die Grentzen / und er ſahe Die Ruhe daß fie gut iſt und
Das Land das es luſtig iſt / Er hat aber feine Schultern ge⸗
neigt
E.77. vondenandern acht Söhnen. 783
neigt zu tragen / und iſt ein Zinßbarer Knecht worden. In
dieſem Zeftament Zfafchar deutet der Geiſt auch erftlich auff die
aͤuſſere Figur diefes Stammes wo fie folten wohnen / als mitten,
im Sande / in guter Ruhe / aber doch Zingbahr feyn : Aber die
gewaltige Figur fichet auff den inwendigen Grund / alsauff die
menfchliche Natur.
9. Dennals Sca den Iſaſchar gebahr / fo ſprach ſie / GOtt
hat mir gelohnet / dag ich meine Magd meinem Manne hab geges
ben / undhieg ihn Ifafchar / alseinen Göttlichen Sohn oder Ges
gengabe: denn ſie hat Rahelder Dudaim ihres Sohns gegeben 4
dag fie ließ Jacob diefe Nacht bey ihr ſchlaffen / davon fie dieſes
Sohns ſchwanger ward / fo hieß fte ihn eine Gegengabe GOttes.
10. Aber der Geiſt ſaget in disfer Figur / Er wird ein Bei⸗
nerner Efel ſeyn und fich lagern zwischen die Grengen / wel-
ches Äufferlich mitihrer Wohnung wohl alfo war / aber in der
Innern Figur fpriht er x Der Menfh fovon GOtt erbetten
iſt / iſt wohl eine Babe und Sohn / aber feine adamifche Natur i
Doch ein beinerner Laſt-Eſel / welcher den adamifchen Sad traͤ⸗
get; aberer wohnet mit feinem Gemuͤht zwifchen den Grensen
als zwifchen Gottes umddiefer Welt Reich ; fein Gemüht drins
getindie Grentze Gottes / undder Leib wohnstinder Melt.
11. So muß das Gemüth ſeyn wie ein beinerner Bienfthahrer
Eſel / welches ob es wohlinciner guten Ruhe und Wohnung an.
der Grentze Gottes ſitzet / ſo muß es doch den Laſt der Sünden:
und des Todes in dem irrdiſchen Sad fragen / und ift Fein ab»
kauffen mit dem Dudaim für den Tod des irrdiſchen Menfchen ;,
auch huͤlfft kein von Gott erbitten / daß dadurch der beinerne E⸗
ſel zur Goͤttlichen Freyheit koͤnte kommen / er muß ein Eſel bleiben?
biß ihn Chriſtus in ſich in die ewige Ruhe einfuͤhret: Der adas
miſche Schade iſt zu groß / der Eſel muß den Sack um Tode Chris
ſti laſſen / anderſt wirder feiner nicht loß.
ı2. Er ſetzet aber die Urſachen darzu / warumb er ein beinerner
Eſel bleiben muß) denn er ſpricht: Er ſahe die Ruhe daß fie gut
aſt / und das Land daß es luſtig iſt / das iſt / daß das Gemuͤht noch
immerdar werde in der Fleiſches⸗-Luſt ruhen wollen / und werde
der irrdiſchen Luſt begehren zur pflegen / deßghalben muß das Ge—
muͤht ein Dienſtbahrer Eſel und Knecht Gottes Zorns ſeynz und
ſcheidet alſo den natuͤrlichen adamiſchen Menſchen vom Bundes⸗
Saamen / als von der Perſon Ehrifti/ daß der natuͤrliche adami—
ſche Menſch in feiner angebohrnen Natur nur dieſer Eſel mit dem
Sacke ſey / biß Chriſtus fein Reich in ihme beſitzet; da huͤlfft we⸗
der
784 Erklärung des Teftaments Jacobs E.77.
der Bund noch bitten / Adam bleibt indiefer Welt ein Efel / biß
der Sack weg ift / fo heiſſet er alsdann eig neues Kind in Chrifto/
welches neue Kind in diefer Zeit der inwendigfte Grund iſt: Aber
der beinerne Efel ift des neuen Kindes Werckzeug / darauffder
Sack getragen wird / dann die Dienftbahrkfeit des Zorns Gottes
währet fo lange der Sad vorhanden ift.
VII Das Teftament Dan.
13. Dan wird Richter feyn in feinem Volck / wie ein ander
Geſchlecht in Iſrael: Dan wird eine Schlange werden auff
dem Steige / und eine Natter auff dem Weege / und das Pferd
in die Ferſen beiffen / daß fein Reuter zuruͤck falle: Herr ich
warte suffdein Heyl. Diefes ift eine gewaltige Figur von dem
anfferlichen Gewalt der menfchlichen Aembter im Neiche diefer
Welt / und iſt alfo mächtig prafiguriret / daß cs ſchroͤcklich zu le=
fen iſt fo man feine Figur recht anſiehet / und ſtehet Doch vor
Gott in eigener Figur alfo: Der Geift fpricht ; Dan wird
Richter feyn in feinem Volcke / wie ein ander Geſchlecht in
Iſrael.
In der Figur ſtehets alſo:
14. Dan ſtehet in der Figur aller aͤuſſerlichen Ambte>
verwalter vom höchften Gewalt / biß auff das Negiment des
menfchlichen eigenen Lebens; So fpricht der Geift von ihme / er
wird in eigner Macht ſeyn / wie ein anderer Menſch un:
ter andern: Bor Gott iſt er nichts groͤſſer in ſeiner Natur ge—
achtet als ein Knecht / dann er dienet GOtt in feinem Ambte /
alsein anderer Knecht feinem Herrn; das Ambt ift GOttes / dar⸗
innen er als ein Richter figet. Das Ambt iftder Gewalt /under
ſelbſt ift vor GOtt wie ein anderer Menſch.
15. Aber der Geiſt ſpricht: Dan wird eine Schlange wer⸗
den auff dem Weege / und eine Natter auff dem Steige; das
iſt / dieſe Richter in GOttes Aembtern werden Gifft aus dem
Gewalt ziehen / als eigenen Willen / und von ſich ſagen Mein
iſt die Gewalt / ich bin das Ambt; das heiſſet auff dem Weege /
dann der Weeg den ſie gehen ſollen iſt GOttes / als die wahre Ge⸗
rechtigkeit / fo ſpricht Dan: Das Land / Item, die Stadt / das
Dorff / das Gut / das Geld iſt mein / es iſt mein eigen / ich wil
es zu meinem Nutz und Ehren brauchen / und in dieſem Ambte
leben wie ich wil,
16. Und
—9
E.77. von den andern acht Söhnen. 785
16. Und diefelbe Ichheit if die Schlange und gifftige Natter
auff dem Steige / dann fie gehet eitel ſchaͤdliche Schritte auff
dem Steige der Gerechtigkeit; fie machet die Gerechtigkeit zur
Meinheit/ daß ſie thue was fie wolle: Sie ſpricht / ich bin ein
Herr / die Stadt / Landt / Dorff/ Sewalt / iſt mein / ich mag
mit den Leuthen tuhn wie ich wil / ſte ſind mein; und ſauget alſo
aus GOttes Richter⸗Ambt eitel Gifft / und quaͤlet dadurch den
Elenden / und ſticht mit dieſer Gifft in dem Weege des Ambts
um ſich / wie eine Natter und Schlange.
17. Dann der Geiſt ſpricht: Er wird das Pferd in die Fer⸗
ſen beiſſen / daß ſein Reuther zuruͤck falle; das iſt / er wird das
Pferd / als das Ambt darauff cr reuthet / indie Ferſe / als in
die Gerechtigkeit beiſſen / daß die Gerechtigkeit / als der Reu⸗
ther⸗Gottes / dehn er führen ſoll / zuruͤck falle / under als der
rReuther Gottes an ſtatt der Gerechtigkeit regieren moͤge; dar⸗
auff ſpricht der Reuther der Gerechtigkeit in ſeinem Ambte:
Herr) ich warte auff dein Heyl / das iſt / biß du den rechten Reu⸗
ther Chriſtum ſendeſt / welcher wieder uͤber dieſe Natter und
Schlange reuthen ſoll.
18. Als Rahel dem Jacob kein Kind gebaͤhren konte / entruͤſtete
fie ſich wider Jacob und ſprach zu ihm: Schaffe mir Kinder /
wo nicht / ſo fterbeich : Jacob aber ward zornig auff Rahel
und fprach / Bin ich doch nicht GOtt / der dir deines Leibes
Frucht nicht geben wil ; Sie aber ſprach / ſiehe / da iſt meine
Magd Bilha / legedich zu ihr / daß ſie auff meinem Schooß
gebaͤhre / und ich doch durch ſie erbauet werde: Und ſie ga
ihm alſo Bilha ihre Magd zum Weibe / und Jacob legte ſich
zu ihr: alſo ward Bilha ſchwanger / und gebahr Jacob einen
Sohn; Ba ſprach Rahel GOtt Hat meine Sache gerichtet /
und meine Stimme erhoͤret / und mir einen Sohn gegeben:
darum hieß ſie ihn Dan.
19. Dieſes iſt nun die gewaltige Figur beym Teſtament Ja⸗
cobs / da er von Dan fo ſchrecklich weiſſagete / daß er wuͤrde cine
Schlange werden; und deutet in der rechten Figur an des Men—⸗
ſchen eigenen Willen / welcher ſich nicht wil laſſen GOtt richten
und fuͤhren / und immerdar wider GOtt murret / wie Rahel wider
den Jacob murrete / daß es ihr nicht gieng wie fie wolte / und tro⸗
tzete Jacob / er ſolte ihr Kinder ſchaffen oder fie wolte ſterben / dar⸗
uͤber Jacob erzuͤrnete. *
20. So ſtellet nun der Geiſt die Figur dar mie Bilha / Rahels
Magd / welche ſie Jacob zum Weibe gab / welche die ſen Dan graue
wel⸗
735 Erflärung des Teftaments Jacobs E77,
welcher folte ein Kichter und Schlichter ſeyn des Zorns und
Streits zwifchen Jacob und Rahel) da der eigene Wille bey Nas
hel mit Gewalt wolte Kinder haben.
21. Und prefiguriret uns dieſes / daß das weltliche Nichter-ambt
von Gottes Magd / das iſt vom Neiche der Natur feinen Urs
fand habe; daß GOtt den Menſchen unter kein Kichter-Aınbt
gefhaffen hate / fondern der eigene murrende / wiederwertige
Wille des Menſchen / wehher nicht wil GOtt gehorſamen / und
fich feinen Geiſt nicht wil richten und führen larfen / der hat es
verurfachet/daß Dan / als der Gewalt zu richten ift in der Schooß
Rahel / als in die Freyheit der Natur gebohren worden.
22. Darum fellet der Geiſt im Bunde mit Jacob / ſo ein ſtren⸗
ge Urtheil daruͤber und ſpricht: Dieſer Dan / das iſt / dieſes
Richter-ambr wird zur Natter uñSchlange werden auff dem
Weege der Gerechtigkeit / und das Recht / als fein Pferd in die
Ferſen beiſſen / dag fein Keuter als das Recht und Gerechtigkeit?
zu boden falle / alsdann folle die Natur auf Gottes Heylwarten/
als auffdas Hecht Chrifki durch die Liebe da dann Dans Ambt
aufhören fol,
23. Welches dir Babel wohl zubedencken wäre / weil du dich
Chriſti ruͤhmeſt / ob auch dein Heyl in dir ſey / daß du dich felber
richteteft und nicht müffeft Richter Haben? welche deine Ungerech⸗
tigkeit müffen richten / in welcher du Erin Chriſt biſt / weil du nur
ſtaͤts mit Rahel murreft und deinen Willen ſucheſt / darum fo
muß dich auch die Netter und Schlange Dans wohl ftechen:
dann deine Voßheit urfaches das) als dein eigener Muhtwille :
Darum hat dich auch GOtt unter den geſallenen Reuther Dan ge>
geben / daß du muſt alſo Leib⸗eigen und als ein gezaͤhmetes Rotß
einher gehen / daß dich die Schlange ſticht mit ihrem Gifft⸗ſtachel/
als mit der Gewalt der felb-genommenen Eigenbeit,
24. Aber daß der Reuther Dan mug zurück fallen deutetan
daß diefer Dan mit feinem Ambte foll im Gewiffen der Chriſten /
wan fich die zu Chriſto wenden und Buß tuhn / zuͤruͤck fallen / dann
in der Buß hoͤret Dans Regiment auff / der Reuther GOttes
Zorns fallet zur uͤck. So iſt auch cin jeder Chriſt ſchuldig von Her⸗
tzen alles zuvergeben / wan die Buß und die Erkaͤntnuͤß der Suͤn⸗
den komt / und das Richter-Ambt iſt das Sünden-Ambt / dag
Das Recht vom Unrechten ſcheidet / und gehet allezeit über das Fal⸗
ſche / aber die Schlange beiſſet offte das Pferd in die Ferſen / als
Gunſt / Hochheit / Geſchenck und Gaben: dieſe machen Dan zur
Natter und Schlangen.
a5. Und
E. 77. vondenandern acht Söhnen. 787
25. Und ſehen aber Elar/ daß Dan / als das Richter-⸗ambt
bey Iſrael / in dem murren und Widerwillen feinen Urftande
bat / und Dan nur ein Schliter des Streitsift/ und nicht wie
er meynet / eineigen Herz feines Ambts / fondern ein Scheide>
mann / wieRahel ſagte: GOtt hat meine Sache gerichtet / ale
nemlich mit diefem Dan / ihrer Magd Sohn / und nicht ihrem
eigenen Sohn / anzudeuten/ dag ein Kind GOttes feines Rich⸗
ters bedarff/ es richtet fich felber und lepdet mit Gedult.
VIII Das Teftament Gap.
26. Gad geruͤſtet / wird das Heer führen und wieder her⸗
umb führen. Diefe Figur prefiguriret nicht eben dieſes / daß die
Kinder Gad follen eitel Heerführer ſeyn / wie denn auch nicht
Dans Kinder eitel Richter / ſondern es fteilet die geiſtliche Fi>
gur dar / welche auch bey Sea zu fehen ift / welche ihre Magd auch
Jacob gab / da fie aufpörete zu gebaͤhren / und alfo wolte eilen /
und es Rachel zuvor tyun : Denn Gad ward won Silpa geboh>
ren / umd folte Dan zuvorkommen / denn fie ſprach Ruͤſtig /
wende dich ihmevor / und wieder herum zumits und deutet an
die menſchliche Fürfichtigkeit / als Liftigfeit und falſche Klug
heit / die mit allen Liſten dem Rechte und Gercchfigkeit Zuvor»
kommen würde / and würde fich über alle Wahrheit und Recht
Fhmwingen.
27. Denn Bad undDan find beyde vonden Mägden/und find
in der Figur wie ein Streit; denn Rahel und Lea wolfen je eine der
andern zuvor kommen / darum war ihr Weeg ein eitel Contrari-
um: Alfo ftehet auch diefe Figur: Wenn Dan wil richten / ſo
komt Gad mit feiner liftigen Geſchwindigkeit / und wifchet ihme
aus feinem Ambte mit fcheinlichen Reden / auch mit Lügen und
Berdrehen: denn er drähet alle Wahrheit wieder herum) uhd
feet feine gefchwinde gift in das Necht der Wahrheit / fowird
alsdenn der Richter blind vor feiner Geſchwindigkeit.
28. Dieſes deutet der Geiſt gewaltig auff Iſrael / wie fie uns
ger einander [eben würden / und wie nur dereigene Gewalt mit
Dan / unddie Geſchwindigkeit mit Bad würde die Welt regie:
ven : Aber diefes find beyde nur der Mägde Kinder /und nicht dee
Freyen /undihre Yembter follen cin Ende nehmen.
IX, Das Teftament Alfer.
29. Dom Affer komt fein fett Brod / und er wird den Ra
Bigen zu gefallen tuhn. Als Silpa / Lex Magd hatte Bad ge⸗
bohren?
88 Erklaͤrung des Teſtaments Jacobs C. 7?
bohren / als den ruͤſtigen / liſtigen / allezeit geruͤſten auff allerley
liſtige Anſchlaͤge wider das Recht Dan) fo ſpricht Moyſes /
9— fie Jacob den andern Sohn / da ſprach Lea: Wohl mir /
enn mich werden ſeelig preiſen die Töchter / und hieß ihn Aß⸗
ſer / und Jacob ſprach im Teſtament / von Aſſer komt ſein fett
Brod; und er wird den Rönigen zu gefallen leben. Allhier
nimmt Jacob al s der Geiſt im Bunde / dieſe zween Brüder ragt i in
eine Figur : Denn Gad hat die Gefchwindigfeit / und Aſſer
nimt fein fett Brod von dem Könige / und Lea fagt bey feiner Ge⸗
buhrt / mich werden ſeelig preif fen die Töchter.
30. Allhie ſtehet nun die Figur / was das fuͤr eine Deutung
ſey: Gad richtet | feinen Werg mit Liſten aus/ und Aſſer mie
Heucheley beyden Koͤnigen und Gewaltigen / davon er fette Ta>
ge und olluft betomt: Das find die jenigen/ welche follen in
Henbtern ſitzen und richten / die tuhn alles ven HErrn und Kös
nigen zur gefallen / dag fie von ihnen ‚gefobet werden/ und dag fie
ihr fett Brod davon haben / und deutet’ der Geiſt bey dieſen dreyen
Soͤhnen gewaltig / was für Leute wuͤrden die Welt regieren / als
mit Dan die Schlange / als eigener Wille / und nit Gad die Liſt
und Trug) und mit Aſſer die falſche Heucheley / welche allezeit
bey den Koͤnigen ſitzet / und um ihr fett Brod dienet / und nur
nach Lob und Ehren der Menſchen trachtet.
31. Darum ſaget der Geiſt: Don Aſſer komt fein fett Brod.
Wehm komt das fette Brod? den geſchwinden liſtigen Koͤpffen /
welche den Heuchlern ihre Sachen ins Recht ſetzen; der Heuch⸗
ler ſitzet beym Könige / und lobet ihn in feiner Eigenheit / und ſa⸗
get / thue was du wilſt / es iſt alles gut: und wenn es der Koͤnig
wolte gerne im Schein des Rechten haben / daß es auch gelobet
werde / ſo komt Gad mit ſeinem geſchwinden liſtigen herumgedre⸗
heten Rechte / und ſetzet dem Koͤnige ſeinen eigenen Willen ins Na⸗
tur⸗recht / daß cs ſcheinet recht zu ſeyn / deme gibt Aſſer des Königs
fett Brod: alſo leben fie alle drey in der Schlangen und beiſſen
das Pferd in die Ferſe / und ſind alle drey der Maͤgde Kinder /
als ug des eigenen Willens.
32. Dan iſt der Hberzambts-verwalter: Bad ift fein Naht
im Berichte / als die Zuriften find / und Affer find feine Edeie
Raͤhte: Dieſe hat der Geiſt in ihrem Teſtam gt mit denen Din
gen verſehen / die fie hernach treiben würden: Denn der Teftaror
fagte nicht: Ihr follet folche feyn / fondern/ ihr werdet folche wer⸗
den / und zeiget trefflich an was das Regiment auf Erden in eige⸗
em Willen der Menſchlichen Natur ſeyn wuͤrde.
x. Das
ne DE u Pl ERS EEE RB
i
\
E77. vondenandernacht Söhnen 785
X. Das Teftament Naphtalim.
33. Naphtalim iſt ein ſchneller Hirsch / und giebet ſchoͤne
Reden. Naphtalim iſt der ander Sohn Bilya / Rahels Magd /
dehn ſie nach Dan gebahr / und iſt ein rechter Bruder Dans:
DiehferBruderRaphtalim iſt num bey dem Richter und Koͤnige /
und deutet an die irrdiſche Weisheit vom Geſtirn / welche mit
gierlichen ſchoͤnen Reden das Richter-ambt ſchmuͤcket / dag Dan /
Gad und Affer weife verfiändige Herren genannt werden.
34. Aberer komt auch nur von dein Streite zwifchen Rahel
und Jacob: Denn Nahel ſprach / als ihn Bilha ihre Magd ge>
bahr / GOtt has es gewandt mit mir und meiner Schweſter / und
ich werde es ihr zuvor thun: das deutet in der Figur an / daß dieſe
weiſe Reden des Naphtalims in dieſem Richter⸗ambte würden
alle Sachen koͤnnen biegen und wenden / daß der eigene Wille
ein Richter aller Sachen bleiben würde dag alfo Niemand we⸗
gen dieſer vier Regenten der Maͤsde Söhne! würde können et⸗
was aufbringen / fondern fie würden in Sfrael das Regiment
haben und die Welt regieren / undesallen Menſchen zuvor thun.
35. Aber fie ſeynd nur alle vier der Mägde Söhne : Und Sa>
ra ſprach zu Abraham / ſtoß der Magd Sohne hinaus / denner
fell nicht erben mit meinem Sohne Iſaac / und Gott lieg ihm
das gefallen / undbefahl Abraham das zufhun Janzudeuten/dag
dieſe Aembter nicht follen das Reich Chrifli erben noch beiten /
fondern ihre Endfhafft haben / wenn Chriſtus als der freyen
Sohn / wuͤrd das Reich einnehmen / fo würden allediefe Stän=
de außgeſtoſſen werden; und er alleine / in feinen Kindern und
Gliedern regieren.
36. In dieſem Spiegelbefiche dich num du Eluge / hochweiſe /
zu Welt /indeiner Klugheit / Wohlredenheit / Gunſt /
Macht und Ehren / und ſiehe worinnen du ſitzeſt und wehme dus
die neſt: beſchaue dein fett Brod/ Item das Lob der Könige / des
nen du dieneſt / und was duthuſt und vor haſt / wie du in deiner
Figur vor Gott und dem Reich Chriſti ſteheſt; Deine Wolre—⸗
denheit gilt vor Sott nichts / deine Klugheit und Liſtigkeit auch
nicht / wirftu nicht recht rahten / und die Wahrheit ſagen und
thun / und deinem Ober-herren recht weifen und fuͤhren / ſo huͤlf⸗
feſtu deinem Oberen dieſe Natter und Schlangen im Teſtament
Den gebähren / und bift felber nur diefelbe Matter und Schlans
ge / welche das Recht und Gerichte in die Ferſe beiget/ fo wirft
du auch der Schlangen Ende und Sohn im hoͤlliſchen Feuer dafür
bekommen. xl. Das
Br
790 Ertlärungdes Teftaments Jacobs —
‚XL Das Teſtament Joſephs.
37. Joſerh wird wachſen: Er wird wachſen wie an einer
Oualle: Die Töchter tretten einher im Regiment / und wie:
wohl ihn die Schügen-erzürnen / und wieder ihn kriegen und
verfolgen / fo bleibet doch fein Bogen feit / und die Atme ‚eis
ner Haͤnde ſtarck durch die Hände des Mächtigen in Jscob ;
Yus ihme find Eommen Hirten und Steine ın ad / von
Deines Datters Bott ift dir geholffen / und von den Allmaͤch⸗
rigen biftu gefeegnet mit Seegen oben vom Himmel herab /
— —— die unten lieget mit Seegen an
rüjten und Böuchen ; Die Seegen deines Datters gehen
ftärder / als die Seegen meiner Dor-£ltern nach Wunſch der
Hohen in der Welt/ und follen Eommen suff das Haubt
Zofepbs / und uff den Scheitel des Wazir unter feinen
38. In diefem Teftament Zoferhs ftellet nun der Geift im
Bunde mit Jacob die Figus dar / was ein rechter göttlicher Re⸗
gente ſey / in deme der Geiſt Gottes regiere / der nicht der Magd
Sohn ſey / ſondern der Freyen / welcher in ſeinem Ambte Gott
und feinen Brüdern dienet / der aus der Wahrheit und Gerech⸗
tigkeit regieret / und die Ohren⸗ jucker und Heuchler nicht um ſich
duldet / der nicht eigenen Nutz und Ehren ſuchet / ſondern Got⸗
tes Ehre und feiner Bruͤder Nutz: Einen ſolchen hat der Geiſt
mit Joſerh trefflich prefigurirct.
39. Denn Joſeph war nicht ein eingedrungener Regent / ſon⸗
dern cin rechtberuffener / nicht um Liſt und kluger Rede willen /
dag er koͤnte das Röglein beym Schwantze herum drehen und die
Einfalt bereden / es ſey der Kopff: da die Heuchler ſolcher Re⸗
genten frresen I Zacsift der Kopff / dag ſie nur ihr fett Brod zu
Hofeeffen mögen: Er fage nicht mit gefhickten fcharffen Reden
ins Kichter-ambt / fondern durch göttlichen Ver ſtand: fo er
hätte wollen heuchlen und buhlen / fo hätte er wohl können bey
Potiphar ein Kegentfepn: alleine es folte nicht ſeyn; dan in ih⸗
me ſtund die Figur eines wahten Chriſten⸗ Menſchen wie der⸗
ſelbe ſcin Leben / und auch fein Ambt regieren würde / und wie
der gufe Quell⸗brunn Chriftus würde ducch ihn ausquellen / und
durch ihn richten und regieren.
40. Denn Zacob hub das Teftament an und ſprach: Joſeph
wird wachſen / er wird wachſen wie ameiner Ouelle/ dag iſt /
feine Weißheit wird in Gottes Kraft wachfen/ und auf ihme
aufs
A ——
«+;
E77. vondenandernacht Söhnen 797
ausqucllen dag er weiſen Raht finden wird; tem die Töchter
frerten einher im Regiment / das ift / feine weiſe Worte und
Rahtſchlaͤge gehen daher / wie ein ſchoͤne Tochter in ihrer Zunge
fräulichen Zucht und Tugend. /
41. Item / und wiewohl ihn die Schügen erzörnen / und
wider ihn Eriegen / und ihn verfolgen / fo bleiber Doch fein
Bogen fefte/ und die Arme feiner Hände ſtarck / durch die
Hände des Mächtigen in Jacob; das ift/ wiewohlihn der
Zeuffelmit feiner Rotte anficht und ihn verachter / daß er nicht
kigene Ehre und Nus ſuchet / und feine Pfeile durch falfche Leute
auf ihn fcheuft / welche ihme Luͤgen unterm Schein der Wahre
heit beybringen / fo bleibet doch feine Weisheit unter göttlichen
Arın/ und fein Wille zur Gerechtigkeit] wie ein fefter Bogen ftes
hen durch die Beywohnung des mächtigen Gottes.
42. Item / ausihme feynd Eommen Hirten und Steinein
Iſrael / das iſt / aus ihme / aus feiner Weißheit kommen ans
dere weiſe / gerechte / verſtaͤndige Regenten / als treue Raͤhte /
welche neben ihm Hirten und Seulen im Regiment ſind: Denn
wie der Fuͤrſt iſt / alſo find auch feine Rahte/fprihtiman : Wenn
die Raͤhte ſehen / dag der Fuͤrſte die Gerechtigkeitliebet / unddag
ihme mit Heucheley nicht gedienet iſt; dag bey ihme nur fromme /
wahrhaffte und verſtaͤndige weiſe Leute gelten / fo befleißigen fie
ſich auch auf Weißheit und Gerechtigkeit / dag ſie ihme darinnen
gefallen / ſo hat das Land gute Hirten.
43. Item / von deines Vatters GOtt iſt dir geholffen /
und von dem Allmächtigen biſtu geſeegnet; das iſt / von dem
Bott Abraham / weldher Abraham halffı haſtu Weißheit und
Verſtand bekommen / undder hülfft dir wider deine Feinde / und
wider ihre Pfeile / und von dem Allmächtigen biftu gefeegner
mit Seegen oben vom Himmel herab / mit Seegen vonder
Tieffe die unten lieget / mit Seegen an Brüften und Bäus
chen / das ift/ vonder Warte des Heeren folftu Gut/ Ehre und
Pahrung empfahen/der wird dich an Leib und Seel / an Haab und
But / undin allendeinen Weegen fegnen / und dirgnug geben/
dag du der Liſt / und Trug mit verfehretem Rechte nicht wirft
bedoͤrfſen du wirft nichts von Eigenheit dörffen fagen/ und wirft
doch vicl und genughaben.
44. Denn ein Gottsfürchtiger der die Eigenheit verlaͤſſet /
Ber Friegetim Reiche Chrifti alles dafür / der Himmel und die
Belt ift fein/ da fich der Gottlofe dargegen mus mit einem
Stuͤcke behelffen / welches er doch inder Liſt nur geftohlen hat /
und
792 Erklaͤrung des Teſtaments Jacobs. C.777
und mit Trug an ſich bracht / und nichts mitnimmet von hinnen
als nur die Hoͤlle / und ſeine falſche Ungerechtigkeit / und den
Fluch elender Leute / welche er hat auff Erden gemartert / die ha⸗
ben ihme mit ihrem Sluche das Hoͤlliſche Feuer angezuͤndet / das
nimt er mit.
45. Item / die Seegen deines Vatters gehen ſtaͤrcker / denn
Ole Seegen meiner Vor⸗Eltern / nach Wunſch der Hohen in
der Welt / und ſollen kommen aufdas Haubt Joſephs / und
auf die Scheittel des Nazir unter ſeinen Bruͤdern; das iſt /
Jacobs Seegen ging darumb ſtaͤrcker als feiner Voraͤlteren /
daß in ihm der Glaubens⸗Ens war ausgegruͤnet / und in viel Ae⸗
ſte und Zweige kommen: Dan die Frucht erzeigete ſich mehr /
als bey Abraham md Ifancz Denn Abraham zeugefe nur ci>
nen Zweig aus der Bundes-Linea, als den Iſaac / alſo zeu⸗
gete Iſaac auch nur einen Zweig aus der Bundes»Linea, als
den Jacob / dahin fahe ver Geiſt; Weil Jacob hatte zwölf
Soͤhne gezeugek/ welche allefaınbt in der Wurtzel der Bundes-
Linea ftunden / nnd wuchſen daraus als Zweige/ (in Juda aber
fund der Stamm / ) fo fagte er / feine Seegen gingen ftärder;
wie cin Baum / welcher ift vom Stamme in Aeſte gewachfen.
46. Daß er aber faget : Nach Wunſch der Hohen in der
Welt / darunter deutet eran die Gluckfeligkeit des gebenedey>
ten Seegens / wir ihnen die Neichen dee Welt nur Hochheit und
Güter wuͤnſchen alfo empfahen diefe im Seegen Gottes zeitliche
undewige Güter ; diefe follen durch Den Scegen Jacobs kommen
auf das Haubt Joſephs / dasift / auf feine Kinder / daß fie fol=
len in dieſem Gewaͤchſe gute Früchte fragen: Dann das Haube
deutet an die Bluͤt und Früchte dieſes Baͤums.
47. Item / und auff Die Scheitel Des Nazir unter feinen
Brüdern ; das iſt / der Seegen foll nicht allein aus der Bundes=
Linea aus dringen / Dat diefelbe unter Jacobs Kindern allein im
Seegen ſtuͤnde als der Stamm Juda / ſondern auff die Schei-
tel des Nazir / alsauffven Grund der natürlichen Wurtzel des
adamifchen Baumes iniynenallen/ dag fie allefamt follen feyn/
wie cin fruchtbahrer Baum; aber von ihren Ständen und weltlis
chen Aembtern / darinnen ſie wurden Fünfftig böfe leben / feet er
die Figur beym Dan / und den vier Brüdern vonden Mägden
Jacobs Weibern/ wie endlich die Schlange würde das Regiment
in der adamiſchen Natur führen/ und wie ihre Rachkommen würs
den inden Aembtern leben / was fireine Welt darinnen entftes
hen würde / wie felches bey den Juden und bey den Ehriften er⸗
gangen iſt. ZiL Das
Al
ni
>
Cap von den andern acht Soͤhnen ꝛc. 793
XII. Das Teſtament Benjamins.
48. Benjamin iſt ein reiſſender Wolff / des Morgens wird
er Raub treffen / aber des Abends wird er den Raub austhei⸗
len. Benjaminift Joſephs leiblicher Bruder gewefen / und der
Geiſt ſaget doch von ihine. Er ſey ein reiffender Wolff /weiger
des Morgens werde Raub freſſen: In dieſem Teſtament Ben⸗
jamins iſt die allerheimlichſte Figur der gantzen Schrifft / und iſt
Doch in ihrem Bilde in der Auswicklung im Wercke die aller of:
fenbahrlichfte Figur / welche alfo Elar in der Erfüllung fichet /
dag mar cs mit leiblichen Augen files / und doch auch Daran mit
Der Bernunfft gank blindift.
49. Diefe Figur it erfüllet / und iſt noch im Wercke /
und ſoll auch noch erfuͤllet werden / ſie iſt alſo heimlich /
und doch alſo offenbahr als der Sonnen⸗ſchein am Ta⸗
ge / und wird doch nicht verſtanden: Aber den Magis und
Weiſen iſt fie bekant / weiche zwar viel davon geſchrie⸗
ben | aber noch niemahls recht ausgewickelt haben / weil
die Zeit des Abends / da der RaubBenjamins ſoll ausge⸗
theilet werden / noch iſt ferne geweſen / aber nun nahe iſt!
ſo ſollen wir etwas hiervon entwerffen / und den Unſern den Gift
geben nachzudencken / und doch auch den Unweiſen ſtumm bleiben /
weil ſie im Finſtern ſitzen / und ihren Rachen nur nach Raub
auffſperren.
50. Die zween Brüder Jofeph und Benjamin find das Bilde
Der Chriſtenheit / undeines Chriſten⸗Menſchen / welcher in ſei⸗
ner Figur zweyfach ſtehet / als der adamifhe Menſch / welcher in
feiner Ratur ift Benjamin / und der neue Menſch aus dem
Bunde in Chrifti Geifte ift Jofeph andeutend ; und ſtehet die
Figur / wie Epriftus habeden adamiſchen Menſchen an ſich ge=
Rommen/ dag dieſer Menſch Halb adamifch und halb himmliſch
ſey / und gang in einer Perfon allda ftche / welche nicht mag ge⸗
trennet werden.
sr. Alſo auch figuriret er indiefem Bilde die Chriftenheit für
wie fie werde Chriſtum annehmen und Chriften werden / da in
Ihnen würde Chriftus umd auch der boͤſe Wolf Adam regieren /
das iſt / war fie würden den Glauben annehmen / fo wuͤrden fie
alfo gierig und eyferig feyn als ein Wolff / und würden die Hey⸗
den mit Gewalt an ſich ziehen / und würden fie aber fretzen / das ift/
wo man nicht wuͤrde wollen uͤberall gleiche Meynung mit ihnen
st haltıny
794 Erklärung des Teftaments Jacobs E. 77: |
halten /fo würden fie anheben andere Meynungen zq verdam⸗
men / auch mit Krieg und Schmwerd zu verfolgen/ wie cin gorniger
Loͤwe oder Wolff beiffet und auffriffet/ alfo wuͤrden fie im Ep:
fer um fich freffen mit Bannen und Schwerd / und folches da>
rum / nicht dag fte in Ehrifti Geiſte alfo eyfern würden / fondern
aus dem Wolffe des böfen Adams / welcher ſich würdein geiftlis
hen und weltlichen Ständen allezeit über den Geiſt Chriſti
fhwingen. s
52. So würdeihr Eyfer nur aus dem freffenden Wolffe ſeyn /
Da man mehr umgeitliche Güter und um fette Tage und weltlis
He Ehren würde unter Chrifti Namen eyfern / als um tie Lie—
be / Wahrheit und Geeligkeit: Sie würden nicht in Ehrifti Sie>
be⸗Krafft eyferen fondern in des freffenden Wolffes : Auch
würden fie einander in dein Eyfer ihrer Gewohnheiten / darin
nen fie doc nur vor Gott heuchlen würden / felber als geitzige
Woͤlffe auffreffen ; Alfo würde auswendig der Wolff regieren/
amd aber doch inwendig Inden wahren Kindern würde Chriftus
regieren! auswendig Benjamin / als der natürliche Adam wels
her zwar auch ein Chrift ift / aber erft nach feiner Aufferftc>
Hung / wenn er des Wolffes loß iſt und inwendig Jo ſeph / wel»
cher unter dem Wolffe verborgen iſt.
53. So deutet nun der Geift Tacobs im Bunde GOttes auff
Die Zeit / wie esgehen würde salsinder erſten Chriſtenheit wuͤr⸗
den fie eyfern / und nach GOtt in Ehrifti Beifte hungern / und
fich doch muͤſſen verbergen / und vor den Feinden werkriechen/ wie
ein Wolff deme mannachtrachtetalsein Feind.
54. Wenn fie aber würden groß werden / und Königreiche
befißen /das ift/ wein Ehrifti Name würde unter der Gewalt
des Dans kommen / dag aus der Chriftlichen Freyheit würden
Gefeg and Ordnungen werden / und ihre Orden würden unter
weltlichen Gewalt und. Herafchung kommen: ſo würde diefe Chri»
ftenheit ein Wolff werden / welcher nicht mehr wuͤrde in der Liebe
EHrifti richten und fahren/ fondern wer ihre Bauch⸗orden nicht
wide alle gut heiffen / den würden fie mit Bann) Schwerd/
Geier und Racha freffen / und würden-um Chriſti Namen /
und um ihre Aufffäge Krieg anrichten / und die Völder mit Ge»
waltzur Bekäntnüg Chrifti zwingen / und um fich freffen wie
ein Wolff / und immerdar nach Raub jagen / und doch nur mei⸗
flentheils fremder Voͤlcker Gut und Gewalt meynen.
55. Alfo würde diefer Wolff Benjamin des Morgens / als in
ſeinem Auffgang / Raub freffen / und gegen den Abend Rene er
iefen
a 4
E, 77. überdie gange Zeit ver Welt: 79%
dieſen gefreffenen Raub wieder austheilen ; dasift / gegen dem
Ende der Welt / wenn fich Joſephs Regiment wird wieder en =
por ſchwingen / dag Chriftus ganz offenbahr werden wird / und
dieſer Wolff auffhören wird / fo wird Benjamin als die heili=
ge wahre Chriſtenheit / den Raub Ehrifti/ welchen Chriftus dem
Tode und der Höllen abgedrungen hat / austheilen.
s6. Diefes Austheilen ſoll noch kommen / und it
ſchentkommen / und iſt doch nicht da | und wiewohl es
wahrhaftig da ift / und daran iſt die gantze Welt blindy
auffer ven Kindern der Scheimnüß : Die Zeit ifE/ und
iſt nicht/ und ift doch wahrhafftig da diefer Haub Ehri-
ſti und auch des Wolffs Raub foll durch Joſephs
Handt in Benjamins Handt gegeben [und ausgerheiler
werden.
57. Das laß die Babel ein Wunder ſeyn / und doch
auch Fein Wunder : denn du haft nichts / und ſieheſt
nichts/ darum du dich Fönteft wundern ; gleichwie ein jun»
ges Baͤumlein aus einem Saamen wächfet/ und ein groffer
Baum wird /der viel fhöne Früchte bringet /daman fich ob dem
Korn oder Saamen folte wundern / wie ein fo föftlicher Baum/
und fo viel guter Fruͤchte find in einem einigen Korne verborgen
geweſen / die man nicht erkaunt noch gefehen hat Darob (weil
man nur eine WWiffenfchafft davon hat / daß es möglich fey / aus
Dem Korn cin Baum zu werden) manfich nicht wundert s dan
man fichet nicht wie das zugehet / oder wo die groffe Krafft gewe⸗
gen iſt: alſo auch jeßund | manfichet wohl das Korn zum
Baum aber die Bernunfft verachtet das / und glaubet
nicht daß ein folcher Baum darinnen liege/ davon fo viel
auter Früchte kommen follen | dag dadurch Benjaming
Reich am Ende ver Zeit eine Yustheilung des Raubes
genannt werden foll.
58. Aber Joſeph muß von ehe ein Regent in Egyp⸗
ten werden / alsdenn Fomt Benjamin zu ihme / fo giebt
ihm Zofeph fuͤnff Feyerkleider / und fünf mahl mehr
Speife von feinem Tifihe als den andern | wenn die
Theurung dastand verfehmachtet/und die Seele Jacobs
hungert / fo wiſſe das GOtt Iſrael dadurch in Eayp-
ten / als in die Buſſe kehren ſo iſts alsdenn die Zeit
2
der
796 Erklärung des Teftaments Jacobs C.77
der Berfuchung | und führet Benjamin fein Raub⸗
ſchwerd im Munde: Aber Joſephs Angeſicht ſchlaͤget ihn / |
Daß er inein groß Schrecken komt ] und Furcht des To⸗
des / um deß willen / daß der filberne Becher Joſephs
in feinem Sade funden worden / deffen erfich fcbamt}
uñ das Raub⸗ſchwerd famt den Woltfe-zähnen von fich
fallenläffer : Allda fich Joſeph ihme famt allen Einen
Brüdern offenbahret / und davon wird ein folche Freu:
de] daß der Wolff Benjamin eın Lamm wird / daf er ſei⸗
5 Wolle gedultig von fichgiebet. Diefes iſt der Rede
nde.
s9. Das Teftament Jacobs tft eine Figur der gantzen Zeitder
Welt / won Adam big ans Ende; daron wollen wir eine furge
Figur entwerfen / dem Leſer / dehme die Geſchichte bekandt ſind /
nachzuſinnen.
60. J. Ruben iſt an dieſem Orte / weil er der erſte war / in die
Figur der erſten Welt geſetzet welche im Natur⸗ recht ohne Ge⸗
ſetz lebete / die hat Prieſtertuhm und Königreich im Natur ⸗recht /
und ſolte im oberſten Opffer / und in der gröffeften Herrſchung
ſeyn / aber er fuhr leichte dahin wie Waſſer / und ward verſtoſſen.
61. II. Simeon faͤhet an unter Noa / nach der Suͤndſut /
und hielt Levi bey ſich / das war Sem: Aber das Schwerd Ham
und Japhets war Simeon : alfo gingen zwey in einem Weſen /
als geiftlich Rollen / und fleiſchlich Wellen / big an Moſen / da
fHeideten fich das weltliche unddas geiftliche inz. Stände. _
62. II. Levi fährt unter Mofean/ welcher mit dem Prieſter⸗
tuhm / das Schwerd Simeons und Levi im Geſetze führete und
fehr ſcharff darmit ſchnitte.
63. IV. Jude faͤhet an unter den Propheten / und offenbah⸗
ret ſich mit Ehrifti Menſchwerdung / da diefer Scerter anfieng.
64.V. Sebulon mit feiner Beywohnung fegte ſich in die Mit:
te alsins Reich Chrifti ein / das mar der Anfang Der Chriften:
heit / die wohnete am Ufer des Meers / alsbepden Heyden / und
faffen doch gut : dan es war eine neue Sich. ’
65. VI. Iſaſchar ift die Zeit / da ſich die Chriſtenheit in Ku:
be / als in Macht und. Herrſchafften einſetze te welche doch immer:
Dar muſte den Saft der Heyden tragen / und zinsbar ſeyn / un
ſeyn als ein beinerner Eſel zur Laſt /dan fie trugen noch das Creut
Chriſti / und waren noch Chriſti Bilde aͤhnlich / etwan im 300
Zahr nach Chriſto. 66. VII
C.77. uͤber die ganke Zeitder Welt. 797
65. VII. Mit Danfieng fi ich an der Chriftenheit gewaltiges
Reich / da fie Könige’ Paͤbſte / groffe Biſchoͤffe und gewaltige
praͤchtige Kirchen und Stiffter ordneten / allda ward die Natter
und Schlange auff dem Weege Chrifti in menſchlicher Ehren /
in Chriſti Reiche gebohren / da man anfieng um der Kirchen
* Anſechen und Herrligkett zu diſputiren / und Menſchen
in Ehrifti Reich und Aembter zur erhöhen und an Chrifti ſtaͤtte
zu ſetzen / und fie an Chriſti ſtelle zuehren; fo wurd Chriſtus
nicder gedruckt / und ſatzte ſich die Natter und Schlange in Chriſti
Richter⸗ambt / dan allda ward der H. Geiſt verworffen und wur⸗
den die Coneilia am die ſtelle gefeget / und war der Antichrift ge⸗
kohren : So ſprach zu der Zeit der Geiſt Chriſti / Herr / ich ware
te nun auffdein Heyl; danallyie mug nun mein Name des An⸗
tihrifts Deckel ſeyn / biß du mich nieder wirft aufflöfen unter
Joſerhs Zeit. In dieſer zeit iſt die Wahrheit gewaltig in die
Ferſen gebiſſen worden / daß der Reuther in Chriſti Geiſt muſte
zuruͤck fallen.
67. VIII. Mit Gad / welcher der Heerfuͤhror ſeyn folte / faͤ⸗
het an die Zeit der hohen Schulen bey den Chriſten irgend vor
800. Jahren / da man den Antichriſt geruͤſt mit Krafft und
Heer mach tin Chriſti Stuhl ſetzete / und mit ſchwaͤtzen / diſpu⸗
tiren und * draͤhen verthaͤdigte / da man den Schwantz zum
Kopf machete / und die Krafft Chriſti in Menſchen⸗ſatzungen eins
zwans / und ein weltlich Keich aus Chriſti Reich machete. -
68. IX. Mit Aſſer faͤhet an die Zeit / da man dem König dem
Antichriſt zu gefallen lebte / da er GOtt auff Erden ward / da
kamen von den hohen Schulen die Heuchler / welche diefem Ko—
nige ums fette Brod/ als um gute Aembter / Pradenden und
Biſchoffthuͤmer heuchleten und feine Sache lobeten / und ihmt
alles zu gefallen tähten / und Chriſtum mit dem Antichriftauf
ein weich Küffen ſetzeten / und alſo das Bildein Apocaiypfianbes
theten / etwan vor 6oo. Jahren und naͤher.
69. X. MU Napthalim faͤhet an die Zeit der groſſen Wun⸗
der / da mar iſt mit hohen Reden und tieffſinnigen Gedancken
vom Rahte Gottes umgangen / als man hat geſehen daß dieſer
auff Chriſti Stuhl nicht Chriſtus in der Krafft iſt / ſo hat mans
tieff geſuchet / daß man ihme moͤge einen Mantel umdecken mit
ſchoͤnen anſehnlichen Schluß⸗reden / da kam die ſcharffe Logica
auff da man diſputirete; Eine Part ſagte er waͤre Chriſtus in
Krafft und Gewalt / die ander ſprach darwieder / da ihn die Part
ſeines Anhanges mit hohem — in das Blut Chriſti eiuſe⸗
Beie}
798 Erklärungdes Teftam. Jacobs ic. E. 77.
tzete / undallen Gewalt zulegte/ und heilige Nede daraus mache»
te / fo legte fich ver Geiſt Ehriftiim mwendigen Grunde darwi⸗
der / und ſagte / Er waͤre der Antichrift 5 diefe Zeit hat ges
waͤhret biß auff unſere Zeit / darinnen wir leben.
70. XI. Mit Joſeph faͤhet an die Zeit / da Chriſtus wieder
vffenbahr wird / da er die Schlange oder Natter Dan mit dem
Antichriftiihen Stuhl mit alle Macht und Eigenheit des
Reichs Ehriftiauff Erden mit feinem Antlig erfchredier und zu
bodem wirfft / da fich Zofephs Brüder muͤſſen ſchaͤmen der grof>
fen Untreu / die fie an Joſeph getahn haben / im deme fie ihn has
ben indie Gruben gewerffen / und darzu ums Geld verfauffete
Alda wird aller gift / Heucheley und falfcher Trug offenbahr /
und wird dureh das gegenwaͤrtige Antlig Jofephs zu boden ge>
worffens und ift die Zeit/dn gefaget wird: Sieift gefallen
Sie ift gefallen Babylon / und eine Behaufung aller Teu⸗
fel / undaller greulichen Thier und Bögelworden; und
allda waͤchſet Jofeph in feiner Krafft] und retten feine
Töchter einher im Schmucke / und gehet fein Seegen an.
71. XI. Mit Benjsmingehet die Zeitdes Abends unter Jo⸗
ferhs Zeit an / dan er follalldaden Raub der erften Chriſtenheit
wieder austheilen: Er gehöret in die erſte und legte Zeit
fonderlich in die erfte Zeit Jofephs I da ſich Chriſtus
anhebet zu offenbahren / fo iſt er erftlich hurtig als ein Wolff
geweſen / undhat weidlich um fich gefreffen/als er anhub den Anti⸗
chriſt zu beiffen und zur freffen / aber er war dißmahl noch ein
Wolff; Wan aber Jofephs Angeficht bloß wird / fo ſchaͤmet er
ſichs auch! als ein Wolff der gefangen iſt / und hebetan ein Lamm
zu werden / und feine fette Rolle zugeben.
72. XII. Dieſes ist alfo das Zeftament Jacobs in feiner wah>
zen Figur) da der Beift auff die Zeiten gedeutet hats und der
Geiſt Moyſis fprigt: Da Jacob alle dieſe Reden vollender
hatte / thaͤte er feine Fuͤß zuſammen auffs Bett und vers
ſchied; anzudeuten / daß / wan dieſe feine Weiſſagung würde
alle erfuͤllet ſeyn / fo würde GOtt die ausgewickelte Ratur im
Streit der Zeit wieder in ſich ruffen / und zuſammen indie Teui⸗
peratur ziehen / ſo wuͤrde dieſe Zeit ein Ende haben und der Streit
auffhoͤren. Dieſes haben wir dem Liebhaber der Wahrheit ein
wenig entwertfen wollen / er wolle ihme im Geifte Gottes / wel⸗
cher alle Dinge auch indie Tieffe der GOttheit forfchet / weiter
nachfor ſchen / ſo wird er unfern Grund in Wahrheit fehen.
Das
C.78. Von des Ertzvatters Jatobs Begreꝛc. 799
Das 78. Capittel.
Von des H. Ertzvatters Jacobs Begraͤbnuͤß im Lande
Canaan: Was darbey zu verjtchen iſt.
Geneſ. 50.
5. As Begraͤbnuͤß Jacobs / daß ihn Joſeph ſolte wies
der in Canaan nach feinem Tode führen / und zu
ſeinen Vaͤtern begraben / und daß Joſeph iſt mit
groſſem Heer / mit allen Kindern rast) und vie⸗
len Egyptern dahin gezogen/prafigur iret uns den
N Auszug Chrifti ausdiefer Welt / da der adamiſche
Menſch nach feinem Tode foll wieder aus diefem Egypten und
Qualhauſe in fein erfles Datterland ins Paradeiß einge efuͤhret
werden / da ihn Chriſtus wird einfuͤhren.
2. Daß aber auch viel Egypter mit dahin zogen und Joſeph
beywohneten / deutet an / daß Chriſtus / wan er wird ſeine Braut
heimfuͤhren ins Paradeiß / wird viel Fremdlinge darbey haben /
welche ihn in diefer Zeit nach ſeiner Perſon und Ambte nicht er=
kannt haben / und feind doch in ſeiner Siche in ihme auffgewach⸗
fen / welche alle mit Chriſto ins Paradeiß gehen werden /undihe
me beywohnen.
3. Ihr Trauren und Weinen deutet an die cwige Freude / die ſie
werden im Paradeiß empfahen / wie dan die Magia allezeit mif
Zrauren umd Weinen) Freude prefiguriret. Ditfes Grabmahl /
und was darbey zu verſtehen iſt / das iſt forne beym Abrahaut
erklaͤret worden.
4. Moſes ſpricht in dieſem Capittel ferner: Die Brüder Jo⸗
ſephs furchten fich / nach dem ihr Datter geftorben war / und
Iprachen: Joſeph möchte uns geam ſeyn umd vergelten alle
Soheit die wir an ihm gethan haben; darum lieſſen ſte ihm
fagen : Dein Datter befahl vor feinem Tode und ſprach / alfo
folt ihr Joſeph fagen : Lieber vergib deinen Brüdern Die Mif>
ſetaht und ihre Sünde / daß fie fo uͤbel an dir getahn haben ;
Lieber / fo vergib nun die Miſſethat uns den Dienern des
Göttes deines Datters: Aber Joſeph weinete da fie folches
mit ihme redeten; und feine Brüder gingen hin und fiehlen
vor ihm nieder / und fprachen : Siehe / wir find Deine Knech⸗
te; Joſeph ſprach zu ihnen / Fuͤrchtet euch nicht / denn ich
bin unter EOtt / ihr gedachtet es boͤſe mit mir zu machen 7
sta aber:
80o Von des Erkvatters Jacobs "E72;
aber GOtt gedachte es gut au machen / daß er thaͤte wie es
jest am Tage iſt / zuerbalten viel Volcks. So fürchtet euch
nicht / ich wil euch verforgen und eure Rinder und er troͤſtete
ſie undredeie freumdlich mit ihnen.
5. Diefe Figur iſt ein mächtiger Troft der Brüder Joſephs;
weil aber Joſeph im Bilde Eyrifii ſtehet / und feine Brüder in
Der Figur der armen bekehrten Sünder / fo müflen wir diefe Fi⸗
gur aud) alfo deuten z das iſt / wan der arme fündige Menfch /
welcher groffe Sünden hat begangen / ſich hat zur Buſſe gewen⸗
det und Genade erlanget/und etwan wieder einen Fehl⸗tritt thit /
fo fichet er immerdar in Zurcht und Zitteen vor GOttes Gena⸗
Den / und dencket / GOtt werdeihme wieder die erſte begangene
Suͤnde zurechnen und an dieſem Fehl-trittlirfach nehmen ; und
Eehet derowegen in groffen Mengften/ und hebet wieder an die er»
Fe begangene Sünde zu beichten/ und fället aufs neue dem. Herrn
zu Fuſſe / und gehet wieder in die ernſte Buffe/ und beweinet ſei⸗
neerfte Miſſethat / wie David thaͤte da erfagte: Hera rechne
mir nieht zu die Suͤnde meiner Jugend.
6. Aber mit ſolcher neuen Buß / und ernſter Klage / wenn
ſich der arıne Menſch wieder alſo gantz eruſthafftig und demuͤtig
vor GOtt erzeiget / wird der himmliſche Joſeph in ſolche groſſe
Erbaͤrmde gefuͤhret / wie allhie Joſeph / daß er die arme Seele im
Gewiſſen troͤſtet / ſie ſolle ſich doch nicht fürchten / es ſolle ihr ihre
begangene Sünde nicht allein nicht zugerechnet werden / ſondern
es ſolle ihr noch zum allerbeften gereichen / wie Joſeph fagte / ihr
gedachtet es boͤß zu machen / aber GOtt gedachte es gut da⸗
durch u machen : Alfo vergiebet GOtt in Ehrifto nicht allein
die begangene Sünde dem demühtigen bekehrten Menfchen/ fons
dern cr verforget auch noch darzu ihn umd feine Kinder mit geitlis
chem Sergen und Rabrung / und wendet allesinsbefte /wie Jo⸗
ſeph feinen Brüdern thäte.
7. Endlich begchrete Zofeph durch einen Eyd / daß / fo er ſtuͤr⸗
be / fie feine Gebein ſolten mit aus Egypten zu feinen Vaͤttern
führen / welches uns andeutet den Eyd GOttes im Paradeiß /
daß Chriſtus GOtt und Menſch wieder zu feinen Brüdern kom⸗
men wolte / und ewig bey ihnen bleiben / und ihr hoher-Prieſter
und Koͤnig ſeyn / und ihrer mit ſeiner Liebe-krafft pflegen und bey
und in ihnen wohnen / wie Joſeph bey feinen Brüdern / und fie
als ſeine Reben und Glisder ewig mit feiner Kraft und Safft
verſorgen / Amen , j
8. Die
F
N
|
8.78. Begraͤbnuͤß im Sande Canaan. 368
8. Dieſes iſt alfo eine ſummariſche Erklärung über das er⸗
ſte Buch Moyſis aus rechtem wahren Grunde und goͤttlicher
Gabe / welches wir in mitwuͤrckender gliederlicher Kebe und
Pflicht unſern lieben Mitbruͤdern / ſo dieſes leſen und verſtehen
werden / gantz treulich mitgetheilet haben.
9. Und vermahnen den Leſer dieſes / ſo ihme etwan an etlichen
Oertern unſer tieffer Sinn wolte dunckel ſeyn / daß er es nicht
nach Art der boͤſen Welt / verachte / fondern fleißig (fe und zu
GHttbethe / der wird ihme wohl die Thuͤr feines Hertzens eroͤff⸗
nen / daß ers wird begreiffen und ihme zu ſeiner Seelen Seelig⸗
keit nutz machen koͤnnen / welches wir dem Leſer und Hoͤrer in der
Siebe Chriſti guß den Gaben dieſes Talents von Grund der Sera
len wuͤnſchen / und empfehlen ihn in die wuͤrckende fanffte Siebe
Sefu Chriſti. Datumıı, Seprembr. Anno 1623. vollendet.
Sobet den Herrn in Zion! und preifetihn alle
Voͤlcker: Denn feine Macht und Krafft
gehet Durch und uͤber Himmebund
Erden. Halleluja!
if st Kurtzer
Son Kurger Ertractder hoch ſinnlichen
Kurtzer Ertract der hochſinnli⸗
hen Betrachtung des Mylterii Magni ,
wie Die fichtbahre Welt ein Außfluß und Ge
genwurff Göttlicher Wiſſenſchafft und Willens ſey:
Wie alles Ereatürliche geben feinen Urſtande ge:
nommen habe und wie das Göttliche
Aus⸗und Eingehen fen.
Lles finnliche und empfindliche Leben
und Weſen iſt kommen von dem
r Myfterio Magno, als von dem Aus=
ug und Gegenwurff göftlicher:
Wiffenfchefft / darinnen uns zwey
zuverftehen find / als der freye Wil⸗
le des Ungrundes / und das weſent⸗
J liche Ein in dem Willen / wie dieſe
beyde ein Gegenwurff des Ungrun⸗
des / als ein Grund goͤttlicher Offen⸗
SO: bahrung find/ wie ſie Zwey und Doch
nic Eines md ducaus vie Zeit und fichtbahre Welt ſamt allen:
Ereaturen gefleffen/ und inein Geſchoͤpffe gangen find.
2. Daseinige Ein ift die Urfache des Willens / das den Wil:
len urfachet daß er etwas wil/ und da er Doch nichts hat das er
wollen fan / als nur fich felber zu einem Grumd und Stätte ſei⸗
ner Ichheit: Er hat nichts das er faſſen kan als nur das Ein.
darinnen faſſet er ſich in eine Ichheit / auff daß der Wille etwas
habe / darinnen und damiter wuͤrcket / welches Wuͤrcken kein fichta
bahr Weſen wäre / ſo es nicht durch den Willen ausgienge.
3. So iſt nun der Ausgang ein Geiſt des unfichtbahren Wil⸗
leus und Weſens / und eine Offenbahrung des Ungrundes durch
den Grundder Einhett: durch welchen Ausgang ſich der Wille
des Ungrundes / dem Ungrunde entgegen wirfft / als ein Myſteri-
umder Allwiſſenſchafft / mit welchem Ausgange die Urſach undUr⸗
ſtand aller Schiedligkeit der Einheit des einigen ungruͤndlichen
Willens durch feinen eigenen Grund ſeiner eingefaſſeten Selb»
heit verfianden wird /auch der ewige Anfang der Bewegnuͤß und
Urſache des Lebens / welche Bewegnoͤß ein immerwaͤhrende Luſt des-
Wilens iſt: Dannder Wile ſchauet alſo Die Einheit durch die
Be⸗
J
—
Betrachtung des Myſterũ Magni. 8So⸗
Bewegnuͤß und Urſache des Lebens / wie vie Einheit durch Bes Wil⸗
lens Bewegnuͤß in unendlicher Vielheit ſtehet / auff Art uns
Weiſe / wie das Gemuͤhte eine Einheit und Quell⸗ brunn der Sin⸗
nen ſey / da eine ſolche Tieffe der Vielheit aus dem einigen Gemuͤth⸗
entſpringet / welche unzaͤhlbahr find.
4. Mit ſolcher dreyfachen Einheit betrachten wir das We—
fen GOttes: als mit der Einheit den einigen GOtt / mit dem
Willen den Batter und mit der Infaſſung des Willens zur
Stätteder Selbheit / als das ewige Etwas das da würdet / oder
damit der Wille würdet/den Sohn oder Krafft des Willenssund
mit dem Ausgang den Geift des Willens umd der Krafftrund mit
dem Gegenwurff verfichet man die Weißheit der Verftändnüg /
daraus alle Wunder und Aßefen find gefloffen-/ undewig flieffen.-
5. Aus der Bewegnüßdiefesunfichtbahren wärdlichen We—⸗
ſens / aus dem Ausflug der ewigen Wiſſenſchafft iſt ausgefloſſen
das Verſtaͤndnuͤß / da ſich denn die Luſt geſchauet / und in eine
Begierde zur Bildligkeit eingefuͤhret / in welcher Begierde
Der natürliche und creatuͤrliche Grund alles Lebens und alter
Weſen entftanden find / da die Vegierde den Ausfluß der’
Wiſſenſchafft in Eigenfchafft gefaffer und eingefchlejfen hat) da⸗
ber zweyerley Willen find entjtanden / als eineraus goͤtt licher
Scieng oder Wiffenfcharftz der ander aus der Eigenfchafft der‘
Matur da fich die Eigenfchafften haben in eigenen Willen ein⸗
gefuͤhret / und ſich mit der Eigenheit und eigenem Willen impref=
ſet / und rau / ſcharff / ſtachlicht / und hart gemachet / dag aus
ſolchen Eigenſchafften ſind aus der Wiſſenſchafft / Widerwillen
und Feindſchafft wider ſolche Eigenſchafften eatifanden ; wie am
den Eigenſchafften der Teuffel / ſo wohl an der rauen-Erden/
Steinen / Creaturen / zu ſchen it / wie ſich die Eigenſchafften
haben von der Einheit abgewandt / und ſind in eine impreflon
gegangen: Deßwegen ſie auch in dieſer Zeit den Fluch / als das
fliehen goͤttliches Willens dulden / und in ſolcher Impreflion ſte⸗
hen muͤſſen / biß auff den Tag der Wiederbringung.
6. Weil uns denn nun fuͤrnehmlich des Menſchen Gemuͤth zu
betrachten iſt / welches ein Bilde oder Gegenwurff Goͤttlicher
Wiſſenſchafft iſt als ein Gegenwurff goͤttlicher und Natuͤrli⸗
her Verſtaͤndnuͤß / da aller Weſen Grund in dem Ein Sarin=
nen lieget / und ſich mit dem ausgehenden Willen vom Gemuͤth
ſchiedlich machet und offenbahret / daß wir klar erkennen / daß das
Gemuͤht ein Quell-brunn zum guten und boͤſen iſt / und die
Schrifft uns auch ſolches as / ihme der Fall und das
VRBe—
804 Kurker Extract der hochſinnlichen
Verderben aus der Begierde zur Eigenheit der Eigenſchafften
eutſtanden iſt / fo iſt uns das allerhoͤchſt von noͤhten / daß wir
lernen verſtehen / wie wir moͤgen wieder aus der angenommenen
Eigenheit / darinnen wir Marter / Roht und Quaal haben / in die
Sinheit) alsinden Erund und Herkommen des Gemühtes kom⸗
men | darinnen Das Gemuͤht in feinem ewigen Grumde ruhen
möge.
— Kein Ding kan in ihm ſelber ruhen / es gehe dan wieder in
das Ein / daraus es gangen iſt: das Gemuͤht hat ſich von der
Einheit gewant in eine Begierde zur Empfindlichkeit zu probi=
ren die Schiedligkeitder Eigenfchafften / dadurch iſt in ihme die
Schiedligkeit und Widerwillen entſtanden / welche nun das
Gemuͤht beherrſchen / und davon mag es nicht entlediget werden?
es verlaſſe dan ſich ſelber i in der Begierde der Eigenſchafften / und
ſhwinge ſich wieder in die allerlauterſte Stille / und begehre feines
Wo llens zu ſchweigen / alſo daß der Wille fich über alle Sinnlig⸗
keit und Bildligfeit inden ewigen Willen des Ungrundes vera
teuffe / aqus deme er aus dem Myfterio Magno ift anfänglich ent=
ſtanden / daß er in ſtch nichts inehr wolle ohne was GDLE durch
ihn wil /fe ifter in dem tieffeſten Grimdeder Einheit: Und iſt es
⁊ denmtaß er mag eine kleine Weile darinnen ſtehen ohne Beweg⸗
nuͤß eigener Begierde / fo ſpricht ihme der Wille des Ungrundes
aus zoͤttlicher Bewegnuͤßein / und faſſet feinen gelaſſenen Wil⸗
fen / als fein Eigentuhm in ſich ein / und fuͤhret darein das Ens
der ewigen Infaßlichkeit ver Staͤtte GOttes als das wefentlis
she Ein,
8. Und wie nun der Ereigen GOttheit Wille durch den Ewi—⸗
gen Geiſt ewig ausgehet und einen Gegen-wurff des Ungrundes
machet: Alſo wird auch der gelaſſene Wille des Gemuͤhts mit
zoͤttlicher Einſaßlichkeit mit Gttes Willen immerdar mit
ausgefuͤhret und erleuchtet: Und alſo herrſchet das menſchli⸗
= Gemüt in GOttes Willen / in göttliher Erfäntnüg und
iffenfchafft/ über und durch alle Ding: davon Mofes fagte]
er folte herafchen über alle Ereaturen der Welt. Gfeich wie *
GoOttes Geift durch alles schet und alles probiret / alfo auch
mag das erleuchtete Gemuͤth über und durch alle Eigenfchafften
ses natürlichen Sehens herrſchen /_ und die Eigenſchafften be>
waͤltigen / und der Bernunfft einfuͤhren die hoͤchſte Sinnligkeit
aus Goͤttlicher Wiſſenſchafft wie dan S. Paulus ſaget: Der
Geiſt forſchet alle Denge / auch die Tieffe der GOttheit Ind mit
ſolcher Einführung Goͤttljches Wijſlens wird por Menſch wieder
mit
HM
Betrachtung des Myſterii Magnı.- 805
mit Gott vereiniget / und im Gemuͤth neu⸗gebohren / und hebet
an der Eigenheit der falſchen Begierde zu erſterben / und mit neu⸗
er Krafft gebohren zu werden.
9. Alſo hanget ihme alsdann die Eigenheit im Fleifche an/aber
mitden Gemüth wandelt er in GOtt / und wird in dem alten
denſchen ein neuer Geifiliher Menſch goͤttlicher Sinnen und
Willens gebohren / welcher die Luſt des Fleiſches taͤglich toͤdiet / und
Durch goͤttliche Krafft die Welt / als das aͤuſſere geben/ zum Him⸗
mel machet; und den Himmel / als die innere Geiſtliche Welt / zum
ſichtbahren Welt machet / alfodag GOtt Menſch / und Menſch
GoOtt wird / bißg der Baum in feinen hoͤchſten Stand Eommet}
und feine Fruͤchte aus dem MyſteriodMagno, aus goͤttlicher Scientz
gebohren hat / alsdann faͤllet die aͤuſſere Schale weg / und ſtehet
alda ein geiſtlicher Baum des Lebens in SOttes Acker.
s!> Folgez
Folget das Regiſter der Summa⸗
rien / in dieſem Buch verfaſſet.
Cap. 1.
as der geoffenbahrte Bott fey/und vonder Dreyheit. Pag.z
Cap. 2.
Vom Wort oder Hertz Gottes. 9
Cap. 2.
Wie aus dem ewigen Guten ein Böfes worden. 12
Cap: 4. *
Von den dreyen Principien / als won Gottes Siche undzorn. 18
Cap. 5
Von den fünff Senfibus oder Sinnen. \ 23
Gap. 6,
Vom iRefen der Seibligkeit/ die ſieben Geftaltender Natur, 28
Gap. 7.
Bender Heil. Drevfaltigkeit und Göttlichem Weſen. 33
Gap. 3.
Bon Erfhörffung der Engel und ihrem —— 37
Cap. 9
Vom Faͤll Lucifers mit ſeinen ER 43
Gap. 10
Bon Erſchafſung Himmels und der aͤuſſern Welt: 45
Cap. IT.
Von Heimligfeit der Schoͤpffung. 62
Cap ——
Von den ſechs Tag⸗ wercken der Schöpffung. 6
| Cap. 15
Bon Erſchaffung des vierdten Tages. 75
Lan »
Regiſter.
Cap. 14.
Bon Erſchaffung des fünfften Tages. Pag. 8a
Cap. ı5. F
Von dem ſechſten Tage⸗werck der Schoͤpffung. a
Say. 16.
Vom Unterfiheiddes hunfifchen und irdischen Menſchens. 90
Cap. 17.
Vor dem Paradeiß 5
Cap. 18.
Sem Paratififchen Regiment. 10%
Eur. 194
Von Erbauung des Weibes. IE
Cap. 20:
Dem Elagfichen und elenden Fall des Menſchen 128
Cap. 21.
Bon der Iwpreſſion und Urſtand des thieriſchen Menſchens. 126:
Cap. 22%
Vom Urſtand der wuͤrcklichen Sinden / und Erwerfung Gottes:
Zorns. 129
Cap. 2% ’
Wie Gott Adam und ſeiner Eva nach dem Fal wieder geruffen.
146
Cap. 24.
Vom Fluch der Erden / und wie des Leibes Kranckheit entſtan⸗
den. 158
Cap. 25.
Wie Gott Adam aus dem Paradeiß getrieben. 165
Cap. 26.
Von des Menſchen Fortpflantzung in dieſer Welt. 174
Cap.
Regiſter |
Cap. 27.
Bon Cains und Habels Opffer / auch von der wahren und fal-
ſchen Kirchen. Pag. 188
Cap. 28.
Ben Sains Bruder⸗mord / als der Antichriſtiſchen Schein⸗
tirch. 208
Cap. 29.
Wie fich per Adamiſche Baum in Aefte und Zweige —
21
»Eap. 30.
Von der Linea des Bundes. 232
Eap. 31.
Bon der Wunder⸗Linea aus Henoch. 244
Cap. 32.
Vom Bunde zwiſchen Bott und Roh. 255
Cap. 33.
Bom Anfang der andern Monachiæ / und vom Bund Goties mit
Rah. 266
Eap. 34.
. Wie Noch feinen Sohn Ham verfluchet. 274
Cap. 35.
Wie fi der menſchliche Baum durch Nochs Kinder habe auß⸗
gebreitet. 272
Cap. 36.
Bon der Antichriſtiſchen Babyloniſchen Hure aller Zungen /
Voͤlcker / ꝛc. 209
Cap. 37.
Don Abraham md feinem — wie die Zundes⸗ Linea
fortgepflanget. 8. 318
wenn Anfang des ee mie Abraham Loth era
rettet. 33%
Cap,
Regiſter
Cap. 39.
Wie Gott Abraham im Geſichte erſchienen / und mit ihm den
Bund beſtaͤtiget. Pag. 337
Cap. 4%
Von der wunderlichen Fürkildung Des Geiſtes Gottes nit Has
gar. 345
Enp. ann
Von des Bundes Siegelder Beſchneidung / und von der Tauffe.
365
Gap. 42.
Fon den drogen Männern / welche Abraham in Hain Mamro
erſchienen. 379
Gap. 43.
ir Gott dem Abraham den Untergang Sodom und Gomorræ
angedeuttt. 388
Cap. 44.
Wie Loth ſey aus Sodom gangen / und vom Untergang So⸗
doms. 402
Cap. 4%
Wie Bott Abraham wunderlich geführet/und in der Berfuchung
beſchirmet. 413
Cap. 46.
Von Iſaacs Gebuhrt und Iſmaels Außſtoſſung. 418
Cap. 47.
Vom Bunde Abimelechs und Abrahams / ſambt deſſen Bedeu⸗
tung. 429
Cap. 48-
Wie GottAbraham verſuchte / und die Figur von Chriſti Opffer.
438
Cap. 49.
Von Sara Tod / und Abrahams Erb-begraͤbnuͤß. 452
Cap. jo.
ic Abraham feinen Knecht außſchicket / feinem Sohn Ifane
cin Weib zunehmen, 458
Cap.
Megifter.
Cap. st.
Wie Abraham habe ein ander Weib genommen / und ſechs Soͤh⸗
ne gezeuget. Pag. 473
Cap. 52.
Die Hiſtoria von Iſaac / auch wie Eſau und Jacob gebohren.
585
2 Gay. 53.
»Wie Eſau feine erſte Gebuhrt umb ein Linſen⸗gerichte seta, t.
ox
Eap. 54.
Wie Ifanc ſey in der Theurung zu Abimelech gezogen. 508
Cap. ss.
Wie Jſaac unwiſſend Jacob an Eſaus Stätte geſeegnet. 414
Cap. 56.
Wie Jacob von ſeinen Eltern in frembde Lande geſchicket / und
ihm der Herr erſchienen. 524
Cap. 57.
Wie Jacob zu Laban kommen / und vierzehen Jahr umb feine zwo
Toͤchter gedienet. * 532
Cap. ss.
Wie Gott Jacob bey Laban mit vielen Kindern und vielen Reichs
thumb gefeegnet. 540
ap. 59.
Wir Jacob ſey von Laban gezogen. ei
Cap. 60.
Wie Jacob dem Efau init vier hundert Wann entgegen gezo⸗
gan. 557
j Cap. Gr.
Die Jacob und Efau zuſammen fommen, 571
Cap. 62.
Wie die Dina von Hemors Sohn geſchaͤndet worden. =
Cap *
s
Regiſter.
Cap. 63.
* Gott Jacob geheiſſen nach Bethel zu ziehen. 2a8.597
Cap. 64.
Den Joſephs Hiſtoria / und deren ag über das 36. und 37»
Gap. Geneſ. Gr
Cap. 6 JF.
Die Hiſtoria von Juda und — was dieſelbe praſzuriret.
626
Cap. 66,
Wie Joſeph dem Potiphar verkaufft werden. 643
Cap. 67.
ie Jofeph im Befängnügdes Pharaonis Schenke und Weder
ihre Traͤum erklaͤret. 663
Cap. 68.
Wie Joſeph fuͤr Pharao geſtellet / und zu groſſen Ehren kom⸗
men. 667
Cap. 69.
Wie die groffe Theurung durch alle Sand gegangen / und Jacob
feine Soͤhne nach Egypten geſchicket. 689
Cap. 70
Wie Jacobs Soͤhne nach Egypten ziehen / und Benjamin mit⸗
nehmen. 9
Cap. 71.
ie Jofeph feinen Brüdern ließ ihre Säde füllen / und feinen
Becher in Benjamins Sad itgen. JIk
Cap. 72.
Wie jih Joſeph vor kinen Brüdern offenbahret. 725
Cap. 7
Wir Jacob mit feinen Kindern in Egypfen gejogem. 734
car. 74
Wie Incob für Pharao geſtellet / und ihn goſeegnet. Pe 3
*
Regifter:
Cap. wg
Wie Jacob vor feinem Ende die zwey Söhne Soferhs geſeegnet.
Pag. 757
Cap. 76, *
Wie Jacob alle ſeine Soͤhne vor ſeinem Ende geſeegnet. 767
Eap. 77.
Weitere Erklärung des Teſtaͤments Jacobs. 782
Cap. 73
Don Zacobe Begrabnüß. 799
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ER. ——
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—
Andentung der Titul- Figur der
SIGNATURA RERUM,
In einiger Charadteriftnur/ damit fich die Bottheit abges
bildet und mit demfelken auch alle Creatur bezeichnet / dag
feine Gegenwart in allem ſey / und doch eine jede Creatur ihr bes
fonder Zeichen) Figur und Geftult habe / damit fie als cin beſon⸗
deres ABunder des himmliſchen oder irrdiſchen Myfterii erfcheine,
Das iftdas in feiner Sphera und Mercurialifchem Raͤde der
Natur / das durch alle 3. Principiagehet/ undim Dritten durch
alle Reiche der Mineralien Vegerabilien und Animalien durch
Himmelund Erden. Wovon den Nachforſcher Göttliher Ge⸗
heimnuͤß die Wunder⸗tieffe gezeiget wird
In diefem Buche
Eap.1.0.16.17.18.0.2.0.11.12.13.15.27.C.3.0.12.13. 24-
15. 16. 17. 19. 20. 22. 23. 27. 29. 30. 39.c. 4. v. 1.15.16.17. 19
21. 22. 23. 26. c. 8. v. 22. 38. 39. c. 13. v. 1. 2. 3. 21. 24. c. 14.
v. 16. 18. 26. 27. 28. 29. c. 16. v. XI.
Und weiter in dieſen:
Drey Principüis. Cap.x. v. 1x. 12. 13. c. 2. v. 8.9. 10. 13. t. 4.
v.50.52.53.0.5.0.23.6.6.0.10. c. 8. v. 23. 23. c. 9. v. 31.
(.25.9.22.24.
Dreyfach Leben Cap. 1.0.33. 6.2.0. 14.15.16. 27.28. 34,35,
36. 37. 40.41.42. 61.70.71.72.6.3.0.9.10, 11. 14.23.04,
v. 14. biß 17. c. 9. v. 11.12.13. 15.19. 21.22. 34. 35.37.38,
€. 6.0. 50. 51. 65. c. 8. 0.18.19, 6.9.0.89. 97.98. & 19,
v0. 41.42.43.
40. Sragen x. Stage. 0.03.94. 204. 40ſte Frage. v. 4. 5.
x. Theil der Menſchwerdung Chriſti. Cap. 5. v. 23.
2. Theil der Menſchwerdung Chriſti. Cap. 4.0.6.
Sechs Puncten. Cap. x. v. 45.48.49.
Die Druckfehler in diefem Buche der Signatura
Rerum find diefe:
Foliozr. Linea zı. nach Schrack dele; nach die Sremdeadde ;
F. 37. L. 10. nach Sonnen dele (
E. 60. L. 26. für dadurch liefeda doch
F. 63. L. 29.fürkiegen liefe legen
F. 65. L. 17. fuͤr und liefe aus
F. 89. L. 40. nach Empfindligkeit adde:
F. 91. L. 4. fuͤr Bewaltige lieſe Gewaltige
€, 176. L. 1. fuͤr zeicht lieſe Sp zeuͤcht.
SIGNATURA
RERUM,
Das iſt:
Bon der Gebuhrt und Be⸗
zeichnung aller Weſen:
Wie alle Wefen aus einem Einigen Myfterio
urſtaͤnden; und wie fich daffelbe Myfterium yon Ewigfeit
immer in fich felber erbähre/und wie das Gute ins Boͤſe / und
das Böfe ins Gute verwandelt werde.
: Item:
Wie die aͤuſſere Eur des Leibes durch feine Gleichheit
müffe geführet werden. Was jedes Dinges Anfang auch
Zerbrechung und Heilung fey.
Darbey / Sleichnüß-weife / der Stein der Weifen zur
zeitlichen Cur mit dem Eckſtein der Weißheit Ehrifto/ zur ewi⸗
gen Eurder neuen Wieder⸗gebuhrt eingeführet wird.
Eine fehr tieffe Pforte der ewigen und auch anfänglichen
aufferlihen Natur und ihrer Geftaltnüffen.
Befchrieben durch
a c:0:2.B 6 BAM:B,
fonft genañt Teutonicus Philofophus.
N Y
ae
| — SS
DU
Zu Amfterdami
Gedruckt lim Jahr Chriſti 1682
Mia
N
Vorrede des Autorisan den Weifheitzliebendendefer.
2. IIIIIUPAN, Em Menfchen / welchen GOtt
Z 7 ’)). in fein Bild und Bleichnüß ges
x fchaffen hat /ift in aller feinen
) nüglicher / als daß er fich ftäts
betrachte / was er fey/ x wovon
ibm Gutes und Boͤſes herkom⸗
und Gutes einfuͤhre In wel⸗
cher Betrachtung 4. er auch die
\ Guram zu Leib und Seele fin»
den und erlernen. mag ; und s. wieerfichdarsu ſchicken ſoll /
daß das Heyl in Leib undSeel möge eingeführte und eroͤffnet
werden. Auch lernet er 6. in ſolcher Betrachtung ſeinen
Schoͤpffer kennen / und werden ihm 7. die Geheimnuͤß der
groſſen Wunder GOttes bekant und offenbahr: Welches
nicht allein eine Erkaͤntnuͤß der groſſen Wunder GOttes im
Menſchen erwecket / ſondern auch 8. eine hertzliche Beglerde
und Zuflucht zu Der Liebe und Genade GOttes / in welcher
Begierde dns Bild GOttes in fich felber durch GOttes Wil⸗
len=geift / welcher in.der Begierde gegen Bott felberfährer ?
ihme 9. felber offenbahr wird) gleich wie fi) GOtt in feiner
ewigen Begierde mit dem Weſen fo in Der Begierde geurjkän
det / mit feinem Geifte felber geoffenbahrer bat. fee;
z. So dann GOtt dem Menſchen in eine Bleichnüß nach
ihme aus feinem ewigen und zeitlichen! Defen gefchaffen/und
ihn zum Herin und Regierer. feines Geſchoͤpffes geordnet
hat / auch alles unter feine Fuͤſſe gethan: So iſt dieſes nicht
zu dem Ende geſchehen / Daß er ſey als ein unverſtaͤndig Dieb /
ꝰ bung / die er treiber nichts
me / zeund wie erfich in Boͤſes
Be
fondern er ſoll die Wunder GOttes in feiner Schöpffung und -
den groſſen GOtt in feinem dreyfaltigen einigen Weſen recht
erkennen lernen / auff daß er wiſſe / wie er fein Leben halten 7
und vor GOtt in dieſem feinen befohlenen Ambt auff Erden
führen foll/ damit er das zeitliche und ewige Heyl und die
Erbſchafft / darzu ihn GOtt gefchaffen hat 1 möge erlangen.
3. Aus folcher Betrachtung nun habe ich mir fürgenoms
men diefe Geheimnuͤß fo ver Geiſt GOttes dem Menſchen 4
welcher fich mit rechtem Ernſt darein giebet / offenbahret /
und ihn gleich als in ein Kiebe-fpiel feiner Wunder einführet 7
auffzuſchreiben / unddern liebhabenden gottfürchtigen Leſer
und Sucher der Weißheit GOttes Urſache zu geben ober dan
Dusch möchte in Bewegung oder in Begierde/ als in einen
432 ; Huss
x”
Hunger nach dem edlen Perlein / welches Föftlicher iſt als die
sufterelbeit/gedrscht werden / dadurch x.die 1 WunderEOttes
in ans offenbahret / 2. fein heiliger Tame in uns und von uns
gepreiſet und erkañt / z und desSatans Reich aud) alfo offen⸗
dahr u gehindert warden möchte: Auf de Doch der) Nenſch
amöchte GOttes Willen gegen ihm erkennen lernen / auch
von dem umuͤtzen Streit / davon die bruͤderliche Uneinigkeit
entſtehet / außgehen / und der Lebe⸗wille GOttes gegen uns /
ſonn eitelStreit gezogen wird / dadurch erkañt / und offenbahr
werde daß verStreit ein nichtig und hoch⸗ ſchaͤdlich Ding/und
nichtin GOttes / ſondern des Teuffels Willen ui Begierde ur⸗
ſtaͤnde / davon das edle Bild Gottes außgehet / und in die wah⸗
re Erkaͤntnuͤß GOttes / ſeines Willens und Weſens eingebet,
4. Ob num zwar die Vernunfft nur ſchreyet / Schrifft und
Buchſtaben her / ſo iſt doch der aͤuſſere Buchſtabe allein nicht
genug zu der Erkaͤntnuͤß / wiewohl er der Anletter des Grun⸗
des iſt / es muß auch der lebendige Buchſtabe / welcher OOt⸗
tes ſelbſtaͤndiges außgeſprochenes Wort und Weſen iſt / in
der Leiterin Des außgeſprochenen Wortes im Menſchen fel-
ber eröffnet und gelejen werden / in welchen der Heil. Beift
Ver Leſer und Offenbahrer felber ft. Deromegen dann mein
Vorhaben iit den währen Grund aller Weſen /nach meiner
Erkaͤntnuͤß uñ Gaben / wie es der Geiſt des Verſtandes in mir
ſelber eroͤffnet Hat / in Eigenſchafft auffziſchreiben / und für
ein kurtz Memorial und Ubung zu behalten / damit / ſo jemand
luͤſterte nachzuforſchen / derſelbe ſolchen Nutz in ſich ſelber
befinde und erfahre.
5. Es iſt aber meht meine Meynung den Menjchen im un⸗
verſtandene unnuͤtze Kunſt / darzu er nicht von SOtt beruf:
fen noch begabet / einzufuͤhren / weil ich ſte auch ſelbſten nicht
in der Praxifiihre und treibe / ſondern nur die Moͤgligkeit aller
inge nebenſt der Praxi der neuen Gebuhrt anmelde/und den
von Gott darzu begabten zu den aͤuſſern Dingen Anleitung
gebe: Diemweil doch ja die Seit der Eröffnung aller Heimlig⸗
Feiten nahet amd anbricht. j
6. Würde fich aber jemand auff einen Vorwitz begeben /
und ſelbſt in Unheil eingehen/ ehe er darzu geſchicket / und den
spahren Verſtand nebenſt Goͤttlichem Willen erreichet haͤtte /
der gebe ihme ſelber die Schuld / daß er unſerem treuen Rath]
ſo bierinnen — nicht folgen wollen. ——
Goͤttlichem Rechte Seegen undSchug/mich ab« dem Leſer
in eine Ginft und Liebe ginipfehlende, Geben im Monath
Februario Anpo x622.
u Zacob Böhme,
A
Pag.5
DE SIGNATURA RERUM.
Das 1. Capittel.
Wie alles tum und ohne Verſtand iſt was von GOtt
geredet wird ohne Erkaͤntnuͤß der Signatur: und im
menſchlichen Gemuͤth die Signatur nach
dem Weſen aller Weſen lieget.
I.
— Bin AIA les was von GOtt geredet] ge⸗
NS > T A ſchrieben oder gelehret wird/ vh⸗
IN ne die Erfanfnüßder Signatur,
EZ das ift ſtum und ohne Verſtand /
IN dann es kommt nur aus einem
—
biſtoriſchen Wahn /-von einem
a 9) andern Mund/ daran der Geiſt
ohne Erkaͤntnuͤß ſtum iſt: So
) ihm aber der Geiſt Die Signatur
N) eröffnet/ jo verftchet er des an⸗
‚ vern Mund/un verfichet ferner?
wie ſich der Geiſt aus der Eſſentz
durchs Principium im Hall mit
der Stimme hat offenbaͤhret.
Dann daß ich ſehe / dag einer von GOtt redet / lehret / predi⸗
get und ſchreibet / und gleich daſſelbe höre und leſe / iſt mirs noch
nicht genug verſtanden / ſo aber ſein Hall / und ſein Geiſt aus ſei⸗
ner Signatur und Geſtaͤltnuͤß / in mein eigen Geſtaͤltnuͤß einge⸗
het / und bezeichnet feine Geſtaͤltnuͤß in meine / ſo mag ich ihm in
rechten Grunde verſtehen / es ſey geredet oder geſchrieben / ſo er
den Hammer hat / der meine Glocken ſchlagen kan.
Daran erkennen wir / daß alle menſchliche Eigenſchafft aus
einer kommen / dag fie nur eine einige Wurtzel und Mutter ha=
ben / fonft fönte cin Menfch den andern nit im Hallverftehen..
. Dann mit dem Halloder Sprache zeichnet fich die Geſtalt
in eines andern Geſtaltnuͤß einjein gleicher Klang fanget und be⸗
weget den andern / und im Hall zeichnet der Geift feine eigene
Geſtaltnuͤß / welche er in der Effeng gefchöpffet hat / und hat fie im
Principio zur Form bracht daß man im Wort verſtehen Fan /
worinnen ſich der Geiſt geſchoͤpffet im Boͤſen oder Guten /
3 und
6 De Sıcnarura Cap.:.
und mit derfelben Bezeichnung gehet er in einesandern Mens
(chen Geſtaltnuͤß / und wecket in einem andern auch eine folche
Forme in der Signaturauff / daß alfo beyder Geſtaltnuͤß in einer
Form miteinander inqualiren/ alsdann ift EinBegrieff/ Ein
Wille / Ein Geift/und auch Ein Verftand.
. Und dann zum andern verſtehen wir / daß die Signatur oder
Sefaltnäf kein Geiſt ift /fondern der Behalter oder Kaften des
Geiſtes darinnen er lieget / dann die Signatur ftehet in der Eſſentz /
und iſt gleich wie eine Laute die da ſtille ſtehet / die iſt ja ſtumm
und unverſtanden / fo man aber darauff ſchlaͤget / ſo verſtehet man
die Geſtaltnuͤß / in was Form undZubereitung fie ſtehet / und nach
welcher Stimm ſie gezogen iſt: Alſo iſt auch die Bezeichnung der
Natur in ihrer Geſtaltnuͤß ein ſtumm Weſen / ſie iſt wie ein
zugericht Lauten⸗ſpiel / auff welchem der Willen⸗geiſt fchläget /
welche Seyten er trifft / die klingen nach ihrer Eigenſchafft.
" 6. Im inenſchlichen Gemuͤthe lieget die Signatur gantz kuͤnſt⸗
lich zugerichtet / nach dem Weſen aller Weſen / und fehlet dem
Menſchen nichts mehr / als der. kuͤnſtliche Meiſter der fein In⸗
ſtrument ſchlagen kan / das iſt der rechte Geiſt der hohen Macht
der Ewigkeit; ſo aber derſelbe im Menſchen erwecket wird / daß
er im Centro des Gemuͤthes raͤge wird / fo ſchlaͤget er das Inſtru⸗
ment der menſchlichen Geſtaltnuͤß: Alsdann fo gehet die Ge⸗
ſtaltnuͤß mit dem Hall im Worte vom Munde aus: Wie dann
ſein Inſtrument in der Zeit feiner Menſchwerdung gezogen iſt /
alſo lautet es / und alſo ift feine Exkaͤntnuͤß 2: Das Innere offene
bahret fich im Halle des. Wortes / dann das ift des Gemüthes na⸗
türliche Erkäntnüg feiner felbft.
7. Der Menfch hat zwar alle Geſtaltnuͤſſe aller drey Welten
in ihme liegen / dann er ift.ein Bild GHttes oder des Weſens
aller Weſen / allein in feiner Menfhwerdung wird die Ordnung
in ihme geftellet =. Dann allda find drey Werckmeiſter in ihme/
welche feine Geſtaltnuͤß zurichten / als das. dreyfache Fiat, nach
den drey Welten / und find im Ringen umb die Geſtaltnuͤß / und
wird die Geſtaltnuͤß allda nach dem Ringen ßguriret / welcher
Meiſter das Obere Regiment behaͤlt / und in der Eſſentz befomt /
nach dehme wird das Inſtrument gezogen / ud die andern liegen
verborgen / und gehen mit ihrem Hall hinten nach / wie ſich ſolches
klar beweiſet.
8. So bald der Menſch zu dieſer Welt gebohren iſt / ſo ſchlaͤ⸗
get fein Geiſt fein Inſtrument / ſo ſiehet man am aͤuſſern Hall
und Wandel ſeine inſtehende Geſtaltnuͤß im Guten er t
i ann
Cap.t. Rerum 7
Dann wie fein Inftrument lautet / alfogehen auch die Sinnen
aus der Effeng des Gemuͤthes / und alfo führet der äuffere Willens
geift mit feinen Gebaͤhrden /wie man das an Menfchen und
Thieren fichet / wie alfo ein groffer Unterfcheid der Gebährung
ſey / daß ein Bruder und Schweſter nicht thut als der ander.
9. Ferner iſt uns zu erkennen / daß ob gleich alſo ein Fiat das
Ober-Regiment behaͤlt / und die Geſtaltnuͤß nach ihm Aguriret /
daß ihm doch gleichwohl die andern zwey einhalt thun / ſo nur ihr
Inſtrument geſchlagen wird / als man dann ſfolches ſiehet / daß
mancher Menſch / auch manches Thier / ob es ſehr boͤß oder gut
geneiget iſt / doch von einem Gegen⸗hall zum Boͤſen oder Guten
beweget wird / und der offt ſeine ingebohrne Geſtaltnuͤß ſincken
laſt / wañ ihm der Gegen ⸗ hall auff feiner verborgenen Lauten oder
Geſtaltnuͤß ſchlaͤget / wie man ſiehet / daß ein doͤſer Menſch doch
offt von einem guten zur Reue feiner Boßheit beweget wird / waũ
ihme der Fromme mit ſeinem liebreichen Geiſte ſein verborgen
Inſtrument ſchlaͤget: Desgleichen geſchiehet es auch mit dem
Frommen / ſo ihm der Boͤſe mit dem Geiſt ſeines Grimmes ſein
verborgen Inſtrument ſchlaͤget / ſo wird im Frommen auch die
Zorn-geftaltnüg erwectet / und iſt je eines wider das ander ge
ſetzet / daß eines des andern Artzt ſeyn ſoll.
x0. Dann wie die Geſtaltnuͤß des Lebens iſt / das iſt / wie die
Ebens⸗geſtaͤltnuͤh in Zeit des Fiats in der Menſchwerdung figu-
riret wird / alſo iſt auch fein natürlicher Geiſt z denn er urſtaͤndet
‚aus der Eſſentz aller drey Prineipien / und einen ſolchen Willen
fuͤhret er auch aus ſeiner Eigenſchafft.
11. Nun aber mag ihm ver Wille gebrochen werden date
wann ein Stärcderer über ihn komt / und wecket fein innere Ge⸗
ftaltnäg auff mit feinem eingeführten Hall⸗und Willen⸗geiſt /
ſo verleuret ſein Ober⸗Regiment das Recht und die Gewalt / wie
wir ſolches an der Sonnen Gewalt ſehen / wie fie mit ihrer Macht
eine bittere und ſauere Frucht in eine Suͤſſigkeit und Liebligkeit
qualificiret: Deßgleichen auch wie ein guter Menſch unter ei⸗
nem böfen Hauffen verderbe / auch ein gutes Kraut auff einem
boͤſen Acker nicht feine rechte Tugend genugſam erzeigen fan =-
Dad es wird in dem guten Menfchen das verborgene böfe Inſtru⸗
ment erwecket / und in dem Kraut auch eine widerwertige Eſſentz
von der Erden / daß offt das Gute in ein Boͤſes / uñ das Boͤſe in ein
Gutes verwandelt wird. Und wie es nun in der Gewalt der Qua⸗
litaͤt inne ſtehet / alfo bezeichnet ſichs im aͤuſſern in feiner aͤuſſer⸗
lichen Forme und Geſtaltnuͤß / fo * der Menſch in ſeinen en
4 den
8 De Sıcnarura Cap.
den / Willen undSitten/auch mit derForm der Glieder / die er al:
fo zu derſelben Geſtalnuͤß hat und gebrauchen muß: Seine inne⸗
re Geſtaltnuͤß zeichnet ihn auch in der Geſtaltnuͤß des Angeſichts /
deßgleichen auch ein Thier / item, ein Kraut und auch Baur:
me /ein jedes Ding wieesin fich ift /alfo ift cs aueh auswendig
bezeichnet.
12. Dann ob es gleich geſchiehet / daß ſich offt ein Ding vom
Boͤſen ins Gute / und vom Guten ins Boͤſe verwandelt / ſo hat
es Doch feinen aͤuſſerlichen Character, dag man das Gute oder
Boͤſe / das ift/ die Berwandelung fennet : Dann den Menfchen
kennet man hierinan feiner täglichen Übung / item , an feinem
Wandelund Worten / dann das Ober-Inſtrument wird immer
geſchlagen / welches am ftärdkeften ift gezogen.
23. Alfo auch ein Thier / fo das böfe iſt / und iſt aber mit Ge⸗
waltgebandiget / und zuanderer Eigenſchafft gegogen worden /
laͤſſt feine erfte inftchende Geſtalt nicht leichtlich mercken/diefelbe
werde dañ erraͤget / fo gehet fie für allen andern Geftalten herfür.
24. Alfo ifts auch mit den Kräutern der Erden/fo cin Kraut
vom böfen Acker incinen guten verfeget wird / Eriegets zur hand
einen ftärckern Leib / auch lieblichern Geruch und Kraft / und er⸗
zeiget die innere Efleng imaͤuſſern.
15. Und ift fein Ding in der Natur das gefchaffen oder ge>
bohren ift/ es offenbahret feine innerliche Geftalt auch aufferlich/
denn das innerliche arbeitet fFäts zur Offenbahrung/ als wir fol-
ches ander Kraft und Geftaltnüß diefer Welt erfennen/wie fich
das einige Wefen mitder Außgebaͤhrung in der Begierde hat in
rinem Gleichnůß offenbahret/wie es fich hat in fo viel Formen und
Geſtaltnuͤß offenbahret / als wir folches an Sternen und Ele=
menten / fowohlan den Ereaturen/ aud) Baumen und Kräutern
ſehen underkennen.
16. Darumb ift in der Signatur der gröfte Verſtand / darin⸗
nen fich der Menfch (als das Bild der gröften Tugend ) nicht
allein lernet felber kennen /fondern er mag auch darinnen das
Refen aller Wefen fernen erkennen/ dann ander aufferlichen
Geftaltnüg aller Ereaturen / an ihrem Trieb und Begierde /
item, an ihrem außgehenden Hall; Stimm und Sprache/kennet
man den verborgenen Geiſt / dann die Naturhat jedem Dinge
feine Sprache ( nach feiner Efen& und Geftaltnug ) gegeben /
dann aus der Eſſentz urftändet die Sprache oder der Hall/ und
derſelben Efenk Fiat formet Der Eſſentz Qualität /in den außs
gehenden Halloder Kraft / den lebhafften im Hall / und den eſ⸗
:Dila-
Cap.2. Rerum. 9
ſeutialiſchen im Ruch / Krafft und Geſtaltnuͤß: Ein jedes Ding
hat feinen Mund zur Offenbahrung.
17. Und das ift die Matur- fprache / daraus jedes Ding aus
feiner Eigenſchafft redet / und fich immer felber offenbahret / und
darſtellet worzu es gut und nuͤtz fey / Dann ein jedes Ding offen»
bahret feine Mutter pie die Effeng und den Willen zur Geftalt>
nuͤß alſo gibt.
Das 2. Capittel.
Von der Widerwertigkeit und dem Streit in dem
Weſen aller Weſen.
O dañ der Geſtaltnuͤßen fo manch un vielerley ſend /
da je eines einen andern Willen aus ſeiner Eigen⸗
ſchafft herfuͤr bringet als das ander / ſo verſtehen
* wir hierinnen die Widerwertigkeit uñ den Streit
indem Weſen aller Weſen / wie je eines das ander
feindet/ vergifftet und toͤdtet / das iſt / ſeine Eſſentz und den Geiſt
der Eſſentz uͤberwindet / und in ein andere Geſtaltnuͤß einfuͤhret /
davon Kranckheit und das Wehethun entſpringet / wann eine
Eſſentz die andere zerbricht.
2, Unddann verftehen wir auch hierinnen die Artzney / wie ei⸗
188 das andere heilet und zur Gefundheit bringet und ſo dieſes
nicht waͤre / ſo waͤre keine Ratur / ſondern eine ewige Stille / und
kein Wille / dann der Widerwille macht die Bewegligkeit und
den Urſtand des Suchens / daß die widerwertige Quaal die Ruhe
et und fich in dem Suchen nur felbft erheben? undinchrente
zündet
3. Undift uns zu verſtehen / wieder Artzt in der Gleichheit ei⸗
nes jeden Dinges ſtehe / danni in der Gleichheit ſtehet des Willens
Er fuͤllung / als ſeine hoͤchſte Freude / dann ein jedes Ding begeh⸗
vet einen Willen feines gleichen/und mit dem Widerwillen wird
es gefrändet / fo esabereinen Willen feines gleichen befomt/fa
erfreuet Jiehs in der Gfeichheit / und erfindet darinnen in die
Ruhe / und wird ausder Feindſchafft eine Freude.
4. Dann die cwige Natur hat nichts/ als nur eine Gleichheit
aus fich mit ihrer Begierde gebohren / und ſo nicht eine immer⸗
waͤhrende Br rinſchung waͤre / ſo waͤre in der Natur ein ewiger
Sriedesaber alſo wuͤrde die Natur nicht offenbahr / im Streit
wird ſie offenbahr / daß ſich ein * Ding erhebet / und m
% 5 uB.
%
10 Ds Sıcnatura Cap.
zen Streit flichen in die ftille Ruhe / und damit nur aus fich ſel⸗
ber in ein anders laufft / und den Streit nur dadurch erwecket.
5. So finden wir Klar im Liecht der Natur / daß der Wider⸗
gwertigkeit nicht. beffer mag gerathen werden/un hat keinen höhern
Artzt als die Freyheit / das iſt das Liccht der Natur Yals des Gei—⸗
ſtes Begierde; und dann finden wir / daß der Eſſentz nicht mag
beſſer gerathen werden als mit der Gleichheit / dann die Eſſentz iſt
ein Weſen / und ihre Begierde ſtehet nach Weſen / fo begeh⸗
ret ein jeder Geſchmack nur ſeines gleichen / und ſo er dehn be—
komt / fo wird fein Hunger erfuͤllet und geſtillet / und hoͤret auff
zu hungern / und erfreuet ſich in ſich ſelber / davon erſincket die
Kranckheit in eine Ruhe in ſich ſelber / dann der Hunger der Wi⸗
derwertigkeit hoͤret auff zu qualificiren.
6. So dann das menſchliche Leben in drey Principien ſtehet /
als in dreyerley Eſſentz / und auch einen dreyfachen Geiſt aus je⸗
der Eſſentz Eigenſchafft hat / als nach der ewigen Natur / nach des
Feuers Eigenſchafft / und zum andern nad) des ewigen Liechts /
und der Goͤttlichen Weſenheit Eigenſchafft / und zum dritten /
nach der aͤuſſern Welt Eigenſchafft / ſo iſt uns beydes deſſelben
dreyfachen Geiſtes und auch der dreyfachen Eſſentz und Willens
Eigenſchafft zu betrachten / wie ſich cin jeder Geiſt ſambt ſeiner
Tſſentz in Streit und Kranckheit einfuͤhre / und was feine Eur
und Artzney fey.
7. Wir verſtehen / dag auſſer der Natur eine ewige Stille.
und Ruhe ſey / als das Nichts / und dann verſtehen wir / daß in
Dem ewigen Nichts / ein ewiger Wille urſtaͤnde / das Nichts in
Etwas einzufuͤhren / daß ſich ver Wille finde / fühle und ſchaue /
dann im Nichtswäre der Wille ihmenicht offenbahr / fo erken⸗
nen wir aber /daf fich der Wille felber fische / und in ſich felber.
finde / und fein Suchen ift eine Begierde /und fein Finden ift der.
Begierde Weſen / darinnen fich der Wille findet... Er findet
nichts als nur die Eigenfchafft des Hungers/ welche er felber ift /
Die zeucht er in fich / das iſt / er zeucht fich felber in fich / und findes
ſich felber in ſich / und fein in fich Zichen macht in ihme eine Be⸗
ſchattung oder Finfternüß / welche in der Freyheit als im Nichte.
nicht ift / dann der Freyheit Willen befchattet fich felber mit der
Begierde Wefen dann die Begierde macht Weſen / und nicht
Der Wille,
8. So dann der Wille alfo mit feiner Begierde muß im fin»
Kern ftchen / fo iltdas feine ABiderwertigkeit / amd ſchoͤpffet ihme
das fich einen andern Willen vonder Finſternuͤß aufzugeben er
Cap. 2. RERuN. It
der in die Frepheit /als in das Nichts / und mag doch auffer fich
nicht die Frepheit erreichen / dann Die Begierde gehet aus fich/
und machet Quaal und Finſteruuͤß / fo mug der Wille ( verftcher
der andere gefchöpffte Wille) in ſich gehen / und iſt doch kein ab⸗
trennen; dann in ſich fuͤr der Begierde iſt die Freyheit als das
Nichts / fo mag doch auch der Wille nicht: ein Nichts ſeyn / dann
er begehret ſich in dem Nichts zu offenbahren / und mag doch auch
feine Offenbahrung geſchehen /als nur durchs Weſen der Bes
gierde/ und jemehr Der wiedergefaſſte Wille der Offenbahrung
begehret / je mehr und ſtrenger zeucht die Begierde in ſich / und
macht in ſich drey Geſtalten.
9. Als das Begehren / das iſt Herbe / und gibet Haͤrtigkeit /
dann es iſt ein Einſchlieſſen / davon Kaͤlte urſtaͤndet / und das
Ziehen machet Stachel oder Ruͤgung in der Haͤrtigkeit eine
Feindung wider die herbe an ſich gezogene Haͤrtigkeit; das Zie⸗
hen iſt die andere Geſtalt / und eine Urſache des Bewegens und
Lebens / und raͤget ſich in der. Herbigkeit und Haͤrtigkeit / welches:
die Haͤrtigkeit als das Einſchlieſſen nicht dulden mag / und dero⸗
wegen viel hefftiger an ſich zeucht den Stachel zu halten / und
wird doch der Stachel dadurch nur ſtaͤrcker. Alſo wil der Stachel
uͤber ſich und quericht / und mag das doch nicht vollbringen / dann
die Herbigkeit / als die Begierde haͤlt ihn / ſo ſtehet er gleich einem
Triangel und Creutz-rade / das (weil er nicht von der Staͤtte
weichen kan) draͤhend wird / davon die Vermiſchung in der
Begierde entſtehet / als die Eſſentz oder die Vielheit der Be⸗
gierde dann das Draͤhen macht eine Immer- wirrung und
— die Augſt als das Wehe / die dritte Geſtalt ent⸗
ehet.
zo. Dieweil aber die Begierde / als die Herbigkeit dadurch
nur ſtrenger wird (dann von der Ruͤgung entſtehet der Grimm
und die Ratur / als das Bewegen) ſo wird der erſte Wille zur
Begierde gantz ſtrenge und ein Hunger / dann er iſt inſeinem
harten ſtachlichten duͤrren Weſen / und mag davon auch nicht
eutfliehen / dann er machet ſelber das Weſen / und beſitzet das
auch / daun alſo ſindet er ſich jetztaus dein Nichts in Etwas / und
Das Etwas iſt doch ſein Widerwille / dann es iſt eine Unruhe /
und der freye Wille iſt eine Stille,
11. Das iſt nun der Urſtand der Feindſchafft / daß die Natur
wider den freyen Willen laufft / und ſich cin Ding in fich ſelber
ſeindet: Und verſtehet allhie das Centrum der Natur / mit
dreyen Geſtaltenz Im Urſtand / als im erſten Principio ifts
4.6 Geiſt /
Fe) De Sıcnatura Cap.z.
Geiſt; im andern ifts Siebe s und im dritten Principio ifts We⸗
fen / und heiſſen die z. Geftälte im dritten Principio, Sulphur,
Mercurius , und Sal. Dig verftehet alfo:
12. Sul iſt im erſten Principio der freye Wille oder die Luſt in
dem Nichts zu Etwas / es ift in der Freyheit außer der Natur ;
Phur ift die Begierde der freyen Luft / und machet in fich in den
phurals in der Begierde ein Weſen / und daſſelbe Weſen ift ſtren⸗
ge wegen des Anziehens / und führer fich in drey Geſtaͤlte ein / wie
oben gemeldet / und fort in die vierdte Geftalt / als auf Fewer:
Sm plur wird der ewigen und auch der aͤußern Natur Urftand
verſtanden / dann die Härtigkeit ift eine Mutter der Schärffe
aller Wefen und ein Behalter alles Weſens; aus dem Sul/ als
aus der Freyheit Luſt / wird die finftere Angft ein ſcheinendLiecht /
und im dritten Principio als im aͤuſſern Reich / iſt das Sul das
Oehle der Natur / darinnen das Leben brennet und alles waͤchſet.
13. Nun iſt aber das phur als die Begierde nicht von dem Sul
getrennet /esift ein Wort / undift auch im Urſtand ein Weſen /
und ſcheidet fich aber felber in zwo Eigenfchafften / als in Fremd
und Leid /in Liecht und Finfternüß / dann es macht zwo Welten/
als ein finſtere fewer⸗Welt in der Strengheit / und eine liechte
Fewer⸗Welt in der Luſt der Freyheit / dann die Luſt der Freyheit
iſt die einige Urſache / daß das Fewer ſcheinet / dann das uͤrſtaͤnd⸗
liche Fewer iſt finſter und ſchwartz / dann im Fewer-Schein /
wird im Urſtand die Gottheit verſtanden / und im finſtern / ale,
in der Angſt-quaal / wird der Urſtandder Natur verſtanden / und
verſtehen ferner den Artzt hierinnen.
14. Die Quaal iſt der freyen Luſt / als der ſtillen Ewigkeit
Artzt / dann die Stille findet ſich darinnen im Leben / ſie fuͤhret
ſich durch die Angſt-quaal in der Begierde ins Leben / alß in die
Frewdenreich / day nehmlich das Nichts ein ewig Leben iſt wor=
Den: umd das ſichs funden hat / welches im der Stille nich
feyn kan.
15. Zum andern finden wir / als wie das Sul daß ift / der
Freyheit Luſt / der Begierde/ alsder ängftlichen Natur Arst ſey /
dann der Glantz der Freyheit vom angezuͤndeten Fewer auß
der Natur / leuchtet wieder in der finſtern Angſt / und erfuͤllet
die Angſt mit der Freyheit / davon der Grimm erliſcht / und das
Draͤhende Radt ſtill ſtehet / und an ſtatt des Draͤhens in Schal
änder Eſſentz wird.
16. Diefesift nun die Geftalt des Beift-Ichens / und des Efe
ſentialiſchen Lebens: Sul ift der Urſtand des Frewdenlebens / und
phus.
Cap. 2. Rerum 73
phur ift der Urftand des Effentialifchen Lebens; die Luſt ift ver:
und außer der Natur / welche das rechte Sul ift / und der Geiſt
wird inder Natur offenbahr / als durch die Quaal / und ſolches
in zweyerley Geſtalt: als nach der Freyheit Luft in einer Frew⸗
den⸗quaal / und nach der Angſt-begierde Luſt / nach herbe ſtach⸗
licht feindig⸗bitter vom Stachel / und nach der Angſt des Rades
ganz mördifch und feindig / und wohnst ein jede Eigenfchaffi in
fich ſelbſt / und find doch in einander: Hierinnen wird Gottes Lie⸗
be und Zorn verftanden / fie wohnen in einander / und keins bes
greifft das ander / und ift doch eins des andern Artzt: verfiche.
durch die Imagination, Dann das Ewige ift Masifch.
17. Die andere Geftalt inder Natur/ift inder Ewigkeit das.
Rad mit den ftachlichten bittern Eflentien , dann allda entftchet
die Eſſentz / verftchet mit der Verwirrung / dann das Nichts iſt
ftille ohne Bewegen / aberdie Wirrung macht.das nichts beweg⸗
lich:im dritten Principio aber als im Reich in der Efieng un Quaal
der Auffern Welt / heiffet die Geftalt Mercurius,die ift feindig und
gifftig/ und iſt die Urſach des Schens / und Raͤgens / auch die Urs
fach ver Sinnen / als da fich ein Blick in der Unendligkeit ſchoͤpf⸗
fen (und dann auch hinein verteuffen mag/ da auf einem einigen/
die ungründliche und unzahlbahre Bielheit urftänden mag.
18. Diefe Geftaltift die Unruhe und aber der Sucher der Ru⸗
he / und mit ihrem Suchen machet fie Unruhe. Sie macht lid:
felbft zu ihrem eigenen Feinde/ ihre Artzney iſt zweyerley "dann
ihre Begierde ift auch zweyerley / als nach der $uft der Freyheit /
und nach der Stille und Sänffte: und dann auch im Hunger:
nach dem Auffteigen der Unruhe / und des fich felber findens. Die.
MWurselbegehret mit denn erften Willen nur Frewde / und Fan
die auch anderſt nicht erreichen als durch die feindliche Auaal
dann im ftillen Nichts mag Eeine Freude entfichen / ſte muß nur
* Bewegung und Erhebung entſtehen / daz fie das Nichts.
indet.
19. So begehret nun das Gefundene / wieder in den Willen.
des ſtillen Nichts / daß es darinnen Frewde und Ruhe habe / und
das Nichts iſt feine Artzney / denn des Suchers oder Finders Artz⸗
ney iſt der Grimm oder die Gifft / das iſt fein gefunden Leben / als
wir dieſes ein Exempel an der gifftigen Gall haben / auß welcher
im Leben Fremd und Leid entſtehet / darinnen wir alſo zweyerley
Willen verſtehen / als einen zum grimmigen Fewer und aͤngſtli⸗
hen Quaal Leben / zum Urſtande der Natur / und einen zung.
Liechtleben / als zur Frewde der Natur / dieſes alles nimt ſeinen
Urſtand alſo aus dem ewigen Nichts, A7 40. Des
#
24 DeSrsnwatrura Cor
20. Des erſten Willens Arge ift die Luſt der Freyheit / fo er
die erlangt/ fo macht er die Frewdenreich in fich / und des andern
als der Natur Wille Artzt und Helfer / ifEder Grimm in der
hungrigen Begierde ; und hierinnen verftehet man Gottes Siebe
und Zorn / und wie in jedem Leben Boͤſes und Gutes im Centro ſey /
und wie kein Frewde ohn Leid Urſtaͤnden moͤge / und wie eins des
andern Artzt ſey. —
21. Und verſtehen allhie den dritten Willen der aus dieſen
beyden als aus ſolcher Elentz / als aus der Mutter / ſeinen Urſtand
nimt / als den Geiſt / welcher dieſe beyde Eigenſchafften in fich.hat/,
und iſt ein Sohn der Eigenſchafften / und auch ein Herz derſelben /,
dann in ihme ſtehet die Gewalt / er mag erwecken welche Eigen⸗
ſchafft er wil die Eigenſchafften ſtehen in der Eſſentz / und find
gleich wie ein zugerichtet Leben / oder wie cin Inſtrument mit
vielen Stimmen welche ftille. ſtehen / und er der, Geift als der
Außgang ift das wahre Leben / er mag das Inſtrument ſchlagen
wie er wil / in der böfen oder guten / nach Liebe oder Zorn / und
wie er ſchlaͤget / wie das Inſtrument lautet / ſo wirds von feinen:
Gegen-hall/ als von der Gleichheit angenommen.
22. Wird die Stimme der Liebe. als der Sreyheit Begierde
gefchlagen/fo wird ver Hallvon derfelben Freyheit iind Liebe⸗Luſt
eingenommen / dann es iftihr Geſchmack und ihres Willens Be⸗
gierde aͤhnlich / cin gleiche Luft faͤngt die andere: alſo auch im glei⸗
chen won der Feindſchafft md Widerwillen; wird das Inſtru—⸗
ment nach der Begierde zur Natur geſchlagen / als im Grimm
Zorn und bittern Falſchheit / fo nimmts auch derfelbe Gegen⸗hall
and grimmige Begierde ein / dann es iſt ſeiner Eigenſchafft uud
eine Erfüllung feines Hungers / darinnen wir daun die Begier⸗
de der Liecht⸗ und auch der finftern = Welt verſtehen / zweyerley
Quaal und Eigenſchafft.
23. Die Begierde der Freyheit iſt ſanfft und liechte / und wird
Gott genannt / und die Begierde zur Natur macht ſich in ſich fin⸗
ſter / duͤrre / hungrig und grimmig: die wird Gottes Zorn genannt /
und die finſter⸗Welt / als das erſte Prineipium ; und die Liecht⸗
welt das ander Principium, iſt zwar kein abtheilich Weſen / ſon⸗
dern eines haͤlt das andere in ſich verſchleſſen / und eines iſt des
andern Anfang und Urſache auch Heylung und Artzney / welches
erwecket wird / das krieget das Regiment / und offenbahret ſich in.
auſſern mit feinem Character, und macht eine Geſtaltnuͤß nach
feinem Willen im aͤuſſern nach ſich / wie man ſolches an einem er⸗
zuͤrneten Menſchen oder Thier ſihet / ob gleich der RT
V
*
fi
4
Cap. 2) Rerum. 15
und Thier nicht in der innern Welt feynd/ fo hat doch die äuffere
Patur eben diefelbe Geftältnüge/ dann fie ur ſtaͤndet von der i in⸗
nern / und ſtehet auff der innern Wurtzel.
24. Die dritte Geſtalt iſt die Yenftligkeit/die urſtaͤndet inder
Natur von der erfien ũd andern und ift der er ſten iD andern Be⸗
halter oder Erhalter/ fie ift in fih das ſcharffe Fiat, und die ander
Geftalt hat das Verbum, als die Eigeuſchafft zum Worte / und fie.
ſtehet indreyen Eigenſchafften / und nacht aus fich mit den dreyen
die vierdfe / als das Fewer inder Auß⸗Gebuhrt Falsim dritten:
Principio wird fie Saloder Sal genant/ nach ihrer Materia, aber:
in ihrem@eift hat fie viel Geſtaͤlte / dann fieift die Fewer⸗wurtzel /
die groſſe Angſt / ſie urſtaͤndet zwiſchen und aus der Herbigkeit /
und Bitterkeit / in dem ſtrengen in ſich ziehen / ſte iſt die Weſen⸗
heit des Ingezognen / als die Leibligkeit oder Begreiffligkeit vom
Sulphur iſt fie ſchweflicht / und vom Mercurio ein Blitz / ſie iſt in
ſich ſelber peinlich als eine Schaͤrffe des Sterbens/ und das vom
ſcharffen Anzichen der Herbigkeit.
25. Sie hat zweyerley Fewer in ſich / ala ein kaltes und ein
hitziges / das kalte urſtaͤndet von der Herkigkeit / von ſcharffen
Anziehen / und iſt ein finſter ſchwartz Fewer und das hitzige ur⸗
ſtaͤndet vom Stachel des Treibens in der Angſt / in der Begierde
nach der Freyheit / und die Freyheit iſt auch ſeine Anzuͤndung /
und des falten Fewers iſt der wuͤtende Stachel ſeine Erweckung.
26. Dieſe drey Geſtalten ſeynd in einander als eine / und ſeynd
auch nur eine / theilen ſich aber durch den Urſtand in viel Geſtaͤl⸗
te / und haben doch nur eine Mutter / als den begehrenden Wil⸗
len zur Offenbahrung / der heiſſet Vatter der Natur und des We⸗
ſens aller Weſen.
27. Nun iſt der Aengſtligkeit oder des Saltz⸗ geiſtes Hunger gu:
betrachten / und dann auch feine Erfättigung oder Erfüllen. Die
Angft hat in fich zween Willen, vom Urftand des erſten Willens
aug der Freyheit zur Offenbahrung feiner felber : als der erfte
Wille ift zur Naturns und der ander widergefafte Wille / iſt des
erften Sohn) dergehet auß der Offenbahrung wiederin ich in‘
die Freyheit / dann er iſt in der Natur ein ewig Schen worden /
und befigtdoch nicht die Natur effentialifch / ſondern wohnet ins;
ſich / umd durchgehet die Natur ſcheinlich / und der erſte Wille
gehet auß ſich / dann er iſt die Begierde der Offenbahrung / ex;
ſuchet ſich aus ſich / und faſſet aber die Begierde in ſich / er begeh⸗
ret das Innere aus ſich auszufuͤhren / alſo hat er zwo Eigen⸗
Ha ten
28. Mig:
T6, DeSıcenartura Cap.z.
28. Mit dem in fih Suchen macheter das Centrum der Na—⸗
tur / dann es iſt gleich einer Gifft/ ein Wille der fchredlichen
Erhebung gleich einem Blis und Donnerfchlage/ dann diefe Bes
gierde begehret nur Angft / und fchrecklich zu ſeyn / fich in ſich zu
finden/aug dem Nichts in Etwas : und dieandere Geftalt gehe.
als ein Schrad oder erbohrner Hall auß fich / daunn es iſt nicht
des erften Willens Begierde im fchrechlichen Tod zu bleiben/ fon»
dern fich nur alfo aus. dem Nichts auß⸗zu führen / und fich felber.
zu finden.. x
29. Undverftchen mit dem Centro in fich / mit der erhebenden
Grimmigkeit / mit dem grimmen Willen zur Natur / die finftes
re Welt / und mit dem Außgange auß ſich zurOffenbahrung / die.
aͤuſſere Welt: und mit dem andern Willen auf dem erſten / der
wieder in die Freyheit eingehet / die Liecht⸗welt oder Freudenreich /
oder die wahre Gottheit.
30. Der finſtern Welt Begierde iſt nach) der Offenbahrung /
alß nach) ver aͤuſſern Welt / diefelbe Weſenheit in fich zu ziehen /
und den grimmen Hunger Damit zu ftillen; und der Auffern ABele:
Begierde ift nach der Effeng oder geben / welches von der Pein
und Angft entſtehet; Ihre Begierde in fich iſt das Wunder ver,
Ewigkeit/ ein Myfterium oder Spiegel / oder das Gefundene.
des erften Willens zur Natur.
3x. Diefer Auffern Welt Begierde.ift Sulphur, Mercurius
und Salz dann ein ſolch Wefen iftsinfich / als.cin Hunger nach»
ſich felber/und ift auch fein eigen Erfüllen; dannSul begehret phur; .
und phur begehret Mercurium, und diefe beyde begchren Sal, dann
Sal iſt ihr Sohn / dehn fie augbrütenin ihrer Begierde /umd wird
hernac ihr Wohnhaus / und auch Speiſe; eine jede Begierde
begehrt nur die Weſenheit des Saltzes nach feiner Eigenfiyafft 7’
dann das Saltz tft vielerley / ein Theil ift Schaͤrffe der Kälte |
und ein theil Schaͤrffe ver Hige: Item ein theil Schwefel/ und-
ein tyeil Salniter: vorm Mercurio ; diefe Eigenfchafften ſind wohl
ineinander alseine / aber ſie fcheiden fich Doch eine jede in fich ſel⸗
ber wohnende / dann fie find unterfchiedlicher Eſſentz / und ſo ei⸗
ne in die andere eingehet/ fo iſts Feindſchafft / und ein Schrack /
ols wir dig am Donner und Wetterleuchten verfichen.
32. Dasgefchicht wann fich die groffe Angft / als aller Saͤl⸗
ke Mutter / verfichet die dritte Geſtalt verRaturimpreffet / das
geſchicht vom Anblice der Sonnen / dag fie die hitzige Fewers>
geftalterweckt / fo ift fie durchdringend als des Fewers Eigen=-
ſchafft iſt und wann ſie den Salniter erreichet / fo zuͤndet ſie N
an
‚Cap. 3. Rerum. 17
an / und der Salniter ifrin fich der groffe Schrack im Mercurioy
alsder Blis oder Stachel/der führt in die Kalte/ als in die talte
Schaͤrffe des Salß-geiftes / diefelbe Kälte erſchrickt alfofehr vor
dem Blitze des Fewers/ und rafft ich augenblicklich in ſich davon
wird ein Donnerkeil Schauwer oder Blitz / welcher im Schracke
ſchlaͤget / und der Schrack fahret unterfich / dann er ift fchwehr
vonder Kaͤlte / und der Salnitrifche Geift ift leichte vom Fewer /
der führer den Donner oder Hallauericht / wie man pas 1m Ge⸗
witter und Donner höret.
33. Bald darauf gehet der Wind oder der Geift auf alle
vier Geftalten gegen einander / dann fte feynd alle vier in Durch»
dringenden Schracke angezündet / fo folget Darauf Hagel und
Regen / der Hagelrafft fich zufammen in der Kälte/ inder Ei⸗
genfchafft des kalten Salg-geiftes/ dann der Grim̃ zeucht an fich/
und macht das Waſſer zu Eife / und das Waſſer urftänder von
der Sanfftinuth / als von der Begierde des Sicchts / dann es iſt
der Sanfftinuth Wefenheit / das zeucht der Falte Saltz-geiſt zus
ſammen dag es tröpflich wird / und fältauffdie Erden / dann vor
der Zufammenszichung iſts nur wie ein Nebel oder Rauch / oder
als ein Dampf.
34. Alfo ſehen wir dieſen Grund eigentlich am Donner und
Wetterleuchten / dann der Bligoder himblitzen gehetallegeit vor⸗
her / das iſt der angezuͤndete Salniter: darauff ſolget der Schlag
Am Schrack der Kaͤlte / wie ihr dan ſehet / ſo bald ein Schlag geſchi⸗
het / ſo iſt die Herbe Kummer geoͤffnet / fo gehet ein kühler Wind/
und offt gar zwirblicht und draͤhend / dann die Geſtaͤlte der Nas
tur ſeynd erweckt / und ſeynd als ein draͤhend Rad / und alſo fuͤh⸗
ren fieauchihren Geiſt ven Wind.
Das 3. Capittel.
Vom groſſen Myſterio aller Weſen.
*. Unſtiger Leſer / mercke ven Sinn recht / wir ver⸗
ſtehen nicht mit ſolcher Beſchreibung einen An—
ſang der Gottheit / ſondern wir zeigen euch die Of⸗
fenbahrung der Gottheit durch Die Natur) / dann
GoOtt ift ohne Anfang / und hat einen ewigen Ant»
fang / undeinewig Ende / das ift er felber / und die Natur der
innern elf in gleichem Wefen von Ewigkeit / wir geben euch,
diß vom Goͤttuchen Wefen zuverfichen. *
Auſ⸗
28 De SINATRA Cap. 3. r
2. Auſſer der Natur ift GOtt ein Mylteriu r, verfichet indem
Nichts/ dan auſſer ver Natur ift das Nichts/ das ift ein Auge der
Ewigkeit / ein ungruͤndlich Auge / das in nichts ftchet oder Jihet/
dan esift der Ungrumd/ und vaffelbe Auge ift ein Wille / verftchet
sin Sahnen nach der Offenbahrung das Nichts zu finden. —
3 Nuniftabernichts vor dem Willen / da der Wille etwas:
möchte finden / da er eine Stätte feiner Ruhe haͤtte / fo gehet er in
ſich felber ein / und findet ſich durch die Natur ſelber.
4. Und verfichen im Myfterioauffer der Natur im erften Wil⸗
ken zwo Geftalten/als die erfte Beftalt zus Natur/zur Offenbah⸗
zung des Wunder⸗Auges / und die andere Geftalt wird aus der
erften erbohren / Die iſt cine Begierde nach Tugend und Krafft/
und iſt des erften Willens Sohn / feine Begierde der Frewden⸗
reich: alſo zu verſtehen:
ir fen
Zur
5. Die Begierde. ift außgehende / und das Ausgehen ift des .
Willens oder der Begierde Geiſt / dann er iſt cin Weben / und
Die Begierde macht eine Geſtaltnuͤß im Geiſt / als Formungen
der Unendlichkeit des Myſterii.
6. Und dieſelbe Geſtaͤltnuͤß iſt die ewige Weißheit der Gott⸗
heit / und verſtehen hierinnen die Dreyheit der einigen Gottheit /
deſſen Grund wir nicht ſollen wiſſen / wie der erſte Wille im Un⸗
grunde von Ewigkeit urſtaͤndet / welcher Vatter heiſſet / alleine die
ewige Geburt erkennen wir / und unterſcheiden die Gottheit / was
put und alleine antrifft die Gottheit / oder das gute vonder Natur.
7. Und zeigen euch Das Arcanum der groͤſten Heimligkeit / nem⸗
lich wie ſich der Ungrund oder die Gottheit mit dieſer ewigen Ge>
baͤhrung offenbahre / dann Bott iſt Geiſt / und alſo ſubtile als
ein Gedancke oder Wille / und die Natur iſt ſein leiblich Weſen /
verſtehet die ewige Natur; und die aͤuſſere Natur dieſer ſichtbah—
ren greifflichen Welt / iſt eine Offenbahrung oder Auß-gebuhrt
des innern Geiſtes und Weſens in Boͤſen und Guten / das iſt / ei⸗
“,
3
ne Darſtellung und figuͤrliche Gleichnuͤß der finſtern-Fewer⸗ und »
Liecht-Welt / und wie wir euch oben gezeuget vom Urſtand des.
Donners und Wetterleuchtens mit dem Schawerfchlagen/alfo iſt
und ſtehet die innere Natur der innern Welt auch inder Gebaͤh⸗
rung / dann die aͤuſſere Gebuhrt nimmt ihren Urſtand von der
innern / die innere Geburht iſt der Creatur unbegreifflich / aber
die aͤuſſere iſt ihr begreifflich / jedoch begreiffet ein jede Eigen⸗
ſchafft ihre Mutter darauß ſie iſt erbohren worden.
8. Als die Seele begreifft die innere ewige Natur / und der
Seelen Geiſt / als die edle Bildnuͤß nach GLLLergreifft * —
uhrt
Cap. 3. Rerum 19
burht der Engliſchen Liecht-Welt / und der Syderifche und Ele»
mentiſche Geiſt /ergreiffer ver Sternen und Elementen Geburt:
und Eigenſchafft. Ein jedes Auge fihet in feine Mutter daran.
esift erbahren worden;
9. So Wollen wir euch nun die Gebaͤhrung aller Weſen auß
allen Müttern und Anfüngen darſtellen / wie eine Gebaͤhrung
auß der andern gehe / und wiecine der andern Urſache ſey / und
ſolches auß aller dreyer Muͤtter Augen und Sehen.
10. Es ſolls Niemand für unmoͤglich achten / ſintemahl der—
Menſch iſt eine Gleichnuͤß nach und in GOtt / cin Bilde des We⸗
fens alles Weſen / und ſtehet doch nicht in der Creatur fontern:
in Gottes Macht / dann in dem klaͤreſten Liechte ſtehet allein das
Sehen aller Weſen. Een —
11. Wir haben oben gemelt / wie die Auß⸗gebuhrt / als das
Weſen dieſer Welt in 3. Dingen ftehe /alg im Sulphur, Mercu-
zio und Sal. Nun muͤſfen wirs recht darſtellen / was cs ſey / fine
temahl es alles von einem Urſtand herruͤhret / und dann wie ſein
innerliche Scheidung geſchehen / daß auß einem Anfange viel An⸗
faͤnge werden / daß iſt nun zuverſtehen / wie vorne vom Centro
aller Weſen gemeldet. —*
12. Dann Sulphur ſtehet im ewigen Anfange in zweyen Ges
ſtalten / und auch im aͤuſſern Anfange dieſer Welt alſo: als im
innern ſtehet die erſte Geſtalt / als Das Sul in der ewigen Frey⸗
heit. Es iſt die Luſt des ewigen Ungrundes / als ein Wille oder
Urſtand zur Begierde / und der ander Urſtand iſt die Begierde /
welche die erſte Bewegung iſt als ein Hunger zum Etwas] umd
im ſelben Hunger iſt der ewige Anfang zur Natur der Gebaͤhre⸗
rin / und heiſt Sulphur, als eine Faſſuͤng der Freyheit als des
Guten / und eine Faſſung der Begierde als des ſtrengen in ſich Zie⸗
hens mit der Begierde.
13. sul iſt im innern Gott / und Phur iſt die Natur / dañ es macht
einen Schwefelgeiſt / wie diß an des aͤuſſern Schwefels Eigen⸗
ſchafft zu ſehen: Sein Weſen iſt ein duͤrre in ſich gezogene Ma-
teria,umdift als peinlich oder außdringend fewriger Eigenſchafft.
Er zeucht hart in ſich / und vertruͤcknet als ein duͤrrer Hunger / und
feine peinliche Eigenſchafft dringet aͤngſtlich auß ſich: der Urſtand
iſt dieſes / daß er in zweyen Anfaͤngen ſtehet / als inder Begierde
Eigenſchafft / welche ein Einziehen iſt / und in des Liechts oder der
Freyheit Eigenſchafft / welche außdringende iſt / zur Offenbah⸗
rung durch die Begierde oder Natur.
1. Die Begierde / als das Anziehen gibt die Haͤrte / und 9
rſache
20 Der Sıcnatura Cap.z,
Urfachedes Feuers / und die Freyheit iſt eine Urfäche des Feuers
ſcheines oder Liechtes / Sulift Liccht/und phur macht Feuer. Je⸗
dach) mags im Sulphur alleine nicht zum Feuer und Liecht gebracht
werden/fondern im Mercurio uñ endlich im Sal, welches der rechte.
Leib iſt / doch nicht des Schwefels / fondern der Efleng / Und des
Waſſers.
15. Und verſtehen alſo / daß in der erſten Begierde / welche in
der Luſt der Freyheit entſtehet / alles ſubſtantialiſch und weſent⸗
lich wird und worden iſt. Aus welchem die Schoͤpffung der Welt
ergangen iſt / dann man findet hierinnen der Erden / ſo wohl aller
Metalle und Steinc&igenfchafft/fo wohl des Geſtirnes / und den
Urſtand der Elementen / alles aus einer Einigen Mutter / das iſt
die Luſt uñ die Begierde daraus alles gegangen iſt uñ noch gehet.
16. Dann Mercurius wird im Sulpbur erbohren / er iſt das
Scheiden / als Liecht und Finſternuͤß von einander/das brechende
Rad und Urſache der Theilung / oder der Vielheit. Er ſcheidet die
finſtere Weſenheit'von der Liechts-Weſenheit / als die Metalle
von der groben / herben / finſtern / ſteiniſchen und irrdiſchen / dann
der Begierde Eigenſchafft gibt und macht finfter Weſen / und
Der frenen Luſt Eigenſchafft macht liechte Weſen: als Metalle)
und alles was ſich dehme gleichen.
x7. Mercurius hat im Anfang in ſeiner Gebuhrt drey Eigen⸗
ſchafften / als Zittern in der Strengheit / und Angſt von der har⸗
ten Impresfion der herben harten Begierde / und das Ausdringen
der Vielheit / als das eſſentialiſche Leben / dann die Begierde zeucht
alſo harte in ſich / und das Ziehen macht das Bewegen oder Sta⸗
chel des Zittern / und das ingepreſſete iſt Angſt: ſo aber die Frey⸗
heit darinnen mit ergriffen iſt / fo wil fie das nicht / allda entſtehet
der Urſtand der Feindſchafft und das Scheiden / daß ſich eine Ge⸗
ſtalt von der andern ſcheidet / und zweyerley Willen entſtehen.
18. Dann die Luſt der Freyheit begehrtt wieder in das Stille /
als ins Nichts / und dringet wieder aus der Finſternuͤß der:
Strengheitder Begierde in ſich felbft / alsindie Freyheit auffer
dem Grimm der Feindfchafft / und hat fich nur alfo im ſtrengen
Impreffen im Mercurio gefchärffet/ das fie ein bewegend fühlend
geben ift / und daß ihre Freyheit geſchaͤrffet iſt / daß ſte ein Glantz
iſt / welches in der Frepheiteine Freudenreich iſt und gibt.
19. Und follet uns alfo verftehen / daß fich das Geiſt-reich / als
ver Geift und das Weſen alfo fheidet. Das ABefen bleibet in.
der Impreflion ‚und wird materialifch / das ift/ nicht GOtt / ſon⸗
dern Gold oder ein ander Metall/nach der Eigenſchafft der Re
te
Cap. 3. Rerum. 2?
Faſſung im Sulphur de» Steine / oder Erden ausder Begierde
ſelbſt Eigenfchafft !als nach dem erſten Sud im Mercurio,, dantt
es mag fein Metallerbohren werden. ohne den Salniter/ welcher
iſt der Schrack im Mercurio, welcher auchim herben impreſſen
materialiſch wird / und in der Scheidung ſich theilet / ein Theil in
einen Schwefel / ein Theil in Salniter / und ein Theil in Saltz⸗
ſchaͤrffe / da doch in dieſem allem kein leiblich Weſen ſeyn mag /
ſondern nur der Geiſt des Weſens / das Weſen gehet alſo aus
dem Tode durchs Sterben / welches geſchiehet in der groſſen Angſt
des Impreſſens / da eine ſterbende Quaal iſt / welches das mercu-
rialiſche Leben iſt / allda geſchiehet der ſalnitriſche Schrack als ein
auffahrender Bliß; dann die Freyheit / als der ewigen Luſt Ei⸗
genſchafft / ſcheidet ſich allda in ſich ſelber / und iſt doch das inge⸗
zogene Weſen aus der Luſt der Freyheit mit im Begriff des Ina
zichens in der herben / ſtrengen / finſtern Angſt blieben.
20. So nun der Grimm alſo ſtrenge in ſich gehet / davon der
ſalnitriſche Schrack erhebend wird / ſo ergreifft er der freyen Luſt
Weſenheit in ſich / davon entſtehet der Schrack / dann der Grim̃
ergreifft allda die Sanfſtmuth / das iſt eben als goͤſſe man Waſſer
ins Feuer / ſo gibts einen Schrack / ſo er ſtirbt der Grimm der groſ⸗
fen Angſt / und gehet auff mit den Schrads die Freude und der
Schrack iſt aus dem Mercurio oder aus der Angſt des Todes / und
wird auch materialifch / veraͤndert ſich aber von der Freyheit in
Weiß / das iſt Salniter/ fo nun das Feuer / als die grauſame
Angfe-fhärfe wieder darein komt / ſo erſchrickt der Salniter / und
gibt einen Stoß / dann die erſte Eigenſchafft fuͤrm Tode wird
wirderumbangezünder / mit dem Schwefelsgeift / wie ihr dig am
Pulver genug ſehet / welches dieſer Eigenſchafften Materia iſt.
21. Ferner iſt uns zu erkennen das Sterben mit der Anzuͤn⸗
dung des Feuers / welches alles im Schracke geſchiehet / dann es
iſt ein Schrack zum Tode und zum Leben / ein Theil ſencket ſich in
Todtes Eigenſchafft / als des Grims vonder ſtrengen Begierde /
und das ander Theil / als von der ſanfften Luſt oder Rebe Weſen⸗
heit / ſtehet auff in Freudenreich.
22. Weil aber in der freyen Materia auch ein Ertoͤdten geſchicht /
wiewohl es kein Tod iſt / ſondern eine Erloͤſung vom Griume /
dann der Freyheit Materia wil vom Grimm frey ſeyn / ſo ſencket
ſich dieſelbe Materia unter fich / Das iſt Waſſer / und iſt nicht des
Grimmies Eigenſchafft / aber der Grimm haͤlt das in ſich gefan⸗
gen aber es ſcheidet ſich in der Eſſentz und Quaal von einander /
des Grimmes Weſen gibt Erde um Steine / und der en
eſen
22 DrSıcnatura Cap. 3.
Weſen ift Waſſer / welches mit des Feuers Anzuͤndung / durch
die Toͤdtung aus der Sanfftmuth des Lichts urftändet.
23. Weil aber daſſelbe Waſſer im ſalnitriſchen Schracke fich
auch, fcheidet und vorin Salniter alles untereinander iſt / fo be>
komts in der Scheidung mancherley Eigenſchafft / und iſt des
Waſſers vielerley / und dieſelbe vielerley Eigenſchafft gibt in je⸗
der Eigenſchafft auch ein leiblich oder coͤrperlich Weſen / als nach
Der erſten Scheidung des Mercurii im Sulphur; dann in der Er⸗
toͤdtung im ſalnitriſchen Schracke werden und entſtehen zwey
Ding / als ein Leben und cin Leib des Lebens / verſtehet ein eſſen⸗
tialiſch Leben / und ein ſtummer unfuͤhlender Leib / deßen Mate⸗
ria iin Schrack erſtorben iſt. Alſo iſt vielerley des Waſſers / und
vielerley des Lebeſis / und vielerley Des Corpus oder Materia ‚wie
ein jeder Corpus iſt / alfo ift auch fein efentialifcher Geift«- --;
24. Diefes mug man nuu vom erſten Urſtand betrachten/
als vonder Freyheit Luſt / und zum andern von der Begierde zur
Natur oder Offenbahrung Des Ungrundes.
25. Erſtlich gebaͤhret ſich im ſalnitriſchen Schracke / durch das
Augſt ⸗ ſterben / in Schwefel⸗ waſſer vonder Angſt / das gibt einen
Sch wefel wie für Augen iſt / und alles was ihme gleich iſt.
26. Zum andern gebaͤhret ſich von der herben ſtreugen in ſich
ziehenden Eigenſchafft ein Saltz⸗ waſſer / ſeine Materia iſt Saltz /
ſo das durch das Feuer oder Hitze wieder geimpreſſet wird / ſo
wird Saltz daraus / und alles das was ſcharff und anziehende iſt /
es ſey in, Kraͤutern oder Baͤumen / dann der Schweſel und des
Saltzes iſt fo vielerley als man Unterſcheid des Schwefels und
Feuers findet in allen Creaturen / Kraͤutern und Baͤumen / auch
alles was lebet und waͤchſt das hat Schwefel und Saltz / dann die
geſaltzene Eigenſchafft zeucht an ſich und erhaͤlt das Cotpus, und
der Schwefel hat in ſich das Oehle oder das Liecht / darinnen die
freye Luſt zur Offenbahrung ſtehet / davon das Weſen entſtehet.
27. Zum dritten gebaͤhret ſich durch den ſalnitriſchen Schrack /
aus Eigenfchafft des bittern ſtachlichten Ziehens / in der erſten
Impteſſion im Geiſt sine irrdiſche Eigenſchafft des Waſſers /
ſeine Materia iſt Erden / dann dieſe Urſtaͤndet von der finſtern
Weſenheit / da fich die Finſternuͤß ſelber impreſſet in der erſten
Begierde / darinnen die Finſternuͤß eutſtehet / wie forne gemel⸗
det worden / fo gebaͤhret ſie aus ihrer Eigenſchafft in der Impref-
fon einen Dunftoder Rauch / welchen der Schrack im Salniter
ergreifft / ſo erſchrickt oder ſtirbet ſein Weſen / und faͤllet unter»
ſich / das iſt die Materiader Erden / wiewohl die — nicht
inig
ap- 3- Rerum. 27
Einigift/ ſondern hat alles in ſich wasim Schrade ift corpora-
liſch worden das gruͤnet alles durch den Tod der Erden / nach
Dehme es alles untereinander in der Schöpffung ift auffeinen
Klump getrieben worden / wievor Augen ift.
28. Mehr ift uns das höchfte Arcanum zu betrachten /als von
himmliſcher Weſenheit / und dann die edlen Steine und Metal⸗
len / warvon dieſes feinen Urftand nehme / fintemahlalle Ding
aus einer Mutter kommen / welche ift der Ewigkeit Luſt und
— Begierde zu feiner ſelbſt⸗Offenbahrung.
29. Was nun anlanget das unzerbrechliche Weſen oder Leib⸗
digkeit) das urſtaͤndet auch in der erſten Begierde zur Natur /
‚aber in der Impreflion der freyen Luſt / und gehet mit durch alle
Geſtaͤlte biß in die hoͤchſte Schärffe/ allda gehets wieder in fich7
als tin Leben aus dem Feuer. Das ewige Feuer ft magifch und
ein Geiſt / und ſtirbet nicht / die Freyheit ift fein Anzünden/aber
die ewige Natur ift feine Schärffe / daſſelbe Wefen verleurerdes
grimmes Eigenfhafft im Liechte / es iſt im ſelben Feuer auch alg
ein Sterben /esiftaber kein Sterben / ſondern ein anderer Ein⸗
gang anderer Quaal / als aus einer peinlichen Begierde in eine
Liebe-begierde / es gibt auch Geiſt und Weſen vom Feuer⸗geiſt /
und vom Liechte der Sanfftmuth Weſen / dann das dem Feuer
erſtirbet / oder durch den Tod erſinckt / das iſt Goͤttlich Weſen /
und geſchiehet auch durch den ſalnitriſchen Schrack der Goͤtt⸗
lichen Freudenreich / da die Eigenſchafft in Freuden der Sanfft⸗
muth zittert / und durch den Tod des Feuers / welches GOttes
Zorn heiſſet / erſinckt und dann erliſchet / daß GOtt alſo in einem
ſanfften Liechte wohnet / und feine erſte Eigenſchafft zu des Liechts
Anzündung iſt Feuer und Grimm der ewigen Natur / und gibt
die finftere Belt.
30. Es theilen fich die Eigenfchafftender erſten Mutter in der
Luſt und Begierde/ auch im falnitrifhen Schradeder Freuden
reich in unterfihiedfiche Theile / wie in der äuffern Welt zu ſehem
es gibt auch Waſſer /aber einer Eräfftigen Eſſentz / und gleicht fich
nur einem Geift einerlichlichen Begierde / das iſt das Waſſer /
davon uns Chriftus faget/ daser ung wolle zu trincken geben /
und wer Daffelbe würde trinken / dehme würde es in einen Quell⸗
brunnen des ewigen Sebensquellen / fo behaͤlts auch im Schrade
des Zerfprengens die feurige@igenfchafft/welche Himmel heiſſet /
in welcher die Wunder der Goͤttlichen Freudenreich erkannt und
offenbahr worden / und in der waͤſſerigen Eigenſchafft das Gruͤ⸗
nen oder Paradis / dann in der feurigen entſtehet das ewige Se
nen
24, De Sıcnatrura (Cap.
ment / und iſt das wahre Wefender Göttlichen Seiblichkeit / dar»
innen alles ſtehet was IN GOtt mag erkannt werden / wiein
unſern andern Schriften von Goͤttlicher Offenbahrung genug in
einem ordentlichen für ſich gange iſt erfläret worden / vonder
Goͤttlichen Weißheit / und der Goͤttlichen ewigen ungründlichen
Geburth. Jetzt wenden wir uns zur auffern Welt Weſen / als
zur. Offenbahrung des Ewigen/ als zuden Metallen / Kräutern
und Baͤumen / ſo wohl Menfchen und Thieren.
31. Wirfehendab die Metalla ein ander Corpus haben / als
die lebendigen Ereaturen / oderals die Erde und Steine ſeynd /
fo fraget die Vernunfft / wie doch jedes Dinges Urftand fey / ſtu⸗
temahl im Aufange iſt alles auß einer Mutter entſtanden / und
die Ewigkeit doc keinen zeitlichen Anfang hat?da muͤſſen wir a⸗
bermahl die Mutter der erſten Gebaͤhrerin betrachten / da ſich und
wie ſich ein Weſen vom andern ſcheidet: Als das anfaͤngliche vom
ewigen / die Zeit vonder Ewigkeit / und ſtehet doch eines im an⸗
dern / ſcheidet ſich aber in zwey Principia als in GOttes und dieſer
Welt Reich / und iſt doch alles GOttes.
32. Weilaber Chriſtus den Teufel einen Fuͤrſten dieſer Welt
nennet / wir auch ſagen koͤnnen / in was er ein Fuͤrſt ſey / auch ſa⸗
gen koͤnnen / das dieſe Welt nicht fein Eigenthumb ſey / under die
aͤrmſte Creatur in dieſer Welt ſey / und auch gar nicht in dieſer
Weilt: So ſehet auff den erſten Grund / auff die Mutter / welche
alle Creaturen fo wohl Erden / Steine und alle Metallen hat ges
bohren/ihre Eigenfchafft ſtehet im Geiftlichen Sulphur, Mercu-
rio und Sal, und ift alles was fich hat angefungen in und auß ih⸗
rer Impreflion entftanden/ und anfanglic darauff mit der erften
Geftaltder Mutter/als mit dem herben infich Ziehen/als durchs
Fiat in ein Gefchöpff gegangen/und gibt vielerley Weſen und Geiſt
ach der erften Eigenfchafft der Scheidung.
33. Als erſtlich feynd die hohen Geiſter / welche ſeynd auß der
freyen Luſt im Begehren / indes Fewers Eigenſchafft / als auß
dent Centro aller Weſen erſchaffen worden / und hatten die Ei>
genſchafften beyder ewigen Welten in ſich: welche aber nach ihrer
Corporirung mitihrer Begierde in der freyen Luſt Eigenſchafft
blieben / und ihren Willen auß dem Fewer ins Liecht einfuͤhrten /
die wurden Engel; und die andern / ſo ihre Begierde wieder ins
Centrum / als indie ſtrenge Eigenſchafft / einfuͤhrten / die wur⸗
den Teuffel / als außgeſtoſſenen auß der freyen Luſt guß demLiech⸗
te / wie in andern Schriften gemeldet.
34. Darumb haben die Teuffel weder GOttes Reich noch die⸗
ſer
Cap. 3. Rerum 29
fer Welt Reich im Beſitze / dann im Anfange der Schöpffung ift
diefe Welt auß den beyden innern&igenfchafften gefchaffen wora
den. So hat der Teuffel anjetzo nur das Theil des Grimmes im
Beſttze / das ander nutzet ihm nichts: alſo iſt er in der Welt und
auch nicht / dann er hat nur das cine Theil darinnen im Beſttze / autß
dem andern iſt er außgeſtoſſen worden.
35. Nach Erſchaffung der hohen Geiſter / hat GOtt dieſe ſicht⸗
bare Welt mit Sternen und Elementen / als eine Außgebaͤhrung
auß der ewigen Mutter aller Weſen erſchaffen / das alles iſt auß
dem ewigen Anfange gegangen / und hat einen zeitlichen Anfang
genommen / dann allhie iſt uns zu betrachten / dag ſich die ewige
Gebaͤhrerin habe beweget / und ihre Geſtaltnuͤß entzuͤndet / da dan
eins im andern iſt corporlich worden. Nachdehme aber GOtt die
Erde hat geſchaffen / fo iſts uns alſo zu betrachten:
36. Die erſte Begierde zur Natur impreſſet ſich / und fuͤhret fig
mit der Impreſſion in drey Geſtalten {als in Sulphur, Mercurium
und Sal/ und wird in der Impreflion alles erheblich und beweglich /
welches im ftillen Nichts nicht if / und treibet fich big in die
hoͤchſte Angſt / biß an den Salnitriſchen Schrad/da dann des Feu⸗
ers Urſtand iſt / ſo gehet die Quaall in ſich wirrend / als ein Sud
eines Waſſers vom Feuer / dann die ſtrenge Begierde zeucht an
ſich / und die feuriſche dringet auß / das iſt im Sulphur.
37. So iſt das herbe Ziehen ein grimmig Stachel als ein Zer⸗
brechen / und wird doch von der Skrengheit gehalten / daß es nicht
weichen kan / ſo iſts und machts peinlich/gleich als draͤhende oder
ſuͤdende / welches doch nur Geiſt ohne Weſen iſt / das geſchicht im
Mercurio, und iſt die Geſtalt Mercurii felber; alda iſt das Schei⸗
den der zweyerley Willen / als einer bleibet / und iſt daſſelbe aͤngſt⸗
liche Weſen / als der von der Begierde Urſtaͤndet; der ander / wel⸗
cher auß der Luſt der Freyheit entſtehet / ſcheidet ſich wieder in ſich
in die Freyheit / und iſt doch kein Abtrennen / oder voneinander
Weichen: und gehet alſo miteinander durch des Feuers Anzün-
dung / durch den Salnitrifchen Schrad. Allda gefchicht mit des
Feuers Anzündung das Sterbenim Grimm des Feuers / da die
Quaal erſtirbet / und iſt doch fein Todt / fondern eine Gleichheit
des Todes / und iſt doch der wahre ewige und zeitliche Tod alfo.
38. Allda ergreift die Freyheit fish felber in fich / und der Tod
oder Schrack falltmitten indie Freyheit / als unmächtig/ und
gibt fich frey / fo wird der Geift als die Quaalmaterialifch/ ( vers
ſtehet die gar feharffe ſeuriſche Angſt-quaal) und behalt nur eitt
eſſentialiſch Würden / gleich einer El Begierde / gr
UL
26 De Sıenatrura Cap. 3.
ins Feuers Anzündung im Salnitrifchen Schrade / ſcheidet fich
jede Eigenfchafft in ſich und wird die gantze Materia zu einem
Particular, als zu Metalle/ Steine und Erven.
39. Das höchfte Metalle als Gold urftändet von der Frey»
heit/ welche mit im Schrac und im herben impreflen ergriffen
iſt it aber nicht von der andern Materia frey/ dann cs wird alles
switeinander zu gleich ergriffen. Weil aber die Freyheit mit den
Sul over Liechts Eigenfchafft mit darinnen ergriffen wird / fo ift
das Sul augdringende zur Offenbahrung feiner felber / wieder
Freyheit Luſt Eigenfchafftift / dannenher komts / daß die Me⸗
talle wachſen / und die groben harten Steine nicht / welche zu
harte in der Impreflion aus der grimmen Weſenheit ſind ergrif⸗
fen / und des Suls zu wenig in ſich haben; was aber anlanget die
edlen Steine mit ihrem Glantze und groſſen Tugend / dieſelben
haben ihren Urſtand im Blitze des Feuers / da ſich Tod und Leben
ſcheidet: Als da ein Theil wegen der finſtern Weſenheit unter⸗
ſich gehet / und das andere wegen der Freyheit überfich / und fich
Doch allesim Schrade in Wefeneinführet/fo wird derſelbe Blick
auch materialiſch / darumb find fic hart und fchielicht als cin Auge /
Dan alfo ift auch des Auges oder Schens Urftand im Leibe / wann
ſich das Leben anzündet/ als nach der Ewigkeit recht / und find
darumb fo groffer Krafft und Tugend / daß ſie der Gottheit fo
nahe find/ und tragen den eingeleibten Namen der Göttlichen
Krafft in fich/ wiedann auch das Gold der Göttlichen ABefenheit
oder himmlifchen geibligkeit nahe iſt fo man den erflorbenen
Seib möchte auflöfen / / und zu einem fliegenden webenden Geifte
machen / welches allein dur GOttes Bewegen gefchehen kan /
fo würde man das fehen was es ſeyn würde/ welches keine Ber»
nunfft glaubet oder verftehet / ohne Göttlich ſehen.
40. Auch find ung ferner zu betrachten Die andere Metallen
und Mineralien / welche gleichfals ihren Urftand alfo nehmen /
aber im falnitrifchen Schrad ſcheidet fich jede Eigenfchafft / wie
wir dann fehen/daß des Feuers und giechts&igenfchafft vielerley
ft / und ſolches alles von der erften Imprefüon, davorder Im-
preffion der Freyheit Luſt und die Begierde in einander flehen /
als wie ein Chaos ein Anblick groffer Wunder / daalle Farben
Kraft und Tugenden in diefem einigen Chaos oder Wunder⸗
auge liegen / welches Chaos, ® Dtt felber ift / als das Weſen aller
Weſen / der offenbahret fich alfo im Particular mit dem Auge der
Ewigkeit. Eine jede Materia ift cin Weſen nach dem Geifte /
Daraus fie erbohren iſt worden / und fo man die im Feuer *
zuͤnde
DEREN ET fm
En er.
Cop. 4. ReruMm 27
zuͤndet / ſo gibt fie auch ein ſolch Liecht wieder Geiſt im Weſen iſt.
41. Alſo iſt uns auch von den Metallen zu gedencken / was fuͤr
ein Geiſt in jedem iſt / einen ſolchen Glantz hat es auch / und auch
einen ſoichen Leibrgleich wie das Gemuͤhte die Sinnen vom obere
ſten biß auffs nidrigſte ſchwinget / und das nidrigſte biß auffs
oberſte durch die Sinnen ergreifft; Alſo hat ſich auch das ewige
Gemuͤht von der hoͤchſten Majeſtaͤt biß in das allernidrigſte / als
in die groͤſte Finſternuͤß offenbahret / und iſt dieſe Welt mit Son⸗
ne / Sternen und Elementen / ſamt allen creatuͤrlichen Weſen
anderſt nichts als eine Offenbahrung der Ewigkeit des ewigen
Willens und Gemuͤths / und wie es im Anfange worden iſt / alſo
ſtehets noch in feinem Sud und Wachſen / alſo treibets noch zit
Liecht und Finſternuͤß / zu Boͤſem und Gutem / und ſtehet alles in
dieſen erſten dreyen Geftalten/ als im Sulphur, Mercutio und
Sal, als je ein Grad nach dem andern.
12. Dann alſo ſeynd auch die Chore der Geiſter / itemder
Sternen / der Baͤume / der Kraͤuter und aller Geſchlechte / was
je worden iſt / fo wohl auch die innere himuliſche Chore mit ihren
Unterſchieden.
Das 4. Capittel.
Von der Geburth der vier Elementen und Sternen in
der Metallen und creatuͤrlichen Eigenſchafft.
1.4 9 Je oben gemeldet / ſo gehen alle Ding aus einer
Einigen Mutter / und ſcheiden ſich in zwey We⸗
ſen / nach der Ewigkeit Recht / als in ein toͤdliches
und untoͤdliches / in Leben und in Tod / in Geiſt
und Leib. Der Geiſt iſt das Leben / und der Leib
iſt der Tod / als ein Haus des Geiſtes: wie die heilige Dreyfal⸗
tigkeit in der Gebuhrt ſtehet / alſo auch die Aus⸗gebuhrt; im Him⸗
mel iſt auch Weſen und Geiſt / wie wir die Figur an der aͤuſſern
Welt ſehen / da vier Elementen ſeynd / und iſt doch nur ein Eini⸗
ges / das theilet ſich in vier Eigenſchafften / als in Feuer / Lufft /
Waſſer und Erden / wie oben gemeldet.
2. Dann die Schoͤpffung dieſer Welt iſt uns alſo zu betrach⸗
ten / daß ſich das gantze Weſen der Ewigkeit im Loco dieſer Welt
habe beweget / und iſt die gantze Geſtalt angezuͤndet und erraͤget
worden / und ſolches in der Begierde zur Offenbahrung / allda hat
ſich die Gebaͤhrung im Schracke des entzuͤndeten Feuers in vier
Barꝛ Theil
28 DeSIGNATURa Cap.
Theil geſchieden / als in Feuer / Waſſer und Erden / und die Lufft
iſt fein webender außgehender Geiſt / wie im sulphur zu betrach⸗
ten iſt / Ber ſtehet in dieſen vler Dingen. |
3. In gleichen iſt auch das Geftirne alfo aus der erften Mut⸗
fer erbohren/ und ift alles wie ein Leib zuſammen / amd urſtaͤndet
alles vom innern Geiſt / gleich als ein Hand oder Fuß vom ine
nern Centro heraus waͤchſt / und im Centro als in dererften |
Wuͤrckung ſchon feine Geſtaltnuͤß hat / und nur alfo in eine For⸗
me waͤchſt / wieder Geiſt iſt.
4. Die erſte Mutter aller Dinge / als die Luſt mit der Be⸗
gierde fuͤhret ſich fuͤrnehmlich in ſieben Geſtalten ein / und bleibet
Doch nur in dreyen ſtehen / offenbahret ſich aber in ſtebenerley
Geſtalten.
5. Als die erſte Geſtalt iſt herbe als ein ſtreng in ſich ziehen |
die iſt cine Urſach der Kaͤlte un desSaltzes / und aller Leibligkeit.
6. Die andere Geſtalt iſt ver Stachel / als das Ziehen over
Bewegung / und urfachetdas Fuͤhlen / Stechen / Wehethun / Be⸗
wegen der Bitterkeit / und Feindligkeit / der Freuden und des
Leydens.
7. Die dritte Geſtalt iſt die groſſe Angſt in der Iwpreſſion,
Die urſachet zwey Willen /als x.Einen zum Feuer / zur hoͤchſten
Schaͤrffe / und 2. £inen zum Sterben im Feuer / da der freyen
Viſt Wille dem Grimme im Feuer erſincket / und wieder in ſich
gehet / und einen Glantz in des Feuers Schaͤrffe macht.
8. Die vierdte Geſtalt iſt nun das Feuer ſelbſten / als das
erſte Principium imLeben / mit welchem ſich die finſtere und Liecht⸗
Welt ſcheidet / auch im ſelben Schracke alle materialiſche Schei⸗
Bunggefchiehet / und ſich die Leibligkeit anfaͤnget / und die Viel⸗
faͤltigung nach des erſten ewigen Gemuͤhtes Eigenſchafft / als |
sach der Weſenheit / ein Toͤdliches / und nach dem Feuer-⸗quaal
ein Lebendiges.
9. Die fuͤnffte Geſtalt iſt nun die andere Begierde / welche |
nach der Scheidung geſchicht / und ſolches nach zweyen Eigen⸗
ſchafften / als nach der Freyheit Luſt / aus dem Liechte / wel⸗
ches die hoͤchſte Liebe⸗begierde iſt / und zum andern / nach des
Feuers Luſt / welches ſein Leben ſeiner Eſſentz in der Liebe im
Sicchte fuͤhret / davon die Freudenreich und alles rechte Leben ur⸗
ſtaͤndet: die Liebe gibt das Weſen / dann ſie iſt ausdringende
umd gebende / als ſich felber/vann GOtt gibt ſich ſelber allem We⸗
fen s und das Feuer iſt nehmende / dann es darff Weſen in feinem
grimmigen Hunger / ſonſt erloͤſche es / fo beſtuͤnde auch er
mehr
Cop. 4. Rerum 25
mehr der Glantz des Liechts / und die Begierde der $iche / dann
das Feuer macht daß das Liecht begehrend ist / als das Freudene
reich / dann fo das Feuer erlifcht / ſo wird das Liecht finfter / fo
wird ans Siebe Angſt / wie in den Teufeln zur erfinnen ift.
. Die fechite Geſtalt entſtehet vom drähenden Rade vorm
Feuer / da die Vielfaͤltigung der Eſſentz entſtehet / aus des Mer-
curii Eigenſchafft / im ſalnitriſchen Schrack: mit des Feuers
Anzündung wird eine Geſtalt in die ander eingefuͤhret / ſo nun
die Liebe-begierde durch alle Geſtaͤlte dringet / fo werden alle Ge⸗
ſtaͤlte ganz begieriggge eine nach der andern / dann das liche Kind
(als Venus ) it in allen. |
21. Allyiegehetander Geſchmack / Ruch / Hören Sehen
ud Kühlen! auch Reden: dann das Liecht ſchleuſt einander
— Principiam anderer Quaal auff / und erfülletalles /allda grüne
das Leben im Tode [als Siebe im Zorne / und ſcheinet das Sicht in
der Finſternuͤß / allhie hergetder Bräutigam feine Braut / und
widerftchet GOtt felbft feinem Zorn / als dem Grimme der Nas
fur. Und in diefer Geſtalt entſtehet alle Sprache / Verſtand
und Sinnen / unddasvechte wahre Leben aller Creaturen / ſo
wohl auch inden wachfenden / als Baͤumen und Kraͤutern / in
jedem Dinge nad) feiner Eigenſchafft / rc.
| 12, Diefiebende Seſtalt entſtehet aus den andernallen /un®
iſt der andern Leib) Wohnhaus over Speife/dann diefe aefhicht
alſo: Wan die andern Geſtaͤlte im Durchdringen einander inner
Liebe Begierde koſten / ſo wird in jeder Geſtalt ein Hunger oder
Begierde nach der Liebe / als nach dem Liechte / ſo iſt ein jeder
Hunger oder Begierde ausdringende / nad) dem Dingedaser
begehret / und denn harte in fich giehend des begehrenden Dinges
Eigenfchafft: Alfo wird aus den zweyen Ein Aßefen/als aus dem
Hunger/ und aus deme wasder Hunger begehret; danndiefer
Hunger fichet nicht im Tod / er ſchleuſt nicht mehr in Tod ein/ er
fey dann gar zu groß daß die Einbildung im Hunger zu groß ifts
und fo dann der Hunger nicht daffelbe Ding erreichen mag / fo
erjticket er/wie manchmahl ein Kind alfo in Mutterleibe erftickt/
fo diefe Geftalt in einerandern Geftalt entzündet wird / von ei⸗
nem aufferlicden Dinge zueffen / davon die Mutter alfo in Luſt
entzündet wird / und ſo ſie das nicht Erieget / fo kan es das Kind-
auch nicht kriegen / jetzt erſtickets im Hunger / oder wird auff ein
Glied verderbet / aus welchem der Hunger urſtaͤndet.
13. Der erſte Hunger im Centro vorm Feuer iſt ein geiſtlicher
Hunger / der macht die mie und der Hunger der J
3 uſt
30 DESIGNATURA Cap.4.
Luſt macht die liechte Welt / die ſeynd beyde nur Geiſt / biß ſie
miteinander durchs Feuers Anzuͤndung gehen / alsdann ſeynd
fie dem Geiſt abgeſtorben / und ſeynd ein Gleichnuͤß des erſten
Geiſtes / als eine Offenbahrung des ungreifflichen Geiſtes / wel⸗
cher GOtt in Lieb und Zorn heiſt / in zweyerley Quaal.
14. Alſo ſtehet nun ein jedes in ſich ſelber unabgetrennet / als
GOtt in der Zeit / und die Zeit in GOtt / und keines iſt das an⸗
der / komt aber aus einem ewigen Urſtande. Alſo gibt der zeitliche
Geiſt⸗hunger einen zeitlichen Leib / und der ewige Geiſt⸗hunger
einen ewigen Leib / die ſeynd beyde in einander / und iſt keiner
Der ander. ’
15. Die fieben Geftälte machen ihnen einen Leib nach ihrem
Hunger aus ihrer felbft-Eigenfchafft / darumb lieget im Leibe
alles das/ was der Geiſt inallen Eigenfchafftenhat. Mehr ift
uns zu erkennen / dag doch inder Schöpfung dieſer Welt ift eine
Entfcheidung gefcehehen/dann das fihet man an Sonn und Ster⸗
nen /fo wohlanallen Ereaturen / auch an Metallen / und Steis
nen / auch Erden / dann daffelbe ift die Offenbahrung GOttes.
16. Man ſtehet am Firmament ſieben Planeten / und in der
Erden ſtebenerley Metallen / welche fix ſind / alſo auch nur ſteben
Planeten / welche fix ſind in ihrer Eigenſchafft / das ander ſeynd
Mineralia minora, alſo auch die Sternen / und wie das planeti⸗
ſche Rad ſein Inſtehen hat / alſo iſt auch die Geburth jedes Dings.
17. Die Gottheit als das Göttliche Liecht / iſt das Centrum
alles Lebens; alſo auch in der Offenbahrung GOttes / als in der
Figur / iſt die Sonne das Centrum alles Lebens; im hoͤchſten
Leben haben ſich die hoͤchſte Dinge geanfaͤnget / und fort je eins
aus dem andern biß auffs niedrigſte / in jedem aͤuſſerlichen Dinge
ſeynd zwo Eigenſchafften / eine aus der Zeit / die ander aus der
Ewigkeit: die Eigenſchafft der Zeit iſt offenbahr / und die ander
iſt verborgen / jedoch ſtellet ſte auch ein Gleichnuͤß nach ſich in je⸗
des Ding.
18. Was aus der Freyheit Luſt ſeinen Anfang hat / das ſtehet
mit der Wurtzel in einer himmliſchen Eigenſchafft / und mit dem
Leibe in einer irrdiſchen / aber das Ewige ſtehet in der Zeit / und
offenbahret ſich mit der Zeit. Sulphur iſt auff einem Theil im in:
nern himmliſch / und nach dem Leibe irrdiſch / jedoch bringt er ein
himmliſch Gleichnuͤß nach dem ewigen aus lich herfür / das da
fir und beftändig ift / als am Golde zu fehen ift; viel mehr ifts am
Menfchen Seibe zuverftchen/ wann der nicht wäre im Mercurie
en des Begierde verderbet worden / dann im Sulphur fichet *
geiſt⸗
Cap. 4. ‘ Rerum 48.
geiftliche Menſch Jals der himmliſche / und im Mercurioder leib⸗
liche / als die Gleichnuͤß des Göttlichen / alfo ift auch die metallia
fehe Eigenfihafft im Salphur am edfeften und hoͤchſten / dann es iſt
der hoͤchſte Geiſt.
19. Diß verſtehet alſo / im himmliſchen iſt auch eine Eigen»
ſchafft eines Sudes / wann die Freyheit in der hoͤchſten Begierde
ergriffen / und entzuͤndet wird / darinnen die Freuden⸗reich ent⸗
Foyer. Diß geſchicht im himliſchen Sulphur, da es im himmliſchen
AMerecurio als im ewigen Worte zu Weſen wird / welches ein
geiſtlich Weſen iſt; ſo aber dieſelbe Geiſtlichkeit geluͤſtet ſich in
einem Gleichnuͤß zu offenbahren / beydes nach des Geiſtes / und
nad der Weſen Eigenfähafft / nach der Dreyheit der Gottheit /
nach dem tödlichen und untödfichen Weſen / fo ift vaffelbe Bild
mit den Sternen und Elementen dargeſtellet / und letzlich am
Menſchen / welcher ein lebhafft Bild des gangen Wefensift/
nad) der Göftlichen und Auffern Welt: Auch ift die innere und
äuffere Belt mit den Metallen in einem tödlichen Bilde darge⸗
frellet/ als ein Gleichnüg der lebendigen himmlischen Weſenheit.
20. Im Sulphur ift der Anfang / dann Sul ift des Liechts oder
der Freyheit Luſt / die ſaͤhnet fich zur Offenbahrung / und. fan an⸗
doerſt nicht geſchehen / alsdurch Feuer: indem Phurentflcher die
Begierde als cin ſtrenge Einziehen / die machet die finftere irrdi⸗
ſche Eigenfchafft / und die Strengheit des Geiftes / als die feuri⸗
ſche Eſſentz: In dieſer Strengheitentftchet Sarurnus, der iff das
ingepreffete s und Mercurius der iftdie Begierde des Hungers ;
und der Wuͤtter / und Zerbeecher Mars, derift der Grimm ine
Hunger) eine Urfache des Zorns: dieſe drey ſeynd des Phars ‚al&
der freyen $uft Begierde Eigenfchafft.
21. Der freyen Luft Eigenſchafft gebichret das Weſen in den
oͤbern drey Geſtaͤlten / als im Saturno, Mercurio und Marte, dann
ſie gibt ſich ſelber in jede Eigenſchafft ſo machet ihnen die Eigena
ſchafft im Hunger des Mercurii eine leibliche Geftaltnüß; So
aber die freye Luſt im ſtrengen Begehren / auch ein Hunger wird /
ſo macht ſie auch drey Geſtaltnuͤß nach ſich / als Jupiter, der iſt
der Luſt Urſtand / und Venus, die iſt der Luſt Begierde / und Luna
iſt der Luſt Leib. Und nach der Eigenſchafft des Liechts machet
fie O. Dieſes alles iſt Geiſt: Nun wird aber in jeder Geiſte in
ſeinem Hunger auch ein Weſen / beides nach den toͤdlichen und un⸗
toͤdlichen / ein fixes und ein unfixes / eine Figur nad) den himm⸗
liſchen / und eine Figur nach dem irrdiſchen.
22. In der ſaturniniſchen — macht die Begins der
217°)
A.
EEE ZT NT
u2 Da Sıonarura Cap.4.-
freyen Luſt / nach des Saturni felbft-Cigenfchafft Bley / und
ach der wäfferigen im Sarurno Sals / und nach der irrdifchen.
De im Saturno, Steine und Erden / und was fich dehme
gleicher.
23. Aber nach der Freyheit / oder freyen Begierde nach ihrer
felbft -Eigenfchafft/in deine fie fich dem Saturno,als der Begierde /
einergibt/ machet fie im Sarurno Gold / nach der Begierde des
Kechts / allda ſcheidet fich der Geiſt und der Leib: der Geift ihrer
Begierde ift Sol; und der Leib iſt Gold/ verftehet im Saturno ift
der güldene Leib nach der freyen Begierde Eigenfchafft/ und nicht
nad des Saturni Eigenfchafft / feine Eigenſchafft ift in ihme
felber Bley / Salt und Erden /aber er hält das guͤldene Kind in
fich verfchloffen als ein ſchwartzer Rabe / nichtin feiner grauen
Geſtalt / fondern in einem tunckeln Glafte/ erift eingroffer
Herr] aber feine Herrſchafft wegen des güldenen Kindes fo er im
Bauche hat / ſtehet nicht in feiner eigenen Gewalt. Er iſt nicht
DBatter des Kindes /fondern Mercurius der arbeitet das Kind / er
aber gibt ihm feinen trauer-Mantelumb/ dag ernicht Fan Freud
mit dem güldenen Kindehaben/ er aber macht dasfchöne Kind
leiblich / dann er ift fein Fiat oder Schöpffer / und halts unter
feinen Mantel verdeckt und verborgen / den $eib kan er ihm aus
feiner Eigenfchafft nicht geben/ dann er iſt der freyen Begierde
Weſen im hoͤchſten Gradver Seibligkeit im firen Tode/da es doch,
Kein Tod iſt / fondern eine Einfchlieffung/ und im Gleichnüß eine
Darftellung der Gottlihen himmliſchen Weſenheit.
24. Mercurius ift der Werckmeiſter diefes Kindes / welches
Saturnus verdecft: wann er das in feinen Hunger bekomt / fo
wuͤrfft er ihm den fehwargen Mantel weg / imeinem fremden
Feuer / und doch nicht fremden / und freuet ſich in ihme: Aber cr
aft zu boßhafftig im Feuer⸗grimm / er verfchlinget das Kind/ und
machts gans zu feiner Eigenfchafft. Wann ihn im Feuer am
Hefftigfien hungert / fo muß man ihm Sol geben/ (ift fein Weib)
daß fein Hunger geftillet wird / alsdann wann er fatt ift / foar=
beitet er in der Materia des Kindes mit ſeinem eigenen Hunger
oder Feuer / und füllet feine fatte Begierde aus Solis Eigen
ſchafft / welche er zuvor in fich hat geffen/ und nehret das Kind / big
es alle vier Elementen mit dem Geſtirne an fich bekomt / under
hoch ſchwanger wird des Kindes/ alsdann gehörets in ein fremd
euer und auch nicht fremd /ift ein ernſt Feuer: fo gibt ihm der
Datter die Seele / alsden Feuer-Geiſt; und feine erfte Mutter/
welche Mercurius in feinem Hunger in fich affe/ welche fir *
voll⸗
NET IT ae
u u re Are Me ae
Cap 4i naRzRumn 327
vollkommen war / der Seelen Geift / alsdas Liecht-leben: alsa
dann ſtehet der Tod auff/ (ift die Tinctur, welche den Leib tingiret)
und ift das Kind gebohren / und ift hernach ein Eigenes / und ein
Kind der Frepheit/ und fragetnichts mehr nach feinem Werck⸗
meifter / es ift beſſer alsfein Batter / aber nichts beffer als feine“
Mutter / in welcher Saamen er lag/ che der Vatter in ihm
wuͤrckete. Es trift der feurigen Efleng feines Vatters / als der
Schlangen auff ihren Kopff/ und gehet frey durch den Tod ine:
Feuer. Berfichefta allyie michts/fo biſtu nicht in die hoͤchſte Wiß⸗
sie der Spagirey gebohren.
25. Ferner feyndunsdie Grad zu betrachten / masdie Frey⸗
heiit / als die ewige $uft/ den andern Geftalten im Sulphur-hunger-
gebe/in der andern Planeten Eigenfhafft: Die Geftaltnüß der”
Geburth iſt als ein drähend Rad / Das macht. Mercurius im:
Sulphur.,
26. Die Geburth des höchften Grades wendet ſich umb / als’
die Begierde / dann diefe Welt iſt rund / alſo auch die Geburth;
nach deme die Freyheit ihre höchfte Luſt als einen güldenen Hun⸗
ger dem Saturno gegeben / und den Mercurium zıun Werckmeiſter
geſetzt: fd faſſet fie ſich in ſich / in ihrer Begierde / nach der Ei⸗æ
genſchafft der Sanffimuth; dann die erſte Faſſung zum guͤldenen
Kinde geſchicht nach der Eigenſchafft der Freudenreich / dieſe aber
aus Guͤte und Sanfftmuth untergibt fih Lunz , damresift ein:
Sincken wegender Sanfftmuth / den ergreiffet auch Mercurius „,
und arbeitet darinnen. Diefer Leib iſt Silber/ und komt von der”
erften.Impreshion , da fich gelb und weig im Feuer fcheidet / als:
die Farben der Tugend fo entſtehet Luna aus der Gelben / und:
transınutiret fih in Weiß wegen der Göttlichen Sanfftmuth 77
und darumb dag ſein Urſtand aus Solis Farbe ift/ fo hungert ihn⸗
ohne Unterlaß nach Sof, und nimtder Sonnen Blank in ſich
zeucht dehn an ſich / und ſcheinet darmit.
27. Wienundas Obere iſt / alſo iſts auch in Metallen /dars-
umb iſt das Silber der naͤchſte Grad beym Golde / und wie das
Gold erbohren wird / alſo auch das Silber -Venus gibt ihm ſei⸗
nen Mantel umb / weiches der Mercurius nicht [enden mag / weil
er der Werckmeiſter iſt / und gibt feinen auch darzu ; aber das
Silber hat weder Venerisnsc Mercurii Eigenſchafft danıress
behält die Eigenfchafft feiner Mutter / als der Sanfftmuthin
der Freyheit / und wird ausgebruͤtet / wie das Gold. Wegen der
Sonnen hat der Mond himmliſche Eigenſchafft / aber wegen
feiner eigenen Geſtalt ang der Begierde Eigenſchaſſt / iſt er faſt
ht 323 —2
34 DeSronatura (apa:
irrdifcher Eigenfchafft/ er iftein Sad und Behalter des irrdi⸗
{chen und himmliſchen Wefens / wieder Auffere geib des Men—
ſchen welcher in Adanı vorm Fall dem Silber zu vergleichen
war: Als er aber in der Luſt erftarb / fo lebte an ihme nur die irr⸗
Difche Eigenfchafft / darumb Hungert ihn alfo immerdar nach So-
is Glantz / er wolte gerne wieder mit Luna aus der Sonnen
(einen / aber er bekomt nur einen irzdifchen lunarifchen Glan /
darinnen treibet er Hoffarth / es fey dann daß er wieder aus Solis
Glantz / das iſt aus GOttes Krafft im himmliſchen Mercurio
gebohren werde ſo iſt er wider das güldene und filberne Kind in
Göttliher Wefenheit/alleine diefe Zeit mit dem irrdiſchen Mon»
de / das iſt / mit dem irrdiſchen Sleifche bedeckt und bekleidet.
28. Das Haus des Silbers iſt auch Saturnus: Er iſt auch die
Urſache der erſten Faſſung / aber er wendet ſeine Begierde nur
auff das guͤldene Kind / und laͤſſet dem Silber ſein Kleid / und
ſaſſets in feine ſteinigte irrdiſche Eigenſchafft / und läfts den Mer-
eurium ausbrüten.
29. Die Begierde der freyen Luſt iſt fir und unfinckende : was
die Eigenfchafft der Begierde allein anlangt / die führet ihren
Willen vom Leibe wieder inden Kopff indie Sinnen und mache
Zupiter, das iſt am Jade wieder auffiwerts unterm Saturno;,
unter der farurnifchen Kraft / fein Metallift Zinn. / und ift der
dritte Grad / dehn der Srepheit $uftinder Begierde aus fich in die
Begierde der Strengheit als ins Fiat giebt.
30. Alfo zuverftchen/ der Freyheit Luſt gehet aus fich / als ein
Gewaͤchſe / und giebet je einen Grad nad) dem andern aus fich
änder Ordnung / aber Mercurius macht das Rad / dann er iſt der
Werckmeiſter;ʒund wie dieewige Geburth in fich im himmliſchen
Mercurio , als im ewigen Worte in des Vatters Gebährung
ſtehet / alfo ifts auch mit ver Bewegung des Batters in ein Ges
ſchoͤpffe gegangen / und gehetalfo in feiner Ordnung wieman
am Rade der Planeten ſiehet / dann die Ordnung ſtehet recht als
ein Menfch in feiner Ordnung fichet.
31, Erftlich iſt in ihme der rechte güfdene Göttliche Menſch /
welcher die Gleihnüß der Gottheit iſt; darnach iſt in ihme der
Menſch der himmliſchen Weſenheit / alsder innere heilige Leib
vom Feuer und Liechte in der Tinctur erbohren / der gleichet dem
reinen Silber / ſo er nicht wäre verderbet worden; Zum dritten
iſt in ihme der elementiſche Menſch vom reinen Element / der
gleichet dem Iupiter; Zum vierdten der Mercurialiſche / iſt der
gruͤnende oder Paradiſuſche; Zum fuͤnfften Ba
Feuer
|
|
;
|
| ’
Cap.4. Rerum, 35
Feuer / als der Seeliſche nach des Vatters Eigenfchafft > Zune
fechften der Venerifche nach der Äuffern Begierde / und nad des
Warfers Eigenfcharft ; Zum fiebenden der Solarifche nach der
Sonnen Eigenfchafft / als nach der äuffern Welt / als ein Sea
hender der Wunder GOttes. Und ift doch nur der einige Menſch⸗
iſt aber in der innern und Auffern Welt zu gleiche. Alfo iſt auch
die Gleichnuͤß ver ficben Metallen / mit einer Eigenfchafft nach
der innern Welt / und mit der anderen fichtbahren und greiflicheis
nach der aufferen Welt. .
32, Vom love gehet das Rad umb / fogehet ausder Schei⸗
dung Mercurius mit einem zerbrochenen Metall / nach feines:
Geiſtes Eigenſchafft / aufwendig ift er Queckfilber / und inwene
dig ein Paradififch Würden. Er ift in feiner geäftlichen Eigen-
ſchafft / der Unterfcheider der Worte / Stimmen und Spradenz
Es ſtehet geſchrieben / GOtt habe alle Dinge durch fein Worg
gemacht; der himmliſche ewige Mercuriusift fein Wort / das der
Vatter in Entzündung feines Liechtes ausfpricht/ und das Aus⸗
gefprochene ift feine Weißheit / und das Wort iſt der Arbeiter
und Macher ver Formungen in der auggefprochenen Weißheit.
33. Was nun der innere Mercuriusin GOttes Krafft im in⸗
nern thut / das thut auch der Auffere Mercuriusin der aͤuſſertz
Krafft / in dem gefchaffenen Weſen / erift GOttes Werckzeug⸗
damit er äufferlich wuͤrcket zum Tod und zum Leben / in jedenz
Dinge nach feiner Eigenfchafft / er bauet und zerbricht: nach des;
Saturni Eigenfihafft bauet er / und nach feiner eigenen Eigen
ſchafft unterfcheideter / und zerbricht im Saturno die Härte / als:
das Eingefägloffene / und eröffnets zum geben / eroͤffnet die Far⸗
ben / une macht Geſtaltnuͤße / und führet in ſich eine himmliſche
und auch eine irrdiſche Eigenſchafft:in der irrdiſchen führet er aus:
der erften Begierde zur Natur / alsaus dem Sarurno den Mer-
tem ,. als die Grimmigkeit der Impreflion ,. dann er ift feine
Seele / darinnen der Mercurius lebet / er gibtihme die feurige
Eſſentz / und ftchet unterm Iupiter in der Ordnung am Rade wie⸗
der auffwerts / dann er führetden Feuer-geiftim Sulphur , it3:
allen Planeten und Geftalten/ und giebet jedem Dinge feine:
Quaal / undden wehren Geiftdes Lebens.
34. Mars ift in dererftenImpreflion die groffe Angft / und
urſachet dag fich der Freyheit Sicbeswille von ihme ſcheidet / und
das Abgeſchiedene heiſſet GOtt / und die Angſt oder der Feuer⸗
quaal heiſſet GOttes Zorn / als der Grimm der ewigen Natur
and wie ſich GOttes Liebe im — un Sg ——
-
3% Dr Sıenatura Cana.
von der ewigen Natur grimmen Eigenfchafft ſcheidet / als der
Himmelvonder Hoͤlle / GOtt vom Teufel: alfo im gleichen ge>
ſchichts auch in der Auffern Natur⸗geburth.
35. Die Liebe gehet vom Grimmeaus/ und iſt eine Demuth
der Sincken / alfoifts auch inder Schöpffung in eine Ordnung
getretten; darumb ſtehet Venusam Rade herumb an Martis Li⸗
nien unter der Sonnen / dann alſo iſt die Scheidung in der Na=
tur / und alſo gehet eines aus dem andern / fein Metall iſt Kupfer /
der Urſtand iſt dieſes / dag die Liebe eine Begierde iſt / und begeh⸗
ret doch nur Liecht und Freude: Dann die Materia wird aus der
Begierde Eigenfchafft/ fo aber die Liebe Begierde in der Impref-
dien foll corporlicy werden / ſo muß fie ich dem grimmen Fiat,
als des Martis Begierde im Feuer / oder inder feuriſchen Eigen»
ſchafft einergeben / dann die faturnalifche Eigenſchafft nimt alles
In ihre Gewalt / und machts corporlich.
36. Darumb ift der Veneris Metall dem Golte nahever-
wandt wegen ihrer felbft Eigenſchafft aus der Freyheit / aber
Mars macht es zu grimmig und zu ſproͤde / weil ſichs aus des
Martis Feuer ſcheidet / ſo behaͤlts ein groß Theil des Martis Ei⸗
genſchafft an ſich.
37. Des Martis Metall iſt Eiſen / dann er iſt im Sulphur der
Grimm / in welchen ſich das Feuer anzuͤndet und urſtaͤndet:
Sein Urſtand mit der Materia iſt in der Strengigkeit der Bes
gierde / das Kupffer ſcheidet ſich in der Gebaͤhrung aus dem Ei⸗
fen / dann es urſtaͤndet aus Venus Willen / und iſt ein Unterſcheid
zwiſchen ihnen / wie mit Leib und Seele / dann Marsift Veneris
Feuer⸗ſeele / und macht dag Venus corporlich wird / ſonſt gibt
Venus nach ihrer ſelbſt⸗Eigenſchafft in der Ertoͤdtung im ſalni⸗
triſchen Schracke nur Waſſer: Dann ihr Feuer iſt nur ein Lachen
oder Liebe⸗ feuer / was ſie ohne andere Einfluͤſſe alleine iſt /darum-
Fan fie aus eigener Gewalt kein corpotlich Weſen gebaͤhren / das
harte oder zehe waͤre / ſie iſt nur das Weib zu ihrem Kinde ohne
sine creatuͤrliche Seele / Mars iſt ihre Seele / und Saturnus macht
ihren Corpus, Solis Geiſt mag den Martem und Venerem tingi-
zen / und in die hoͤchſte metalliſche Vollkommenheit / als in Gold
verwandeln / welches im Siber fo leichtlich nicht geſchehen kan /
es werde daun wieder in die erſte Materi gebracht / da Saturnus,
Mars und Mercurius im Sulphur untereinander ſind / ſo kans ſeyn /
Venus empfaͤhet ihre Zaͤhe vom Saturno, und ihre Roͤthe vorm:
arte als vom Feuer.
38 . Run iſt doch Veneris Begierde nur hefftig nach Sol, —*
nah,
Copa °° Rerum 37
nach ihrer erften Mutter / daraus fiein ihrer Geburth in ihrem
erften Urftand entfpringts dann aus GOtt entſpringt die Liebes:
Alfo ifts auch in der Figur in der Ausgeburth. Veneris Bes
gierde gehet in Solem in die Sonne / und empfühetder Sons
nen Eigenfchafft in ihrer Begierde / und fcheinetaus Sole; fie hat
einen eigenen Schein vor allen Planeten und Sternen / dehn
Hit fie aus ihrer Mutter / und inihrer Mutter Krafft ſtehet
ihre Freude/ als das Lachen das fie in fich hat / ſie iſt in ihrer felbft>
Eigenſchafft / was fie pur alleine ahneder andern Planeten Eis
genfchafft iſt eine wahre Tochter der Sonnen/ (verſtehet im:Sul-
phure) da alles untereinander ift / darumb ſtehet ſie zunächft uns
fer der Sonnen / als ein Kind der Sonnen./ nicht dag die Sonne
habe den Sternerbohren Dann er ift auch mit gefihaffen / aber.
im Sulphur aufferder Schöpffung / nur bloß in der Gebaͤhrung
ifts alſo / beydes im Himmliſchen und Irrdiſchen.
39. Dann GOtt der Vattergebähret durch fein Herz die Lie⸗
- be / fo deutet die Sonne im Gleichnuͤß fein Hertz an / dann fie iſt
eine Figur in der Auffern Welt / nach dem ewigen Herzen GOt⸗
tes / welches allen eben und Weſen Krafft gibt.
40, Und verſtehets doch nur recht. Gleich wie alle Dinge von.
Gottes Wort und Herzen / (welches ift der Göttliche Sulphur),
inder Geburth der heiligen Dreyfaltigkeit aufgehen / und offene
bahren fich in und durch das außgegangene Weſen / welches iſt
Gottes Weißheit / und dringen aber wieder aus demſelben Auß⸗
gange in und gegen dem Hergen und Krafft / und ſaͤhnen ſich heff⸗
tig darnach / wie S. Paulus ſaget: Alle Creatur ſaͤhnet ſich mit
uns vonder Eitelkeit loß zu werden.
41. Alſo iſt auch das aͤuſſere Weſen in der aͤuſſern Geburth
der Metallen/ Planeten / Sternen und Creaturen / ein jedes
Ding ſaͤhnet ſich nach feinem Centro,als nach ſeiner erſten Mut⸗
ter / daraus es iſt gegangen / als nach der Sonnen im Sulphur 5,
dann fie iſt die Tingirung aller Weſen / was die erſte Begierde.
mit der Impreflion im Saturno in des Martis Grimme böfe.
macht / das machtdie Sonne wieder gut/ gleich wie die Göttliche
Sonne den Zorn oder Grimm GSttes tingiret / daß aus der
grimmen Eigenſchafft des Zorns Gottes eine Freudenreich wird /
alſo tingiret die aͤuſſere Sonhe den aͤuſſern Sulphur , als Satur--
num und Martem, daß cine licbliche Temperansjalsein Grünen.
und Wachſen in allen Metallen und Ereaturen ift/ darumb iſt
Die Sonne das Centrum, welches die Vernunfft nichtglauben,
wil / verſtehet indem planetariſchen Rade / und in allen wachfene.
Zen und lebendigen Dingen. B37 Das
38 De Sıenarura Co;
Das 5. Capittel
Vom Sulphurifihen Sterben / und wie der geſtorbene
geib wieder lebendig / und in feine erfte Heralig:
keit gefeßet werde.
x. Lles geben und Bewegen/ mit VBerftand / Bernunffe
und Sinnen / beydes in den lebendigen und wachen»
den Dingen / ſtehet im Urftand.im Sulphur, als in
der Natursbegierde / und in der Freyheit Luſt⸗be⸗
gierde.
2. In der Ratur Begierde entſtehet der Tod und das Ein—
ſchlieſſen / und in der Freyheit Begierde entſtehet das Auffſſchllieſ⸗
ſen und Leben / dann der Freyheit Begierde tingiret der finſtern
Natur Begierde / daß die grimme Natur ihr eigen Recht ſincken
laͤſt / und ſich der Freyheit Begierde einergibt / alſo waͤchſt das
Leben ie Tode / dann ohne Liecht iſt Fein Leben; fo das Liecht in
der Eſſentz des Sulphurs erliſcht / ſo iſts ein ewiger Tod / dann
Niemand Fan lebendig machen / es bewege ſich dann GOTT
in der Luſt⸗begierde im ſelben Tode / dann der Tod kan kein Leben
in ſich nehmen / es offenbahre ſich dann die erſte Begierde als
der freyen Luſt Begierde / in der Begierde zur Natur / darinnen
das Einſchlieſſen als der Tod erbohren wird.
3. Darum da der Menſch im Sulphur erftarb/fo konte ihn Nie⸗
mand lebendig machen/ es gienge dann die freye Luſt /als die Bes
gierde zum ewigen Leben wieder in fein Phur , als indie Gebuhrt
der menfchlichen Eigenfchafft / und bewegte den eingefchloffenen
Tod / als das Centrumder Natur) und gabe fich felber wieder ing
Centrum ein/ als in die ſeeliſche Eigenfchäfft / und inder Seelen
Weſenheit und Scibligkeit. Und das iſt alfo gefchehen.
4. Wir wiffen/ dag der rechte Sulphur ift eine Gebährung
aller Geiftligkeit) oder Leibligkeit; fo viel fein erfter Urſtand iſt /
Da er himmliſch iſt / ſo ift er die Bebährung des Weſens aller.
Weſen / dann alles lieget in diefer Gebuhrt / was die Ewigfeit
und Zeitin fich ift /hat und verinag. Nun iſt esaber nach dem
Reiche diefer ABelt auch irzdifch/als eine Figur des Ewigen / dann
in ihme ſtehet die Zeitund Creatur / alles deſſen / was fichtlich
und unſichtlich iſt.
5. Nun ift ver Menſch ſambt allem Leben / nach dem Reiche
dieſer Welt aus dem aͤuſſern Sulphur erſchaffen und erbohren
worden der Menſch aus dem Innern und BT: ae
Cap. ;. Rerum 35
Auffere Ereatur alleine aus dem Aeuſſern dann der Menfch ift
GoOttes Bild und Gleihnüß / und die andern Creaturen find
eine Sleihnüß nad) der Figurigung in der innerlihen Gebaͤh⸗
zung in GOttes Weißheit / als in dem außgefprochenen oder
——— him̃liſchen Weſen / nach beyden ewigen Principien.
Nun war aber der Menſch gut und gantz vollkommen / nach
uñ * allen dreyen Welten erſchaffen / als ein Bild der@ottheitz
in dehme GOtt wohnet / uñ war eben pas Weſen ſelber / was GOtt
nach der Ewigkeit und nach der Zeit in allen drey Welten iſt / aber
eine Creatur mit Anfang nach der Creatur / und der erſtarb nach
dem him̃liſchen und Goͤttlichen Weſen durch Luſt / da ſich die innere
Luſt / welche im Centroals im Feuer erbohren ward / darinnen
das Leben in der Goͤttlichen Weſenheit ſtund / das iſt das Weſen
der Goͤttlichen Sanfftmuth anzuͤndete / darinnen die Freuden⸗
reich oder Engels-⸗geſtalt ſtehet | die wendete ſich von der innern
Luſt der Frenheit und Emigfeit in der Zeit als in die Außgebuhrt /
in die Planetifhe Eigenſchafft / aus dem reinen Goͤttlichen Ele⸗
ment / in die vier Elementen / alſo behielt die innere Goͤttliche
Weſenheit oder innere Leibligkeit keinen Fuͤhrer oderLeben mehr?
das war das Sterben / dann das Seelen-feuer aus des Vatters
Eigenſchafft / wendet fih von desSohnes@igenfchafft/in welchem:
alleine das Göttliche Seben ſtehet.
7. Alfo blieb der Seelen Eigenfchafft bloß / nur alleine mit
ihrem Willen in dem Auffern Sulphur,und der innere verblich un®
blick in der ewigen Unbewegligkeit ftehen / als in einem ewigen:
Nichts) darinnen Fein Berbringenimehr war.
8. Alfo lebete der Menfch mit feinem äuffern. Seibe nur blog
alleine der Zeit / das edfe Gold der himliſchen Seibligkeit / welches
den auffern Seib follte tingiren / war verblichen / alfo blieb der
auffere $eib bloß allein im geben der Natur⸗begierde ftchen/als in
der Seelen Feuers⸗ Eigenſchafft / verſtehet in Martis Geftalt und
Eigenſchafft / als im Grimm GOttes / welcher im Sulphur der
Grimm als die Eigenſchafft des Zorns GOttes und finſtern
Welt iſt; weil aber der aͤuſſere Leib aus der Zeit geſchaffen war 7
fo bekam auch zu hand die Zeit als das Geſtirne / mit den Ele⸗
menten / das Regiment in ihme / dann die Göttliche Eigenfchafftr
als die Begierde der Gottheit / welche die Zeit regieret und tingi-
ret / daß ein heilig Leben in der Creatur aus der Zeit war / die war
verblichen / feine eigene Liebe in Goͤttlicher Begierde ward zu
Waſſer: Alſo herrſchete Feuer in einem Waſſer / und war am.
GHttes Willen und Begierde bleich und todt / und wuſte ſich die
Seelt mit dem Sonnen ⸗ liechte behelffen. Sg
40 Ds Srenatura Cops.
9. Sodann die Zeit Anfang und Ende hat/und fich der Wille
mit der Begierde hat dem zeitlichen Führer einergeben / ſo zer⸗
bricht der Zeit Regiment ihren gemachten Geift / fo erſtirbet und
vergehet auch der Leib und das ifts/vag GOtt zu Adam ſagte / cr
follte nicht vondem Baume oder Gewaͤchſe des Erkaͤntnuͤh Boͤ⸗
fes und Gutes effen./ von beyden Eigenfchafften /oder er würde
ſterben / wie auch geſchach ser ſtarb im Sulphur,das Sulam Reiche
GOttes / als Die Luſt der Freyheit GOttes / aus: welcher das
Goͤttliche Liecht ſcheinet / und in welcher die Goͤttliche Liebe / als
Das Liebe⸗Feuer brennet.
10. Nun war ihn doch Fein Rath / GOttes Begierde gienge
dann wieder in den verſtorbenen Sulphur, das iſt in fein todes
Sul, als in die erfforbene Weſenheit cin /und zündete daffelbe
wieder an mit dem Liebe⸗Feuer / welches in Ehrifto geſchach / allda
fund der yimmlifche Leib / darinnen GOttes Liecht fcheinet / wie⸗
der auff: Sollte es aber geſchehen / ſo muſte die Liebe-begierde
wieder in des entzuͤndeten Zornes Begierde eingehen / und den
Zorn mit der Liebe leſchen / und uͤberwinden / das Goͤttliche Waſſer
muſte wieder in das brennende Seelen⸗feuer eingehen / und den
grimmen Tod im herben Fiat, als in der Begierde zur Natur /.
lefchen / daß fich die Siche-Begierdeinder Seelen wieder anzuͤn⸗
dete / welches GOttes begchrete.
22. Dann des Menſchen Seeligkeit ſtehet in dehme / daß er in
fich Habe eine rechte Begierde nach GOtt: Dan aus der Begierde /
quillet die Liebe aus / das iſt / nann die Begierde GOttes Sanfft⸗
muth in ſich empfaͤhet / ſo erſincket die Begierde in der Sanfft⸗
muth in ſich / und wird weſentlich / das iſt alsdann him̃liſche oder
Göttliche Weſenheit oder Leibligkeit / und darinnen ſtehet der.
Seelen Geift ( welcher im Zorne / als im Tod verſchloſſen las) in.
der Liebe GEttes wieder auff / dann die Liebe tingiret den Tod und
An Finſternuͤß / dag fie der Göttlühen Gonsen Glaus wieder.
ahig iſt.
12. Wie nun das im Menfchen gefchicht/ alfo ift auch die.
Tranfmurirung der Metallen / der Sulphur lieget im Saturno,
werfchloffen/als im Tode / und iſt doch Fein Tod / fondernein ve-
getabilifch Schen / dann der Auffere Mercurius iſt das Leben dar⸗
innem,
13. Soll der merallifche Leib zur hoͤchſten Vollkommenheit
kommen / fo muß er dem aͤuſſern Führer / als den Elementen ab⸗
ſterben / und wieder in einen ſolchen Sulphur tretten als er war },
da er noch nicht die vier Elementen in ſich hatte / ſondern lag nur
In Element in Einem. 24Run
Cp.5 Rerum 48
14. Nun kan ihn aber Niemand in einen folchen geib bringen?
als der / der ihn gebohren hat / der ihn den vier Elementen geges
ben hat / der kan ihn alleine wieder nehmen / derihn zum erſten
hat cörperlich gemacht / der mug ihm wieder in ſich fchlingen / und
in ſich in einen andern $cib trranfmuriren / das iſt der Sulphur ,
der den Mercurium, als feinen Werckmeiſter / m fich hat / der muß
ihn dem — — im Frat wieder nehmen aus: ſeinem
Bauche / und in ſein eigen Feuer einfuͤhren / und mit ſeinem eige⸗
nen Feuer die vier Elementa von ihme ſcheiden / und in eines
ſetzen / gleich wie GOtt wird am juͤngſten Tage in ſeinem eigenen
Feuer das Weſen der vier Elementen vom reinen Element in der
Inz uͤndung ſcheiden / auff daß ſich die ewige Leibligkeit im reinen
Element anhebe / und wie ſich im Sterben des Menſchen die vier
Elementen vom rechten Menſchen (der das Element GOttes
ift ) ſcheiden / und der himuiliſche Leib in ſich alleine bleibet / alſo
gehet es auch zu in der Tranfm-tirung der Metallen.
PROCESSUNS
*D Leib lieget im Saturno ‚in einer unachtbahren Ge⸗
ſtalt verſchloſſen / nicht gang in Saturni Eigenſchafft in
tunckler Farbe / gezeichnet mit dein Mercurio feinem Vatter / und
mit Sole feiner Mutter / und mit dem Satarno bekleidet / und mit
Martis Leben offenbahr: Aber feine Mutter wird an. ihme von
auffen nicht erkannt / man erzürne dann feinen Werckmeiſter
mit feiner eigenen Voßheit / welches man doch auch nicht thun
kan / man nehme dann eine frembde darzu / davon feine eigene era
zürnetwird: Alsdann /fo fein Zorn ergrimmet / fo wird er alſo
hungerig und durftig / und kan doch in fich Fein Sabfall finden / ſo
greifft er feinen Werckmeiſter an/ der ihn gemacht hat / und ſtrei⸗
tet wider feinen Schöpffer / wieder irrdiſche böfe Menſch wider
GOtt / alfo lange big er fich felber frift und verzehrt / wie ein
Gift vom Feuer den Leib verzchret/man komme ihm dann zu
huͤlffe und flille feinen Hunger: So kan doch diefen ſchrecklichen
Hunger Niemand ftilln / als GOtt felber der ihn gemacht hatz
und fo der ihme nicht zu rechter Zeit zu hülffe komt / fo verzehret
= Hunger im Grimm den $eib/ und ſetzet ihn in die ewige Sins
ernüß.
16. Diefer Hunger begchret nihts als nur GOttes Barm-
hergigfeit / daß cr möchte aus der Hoͤllen Angſt erlöfet werden ;fo
kan er aber dieſe in fich felber nicht erreichen/dannerift im Zorne .
GoOttes verfehloffen / fo ift feine liebe Mutter Die ihn im Anfang,
ſugete
*
AR“
42 De Sıcnartura Caps,
fäugete / auch in Tod gefchloffen: Se ihn aber GOtt feine Ge⸗
nade erzeigek/ und gibt ihm wieder von feiner Liebe / fo erfchrickt
der Zorn vor der Liebe / und ift ein Schrad groffer Freuden / daß
er wieder feiner lieben Mutter Süffigkeit Eoftet / alsdann er=
kennet er fich/ dag er ift fo boͤſe geweſen und reuet ihn feine Boß⸗
heit / und wil fich bekehren / und den alten Adam tödten/ und von
fih wegwerfen: Alfobalde nimt ihn der Künftfer vom frembden
Zorn weg/mit ſambt dem alten Adam / uñ leget ihn in ein fanfftes
Bette / dann der alte Adam ift kranck und wil fterben / fo ift fein
eigen Werckmeiſter in den alten Adam über der Siebe GOttes
(welche der Zorn zerbrach) über her und wilein junges Kind
machen / und freuet fich über dem Kinde / fo wird der alte Adau
frand und ſchwach / gang finfter und ſchwartz / und erftirber /
fo gehen die Bier Elemente von ihme aus mit ihren Farben / fo
laͤſt ihn der Werckmeiſter immer hinfahren /undarbeitet immer
an dem neuen Leibe / der da ſoll vom Tod auffſtehen / und Niemand
ſiehet ſeine Arbeit / denn er arbeitet im Finſtern.
17. Der Kuͤnſtler aber nimt ſich der Arbeit nicht an / ſondern
gibt nur dem Werckmeiſter ſeine eigene Speiſe / biß er ſtehet daß
ſich das vegetabiliſche Leben in dem finſtern Tode mit neuer Far⸗
be aus der ſchwartzen erzeiget / alsdann ſo iſt der neue Menſch
fertige So komt der Kuͤnſtler und bringet die Seele / und gibt
dieſelbe dem Werckmeiſter: davon erſchrickt der Werckmeiſter /
das cin ander Leben in ihn komt / und floͤſſet die Seele dem neuen
Leibe ein / und gehet in ſich in Zorne / ſo ſtehet der neue Menſch in
groſſer Krafft und Herrligkeit aus dem Tode auff / und zertritt der
alten Schlangen im Zerne GOttes den Kopff / und gehet Durch
den Zorn / und der Zorn kan ihme nichts thun.
Biſt du dareimaebohren/
So haſt du ein Werck außerkohren.
Das 6. Capittel.
Wie ſich ein Waſſer und Och! gebaͤhre / und vom Unter⸗
ſcheid des Waſſers und Oehls / und vom vegetabili-
ſchen geben und Wachſen.
1. Lles Leben / Wachſen uñ Treiben ſtehet in zweyen Din⸗
gen / als in der Luſt / und in der Begierde; die Luſt iſt
ein freyer Wille / und gegen der Natur zu achten als
ein Nichts/aber die Begierde ift alsein Hunger : In
der Begierde entftchet der treibende Geift/ 1J *
n ⸗
Cap. 6. | Rerum. 43
natürliche / und in der Luſt der übernatürliche / der doch der Nas
tur ift /aber nicht aus feiner felbft-Eigenfchafft / —— aus
der Begierde Eigenſchafft.
2. Die Begierde iſt das Treiben der Eſſentz als ein Hunger)
und die Luſt ift des Hungers Weſen das er in ſich faſſet / dann
die Begierde iſt nur ein hungriger Wille / und iſt der natuͤrliche
Geiſt in ſeinen Geſtalten / aber die Luſt iſt aus der Freyheit /
dann Gott iſt Begierde⸗loß / was fein eigen Weſen / fo viel als
er GOtt heiſſet / anlanget: Dann er darff nichts / cs iſt alles
fein/ undift felber alles. Aber einen Luſt-willen hat er / undift
felber derſelbe Wille / ſich in der Luft zu offenbahren / fo mag doch
auch in der freyen affect⸗ loſen Luft Feine Offenbahrung geſchehen /
dann fie iſt ohne Begierde) ſte ift als wäre fte nichts gegen der Nas
tur / und iſt doch alles: Aber nicht nach der Begierde/als nach der
Natur /fondern nach der Erfüllung der Natur: Sieift die Er⸗
füllung der hungrigen Begierde/alsder Natur / ſie gibet fich frey⸗
willigin Hunger der Natur / dann fie ift ein Geift ohne ABefen
und Begierde/ gang freyals ein Nichts/ aber die Begierde macht
fie in fich zum Weſen / und foldes nach zweyen Eigenfchafften 4
als eine nach der ewigen Freyheit / die da frey iſt von der Quaal /
und die andere nach der Begierde / welche ein vegerabilifch Leben
gibt/ als cin Wachſen oder fich aufgeben.
3. Das freye Wefen ift undgibt ein Oehl / und der Begierde
Eigenfchafft gibt ein geben des Dehls: Das Oehl ift ein Liecht /
und der Begierde Eigenſchafft gibt dem Liechte cine Eſſentz / als
die feurige Eigenfchafft/ dag das Liecht ein Schein ift / wie mar
am Feuer und Liecht ſtehet /und die freye Luſt bleibt doch in fich
ein freyer Wille / gibt aber feine Sanfftmuth / als eine freye Gea
laffengeit in die Begierde /auff daß fie zum Weſen und Schein
fonume > Ihr Wille ift allein gut / er hat fein andere Begierde /
als nur gut /fanffte und lichlich ſeyn / es ift auch Feine andere
Mögligkeit darinnen / dann er ift alsein Nichts / Darinnen kein
Rühren oder Quaal ſeyn mag/fendern iſt die Sanfftmuth felber.
4. So er dann nicht ein Nichts ſeyn kan wegen deß / daß er
eine Urſache und Anfang der Begierde iſt / ſo gibt er ſich frey / als
ſich der Sonnenſchein frey gibt in alle Eigenſchafft / ſo faſſet die
Bcgierde dieſelbe freye Luſt als den Schein des Ungrundes der
Ewigkeit in ſich / und macht in ſich nach ſeiner Eigenſchafft We⸗
fen : alſo viel der Eigenſchafft i in der Begierde iſt / alſo viel iſt auch
des Weſens.
Alſo wann ſich die freye Luſt in Hunger der Begierde *
ergibt
44 DESIGNATURA Cap.6.
ergibt / ſo macht die Begierde aus der freyen Luſt Eigenſchafft
eine Gleichheit nach der Freyheit / das iſt als waͤre es nichts / und
iſt doch / das iſt ein Waſſer und Oehl. Weil aber die Begierde /
das iſt / der Hunger mit der freyen Luſt erfuͤllet wird / ſo macht er
feine ſelbſt⸗ Eigenſchafft im Weſen der Freyheit auch zu Weſen:
ScinWeſen iſt Waſſer / und der freyen Luſt Weſen iſt ein Oehl:
Alſo entſtehet zweyerley Eigenſchafft in einem einigen Geiſte /
als eine feuriſche nach der Begierde Eigenfchafft / und eine freu⸗
denreiche oder Liechts⸗Eigenſchafft nach der Freyheit.
6. Die feuriſche gibt in ihrem Weſen Zals in ihrem Waffer
eine Schärffe vonder fErengen Begierde / die ift gefalgen / oder
ein Salz / und von der feurifchen Angft cin Schwefel /Daraus
inder Imprefionumd Schöpffung der Welt feynd Steine / Er⸗
den und Metalle worden / fo wohl Elemente und Sternen /alles
nach den Geftalten in der Begierde; und die Dlitetifche gibt ihre
Sanfftmuth als eine Siebes$uft darein: Die feuriſche impreflet
mit der Begierde / und macht geibligkeit / und die Dlitetifche gibt
ſich in ihrer Sanfftmuth aus/und macht das vegerabilifche Leben
als ein Grünen und Wachfen in der feurifchen Impreflion: dar=
zu muß das Feuer feine Effent und Treiben geben / als den wuͤ⸗
tenden Stachel im Zichen der Begierde / welcher das Zerfäjeis
den in der Leibligkeit iſt / als der Unterfcheider / und Urſache der
Eſſentz und Vielheit.
7. Die Weiſen haben dieſe Geſtalt Mercurium geheiſſen / von
dem aͤngſtlichen treibenden Rade / welcher alles Lebens und Be⸗
wegens Urſache iſt / und ein Werckmeiſter der Olitetiſchen und
waͤſſerigen Eigenſchafft.
8. Alſo iſt ung zu entſtnnen und zu finden das groſſe Myſte-
rium, wie in allem Dinge ſey ein Oehl / Schwefel und Salt / wie
esurftände : Dann GoOtt hat alle Dinge aus Nichts gemacht /
und daſſelbe Nichts iſt er ſelber / als eine in ſich wohnende Liebe⸗
Luſt / darinnen kein Affect iſt / es wäre aber alſo die Liebe-Luſt
nicht offenbahr / ſo er einig in der Stille ohne Weſen bliebe / und
er Eeine Freude noch Weben darinnen / fondern eine ewige
Stille,
9. Als er fich aber in Weſen einführet/durd die Begierde / ſo
wird feine Stille ein Wefen und würcende Krafft und ſolches
mit zweyen Eigenfchafften / als in einem Oehle / in welchem die
wuͤrckende Krafft ein guter Geift ift / nach der Eigenfchafft der
Liebe⸗Luſt / welcher den Grimm der Begierde im Schwefel / Saltz /
ad dem gifftigen Metcurio entgegen ſtehet / amd feinen biſt
Hum⸗
EU u De
Cap 6. Rerum 45
Hunger mit der Siehe Sanfftmuth ftillet und heilet; was Mer-
eurius zerbricht mit feinem wirtenden Rade feiner feldft-Eigena
ſchafft / das heilet die Luſt der giche des Oehls wieder / und alfo ift
Boͤſes und Gutes in jedem Leben.
10. Und iſt doch kein Boͤſes in keinem Dinge / das Gute oder das
Liebe⸗Oehl verſchmachte dann in ſeiner eigenen Luſt / das geſchicht
in den Geſtaͤlten der Impreflion des Hungers der Begierde: Als
fo ſich der Hunger-Geiſt in feinen eigenen Geſtalten nach ſich
ſelber zu fehr impreſſet / und nach feiner feloft eigenen Offenbah⸗
rung zu fchr hungert / ſo kan er die freye Luſt nicht in fich fahen /
welche feinen Hunger ſaͤnfftiget dann der Natur Eigenſchafft
fol ſchlecht nad) ver freyen Luſt Eigenfihafft / als nach GOttes
Liebe-⸗weſen gerichtet feyn / umd feinen Hunger nach der Siebe
richten / fo empfühetder Hunger die Liebe in ſich / und macht dic»
felbe in fich zum Weſen / fo ift der Hunger nicht mehr ein ver-
ſchmachter finfterer Hunger /verin fich felber ſticht und wuͤtet
als ein gifftiger Mercurius, fondern wird eine Siebe-Begierde
aus dem Hunger/ die heiffet GOttes Natur) und die hungerige
feurige heiſſet GOttes Zorn / und in der auffern Natur heiſſets
ein Fetier.
1xx. Aber in der Welt Eigenſchafft / da die Begierde in der
freyen Luſt Eigenfchafft qualificiret / heiſſet dieſe Begierde die
Goͤttliche Begierve/darinnen die feurige Siebe brennet / und dar
aus die Freuden⸗reich gehet / dann darumb gibt fich die freye Luſt
in die ſtrenge Begierde ein/dag fie aus fich mag eine feurige Siebe/
als eine Freuden⸗reich geben) welchesin der ftillen Luſt nicht ſeyn
möchte: Dann was ſtille ift /da ift eine Freude oder Bewe⸗
gen innen.
12. So offenbahret fich nun die freye Suft/als GOttes Eigen»
Schafft / durch die feurige Eigenfchafft / und die feurige machet die
freye Kiſt / als der Luſt Weſen / als das Oehl / welches in der Im-
prefion der Begierde urſtaͤndet / gu einem Schein oder Glan /
dann die Strengheit gibt den ängftlihen fchielichten Blitz / als
einen Schwefel-Geift/ und die Sanfftmuth des Oehls gibt ihre
Siebe darein/undvertreibetdas Eingezogene/als die Finfternüg/
undoffenbahret die ewige Freyheit / als das Nichts / das iſt nun
Das Sehen.
13. Dañ wañ der Feuer⸗glantz des Liechts Süfftgfeit ſchmaͤ⸗
cket / ſo greiffet die Feuers-begierde nach der Sanfftmuth: So iſt
Die Sanfftmuth der freyen Luſt / als ein Nichts / gantz unbegreiff⸗
lich / jetzt begreifft der Hunger der Begierde ſein ſelbſt-Weſen /
und
m An
45 DESIGNATURA Cap.G.
und verfehlingets in fich /und machets zum Nichts/ das ift die
Finſternuͤß / die ijt des Hungers Weſen / die verfchlinget der
feurifhe Hunger durch des Liechts oder der freyen Luft Eigene
ſchafft / wie man dann fichet/ fo bald das Liecht fcheinet /fo nimts
der Finfternüg ihren Gewalt / darumb iſt GOtt über alles We⸗
fen ein HErr: Dann er iſt die ewige Krafft und Liecht / wie wirs
am Gleichnuͤß der Sonnen ſehen / daß fie ein Herr der Finſter⸗
nuͤß und alles Weſens iſt / und alles regieret was in dieſer Welt
waͤchſet / lebet und webet.
14. Mehr iſt uns zu entſinnen die mancherley Saͤltze / wie
dieſelben im Urſtande ſich ur ſtaͤnden / und ſcheiden in viel Eigen⸗
(haften: Im Urſtande der Impreſſion, als im Verbo Fiat ent⸗
ſtehen zweyerley Salia,das erſte iſt geiſtlich / und gibt die Schaͤrffe
in der freyen Luſt Weſen / welches iſt eine Entſcheidung oder
Schaͤrffe der Krafft; das ander Saltz iſt die Schaͤrffe der Im-
preflion nach der herben Strengheit Eigenfchafft / das ift die
Angft in der Impreſſion, als Schwefel / und die weſentliche Eigen⸗
ſchafft iſt Waſſer. Das Warfer iſt die ſtumme toͤdtliche Eigen⸗
ſchafft des Saltzes: und die ſchweffeliſche von der Angſt iſt des
lebendigen Saltzes Eigenſchafft / dan fie hat den Stachel der
Bewegligkeit/ als den Mercurium in ſich / der des Lebens Geſtalt⸗
nuͤß macht / und iſt doch eben der Schwefel nicht das Saltz / ſon⸗
dern er iſt die Angſt in der Impreſſion, welche auch corporlich
wird.
15. Das Saltz iſt die Schärffeim Schwefel mach der Herbig:
keit / und macht dag die Angſt lieblich wird/alfo wohne das Saltz
im Schwefel / und ift des Schwefels Scharffe / und erhält den
Schwefel im leiblichen Wefen / fo wohl auch den Geift des
Schwefels / daß er nicht zerftäubet. Das Salt impreſſet die
Krafft der Angft / und das geimpreflete schen ift das mercuriali-
ſche geben / derfelbe ift der Angſt / alsdes Schwefels/ geben / und
fcheidet die Materiam nach den Geftalten zur Natur /und die
Materia der freyen $uft in zwey Weſen / als in ein waͤſſeriges
und inein Dlitetifches cörperliches.
16. Das cörperliche ift zweyerley /nach der Finfternüg und
Liecht. Mach der ffrengen Begierde Eigenfhafft machts in der
soäfferigen einen Sand oder fteinichte Art / davon Die Steine
ähren Urftand haben : Verſtehet aus der fulphurifchen / als aus
dem Schwefelswaffer. Die andere Eigenfchafft nad der Ertoͤd⸗
Kung im falnitrifchen Schrade iſt gemein Waſſer das da fleuſt:
Das ander cörperlicheiftver metalliſche Leib / aus per en suft
igen»
ee 17 u re re v—
n
i
3
n
Cap. 6. Rerum. 47
Eigenfchafft/ inder eingepreffeten Geftalt ; und aus der waͤſſeri⸗
gen (da der Schwefelim Waſſer iſt) machts Bäume) Kräuter /
und alles was da wächfet in der irzdifchen Eigenfchafft/ als inder
ertödteten oder todten Weſenheit / welche doch cin ſtum̃ Leben hat /
als ein vegetabiliſches.
17. Die Olitetiſche Eigenſchafft iſt auch zweyerley / nach der
Impreflion , als ein Theil dringet wieder in der Freyheit Luſt /
vom Grimme der Impreſſion frey zu feyn / die ift der gute Geift /
als das Liecht im Oehle; Das andere Theil aber ergibt fich mit
in die Angft des Schwefels / und bleibe in der Seibligkeit / und
eineignet fich in jedem Dinge nad) des Dinges Saltzes Ei-
genfchafft / als in einem feuͤrigen Salße ift cs feurig / und in ei⸗
nem bittern Saltze ift es bitter/ in einem herben / herbe / und fo
orf.
' 18. Die erſte Eigenfchafft nach dem Sicht ift in allen Dingen
füffe /und die andere Eigenfchafft des Oehls iſt nad) der Geſtalt /
als nach dem Geſchmacke des Dinges / es fey gleich füffe / fauer /
herbe over bitter / oder wie das ſey / als man das in Kräutern er⸗
kennet: In manchem ift einebittere Gifft / und in manchem eis
ne Heilung der Gifft ; fo ihm aber die giftige Eigenfchafft /
durch den Mercurium im Dehleder Sanfftmuth gebrochen wird/
fo eineignet fich auch das Oehl der Liebe des Liechts / dann beyder
Urftandiftaus einem Willen/ aber in der Impreflion wirds vers
ändert /gleich als wie fichder Zeuffel/ alserein Engel war / in
eine gifftige Engels-Eigenfchafft verwandelte /und Adam aus
einer himmliſchen in eine irrdiſche.
19. Alles was da wächfet/ lebet und webet in diefer Welt/ das
ſtehet im Sulphar ‚und im Sulphur ift der Mercurius das Leben /
und das Saltz ift im Mercurio das leibliche Weſen feines Hun⸗
gers / wiewohl der Leib mancherlen ift / als nach Eigenfchafft des
Schwefels und Sales / nach derfelben Eigenfchafft ift auch das
eingepflangte Dehli welchesinder Krafft mit auffwäachfet / dann
das Oehl macht die Krafft in jedem Dinge ; indem Dehle der Im-
preflion ‚als indem eingepreſten Oehle ift das andere Ochle/ als
Das geiftliche / welches ein Liecht gibet / aber es führet einander |
Principium, es nimt feine andere Auaalan fich / alsdie Luſt der
Liebe / es iſt Göttliche Weſenheit / darumb ift GOttes eigen We⸗
ſen allen Dingen nahe / aber nicht eſſentialiter in allen Dingen /
es fuͤhret ein ander Principium, und aneignet ſich doch gegen allen
Dingen / ſo ferne das Ding der Goͤttlichen Eigenſchafft in ſich
hat / ſo empfaͤhet es Krafft von Goͤttlicher Eigenſchafft / * fi 5
glei
43 DESIGNATURA Cape.
gleich ein wachfendes oder [chendiges/wie man dann Kräuter umd
Bäume /fo wohl Ereaturen finder / inwelchen etwas von Goͤtt⸗
Sicher Krafft inne lieget / damit man in der magifchen Eur Fan
der falſchen Magiz, als dem verderbten böfen Oehle wiverftehen /
und in ein Gutes tranfmutiren.
20. Ale Schärffe des Geſchmacks ift Salk les fey was es
wolle indiefer Welt / nichts aufgenommen s und aller Geruch
gehet aus dem Schwefel; und in allem Bewegen tft Mercurius
ein Unterſcheid / beydes im Geruche/Krafft und Geſchmacke: Ich
werftche aber in meinem Mercurio das Rad der Gebuhrt alles
Weſens / wie forne gemeldet / nicht einen todten / ſondern einen le⸗
bendigen / als ſtaͤrckeſten / nach Eigenſchafft der truckenen Gifft.
21. So gebuͤhret nun dem Kuͤnſtler und Medico, ‚daß er ſol⸗
eheDinge wiſſe / ſonſt mager keine Kranckheit curiren / er treffe es
dan ohngefaͤhr / wann er nicht weiß / wormit das Oehl im Coͤrper
vergifftet iſt / und was der Mercurius fuͤr einen Hunger in der
Kranckheit habe / wornach ihn hungert.
22. Dann ſo er das Saltz nach der Eigenſchafft feines Hun⸗
gers (wornach er begierig iſt) mag bekommen / mit einem ſolchen
Oehle wie er gerne haͤtte / fo iſt die Kranckheit bald ſtuͤndlich das
hin: Dann er ſetzet ſein Oehl wieder in die Eigenſchafft der Lie⸗
be des Liechts / davon das Leben wieder anhebet helle zu ſcheinen.
23. Dann jede Kranckheit im Coͤrper iſt anders nichts / als cine
Verderbung oder Vergifftung des Oehls / daraus des Lebens
Liecht brennet und ſcheinet: Dann wann des Lebens Liecht im
Oehle helle ſcheinet und brennet / fo vertreibets alle gifftige Ein—
fluͤſſe und Wuͤrckungen / gleich wie der Tag die Nacht vertreibet.
24. Dann ſo das Oehl daraus das Leben brennet / mit einem
gifftigen Mercurio. oder Sal angeſtecket wird / es geſchehe gleich
vom Geſtirne oder Saltze der Speife / als von einer widerwerti⸗
gen Quaal /davon ein Ekel im Ochlentftchet /welchen das Oehl
immerdar wil außſpeyen / darguder Mercurius huͤlfft / fo ängftet
fich der Mercurius im Schwefelsfeuer je länger je ſehrer / und ar⸗
beitetimmerdarden Ekel außzutreiben / erhebet fich aberin folcher
ſtrengen Arbeit nur in fich felber/und zündet feine innere Geſtalt⸗
nuͤß immer fehrer an/davon das Oehl tundeler undgifftiger wird/
big endlich das Oehl gang wäffericht und iradifch wird/ fo erlifchet
das Liecht und auch dasFeuer / fo fähret Mercurius mit dem
Schwefel:geifte davon / als gleich warn man eine Kerge außles
ſchet / fo fähret Mercurius mit dem Schwefel⸗geiſte im Todes⸗Ge⸗
ſtancke davon / biß er auch verhungert / eine zeitlang mag er ſich
im
XCp6. ° Rerum | 49
im Syderifchen Leibe / welcher mit außfaͤhret / behelffen wann aber
der Mercurius im Geifte der groffen Welt ſeine Eigenfchafft ver»
zehret und verhungert / alsdann ifts mit dem zeitlichen Leben
gank aus.
25. Dann fo bald das Liecht des Schens- Orchles außliſcht / ſo
füilet der elementifche Leib dahin in die Purrefadtion , als wieder
in das Fiat, daraus erift worden, fo hat dieſe Zeitinder Creatur
ein Ende /das iſt der Tod oder Abſterben / und daraus ift keine
Erledigung oder Wicderfommen/ es bewege fich dann noch ein»
mahl in ihme der himmliſche Göttliche Mercurius , welches doch
auch nicht geſchehen Fan/es ſey dann eine gute Eigenfchafft des
Dehls / als aus Goͤttlicher Wefenheit in ihme geweſen / in derfels
ben Eigenfchafft / fo ver Göttlichen Liebe faͤhig ift / zünder fich
alleinewieder das Liecht an.
26. Danmdie Göttliche Wefenheit/ oder derfelbe himmliſche
Mercurius tranfmutiret das verftorbene Oehl wieder in feines/
und wird deſſen Leben; dann der Auffere Mercurius ‚ der den Leib
hat geführet/ komt nicht wieder / et ift nur eine geitlang ein Spie⸗
gel des Ewigen geweſen: Er wird aber in eine andere Quaal
tranfmuririt/ dann mit feiner Erftidung tritt er wieder in das
Myfterium, daraus erim erſten mitder Welt Schöpffung ift ge⸗
gangen / und der Leib gehet auch in daſſelbe Myfterium.
27. Alfo ſtehets noch zu einer andern Beiwsgung der Gottheit/
als zueinem Scheiden / da das Böfe / darinn der Tod war / vom
Guten gefinieden werde / und das Verbum Fiat das wieder gebe
undherfür bringe / das ihme iſt im Sterben wieder heimgefallen.
28. Dem Medicoift dieſes zu wiſſen / daß in dem allerſtaͤrcke—
ften Mereurio „der am allergifftigſten iſt / die höchfte Tinctur lies
get / aber nicht zu des Mercurii ſelbſt⸗Eigenſchafft / die muß ihme
gebrochen werden/dann feine ſelbſt⸗Eigenſchafft / als vom Centro
an / iſt das angftliche Giffteleben / er hat aber eine andere Eigen»
ſchafft in ſich / alsein Oehl vom Lichte / davon er. alfo ſtarck und
maͤchtig iſt / das iſt ſeine Speiſe und Erhaltung / ſo daſſelbe mag
von ihme geſchieden werden / das iſt eine Tiogirung und cin maͤch⸗
tig Anzuͤnden aller tunckeln Leben /dasift / aller Kranckheiten:
Dann im felben Oehl lieget das freudenreiche geben / und iſt ein
Hunger nach Leben / als daß es das ſchwache anzuͤnde und in die
Höhe führe. |
29. Man wird in einer Kroͤkten oder Matter / oder dergleichere
gifftigen Wuͤrmen oder Thieren die hoͤchſte Tinctur finden / fo
man die in ein olitetiſches Weſen bringet I und den Grimm des
C Mer-
30 DESIGNATURA Can:
AMercurii davon ſcheidet: Dann im Gifft und Liecht ſtehet alles
aͤuſſerliche und innerliche geben / als wir ſinnen / daß GOttes
Grimm und Zorn⸗feuer / eine Urſach der Goͤttlichen Freuden⸗
reich iſt: Alſo auch in gleichen im aͤuſſern zu erkennen iſt / dann
alles Leben iſt ohne den gifftigen Mercurium ſtum̃ und ein Ekel /
und gleich als todt geachtet. —
30. Mexcurius iſt ein Anzuͤnder des Feuers / fo ſtehet alles bes
wegende schen im Feuer / und ob gleich eine Ereatur im Waſſer
wohnete / fo ift Doch das Feuer fein Sehen /als die Gifft-galle /
darinnen der Mercurius das geben führet /aber daffelbe Waſſer
in der Galle iſt eine Gifft / darinnen ein Oehl verborgen ift / in
welchem das Leben im Mercurio brennet und ſcheinet / deſſen haſt
du ein Gleichnuͤß:
31. So in einer Creatur ein ſtarcker gifftiger Mercurius ift /
trockener Art / die iſt ſtarck / kuͤhne und maͤchtig / die hat auch ein
helles Oehl in ſich / ob ſte gleich mager vom Leibe iſt / dann die feu⸗
riſche Eigenſchafft des Mercurii verzehret die waͤſſe riche; So
aber ſein Fettes angezuͤndet wird / ſo gibt es ein helles Liecht:
Vielmehr wird das ſeyn / ſo die waͤſſerige von der Olitetiſchen
Eigenfchafft geſchieden wird.
Das 7. Capittel.
ie Adam im Paradeiß / und Lucifer ein fehöner Enz
gel war / und wie fie durch Imagination undEr:
hebung ſeynd verderben.
PROCESSUS.
x. SIr wollen dem Laboranten welcher ein ernfter
Sucher ift/ nachzufinnen Urfache geben/umd fo er
unfern Sit ergreiffet/fo wird er den edlen Stein
der Weiſen wohl finden/ift er aber von GOtt
darzu erkohren / und ſtehet anderft fein geben im
himmliſchen Mercurio , anderſt ſeynd wir doch ihme Mytterium,
uͤnd wollens im Gleichnuͤß darftellen / am alleroffenbahrlichften/
und doch heimlich.
2. Als Adam im Paradeiß gefchaffen war/hatte erden himmt =
liſchen Mercurium zum Führer, fein geben brannte in einem reis
nen Oehle / darumb waren feine Augen himmliſch / und fein Ver⸗
ſtand übertraff die Natur / dann fein Liecht fehlen im Dchle der
Göttlihen Weſenheit / die Aufferliche waͤſſerichte RUE:
ar
Cap.7. ReruMm y
war in feinem Oehle nicht offenbahr / er war Iliaßrifch) das iſt /
Englife und ward im Sail Cagaftrifch/ das iſt / die waͤſſerichte
in der toͤdtlichen Eigenſchafft ward in ihrem Oehle offenbahr,und
drang durch / alſo ward der Mercutius in ihm ein Angft=gifft/
welcher zuvoren in feinen Dchle cine Erhebung der Freuden⸗
Teich war.
3. Dann der Salnitrifge Schra in der Impreflion in der
Kälte! als nad) Sarurainifcher Eigenſchafft / ward dadurch erhe⸗
bende / und kriegete das Regiment als cine Ealte Gifft / welche i in
der Imprefion des Todes entſtehet / Davon die Finſternuͤßz im
Oehle des Liechts erbohren ward / und Adam des Goͤttlichen
Liechts erflarb ; Zu welchem ihn Dev Teufel durch die Schlange
fuͤhrete / das iſt Durch der Schlangen Eſſentz und Eigenfhafft.
e 4. Dann in der Schlangen war das Reich des Sriunnes /
und auch das auffere Reich offenbahr / dann fte war liſtiger dann
alle Thiere auff dem Felde / unddiefen Sift begehrte Heva / dann
die Schlange beredete ſie dag ihre Augen würden auffgethan
werden / und ſie wuͤrde ſeyn als SOtt / und Boͤſes un Gutes wiffen/
welches auch des Teuffels Wille war) daß er wolte boͤſes wiſſen /
und im Entzůnden zur Wiſſenſchafft im Mercurio verdarb und
finfter ward / dann er gieng in dei feurigen Grund mit der Ima-
gination , nad) feinem Wiſſen / und Adam gieng in den Ealten
Grund in die Impreflion , in die außgebohrne wäfferige Eis
genſchafft im Salniter , da beyde Reiche in der Scheidung fle=
hen / nach feiner Wiſſne und Begierde. Er begehrete den waͤſ⸗
ſerigen Mercurium zu probiren im Schmacke / in welchen die
tödtliche Gift ift / und Sucifer die feurifihe / welche Staͤrcke und
Macht gibt] davon entſtund ihn die Hoffahrt / als aus dem feu⸗
rifchen Mercurio : Aber das Scht der Sanfftinuth der Goͤttli⸗
chen Weſenheit verlieffen fte alle beyde $ucifer amd auch Adanı.
a 5. Nun iſt uns der Schlangen, welche Adam mit ihrer gift
betrog / nachzuſtnnen wie fie gewefen / und was ihre Sift fey / dar⸗
nach Adam und Heva geimaginirct : Warumb fie vom verbot⸗
tenen Baum / derda böß und gut war / geffen / und wie fie daran
den Tod geffen / und wasihr Heyl und Wiederbringung natuͤr⸗
lich und eigentlich ſey / was Boͤſes und Gutes fey / welches die
Eigenſchafft des ewigen Lebens / und dann die Eigenſchafft des
eroigen Todes ſey / was die Cur ſey / damit man die mit Adam
eingefuͤhrte Kranckheit / und denſelben Tod wieder zum zeitlichen
und ewigen Leben bringen koͤnne.
6 Der Leſer habe gcht — Sinn / dann die Macht ihme
dieſel⸗
s2 De Sıcnatura Cop7%
dieſelbe indie Hände zu geben) haben wir nicht / es fEchet alleine
Gott zu: Aber die Pforte fol ihm allyie offen ſtehen / wil er
eingehen / wo aber nicht / ſo huͤlfft ihn der Kitzel nichts.
7. Der Teuffel war ein ſchoͤner Engel / und die Schlange das
liſtigſte Thier / und der Menſch die Gleichheit derGottheit. Nur
ſeynd ſie doch alle drey durch Imagination und Erhebung verdor⸗
ben / und haben von SOtt den Fluch erlanget für ihre falſche Liſt.
8. Alles was ewig iſt / komt urſtaͤndlich aus einem Grunde /
als Engel und Seelen / aber die Schlange nicht aus dem ewigen /
ſondern aus dem Anfange / als wir euch dieſes haben vorne zu
erſtehen gegeben / wie ſich mit Der Entzuͤndung des Feuers im
Salnitriſchen Schraͤcke zwey Reiche ſcheiden / als die Ewigkeit
und die Zeit / und wie die Ewigkeit in der Zeit wohne / aber nur
in ſich ſelber / aber der Zeit alſo nahe ſey / als Feuer und Liecht in⸗
einander find / und doch zwey Reiche machen / oder wie Finſter⸗
nuͤß und Liecht ineinander wohnen / und keines das ander iſt.
9. Alſo iſt uns in gleichem zu ſinnen von dem anfaͤnglichen
gifftigen Mercurio im Zeufei / fo wohl im Menſchen / als auch im
Der Schlangen / wie ein Oehl verderbe / und Doch hiemit nicht
even BGOTZES Welen verderbe / fondern gehet in fich als
ins Nichts / und der creafürliche Mercurius , welcher mit Anfang
Der Ereaiur in der Creatur entjtchet / oder erbohren wird / gehet
aus ſich / das iſt / aus dem Ewigen indie Zeit/ als in Anfang der
Creatur / er begehret nur feiner / das iſt des Anfangs / wil ein
Elgenes ſeyn / und verläftidie Ewigkeit / in welche er mit feiner
Begierde ſollte gantz gefchloffen feyn und feinen Hunger darein
führen/ fo würde feine Gifft-Quaal nicht offenbahr.
10. Denn was nach dem ewigen Nichts als nach der ftillen
ſanfften Freyheit GOttes hungerig iſt / das wird ihm felber nicht
vffenbahr / ſondern es wird inder ftillen Ewigkeit offenbahr /als
in GOtt: Denn werfen der. Hunger ift/deffen ift auch das Weſen
dm Hunger / ein jeder Hunger oder Begierde machet ihm in fich
Weſen / nach des Hungers oder Begierpe-Eigenfchafft.
xx. So machte ihme der Teufel in ſich Finſternuͤß / dann
er gieng mit feiner Begierde in ſich / in die Eigenſchafft des Cen-
tri zur Begierde / und derließ die Cwigkeit / als das Nichts / das
iſt / die Luſt der Liebe: Alſo entzuͤndete er ſich in ſeinem gifftigen
Mercurio, das ift / in den Geſtalten zum Leben in ſich / und ward
ein aͤngſtlicher Feuer-quaal in Finſternuͤß / gleich als ein Holtz
verbrennet / und zu einer Kohlen wird / die nur glimmet und kein
recht Liecht mehr hat / auch kein Oehl oder Waſſer / alſo
ihme
wa Hr Rear Mm 3;
ihme / alfo quellete in feiner felbft-Eigenfhafft nunmehr als il?
feinengebens-Geftalten nur eine ſtachlichte feindige Eigenſchafft
da eine Geſtaltnuͤß die andere anfeindet / und doc alſo erbichret,
12. Ingleichem war auch die Schlange /aber nicht ans ihrer
feldft-Erhebung alfo worden fondern als GOtt ſprach: Es
schen herfuͤr allerley Thier / ein jedes nach feiner Eigenſchafft / ſo
giengen aus aller Eigenſchafft ver Natur / wie die in der Schet⸗
dung offenbahr ward / als ſich SOtt zur Schoͤpffung bewegte 4
herfuͤr Thiere: Dann der Teufel wolte uͤber die Liebe und
Sanfftmuth GOttes heriſchen / und ſetzte feine Begierde auch in
Zorn / das iſt / in die ſtrenge Macht / da das Gifft⸗leben urſtaͤn⸗
det / als ins Fiat der grimmen Eigenſchafft / aus welcher Geſtaſt⸗
nuͤß find Nattern / Schlangen / Kroͤten und andere gifftige Wuͤr⸗
me gegangen / nicht daß der Teufel dieſelben habe gemacht / das
kan er nicht / alleine wie die Begierde in der Impreſſion des Fiats
war / alſo ward auch die Creatur in Böfen und Guten.
13. Dann in der Impreffion des Fiars im Urſtande Des aͤuſ⸗
fern Mercurii, als des Lebens / Das ihme in ſich felber offenbahr
wird /wardie Scheidung /da ih GOtt und die Welt ſcheidet /
als GOtt in Jich / und die Welt aus ſich / alseine Gleichnuͤß des
Ungrumdes / oder ein Spiegel ver Ewigkeit. Allda hat ſich der
innere Grinun / davon ſich GOtt einen gornigen / eyferigen GOtt /
und ein verzehrend Feuer nennet / inänfferen Figuren / als in ei⸗
nem Gleichnuͤß der innern Gebuhrt im Centro offenbahret / als
wie die ewige Luſt / welche er ſelber iſt / die Begierde zur Natur
der ewigen Offenbahrung / erwecket und urſachet / und ich ſelber
in die Begierde einergibt / und den Grimm der Begierde zur
Freudenreich machet.
14. Alſo iſts auch mit der Schlangen Witze: Im hoͤchſten
Mercurio iſt die hoͤchſte fenärffefte Probaaller Dinge: Se giffti⸗
ger ein Ding iſt / je ſchaͤrffer probiret es ein Ding / dan der ſchaͤrfe⸗
feſte Geſchmack und Geruch ſtehet in der groͤffeſten Gifft / als in
einer ſterbenden Quaal / uñ wie ſich das ewige Liecht aus des Vat⸗
ters Schaͤrffe erbiehret / daß es den Schein bekomt / und mit feiner
eigenen Quaal durch die Schaͤrffe aus der Angſt⸗quaal außgehot /
wieder in die Freyheit / als ins Nichts / allda das Liecht von des
Feuers Quaal uñ Eigenſchaft auch eine Begierde wird / welches iſt
Die Begierde der Goͤttlichen Siebe und der Freudenreich / in welcher
Begierde der Mercurius das ewige Wort / oder der Urſtand der
Ewigkeit oder Gottheitrecht betrachtet /und genannt wird.
35. Und daſſelbe Ausgehen vom Ben (verſtehet vom ewigen,
3
magı=
34 De SıcnarurA Cap.7.
magifhen Beift-feuer)ift ein Außgebaͤhren / als des Worts der
Krafft / Farben und Tugenden / und dieſelbe Begierde deffelben
Mercurii oder Worts faſſet auch in fich in Vie Begierde die Krafft/
und machet jie wefentlich /dasift die Sanfftmuth und die Siebe /
welche den Grimm des ewigen Batters / als der ewigen Natur
Begierde mit der Liebe lefchet / und in Freudenreich verwandelt/
allda der Name GOttes von Ewigkeit urjtander.
16. Diefelbe ingefaffete Weſenheit giebet zwo Eigenfchaffe
ten / als cine Dlitetifche / das iſt / himmliſch Weſen / eine Urs
ſache des Liechtes⸗ſcheins; und eine Eräfftige von der Bewegung
der ewigen Impreflion , oder Begierde des Vatters nach der Ge⸗
buhrt des Sohnes / daraus die Göftligye Lufft / als die Krafft
durch den Schein des Liechtes / aus demſelben Liebe-ſeuer auß⸗
gehet / welches der Geiſt GOttes iſt.
17. Alſo auch imgleichen wiſſet dieſes / daß ſich die ewige Liebe
(verſtehet das Weſen als die himmliſche Weſenheit) hat in die
Schoͤpffung mit dem Verbo Fiat eingegeben / des Vatters Zorn /
als die Geſtaltnuͤß der ewigen Natur in die hoͤchſte Freuden⸗
reich zu ſetzen / und Bleichnüffe der ewigen Gebahrung darzu⸗
Stellen / und wo die Natur des Grimmes am fehreften ift erha⸗
ben worden durchs Fiat, allda hat fich auch Die Begierde gegen
Der Freyheit am meiften geeiniget / tom Grimme log zu ſeyn /
und in die Freudenreich zu ſetzen / davon die groffe und tieffe
itine ift entſtanden / aͤuch die edlefte und höchfte Tinctur; vera
ſtehet die Begierde des grimmen Hangers empfühet das jenige
in fich / darnach fie hungert / als die Freyheit / dann es feynd im
Anfang alle Ding gut geſchaffen / auch der Teufel war gut / weil
er ein Engel war / ſo wohl auch die Schlange.
18. Weil aber der Teufel in vie hoͤchſte Feuers-begierde ein⸗
gieng / ſo wieche GOtt aus ihme / als ein Liecht in einer Kertzen
weichet oder verliſchet / ſo lebte er hernach nach ſeiner eigenen
Begierde. Dieweil er aber wuſte / daß in der Schlangen eine
ſolche hohe Tinctur war / und die Schlange aus dem Anfang der
Zeit war geſchaffen / ſo ſchloffe er mit ſeiner Begierde in die
Schlange / und nahm der Schlangen Tindur ein / und fuͤhrete
feine Begierde durch die Schlange gegen den Menfchen / ihn in
Luſt der Schlangen Eigenschaft einzuführen dannder Schlan⸗
gen Tin&ur war von beyden Urſtaͤnden /als aus den toͤdtlichen
Mercuriovom Sterbenim Feuer /als von der Kalte in der Im-
preffion „und dann auch vonder grimmigen. Die kalte Impref-
Gon ift irrdiſch / die urſtaͤndet vom Grimme / als vom Sterben
im
Cap.7. Rerum 55
im Grimme in der Impreſſion: Und die feuriſche urſtaͤndet von
dem lebendigen Gifft des Mercurii, in welcher Eigenſchafft das
Geiſt-leben ſtehet.
19. Alſo ward Adam und Heva inficiret mit des Teufels Bes
gierde durch die Schlange : Als durch irrdiſche toͤdtliche Eigen»
fhafft der Schlangen / und denn geimmige / giftige / lebendige
Eigenſchafft des grimmes GOttes nach des Teufels Eigenfihaffe
ſelber / und ward in feinem Goͤttlichen Dehle [das iſt / in der him̃⸗
liſchen Wefenheit angeftedet.
20. Allda verlofch ihm das Göttliche Liecht / das aus dem Goͤtt⸗
lichen geibe der himmliſchen Weſenheit ſchien: Dann der Fluch
gieng über die Seele. So ift GOttes Fluchen ein Fliehen:
Als / die Göttliche Krafft / welche im Leibe war / wiche in
fich felber in ihr Principium , und ward fein heilig Oehl (darins
nen die Krafft GOTTES hatte gewohnet/ und ein Freuden⸗
reich als das Paradeiß hatte gemachet) ein Gifft: Dann das
irrdiſche Theil nach Ertoͤdung des Waſſers / als die cagaſtriſche
Eigenſchafft ward offenbahr /und kriegete zuhand der Mercurius
als die Kaͤlte in der Todes⸗ geſtalt / das Regiment / da er zuvor im
himmliſchen Mercurio, als in der Goͤttlichen Krafft gleichwie
verſchlungen ſtund. Klo ſtarb Adam in GOtt / und Ichte dem
Tod / da wer Noth / daß ihn wieder gebaͤhre SOtt / und darumb
ward die Schlange verflucht/ das ſie dem Teufel in Gehorfai
gedienet hatte.
zr. Alſo verſtehen wir/wasinder groͤſſe ſten Angſt / als in dem
ſtaͤrckeſten Mercurio verborgen lieget / als ein Oehl / das alle
Kranckheit ringiret aber die kalte Gifft / als die Todes-qunalf
muß alle weg umd in eine fenrige gefeget werden / die des Lichte
begierigift / dann GOtt ſchuff im Anfang alles gut / aber durch
fein Fluchen oder Fliehen wards böfe.
22. Dann als GOttes Liebe⸗Begierde in der auffern Welt
Quaal wohnete/umddie durchdrang/als die Sonne cin ABaffer }
oder das Feuer das Eifen / fo war die auffere Welt ein Para⸗
deiß / und grünete die Goͤttliche Eſſentz durch die irrdiſche / das
ewige Leben durch das toͤdtliche: Als fie aber GOtt verfluchte
umb des Menſchen willen / ſo ward das toͤdtliche offenbahr am
Menſchen / und auch an der Frucht / davon der Menſch eſſen ſoll⸗
te / welche Eigenſchafft zuvor allein am Vaume des Erkaͤntnuͤßes
Gutes und Boͤſes offenbahr war / daran Adam und fein Weib
verſuchet worden / ob ihre Begierde wolte indie Ewigkeit / als in
Bo Weſen eingehen / oder * Zeit Weſen / in das leben⸗
* ꝛige
*8
46 De SıcnaTrura Cap.7
dige oder tödliche Oehle in welcher Quaal der Seelen Beift le⸗
ben / das iſt / brennen wolte.
23. Alſo ward durch GOttes Fluchen oder Fliehen / der himli⸗
ſche Leib verſchloſſen / und der Zorn⸗quaal offenbahr / und lieget
noch alſo verſchloſſen: weil aber der Menſch aus der Ewigkeit /
an einem Theil in Leib und Geiſt geſetzet ward durch den ewigen
Mercurium, das iſt / durch das Wort der Goͤttlichen Krafft / fo
konte Niemand den Gifft:tod auffſchlieſſen / und den tödlichen
Mercurium zerbrechen / und wieder in die LiechtesJuaal / als in
Quaal der Goͤttlichen Freudenreich einſetzen / als nur eben der
— Mexcutius, als die Krafft und das Wort des Lebens
elber.
24. Dann der Schlangen gifftige irrdiſche Eigenſchafft war
in Menſchen offenbahr und raͤge worden / darumb als ſich Got⸗
tes Wort des Menſchen Verderbens erbarmete / uñ ſich ſeiner wie⸗
Der annahm / ſprach er: Des Wetbes Saamen ſoll der Schlan⸗
gen den Ropff zertretten / und du (verſtehet der Schlangen
Gifft oder Feuer) wirſt thn indie Ferſen ſtechen.
25. In dieſem lieget nun der Stein der Weiſen / wie des Wei⸗
bes Saame der Schlangen den Kopff zertrette / Das geſchicht im
Geiſt und im Weſen / zeitlich und ewig. Der Schlangen Stich
iſt GOttes Zorn⸗ſeuer; und des Weibes Saame iſt EOttes Lie»
be⸗feuer / das muß wieder erwecket werden / und den Zorn ditrch⸗
ſcheinen / und dem Grimm ſeine Macht nehmen / und ihn in die
Goͤttliche Freudenreich ſetzen / fo ſtehet die todte Seele / welche
in GOttes Fluche verſchlungen lag / auff / wann der gifftige Mer-
eurius, welcher Gottes Zorn gleichet / mit der Liebe tingiref wird /
fo wird aus der Todes Angſt im Mercurio die hoͤchſte Freuden»
reich / und eine Begierde der Siebe / welche felber wieder Liebes
Weſen in ſich machet / als einen himmliſchen geib aus dem irrdi⸗
fchen / wann der Mercurius in himmliſche Quaal gefezet wird / fo
begehreter nichtmehr das irrdiſche toͤdliche Leben / nicht vier Ele=
menten / fondern nur Eines /da die vier innne verborgen liegen /
gleich als verſchlungen / wie das Liecht die Finfternüß in fich vera
Ichlungen haͤlt / und doch in ſich ift/aber im Liechte nicht orfenbahr/
wie GOtt in der Zeitwohnet / und die Zeit ergreifferihn nicht /
fie werde dann in die Ewigkeit entzuͤcket / daß das Göttliche Liecht
order darinnenin ihrer Quaal ſcheinet / alsdann wird die Zeit
mitihren Wundern in der Ewigkeit offenbagr.
26. Alſo ift auch der Procels der Weifen mit dem edlen Steiner
dieſem iſt nicht näher nachzu ſinnen / als gleishwie Das ewige
- Wort
p m. ®, a
Cop...» Rerım? 3% 7,
ort als der himmliſche Göttliche Mercurius in der Göttliche
Krafft ift Menſch worden / und den Tod ertödtet/ und den Zorn
im Menſchen / alsden Mereurium indie Göttliche Freudenreich
geſetzet hat / da ihme der menfihlicheMercurius der zuvoren inGot⸗
tes Zorn / als in Todes Quaal verſchloſſen lag / wieder mit ſeiner
new⸗entzuͤndeten Begierde / welche nun Glauben im H. Geiſt
heiffet / Göttliche Wefenheit / als Ehrifti Leib in fich gesicht / und
fih in Goͤttlicher Kraft und Sicchte über GOttes Zorn und der
Schlangen Gifft ſetzet / und dem Zornalsder Todes⸗Gifft mie
dem Leben der Goͤttlichen Freudenreich den Kopffgertrittz das
iſt der Zorn war Herz / und im Liecht warder Knecht der nun
mus eine Urfache der Freudenreich feyn / wie uns foldesgant
helle und klar gans offenbahr im mercurialifchen Leben zu er⸗
Finnen ift und gegeiget wird.
27. So mercket nun den Proceßs und finnet ihn mach / thr lie⸗
ben Kinder der Weifen / fo werdet ihr zeitlich und ewiggenug
haͤben / thut nicht als Babel/ welche fig mit dem Steineder
Weiſen kitzelt und tröftet / und fich deß rühmet/ behaͤlt aber einen
groben Mauerſtein / im Giffte und Tode verſchloſſen / fuͤr den
edlen Stein der Weiſen. Was iſts / daß Babel den Stein hat /
und er lieget in Babel noch gantz verſchloſſen? Iſt eben als ob mir
ein Herr ein Sand ſchenckete / das wäre ja meine / ich aber koͤnte cs
nicht einnehmen / und wäre ein arın Mann dabey / und rühmete
mid) Doch der Herrſchafft / hatte alfo den Namen und nichedie
Maͤcht / alfo gehers Babel mit dem edlen Steine der neuere
Wiedergebuhrt in Chriſto Jeſu.
28, In dem holdſehligen Namen JESUS CEHNISTUS
haben wir denganken Proceß inne liegen/was und wie die Wie⸗
dergeburth aus dent Tode ins Sehen fey / weldyes in der Natur⸗
Sprache Elar verftanden wird dannder Name JESUS if
die Eigenfchafft der freyen Luſt der Ewigkeit / welche ih ins Cen-
trum der Gebährerin/ als ins Batters Eigentchaffteinergibet 7
und im Centro in des Vatters Eigenfepafft / alsins Vatters
Feuer zueinem Worteder ewigen Krafft figuriret. Verſtehet?
29. Der Vatter / alsdes Vatters Feuers-Geftaltnäge figu⸗
tiren die Göftlihe Stimme in der Luſt der Freyheit in ich ef-
Sentialiter , das ift/ des Vatters Feuers-Eigenfchafft macht ſich
im Göstlichen Weſen der ewigen Siebe zu einem Mercurioder
Sreudenreich/ dann des Batters Eigenfchafft ift der Feuers⸗
auaal/ und des Sohns / alsder ewigen Luſt Eigenſchafft / iſt dic
Liebe⸗ quaal / und waͤre doch auch Feine Begierde der Liebe / —
Es
sg DE Sıenarura Cap. >;
fie nicht des Vatters Feuer anzuͤndete / und beweglich machte /
als begierlich: vom Feuer entſtehet die Begierde,
30. Dieſe heilige Begierde gebaͤhret der Vatter aller Weſen
durch feinen Feuers⸗quaal / das iſt nun ſein Hertz der Liebe / wel⸗
ches in feinem Feuer den Schein und Glantiz gibet / allda erſtirbet
von Ewigkeit in Ewigkeit der Grimm in des Feuers Eigen⸗
ſchafft / und wird in eine Liebe⸗begierde transmutiret.
31. Mercke alſo / es heifſet der freyen Luſt Eigenſchafft allhie
in des Feuers Eigenſchafft / Chriſtus / das heiſſet in der Natut⸗
ſprache ein Durchbrecher; Dem Grimme feinen Gewalt neh⸗
men ; ein Schein des Liechtes in der Finfternüf > eine Transmu-
ration, Da die Liebe⸗Luſt über die Feuer⸗luſt / als übern Grimm
herrſchet: das Liecht Über die Finfternüß,
32. Allhie zertritt des Weibes Saame/ (verftchetdie freye
Luſt / in welcher keine Quaal iſt) dem Grimme der ewigen Nas
tur / als derewigen Begierde den Kopff/ dann des Fetters Eigens
ſchafft wirdrechtder Kopff genannt / dann es ift die Urſache des
ewigen Lebens / und die Freyheit / als die freye Luft / oder das
Nichts wird recht das Weib genannt / dann im Nichts / als in
der Freyheit aller Miaal / ſtehet die Geburth der H. Drey⸗einig⸗
keit der Gottheit.
33. So gibt num das Feuerr Leben / und die freye Luſt gibt ABes
ſen ins Leben / und im Weſen iſt die Geburth / da der Vatter als
der ewige Grund fein Weſen / als fein Hertz aus dem Ungrunde in
ſich ertichret/ das iſt / aus denn Ungrunde in fich in einen Grund:
Der Sohn wird des Vatters Grund: Alſo bleibet der Vatter in
fich / was feine Eigenſchafft alleine anlanget der Grund der
ewigen Natur: und der Sohn bleibet im Vatter der Grund der
Krafft und Freudenreich / wie ihr an Feuer und Liechte ein Gleich⸗
nuͤß ſehet / und alſo tingiret der Sohn den Vatter mit der Frey⸗
heit] als mit dem Nichts) und der Vatter tingiret das Nichts /
das es ein ewig Leben in ihme iſt / und nicht mehr ein Nichts 4
fondern ein Hall oder Stimme der Offenbahrung der Ewigkeit.
34. Alfo ihr lichen Wellen / merckis allhie was der Grund
fey / wie ihr singiren wollet / firchet wicht den Sohn auffer
dem Battery Damit ihr tingiren wolf / es muß ein Corpus '
ſeyn: Der Schlangen-tretter Tieget vorhin darinnen / danır
nicht auffer der Menſchheit hat des Weibes Saamen der
Schlangen den Kopff gertretten / fondern in der Menſchheit.
Der Quaal der Goͤttlichen Luſt / (verſtehet die Siebe) offen»
hahrse fich durch cine Erweckung in menſchlicher Elſentz / und
mar»
4
Cap. 7. Rerum 54
ward im menfchlichen Schen offenbahr/ und tingirete den Grimme
des Todes mit dem Blute der Böttlichen Tin&ur, allda ward
ausdem Grimme des Todes cine Quaalder Göftlichen Liebe und
Freudenreich / alfo zertratt die Liebe dem Zorn / und der olitefi>
ſchen Gifft tu Mercurio den Kopff / und nahın dem Grimme ders
Gewalt /undfegteden Grimm indichöchfte Freudenreich / allda
ward der Zorn und der herbe Falte Tod in einer feurigen Siebe
ſchaw getragen / da hieß es: Tod wo iftdein Stachel? Höfe
wo ift dein Sieg? Bott feylob der uns den Sieg gegeben hat.
35. So ſtehet nun dem Weifen der da fuchen wil/ gu/ dag er
den gangen Procels mit ver Menfchheit Ehriftivon feiner Er=
Öffnung in dem $eibe feiner Mutter Maria/ biß zu feiner Auf⸗
erfichung und Himmelfahrt betrachte / fo wird er wohl das
Dfingft-feft finden mit dem freudenreichen Geifte/ damitcr mag
tingiren /curiren / und heilen was zerbrochenift / fagenwir mig
Grund der Wahrheit / als wir hoch erkannt haben. Pe:
36. Der Lilien Zeit zu einer Roſen welche wird blühere
im Meyen wann der Winter vergehet / dern Gottloſen
zu einer Blindheit / und dem Sehenden zu einem Liecht.
37. GOtt ſey ewig Danck / der uns die Augen ver⸗
goͤnnet / daß wir dem Baſiliſcus durch ſein gifftig Hertz
ſehen / und ſehen den Tag der Wiederbringung alles
deſſen was Adam verlohr.
38. So wollen wir nun zum kroceſs Chriſti greiffen / und mie
ihme aus der Ewigkeit in die Zeit gehen / und aus der Zeit in die
Ewigkeit / und der Zeit Wunder wieder in die Ewigkeit einfuͤh⸗
ren / und das Perlein oͤffentlich darſtellen / Chriſto zur Ehre?
und dem Teufel zum Spotte: Wer da ſchlaͤffet der iſt blind / und
wer da wachet / der ſiehet was der Meyen bringet.
39. Chriſtus ſprach: Suchet / fo werdet ihr finden] klopffet any
fo wird euch auffgethan. Ihr wiffet dag Chriftus im Gieichnuͤß
von Berwundeten und Samariter andeutet / wie er ſey unter die
Moͤrder gefallen / welche ihn geſchlagen und verwundet / auch
ſeine Kleider außgezogen und davon gegangen / und ihn laſſen
halb tod liegen / bißg der Samariter kam / welcher ihn verband und
Oehle in feine Wunden goß / und ihn in feine Herberge einfuͤhrte.
Das iſt eine offentliche Darſtellung des menſchlichen Verderbens
im Paradis / ſo wohl der Berderbungder Erden im Fluche Got⸗
tes / da das Paradis von ihr wiche.
40, Wiltu nun ein Mazus ſeyn / fo muſtu derſelbe Samariter
C6 wer⸗
co DESıcnarura Cap. 7⸗
ewverden / ſonſt kanſtu das Verwundete und Zerbrochene nicht
heilen: dann der Leib / den du heilen ſolſt / iſt halb todt und ſehr
verwundet / darzu iſt ihm fein recht Kleid außgezogen / daß du den
Mann den du ſolſt heilen / ſchwerlich kenneſt / du habeſt dann des
Samariters Augen und Willen / daß du dadurch anders nichts
ſucheſt als den Schaden des Verwundeten wieder zu bringen.
41. So ftehe / das ewige Wort offenbahrete fich in Adam mit
Goͤttlicher lebendiger Weſenheit / mit dem himmliſchen Mercu-
xio: Als aber das Seelen⸗feuer in Adam durch des Teufels Infi-
eiren den Willenzgeift in Adam vergifftete / und in irrdiſche toͤd⸗
fiche $uft durch der Schlangen Eigenfhaffteinführete/ ſo wich
der himmliſche Mercurius vonder himmliſchen ABefenheit/ das
iſt / der Seelen Wille gieng davon aus mit ſeiner Begierde / und
fuͤhrete feinem Hunger ins irrdiſche tödliche Weſen / als in die
Ehgenfchafft des Falten Mercurii , der da hatte Steine und Er⸗
den gemacht/ diefen wolte Adams Geiſt probiren/ und die Wiße⸗
ne im Boͤſen und Guten haben.
42. Alſo fieng ihn zu Hand derſelbe Mercurius der vier Ele⸗
menten in feine Gifft/ und qualificirrein ihme / und beraubete ihre
der Göttlihen Eigenſchafft / flach und verwundete ihn mit der
Hitze und Kälte/ und machte ihn halb todt / und zoch ihm das
Engels- Kleid aus) als das Kleid im reinen Element/ da die him⸗
liſche Quaal durch die vier Elementa durchdrang / und fie tingi⸗
rete in Adams Leibe / da durffte er kein ander Kleid / dann Hitze
und Kaͤlte waren in ihme als gleichwie verſchlungen / gleichwie
der Tag die Nacht in ihme verfehlungen halt / uͤnd dadurch die
Nacht im Zage wohnet / ift aber nicht offen: alfo giengs mit dem
Menſchen / als ihn der Nacht Eigenschaft und Quaal ergriff /
fo herzfchete fie inihme. Und alſo giengs auch der Erden / als jie
GOtt verfluchte.
43. Wilſtu nun ein Magus ſeyn / ſo muſtu den Verſtand ha⸗
ben / wie du kanſt die Nacht wieder in Tag transmutiren / dann
Die Nacht als der Finſternuͤß Quaal/ift Todes Angſt⸗quaal / und
Des Zuges / als des Lechtes Quaal / iſt das Leben / und ein Schein
im Leben; Dieſen Schein hat Chriſtus in der Menſchheit wieder
angezuͤndet und ven Menſchen in ſich wieder lebendig gemacht:
Wilſtu nun tingiren / fo muſtu das Verſchloſſene / des im Tode
der Nacht verſchloſſen lieget / wieder in den Tagtransmutiren /
dann der Tag iſt die Tinctur, und lieget doch Tag und Nacht in⸗
sinander als Ein Weſen.
44. Nun ſpricht die Vernumſſt / wie fahe ichs an das ichs
thun
Cap. 7 BERN So
thun mag?&o fiche den Proceßs an / wie es GOtt mit der Menſch⸗
eit anfieng / als er dieſelbe wolte tingiren.
45. Chriſtus kam in dieſe Welt in der verſchloſſenen menſch⸗
lichen Geſtalt / und fuͤhrete in den Schluß des Todes / des Lebens
Tinctur, als die Gottheit: Er kam indie Welt als ein Gaſt / in
unſerer armen Geſtalt / Er ward der Unſere / auff daß er uns in
ihme tingirete. Was thaͤte er aber ? Lebete er in Freuden ? Hielt
er ſich als ein Herr ? Nein / er gieng in Tod und ſtarb / und legete
die Nacht⸗quaal in ihme durch uns ab. Wie machte ersaber? Er
nahm unſere Seelen und Leibes⸗Eſſentz an die Göttliche Effeng /
und reiste unſere Eſſentz mit der Goͤttlichen / dag unfere Eſſentz
wieder in die Göttliche Eſſentz mit ihrem Willen und Begierde
eingieng: So ward das himmliſche kiat wieder in der Menſch⸗
heit raͤge / dann die Menſchheit eineignete ſich wieder in die Frey⸗
heit / als in die freye Luſt der Gottheit.
46. Als dieſes geſchach / ſo ward der Menſch Chriſtus verſucht /
wohl viertzig Tage / alfolange als der Erſte Adam im Paradis
einig und alleine war und verſucht ward / da ward ihme die irr⸗
diſche aͤuſſere Speiſe entzogen / ſo muſte die Menſchheit mit ih⸗
rer Begierde von GOttes Weſen eſſen: Allda ward ihm alles dag
jenige dargeboffen / darinnen fich Adam vergaffet/ und darein
imaginiret hatte / and darinnen als im Zode der Nacht gefangen
worden ift/ das hielt ihme jetzt der Teufel / als ein Fuͤrſt dieſer
Welt / in des Todes Eigenſchafft fuͤr / wie ers Adam hatte durch
die Schlange fuͤrgehalten / daran ſich Adam und ſein Weib ver⸗
gafften / und darein mit der Imagination eingiengen.
47. Nun ſiehe / was thaͤte Chriftus/alser ſollte dieſen Kampff
der Probirung ausſtehen / als die menſchliche Effeng ſollte mit
ihrer Begierde wieder in die Gottheit eingehen / und von Gottes
Brod / das iſt / von Goͤttlicher Weſenheit eſſen: Er gieng an
Jordan / und lieg ſich von Johanne tauffen. Womit! Mit Waſ⸗
fer im Jordan / und mit Waſſer im Wort des Lebens / als mit
Goͤttlicher Eſſentz / die muſte unſere ſterbliche Tſſentz in der aͤuſ⸗
fern Menſchheit Chriſti tisgiren / davon der Goͤttliche Hunger
in der menſchlichen Efleng entſtund / daß er begehrte GOttes
Brod zu eſſen: Darumb nahm ihn der Geiſt GOttes / und fuͤh⸗
rete ihn in die Wuͤſten / allda ſtund ihm des Vatters Eigenſchafft
im Grimme durch den Fuͤrſten im Grimme entgegen; Allda
ward ihme GOttes Brod / und auch GOltes Zorn-brod/ nach
des Todes Vegierde / dargebotten / jest ward verſucht / ob nun
nach dieſer Tingirungder Tauffe / die Seele / welche aus des Bag,
C7 terg
62 Der Sıconarura Co”
ters&igenfchaffterbohren und gefehaffen war / wolte wieder in die
Liebe-Begierde / als in das Nichts außer aller Quaal eingehen.
48. Was wird aber dem Mago hierinnen angedeutet ? Mylte-
zium wird ihm angedeutet: wil er mit Chriſto Wunder fyun/
und den verderbten geib tingiren zur neuen Geburth/ ſo muß
er ihn von che tauffen / ſo huͤngert ihn nach GOttes Brod/ und
derſelbe Hunger hat in fich Das Verbum Fiat „als den Werckmei—⸗
fer zur neuen Gebährung / das iſt der Mercurius: ich rede aber
nicht von einer Priefter- Tauffe. Der Künftler folls magifch ver»
ſtehen es mug GOtt und Menfch zuvoren wieder zuſammen
kommen / che du tauffeft 7 wie in Chriſto geſchach / die Gottheit
gieng vonche wieder in die Menfchheit/ aber die Menfchheit Forte
fe fie alfobald nicht ergreiffen / big fie durch Die Tauffe gereißet /
und der Hunger / als der erſtorbene Mercurius in der menfchlis
chen Eſſentz / am himmliſchen Theil wieder erraget ward: Da
gieng das menfchliche Effen wieder an / als der Mercurius wieder
Goͤtkliche Eigenſchafft und Willen empfieng/ ſo aß der innere
Mercurius (verſtehet menſchliche Eigenſchafft) im Geſchmack des
Goͤttlichen Wortes / wieder von GOttes Weſen / und die vier
elementiſche Eigenſchafften / aſſen von der Nacht Eigenſchafft /
alfo lange big der menſchliche Mercurius fein Leben empor
ſchwang / und die vier Elementa in eins transmutirete, und das
Leben den Tod tingirete, welches am Creutze geſchach. So gien⸗
gen die vier Eigenſchafften von ihme / das iſt / Er ſtarb der Zeit /
als der Nacht ab / als den vier Elementen / und ſtund auff dem
reinen Element / und lebte der Ewigkeit.
49. Dieſen Proceſs ug der Magus auch halten mit ſeinet Al-
ehimi ‚ fragſtu wie ? Ich gebe dirs wohl nichtgar ins Maul / we⸗
gen des Goftlofen/ der es nicht wehrt iſt. Mercke nur auff die
Zauffe/ daß du den erſtorbenen Mercurium, der in der himmli⸗
ſchen Weſenheit verſchloſſen / und in Onmacht lieget mit ſeiner
eigenen Tauffe taͤuffeſt / deſſen Weſen er in einem Dinge iſt / du
muſt aber fein Goͤttlich Waſſer haben / und auch das Irrdiſche⸗
dann der irrdiſche Mercurius kan ehe das Goͤttliche nicht anneh⸗
men / der Goͤttliche Mercurius empfahe dann ſeine Krafft / davon
er raͤge und hungerig wird / alsdan ſuchet der hinnnliſche / und
findet aber nicht Goͤttlich Weſen umb ſich zu feiner Speiſe / fo
ſetzet er ſeinen Willen durch die Begierde des Todes in ſich / als
ins Verbum Fiat, das ihn gemacht / und aus ſich erbohren hat /
und hungert ihn daſſelbe / ſo eineignet ih GOttes Weſen in ihn /
und wil in ihme zur Freudenreich werden. |
50 Alla
Cap.7. Rerum 63
so. Allda entflehetder Anfang des neuen Seibes ausder Goͤtt⸗
lichen Wefenheit/ weichen die Begierde auffgeucht / und wann
das neue Leben erbohren wird als der Tag / fo fterbendievier E⸗
lementen: Alsdann lieget der neue Leib im finftern Tode vers
fhloffen / und am dritten Tage fichet ervom Tode auff, Danız
die Nacht wird im Grabe verfchlungen / alsdanngehet die Mora
gen⸗Roͤthe auff: Verſtuͤndeſtu dieſes / fo yätteftu das Perlein.
5x. Aber mein Vornehmen iſt anderſt: Ich wil dir Chriſtum
darunter weiſen / und auch diß Perlein / darumb ſols keiner fin⸗
den / ohne der Chriſtum lieb hat.
52. Du ſageſt: Nenne mir die Tauffe / und ich hab dir ſie ſchon
genannt. Ein jeder Hunger iſt cine Begierde nach feiner Eigen⸗
ſchafft: Gibſtu aber dem Hunger des Todes wieder des Todes
Eigenſchafft ſo waͤchſt der Tod: gibſtu ihm aber Himmlifche Ei>
genſchafft / ſo nimts der Tod nicht an / dann die Hoͤlle iſt wider
den Himmel / ſo muſtu dem Tode den Tod und Zorn GOttes ge⸗
. ben und in demſelben Zorne / gib ihme himmliſch Weſen / als die
Tauffe / ſo wird die Tauffe den Tod im ſich verſchlingen / alsdann
ſtirbet der Zorn im Tode durch die Tauffe / aber nicht balde / du
muſt von ehe den Proc ſs Chriſti halten / und muſt den Getauff⸗
ten laſſen predigen / das iſt / mit ſeiner eigenen Goͤttlichen Ge⸗
ſtaltnuͤß und Farben laſſen blicken / ihn hefftig verfolgen und pla⸗
gen / und keine Ruhe laſſen / dann alſo wird der rechte Mercurius
wuͤrckende.
53. Wann nun er hat laſſen alle ſeine Wunder durch den
alten Adam ſehen / alsdann fo muſtu den Alten und Neuen Men⸗
ſchen in GOttes groſſen Zorn werffen / und den Alten toͤdten / ihn
ventiliren / und an die Lufft ans Creutze hangen / und wieder ab⸗
nehmen / und in die kutrefaction liegen / als ins Grab. Allda
wird Chriſtus vom Tode auffſtehen und ſich ſehen laſſen / aber nur
die feinen kennen ihn / er gehet alſo in himmliſcher Geſtalt / bißg⸗
weilen auch in ſeiner eigenen umb / biß ans Pfingſtſeſt / dann
allhie wird nun an ihme verſucht die hoͤchſte Vollkommenheit / ob
er nun wil in Engels Geſtalt beſtehen / und allein eſſen von Goͤtt⸗
lichem Weſen / und aͤlsdann komt der heilige Geift / und gehet
mit ſeiner Krafft aus dem gantzen Corpore, aus Leib und Seele
aus / der tingiret alsdann das erſtorbene und zerbrochene / wie am
Pftngſttage zu ſehen / da S. Petrus mit ſeinem himmliſchen
Mercurio 3000 Seelen auff einmahl cingirete / und aus dem Tode
aufloͤſete. *
54, Lieben Sucher / alhierinnen lieget dns Perlein / ui
n
64 DESIGXATURA Cap.
Das Univerfal, fo föntetihr auch tingiren wie &. Petrus: aber
ewer geigiger Tod hält euch auff undverfchloffen. Dieweil ihe,
nun Geis und zeitliche Ehr in Wolluſt ſuchet / euch damit inder
Nacht Eigenſchafft zu gebaͤhren / ſo verbirget ftch auch das Perlein
für euch. Jedoch wird der Tag wieder ſcheinen / wann der
grimme Zorn GHDttes wird im Blute der Heiligen er:
füllet / gefänfftiget und ein tiebesgeben werden: Und die
Zeit iſt nahe.
PROCESSUS.
55 E In jedes Geſchlechte haͤlt ſich in ſeiner Gebaͤhrung und
Fortpflantzung zu dem ſeinen / das Maͤnnlein zum
Weiblein / und das Weiblein zum Maͤnnlein. Nun ſprach aber
GoOtt zu Adam und Heva nach dem Falle / des Weibes Saamen
ſoll der Schlangen den Kopff zertretten / er ſagte nicht des Man»
nes: hierinnen lieget die Tauffe der Natur / das Maͤnnlein hat
den Feuer⸗Geiſt / und das Weiblein den Waffer-Geift zur Tin-
ctur, ſo iſt aber Mercurius ein Feuer⸗leben / und macht ihme ei⸗
nen Leib nach ſeinem Hunger und Begierde / ſo iſts nur umb das
zu thun mit dem Anfange / dag man dem Feuer-hunger / eine liebe
Jungfraw aus ſeinem Geſchlechte zum Genoſſen gebe / auff daß
ſein grimmig Hunger in eine Liebe verwandelt werde / alsdann
moͤgen ſie beyeinander in ihrem eigenen Ehebette ſchlaffen.
56. Nun iſt der Teufel ein Feind der Ehe / der komt alsdañ mit
freuden-Begierde / und ficht dieſe Ehleute an / er darff ihnen aber
mit der Handt nichts thun / ſondern mit einer falſchen Sreuden=
begierde plaget er fie / ſo ſie aber ihre Begierde in ſeinen PWillen
ſetzen / und daß ſeine Begierde ſie uͤberwindet / ſo werden die
zwey einander gram / und gebaͤhren ein falſch Kind / dann Chris
ſtus ſprach: Ein boͤſer Baum bringt boͤſe Fruͤchte / und ein guter /
gute Fruͤchte.
57. Darumb fſoll ſich der Kuͤnſtler vor fremden Zorn huͤten /
und Doch den zweyen Eheleuten Creutze zurichten / dann er iſt ihr
Feind und Freund / auff daß die zwey in ihrem Ehebette in ihrer
Libe / ihre Begierde zu GOtterheben / und alſo mit ihrer Begier⸗
de GOttes Weſens in der Begierde ſchwanger werden / alsdann
werden ſte in ihrer Vermiſchung ein ſolches Kind machen / das
werden ſie (verſlehet die Mutter / als das Weiblein) in ihrem
Bauche auffziehen / biß es zeitig wird.
58. Ir deſſen ſoll ſich die Mutter huͤten / dag ſie auſſer —
>
1;
Ep F’ RERUM 65
Ehegatten feine Liebe zu einem andern trage / auch nicht in fremde
Dinge imaginire / ſonſt macht fe dem Kinde ein Anmahl. E$
muß nur fchlechts in einer Liebe geblichen ſeyn / big Daß das Kind
vollkommen werde nach feinem Leibe / weiches gefihicht am vierd⸗
ten Monden: Jedoch nach deme die Eltern einer Eigenſchafft
ſeynd / alsdann hebt ſich im Kind in der Eſſentz Streit und Wi⸗
derwillen an / wann das Kind ſoll ſein Seelen Leben bekommen:
So gehet aber die Eſſentz im Ringen / ſo muß der Kuͤnſtler der
feclifchen / als des Feuers Eigenſchafft zu huͤlffe kommen / biß der
Seelen⸗geiſt fein Leben bekomt / alsdann laͤſt er ſich in des Wei⸗
bes Geſtalt und Glantz ſehen / ſo meynet der Kuͤnſtler er habe das
Kind / es ſey gebohren: aber es gehoͤret noch eine Zeit darzu / biß
Die Seele ſtarck wird / alsdann laͤſſet ſie ſich im rothen und weißen
Roͤcklein ſehen.
59. Aber esift noch ein wunderlicher proceſs dahinter / wann
das Seelen⸗Leben erbohren wird / ſo wirfft die neue Seele / das
vegetabiliſche Leben der Eltern / (welches dem Leibe und der El⸗
tern Vegita iſt angeerbet / darinnen der Leib des Kindes gerann
und wuchs biß zur Seelen Zeit) hinweg / und ſtirbet das Leben
der vier Elementen / und gehet das Leben im Element auff / ſo iſt
das Kind im finſtern Tode verborgen / ſo meynet der Kuͤnſtler es
ſey todt / aber er ſoll Gedult haben biß das Kind gebohren wird.
Eigentlicher Proceſs in der Figurirung des
magiſchen Kindes.
60. G Hrifti Sauffauff Erden iſt ein warhafftig Fürbild/ wie
er das neue Kind in Mutter-leibe nach der Empfaͤngnuͤß
( wie oben gemeldet ) genehret werde / und ein vegerabilifch Leben
bekomme und auffwachfe / biß zur Zeit des rechten Seelen und
Geift-lebeng / und wie das Kind aus der Eltern ETent entſtehet /
und in Anzündung des rechten / als feines eigenen Lebens / der
Eltern Vegira und Würden wegwerffe / und wie eineigen Ge⸗
wächfe / als eine neue eigene Wuͤrckung / nach des jetzt neuen ent⸗
zuͤndeten Geiſtes Eigenſchafft entſtehe / da das Kind edler wird
als ſeine Eltern / verſtehet nach ihrem aͤuſſeren Leben.
6r. Es moͤchte aber ein grober Sophift über vi Büchlein kom⸗
nen / und fremden Verftand fchöpffen / in deme ich ſchreibe von
einer Seelen in dem vegerabilifchen Leben / der ſoll wiſſen / daß
wir nicht in Metallen / Steinen und Kräutern / das Bilde Got⸗
tes verfichen / das in eine Gleichheit nach GOtt — J—
en⸗
66 DESIGNATURA Cap.7.
ſondern wir verſtehen die magiſche Seele / wie ſich die Ewigkeit /
als die Gottheit in ſeiner Gleichheit / nach dem Model der Weiß⸗
heit / in alle Dinge einbildet / und wie GOtt alles erfuͤllet / fo
perfichen wir Summum Bonum, den guten Schatz der in der
aͤuſſern Welt Weſen / als im Paradiß verſchloſſen lieget.
62. Als Chriſtus in feiner Kindheit / in menſchlicher und in
Goͤttlicher Eigenfchafft suffwuchs / biß er zwölf Jahr alt war
gienger mit Maria feiner Mutter auffs Feſt zu Serufalem/umd
begab fich in den Zempel unter die Schrifftgelehrten / fragte fie /
und hoͤrete ihnen zu und gab Antwort auff die Fragen der Ges
Ichrten: Alsaber fine Eltern wieder heimgiengen / und meyn⸗
ten er waͤre unterden Gefchrten / fo blieb er fuͤrſaͤtzlich dahinden
bey ven Gelchrten / und folgte nicht dem Fürfage feiner Eltern /
fondern dem Göttlihen Willen / biß fie wieder zu ruͤcke kamen
und ihn ſuchten / und als feine Mutter zu ihm ſagte: Mein Sohn /
warumb haſtu uns das gethan? Siehe / dein Vatter und ich ha⸗
ben dich mit Schmertzen geſuchet / ſo ſprach er: Was iſts daß ihr
mich geſucht habt / wiſſet ihr nicht daß ich ſeyn muß / in dehm das
meines Battersift ? Und er gieng doch mit heim / und war ihnen
unterthan.
63. In dieſer Figur haben wir das Bilde der innern und aͤuſ⸗
fern Welt Willen / wie die ineinander / und wider ein ander /
und doch eins ſind / gleich wie in Chriſto zwey Reich offenbahr
waren / eines wuͤrckete in GOttes Willen / und brach den aͤuſ⸗
fern Welt: Willen feiner Eltern / in deme Chriſtus wider ſeiner
Eltern Willen dahinden bliebe / darüber ſie bekuͤmmert worden/
welches der Göttliche Wille in Ehrifto wohl wnfte ; und das ans
der Reich / als feiner Eltern Willen) brach den Göttlichen Wil⸗
len / daß er mit ihnen heim gieng/und war ihnen nach ihrem Wil⸗
ken untertham.
64. Diefe Figur geigetdem Mago an) daß er in ſeinem Bors
haben / welches er gedencket zu zwingen / wird zween Willen fin⸗
den: Einen der ihme nicht wird unterthänig ſeyn / als der Goͤtt—
liche Wille / und fo ich fein felbft=eigener Äufferliher Wille wird
sccht drein ſchicken / und wird nur das liebe Jefulein mit Marin
mit Vegierde und Schmergen ſuchen / und nicht irrdiſche Wols
luſt / fo wird ihme der Böttlihe Wille umterthänig werden /
and mit ihme heim gehen / und ſich laffen brauchen nach feinem
Gefallen.
65. Zum andern zeigets ihme an die zweyerley Würdung
und Willen in allen Dingen / und fo er wil ein Magus ſeyn / er
£ 14
2 in
Cap. 7: REerun. 67
der guten Eigenfhafft Willen und Wefen nach feinem Willen]
aus dem inner ins auffere Echren/ daß er zuvoren muß des inte
nern / als des Böttlihen Willens fühig ſeyn / fonft mager den
innern Willen nicht ins Auffere transmuriren / gleich wie Chris
ſtus nicht feiner Mutter äufferlichen Willen gchorfam war/ biß
fie ihn mit Schmertzen ſuchte / und ihren Willen in GOttes
Willen einmwandt/und in feinem Erbarmen mit GOttes Willen
rang; wie Jacob die gange Nacht / big ihn der Herz ſeegnete /
fo ſprach GOtt zu ihme: Du haſt mit GOtt und Menſchen ges
rungen / und haſt obgelegen oder geſieget.
66. Alſo ſoll der Magus auch wiſſen / daß er feinem Fuͤrhaben
nicht erſt doͤrffe den rechten Willen zur Bollkommenheit von auſ⸗
fen einpflantzen / er iſt vorhin ſchon in allen Dingensallein er muß
nur einen Goͤttlichen begierlichen Willen nach des Dinges Ei⸗
genſchafft / in das Ding damit er wil handeln / einfuͤhren / der
mit dem Goͤttlichen Willen ringet / wie Jacob / und den einge⸗
fuͤhrten Willen gegen Gottes Willen ſeegnet / daß ſich der Goͤtt⸗
liche Wille in den Hunger oder gegen-Begierde einergebe / und
den unvollkommenen Willen / der gegen ihme in ſein Erbarmen
eindringt / vollkommen machet / alsdann heiſt es / du haſt mit
GoOtt gerungen / und biſt obgelegen: fo bekomt dein Fuͤrnehmen
einen transmutirten Leib der Da himmliſch und irrdiſch iſt.
67. Das mercke / es iſt der erſte Anfang zur Tauffe / alſo biſtu
geſchickt zum tauffen / und anderſt nicht / du tauffeſt ſonſt nur mit
Waſſer der aͤuſſern Welt / aber der rechte Magus tauffet mit
aͤuſſern und innern Waſſer. Wann er eine rechte Goͤttliche Be⸗
gierde in ſich hat / foift GOttes Willen in feiner Tauffe das erſte
glimmende Moder im Mercurio, daß das Leben den Tod anzuͤn⸗
det / als den in Tod geſchloſſenen Mercurium, daß er Goͤttliche
Begierde krieget / alsdann hebet der Mercurius an nach Goͤttli⸗
chem Weſen zu hungern / und thut ſein erſt Wunderwerck / und
macht das Waſſer zu Wein / wie Chriſtus nach ſeiner Tauffe
taͤthe / das iſt in dem todten Corpore die erſte Tingirung in Krafft
der Tauffe / daß die Vegita oder das wuͤrckliche Leben eine andere
Eigenſchafft bekomet / als einen Hunger der Liebe / damit ſie ih⸗
ren Braͤutigam / als den Feuer-quagal hertzet / daß er in ihrer
Siebe entzündet wird / und feinen kalten todes-⸗Grim̃ und Willen
in einen feurigen Liebe⸗willen verwandelt / ſo wird aus dem toͤdli⸗
chen Waſſer ein Wein / eine Schaͤrffe eines Feuers und Waſſers
Geſchmacks / aus welchem endlich ein Oehle zu einer andern Tauf⸗
fe wird/durch des Kuͤnſtlers Arth / alles nach deme er im V —
Di
53 DESIGNATURaA Cap. 7.
iſt / und feinen Anfang nimt; nach deme der Magus die Jungfrau
dem jungen Befellen zugelegt hat / ſo wird Chriſtus als der Braͤu⸗
tigam mit ſeiner Braut in die Wuͤſten gefuͤhret / und vom Teufel
verſuchet.
68. Allhie iſt die Proba, da der Kuͤnſtler von GOtt probiret
wird / was er mit ſeiner Tauffe fische / dann allhie iſt der Stand
im Paradis / ob der Braͤutigam nicht zu boͤſe fey/dann die Jung⸗
frau wirfft ihre Liebe in ihn / und verſuchet ihn. Nimt er die mit
Begierde ans und gibt feinen Willen drein / ſo gibt ſie ihm ihre
Hertz und Willen zur eigen: Das ift / die himmliſche Tinctur, dit
gibt ſich in die Fin Zorn GOttes entzůndete (als in Fluch der Er=
den / da ſie SOtt verfluchte) als in den in Tod eingeſchloſſenen
Mercurium, welches der Braͤutigam iſt. Dei des Weibes Gans
me / als die himmliſche Tinctur muß der Schlangen / als dem in
Todes Eigenſchafft gifftigen Mercurio, den Kopff zertretten / und
ſeine Gifft in Wein verwandeln / alsdann nimt die Jungfraw
den Saamen des Brautigams in ſich / und che nicht.
609. Die Wuͤſten iſt der irrdiſche aͤuſſere Leib da der Mercurius
verſuchet wird / wann der Teuffel vor dein Mercurio ſtehet und pla⸗
get ihn / und er greiffet ihme in ſeine feurige Eſſentz / ſo muß ihme
die Jungfrau zu huͤlffe kommen / und ihme ihre Liebe geben; iſts
nun / daß der Mercurins von der Jungfraͤuli⸗hen Liebe iſſet / das
iſt GOttes Brod / ſo mag er vor dem Teuffel beſtehen / und tretten
endlich die Engel zu ihme und dienen ihm: Den Teuffel wird der
erleuchtete Magus wol verſtehen / wer der ſey.
70. Hiemit mag der Magus in der Verſuchung / weil die gantze
Ehe in des Teuffels Verſuchung ſtehet / acht auff ſein Fuͤrhaben
geben / wo nicht nach viertzig Tagen die Engel erſcheinen /
fo ift fein Fürhaben umbſonſt / darumb fol er aber zuſehen /
daß er nichteinen zugrimmen Teuffel laffe verſuchen / und auch
nicht einen zufchwachen/ das der Mercurius leichtfertig werde /
un begehre in feiner eigenen giftigen Todes-Eigenfchafft zu bleie
ben / und verſchlinge die Tauff als ein Wolff / und bleibe der alte,
71. So bald er die Geſtaͤltnuͤß der Engel ſihet / fo führe er
Chriſtum auß der Wuͤſten / und laſſe den Bräutigam wieder ſei⸗
ne eigene Speiſe eſſen / und ſchaffe den Teuffel ab / daß er ihn
nicht mehr plage / alßdann wird Chriſtus viel Wunder und Zeis
chen thun / deſſen ſich der Kuͤnſtler wird verwundern und erfreuen.
72. Allda hat er nichts zu thun / die Braut iſt im Braͤutigam /
ſie ſeynd ſchon ehlich / er darff ihnen nur das Bette zu richten / fie
werdens ihnen wohl ſelber waͤrmen: der Braͤutigam N. er
rau
TE
a2
⸗
8
Cap. 7. Rerum 65
Braut / unddie Brautden Bräutigam / das ift ihre Speiſe und
Zeitvertreiben/ big fie ein Kind zeugen: oder aber wilder Kuͤnſt⸗
ler ja fo fleiſſig ſeyn und den zwey Ehleuten das Bette waͤrmen /
fo fehe er ja und erzuͤrne fie nicht in ihrer Siebe / was er anfühet
das muß er treiben s alleineder Braͤutigam ift wunderlich / Er
hat immer zweyerley Willen / als einen irrdiſchen Hunger nach
GOttes Zorn / undeinen Hunger nach friner Braut / fo mug
man ihme immerdar feiner eigenen irrdiſchen Speife geben / aber
nicht in feinen Bauch / ſondern maziſch / dag er nur feinen Wil—⸗
len-hunger ſtille: Seine Speife iſt feine Mutter die ihn erbiehret /
wie forne gemeldet.
73. Summa / das gantze Werck / davon man fo wunderlich viel
redet / ſtehet in zweyen Dingen / in einem himliſchen und in einem
irrdiſchen: Das him̃liſche ſoll das irrdiſche in ſich zu einem him̃li⸗
ſchen machen / die Ewigkeit ſoll die Zeit in ſich zur Ewigkeit ma—
chen; der Kuͤnſtler ſuchet das Paradiß / findet ers / ſo hat er den
groſſen Schatz auff Erden / aber ein Toder wecket den andern
Todten nicht auff / der Kuͤnſtler muß lebendig ſeyn / wil er zum
Berge ſagen / Hebe dich / und ſtuͤrtze dich ins Meer.
74. Wann ſich die Leibwerdung des Kindes anfaͤhet / fo faſ⸗
ſeſts erſtlich Saturnus, fo iſts finſter und unwerth / und wird ver⸗
ſpottet / daß ein ſolche Geheimnuͤß in ſolcher albern Geſtalt ver⸗
borgen lige: da gehet Chriſtus in einer einfaͤltigen Geſtalt auff
Erden / als ein Gaſt / und hat nicht in dem Saturno fo viel Raum
und Eigenes / da er ſein Haubt hinlegte / er gehet als ein Fremder /
als waͤre er allda nicht daheim.
75. Nach deme faſſets der Mond / da werden die himmliſche
und irrdiſche Eigenſchafft vermenget / und entſtehet das vegetabi⸗
liſche Leben: ſo frewet ſich der Kuͤnſtler / aber es ſtehet allhie noch
in Gefahr.
76. Nach dem Monden faffets Iupiter, der macht einen Ver⸗
fand im Mercurio als ein leiblich Wohnhaus / und gibt ihme ſei⸗
nen guten Willens und in dem lupiter wird fein vefchloffen Leben /
als der Mercurias, lebendig / der faffets mit feinem Rade / und
treibets big in die höchtte Angft; fo ergreiffets Mars , und gibt dem
Mercurio die Seele) und im Schracke des Martis entzündet fich
Das höchfte Leben / und ſcheidet ſich in zwey Weſen / als auf der
Liebe in einen Leib / und auß dem Feuer in einen Geiſt: So ſincket
der Liebe Leben im Feuerſchracke unter ſich / und laͤſſet ſich ſchoͤne
ſehen / aber es iſt Venus ein Weib / ſo dencket der Kuͤnſtler er habe
den Schatz: aber der hungrige Mercutius verſchlinget die Venus
in
70 De STIGCNATURA Cam.
in ſich / ſo wird auß dem Kind cin ſchwartzer Rabe / fo angſtet
Mars den Mercurium in ſich / biß er ſchwach wird / und ergibt ſich
Dem Tode: So gehen die vier Elementa von ihme auß; alßdann
nimt die Sonne das Kind in ihre Eigenfchafft/ und ſtellets dar
in einem Jungfraͤulichen Leibe im reinen Element: dann in Mar-
tis Eigenſchafft zuͤndet ſich das Liecht an / ſo iſt das rechte Leben
gebohren / und ſtehet im reinen Element / kein Zorn noch Todt kan
das zerbrechen.
77. Wunderlich iſts vor den Augen der Vernunfft / daß Gott
einen ſolchen Procefs mit der Wiederbringung dee Menſchen in
Chriſto gehalten / daß er fich in folcher armſehligen und verachten
Geſtaͤlt hat in Menſchlicher Eigenfhafft offenbapret/ und fich
laſſen verfpotten / hoͤhnen / geißlen / creutzigen und tödten/ hat
ſich laffen begraben / und iſt auß dein Grabe aufferftanden / und
hat wohl viertzig Zage auff Erden gewandelt/ nach feiner Auffer=
ſtehung / che er iftin fein unfichtbahr Reich eingegangen.
73. Die Bernunfft iftalfe blind / dag fienichts von der ewi⸗
gen Gebuhrtverfichet: Sie weiß nichts vom Paradig/ wie Adam
im Paradig gewefen / und wie er gefallen / und was der Fluch der
Erden ſey. So ſte das verſtuͤnde / fo wäre ihr der ganze Proceſs
offenbahr: wie die ewige Gebuhrt in ſich ſelber iſt / alſo iſt auch
der Proceſs mit der Wiederbringung nach dem Falle / und alſo
iſt auch der Proceſs der Weiſen mit ihrem Steine Philofophorum,
es iſt kein Punct im Unterſcheid darzwiſchen / denn es iſt alles auß
der ewigen Geburth geurſtaͤndet / und muß alles eine Wieder⸗
bringung auff einerley Weiſe haben.
79. Darumb ſo der Magus wil das Paradiß im Fluche der Erden
wieder fischen und finden / ſo muß er erſtlich in der Perſon Chris
ſti einher gehen / GOTT mug in ihme / verſtehe im innern
Menſchen / offenbahr ſeyn / dag er das Magiſche Sehen hat
er muß mit ſeinem Fuͤrhaben umbgehen / wie die Welt mit
Chriſto gethan hat / ſo kan er das Paradiß finden / da kein Todt
innen ift..
80. Iſt er aber nicht felber inderfelbigen Gebuhrtder Wieder⸗
bringung / und gehet nicht ſelber in dem Weege / darauff Chriſtus
auff Erden gieng / daß er alſo in Chriſti Geiſt und Willen einher
gehet / ſo laſſe er das Suchen nur bleiben / er findet nichts als
nur den Todt und Fluch GOttes / melde ich ihme treulich / dann
das Perlein / davon ich ſchreibe / iſt Paradiſiſch / das wirfft Gott
fuͤr keine Saͤwe / ſondern gibts ſeinen Kindern zum Liebe⸗ſpiel.
8x. Und ob wohl an dieſem Orte möchte alfo viel en
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y
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Cap.8} Rerum Sr
den / daß die Vernunfft offene Augen bekäme/ fo iſts doch nicht zu
4
thun / dann der Gottlofe würde dadurch nur ärger / und hoffaͤr⸗
tiger: darumb weiler des Paradifes nicht werth ift / auch nicht
darein kommen Fan) fo wird ihme auch kein himmliſch Kleinod
gegeben / und darumb verbirgets GOtt / geftattet auch dehme
nichts davon zu redenals magifch / dehme er esoffenbahret / dar⸗
umb kommt Feiner dDarzu/er werde dann felber ein Magus inChri⸗
ſto / das Paradiß ſey dann in ihme im innern Menſchen offen»
bahr / ſo mag ers finden/ fo er aber darzu gebohren und von GOtt
erkohren ift.
Dass. Capittel.
Vom Sulphurifchen Sude der Erden: Wie das Wach:
fender Erden fey / und auch die Scheidung der Ger
ſcchlechte: Eine offene Pforte der werfen Sucher.
x. Er $efer betrachte nur das / was vornen vom Cen-
troder Gebährung aller Weſen geſchrieben iſt / ſo
kan er allhie leichtlich fort kommen. Alles das was
corporlich iſt / es ſey ein Geiſt oder Leib / das ſtehet
in einer Sulphurifigen Eigenſchafft / der Geiſt in
ſolcher geiſtlichen / und der Leib auß dem Geiſt in einer ſolchen
corporlichen Eigenſchafft.
2. Dann alle Ding ſeynd von dem ewigen Geiſt geurſtoaͤndet /
als ein Gleichnuͤß des ewigen: das unſichtbare Weſen / welches
Gott und die Ewigkeit iſt / hat ſich in feiner eigenen Begierde in
ein ſichtbares Weſen eingefuͤhret / und mit einer Zeit offenbah⸗
ret / alſo daß er ſey in der Zeit als ein Leben / und die Zeit in ihme
als ſtumm. Gleich wie ein Meiſter wit feinem Werckzeuge fein
Werck macht / und der Werzeug ift am Meifter ftumm / und
ift doch das Machen / der Meifter führet das nur:
3. Alfo feyndalleDing in Ziel Maaf und Gewichte nach
der ewigen Gebährung eingefchloffen/ die lauffen inihrer Wuͤrc⸗
tung und Gebährung nach der Emigfeit Recht und Eigenfchafft/
amd Aber dieſes groffe Werd hat Gott nur einen Einigen Mei⸗
fer und Schniger geordnet] der das Werd Fan allein freiben /
Dasift fein Ambtmann /alsdie Seelder groffen Welt / darinnen
alle Dingligen/als die Vernunfft. Uber diefen Ambtmann hater
ein Bilde feines gleichen auß ihme geordnet / der dem Ambtmann
ſuͤrmodelt was er machen ſoll: Das iſt der .. *
Ot⸗
77 De Sıcnartura Cap.®!
Gottes eigen Regiment / damiter den Ambt⸗maun regieret.
4. So zeiget nun der Verſtand dem Ambtmañ was jedes Dinges
Eigenſchafft ſey / wie die Entſcheidung und die Gradus auß einan⸗
der gehen / dañ im Snlphurifchen Leibe ſtehen und ligen alle Dinger
und Mercurius iſt des Sulphars Leben / und das Saltz iſt die Im-
preſſion, daß das Corpus nicht zerftäubet) daß der Seift in ei⸗
nem greifflichen Weſen erkannt wird. Des Mercurii Eigenfchafft
ift indem Sulphur , gleich als ein Sieden eines Waſſers / der Sui-
phur ift daſſelbe Waſſer / parinnen der Mercurius ſeudet / und
macht immerdar zwo Geſtaltnuͤß auß dem Waſſer / als eine Oli⸗
tetiſche lebendige /auß der Freyheit der Goͤttlichen Krafft Eigen⸗
aa und eine tödliche / auf der Zerbrechung im Feuer im
Salnitriſchen Schracke.
5. Die olitetiſche iſt in Steinen / Metallen / Kraͤutern /
Baͤumen / Thieren und Menſchen; und die Toͤdliche iſt in der
Erden / im Waſſer / im Feuer und Lufft: alfo iſt die Oliteti⸗
ſche Eigenſchafft in dieſen 4 Geſtalten / als in Erden / Waſſer /
Feuer und Lufft / als ein Geiſt oder Leben: Und dieſe vier Eigen—
ſchafften ſeynd als ein toder Leib / in welchem das Oehle ein Liecht
vder Leben iſt / darauß die Begierde als das Wachſen entſtehet /
als ein Gruͤnen auß diefer tödlichen Eigenſchafft / als das vegera-
bilifche Leben / ein Grünen und Wachſen auf dem Tode,
6. Nun moͤchte aber die olitetifche Eigenſchafft auch Fein Leben
ſeyn / fo ſie nicht in der Angſt des Todes waͤre: die Angſt machet
ſie quaͤllende oder beweglich / daß fie wil aus der Angſt fliehen und
dringen / unddringetaug / Davon das Wachſen entftchet.
» 7. Alſo muß der Todt eine Urfache des Lebens ſeyn / daß das
Leben beweglich fey / fe ift der Mercurius das rechte bewegliche $e=
ben. In der tödlichen Eigenfehafft ift er böfe/ und heiffet das Leben
des Todes | der Höllen / und des Zorn Gottes; Und in der Dlite-
tiſchen Eigenfchafftiftergut/ aus Gewaltder Sanfftmuth und
Freyheit Gottes: Und iſt des Ambtmanns Werckmeiſter / damit
der Ambtmann sn vegerabilifihen Leben die gradus unterſcheidet /
* lebendige von dem toͤdlichen / die him̃ liſche Weſenheit / vonder
oͤdlichen oder irrdiſchen / und ordnets in zwey Reiche / als das
ER im olitetiſchen in cin himmliſches / als in ein Liecht / und das
gödliche in die Finſternuͤß.
8 Diefe zwey Neiche ftehen ineinander im frätem Streite /
und iſt cin ſtaͤtiges Ringen in ihnen / als ein füdend Waſſer beym
Feuer / ein jedes ſeudet in feiner Eigenſchafft / als das olitetis
{che in Freuden und Sanfftmuth / und das toͤdliche in Ang der
Fine
ep. RR ERUM: 73
Einfternüß / und iſt doch eines des andern Urſache / das Liecht iſt
Ber Finſternuͤß als der Angſt ihr Todt / Sterben und Verderben:
dann im Liechte hat die Angſt keine Gewalt / ſondern ſte wird in vie
Erhebung der Freudenreich tranfmutiret / und wird der Freuden
Urſachte / ſonſt waͤre keine Freude / dan die Sanfftmuth iſt alleine
ſtille; aber die Quall der Angſt machẽt fie erhebende / als ein La⸗
chen: So iſt die Angſt als die Finſternuͤß der olitetiſche Eigenſchaft
Tod und Berderken / dan fe fie in der Olitetiſchen Eigenſchafft
Das Regiment bekommt / ſo nimbt fie das Corpus ein / und macht
aus dem Hhle eine Bifftzquaal/ als einen finftern Geift und Leib /
ganz irrdiſch /als Adam ward / da er in das Voͤſe imaginirte.
9. Und iſt uns doch nicht zu erkennen / daß die Dfitetifche Ei=
genſchafft ein Gifft-quall an ſich nehme / ſondern der Mercurius
als das Feuer-Leben / führet ſich in die Angſt / und vergifftet der
Zeit Weſen / was der aͤuſſere Mercurius in feiner eigenen Begier⸗
de ſelber machet / das iſt / er gehet vom innern Olitetiſchen Weſen
aus / ſo bleibet das innere in ſich unbeweglich ſtehen / und ſcheidet
ſich derzeit Weſen und Geiſt vonder Ewigkeit Weſen undGeiſt /
undiſt doch Fein Abtrennen / ſondern bleiben 2 Principia in einem
Weſen / du doch 2 Weſen ſind / aber eines ergreiffet das ander
nicht / gleichwie die Zeit nicht die Ewigkeit ergreiffet / dann alſo
erſtarb auch Adam und Heva / der Steliſche Mercurius gieng aus
der Ewigkeit Weſen mit feiner Imagination in der Zeit Weſen /
als indie Angſt⸗quaal / da verlohr der Ewigkeit Werfen ihrenFuͤh⸗
rer / und dehn brachte Chriſtus mit dem Goͤttlichen Worte oder
Mercurio herwieder / fo kriegte der Ewigkeit Weſen / welches in
Adam war von dem Seeliſchen Mercurio verlaſſen worden / wies
der das Leben / und alſo wiſſen wir / daß in dem aͤngſtlichen Mer-
curio der Ewigkeit Weſen / gleich als im Schluſſe des Todes /
verborgen lieget.
10. Und das iſt unſer Schreiben und Lehren / wie man den giff⸗
tigen Mercurium mit feiner Begierde koͤnte dahin bringen / daß
er mit feiner Begierde wieder inder Ewigkeit Weſen /alsindas
Derfchleffene eingehe / und der Ewigkeit Weſen wieder zu einen
Leibe annehme / und mit demfelben der Zeit Weſen tingire und
in Eines bringe / daß das gange Corpus der innern und auffern
Welt nur Eines ſey / daß nur ein Wille im Geiſt ſey / als ein $ie=
be⸗hunger / fe machet ihme derſelbe Hunger auch nur einerley
Weſen / ſo iſſet ein jeder Geiſt von ſeinem Weſen oder Leibe / alſo
mag hernach kein boͤſer Wille mehr darein kommen.
ır. Alſo verſtehen wir / daß Freud und Leyd / Siebe und Feind⸗
ſchafft / alles durch Imagination m Luſt urſtaͤnde / dann in der
Luſt
-
74 DE SICNATURA Cap. 8.
Luſt gegen GOtt / J als gegen der freyen Siebe / entftchet das Freu⸗
den⸗reich mitten in der Zodes-Angft: und fo die Begierde aug der
freyen Liebe außgehet in die Todes-Angſt / alsin die Quaal der
Sinfternüß / fo wird die Begierde mitder Todes: Quaalgefuͤllet /
alfo qualificiret auch der Mercurius in Todes⸗Qugal.
2. Alfo fagen wirmit Grunde: Daß fein Ding fo böfe ſey /
es lieget ein gutes darinnen / aber die Boßheit iſt deßen wicht fa=
hig: Item in dem gifftigften Mercurio lieget das gröfte Perlein⸗
Kleinod; fo demſelben mag fein gifftiger Wille im daffelbe einges
fuͤhret werden /fo offenbapret er felberdas Perlein / dan er trans-
mut ret ſich ſelber / wie in der Erden zu ſehen iſt / da der Mercurius
ſein Perlein ſuchet / und im groben Steine zu Golde und andern
Metallen machet / alles nach deme wie dersulphur anjedemOrt iſt.
13. Dann es iſt ein ſtaͤtiges Ringen in der Erden / die Ewig⸗
keit ſaͤhnet ſich durch die Zeit der Eitelkeit loß zu werden / und in
ihrem Saͤhnen ergibet ſie ſich dem Mercurio als ihrem Leben und
Werckmeiſter ein / und wann es der Mercurius in ſeinen Hunger
bekombt / ſo wird er freudenreich / und machet dieſelbe freye Luſt
in ſich leiblich das iſt Gold und Silber neben andern Metallen
und guten Kräutern / alles nachGewalt jedes Orts: Wieder
Sudanjedem Ort iſt / ſo iſt auch das Metall /allesnac der Ei>
genſchafft der ſteben Geſtaͤlte der Natur / welche Geſtaltnuͤß an
einem Orte Primas ift/nach derfelben Eigenſchafft waͤchſt auch ein
Metaͤll / auch Kräuter und Bäume.
24. In dieſem iſt dem Medico zu mercken / und den Unterfcheid
kennen zu lernen / was in jedem Dinge / damit er curiren wil /
fuͤr eine Eigenſchafft die ſtaͤrckſte ſey / ſo er das nicht weiß / ſo wird
er offt ſeinem Patienten den Todt geben: Auch iſt ihm zu wiſſen /
daßer des Patienten Eigenfchafft erkenne 4 und welcher Geſtalt
Eigenfhafft unter den fieben Geflalten der Natur der Mer-
euriusim Sulphur fcy / dannein fol) Saltz machet er auch? So
ihme nun der Medicusein widerwertig Salß eingibt / fo wird
Der Mercurius davon nur fehrer erzuͤrnet und wird gifftiger: So er
aber feineigen Salß nach feiner Eigenſchafft (darnach ihn hun
gert) mag befommen / fo erfreuet er fich / und laͤſſet feinen Gifft⸗
quaal in Martis Feuer finden.
15. Aber der rechte Medicus hat cine andere Cur / er fuͤhret ſei⸗
ten Mercurium , damit er wil deriren / von che aus der Todes⸗
Angf in die Freyheit/ der mag curiren / das ander iſt gefaͤhr⸗
lich und ungewiß / trifft ers ja / fo iſts ein Slüd und unbeſtaͤndig
Weſen / und mag keine Kranckheit auß dem Grunde ausfuͤhren /
dann der aͤuſſere Mercurius iſt verſchloſſen / er fan nicht weiter
ein⸗
Cap.8: RæRuM. 73
eingreiffen als in die vier Elementa indas toͤdliche Weſen / in
Dem ſyderiſchen Leibe vermag ersnicht ; aberfo er umbgewenvet
und die in Liebe eingeführer wird / wie oben gemeldet / fo greiffet
er die Wurtzel und den Grund an / und renoviret biß an die Goͤtt⸗
liche Krafftan das and rTrincipium.
16. Deßen haben wir ein ſchoͤn Exempel an der bluͤhenden Erden /
an den Kräutern: Dann in der Erden iſt der Mercarius irztifch
und gifftig / weil ihn aber die Sonne tingiret / ſo greifft er nach
Der Sonnen Krafft / nach ihrem Liechte / und fuͤhret das in feine
hungerige / feurige Martis Begierde / in ſein Saltz / als in ſein
corporlich Weſen ein / als in Sulphur der ſeine Mutter iſt / und
fuͤhrets mit ſeinem Drehen in der Eſſentz umb / als ob ers mit koch⸗
tes ſo greiffet als dann die Freyheit als die hoͤchſte Krafft nach ih⸗
zer Eigenſchafft / als nach der ſolariſchen / und ergreiffet den Mer-
curium mitte.
17. So nun der Mercurius in ſich das himmliſche ſchmaͤcket /
ſo wird er alſo begierig nach der Krafft der Liebe / und zeucht die⸗
ſelbe in feine Beglerde / davon transmutiret er ſich / und fein Saltz /
fo wohl ſeine Mutter den Sulzhur, in eine liebliche Quaal / und
ſo nun die Freyheit / alſo in ein bewegend Leben mit dem Mercu-
rio eingefuͤhret wird / ſo iſt ſte freudenreich / und in ihrer Freude
auffgehende / als ein Schein aus dem Feuer / und dringet durch
Den Schwefel⸗geiſt im Saltze aus: alſo iſt das Wachſen der
Wurtzel / und davon bekomt die Wurtzel einen ſolchen lieblichen
Geruch un Schmack: Dann im Urſtand iſt des Saltzes Schaͤrffe
in der erſten Impreflion vom Saturno, eine Schaͤrffe der Todes⸗
Angſt / und aͤllhie wird es zu einer lieblichen Krafft / dann aller
Geſchmack in Kraͤutern iſt Saltz.
18. Alſo verſtehet weiter mit der Wurtzel in der Erden: wann
die innere Krafft von der Freyheit in des Mercurii Eigenſchafft /
‚welcher anjego te-nsmutiret iſt / alfe aus ſich zur Offenbahrung
der Gottheit dringet / fo dringet der Sonnen Krafft gegen der
Göttlihen Krafft / undeineignet fich mir groffer Begierde indie
hoͤchſte himmliſche Tin&ur ‚und zeucht die mit ihrer Begierde ge⸗
gen ihr / als aus dem irrdiſchen Leibe in einen Solariſchen.
19. Alſo zeucht die Sonne die Krafft aus der Wurtzel aus
‚der Erden / und der freudenreiche Mercurius gehet mitauff/ und
zeucht immer der Sonnen Krafft in fich von oben / und von unten
zeucht er feine Mutter /alsden Schwefelausder Erdenan ſich;
allda gehen alle fieben Geftälteder Natur in der Freudenreich im
Ringen mit auff/ ein jede wildie oberftefeyn / dann alfo ifts im
DD x Gr: *
67 De SıcnarTura Cap. 3,
Geſchmacke / als inder Gebaͤhrung der Natur] und welche Ge ·
ſtaltnuͤß in der Creatur die oberſte wird / nach deren Seſchmack
wird das Saltz im Schwefel / ein ſolch Kraut waͤchſt aus der Er>
den / es fey gleich was es wolle: Wiewohl anjetzo cin jedes Ding
aus ſeiner Mutter urſtaͤndet / ſo hat doch alles alſo ſeinen Urſtand
genommen / und nimt ihn noch alſo / dann es iſt der Ewigkeit
Recht alſo.
20. Nun iſt der Halm oder Stengel zu betrachten. Wann das
Kraut oder der Zweig aus der Erden ſiehet / fe komts anfünglich
im untern mit weiſſer Geſtalt / und weiter hinauff mit brauner /
und oben mit gruͤner Farbe / das iſt nun ſeine Signatur, was im
innern in der Eſſentz für eine Geſtaltnuͤß in der Quaal ſey. Die
weiſſe Farbe des Zweigleins iſt aus der Freyheit der Liebe-Luſt /
und die braune iſt die irrdiſche vom Saturno vonder Iwpreſſion,
und vom Grimme des Martis; und die gruͤne welche oben ausfaͤh⸗
ret / iſt des Mercuriiin Jovis und Veneris Geftalt.
21. Dann Jupiter ift Krafft/ und Venus ift Siche-begierde/ die
eylen gegen der Saunen) als gegen ihrer Gleichheit / under
Himmel) der aus dem Mitteldes Waſſers ifi erſchaffen / zeucht
ihm fein blawes und grün-farbes Roͤcklein an / nach der Sternen
Macht. Dann der Sternen⸗Geiſt nimt das neue Kind auch an /
und gibt ihm feinen Geiſt und Leib / und erfrewet ſich darinnen:
jetzt gehen die Geſtaͤlte im Ringen / und Mercurius iſt der Werck⸗
meiſter und Entſcheider / Laturnus impreſſet / und Jupiter iſt die
liebliche Krafft im Sulphur, Mars iſt der Feuer-quall / als die
Macht im Sulphur, Venus iſt das Waſſer / als die ſuͤſſe Begierde /
Mercurius iſt das Leben / Luna der Leib / und Sol das Hertz / als
das Centrum da alle Geftalte hindringen.
22. Alſo dringet die aͤuſſere Sonne in die Sonne ins Kraut /
und die innere Sonne dringet in die aͤuſſere / und iſt ein eitel Ge⸗
ſchmack und lich haben / eine Eſſentz die ander. Saturnus macht
ſawer / Jupiter macht lieblichen Geſchmack / Mars macht bitter von
feiner peinlichen Arth / Venus macht füffe / Mercurius unterfihei=
det den Geſchmack / Luna faffets in ihren Sad und brütets / dan
fie ift iradifcher und himmliſcher Eigenſchafft / und gibt ihme das
Menftruum, darinnendie Tindur lieget : Alfo ifts einTreiben im
Geſchmacke / cin jede Geſtalt eylet dem füffen Waſſer und der
Sonnen nach / Jupiter iſt freundlich / und gehet mit der Liebe⸗be⸗
gierde oben aus im ſuͤſſen quall-Waſſer / darinnen wuͤtet Mars,
uͤnd dencket er ſey Herr im Haufe / weil erden Feuer-Geift im
zulphurt fuͤhret / deſſen erſchricket Mercurius, dag ihme Mars —F
ruhe
— ,
Cap. 8. Rerum. 9—
ruhe machet / und Saturnus machet den Schrack nach feiner ſtren⸗
gen Impreſfion leiblich / das feyn? die Knotten am Halme/ und
iſt der Schrack Salnitriſch / nach der dritten Geſtaͤlt der Natur
in der erſten Impreſſion zum Geiſt-leben / als in der Angſt-ge⸗
ſtalt / davon der Sulphur uͤrſtaͤndet und im Schracke gehet Mer-
eurius im Salniter auff die Seiten / und nimt in fich mit vie
Venus, alsdie Liebe-begierde davon wacfen Zweige und Afte
am Halme / Stengel oder Baume / und was das dann ift/Kräuter/
Baͤume oder Halmen / und iſt jeder Aſt alsdann gleich dem gan⸗
Ben SGewaͤchſe
23. Alleine die Sonne nimt dem Marti immer mehlich ſeinen
Gewalt / davon der Salniter erliſchet / und Mars feine bittere
Eigenfchafft verlichret : Alsdanergibet fi) Jupiter und Venus in
Monden-Sacke der Sonnengang ein / fo nimt die aͤuſſere Gon>
ne die innere Sonne gang ein / verſtehet die innere Sonne iſt ein
Sulphurim Mercurio, und iſt der BöttligenKrafft Eigenfchafft
aus der Freyheit GOttes / die ſich allen Dingen einbildet / und
allen Dingen Krafft und Leben gibet.
24. Wann nun dieſes geſchicht / Das Jupiter in der Venus fish der
SonnenGSewalt hat einergeben / fo treibet Jupiter nicht mehr über
ſich / fondern Mars und Mercurius drähenden Halın von unten
auffimmerfehrer indie Höhe. Jupiter bleibet obenin ser innern
und aͤuſſern Sonnen Krafft ftehen / allda ift die liebliche Conjun-
ction mit der Zeit und Ewigkeit.
25. Alda fieher fihdie Ewigkeit in der Zeitin einem Bilde /
und allhie gehet auff das Paravig: Dann der Sulphur und das
Saltz im Sulphur werden allhieim Paradiß transmutiret / und
dic Paradififche Freude im Geruche und Geſchmacke dringet aus
fi das iſt nun die Kolben ver Blumen / darinnen Pas Korn
waͤchſet / der liebliche Geruchift aus einem Theil) als aus der
Goͤttlichen Krafft / aus der Freyheit Paradiſtſch / und auff dem
andern Theil nach der äuſſern Sonnen / und nach der aufffrn
Welt / irꝛ iſch.
26. Die himmliſche Eigenſchafft ſtellet ihre Signatur mit den
ſchoͤnen — der Blaͤtlein an den Blumen dar] und die irr⸗
diſche mit dem Laube umb die Blumen: Weilaber dieſes Pc
ver auffern Welt nur eine Zeit iſt / in welcher der Fluch ift / und
Adam im Daradig nicht befiche: ıEonte / fo gehet die Daradififche .
Eigenfhafit mit ihrer Signatur balde — und trans wutiret
ſich in das Korn / das dain der Blume waͤchſt: Allda innen lieget
Die Eigenſchaͤfft der innern und aͤuſſern Sonne / als der innern
D;3 und
78 De Stenarura Cap. 8.
und Auffern Krafft / ein jede Eigenfihafft in ihrem Principio ,
dann Gott hat die Erde verflucht / darumb foll Niemand dencken /
daß das aͤuſſere Goͤttlich ſey / alleine die Göttliche Krafft dringet
durch / und tingiret das aͤuſſere / ann GOtt ſprach: Des Weibes
Saame ſoll der Schlangen den Kopff zertretten und das ges
ſchicht nun nach dem Fluch in allem Dinge das fich der GOttheit
nahet / darinnen derMercurius eine @ifft iſt / deme zertritt Gott nit
der innern und aͤuſſern Sonne den Kopff / und nimt ihme die giff⸗
tige Macht im Zorne.
27. Wann ihrs doch woltet verſtehen lernen / lieben Herren
and Bruͤder / womit ihr curiren ſollet / nicht mit dein zornigen
Mercurio, der in manchem Kraute eine boͤſe Gifft-Quaal ift /
ſondern mit dem innern Mercurio. Wollet ihr Doktor und Mei⸗
ſter heißen / ſo ſollet ihr auch wiſſen / wie ihr den Auffern Mercu-
rium moͤget im Sulphur in die Liebe transmutiren / daß er von der
Angſt⸗quaal erlediger wird) und in eine Freudenreich geſetzet
wird / als das irrdiſche in ein himmliſches / der Tod in ein Leben /
das iſt ewer Doctorat im rechten Verſtand / und nicht durch den
Ambtman der Vernuͤnfft alleine.
28. GOtkhat den Menſchen über den Ambtmañ geſetzet / und
inden Verſtand / als in ſein eigen Regiment / geordnet / er hat
den Gewalt die Ratur zu transmutiren / und das Boͤß in ein Gutes
zu ſetzen / ſo er aber ſich ſelber zuvoren hat transwutiret / anderſt
kan er nicht: alſo lang er im Verſtande todkiſt / alſo lange iſt er
des Ambtmans Knecht und Diener / wann er aber in GOtt leben⸗
dig wird / ſo wird der Ambtman ſein Knecht.
29. Ihr ſtoltzen Huͤtlein / laſt euch ſagen / die Hoffarth und
eigen Ehre / auch die irrdiſche Fleiſches⸗-Luſt lieget euch in Weege /
Bag ihr in den Geheimnuͤßen nicht Meifter/fondern blinde Kinder
ſeyd / ihre wollet die Haͤnde nicht an die Kohlen legen / aber dag
Geld nehmet ihr von den Elenden / und gebet manchem / daß es
wohl beſſer waͤre er haͤt es nicht gekaufft / dafür ihr ſollet ſchwere
Rechenſchafft geben
30. Alſo iſts imgleichen mit dem ſulphuriſchen Sude in der Er⸗
den mit den Metallen. Die Krafft iſt in den Metallen ſtaͤrcker als
in Kraͤutern / die Tinctur iſt mehr himmliſch als irrdiſch / ſo ihr der
Kuͤnſtler zu huͤlffe formt / fo transmutiret fic ſich ſelber / als das
irrdiſche in ein himliſches / welches doch an vielen Enden ohne des
Künftlers Arth gefchicht/ wie man dann fichet/ wie der Mercarius
im Sulphur in feinem Sude dic himliſche Tinctur ergreiffet/ das
mit er fein gemacht Weſen / welches er im Sulphur —
o
B
1J
Cap. 8. ReErum. 79
Gold und Silber transmutir.t / durch der Tinctur Gewalt / vers
ſtehet durch das Theil der himmiiſchen Eigenſchafft / dann ausder
Erden / oder aus der ertoͤdteten Eigenſchafft im Salniter / mag
En werden / dann es iſt nichts Ares darinnen.
Sp iſt uns dieſer Proceſs des Sudes in der Erden im Sul-
a alfo zu betrachten. Wodas Erdreich aneinem Orte fulphu-
riſch in fatarnalifcher Eigenſchafft ift / da die Sonne das ober»
Regiment innen führet/da ift ein folher Sud. Die auffere Son⸗
ne hungert nach der innern / dieim Centro im Sulphur in ihrem
eigenen Prineipio wohnet/ undihre Begierde gegenver 3: it ſetzet /
dann die Zeitalsdie Creatur ſaͤhnet ſich nach der Ewigkeit / als
nach der Frepheit von der Eitelkeit loß zu ſeyn / wie die Schrifft
ſaget: Es ſaͤhnet ſich alle Creatur mit uns von der Eitelkeit loß
zu werden.
32. Allda gibet ſich die Freyheit in den ſolariſchen Hunger in
Die Zeit / wann dieſes Mercurius ſchmaͤcket / ſo wirder Freuden⸗
reich / und draͤhet fein Rad in der Freude / ſo impreſſet Saturnus
die Sanfftmuth / und Mars, welcher im mercurialiſchen Stade in
der Imprefhion entſtehet / der gibet die Feuer⸗ſeele darein / dag es
ein Treiben und Wachſen iſt / dann die Freyheit dringet in des
Aercurii Eigenſchafft aus ſich / und Mercurius fi cheidet immer den
Saturnum und den Martem darvon / dann er wil ein ſchoͤn Kind
haben zu ſeiner Freuden: die Venus laͤſt er im Kinde bleiben / dann
ſie iſt dem Kinde in Eigenſchafft verwandt / das Kupffer iſt dem
Solde am naͤchſten wegen der Materia, ihme fehlet nur die Tin-
ctur, Mars hats zu harte im Befis / mag der davon gebracht wer»
den / ſo iſts Gold / welches der Artifta wohlverftehet.
33.. Mars ift nach Venere dem Gold verwandt / dann er hat Ve=
nus in feinem Grimme verſchlungen / und brauchet ſte zu ſeinem
Leibe / er hat ſonſt in ſeiner ſelbſt⸗ Eigenſchafft kein leiblich We⸗
fen / dann er iſt nur Grimm / der ve rzehret / er m⸗ acht ihm den Leib
aus Veneris Waſſer / das ſchlinget er in ſich unaSaturnus machts
ihme leiblich / darumb beſudelt er ihm ſein Eiſen alſo mit Ruſte /
das iſt feine Eigenſchafft als ein Freſſer feines Leibes / aber Venus
iſt lieblich / undn nacht in ihme das wachen / er friſſe 3 was
Veneris Eigenſchafft in ihme machet / dann Venus in farurnali-
ſcher Eigenſchafft iſt des Marris Speiſe / darumb iſt dem Artiſten
gu dencken / was im Marteliege / hat er nur die ſolariſche Tinctut,
er darff nichts mehr darzu / daß er nur dem Aarti ſeine Gewalt
mag nehmen / dann vonder Venus hat Mars ſeine Zaͤhe.
34. Mars iſt im feiner ſelbſt⸗ ** chafft nur ſproͤde / gibet
die
%
80 Dr Sıcnatura Cap.B.
die Härtealsein Feuer thut / aber Saturnus ift das impreffen ale
ler Dinge / Venus darff auch nur die Tin&ur , fo ift fie voill om⸗
men / darumb ſolls der Kuͤnſtler recht serftchen / wo die Möglige
keit liege) alsim Sulphur, wo Saturnus den Sulphurim Bauche
hat/ und Mercurius feine Garbe ſehen laͤſt / allda ik er im Willen,
Fan aber nicht / dann Sarurnus haͤlt thn in fich zu hart gefangen/fo
ihm aber der Kuͤnſtler zu yülffe komt / daß er fein Rad mag ſchwin⸗
gen / und gibet ihme ſeiner Mutter Speiſe / welche ſie im Centro
verborgen hat / ſo wirder ſtarck / und wirfft Saturnum weg / und
offenbahret das Kind / dann alſo iſts auch in der Erden / wo Mer-
curiusin feiner Mutter / als im Sulphur lebendig iſt / dager nicht
gehalten wird / daß er infeinem Hunger nur mag Venerem er⸗
reichen zu einer Speiſe / die Sonne wird bald ſcheinend werden:
dann in Veneris Sanfftmuth blicket ſte herfuͤr / er kochet feine
Speiſe mit feinem eigenen Feuer / er darff keinen Kuͤnſtler dars
zit / welches dem Kuͤnſtler wohl zu mercken iſt / dann er hat ſeinen
Martem in ſich.
35. Wie nun der Sud in der Erden iſt / alſo iſt auch der uͤber
der Erden. Wann die Frucht aus der Erden wächſt / ſo iſt ſie an⸗
faͤnglich herbe und bitter / auch ſawer und widerwertig / wie dann
der Apfel auffm Baume dergleichen iſt / Saturn s hat im Anfange
das Regiment / er zeucht es zuſammen / und Marcurius formiret
es / und Mars gibet dem Mercurio das Feuer / welches Saturnus in
fein kalte Eigenſchafft nimt / Venus gibet den Safft / und Luna
nimt es alles in ihren Leib / dann ſie iſt Mutter / und nimt den
Saamen aller Planeten in ihr Menſtruum ein / und bruͤtets / Ju-
piter gibet Krafft darein / und Sol iſt der König darinnen: aber
im —— sol ſchwach / dann die Materia iſt zu ſehr irrdiſch
und kalt.
36. Nun lieget das gantze Weſen mit ſeinem Sude im Leibe
des Sulphuris, und im Sulphur macht der ſalnitriſche Schrack in
Martis Rade nach jeder Eigenſchafft ein Saltz / dann der Schwe—
fel verwandelt ih in Saltz / das iſt in Geſchmack / und in dem⸗
ſelben Geſchmacke in der ſulphuriſchen Eigenſchafft / iſt ein Ohle
im Cemro verborgen / das urſtaͤndet von der freyen Liebe-Luſt /
als aus der Ewigkeit / und offenbahret ſich mit einem aͤuſſerlichen
Weſen in der Zeit / das iſt die Offenbahrung GOttes.
37. Rum iſt in demſelben Ohle der Hunger / oder die Liebe⸗
begierde nach dem Weſen der Zeit / als nach der Oſſenbahrung
der Gottheit. Dieſelbe Begierde greiffet in der Zeit Weſen wie»
der nach ihrer Eigenſchafft / als nach der Sonnen / und der Son⸗
nen
“
*
"Cap. 8. Rerum 81
‚nen Eigenſchafft greifft nach dem Shle im Centro der Frucht /
und ſahnet ſich hefftig darnach / und ergibet ſich indie Frucht / und
ſauget die Krafft in ſich / und gibet ſich in ihrer Freude aus / in
die ſtrenge Eigenſchafft der Frucht / und fünfftiget fie alle mit der
Liebe / welche ſie im Centro im Dhleser Sreypeiteinpfäher. Alſo
wird eine Frucht / welche anfänglich fawer und herbe iſt / gan
lichlig und ſuͤſſe / dag ſie der Menſcheſſen mag. Und alſo iſt die
Reiffung aller Fruͤchte.
38. Rum werdet ihr ander Signatur im aͤuſſern die inne re Ge⸗
ſtaltnuͤß ſehen / dann die Geſtaltnuͤh im Saltze / als in der Krafft /
erzeigen ſich aͤuſſerlich.
39. Der Farben ſeynd gemeine vier / als Weiß / Gelbe/ Roth
und Gruͤnlich / nach welcher Farbe nun die Frucht / als ein Apfel /
am meiſten Ggsiretit/ darnach iſt auch der Geſchmack im Saͤltze /
als Weis / mit einer Klaren fubtilen Haut in efwa cin wenig
tunckel / gibet Suffe / Die iſt Veneris Ei genfchafft iſt der fürje
Geſchmack ſtarck und krafftig / ſo iſt Jupiter maͤchtig darinnen; ;
ift cr aber ſchwach und eckel / (wift der Mond de ſtarckd arinnen;
iſt ſie aber harte und etwas braun Farbt / ſo iſt Mars ſtarck darin⸗
nen; iſt aber die weiſſe Farbegrau- braun / foift Sarurnus Hard
darinnen. Venus gibet weilfe Farbe Mars roth und bitter an
Geſchmacke / Mars macht Veneris Farbe liechte / Mercurius gibet
vermengte Farbe / und eroͤffnet im Marte die gruͤne / Inpiter nei⸗
get zur blauen / Laturnus zur ſchwartzen / faſt Graw: die Gone
macht die gelbe Farbe / und gibet die rechte Suͤſſe im Saltz / und
bunget den lieblichen Geruch herfuͤr / welcher aus dem Schwefel
urſtaͤndet: Saturnus macht herbe und ſawer / und ſtelle t ſich eine
jede Eigenſchafft im aͤuſſern dar / wie es im innern im Regiment
iſt / auch an der Geſtaltnuͤß im Laube.
40. Man kan eine jede Wurtzel / wie ſie in der Erden iſt / an
der Signatur erkennen wozu ſie nutze iſt / eine ſolche Geſtaltnuͤß
hat das Kraut / und an den Blaͤttern und Stengeln fiehet man /
welcher Planet Herr in ver Eigenfchafft ift/ viel mehr *
Blume: dann was für einen Sefämad das Kraut und Wurtze
hat / ein ſolcher Hunger iſt in ihme / und eine ſolche A
darinnen /dan cs hat ein ſolch Salk.
41. Das ſoll der Medicus wiſſen / was für eine Kranckheit im
Leibe ſey eutſtanden / in was für einem Saltze der Eckel im Mer-
eurio ſey entſtanden / das er feinem Parienren nicht weiter neh
mehr Eckel eingibt/ dann fo cr ihme das Krauteingibt / in welcher
Senſchant der Mercurius vorhin einen Eckel hat empfangen / ſo
D 5 gibt
82 De Sıonatura Cap.s.
gibt er ihme eine Gifft/ daß fich die Gifft im Eckel des Corporis
im Mercurio fehrer entzuͤndet: Es fey dann dag er daſſelbe Kraut
in Aſche verbrennet/ und ihme eingibet / foverleuretder Gifft
des Eckels die Macht / dann dieſelbe Aſche iſt der Gifft des leben⸗
digen Mercurii ein Tod. Das finden wir in der Magia gewaltig.
42. Der Medicus wiffe / dag alle Krandheiten vom Edel in
der Geſtaltnuͤß der Natur entfichen/ als wann eine Geftaltim
geben die oberfteift/ ſo ihr alsdann ein widerwertig Ding / das
ihrer Eigenfchafft gang zuwider ift / mit Gewalt eingeführet
wird / es feygleich vom Geftirneoder vonden Elementen / sder
von den ficben Geftalten des Schens/ fontmtsderfelben obern
Geſtalt / welche des Sehens Führer iſt / feine Stürde und Kraft
in feinem Salße / fo hebetderfelben obern Geftult Mercurius aß
zu qualificiren / dasift / zu hungern und zu eckeln / und fo cr nicht
feiner ſelbſt⸗Eigenſchafft befomet/ verftchet der leiblichen Gea
ftalt/ welche unter den fieben Eigenfchafften oder Geſtalten Pri-
mas iſt im Corpore, fo entzündet er fich in feiner eigenen Gifft⸗
quaal nach feines Lebens Eigenfchafft / undtreibet fic) fo lange
biß er feurig wird / fo erwecket er feinen eigenen Martem und ftis
nen eigenen saturnum, welche ihn impreſſen / und das Fleiſch im
Corpore im Gifft-feuer verzehren / und des Liechts Hhle gan
verzehren / alsdann erliſcht des Sebens Liecht / fo iſts geſchehen.
43. Mag aber die Geſtaltnuͤß des Lebens / darvon der Mer⸗
euriusim Eckel in der Angſt und Gifft⸗quaal entzuͤndet iſt / derer
Eigenſchafft in feinen Hunger bekommen / deſſen der Geiſt und
Leib Primasift / fo krieget er feine eigene natuͤrliche Speiſe davon
er lebet / ſo erfrewet er ſich wieder / und laͤſt den Eckel von ſich / ſo
zergehet der Eckel / und wird ausgeſpeyet; aber der Medicus ſoll
acht haben / ob nicht daſſelbe Ding / das er dem Patienten wil
eingeben / auch in feiner Eigenſchafft ſtarck im ſelben Weſen ſey /
davon der Eckel im Leib iſt entſtanden.
44. Als ich ſetze ein Exempel / Es wäre ein jovialifcher Menſch /
der empfinge feinen Eckel von lunariſcher Eigenſchafft / nun wuͤ⸗
ſte der Artzt / wie er feinen Eckel habe / und richtete ihm eine Jos
valiſche Cur nach feines eigenen Geiſtes oder Merecurialiſchen
Hunger zu / das wäre nun recht: Es wäre aber des Monden
Eigenſchafft ſtarck indem Saltze / das er dem Eckel wolte einge⸗
Ben: Jetzt gibt er ihme Eckel ein. So aber die Jovialifche Eur
vom Monden frey waͤte / fo nimt der jovialifche Mercurius feine
eigene Speiſe mitgroffer Begierde ein / und verlaͤſſet den Eck.
Alſo iſts auch mit den Kranckheiten / welche im Sulniter als vom
ra
i
(N)
?
,
Cap. 8. Rerum 83
Erſchrecken entſtehen / da gehöret nun wieder ein folcher Schrack
|
darzu wieder erſte war / ſo iſt die Eur ſchon dar; oder ein ſolches
Kraut / da der Salniter in ſolcher Eigenſchafft inne lieget / wie
er im ſelben Menſchen lieget.
45. Ich weiß und wird mir gezeiget / das der Sophiſt mich
tadlen wird / daß ich ſchreibe / die Goͤttliche Krafft ſey in derFrucht
GoOttes Krafft eineigene ſich indie Gebaͤhrunge der Natur. Höre
mein Lieber / werde nur ſehende / Ich frage dich / wie iſt das Pa⸗
radis in dieſer Welt geweſen ? iſts auch in der Natur offenbahr
geweſen / iſts auch in der Frucht geweſen / iſts in der Welt oder
auffer der Welt geweſen? Iſt das Paradis in GOttes Krafft
geſtanden / oder in den Elementen ? Iſt die Krafft GOttes in der
Welt offenbahr geweſen / oder verborgen ? oder was iſt der Fluch
der Erden / und das Austreiben Adams und Evaͤ aus dem Para⸗
dis? ſo ſage mir / wohnet GOtt auch in der Zeit? iſt nicht GOtt
alles in allem ?es ſtehet ja geſchrieben: Bin nicht ichs / der alles
erfuͤllet? Item: Dein iſt das Reich / die Krafft und die Herr⸗
ligkeit / von Lwigkeit.
46. Allhie beſtune dich und lag mich ungetadelt; Ich ſage nicht
daß die Natur GOtt ſey / viel werriger die Frucht aus der Erden /
ſondern ich ſage / GOtt gibet allem Leben Krafft / es ſey boͤß oder
gut / einem jeden nach ſeiner Begierde / dann er iſt ſelber alles /
und wird aber nicht nach allen Weſen GOtt genannt / fondern
Nach dem Liechte / damit wohneter in ſich ſelber / und ſcheinet mit
der Krafft durch alle ſeine Weſen / er eineignet ſeine Krafft allen
ſeinen Weſen und Wercken / uñ ein jedes Ding nimt ſeine Krafft
an nach feiner Eigenſchafft: Eines nimt Finfternüß / das andere
Liecht / ein jeder Hunger begehret feiner Eigenſchafft / und das
gantze Weſen iſt doch alles GOttes / es ſey boͤß oder gut: Dann
von und durch ihn iſt alles / was nicht ſeiner Liebe iſt / das iſt ſei⸗
nes Zornes.
47. Das Paradis iſt noch in der Welt / aber der Menſch iſt
nicht darinnen / es ſey dann daß er aus GOtt wiedergebohren
werde / fo iſt er nach derſelben neuen Wiedergeburth darinnen /
nd nicht mit dem vier⸗elementiſchen Adam: Wann wir uns doch
eines wolten lernen kennen / und verſtuͤndens doch an dem ge⸗
ſchaffenen Weſen.
48. Schet im Saturno lieget ein Gold verſchloſſen / in gantz
unachthahrer Farbe und Geſtalt / das wohl keinem Metall aͤhn⸗
lich ſiehet / und wann mans gleich ins Feuer bringet und gar zer⸗
ſchmeltzt / ſo wird man doch nichts age als ein unachtbahr ge
D en
84 De SıcnarTura Cap. 8
fen mit keiner Geſtaltnuͤß der Zugend / big ver Kuͤnſtler darüber
komt / und den rechten Procels mit ihme haͤlt / fo wird offenbahr
was darimmen gemwefenift.
49. Alfo auch imgleichen wohnet GOtt in allen Dingen / und
das Ding weiß nichts von GOtt / er iſt auch Dem Dinge nicht
offenbahr / und es einpfaͤhet doc) Krafft vonihme; aber esnimt die
Kraft nach feiner Eigenfchafft von ihme / entweder von feiner
Liebe / oder von feinem Grimme / und wovon cs nimt /alfo ſigni-
ret ſichs auch im aͤuſſern / und iſt noch das Gute auch in ihme / aber
der Boßheit gleich wie ganz verſchloſſen / wie ihr deſſen ein Exem⸗
pel an einem Dorn⸗ſtrauche habet / und an andern ſtachlichten
Dingen mehr / daraus dech eine ſchoͤne wohlriechende Blinne
waͤchſt / und zwo Eizenſchafften darinnen liegen / eine liebliche
und eine feindliche / welche ſteget / die bildet die Frucht.
so. In gleichein iſts auch mit dem Menſchen / er war cine ſchoͤne
Paradis-⸗blume und Frucht geſchaffen: Aber feinedornichte Eis
genfchafft erweckte ihme der Teufel durch die Schlange / verfichet
Pag Centrum , ter grimmen Natur Eigenfihafft / welches in ſei⸗
ner Paradiſiſchen Quaal in ihme nicht offenbahr ward; alsaber
fein Hunger in bie dornichte falſche Schlangen: Eigenfchafft/ afs
in Tod eingieng / fo Drang bes Todes und der falfihen Schlangen
Eigenſchafft indes Teufels Begierde In feinen Hunger ein/ und
erfüllete Seel und Leib / alfo hub der falſchen Schlangen Hunger
in ihme anzu gquslificiren / und wacheteder Zod in ihme auff/ fo
verbarg ſich das Paradis in ihme / dann das Paradis trattinfich
sin/ und der Schlangen Bifft indes Todes Eigenſchafft / woh⸗
nete auch in ſich / jet wares Feindſchafft.
51. So ſprach GOtt zu ihme: Des Weibes Saame ſoll der
Schlangen den Kopff zertretten / und ſie wird ihn mit der Todes⸗
gifft in die Ferſen ſtechen: Verſtehet / das verſchloſſene / und im
grimmen Tod gefangene Paradis-Bilde / in welchem das Wort
der Gottheit / als der Goͤttliche Mercurius regierte und wuͤrckete /
verblich / gleich wie das Gold im Sarurso verblichen iſt / daß man
nichts ſtehet / als ein unachtbahres Weſen / biß der rechte Kuͤnſt⸗
ler daruüber komt / und erwecket wieder den Mercurium in dem.
verſchloſſenen Golde / fo wird der tode verſchloſſene Leib des Gol⸗
des im Sarucno wiederumb lebendig: Dann Mercurius iſt fein
Lben / Der muss ihme wieder eingefuͤhret werden / alsdann blicket
der tode Leib des Goldes herfuͤr / und uͤberwindet den groben Sa-
turnum, darinnen er verſchloſſen lag und ıranßmuriret feinen
unachtbahren gehabtenLeib in einen ſchoͤnen / herrlichen / guldenen.
52. Alſo
Ne
F
ri
u.’
Cap. 3. Rzrum 85
52. Alfo auch in gleichem der Menſch / der lieget jet nach ſei⸗
nem Falle in einer groben / ungeftalten / viehiſchen todten Bild⸗
nuͤß verſchloſſen: Er ſichet feinem Engel gleiche / viel weniger
dem Paradis. Er iſt wie der grobe Stein im Saturno, darinnen
das Bold verſchloſſen lieget: Es iſt ſeine Paradis-Bildnuͤß an
ihme / als waͤre ſie nicht / iſt auch nicht offenbahr: Der aͤuſſere Leib
iſt ein ſtinckend Cadaver, weiler noch indem Giffte lebet / er iſt
ein boͤſer Dornſtrauch / aus deme doc) etwan ſchoͤne Roͤſlein
bluͤhen / und aus den Dornen wachſen / und das Verſchloſſene
offenbahren / was in dem grimmen gifftigen Mercurio verborgen
liege / als lange biß der Kuͤnſtler / ver ihn gemacht hat / über ihn
komt / und fuͤhret wieder den lebendigen Mercur um in fein vers
blichenes und in Tod gefangenes Gold oder Paradis-Bildnuͤß
ein / daß das verſchloſſene Bild / welches aus Goͤttlicher Sanfft⸗
muth und Liebe⸗Weſenheit erſchaffen war / wieder im Goͤttlichen
Mercurio, als im Worte der Sottheit / weiches wieder in die vers
ſchloſſene Menſchheit eingieng / gruͤnet: Alsdann transmutiret
der Göttliche Mercurius den grimmen Mercurium in ſeine Eigen⸗
ſchafft: So iſt Chriſtus / der der Schlangen / als dem Gifft und
Tode im Zorn GOttes den Köpffzertritt / (verſtehet der grim⸗
men Todes-macht) gebohren / und ſtehet auff cin neuer Menſch }
in Heiligkeit und Gerechtigkeit / der vor GOtt lebet / gleich wie
das verſchloſſene Gold aus der irrdiſchen Eigenſchafft herfür
blicket.
53. Und wird dem Kuͤnſtler von GOtt erkohren / hiemit klar
angedeutet / wie er ſuchen ſoll / anderſt nicht / als wie er ſich hat
ſelber geſucht / und in des klaren Goldes Eigenſchafft ſunden:
Alſo iſt auch dieferProcefs, und nicht ein Fündlein anderſt / dann
der Menſch und die Erden mit ihren Heimligkeiten / liegen in
gleichem Fluche und Tode verſchloſſen / und bevörffen cinerley
Wiederbringung.
54. Aber dem Sucher wird diß geſagt / und wil ihn trewlich
ge warnet haben / alſo lich ihme fein zeitliche und ewige Wohl⸗
fahrt iſt / daß er ſich ja nicht ehe auff die Bahn mache die Erde zu
verſuchen / und das Verſchloſſene herwieder zu bringen / er ſey
dann ſelber zuroren aus dem Fluche und Tode durch den Goͤttli⸗
chen Mercutium wiedergebohren / und habe die Goͤttliche Wieder-
gebuhrt in voller Erkaͤntnuͤß / ſonſt iſts alles vergebens / es huͤlfft
kein lernen / dann das er ſuchet / das lieget im Tode / im Zorn
Gottes / im Fluche verſchloſſen / wil ers lebendig machen / und
in ſein Erſtes ſetzen / ſo muß daſſelbe Leben in ihme zuvoren offen⸗
27 bahr
89 Dr Sıenarura Capo.
bahr fern : Alsdann mag er fagen zum Berge: hebe dich von dans
nen / und ſtuͤrtze Dich ins Meer; und zum Feigenbaume ses wachfe
hinfort auff dir keine Frucht / fo wirds geſchehen.
55. Dann ſo der Göttliche Mercuriusim Geifte lebet und of⸗
fenbazr ift / fo alsdann der Seelen Willen: Geift inetwas ima-
ginivet / fo gehet auch der Mercurius mit ihme in der Imagination,
und entzuͤndet den in Zod gefaften Mercurium, alsdie Gleichnuͤß
GOttes oder die Offenbahrung / damit fich der lebendige GOtt
hat offenbahret.
56. Ich weiß und ſehe es / dag der Spoͤtter in des Teufels
Decke mich noch mehr verdaͤchtig machen wird/in dehme ich ſchrei⸗
be vom innern undaͤuſſern Mercurio , und verſtehe mit dem ins
nerndas Wort GOttes / oder den Böttlichen Hall / als die Of⸗
fenbahrungver Ewigkeit des Ungrundes / und mitdem äuffern
verftche ich den Ambtmañ in der Natur / alsden Werckzeug /
welchen das innere / lebendige / Erafftige Wort oder Göttliche
Hall fuͤhret / damit er machet und würdet: So wilmirsder So-
phiſt uͤbel deuten und ſagen: Ich vermenge es in Eines / und halte
die Natur für GOtt: wie mir zuvoren Babel auch gethan hat.
Dehme ſage ich / er ſehe meine Wort recht an / und lerne es recht
verſtehen: Dann ich rede bißweilen aus dem himmliſchen Mer-
curio, und fehe einig denfelben / und dann gar baldeden Werck⸗
zeug des himmliſchen: Darumb habeerachtauff den Verſtand:
Ich ſchreibe nicht heydniſch / ſondern Theoſophiſch / aus einem
hoͤheren Grunde als der aͤuſſere Werckmeiſter iſt / und dann auch
aus demſelben.
Das 9. Capittel.
Bon der Signatur ‚ tie das innere das aͤuſſere
bezeichnet.
I. Je gange äuffere fichtbahre Welt mit al ihrem
Weſen / iſt eine Bezeichnung oder Figur der ins
nerengeiftlichen Welt; alles was im inneren ift /
und wiecsinder Wuͤrckung iſt / alfo hats auch ſei⸗
nen Character aͤuſſerlich: Gleich wie der Geiſt
jeder Ereatur feine innerliche. Gebuhrts-Geſtaltnuͤß mit fei>
nem Leibe darftellet und orfenbahret : Alfo auch das ewige Weſen.
2. Das Wefen aller Weſen iſt eine ringende Krafft/ dann
Das Reich GOttes ſtehet in der Krafft / und auch die Auffere
Reitz und ſtehet fuͤrnemlich in fieben Geſtalten / da eine Ir die
andere
ww
“
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Cap. 9. Rerum. re
andere urfachet und machet / Feine iftdie erfte noch letzte / ſondern
es iftdasewige Band : Darumb hat auch GOtt ſechs Tage zum
Werden vom Menfchen geordnet / und der ſiebende Zag iſt die
Vollkommenheit / darinnen die fechs ruhen: Ertl das Ce: trum,
da die fechs mit ihrer Begierde hinlauffen : Darumb hieß ihn
GOtt den Sabbath oder Ruhe-tag: Dann darinnen ruhen die
ſechs Geſtalten der würdenden Krafft. Erift der Göttliche Hall
in der Krafft / oder die Freudensreich / Darinnen die andern Ge⸗
falten alle offenbayr werden] dann er iſt Das gefaſſte Wort /
oder die Göttliche Leidligkeit / durch welches alle Ding feynd zum
Weſenerbohren und ankommen.
3. Daſſelbe gefaſſete Wort hat ſich mit Bewegung aller Ge⸗
ſtalten mit dieſer ſichtbahren Welt / als mit einem fichtbahren
Gleichnuͤß oſſenbahret / dag das geiſtliche Weſen in einem leib⸗
lichen begreifflichen offenbahr ſtuͤnde: Als der innernGeſtalt Bes
gierde hat ſich Aufferlich gemacht / und ſtehet das innere im aͤuſſe⸗
. ven / das Innere halt das Auffere für ſich als einen Spiegel /
darinnen es ſich in der Eigenſchafft der Gebahrung aller Geſtaͤlt⸗
nuͤß beſtehet; das Aufſere iſt feine Signatur. *
4. Alſo hat auch ein jedes Ding / das aus dem Innern iſt ges
bohren worden / ſeine Signatur. Die oberſte Geſtaltnuͤß / ſo im
Geiſte des Wuͤrckens in der Kraft die oberſte iſt / die bezeichnet dag
Corpus am meiſten / und die andern Geſtaltnuͤſſen hangen ihme
an / wie man das anallen lebendigen Creaturen an Geſtalt des
Leibes / und an Sitten und Gebärden ſiehet: Item, am Halle /
‚Stimmen und Sprachen / fo wohl an Baͤumen und Kraͤutern /
an Steinen und Metallen; als wie das Ringen in der Krafft
des Geiſtes iſt / alſo ſtehet auch die Figur des Leibes dar / und al⸗
fo iſt auch fein Wille / alſo lange der Sud im Geiſt⸗-leben alſo
ſeudet.
5. So aber der Kuͤnſtler darüber komt mit dem rechten Mer-
curio, darinnen der Sud ſtehet / fo mag er die ſchwaͤchſte Geftalt
zu oberſt draͤhen / und die ſtaͤrckeſte zu unterſt / alsdenn bekomt
der Geiſt einen anderen Willen / nach derſelben oberſten Geſtalt
welche zuvor muſte Knecht ſeyn / die wird alsdenn Herr in den
ſteben Geſtalten; gleich wie Chriſtus zu dem Krancken ſagte:
Stehe auff / dein Glaube hat dir geholſſen / und er ſtund auff: Alſo
in gleichem iſt dieſes auch / eine jede Geſtalt hungert nach dem
‚Centro; und das Centrum iſt der Hall des Lebens / als der Mer-
curius, derſelbe iſt der Werckmeiſter oder Formirer der K rafft /
fo ſich derſelbe Hall im Hunger ver niedrigſten Geſtalt in der
ringen»
®
83 Ds Sıcnarura Cap. 9.
Tingenden Krafft einergibt/ fo ſchwinget er feine Eigenfchafft
(verftehet verfelben Geſtalt Eigenſchafft) in die Höhe, Alſo hat
ihme feine Begierde oder Glaube geholfen. Dann in der Bes
gierde ſchwinget fich der Mercurius indie Höhe; Das war auch in
Ehrifti Patienten alle.
6. Die Kranckheit hatte fie eingenommen / und der Gifft des
Todes hatte Jich im Mercurio empor gefhwungen. Nun hunger⸗
te aber die Geſtalt des Lebens im Centro jeßt als cine verſchmach⸗
tete und niedrige Eigenfchafft nach der Freyheit vom Ekel log zu
ſeyn; weil aber in Ehrifto der Mercurius in Göttlicher Eigen—
Schafft lebendig war / fo gieng der ſchwache Hunger in Chrifti
ftarden Hunger nach des Menſchen Geſundheit ein: Jetzt em⸗
pfieng der ſchwache Hunger den ſtarcken in der Krafft / fo ſprach
der Goͤttliche Hal in Chriſto: Sieche auff / ſchwinge dich in die
Hoͤhe / dein Glaub / das iſt / deine Begierde die du in mich einge⸗
fuͤhret haſt / hat dir geholffen.
7. Alſo ſchwinget ſich das Leben uͤber den Tod / das Gute uͤber
das Boͤſe / und hinwieder das Boͤſe über das Gute / wie im Luci⸗
fer und Adam geſchach / und noch täglich geſchicht / und alſo figni-
ret ſich ein jedes Ding / welche Geſtalt Primas wird / die nimt den
Geſchmack fo wohl den Hall im Mercurio ein / und Aguriret das
Corpus nach feiner Eigenſchafft: Die andern Geſtaͤlte hangen
Der an als Mit⸗gehuͤlffen / geben zwar auch ihre Signatur darein /
aber ſchwaͤchlich.
8. Es ſind fuͤrnemlich ſieben Geſtaͤlte in der Natur / beydes in
der ewigen und aͤuſſeren / dann die aͤuſſere gehen aus der ewigen.
Die alten Weiſen haben den ſieben Planeten Ramen gegeben /
nach den fieben Geſtalten der Natur / aber ſie haben viel ein an⸗
ders damit verſtanden / nicht nur allein die fieben Sternen / ſon—
dern auch die fiebenerley Eigenfhafften in der Gebaͤhrung aller
Weſen.Es iſt fein Dingim Weſen aller Weſen / es hat die fieben
Eigenſchafften in fich ; dann fie find das Rad des Centri, die lir>
fachen des Sulphuris, in welchem Mercurius denSud in der Angſt⸗
quaal machet.
9. Die ſieben Geſtalten find dieſe: als die Begierde oder Im-
preflion heiffet Sarurnus, im welche fich die freye $uft der Ewigkeit
mit einergibet/ die heiſſet in der Impreflion Jupiter, wegen der
lieblichen Krafft / dann die Saturnalifihe Krasft fehleuffet ein / und
machet harte / Falt und finfter / und urfachet ven Sulphur ‚als das
Geiſt-leben / verftehet das bewegliche Beift-leben / als das na⸗
tuͤrliche: Und die freye Luſt machet / daß ſich die Impreflion ſaͤhnet
von
\
Cap. 9. Rerum. 89
von der finfteren herben Härtigfeit loß zu ſeyn / und heiffet gar
gut Jupiter , als eine Begierde des Berſtandes / welche die Fine
ſternuͤß eröffnet / und einen andern Willen darinn offenbahref,
20, In denen zweyen Eigenfchafften wird GOttes Reich als
der Urſtand fuͤrgemahlet / und dann GOttes Zorn-Reich / als
der finftere Abgrund / welcher eine Urſache der Bewegnuͤß im Sa-
turnoals in der Impreflion ift : Die Impreflion als der Saturnus,
machetdas Nichts / als die freye Suft beweglich und empfindlich) /
fo wohl findlich: Dann fie urſachet day Weſen wird / und Ju-
piter ift die empfindliche Krafft aus der freyen Luſt zur Offenbah⸗
rung ausdem Nichts in Etwas / inder Impreflion des Sarurni »
und ſeynd zwo Eigenschaften inder Offenbahrung GOttes nach
Siebe und Zorn / als ein Modell der ewigen Geſtaͤltnuͤß / und ſeynd
ein Ningen/ als eine Wider⸗begierde gegen einander; Eine
machet Gutes und die andere Böfes / und da es doch alles gut iſt.
Alleine wann man von der Angſt⸗quaal / und dann der Freuden⸗
quaal wil reden / fo unterſcheidet man / daß man verfiche was jeder
Quaal Urſach fen.
ır. Die dritte Geſtalt heiſſet Mars, das iſt die feurende Ei⸗
genfchafft in der Jmpreflicn Saturni, da fich die Impreflion in
groffe Angft / als in einen groſſen Hunger einführet: Er iſt das
Peinliche / oder die Urſache des Fuͤhlens / auch die Urſache des Feu⸗
ers und Verzehrens / auch des Widerwillens / als der Boßheit:
aber im Jove, als in der freyen Luſt im Nichts urſachet er die feu⸗
rige Liebe-Begierde / daß die Freyheit als das Nichts begierlich
wird / daß es ſich in Empfindligkeit / als in das Freuden-reich ein⸗
fuͤhret: In der Finſternuͤß iſt er ein Zeufel/als GOttes Grimm /
und im Liechte iſt er ein Engel der Freuden / verſtehet ſolche Eis
genſchafft: Dann da dieſe Quaal im Lucifer finſter werd / fc hieß
er ein Teufel / weil er aber im Licchte war / ſo war er ein Engel:
Alſo auch im Menſchen zu verſtehen.
12. Die vierdte Eigenſchafft oder Geſtalt heiſſet Sol , als das
Liecht der Natur / welches in der Freyheit als im Nichts feinen
Anfang hat / aber ohne Glantz / und ſich mit der Luſt in die Be⸗
gierde der Impreflion des Saturni einergibt / biß in die grimmige
Martis oder Feuers-Eigenſchafft / allda dringet vie freye Luft}
welche ſich in der Impreflion in Martis Eigenſchafft Inder ver»
zehrenden Angſt / und in Saturni Härte hat geſchaͤrffet / im Jupi-
ter aus / als cine Schärffe der Freyheit / und ein Urſtand des
Nichts) fo wohl der Einpfindligfeit. Und das Ausdringen aus
des Martis Hige und Angft / und aus des Saruıni Härte ifl der
Schein
.
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—
90 De Sıcnatrura Capo,
Schein des Liechtes in der Natur/ das gibet im Satarno Joveund
Marteden Verſtand / als einen Geift / der fichin feinen Eigen
ſchafften erkennet / was erift/ der dem Grimm wehret / und ihn
aus der Angft aus Martis Eigenfhafft in Jovis Eigenfchafft
einführet / alsaus Angſt ineine Liebe Begierde.
13. Undin diefenvier Geftalten ftchetdie Geiftes-Gebuhrt /
alsder wahre Geiftim innern und aͤuſſern / als der Geift der
Kraftim Weſen / dieſes Geiſtes Weſen oder$eibligkeit iftsulphur.
Ihr Kabbini und Meister | wann ihr doch verſtehen
Föntet / wie treulich es euch offenbahrer und gegeben
wird/ was euere Borfahren im Berftande haben ges
habt /woran ihr jegt lange Zeit feyd blind gewefen] das
macht euer Hoffart / das ttelfet euch GOtt als der höch-
ſte Verſtand / durch albern ken ungegründeten
Werckzeuge fuͤr welchen er felber gegründet hat] ob ihre
* eins ſehen / und der peinlichen Quaal entrinnen
woltet
14. Die fuͤnffte Geftaltift Venus, der Anfangaller Leiblig⸗
keit / als des Waſſers / die entſtehet in Joris und Martis Begier⸗
de) als in der Liebe⸗begierde aus der Freyheit / und aus der Natur)
als aus der Impreſſion Begierde im Saturno, im Marte, in der
groſſen Angſt / von der Angſt frey zu ſeyn / und fuͤhret in der Be⸗
gierde feiner Eigenſchafft zwo Geſtaltnuͤß: Als eine feurige
vom Marte, und eine waͤſſerige vom ove, verſtehet eine himm i⸗
ſche und irrdiſche Begierde.
15. Die himmliſche entſtehet aus der himmliſchen von der
Eineignung der Gottheitindie Natur zu ſeiner ſelbſt-Offenbah⸗
rung; und die irrdiſche entſtehet aus der Impreflionder Finfter>
nuͤß im Marte, als in des grimmen Feuers Eigenſchafft: Dar—
umb ſtehet dieſer Begierde Weſen in zweyen Dingen / als im
Waſſer vom Urſtand der Freyheit / und im Sulphurvom Urſtan⸗
de der Natur nach der Impreſſion.
16. Die aͤuſſere Gleichnuͤß des himmliſchen iſt Waſſer und
oöhl / verſtehet nach der Sonnen iſts Waſſer / und nach Joveifts
Ohl / und nach der harten Impreflion Saturniifts nach dem him⸗
lifchen nach Marte Kupffer / und nach Sole Gold / und nad) der
irrdiſchen Impreflion nach der Finfternüg Eigenſchafft ifts im
Sulphur Brief / dasift Sand: Nach des Martis Eigenfchafft eis
ne Urſache aller Steine / dann alle Steine feynd Sulphur aus
Saturni
-
*
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Cap.9. Rerum. 9%
Saturni und Martis Gewalt / in Veneris Eigenſchafft / nach wer
finftern Impreflion , verftehet nach dem irgdifchen Theil.
17. Dihrlichen Weifen/wann ihr wuͤſſtet was im Kupfer fie
get/ ihr wuͤrdet euere Dächer nicht fo edel decken / der Gewaltige
verleuret offt fein geben umbs Knechtes willen / undden Herrn
decket er aufffein Dach / darumb ift er blind / das macht in ihme
feine falſche Venus-Begierde / daß er die im Saturno und Marfe
faſſet / und fuͤhret die in Sole aus: Faffete er feine Venus=begierde
im Jove , fo möchte er über den yungrigen Martem herrſchen / der
in Venere lieget / und der Veneri im Sulphur hat fein Röcklein ans
gezogen: Alfo geucht Mars auch allen feinen ienern / die ihn
und Saturnum lieb haben / ſein Roͤcklein an/dat fie nur das Venus-
Kupffer / und nicht fein Gold im Kupffer finden. Der @eift des
Suchers führet in Sul, alsin Hoffarth / und dendet er habe Vene-
zem ‚aber er hat Saturnum , alsven Geitz: Führe er im ZBaffer /
alsinder gelaffenen Demut der Venerisaus/ fo würde ihm der
Steinder Weifen offenbahr.
18. Diefeihfte Geftaltift Mercurias, als das Leben und die
Entfigeidung oder der Formerin der Siebe und Angft. Im Sa-
turno und Marteifter an einem Theil irrdiſch nach der harten
Impreflion , da fein Bewegen und Hunger cin ftachlicht] feindig /
und nach dem Feuer ein bitter Wehe iſt / Und nach dem Waſſer in
dem irzdifchen Sulphur ‚ als in der Ertödtung eine Gifft-quaal.
19. Und nach dem andern Theil nach der Freyheit Luſt / iſt er im
Jove und Venere die liebliche Eigenſchafft der Freuden: Itew, des
Gruͤnens und Wachſens / und nach der Impreflion des himliſchen
Saturni, und nach Dein Marte in der Liebe-Begierde iſt er ins
Geiſte der Hall / verſtehet der Entſcheider des Halles / als des
Thones: Item, alles Geſchreyes der Sprachen / alles was lau⸗
tet; durch feine Gewalt wird alles unterſchieden / Venus und sa-
turnus fragen ihm feine Lauten / und er iſt der Lauten⸗-ſchlaͤger/
er ſchlaͤget auff Venus und Saturnus, und Mars gibet ihme den
Klang aus dem Feuer / alfo freuet fich Jupiter in Sole. :
20, Allyie fieget das Myfterium lieben Bruͤder / Mercurius.
machet im Jove den Verſtand / dann er unterſcheidet die Sin⸗
nen / daß fie fliegende. ſeynd / er faſſet die Unendigkeit der Sinnen
in feine Begierde / und machet fie weſentlich / das thut er im sul⸗
phur, und ſein Weſen iſt die mancherley Krafft des Geruches
und Geſchmackes / und Saturnus gibet ſeine Schaͤrffe darein / daß
es ein Saltz iſt. Ich verſtehe aber allhie das Krafft-ſaltz in dent
vegetabilifihen Leben: Das Stein⸗ſaltz machet Saturnus im
Waſſer!
92 De Sıcnarura Capo.
Waſſer / er ift ein himmliſcher und irrdiſcher Arbeiter / und ars
beitet in jeder Geſtalt nach der Geſtalt Eigenſchafft / wie gefehries
ben ſtehet: Bey den Heiligen biſt du heilig / und bey ven Ver⸗
kehrten biſt du verkehrt.
21. In den heiligen Engelnift der himliſche Mercurius heilig
und Goͤttlich / und in den Teufeln iſt er die Gifft und der Grimm
der ewigen Natur nach der finftern Impreflion Eigenſchafft / und
al,o fort durch alle Ding; wie ein Ding einer &igenfchafft ift/ alfo
iſt auch fein Mercurius, als fein geben / inden Engeln ifter Tas
Lob⸗geſang GOttes / und in den Teufelnifter das Fluchen und
Erwecken des Widerwillens der bittern gifftigen Feindſchafft.
22. Alſo auch im Menſchen und allen Creaturen zu verſtehen
iſt / in allein dehme was lebet und webet: dañ der AuffereMercurius
iſt in der auſſern Welt das aͤuſſere Wort / er iſt das aͤuſſere Ver-
bum, und der Saturnus mit der Imprelſion ift fein Fiat, der ihm
ſein Wort leiblich machet. Und im innern Reiche der Goͤttlichen
Krafft iſt er das ewige Wort des Vatters / dadurch er alle Ding im
aͤuſſern (ver ſtehet mit dem Werck-zeuge des aͤuſſern Mercurii) ges
machet hat: Der aͤuſſere Mercurius iſt das zeitliche Wort / das
außgeſprochene Wort / und der innere iſt das ewige Wort / das
ſprechende Wort.
23. Das innere Wort wohnet im aͤuſſern / und machet durch
das aͤuſſere alle aͤuſſere Dinge / und mit dem innern die innere
Dinge. Der innere Mercurius iſt das Leben der Gottheit / und
aller Goͤttlichen Creaturen; Und der aͤuſſere Mercurius iſt das
schen der aͤuſſern Welt / und aller Aufferlichen Leibligkeit in
Menſchen umd Thieren / in Wachſenden und Gebaͤhrenden / und
macht ein eigen Principium, als eine Gleichnuͤß der Göttlihen
Welt / und das iſt dit Ofſenbahrung der Goͤttlichen Weißheit.
24. Die fiebende Geſtalt heiſſet Luna , dasgefaffete Weſen /
was der Mercuriusim Sulphur hat gefaffet / Das iſt sin leiblicher
oder weſentlicher Hunger aller Beftalmüffen: Es liegen aller
ſechs Geſtalten Eigenfchafft darinnen / undift gleidy als ein
leiblich Weſen der andern allen. Diefe Eigenschaft iſt gleich
als ein Weib der andern Geſtalten / dann die andern Geffalten
werffenalleihre Begierde durch Solem in Luram : Dann in So-
le werden fie geiftlich / und in Luna leiblih: Durumb nimt der
Mond der Sonnen Schein anfich / undfiheinet aus der Son»
nen ;was die Sonne in ſich im Geiſt-Leben iſt und machet / das iſt
und machet Luna infich leiblich: Erift himmliſch und irrdiſch /
und fuͤhret Das wachfende geben / er hat das Menftruum, u die
Matti»
| Cap 9: Rerum 93
Matricem Veneris in fich / in feiner Eigenfchafft gerinnet alles
was leiblich wird. Saturnus iſt ſein Fiat, und Mercurius ift fein
Mann) der ihn ſchwaͤngert / und Mars ift feine vegetabiliſche
Seele / und Die Sonne iſt fein Centrum iin Hunger / und nicht
gang inder Eigenfihafft / dann er empfaͤhet von der Sonnen nur
die weiſſe Farbe / nicht die gelbe oder rothe / als die majeftätifche :
Darum liegetin feiner Eigenfchafft / in Metallen das Silber /
und in Solis Eigenfiyafft das Gold. x
25. Weil aber Sol ein Geift ohne Weſen iſt / ſo haͤlt Satur-
nusder Sonnen ihr leiblich Weſen in fich zur Herberge / dann ex
iſt das Fiarder Sonnen / er haͤlts in feinem finttern Kaſten vers
ſchloſſen / und verwahret es nur / dann es iſt nicht fein eigen We⸗
fen / big die Sonne ihren Werckmeiſter den Mercurium zu ihm
ſechicket / dehme gibt ers / und ſonſt keinem.
26. Dasmerdetihr Weiſen: Es iſt Fein Tand oder Betrug /
der Artiſta ſoll uns wohl verſtehen / er ſoll das verſchloſſene Klei⸗
nod im Saturno in die Mutter der Gebaͤhrung als in Sulphur ein⸗
führen / und den Werckmeiſter nehmen / und alle Geftälte ger>
theilen / und die Viele der Hunger entfondern : welches der Werck⸗
meiſter ſelber thut / wann der Artiſta das Werck in die erſte Mut⸗
ter einfuͤhret / als in Sulphur: Aber er muß das boͤſe Kind den
Me:curium vonehe mit ver philofophifchen Tauffe tauffen / daß
er nicht ein Huren-kind aus Sole machet / alsdann führe erg in
die Wuͤſten / und verſuche / ob der Mercurius nad) der Tauffe wil
Manna in der Wuͤſten eſſen / oder ober wilaus Steinen Brod
machen? oder ober wilals ein ftolger Geiſt fliegen / und fih vom
Tempel ſtuͤrtzen / oder ob er wil Sarurzum anbeten / in welchen
Der Tenfelverborgen figet /das follder Artifta mercken: Ob Mer-
eurius das böfe gifftige Kind die Taufe annimt / ober won GOt⸗
tes Brod effenmag. Wo er alſo iſſet und inder Verfuchung bes
ftehet / fo werden ihme nad) viergig Tagen die Engel erfcheinen /
fo gehe er ans der Wuͤſten und eſſe feiner Speife / foiftder Ar-
riſta zu feinem Wercke geſchicket / wo nicht / fo lagers ja bleiben /
und halte fich noch zu unwürdigdarzu: Er muß den Berftand
der Gchährung der Natur haben / oder es ift alle feine Mühe
umbſonſt: Es fen dann dag ihme aus Genaden des Höchften cin
Particular ſey gegeben worden / daß er kan Venerem und Martem
tingiren/ welches das Fürgefte ift/fo ihme GOtt ein ſolches Kraͤut⸗
Sein geiget / da Die Tin&ur inne lieget.
27. Der Lunarifche $eib der Metallen lieget im Sude der
" Erden im Sulphure und Mercurio mit Vensris Kleide im Innern
ub r
J
»4 De SIGNATURA Cap. 9.
überzogen / undim äuffern mit Saturni Roͤcklein gekleider/ wie
vor Augen ift/ undift einen Grad aͤuſſerlicher als der Solarifche
$cib; nach Luna iſt Jovis Leib auch einen Brad anfferlicher nach
Jove ift Veneris Leib auch einen Grad Aujferlicher & Aber Venus
iſt ein ſchlimmer Vogel / ſie hat auch den innern solariſchen: Sie
nimt des Martis Roͤcklein über ſich / und verſtecket ſich ſelber in
Saturni Kaſten / aber fie iſt offenbahr und nicht heimlich.
28. Nach Venere iſt Mars auch einen Grad aͤuſſerlicher 1 ıd
näher zur Irrdigkeit; und nach Marteift Mercurii $eib/ alscin
Partickel der andern allen / der irzdifchen Seibligkeit an einem
Theil am näheften / und am andern Theil der himmliſchen am
naͤheſten: Und nach Mercurioift Lunaamı irrdiſchen Theilgang
irrdiſch / und am himmliſchen Theil gantz himmliſch; Er fuͤhret
ein irrdiſch und himmliſch Angeſicht gegen allen Dingen: Dem
Voͤſen iſt er boͤß und dem Guten iſt er gut / einer lieblichen Crea⸗
tur gibet er fein beſtes im Geſchmack / und einer boͤſen gibet er
den Fluch der verderbten Erden.
29 Nun dieſes alles / wie die Eigenſchafft eines jeden Dinges
im Inneren iſt / alſo bezeichnet ſichs im aͤuſſeren / beydes in den
Ichhafften und wachſenden Dingen: das werdet ihr an einem
Kraute fehen/fo wohlan Bäumen un Thieren/auch an Menfchen,
30. Iſt die Saturninifche Eigenfchafft feinem Dinge mächtig
und Primas,foiftsinder Farbe ſchwartz / graulecht / hart un derbe/
ſcharff / ſauer oder geſaltzen am Geſchmack / bekomt einen langen
mageren Leib / an den Augen graw / ſo wohl an der Blume
tunckel / gar ſchlecht am Leibe / aber hart am Angriffe: Wiewohl
Saturni Eigenſchafft ſelten an einem Dingealleine machtigift/
denn er erwecket mit feiner harten Impreſſion balde den Martem,
der macht ſeine Eigenſchafft hoͤckricht un bucklicht / gantz knorrecht /
und wehret / daß der Leib nicht lang waͤchſet / ſondern wirdäftig
und wilde / wie an den Eichenbaͤumen und dergleichen zu ſehen iſt.
31. Iſt aber Venus an einen Orthe im Sude der Erden dem
Saturno am naͤheſten / ſo gibet der Sud im Sulphur Saturni ei⸗
nen langen ſtarcken Leib / dann fie gibet ihre Suͤſſigkeit in Sa-
turni Imprefli ın, davon Saturnus gantz luſtig wird/ und fo Venus
vom Martenicht verhindert wird / fo wirds ein groffer / langer /
ſchlechter Baum Kraut/ Thier oder Menfch / was es dann ift.
32. Iſts aber dag ihme Jupirerin Veneris Eigenfhafft am
naͤheſten ift / daß Jupiter fFärcer im Saturnoift als Venus , und
Mars unter Venere ift / fo wirds cin föftlicher Leib/ voll Tugend
und Krafft/ auch guten Geſchmacks; Seine Augen find *
un
— |
Cap.9. RerRnM. 95
und etwas weißlicht / demuͤthiger Eigenſchafft aber gantz maͤch⸗
tig: Komts daß Mercurius zwiſchen Venus und Jupiſer inne iſt /
und Mars zu unterſt / ſo wird dieſe Eigenſchafft im Saturno im
hoͤchſten Gradgradiret / mitaller Krafft und Tugend / in Wors
* und Wercken / mit groſſem Verſtande.
3. Iſts in Kraͤutern / ſo werden fie lang / eines mitlern Leibes /
führ — geſtalt / ſchoͤner Blumen / weiß oder blaw: Wo ſich
aber die Sonne auch mitihrer Eigenfchafft darzu eindringet / fo
neiget ſichs mit der Farbe offt wegen der Sonnen zur Gelben; ſo
ſie vom Marte unverhindert iſt / ſo iſt das Univerfal gantz herzlich
in dieſem Dinge / es ſey ein Menſch oder andere Ereatur / oder
ein Krautder Erden / Das mag der Magus mercken / es wider⸗
ſtehet aller Boßheit und falſchem Eingriffe von Geiſtern / wie die
auch immer ſeyn moͤgen / ſo ferne ein Menſch nicht ſelber falſch
wird / und ſeine Begierde nach dem Teuffel neiget / wie Adam
thaͤte / in deme das Univerſal auch gang war.
34Mit ſolchen Kraͤutern iſt gut zů curiren und zu heilen ohne eis
nige Kunſt des Artiſten / aber man wird ſie ſelten finden / auch unter
vielen ſiehet fie nicht einer / dann ſie ſeynd dem Paradiß nahe / der
Fluch GOttes verdecket dem boͤſen Auge das Sehen / daß es das
nicht ſiehet / und ob ers fuͤrn Augen ſtehen haͤtte; Jedoch in einer
ſolchen Conjunction der Planeten ſeynd ſie offenbahr / und mögen
ſich nicht verbergen.
35. Darumb liget in manchem Kraute und Thiere groſſe
Heimligkeit / wann diß der Artiſta wuͤſte zu gebrauchen / und ken⸗
netees. Die gantze Msgia liget darinnen / aber wegen des Gott⸗
loſen iſt mir zu ſchweigen gebotten / der es nicht wehrt iſt / und
billich mit der Plage damit er andere Fromme plaget / und ſich im
Kothe ſudelt / geplaget wird.
36. Iſts aber daß Mars in ſeiner Eigenſchafft dem Saturno am
naͤheſten / und Mercurius einen Gegenſchein darein wirfft / und
Veneris Gewalt unter Marte iſt / und Jupiter unter Veneris Ei⸗
genſchafft / ſo wird auß dieſer Eigenſchafft alles verderbet und
vergifftet: Ein gifftig Kraut / Baum / Thier und was das ſeyn
mag: faͤllet es in die verderbte Menſchliche Eigenſchafft / fo iſt
dehme vollend zum Ubel geholffen; komt aber der Monde mit ſei—
ner Gewalt auch darein / ſo iſt die falſche Magia in des Monden
Menſtruo fertig / und die Zauberey offenbahr: Deffen ich allyie
weiter gefhweigen foll/ und nur die Signaturanzeigen.
37. Am Kraut ift die Blume etwas röthlich und fchielicht /
iſt je aberzur Weiße geneiget neben der Rothen / das iſt Veneris
Gewalt /
6 De Sıonaruna Capo.
41
Gewalt / die etwas einen Einhalt darinnen thut / iſt ſie aber nur
rothlecht und tunckel ſchielecht mit einer rauhen Haut am Sten⸗
gel / Laub und Bluͤthe / ſo iſt der Baſiliſcus darinnen zur Herberge:
Dann Mars machet rauh/ und Mercurius iſt gifftig darinnen /
der gibet ſchielichte Farbe / und Mars die rothe / und Saturnus die
tunckele / das iſt eine Peſtilentz im Menſtruo des Monden; aber
dem Artiſten iſts ein Kraut wider Die Peſtilentz / ſo er dem Mer-
curio den Gifft nimt / und gibet ihm Venerem und Jovem zur
Speiſe / ſo fuͤhret Mars die vegetabiliſche Seele in Sole aus / und
machet aus feinem Grimmen-Fewer ein Liebe-Fewer / welches
der Kuͤnſtler wiſſen ſoll / wil er ein Doctor genannt ſeyn.
38. Dieſe Eigenſchafft ſigairet auch die lebendigen Creaturen
beydes im Hall und im Angeſichte: Er gibet einen tunckelen
Hall / etwas zur hellen Stimme geneiget vom Marte, ſchmeich⸗
lende und gang falſch / luͤgenhafft / gemein rothe Puͤncktlein in
Augen / oder ſchielicht verdraͤhende unſtaͤte Augen: Alſo auch
in Kraͤutern am Geſchmacke gantz eckel / davon ins Menſchen
Leben / als im Mercurio, fo er das in ſich bekomt / eine quellende
Gifftentftchet / und das geben vertunckelt.
39. Auff diefer Eigenſchafft Krauter/ fol der Medicusacht
haben / fie dienen gar nicht in Leib / fondern feyndgifftig / weg
Namens ſte auch ſeyn mögen / dann es faͤllet offt eine ſolche Con-
jundion der Planeten / und bereiten wohl manchmahl ein Kraut
Das gut iſt / fo es dem Saturno und Marti unterworffen iſt. Alſo
geſchichts auch offters / daß ein boͤſes von einer guten Conjun-
&ion , fo es in ſeinem Anfange im Menſtruo ſtehet / mag von der
Boßheit erlediget werden / welches man an der Signatur erkennet /
darumb kan ihme der Medicus, welcher die Signatur verſtehet /
am beſten ſelber die Kraͤuter ſamlen.
40. Iſt aber Mars dem Saturno am naͤheſten / und Mercurius
gar ſchwach / und Jup ter unterm Marte in der Eigenſchafft / und
Venus einen Gegenſchein oder Einwurff mit ſeiner Begierde
thut / ſo iſts gut: Dann Jupiter und Venus ſetzen Martis Grimm
in Freuden / das gibet hitzige heilſame Kraͤuter / welche in allen
hitzigen Kranckheiten und Schäden zu gebrauchen ſeynd / das
Kraut wird auch rauh undein wenig ftachlicht / die Aftlein an
Blättern / fo wohl der Stengel iſt ſubtil nad) Veneris Art aber
die Krafft ift Martis und Jovis, vermenget und wohltemperiref/
gemein mit braumnlichten Blumen / außdringende in der Eigen»
ſchafft und ſolches darumb / daß Mars mit feinem Brimm darin
nen ſtarck iſt weil aber fein Grimm von Jove und Venerein
ine
7 \ $
eine freundliche Eigenfchafft verwandelt ift / fo ift der Grimme
eine Freuden⸗begierde
41. Der Medicus foll der hitzigen Kranckheit nicht Saturnum
ohne dem Marte eingeben /nicht Kalte ohne Hitze / er zuͤndet ſonſt
den Martem im Grimme an / dag er den Mercurium in der har⸗
ten Impreflion in des Todes Eigenſchafft erwedet.
42. Einer jeden martialiſchen Krandheit / welche von Hitze
and Stechen iſt / gehöret Mars zur Eur: Aber dasfoll der Me-
dicus wifjen / daßer den Martem , den er wil eingeben / ſoll don⸗
ehe mit Jove und Venere gütigen / daß Martis Grimm in cine
Freude gewandelt werde/ alsdenn wird er auch die Krankheit ing
Leibe in Freude verwandelen / die Kälte iſt ihme gantz zuwider.
43. ©o dir Medicus Saturnum in eine martialifche Kranck⸗
heit oder Schaden einig und alleine einführet/ fo erſchricket Mars
vorm Tode /umd erſincket mit feiner Gewalt in Zodes-Eigen=
Saft / ſo er dann das Feuer im Corpus iſt / fo wird des Lebens
Seuer in dverelementifhen Eigenfihafft tödtlich / dan er erwecket
alsbald dein Mercurium in der Falten Eigenſchafft; aber vor deh⸗
me fol fich verMedicus huͤten / daß er nicht in einer hitzigen Kranck⸗
heit / den rauen hitzigen Martem ‚in dehme der Mercurius gantz
entzündetund brennendift] eingebe : Danner zuͤndet das Feuer
im Corpore fehreran» Erfollden Martem und Mercurium von⸗
ehe gütigen und in Freude fegen / alsdann iſt er recht gut.
44. Schigigerein Kraut iſt / je beffer iſts darzu / jedoch daß
ihme der Feuer⸗grimm in Liebe verwandelt werde / ſo kan es auch
den Grimm im Coͤrper in Freude verwandeln / als nach der
Krankheit Eigenfchafft / dag es die Krandheit erfragen magz
Dann einen ſchwachen Feuer im Leibe welches abgemattet iſt
von der Hitze / und ſich mehr zur Kaͤlte als zur Gifft des Mercutiĩ
neiget / da das Leben faͤhrlich iſt / dehme gehoͤret eine Cur mit
ſubtiler Hitze / da Venus ſtarck innen iſt und Mars gar gelinde
yon Veneris Gewalt / Jupiter darff auch nicht ſtarck allda ſeyn /
er machet ſonſt den Martem und Mercurium zu ſtarck / daß er das
ſchwache Leben / ehe es ſich erquicket / unterdruͤcket / und in die
mercurialiſche Gift einführet.
45. Ein Kraut in diefer obigen Eigenſchafft w achſt nicht
hoch /iſt etwas rauh anzugreiffen / jerauer es iſt / je ——
iſt Mars darinnen / das kan mehr außwendig gebraucht werden
zu Schaͤden als inwendig / das ſubtile gehoͤret in Leib und treibet
aus /je ſubtiler es iſt / je naͤher iſt es deim Leben im Leibe / welches
der Medicus an ſeinem Saltze zu Br hat / dann keine —
wilde
98 De Sıanarura Caps.
wilde Eigenfchafft gehöret in den Leib / der Leib fey dann mit ei⸗
ner geſchwinden Gifft angeltedet worden / da das schen noch
frife) und ſtarck iſt / fo muß ein heftiger Widerſtand feyn/ jedoch
daß Mercurius und Mars nicht im Grimme eingegeben werden /
fondern in ihrer maͤchtigen Krafft: Mars in der groffen Hiße/
aber zuvor in Freude verwandelt / fo wandelt er auch den Mercu-
rium nach fich. Jupiter gehöret zur Berwandelung des grimmiz
gen Martis, aber er muß in Solis Eigenfchafft eingeführet wera
den / alsdann iſt er recht darzır. u
46. Eine jede lebendige Creatur nach ihrem Gefchlechte der
obigen Eigenfchafft ift freundlich und lieblich / fo man mis ihre
freundlich umbgehet; und fo man ihr zuwider thut/ fo wird Mer-
curius in der Gifft⸗Eigenſchafft erwecket: dann Mars erhebet fich
alsbald in der bittern Eigenſchafft / fo quillet der Zorn herfür /
dann der Grundaller Boßheit lieget varinnen / fo esaber nicht
erwecket wird / fo wirds nicht offenbahr / wie eine groffe Kranck⸗
heit im Leibe fieget / weil aber diefelbe verborgen und nicht ange»
zündet wird / foift fie nicht offenbahr.
47. Iſts aber daß Mercurius in der Eigenfchafft dem Saturno
zu naͤheſt iſt / und nach ihme der Monde / und Venus und Jupiter
unten und fchwach ſind /Mars fiche dann wo er wolle / fo iſts
alles irrdiſch / dann Mercarius wird in der ſtrengen Impreſſion
in der kalten Eigenſchafft / als in der Todes-geftalt gehalten/und
fein Sulphur ift irrdiſch / komt Mars nahe darzu /fo ifts auch giff⸗
tig /macht aber Venus einen Begenfchein darein / fo wird dem
Giffte gewehret: Iſt aber doch nurirrdiſch / gibet eine gruͤnliche
Farbe von Veneris Gewalt. —
48. Iſts aber / dag Venus dem Saturno in der Eigenſchafft ans
naͤheſten / und der Mond vom Marte nicht verhindert wird / und
Jupiter auch in eigener Gewalt gehet ſo iſts alles lieblich / die
Kräuter werden fchlecht und weich im Angriff / weiffer Blume:
es führe dans Mereurius aus der Sonnen Gewalt eine gemengte
Farbe ein / als vom Marte halb roth / und vom Jupiter blaulcht ;
amd ift in der Eigenfchafft ſchwach /umd in der Artzney wenig
dienſtlich / doch auch nicht ſchaͤdlich / in der Creatur gibets ein lich»
lich demuͤthig Leben / mit Feiner hohen Bernunfft: Komt aber der
Mars darein/fo wird die Venus begierig un feuriſch zur Unkeuſch⸗
heit / die Ereatur wird fubtil/weiffer und weicher weibifcher Arth,
40. Der fuͤrnehmſten Saͤltze ſeynd drey/ welche man zur Eur
an ag gebrauchen / welche in das vegerabilifche chen gehören = Als
J upitex, Mars und Mercnrins dieſe find Das wuͤrckende Leben / in
welchem
u = use
Dt
Cp.9 ':: Rerum. ‚„
welchem die Sonne der rechte @eift iſt / welche die Saͤltze würden-
de macht. Fl —
so. jovis Saltz oder Krafft / iſt liebliches guten Geruchs und
Geſchmacks aus dem innern Urſtande / von der Freyheit der Goͤtt⸗
lichen Weſenheit / und vom aͤuſſeren von der Sonne und Veneris
Eigenfhafft :Esift aber einig und aileine der Natur nicht ges
nug mächtig / dann die Äuffere Natur feehetin Feuer und Angſt /
als in Gifft / fo ift die jovialifche Krafft dem feurigen Gifft-leben
enfgegen gefeget / das macht in der gifftigen Natur eine Tempe-
rantz /als aus Feindfchafft eine Begierde der Sanfftmuth.
gr. Das wartialiſche Saltz iſt feurig / bitter umd ſtreng / und
das mercurialiſche Saltz iſt aͤngſtlich / gleich einer Gifft zur. Hitze
und Kaͤlte geneiget / dan es iſt das Leben im Sulphur, und eineignet
ſich nach jedes Dinges Eigenſchafft. In Jovis Saltze fo es dar⸗
ein komt / machets Freude und groſſe Krafft / ſo es aber in Martis
Saͤltz kout / ſo machets bitter Stechen / Wuͤthen und Wehethun:
Komts aber in Saturni irrdiſch Saltz / ſo machets Geſchwulſt /
Angſt und Tod / ſo ferne ihme nicht vom Jove und Venere einhalt
gethan wird. Venus und Jupiter ſeynd dein Marti und Mercurio
entgegen geſetzet / daß ſie dieſe beyde temperiren / und ohne Martie
und Mercarıi Gewalt / wäre weder in Jore, Venere noch Sole ein
Leben / ſondern nur eine Stille.
52. Darumb ſo iſt das Voͤſeſte fo nuͤtzlich als das Beſte / und
äft eines des andern Urſache. Alleine dein Medico iſt zu mercken
was er fuͤrhabe / daß er nicht dem Patienten die mercurialifche
Gifft ſehrer entzünde/over.eine audere feindliche Quaal einführer
Zwar er ſoll das martialiſche und mercurialiſche Saltz zur Eur
gebrauchen: / aber ev follden Märtem und Mercurium vonche mif
Venere und Jove verföhnen / daß die beyde Zuͤrner ihren Willen
in Jovis Willen einergeben / dag Jupiter, Mars und Mercurius
alle dreyeinen Willen inder Krafft befommen / alsdann ift Die
Eur gerecht / und wird fich die Sonne des Sehens in diefer Ber⸗
sinigung wieder anz uͤnden / und den Ekel der Kranckheit auch alfe
in der Widerwertigkeit im Saltze der Kranckheit temperiten 7
und aus Mercurii Gifft / und Martis bittern Feuer einen froͤlichen
Jupiser machen.
53. Diefes iſt alfo nur auff die vegerabilifche Selen zu vers
ftchen / als auff den äuffern Menſchen der inden vice Elementen
lebet / und auff die enGbilifege oder fühlende Eigenſchafft.
154. Ratio oder die Bernunfft dat ihre Eur auch mit ihrer
Bleihheits Wieder Vernunfft m orten kan eine —
1 2 htit
109 De Stenarura Cap!
heit in Senfibilia eingeführet werden / daß fich Die Vernunfft
kraͤncket und quaͤlet / amd endlich in ſchwert Kranckheit und Tod
einjühret 2 Alfo Kan fie auch mit dem Gegenfage deffelbigen
Dinges curiret werden. Als ich fege ein Erempel: Es kaͤme eitt
guter Mann in groffe Schuld/ Kummer und Noth / der Erändet
ſich endlich zu todte: Sp aber ein guter Freund komt / und zahlet
ihme die Schuld) fo ift die Cur mit der Gleichheit ſchon da: Alfe
ifts in allen Dingen / wovon die Krandheit ift entftanden / der⸗
gleichen Cura schöret zur Geſundheit / folches ift auch in der
mentalifchen Seelen.
35. Dem armen Sünder iftfeine Seele in GOttesZorn vers
gifftet worden / und iſt der Mercurius (verfichet den ewigen Mer-
curium in der ewigen Natur Jin der feelifchen Eigenfchafft in
dem feurigen Marte GOttes Zorns entzündet worden / der bren⸗
net nun in dem ewigen Saturno, als in der erfchresflichen Impres-
Sion der Finſternuͤß / und fuͤhlet den Stachel des giftigen zoͤrni⸗
gen Martis : Seine Venus ift im Hauſe des Elendes gefangen /
fein Waſſer iſt vertrucknet/fein Jupiter des Berftandes ift in die
geöjte Thorheit eingeführet worden / feine Sonne ift verloſchen /
und fein Mond zurfinftern Nacht worden.
56. Dehme mag anderft nicht gerathen werden / als mitder
Gleichheit / er muß nur wider ven mentalifchen Mercurium fänff>
tigen z Er muß die Venus, verftchetdie Liebe GOttes nehmen /
und in feinen gifftigen Mercurium und Martem cinführen/ und
den Mercurium in der Seelen wieder mit der Siebe tingiren / fo
wird feine Sonneinder Seelen wieder fiheinen /und fein Japi-
ter fich freuen.
57. Sprichft du nun / ich kan nicht / ich bin zu ſehr gefangen /
ſo ſage ich: Ich kan auch nicht / dann es lieget nicht an meinem
Wollen) Lauffen und Rennen / ſondern es lieget an GOttes Er⸗
barmen / dann ich Fan aus eigener Gewalt nicht dem grimmen
Zorne GOttes feine Gewalt nehmen /derin mir entzündet iſt:
weilfich aber fein liebes Hertz aus Liebe / und in Liebe hat wieder⸗
umb in die Menſchheit eingegeben / als in den gifftigen entzuͤnde⸗
ten Mercurium in der Seelen / und die Seele als den Gifftzquaal
der ewigen Natur in des ewigen Vatters Ratur Eigenfchafft
tingiret / ſo wil ich meinen Willen in ſeine Tingirung einwerffen /
und wil mit meinem Willen aus der entzuͤndeten Gifft-quaal /
aus dem böfen Mercurio in GOttes Zorne / in ſeinen Tod eingehen /
und mit meinem verderbten Willen in ſeinem Tode in und mit
ihm ſterben / und ein Nichts in ihme werden / ſo auf er me —
werden:
Cap.9. Rerum. For
werden: Daun fo mein Wille cin Nichts ift/ fo iſt er in mir ung
erwil/ fo kenne ich mich alsdann nicht mehr mir/ fondern ihm.
sg. Wil eraber dag ich etwas ſeyn foll / fo mache ers; wiler
aber nicht / fo bin ich in ihme todt / fo lebet er in mir wie er wil: fd
ich alsdann ein Nichts bin/fo bin ich am Ende in dem Weſen / dar⸗
aus mein Barter Adam gefchaffen ward / dann aus dem Richie
hat GOtt alles gemacht.
59. Das Nichts iftdas höchfte Gut / dann es iſt feine Tatcba
darinnen / fo kan mich nichts ruͤhren / dann ich bin mir felber
nichts / fondern ich bin GOttes / der weiß was ic) bin / ich var es
nicht / ſoll es auch nicht wiſſen. Und alſo iſt die Eur meiner See⸗
len⸗kranckheit / der es mit mir wagen wil / der wirds erfahren /
was GOtt aus ihm machen wird. Als ich ſetze ein Exempel:
60. Ich ſchreibe allhie / und ich thue es auch nicht / dann ich / der
ich bin / weiß nichts / habe es auch nicht gelernet: ſo thue nun ichs
nicht fondern GOtt thut in mir was er wil: Ich bin mir nichts
bewuſt / ſondern ich weiß ihme / was er wil: Alſo lebe ich nicht
mir / ſondern ihme / und alſo ſind wir in Chriſto nur Einer / als ein
Baum in viel Aeſten und Zweigen / und die Frucht gebiehret er in
jedem Zweiglein wie er wil / und alſo hab ich ſein Leben in meines
gebracht / daß ich mit ihme verfoͤhnet bin in feiner Liebe.
61. Dann fein Wille iſt in Chriſto indie Menſchheit in mich
eingegangen / fe gehet nun mein Wille in mir in feine Dienfche
heitein / und alforingiret mir fein lebendiger Mercurius , das iſt /
fein Wort / alsder fprechende Mercurius meinen grimmigen boͤ⸗
fen Mersurium , und tranfmutiret meinen in feinen / und alfo ift
mein Mars ein Siebe-feuer GOttes worden / und fein Mercurfus
fpricht durch meinen / als durch feinen Werkzeug was er wil/ und
alfo lebet mein Jupiter in Freuden GOttes / und ich weiß es nicht]
mir ſcheinet die wahre Sonne / und ich ſehe fie nicht : Dann Ur⸗
fache ift diefes ;
62. Ich febe mir felber nicht / und ſehe mir ſelber nicht / w
weis mirfelbernicht. Ich bin ein Ding / und weiß nicht wa
dann GOtt weiseswasihbin. So lauffe ich nun dahin / als
ein Ding /wie michder Geiſt im Dinge treibet / und alfo lebe ich
nach meinem innern Willen der doc) wicht meine iſt.
63. Ich finde aber noch ein ander Leben in mir /der ich bin /
nicht siach ver Gelaffenheit / fondern nach der Creatur diefer
Welt / als nach der Gleichnuͤß der Ewigkeit : Duffelbe Leben
ſtehet noch im Gifft und Streit / und ſoll noch zum Nichts wer⸗
den / als dann ſo bin ich gantz u Yale So iſt nun in .—
3 en
12 DeSıewmarura Cap$i
ben Schen/ darinnen ich noch meine Ichheit empfinde / die Sünde
und der Tod / und das foll zunichte werden / Denn in dem Leben /
das GOtt in mir iſt / bin ich der Sünden und dem Tode feind/
und nach dein chen Das in meiner Ichheit noch iſt / binich dem -
Nichts (als der Gottheit) fein.
64. Alſo fireitet ein Leben wider das andere / und iſt ein ſtaͤter
Streit in mir. Weil aber Chriſtus in mir gebohren iſt / und in
mieiner Richtheit lebet / ſo wird Chriftus wohl nach feiner Ver⸗
heiſſung im Paradeiß gefihehen) der Schlangen / als meiner Ich⸗
heit / den Kopff zertretten / und den boͤſen Menſchen in meiner
Ichheit toͤdten / auff daß der lebe / der er ſelber ift.
65. Was foll aber Chriſtus mir dem boͤſen Menſchen thun /
ſoll er ihn wegwerffen ? Nein / dan er iſt im Himmel / und verbrin⸗
get ſeine Wunder in diefer Welt / welche im Fluche ſtehet: Damit
ſo arbeitet nun ein jeder in dem ſeinen / der aͤuſſere arbeitet in
der verfluchten Welt / welche iſt boͤſe und gut / in den Wundern
Gottes / als im Spiegel der Herrligkeit / welche an ihme noch fol
offenbahr werden: Und der innere iſt nicht feiner ſelbſt / ſondern
das Werckzeug GOttes / mit dehme macht GOtt was er wil / biß
der aͤuſſere mit ſeinen Wundern im Spiegel auch in GOtt offen⸗
bahr wird werden: Alsdann iſt GOtt alles in allem / und er in
ſeiner Weißheit und Wunderthat alleine / und ſonſt nichts mehr /
und das iſt ver Anfang und das Ende / die Ewigkeit und die Zeit.
66. So verſtehets nun recht; ſo gehoͤret nun dem aͤuſſern ſeine
Cur von dem aͤuſſeren / als von dem aͤuſſeren Willen GOttes /
der fich mit der ſtchtbahren Welt hat aͤuſſerlich gemacht / und dene
innern von der innern Welt / welche GOtt alles in allem iſt / nur
einer / nicht viel / einer in allem / und alle in einem. So aber der
Innere durch den Aeuſſern dringet / und ſeinen Sonnenſchein
durch ihn fuͤhret / und der Aeuſſere den Sonnenſchein des Innern
annimt / fo wird er durch den Innern tinßiret / curiret und gehei⸗
t / und der Innere durchſcheinet ihn / gleich wie die Sonn das
oder wie ein Feuer das Eiſen durchgluͤet. Jetzt bedarff
er keiner andern Eur,
67. Weil aber der Teufel im Grimme der ewigen Natur / als
ein Feind der Seelen / der Setlen entgegen ſtehet / und feine giff⸗
tige Imagination immer nach der Seelen fuͤhret / fie zu ſichten /
und der Zorn oder Grimm der ewigen Natur im auffern Meits
ſchen offenbahr iſt welchen Adam erweckete / fo wird derfelbe
Grimm offt vom Teufel und feinen Dienern erwecket / daß er im
aͤuſſern Leibe qualificiret und brennet / alsdann erliſchet Das in⸗
vers
m
— —
Cap. ꝙ. RERum. 10%
nere Liebesfeuer im aͤuſſern Menſchen / wie ein gluͤend Eifen im
Waſſer erliſchet / nicht im innnern alfobalde/ fondern im auffern z
Es fen dann / daß der äuffere im Waſſer der Suͤnden bleibe lies
gen / und daß die Seele / welche ſich zuvor hatte ins Nichts / als in
die Freyheit ins Leben GOttes ergeben / mit ihrer Begierde in
den aͤuſſeren ſuͤndlichen Menſchen eingehe / ſo verleutet ſie die ine
nere Sonne / dann ſie gehet wieder aus Dem Nichts in das Et⸗
was / alsindie Auaal cin.
63. Alſo muß der Auffere Seib alsdan eine auffere Eur haben /
und ob gleich der innere Menſch noch in GOtt [cher / und die
Seele aber in Auffern Grimm hafimaginiret / dag die Göttliche
Tingirung nicht mehr im auffern iſt fo muß doch der aͤuſſere
NMercutius, als das außgeſprochene Wort eine Tingirung von der
aͤuſſeren aufgefprochenen Siebe umd Sicchte haben | es fey dann
das der Willengeift der Seelen gan& wieder in den inneren
verborgenen Menſchen eingehe / md wiederumb tranfimuriref
werde /fomag die Eur wieder in den aufferen tingeführet wer⸗
den /als die durchfcheinende Liebe GOttes im Liechte / welches
wohledelift. Aber das ift jet ein ſeltza m Kraut auffẽrden: Dañ
Die Menfchen effen nur vom verbottenen Baume / darum 36 fo
quillet in ihnen auff der Schlangen Sifft / im Grimme der ewi⸗
gen und Äufferen Natur / fo muͤſſe n ſie auch eine aͤuſſerliche Cur
haben fuͤr ihren Schlan gen⸗gifft im aͤuſſern Mercurio.
69. Es iſt wohl möglich / daz ein Menſch ohne Krandpeit le⸗
be / aber er muß die Göttliche Tirgiruing vom inneren Menfigen
Durch den Aufferen führen / welchesin der Welt ſchwer it / dann
der Auffere Menſch lebet mitten unter den Dornen des Grim—
mes GOttes / die ſtechen auff allen Seiten auff ihn / und blafen
ihme ven Grimm GOttes auff/ dag er im aufferen Menſchen
brennet/fo mag alsdeñ die Tingirung der Liebe GOttes allda nicht
bleiben; ſie iſt wohl allda / aber nicht in den aͤuſſeren entzün
ten Greueln / ſondern fie wohnet in ſich ſelber / gleich wie das Li
4 A -
in der Finfternüg wohnet / und die Sinfternüg ergreiffets use
weiß auch nichts davon / warn aber das Liecht in der Finſternuͤß
offenbahr wird / ſo iſt die Nacht in Tag verwandelt.
70. Alſo gehets auch mit dem Menfchen: von welchem Liecht
der Menfch lebe ; von demfelben komt auch feine Eur s febet er ur
der äufferen Welt / ſo muß auch die Auffere Guͤte und Siche/ als
der aͤuſſere Ju piter und Venus mit der Sonnen feine Cur ſeyn
oder bleibet im zornigen Marte und im gifftigen Mercutio, im
irrdiſchen Mond / in der Impreſſion gefangen / als im irr⸗
diſchen
104 De Sıenarura Capo.
diſchen Sulphur , melcher ohne das im aͤuſſern Menſchen mit
Adam erwecket und offenbahr worden ift ; umb welches willen der
auſſere Menſch fterben/ verfaulen / und alfo auch ins Nichts / ale
ans Ende / over beffer zu fegen in Anfang der Schöpfung ing
Weſen / Daraus er mit Adam außgieng / eingehen muß.
Das 10. Capittel.
Bonder innern und Äuffern Curdes Menſchen.
2. Er Liebhaber GOttes verftche Ins nur recht / wir
gehen nicht auff einen hiftorifchen / heydniſchen
Wahn /nur alleine auff das Liecht der Aufferen
Natur / (uns fcheinen beyde Sonnen. Verſtehet
Uns nur recht / und ſehet an / wie GOtt habe den
Menſchen (als ihn ver Schlangen-und Teufels-gifft im Tode
ſteng) curiret/ und wie er noch heute / die arme im Zorne GOttes
gefangene Seelen curiret. Eben folchen Procefs foll auch der
Medicus haften mit dem aufferen Eörper.
2. An Adam verlaſch Das Göttliche Liecht und Die Liebe / die⸗
weil er in der Schlangen Eigenſchafft / als in Boͤß und Gut
imaginirte/ alſo hub im Mercurio die Todes:gifftan zu qualifici-
ren / und ward die Zorn-quanlim ewigen Marte brennende/ und
die finjtere Impreflion der ewigen Natur Eigenfchafft nahm ihr
ein / fein Leib ward in der finfteren Impreflion im Gifft des enfe
zündeten Mercurii gu Erden/ und eine Feindſchafft wider Gott /
es war umb ihn gefchehen / und war fein Rath bey Feiner Crea⸗
tur / weder im Hinimelnoc in diefer Welt / der grimmige Top
hatte ihn in Seel und Leib gefangen.
3. Nun wie machte es GOtt / daßer ihn curirefe/und wieder
singirete / nahm er etwas frembdes darzu? Nein / Er nahm die
Gleichheit und curirete ihn mit dehme / was in ihme war verdor⸗
als mit dem Goͤttlichen Mercurio, und mit der Goͤttlichen
enere, und mit dem Goͤttlichen Jove , verſtehet / im Menſchen
war das außgeſprochene Wort / das heiſſe ich den ewigen Mercu-
rium im Menſchen / dann er iſt das rechte fuͤhrende Leben / er iſt
dem Menſchen-bilde / das ED TTaus ſeinem Weſen in ein
Bild nach Gott ſchuff / eingeblaſen / oder eingeſprochen worden /
als in ein creatuͤrlich Bild / das war die Seele mit der Eigen⸗
ſchafft aller dreyen Welte:
4. Als x. mit der Welt des Liechts und Verſtandes / das iſt
Gott /und 2. mit der Feuer⸗welt / das iſt die ewige Nattır des
Batters
4 Cap.ıe. Rerum. 105
Batters aller Weſen / und 3. mit der Liebe⸗welt / das iſt / die
himmliſche Leibligkeit / dann in der Siche-begierde wird das We⸗
fen / als die geibligkeit. Die Begierde der Libe iſt Geiſt / und iſt
das Here GOttes / als der rechte Göttliche Berſtand. Inder
Liebe Weſen iſt der Mercurius GOttes Wort / und in der feuri—
ſchen Natur iſt er der Grimm GOttes / der Urſtand aller Bea
wegligkeit und Feindligkeit / auch der Staͤrcke und Allmacht:
Die feurige Eigenſchafft machet das Liecht / als die Freyheit
GoOttes begierig / auff daß das Nichts eine Begierde iſt.
5. Dieſe Begierde iſt die Liebe GOttes / die hat Adam in ſich
verleſchet / dann er ĩmaginirte nach Boͤß und Gut / das iſt / nach
Irrdigkeit;die Irrdigkeit iſt aus dem Grimme und aus der Siebe
Weſen / in ein Weſen gegangen / und ſolches durch GOttes Be⸗
wegen / auff daß die Wunder des Abgrundes und Grundes offen⸗
bahr würden / dag Gut und Boͤß erkannt und offenbahr würde /
und das ſollte Adam als das Bild GOttes nicht thun dan GOtt
pet ihn in fein Wild gefchaffen / er follte mit dene Wort. der Siebe
ie Feuer⸗ und aͤuſſere⸗Welt tingiren / daß der Feine in ihme of>
Baba: würde /gleich, wie der Tagdie Nacht in fich verſchlun⸗
gen hält.
6. Aber mit der falfchen Imagination , hater die finftsre und
gifftige mercurialifche Feuer⸗welt in ihme erwecket und offen»
bahret / alfo ift ſein leiblich Weſen der finftern Impreflion in der
giftigen mercurialifchen Eigenfchafft in das böfe Theil heimge⸗
fallen / und iſt Die Scels in der ewigen Natur in des Vatters
Seuerszeigenfchafft als im gifftigen feindlichen Mercurio offen»
bahr worden ) nach welchem ſich SOtt einen gornigen / cyferige
GH / und ein verschrend Feuer nennet.
7. Diefem. wieder zu. helfen / als dem Bilde GOttes / muſte
GOTZ vie rechte Eur nehmen /umd eben dieſelbe / deffen der
Menſch war in der Unſchuld gewefen: Nun wie machte ers aber %
Siehe Menſch / fiehe Menſch / eröffene deinen Derftand / dir 4
wird geruffen. *
8. Er fuͤhrete wieder derrheiligenMercurium it der Liebe Fam⸗
men / als in der feurigenLiebe mit der Begierde der goͤttlichen We⸗
ſenheit / oder nach goͤttlicher Weſenheit (welche Goͤttliche Leiblich⸗
keit in ſich machet) in das außgeſprochene Wort / als indie mercp-
rialiſche Feuer⸗ſeele (verſtehet in die ſeeliſche Eſſeotz in Leibe Ma⸗
tie) ein / und ward ſelber daſſelbe Bild GOttes / er tingirete dem
Bifftiels des Batters aller Weſen Grim̃ / mit dem Liebe⸗feuer / er
nahm eben nur denſelben Merourium, den er Haste in Idam in ein.
Ey; Dur
206 Ds Stewarura Cap: to.
Bild eingeblaſen / und in eine Creatur formiret/nur deſſen Eigen⸗
ſchafft nahm er / aber nicht in des Feuers / ſondern in der breñenden
Liebe / er fuͤhrete mit der Liebe das Liecht der ewigen Sonne mit»
der in die menſchliche Eigenſchafft / auff daß er den Grimm des
entzuͤndeten Mercerii in der menſchlichen Eigenſchafft tingirete /
und mit der Liebe anzuͤndete / daß der menſchliche Jupiter, als der
Göttliche Verſtand wieder herfuͤr gienge,
9. Ihr Medici verſtehet ihr allyie nichts / ſo ſeyd ihr ins Teu⸗
fels Gifft gefangen / ſehet doch die rechte Eur an / womit dem ent⸗
zuͤndeten Mercurio ins Menſchen Leben zu helffen ſey / es muß
wieder ein Mercurius ſeyn /aber zuvor in Venere und Joveanges
zündet; Er muß ver Sonnen Eigenſchafft haben durch Jovem-
und Venerem erlanget: wie GOtt mit uns armen Menfchen
thut / alfo muß der Äufferevergifftete Erancke Mercuriusmiteiner-
folchen Aufferlichen Eurtingiret werden / nicht mitder finftern
Impreffion Saturni mit Kaͤlte / ſte werde dann zuvoren mit Jove
und Venere verföhnet / daß die Sonne im Saturno ſcheinet / ſon⸗
dern mit ſanffter Liebe / das iſt ſeine rechte Artzney / davon der
Tod ins Leben verwandelt wird / das iſt nur eine gemeine Hand⸗
Eur / die der Laͤye mercken kan.
10. Dem Do&or, wil er Door genannt ſeyn / gehoͤret der⸗
gantze Proceſs zu ſtudiren wie GOtt das Univerlalim Men⸗
ſchen hab herwieder bracht / das iſt an der Perſon Chriſti von
feiner Eingehung indie Menſchheit / big zu feiner Himmelfahrt
and Sendung des heiligen: Beiftes gantz Flar und offenbahr.
Dieſem einigen Procels foll er nachgehen /fo mag er das Univer-
fal finden / fo er aber aus GOtt wievergebohren iſt: aber die ei⸗
gen Wolluſt / weltliche Herrligkeit / Geitz und Hoffarth lieget
euch im Weege. Lieben Doctores, ich muß euch ſagen / die Kohlen
ſeynd zu ſchwartz / ihr beſudelt die weiſſen Hande damit / ſo ſchmaͤc⸗
ket euch die rechte wahre gelaſſene Demuth vor GOtt und Men⸗
ſchen auch nicht / ihr haͤttet ſonſt kein groͤßer Anſehen als andere
Menſchen / darumb ſeyd ihr blind / das ſage nicht ich
ſondern der Geiſt der Wunder in ſeiner Offenbahrung.
xx. Dem begierigen Sucher aber / der dannoch gerne wolte
ſehen / waͤße er die Weiſe ſich darein zu ſchicken / wollen wir An⸗
leitung geben / dann die Zeit iſt gebohren da Moyſes von
den Schafen zu des HErren Hirten beruffen wird / das
wird in kurtzem offenbahr ſeyn / wider alles Wuͤthen
des Teufels / die werthe Chriſtenheit ſoll —
vor
*
Cap. ro. Rerum. r07
weil es anjetzo das Anſehen hat / als ſollte fie zu Grunde
gehen / daß es aus mit ihr ſey / Nein / der Geiſt des Her—
ven hat einen neuen Zweig aus feiner Liebe in menſch⸗
liche Eigenſchafft gepflantzet der die Dornen des Teu⸗
fels vertreiben wird und fein Kind Jeſum offenbahr
machen allen Voͤlckern Zungen und Sprachen/und folz
ches inder Morgenröche des ewigen Tages.
12. Sehet doch die Eur recht an / lieben Brüder / wasthäte
Gott mit ung da wirim Tode Fran lagen/ warffer das geſchaf⸗
fene Bilde / verſtehet das Auffere Theil als den auffern ververb> -
ten Menſchen gar weg/ und machete einen gang neuen fremder
Menſchen? Nein/dasthäteer nicht; ob er gleich Göttliche Eigen»
fchafft in unfere Menſchheit einführete/ fo warff erunfere
Menfchheit darumb nicht weg/ fonderner führete fie in Procels-
zur Wiedergebuhrt,
13. Was thäte er? Er lieh die äuffere Menſchheit / als das
Auffere Waſſer / verftehet Veneris Weſenheit / weldesim Grin
me des Todes verfchloffen lag/ tauffen mit dem Waſſer des ewi⸗
gen Weſens und mit dem heiligenGeifte/auff daß der Moder der
in Ted geſchloſſenen aͤuſſeren Weſenheit wieder glimmend
ward / als obein Feuer in einen Zunder faͤlt; hernach entzog er
dem aͤuſſern Leibe feine aͤuſſere Speiſe / uñ fuͤhrete ihn in die Wuͤ⸗
ſten / und lie ihn hungern / fo muſte derangezuͤndete Funcke vom
Feuer GOttes in GOtt imaginiren und von Goͤttlicher Weſen⸗
heit 430 Tage Manna eſſen / dehen Iſrael in der Wuͤſten Sina
mit ihrem Manna ein Fuͤrbilde iſt: der Ewigkeit Weſen muſte
der Zeit Weſen uͤberwinden / darumb hieß es eine Verſuchung
vom Teufel.
14. Und der Teufel als ein Fuͤrſte im Grimme GOttes / vers
ſuchte allda die aͤuſſere Menſchheit / und ſtellete ihr alles das für /
daran Adam war gefallen / und GOtt ungehorſam worden: da
ward verſuchet / ob nım das Bilde GOttes wolte beſtehen / weil
am innern GOttes Liebe-Feuer / und im Auffern die Tauffe des
Waſſers des ewigen Lebens war / bie ward die Seele verfüchet /
ob fie wolte cin König an der gefallenen Engel ftelle/ / und ein
englifeher Thron ſeyn / und den außerwählten Stuhl GOttes
im Königlichen Ambte befigen / von welchem Lucifer getrichen /
und in die Finfternüß/ alsin Stuhl des Gifts und Todes ge=
foffen worden: weiler aber beſtund / und daß die Scele ihren
Willen alleine in GOttes und wi
E cha
108 DeSıcnarura Cap.re
keiner irrdiſchen Speiſe / noch das irrdifche Neich boͤß und gut
zum auffern Regiment / fo gieng forder der Procefs zum Univer-
{al ‚als zur Wiederbringung alles deflen was Adam verlohr/ anf
er machte Waffer zu Wein.
15. Ihr Medici merdet diß / esgilteuch in ewrem Procefs,
uhr muͤſſet auch alfogehen.: Gr machtedie Kranden gefund / ibe
muͤſſet die Geftaltnüß in ewrem gifftigen Mercurio auch durch
die Gewalt der Philofophifchen Zauffe geſund machen: Er machte
Tode Ichendig / Sprachlofe redende/ Die Tauben hörende/ die
Blinden ſehende / und die Außfägigen rein / dns allesmuß zu⸗
vorhergehen / daß. alle Geſtaͤlte im Mercurio rein / / geſund und
lebendig werden/welches der Mercurius nach der Tauffe und Vers
ſuchung alles felber macht / gleich wie der lebendige ſprechende
Mercurius folches inder Perfon Chriftithäte.
26. Der Künftler kans nicht thun / alleine Glauben muß da
feyn : Dann Chriftus bezeugte auch / daß er zu Capernaum habe.
mögen. menig Wunder thun / ohne ein wenig Siechen geſund
emacht: Daũ der. Capernaiten Glaube moltenichtinden Goͤtt⸗
ichen Mercurium Chriſti eingehen: So ſehen wirs allda / dag,
Die Perſon Chriſti / als die Creatur nicht habe koͤnnen die Wun⸗
der incigener Macht wuͤrcken / ſondern der Mercurius, als das
lebendig ſprechende Wort in ihme: Dann die Perſon hat auch nr
GOtt / als in das ſprechende Wort geruffen / und feine Begierde
darein geſetzet / wie am Oehlberge zu ſehen / daß er gebehtet / daß
ex blutigen Schweiß geſchwitzet / und beym Lazaro / als er ihn
wolte auffwecken / ſprach er: Vatter / erhoͤre wich / aber ich weiß
Bag du mich allezeit erhoͤreſt / ſeondern uuib der Umbſtehenden wil⸗
len ſage ichs / dag ſie glauben du wuͤtckeſt durch mich.
17. Alſo ſoll der Kuͤnſtler ihme ſelber nichts zumeſſen / der
Mercurius nach der Philoſophiſchen Tauffe thut ſelber dieſelben
Wunder / ehe er das Univerfal offenbahret / dann es muͤſſen alle
ſieben Geſtaͤlte der Natur criſtalliret und lauter werden / ſoll
Das Univerfal offenbahr werden: und cine jede Geſtalt fuͤhret ei⸗
nen ſonderlichen Proceſs, wann fie ſoll aus des Grimmes Eigen⸗
ſchafft in das lautere klare Leben eintretten / und ih ins Cri⸗
ſtalliniſche Meer / welches vor dem Stuhl des Alten in der Offenz
bahrung ſtehet / trans mutiren / und ſich ins Paradis verwandeln /
Dann das Un’verfalift Paradiſiſch / und Chriſtus kain auch nur:
darumb in die Menſchheit / daß er das Univerfalalsdas Paradis
am Menſchen wieder eroͤffnete oder offenbahrete: Das ſprechende
Mor in Chrifte / hat durch alle ſieben Eigenſchafften oder et
. ala
Cap.10 Rerum 103
ſtaͤlte / durch das ausgefprochene Wortinder Menſchheit / Wun⸗
der gewuͤrcket / ehe das gantze Univerſal im Leibt der menſchlichen
Eigenſchafft offenbahr / und der Leib verklaͤret ward.
18. Alſo gehet es auch zu im philoſophiſchen Wercke / wann
der. in Tod geſchloſſene Mercurius die Tauffe feiner Wieder-er⸗
quickung in der Siebe in fich empfähet / fo offenbahren ſich alle fies
ben Geftälte in folcher Eigenfchafft / wie im Procefs Chrifti ges
ſchehen ift/in feinen Wunderwercken / aber fie ſeynd in der Wuͤrca
kung ihrer Eigenſchafft Offenbahrung noch nicht volllommen:
Das UVniverlal iſt noch nicht da / biß ſie alle ſteben ihren Willen
in einen geben / und ihre Eigenſchafft im Srimme verlaſſen / und
davon mit ihrem Willen ausgehen / und der Liebe Eigenſchafft in
ſich nehmen / ſie muͤſſen des Nichts Willen in ſich nehmen / daß
ihr Wille ein Nichts iſt / alsdann beſtehet er im Grimme des
Feuers / und iſt keine Tueba mehr darinnen.
19. Dann ſo lange die Begierde des Grimmes in der Geſtalt
iſt / ſo iſt ſte der andern Geflalt widerwertig / und entzuͤndet die
andere Geſtalt mit ihrer Grimmen Eigenſchafft / das iſt / fie
ſchlaͤget der andern ihre Signatut, daß die andere im Grimme er—
wecket wird / fo zündet ſich alsdann der andern Hallim Mercurio
der erften Geftalt Eigenſchafft an / und mag alfo Feine Geſtalt
zur Vollkommenheit Eommen / daß ſie in die Siche eingienge.
30. Darumb kan der Künftler nichts machen / ergebe danız
den Beftalten eine Speife die fie alle gerne eſſen / Da feine Turba
innen ift/ fo fönnendie Eigenfchafften auch nicht effen / weil ih⸗
nendas Maulin der Impreflion Satutni gefroren iſt / der Kuͤnſt⸗
ler muß ihnen vonche das Maul auffthun / und fie in ihrem Eyfer
lebendig machen / daß alle Geſtaͤlte hungerig werden / ſo alsdann
das Manna da iſt / ſo eſſen ſie alle zugleiche davon / fo wird das
edle Senffkorn eingeſaͤet.
21. Wann nun alſo der Mercurius vom Tode der Impreſſion
Saturni auffwacht / und krieget Manna in den Mund feiner Ei—⸗
genſchafft der gifftigen Todes-quaal / ſo gehet der Schrack der
Freudenreich auff / dann es iſt gleich als wie ſich ein Liecht in der
Finſternuͤß anzuͤndet / Dann die Freude oder dic Liebe gehet mit⸗
ten im Zorne auff: So nun derMercurius den Anblick der Liebe
im Marte ergreiffef / fo erfchricket der Grimm vor der Siebe / und
iſt wie cine Transmutation, iſt aber nicht fir und befländig / und
alsbalde diefes geſchicht / fo erzeigen ſich die englifchen Eigen»
ſchafften im Blick.
— PRO:
zro DESICNATURA Cap.ıo)
EBPROCESSUS
In der Verſuchung.
ir. REſus ward nom Geiftein die Wuͤſten gefuͤhret / da tratt
— der Teufel zu ihm und verſucht ihn.
Alsdie Seele Chriſti hungerte / fo fprach der Teufelzu Jeſu:
Schleug das Centrum im Steine auff / das iſt /den geimpreffer
ten Mercurium, und mache dir Brod/ iffeder Seelen Eigen
ſchafft Wefenheit / was wiltuvom Nichts / als vom fprechenden.
Worte eſſen ? Affe vom ausgefprochenen Worte / alsvon der Eis
genſchafft Boͤß und But / fo biſtu ein Herzinbeyden: Das war
auch Adams Biß / daran erden Tod aß / da ſprach Chriſtus JE⸗
fus: Der Wenſch lebet nicht alleine vom Brod / ſondern von ei⸗
‚nem jeglichen Worte / das durch den Mund GDttes gchet.
23. Siche / warvon kam der Perſon Ehriftider Wille / dag
er mit der Seelen Hunger nicht wolte vom Brod eſſen / das aus
den Steinen konte werden / das er dad) haͤtte koͤnnen machen ?
sder wie wäre es geweſen / wann der Hunger der menfchlichen-
Eigenſchafft nach der Salbung der Taufe allhie in der Verſu—⸗
chung hätte vom Mercurio der Impreſſion des Todes geffen / als
vom Sulphuredes ausgefprochenen Worts / in welchem der Zorn
war / und die Siehe davan geflogen war / wie es dann in irzdifcher
Eigenſchafft alſo iſt.
24. Sichejder Wille und Begierde vom ſprechenden Wort zu
effen, kam in der Seelen Eigenfchafft/ vom Bewegen der Gofts
heit: Als ich derſelbe inder in Tod eingefehloffenen feelifchen EL-
ſentz in Maria feiner Mutter/ in ihrer Effent oder Saamen
beweget hatte / und der todten ſeeliſchen Eſſeiz den Blick des Au⸗
ges GOttes in der Liebe eingefuͤhret / und die Liebe im Tode offene
bahret hatte / ſo begehrete nun eine Göttliche Eigenſchafft die ans
dere / und die Begierde des leiblichen Hungers von GOttes Brod
oder Weſen zu eſſen kam von der Tauffe; als das Waſſer des:
Coͤrpers / welches in der Impreflion des in Tod eingeſchloſſenen
Weſens / das Waſſer des ewigen Lebens im heiligen Geiſte /als
des hiiligen Geiftes Leibligkeit / oder Weſenheit inder Zauffe
Eoftete / fo gieng der Moderdes Göttlichen Hungers der bren⸗
nenden Begierde nah GOttes Weſen im Fleiſch auff/ als ein:
Goͤttlicher Hunger / ein glimmend Moder Göttlicher Eigens
ſchafft. ae,
25, Jetzt mufte der Menſch Ehriftus in Leibund Seel er
| anf
Cap. 10. Rerum tre
auff diefes verſuchet werden/ von welchem er eſſen wolte: auff
einem Theil war das ausgefprochene Wort aus Liebe und Zorn
für Leib und Seele geftellet/in welchem der Teufel wolte ein Here
ſeyn / und darinnen allmächtig herrfchen ; und auff dem anderm.
Theilward der Scelen und dem geibe das ſprechende Wort in der
Siebe Eigenfchafft alleine fuͤrgeſtellet.
26. Allhie gieng nun der Gtreitan/ melden Wamim Paras
dis ſollte beſtehen: dann an einem Theil fegete GOttes Liebe⸗
Begierde / welche fich in der Seelen hatte offenbahret / barte am:
Die ſeeliſche und leibliche Eigenfharft an / und führete ihre Bes
gierde in diefeelifche Eigenschaft ein / die Seele follte davon eſ⸗
fen / und dem $eibe davon Manna geben; und auff dem andern
Theil fegte der Teufel in GOttes Grimme⸗Eigenſchafft inder-
Seelen Eigenfihafft an / und führete feine Imaginationin die
Eigenſchafft des erften Principii, als ins Centrum der finſtern
Welt / welches der Seelen Feuer⸗leben iſt.
"27. Jetzt war der Streit umb die Bildnuͤß GOttes / ob ſie
wolte in GOttes Liebe oder Zorn leben / im Feuer oder Liecht:
Dann die Eigenſchafft der Seelen nach ihrem Feuer⸗leben / war
des Vatters Eigenſchafft / nad ver Feuer⸗Welt: fo dann die
Seele in Adam hatte die Liecht⸗Welt verleſchet / fo ward jetzt mit
den Namen JEfudie Liecht⸗Welt wieder eingeleibet welches:
geſchach in der Empfaͤngnuͤt Mariaͤ.
28. Run ſtunds jetzt allhie in der Verſuchung / welcher Ei⸗
genſchafft der Menſch leben wolte / des Vatters im Feuer / oder
des Sohns im Lechte der Liebe / jetzt ward die ganze Eigenſchafft
der Perſon Chriſti verſuchet: der Teufel ſprach / als er auch zu
Adam geſprochen hatte: Iß von Boͤſe uñ Gut / haſtu nicht Brod/
mache aus Steinen Brod / was hungerſtu lange in deiner ſelbſt⸗
Eigenſchafft⸗So ſprach die Goͤttliche Begierde: Der Menſch
lebet nicht alleine vom Prod. Alſo ergab ſich der feuriſchen Seelen
Eigenſchafft mit ihrer Begierde / in der Liebe / als in des ſprechen⸗
den Worts Eigenſchafftein / und aße die Feuer⸗Begierde in der
Liebe⸗Begierde Manna.
29. Oihr philoſophi, merckt diß wohl / als diß geſchach / ſo
transmutirfe die Liebe die feurige Eigenſchafft in ihre Liebe-⸗Ei—⸗
genſchafft: Allhie gab der Vatter die Feuer⸗ſeele dem Some /
verſtehet die feuriſche Eigenſchafft des ausgeſprochenen Mereurii,
beim ſprechenden Mercurio im $icchte: Dann Chriſtus fprach her⸗
nach auch alſo: Batter die Menfchen waren deine / und du haft
fie mir gegeben? und ich gebe innen das ewige Leben. 9— kei
12 DeSıenarurA Capıd
GOttes Liebe der verderbten Menſchheit das ewige Liebe-Leben
gegeben / die Liebe hat ſich in Feuer-grimm gantz einergeben / und
den Grimm der Seelen in eine Liebe der Freudenreich tranemu-
tiret,
30 So aber die fechifche und leibliche Eigenſchafft Hatte dem
Zeufelin GOttes Grimme gefolget / und aus dem verfihloffenen
Mercurio Brod gemacht / und gegeſſen / ſo waͤre der Wille wie⸗
der in ſeine Ichheit eingegangen / und haͤtte nicht moͤgen transmu-
tiret werden; fo er aber indie Gelaffenheiteingieng / in das ſpre⸗
chende Wort GOttes / was das dann immer mitihmemachte /
fo erfand der Wille aus feiner Ichheit Durch den grimmen Tod
Des Zorns GOttes / als aus dem ausgeſprochenen Worte / wel⸗
ches der Teufel mit feiner Imagination vergifftet hatte / durch dee
Grimmes Eigenſchafft hindurch / und gruͤnete mit einer neuen
Liebe-Begierde in GOtt aus: Jetzt war der Wille Paradis / als
ein Goͤttlich Siebergrünen i im Tode.
3r. Alſo war jego der Liebe Willen demvergifften Mercurio
der fechfchen Eigenſchafft im Zorn GOttes entgegen geſetzt / ſo
kam der Teufel und ſprach: Du biſt der König der überwunden
hat/ kom̃ und laß dich fehen in deiner Wunderthat / und führete:
ihn auff die Zinnedes Tempels / und ſprach: Laß dich hinab / daß
es die Leute ſehen /dann es ſtehet geſchrieben: Er hat feinen En=
geln befohlen. über dir / fie follen Dich auff den Händen fragen/
daß dus deinen Fuß nichtaneinen Stein ftöffeft. Da wolte der
Teufel haben / er follte wieder des Feuers Macht als ver Seelen
Ichheit in ihrer felbft fenrifchen Eigenſchafft gebrauchen / und
aus der Gelaflenheit ausgehen tn. ein. eigenes in ihren eigenen
Feuers-Willen / wie er that/ und auch Adam fhate/ alser mit der
Begierde in eigene Macht eingieng in bog und gut / und wolte of⸗
fene Augen in boͤſe und gut haben / wie Moyſes davon ſchreibet /
daß fie die Schlange deſſen beredet hatte.
32. Allhie kam jetzt das ſchoͤne geſchmuͤckte Thierlein wieder).
und verfuchte es mit dem andern Adam auch / Dann GOtt ließ
ihme das zu/ dieweiler ſagte die Feuers-Matrix habe ihn gezogen
ec hätte nicht koͤnnen beftehen / allda follte ers verfuchen / dann er
war doch gleich ſowohl ein Engel gewefen als die menfihliche See⸗
fe/ welche er verfuͤhret hatte: Aber die menſchliche Eigenſchafft in.
Leib und Seele inder Perſon Chriſti / hatte ſich einmahl in die
Gelaſſenheit aus ihrer Ichheit in Gottes Erbarmen eingeworf⸗
fen / amd ſtund in der Selaſſenheit / als in Goͤttlichem Willen
ſtille / und wolte ſelber nicht fliegen / auch nichts thun / nn
Dis.
Cap. ıc. Rerum. 223
GoOtt durch fie thate und fprach zum Teufel: Es ſtehet geſchrie⸗
ben: du ſollt EHtt deinen Herren nicht verſuchen. Iſt fo viel gere⸗
det / eine Creatur GOttes ſoll nichts wollen noch thun / ohne was
GoOtt durch fie wil und thut / es ſoll kein anderer GOtt mehr
ſeyn / der da regiere und wolle / als der Einige: die Creatur ſoll
gehen und thun wie fie GOttes Willen⸗geiſt fuͤhret / fie fod
weites Werck⸗zeug ſeyn / damit er alleine machet und thut was
er wi
33. In dieſer Proba war Adam auch nicht beſtanden / dann er
gieng aus der Gelaſſeuheit in ein Eigenes / in einen eigenen Wil⸗
len / und wolte Boͤß und Gut / Liebe und Zorn probiren / von Boͤſe
und Guteſſen. Allhie lieber Menſch / iſt der Stand vorm Ver⸗
fuch⸗ baume im Paradis geweſen / und erfuͤllet worden / was der
erſte Adam nicht konte noch wolte in Gehorſam GOttes in der
Gelaſſenheit thun.
34. Als dem Teufel dieſes auch nicht gelingen wolte / daß ſich
die Menſchheit wolte aus der Gelaſſenheit aus GOttes Willen
begeben / fo fuͤhrete er die Menſchheit auff einen hohen Vetg / und
zeigete ihr alle Reichthumb der Welt / alles was im ausgefpro>
henen Norte lebete und webete / alle Herrſchafften und Macht
inder auffern Natur / über welche er fich einen Für en nennet /
hat aber mie das cine Theil im Grimme des Todes im Beftgey
und fprach zu ihr: Cverfichet zur menfchlichen Eigenfchafft ) Se
du niederfaͤlleſt / und mich anbeteft / fo wilich Dir das alles gebe.
35. Die Menſchheit follte wieder ausder Gelaſſenheit in eine
Begierde des Eigenthumbs cingehen/ und wollen ein Eigenes,
beſitzen in der verfluchten Eigenfchafft / Boͤſe und Gut / das wäre
dem Zeufelein gewänfchet Eſſen oder Spiel geweſen / ſo waͤre er
König blieben / und wäre feine Luͤgen Wahrheit geweſen. In die⸗
ſem hats Adam auch verderbet / und iſt ins Eigenthumb einge⸗
gangen / und hat weltliche Herrſchafft begehret / und den Geitz /
welches an Cain zu ſehen iſt / welcher des vergifften Mercurii Hertz
iſt / als ſein Hungers⸗Begierde der ihme Weſen macht nach feines
Hungers Eigenſchafft / nicht Manna ſondern Erden / wie an der
wilden Erden zu ſehen iſt / was er in der Entzuͤndung oder Be⸗
wegung des Vatters in ſeiner Feuers⸗Eigenſchafft gemacht hat /
in welcher Entzuͤndung / als im gifftigen Grimme tes ausgeſpro⸗
chenen Mercurii, der Teufel vermeynte ein Fuͤrſte zu ſeyn / iſts
auch in dem Gottloſen in derſelben Eigenſchafft / ud auch im
Regiment der Welt im Grimme: Aber Gott haͤlt ihn mit dem
BENDFe und Liechte des dritten Principü gefangen daß er also
sure
114 DESIGNATURA Cap,ro
Fuͤrſte im Regiment des ausgefprochenen Worts ift / ſondern
ein Buͤttel des Richters / Er mug hinden nach ſehen; wo ſich Tur-
ba Magna im Grimme entzuͤndet / da iſt er geſchaͤfftig / fo weit
Turba Magna im Grim̃e gehet / weiter ift ihm der Pracht geleget.
36. Diefes gantze Regiment in und überalles zu herrſchen in
aller Eſſentz / als ein gewaltiger GOtt / wolte er der Menfchheit
Ehrifti geben / die er doch nur im Theilder Turbz im Grimme
GOttes befiset/ und nicht gang inder Beherrſchung hat) er follte
nur feine Begierde darein fuͤhren / und kinen Willen in ihn ein⸗
führen fo wollte er ihme feinen Mercurium der Ereatur in die
groͤſte Allmacht einfuͤhren / daß er ein Her über Gut und Böfe
ſey / und alles in Gewalt habe / zu thun wie erwolles dann alſo
verfcherkete cs auch Adam.
37. Sein Mercurius gieng mit der Begierde in die Impreflion,
Da Kalte und Higeentfichet / ein / und imaginirte darinnen / und
alfo zu handt erhub ſich des Falten und yisigen Feuers Eigen»
fehafft im Mercurio der Creatur / alfo drang auch zu yandt die
auffere Hige umd Kälte / in den entzündeten Mercurium menſch⸗
licher Eigenfchafft ein: Alſo leydet der Leib Pein von Hitze und
Kalte / welche Eigenſchafft zuvor / als er im freyen Willen Got⸗
tes in der Gelaſſenheit ſtund / nicht offenbahr war / und alſo herr⸗
ſchete in Adam Boͤſes und Gutes.
38. Dann das Centrum des Grimmes / als der finftern Welt
Eigenſchafft ward in ihme offenbahr / in einer gifftigen Todes—
Eigenſchafft / wie dann der Mercurius im Menſchen noch auff
heute alfo gifftig und ein Gifft-quallift / da er doch ja ins Lebens⸗
Liecht in eine folarifche Eigenfchafft verwandelt wird / aber der
Gift und die Todes-Eigenſchafft hanget ihme an / und iſt feine
Wurtzzel / wie man dann ſiehet: fo balde nur ein wenig auff feiner
martialifchen feurifisen Eigenfchafft Signatur oder Geftaltnüß
feines geftehleten Inſtruments gefihlagen wird / fo gehet feine
böfe / gifftige / feurifche Eigenſchafft herfür (und zündet den Leib
an / das er für Gifft des Grimmes zittert / und wil immerdar die
entzuͤndete Gifft-quall in denſelben der ſie erwecket und entzuͤn⸗
det hat / eingehen / und in feiner Boßheit mit des Erweckers Boß⸗
heit inqualiren / und ringen in der gifftigen Eigenſchafft Rechte:
alſo mug alsdann der Kib als cin Knecht zugreiffen / und des
Giffts Wiilen vollbringen / und ſich mit feinem Gegenſatz rauf⸗
fen und ſchlagen / und ſich auch ſchlagen laſſen I es geſchehe num
gleich mit Hand-griffen oder mit Worten / fo ifts alles in folcher
Eigenſchafft und Begierde des giftigen Mercurii.
39. Dane
Cap. 10, Rerum. 115
39. Dannenhero entſtehet aller Krieg und Streit / nehmlich
vom Regiment GOttes Zorns im verderbten und entzuͤndeten
Mercurio,des ausgeſprochenen Worts / der hat alſo in des Giffts
Grimmes undder finſtern Welt Eigenſchafft fein Freuden⸗ſpiel
im Menſchen. Darumb iſt der Streiter cin Knecht GOttes
Zorns: Er iſt die Axt / damit der zornige Bawer den Dorn⸗buſch
auff feinen Acker abhawet / er iſt das führende Werck des grim⸗
men Zorns GOttes / der Zorn GOttes nach feiner Feners Eigen⸗
ſchafft wil es haben / und nicht feine Liebe / und wer ſich nun laͤſt
darzu gebrauchen / der dienet dem Zorn GOttes nach der finſtern
und Feuer⸗Welt Begierde und Eigenſchafft / welche ſich im ſchwe⸗
ren Falle Adams in menſchlicher Eigenſchafft hat offenbahret/
and den Menfchen /alsdas Engels-Bilde/ in eine halb teunifche
Laryam und Bildnuͤß eingefuͤhret / in welcher Eigenſchafft und
Bildnuͤß feines Willens im ausgeſprochenen ereatürlichen Mer-
eurio oder Lebens⸗Wort er nicht GOttes Reich befigen fan : ſon⸗
Bern mug mit und in Ehrifto in feinem Mercurio und Willen / in
Gottes Liebe / als in vem heiligen fprechenden Mercurio und
Worte des Lebens newerbehren werden / daß ein newer Gehors
famer gank in GOttes Siebe gelaffener Wille / aus feinem crens
tuͤrlichen Mercurio ausgehe/ der nichts wolle noch tyue/ ohne was
der Mille des fprechenden Göftlichen Mercarii wil: Derin feiner
Ichheit und Selbftheit im eigenen Willen wie todt ift / auff dag
er des gröffen GOttes Werckzeug ſey / Damit er machet und thus
was undwieer wil.
40. Asdannift GOtt in ihme alles in allem / fein Wille und
Thun / undein Zweig amgansen Baume / der vom Baume Got⸗
tes ſeinen Safft / Krafft und Leben holet / in ihme waͤchſet / lebet
und ſeine Frucht traͤget / alsdann iſt der Mercurius des menſch⸗
lichen Lebens eine ausgebohrne oder ausgeſprochene Frucht / die
auffin Paradis⸗Baume GOttes waͤchſet / hallet und ſchallet / und
die Signatur in dem ſprechenden Wort GOttes ſchlaͤget / als Got⸗
tes Harpffen und Seilen⸗ſpiel in ſeinem Lobe / zu dem Ende iſt
der Menſch geſchaffen worden / nichtdag er eben ſoll des Zorns
und Todes Inſtrument nach des Teufels Willen ſchlagen: Der
Teufel hatte ſich zum ſelben Lautenſchlagen begeben / der machet
und huͤlffet das Spiel im Grimme als in der Finſter nuͤß treiben:
Er iſt ver Werckzeug und der Lautenſchlaͤ zer im Grimme der
ewigen Natur / welche ihr Verbringen alſo mit ihnen und in ihme /
als ihren Werckzeug hat / das muß auch der Gottloſe Menſch
chun/ wie S. Paulus davon ſaget: Der Heilige iſt GOtt ein:
wu guter
116 Dr SıcnaArtura Capıo
guter Geruch zum $eben/ und der Gottlofe ein guter Geruch
zum Tode. e
41. Alles mas dalcher und webet / muß zu GOttes Herrlig⸗
feit eingeben / eines wuͤrcket in feiner Liebe / das ander in ſeinem
Zorne/ esift alles indem unendlichen Weſen zur Offenbahrung
des unendlichen groffen GOttes erbohren und gefchaffen worden:
aus allen Eigenfchafften des Böfen und Guten feynd Ereaturen
Durch den Willen des fprechenden Worts herfür gangen ; dann
die Eigenfihafft der Finfternüg und des Feuers ift fo wohl mit
un Sprechen geweſen / als die Eigenfchafft des Liechtes / darumb
ſind boͤſe und gute Creaturen.
42. Aber die Engel und Menſchen ſind in das Bilde der Liebe
Gottes geſprochen worden / die ſollten ihren Willen nicht in das
Feuers und Finſter-ſprechen eineigenen / und ihre Begierde nicht
darein fuͤhren / auch nicht wollen ein eigenes ſeyn / ſondern in der
Gelaſſenheit im ſprechenden Willen GOttes bleiben ſtehen ale:
eine Forma des ſprechenden Willens / und keine Neigligkeit zu
etwas fuͤhren / als nur bloß in das Sprechen / in welcher Figur
fie da ſtehen / als ein Bilde des Ausſprechens / als ein geſprochen
Wort / damit ſich das ſprechende Wort / als in ſeiner Gleichheit
beſtehet / da es die ewige Wiſſenſchafft des ewigen Gemuͤths da⸗
mit offenbahret / und des Geiſtes Wille in ein Bilde ſtellet und
darmit ſpielet / wie ihme ein Mahler ein Bild nach ſich mahlet /
und ſich damit beſchawet was er iſt / wie ſein Geſtaltnuͤß iſt / oder
wie ihme ein Muſteant ein koͤſtlich Seitenſpieloder Geſang zu—
richtet / und ſpielet alſo mit feinem geben und Willen des Lebens /
als mit dem Hal feines eigenen Lebens Mercurii in dem Thone
des Geſanges / oder auff dem Seftenfriel/ wie es in feines Lebens:
Mercutio annehmlich iſt / damit erfrewet fich des Lebens Mer-
curius.
43. Alſo im gleichen hat uns GOtt zu feinem Liebe⸗Spiel in
feine Freude und Herrligkeit geſchaffen / da er fein ſprechendes
ewiges Wort mit erhebet / oder in demſelben mit uns ſpielet / als
mit ſeinem Inſtrument.
44. Darumb / da ihme dieſes Seitenſpiel in ſeinem Halle von
der grimmen Macht ſeines Zorns zerbrach / das iſt / da des
Menſchen Bilde / wolte in eigener Macht in Boͤß und Gut ſpie⸗
len / in Siche umd Zorn zugleiche/ als in eigenem Willen/ und fich
nicht laſſen brauchen zu deme e8 das fprechende Wort hat gefchaf>
fen / undgieng aus der Gelaffenheit inein Eigenes / und welte
fpielen wie es felber wolte/ bald gut / bald böf / ſo war dieſes en
Fils,
Cap.ıc :" Rerum 117
ſtrument wieder die Siebe Gottesjin welcher kein Hall des Zorns
offenbahr wird noch werden Fan / gleich wie im Feuers-liechte
eine Peindes Feuers offenbahr iſt: Dann der Wille des menfch«
lichen Mercurii-gieng aus dem Willen des Göttlichen fprechene
den Worts aus in einen eigenen Willen:alſo fieler ins Gentrum »
der Gebaͤhrerin aller Weſen / als in die Angſt / Gifft und Tod /
da nahm ihn GOttes Zorn / als das Sprechen im Grimme ein:
allhie war Noth / und der grimme Tod / darzu groſſer Spott]
hätte nicht wieder geholffen GOtt / ſo laͤgen wir noch im Tod.
45. Alſo mein lieber Leſer wird dirs klar fuͤrgeſtellet worime
sen Chriſtus iſt verſuchet worden / als nehmlich: Ob die Seele /
und der gantze Menſch / als das Bilde des ſprechenden Worts /
un nachdehm GOtt hatte den Funden feiner Liebe wieder in
menſchliche Eigenſchafft eingeführet / und fich wieder mit der
Siebe in ihn einergeben / wolte wieder inihren erften Locum ein⸗
tretten und GOttes Seiten⸗ſpiel in feiner Siebe ſeyn / oder nicht/
ob fie nochmahls wolte ein Eigenes in eigenem Willen ſeyn / und
thun was ſie in ihrein eigenem Sprechen im Entzuͤnden ihres Le⸗
bens Mercurii herfür brachte: Ob ſie wolte laſſen GOttes Wil⸗
len auff ihrem Inſtrument die Signatur ſchlagen / oder den Zorn
GoOttes / wie zuvor geſchehen war: Allhie wards verſuchet / dar⸗
umb ſprach der Teufel / als der Lautenſchlaͤger im Zorn GOttes
zu Chriſto: Er ſollte niederfallen und ihn anbethen / fo wohlte er
ihme alle Reiche / Macht und Herrligkeit geben: Er ſollte und
moͤchte thun was er wolte: Er ſollte in eigenem Willen ſpielen
und leben: Er ſollte nur ihme dem Teufel ſeinen Willen geben /
und von der Gelaſſenheit aus Gottes Erbarmen und Liebe⸗Wil⸗
len ausgehen / und ſo das geſchehen waͤre / ſo waͤre das ſchoͤne In⸗
ſtrument noch eins zerbrochen / ſo waͤre das menſchliche Spiel in
Gottes Liebe und Wunderthat ausgeweſen; aber Chriſtus ſprach:
Hebe dich weg Sathan / es ſtehet geſchrieben / du ſollt anbethen
Gott deinen HErren / und ihme allein dienen: Da verließ ihn
der Teufel / und Die Engel tratten zu ihm und dieneten ihm.
Der wagiſche Procefs,
46. © 1 Binde foll der Magus , wie oben nach der länge
z wmeldet/ fein Fürhaben wohl bedencken / nicht mit dem
Geitze des Teufels wollen dag irrdiſche Reich befigen / auch nicht
Sem Tempel fliegen / viel weniger aus dein Steine wollen fein
Sürhaben machen er folldendendaß er GOttes Knecht und Ges
hilfe ſey / nicht ein eigener Herr / aus welchem wird cin Rarı &
w
318 De Sıenuarturı Cap
wil er den arınen Gefangenen in GOttes Zorisverfchloffenen /
aus feinen Banden der Finſternuͤß / Parinnen erim Fluch der
Erden verſchlungen lieget / helffen von GOttes Zorn erlöfen/
fo muß er dencken / wie ihn GOtt mit ſeiner Eingehung erloͤſet
hat: Er muß die Verſuchung Chriſti recht gang inniglich be>
trachten / nicht. mit auffern Handgriffen nachtappen / und denc⸗
Een ich habe einen todten Stein vor mir / er weiß noch fühlet
nichts / ic muß mit Gewalt aniynfeßen/ auff daß ich ihn be⸗
zwinge / und ihm fein Kleinod / das erin fich verborgen hat /
nehme, Derdasthutderift ein Narr / und wihfelber incigenen
Willen eingehen / und iſt gantz ungeſchickt zum Werck / er lafle
es nur bleiben / wir wollen ihn gewarnet haben,
47. Wil er fuchen / fo bilde er ihm den Procels Ehrifti ein /
wie GOtt das in Todt gefihloffene Univerfal habe wieder erboh⸗
zenin menſchlicher Eigenfhafft : dann GOtt nahm nicht den
Menfchen wie erim Tod lag verſchloſſen / und führete ihn im
Schmieltz⸗ofen ein / und zerfchmelgete ihn im Grimme / wieder fal⸗
ſche Magus thut / fondern er gab ihm zuvor ſeine Liebe in ſeine
Menſchliche Eſſentz / und tauffete die Menſchheit / darnach fuͤhrte
er ihn in die Wuͤſten / und ſtellte den Teufel gegen ihn / nicht in
ihn / er ließ ihn von ehe viertzig Tage faſten und hungern / und
gab der Menſchheit keine aͤuſſere Speiſe / er mochte von ſeines
Lebens Mercurio eſſen / daß GOtt ſaͤhe / ob die Menſchheit wolte
ihre Begierde in GOtt einfuͤhren: und als die Menſchheit ihre
Begierde indie Gottheit einfuͤhrte und das Manna annahm) fo
ließ erden Teufelüber die Menſchheit / der führte alle feine Luſt
und Begierdein die Menfchheit / und verfuchte ihn ; verfteheftu
alhienichts/ was foll ichdir dann mehr fagen ? biftu ein Thier/
fo.gebe ich dir nicht meine Perlein / esgehöret Gottes Kindern.
48. GOtt muß Menſch werden / Menſch muß GOtt werden/
Himmel muß mit der Erden ein Ding werden / die Erde muß
zu Himmel werden: wiltu auß Erden Himmel machen / ſo gib
der Erden des Himmels Speiſe / auff daß die Erde des Himmels)
Willen bekomme / auff dag derin Todt geſchloſſene Mercurius in
der Erden einen hinmliſchen Willen bekomme / daß ſich der Wille des
grimmigen Mercurii in die Liebe des himlifchenMereurii einergebe.
49. Was wiltu aber thun? Wiltu den gifftigen Mercurium,
der nur einen todten Willen in ſich hat / in die Verſuchung ein⸗
fuͤhren / wie der falſche Magus thut / wiltu einen Teufel zum an
dern ſchicken / und einen Engel darauf machen / da muͤſte ich]
aller Wahrheit lachen: Einen verdorbenen ſchwartzen Teufel 9.
u
> ——— He A nn
Cap.ı» :: Rerum. 119
ffu behalten ; wie wiltudie Erde durch den Teuffel zum Himmel
machen diſt doch GOtt der Schöpffer aller ABefen / du muſt von
Gottes Brodteffen / wiltu deinen Leibin himliſche Eigenſchafft
auß der irrdiſchen tranſmutiren.
50. Chriſtus ſprach: Wer nicht iſſet das Fleiſch des Menſchen
Sohns / der hat kein Theil an ihme / und ſaget ferner: Wer das
Waſſer / das ich ihm geben werde / trincken wird / dem wirds in
einen Quell⸗bruñ des ewigen Lebens quellen: Alhierinnen liget das
Perlein Der Wiedergebuhrt / es heiſſet nicht ſophiſticiren, fein
Frucht das Weitzen⸗koͤrnlein bringt / es fake dann in die Erden:
es muß alles wieder in feine Mutter darauß es worden iſt / ein⸗
gehen / ſoll es Frucht tragen.
52. Die Mutter aller Weſen iſtsulphur, Mercurius iſt ihr Le⸗
ben / Mars iſt ihre Fuͤhlieng / Venus ihre Kebe / Iapiter ihr Verſtand/
Luna ihr leiblich Weſen / Saturnus ihr Mann. Du muſt den
Maun mit dem Weibe gütigen / dann der Mann ift zornig / fo
gib ihme doc) feine liebe Braut in feine Armen: aber ſthe zu / daß
die Braut eine Jungfrau ſey / gantz zuͤchtig und reine: dann des
Weibes Saame folle der Schlangen (als des Mannes Zorne)
den Kopffzertretten. Die Jungfrau muß in rechter Liebe ohne ei⸗
nigen Falſch ſeyn / eine Jungfrau die noch keinen Mann im Zor⸗
ne nach ſeiner Mannheit beruͤhret hat / dann die klare Gottheit
in reiner Liebe vermaͤhltt ſich auch alſo mit der Menſchheit: und
als Maria ſagte / wir geſchehe wie du geſaget haft / dann ich bins
Ses Herren Magd / fo nahm die Menſchheit die Gottheit ein/
deßgleichen die Gottheit die Menſchheit.
| 52. Die flare Gottheit bedeutet im Philofophifhen Wercke
die zuͤchtige Jungfrau: Die Menfchheit ift Mercurius ‚Sulphur
\ und Sal, beyoeshinunlifch und irrdiſch / die himmliſche ift vers
blichen / undals ein Nichts; die Todte im Grimme ift auffges
wachet /undlebetdem Zorne: in den Eigenfchafften des Zorns
ward die Menschheit in Adam und auch in Chriſto verfischet.
53. Nun fprichftu / wormit? Mit einem gleichen Gegenfaß
im Griumme / mit einem folhen Teuffel der allediefe Eigenfchafft
J in ſtch hatte / als mit einem Fuͤrſten.
54. Die Eigenſchafft im Sulphur wurde verſucht mit dee
, BleichheitdesSulphurs, im Sulphur oderauß fulphurifcher Eis
genſchafft kam die Verſuchung / und der Geftälte waren drey:
—— und feinen Hunger / als das Ftuer damit ſtillen oder
ciſen.
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alseine inder Impreflion,, dieheiffetder Philofophus Saturnum,
die ſolte der Menſchliche Geiſt oder Wille eröffnen inVeneris Eis —
i E73 5
126 DeSrenarura Capıe.
ss. Dieander Eigenfchafft war / er folte in feiner eigenen era
weckten und eröffneten Venere auf Sarurni Eigenſchafft leben /
und imeigenem Willen fliegen.
56. Diedritte Eigenfchafft war / er foltefeinen Willen durch
Lie erweckte Ficbesbegierde ins Centrum, als wieder in die Sul-
phurifche Mutter/welche in der Impreflion in der Angft entftehet/
einführen: und das wolte er nicht thun / der erfte Adam hatte es a⸗
ber getan / darumb hat yn GOtt als er ihm helffen wolte / im
Sulphur verfischet/ als in der erſten Mutter zur Menfchheit/ und
einen grimmen Teuffel/ der im Sulphur entzündet war / laffen
mit feiner entzündeten Boßheit im Sulphur verſuchen / verfteheftie
das nicht / was foll ich dir dann mehr fügen ? Sulphuriftder Mut⸗
ter Leib / dahinein muͤſſen wir gehen / wollen wir neugebohren
werden.
57. Nicodemus ſagte wohl:Wie mag einer wieder in Mutterlei⸗
be gehen und gebohren werden / wann er alt wird ? Aber Chriſtus
ſagte: Es ſey dann daß ihr umbkehret und werdet als die Kinder /
ſonſt ſollet ihr das Himmelreich nicht ſchawen.
58. Der eigne Wille muß wieder in die erſte Mutter die ihn
gebohren hat / als in sulphur, eingehen / mit dem Willen verſte—
het den Mercurium. Nun wer wil ihn aber deß bereden daß ers
Ehut/danner iſt ein Eignes worden / und ſoll wieder in feine Mut⸗
fer eingehen / und ein Nichts werden Das dauchte Nicodemo wun⸗
derlich ſeyn / aber der Herr ſprach zu ihme: Der Wind blaͤſet wohin
er wil / und du hoͤreſt ſein Sauſen wohl / du weiſt aber nicht von
wannen er komt / oder wohin er faͤhret: Alſo iſt auch ein jeglicher
der auß GOtt gebohren iſt.
59. Sihe / wer beredete es dem Willen Chriſti in ſeiner Menſch⸗
heit / daß er wieder mit dem Willen in die Kindheit / gleich als
wie in Mutterleibeeingieng / undaffe 40. Tage nichts / und wole
te auch nichts /fondern bliebe in der Mutter gantz gelaffen ſtehen?
thaͤte es BAER Gottheit / die da war in die Menfchheit eins
angen ?
60, Alfo gehet es auch zu im Philofophifchen Werck / darumb fo
uns der. Artifta wohl mercken und recht verftehen : Er folldas böfe
entronnene Kind/ das da ift auf der Mutter entflohen/und ift ing
Centrum eingangen/ und wollen cin Eignes feyn/ im Saturno ſu⸗
chen / dann der Grin Gottes hats mit feiner Imprefhion indes To⸗
des Kammer eingefchloffen: Nicht haters zum Sarurno gemacht /
ſondern er haͤlts im Sarurnifchen Tode verfchloffen,
61. Das fol er nehmen und wisder in Mutterleibe in
r
j *
Cp.1ı% ».: Rerum 12T
undallda den Engel mit der Bottſchafft zu Marien ſenden / und ihr
lafſen ankuͤndigen / ſte ſol einen Sohn gebaͤhren / def Namen ſoll
ſie Jeſus heiſſen / und ſo die Mutter wird darein willigen / und den
Namen Jeſus einnehmen / ſo wird die neue Menſchheit mit dem
neuen Kinde in dem alten abtruͤnnigen im Zorn Gottes gefanges
nen/in der Mutter anfahen/und wird erſtlich derTame Zefus ich
in das gefiorbene Kind/ welchesim Saturno gefangen lag/einerges
ben / und des böfen toden Kindes Willen zu ſich reisen z das iſt
Die fchöne Braut’ die ihrem abtruͤnnigen Bräutigam ihren Der»
len-crang fürhalt/ er foll fie nur wieder annehmen / fo wil ſie ihut
wieder ihre Liebe geben.
62. Nimt ſte nun der abtruͤnnige im Tode verſchloſſene Juͤng⸗
ling wieder an / ſo iſt der Attiſta geſchicket / und von GOtt zu ſei⸗
ner Vorhaben gewuͤrdiget: Jetzt wird die Braut den Braͤuti⸗
gam lieben / und eine Jungfrau einen Sohn gebaͤhren / deſſen alle
Welt verwundert wird / das Weib wird den Mann umbgeben /
aber er iſt ein Mann und nicht ein Weib / und hat der Jung⸗
frauen Hertze.
63. Nun muß er verſuchet werden / ober wil in Jungfraͤuli⸗
cher Zucht / und in GOtt gelaſſenem Willen leben / dann er ſoll
ein Ritter werden / und dem Teuffel ſein Raubſchloß / welches er
in feiner Mutter hat / in ſieben Reichen zerſtoͤren: fo Ing dee.
Zeuffel feiner Mutter Haus mit feinem Grimme anzuͤnden / und
ae! Er wird fih nun wohl vorm Zeuffel mit Chrifte
chuͤtzen
64. Diß wird geſchehen / der Juͤngling mit ſambt dem Jungs
fraͤulichen Hertze wird / wann der Verſucher komt und ihr an—
greifft / ſich gantz in die Mutter ergeben / die Mutter wird ihn
durch des Teuffels Grim̃ gantz in ſich verſchlingen; Er gibt ſich
gantz auß ſeinem Willen auß ins Nichts. So dencket der Artiſta
jetzt habe ich verlohren / dann er hat den Himmel verlohren / dann
er fihet nichts / und dencket nicht darbey daß eine Jungfrau hat neu
gebohren: aber er ſoll Gedult haben / was dem Kuͤnſtler unmuͤg⸗
Sich iſt / das iſt der Natur muͤglich / nach der Nacht wirds Tag / wan
der Berfucher hat alle feine Verſuchungen vollendet / fo komt das
Zeichen der Engel / fo muß der Teuffel der ihu verſuchte / weichen.
65. Das ſoll der Artiſta wohl mercken / und den Teuffel abſchaf⸗
fen / und den Juͤngling mit ſeinem Jungfraͤulichen Hertzen in ſein
Bette legen / und feiner vorigen Speiſe eſſen laſſen / dan eriftj
ein Artzt ſeiner Geſchwiſter in ſeiner Mutter Hauſe: Er wird gro
fe Wunder thun in allen ſieben Reichen feiner Mutter / das ſeyr
5
=
122 "De Sıcnarura Capıo,
Die ſteben Geſtaͤlte des Lebens / wie Ehriftus gethan hat.
66. Alsim Satarno wird er die Zoden aufferwecken / verftehet
In feinem vorigen Gefangnus /mwirder das todte Weſen das ihn
gefangen hielt/ auffiween : Dann ex folldie Erden zum Himmel
machen. Gleich wie ihme Die Jungfraw hatfeinen Willen aus
dem Zormin die Liebe auffgewecket undzum Wunderthaͤter ge⸗
macht: Alfo foller mit feinem Willen / welcher in der Zungfrauen
Hertz vereiniget ift / die Geftaltnüß in feiner Mutter Leibe / dar⸗
aus fie ihm und alle ihre Kinder gebohren hat / auffwecken / und
mit der Zungfrauen und feiner Siebe» Begierde anzünden/ das
geſchicht im Sulphure Sarırni des Fünglings eigenen leiblichen
Eigenſchafft und in feiner Mutter.
67. Darm vor der Vermählung der Jungfrauen lieget das
himmliſche Weſen des Juͤnglings im Tode verfchloffen / dann da
Gott die Erde verfluchte / fo verblich der him̃liſche Paradissleib/
fo nahm ihn die Impreflion Saturni ein/big zur Wiederbringung /
da GOtt das Verborgene herwieder bringen wird / daß das Pa⸗
radis imausgefprohenen Wort wieder gruͤnet / oderder Artifta
ſolches in einem Stuͤckwerck durch GOttes Zulaffen eröffnet.
63. Im andern Neicheder Mutter/ als der Lunz, foller auch
Runder würden/dann Jeſus fpeifete mit fünff Gerften-broven _
fuͤnff-rauſent Mann / das ift das Würden in der Weſenheit
oder Seibligkeit. Er machte Warfer zu Wein. Diefes und der»
gleichen gehöret alles in die lunarifche Eigenfchafft/ da der Ritter
mit feiner Jungfrauen das Paradis eröffnet, und den Leib fpei>
fet/ da nichts ift/ in der Auffere Mersurius nichts gewuͤrcket: alfo
werden ſich die Geftaltnügen in lunariſcher Eigenſchafft / als waͤ⸗
zen fie Paradiſiſch / eroͤffnen. So dencket alsdann der Artiſta ich
bin nahe darbey / aber er hat noch weit big zum Ende.
69. Im dritten Reiche der Mutter / als im Jove machte Chris
ſtus die Unmuͤndigen und Unverſtaͤndigen bloͤden ſaſt Unwiſſen⸗
den / wiſſende und verſtaͤndig / als aus armen Fiſchern und
Zimmerleuten und dergleichen / machte er Apoſtel und die aller⸗
verftändigften Menſchen / deßgleichen aus armen unanſehnli⸗
hen Leuten / aus Weibern und albern Menſchen / machte er glau⸗
bige Gottfoͤrmige liebe Kinder / welcht das Univerſal ohne Kunſt
in fich ergriffen.
ı 90. Alfe gehets auch im Philofophifchen Werck zu: die im todte
serblichene Weſenheit / da der Mercurius gantz irrdiſch kalt und
Krafftloß iſt / die fteiget in Krafft auff / als wäre das gantze We⸗
fen ein new Leben / deſſen ſich der Artifta verwundert / was —*
as
Cap. ro. Rerum 123
Das fen / oder wie es zugehe ? ſich auch gleich Hoch erfreiwet / daß er
Die Göttliche Krafft in einem halb todten Wefen vor fich fichet
grünen/ undfoldesim Fluche GOttes: Er fichetallevier Ele-
menta jedes befonder / und ſiehet wie fich die Weißheit GOttes
darinnen fpiguliret/als ein Freuden⸗ſpiel / und ftchet alle Farben
und den Regenbogen / darauff Ehriftus zu Gerichte figet/ in dem
Ausgefprochenen Mercurio.
71. Die Artiydiefes Scheins entftchet aus det Impreflion Sa-
zurni,der gütige Jupiter laͤſſet fich alfo auff eine Arth fchen/gleich
wie Gott wird die Weltverämdern/ und wieder ins Paradis
zransmutiren/ dann das ift der Verſtand im ausgefprochenen
Wert / gleich wie Chriſtus die albern unver ſtaͤndigen Menſchen
hat in Göttlicher rechter himmliſcher Jovialifcher Berſtaͤndnuͤß
verſtaͤndig gemacht.
72. Im vierdten Reiche ver Mutter aller Wefen/ welches das
mereurialifche am Rade der Raturdes Lebens iſt / hat Chriſtus
die Tauben hoͤrende / die Sprachlofen redende / die Ausſaͤtzigen
vom Gifft des Mercurii rein gemacht. Aller Gichtbruch / als Fran⸗
tzoſen und gifftige Rauden entſtehen aus dem ſaturniniſchen
Waſſer im Mercurio, welches die Phlegma heiſſet / welches alles
Chriſtus in Geſtalt des Juͤnglings und der Jungfrauen heilete:
dann die ewige Jungfrauſchafft hatte ſich mit dem Juͤngling / als
mit der Menſchheit vermaͤhlet.
73. Dieſes geſchicht auch im Philoſophiſchen Wercke; der Ar-
riſta wird ſehen / wie ſich der Himmel von der Erdenfcheidet / und
wie ſich der Himmel wieder indie Erden fencket / und die Erden
in eine Himmels Farbe verwandelt / wieder Mercurius Die Ma-
teriam reiniget/ wie die gereinigfen Farben im Antimonio in
feiner Eigenfchafft erfcheinen werden/ und wie das Wunder wei⸗
ter gehet.
4 Im fuͤnfften Reiche der Mutter aller Wefen/ alsins
Marte oder indes Grimmes Eigenfchafft tricebChriftus die Teu⸗
fel aus von den Befeffenen / und machte die Taubfichtigen in Dies
fer Geftalt und Eigenfchafft geſund: diefes wird der Artiſta auch
in dem philofophifchen Werd fehen/wieder Jupiter im Mercurio
wird einen fihwarsen fihilichten Seuer-dunft aus der Materia
über fich treiben/ welcher fich anleget/ als ein Ruß / dann er iftein
Hunger des Gifftesim Mercurio, und gleichet wohl billich Bein
Teufel / dann er iſt ſeiner Eigenfchafft.
75. Im ſechſten Reiche der Mutter aller Weſen / als am Rade
Des Lebens / Die Venus genannt / Es Chriftus feine Brüder
2 und
: —
—F
124 DE Sıcnartura Cap.ıoi
and Schweftern nach der Menfchheit/ und wuſch feinen Juͤn⸗
gern die Fuͤße / und liebete ftebig in dic höchfte Nidrigkeit / und
gab ſein Leben in des Grimmes Eigenſchafft fuͤr ſie in den Tod /
uͤnd offenbahrete ſich unter ihnen / daß er Chriſtus wäre / und als
ſie das gewahr wurden / daß der Koͤnig kommen waͤre / der dem
eigenen Willen ſollte ſeine Macht nehmen / und dem Teufel ſein
Reich zerbrechen / ſo ſchryen fie und ſagten: Wir haben keinen
Koͤnig als den Keyſer; ſte nahmen ihn in finſterer Nacht in ihre
Gewaͤlt / und bunden ihn / und fuͤhreten ihn für ihren Raht / ver⸗
ſpotteten ihn / geiſelten ihn / und ſchlugen ihn / und zogen ihm
feine Kleider aus / und henckten ihn ans Creutze.
76. Dieſes wird der Artiſta herrlich im philoſophiſchen Werck
ſehen / dann fo balde der ſinſtere Feuersdunft von der Materia aus»
faͤhret / als der Materix Teufel / ſo erſcheinet Frau Venus in ihrer
Juͤngfrauſchafft gar herrlich und ſchoͤne Dann es deutet Chriſti
$icb an] der ſich alſo gedemuͤtiget / und feine Liebe in unferer
Menſchheit offenbahret / alsdann dendetder Artiftaer habe das
Philofophifche Kind / er habe den Bratenz er tangetaber mit den
Juden welche / als fie Chriſtum gefangen haften/ dachten / nun
haben wir ihn / wir wollen ihn wohl halten: Alfo dencket er auch
es ſey vollbracht / und nimt das Kind an / und wann ers in der
Proba ſchawet / ſo hat er Venerem, ein Weib und nicht die Jung⸗
fraw mit der Feuer- wird Liechtes-Tinctur, und hat ſich laſſen das
Weib betriegen.
77. Nun ſiehe recht / was thun die Eigenſchafften / Saturnus,
Mars und Mexcurius? Wann ſie das Kind / als den Ritter in Koͤ—
niglicher Farbe ſehen und befinden / daß er Fein auffer Reich mit
Krafft und Gewalt führef / als ſte thun / fondern wilnuralfo mit
der Siebe in ihrer giftigen Feuers: macht herrſchen / dehn wollen
fie nicht leyden: Dann Saturnus bedeutet die weltliche Herrſchafft /
und Mercurius die geiftliche Herafihafft / als die Pharifeer / und
Mars bedeutet den Teufel: die drey welten Chriſtum nicht unter
fich leyden / dann er ſagte: Er waͤre ein König der Siebe /und
Gottes Sohn / und wäre kommen fein Volck zu erretten von
Sünden.
78. So dachte der Teufel / das klingt uͤbel / du wirſt dein Reich
verlieren; und die weltliche Obrigkeit dachte; Iſt dieſer cin Koͤ⸗
nig / und GOttes Sohn / ſo wird er unſere Macht auffheben /
das ſchmaͤcket uns nicht; und die mercurialiſchen Prieſter dach⸗
ten: Dieſer iſt uns viel zu wenig / wir wollen einen Meſſiam ha⸗
ben / der uns in weltliche Herrligkeit einführe/ der ums eig
elt
Ey
Cap.ıt. Rerum. 125
Welt hoch und reich mache / dag wir die Ehreder Belt alleine
beſitzen: wir wollen den nicht annehmen / erift viel zu arın / wie
möchten der weltlichen Obrigkeit Gunſt verlieren / uno muͤſten
feiner entgelten/ wir wollen vieilieber in unferen Ehren und Ge—
walt bleiben / und den bettel- König mit feinem Liebe⸗Reiche ab⸗
ſchaffen: In maſſen ſie noch heutiges Tages alſo geſinnet ſeynd /
und ſeinen Botten alſo thun die er ſendet.
79. Alſo gehet cs auch zu im Philofophifgen Werck: wann ſich
Venus in den drey grimmen Geſtalten / als im Saturno, Marıaı
undMercurio wit der Liebe / als in ihrer eigenen Geſtalt offenbaͤh⸗
ret / das fönnen fie nicht leyden / dann es iſt gang wider ihre ſtren⸗
ge finſtere Feuers Macht / zumahl wider den Gifft des Mercurii,
die blitzen die Venus an / ſchieſſen ihren Strahl / als die mercu-
rialiſche Gifft⸗ſtrahl auff ſie / wie die Dharifeer auff Chriſtum.
80. Indeß halt Jupiter und Luna bey der Venere, und geben
ihre Krafft der Veneri, dann in Jovis Krafft ſtehet Venus jetzt da /
das verlachen die Phariſeer / und dencken wir ſeynd vorhin wei⸗
ſe / was ſoll uns Verſtand / wir wollen Macht und Ehre haben:
und Luna bedeutet den Hauffen der Layen / welche an Chriſto hin⸗
gen} weils ihm wohl gieng; alſo haͤlt auch Luna im philofophi-
ſchen Wercke an Venere in ihrem Glantze / weil ſte Saturnus, Mer-
curius und Mars nicht angreiffet / ſo aber die Gewalt des SGrim⸗
mes komt / ſo wandelt Luna ihren Willen als die Farbe und ſtehet
zu / ſtehet auff und ſchreyet mit das Crucifige,das wird der Artiſta
ſehen / iſt er aber von GOtt zum Werck erkohren und es wehrt.
Das 11. Capittel.
Vom Lroceſs Chriſti in ſeinem Leyden / Tod und Auffer⸗
ſtehen: Vom Wunder des ſechſten Reichs in der
Mutter aller Weſen / wie das Conſummatum iſt
vollendet worden / und wie es im Philoſophiſchen
Wercke in der Gleichheit zum Ende laufft.
1. Ir ſollen wiſſen und betrachten / daß dieſer Welt We:
fen ſamt dem Menſchen im zweyen Eigenſchafften
ſtehet / als im Feuer und Liecht / das iſt / in Liebe und
Zorn: ſo iſt nun das Feuer zweyerley / und das Liecht auch zweyer⸗
ley / als ein kaltes Feuer vonder Impreſſion, und ein hitziges
Feuer vom Rade Mercurii im Sulphur, ſo wohl auch ein kaltes
echt vom kalten Feuer / und ein waͤrmendes vom hikigen euer.
i% *
5
ri 2. Das
126 De Sıcwartura Cap.ım.
2. Das Falte giecht ift falfch / und Das hitzige iſt gut/ nicht dag
es falſch in feiner Eigenfhafft fey/ allein in der Impreflion im
Falten Sulphur,wird es inter Schärffedes Grimmes eine falfihe
Begierde / als cine falfche Liebe / welche wider die Sanfftmutf
lauffet / dann ihre Begierde ift Sarurnus und Mars : fte führetihre:
Senne in Martem aus/ verfichetihren Schein des Lebens / und
das waͤrmende recht / welches auch feine Feuers⸗Schaͤrffe in der
Impreflion in Sulphur vom Marte empfaͤhet / fuͤhret Kine Begier⸗
de wieder in die Freyheit / als durchs Sterben im Feuer / Durch
die Angſt / es laͤſſet ig im Sterben des Feuers gantz frey dahin /
und verläffet des grimmmes Eigenſchafft: Alſo ifts eine gemeine,
Wohne und nichts Eigenes / gleich wie die Sonne ihren Schein:
ins gemein gibet.
3.Der Sonnen Schein ift weder hitzig noch Ealt/allein der Mer-
eurins im Geiſte der groffen Welt / macht in Martis und Sarurni
Eigenſchafft eine Hige darinnen / dann die Sonue zündet ihre
Beaicrvde an / davon fie alfo hungerig/ begierig und qualificirende
werden / daß alsdann cin Feuer im Liechte gefpüret wird / welche
Hitze nicht des Sicchts ſelbſt⸗Eigenſchafft ift / fondern der Seelen
der groffen Welt / die fhärffet auch das wonnefame giecht img.
Blanze alſo / daß es dem Auge untraͤglich iff.
4. Und iſt uns hoc) zuerfennen: daß ſo ein andere Feuer⸗be⸗
gierde / welche nicht dem aͤuſſeren Leben im Mereurio ahnlich ift /
In dem frengen Grimme der Aufferen Natur herafchen molte/
daß es cin Widerwille wider das ftrenge/ Ealte/bittere und feuri⸗
ſche Kegiment und geben feyn würde dag ihr Grimm fich würde
srheben/ und degen wollen gerne loß ſeyn / in maffen es dann
auch geſchehen iſt / als fich die Göttliche Liebe-begierde mitihrer
groffen Sanfftmuth / unter der falfchen/ Ealten und ſtrengen hof⸗
färtigen Feuers⸗begierde der Saturnalilten, Martialiten, und
fonderlich der falfchen Mercurialiften hat offenbahret / das war
ein groffer Gegenfag und Widerwille / daß da wolte die Siche in
Tode des Gifftes herrſchen / und inne wohnen Das konten noch
wolten fie nicht feyden / dann der Himmel war indie Hölle kom⸗
men / und wolte die Hölle mit der Siebe überwinden/ und ihr ihre
Macht uchmen/ wie dann foldes in Chriſti Perfon zu fehen : Er
fiebete fie / und thäte ihnen alles guts/ und heifete fie von ihren
Plagen; aber daß er nicht aus ihrer grimmen Macht war ent⸗
ſprungen / daß er fagte: Er wäre von oben her kommen / und waͤre
Gottes Sohn / das ſchmaͤckte der Falten hitzigen Feuers⸗macht
Dicht / daß er wolte mit der Liebe uͤber ſie herrſchen.
22 s. Ehen.
Cap.ıt. Rerum. 127
5. Eben alfo gehets auch zu im Philofophifchen Werck / wann
die grimmen Geftälteder Irrdigkeit / als der auffere Saturnus,
Mass und Mercuriusden himmliſchen Ritter mit der Zungfräus
lichen Eigenfhafft unter ſich fehen / und ihn füblen / daß er eine
andere Begierde hat als ſie / foerzürnen fie ſich in-fich ſelber;
dann die Kebe⸗begierde / wann die den Feuer⸗ſchrack anblicket /
erwecket ihren Feuer⸗ſchrack I fogehet der Grim aus der Aengſt⸗
lichkeit in die Liebe ein} davon entſtehet in der Liebe ein Todes⸗
ſchrack / weil aber kein Tod darinnen ſeyn kan / ſo erſincket die Siebe
im Feuer⸗ſchrack / und gibet ſich in ihrer Begierde aus / und laͤſſet
ihr Weſen / daß ſie in ihrer Begierde nach ihrer Eigenſchafft in
Todes ⸗ ſchrack ſtehen / das iſt dem Tode eine Gifft / und der Hoͤllen
eine Peſtilentz / und auff eine ſolche Eigenſchafft iſt dem Tode in
der Menſchheit feine Macht genommen worden: dann Ehriftus
als er im Schracke des Todes fein himmliſches Blut vergoffen /
und im Zodclieh ’ fo mufteder Grimm GOttes das himmliſche
Siebe- Werft en in ſich behalten. Allda ward die Feuerzbegierde in
der entzuͤndeten Menſchheit in eine Liebe⸗begierde transmutiret /
und aus der Todes⸗Angſt eine Freude und Staͤrcke derGoͤttlichen
Krafft erbohren.
6. Damit ich aber den Liebhaber moͤge gruͤndlich verfländigen?
wie es mit Chriſto iſt zugangen / und wir es ingleichen im Philo-
fophifchen Wercke zugehe / iſt esgang ein Proceis: Chriftus hat
den Grimm des Todes überwunden in menſchlicher Eigenſchafft /
und den Zorn des Vatters in eine Liebe in menſchlicher Eigen»
fehafft verwandelt: Alfo hat auchder Philofophus einen ſolchen
Willen; Erwildie grimme Erden zum Himmel machen / und
den gifftigen Mercurium in Liebe verwandeln: So mercke er uns
recht / wir wollen allhie nichts parabolifch ſchreiben / ſondern gan
Sonnen⸗klar.
7. GOtt wolte die Meunſchheit / nach dem fie war irrdiſch wor⸗
den / und hatte den gifftigen Mercurium im der Liebe Eigenſchafft
erwecket / welche die Liebe hatte verſchlungen / und in ſich trans⸗
mutiret / wieder in Göttliche himliſche Eigenſchafft transmuri-
ren / und aus der menſchlichen Erden Himmel machen / aus vier
Elementen nur eines in einer Begierde / und den Grimm GOt⸗
tes in menfchlicher ( Eigenſchafft in Siebe sermandeln.
8. Nun war fein Zorn eine Feuers⸗ und Srimme s Macht / und
war im Menſchen entbraudt: deme nun zu widerſtehen / und in
eine Liebe zu verwandeln / muſte Ernſt ſeyn: die Liebe muſte in
Zorn eingehen / und ſich gang er Grinum einergeben / ne
128 De Sıenatura Cape
es nicht] Da GOtt im Himmel bliebe / und blickete die Menſch⸗
heit nur mit der Liebe an: Es konte nicht ſeyn / daß der Zorn und
Grim̃ haͤtten darmit ihren Gewalt laſſen finden / und fich imdie
Liebe einergeben; gleich wie das Feuer vom Liechte nicht beſſer
wird/ es behaͤlt ſeinen Grimm für fich/ wann aber einſanfftes
Weſen ins Feuer fahret / als Waſſer / fo erflirbet das Feuer.
9 Alſo muſte himmliſche Göttliche Weſenheit / verſtehet himi⸗
liſch Waſſer / welches die Tinctur vom Feuer und Liccht in Blut
verwandelt / in dns grimme Feuer GOttes eingehen / und des
Feuers Speiſe werden / daß das Feuer GOttes aus einer andern
Eflenk brennete / dann Waſſer haͤtte es nicht gethan. Das Feuer
drennete nicht im ABaffer/aber die ſanffte olitetiſche Eigenſchafft
vom Feuer und Liechte im Weſen Goͤttlicher Sanfftmuth in dee
Liebe Vegierde / das thaͤte es.
10. Das menſchliche Feuer⸗leben ſtehet im Blute / und dar⸗
innen herrſchet der Grinun GOttes: Nun muſte ein ander Blut /
welches aus GOttes Liebe Weſen war erbohren / in das zornige
menſchliche Blut eingehen / es muſte miteinander in Tod des
Grimmes eingehen / und der Grimm GOttes muſte im Goͤttli—⸗
chen Blute erſauffen / darumb muſte die aͤuſſere Menſchheit in
Chriſto erben / auff dag ſie nicht mehr in Grimes-Eigenſchafft
lebete / ſondern daß des hinnnliſchen Blutes Mercurius, als das
ſprechende Wort in der aͤuſſern Menſchheit alleine lebete / und in
eigener Goͤttlicher Gewalt / in der aͤuſſern und innern Menſch⸗
heit regierete / daß die Ichheit in der Menſchheit auffhoͤrete / und
der Geiſt GOttes alles in allem ſey / und die Ichheit nur fein
Werckzeug ſey / damit er macht was er wil / und die Selbheit
nur GOttes Werckzeug / und gantz in der Gelafſenheit ſey / dañ
GOtt hatte nicht den Menſchen zum eigenen Herrn / ſondern zu
feinem Diener geſchaffen / er wolte Engel im Gehorſam haben?
und nicht Teufel in eigener Feuers⸗Macht.
11. Und als ſich nun wolte ſeine Liebe in Tod begeben / und dem
Tod ſeine Macht nehmen / ſo wurden die zwo Welte / als des
Vaͤtters Feuer-Welt / mit der aͤuſſeren ſichtbahrer Welt / und
Bann die Goͤttliche Liebe-Welt mit Goͤttlicher himmliſcher We
ſenheit / das iſt / mit himliſchen Fleiſch und Blut / und dann mie
des verderbten Menſchen Fleiſch und Blut in eine Perſon for⸗
miret; GOtt ward Menſch / und machte den Menſchen zu GOtt:
Des Weibes / als der him̃li ſchen Jungfrawſchafft Saame / wel⸗
eher in Adam verblich / und dan des verderbten Menſchen Saas
we im Zorne / als Marien Saa me / wurden in Eine u
or⸗
.
-
— ZU.
Cap. tr. Rerum 129
formiret/die war Ehriftus/ und des Weibes als der Jungfrauen
GHttes Saame / verſtehet dic himmliſche Weſenheit / ſollte der
Schlangen / ver ſtehet dem Grimm GOttes im verderbten Men⸗
ſchen / den Kopff zertretten: der Kopff iſt die Macht GOttes
Zorns / der Goͤttliche Menſch / verſtehet die Göttliche Eigen=
ſchafft / ſollte die irrdiſche in ſich transmutiren / und die Erden
zum Himmel machen.
12. Als nun die Perſon alſo erbohren war / ſo ſtund der Him⸗
mel in der Erden des Menſchen. Nunhätte es die Menſchwer⸗
dung alſo nicht alleine gethan / es muſte hernach ein anderer Ernſt
ſeyn / dann alldieweil Chriſtus auff Erden gieng / ſo war die
Meuſchheit aus Marien Eigenſchafft nicht allmaͤchtig / ſondern
Die Menſchheit aus GOtt / fie waren in zweyen brincipien gegen
einander geſetzt / aber nicht verſchloſſen / ſondern alle beyde in⸗
einander offenbahr: Die Liebe wider den Zorn / und der Zorn wi⸗
der die Siebe.
- 13. Nungaltes miteinander Ringen / aus deme kam auch die
Verſuchung Ehrifti/ und als die Goͤttliche Welt ſiegete / ſo ka⸗
= hernac Die groffen Wunder durch Die äuffere menſchliche
elf.
14. Aber das alles konte es nicht vollbringen / es muſte ein
groͤſſerer Ernſt ſeyn / die menſchliche Eigenſchafft / als das ausge⸗
ſprochene Wort / war in ihrer Selbheit noch im beweglichen
Zorn raͤge: der menſchliche Sulphar muſte in himliſchen / als in
das him̃liſche Theil trausmutiret werden / und dafuͤr entſatzte fig)
die menſchkiche Selbheit / als der ausgefprochene Mercurius, als
am Oehlberge die himmliſche Welt in der Liebe / mit dem Zorne
in der menſchlichen Welt / als mit der Selbheit ung / daßd die
Derfon Chriſti blutigen Schweiß ſchwitzte / da erzitterte eines
fuͤrm andern / die Liebe fuͤrm rauen Tode / darein ſie ſich mit der
Goͤttlichen Weſenheit ſollte und muſte gantz einergeben / und den
Zorn in ſich laſſen verſchlingen / und der Zorn fuͤr feinem Tode /
in deme er in der Liebe ſollte ſeine Macht verlieren.
15. So ſprach die gantze Perſon Chriſti: Vatter /iftsmögs
lich / fo gehe dieſer Kelch von mir / dach nicht mein / ſondern deine
Wille geſchehe. Die Liebe⸗Welt in Chriſto fprach: Kan es nicht
ſeyn ich frinde dann den Kelch deines Zorns in mich / ſo ge⸗
fchehe dein Wille und der Zorn fprach ; Iſts möglich fo 83
fer Kelch ver Liebe von mir / auff dag ich im Grimme des Mene
ſchen umb ſeines Ungehorfams willen quelle/wie Gott zu Moyſe /
welcher im Geiſte Chriſti mit Chriſti Vorbilde vor GOtt
55 ftundez
130 Ds Sıcnartura Copırm
ſtunde / ſprach: laß mich/ auff dag ich dig umgehorfam Volk
auffreſſe.
— der Name JEſus / welcher ji im Paradismitder
Berheiffung vom ABeibes-Saamen hatte ins Zicldes menfchlis
hen umd Goͤttlichen Bundes eingeleibet / der wolte ihn nicht laſ⸗
fen / dann die Demuth des Namens JEſu ſtellete fich allegeit in
Grimm des Vatters infeine Feuers-Eigenſchafft / daß fein Feuer
den halb⸗gifftigen Mereurium im Menſchen nicht möchte anzuͤn⸗
den / als nur zu Zeiten / wann Iſrael im Grimm und Ungehor⸗
ſam eingieng / wie bey Core / Datan und Abiram / und beym Elia
zu ſehen iſt.
17. Alſo auch allhie am Oehlberge; der Zorn wolte im Mens
ſchen in Feuers Macht leben / und der Name JEſus ſtellete ſich in
Zorn ein / und war allhier weiter kein Raht / als daß ſich der Na⸗
are JEſus in Goͤttlicher Liebe und himmliſcher Weſenheit deux
Zorn gantz einergaͤbe zu verfehlingen:Der Sohn muſte und ward
dem zornigen Vatter gehorſam / biß in Tod des Creutzes / ſagt die
Schrifft-Die Liebe Demuth und Sanfftmuth lich ſich vom Zorne
verſpotten / verſpeyen und annehmen / das iſt / die Juden muſten
Das Recht GVttes ezeguiren / dann durch des Menſchen Selbſt⸗
thun war die Suͤnde begangen worden / und durch des Menſchen
Selbſt⸗thun muſte der Tod und die Suͤnde getilget werden.
18. Adam hatte feinen Willen in Gifft des aͤuſſern Mercarii
eingefuͤhret: alſo muſte Chriſtus als die Liebe / ſeinen Willen auch
in den gifftigen Mercurium einergeben. Adam ag vom boͤſen
Baum / Chriſtus muſte vom Zorn GOttes effen / und wie es in⸗
nerlich im Geiſte zugieng / alſo auch aͤuſſerlich im Fleiſche.
19. Und eben alſo gehet es auch im Philoſophiſchen Werck / der
Diercurius im Philoſophiſchen Werck bedeutet die Phariſeer / der
wil das liebe Kind nicht dulden / wann er das ſiehet / es gibt ihme
ein Zittern und Angſt / fo erzittert auch die Venus vorm Giffte
des zornigen Mercurii , fie ftehen ineinander / als wann ihnen ein
Schweiß ausgieng / wie es det Artifta fehen wird.
20. Mars ſpricht: Ich bin der Feuer⸗Herr im Coͤrper / Saturnus
iſt meine Macht / und Mercurius iſt mein Leben / ich wil der Liebe
nicht / ich wil ſie in meinem Grimm verſchlingen. Der bedeutet
den Teufel im Zorn GOttes / und weiler das nicht thun kan / fo
erwecket er Saturnum, als die Immpreflion,. bedeutet die weltliche
Obrigkeit / und greiffet damit nach Venere, und mag fie doch auch-
nicht in fich haben / dann fie iſt ihme cin Gifft zum Tode.
ax, Diefts kan der Mezcurins viel weniger leyden / —
be
Cap. IT, Rerum 137
Siebe nähme ihme das Regiment; wie bie Hohenpriefter dachfeny
Ehriftuswürdeihr Regiment auffheben / dieweil er ſagte / Er
waͤre GOttes Sohn.
22. Alſo wird dem Mercurio über dem Veneris-Kinde bange /
dann Venushat fich jest gang entblöget und freygegeben / ſte moͤ⸗
gen nunmachen was fie wollen / ſie wil dem Drachen in Rachen
fahren / er foll ihn nur auffiperren / und das verficheeMars im
Mercurio nicht / fondern ſie nehmen das fihöne Kind / und fchieen
ihren Gifft⸗ ſtrahl auff das/ und binden es mit Saturnı Macht in
ihre böfe Stricke / wie es der Artiſta ſehen wird/ wic fie Veneris
Farbe umbgeben.
23. Mars führetscerftlich in Mercurium, weil er das Leben iſt /
als fuͤrn Hohenprieſter / der ſoll das ſhoͤne Kind examiniren und
probiren; aber er iſt deme gramm / er mag ihme nicht ins Hertz
greiffen nach ſeinem Liebe-⸗Willen / er urtheilet es nur von auſ⸗
ſen / daß es nicht ſeiner Eigenſchafft iſt / daß es mit ſolcher Ge—
ſtaltnuͤß da ſtehet / wie er der Mercurius,und hat aber eine andere
Krafft / Tugend und Willen.
24. Weil aber im Kinde Veneris ein anderer Mercurius in ſei⸗
ner Liebe lebet / ſo kan er es nicht ermorden / ſondern fuͤhrets in
Saturnum, wie die Juden Chriſtum von Caipha zu Pilato / der
bedeutet Saturnum, der nimt das Kind auch an; weiler aber cin
Herr der Imprefion , als der Finſternuͤß iſt / ſo fraget er nid ts
nach der Eigenſchafft des Kindes / ſondern nur nach dem Regi—
ment / er greifft Das Kind mit der finftern Iwpteſſion an / und
zeucht ihme das fhöneVenus- Kleid aus / und in deme ſolches Luna
mit dein weißen Glantz der Sonnen fichet / ſo verbirget fie fich 7
wie die Singer Chriſti Rchen/und der gemeine Hauffeven Chris
flo / welche fich hoch vermagen bey ihm zu ſtehen in Ercuß und
Berfolgung /aberim Ernſt flichen fie / dann Luna ift unbeftän
dig / ſie hat nicht Solis Herz in der Sichesflamme / und Saturnus
mit feiner ſtachlichten Impreflion zeucht den Sulpher über das
Kind / als die Mutter aller Weſen mit ihrem purpurfarben
Kleide ihrer felbfi-Eigenfegafft / in welchem der Grimm Martis
zur Herberge inne lieget.
25. Wann das Mars,alsdes Teufels Geſindlein / ſo wohl Mer-
eurius-al$ die cigene Hoffarth des Lebens ſiehet dag Venus ihr
Königlich Kleidan hat / verftchetdes Sarurni und Mercurii Pur⸗
purkleid in Solis Farbe/ mit dem feurigen Martegemenget/umd in
des Mercurii Sulphur⸗Farbe im Blitze als ein Glantz gegieret }
dann alſo wird Dir Materia nach der Venetiſchen Eigenſchafft
Te - Farbe/
_
132 Dr Sıenarura Cap. ız
Farbe / darauff ver Attiſta mag acht haben / er wirds Flar alſo
ſehen / wie geſagt.
26. Wann Das Mars und Mercurius ſo wohl Luna ſehen / fo
ſchreyen fie erucifige, hinweg / es iſt ein falfcher König in unſerem
Kleide: Er iſt nur ein Menſch als wir ſeynd / und wil GOtt ſeyn /
das iſt / ſie fuͤhren ihre gifftige Begierde durch das purpurfarbe
Kleid auff das Kind zu / ſo wird der Artiſta ſehen / daß das Kind
an ſeiner eigenen Geſtalt wird ausſehen / als waͤr es voll Strie⸗
men von den gifftigen Strahlen Mercurii und Martis, welche ſie
dem Kinde durch die Impreſſion ſSaturni anhaͤngen / gleich wie
Pilatus JEſum geiſelte; die ſtachlichte dorne Cron wird der Ar-
riſta gantz ſcharff mit feinen Spitzen auff der Eigenſchafft des
Kindes ſehen / auch fo wird er ſehen / wie ſich Venus nichts raͤget /
ſondern nur ſtille ſtehet / und laͤſſet mit ſich machen.
27. Verſtehets recht / wie Adam hat eine kalte falſche Liebe an
fich genommen / und damit vor GOtt geglaͤntzet / als waͤre er in
eigener Macht und Willen dannoch GOttes Kind / mit welcher
er doch nur GOties geſpottet / dann alſo erſcheinet die Liebe⸗Be⸗
gierde / wann ſie in der Impreflion des Todes gefangen wird: Alſo
muſte der ander Adam Chriſtus alles das auff ſich nehmen / und
in ſelben Spott eingehen / ſich laſſen mit einem purpur=Kleide /
als einen Koͤnig dieſer Welt bekleiden / und darinnen fpoften /
dann Adam hatte das Purpur-Kleid der aͤuſſern Welt der eige⸗
nen Macht im Glantze der Selbheit angezogen / jetzt ward es all⸗
hie vor GOties Zorn ſchaw getragen / und das weiſſe Kleid / das
Herodes Chriſto zu ſpotte anzog / iſt und bedeutet die kalte falſche
Uebe / als ein Kleid der Falſchheit / darinnen der Menſch pran⸗
get / als waͤre er ein Engel: Zeucht alſo Chriſti purpur⸗Mantel
auit einem weiffen Roͤcklein über ſich / und verdecket ſich mit Chri⸗
fti reinem ſchnee⸗weiſſen Kleide / als mit feinem Leyden und Tode /
und behaͤlt aber von Mann der Falſchheit / als die falfche Liebe
unter der Decke zur Herberge.
28. Seat muſte Chriſtus dieſelbe Figur darſtellen / dann an
feinem Leibe wards dargeſtellet / dann er ſolte den Mann der
Falſchheit überwinden und toͤdten / der in Menſchlicher Eigen»
ſchafft inne lag / fo ſtelte ihn GOtt gänzlich fuͤr / Chriſtus muſte
Fich einen ſolchen laſſen ſchelten wie Adam war / der Unſchuldige
muſte die Shuld auff ſich nehmen.
29. Alſo gehets auch im Philofophifchen Werck zu / wann der
Fluch Gottes Zorns / welcher in der Erden iſt / ſoll in die Liebe
anaſmutiret werden. Dieweil Mercurius das Kind der Siebe für
AR Sat
Capın : Rerum 133
Saturnum ftellet / und es Saturnus nicht kan und mag probiren / fo
geucht er ihme das purpurfarbe Kleid an / mit den Strimen une
ter dem Kleide / und ſchicket esfür Solis Glantz / welcher im Marte
blicket / ſo zeucht ihm die Sonne ihre weiſſe Farbe an / als die Lu-
nariſche / ſo vergehet die purpur⸗Farbe / und ſtehet das Kind in Lu-
nariſcher albern weiffen Farbe / gang unachtbar ohne Glantz; die
Sonne wolte gerne ſehen / dag dig Kind lieſſe feine güldene Far—
be ſehen / dieweil ſte mercket / es ſey eine Solariſche Krafft im Kin⸗
de / fo gibet ſie dem Kinde die weiſſe Farbe auß der Eigenſchafft der
ewigen Freyheit / das Kind ſoll die Krafft vom Feuers⸗Centro, als
die Goͤttliche Macht / welche im Feuer raͤge wird / darein geben /
fo wäre es der Sonnen ähnlich / und wäre ein Herz über den Sul-
phur Martis und Mercurii, aber nur ein Her? der Auffern Welt
Wefenfein Regierer im Grimme/ wie Solcin folcher ift,
30, Aber Chriftus fprach zu Pilato: Mein Reich iſt nicht von
Diefer Welt / und wolte Herodi in dieſem weiffen Kleide/ als er
ihme das anzog / ſo wohl im Purpur⸗kleide nichts antworten / dann
das Purpurkleid / fo wohl auch das weiſſe Kleid war alles falſch /
und ihme nur zu Spott angezogen; dieweil es Adam hatte an⸗
gezogen / und darinnen im Falſchheit gepranget / fo mochte
Chriſtus darinnen vor Herode kein Zeichen thun / ob er deſſen
gleich begehrte: Es ward nur hiemit die Schande des Wiens
ſchen / welcher ein Bild Gottes war/ und machte fich zu einem fal⸗
ſchen Könige) für Gottes Angeficht geſtellet gleichwie der arme
Sünder feine Greuel vor GOtt beichtet und darftellet / wann
er zur Abftineng greiffet.
3x, Alſo ſtellete Chriſtus feinem Vatter die Greuel des Men⸗
ſchen in dieſem falſchen Kleide fuͤr / und ſtund vor ihme als ein
Spott / und beichtete ſeinem Batter des Menſchen Sünde an ſtatt
aller Menſchen / und als ihn ſein Vatter in dieſem Kleide durch
ſeine Imagination erblickte / wolte er dieſes Kleides nicht / darumb
muſte es ihme Pilatus wieder außziehen / und ſtellete ihn in ſei⸗
ner eigenen Geſtalt fuͤr die Juͤden / aber ſie ſchrien: Nur hin=
weg / hinweg / er gehoͤret in Todt: dann alſo wolte es ſein Vatter
haben / daß er ſich in ſeinen Grimm in Todt eingaͤbe / und dehn er⸗
ſaͤuffte. Und Pilatus urtheilete ihn zuar Tode / dann er wolte ih
nicht fuͤr einen Koͤnig erkennen.
32. Alſo gehet es auch zu im Philoſophiſchen Wercke: Saturnus
mag das Kind nicht annehmen / dann es iſt nicht feiner Eigen⸗
ſchafft / ſo wils Mass und Mercutius auch nicht in feiner Eigen⸗
87 ſchalſt
134 De Sıonarura Cape?
fchafft haben / was thun fieaber ? Das Kind ift unter ihnen / fie
wären dep gerne loß / nud Fönnen doch nicht / fie ergrimmen fich 7
wie die Juden über Jeſum / uud nehmen das Kindin ihre Faſ⸗
fung / als in ihre falſche / gifftige / zornige Begierde / und wolle:
es ermorden / und ftechen mit inren fiharffen Feuer und Gifft-
ſtrahlen / durch die Materi des Kindes/ als mit drey fharffen Raͤ⸗
geln / der eine iſt Sarurnus , als die Impreſon der finſtern Welt /
deutet den Grii der ſinſtern Welt an; Der ander iſt Mars, der
deutet den Teuffel / als der Schlangen Eigenſchafft in Gottes
Zorne an; Der dritte iſt Mercurius, der deutet das falſche Leben
an als wieder Grimm GOttes iſt im außgeſprochenen Wort in
Menſchlicher Eigenſchafft entzündet worden: Dieſe drey Nagel
ſtechen ſie durch des Kindes Eigenſchafft.
33. Alſo gibt ſich Venusals das Weſen der Liebe gantz in die
drey Mörder ein/und gibt ihr Jovialifches-geben gang von ſich / als
ſtuͤrbe ſie / und das Mercurialifche schen Menſchlicher Eigenſchafft /
verſtehet des Kindes Krafft / faͤlt auch gantz in die drey Mörder in
ſeiner Mutter Haus / als in das leibliche Weſen / darinnen der
Juͤngling feine Jungfrau einnahm / darinnen GOtt Menſch
ward.
34. So ergibet ſich jetzt der himmliſche Leib / und auch der irr⸗
diſche in die drey Moͤrder ein / ſo erſcheinet das Bilde Johannis
und Mariæ neben dem Creutze / als eine Figur / dann des Juͤng⸗
fings Leben hat ſich auffgegeben / und auch Das Jungfrauliche im:
Juͤngling / fo theilen fich die zwo Eigenfihafften/ als die Gött-
ũche und Menſchliche / in Geftalt jedes Krafft / welches der Ar-
sifta, fo er Augen dazu hat / ſehen mag / ſo er den Verſtand bat.
35. Undindiefem/ wann fid) Saturnus mit feiner Impreflion
und finftern Schärffe /und Mars mit feinem Grimm / und Mer-
äurius mit feinem Gifft ⸗ leben / in Veneris Eigenfchafft eindrän>
gen / ſo draͤnget fih der Grimm indie Liebe / unddie Liebe in den
Grimm eflentialitervermifcht / alsinqualirende ein.
36. Jegterfchricht der grimme Zod vor der Liebe / dag cr alfo:
ins Sterben in Unmacht faͤlt dann er verleuret des Grimmes:
Macht / und die Liebe iſt und ſtehet im Quaal des Brimmes in To⸗
des-fhracke / als auch eine Unmacht / und gibt ſich gantz in Todes⸗
ſchrack auß / allda fleuſſet das himmliſche Weſen / als das himm⸗
ufche Blut von ihr indie Eigenſchafft des dritten Principii , als in
des Juͤnglings.
37. Allhie gibt die Jungfrau dem Juͤngling ihr —* zum
igen⸗
Cap. rr. Rerum 13%
Eigenthumb/und wird GOtt und Menfch eins: Dann der Jung⸗
frauen Blut auß Goͤttlicher Weſenheit erſaͤufft allhie mir ihrer:
Liebe Weſen des Juͤnglings Blut / als die Selbheit / und die drey
Moͤrder geben ihr Leben im Blut der Jungfrauen auff / ſo gehet
das Gluten vom Feuer / und das Weißze vom Leben des Ritters
miteinander auff / als aus dem Grimme des Lebens / und aus der.
Liebe die Sanftmuth / und ſteigen beyde / als des Zorns Leben under
Liebe Leben miteinander auff / als ein einiges Leben / dann im Tode
werden ſie eins / der Todt erſtirbet in der Liebe / und wird in der
Liebe zum Leben der Goͤttlichen Freudenreich /danı es iſt nicht ein:
Sterben / ſondern ein frey Ergeben ſeiner Krafft / Macht und
Willens) cine Tranfmuration : Der Jungfrauen Blut tranfmu-
riret das Menſchliche an Gtt erftorbene / in ein himmlifches 7.
des Juͤnglings geben erſtirbet / und das schen der Gottheit bleis
Set fir /dannes fichet in feiner Eigenſchafft im Nichts:
38. Und allhie / du lieber Sucher / wann dur fiheft das Roſtn⸗
farbe Blut des Zünglings auf dem Tode mit der Jungfrauen
weiſſen Gluten auffgehen / fo wiffedag du das Arcanum Der ganz
gen Welt Haft / undeinen Schaf in dieſem Jammerthal / der mit
keinem Gold zubezahlenift: Dehn nim̃ und achte ihn herrlicher
als den/der vom T de wird wieder aufferfichen. Biſtu auß Bott
—— ſo wirſtu mich verſtehen was ich meyne.
9. Danun das iſt das Bilde Chriſti / wie Chriſtus hat die
Sant und den entzuͤndeten Zorn Gottes in Men ſchlicher Eigen⸗
ſchafft erſaͤuffet / es iſt nicht alleine ein Opffer / ſonſt haͤtte es Moy⸗
ſes vollendet / es iſt nicht ein bloß Wort-vergeben / wie Babel leh⸗
vet: Nein / nein / der Menſchliche Wille muß ang allen Kraͤff⸗
ten in die ſen Todt in diß Blut / als-in die hoͤchſte Tinctur einges
hen: Der Purpurmantel denChriſtus muſte tragen / konte es nicht
thun / das weiſſe heuchliſche Phariſæiſche Pfaffen⸗roͤcklein auch
richt. Es hälfft Fein kitzeln noch heuchlen / weder troͤſten noch gute.
Wort vor Gott geben / der Schalck muß inChriſti Blut ſterben / in
der Junfrauen Blut muß er erſaͤuffet werden: des Weibes Saame
mug der Schlangen den Kepff zertretten / der Wille muß gantz auß
ſeiner Ichheit aufgehen (und werden als cin unverſtaͤndig Kinds
undgank in GOttes Erbarınenins Sungfräuliche Blut Ehrifli
eingehen / auff daß die Sünden und der vergifftete Mercurius in
feinem Marte erfauffel auff dag der weiffe Löwe auffgche/ dann der
Loͤwe / der jest in weiſſer Farbe erfcheinet / in Roſtnroth / das iſt
der Mescurius des Lebens / als das außgeſprochene Wort / be: —
tele
136 De Sıonarura Cap, zr:
Seele / welche zuvor ein grimmiger Teuffelin ihrer Selbheit im
Sorn GOttes regirende war in den dreyen Geſtalten der Gifft>
quaal / als im Sarurno, Marte und Mereurio, jetzt iſt ſſe der Weiſ⸗
fe Roſinfarbende Loͤwe / vom Hauſe David und Iſrael / im Bun⸗
de der Verheiſſung erfuͤllet.
Das mercke.
40. Damit wir aber dem Liebhaber genugthun / wollen wir
ihre vollend den Grund zeigen / biß zur Aufferſtehung Chriſti.
Als die Juden hatten Jeſum ans Creutze gehaͤnget / daß er hatte
fein menſchlich / und himmliſches Goͤttliches Blut vergoſſen / und
die Tarbam im Menſchlichen erfaͤuffet fo ſprach I3ESUS:
Vatter / vergib ihnen / dann ſie wiſſen nicht was fie thun.
ar, Als Jeſus in der Menſchheit den Todt zerbrach / und Die
Selbheit wegnahm / fo warffe er nicht die Menſchliche Eigen⸗
ſchafft / darinnen der Todt und Zorn Gottes war / hinweg /
ſondern Er nahm ſte erſt recht an / verſtehet: Er nahm erſt
recht das aͤuſſere Reich ins innere ein: dann das aͤuſſere Reich
iſt ein Wunder auß der ewigen Weißheit im ſprechenden
Wort erbohren / und in eine Form geſprochen worden / als
eine Offenbahrung der Gottheit in Siebe und Zorn / in Guten
und Böfen.
42. Alfo worte Jeſus nicht / daß das aͤuſſere Bilde der Wun⸗
der in der Gleichheit Gottes wergienge / fondern der Grimm}
welcher im Menfien hatte die Liebe überwäliiget / der folte ver»
geben werden / das iſt / er folte ins Nichts als indie Freyheit ge>
gelen werden/ auff daß er in feiner ſelbſt⸗Eigenſchafft nicht offen⸗
bar wäre / erfolte Knecht werden / und nur eine Urſache der feu⸗
zigen Liebe und Freudenreich) es folte am Menfchen nichts vers
gehen/ dann GOtt hat ihn in fein Bilde geſchaffen.
43. Alſo ſoll der Philoſophus mercken / warn die drey Moͤr⸗
der/ als Saturnus, Mars und Mercurius im Roſinfarben Blut
des Loͤwens erſauffen / ſo vergehen ſie nicht / ſondern imen wird
vergeben / dasift) ihr Grimm wird in ein Liebe⸗Begierde tranf-
mutiret/ als auß Venerein Solem , wanndie Seuersbegierde in
Die Waffer-begierde eingehet / fo wird auf und in dem Waſſer
ein Scheinals ein Glantz / dann Venusift weiß/unddie Feuer⸗be⸗
gierde iſt roht: Seht tranfmutiret fichs in cine Farbe / das iſt
Gelbe / das ift weiß und roht in einer Farbe zugleich / ift die
ginjeftätifche / dann wan Mereutius in bie Krafft der Freuden
—
-.—
Cap.ıı. ReEeruMm. | 137
tranſwutiret wird /-fo gehet die Multiplicationan: Ertranfmu-
tiret feine Mutter / darinne er im Tode lag verfäploffen/ in Solem?
Er machet das irrdiſche als himmliſch / in eine Eigenfchafft / wie
die Jungfrau war / dann allhie verleuret auch die Jungfrau ihren
Namen dann ſte hat ihre Liebe und Perle dem Ritter gegeben /
der heiſſet allhie nun der Weiße Loͤw / wie die Schrifft ſaget / vom
Loͤwen vom Hauſe Ifrael und Davids / der dem Teuffel ſolte fein
Reich zerbrechen / und die Hoͤlle zerſtoͤren / das iſt / den Zorn Got⸗
tes zerbrechen / und in Liebe verwandeln.
44. Dieſer Ritter oder Loͤwe iſt kein Mann noch Weib / ſon⸗
dern er iſt beydes / die Feuers⸗ und Liechts-Tinctur muß in Eine
Fommen / als des Weſens / welches Venus iſt / und des Geiſtes /
welches Mars im Mercurio iſt: Des Vatters Liebe und Zorn muß
nur Ein Ding ſeyn / ſo heiſſet daſſelbe Ding die Freudenreich: alſo
lange es zertrennet iſt / ſo iſt in dem Dinge nur Angſt und Quaal /
und eitel Begierde / wann es aber in einem Willen brennet / ſo
iſts ein Freuden außgehen auß ſich ſelber / und dieſe außgehende
Eigenſchafft heiſſet der heilige Geiſt / als das Leben der Gottheit:
Alſo wiſſet warumb der Jungfrauen und des Juͤnglings Blut
muſte miteinander vergoſſen werden / auff daß der Feuer⸗Loͤwe
ſtuͤrbe / welcher in Menſchlicher Eigenſchafft war offenbahr wor⸗
den / daß die Liebe der Jungfrauen ſeinen Grimm in ihrem Liebe⸗
Blute in ihre Eigenſchafft traaſmutirete / und ſie vom Juͤngling
die Seele bekaͤme / dann in Adam verblich die Jungfrau / dann die
Seele gieng ang ihrem Liebe Willen auß der Gelaſſenheit auß in
ein Eignes / und ward GOtt ungehorſam.
45. Allhie nimt die Jungfrau die Seele wieder in ſich ein /
und gibet ihr ihren Perlenscrang/ als einem Ritfer/ und nennet
fih in feinem Namen den weiffen Söwen oder Ritter. Olihr
Menfchen-tinder / merckts doch / machet die Porten der Weltin
eurem Herken auff / thut fie weit auff / daß ver König ver Ehren
einziche/ der groffe Held im Streit/der dom Tod hatfeine Macht
genommen / und die Hölle im Zorn GOttes zerbrechen / und aus
der Welt das Paradeiß gemacht. :
46. O ihr weiſen Sucher) wie thut euch der Her: feine Fen⸗
fter auff / warumb fchlaffet ihr in der Begierde der Vielheit / wel⸗
che im Grimme multipliciret wird ? Gehet doch nur indie Goͤtt⸗
liche Selaſſenheit ein / euch mag anjego zu Theilwerden /
mas der Simmel vermag: Wo ihr werdet von enerer
Selbheit außgehen / ſo folk euch die Erde zum ann
werde
3335 DESIGNATURA Cape
werden | fagetder Geift der Wunder aber in eurem gott*
loſen Wefen follet ihrs nicht erreichen.
47. Und als JEſus durch fein Blut⸗vergieſſen den Grimme:
GOttes im Menſchen Hat in die Siebe gegeben/ das der Batter
Hatte die Liebe in menſchlicher Eigenſchafft in Grim eingenom»
men /fo Ccheideten fich jetzt das Neich des Teufels im Grimme /
und Das Reich der Liebe voneinander. Es ward getrennet / umd
Diefelbe Figur hieng neben IEſu am Erenge : Als der gottlofe
Spötter zur Lincken / der JEſum fpottete / und feines Blutver⸗
gieſſens nicht fähig war : und der zur Rechten / welcher von ſei⸗
nen Sünden umbwandte zu JEſu / und ſagte: HErzgedende
meiner / wann du in dein Reich kommeſt / zu welchem JIEſus
ſprach: Warlich du wirft heut bey mir im Paradeiß ſeyn.
48. Alſo iſt uns recht zu betrachten / wann der Grimm GOt⸗
tes im Blut Chriſti erfäuffet wird / daß er feine Macht in Siebe
verwandelt/ fo ift das Paradeiß wieder offenbahr/ dann als IE⸗
fus das menſchliche Blut das in Sünden verderbet war/ mit dem
Jungfraͤulichen Blut in der Liebe tingirte/fo nahm die Jungfrau
die Mannheit / als die Ichheit / in ihre Jungfraͤuliche Liebe ein:
Das war das Paradeiß / und eine Huͤtte GOttes bey und in
dem Menſchen / dag GOtt in der Menſchheit wohnet / und alles
im allem in ihme iſt.
49. Alſo gehets auch im Philofophifchen Werck: Wan Mars
und Mercurius nach der Eigenfchafft der finftern Impreflion Sa+
gurni erfterben / ſo nimt fie Venus ihr Liebes-blut ein / und gibt
ihre Siebe in die giftige Feuer-begierde ein / fie gibt ſich dem
euer Martis im Mercurio gang ein/ gar zum Eigenthumb / weil:
aber Mars und Mercurius ir der $iebe ummächtig werden / nach
des Feuers und Gifftes Macht /fo tranſmutiret ſich die Liebe und
der Zorn in Ein Weſen / in Eine Begierde / uñ allhie / wañ das Feu⸗
er / als die Feuers-Begierde / ihre Begierde in die Liebe eingibt / ſo
ſpricht die Liebe: Du wirſt heute mit mir aus Deiner Feuers⸗angſt
im Paradiß / als in Freuden ſeyn / das iſt / du ſollt in mich trans-
mutiret werden.
50. Und allhie krieget Venus die Seele im Philoſophiſchen
Werck / daß Mars und Mercurius ihre Seele werden / und hoͤret
der Streit auff / dann die. Feindſchafft iſt niedergeleget / und
alfo beſtehet das Kiud im Feuer ohne wancken / dann Mars thut
ihme nichts mehr / fo wohl auch Mercurius und Saturnus, dann
fie ſeynd am Kinde.ander Natur Ende/da keine Turba mehr ift.
52. Mescurins ift im Sarurno gar rein/er hat keine Gifft or
j * avon
Cap IT. Rerum. 179
davon er im Waffer / alsim Saltze Saturnr Fönte Ruf machen /
Das ſoll der Philofophus wohl mercken / fo wohl auch der Theolo-
gus, daß im Paradig ein vollkommen schen ohne Wancken / auch
ohne einige falſche Begierde ſey / und ein inumerwaͤ hrender Zagz-
Da der Paradiß⸗menſch heile als ein durchſichtig Glaß fen in:
dehme die Göttliche Sonne durch und durch ſcheinet / gleich wie:
Das Gold durch und durch rein iſt ohne Mackel.
52. Undals JEſus wuſte / daß es alles vollendet ward/ fo fühe
er unterm Ereuse ftchen feine Mutter und Johannem feinen:
Juͤnger / und fprach zufeinee Mutter: Weib fiche/ das ift dein
Sen; und zum Juͤnger: Siehe / das Hi deine Mutter / und-
alsbald nahm fie der Jünger zu ſich.
53. Das ift das ſchoͤne Bild /wie Chriftus habe diefe Welt
verlaſſen / als die menſchliche Ichheit / und ſey wiederumb zum
Vatter eingangen / dann er ſahe feine Mutter nach diefer XBelt 7.
und feinen Juͤnger / als feinen Better nach der aͤuſſeren Menſch⸗
heit von feiner Mutter her / und fagte doch zu feiner Mutter:
Weib /fiche Das ift dein Sohn ;ich bin nicht mehr dein Sohn
nach meiner Aufferen Menſchheit / / fe ift in GOttes Sohn trans-
mutiret worden, und iſt nicht mehr inter Welt /fondern fie Ichet.
GH ; Weil du aber noch inder Welt ſeyn ſollſt / fo nimm Jo-
kannem, als der noch nicht tranſmutiret ift/ zum Pfleger an z und
erg nimm dieſe Mutteran / und der Jünger nahm fie-
ald zu fich.
* Das iſt das Bild der Chriſtlichen Kirchen auff Erden—
dieweil wir armen Heoz Kinder / nicht alſobald gang nach dem
äufferen Menſchen tranſmutiret werden / ſondern muͤſſen auch in
Tod / und verweſen / daß der Grimm im Fleiſche verweſe / und der.
Geiſt in Chriſti Tod ruhe / biß zur allgemeinen Aufſerſtehuug
und Tranſmutirung des aͤuſſeren Menfchen / indehme die Er=-
den des Menfchen foll in Himmel tranſmutiret werden / und das
Bildder Wunder Darinnen erfcheinen.
ss. Als befahler feinem Fünger/ fich finer Mutter anzuneh⸗
men: Seine Mutter ift die Ehriftliche Kirche auf Erden / dar»
innen die Kinder GEOttes gebohren werden nach dem Gifte / der-
foller pflegen / und fie leiten und führen / biß daß die Zahl der
Menfihheit aus dem Fleiſche vollendet werde | alstanır
foll angehen der geiftliche Leib / und foll in Chrifti Tod / in feinsmz:
Eingehen in Zorn /daerden Zorn in die Liebe trranfmutiret hat
probiret werden / und das Reich mit der Quaal der Zinfternüß.
von ihme geſchieden werde. s6.Aber:
*
140 De Sıcnatura Cap.ıı.,
56. Aber unter diefer Zeit / ob ſchon der Geift in Göttlicher
Krafft tranſmutiret / und innerlich mit der Jungfraulichen
Zauffe gefauffet wird/und das Bild Chriftiim inneren anzencht /
als Venccis geib in der Siebe : So ifts doch deſſen Adam nicht
fühig/ big er auch in die Tranfmuration Ehrifti eingehet / welches
im Sterben gefhicht. So foll unterdeffen Johannes /als der
Lehrer Chriſti an Ehriſti ſtatt / ſich der Aufferen Mutter nach
dem aͤuſſern Menſchen annehmen / und die Schaͤflein Chriſti mit
Chriſti Geiſt weyden und lehren.
57. Und weiſet ung fein / wieder änffere Menſch nicht GOt⸗
tes Mutter ſey / dann Chriſtus ſcheidet ſich von ſeiner aͤuſſeren
Mutter / und gab ſie Johannie; Er hatte die ewige Natur auß⸗
gezogen / als den Batter der ewigen Gebuhrt: Darumb thun die
unrecht / welche die aͤuſſere Mutter Chriſti für GOttes Mutter
ehren vnd anbethen.
58. Die gantze wahre Chriſtenheit iſt Chriſti Mutter / die
Chriſtum in ſich gebiehret / und Fohannes / als die DienerChriſti /
ſeynd ihre Pfleg-⸗amme / die ſich der Mutter Chriſti annehmen /
wie Johannes thaͤte. Er nahm ſich ver Mutter Chriſti baldan /
und pflegete ihrer / als ihr Sohn / nicht als ihr Herz / dann Chris»
ſtus ſprach auch zu ihme: Siehe / das iſt deine Mutter / alſo ſollen
alle Juͤnger und Lehrer Chriſti thun / und ſich der armen Chri⸗
Bet annehmen / als Söhne mit groffer Demuth gegen der
zutter / ihr mit Ernft und Sleiffe dienen / fein züchtig und de-
muͤthig ihr pilegen / fie mit Chriſti Geift weyden und tröften.
59. Nicht wie die Pfarfen zu Babel thun/ welche als die fetter
reihen Herren / über fie reuthen / und wollen Herren über die
Mutter ſeyn / und nur Ehreumd fette Baͤuche in Wolluſt fircheny
und im Zand leben) diefe alle miteinander / wie fie dann immer
des Namens ſeynd / die ſeynd alle nicht Zohanniten/ fondern feynd
Die giſſtigen mercurialiſchen Pharifzer /in welchen eitel Angſt /
Marter und Quaal iſt / da immer eine Eigenfchafft die andere
qualet und anfeindet / und für falfch Halt und fie ſeynd doch nur
alle ausciner Wurtzel / und haben alle einen Willen / nur daß ei⸗
ne Sarbe nicht gleiffet wie die andere.
60. Dann Sarurous ift nicht als Jupiter , Jupiter iſt nicht als
Mars, Mars als der Feuer-geiſt ift nicht als das Ficcht der Son»
nen / uñ die Sonne ift nicht als Venus mit ihrem fanfften Waſſer⸗
quell / und Venus iſt nicht als Mercurius mit feinem Schalle / dann
fie iſt ſanfft und ſtille und Mercurius lautet und ſchallet / ſo iſt
Mercurius nicht als Luna, welche als ein alberer Leib / den —*
allen
Cap. ı1. Rerum 141
allen Seib zur Offenbahrunggibt : Esift je einer anderſt als der
ander /und haben nicht eine Eigenſchafft und Willen / und ſeynd
aber im Centro des Weſens / als in Luna und Saturno,in des Lei⸗
bes und derSeelen Eigenfchafft alle eines Gebackes.
61. Alfo feynd auch die parteyifchen Mercurialiten und Baals⸗
Diener in diefen Eigenfchafften getrennet / fte find die Pharifzer /
welche JEſum in feinen Gliedern urfyeilen und verdammen.
Sie zancken alle nur umb die Kirche / und der armen verlaffenen
Mutter Chrifti wil keiner pflegen / fie fepnd unfinnig im martia-
lifchen und mercurialifichen Zanck / und feynd nicht Sohanniten /
gehen nicht in Ehrifti Geift zur Thür Chriſti in den Schaffftall
ein/ fie feynd Woͤlffe / Loͤwen und Beeren / auch Füchfe und fluͤch⸗
tige Hafen / die da von der Mutter Tichen und fie verlaffen.
- 62. Ihr Herkommen iſt aus Babel / da man zancket / greinet /
und da man umb die Buchſtaben beiſſet / ein jeder wil Herr über
die Buchſtaben ſeyn / und ſie ſetzen wie er wil / nur ihme zu Ehren /
und zur Wolluſt dieſer Welt: Sie betrachten nicht daß die
Mutter eine Wittib iſt / und daß ſte Chriſtus hat zum Pfleger ge⸗
ordnet / wieden Johannem>.
63. O du werthe Mutter der Chriſtenheit laß dieſe
Woͤlffe / Beeren und Loͤwen in ihrem Haſen-panier
hinlauffen / nimm dich dieſer boͤſen Thier nicht mehr an /
nimm ſohannem den Juͤnger Chriſti an / der dich die
Liebe und Demuth lehret. O du werthe Mutter/biit du
doch nur Eine / warumb laͤſſeſt du dich die Loͤwen zureiſſen
und zerſtuͤcken /Chriſtus it dein Mann /dieſe alle ſind
Frembdlinge / ſie gehen dann in deiner kindlichen Liebe
einher / und demuͤthigen ſich unter die Mutter] und pfle⸗
gen der als Diener / ſonſt ſeynd ſie alle Woͤlffe / Beeren
und reiſſende Loͤwen / ob ihrer viel tauſend waͤren / fo iſt
keiner nicht beſſer als der andere: Er gehe dann in der
Linea Johannis der ſich Chriſti Mutter annahm | eins
her / und pflege der Mutter mit Ernſt in Chriſti Geiſt /
hat er den nicht / ſo iſt er nicht von Chriſto beruffen zum
Pfleger der Mutter / ſondern er iſt ein Mercurialiſt,
ein Phariſæer / welche Chriſtus Otter-gezuͤchte und
Schlangen⸗gerecke hieß / die IEſum creutzigen in feinen
Gliedern. |
64. Alſo
142 DeSıcnarura Caım
64. Alfo folk uns auch der Phlilofophus bey Ehrifti Mutter
anercken /welcheer Zohanni befahlzu pflegen. Er muß auch ein
Zohanniter werden / und wiffen dag er mit der Mutter umbges
het / und daß ſein Werck in diefer Welt nicht gang himliſch wird/
er wird nicht das Paradiß alſo offenbahren / daß GOtt von An⸗
geſicht zu Angeſicht in feinem Werck erſcheine und offenbahr wer⸗
de; Rein / er bleibet in der Mutter / aber das Univerfal in der
Mutter erreichet er / dann die Mutter Chriſti erreichet das auch /
dann es ward zu ihr geſaget: Du biſt die gebenedeyte unter allen
Weibern.
65. Alſo komt auch der Philofophus biß zur der Benedeyung im
die ſem Jamuer⸗thal / daß er kan feinen verderbtenLeib benedeyen /
das iſt tingiren und von der Kranckheit erledigen / biß auff ſein
Ziel ſeiner hoͤchſten Conſtellation nach Saturno, darumb ſoll er
ſich fuͤrm Geige huͤten / er fuͤhret ſonſt die Turbamein.
66. Bey dem Bilde Johannis und Chriſti Mutter / ſoll er
wiſſen / daß GOttes Reich und dieſer Welt Reich in ſeinem
Werck zwey ſind / und daß GOttes Reich in der Mutter ver⸗
ſchloſſen lieget / als in ſeinem Wercke / deſſen ſoll er pflegen / und
ein Diener damit ſeyn / wicht ein Herr der Mutter / ſondern ein
Allmoſen⸗geber / und nicht ein Schatz⸗ſammler und Geiß-halß/
es folls auch feiner erlangen noch unfern Sinn verftchen / der
nicht wil ein Pfleger der Mutter ſeyn. Der Höchfte hat ein
Schloß für den Berftand der Thorheit geleget / dag fte blind fey /
biß fie müde wird zu fuchen /fage ich mit Grund der Wahrheit.
67. Undals JEſus dem Johanni feine Mutter befohlen ; fo
wandte er feine Begierde wieder in die Mutter menfchlicher Ei⸗
genfchafft/un fprach : Mich vürftet. Ihn dürftete nach denGlie⸗
deren menfchlicher Eigenfchafft / und thäte menfchliches Heyls
begehren / alsdie Geſundheit feiner Glieder/ verftchet ſeiner Kin⸗
der / ſo in ihme ſollten gebohren werden; und die Juden gaben ſei⸗
ner Menſchheit Galle und Eſſig zu trincken / und als er das koſte⸗
te / wolte ers nicht trincken.
68. Hier iſt abermahl das aͤuſſere Bild / wie es ſey im inneren
zugegangen / den Namen JEſu / als die Liebe GOttes / welche
war in die Menſchheit eingegangen / und ſich einvermaͤhlet / dehn
duͤrſtete in dergiebesbegierde nach der verderbten Menſchheit / und
wolte gerne das lautere Waffer der Menfchheit in fich ſchmaͤcken /
aber der grimmige Zorn GOttes / welcher war in menfchlicher
Eigenfchafft entbraiit/ gab fich mit der menfhlichen Eigenfchafft
in den Durft der Liebe⸗begierde ein / und als ihn die SE
c
8*
Cap.⁊ 1. Rerum. 247
De koſtete / worte fie ihn nicht trincken / ſondern erfand in ihn / als
gantz gelaſſen oder frey gegeben / und eineignete ſich gantz eſſen⸗
tialiter in Zorn GOttes / als ein voller Gehor ſam / und gantz ei⸗
genthuͤmblich frey ergeben.
69. Das war nun ein Schrack des Grimmes / daß die Liebe in
ihn kam / davon die Erde erzitterte / und die Felſen zerkloben / dann
der Tod erſchrack alſo vorm Leben. Und allhie ſcheidete ſich des
erweckten Grimmes Eigenſchafft ins Centrum, als ins erſte
Principium ‚in die Feuer⸗wurtzel ein / und gieng aus dem Centro
in menſchlicher Eigenſchafft nun auff der Hunger zur Wieder⸗
gebuhrt / aus dem Hunger zum Tode / ward ein Hunger zum Le⸗
benz Dann die Liebe tingirete den Zorn / daß aus der Feuer⸗
begierde zur finſtern Impreſſion eine Begierde des Lebens ward.
70. Hie verſtehets recht: GOtt der Batter / der ſein liches
Hertz hatte in die Menſchheit eingegeben / ihnen zu helffen / den
duͤrſtete nach ver Dienfchheit/als nach feinem Hertze oder Worte
der Krafft / und die Gottheit in der Menſchheit / als das Hertz
des Vatters duͤr ſtete nach dem Vatter / und dic Liebe oder Liechts⸗
Eſſentz / duͤrſtete nach des Feuers Eſſentz: Dann in Adam war die
Feuers⸗oder Seelen⸗Eſſentz aus der Liebe Weſenheit / darinnen
das Paradiß ſtund / aufgegangen in ein Eignes und war GOtt
unge hor ſam worden: Derowegen des Liechts und der$iche-Effeng
und Weſen am Gruͤnen / das iſt / am vegetabiliſchen Leben / oder
him̃liſchen Grünen und Fühlen der Paradiß⸗quagl / erſtarb / und
der irrdiſchen Welt auffwachete.
7x, Allhie fuͤhrete der Vatter die Seele / welche war in ſeinen
Grimm eingangen / und ſich in feinem Zorn offenbahret / wieder
indie Liebe / alsın das verblichene Paradig-bildein. Und allhie
erzifterte die finftere IBelt in Todes-fchracke vormFeuer⸗ ſchracke /
welcher in der Liebe im Tode auffgieng / als ein Freuden⸗ſchrack /
fe em
welherFreuden-fihrac in die verftorbenegeiber der Hoffer Iſrae⸗
fis(die auff den Mefliam hoffeten)eingieng/als ein Hall der Krafft
@ Dttes] und fie vom Tode aufferweckete.
72. Diefer Schrad zerriffe den Vorhang im Tempel / alsdie
Dede Moyſis / welche vor dem Elaren Angefichte GHttes hieng /
dag der Menſch nicht konte GOtt ſehen: Und derowegen ihme
mit einem Opfer und Vorbilde diefes endlichen Anblickes / in
dehme ſich GOtt in der Menſchheit offenbahrete/ dienen mufte,
Diefer Schrad zerbrach das Vorbild im Opfer / und offenbahres
te das klare Angefiht GOttes / und einigte Die menſchliche Zeit
mit der Ewigkeit,
73. Als
544 De Sısnarura Capat.
73. Alles was die Zuden JEfu von auſſen täten / das war
ein Worbild des inneren/ wie es zwifchen GOtt und der Menfchs
heit / als zwifchen der Ewigkeit und Zeifzugienge.
74. Die Zuden gabenJEſu in feinem Durft Gall und Eſſig.
Dieſe beyde Eigenfihafften ſeynd Mercurius im Sulphur Saturni,
als in der Iimpreflion ‚ dasift eben das Bild der Seelen Eigen⸗
ſchafft / was fie in fich alleine auffer der andern Liebe-Geſtalt⸗
nuͤß ift.
75. GHLE gab diefe Eigenfchafft der Scelen wieder in feine
Liebe / den Tod ins Leben / das verblichene Liebe-weſen / welches
das Wort GOttes in Marien Efleng und Saamen hat an ſich
genommen/ und Ichendig gemachet in des Zorns Eigenfchafft/ in
Die Seelen-Efleng / als ind Centrum der feuer - und finſtern⸗
Welt ein / davon die feelifche Feuer-umd finfter - Belt ein
hoc) freudenreic) Paradiß⸗ leben ward / und allhie ſpottete der
Kitter des Todes und der Höllen/ als der finftern Welt in der
Seelen / und ſprach: Tod / wo ift Bein Stachel nun im Mens
ſchen 7 Hoͤlle / wo iſt nun dein Sieg im Grimme der Gifft-quaal
im außgeſprochenen Wort oder Mercurio ? Es iſt alles todt.
Tod ich bin dir ein Tod / Hoͤlle ich bin dir ein Uberwinder / du muſt
mir dienen zur Freudenreich / du ſollſt mein Knecht und Diener
zur Freudenreich ſeyn / du ſollſt mit deinem Grimme die Flam⸗
me der Liebe anzuͤnden / und eine Urſache des Gruͤnens im Pa⸗
radiß ſeyn.
76. Alſo auch imgleichen geben wir den Philofopho unſern
Sinn und tieffen Grund in der Natur / der das verblichene We⸗
ſen der Erden / welches im Tode / als im Fluch GOttes verſchloſ⸗
ſen lieget / wil ſuchen und offenbahren: Es lieget ihme auch die
Decke Moyſis dafür / es gehoͤret ein Ernſt darzu / daß der Bor⸗
hang zerreiſſe / daß er der Natur Angeſichte ſehe / anderſt iſt er
nicht geſchickt darzu.
77. Und wie es in der Menſchheit Chriſti zwiſchen GOttes
Liebe und Zorn iſt zugangen / und die zwey in eines ſeynd trans-⸗
mutiret worden: alfo auch in feinem Wercke der Natur; der
giftige Mercuriusim Sulphur Martis un Sarurni gibet fein Mord⸗
Menftruum als die gröfte Gift ver finftern Qunal/in Veneris Ei⸗
genſchafft / wann die Venus nach dem Feuer der Liebe duͤrſtet / fo
giber Mercurius feinen Gifft in Veneris Durſt / und VenerisDurft
gibet fich gantz dem Gifft ein / als ſtuͤrbe ſie / ſte gibet ihr begehrend
Leben gantz auff / davon entſtehet die groſſe Finſternuͤß im philo-.
fophifayen Werck / daß die Materia ſo ſchwartz wird / jr
| "Raabe
Cap. ıt. REerRuM. If
Raabe / denn Venus hat ihr Leben uͤbergeben / davon der Glantz eut⸗
ſtehet: wie auch bey Chriſto zu ſehen iſt / dag die Sonne ihren
Schein verlohren / und eine groſſe Finſternuͤß worden / wider den
gemeinen Lauff der Ratur.
78. Dann als ſich die innere Sonne in den Zorn / als in die
Finſternuͤß GOttes einergab / fo konte die aͤuſſere Sonne / welche
ihre Krafft und Glantz von der inneren / als ein Spiegel der in⸗
neren / empfaͤhet / nicht ſheinen: Dann ihre Wurtzel davon fie
ſcheinet / war in die Finſternuͤß im Loco dieſer Welt eingegan⸗
gen / und wolte die Finſternuͤg im Fluch GOttes zum Liechte
machen / als den Locum diefer Welt wieder zum Paradiß.
79. Alſo muſte auch die Sonne der aͤuſſeren Welt / welche eine
Figur der inneren allweſenden Sonuen iſt / mit ihrem Glange
in der Finſternuͤß ſtille ſtehen / von der ſechſten biß in die neundte
Stunde / das iſt die Zeit Adanıs im Schlaffe / da er war mit der
Begierde ins Centrum der ewigen Natur / als in die Gebuhrt / da
ſich die Liebe und Zorn in zwey Centra ſcheiden / eingangen / und
wolte das kalte und hitzige Feuer probiren / welches ihn fieng /
und in ihme qualificirte.
80. Allhie ſind drey Stunden nach der drey⸗Zahl / und int
Grabedrey Tage nach der Zeit / als nach der Menſchheit. Adam
als er in GOttes Bilde ſtund / und weder Mann noch Weib war /
fondern beydes / der ſtund 40. Tage im Paradiß ohne Wancken /
und als er fiel / ſtund er biß an dritten Tage / als 40. Stunden
im Schiaffe / biß daß ihme GOtt das Weib aus ihme machte
oder bauete.
81. Alſo muſte Iſrael am Berge Sinai 40. Tage verſuchet
werden /ob fie wolten im Gchorfam GOttes unter Wunder und
Zhaten leben / undals es nicht ſeyn mochte / fo gab ihnen GOtt
das Gefege feines Bundes) als einen Spiegel/ deffen ſo im Bun⸗
de war verheiffen worden, fo gieng die Verſuchung dee Leibes
40. Zahr über fie / daß der Leib muſte Manna eſſen / ob dein Men
ſchen zu rathen ſey; und als der Leib auch nicht beſtehen konte / ſo
fuͤhrete ſte Joſua durchs Waſſer mit dem Bunde des Spiegels / da
muſte Iſrael des Bundes im Spiegel der endlichen Erfuͤllung
mit den Opfferen pflegen / biß die Zeit der Wiederbringung ein⸗
tratt: ſo ſtund der Ritter des Streits 40. Tage in der Wuͤſten
in der Verſuchung / und beſtund den erſten Stand Adams im
Paradig: Und die drey Stunden am Creutze der Finſternuͤß /
ſeynd die drey Stunden ber Verſuchung Chrifti/ als ihn der
Teufel verſuchte. R
G 82. Wie⸗
146 De SıenatrurA Cor
82. Wiederumb ſeynd die 40. Stunden im Grabe Chrifti/
die 40. Tage Adams im Paradiß / und die 40. Tage Moyſis
auffın Berge/ und die 40. Zageinder Wuͤſten / umd die 40. Tage
nach der Aufferftehung vor Der Himmelfahrt feynd eben daffel=
be: Als jetzt der Ritter hatte Adams Stand beftanden / fo ward
die Seele in menfchlicher Eigenfchafft jeßt auch 40. Tage ver⸗
füchet / ob fie nunwolte vom Wort GOttes eſſen / und ingan
gelaffenem Gchorfam im Willen GOttes leben / und feyn cine
rechte Gleichnuͤß und Ehenbild der Göftlichen Kraft in der un⸗
grümdlichen Ewigkeit / nach der Drepheitder Gottheit.
83. Alſo auch ſoll uns der Philoſophus imgleichen mercken /
daß der Zeit Weſen auch in ſolcher Eigenfchafft ſtehe / dann der
Menſch iſt aus der Zeit Weſen in ein Bild geſchaffen worden / als
ein Außzug aller Weſen / ein gang Bild und Gleichnuͤß nach der
Zeit und Ewigkeit/in derzeit uñ Ewigkeit einherrſchende und ins
neſtehende / als ein Werckzeug des groſſen unendlichen GOttes /
mit dehm er durch und mit ſeinem Geiſt machte was er wolte.
84. Nun iſt der Menſch das Werckzeug GOttes / mit dehm
er feine Verborgenheit offenbahret / beydes in feiner ſelbſt menſch⸗
lichen Eigenſchaͤfft / alsim Weſen und Bilde GOttes / und dann
durch den Menſchen / als mit dem Werckzeuge in der Mutter aller
Wefſen / als im Myſterio magno als in der Seelen der groffen
Welt.
85. Der Menſch hat den Gewalt / ſofern er als ein Werck⸗
zeug GOttes in Gehorſam GOttes gehet / wie ihn fein Geiſt
fuͤhret / daß er mag die Erde / welche im Fluch GOttes ſtehet / in
die Benedeyung einführen / und aus Tedessangft die hoͤchſte
Freudenreich in der Aufferen Mutter / der Gebaͤhrerin machen /
dann er felber thuts nicht /allein fein Wille arbeitet mit dem
Berftande darinnen / und füget nur die Compacta zuſammen
die zufammen gehören / als da Tod und Schen gegen einander
ſtehet / die foller zufammen fegen / und durch cine folche Arth in
eines bringen) als gleich wie GOtt die Zeit und Ewigkeit durch
and indem Menfchen Ehrifto/ und durch ihn alle / welche ihren
Willen darein ergeben /vereiniget.
86. Er wird alles das jenige in feinem Wercke fehen / was
Gott mit der Menfchheit hat getyan / als er fte wieder ins Uni-
verfal brachte / als ing Paradig / er wird fehen/ wie der Grimm
wird die fehöne Venus in fein ſtachlicht dornicht Weſen verſchlin⸗
gen / und wie ſich die Venus gantz einergibet / und wie der Grimm
in der Venere auch erſtirbet und gang finſter und ſchwartz —
a
Tortt. ° Rerum 149
als eine Kohle / dann allhie liegen der Tod und das Schen beyein⸗
ander im Tode/ alsim Gehorſam GOttes /fie halten ihme beyde
ſtille /umd laffen den Geift GOttes nun aus und mit ihme mas
chen wie er wil / der führefs wieder indencwigen Pillen GOt⸗
tes / darzu ers im Anfang hatte gefchaffen / ein : So ftchet das
Weſen wieder am Anfange in der Ordnung als es GOtt ſchuff:
Alleine im Verbo Fiat, als im Goͤttlichen Machen / in feiner Im-
preſſion mus es ſtehen / biß auff den Scheide⸗ tag GOttes / da Ott
wird die Zeit wieder in die Ewigkeit verwandeln.
87. Und als JEſus den Kelch getruncken hatte / und ſchmaͤcke⸗
te im aͤuſſeren den Eſſig mit Galle vermiſchet / und im inneren in
der Liebe Eigenſchafft / als in der Jungfrauen / den grimmen Zorn
GOttes / fo ſprach der gantze Menſch Chriſtus: Mein GOtt
warumb haft du mich verlaffen ? Dann GOttes ſprechendes
Wort /ftund jest in menfchlicher Eigenfchafft ftille / fo ſchrye dte
neu⸗ erbohrne Wefenheit / welche in Adam war erfiorben/ und in
Ehrifto wieder lebendig worden / mit fambt der Seelen; Mein
GOtt warumb haft du mich verlaffen / dann der Zorn GOttes
war durch der Seelen Eigenfchafft in das Bild der Goͤttlichen
Wefenheit eingegangen /und hatte das Bild GOttes in fich vers
fhlungen. Jetzt fehrye das Bild in der Ereatur der Seelen:
Mein GOtt warumb haft du mich verlaffen ? Dann das menſch⸗
liche Bild/das in Adam verblich/und in Chriſti Menfchwerdung
wieder lebendig ward /follte dem Grimm GOttes in der Feuer⸗
ſeelen den Kopff zertretten uni feine Feuers⸗macht in Sonne ver»
wandelen/ ſo verließ es nun jetzt das fprechende Wort GOttes /
ſo fiel es in ſeiner Seelen Grim̃ ein / da fuͤhlete es GOttes Zorn:
Dann das ſprechende Wort fuͤhrete es alſo durch den Zorn in
Tod / und aus dem Sterben ins ſolariſche Leben / (verſtehet die
ewige Sonne.) Gleich wie die Kertze im Feuer erſtirbet / und ge»
het aus demſelben Sterben das Liecht und die Krafft / als das
groſſe unfuͤhlende Leben aus / alſo ſollte und muſte aus Chriſti
Sterben / aus ſeinem Tode die ewige Goͤttliche Sonne in menſch⸗
licher Eigenſchafft auffgehen.
8. Aberdie Selbheit menſchlicher Eigenſchafft / als der eige⸗
ne Wille der Seelen in Feuers⸗macht zu leben / der muſte jetzt
allhie ſterben / und im Bilde der Liebe erſauffen / und das Bild
der Siebe muſte ſich auch in Grimm des Sterbens einergeben /
auff dag alles in Tod einfiele und in GOttes Willen und Er⸗
barmen durch den Tod inder Paradig-quaalin der Gelaffenheit
auffgienge/ dag GOttes Geift alleine ſey alles in allem. Der
: 6: Hoͤllen
143 DeSıenarura Capıt
Höllen Auge mufte durch die Liebe fehen / gleich wie das Liecht
aus dem Feuer feheinet/ und das Feuer aus der Finſternuͤß nimt
ihren Urſtand aus der ewigen Vegierde.
89. Und wie Adam das Ebenbild GOttes in finftere Todes⸗
geftalt verwandelte/alfo verwandelte GOtt das&benbild aus dem
Zode durch feinen Feuer⸗grimm wieder ins Liecht / er zog das
Ebenbild wieder aus Dem Tode / gleich wie eine Blume aus der
wilden Erden wädhfet.
90. Alfo auch im philofophifchen Werd wird Venus verlaffen?
warn fie die drey grimmige Eigenfchafften in fichim Grimme
einnehmen ihr Grimm /alsder Tod /verfchlingetihr Leben / das
von verleuret fie die Farbe / und wird aber den drey Geſtal⸗
ten / im Grimme auchein Tod / dann fie erfäuffet mit der Siebe
den Tod /alfo wird das Leben dem Tode / als dem Grimme ein
Tod /und liegen nun beyde im Willender ewigen Natur /alsim
Verbo Fiat ‚das gehet mit ihnen den Göttlichen Weeg aus / auff
Arth wie es imAnfange der Schöpffung war ins Weſen gangen.
gr. Dann im Anfang war das Paradif als das Univerfal
offenbahr / und fchiene die Sicbe durch den Tododer Zorn: Alſo
muß es wieder werden / dag Venus das Auge oder Schen im
Grimme werde / alsdann wird aus dem Saturno, Marte und
Mercurio tin Jupiter, Mais wird zur Sonnen / und Saturnus zum
Monden / alſo leuchtet Mars mit der Sonnen aus dem Saturno
än Luna aus Veneris Auge / und find alle fieben nur einer / fo hat
der Streit ein Ende / und iftallesvollbracht / biß zur Aufferftes
hung des Leibes.
92. Und als JEſus den Kelch getruncken hatte und gefagetz
Mein GOtt / warumb haft du mich verlaffen ? So ſprach er : Es
aſt vollbracht; verſtehet das Werck menschlicher Erloͤſung / und
ſprach ferner : Vatter / ich befehle dir meinen Geiſt in deine
Haͤnde / und neigete ſein Haubt und verſchied. Allhie hat ſich nun
das gantze Leben Chriſti ins Batters Begierde / als in Willen
der ewigen Natur einergeben / und den Willen ſeiner Ichheit /
als den creatuͤrlichen Glantz wieder ing Centrum, als in die erſte
Mutter / daraus die ſeeliſche Creatuꝛ erbohren ward / als ins groſſe
Myfterium der Ewigkeit einergeben / der Wille der Selbheit muſte
gantz an der Natur Ende wieder eintretten / alſo daß die Selb⸗
heit gantz erſterbe / auff daß GOttes ewiger Wille und Geiſt in
der FR heita in allein alleine ſey und thue / und die Crea⸗
tur hernach nur fein Werckzeug ſey / darinnen er alleine thue
was er wolle. N
93.Und
=
Cap.ıt. Rerum. 349
93. Und alfo hat GOtt der Batter unfere Ichheit in Chrifti
Tod und Eingehen wieder in feinen Willen eingenommen / und
daß folches ſeyn koͤnte fo ringirete er zuvor die Menſchheit mit
der Gottheit / auff daß ihme die Menfchheit in feiner Krafft ein
—— Geruch und Opffer ſey / dann zuvoren war der Tod
dafür.
94. Allhie zerbrach die Siebe den Tod / und ſchloß das fefte
Siegel auff / auff das der Wille wieder konte in das eingehen
das er vor der Creatur gemefen war.
95. Und alfo muͤſſen wir ihme auff feiner eröffneten Straffen
alle nachfolgen / keiner mag GOtt fchauen / es werde Dann zuvor
in ihme GOtt Menſch / welches in der Glaubens=-begierde ge⸗
fhicht / und alsdann muß der verderbte Wille} fo im Tod und
Zorn GDttes begriffen ift / und in irrdiſcher Efleng blühet / und
Frucht zum Tode bringet / gang erfterben / und indie freye Ge⸗
laſſenheit in GOttes Willen und Erkarmen einfallen.
- 96. Alsdann if der eigene Wille mit und in Chriſto an der
Natur Ende im groffen Myſterio GOttes J alsin GOttes Hätse
den: GOttes Hände feynd die ewige Begierde / oder der ewige
Wille / welcher unwandelbahr ift. Alfo ſtirbet der Wille der crea⸗
tuͤrlichen Selbheit / er gehet gang ins Nichts / auff daß er ihme
nichts mehr / ſondern GOtt lebe.
97. Und alſo gehets auch im Philofophifchen Werck; dann der
Kuͤnſtler hat zuvor groſſe Wunder gefehen / welche der creatuͤr⸗
liche und natürliche Wille in Krafft Veneris hat gewuͤrcket / da ee
vermeynet er waͤre nahe darbey / ſo ſtirbet ihme erſt die Natur in
feinem Werde/ und wird ihme zur finſtern Nacht / es muͤſſen ſtch
aller Geſtaͤlte Eigenſchafft und Macht aus ihrem Centro aufge»
ben / und an der Natur Ende fallen / es gibet ſich alles frey / als ein
todes Weſen / es iſt kein Verbringen mehr allda / es theilet ſich
alles in der Crone in tauſend Zaf
98. So iftsalsdan wieder im Myſterio, an der Natur Ende / wie
es war che es ins Geſchoͤpff eintratt / verſtehet die eſſentialiſche
Begierde / als der außgeſprochene Mercurius, der muß alfd wieder
ans A feiner Selbheit gehen / und ins fprechende Abort ſich
ergeben.
99: Das leibliche Wefen bleibe im Centro der vier Elemen⸗
gen ſtehen / biß zum Gerichte GOttes / welches anjeso in dem
Sterbenim Centre Solis ſtehet / als in der Compaction Veneris
und Mercutii, welche Compaction im Tode gantz in eines faͤllet /
als in einer Krafft Jovis , als ins Centrum der Freyheit.
3 100. Dann
150 Ds $Sıenarura Cap.ı.
100. Dann allhie verliſchet die Begierde zu Kaͤlte und Hike;
Aller irrdiſcher Wille und Begierde der Eigenſchafften erſtirbet /
und iſt kein Hunger mehr nach irrdiſcher oder Todes Eigenſchafft.
Das 12. Capittel.
Von der ſiebenden Geſtalt im Reiche der Mutter / wie
das ſiebende Reich / als das Reich der Sonnen | wieder
eröffnet und febendig gemacht werde / im Gleich:
nuͤh von Chriſti Aufferftehung dar:
geſtellet.
x Tg ss Shriftus des natürlichen Todes in menfhlicher
Eigenfchafft ift geftorben / ift uns nicht alfo zuge>
dencken / daß er ſey nach feiner feelifchen Creatur ge⸗
ſtorben / vielweniger nach der Gottheit / noch in der
him̃liſchen Weſenheit / oder in der hĩliſchen Tindtur
gerblichen / das kan nicht ſeyn; alleine der Selbheit / als der aͤuſ⸗
ſeren Welt Wille und Regiment / welche im Menſchen herrſche⸗
ie / dem eigenen Willen und eigenen Kraͤfften der Creatur Selb»
heit / darinnen der Menſch GOtt ungehorſam ward / den gab ex
gäntz ins Vatters Hände / als ins Ende der Natur in das groſſt
Ayſterium des Vatters.
2. Richt daß es ſollte todt ſeyn / ſeondern daß GOttes Geiſt dar⸗
innen alleine das Leben ſey / daß in Chriſti Perſon das Goͤttliche
Regiment ſey / dag der ewige Batter in feiner Bildnuͤß / mit ſei⸗
nem ewigen Geiſte regiere und richte / darumb hat GOtt be⸗
ſchloſſen das letzte Gerichte durch dieſen IEſum zu halten.
3. So thuts nun nicht alleine die Creatur Chriſti / ſondern
Gott in feinem Ebenbilde durch die Creatur im Regiment feines
ewigen Geiſtes aller dreyen drincipien / welcher alles Weſens
Leben und Regiment iſt / in jedem Dinge nach ſeiner Eigen⸗
ſchafft.
4. Alſo verſtehet ung / als Chriſtus geſtorben am Creutze / ſo
iſt nicht der Name JEſus mit geſtorben / welcher den Tod zer⸗
brach / und mit der Siche das außgeſprochene Wort / als die Fora
me der Gottheit / als das geformte Wort / als die Seele tingirete:
Nein / das kan nicht ſeyn / die Ewigkeit ſtirbet nicht / alleine das
Aukgeſprochene / welches wieder in der Begierde des Sprechens /
als im Fiat ſtehet / das verwandelt ſich in feinem eigenen Spre⸗
chen / als in der eigenen Begierde / und führet feinen eigenen Hall
—439 R
Cap. ı2. Rerum. 251
in eine andere Form und Quaal ein / alses das fprehende Mort
hat in eine Form und Quaalgefprochen/ und mit dem Verbo Fiat
in eine Form / Geltaltnüg und Willen geftellet / als $ucifer mit
feinem Eöniglichen Throne/ und auch Adam folches gethan haben/
da fie beyde aus der Gelaſſenheit indie Selbheit eingiengen : das
Werckzeug wolteder Meifter ſeyn.
5. Das äuflere wuͤrckende und fühlende Leben / darinnen der
Zorn GOttes brannte /das farb gan ab/ nicht daß es ſey ein
Nichts worden / fondernes fiel ins Nichts / alsin GOttes Wil⸗
ken / in GOttes Würden und Fuͤhlen / gantz von der aͤuſſeren
Welt Willen / welcher boͤß und gut iſt / ab / alſo daß es nicht mehr
der Welt / als dem Geſtirne im Sude der vier Elementen Ichete!
fondern des ewigen Vatters Natur im Sude des reinen Goͤtt⸗
lichen Elements: das geben der aufferen Welt ftarb.
6. Alſo fiel zu Hand das rechte menſchliche Sehen wieder in den
Orth ein] daraus cs Adam hatte außgefuͤhret /alsins Paradif /
darvon Ehriftus zum Schecher fügte : Heute wirftu mit mir im
Paradiß feyn. Es fielin Adams ſterben / als er dem Paradiß ab⸗
ſtarb / ein / und gruͤnete in Adams ſterben / als eine neue Creatur
aus der alten aus / gleich wie der Halm aus dem Korne / und ſol⸗
ches in Gewalt und Krafft des ſprechenden Wortes / welches war
aus Genaden wieder in die verblichene him̃liſche Weſenheit des
Menſchen mit lebendiger Weſenheit eingangen / umd fich ins
Centrum der feclifhen Natur / fo wohl in Grimme des Zornes
und Todes im Fleiſch eingegeben, und den Zorn im Die Siebe ver⸗
wandeltjund das verderbte Blut im Zorne mit der Liebe ti agiret,
7. Die Göttliche Tinctur tingirefe die menſchliche / die Soͤtt⸗
liche Sonne tratt in die menſchliche ein: Die Goͤttliche Sonne
tratt in Adams Nacht / als in Adams Schlaff ein: GOttes
Sonne mit dem Namen JEſu tratt mit Adams Seele und
Menfchyeit in der Perfon Chriſti in Tod / verficher in Adams
Tod ein.
8. Da Chriſtus ſtarb / fo farb Adam in feiner Ichheit in
Ehrifti Tod mit : Der Rame JEſus war in Chriſto / in Adams
Menfchheit der Schlangen-tretter: Chriftus gieng cin in das
Bild des erften Adams / alfodag der erite Adam in der Dienfch>
heit Chriſti verfelbe Chriſtus und Schlangen-tretter ward / wohl
nicht in derſelben Creatur / aber in derſelben Seelen und Leibes⸗
Eigenſchafft.
. Der erfte Adam fiel nieder in Schlaff / als in Unmacht der
Glitlſchen Welt / und ſtarb im Tode des Todes: Der andere
G 4 Adam
7152 Dre Sıconatura Cap.ız
Adam giengin Tod des Todes ein / und nahın den Zod des Todes
in ſich als in Adams Menfchheit gefangen : Er ward dein Tod
ein Tod / und führete das Leben in die ewige Grepheit aus den |
Zodeaus. Er fund in Göttlicher Allmacht in des erften Wams
Werfen auf: GOttes Geift in dem fprechenden ewigen Wort
führete Adam in Chriſti Menſchheit aus dem Todeaus. Adam
ſtund in Chriſti Menſchheit auff / und alle Kinder Adams / fo
Chriſti Reich theilhafftig werden / ſtehen alle in Chriſto auff / alle
an Chriſti Fleiſch und Blut / Seel und Geifſt / aber ein jeder in
feiner hiegehabten / und in Chriſti Tod geſtorbenen Creatur.
Ein jeder iſt ein ſonderlicher Zweig / aber nur ein einiger Baum /
der iſt Chriſtus in Adam / und Adam in Chriſto / nur einer / nicht
zween / nur Ein Chriſtus in allen Chriſten.
10. Alſo mag ich ſagen / ſo ich in Chriſto der Welt abgeſtor⸗
ben bin: Ich bin derſelbe Chriſtus / als ein Zweig am ſelben
Vaume; Alldieweil ich aber in dem aͤuſſeren Menſchen noch in
meiner Ichheit lebe / ſo muß ich auch mit dem aͤuſſeren Menſchen
in Chriſti Tod ſterben / und in ihme aufſſtehen und leben: So
lebe ich nun jetzt mit dem Willen des Glaͤubens im Gemuͤthe in
Chriſto / und bin ein Chriſt im Willen des Gemuͤths in der Bes
gierde des Glauben / und nehme Ehriftum in meinen Willen
mit feiner Menfchheit cin / und werffe meinen Willen in feinen
Tod ein / fo ift mein inwendiger Menſch in Chriſti Tod mit ihme
geſtorben / und lebet nicht mehr der Schheit/ fondern bin in ihme
gelaffen/ und liege in feinem Tode begraben.
xx. Weil er aber iftin GOttes Willen aufferftanden / fo che
ich in feiner Aufferftehung in ihme / aber meine Irrdigkeit in
ihrer Schheit / lebet der iradifchen Welt big fie auch der Ichheit
abftirbet/un gang in die Gelaſſenheit und Verweſeuheit eingehet /
alsdann wird ſie Chriſtus durch meinen inneren Menſchen / dee
jetzo in ihme lebet / auffwecken: Gleich wie er iſt aufferſtanden
von den Toden / alſo ſoll auch ich / der ich in ihme folder Irrdigkeit
abſterben / in ihme als im meinem erſten Vatter Adam in dem
Namen JEſu / als ein Chriſt / in Chriſto auffſtehen.
12. Mein in Suͤnden verdorreter Zweig am Baume ſoll in
dem Namen JEſus Krafft und Safft zum Leben bekommen / in
Ihme als in meinem Stamme / welcher ein Hertz und Krafft in
meinem Batter Adam iſt worden / ſoll und werde ich mit meiner
Menschheit grünen / und Früchte zum Lobe GOttes bringen:
Mein Willenzgeift der anieso in Chrifti Menſchheit ift / undin
Chriſti Beift lebet / der follin Chriſti Krafft dem duͤrren tr
af
9
—*
-Lap.I2. Rerum. 157
Saagfft geben / daß er am jüngften Tage im Schallder Poſaunen
des Goͤttlichen Halles in Chriſti Stimme / welches auch meine
Stimme in ſeinem Hall iſt / wieder aufferſtehen / und im Baume
Chriſto / als im Paradiß gruͤnen.
13. In mir ſelber wird das Paradiß ſeyn / alles was GOtt
der Vatter hat und iſt / das ſoll in mir erſcheinen / als eine Formz
oder Bild der Goͤttlichen Welt Weſen /alle Farben / Krafft und
Tugenden ferner ewigen Weißheit / ſollen in und an mir / als an
feinem Ebenbilde offenbahr ſeyn / ich fol die Offenbahrung der
geiſtlichen Goͤttlichen Welt ſeyn / und ein Werckzeug des Geiſtes
GOttes / darinnen er mit ihme ſelber / mit dieſem Halle / der ich ſel⸗
ber bin / als mit ſeiner Signatur ſpielet: Ich ſoll ſein Inſtrument
und Seiten⸗ſpiel feines außgeſprochenen Wortes und Halles
ſeyn / und nicht alle ine ich / ſondern alle meine Mit⸗glieder in dem
herrlichen zugerichteten Inſtrument GOttes / wir find alle Seiten
in ſeinem Freuden⸗ſpiel / der Geiſt ſeines Mundes iſts der unſere
Seiten ſeiner Stimme ſchlaͤget.
14. Und darumb iſt GOtt Menſch worden / daß er ſein herrlich
Inſtrument / welches er zu ſeinem Lobe machete / und ihme ver⸗
darb / und nicht nach feiner Freuden⸗- und Liebe-Begierde wolte
klingen / wieder zu recht braͤchte / und den rechten Liebe⸗Hall wie⸗
der in die Seiten einfuͤhrte / ja der Hall der fuͤr ihm klinget / den
hat er wieder in uns / als fein Inſtrument eingefuͤhret / er iſt der
worden / der ich bin / und hat mich zu dehme gemacht das er iſt / alſo
mag ich ſagen / daß ich in meiner Gelaſſenheit in ihm ſeine Dos
ap umd Stimme feines Inftruments und Böttlihen Halles
in / deffen erfreue ich mich nun in allen meinen Mitsfeiten und
Stimmen / welche neben mir / als oĩn ewiges Werck ins Lob GOt⸗
tes gerichtet ſeynd.
x5. Alſo wiſſets nun meine liebe Mit⸗ ſtimmen inn Lobe GOt⸗
tes / auff und in eurem Hall ſchalle ich mit meiner im Geiſt ges
fihlagenen Seiten / und halle alfo in euch / daß alles was IEſus
durch ven Chriſtum / als durch feine und meine Menſchheit ges
than hat / das thut er noch heute in mir / und in allen meinen Mit⸗
gliedern: Er iſt meiner Ichheit in ſeinem Tode abgeſtorben / und
ich ſterbe auch meiner Ichheit in ſeinem Tode ab / er iſt ſeiner
Gelaſſenheit in GOtt ſeinem Vatter einergeben / und GOtt ſein
Batter hat ihm mit dem Geiſt feines Mundes in ihme auffer⸗
wecket / und ziun Eöniglichen Bilde nach der Heil. Drepheit dar»
gefteilet / durch und mit welchem G Dit alle Ding im Loco diefer
Belt richten wil, g
& 55 26. Alſo
154 Ds: Sıonarura Capızs
16. Alfo hat auch GOtt meinen Geift und Seel / durch feinen
Geift in dem groffen Namen JEſu / in dem Chriſtus /in ihme
aufferwecket: Alfodag ich immeiner Gelaſſenheit in ihme nicht
darff fterben / dann er ift mir und für mic geftorben/ fein Tod
in dem er ift vom Tode aufferftanden/ ift mein ewig geben wor⸗
den / fo lebeich nun in feinem Tode / als ein Sterbender / und ift
doch Fein Zod mehr in ihme / fondern alfo fterbe ich meiner Ichheit
und Sünden in ihme ab: ſintemahl meine Begierde und Wille
aus meiner Ichheit in ihme eindringet / fo ſterbe ich täglich mei=
ner Ichheit / biß ich dermahleins das Ziel meiner Ichheit werde
erreichen / und meine Ichheit mit dem irrdiſchen Willen und Bes
gierde der Ichheit gantz erſterben / alsdann ſoll meine Ichheit
und alles was an mir iſt / das ſich ſelber ſuchet und liebet / in Tod
Chriſti / als in die erſte Mutter / daraus mich GOtt ſchuff / ein⸗
fallen / und ſoll meine Ichheit ein Nichts werden / fo lieget als»
dann meine Ichheit in Chriſti Tod in der Gelaſſenheit als ein
Werckzeug GOttes / der mache ihme alsdann ein Inſtrument
daraus wie er wil.
17. Weil aber meine Seel und Geiſt anjetzo in ſeiner Auff⸗
erſtehung lebet / und fein Hall in mir iſt / nach der Gelaſſenheit
in ihn / wie St. Paulus ſaget: Unſer Wandel iſt im Himmel)
von dannen wir warten des Heylandes JEſu Ehriftisfo ſoll auch
fein Hall / der in mir iſt / nachdehme ichs nach meiner Selbheit
wicht inchr Bit fondern er alleine Jauch meinen geftorbenen Leib /
den ich in ihme verlafle/ auffwecken / umd in fein erſtes Bild / dar⸗
zu er ihn ſchuff / ſtellen.
18. Alſo lebe ich anjetzo in GOtt / und meine Ichheit weiß es
nicht / dann ſie lebet nicht in GOtt / ſondern in ſich ſelber; GOtt
‚st wohl in ihr / aber fie ergreiffet ihn nicht / und verdecket das
Perlein / das ich in Chriſto bin + Nicht ich / ſondern er in feiner
Menſchheit / in meiner Ercatur in ihme felber : Undalforede
md ſchreibe ich vom groffen Myfterio aller Weſen / nicht dag ichs
sm meiner Schheit hätte ergriffen / fondern er fchläget meine
Signatur in meiner Begierde / welche in ihn eindringet wie er
wil. Ich bin mir bekannt / aber nicht in meiner Schheit / ſondern
in ſeinem Spiegel / welchen er aus Genaden in mich ſtellet / mei⸗
ne Ichheit dadurch in ihn / als in die Gelaſſenheit zu locken. Un»
alfo wirds euch lichen Brüder / wieder aus feinem Spiegel / der
er durch meinen Begriff in ihme euch‘ fürgeftellet / als feinen
Werckzeug dargeftellet.
9. Alfo gehet es auch zu im Philofophifchen Werch; Sulphut,
Mech
Cap. 12. Rerum. 155
Mercurius und Sal find durch ven Fluch GOttes / in ihre Selb»
heit /alsineincigen Würden und Leben getretten, Es würdet
allesim Fluche und Zorne GOttes nad) des erften Principit Ei⸗
genſchafft / fo nicht GOtt hätte die Sonne / als einen Naturs
Bott der äufferen Jichtbahren Welt darein ‚geftellet / welche alles
wuͤrckende Leben / alles was waͤchſt und fich räget / tingiret / for
wäre alles in der finſtern Todes-Imprefion, als im Abgrund
der Höllen.
20. Sollaber nun etwas vondiefer Selbheit / als vom grim⸗
men Tode crlöfet/ und wieder ins Univerfal gebracht werden / als
in dic höchfte Bollfommenpeit /fo muß es feiner Ichheit gantz er>
fterben / und in. die Stille als in Ted der Gelaſſenheit /an ver
Natur Ende gehen ; Marsinuß die Feuers-und Srimmes-macht
gar verlichren /fo wohl Mercurius fein Gifft-leben. Saturnus
muß ihme felber ein Tod werden) alfodas der Artiltanichts fiehet
als die groffe Finſternuͤß / fo erſcheinet alsdann das Liecht Inder
Gelaſſenheit danıı St. Johannes ſaget: Das Liccht ſcheinet in
die Finſternuͤß / und die Finſternuͤß hats nicht ergriffen.
21. Das ift in ihrer Selbheit / alsineigenem ZBillen und
Würden Fan jiedasnichtergreiffen / aberinder Gelaſſenheit
fiheinet das Nichts alsdie Freyheit GOttes darinnen/ dan das
Nichts / macht ich in feiner Luft ausder Freyheit inder Finfters
nuͤß des Todes offenbahr / dann das Nichtswilnichtsin Nichte
ſeyn / und fan nicht ein Nichts ſeyn / fo Fan fichsauch anderft
nicht offenbahren als nach der freyen Luft Eigenfehafft das iſt
nun fir / und in ihme auch als ein Nichts / dann es iſt feine Turba
darinnen / der eigene Wille und Hunger iſt todt und im Nichts 7
und die Luſt der ewigen Freyheit wird ſein Leben.
z2. So ſich dann num Das hoͤchſte Weſen einmahl beweget /
und iſt in ein ſichtbahr greifftich Weſen eingangen / fo figuriret
es daſſelbe Weſen / ſo es wieder aus ſeiner Selbheit ausgehet ins
Richts / wieder in ein ſolch Weſen / wie es vor den Zeitender
Welt war weil aberdas Verbum Fiar noch heute im Schaffen
des cörperlichen Weſens ſtehet / fo machts wieder cin fires voll»
kommenes Weſen / als folches im philofophifehen Werck ge=
ſchicht / da ein new Leben aus dem Tode auffſtehet /gleihwie ung
GOtt in Ehriftei in ihme aufferwecket / fo wir der Ichheit abſter⸗
ben / und uns in ihn gaͤntzlich einlaſſen.
23. Alſo auch wann der ausgeſprochene Mercurius im Sulphur
Saturni feine Selbheit in Venerem ergibt / fo transmutiret ihre
das Verbum Fiar wieder in ein Weſen nach der Luſt der Freyheit.
56 Dir
JF
’
3
356 DeSısonarura Caprz
Der Tod ftehet in einem neuen Leibe ausder Finfternüf des Tos .
des auff / im weiffer fchöner Farbe: abergleichwic einverborger
ner Blans/ da man die Farbe nicht recht erkennen Fan/alfo lange -
biß fichs refolviret / und die Mareria wieder begchrend wird / fo
gehet im Centro Saturni in Jovis und Veneris Eigenfchafft / die
Sonne in allen fieben Beftalten auff/ das iftim Verbo Fiat,
gleich als eine newe Schöpfung / und lauffen alter fieben Gr=
frälte Begierde in Solis Glantz / als indie weiſſe und rohte Far⸗
be / vom Feuer und giccht/ das iſt die Majeſtaͤtiſche.
24. Uno wie Chriſtus nach feiner Aufferſtehung viertzig Tage
dm Myfterio aller dreyen Principien zugkeich wandelte in der Ei»
genſchafft des erften Adams nach feiner Schöpfung vor feinem
Schlafe / und vor feiner Heva /umd ſich feine Jünger lieg in ſei⸗
ner hiegchabten Eigenfchafft von der Auffern Welt ſehen un?
mit ihnen aſſe (und feine angenommene Menfchbeitfchen lieh /
daß er dieſelbe mit nichtenabgeleget hätte: Alſo foll uns der Arti=
Kaverfichen/dasi im Philofophifiyen Werde mit nichten die erfte
Materia vergehet / ſondern fie gehet in Eodihres Lebens / ihrer
grimmen Eigenfchafft / und ſtirbet im Fluch GOttes / und ſtehet
aber in ihrem gehabten Wefen / das fie vorm Fluch GOttes war]
wieder auff / ver Fluch zerbricht nur darinnen / das erſte Leben
ſtehet darinnen wieder auff / und darumb iſts fix / und beſtehet im
Feuer / dann es iſt dem Regiment der vier Elementen abgeſtor⸗
ben / und lebet in der fuͤnfften Eſſentz / nicht dag ſie daſſelbe Leben
habe / ſondern ſte ſtehet darinnen ſtille / aber der Geiſt des neuer⸗
bohrnen Weſens iſt mit ſeinem Gruͤnen ein vegetabiliſch Leben
darinnen / ſein Glaft ſtehet darinnen / er zeiget den erſten Adant
an der Unſchuld any der ſtunde auch in ſolcher Bollfommenbeit:.
25. Und wie Chriſtus unſere verderbte Menſchheit / in welcher
der Mercurius war zu Gifft worden / mit dem himliſchen Blute der
ewigen Goͤttlichen Jungfrauſchafft und Weſenheit tingirete /
davon die menſchliche Selbheit im Giffte erſtarb / und das gelaſ⸗
ſene Leben wieder aufſgieng: Alſo erſtirbet auch der gifftige mer-
cuxialiſche / martialiſche und ſaturniniſche Wille und Begierde }
un Blut Veneris im philofophifcyen Werck / und gehet mifeinans
der in Tod / und ftchen miteinander in ciner Liebe in einem Wil⸗
Knauf.
26. Darumb foll der Artiflaauff die Tinctur merden: Sie
iſt edler in menſchlichen Brauche in diefem Jammerthal als der
geid/verimder Tinctur auffſtehet / dann der Geiſt it das Sehen]
Ber Leib iſt nur eine Figur dee Sehens,
27.59
5
m:
Cap. 12. ReruMm 157
27. So iſt das Blutein Schäufe des Geiftes/das folder Ar-
tifta wohl mercken / im Blut des Zünglings/warn fich feine Perle
in die drey Morder etnergibt / dag ſie ihr Blut in und mit des
Juͤnglings vergeuſſet / da der Ritter in der Hoͤllen ſtehet / und
die menſchliche Selbheit uͤbergibet / da ſich der weiſſe Loͤwe auff
feinem Rofinfarben Thier laͤſſet ſehen: Allda lieget das Heyl der
Kranckheit / und der Tod des Todes.
28. Der Leib wird im Blut der Liebe im Tode reſolviret / aus
der irrdiſchen in einen himliſchen. Die Tin&ur gibet ſich in neuen
Leib ein / und verlaͤſſet hernach / wann der Leib in Solis Glantz
auffgehet / auch ihren Willen / fie ergibet ſich dein Leibe gantz ein
in ſeine Eſſentz / und wird ſeine Zierheit / Glantz und Farbe / wel⸗
che der Artiſta nimmermehr ſcheiden kan / dann ſie ſeynd mitein⸗
der in der fuͤnfften Eſſentz / als im Myſterio des Verbi Fiats, und
ſtehen zu Gottes Bewegung des endlichen Scheide⸗tags in dieſer
Zeit / zu ſeiner ſelbſt⸗Offenbahrung / zu ſeiner Ehre und Wun⸗
derthat: hernach aber nach dieſer Zeit zur criſtalliniſchen Welt
indem gläfernen Meer vor dem Stuhl des Alten in a pocalypſi.
Kurtze Summa des philoſophiſchen Wercks.
29. D Em Leſer möchte unſer Sinn gang ſchwer fürfallen }
indehme wir alfo weitläufftig geyeyun Chriſtum dar
unter anzeigen; deffen folklich Eriner verwimdern / wir ſuchen
nicht Gold noch zeitlih Gut darmitte/ umd treiben nicht den
Menfchen in vergebenen Borwig: Wirreden nur mitden Kin»
dern die GOtt darzu erwaͤhlet hat / dann die Zeit iſt gebohren/ da
das Verlohrne wicder funden werde: aber nicht alleine das Uni⸗
verfal zum Leibe dieſer Welt / fondern auch das zur Seelen.
30. Der Proceſs iſt in allen beyden gar kurtz / und iſt nur einer
Eigenſchafft / das verhaͤlt ſich alfo s Der Baum iſt ausgetheilet
in ſieben Seſtalten (verſtehet dag Leben.) Nunaſt der Fluch Got⸗
tes in die ſteben Geſtalten kounnen / alſo feynd ſie un Streit und
Widerwillen / und Erändet je cine Geſtalt die andere / und moͤgen
nimuer eines werden / ſie gehen denn alle fieben in Zod / und ſter⸗
ben des eigenen Willens ab.
zt. Run mag das nicht geſchehen / es komme danırein Tod in
fie/ der ihnen allenden Willen breche / und ihnen ein Tod fey /
gleichwie die Bottheit in Chrifto der menſchlichen Seltheit/ und
den Sieben Geſtalten im menſchlichen Leben ein Tod war und
war ihnen Doch zum Schen kommen: Alfa iſt dieſes auch; der -
67 mchiche
18 DeSronarura Capıza
menfhliche Wille war in Chrifto in die ewige Sonne / als indie
Gelaffenheit in GOtt verwandelt. Alfo müffen fich im philofo-
phifchen Wercke alle Geftalte in eine / alsinSolverwandeln }
aus fichen miß Eines werden / und bleibet dach in fteben / aber in
einer Begierde / da eine jeds Geftaltder andern in Liebe begeh⸗
ret / fo iſt fein Streit mehr.
32. Darumb dendeder Artiſta nur / wie er dem Tode mit den
reinen Leben den Tod gebe / und wie cr das geftorbene und verblis
shene Leben / welches himliſch iſt und im Fluch GOttes gefangen
und verborgen. ftchet / möge auffwecken / daß es die Feuer⸗ſeele
wieder in ſich nehme ; fo ers nur fo weit bringet / fo hats fein eigen
machen in fich.
33. Wann die Jungfraw ihren Braͤutigam / der ihr meins
eydig ward/ wieder annimt / foift ex geſchickt darzu / anderſt gar
in keinem Weege nicht / anderſt iſt alles umbſonſt: Es iſt auch
kein andere Moͤglichkeit / dem himmliſchen Bilde nach GOttes
Gleichnuͤß im Menſchen mochte nicht gerahten werden / nach deme
die Feuer⸗ſeel in ihre Selbheit eingieng / es fuͤhrete dann GOttes
Geiſt ſich ſelber in das verblichene Bild / als indie himmliſche
Weſenheit / und gebe ſich wit demſelben in ihme auffgeweckten
Bilde in das ſeeliſche Feuer ein / als in Grimmdes Todes und
wuͤrde dem Tode ein Tod / als dem grimmen Zorn GOttes / daß
er in der Liebe im Blut der himmliſchen Weſenheit erſoͤffe: Und
ob wohl kein Abtrennen ſeyn mochte / auch kein Sterben / ſo war
es doch ein Sterben des Grimmes / daß der Grim in eine Freude
und Liebe verwandelt wuͤrde.
34. Alſo iſt auch des Artiſten Werck durchaus nichtsanders f
dann der Menſch iſt aus allen Weſen / aus Himmel und Erden
geſchaffen worden / als er aber gantz irrdiſch ward / und der Fluch
über ihn gieng / ſo gieng auch der Fluch über das irrdiſche Weſen /
daraus der Menſch war; Alſo ward dem Menſchen der Himmel
verſchloſſen / und ward auch der Himmel in der Erden / in Me⸗
tallen / Baͤumen und Kraͤutern in des Menſchen Speiſe / und
was zu ſeiner Zierheit und Spiel gehoͤrte / verſchloſſen.
35. Die Seele der Erden / als die Eigeufihafft vom Feuer des
erſten Prineipii ift in ihrer Selbheit / alsin GOttes Zorn ein⸗
gangen / nun ſtehet der Himmel in ihr verborgen / ſo ſoll der Atti-
Ha in ſeinem Werck die Seel im Fluche / und den Himmel wie⸗
der in Eines bringen / er mug die Seele wieder in Himmel ein⸗
fuͤhren / oder iſt anderſt keine Moͤglichkeit / ſo kan er nun die Scele
in ihrer Boßheit wicht in Himmel bringen / dann ſie wil nicht / fe
Cap. nz. Rerum 259
nußer den Himmel in die Seele einführen/ und den Himmel der
Seelen ganz einergeben/ dag die Seele vom Himmel eſſe / ſie wil
oder wil nicht / fo mug der Himmel in der Seelen als wie todt
werden /alfodag die Seele deg nicht kan log werden / wie hefftig
fie fich darüber erzuͤrne / big ſie ſich daruͤber verweget in ihrem
Grimme / und mit der Begierde in Himmel / als in das verbli⸗
chene Weſen einfaͤhret / und wil das ermorden / gleichwie die Ju⸗
den Chriſtum / und ſie alſo mit ihrer Begierde in das verblichene
Bilde/ als ins himmliſche Weſen einfaͤhret / fo faͤlt das Bilde
des himmliſchen Weſens dem Moͤrder in ſeinen Rachen: Alſo gi⸗
bet das himmliſche Weſen ſeine Begierde in den Moͤrder ein / ſo
erſchrickt der Moͤrder vorm Liebe⸗Leben / und faͤhret im Schracke
in der himmliſchen Weſenheit auff.
36. Alſo empfaͤhet das verblichene Weſen wieder den Feuer⸗
ſchrack in ſich / und eine ignet ſich gantz ins Feuer⸗Leben / ſo muß
das Feuer in der Liebe und Sanfftmuth brennen / und fein Recht
im Centro verlaſſen: gleich als wie das Sicht aus dem Feuer
ſcheinet / alſo und nicht anderft Erieget das himmliſche Weſen fein
Leben / und wie ein Feuer ein Eifen durchgluͤet / Daß es ſiehet als
wäre es eitel Feuer / und iſts auch / aber das Eiſen behaͤlt doch
feine Subſtantz/ alſo wird auch das verblichene Weſen als der
Hipl in der gifftigen mercuriakſchen / mactialiſchen Feuer⸗
feele offenbahr / und machtt aus ſieben Willen nur einen und
bleiben Doch fieben/aber die Feindſchafft hoͤret auff.
37. Alfe ift dig ein Univerfal , welches auch den Widerwillen
aller Krandheit im menfhlichen Cörper in Einen Willen trans
mutiret / dag das Wüten und Stehen] alsdie fieben Geſtalten
des Sehens inihrer Feindfchafft einig werden / ſo hoͤret der Hun⸗
ger der Kranckheit auff / und ift der Procefs zum Univerfal wie
ſorne gemeldet worden: Eine klare Andeutung zu melden ift nicht
mein Fuͤrhaben /esiftflar genug. Wer nicht wileinen neuen in
GOtt gebohrnen Menſchen dadurch firchen / und fich ſelber darzu
machen / der laſſe meine Schrifften mit frieden.
38. Ich Babe demſelben Sucher nichts geſchrieben / er mag
auch unſern Sinn nicht gaͤntzlich ergreifſen / und wie er ſich auch
immer uͤbet / er gehe dann in die Gelaſſenheit in Chriſto ein / all⸗
da mag er den Geiſt des Vnirerſals ergreiffen / anderſt iſts alles
umbſonſt / und wollen den Vorwitz gewarnet haben / dahß er ſich
nur nicht vergaffe / er richtet auff dieſem Weege gar nichts aus
er trette dann ſelbſt darein / fo wirds ihme offenbahr ohne viel ſu⸗
chen / dann der Weeg iſt kindiſch. *
>
169 DESIGNATURA Capıza
Das 13. Capittel.
Von des Geiſtes und Coͤrpers Widerwillen / und von
ſeiner Cur und Heilung.
uf Eder Eörper iſt an ihm felber einftum und ale
todt Weſen: Er ift nur eine Dffenbahrung des
Geiftes der im Eörperift: Der Geift igniret jich
mit dem Coͤrper / was der Beift in fich iſt im unbe⸗
9 greifflichen Würden das ift der Eorper im bee
greifflichen und ſichtlichen. Es iftje eine Geſtalt unter den ficben
Geftalten ver Natur dieoberfte/ die andern hangen derfelben an
uñ geben ihre Mit⸗zeichen / nach dem eine jede in der Efleng ſtarck
iſt / und wie die Geſtalten in ihrer Ordnung in jedem Dinge
ſtehen / alſo figuriren fie das Corpus, ein jedes Ding und Creatur
in feinem Geſchlechte / das iſt die Offenbahrung Goͤttlicher Weiß⸗
heit / in dem ausgeſprochenen Wort aus Liebe und Zorn,
2. Kein Ding iſt / es hat ſeine Seele nach feiner Eigenſchafft
in ſich / und die Seele iſt ein Korn zu einem andern Coͤrper. Alles
was lebet und wächfet/ das hat feinen Saamen in ſich / GOtt hat
alle Ding in fein Wort gefaſſet und in eine Form ausgefprochen?
wie fich ver Wille in. der Begierde hat gefaſſet. Das Ausgeſproche⸗
ne iſt ein Modell des Sprechenden/und hat wieder das Sprechen
in ſich / daſſelbe Sprechen ift ein. Saame zu einer andern Bild»
nuͤß nach der erſten: dann beyde wuͤrcken / als das Sprechende
und das Ausgeſprochene.
3. Das Sprechende in ſich ſelber als in der Ewigkeit / und das
Ausgeſprochene auch in ſich ſelber / als in der Zeit / das Sprechende
iſt der Meiſter / und das Ausgeſprochene iſt der Werckzeug. Das
Sprechende mahtdicNatur der Ewigkeit iñ das Ausgeſproche⸗
ne macht die Natur der Zeit / ein jedes macht in ſeiner Faſſung
zwo Eigenſchafften / als Liecht und Finſternuͤß / darinnen ſtehet
das Element aller Weſen / welches ſich in dem ausgeſprochenen
in vier Elementa ſcheidet / aber im Sprechenden nur eines iſt.
4. Das Element iſt in ſich ſelber weder heiß noch kalt / auch
nicht trucken oder naß / ſondern iſt eine Luſt / als ein begehrender
Wille / darinnen die Goͤttliche Weißheit die Farben des Unter⸗
ſcheids machet / alles nach der Begierde Eigenſchafft / in weſthem
doch Feine Zahl noch Ende iſt / alle in in den vier Elementen iſt eis
ne Zahl und Ende / dann ſie haben mit dem Ausſprechen / in dem
fie find ein Eigenes worden / einen Anſang genommen / und I
gefaf?
Cap.13. Rerum. 167
gefaffer in cin Modell einer Zeit/ das lauffetin fich alsein Uhr⸗
werd :esformet/bildet und zerbricht.
5. Diefes Uhrwerck ftehet in fieben Geftalten oder Eigen⸗
ſchafften / (mie forne gemeldet) die machen in ſich einen dreyfachen
Geift /als einen wachfenden / fühlenden und vernünfftigens der
wachfende ftchet in den vier Elamenten / und der fühlende in der
fieben Geftalten der Natur / und der vernünfftige im Geſtirne:
Aber der Berftand komt alleine von GOtt / dann er urftändet
ausder ewigen Natur.
6. Alles Leben was in demausgefprochenen Wort fein Ziel
hat / das ſtehet in Sale, Sulphure und Mercurio ‚dann darinnen
ſtehen die Jieben Eigenfchafften alles Lebens diefer Welt / fo wohl
der Grift des Wachſens / Fuͤhlens und der Bernunfft.
7. Sulphur ift die Mutter aller Geiftligfeit und Leibligfeit ?
Mercurius führet darinnendas Regiment / und Salift das Haus
ihrer Wohnung / welches Merxcurius im Sulphur felber macht.
8. Die Vernunft entſtehet im Oehle des Sulphuris , darein
gibet das Beftien feine Begierde / als in die Effeng feiner Eigen
ſchafft / daraus alsdann die Sinne und Gedancken entfichen/aber
der Verſtand rühret her aus dem Oehle des Elements / als in der
freyen Luſt im ſprechenden Mercurio.
9.So uns armen Hevaͤ⸗Kindern dann anjetzo noͤthig zu wiſſen
iſt / wovon ung Kranckheit und des Lebens Widerwille entftehet /
was da in uns ſey / das uns ſelbſt zum eigenen Feinde machet / und
ſich in uns ſelber plaget und aͤngſtet / fo iſt uns auch noch viel
noͤthiger zu wiſſen die Cur / damit wir uns in unſerer Selbheit
mögen euriren / und in das Ende der Ruhe einführen. Alſo wollen
wirs entwerffen / obs jemand füftete darein zu tretten / und in die
Proba zu fegen/ und wollendarftellen / wovon Biks und Gutes
urſtaͤndet / und wie es urſtaͤnde / und dem Verſtaͤndigen Urfich
geben zu ſuchen / und wollen anzeigen / wie der Wille zu Boͤſem und
Guten urſtaͤnde / wie das Boͤſe des Guten Tod ſey / und hinwider
das Gute des Boͤſen Tod ſey.
10. Warn wir das mercurialiſche Leben betrachten was es ſey /
fo finden wir / daß es im Sulphur ſtehe / dann Sulphur iſt ein duͤrrer
Hunger nach der Materia, welcher eine ſtrenge ĩmpreſſion macht /
und hat in feiner ſtrengen Imprefliondas Feuer / auch iſt in der
Iwpreſſion das Oehle / daraus das geben brennet: Nun machet
die Imprefion Kaͤlte / und der Stachel oder in ſich ziehen machet
Hitze / das iſt nun ein kalt Feue r / und auch ein hitzig Feuer in ei⸗
nen Dinge: Die Kaͤlte machet in ſich hart und finſter / * *
itzs
162 De Sıconatura Capız
Hitze machet in fich Liecht / und möchte doch Fein Liecht ſeyn / fo
nicht das Dehle im Sulphur in der higigen Angſt erftürbe / gleich“
wie die Kerge im Feuer.
ır. So ſeynd nun zweyerley Sterbenim Sulphur,, daraus
auch zweyerley geben erbohren werden. Als erftlich zeucht die Im-
preflion oder die Begierde in fich / ſchleuſt ein / macht hart / Falt
und derb/ fo gibet die harter als das eingefchloffene/ einen Tod im
eingefchloffenen Weſen / und ift im ſelben Geifte doch Fein Tod /
fondern ein ftechend/ wütend/ und aͤngſtlich Falt Feuer⸗leben / das
erbichret fich mit der Impreflion,uit iſt das Leben der Finſternuͤß.
12. Zumandern/erbiehretfich in derfelben Angft in der ſtren⸗
gen Begierde/ das higige Feuer / dasverzchret das Weſen / wel⸗
ches die Kälte] alsdie Impreflion der Begierde zur Natur mas
het. Alfo bleibet indem Feuͤer der Streit zwifchen der Kälte und
Hitze: die Kaͤlte wilihr Lehen nad ihrer Eigenfchafft yaben/ und
in dehme fie fich beweget zum geben / fo zuͤndet fie in ihr in der
Imprefion die Hitze an / fonimtalsdann die Higeder Kälte den
Gewalt/ nnd verschret der Kälte Weſen / fomagalsdann der
Feuer⸗geiſt auch nicht beftehen / dann ohne Weſen erlifiheter / ſo
mug er in fihinder Feuerangft- Begierde immer und ohne un⸗
terlaß erfterbensalfo lange er vonder Kälte Wefen zu zehren hat /
fo gehet fein Sehen auff/ umd iſt doch nichts als nur ein ſtaͤtes
Sterben und verzehren / und in feiner Verzehrlichkeit ift der
gröfte Hunger nach ABefen/derfelbe gehet durch und mit der Vers
zehrligkeit aus dem ſterben des Feuers aus ſich aus und wohnet
im Nichts / fo magerdoc auch nicht im Nichts ſeyn / und kan
auch nicht ein Richts ſeyn / fo zeucht ihn das Feuer wieder in fich/
Dann feine Begierde ſtehet felber wieder nach feiner Mutter / weil
er aberift einmahlder Feuer-quaal erſtorben / ſo kan er nun nicht
mehr im Feuer der Hite oder Kälte erfterben/ ſondern er gehet
immer wieder vom Feuer aus/ und das Feuer geucht ihn doch wie»
der immer in fich / undift affo des Feuers Leben / und das ift der
Lufft / welcher im Feuer billih Wind heiffet/wegen der Stärde/
und im ausgegangenen billich Lufft heiffet / wegen des Lebens ſei⸗
ner Sanfftmuth.
13. Und iſt uns im Sterben des Feuers das Oehle zu verſtehen /
daraus das Feuer ſeinen Schein empfaͤhet / in welchem das rechte
Leben verſtanden wird / dann das jenige das im Feuer⸗ſterben
mit der Begierde zur Erledigung von der Feuers-quaal frey zu
ſeyn / ausgehet / das iſt eine Begierde der Sanfftmuth / und ur⸗
ſtaͤndet im erſten Willen zur Natur / indehme ſich das ewige
Nichts mit feiner Luft in eine Begierde einfuͤhret. 14. Die®
Cap. 13. Rerum. 263
14.Dieſelbe Luſt führet fich alfo durch den falten un hitzigen Tod /
Durch beyde Sterben wieder indie Sreyheit als ins Nichts aus /
und hat fich alfo in der frengen Impreflion durchs Feuer offen=
bahret/ und in ein Principium eingeführet / und iſt dach nicht
des Feuers oder der Kälte worden/ fondern alfo ift feine Offen»
kahrung.
x5. Weilfich aber die ewige Luſt zur Natur / mitder Natur
in eine Begierde einführet/ fomag diefelbe Begierde weder in der
Kälte noch Hitze ſterben / dann ſie urſtaͤndet nicht in Hitze noch
Kaͤlte / ſondern im Nichts. Alſo iſt ſie / nach deme ſie vom Ster⸗
ben im Feuer ausgehet / wieder begehrend / als nehmlich ihrer Ei⸗
genſchafft ſelber / und impreſſet ſich / dann im Feuer hat fie die Im-
pteſſion an ſich genemmen.
16. Nun kan ſie in ihrer Impreſſion nichts faſſen / als ein We⸗
ſen nach ihrer Begierde / das iſt nun Waſſer / verſtehet nach der
finſtern Impreſſion Eigenſchafft iſts Waſſer / und nad) dem
Feuer iſts Oehle:uñ das jenige was in der falten Impreſſion gantz
in der Haͤrte eingeſchloſſen wird / als eine Faſſung in des Grim⸗
mes Eigenſchafft / das iſt Erde.
17. Alſo zeucht die grimme Feuers⸗begierde denſelben Lufft /
Waſſer und Oehle immer in ſich / und ſchlinget es in ſich fo wird
der Feuer⸗grim̃ im Lufft / Oehle und Waſſer / in einen Schein
verwandelt: dann das Nichts begehret ſonſt anders nichts / als
nur Krafft und Glantz / und alſo machet ſichs offenbahr / und fuͤh⸗
ret ſich in Weſen ein.
18. Und der Geiſt der aus dem Fener-brennen im Oehlt / als
im Liechte / vom Feuer und Liechte ausgehet / gibet Bernunfft und
Verſtand / dann er iſt urſpruͤnglich im Nichts geurſtaͤndet / und:
iſt die Begierde zur Natur geweſen / und hat ſich durch alle Eigen⸗
ſchafften der Natur durch Kaͤlte und Hitze / durchs Sterben im
Feuer durchs Liecht ausgefuͤhret / und wohnet wieder im Nichts.
19. Er iſt ein Probirer und Wiſſer aller Eigenſchafften / dann
er iſt durch alle erbohren / und von allen ausgegangen: Er iſt als
ein Nichts / und hat doch alles / er durchgehet Hitze und Kälte /
und keines ergreiffet ihn / wie wir ſehen / daß das Leben der Crea⸗
tur in Hitze und Kaͤlte wohnet / und iſt das rechte Leben doch weder
heiß noch kalt.
20. Alſo ſollet ihr uns nun recht verſtehen; in der Ewigkeit iſt
dieſe Gebuhrt Geiſtlich / aber in der Zeit iſt ſie auch Materialifch/
dann ich kan nicht von GOtt ſagen / dag er Sinfternüß und Feuer
fey / viel weniger Lufft / Waſſer over Erde / aber in feiner *
164 DESICNATURA Cop
Degierde hat er fich alfo mit der Zeitim Loco dieſer Welt in fol
Werfen gefaffet/ welches er im fprechenden Mercurio nad) den Eis
genfchafften des Willens gefaffet / und mit dem ansgefprochenen
Wort in ſolche Formung gebracht / nach den Eigenfchafften des
Begierde in der ewigen Natur/alsim VerboFiar.
21. Rum wird das ausgefprochene Wort/ als der ewigen
Natur Eigenfchafft im Sulphur verftanden/ dann darin ift dag
fiebenfache Rad ver Gebuhrt / welches im Geiſte / als in der erſten
Faſſung zur Natur ein Geſtirne iſt / und theilet ſich aus dem Ge⸗
ſtirne in feiner felbfleeigenen Gebuhrt in ſieben Eigenſchafften /
und aus den ſieben Eigenſchafften in vier Elementen.
22. Daſſclbe Geſtirne iſt ein Chaos, darinnen alles lieget /
aber verborgen / und iſt der erſte Leib / aber geiſtlich. Und das fies
benfache Rad iſt die erſte Auswuͤrckung des Chaos, und macht
den andern Leib / als die Vernunfft / der andere offenbahret den
erſten / und iſt auch ein geiſtlicher Leib. Der dritte Leib iſt ein Ele⸗
mentiſcher / ein Kaſten der erſten beyden / und iſt ein ſichtbahrer
greifflicher Leib.
23. Der erſte Leib als das Chaos, oder erſte Geſtirne / welches
geiſtlich iſt / das iſt das ausgeſprochene Wort aus der ewigen
Faſſung / daſſelbe hat wiederumb ſein Sprechen in ſich / das iſt
das wercurialiſche KadimsSulphur, mit den ſteben Geſtalten /
Das ſpricht wieder aus ſich aus die vier RElementa: Alſo gehet eines
aus dem andern.
24. Das erſte vorm Chaos iſt die Luſt der Ewigkeit im Ins
grunde / die faſſet in ſich einen Willen zur ſelbſt-Offenbahrung /
das iſt alles GOtt: und der Wille faſſet in ſich in der Luſt eine
Begierde / das iſt das Chaos oder erſtes Geſtirne / darinnen die
ewige Natur ſtehet / welche ſich mit der Begierde zur Natur in
ſieben Geſtalten einfuͤhret / wie forne gemeldet / und offenbahret
alſo das Chaos als die ewige verborgene Weißheit GOttes / und
mit der Begierde im mercurialiſchen Rade / wird das Element
gefaſſet / als ein geiſtlicher Leib des mercurialiſchen Lebens.
25. Nun iſt dieſes alles zweyfach / als die Begierde machet in
ihrer Imprefion in ſich fſelbſt die Finſternuͤh / darinnen iſt die
ſtarcke Macht der Anzuͤndung der Ratur / und iſt peinlich; und
die freye Luſt zur Begierde / macht in ſich durch die Anzuͤndung
der Begierde / Sicht) und Wallen. Das Liecht iſt Krafft und
Glantz / und das Element iſt ſein Leib oder Weſen / da es doch auch
nur Geiſtlich iſt / alſo iſt die Feuer-begierde in der freyen Luſt
eine Freudeunreich / uñ in der Finſte rnuͤß iſts eine — =
20.
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Cap.r3. Rerum 163
26. Aus dieſem ganken Weſen ijt der Menſch in GOttes Wils
de geſchaffen worden / und verſtehet uns recht: Er ſtund nach und
in der Schoͤpffung im Regiment des Eleinents / das mercurialis
ſche Rad im Sulphur ſtund im Liechte und in der freyen Luſt der
Ewigfeit/ aber er gieng mit ſeiner Begierde weiter aus ſich in
die vier Elementa, als indie Schöpffung ins Centrum der Fine
ſternuͤß / daraus Hige und Kälte urftändet. Seine Begierde war
im Anfang indie Freyheit GOttes / als ins Element gewendet /
da war er in GOtt gelaſſen / foregierte ihn GOttes Liebe⸗Wille
mit der freyen Luſt Eigenſchafſt: Er aber gieng aus der freyen
Luſt GOttes / aus der Gelaſſenheit aus in einen eigenen Willens
welchen er im Centro zur Natur ſchoͤpffete / daraus die Pein und
Quaal urſtaͤndet / als Hitze und Kaͤlte / ſo wohl herbe und bitter /
und alle Eigenſchafften der finſtern Iwpreſſion.
27. Allda fiel er ins ewige Sterben / als in die ſterbende Quaal/
tr welcher das mercurialiſche geben im Sulphar, im Giffte regies
ret / Da je eine Geſtalt im mercurialiſchen Rad die andere anfein⸗
det / kraͤncket und zerbricht / da eitel Angſt Stechen und Wider⸗
willen iſt: Dann die freye Luſt erloſche in ihme / darinnen das hei⸗
lige Element als der Göttliche Leib ſtehet und wachten in dem⸗
felben reinen Element auff vier Elementa der äuffern Quaal / all⸗
da war das Bilde GOttes verflucht / das iſt GDttes Liebe Wil⸗
len / der indem Bilde feiner Gleichheit regierte / wiche vom Mens
ſchen / fo fiel der Menſch ins Regiment der Natur; und weil die
vier Elementa zeitlichen Anfang und Ausgang haben / und muͤſſen
wieder ins Ende eingehen / ſo muß auch nun der menſchliche Leib /
als der in den vier Elementen iſt gantz irrdiſch worden / wieder in
Die vier Elementa einfallen / und darinnen zerbrechen.
28. So iſt unsnunfeine Cara und Artzney zu entſinnen / wie
er doch aus dem Sterben zu erlöfen / und wieder ins reine Ele»
ment mit dem $eibe einzuführen fep/ und mit dem Geifte in Bote
tes Willen Regiment.
29. So iſt nunkeinanderer Raht / als daß er mit dem Geifte/
welcher im Chaos urſtaͤndet / und von GOttes Willen⸗Geiſte in
das geſchaffene Bilde ward eingeblaſen / wieder aus ſeiner Selb⸗
heit / als aus eigenem natuͤrlichen Willen ausgehe / und gebe ſich
wieder gantz und gar in den erſten Willen ein / welcher ihn im
Anfang in ein Bilde formirte / er muß ſeiner Ichheit in ihme ſel⸗
ber gantz im Tode der finſtern Impreſſion, ſo viel er darinnen
feinem eigenen Willen in eigener Begierde zum aͤuſſern viere
Elementiſchen⸗ Leben Ichet / gang erſterben / und ſich ganz En in
Da
*
16 De Sıeonartura Ca.ı
GoOttes Willen einwerffen/ alsin GOttes Erbarımen/auff dag
er nicht mehr ihmefelber lebe und wolle / fondern GOtt /alsden
erſten Willen GOttes / welcher ihn in fein Bilde fchuff / dadurch
fi GOtt in einem Bilde offenbahrte/ foift er mit dem erſten
Geftirne / als mit dem Chaos der Seelen wieder im felben Bes
griffe / darein ihn GOtt in fein Bilde fchuff.
30. Weil aber die Ichheit / als der eigene Wille wieder dieſes
ſtrebet / und mit nichten ſeiner Selbheit erſterben wil (verſtehet
der Wille der aͤuſſern Welt / vom aͤuſſern Geſtirne und vier Ele⸗
menten) ſo muß man dem innern Willen des Geiſtes von GOt⸗
tes Speiß zu eſſen geben / daß er moͤge ohne Noht und Hunger
nach dem aͤuſſern leben / dag erden Willen der irrdiſchen Ich⸗
heit immerdar toͤde und breche / big die Irrdigkeit / als der irrdiſche
Leib / wieder ſich frey im Sterben ausgebe / und auch wieder in die
Mutter / daraus er geſchaffen ward / eingehe / und ſeine Ichheit ver⸗
laſſe / auff daß der reine Leib des Elements / in welchem die Seel
im gelaſſenen Willen wieder das rechte Leben in Gottes Willen⸗
geiſte anzuͤndet / und der verblichene Leib vom reinen Element
wieder ein Gehaͤuſe der Seelen ſey / als ein Paradififch grünen,
31. Und daß ſolches der eigene Wille der Seelen thun koͤnne /
daß er ſich von ſeiner Selbheit abbreche / und willig ins ſterben
der Selbheit eingehe / und in ſeiner Ichheit ein Nichts werde / fo
ift der freye Wille GOttes / als die ewige Luſt zum Chaos der
Seelen / welches ift der ewige Mercurius inder Krafft ver Maje⸗
ſtaͤt wieder in das verblichene Bild GOttes aus dem reinen Es
lement / alsin das Jungfraͤwlich Leben eingangen/und zeucht den
Willen der Seelen zu fich/ und gibt ihme aus Siebe und Genaden
wieder dic him̃liſche geibligkeit vom reinen Efement zur Speiſe /
amd daffelbe Waſſer im Element in der Tin&ur vom Feuer und
Liechte / als vom ewigen geben / zum Trande /und hat ich in die
Menfchheit eingebildet / und ſtehet allen Seelen entgegen mit
voller Begierde /welche Seele ihrer Selbheit abſtirbet / und fuͤh⸗
ret ihren Hunger wieder in GOttes Erbarmen ein/die mag diefer
Speiß genieffen/ davon fie wieder die erfte Ereatur in GOttes
Liebe wird.
32. Nunift uns zu betrachten / wie die armein GOttes Zorn
gefangene Seele / auffer der en Speife in eitel Angft
und Noht / und treibender Peinlebet. Gleich wie der äuffere irr⸗
diſche Leib in feinen Eigenfchafften/ in feinem Hunger in eitel
Angſt / Noht und treibender Pein lebet / es fey dann dag ihm die
Seele mit dem reinen Element alfo übertänbe und im er
halte
x -
Cap. 13. ° Rerum. ©3267
hafte/ dag er fein eigen Regiment vom Äufferen Geftirne und
vierElcinentenim gifftigen mercurialifihen Rad nach der finſtern
Imprefhon,wegen des Durchdringens vom Element nicht maͤch⸗
tig ſey / dag ihme das Univerfal widerfiche/ fo mag er in ftiller
Ruhe ſtehen/ aber nur alfo lange als der innere den Auffern durche
dringet und ihn tingiret. Anden vier Elementen ift Feine Voll⸗
fommenheit / big der Leib wicder ins reine Element transmutiret
wird / fo mug er wieder indas eingehen) Daraus Die vier Elementa
urftänden.
33. Nun ift in diefer Zeitder vier Elementen eitel Pein und
Quaal / die Seele vergaffer fich an dem auffern Geftirne / wel⸗
ches in fie eindringet/ davon ihr falfche Imagination entftchet 7
und der Leib erwecket ihme das gifffige mercurialifche Rad / das
von ihn Krankheit und Wehethun entftchet / fo muß die Seele
mit der innern Vollkommenheit curiret werden / als von den
fprechenden Wort / darinnen te in GOttes Handftchet/ das
Fan die Seele alleine tingiren / undin Ruhe einführen] der irrdi⸗
fche Seib muß mit dem ausgefprochenen Mercurio tingiref und
geheilet werden.
34. So dann der Auffere Mercarius auch im Fluche ftehetals
um Gifftsrade/ ſo muß er mitfeinem eigenen Liecht in feiner ei⸗
genen Mutter im Leibe des Sulphuris tingiref werden. Dem Mer-
eurio muß fein eigener Wille und Hunger gebrochen werden/ dag
* dem feindigen Hunger eine Liebe-Begierde werde.
. Adie diefes nun gefchehen möge/ müffen wir die Gebaͤh⸗
aan im Sulphur betrachten / aus welcher Freude und Leyd ent⸗
ſtehet dann dem gifftigen Mercurio mag anderſt nicht wider⸗
ftanden werden/ und fan ihme nichts widerfichen als feine eigene
Mutter die ihn gebiehret / in derer Leibe er innen lieget/ gleich wie
der Kaͤlte nichts widerſtehen kan / als nur die Hitze / und die Hitze
iſt doch der Kaͤlte Sohn / alſo auch muß dem gifftigen Mercurio
mit feinem eigenen Kinde/das er in feinerMutter geibe aus Hitze
und Kälte felber aus fich erbichret / widerfianden werden / gleich
wie die Liebe aus dem Herken GOttes des Vatters / welches fein
Sohn iſt / dem Zorndes Batters widerfichet davon der Vatter
barınherkig wird / alfo auch imgleichen gehet es zu im mn
chenen Wort oder Mercurio,dasverftchet alfo:
36. Nicht dag man den falten Gifft des Mercurii mit anges
zuͤndeter Hitze vertreiben und tödten ſoll und könne: Nein / ſon⸗
dern fo der kalte Gifft entzündet iſt / ſo muß die Artzney von ders
selben Gleichheit — aber ſie muß vonder Kaͤlte / als vom an⸗
gezuͤn⸗
158 De SıcnatTura Cap.ız2
gezündeten falten Grimme zuvor erlediget / ımd in Sanfftmuth
gebracht werden / alsdann ftillet te auch den Hunger der Falten-
Begierde inder Kranckheit des Coͤrpers.
37. Dann fo. man der entzünderen Kaͤlte / entzündete Hitze
eingibt/ fo erſchrickt die Kalte vor der. Hige/ und füllt in Unmacht/
als in Todesseigenfchafft/fo wird die Hitze in diefer Todes⸗eigen⸗
ſchafft gu einem Gifftelebenfals ein Angftzflachel / und tritt das
mercurialifche Rad in Zraurigkeit/ als in Sucht oder in ci
Dorren / da aller Freude vergeflen wird.
38. Dannfoll das geben in feinem eigenem echte beftchen /
fo muß Hitze und Kälte in gleichem Weſen fichen/dag es mitein⸗
ander concordire / und keine Feindfchafft oder Abweichen in kei⸗
nem ſey / Feines muß das andere übertreffen/fondern fie müffen in
einen Wien lichen.
39. Dann die entzündete Kälte begehret keiner Hitze / ſondern
nur Bleichheit/ ein jeder Hunger begehret nur Gleichheit zu ſei⸗
zer Speife / fo aber der Hunger zuhart in Kälte entzündet ware/
fo gibt man ihme nicht wieder eine ſolche Eur / die alfo entzündet
iſt / ſie ſoll zwar alfe hoch im Grade in der Kaͤlte ſeyn / aber der
Gewalt mug ihr vonehe genommen werden / alſo daß ſie nur ey
als die Mutter die ſie erbiehret / nicht nach der entzuͤndeten Gifft⸗
quaal / ſondern nach der Mutter Freude / alſo wird auch die Kranck⸗
heit als der Gifft in Angſt in eine ſolche Freude verwandelt
werden.
40. Alſo nimmt das Leben wieder ſeine erſte Eigenſchafft an
ſich. Nicht der trauer Leib im Gegenſatz gehoͤret in die Cura, ſon⸗
dern ſein Oehl / das muß mit ſeiner eigenen Liebe beguͤtiget wer⸗
den / verſtehet mit einen ſanfften Weſen / das auch in dieſelbe Ei⸗
genſchafft gehoͤret: Dann die ſteben Geſtalten der Natur ſeynd
din Centto nur eine / fo muß man daſſelbe Oehl alſo weit im Rad
führen biß es in feine hoͤchſte Liebe- Begierde eingehet / alsdann
iſts recht zur Eur / dann es iſt Fein Ding fo boͤß / es hat ein gutes
in fſich / und daſſelbe gute wiederſtehet feiner Boßheit.
4x. Alſo mags auch in derſelben Kranckheit dem angezuͤnde⸗
gen Grimm im Coͤrper widerſtehen: Dann fo der kalte Gifft
im Eörper angezündet wird / fo tritt fein Gutes in Unmacht / und
fo 08 nicht mag wieder die Gleichheit feines ABefens zum Bey⸗
Hand erreichen / fo bleibets in Unmacht / und verzchret fich an
elsdann der entzündete Grinu / md fällt auch in Unmacht / fo
iſt ver natürliche Tod in beyden / und hörct das webende geben im
Coͤrper auf; ſo es aber dir Gleichheit bekommt / fo ſtaͤrckets fine
wieder
Cop. ı ° Rerum 169
wieder / fo muß ber entzündete Hunger der Krankheit auff⸗
hören.
42. Ingleichen darff die Hitze keiner kalten Eigenfchafft/ fon»
dern die Gleichheit ( aber zuvor vom Grimme derfelben Gleiche
heit entlediget/ und in ihre felbft yöchfte Freude und Güte eine
geführet/ alfo dag diefelbe Gleichheit weder in Hitze noch Kälte
gualihcire / ſondern in ihrer felbft eigenen Siebe Begierde / als in
ihrem beften Geſchmack / fo wirds auch die Hitze im Körper in eine
folche Begierde einführen. Alle Fäufen im Körper kommen von
der Kälte: wannder Schwefel zu ſehr von der Hitze entzündet
wird / ſo erſtirbet der Kälte Recht und Eigenfihafft/ und fritt ing
Zrauren.
43. Mercurius ift dns bewegende Leben in allen Dingen und
feine Mutter ift Sulphur ‚fo liget nun das Leben und Zodt im Sul-
phur, alsimringenden Mercurialifchen Rade. Im Sulphur ift
Seuer / Sicht und Finſternuͤß / die Impreflion gibet Finſternuͤß /
Kälte und Härte / darzu groffe Angft ; und von der Impreflion
des Einziehens entfichet Mercurius, erift der Stacheldes Ein—
ziehens / als die Bewegligkeit / over Unruhe / und entſtehet in Fer
groſſen Angſt der Iwpreſſian, da in der Impreſſion Kaͤlte / als ein
finſter kalt Feuer / wegen der Haͤrte / entſtehet und im Sta⸗—⸗
chel der Angſt / als in der Unruhe / ein hitzig Feuer / ſo iſt Mer-
cutius das Rad des Bewegens / und eine Erweckung der
Kaͤlte und Hitze / und iſt an dieſem Ort nur eine peinliche Quaal
in Hitze und Kaͤlte / als eine kalte und hitzige Gifft-Angſt / und
treibet als ein Rad / und iſt doch die Urſach der Freuden und alles
Lebens und Bewegens: ſoll er aber von der Angſt erloͤſet / und in
die Freude eingefuͤhret werden / ſo muß er durch den Tod durch⸗
gefuͤhret werden.
44. So iſt nun eine jede Kranckheit und Wehthun / eine Todes⸗
Eigenſchafft / dann Mercurius hat ſich entweder in Hitze oder Kaͤlte
zu ſehr entzuͤndet und verbrannt / dadurch das Weſen oder Fleiſch /
welches er in feiner Begierde / als in ſeiner Mutter im Sulphur
hat an fich gezogen / verbrannt ift worden/ dadurch die Irrdigkeit
entftchet beydes im Waſſer und Fleiſch: Gleich wie die Materia der
Erden und der Steine) als die Grobheit derſelben / anders nichts
ift/als ein verbrannter Sulphur und Waſſer in desMercurii@igens
ſchafft /da der Salniter im Schracke des Mercurialifchen Rades /
davon die marcherley Saltze entftehen / verbrannt iſt: Davon
komt der Stand und böfe Geſchmack.
45. Sonjt fo Der Mercurius Darinnen im Dchledes Sulphurs
H quali⸗·
170 DrSsenatura Co.ız
qualificirte / daß er durch den Todt der Impreflion von Hitze und
Kalte möchte durchgeführet werden / fo ware die Erde wieder ein
Paradeig und gruͤnete wieder die Sreuden- Begierde durd die
Angft der Impreflion der Kälte, |
46. Das iſts daß GOtt die Erden verfluschet hat / dann dent
Mercurialifchen Rade ward fein Gutes (als wie Liebe⸗Begierde /
welche inder Ewigen Freyheit entftchet/ und ſich mit dieſein Mer-
eurialifchen Rade durch Kaͤlte und Hitze offenbahret / und durchs
Heuer außgehet / und einen Schein des Liechts mache) entgogen/
und der Fluch darein geführet / das ift ein Slichen ver Lebe—
Begierde.
47. So ſtehet nan dieſer Mercurius alsein Leben im Sulphur
feiner Mutter anjego im Fluche / als inder Angſt der Hitze und
Kälte / und macherin feinem Schrade oder Salnitriſchen Sude/
ummerder Salt nach ſolcher Eigenſchafft wie er an jedem Orte /
und in jedem Coͤrper entzuͤndet iſt / dieſelben Saltze ſind nun der
Geſchmack in den ſteben Eigenſchafften.
48. Wird nun der Mercurius zu ſehr in Kaͤlte entzuͤndet / ſo
macht er im Salnitriſchen Schrack in feiner Mutter im Sulphut
ein kalt harte impreſſend Saltz / davon Melancoley / Finſternuͤß
und Traurigkeit im Leben des Feuers entſtehet / dann was fuͤr ein
Saltz in jedem Dinge iſt / ein ſolch Glaͤntz des Feuers / und ein
ſolch Schens-fchein vom Feuer iſt auch darinnen.
49. Wird aber Mercurius in uͤbermaͤſſiger Hitze entzuͤndet / fo
verbrennet er der Kaͤlte Weſen / und machet wuͤten und ſtechen /
nach der Impreſſion, und nach des Stachels Eigenſchafft / davon
im Sulphur groſſe Hitze entſtehet / und fo das Waſſer vertrocknet
und verzehret wird / ſo hat alsdann der Begierde Hunger oder
Stachel keine Speiſe / davon er mag ſeinen grimmigen Hunger
ſtillen Jofo wuͤtet und reiſſet er im Saltze / als der Gifft Eigen⸗
schafft iſt / davon das Wehethun im Fleiſche entſtehet.
50. So er aber wieder mag die Gleichheit bekommen in der Eis
genſchafft / wie er im Centro feiner Mutter / als im Sulphurinne -
ſtehet /verfiehet / wie ſte ihn im Anfange hat gebohren / als er in
den zweyen Tincturen des Mannes und Weibes zum erſten mahl
zum natürlichen Leben kau / ver ſtehet im Kinde / da ſich fein Le⸗
ben auge zundet / ſo wird er von aller Angſt erloͤſet / und tritt wie⸗
der in die Gleichheit der Hitze und Kaͤlte / und wiewohl es iſt / daß
der Streit in manchem auß Mutterleibe mit komt / fo iſt doch der
Streit nach des $chens Anfange erfi entſtanden: In des Lebens
Anfang tritt das Leben in feine hoͤchſte Freude / dann Die aa
ir
4
ECap.13- ; RéEeKuu. 178
Der dreyen Principien werden in gleicher Concordant geöffnet / as
ker Der Streit gehet alsbalde an umb die Uberwindung zwiſchen
Finſternuͤß und Liecht.
5x. Alſo iſt uns nun zu entſinnen / was doch dem Mercurio zu
thüun ſey / fo er ſich in Hitze oder Kaͤlte ent zuͤndet haͤtte / dardurch
er Kranckheit und Wehethun erwecket: So waͤre nun wohl gut /
daß man die rechte Cur haͤtte / aber es wil leßder ſehr verdeckt blei>
ben / wegen des Fluchs der Erden / auch der Menſchen Greuel und
‚Sünden halben / dag ſie ihnen Diele Gifft im Mercurio mitihrer
viehiſchen Unordnung ſelber erwecken / ſo thut doch aber dem ar⸗
men Gefangenen die Erledigung noht / und ſo man nicht mag das
hohe Univerſal haben / welches das Centrum angreiffet / und des
Lebens Rad in feine erſte Eigenſchafft einfuͤhret fo mug man
auß dem Mercurialiſchen Sude der Erden / ſeine Frucht darzu
nehmen: weil der Menſchliche Leib auch iſt irrdiſch worden / ſo
mug man eine Gleichheit mit der andern concordiren / ein Saltz
mitdemandern / als wie die Auzuͤndung im Saltze des Coͤrpers
iſt; in was für Eigenſchafft der Schwefel entzuͤndet iſt / in Hitze
oder Kalte / in Melancoly oder Sucht / ob der Schwefel im Coͤr⸗
per verbrannt waͤre / und in eine Faͤule gerathen / oder aber — *
friſch und im kalten oder hitzigen Feuer brennete / eben ein ſolche
Kraut / und ein ſolcher Schwefel gehoͤret indie Cur / damit it
die Hige oder Kaͤlte / von einer frembden Macht / weldein fie
komt / im Salniter / da das Saltz urſtaͤndet / erſchrecke / und ein
toͤdlich Saltz gebaͤhre / und das Trauer-hauß mehr auffſchlieſſe.
52. Aber in ſeiner wilden Yet) und Eigenſchafft / wie es auß der
Erden Sude auswaͤchſet / iſts nicht genug: Es vermag die Wurtzel
‚des entzündeten Mercurii im Schwefelnicht uͤberwaͤltigen / ſon⸗
dern zuͤndet fie ſehrer in ſolcher Quaal und Eigenſchafft an.
53. Was du wilt daß dem Leibe wiederfahren ſoll / das muß
Bon che deine wiederfahren / das den Leib curiren ſoll / fauler
Kranckheit gehoͤret cin fauler Schwefel in die Eur / deßgleichen
kalten und hitzigen. In welchem Grad des Feuers oder der Kalte
Mercurius entzuͤndet iſt / und in welcher Geſtalt unter den ſteben
Eigenſchafften der Natur / das iß / welches Saltz unter den ſieben
Saͤltzen entzuͤndet iſt / eben ein ſolches Saltz gehoͤret in die Cur.
54. Dann Kranckheit iſt ein Hunger / dieſer begehret nur ſeia
ner Gleichheit: Nun iſt aber die Eigenſchafft deſſelben Lebens /
welches in ſeinem Anfange feines Urſtandes iſt ing reuden geſtan⸗
den / die Wurtzel: Und die Kranckheit iſt ihr uͤber⸗ maͤſſiges An⸗
zuͤnden / davon die Ordnung zertrennet wird / ſo begehret die
H 2 Wurtzel
a
172 DeSıonarura Cap. 13.
Wurtzel in ihrem Hunger die Gleichheit / aber die Anzündung
hat ihr die genommen / jetzt ift die Anzündung ftärder als die
Wurtzel / fo muß man der Anzündung ihren Hunger ftillen /
und ihr das eingeben was fie felber ift.
55. Aber wie uns GHtt mit feiner Liebe curirete / und zur
Geſundheit der Seelen brachte / als wir diefelbe im vergifften
Mercurio feines Zorns entzündet hatten / alfo im gleichen muß
arsch zuvoren diefe Gleichheit curiret werden / undim Mercuria-
liſchen Nad umbgeführet / und von der Hige und Kälte entledi>
get / zwar nicht davon genommen (das magnichtfeyn/ ware
auch nichts nüge/ ) aber in feinchöchfte Frewde eingeführet wer»
den. Alfdant wirds im Corpore, im Mercurio des Schwefels
amd Galßes auch eine folche Eigenfchafft machen / dann die
Wurtzel des Sebens erquicket fich wiederumb darinnen / und
fuͤhret die erſte Begierde wieder in die Hohe, fo verſchwindet der
Hunger im Zufall der Anzündung.
56. So gehöret aber nun dem Medico zu wiffen / wie er mit
den Medicamenten in der Gleichheit umbgehe/ daß er fienicht
auch erzürne / undineine andere Eigenfehafft einführe / dann fie
find eben in ihrer Eigenfchafft alsein menſchlich Leben / er muß
fehen daß fie in ihrem Gradu bleiben / wie fie urfprünglich in ihrer
Mutter gebohren find/ dann kein Ding vermag höher zu kommen /
als es im Centro feines Urftands nach der Verborgenheit iſt.
57. Soll es aber höher kommen / fo muß es eine andere Eigen»
ſchafft an fich nehmen/ fo ifts nicht in feinem Gradu, und hat nicht
feine eigene Tugend / fondern eine fremde / welches zwar wohl
ſeyn kan /aber es hat fein Natur-recht verlohren/ darinnen feine
Freude ftchet/ und kan in der Gleichheit feiner eigenen Natur
nichts wuͤrckliches ausrichten.
58. Darumb iſts nicht beffer / als dag ein jedes Dingin feiner
angebohrnen Tugend gelaffen werde / nur daß manihme feinen
Grimm in feine eigene Freude verwandele / dag feine eigene Tu⸗
gend nach dem guten Theilin die Höhe als ins Regiment einges
führet werde / fo iftsin Gleichheit in allen Krandheiten mächtig
genug ohne alle andere Einmifhung: Dann der Urfprung im
Sehen begehret £eine andere Vielheit / fondern nurfeine Gleich
heit] daß es in feiner Eigenfchafft ſtehen / leben und brennen
möge.
59. Die Krafft des Höhften hat allen und jeden Dingen
nach ihrer Eigenfihafft eine fire Vollkommenheit gegeben / dann
es ift alles ſehr gut geweſen wie Moyſes ſaget / ER
Zug
Cap. 14. Rerum, 173
Fluch ift die Turba eingeführet worden / daß die Eigenfchafften
im Streitdeg Mercurü ftchen / aber in jeder Eigenfchafft / in je⸗
dem Kraut / oder was das ſeyn mag / was immer oder je aus dem
Sude der vier Elementen wächfer oder entfichet/ ijt auch ein fires
verborgen / dannalle Ding/fo in den vier Elementen find/die find
urfändlich aus dem eigen Element entfprumgen/ in welchen:
fein Streit iſt / weder Hitze noch Kälte / fondern im gleichen Ge⸗
wichte aller Eigenſchafften in einem Liebe⸗Spiel / als es dann im
Daradis alfo ift/ und daffelbe grünete im Anfang dieſer Welt
vor dem Fluche durch) die Erde.
60. Alto ifts auch noch in allen Dingen verborgen / und mag
Doch durch Verſtand und Kunſt geöffnet werden / daß die erſte
Zugend die entzündete Boßheit überwindet. Ob wir Menſchen
wohl nichtden vollen Gewalt haben in eigener Macht zu fahren /
fo gefihichts doch aber in GOttes Zulaffender feine Barmhertzig⸗
keit wieder in uns eingewendet / und das Daradis/ und deſſen
Begriff im Menſchen wieder eroͤffnet hat.
6r. Hat uns GOtt Macht gegeben ſeine Kinder zu werden /
und über die Welt zu herrſchen / warumb nicht auch über den
Fluch der Erden ? es folls einer für unmöglich halten / es gehoͤ⸗
ret nur ein Goͤttlicher Derftand und Erfäntnußdarsu : Wel⸗
cher foll blühen in der Zeit der Lilien / und nichfin Babel / de⸗
nen wir auch nichts getchrieben haben.
Das ı4. Capittel.
Vom Made Sulphuris, Mercurii und Salis: Bon der Ge:
bährung Gutes und Böfes / wie fich eines ins ander
verwandelt! und wie eines im andern feine Eigens
ſchafft offenbahret/ und bleiben doch in der erften
Schöpfung im Wunder GHDttes zu feiner
ſelbſt⸗Offenbahrung und Serzlig:
keit fteben.
Iſt eine offenbahre Pforteder obangedeuten Befchreibung.
I. In jeder fpricht: Zeige mir den Weeg zur Offen
le bahrung des Guten. Höre liebe Vernunfft / du
muſt felber ver Weeg werden / der Verſtand mug
in dir gebohren werden / anvderft Ean ich ihn die
nicht zeigen] du muſt dahin gchen/ daß dir der Ber»
53 Fand
ı
4
174 Ds Sicnarura Cap. 14.
fand in Handgriffen/ damit ic nicht umgehe / geöffnet werde:
ich Schreibe alleine in dem Geiſt des Schawens / wie die Gebaͤh⸗
zung zu Guten und Böfen ſeye / und eröffne den Brunn das
Waſſer folder fchöpffen / den SOtt darzu verordnet hat /ich will
allhie nur das Rad des Lebens / was es in ſich iſt / beſchreiben.
2. Wann ich nun ſage vom Sulphure, Mercurio und ſSale, ſo
ſage ich von einem einigen Dinge / es ſey geiſtlich oder leiblich /
alle beſchaffene Ding ſind das einige Ding / aber die Eigenſchaff⸗
ken in der Gebaͤzrung dieſes einigen Dings geben Unterſcheide /
Dan wann ich gleich einen Menſchen / oder Loͤwen / Beeren / Wolff /
Hafen oder ander Thier / ſo wohl Wurtzel / Kraut / Holtz oder
was es immer genannt ſeyn moͤchte / nennete / ſo iſts daſſelbe ei⸗
nige Ding.
3. Alles was Coͤrperlich iſt / das iſt daſſelbe Weſen: die Kraͤu⸗
ter und Baͤume / ſo wohl als die Lebhafften / aber ein jedes in ſei⸗
nem Unterſcheid des erſten Anfangs / wie ſich die Eigenſchafft im
Verbo Fiat in jedem Dinge imprimiret hat: Alſo ut auch daſſelbe
Geſchlechte in feiner Fortpflaͤntzung / und ſtehet alles iin Saa⸗
men und Wiedergebaͤhren / und iſt gar kein Ding/ es hat ein fires
in ſich 05 ſey verborgen over ofſenbahr / Dann es folkalles zu
GHttes Heraligreit ſtehen.
4. Was aus dem ewigen Fixen iſt geurftändet/ als Engelund
Menfchen-Seelen /vie bleiben in ihrem firen Weſen ſtehen / un⸗
erbrechlich: was aber in dem unfiren/ als mit Bewegung der
er geurſtaͤndet iſt / das gehet wieder in die erfte Bewegung / dar⸗
aus es feinen Urftand genommen hat und iſt ein Modell feiner
hiegehabten Bildnuͤß / gleich einem Spiegel-glaft / als ein Bilde _
im Spiegel das unlebhafft iſt / dann alſo ifts von Ewigkeit ges
wefen vor den Zeiten der Welt / welches der Höchste hat in ein
Bilde ins begreiffliche natürliche Leben in die Zeif eingefuͤhret /
zu fhawen die groffen Wunder feiner Weißheit / in einem crea⸗
tuͤrlichen Weſen / wie vor Augen ſtehet.
5. Nun iſt uns die einige Muster zu betrachten / wie dieſelbte
in ihrer Eigenſchafft fen / daraus die unzaͤhliche Vielheit ent⸗
ſtehet / und immerdar entſtanden iſt / und wie fie Leben und Tod /
oͤſes und Gutes erbiehret / und wie alle Dinge moͤgen wiederumb
in ihr Erſtes gebracht werden / als an den Ort / da es geurſtaͤndet
iſt / zu welchem der Tod als das Sterben die groͤſte Geheimnuͤßziſt.
6. Dann kein Ding das aus ſeiner erſten Ordnung / wie es
die Mutter erbohren hat / getretten iſt / mag wieder zu ruͤcke gehen /
und mit der angenommenen Ordnung in ſeine Wurtzeleintret⸗
nd
ij ;
Eap.I£. :- ReruMm 17$
Ten / es erſterbe dann wieder mit feiner angenommenen Hrdnung
in feiner Mutter / alsdann ifis wieder am Ende/ undinden
Loco daraus es geſchaffen ward] fo ſtehets wieder im Verbo Fiar,
als im Ziel feiner Ordnung im ausgefprochenen Worte / und mag,
wiederumb in das eingehen / das es im Anfangwar/ ehe es coͤr⸗
perlich ward: Allda iſts gut / Dann cs ſtehet wiederumb in deine
daraus es gieng.
7. So iſt uns nun der Anfang aller Dinge zu betrachten / dann
wir koͤnnen nicht ſagen / daß dieſe Welt ſey aus Etwas gemacht
worden / es iſt nur bloß eine Begierde aus der Freyheit Luft ge⸗
weſen / dag ſich der Ungrund / als das hoͤchſte Gut oder Weſen/
als der ewige Wille in der Luſt ſchawe / alsin einem Spiegel / ſo
hat der ewige Wille die Luſt gefaſſet / und in eine Begierde einge⸗
führet / welche ſich hat imorelſet / und figurlich und cörperlich ge=
macht / beydes zu einem Leibe und Geiſte nach derfelben Impreſ-
fion Eigenſchafft / wie ſich die Impreflion hat in Geſtaltnuͤß ein⸗
geführet / dadurch die Moͤglichkeiten ſeynd in der Impreflion als
sine Natur entftanden. |
8. Dieſelbe Inipreflion ift die einige Mutter des Myfterii Of⸗
fenbahrung / und peiffet Natur und Weſen / dann fir offenbahret
was im ewigen Willen iſt von Ewigkeit je geweſen: fo ijtuns
doch zu entſinnen / daß in der Ewigkeit ſey eine Natur im ewigen
Willen geweſen / als ein ewig Gemuͤhte / aber fie iſt in den Wil
len nur ein Geilt geweſen / und ihr Weſen der Moͤglichkeit nicht
offenbahret / als nur im Spiel des Willens / welches iſt die ewige
Weißheit / darinnen alle Dinge in dieſer Welt ſeynd in zweyen
Centris erkannt worden / als nach Feuer und Liecht / und dann
zum andern nach Finſternuͤß und Weſen / welches alles iſt mie
der Bewegung des ewigen Willens durch die Begierde im Wil⸗
ben in ein offenbahrlich Myſterium eingetretten / und ſich in sine
offenbahrliche Moͤglichkeit eingeſghret hat.
9. Das iſt nun das ausgeſprochene oder offenbahre Weſen aus
der Ewigkeit in cine Zeit / und ſtehet in obgemelten Geſtalten /
im Sulphure, Mexcurio und Sale, da zwar keine ven der andern
getrennet und abweſende iſt / es iſt ein ewig Weſen / und Ägeriref
ſich in die Eigenſchafften der Begierde nat der Möglichfritvder
Offenbahrung / und ift uns alfo zu verfichen / daß eine Eigen
ſchafft ohne Die andere nicht ſeyn koͤnte / fie ſeynd alleſambt nur
dieſelbe einige Möglichkeit /fo wollen wir jego nur von ihren Uns
terſcheiden reden / wie fich dieſelbe einige Möglichkeitin Gutes
und Boͤſes / als in ſtillen Friede und in fräte Unruhe einführet.
54 10. Wir
176 De Sıcnarura Cap. 14.
zo. Wir empfinden fürnehmlichen fieben Eigenfchafften is
ver Natur/ damit dieſe einige Wiutter alles würdet / das ſeynd
dieſe: Als erſtlich die Begierde / Die ift herbe / kalt hart und fin⸗
fer. Zum andern] Bitter) das iſt ver Stachel des herben harten
inſichziehens / der if die Urfacheniler Beweglichkeit und Kebens.
Zum dritten / Angſt / wegen des Wuͤtens in der Impreflion , da
Die ingepreffete Härtigkeit wegen des Stachels in ein gerbrochen
Angft und Wehthun komt. Zum vierdten / Feuer / da ſich der
ewige Wille in dieſer Angſt-begierde in einen ängftkichen ſchie⸗
lenden Blig einführet/ als cine Staͤrcke und Verzehrlichkeit der
Sinfternüg/ mit welchen die Haͤrtigkeit wieder verzehret/ und
in einen cörperfichen webenden Geift eingeführet wird. Zum
fünfften/des freyen Willens Yusgehung aus der Finſternuͤß /
und aus dem Feuer / und in fich felber wohnen : Allda der freye
Wille den Glans an fich genommen hat/dag er leuchtet und fchei>
net als cin Liecht aus dem Feuer /umd die gewaltige Begierde des
freyen Willens / welche er im Feuer gefehärffer hat / in deme er
am Feuer des Weſens der Finſternuͤß der erften Geftalt ift ab»
geftorben / und verzehret iſt / zeicht er ihme jeßt in des Liechts Be=
gierde das Weſen aus den Feuer-ſterben / nach feinem Hunger
in fich / das iſt nun Waſſer / und im Glan iſt es Tindur vom
Feuer und Liecht / als eine Liebe⸗Begierde / oder eine Schoͤnheit
der Farben / und allhie urſtaͤnden alle Farben / wie wir in den an⸗
Bern Buͤchern/ ſonderlich im dreyfachen Leben des Menſchen gantz
ausgefuͤhret haben. Zum ſechſten / die Stimme und Klang / wel⸗
ches in der erſten Geftalt nur ein pochen oder Gethoͤn von der
Haͤrte iſt / und im Feuer derfelben erftorben ift / und aber in der
fünfften Geftalt inder Siche- Begierde / wieder aus den fterben
Des Feuers im Licchtes-glantz in der Tinctar wieder in lichlicher
Eigenfchafft / alsein Halleingefaffet wird / darinnen die fünff
Senfus ‚als Hören/ Schen/ Fuͤhlen / Riechen und Schmäden in
Der Tindtur des Sicchts vom Feuer entftchen. Zum fiebenden/das
Menftruum oder der Saame aller diefer Geſtalten / welches die
Begierde in ein geeiflich Corpus oder Weſen impreſſet / darinnen
alles lieget: Was die ſechs Geſtalte Geiſtlich ſeynd / das iſt die
ſiebende im Weſen.
11. Das ſeynd alſo die ſteben Geſtalten der Mutter aller
Weſen / daraus alles erbohren wird was in dieſer Welt iſt: Und
uͤber dieſes hat der Hoͤchſte ſolche Eigenſchafften wie dieſe Mut⸗
ter in ihren ringenden Geſtalten iſt (verſtehet wie fie ſich mit dem
Ringen in Eigenſchafften einfuͤhret) im ein Rad / nach dieſer
Mutter
Cap. 14: Rerum 177:
Mutter eingeführt und geſchaffen / das ift gleich wie ein Gemuͤ⸗
te der Mutter/ daraus fie immer ſchoͤpffet und würdet: Das
find Die Sternen mit dem planetiſchen Rade / nach dem Modell
des ewigen Geſtirns / welches nur ein Geiſt / und das ewige Ge⸗
muͤht in der Weißheit GOttes iſt / als die ewige Natur / daraus
die ewigen Geiſter ſind in ein Geſe choͤpffe gangen und deingetretten.
12. liber dieſes hat der höchfte dieſes Nades Eigenſchafft i ine
Weben / alsein schen in vier Ambtmaͤnner cingeführet/ welche
in der Mutter der Gebaͤhrerin das Regiment fuͤhren / das
ſeynd die vier Elementa , welchen das Rad des Gemuͤhtes /
als das Geftirne/ Willen und Begierde gibt/ daß alfo dieſes
gantze Weſen nur ein einig Ding iſt / und aber alſo proportioni⸗
ret / als ein Gemuͤth eines Menſchen; wie er iſt in Seelund
Leib / alſo iſt auch dieſes einige Weſen: dann er iſt aus dieſem
gantzen Weſen in ein Bilde nach der Ewigkeit und Zeit / aus E—⸗
wigkeit nach der Seelen] und aus Zeit nach dem aͤuſſern Weſen
geſchaffen worden / als ein Gleichnuͤß und Bilde der Ewigkeit
und Zeit / beydes nach dem ewigen Willen und Gemuͤth / und
nach demſelben Weſen / ſo wohl auch nach der Zeit Gemuͤthe und
Weſen.
13. So iſt uns jetzt dieſes ſulphuriſche Rad aller Weſen recht
wohi zu betrachten / wie ſich die Eigenſchafften in Gutes und Boͤ⸗
ſes einfuͤhren / und auch aus Guten und Voͤſem wieder aus»
führen.
14. Dielmpreflion oder Begierde] als die erſte Geſtalt zur
Natur / welche auch das Fiar heiſſet und iſt / die Mifer der Be⸗
gierde Eigenfchafft nad) aller fieten Geſtalten Eigenſchafft in
7 und impreffet fte/dag aus dem Nichts ein Weſen wird/nach
den Eigenfchafften der Willen, Nun iſt ihre feldft-Eigenfchafft/
in deme ſie nur eine Begierde iſt / und ſich ſe lber impreſſet / nur
finſter / und gibt Haͤrtigkeit / als ein Pochen / welches eine Ur⸗
ſache des Thones oder des Halles ift / welcher im Feuer / als in
Der vierdten Eigenfihafft noch härter wird/allda die Grobyeit er⸗
ſtirbet / und in der fünfften Geſtalt / als in der Liebe-Begierde
wieder gefaſſet wird / und in feiner felbft-Eigenfchafft wieder in
der Liebe-Begierde ausgehet / und die ſechſte Geſtalt / als den
Hall oder Thon aus dem Fcuer und Waſſer machet.
ıs. Nun entſtehet dieſer Thon oder Hall welcher Merzurius
heiſſet / in der erſten Geſtalt / alsin der Impreflion wegen des
Willens und ver Begierde in fich Ziehens / dann das Ziehen
— die Beweglichkeit] und den Stachel in der Hirkigkeit J
9 welches
178 Dre Sıenatura Cap.i4.
welches man unterfcheidet / und vie andere Geſtalt heiſſet / ift
eber ein Sohn der erſten / und in der erften.
16.Diefelbe andere Geſtalt oder Eigenfchafft ift das Witten
Stechen und Bitter-⸗wethun / dann die erſte iſt herbe/ und die
ander ift das Sieben; als die Begierde in ein Weſen / daſſelbe
Weſen iſt des erften Eigenfchafft / und das Steben machet darin⸗
nen die andere Eigenſchafft / als ein Bitter Stechen / welches
Die Härte nicht leyden kan / dann fie wil ſtille ſeyn / und impreſ⸗
fer fich Degwegen ſehrer / den Stachel zu halten / dadurch Doch der
Stachel nur gröffer wird / ſo wil alsdann die Harte/ als dic here
bein fich/ und ver Stachel als die Haͤrte über ich: dannenher
Die erjte Seindfchafft und Widerwille entſtehet / dann die zwo
Geftälterwelche doch nur eine ſeynd / machen ſich zum ſelb ſt-Fein⸗
De / und waͤre doch auch Fein Weſen / weder Leib noch Geiſt / auch
keine Dffenbayrung der Ewigkeit des Ungrundes / fo dieſes
nicht waͤre.
17. So aber nun der bittere Stachel nicht uͤber ſich kan / und
die Haͤrtigkeit ihn auch wicht halten und einſchlieſſen kan / ſo ge⸗
rahten fie in ein Drehen oder Durchbrechen / gleich einem Raͤde
welches in ſich gehet als cin ſchrecklich Weſen / da die zwo Eigen»
ſchafften nur füreine erkannt werden / und bleibet doch eine jede
an fich ſelbſt unveränvert/und gebahren aus fich die Dritte Eigene"
ſchafft zwischen beyden / als Die groffe Angſt / aus welcher der
Miile/verftepetder erfte Wille zur Natur / begehret auszugehen?
wieder in die Freyheit / als ins Nichts / als in die ewige Ruhe /
dann alſo hat er ſich jetzt allhier funden / und ſelber offenbahret
und iſt doch kein Abtrennen oder Weichen.
18. Und dieſe Angſt⸗geſtalt iſt die Mutter des Sulphuris, dan
Der Stachel macht ſie peinlich / und die Herbigkeit impreſſet fie /
Das ſie iſt als eine ſterbende Quaal / und iſt doch der wahre Urſtand
zum Leben. Sie hat zwo Eigenſchafften in ſich / als nach der Im-
preſſion oder Begierde iſt fie finſter und hart und nach des Wil⸗
kens Begierde / welcher von der Angſt wil frey ſeyn / und wieder in
Die Freyheit eingehet / iſt ſie Geiſtlich und Sicchte / und der Sta—
chel zerbricht ihr gefaſt Weſen / das die herbe Begierde in ſich
faſſet / daß ihr Weſen hart und ſproͤde iſt / und gang ſchielicht als
ein Blitz / und ſolches von der Finſternuͤß / und vonder Begierde
Des Liechts / als zur Freyheit.
19. Nun ſeynd dieſe drey Geſtaͤlte ineinem Weſen / gleich als
ein wuͤtender Geiſt / und die Begierde impreſſet dieſe Eigenſchaff⸗
ten / daß nach jeder Eigenſchafft Weſen wird / als nach der herben
finſtern
— — — — —
—
— ——
* . Pi
en rigen
EN DEDREEOR
Capt4 -.: Rerum'.- 179
finftern Begierde / als nach dem erften Urſtand wird irrdiſch
Weſen /aus welcher im Anfang der groffen Bewegnuͤß ift Erde
worden / und nad) der bitteen/wütenden Begierde wird das Trei⸗
ben im Wefen als ein Gifft / und impreſſet ich auch mit im We⸗—
fer / davon die Irrdigkeit gang eckel und bitter ift / und die dritte
Geſtalt / als die Angſt gibt eine ſchwefeliſche Eigenſchafft darein /
und kan doch allhie noch kein Weſen ſeyn / ſondern es iſt nur ein
geiſtlich Weſen / und die Mutter zum Weſen.
20. Die vierdte Geſtalt in dieſem Weſen iſt das Feuer / das
nimt feinen Urftand an cinem Theil aus der finftern harten Im-
pteſſion, als von der Härte und vom wätenden Stachelin der
Angſt / das ift kalt finſter Feuer / und das Wehe der groffen Kälte]
und am andern Theil nimts ſeinen Urſtand im Willen-geiſte zur
Natur / der aus dieſer harten finſtern Kälte wieder in ſich gehet /
als in die Freyheit auſſer der Natur der ſtrengen Bewegnuͤß /
und zuͤndet die Freyheit / als die ewige Luſt zur Begierde der Nas
fur mir feiner Schaͤrffe / welche er in der Impreflion hat einpfan⸗
gen / an / davon fic beweglich und cin webender Schein if.
21. Dann die Freyheit iſt weder finſter noch licht: aber von
der Bewegnuͤß wird fie liecht / dann ihre Luſt faſſet ſich in die Be⸗
gierde zum Liechte / daß ſie im Liechte und Glantz offenbahr werde /
und mag doch auch anderſt nicht geſchehen / als durch Finſternuͤß /
auff dag das Liecht erkannt und offenbahr werde / und ſich das
ewige Gemuͤth ſelber finde und offenbahre / dann ein Wille iſt
nur ein Ding und Weſen / aber durch die Vielheit wird feine Ge⸗
ſtalt offenbahret / daß er unendlich und ein eisel Wunder iſt / da⸗
von wir mit einer Kinder-Zungen reden / nur als ein Funcke aus
denſelben groſſen unendlichen Wundern.
22. So verſtehet uns nun alſo: Die Freyheit iſt und ſtehet in
der Finſternuͤß / und gegen der finſtern Begierde nach des Liechts
Begierde / ſie ergreiffet mit dem ewigen Willen die Finſternuͤß:
und die Finſternuͤß greiffet nachdem Liechte der Freyheit / und
kan es nicht erreichen / dann ſie ſchleuſt ſich mit der Begierde ſel⸗
ber in ſich zu / und macht ih in ſich ſelber zur Finſternuͤß und
aus dieſen beyden / als aus der finſtern Impreſſion, und aus des
Liechts oder Freyheit Begierde gegen der Impreſſion, wird in der
Iwpreſſion der ſchielende Blitz / als der Urſtand des Feuers / dann
Die Freyheit erſcheinet in der Impreflion , aber die Impreilion in
der Angſt ergreiffet fie in fich / fo iſts nur als ein Blis: weilaber
die Freyheit unfaglich / undals ein Nichts / darzu auffer und vor
der Impreflion ift/ uñ keinen Grund hat / ſo kan ſie die Impreſſion
26 nicht
#
180 DESIGNATURA Cap. 14.
nicht faſſen oder halten / ſondern ſie ergibet ſich indie Freyheit /
und die Freyheit verſchlingt ihre finſtere Eigenſchafft und We—
ſen / und regieret mit der angenommenen Beweglichkeit in der
Finſternuͤß / der Finſternuͤß unergriffen.
23. Alſo iſt indem Feuer eine Verzehrlichkeit / die Schärffe
des Feuers iſt aus der ſtrengen Impreſſion der Kaͤlte und Bitter⸗
keit / aus der Angſt; und die Verzehrlichkeit iſt aus der Freyheit/
die aus dem Etwas wieder ein Nichts nach feiner Eigenſchafft
machet / und verfichet uns ja recht; die Freyheit wil nicht ein
Nichts ſeyn / dann darumb führer fich die $uft der $repheit in Nas
tur und Weſen cin / daß fie wil in Krafft Wunder und Weſen
offendahr ſeyn: Sie nimt alfo dur die Schärffe in der Falten
und finftern Impreflion die Eigenfchafften an ſich / das fie die
Krafftder Freyheitmag offenbahren/danı fie vergehretim Feuer
das finftere Weſen / und gehet aus dem Feuer misden geiftlichen
Eigenſchafften aus der Angſt der Impreſſion im Liechte aus / wie
ihr ſehet / daß das aͤuſſere Liecht alſo aus dem Feuer ausſcheinet /
und hat nicht des feuers Quaal und Pein an ſich / ſondern nur die
Eigenſchafft: Das Liecht offenbahret die Eigenſchafften der Fin⸗
ſternuͤß / und nur in ſich ſelber / die Finſternuͤß bleibet in ſich ſin⸗
ſter / und das Liecht in ſich liecht.
24. Die Freyheit (welche GOtt heiſſet) iſt des Liechts Urſache /
und die Impreflion der Begierde iſt der Finfternüg und ver pein⸗
lichen Quaal Urfache. So verftchet nun in diefen zwey ewige
Anfaͤnge / als zwey Priucipia, eines inder Freyheit im Liechte /
Das ander inder Imprefhion in der Pein und Quaalder Finſter⸗
nuͤß / ein jedes in fich filber wohnende.
25. Run mercket wohl derer Eröffnung Wefen nnd Willen?
wie die Natur in fichen Eigenfchafften eingeführet werde: Dann
wir.reden nicht vom Anfange/dannes iftin der Ewigkeit Feiner /
ſondern alfo ift die ewige Gebährung von Ewigfeitin Ewigkeit
in fich fe.ber / und dieſelbe ewige Gebaͤhrung hat fich nach der €»
wigkeit Eigenfihafft durch ihre feldft- Begierde und Bewegnuͤß
mit diefer fihtbahren Welt / als mit einer Gleichnuͤß des ewigen
Geiftes in ein folch Gefchöpffe/ gleich einem Fürbild des Ewigen /
an cine Zeit eingeführet/ darvon wir wollen hernach reden/un an⸗
zeigen was die Ereatur fey: Als nehmlich eine Gleichnuͤß der ewige
Wuͤrckung / uñ wie fiedaffelbe Würden auch zeitlich in ſich habe.
26. So verftchet uns num alfo vom Feuer / das Feuer ift das
Principium aller $ebenjes gibtder Finfternüß Eſſentz und Quaal /
font wäre keine Feindligkeit in ver Finſternuͤß / auch Erin 2
0Ba
Cap. 14. Rerum 181
ſondern eitel Haͤrtigkeit / und harter / ſcharffer / bitterer/ rawer
Stachel / als es dann in Wahrheit in der ewigen Finſternuͤß al⸗
fo iſt: Aber fo weit Das hitzige Feuer mag erreichet werden / fo
ſtehet die finfter ſtachlichte Eigenfchafft/ im auffſteigenden begie=
rigen Weſen / gleich einer ſchrecklichen Unfinnigkeit/ auff dag er⸗
kannt werde / was Weißheit und Thorheitfey / fo gibt das Feuer
auch dem Liecht als der Freyheit Begierde/ / Quaal und Eigens
fihafften ; Jedoch verfichet dietes :
27. Die Freyheit / alsdas Nichts / hat in fich felber fein We—
ſen / fondern die Imprefüon der firengen Begierde macht das erfte
Weſen / das niut der Willen⸗geiſt der Freyheit / der ſich durch
die Natur der Begierde offenbahret / in ſich / und fuͤhrets durchs
Feuer aus / da dann im Feuer die Grobheit / als die Rawigkeit
erſtirbet; das verſtehet alſo:
28. Wann der Blitz des Feuers die finſtere Weſenheit errei⸗
chet / ſo iſts ein groſſer Schrack / davon das kalte Feuer erſchrickt/
und gleich wie erſtirbet / unmaͤchtig wird/un unterſich ſincket. Und
dieſer Schrack geſchicht in der Anzuͤndung des Feuers im Weſen
der Angſt: der hat zwo Eigenſchafften in ſich / als eine gehet unter
ſich in die Todes Eigenſchafft / als eine Ertoͤdtung des kalten
Feuers / davon das Waſſer / und nach der Grobheit die Erde
entſtanden iſt / und der ander Theil gehet im Willen der Freyheit
in der Luſt / als ein Schrack der Freudenreich über ſich / fo iſt dafs
ſelbe Weſen im Schracke auch im Feuer getoͤdtet / verſtehet des
Falten Feuers Eigenſchafft / und gibet auch einen Waſſer⸗quaal /
verſtehet ſolche Eigenſchafft.
29. Nun macht aber der Blitz / wann er ſich von der Freyheit
und vom kalten Feuer entzuͤndet / in ſeiner Auffgehung ein Fr/mit
Umbfaſſung aller Eigenſchafften / dann allhie urſtaͤndet der Geiſt
im Weſen / und das ſtehet alfo: 7 Haſtu allhie Verſtand/
ſo darfſtu nicht mehr fragen / es iſt Fwigteit und Zeit: GOtt
in Siebe und Zorn / darzu Himmel und Hölle, Das unter—
heil alfo G iſt das erſte Principium, undift die ewige Nas
Zur im Zorn als das Reich der Finfternüg in fich felber woh:
nende / unddas DObertheil ( * mit dieſer Figur) iſt der Sala
niter / das obere K uͤberm Zirckel iſt das Reich der Glory /
welches im Schracke der Freudenreich in dem Willen der freyen
Luſt in ſich aus dem Feuer im Liechts-glantze in Krafft der Frey⸗
heit ausgehet / und daſſelbe Geiſt-waſſer / das im Schracke der
Freudenreich mit auffgehet / iſt der freyen Luſt Leiblichkeit oder
87 Wefens
132 Dez Sıewatura Cap. 14:
Weſenheit / in welchem der Glanz vom Feuer und Lichte eine
Tinctur machet Jalsein Grünen und Wachfen / und eine Offen»
kahrung der Farben vom Feuer und $icchte.
30. Diefe Geftalt des Scheidens zwifchen der lebendigen
und toden Weſenheit iſt die fünffte Geſtalt / und heiſſet die
Liebe⸗ begierde; ihr Urftand iſt aus der Freyheit / welche fich im
Feuer hat in eine Begierde eingeführet/ als aus der Freyheit
Luſt / in die ſchoͤne und feurifche Auffſteigen der Freudenreich / als
einer Flamme der Liebe / die impreflet in ihrer Siebesbegierde auch
die Eigenſchafften deſſen / was fte im Willen des ewigen Gemuͤths /
welcher ſich Durch die Feuer⸗ſchaͤrffe wieder in ſich außfuͤhret / hat
empfangen / als die erſten Eigenſchafften / ſo in der erſten Impres-
Ron entſtehen / als von der Beweglichkeit und Raͤgung / und aus
der Angſt wird die Freudenreich.
31. Dann das iſt Freude / daß der Wille zur Natur von der
finſtern Angſt erlediget und frey ift/fonft waͤre kein Wiſfen / was
Freude waͤre / ſo nicht eine peinliche Quaal waͤre / und in ſeiner
Liebe-begierde empfaͤhet er die erſten Eigenſchafften in ver erſten
Imprefion, die theilen ſich in dieſer Begierde in fuͤnff Geftalten /
als vom Feuer-blig in Schen : Den das Waffer der Liebe Frieget
den Glan der Tintur, darinnen fichet das Sehen ; und von der
Härte /als vom Durchdringen des Stachels in der Härte/ das
Hören / das indemfelben Nichtsals in der Freyheit / ein Schaf.
wird / welchen die Tinctur faſſet / und im Waſſer der Begierde
augführet -undvom Stachel des Wuͤtens / das Fühlen) dag eine
Eigenfihafft die andere fühler / dann wann alle Eigenſchafften
nur eine wären / fo wäre fein Schen / Hören oder Fühlen / auch
fein Berftand ; und vom inqualiren/ dag eine Eigenfchafftinder
andern entftchet / aber mit anderer Eigenfihafft/ der Geſchmack
Und vom Geift des Außgehens der Eigenfihafften (in dehme der
Außgang jeder Eigenſchafft in die andere eingehet ) der Geruch.
32. Dieſe fünff Eigenſchafften machen num in derLiebe-begier⸗
De / als in der fünfften Geſtalt zuſammen / die ſechſte / das ift der
Thon oder Stimme als eine Hffenbahrung aller Geftälte in
—— — / welches die feuriſche Liecht-begierde mit
emnGeiſt⸗waſſer umbſchleuſt / als ein einig Weſen / das iſt nun
des feuriſchen Willens / welcher ſich im Liechte außfuͤhret / ſein
Weſen darinnen er wuͤrcket / und machet die ſiebende Geſtalt /
als cine Wohne der ſechſe / aus welcher das Weſen und Regi⸗
ment diefer fichtbahren Welt ift erbohren/ und in cine Form nach
der ewigen Gebuhrt Recht / eingefuͤhret worden,
33. Nun
Cap. 14. Rerum 183
33. Nunmerdetsrecht/ wirverftchen hiemitnicht einen An⸗
fang der Gottheit / fondern die Offenbahrung der Gottheit. Die
Gottheit wird hierinnen in Dreyfaltigkeit erkannt und offen
bahret: Die Gottheit ift die ewige Freyheit auſſer aller Natur/
als der ewige Ungrumd aber fte führer ich ſelber alfo in Grund
zu ihrer felbft-Offenbahrung / und zur ewigen Weißheit und
Wunderthat ein.
34. Derewige Batterwirdim Feuer offenbahret / der Sohn
im Liecht des Feuers / und der Heil. Geift in der Krafft des Le⸗
bens und Bewegnüs aus dem Feuer im Liecht der Sreudenreich /
als die auggehende Krafft in der Liebe-flamme / wir reden nur
ſtuͤck⸗ weiß vom Gansen nach creatuͤrlicher Arth.
35. Die Gottheit iſt gang uͤberall alles in allem / aber nur
und) dem Liechte der Liebe und nach Dem außgehenden Geiſte der
Freudenreich heiſſet er GOtt / und nad) der finftern Impreffion
heiffet er GOttes Zorn und die finftere Welt / und nach dem ewi⸗
gen Geiſt⸗feuer / heiſſet ereinverzehrend Feuer. Wir geben euch
nur das Weſen aller Weſen zu verſtehen / deſſen Urſprung in
ſich nur ein einig Weſen iſt / aber mit feiner ſelb ſt⸗ Offenbahrung
in viel Weſen eingehet / als zu ſeiner Ehr und Herrligkeit / und
wollen euch nun anzeigen / was das rreatüurliche Leben und Regi⸗
ment in dieſem allweſenden Weſen ſey.
36. So verſtehet uns nun recht / Sulphur „Mercurius und Sal
iſt in der Ewigkeit alles Geiſt; als ſich aber SOtt mit der ewigen
Natut / darinnen feine ſelbſt⸗Offenbahrung ſtehet / hat beweget /
fo hat er aus dem geiſtlichen Weſen ein greiffliches und offen⸗
bahrliches gebohren / und nach den ewigen Eigenfchafften in ein
Geſchoͤpff eingefuͤhret / das ſtehet auch im Geiſt und Weſen nach
der Ewigkeit Recht; fo wilich nun von dem aͤuſſeren Reich re=
den / als von dem dritten Principio-oder Anfange / dann in dieſer
Welt iſt auch Licht und Finſternuͤß ineinander / wie in der Ewig⸗
keit / GOtt hat dieſe Welt mit der Sonne (als mit einem Natur⸗
Gott der äufferenKräfften)begabet/er aber regieret darinnen als
ein Herz: Das aͤuſſere iſt nur fein zubereitetes Werd / das er
mit der Gleichheit regieret und machet / als wieder Meiſter mit
dem Werckzeuge ſein Werck machet.
37. Sulphur iſt in der aͤuſferen Mutter / als im Myſterio des
groſſen GOttes feiner Offenbahrung / die erſte Mutter der Crea⸗
turen / dann ſie urſtaͤndet aus Finſternuͤß / Feuer und Liecht / ſte
iſt im erſten Theil nach ver finſtern Impreflion herbe / bitter und
Angſt / und am andern Theil gegen der Gottheit / als ein Gleich⸗
nüg
184 DeSıcnatrura Cop. 14
nuͤß der Gottheit iſt fie Feuer / Liecht und Waſſer / Pas ſcheidet
ſich im Feuer in zwo Eigenſchafften / als nach der Ertoͤdtung in
Waſſer / und nach dem geben in Oehle / in welchem das wahre Le⸗
ben aller Ereaturen der Aufferen Welt ftchet.
38. Mercurius ift Das Rad der Bewegligkeit im Sulphur, er
iſt auff einem Theil nach der finftern Impreflion der Wuͤter /
Stecher/und die groſſe Unruhe / und fcheidet ſich imFeuer in feiner
Mutter als im Sulphur auch in zwo Eigenſchafften / als in zweyer⸗
ley Waſſer / dann in der Ertoͤdtung des Feuers wird alles zum
Waſſer / als in ein lebendiges Freudenreiches nad) dem Liechte /
welches im Schwefel Silber gibet / als in der ſiebenden Eigen⸗
fhafft ver Natur / welches der Krafftefeibift / und im Feuer ift
fein Waſſer Queckfilber/ und in der Herbigkeit / alsinder Angſt
der Finfternüßifts ein Nuf oder Rauch. Darumb ſo man fei=
nen aufferen Waſſer-leib ins Feuer bringet / verftchet/ dehn er
im Sulphur von der wäfferigen Eigenfhafft annimt/ fo fleugt
er alsein Rauch daron / dann im Feuer ſcheidet fich jede Eigen⸗
genſchafft wieder ins erfte Weſen / daraus es urſtaͤndlich iſt kom⸗
men / da alle Dinge nur ein Geiſt waren; Und dann zum andern
ſcheidet er ſich nach dem Waſſer der finftern Impreflion in eine
Gifft-quaal/ fo es doch für Erin XBaffer mag verftanden werden /
fondern für ein leiblich Weſen des Geiſtes /dann wie des Geiſtes
Eigenſchafft iſt / alfo ift auch fein XBaffer / alfo wirds im Feuers
rad.
h 39. Im Feuer-ſchrack vom Salniter entftehen mancherley
Saͤltze und Kräffte: Dannalle Eigenfchafften des Geiftes find
in der groffen Bewegnüg des Weſens aller Weſen keiblich wor»
den / und in einSichtiges Greiffliches eingegangen.
40. Derfelbe Schrad gefchicht in des Feuers Anzuͤndung / und
impreffet fich auch in der Ertödfung des Feuers ausdes Warfers
Urftand / ein Waffer nach) des Schrackes Eigenſchafft in ſich /
welches doch viel mehr Feuer als Waſſer iſt /aber fein toͤdtlich
Weſen ift Doch ein Waſſer nach des Schrackes Eigenſchafft / es
iſt der Begriff aller Eigenſchafften / es führer in feinem Begriff /
als im Feuer⸗ſchrack alle Eigenfchafften in ſich aus/und ergreiffet
Die Eigenfchafften des Liechts in ihren Kräfften/ und auch die Ei⸗
genfchafft der finftern Impreffion in ihren Kräfften / und macht
alles feurig / ein Theil nach der Kalte und ein Theil nach der Hitze /
meiftentheils aber nach dem unendlichen Mercurio , welcher aller
Weſen geben iſt / in Boͤſen und Guten / in Liecht und Sinfters
auͤß.
41. Dit⸗
Cap. 14. Rerum. 185
41. Diefer Salniter iſt aller Saͤltze Mutter / In wachfenden _
und lebhaften Dingen /als Kräutern und Baͤumen / und allem
Weſen / was ſchmaͤcket und reucht/da ift er die ergte Wurtzel nach
jedes Dinges Eigenfchafft. Indem Guten/ (welche in der Liebe⸗
begierde im Oehle des Schwefes wachfen) iſt er gut / kraͤfftig und
lieblich / und indem Boͤſen / in des Schwefels Angft/ift er boͤß / und
in der Finſternuͤß iſt er das ewige Schrecken und Zagen / und im⸗
mer gerne im Schracke wollen über die Pforten im Feuer aus⸗
fliegen / davon der Wille aller Teufel / und aller Hoffahrt über
die Demuth ver Ihebesbegierde augzufliegen entftchet /_ und im
Feuer iſt ſeines Weſens Proba, wie man fichet wie er ftöffet/ und
ſich im Blitze verzehret / als cin ſchneller Gedancke; Dann fein
Weſen urſtaͤndet nicht in der Ewigkeit Weſen / kans auch nicht
erben / ſondern in der Entzuͤndung des zeitlichen Feuers / aber im
ewigen Geiſt wirds empfunden wegen des Auffſteigens der Sreu>
denreich : Aber nach dem Weſen der Ertödtung / als nad) dem
Sale des Waſſers beftchet er im Feuer [dann dieſelbe Eigen»
feharft urftändet aus der erften Begierde / als im Weſen der
erfien Imprefion , weldye Eigenfiyafft die Weiſen Saturnum
nennen / darumb ift das Sals mancherley.
42. Alle Schaͤrffe im Geſchmacke iſt Saltz / der gute Ge⸗
ſchmack urſtaͤndet aus dem oͤhliſchen Saltz / ſo wohl auch der Ge⸗
ruch / welcher der außgehende Geiſt iſt / in welchem die Tinctur
als im Glaſt der Farben erſcheinet.
43. Alſo verſtehet uns recht: Der Salniter im Feuer⸗ſchrack
iſt die Theilung der Eigenfchafften / da ſich Tod und Leben ſchei—
det / als das Leben + welches mit der Liebe-begierde in ein Weſen
und Regiment eingehet / und dann das Leben / welches in Todes⸗
ſchrack nach der kalten Eigenſchaft in der Ertoͤdtung des Schracks
unter ſich ſincket als eine Unmacht / welches Gewicht gibet / und
nach der Subtiligkeit Waſſer / und nach der Grobheit der
Strengheit Erden / und nad) dem Sulphur und Mercurio Sand
und Steine / und nach der Subtiligfeit im Sulphur und Mercu-
rio, nach demfelben Waſſer auch Fleiſch gibet/und nach der aͤngſt⸗
lichen Finfternüß einen Rauch oder Ruf: Aber nach der öylis
ſchen / alsnach der Liebe-begierde / cin fügfes geiftliches Weſen /
nach dem Geiſte einen fieblichen Geruch /und nach dem Weben
des Feuers und Lichts das Element / und vom Glaſt im Feuer—
ſchracke mit dem Anblicke des Lichts / die edle Tinctur, welche alle
öhlifche Saͤltze tingiret / davon der: liebliche Geſchmack und Ge⸗
ruch entſtehet.
44. Der
186 DE Sıcwnarura Cap.14.
44. Der falnitrifche Schrad ift im Weſen der Sud / daron
Das Wachſen und Aufdringen entftehet / dag im Weſen ein
Waͤchſen iſt: Seine Imprefion als das Saltz /ift die Erhal—
tung oder Zufammenziehung des Weſens / daß ein Ding im Coͤr⸗
per oder Begriff beſtehet / es haͤlt den Sulphut und Mercurium,
ſonſt floͤhen fie im Feuer⸗ ſchracke voneinander.
45. Alle Dinge ſtehen im Sulphur, Mercurio und Sale: Im
ſalnitriſchen Feuer⸗ſchracke theilet ſich das Element in vier Ei—
genſchafften / als in Feuer / Lufft / Waſſer und Erde / welches in
ſich ſelber ver Feines iſt fondern nur cin Weben und Wallen /
nicht als der Lufft / fondernals ein Wallın des Willens im Leibe /
eine Urſach des Lebens im Weſen: Dann gleich wie der ewige
Geiſt GOttes vom Vaͤtter / welcher ein Geiſt iſt / vom Feuer und
Lichte außgehet / und iſt das Weben und Leben der Ewigkeit / alſo
auch gehet der Lufft-geiſt vom ſalnitriſchen Schraͤcke im Feuer
von der Angſt im Sulp ur im treibenden mercurialiſchen Rade
aus allen Eigenſchaſtten / als ein erhebend Weben immer aus:
Er iſt ein Sohn aller Eigenſchafften / und auch das Leben derſel⸗
ben / das Feuer aller Geſtaͤlte gibt ihn / und ninit ihn auch wieder
zu feinem Leben in ſich / das Waſſer iſt fein Leib / darinnen er im
Salniter das Sieden macht / und die Erde iſt feine Krafft / dar⸗
innen er feine Staͤrcke und Feuer-leben anzuͤndet.
46. Es iſt nur ein einig Element / und das wickelt fich im fals
nitrifchen Feuer-ſchracke in vier Theil aus /als mitder Entzüns
dung gibts ein verschrlich Feuer der Finſternuͤß / und deffelben.
Weſens /undim Schrack des Todes der Kälte und der Finfter>
nuͤß / theilet ichs in zwey Weſen / als nach der Gubtilheit in
Waſſer / und nach der Grobheit in Erde / und nach der Beweg⸗
nuͤß tes Schraͤcks im Wallen in Lufft / welche dem Element any
aͤhnlichſten iſt /aber doch nicht gang im Weſen / dann das Ele-
ment iſt weder heiß noch kalt / auch nicht treibende / ſondern
wallende.
Von der Begierde der Eigenſchafften.
7. jede Eigenfchafft behält ihre erfieBegierde/dann eine
Eigenfchafft ift anders nichts als ein Hunger / und der
Hunger faffer fich felbften in cin ſolch Weſen wie er ift/ und im
falnitriſchen Sude gibt er einen folchen Geift im die vier Ele—
wienten : Dann im Element ift ver Urſtand des Sudes / aus
welchem im Schrad vier Elemenca außgehen.
48. Ein jeder geib ſtehet im inneren Weben im Element / und
ins
Cap.14. Rerum. | 187
um Wachſen und Leben in vier Elementen/ aber das wahre Schen
des Elements hat nichf eine jede Creatur / fondern nurdiehehen
Geiſter / als Engel und Seelen der Menſchen / welche im erſten
Principio ſtehen Jin dehnen ift das Element beweglich : Indem
Leben des dritten Principui ftchets ftille / und iſt als-eine Hand
GoOttes / da er die vier Blementa,als einen Außgang oder Werck⸗
zeug inne faffet und führet/ Damit er würdet und bauet.
49. Nun ninmt jede Eigenſchafft der Natur ihre Speife in
ihrem Hunger aus den vier Elementen : Wieder Hungerift /
alfo nimt er auch. eine Eigenſchafft aus ven Elementen / dann die
vier Elemenra feynd der Leib der Eigenfihafften / fo iffet ein jeder
Geiſt von ſeinem Leibe: Erftlich feynd die fulphurifchen Eigen»
ſchafften nad) der erſten und andern Impreflion , dis nach der fin⸗
ſtern / herben uñ Angftlichen Imprefion ‚und dann nach der Liebe⸗
Impreflion ein Licht / als nach Boͤſen und Guten,
so. Der finſtere Hunger begehret Weſen nach feiner Eigen
ſchafft / als irrdiſche Ding / alles was fich der Erden gleichet / und
der bittere Hunger begehret bitter Stehen und Wehe /ein ſolch
Weſen / gleich dem Gifft-auaal nimmt er auch aus den Ele»
menten an fich/ und der Angſt⸗hunger begehret aͤngſt lich Weſen/
als ver Angſt im Schwefel: Irem, dir Melancoly / wie Begierde _
zum erben / und zum immer Trauren / und der Feuer-blitz nimt
anfich Zorn / Aufffleigen der Hoffahrt / alles wollen zerbrechen /
in und über alles wollen herrſchen / alles zu verzehren / und allein
zu ſeyn: and nimmt die Bitterkeit / aus welchem der Blitz entſte⸗
ſtehet zum Reid und Haß / und die Herbigkeit zum Geitz / und
Das Feuer zum Zorn,
. 52. Allyie ift die wahre Begierde GOttes Zorns und aller
Teufel / und alles deffen was wider GOtt und dte Liebe iſt. Und
ein ſolch Weſen zeucht die ſer Hunger in ſich / wie das an den Crea⸗
turen ſo wohl an den Kraͤutern zu erkennen und zu forſchen iſt.
52. Rum ift der Feuer-blitz der erſten Begierde als ver fin⸗
fern Natur Ende / und gehet im Feuer un das Sterben des
erften Hungers und Willens: Dann das Feuer verzehret alle
Grobheit der erften Gefalt/ und wirffts in Tod und allhie iſt
das Scheiden der zweyerley Willen / als einer der zuruͤcke in des
Todes Eigenfchafft wieder eingehet/ und ift cin Wille im Leben⸗
der finfteren Begierde > Als die Teufel dergleichen gethan han
ben / welche im Feuer-blig im ſalnitriſchen Sud über Zeit und
Ewigkeit herrſchen wolten / aber vom Geift GOttes zuruͤcke ges
trieben / und aus der Liebe⸗begierde gantz als ein Ekel ler
peye
188 De Sıcnarura Cap.ı4,
fpeyet worden: Alfo allyier auch gefchicht ver goftlofen Seelen
des Mienfchen / darauff die Wahl folget.
53. Allhie iſt das Zielder Genaden-wahl/ davon die Schrift
faget : Daß GoOtt die Seinen kennet / und allhie ergreifft die
ewige Luſt der Freyheit GOttes den Willenegeiſt / der im finftern
Centro entſtanden iſt / und fuͤhret ihn durchs Sterben im Feuer
ins Element.
54. Im Salnitriſchen Schracke ift die Mögligkeit hinter
ſich und für ſich: Gehet der Wille der Begierde hinter fich/ fo iſt
er nad) Diefer Welt Reiche tradifch/ und nach dem ewigen Welt⸗
reiche in GOttes Zorn / und fan nicht GOtt ſchauen / er wende
Dann wieder umb / und gehe ins Sterben im Feuer ein/und fterbe
feiner Selbheit gang ab/ vnd gehe in der Gelajfenheit es ewigen
Willens im ſalnitriſchen Schrad ins Element ein/als in die
himliſche Weſenheit und geibligkeit/dag ver Hunger vom reinen
Element effe/ ſo hat er auch ferner Feine andere Begierde / dann
er iſt im Feuer dem ſtrengen finffern Hunger /welcher boͤß ift /
abgeſtorben.
55. Alſo entſtehet ans dem Sterben im Feuer das Licht / dann
allhie wird die Freyheit angezuͤndet / daß ſie auch ein Hunger
wird / und auch eine Begierde / das iſt num eine Liebe⸗begierde /
ein $iebeshunger : In der aͤuſſeren Welt iſt das Licht der Son—
nen in den vier Elementen / und iſt die thieriſche Liebe-begierde /
als nach dem ſalphuriſchen Leibe und Weſen / Davon die Ver:
miſchung und Multiplicatio entſtehet / als das vegetabiliſche Le—
ken: Und von dem Mercurio im Salniter / darinnen das fenfi-
biliſche Leben / darein das Geſtirne in den lebhafften die Ver—
nunfft aus den Eigenſchafften des Salnitri gibet.
56. Dann das gantze Geſtirne iſt anders nichts als ein Sal⸗
niter im Verbo Fiat, in der Bewegnuͤß des Weſens aller Weſen
im Feuer⸗ſchrack / in den Eigenſchafften der Salien ergriffen / dar—
innen alle Kraͤffte des Elements als eine Außgebuhrt ſtehen:
welche in den vier Elementen / als ein ſalnitriſch Saltz immer
fieden / und ihre Eigenſchafft in ihrer Begierde in den vier Ele—
menten in Weſen der Eörper einführen / wie am Holtz / Kraut
und Graß / und allen wachfenden Dingen zu fehen iſt.
57. Alfo verftehet uns nun ferner vom andern Centro, wel⸗
ches im Sterben des Feuers im Liecht offenbahr wird/ damit lich
der Ungrund der Freyheit GOttes in Grund der Natur einfüh>
ret / fo wohl mit Ber innern Welt im Himmelreich in der Ewige
keit / als mit dem Aufferen Reich in der Zeit.
58. Die⸗
Cap. 14. ReruM. 139
58. Diefes alles hat auch die Eigenfchafften der Begierde /
und img den Urftand vom erften Principio ‚als vom erften Cen-
gro, und ift kein recht ferben im Feuer / es ftirbet nur das finftere
Weſen / der Willenzgeift gehet mit dem ewigen Willen zur Nas
tur aus dem Feuersflerben im Sicht wieder aus. Es iſt nur eine
Tranfmutation des Geiſtes / daß ein Hunger aus der Freyheit
auffgehet / und derſelbe Hunger ift eine Liebe⸗begierde.
59. Nach der Seelen des Menfchen zeucht er Weſen von
Element GOttes /als im Goͤttlichen Salniter die Göttlichen
Salia oder Kraͤffte in fich/ und nach der aufferen Welt-begierde
zeucht er das Oleum aus dem Sulphur in fich /in welchem dag
aͤuſſere Leben brennet: Alſo auch in den Wachfenden Metallifchen/
und was das ſeyn mag.
60. Die Sonne macht die aͤuſſere Tranſmutation, und das
Goͤttliche Liecht in den Secliſchen die innere / alles nach dehm ein
Ding in ſeinem Gradu ſtehet / fo erreichet der Hunger eine Ei⸗
genſchafft: Denen in der Zeit / von der Zeit / und denen in der
Ewigkeit / auch aus der Ewigkeit.
61. Der Hunger aus der Ewigkeit Iffet von der Ewigkeit /
und der vonder Zeitiffet vonder Zeit, Das wahre Sehen aller
Greaturen iffet vom geiftlichen Mercurio ‚als von der fechften
Geſtalt / da alle Säle im Wefen find /der Geift iffet von den
fünff Senfibus , dann das find des Geiftes Seibligkeit / und der
Leib / als das vegetabilifche geben / iffet vom Weſen des Sulphuris
und Saltzes / dann Chrifius ſaget auch alfo : Der Menfc lebet
nicht allein vom Bred/ fondern von einem jeglihen Wort /dag
ausden Mund GOttes gehet.
62. So iſt nun die ſechſte Geftaltder Natur / das außgeſpro⸗
chene geiſtliche Wort / und das fprechende Wort darinnen ift
Das ewige QBort sin der erften Impreflion in der Finfternüß ifts
das Wort GOttes Zorns / undinder äufferen Weltder gifftige
Mercurins, als eine Urſach alles Schens und Raͤgens / alles Thons
und Halles: So iſſet nun eine jede Eigenfchafft von ihrer Gleich⸗
heitin feinem Gradu , alsder Zeit Hunger von der Zeit /und der
Ewigkeit Hunger vonder Ewigkeit/ beydes der Geift des Mer-
curii und der Geift des Sulphuris , da ihr doch nicht zween ſeynd /
fondern zwo Eigenfchafften.
63. Alles wasrin einem Principio alleine arftändet / als vie
Ereaturen der äufferen Welt / die haben nur cin Regiment / aber
zweyerley Neigligkeiten vom Guten und Boͤſen: Was aber aus
zweyen Principien urſtaͤndet als der Menſch / der hat auch zweyer⸗
ley
190 DeSıcnaturä Cap. 14,
ley Effen und Regiment / als vom finftern Centro , und vom
aufferen Centro ;erflichei er aber feiner Selbheit / uUnd führet ſei⸗
nen Hunger in GOttes Reich / ſo mager vom Goͤttlichen Mercurie
eſſen / als von den Goͤttlichen 5. Sinnen mit der Seele / und vom
Element im Goͤttlichen Wefen / und ergreiffet Doch der aͤuſſere
Menſch in dieſer Zeit nicht Das Goͤttliche Weſen leiblich / ſon⸗
dern nur durch Imagisarion,da der innereLeib durch den aͤuſſeren
gehet / als die Sonne durchs Waſſer ſcheinet / und das Waſſer
bleiber doc) Waſſer.
64. Dann allhie lieget unſer Fall in Adam : Das Element
durchdrang die 4.Elementa ganslich/un ward im Menfchen gang
eines/ aber imFluch fcheidet ich das Element von der Seelen.
65. Alſolebet Die arme Seele anjetzo nur im Gefaͤße der vier
Elementen/es fey dann daß fie wieder ing Sterben des irrdiſchen
Willens in die Goͤttliche Begierde eingebe / und im Element
außgruͤne.
66. Alſo iſt auch der aͤuſſere Leib im Fluche / und iſſet von der
verfluchten Erden Eigenſchafft nur vom irrdiſchen Salniter / da
immer ein Hunger der irrdiſchen Eigenfchafften wider den an—
dern gehet / dann der Fluch iſt ein Ekel in allen Salgen/ und da⸗
ber komts / daß eine ſtaͤte Widerwertigteit im aͤuſſeren Leibe ent⸗
ſtehet / dann ein Hunger der Eigenſchafften empfaͤhet vom ans
dern denEkel; ſoll nun demLeib gerathen werden / daß er des Ekels
loß werde / ſo muß er vie Gleichheit des Ekels ( welche im Leibe
alsein Sud iſt entſtanden) nehmen / und ins fterben des Feuers
einfuͤhren / und in der Liebe-begierde vom Fluche der Eitelkeit
aufführen.
67. Das gehet nun anderft nicht zu / als wie das wahre Schen
der finftern Eitelkeit abſtirbet. Des äufferen Lebens Ekel ent»
ſtehet aus einer Eigenfchafft des Salges / das dem Oehle des Le⸗
beus zu wider iſt / alfo entzuͤndet fich der Etel alſobald in den vier
Elementen/un hebet im Salniter als ein fremd schen an zufieden.
63. Diefes frembde Leben vertundelt und zerbricht endlich
das erſte wahre Leben / pihme nicht Widerſtand gefchicht / dem
mag nicht beſſer gerathen werden / als mit der Gleichheit des ein⸗
gefuͤhrten Ekels / den das Leben hat an ſich genommen.
69. So muß man der Cur das thun / das man dem Leben thun
ſollte / daß es des Ekels loß werde. Die Cur muß vom ſelben
Ekel / dehn fie in den vier Elementen auch von einer ſolchen fal⸗
ſchen Einfuͤhrung in ſich hat an ſich genommen / entlediget wer⸗
den / ſie muß ins Sterben der vier Elementen eingefuͤhret *
| der
Cap. 14. Rerum 198
den / und ihr Geiſt muß auch in der fünfften Geftalt mit Veneris
Begierde / als mit einen Lieblichen Weſen tiagiret werden/dag
Der geiftliche Mercuriusin Jovis Eigenſchafft auffgehe. Verſte⸗
he / inallen vier Elemenien muß die Cur ihrer Kranckheit vonehe
abſterben / ſie mug in die Faͤule aller vier Elementen eingefuhret
werden: Im Feuer ſtirbet ſie ab der Irrdigkeit / undin der Faͤult
des Waſſers Irrdigkeit / und im der Lufft-faͤule des Luffts Ekel
amd Irrdigkeit: Alsdann fuͤhre mans in Venerem ein / und von
Venere in ſoyem, jo wird Die Sonne in der Sicbesbegierde auff⸗
gehen / ſo mag mit dieſem dem Etel imLeibe widerftanden werden.
70. Alle andere Curen / ſo rohe und unwiedersgebohren eine
gegeben werden / alsda einer Kalte nimt / und wilder Hige wis
verfichen / Deggleichen Der Hitze mit der Kalte / find nur ein wis
Derwertiger Feuer⸗ſchrack / da ja das entzuͤndete Feuer auffhoͤret
zu quälifieiren/aber der Schrack tritt in die Todes-angſt / und die
Wurtzel des Ekels wird ein gifftiger Mercurius, es ſey dann daß
die Hitze und Kalte zuvor mit Venere und Jove temperiret müs
rei; So iſts ja eine Skillung des Ekels im ſalnitriſchen Sude:
Aber dir Wurtzel des Ekels bleibet ſtehen / es ſey dann daß das Le⸗
ben ſtarck ſey / und feine Begierde mächtig aus dem Ekel auß⸗
führe / welches dem Medico wohl zu mercken iſt / daß die rohen
Kräuter nicht die Wurtzel angreiffen / da der Etel im Centro in
Des Lebens Geſtalt Eigenfchaift entftanden iſt / fie greiffen nur
Die vier Elementa an) und ftillen etwas / aber der Ekel bleibet im
der Wurtzel als eine verborgene Kranckheit fichen.
72. Alfo auch mit den Aftris zu verfichen ift / welche im aͤuſſe⸗
zen Leibe ihren Sup als einen eigenen Leib in den vier Elemen=-
gen haben /fo die Cur mag vom Efelder vier Elementen erlöfet
werden/fo tällt auch das Geftirne in das Gute / und fuͤhret feine
Begierde darein / fo wird ver Leib auch vom Ekel des Geſtirnes
erloͤſet / dann die Schrifft faget : Es fähnet ſich alle Erratur nes
ben uns / vonder Eiteteit log zu werden. So iſt der Fluch der
Erden; darein das Geſtirne feine Begierde einwirffet / die Eitel-
keit; ſo das numein rein geben in fich ſchmaͤcket / fo erfreuet ſichs
auch darinnen/ und ftoffetven Ekel in ſich aus.
72. Aller Eckel des öylifchen Lebens entftehetvon dem inneren
Mercurio im inneren Sulphur : dann auch die Sünde urſtaͤndet
daher / daß ver giftige Mercurius ( welcher die Urfache des Lebens
iſt )Nich im Feuer: blis im Urſtand desSalnieri im zurück wenden /
wieder indie Selbheit einfuͤhret / dann allda iſt der Urftand des
Gifftlebens. *
73. Ein
‚192 De Sıcnatura Capıy
73. Einjedes Seben / das ohne Mackel ſeyn wil/ das muß im
Willen⸗geiſt zur Natur im Feuer des Eckels der erften Impref-
fion des Grimmes abſterben / und mug im Willen-geiſt zur Na⸗
tur als cin gelaſſener Wille fich laffen durchs Sterben im Liecht
der Siche ausführen zes ſey himmliſch oder irrdiſch / ſo muß eg den
Procels halten oder komt nicht zur yöchften Vollkommenheit in
feinem Gradu.
74. Dann dag dem Menfchen nicht Eonte gerahten werden /
das Siche-Centrum der Siebe Begierde gienge dann wieder in die
Menſchheit ein / und führete das eigene Schen/ als die menfchliche
Selbheit durchs sterben in fich aus / dasiftein gerecht Fürbilde /
daß alles was da wilvom Ekel freg werden / als vom Fluch / das
muß den vier Elementen im Eckelabfterben / und feinen Grad
Durchs fterben des Feuers im Liechte ausführen: Alfo ift auch in
per Erden der falnitrifhe Sud / da Metalla und gute Krauter
und Bäume answachfen/ cine jede Eigenfcharft iſt begierig nach
der Gleichheit /und fo fie die Gleichheit im Sulphur und Mercurio
mag in der Liebe erreichen fo führe fie fich höher aus als fie in ih⸗
rem Gradu iſt / gleich wie fich die ewige Freyheit mit ihrer Luſt
durch die ewige Natur durchs Feuer in Begierde einfuͤhret / und
damit viel hoͤher / als in Krafft und Majeftat ausfuͤhret.
75. Alſo iſt allen Dingen nachzuſinnen / dann alle Ding ur⸗
ſtaͤnden aus einem einigen Weſen / daſſelbe iſt ein Myfterium als
ler Weſen / und eine Offenbahrung des Ungrundes im Grund.
76. Ale Ding werden aus dem Myſterio Magno gebohren⸗
und gehet jeein Grad aus dem andern/und was nun für fich gehet
in feinem Gradu,das empfaͤhet keinen Eckel / es ſey dann in Wach⸗
ſenden over Lebhafften: was aber in ſich in feine Selbheit cin»
gehet / als eine eigene Luſt / das cempfähet im Durchgehen der Gra-
duum einen Eckel / dann ein jede Geftalt der Naturaus dem
Myfterio nimt feiner Eigenſchafft Weſen in feinen Hunger/und
darinnen wird ftenicht gequaͤlet / dann esift ihre Eigenfchafft.
77. So aber der Wille zurück indie Geburth der andern Eis
genfhafften eingehet/fo empfaͤhet er die Luſt / und die Luſt macht ci>
nen Hunger / und der Hunger nimt das fremde Weſen in fich;
Jetzt iſt der Eckel und die Turba gebohren / dann derſelbe Wille
iſt wider den Lauff der Natur in ein fremd Weſen eingegangen /
das nicht feiner Eigenſchafft iſt / daſſelbe fremde Weſen hereſchet
nun in dem fremden Willen / und uͤberwindet den Willen / jetzt
muß cs der Wille ausſyeyen / oder wird vom fremden Weſen ſel⸗
ber ausgeſpeyet.
78.So
Cap. 17. Rerum 193
78. So es dann auch nichtfeyn mag / fo hebet fich Zorn und
Widerwillen an: dann die Eigenſchafften laufen zu ihrem Cen-
tro der erſten Impreflion,, und ſuchen die Feuers-ſtaͤrcke und
Macht/ davon im Körper die Kälte und Hise entftchet/ und
ftchen in einander als Feinde / davon die erfte Mutter inihrer
grimmigften Boßheit / nach der firengen Impreflion erwecket
wird/ alsdann gehet der Streit der Uberwindungan] und wel⸗
he Eigenſchafft die Macht behaͤlt / die ſtoſſet die andere in Todes⸗
Eigenfhafft/ als indie Verzchrligkeit ins Haus des Elendes.
Das ıs. Capittel.
Bon dem Willen des groffen Myfterii in Gutem und
Böfem : wo von ein guter und böfer Wille urſtaͤnde /
und wie fich einer inanderneinführe.
z; Ine jede Eigenfhafft nimt ihren Urſtand von der
erſten / als von der Impreflion oder Begierde zur
Natur / alsaus dem Myfterio Magno, und fuͤhret
of ſich als ein Leben aus ſich / gleich wie die Lufft aus
dem Feuer ausgehetzun alles was in cinem Willen
für fich gehet / das iſt unhaltlich / dann cs gibt fich Feiner Eigen⸗
ſchafft ein; es wohnet vom erſten Urſtande an nur in ſich und
schetineinem Willen aus.
2. Und das ift ver wahre Weeg der Ewigkeit darinnen Feine
Zerbrechligkeit iſt fo ein Ding infeiner felbitzcigenen Eigen»
Schafft bleibet / dann das groffe Myfterium ift von Ewigfeit: So
nun die Geftalt deſſelben aus fich gehet / und fich aus fich offenbah⸗
ret / fo ftchet diefelbe Geftalt mitder Wurtzel im Mylterio ver
Ewigkeit. =
3. So ſich aberdie Geftalt aus fich in eine andere Luſt einfüh>
ret / daß zwo Eigenfhafften in einer wohnen follen / fo entſtehet
daraus der Widerwide und Eckel danıı von Ewigkeit iſt im
eben nurdas Elemeut geweſen / und die freye $uft der Ewig⸗
keit / welche mit ihrem Weben vom groffen Myfterio der Ewig⸗
keit iſt ausgangen als cin Geift / welcher Geift GOttes iſt.
4 Als lich aber das groffe Myſterium einmahl beweget / und
Die freye Luſt in Begierde des Weſens eingefuͤhret / ſo iſt in der
Begierde der Streit angegangen / dann da ſeynd in der Begierde
aus dem Element / welches nur Einen Willen fuͤhret / vier Ele-
menta entſtanden / als viererley Begierde und Willen / welche in
J tinenn
*
194 DESIGNATURA Cap.ry.
einem einigen Leibe regieren / da iſt nun Widerwertigkeit und
Streit / als Hitze wider Kaͤlte / Feuer wider Waſſer / Lufft wider
Erde / ein jedes iſt des andern Tod und Zerbrechen.
5. Alſo daß die Creatur / ſo in dieſem Regiment ſtehet / nichts
als ein immer⸗ſterben und ein Streit iſt / ſie iſt eine Feindſchafft
in ſich ſelber / und mag ihr nicht gerahten werden / ſie gehe dann
wieder in einen Willen ein / welches auch nicht geſchehen kan / die
Viele der Willen zerbrechen dann / und ſterben der Begierde / dar⸗
aus dic vier Elementa entſtehen / gaͤntzlich ab: alſo dag der Wille
wicder das werde /als er von Ewigkeit gewefen ift.
6. Darinnen wir Menfchen erkennen/ was wir im Negiment
ter vier Elementen feynd / anders nichts als cin Streit und Wi-
derwille / cin felbft- Feinden / eine Begierde des Eckels /eine Luft
des Todes / dann die $uft fo aus der Begierde entſtehet muß ſter⸗
ben / follder Wille (der aus dem groffen Myfterio von Ewigfeit
ausgegangen / welchender Geiſt GOttes ins Menfchen Bilde /
als in die Gleichheit GOttes einbließ) vom Edel und Wider
willen frey werden fo mug pie Begierde der vier Elementen
ſterben / und der Wille wieder ins einige Element eingehen: Er
muß wieder der Ewigkeit Recht annehmen / und in einem Ele»
ment wallen / und ausgehen / in maſſen ihn dann GOtt auch alfo
gefihaffen hatte / welchen erfich felber entgegen gefegt / und ins
Regiment der vier Elementen eingeführet/ in welchem er ihme
den Tod angeerbet / fowohlden Streitin des Lebens Geftalten/
davon ihm Krandheit / Eckel und Widerwillen entftehet: dann
alles was in GOttes Willen lebet / das iſt entweder nicht in der
eigenen Begierde geurftändet/ oderobs darinnen geurſtaͤndet iſt /
fo iſts der eigenen Begierde wieder abgeſtorben.
7. Aller Wille der in feine Selbheit eingehet und den Grund
feines Lebens Geſtaltnuͤß fuchet / der bricht fich vom groffen My-
fterio ab / umd tritt inein Eigenes / er wil ein eigen Regiment
ſeyn / fo ifts alsdann dem erften Myfterio zuwider / dann daffelbe
ift alleine alles / unddas Kind wird für boͤß erkannt / dann es ſtre⸗
bet in Ungehorſam wider ſeine eigene Mutter / die es erbohren hat:
ſo aber das Kind ſeinen Willen und Begierde wieder in das ein⸗
fuͤhret / daraus es erbohren und geurſtaͤndet iſt / ſo iſts mit dem⸗
ſelben gang eins / und mag von nichts turbiret werden / daun es
gehet in Richts ein / als nur in das Weſen daraus es iſt aus⸗
angen.
8. Alfo verſtehe Menſch / was dir zuthun iſt / beſchawe Dich in
dir ſelber / was du biſt / ob du in der Gelaſſenheit deiner Mutter
(dar⸗
Ant Nr
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J Be
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ET EDEREE LS TEEN Care
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ER Det u
Cap.ı5. Rerum. 195
(daraus du im Anfang bift erbohren und gefchaffen worden)
ftcheft / ob du mit demſelben Willen geneiget bift/ wonicht fo
wiſſe dag du ein abfrinnig ungehorfam Kind biſt / und dich felber
zum Feinde gemacht haft / in deme du biſt in eigene Begierde und
Willen eingangen / und haft dich zum Eigenthumb gemacht / alſo
kanſtu auch nicht in der erſten Mutter wohnen / ſondern in dir
ſelber: dann dein Wille iſt in die Selbheit eingegangen / und
alles was dich kraͤncket und aͤngſtet / das iſt deine Selbheit / du
macheſt dich zum ſelbſt⸗Feinde / und fuͤhreſt dich ins ſelbſt⸗
ſterben ein.
9. Wiltu nun aus dem ſterben wieder ausgehen / ſo muſtu deine
eigene Begierde / welche ſich in fremde Weſen einfuͤhret / gantz
verlaſſen / und in der Selbheit und eigenen Begierde werden als
ein Nichts / auff daß du nicht mehr dir ſelber wilſt noch begehreſt /
du muſt deine Begierde wieder gaͤntzlich mit der Gelaſſenheit in
den Ewigen / als in GOttes Willen einfuͤhren / auff daß derſelbe
Wille dein Wille und Begehren ſey: auſſer dieſem iſt = Rohe
und Tod / cin immer⸗ſterben und verderben. sur
zo. Dann Daher urſtaͤndet die Genaden-wahl/ in RR
menſchliche Wille / welcher aus der Einigfeitder Ewigkeit ift
in ein Eigenes als cigene Luſt und Begierde eingegangen: Go
fich der wieder vonder Selbheitabbricht / und ins eigenen Wil
lens fterben eingehet / amd feine Begierde alleine wieder in die
erſte Mutter einführet/ fo crwählet ihn die erite Mutter wieder
zum Kinde / und macher ihn mit dem einigen Willen der Ewig⸗
Feit einig: deraber inder Selbheif bleibet/ der bfeibet im ewigen
Sterben / als in einer ewigen felbfi- Feindfchafft / unddas wird
auch alleine Sünde genannt / darumb dageseine Feindſchafft
wider Gott iſt / in deme die Creatur wilihr eigen Regiment ſeyn.
11. Alſo kan tie in ihrer Selbheit / als in einem ſtreitigen Re⸗
giment nichts gutes wollen noch thun / und wie ſie ihr ſelber nichts
als nur das Sterben und den Tod anthut / erwecket und qualifici-
rende macht / alſo kan ſie auch ihren Mit-gliedern anders nichts
thun: dann daher urſtaͤndet auch die Luͤgen / daß die Creatur die
Einigkeit im Willen GOttes verlaͤugnet / und ihre Selbheit an
die ſtelle ſetzet / daß ſie aus der Einigkeit ausgehet in die Begierde
und eigene Luſt; erkennte fie / daß alles Weſen der Mutter ſey /
die ſie gebohren hat / und hielte nicht das Weſen der Mutter fuͤr
ihr Eigenthum / ſondern fuͤr gemeine / ſo entſtuͤnde nicht der
Geitz / Neid) Streit und Widerwille / aus welchem der Zorn /
als das Feuer der Zerbrechung entſtehet.
—— 12. Alle
196 De Sıcnatrura Cap.ıg
z2. Ale Sünden entfichen ausder Selbheit/ dann dic Gelb»
heit ſchwinget ſich mit der Begierde in ihr eigenes / fie machet fich
zumGeitz und Reid / ſie zeucht in ihr felbfi-WBegierde fremdes We⸗
ſen an ſich / und machet des fremden Weſens Beſitzer auch zum
Feinde gegen ſich / alſo dag Sünde mit Sünde / Eckel mit Eckel
gewuͤrcket wird / und alles in⸗ und untereinander lauffet / als ein
titel Grewel der ewigen Mutter.
13. Alſo iſt uns in gleichem zu ſinnen von dem wiedergebohr⸗
nen Willen / der aus ſeiner Ichheit oder Selbheit wieder in die
Gelaſſenheit eingehet / der wird der Selbheit auch zum Feind
and zum Eckel / gleich wie die Kranckheit ein Feind der Geſund⸗
heit / und herwieder die Geſundheit ein Feind der Krandheit
iſt / alfo ift der gelaffene Wille und auch der eigene Wille eine
ſtaͤte Feindſchafft /ein immerwährender Krieg und Streit.
14. Der eigene Wille ſuchet nur was zu feiner Selbheit die»
net: und der gelaffene Wille forget ihme nichts / fondern führet
feine Begierdenur einig allein in feine ewige Mutter / dag er mit
ihr einig ſey / er wilnichts ſeyn /auff dag die Mutter in ihime als
lein alles ſey: der eigene Wille faget zum gelaffenen Willen :
Du biſt narrifch dag dur Dich dem Tod ergibeft / und möchteft wohl
herzlich in mir leben / aber der gelaffene Wille fpriht: Du biſt
mein Edel] Pein und Widerwille / und führeft mich aus der
Ewigkeit in eine Zeitnur in Sammer und Elend ein / du Eränckeft
mid) eine Zeit/ alsdann gibftu meinen Leib der Erden/ und die
Seele der Höllen.
15. Die rechte wahre Gelaſſenheit / iſt das ſterben des Eckels
wider EOtt / wer ſeine Selhheit gaͤntzlich verlaͤſſet / und ſich mie
Gemirtheund Begierde / Sinnen und Willen in GOttes Erbar⸗
men eingibt / in das Sterben JEſu Chriſti / der iſt der irrdiſchen
Welt mit dem Willen abgeſtorben / und iſt ein zweyfacher
Menſch / da der Eckel nur in ſich ſelber auch zum ſterben wuͤrcket /
aber der gelaſſene Wille lebet in Chriſti Tod / und ſtehet immer⸗
Darin Chriſti Aufferſtehung in GOtt auff / und ob die eigene Be⸗
gierde ſuͤndiget / welche ja nicht anderſt thun kan als ſuͤndigen /
ſo lebet doch der gelaſſene Wille nicht in der Suͤnde: dann er iſt
der Sünden: Begierde abgeſtorben / und lebet durch Chriſtum in
Gott / im Sande der Schendigen/ aber Die Selbheit leber im Sande
des Todes / alsimimmersfterben in der immer-Feindſchafft wie
ver GOtt.
16. Der irrdiſche Menfch iſt im Fluche GOttes / und ein Ec⸗
kel vor GOttes Heiligkeit / der kan anders nichts ſuchen —
kids
Gap. 15: Rerum. 197
Selbheit / dann er iſt im Grimm GOttes; und ob er etwas gutes
thut / das thut er nicht aus feinen ſelbſt-Willen / ſondern der in
GoOtt gelaſſene Wille zwinget ihn dag ers thun muß / was er ſel⸗
ber nicht gern wil / und ſo ers nun thut / ſo thut ers nur als ein
Werck-⸗zeug des gelaſſenen Willens / nicht aus feiner Begierde /
ſondern aus GOttes Willen / welcher den gelaſſenen Willen in
feiner Begierde als einen Werck-zeug fuͤhrct.
17. Darumb wer nun GOttes Reich ſchawen wil / und dahin
gelangen / der muß ſeine Seele aus der Selbheit / aus der irrdi⸗
ſchen Begierde ausfuͤhren / gleichwie der Artzt die Cur der Kranck⸗
heit aus der peinlichen Begierde ausfuͤhret / und in eine Liebe⸗
Begierde einfuͤhret / ſo fuͤhret alsdann die Cur die Kranckheit im
Leibe auch aus der peinlichen Begierde aus / und in eine Liebe—
Begierde ein: die Kranckheit wird der Artzney Knecht / alſo auch
im gleichen wird der irrdiſche boͤſe Wille / ſo der Seelen Wille
curiret wird / des gelaffenen Willens Knecht.
8. Der elementiſche und ſyderiſche Menſch ſoll nur der Werck⸗
zeug ſeyn / damit der ſeelen-Menſch im gelaffenen Willen ar⸗
beitet / dann darzu hat ihn auch GOtt geſchaffen: aber die Seele
hat ihn in Adam zum Herren gemacht und eingeſetzt / und iſt in
fein Gefaͤngnuͤß eingangen / und ihren Willen darein begeben:
ſo ſie aber vor GOttes Kind ſoll erkannt werden / ſo muß ſie deme
wieder abſterben / und in GOttes Willen in Chriſti Tod in der
irrdiſchen Selbheit und Begierde gantz erſterben / und in GOttes
Willen gantz new erbohren werden / und dem irrdiſchen Willen
in der Selbheit den Gewalt nehmen / und über ihn herrſchen und
ihn im Zwang fuͤhren / als ein Meiſter feinen Werck⸗zeug / ſo ver»
leuret alsdann die Selbheit den Gewalt / und gehet auff die Luſt
der Selbheit / als ein immer⸗Saͤhnen / die Selbheit ſaͤhnet ſich als⸗
dan immerdar nach den Geſtalten ihres eigenen Lebens / als nach
eigenem Glantze / und nach der irrdiſchen Vielheit; Item nach
Reide und Zorn / ob ſte die Vielheit nicht erreichen mag / und nach
ruͤgen der Falſchheit: dieſes ſind die Lebens-geſtaͤlte der irrdiſchen
Selbheit.
19. Aber der gelaſſene Wide tritt als ein Ritter dieſer Schlan⸗
gen immer auff den Kopff / und ſaget: Du biſt vom Teufel und
GOttes Zorn entſtanden / ich wil deiner nicht / du biſt ein Eckel
vor GOtt; und ob der gelaſſene Wille bißweilen mit der falſchen
Luſt gefangen wird / wann ſie ihn mit des Teufels Begierde und
Einführung feiner Imagination überhäuffet und bewältiget/ fo
ſchreyet doch der gelaffene Wille alfobald wieder in GOttes
33 Hau /
198 De SıownAaTura Cap. 17.
Hall) daß ihn GOttes Wille wieder aus dem Eckel des Todes
ausfuͤhret.
20. Der gelaſſene Wille hat allhie in dieſer Huͤtten keine
Ruhe / er muß immer im Streit ſtehen / dann er ſtehet in einem
ſfalſchen Haufe zur Herberge: Er iſt wohl in ſich felber in Gottes
Handt / aber außer ſich ſelber iſt er im Rachen und Schlund des
Abgrundes GOttes Zorns im Reiche der Teufel / welche ſtaͤts
neben ihme hergehen / und die Seele / als das Centtum begehren
zu ſichten. Alſo auch im gleichen ſtehen ihme die guten Engel im
gelaſſenen Willen / als in Gottes Begehren entgegen/ und ſchuͤt⸗
zen ihn vor der gifftigen Imagination des Teufels / fie ſahen auff
die feurigen Pfeile des Boͤßwichts / wie S. Petrus ſaget.
21. Dann alles iſt im Wuͤrcken und Begehren des Menfchen/
GOttes Kiebe und Zorn: Er ſtehet in dieſer Huͤtten / indiefer
Zeit / in der Porte aus und ein. Beyde ewige Principia ſeynd in
hme raͤge / wo ver Seelen Wille ſich hinbegibt / allda wird er ans
genommen / und darzu wird er erwaͤhlet / er wird von beyden ge⸗
zogen / und fo der Wille der Seelen in der Selbheit bleibet/ fo iſt
er am Bande GOttes Zorns: So er aber aus der Selbheit aus⸗
gehet / und ſein eigen Regiment verlaͤſſet / und ſich nur ſtaͤts in
GOttes Erbarmen / als in Chriſti Leyden und Tod / und in feine
Aufferftehung und Wicderbringung einwuͤrfft / und ſelber nichts
wil / ohne was GOtt in und durch ihn wil / ſo iſt der Wille dem
Leben und Begierde des Zorns GOttes abgeſtorben / dann er hat
kein eigen Leben / ſondern lieget im Tode der Selbheit / ſo mag ihn
des Teufels und Zorns GOttes Begierde nicht ergreiffen / dann
er iſt als ein Nichts / und iſt doch in GOtt im Goͤttlichen Weſen
in allem / er lebet / aber nicht ihme ſelber / ſondern ſeiner erſten
Mutter der Ewigkeit: Er iſt wieder am Ziel / da er war che er
eine Creatur ward / und in dem Willen darein ihn GOtt ſchuff /
und iſt ein Inſtrument im Halle GOttes / auff welchemalleine
Gottes Willen⸗geiſt ſchlaͤget zu feiner Ehr und Wunderthat.
22. Alles eigenes Suchen und Forſchen in der Selbheit iſt ein
vergeben Ding: Der eigene Wille ergreifft nichts von GDEL/
dann er iſt nicht in GOtt / fondernauffer GOtt in feiner Selb
heit / aber der gelaffene Wille ergreiffts / dann nicht er thuts /
ſondern der Geiſt in dem er ſtille ſtehet / deſſen Werck-zeug er
iſt / der offenbahret ſich in Goͤttlichem Halle in ihme fo vieler wil.
23. Und ob er in der Selbheitdurch Forſchen und Lernen viel
kegreiffen mag / welches nihtohne ift / fo iſt aber doch fein Bes
griff nur auſſen imansgefprochenen Wort / als in einer Form
des
Cap. 15: Rerum. 197
des Buchftabens / und verfichet nichts won der Form des ausge⸗
forochenen Worts / wie das in feinem Grunde ftchet / dann er iſt
nur inder Form von auffen gebohren/ und nicht in der Krafft der
Allgebaͤhrerin welcher Grund werer Anfang / Infalfung noch .
Ende hat.
24. Welcher nun von innen aus dem forechenden Hal GOt⸗
tes im Willen⸗Geiſt GOttes gebohren iſt / der faͤhret im Grund
und Ungrund uͤberal frey / und iſt an keine Form gebunden / dann
er faͤhret nicht in der Selbheit / ſondern der ewige Wille fuͤhret
ihn als feinen Werck-zeug / nad dem es GOtt gefaͤllet.
25. Welcher aber alleine im Buchſtaben gebohren iſt / der iſt
in der Form des ausgeſprochenen Worts gebohren / der fahret in
der Selbheit / und iſt eine eigene Stimme/ Dann er ſuchet was er
wil/ und ffreitet umb die Form / und lafferden Beift/ der die
Form gemacht hat. .
26. Ein ſolcher Doctor iſt Babel/der umb die Form des Worts
zancket und greinet / und immerdar den eigenen Geiſt und Ber-
fand in der Form einfuͤhret und ſchreyet: Hie Kirche Chriſti
Und iſt nur ein eigener Hall / verſtehet nichts vom Geiſte der
Form / welcher ungefaſſet / und ohne Ziel und Maſſe auff ſeinem
zugerichten Inſtrument ſchlaͤget wie er wil / dañ nicht der Wahn
und eigene Gedancke / welcher im ausgeſprochenen Halle ent⸗
ſtehet / iſt GOttes Wort / ſondern der im gantz gelaſſenen Wil⸗
len in Goͤttlicher Krafft im ewigſprechenden Wort in GOttes
Geiſt entſtehet / der urſtaͤndet aus GOttes Halle / und machet die
Form im Hertzen / als eine Goͤttliche Begierde / dadurch der See⸗
len Wille in GOtt gezogen wird.
27. Der iſt der Hirte und Lehrer Chriſti / der durch Chriſti
Thuͤr eingehet / das iſt / durch Chriſti Geiſt hallet und lehret: auſ⸗
ſerhalb iſt nur die Form als die Hiſtoria / daß es einmahl ge⸗
ſchehen ſey / daß man ſich deß alleine annehmen und troͤſten ſoll;
aber dieſer Wille bleibet herauſſen / dann er wil ein Genaden⸗
angenommen Kind ſeyn / und nicht feiner Selbheit in der Gena⸗
den erſterben / und der Genaden Kind in dem gelaſſenen Willen
werden.
28. Alles was von Chriſti Genugtuhung / und ſich des Leydens
Chriſti troͤſten lehret / ſo es nicht auch den wahren Grund lehret /
wie man der Selbheit in Chriſti Tod abſterben ſoll / und ſich im
gelaſſenen Willen gantz in Gehorſam GOttes / als ein neues
Kind eines newer Willens einergibt / das iſt herauſſen und
nicht im ſprechenden Hal GOttes / alsin Ehrifti Thür.
X 34 29. Kein
200 De Sıcnartura Cap.ız,
29. Rein Heucheln noch Tröften huͤlfft nichts/fondern dem fal⸗
ſchen Willen und Begierde in Chriſti Tod abfterben/ und, in ihm
im gantz gelaffenen Willen in Chriſti Aufferftchung auffftchen /
und die irrdiſche Selbheit immerdar toͤdten und des Boͤſe das
der irrdiſche Wille in Luſt einfuͤhret / daͤmpffen / als ein boͤſes
Feuer das immerdar brennen wil.
30. Nicht troͤſten und das Leyden Chriſti an die ſpitze ſtellen
iſt ver wahre Glaube ; Nein nein / er iſt nur auſſen und nicht in⸗
nen / ſondern ein umbgekehrter Wille / der in Rewe feiner irrdi⸗
ſchen Boßheit eingehet / der deren nicht mehr wil / und aber befin⸗
det / daß er von der eigenen irrdiſchen Luſt gehalten wird / und ſich
mit ſeinem umbgekehrten Willen aus dieſem Eckel und falſchen
Begierde gang in GOttes Erbarmen mit groffer aͤngſtlichen
Begierde in Chriſti Gehorſam / Leyden und Tod einwirfft / und
der irrdiſchen Luſt im umbgekehrten Willen in Chriſti Tode gantz
erſtirbet / der nicht wieder aus Chriſti Tod heraus wil / der immer
ſchreyet: Abba, lieber Vatter / nim deines Sohns Gehorfau für
mich in dich / laß mich nur in ſeinem Gehorſam in dir in ſeinem
Tode leben / laß mich in ihme ſterben [ auff daß ich in mir nichts
bin / ſondern in ſeinem Willen / in ſeiner Menſchheit in dir lebe
und bin / nimm mich nur in ſeiner Aufferſtehung an / und nicht
mich in meiner Unwuͤrdigkeit / ſondern mich in ihme: Laß mich
in mir todt ſeyn / und gib mir ſein Leben / auff daß ich dein gehor⸗
ſamer Sohn in ihme ſeye / daß fein Leyyden und Tod mein
ſey / und ich derſelbe Chriſtus der dem Tod hat ſeine Macht ge⸗
nommen in ihme / als ein Zweiglein feines Lebens / für dir ſey.
32.Alfo und gar nichts anders iſt der wahre Chriſtliche Glau⸗
be / er iſt nicht alleine tröften / fondern cine immerwährende Be⸗
gierde :die Begierde erreichet das Leyden Ehrifti / welche immer⸗
dar gerne wolte gehorſam feyn/ wuͤſte ſie nur / wie ſie ſich vor
ihme gebaͤhren ſolte / welche ſtaͤts vor ihme niederfaͤllet / und ſich in
die hoͤchſte Demuth vor ihme einſencket / die alles gerne leydet und
thut / nur daß ſie moͤge Genade empfangen / welche willig iſt das
Creutz Chriſti auff ſich zu nehmen / und aller Welt in ihrer Selb⸗
heit Spott nichts achtet / ſondern immerdar in Chriſti Liebe⸗be⸗
gierde eindringet.
32. Dieſe Begierde alleine waͤchſet aus Chriſti Tode / aus ſei⸗
ner Aufferſtehung in GOtt aus / und bringet Fruͤchte in Gedult /
welche in GOtt verborgen ſind / davon der irrdiſche Menſch nichts
weiß / dann er befindet ſich in ſeiner Selbheit.
33 Ein wahrer Chriſt iſt ein ſtaͤter Ritter / und gehet gantz
in
Cap.ıs. Rerum 201
in Chriſti Perſon im Willen und Begierde(wie er auff Erden iſt
einhergangen) ein. Chriſtus wolte / als er auff Erden gieng /
den Tod uͤberwinden / und die menſchliche Selbheit indie wahre
- Gelaffenheit in Gehorſam GOttes einführen : das begehretauch
ein rechter Chrift zu thun / erbegehret iimmerdar des Todes und
Grimmes Bogheit abzufterben / und fi in Gehorſam einzuges
ben/ und in Ehrifto in feinem Gchorfam in GOtt auffzufichen
und zu leben.
34. Darımb lieben Brüder /hütet euch vor Chriſti Purpers
mantel den umbzunehmen / dann ohne einen gelaffenen Willen,
ohne Rewe der Sünden/ und ohne Umbwendung des Willens/
wird er Chriſto nur zum Spott umgenommen: huͤtet euch vor
der Lehre / die von eigenem Vermoͤgen lehret / und von Wercken
der Rechtfertigung.
35. Ein wahrer Chriſt iſt ſelbſt das groſſe und aͤngſtliche
Werd / das immer in GOttes Willen-Begierde würdet und
treiber wider Die eigene Luft der Selbheit / er wilimmerdar gerne
thun / und wird aber doch viclfaltigvonder Selbheit gehalten:
Er zerbricht die Selbheit als ein Gefäße / darinnen er gefangen
figt/und grünet mit feiner in GOtt gelaffenen Begierde im Wil⸗
len⸗geiſt GOttes immer aus (als cine fhöne Blume ausder Era
den ausgrünet) und würdet mit und in GOtt / was GOtt
gefället.
36. Darumb ſoll die wahre Chriftenheitwiffen / und anjetzo
hoch zu Gemuͤthe führen/mwas ihr geſagt wird/dag fte vom falfchen
Wahn des Tröftens ohne IImbwendung des Willens ſoll aus⸗
gehen / esift nur eine ausgefprochene Form der Wiedergeburth.
Ein Chrift muß ein Geift mit Ehrifto werden / und Chriſti Wil⸗
len und Leben in fich führen: Die Form machet ihn nicht new / eg
hülffet weder tröften noch gute Wort geben) fondern ein Sterben
des böfen angebohrnen Willens / und eine Aufferftchung eines
neuen Willens / der GOttes Kind / und aus Chrifti Tode ausge⸗
bohren ift / Fein anderer Wille srreichet Chriſti Erbfchafft/ meins
vielwiſſen thuts auch nicht/der Bich-hirte auff dem Felde iſt Gott
fo nahe als ein Doctor: keine Subtilheit im Zancke umb dem
Weeg GoOttes huͤlfft nichts darzu / es iſt nur eine Verhinderung
und Auffyalten.
37. Der wahre Wille gehet in die Liebe GOttes und feiner
Kindes cin] er ſuchet keine Forme / ſondern er faͤllet vor ſeinem
Schoͤpffer zu boden) und begehret des Todes der falſchen Selb⸗
heit / er ſuchet das Werck der aeg gegen allen Menſchen / er 9
5 nie
F
so: DsStonarura Cap.ız.
nicht im Spottender Welt grünen / fondern in feinem GOtt/
fein ganges geben ift eine lautere Buſſe und eine immer⸗Rewe
des Ubels das ihme anhanget: Erfuchet feinen Glantz / ſich da⸗
mit ſehen zu laſſen / ſondern lebet in Demuth: Er erkennet ſich
ſtaͤts fuͤr unwuͤrdig und fuͤr einfaͤltig / ſein wahres Chriſtenthumb
iſt ihme in ſeiner Selbheit immer verborgen.
38. Er ſaget: Ich bin in meiner Selbheit ein unnuͤtzer Knecht / unñ
habe noch nie recht angefangen Buſſe zu thun oder zu wuͤrcken / er
iſt immerdar im Anfange Buſſe zu wuͤrcken / und wolte die Porte
der ſuͤſſen Genaden immer gerne erreichen / er gehet dahin als ein
aͤngſtlich Weib zur Geburtharbeitet / und weiß nicht wie ihme
gefchicht/ver Herr verbirget ſich vor ihine/auff dasfein Würden
gegen ihme groß werde: Er ſaͤet in Angſten und Thranen / und
kennet nicht feine Frucht / dann fleiftin Gpttverborgens wie
ein mühfamer Botte einen weiten Weeg nach dem Ziel/ dahin er
begehret / lauffet: alſo auch lauffet er nach dein weiten Ziel feiner
Ruhe / und findetder nicht / eserfcheine ihm denn fein Perlein in
ihrer Schöne) und faſſe ihn in ihrer Liebe: fo die von feiner Selb⸗
heit wieder weichet / ſo gehet das achzen und graͤhmen mit fFüter
Begierde wieder an/ undruffek ein Tag demandern/ der Tag
Der Nacht / und die Naht dem Morgen / und iſt da keine Stätte
der Ruhe in der irrdiſchen Selbheit/als nur im ſchoͤnen Sonnen»
glans jeiner edlen Perlein/ wann ihmedie Sonne inder Sins
ſternuͤß auffgehet/ fo weichet die Nacht / umd ift alles Aengſten
dahin.
39. Darumb liebe Brüder / hůtet euch fuͤrm Zancke und Ver⸗
achten / da man umb die buchſtabiſche Form zancket; ein wahrer
Chriſt hat umb nichts zu zaͤncken / dann er ſtirbet ſeinem Ver⸗
nunfft-begehren ab / er begehret nur GOttes Wiſſen in ſeiner
Liebe und Genade / und laͤſſet alles andere hinfahren / wasumb
die Form zancket / dann Chriſti Geiſt muß die Form in ihm ſelber
machen / die aͤuſſere Form iſt nur eine Anleiterin/ / GOtt muß
Menſch werden / oder der Menſch wird fonft nicht GOtt.
40. Darumb iſt ein Chriſt der einfaͤltigſte Menſch auff Er⸗
den / wie Eſaias ſagt: Wer iſt fo einfaͤltig als mein Knecht ?
Alle Heyden begehren der Selbheit/ und reiſſen ſich umb den Ge⸗
walt und Ehre /aber ein wahrer Chriſt begehret der abzufterben/
er. ſuchet nicht feine/ fondern Chriſti Ehr: Alles wasumb die
Selbheit / als umb eigene Ehre und Wolluft diefes Schens zanc⸗
ket / das iſt heydniſch und vielmehr als heydniſch / ja teufliſch / wel⸗
cher von GOtt ausgieng in ein Eigenes / es decke ſich mit Chriſti
Deck⸗
Cap. 19. Rerum | 203
Deckmantel zu als cs immer wolle / fo iſt doch der Mann der fal⸗
ſchen Selbheit daruntur zur Herberge,
41. Wiil er ein Chriſt ſeyn / ſo muß er der Selbheit erſterben /
Das ihme dieſelbe nur von außen / als ein Kleid dieſer Welt an⸗
hange / darinnen er ein Gaſt und Pilgram iſt / er muß immerdar
dencken daß er nur ein Knecht in ſeinem hocherhabenen Ambt iſt /
und darinnen GOtt diene als ein Knecht / und nicht ſelbſt-eige⸗
ner Herr. Alles was ſich ſelber herret / ohne GOttes Ruff und
Ordnung / das iſt vom Teufel / und dienet dem Teufel in feiner ei⸗
genen Gewalt und Geſtalt / ſchmuͤcke dich wie du wilt / ſo gilts
vor GOtt nicht / dein eigen Hertz klaget dich an / daß du ein fal⸗
ſches Gewaͤchſe biſt / dein Adel und Hochheit huͤlffet dich auch
nichts vor GOtt / fo du damit nicht GOttes Ordnung treibeſt /
Bein Ambt iſt nicht dein / ſondern GOttes / fo du falſch darinnen
einhergeheſt / ſo iſts dein eigen Gerichte uͤber dich / und richtet dich
zum Tode / du biſt ein Knecht / und ob du ein Koͤnig biſt / ſo diene⸗
ſtu / und muſt mit dem aller aͤrmſten in die Wiedergebuhrt ein⸗
gehen / oder du wirſt nicht GOtt ſchawen.
42. Alle eigene genommene Rechte und Gewalt / damit der
Elende gequaͤlet wird / die kommen alle von der Selbheit / wel⸗
ches Urſtand iſt in der ausgeſprochenen Form / welche ſich mit der
Forme haben in eine Selbheit eingefuͤhret / und von GOtt aus⸗
gefuͤhret / was nicht in Knechts Ambte vor GOtt dienet / das iſt
alles falſch / es ſey hoch oder niedrig / gelehrt oder ungelehret / wir
find allzumahl nur Diener des groſſen GOttes / nichts fuͤhret
ſich in Eigenes ein / es werde dann in GOttes Zorn in der Impre[-
fion der Paturgebohren.
43. Uñ ob ein Chriſt ſchon ein @igenes befiget/welches nicht falfch
iſt / ſo iſt er aber nurein Knecht darinnen / alsein Außtheiler ſei⸗
nes Herren / und ein Berwahrer des Herren Wercks; Er han⸗
delt feinem Herren darinnen / undnicht feiner Selbheit alleine:
alles was. er gedencket in der Selbheit einzuführen und cinfühs
ret / das führet er in den Angftlichen Kaften des Geiges / Neides/
eigen Wolluſt des Fleiſches / als ineinvon GOtt abtrünniges
Gefaͤſſe ein /als indie Impreflionder Natur / und fkielets feinem
Herren/der ihn hat zum Verwalter eingefest/abs Erift ein Dich
GOttes und feines Weſens / er befchöne fich wie er wolle.
44. Ein wahrer Chrift erkenner fich für einen Diener GOt⸗
tes / deme befohlen ift / mit GOttes Wercken recht umbzugehen:
Er iſt nicht fein eigen / dañ er iſt auch in dieſem irrdiſchen Werck
dieſer Hütten nicht daheime / er ſuchet / pflantzet und bawet / ae
530 et
204 DeSıcnartura Cap.ıs.
bet und thut was er wolle / fo foller allezeit wiffen dag ers GOtt
thue / und davon ſoll Nechenfchafftgeven/ und daß er in dieſem
Werck ein fremder Gaſt und Diener ſey / und ſeinem Herren
dienet / und gar nicht anſehe den Lauff ſeiner Vorfahren / welche
darinnen in Wolluſt des irrdiſchen Lebens gewandelt haben:
Wer dieſes thut / der iſt noch ferne vom Reich GOttes / und kan
fi) nit keinem Gewiſſen und Grunde einen wahren Chriſten
nennen / dann er ſtehet nur inder Form der Ehriftenheit / und
nicht im Geiſt Chriſti: Die Form ſoll zerbrechen und mit der
Zeit auffhoͤren / aber der Geiſt bleibet ewig ſtehen.
45. Ein wahrer Chriſt iſt im Geiſt ein Chriſt / und in ſtaͤtter
Ubung ſeiner ſelbſt Form zu gebaͤhren / nicht alleine mit Worten
im Schalle / ſondern in der Krafft des Wercks als eine ſichtbahre
greiffliche Form / nicht waͤhnen und gute Wort aus der eigenen
Selbheit geben / und in der Selbheit bleiben / ſondern ſterben und
im Willen GOttes in der Liebe-Selbheit als ein Diener GOt⸗
tes / in GOttes Wunderthat ausgruͤnen / in GOttes Willen
ſein Inſtrument helffen ſchlagen / und eine klingende Seite in
GoOttes Seitenſpiel ſeyn / in GOttes Halle! als im Verbo Fiat
ein immermachendes Wort / das in und mit GoOtt ſchaffet und
wuͤrcket / was GOtt machet / ſchaffet und wuͤrcket / als ein Werck⸗
zeug GOttes.
46. Darumb du wehrte Chriſtenheit beſchawe dich}
ob du jetzt im wuͤrckenden WortGottes in feinem Bil:
Jen wuͤrckeſt / oder ob du nicht nur in der Form der Chris
ſtenheit ſteheſt und dein Eigenes in Falſchheit wuͤrckeſt:
Du wirft dich finden wie du ein Eckel vor dem Hoͤchſten
biſt worden] und dein Ausſpeyen vom Höchtten aus dies
fer Form / die du in deiner Selbheit haft in feine ausge:
ſprochene Form eingefuͤhret balde erfolgen wird] und
ſolches darumb / daß du dich mit der wahren Form zur
deckeſt / und bift ein falſches Kind darinnen / fo biſtu ges
ſuchet / und in deiner eigenen Forme mit einem falfıben -
Deckel befunden worden. Alſo wie da dich haft in eine
falſche eigene Form unter die wahre Form eingeführet /
alſo ſollſtu dich auch felber zerbrechen! darzu hülfft dir
der Himmel] deme du lange Zeitin Gehorſahm gedienet
haſt / amd dafuͤr it fenanifhalten: Dein Werck in
( ’
Capıı3. Rrerum 205
der Turba erfunden worden / die fol fich damit im Zer⸗
breiben ergößen / wie du dich in deiner abteinnigen
Falſchheit in deiner eigenen Form unter dem Namen
der wahren Form aufgezogen haft / amd vor GOtt mit
Schein-heucheley geheuchelt haſt / und nur demirzdis
ſchen Menſchen gedienet.
47. Aber der Knecht des Herren wird geſuchet und ge⸗
funden werden / der HErr weydet ſeine Schaͤflein in ſei⸗
ner eigenen Form / und fuͤhret fie ein in ſeine Weyde /
das ſollen alle Stoltzen und Fetten erfahren / was der
Her: für ein Gerichte über den Kreiß der Erden führen
wird /umdalle Gottloſe Hoffnung follzerbrechen / dann
der Tagder Ein:ernde nahet fih: ein Schrecken vom
Herren erfchüttet das Erdreich | und feine Stimme
hallet an den Enden der Erden / und gehet auff der
STEAN feiner Wunder: Niemand währet das]
dann es iſt im Mathe der Wächter in ven Thoren der
Tieffe beſchloſſen worden.
48. Daͤrumb mag fich ein jeder fischen und finden / dann eg
iſt die Zeit der Heimfuchung herbey kommen / auf dag
er in feiner Liebe funden werde / dann die Turba hat allen falfchen
Luſt in ihr funden/ und der höchfte Würder aller Weſen offene
bahret die Turbam , alsdann wird aller falfcher Luſt offenbahr /
und gehet cin jedes Ding in feinen ewigen Behalter ein: Dann es
ift alles aus Luſt erbohren worden / alfo folls auch in der Luſt ſei⸗
ne Endſchafft nehmen / und eine jede Luſt ihr gemachtes Werck
einernden/ dann darzu ſeynd alle Ding erfihienen / auff dag die
Ewigkeit in einer Zeit offenbahr werde: Mit Wunderthat hat
fichs indie Form der Zeit eingeführet/ und mit Wunderthat fuͤh⸗
ret ichs wicder aus der Zeit in ihren erften Locum cin, Alle Din⸗
ge gehen wieder in das ein / daraus fie gegangen find / aber ihr ci=
gen Form und Modell; wie fie fich im ausgefprochenen Halle ha⸗
ben eingeführet / behalten fie / und wird auch ein jedes Ding von
feiner Gleichheit eingenommen werden / undiftdas Ende aller
Zeit: und wie fichalle Dinge im ausgeſprochenen Wort gebaͤh⸗
ren / alſo figniren fie fih auch in ihrer innern Geſtaltnuͤß / welche
auch das aͤuſſere alſo ſigniren.
49. Der eigene Wille machet eine Form nach feiner inſte⸗
37 henden
206 DeSıovwarura Ca.ıy
henden Natur / aber im gelaffenen Willen wird eine Form nach
dem Modell der Ewigfeit gemacht; wie es vor den Zeiten des
Welt in ver ewigen Weißheit GOttes im Spiegel ift erkannt
worden / alfo figurivets der ewige Wille in ein Modell feiner
Gleichheit zu GOttes Ehre und Wunderthat : Dan alles was in
feine Selbheit eingehet / das formet fich felber ; was fich aber
frey laͤſſet Das wird vom freyen Willen geforinet / fo mag doch
feine eigene Form mit eigenem Willen/ das einige Weſen erben /
dann wo zween Willen in einem ſtnd / da iſt Widerwille.
so. So dann Gott ein einiger GOtt iſt / fo muß alles das}
was in ihme leben wil / ſeinem Willen und Halle aͤhnlich ſeyn:
Gleich wie ein Seiten⸗ſpiel mug in eine Harmoney geſtimmet
feyn / ob gleich vielerley Seiten mit vielerley Klang darinnen
nd: Alſo muß auch die wahre menfchliche Harmonia mit allen
Stimmen inein $iebe-fpiel geſtimmet ſeyn / und welcher Willens
geiſt nicht in das einige Seiten⸗ſpiel im Goͤttlichen Hall einge⸗
ſtimmet iſt / das wird aus die ſem Hall außgeſtoſſen / und in ſei⸗
nen eigenen Hall / als in ſeine wahre Mit⸗ſtimmen feiner Gleich⸗
heit eingefuͤhret werden / dann eine jede Gleichheit ſoll das ihre
einnehmen.
gr. Iſt einer ein boͤſer Geiſt allhie worden ſo wirder in die
Wurtzel feiner Gleichheit eingeführet werden / dann ein jeder
Hunger nimt feines gleichen in ih ein: Se ift doch die gantze Of⸗
fenbahrung der Ewigkeit mit diefer Zeit anders nichts als ein
Hunger und Gebähren ; Wie der Hunger ift / alfo wird auch
fein Weſen feiner Erfüllung / dann mit dem Hunger hat die
Ereatur ihren Anfang genommen/und mit dem Hunger gehet fie
in ihr Ewiges ein z Im Hunger gebichret fich der Geiſt ſambt
dem Eörper/undim felben Hunger faͤhret der Geift in fein Ewi⸗
ges ein/ er breche dann feinen erſten Hunger / und führe fich in eis
nen andern durch Sterben ein/ fonftift alles fo bald es gebohren
ift/an feinem Ende ;aberder Todift daseinige Mittel / dadurch
der Geift mag in eine andere Quaal und Form eingehen: So er
ſeiner Selbheit abſtirbet / und ſeinen Willen im Tod zerbricht / ſo
waͤchſet ein neuer Zweig aus dieſem aus / aber nicht nach dem er⸗
ſten Willen / ſondern nach dem ewigen Willen / dañ ſo ein Ding in
fein Nichts eingehet / ſo iſts dem Schoͤpffer wieder heimgefallen /
der machet das Ding wie es iſt im ewigen Willen erkannt wor⸗
den / ehe es zur Creatur geſchaffen ward / da iſt es im rechten Ziel
der Ewigkeit / und hat Feine Turbam, denn es iſt an der Na⸗
tur Ends,
5% Alles
Cap.16, Rerum. 207
52. Alles was in der Natur lauffet / das quälet fich / was aber
der Natur Ende erreichet / das ift in Ruhe ohne Quaal/ und
würcfet doch/aber nur in Einer Begierde. Alles was in der Nas
sur Angft und Streit machet / das machet in GOtt eitel Freude /
dann das ganke Himmelscheer ift alles in eine Harmoney gea
richtet : Ein jedes Königreich der Engel in ein fonderlich Inſtru—⸗
ment/aber alles ineinander in Eine Mufica, allesin dem einigen
Liebe-hall GOttes / eine jede Seiten Diefes Spiels erhebet und
erfreuet die andere / und iſt ein eitel Siche- Hören / Schmaͤcken/
Fühlen Riechen und Sehen/alles was GDtt in fich felber ift/das
iſt auch die Creatur in ihrer Begierde in ihme / ein Gott-Engel
und ein Gott: Menfh/ GOtt alles in allem / und auffer ihme
nichts mehr: Wie es war vor den Zeitendiefer Welt in feinem
ewigen Hall / alſo auch bleibets in dem creatuͤrlichen Hall in ihme
in feiner Ewigkeit / und das iſt ver Anfang und das Ende alles
Dinge.
| Das 16. Capittel.
Von der ewigen Signatur und himliſchen Freude / war⸗
umb alle Dinge in Voͤſe und Gut find eing
führer worden.
3. Fe Echöpffung oder ganke Creation ift anders
In nichts als eine Offenbahrung des allweſenden une
gründlichen GOttes / alles was er in feiner ewi⸗
gen unanfänglichen Gebährung und Regiment
ift / deſſen iſt auch die Schöpffung /aber nicht in
der Allmacht und Krafft / fondern gleich als ein Apffel auff dem
Bam wächfet / der iſt nicht der Baum felber / fondern waͤchſet
aus Krafft des Baums: Alfo find alle Dinge aus Göttlicher
Begierde entfprungen und inein Weſen gefchaffen worden / da
am Anfange Fein Weſen darzu vorhanden war / fondern nur
daffelte Myſterium der ewigen Gebährung / in welchem eine ewi⸗
ge Vollkommenheit iſt geweſen.
2. Dann GH hat nicht Die Creation erbohren / daß er da⸗
durch vollkommen wuͤrde / ſondern zu ſeiner felbft- Offenbahrung /
als zur groſſen Freude und Herrligkeit: Nicht dag ſolche Freude
erſt mit der Creation habe angefangen ; Nein / dann ſie iſt von
Ewigkeit im groſſen Myfterio geweſen / aber nur als cin geiftlich
Spiclin ſich ſelber. Die Creation oder Schöpffung ift daffelbe
Spiel aus fich felter/ als ein Modell oder Werckzeug er h
eiſtes
208 De Sıcnartura Capie
Geiftes/ mit welchem er fpielet / und iſt eben als cine groffe Har⸗
money viclerley Sautensfpiel/ welche alle in Eine Harmoney ge»
richtet ſeynd.
3. Dann das ewige Wort oder Göttliche Halloder Stimme)
welche ein Geiſt iſt / das hat fich in Fermungen als in ein auß⸗
gefprochen Wort oder Hallmitder Gebährung des groſſen My-
fterii eingeführet / und wie das Freuden⸗ſpiel im Geiſte der ewi⸗
gen Gebaͤhrung in ſich ſelber iſt / alſo iſt auch der Werckzeug /
als die außgeſprochene Form in ſich ſelber / welches der lebendige
Hall fuͤhret / und mit feinem eigenen ewigen Willen ⸗geiſt ſchlaͤ⸗
get / daß es lautet und hallet / gleich wie eine Orgel von vielen
Stimmen mit einer einigen Lufft getrieben wird / daß eine jede
Stimme/ ja eine jede Pfeiffe ihren Thon gibt / und ift doch nur
einerley Lufft in allen Stimmen / welche in jeder Stimme Haller
Nach dehme das Anftrument oder Orgelgemacht tft.
4. Alſo iſt in der Ewigkeit im gantzen Werck der Göttlichen
Dffenbahrung nur ein einiger Geift / welcher der Offenbahrer im
aufgefprochenen Hall fo wohl im fprehenden Hal GOttes iſt /
welcher das Leben ift des groffen Myfterii und allesdeffen was
daraus erbohren iſt / er iſt der Offenbahrer aller ABerde GOttes.
5. Alle Engliſche Koͤnigreiche find als ein zugerichtet Werck /
als eine Offenbahrung des ewigen Halles der Stimmen GOt⸗
tes / und find als cin Particular aus dem groſſen Myſterio, und
find im Böttlichen ewig-fprechenden Wort/Halle over Stimme
GoOttes doch nur Eines / dañ ein einiger Geift regierefdas : Ein
jeder Engliſcher Fuͤrſt ift eine Eigenfchafft aus der Stimme
Gottes / und träget den groffen Namen GOttes / gleich wie wir
deffen ein Bildan den@ternen amFirmament haben / und an den
Königreihen und. Herrſchafften auf Erden unter allen Geſchlech⸗
ten / da ein jeder Herz feines DObern Titul und Untern Namen und
Aubt trüget/alfo auch die Sternen am Firmament / die find allen
ſambt nur ein einig Regiment / und haben ihr Fuͤrſtlich Kegiment
in Krafft unter ſich / da die groſſen Sternen den Namen und das
Aubt der Geftaltnüffen im Myſterio der ſieben Eigenfchafften
fragen /und die andern nach ihnen / als ein Particular der Häufer
oder Abtheilung /dacin jedesiftalseine fonderliche Harınoney
der Wuͤrckung gleich einem Koͤnigreich / und gehet doch allesin ei»
ner. Harmoney/ gleich einem Uhrwercke / das ineinander gerichtet
ift/va alles ineinander würdet/und behalten doch die groffen Fix⸗
ferne ihre fonderliche Eigenfehafften in dem Weſen der Wuͤrc⸗
bung / fuͤrnemlich die fichen Plansten nach den ſicbenEigenſchaſ
en
Cap. 16. Rerum . 209
ten der Natur / als eine Nach-gebaͤhrerin des ewigen MyRterii,oder
als ein Werckzeug des Geiſtes aus dem ewigen Myſterio.
6. Diefe Gebuhrtdes Geftirns gebichret in den vier Elemens
ten/alsin ihrem Leibe oder Weſen Freud und Leyd / und ittin fich
ſelber doch alles ſehr gut / alleine die Verwandlung der Ereatur
tomtausder Luſt / Dadie Creatur den Grimm des Feuersinden
Eigenfchafften in die. Höhe führer /und aus der Gleichheit der
Concordan& außfuͤhret.
* KeinDing iſt boͤß das in der gleichen Concordang bleibet / dañ
das dasallerböfefte mit ſeiner Außfuͤhrung aus der Concordantz
machet / das machet auch das allerbeſte in ver gleichen Concor-
dans: Was da Leyd machet / das machet auch in der Gleichheit
Freude.
8. Darumb fan eine Creatur ihren Schoͤpffer beſchuldigen /
daß er die habe boͤß gemacht: Es iſt alles ſehr gut / aber mit ſei⸗
ner ſelbſt⸗ Erhebung und Außgehung aus der Gieichheit wirds
boͤß Fund führer fich aus der Liebe und Sreudenzgeftaltnüß inein
peinliche Geftaltnüg ein.
9. König Lucifer fund nit feiner hoͤchſten Freudenreich im
Anfang feiner Schöpffung/ aberer gieng aus der Gleichheit ang
und erhub fich aus der Concordans in die Ealte finitere feuriſche
Gebaͤhrung / aus welcher die hitzige Feuers⸗gebaͤhrung urſtaͤn⸗
det / er gieng aus feiner Ordnung aus / aus der Harmoneh / d darin⸗
nen ihn GOTT ſchuff / er wolte ein Herr über alle feyn: Alfo
gieng er auch in die ſtrenge Feuers⸗ herrfchafft ein /und iſt nun
ein Inſtrument inder ſtrengen Feuers⸗macht / auff welchem auch
der allwefende Gift ſchlaͤget / und auff feinem Inſtrurꝛent hallet:
Aber nach des grimmen Feuers Eigenſchafft / wie die Harmoney /
als die Lebens⸗geſtaltnuͤß in jedem Dinge iſt / alſo iſt auch fein
Hall oder Klang des ewigen Halles darinnen / in den Heiligen
heilig / und in den Verkehrten verkehrt.
10. Alles mu den Schoͤpffer aller Weſen loben / die Teufel
loben ihn in der Macht des Grimmes / und die Engelund Mena
ſchen loben ihn in der Mast der Siebe.
ıı. Das Wefen aller Wefen ift nur cin einiges Weſen / aber
es fcheidet fich in ſeinerGebaͤhrung in zwey Principia, als in Liecht
und Finſternuͤß / in Freud und Leyd / in Boͤſes und Gutes / in Liebe
und Zorn / in Feuer und Liecht / und aus dieſen zweyen ewigen
Anfaͤngen / in den dritten Anfang / als in die Creation zu ſeinem
eigenen Liebe⸗ fpiel/ nad) bepder ewigen Begierde Eigenfchafft.
z2. Alfo gehet ein jedes Ding in feiner Harmoncy / und wird
von
210 DeSıcnaturA Cap.ı6,
von einem einigen Geiſt getrieben / der ift in jedem Dinge wie
des Dinges Eigenschaft ift/ und des ift das lihrmerck des groffen
Mytterii ver Ewigkeit injedem Principio ‚nach des Princ pii Ei⸗
genfchafft/ und dann nach der inftehenden Geftalt des zugeriche
geten Inſtruments derfelben Creatur / und in allen diefen An»
aͤngen.
13. Alles deſſen was seitlich iftfift der Tod das Scheide⸗ ziel / da
das Boͤſe mag zerbrechen / was aber aus den ewigen Anfangen
entftehet/ und in feiner Harmoney und gebens-geftältnüg in eine
andere Figur eingehet/ das gehet aus GOttes Harmoncy / aus
der wahren Ordnung / Dareines GOtt geſchafſen hat / aus / und
wird ausderfilben Harmoney außgeſtoſſen in feine Gleichheit /
als ein ungleiches Spiel oder Klang in ver groffen und ſchoͤnen
gleich⸗ ſtimmenden Harmoney: Dann es iſt ein widerwertiges /
es fuͤhret andern Thon / Klang und Willen / und alſo wirds in
ſeine Gleichheit eingefuͤhret.
14. Und darumb iſt dem Teufel die Hoͤlle zum Haus und
Wohnung gegeben worden: weil es ſeines Lebens Geſtaͤltnuͤtzi in
GOttes Zorn und in den Feuers— grimm der ewigen Natur ein⸗
geführethat : daß er das Inſtrument im ewigen Feuer GOttes
ſey / und alſo ſchlaͤget der Zorn-geiſt fein Inſtrument / und muß
dannoch zu GOttes Ehr und Wunderthat ſtehen und das Spiel
in des grimmen Zorns Begierde und Eigenfchafft ſeyn.
5. Der Zorn md Grimm G Dies iſt nun feine Frende/niche
daß er zagete und fraurete oder in Unmacht lebete ; Nein / fons
dern in groffer Stärde und Feuers-macht / als cin gewaltiger
König und Herry aber nur imderfelben Eigenfcharft / dieer felber
iſt / als im erftan Principio in der finſtern Welt.
16. Alſo iſt uns in gleichen zu erkennen die Engliſche Welt /
als das andere Principium ‚da GOttes Liecht und Klarheit in al⸗
lem Weſen erſcheinet / und der Göttliche Hall oder Stimme in
allen Ereaturen in der groffen Freudenreich auffgehet: Dader
Gift aus dem Görtlichen Hall eine Freudenreich / und groffei im⸗
merwehrende Liebe-begierde / in denſelben Creaturen / und in al⸗
len Goͤttlichen Engliſchen Weſen machet; gleich wie tm pein⸗
lichen Feuer ein Zittern der Angſt-quaal iſt / alſo iſt auch im⸗
gleichen im Liebe⸗und Liecht⸗feuer ein Zittern der Freuden⸗reich /
als eine groſſe Erhebung der Stimme GOttes / welche alſo in
den Engeln und dergleichen Creaturen / als in Seelen der Men⸗
ſchen eine groſſe Offenbahrung der Goͤttlichen Freudenreich
machet.
17. Die
Cap. 16. Rerum. 211
17. Die Stimme GOttes fuͤhret ihre Freude durch die Crea⸗
tur / als durch ein Inſtrument immer und ewig aus: Die Crea⸗
tur iſt die Offenbahrung der Stimme GOttes / was GOtt in der
ewigen Gebaͤhrung feines ewigen Worts aus dem groſſen My-
ſterio des Batters Eigenſchafft iſt / das iſt die Creatur in einem
Bilde / als ein Freuden ⸗ſpiel / damit der ewige Geiſt ſpielet.
18. Alle Eigenſchafften des groſſen ewigen AMyſterii der Ge⸗
baͤhrung aller Weſen ſind in den heiligen Engliſchen und menſch⸗
lichen Creaturen offenbahr / und iſt uns nicht alfo davon zu ge⸗
dencken / als ob die Creaturen nur ſtille ſtuͤnden / und ſich der. Herr⸗
ligkeit GOttes freueten / und nur in Freuden zitterten: Rein}
ſondern gleic) wie der ewige Geift GOttes in dem groffen Myſte-
io der Göttlichen Gebaͤhrung von Ewigkeit in Ewigkeit wuͤrc⸗
ket / und die unendliche und ungehlbahre Weiß heit GOttes im⸗
mer offenbahret; gleich wie die Erde immerdar ſchoͤne Blumen }
Kräuter und Baͤume / fo wohl Metallen und Weſen gebiehret /
und je einmahl herrlicher / ſtaͤrcker und ſchoͤner hervor bringet / als
das ander; und wie bald im Weſen eines auffgehet / das ander
unter / und eine immerwaͤhrende Nieſſung und Arbeit darmit iſt.
19. Alſo iſt auch die ewige Gebaͤhrung des heiligen Myfterii
in groffer Kraft und Wiederbringung / da je eine Goͤttliche Frucht
der groſſen Liebebegterde neben ver andern im Soͤtt lichen Weſen
ſtehet / und iſt als ein immer⸗Ningen / ein Bluͤhen der ſchoͤnen
Farben / und ein lieblicher Geruch aus dem Goͤttlichen Mercutio,
nach der Goͤttlichen Natur Eigenfchafft / ein Immer guter Ge⸗
ſchmack der Siebe aus Göttlicher Begierde,
20. Alles das werfen. diefe Welt ein irrdiſch Gleichnuͤß und
Spiegel ift/ dasift im Göttlichen Reich in groffer VBolltommens
heit im geiftlichen Weſen; nicht nur Beift / als ein Wille oder
Gedande/ fondern Wefen/ cörperlich Weſen / Safft undKrasft /
aber gegen der äufferen Welt wie unbegreifflich: Dann aus dem⸗
felben geiſtlichen Wefen) in welchem das reine Element ift/ fo
wohl aus dem finftern Aefen im Myfterio des Grimmes/ als
„dem Urftand des ewigen lautbahren Weſens / daraus vie Eigen
"fhafften entſtehen / iſt dieſe ſichtbahre Welt erbohren und ge=
ſchaffen worden / als ein außgeſprochener Hall aus dem Weſen
aller Weſen.
21. Nicht iſt fie aus dem ewigen Weſen gemacht worden / ſon⸗
dern aus dem Außhauchen des ewigen Weſens / aus Liebe und
Zorn/ aus Boͤſem und Gutem / als eine eigene Gebaͤhrnng eines
eigenen Principii in der Hand des ewigen Geiſtes.
22, Dar⸗
2123 De Sıenartura Cap. 16.
22, Darumb alles was in diefer Weltift / das ift ein Fuͤrbild
der Engliſchen Welt / nicht dag das Boͤſe / welches in diefer Welt
neben dem Guten zugleich offenbahr iſt im Himmel offenbahr
ſey; Nein / es iſt geſchieden in zwey Principia: Im Himmel iſt
alles gut / was in der Hoͤlle boͤß fo wohl Angſt und Pein iſt / das
iſt im Himmel gut und eine Freude / dann es ſtehet alles in der
Liechts-quaal / und in der Hoͤilen ſtehet alles im Grimme in der
finſtern Quaal.
23. Die Hoͤlle / als die finſtere Welt hat auch ihre Gebaͤhrung
Der Fruͤchte / und iſt eben ein ſolches Weſen und Regiment in
ihnen als im Himmiel / aber auff Arth der grimmen Eigenſchafft /
dann die feuriſche Eigenſchafft machet in der Finſternuͤß alles
boͤſe / und im Liechte aues gut / und iſt in Summa in beyden ewi⸗
gen Welten alles eines.
24. Aber Finſternuͤß und Liecht ſcheidet das / daß es als eine
Feindſchafft gegen einander ſtehet / auff daß erkannt werde / was
bög oder gut / Freud oder Leyd / fo wohl Liebe oder Zorn ſey: Es
iſt nur der Unterſcheid / zwiſchen der Liechts-Liebe-begierde / und
zwiſchen der finſtern Zorn⸗begierde.
25. Im Urſtand der ewigen Natur in des Vatters Eigen»
ſchafft im groffen Mylterio aller Weſen ifts gank eines: Dani
doch in der Englifchen Welt auch eben daſſelbe einige Feuer /
aber in anderer Qugal / alsein Siebesfeuer / welchesven Teufeln
und der Hoͤllen eine Gifft oder Zorn⸗feuer iſt / dann das Liebe⸗
feuer iſt des Zorn⸗feuers Tod / Sterben und eine Feindſchafft / es
nimt den Grimm den Gewalt / und das wil der Grimm nicht /
and kan auch nicht ſeyn / dann wann kein Grimm waͤre / ſo waͤre
auch kein Feuer / und auch Fein Liecht / wañ nicht der ewige Grim̃
waͤre / ſo waͤre auch nicht die ewige Freude: Der Grimm ver⸗
wandelt ſich im Liecht in Freude: Des grimmen Feuers Weſen
nach der Finſternuͤß erſtirbet im grimmen Feuer / und gehet aus
demſelben Sterben auff das Liecht-⸗und Liebe-feuer: Gleich wie
das Liecht aus der Kertzen brennet / und in der Kertzen iſt das
Feuer und Liecht ein Ding:
26. Alſo iſt auch das groſſe Myſterium aller Weſen in der E⸗
wigkeit in ſich ſelber Ein Ding / aber in ſeiner Außwicklung und
Offenbahrung tritts von Ewigkeit in Ewigkeit in zwey Weſen /
als in Boͤſes und Gutes ein: Was einem Dinge böß iſt / das
iſt dem andern gut /die Hölle ift ven Engin boͤß / dann fie find
nicht darinn gefchaffen worden] aber den andern hoͤlliſchen Crea⸗
turen iſt ſie gut.
27. Alſo
Cap.16. Rerum. 213
27. Alfo ift auch der Himmel den Höllifhen Erenturen böp/
dann er iſt ihr Gift und Zod/ ein ewig Sterben / und eine ewige
Gefaͤngnuͤß. Darumb ifts eine ewige Feindſchafft / und wird
GHttalleine ein GOtt nach dem Liccht feiner Liebe genannt: Er
ifts wohl alles felber /aber nach der Finſternuͤß fpricht er: Ich
bin ein zorniger epfferiger GOtt / und ein verzehrend Feuer ; eine
jede Creatur follin ihrem Loco bleiben / darinnen fte iſt in ihrer
Schöpffung ergriffen worden/und in ein Bild formiret/umd nicht
aus derfelben Harmoney abweichen / oder wird zum Feinde des
Weſens aller Weſen.
28. Als dann die Hoͤlle ſo wohl ein Feind des Teufels iſt / dann
er iſt ein frembder Gaſt darinnen / als ein Meyneidiger aus dem
Himmel: Er wil ein Herz ſeyn in dehme / darinnen er nicht ges
ſchaffen iſt worden. Die gaͤntze Creation ſchilt ihn für einen
meyneidigen abgefallenen falſchen Geiſt / der aus ſeiner Ordnung
iſt abgewichen / dann auch die Natur im Grimme fein Feind iſt /
ob er wohl derſelben Eigenſchafft iſt / ſo iſt er doch ein Frembder
und wil Her ſeyn / und hat Doch fein Königreich verlohren‘/ und
iſt nur cin Haussgenog im Grimme GOttes. Derzureich war/
der ift zu arm worden/ er hatte alles als er in der Demuth ſtund /
und nun hat er nichts / und iſt darzu im Schlund gefangen: Das
iſt feine Schande / daß er ein Ki onig iſt / und hat fein Königreich
in Hoffahrt verſchertzet: Die Königliche Creatur bleibet / aber
Das Regiment iſt weg / aus einem König iſt ein Nac-richter
worden: Was GOttes Zorn ergreiffet/ allda ift er Richter / ale
ein Ambtmann GOttes Zorns / der dannoch thun muß was fein
Kerr wil.
29. Dieſem widerfpricht die Bernunfft ohne gnugfame Er⸗
kaͤntnuͤß / und faget : Gott iſt allmachtig und allwiffend / er
hats gemacht / und mit ſeinem Werck gethan was er wil / wer wil
mit dem Hoͤchſten hadern? Ja liebe Vernunfft / jetzt haft du den
Braden / lerne vor erſt das AB Cim groſſen Myſterio.
30. Alles was aus dem ewigen Willen ift/als das aus dem groſ⸗
fen ewigen Myfterio aller Weſen urſtaͤndet / (als da ſind Engel ur
Seelen der Menſchen) das ſtehet in gleicher Waage / in Boͤſen
und Guten / im freyen Willen/als GOtt ſelber: Welche Begierde
in der Creatur in die Qualificirung auffgehet / und die andere
übertrifft / veffen Eigenfchafft ift die Creatur ; gleich wie eine
Kerze ein Feuer aus ſich erbichret/und aus dem Feuerden Wind
. welchen Wind das Feuer wieder in fich ziehet / und doc wieder
won ſich gibet: und wann dieſer Geiſt vom Feuer und Liecht auß⸗
gangen
?
214 Dr Sıcnarura Cap. 16.
gangen iſt / ſo iſt er vom Feuer und Liecht frey: welche Eigen⸗
ſchafft er annimmet / deren iſt er.
31. Das erſte Myſterium darinnen die Creatur ſtehet / iſt das
allweſende Mylterium : une das andere im außgehenden Geiſt iſt
ſein Eigenthumb / und ein eigener Wille. Hat doch ein jeder
Engel ſeinen eigenen Geiſt / der aus ſeinem eigenen Myſterio,
welches aus der Ewigkeit feinen Urftandhat/auggebohren wird:
Warumb wird derſelbe Geift ein Verſucher GHftes / und ver⸗
ſuchet das Myfterium , welches ihn alsdanı im Grimme fünget /
wie dem Lucifer gefchehen iſt: Er hatte den Zug zu GOttes
Grimm und zu Gottes Liebe in fich / warumb bleibet der Beift
(fo aus ven beyden erbohren wird) welcher die Gleichheit des
Geiſtes GOttes ift / nicht in feinem Sitze in Gehorſam / als ein
Kind vor der Mutter in Demuth?
32. Sprichſt du / er kan nicht. Das iſt kein Grund; Ein je⸗
der Geiſt ſtehet an dem Orth da er geſchaffen iſt / in gleichem Ge=
wicht / und hat ſeinen freyen Willen: Er iſt ein Geiſt mit dem
allweſenden ewigen Geiſt / mag er ihme doch eine Luſt in dem all⸗
weſenden ewigen Geiſte ſchoͤpffen wie er wil / in GOttes Liebe
oder Zorn / worein er ferne Luſt einfuͤhret / deſſen Weſen und Ei»
genſchafft empfaͤhet er im groſſem Myſterio aller Weſen. Die
Gebuhrt iſt in GOtt in Liebe und Zorn offenbahr / warumb nicht
auch in der Creatur / fo aus GOttes Weſen und Willen / aus ſei⸗
ner Stimmeund Halle in ein Bild iſt erſchaffen worden? Wel⸗
che Eigenſchafft des Halles die Creatur in ſich erwecket / dieſelbe
hallet und regieret die Creatur.
33. GOttes Wille zur Creatur war doch nur einer / als eine
allgemeine Offenbahrung des Geiſtes / wie ein jeder in der Ei⸗
genſchafft des ewigen Myfterii ergriffen ward: So ward dochLu⸗
cifer in guter Engliſcher Eigenſchafft ergriffen / das bezeugets
genug / daß er cin Engel im Himmel war / aber fein eigener incot⸗
porirter Willen⸗ geiſt ſchwang ſich in die grimme Mutter / dieſel⸗
be in ſich zu erwecken / und damit ein Herz über alles Geſchoͤpffe
zufepn: Nun iftdoch der Willengeift frey / Er iſt der ewige
Urſtand / er thut was er wil.
34. Darumb daß ſich ver Willenzgeift / der doch aus Liebe
und Zorn / aus beyven ewigen Principien urftändet / hat dem
Grimme eingegeben/mit welchem ſich der Grimm empor und ins
Regiment geſchwungen / und aus der gleichen Harmoniaerhaben
in eine Ungleichheit / fomufte er in feine Gleichheit eingetric»
bon werden : das iſt fein Fall / undalfo ift auch aller böfen Men»
ſchen Fall, 35. Nun
Cap. 16. Rerum. 215
35. Nun zeucht die eigene Bernunfft die Schrift an/da ge>
ſchrieben ſtehet: Viel feynd beruffen / aber wenig feynd außer⸗
wählet. Irem: Jacob habich geliebet/ und Efau gehaffet, Item:
Hat nichtein Töpffer Macht aus einem Thon zu machen was er
wil ?ꝛc. Ich fage auch alfo/ dag ihrer viel beruffen find /aber
wenig angerwählet : : Dann fie wollen nicht / fie Ihwingen ihren
freyen Willen in GOttes Zorn / allda werden fie ergriffen / ſo
werden ſie alsdann zu Kindern des Zorns erwaͤhlet / da ſie doch in
Adam alle ins Paradiß und in Chriſto in die Wiedergebuhrt
beruffen waren/ aber fte wolten nicht /der freye Wille wolte nicht,
er ſchwang fih in Grimm GOttes / der ergriff ihn / alfo waren
fie nicht erwaͤhlete Kinder: Dann Gottes Liebe erwaͤhlet ihr
nur die Gleichheit / alſo auch GOttes Zorn / und ſtehet doch den
Gottloſen / welche der Zorn GOttes ergriffen hat / die Pforte der
Wiedergebuhrt offen: Der Menſch hat den Tod in ſich / dadurch
er mag dem UÜbelabfterben / aber der Teufel nicht / dann er war in
die hoͤchſte Vollkommenheit geſchaffen.
36. Alſo iſts auch mit Jacob und Eſau: In Jacob war die
Linea Chriſti im ringenden Rade empor geſchwungen / und in
Eſau der Fall Adams. Nun war doch Chriſtus darumb in die
Menſchheit verheiſſen / den Fall Adams zu heilen / und den im
Grimme gefangenen Eſau / vom Grimme zu erloͤſen: Jacob be—
deutet Chriſtum / und Efau Adam. Nun ſollte Chriſtus Adam
vom Tode und Zorn / darinnen er war ergriffen / erloͤſen: Iſt
aber Eſau in Suͤnden blieben / Das weiß ich nicht / auch ſaget das
die Schrifft nicht; der Seegen gehoͤrete Eſau / das iſt Adam / aber
er verſchertzete ihn mit dem Fall / ſo fiel der Seegen auff Jacob /
das iſt auff Chriſtum / der ſollte Adam und Eſau ſeegnen / daß
dem Adam und Eſau das Reich und der Seegen wieder aus Ge⸗
naden gegeben wuͤrden / und dem Eſau / ob er ſchon im Fluche er⸗
griffen ward / die Genaden-thuͤr in Jacob / das iſt / in Chriſto
offen ſtuͤnde.
37. So ſprach Jacob / das iſt / Chriſtus hernach / als er in A⸗
dams Seel undFleiſch eintratt: Komt alle zu mir her / ihr / die ihre
muͤheſehlig und in Suͤnden beladen ſeyd / Ich wil euch erquicken.
Item: Ich bin kommen die Sünder zur Buſſe zu ruffen; nicht
ne der bedarff es nicht / fondern Eſau / der bedarff es:
nd fo er ( Eſau) kommen iſt / fo faget Chriſtus: Es iſt Freude
im Himmel über ihn / mehr alsüber neun und neungig Gerech⸗
ten / die der Buſſe nicht bedoͤrffen: Mehr als über neun und
neuntzig Jacob / die in Chriſti Linea ſind im Centro des Lebens
Auffgang ergriffen worden: Liber einen armen Sünder den der
Zorn
216 Ds Sıcnartura Cap.ı6,
Zorn im Centro des Grimmes GOttes ins Sehens Anfang er>
griffen hat der zum Berdammüg erwaͤhlet ift / iſt Freude / foer
mit der Sünde des Todeswieder ins Sterben der Sünden ein»
gehet/ mehr als über neun und neunsig Gerechten / die der Buſſe
nicht bedürffen.
38. Wer find aber die Gerechten ? Dann in Adam find wir
alle Sünder worden : Refp. Das fi nd ſie / welche die Linea
Chriſti in der Menſchheit ins Lbens Auffgang ergreiffet / nicht
daß ſie nicht koͤnten fallen / als Adam / ſondern darumb dag ſie in
Chriſti Willen⸗geiſt im ringenden Rade / da Liebe und Zorn in
gleicher Waage ſtehet / ſind ergriffen / und zum Leben erwaͤhlet
worden: Als dem Jacob / aus) Iſaac und Habel geſchach: Aber
dieſe Linea ſollte Cains / Iſmaels und Eſaus Prediger und Leh⸗
rer ſeyn / und ſie zur Buſſe und Umbwendung aus dem Zorne ver⸗
mahnen/und dieſelbe Linea ſollte ſich in Adam / Cain / Iſmael und
Eſau in ihren Zorn (der in ihnen entzuͤndet war ) eingeben / und
dem Teufel den Stachel mit der Liebe zerbrechen / daß Cain /
Iſmael und Efau eine offene Thür zur Genade hätten / fo fie
wolten umbEchren und in Jacob fterben / das iſt / in Chriſti Tod
eingehen/undder Suͤnden in Habel / Iſaac / Jacob / und Ehrifto
abſterben / ſo ſollen ſte in der Außerwaͤhlung in Genaden einge»
nommen werden.
39. Jacob nahm Eſaus Stelle im Seegen ein / warumb ge>
ſchach das? In Jacob war der verheiſſene Saame Abrahams
und Adams / aus dieſer Lineafollte der Seegen auffden fündigen
Adam und Efau Fommen : Zacob muſte mit GOttes Seegen
erfüllet werden /dag er den zornigen Adam und Efau den Erſt⸗
gebohrnen feegene : Dann in unferm Sleifh und Seele follte
der Seegen / als Chriftus / gebohren werden / auff daß des Wei⸗
bes Saame könte der Schlangen den Kopff zerfretten.
40. In der Menſchheit muſte der Zorn erfi aͤuffet und geſtillet
werden: Nicht ein Opffer thaͤte es / fondern ein Eingeben in den
Grimm / daß die Liebe den Grimm erfänffete / Jacob in Ehrifte
muſte Eſau in feinem Blute in der Liebe⸗krafft erfäuffen / auf
daß Eſau auch ein Jacob in Chrifto würde /fo aber Eſau gen
Bruder Jacob nicht hatte wollen annchmen/ und umb dikerfte
Gebuhrt gezandet /dasift Adam in Sünden /der wil und kan
Chriſtum nicht annchmen dann er foll und mu dem fündigen
Fleiſche und Willen abflerben. Darumb hat Efan immer
Streit wider Jacobgeführet: Dann Jacob follte ihn in Chriſto
in ſeinem Blute erſaͤuffen / das wolte der boͤſe Adam in Eſau
nicht haben / er wolte in ſeiner Selbheit leben / darumb ſt ritteer
nit dem irrdiſchen Adam wider Jacob. 41. Als
Cap. 16. -Rerun. 217
41, As ihme aber Jacob mit feinem Gefchende entgegeit
gieng / das iſt / da Chriſtus mit feinem Liebe-geſchencke in vie
Menfchheit kam / da fiel Efau feinem Bruder Jacob umb den
Half und weinete : Dann als Chriftus in die Menfchheit ein»
gieng / fo weinete Adam in Efau / und reuete ihn feiner Suͤn⸗
den / und feines Vorſatzes / daß er Jacob tödten wolte; dann als
Gottes Liebe in der Menſchheit in GOttes Zorn eingieng / fa
reuete den zornigen Vatter unfere Sünde und Elende / und Ja⸗
cob mit feiner Demuth trieb: die weinende Zehren aus feinem
Bruder Eſau / das iſt / die Liebe in ver Menſchheit Chrifti trieb
das groſſe Erbarmen aus und durch den zornigen Vatter / daß der
zornige Vatter mitten in ſeinem entzuͤndeten Grimme in der
Menſchheit eine offene Thuͤr der Barmhertzigkeit uͤber Adam
und alle ſeine Kinder auffſchloß / dann ſeine Liebe zerbrach in dem
Zorn / welche ſich ſelber in Tod ſtellete / und den armen Suͤndern
eine offene Porte in Tode zu feiner Genaden machete.
42. Nun heiffets jego mit dent armen Sünder / welchen der
Zorn zum Berdamnüß des ewigen Todes erwählet hat / daß er
indenfelben Tod eingehe/und in Chriſti Tod der Sünden abſter⸗
be /fo erfäuffet fie Chriftus in feinem Blute / und erwählet ihn
wicder zum Kinde GOttes.
43. Allhie ift die Berufung ; Chriftus ruffet uns in feinen
Tode in fein Sterben / das wilder Sünder nicht /da iſt nun im
Sünder der Streit / zwiſchen des Weibes Saamen und der
Schlangen Saamen/ welcher nun fteget/ der empfaͤhet das Kind.
Nun mag der freye Wille greifen wo er hin wil: Beyde Porten
ſtehen ihm offen: Viel / welche auch in Chriſti Linea ſind / werden
durch Luſt / als Adam auch thaͤte / indie Boßheit eingefuͤhret / die
find ja beruffen/aber in der Wahl beſtehen fie nicht / dann Die
Wahl gehet über dehn/ der von Sünden außgehet / der wird auß⸗
erwählet/der der Suͤnden in Chriſti Tod abftirbet/und in Chriſti
Aufferftchung auffftchet / der GOtt in Ehrifto annimt / micht
alleine in Munde /fondern in Göttliher Begierde im Wille:
und Gebähren / als ein neu Feuersgebähren. Das Wiſſen er⸗
greiffets nicht) allein die ernfle Begierde / und Zerbrechung des
fündlihen Willens / die begreiffet es.
- 44. Alfo ifts mit der Genaden⸗wahl / wie es die Vernunft
erkennet / kein genugſamer Grund: Adam ift inChrifto erwählet/
daß aber mancher Zweig am Baum verdorret / iſt nicht des Bau⸗
mes Schuld / dann er entzeucht ſeinen Safft keinem Zweige /
allein der Zweig gibet ſich mit Begierde zu ſehr aus h Mn
auffe
318 De Sıcnarura Rerum. Cap.16.
lauffet in eigenem Willen / als von der Sonnen unddes Feuers
Anzüntung wird erergriffen/cheer fich mag wicderumb in ſei⸗
ner Mutter Sarft erholen und erquicken. - Ylfo auch der Menſch
verdirbetunterder Boßheit der Gefellfchafft auffböfen Bergen ;
GOtt beut ihın feine Genade an /erfoll Buffe thun: Aber die
Gefellfehafft und der Teufel/führen ihn auff den gottlofen Weeg /
biß er allzuhart im Zorn gefangen wird / alsdann gehets ſchwer
zu: Er wärcmwohlberuffen/ aber er ift böß / GOtt erwählet ihm
nur feine Kinder: Weil er boͤß iſt fogehet die Wahl uͤber ihn
hin / wird er aber wieder fromm / ſo faͤhet ihn die Wahl wieder.
45. Alſo ſaget die Schrifft: Viel ſind beruffen / aber wann
die Wahl in Chriſti Leyden und Tod / uͤber ſie hergehet / fo ſeynd
fie derſelben ( wegen des eigenen gefaſten boͤſen Willens) nicht
faͤhig / ſo ſeynd ſie alsdann nicht außerwaͤhlet / ſondern boͤſe Kin⸗
der / fo heiſſets alstann: Wir haben euch gepfiffen / und ihr habet
nicht getantzet / wir haben euch geklaget / und ihr habet uns nicht
getroͤſtet. O Jeruſalem / wie offt hab ich deine Kinder wollen
verſam̃len / als eine Kluck⸗henne ihre Kuͤchlein unter ihre Flügel
und du haft ſelber nicht gewolt: Es Inutet nicht; Du haſt nicht
gekoͤñt / ſondern nicht gewolt: Und weil fie in Boßheit der Suͤnden
bleiben / ſo koͤnnen fie auch nicht: GOtt wil das Perlein nicht
für die Saͤu werffen / ſondern den Kindern / die ſich zu ihme nahen /
dehnen gibt er das Perlein und ſein Brod.
46. Darumb wer GO TT hbeſchuldiget / der verachtet feine
Barmhertzigkeit / die er in die Menſchheit hat eingefuͤhret / und
zeucht ihme das Urtheil ſelber auff den Halß / ja auff ſich in Leib
und Seel.
47. Als wil ich den Leſer treulich gewarnet und ihme fuͤr Au⸗
gen geſtellet haben / was mir der Herr aller Weſen gegeben has /
er mag ſich von innen und auſſen in dieſem Spiegel beſehen / ſo
wird er finden / wer er ſey: Ein jeder Leſer wird ſeinen Nutz
darinnen finden / Er ſey gut oder boͤß: Es iſt eine faſt helle
Porte des groſſen Myſterii aller Weſen: mit Gloſſiren und ei⸗
gener Witze ſolls keiner in ſeinem eigenen Grunde ergreiffen;
Aber den wahren Sucher mags umbfahen / und viel Rutz und
Fteude fiharfen / auch in allen natürlichen Dingen behuͤlfflich
ſeyn / focr ftch wird recht darzu ſchicken /umd in Gottes-furcht
ſuchen: welches doc) die Zeit des Suchens iſt.
43. Damit eine sife bfühet über Berg und Thal / in
allen Enden dr Erven : Wer da ſuchet der findet /
men. Folget
Folget das Regiſter der Summa⸗
rien / in dieſem Buch verfaſſet.
Cap. Is
Ver Se alles ſtumm undohne Berftand iſt / was von GOtt ge⸗
redet wird / ohne Erkaͤutnuͤß der Signatur ; und wie im
menſchlichen Gemüthe die Sigoarur nach dem Weſen aller
Weſen lieget. Pag 5
Cap. 2. |
Don der Widerwertigkeit und dem Streit in dem Weſen aller
Weſen. 9
Cap. 3.
Vom groſſen Myfterio aller Weſen. 17
Cap. 4
Von der Gebuhrt der vier Elementen und Starnen in den Dies
tallen und cmatürlihen&igenfchafften. 27
Em. 2 |
Vom folphurifchen Sterben und wieder geftorbene Leib wieder
lebendig / und in feine erfte Herrligkeit gefeget werde. 38
Cap. 6.
Wie fich ein Waſſer und Ochlgebähre / und vom Unterfiheid des
Waſſers und Oehls / und vom vegetabiliſchen Leben und
Wachſen. 42
Cap. 7-
Wie Adam im Paradiß / und Lucifer ein fchöner Engel war / und
wie ſie durch Imagination und Erhebung ſeynd verdorben. 50
Cap. 8.
Vom fulphurifchen Sude der Erden: wie das Wachſen der Er⸗
den ſey / und auch die Scheidung der Geſchlechte: Eine offene
Pforte der weiſen Sucher. F
Cap. 9. |
Von der Signatur, wiedas Innere das Xeuffere bezeichnet. 86
K 2 Cap.
*
*
Regiſter.
Cap. 10.
Bon der inneren und aͤuſſeren Cura des Menſchen. Pag.ro4
| Gap. 11.
Vom Procefs Ehrifti in feinem Leyden / Tode und Aufferfichenz
Bom Wunder des fechften Reichs in der Mutter aller Abe»
ſen / wie das Conſummatum iſt vollendet worden /und wie es
an Philofophifchen Werde Inder Gleichheit zum Ende lauft.
125
Cap. 12.
on der fiebenden Geftalt im Reiche der Mutter / wie das fiee
bende Neich / als das Neich der Sonnen wieder eröffnet und
kebendig gemacht werde / im Gleichnuͤß von Ehrifti Auffer⸗
ſtehung dargeſtellet. 150
Cap. 13 “
Bon des Beiftes und Coͤrpers Widerwillen / und von feiner Eur
und Heilung. 160
Cap. 14.
Vom Rade Sulpkuris, Mercurii und Salis: Wonder Gebaͤhrung
Gutes und Boͤſes / wie ſich eines ins andere verwandelt / und
wie eines im andern ſeine Eigenſchafft offenbahret / und blei⸗
ben doch in der erſten Schoͤpffung im Wunder GOttes zu ſei⸗
ner ſelbſt⸗ Offenbahrung und Herzligkeit ſtehen. 173
Cap. 15:
Bon dem Willen des groſſen Myfterii im Gutem und Voͤſem /
wovon ein guter und boͤſer Wille urſtaͤnde / und wie ſich einer
in andern einfuͤhre. | 193
Cap. 16. ri;
Bon der ewigen Signatur und himmlifchen Freude / warumb alle
Dinge Ir Boͤſe und Gut find cingeführet werden. 307
ENDE,
RO
Oder
Chluͤſſel etlicher vor⸗
nehmen Puncten und Woͤrter / ſo
in allen des Authoris Buͤchern zu
finden / deutlicher erklaͤret.
Geſchrieben im Monat Aprik , des Jahrs 1624.
Durch
Jacos Bönms,
Sonſten Teutonicus Philofophus genannt.
Rn " ur
ce»
SD
Zu Amſterdam /
Gedruckt im Jahr Chriſti / 1082.
Berzeichnäßder Capitteln.
3 Wie man HOLE aufferder Natur Creatur
betrachten foll. n
. Wieder einige GOtt Dreyfaltig ſey.
. Dom ewigen Wort GOttes. |
. Vom heiligen Namen JEHOVAH.
. Von Goͤttlicher Weißhett.
. Dom Myfterio Magno.
. Dom Centroder ewigen Natur.
» Bon der ewigen Natur und ihren ſieben Ei⸗
genfchafften.
9. Erklärung der fieben Eigenfchafften der e⸗
wigen Natur. | |
10. Vom dritten Principio,als von der fichtbas
ven Welt I wovon fie entftanden / und
was die Schöpffung fer.
11. Bom Spiritu Mundi und den Elementen.
12. Eine kurtze Formul von Göttlicher Offen:
bahrung. |
13. Erklaͤrung etlicher Wörter.
14. Erklärungen unterfchienlicher Termino-
rum.
15. Erklaͤrung eines Schematis, und Dreyer
Tafeln.
ao. au Aw
VORREDE
An den Leſer dieſer Schrifften.
SYS ftehet gefchrieben : Der na⸗
türliche Menfchverfteher nichts
‚was des Beijtes Ift/noch vom
Geheimnis des Reichs GOttes /
es iſt ihm eine Thorheit / und
IN Fansnicht begreiffen. Derowe⸗
Wgen wil ich den Chriſtlichen Lieb⸗
haber der Geheimnuͤſſen ver⸗
Is mahnet haben; fo er ſich wil auff
diefe hohe Schriften legen / umd
— => dieſelben leſen / forſchen und ver⸗
ſtehen / daß er nicht von auſſen zu leſe mit ſcharffem ſpeculiren
und nachſinnen / er wird ſonſt in dem aͤuſſerlichen bildlichen
Grunde allein bleiben / und nichts mehr als eine gemahlte
Farbe davon erlangen / deñ die eigene Vernunfft ohne GOt⸗
tes Liecht Fan nicht in den Grund kommen / es tft ihr gar
nicht müglich/ das Ingenium fey fo hoch und ſubtil als es im⸗
mer wolle/fo ergreiffts doch nur einen Spiegel-glaft davon:
Denn Ehriftus fpricht : Ohne mic) Eönnet ihr nichts thun.
Item : £rfey das Liecht der Welt / und dasLeben deriiTenfchen.
2. Wileinerden Goͤttlichen Grund / als Goͤt tliche Offen⸗
bahrung forſchen / ſo ſoll er ſich zuworhin bedencken / zu was
Ende er ſolches begehre zu wiſſen / ob er auch das jenige / was
er moͤchte erlangen / begehre zu practieiren / und zu GOttes
Ehre und feines Mächiten Wohlfahrt anzulegen: Ob er auch
begehre der Irrdigkeit und eigenem YDillen abzujterben/ und
in dehme Das er ſucht und begehret/ zu leben / und ein Geiſt
mit ihm zu werden,
3. Wo er nichtfolchen Vorſatz hat / daß / ſo ſich GOtt ihme
mit ſeinem Beheimnüß offenbahrete / daß er wolle Ein Geiſt
und Wille mit ihm ſeyn / und ſich GOtt gantz ergeben / daß
Gottes Geiſt durch und mit ihme thue was er wolle / daß
R4 GOtt
224 Borrede an den $efer
GSOtt ſein Wiſſen / Wollen un Würden 36 iſt er noch nicht
geſchickt zu ſolcher Erkaͤntnuͤß und Verſtaͤndt nuͤß / denn ihrer
viel ſuchen nur Geheimnuͤß / daß fie wollen vor der Welt hoch
und anſehnlich geachtet ſeyn / nur zu eigenem Nutz / koömmen
aber nicht zu ſolchem Grunde / da der Geiſt alle Dinge / ja
auch die Tieffe der Gottheit forſchet / wie geſchrieben fteber.
4. Es muß nur ein gantz gelaflener Menſch und uͤbergebe⸗
ner Wille ſeyn / darinnen GOtt ſelber for ſchet und wuͤrcket /
welcher ſtaͤts in gelaſſener Demuth und Sinergeben zu GOtt
dringet / und anders nichts ſuchet / als fein ewiges Vatter⸗
land / und ſeinem Naͤchſten damit zu dienen / ſo mags wohl
erreichet werden / er muß es mit Buß⸗wuͤrckung und ernftern
Bebeth anfahen / daß ihm das Verſtaͤndnuͤß von innen auff>
gethan werde / alsdenn wird ſich Das Junere auch in das
Zuffere einführen.
5. Wenn er folche Schrifften liefet / umd aber nicht ver»
ſtehen kan / ſo ſoll er fienicht balde wegwerffen / und für una
maͤglich achten zu verftehen / er foll fein Bemäth zu GOtt
wenden / und ihn umb Benad und Derftand bitten /und wies
der lefen / fo wird er ſchon mehr darinnen fehen / biß er wird
endlich indieTieffe durch Gottes Krafft gezogen werden/und
in den uͤbernatuͤrlichen überfinnlichen Brund kommen / als
in die ewige Einheit GOttes / allda wird er ımaußfprechliche
wuͤrckliche Worte GOttes hoͤren / welche ihn werden zuruͤcke
durch den goͤttlichen Außfluß heraus fuͤhren / bißauff die groͤb⸗
ſte Materiam der Erden / und wieder hinein zu GOtt / alsdenn
forſchet der Geiſt GOttes alle Ding durch ihn und mit ihm /
und alſo iſt er recht von GOtt gelehret und getrieben.
6. Weil aber ein Clavis oder Schluͤſſel meiner Schrifften
von den Liebhabern begehret wird / ſo wil ich ihnen gerne zu
willen ſeyn / und eine kurtze Verfaſſung des Grundes darſtellen
wegen der frembden Woͤrter / welche theils aus der Natur /
als aus dem Senſu, genommen ſind / eines Theils auch fremb⸗
der Meiſter Worte ſind / welche ich nach dem Senſu probiret
und gut befunden habe.
7. Die Vernunfft wil ſich an Das ſtoſſen / wen fie von na⸗
tuͤrlichen Dingen manchmahl heydniſche Terminos und Woͤr⸗
ter zur Erklärung ſiehet / und meynet / man muͤſſe alleine Bib⸗
liſche Woͤrter brauchen / welche ſich doch allemahl zu gruͤnd⸗
licher Erklaͤrung der Sigenſchafften der Natur nicht ſchicken
wollen / weil man den Grund nicht kan darinnen außſprechen /
und
diefer Schriften. 225
und auch die weife Heyden und Juden den fieffen Grund der
Natur unter folchen Wörter verborgen gehalten / weil fie
wohl haben verjtanden / daß die Erkaͤntnůß der Natur niche
jedermans Ding fey/ ſondern allein dehm zugehöre / welchen
GoOtt durch die Natur habe darzu erfohren.
8. Es darff lich Tiemand daran ftoflen/dann wann GOtt
einem Menſchen feine Geheimnuͤß offenbahret / fo fähret ex
ihn auch in einen Sinn / wie er dieſelben ſoll außſprechen / wie
GOtt erkennet / daß es in jedem Seculo noth und beduͤrfftig
iſt / die verwirrete Zungen und Meynungen wieder auff den
Grund zu ſetzen: Und ſoll Niemand dencken / daß es ohnge⸗
faͤhr durch menſchliche Vernunfft geſchehe: Die Offenbah⸗
rung Goͤttlicher Dinge wird durch den mnern Grund der
geiſtlichen Welt eroͤffnet / und in ſichtbahre Formen gebracht /
wie es der Schöpffer offenbahren wil ·
9. Ich wil aber eine kurtze Erklaͤrung Goͤttlicher Offen»
bahrung ſchreiben / fo viel ich in der Enge begreiffen mag / und
die frembden Woͤrter erklaͤren zu mehrerer Verſtaͤndnuͤß der
andern Buͤcher / und eine Summamdiefer Schrifften / als eine
kurtze Formulam darſtellen / den Anfahenden sum Nachdenc⸗
—— Erklärung. Wird in den andern Buͤchern zuftn⸗
den ſeyn. ——
226. Clavis oder Schlüffel
- EXPLICATIO TERMINORUM.
Wie man GOT auffer der Natur und Creatur
betrachten fol.
a a I
NE HF )) Oyſes fpriht: Der HErr unſer
NZ GoOtt iſt ein einiger GOtt: Und
2 am andern Orth ſtehet: Bon
RO. thin/ durch ihn und in ihm find
N WI alle Dinge. Item: Bin nicht
N f
N
NVA
2. Darumb muß man fageı /
daß er aller Ding Urfprung fey >
SS Er ift die ewige + unmäplide
Einheit) als zum Erempel: &o ich dencke / was würde im Orth
diefer Welt bleiben / wenn die vier Elementa mit Dem Beftirne
ſambt der Natur weg kämen und auffhörten/ dag Feine Natur
oder Creatur mehr waͤre ? Antwort : Es bliebe diefelbige ewige
Einheit / daraus Natur und Ereatur ihren Urfprung empfans
gen. Alfo auch wenn ich dencke: Was iſt viel Hundert taufend
Meilen über dem Geſtirne /oder was ift an dem Orth da Fein
Geſchoͤpffiſt ? Es iſt die ewige / unwandelbahre Einheit/ welche
iſt das einige Gute / das nichts hinter ihm oder vor ihm hat / das
ihm etwas gebe oder nehme / oder Davon dieſe Einheit urſtaͤnde /
es iſt allda kein Grund / Zeit nochStelle / und iſt der einige GOtt/
oder dus einige Gut / das man nicht außſprechen kan.
Zernere Vetrachtung / wie diefer einige GOlt
Dreyfaltig ſey.
3. Te Heil. Schrift zeiget unsan/dafdiefer Einige GOtt
Dreyfaltig fey / als ein Einiges Dreyfaltiges Weſen /
das dreyerley Würdung habe / und doc, nur cin einiges
Weſen ſey wie man ſolches an der aufigefloffenen Krafft an allen
Dingen ſehen kan / wer das warnimmet.
4. Sonderlich iſt ein Bild amFeuer / Liecht und Lufft / welches
dreyerley Wuͤrckungen ſind / und doch nur ein einiger Grund und
Weſen
etlicher vornehmen Pundten &c. 227
Weſen iſt / und wie man fichet/ daß Feuer / Liecht und Lufft / aus
der Kertzen entſtehet / da doch die Kerge der keines iſt / und doch
sine Urfach zus folchem iſt / alfo auch die ewige Einheit die Urſach
und der Gruͤnd der ewigen Dreyheit / welche ich ausder ewigen
Einheit ſelber offenbahret / und in ein Wollen oder Willen / Luſt
und Außgang fuͤhret.
5 Das Wollen oder Willen iſt der Vatter / als die Offen»
—— oder Bewegung der Einheit / damit ſich die Einheit ſel⸗
erwil. m
6. Die Luſt iſt Ber Sohn) als das jenige/ das der Wille wil?
als feine Siebe und Wohlgefallen / wie bey der Tauffe Chrifti zız
fchenift/da der Battergeugete: Match. 3. v. 17. Diefer iſt mein
lieber Sohn / an den ih Wohlgefallen habe/ dehn ſollt ihr hören.
7. Die Luſt ift die Einfaßligkeit des Willens da fich der Wil
fe in der Einheit in eine Wuͤrckung und Stätte feiner ſelbſten
mit einfuͤhret / dadurch der Wille wuͤrcket und wil / eine Empfind⸗
ligkeit und Krafft des Willens.
8. Der Wille iſt der. Batter/als das Wollen; Und die Luſt iſt
der Sohn / als die Krafft und Wuͤrckung im Wollen / damit der
Wille würdet : und der Heil. Geiſt iſt der außgehende Wille
durch Die Saft der Krafft / als ein Leben des Willens / und der
Krafft / und der Luſt.
9. Alle fen dreyerley Wuͤrckungen aus der ewigen Einheit:
Abs die Einheit iſt das Wollen feiner ſelber / und die Luſt iſt ein
wuͤrcklich Wefen des Wollens / und einerwige Freude der Ema
pfindligfeitim Wollen/und der Heil. Geift iſt das Außgehen der
Krarft / wie man cine Gleihnüg ſiehet an einem Krauf:
10. Der Magnet als die effentialifche Begierde der Natur /
als der Wille ver Begierde der Natur) faſſet lich in eine Eſſentz
oder Wefen zu cinem Kraut/ und inder Saßligkeit der Begierde
wird die Begierde empfindlich als wuͤrckende /undin derſelben
Wuͤrckung entſtehet die Krafft / darinnen die magnetifche Be⸗
gierde der Natur / als der außgefloſſene Wille GOttes auff na>
türliche Arth wuͤrcket. In folder wuͤrcklichen Empfindligkeit
wird der magnetifche begierliche Wille erheblich und freuden=
reich) / und gehet von der würcdenden Krafft aus / davon entſtehet
der Wachsthumb und der Geruch des Krauts / und ſehen alfo die
Abbildung der Dreyheit GHttes in allen wachfenden und leben⸗
digen Dingen.
xı. Wann nicht eine folche begierliche Empfindligkeit und
außgehende Wuͤrckung der Sp yi inder ewigen Einheit a7
228 Clavis oder Schlüffel
fo wäre die Einheit eine ewige Stille / als ein nichts / und wäre
auch weder Natur noch Ereatur / auch keine Farbe noch Geſtalt⸗
nüg: Alfo auch in gleichem ware indiefer Welt nichts ohme dieſe
dreyerley Wuͤrckung / und möchte auch Feine Welt ſeyn.
Bom ewigen Wort GOttes.
22. Je H. Schrift ſpricht: GOit habe alle Dinge durch
fein Wort gemachet. Itew, das Wort ſey GOtt / Joh.x.
Dieſes verſtehet man alſo:
13. Das WoRT iſt anders nichts / als der aushauchende Wille
aus der Krafft / eine Schiedligkeit der Krafft in Vielheit der
Kraͤfften eine Zheilung und Ausfiug der Einheit / davon die
Wiſſenſchafft urftändet / denn in einem einigen Weſen / darins
nen keine Schiedligkeit ift / das nur eines iſt / da iſt feine Wiſ⸗
ſenſchafft / denn ob es waͤre / ſo wuͤſte es doch nur cin Ding / als
ſich ſelber; wann ſichs aber zertheilet und von einander ſcheidet /
fo gehet der ſcheidende Wille in Vielheit / und wuͤrcket eine jede
Abſcheidung in ſich ſelber.
14. Weil ſich aber die Einheit nicht mag treunen und außein⸗
ander weichen / ſo bleibet die Zerſcheidung im außhauchenden
Willn in der Einheit/ und gibt die Zerſcheidung des Hauchens
ar Unterſcheide / dadurch der ewige Wille/ ſamt der Luſt und
Außgang in Wiſſenſchafften der unendlichen Formen oder Ver⸗
ſtaͤndnuͤß eingehet / als in eine ewige / empfindliche / wuͤrckliche
fenfualifche Wiſſenſchafft der Kraͤfften / da in der Zertheilung des
Willens) inder Zerfcheidung ein Senfusoder Form des Willens
den andern ſchawet / fühlet / ſchmaͤcket / riechet und höret / und da
3 dech nursine fenfualifhe Wuͤrckung iſt / alsdas groffe Freu⸗
den⸗band der Liebe / und das wolthuende einige Weſen.
Vom heiligen Namen IFRLOVARH.
25. Je alten Kabbinen bey den Zuden haben etlicher maſſen
dieſes verftanden / denn fic haben geſagt / Diefer Name
ſey der Allerhöchlte Name GOttes / dämit man die
wuͤrckliche Gottheit im Senſuverſtehe / und es iſt wahr; denn in
dem wuͤrcklichen Senfu lieget das wahre Leben aller Dinge / in Zeit
und Ewigkeit / im Grund und Ungrund / und es iſt GOtt ſelbſt /
als die Goͤttliche / wuͤrckliche Empfindligkeit / Findligkeit /
Wiſſenſchafft und Liebe / als der wahre Urſtand in der wuͤrckli⸗
en Einheit / davon Die fuͤnff Sinne des wahren Lebens ent»
Feringen.
16. Jeder
etlicher vornehmen Pundten &c. 229
x6. Jeder Buchftab in dieſem Namen deutet an eine Krafft
und fonderfihe Wuͤrckung / als eine Form in der würdenden
Kraft. Das Liftder Ausilug der eigen ungerteennlichen Eins
heit/ als die füffe Heiligkeit / der Grund Göftlicher Ichtheit.
E if ein dreyfaches 1, da ſich die Einheit in emeDreyheit ſchleußt/
denn das I gehetins E,umd heiffet TE,als ein Hauchen der Einheit
en fich felber. Hift das Wort oder Hauchen der Dreyheit Gottes.
Oiftdie Circumfereng / alsder Sohn GOttes / dadurch) Das IE
mit dem H oder Hauchen aupfpricht / verftchet aus der gefaffeten
Luſt der Krafft. v iſt der freudenreiche Ausflug vom Hauchen /
als der ausgehende Geift GOttes. A iſt das Außgegangene von
der Krafft /alsdie Weißheit / ein Subjetum der Dreyheit / dar»
innen die Dreyheit würdet / darinnen die Drezheit offenbahr
iſt. Diefer Name ift anders nichts als ein Augfprechen der
dreyerley Würdung in der H. Drepfaltigkeit in der Einheit
Gottes/ Davon life reeiter in ter Erklärung der Tabellen von
den dreyen Prineipien Goͤttlicher Offenbahrung.
Von Goͤttlicher Weißheit.
37. Je heilige Schrift ſpricht: Die Weisheit fer dag
Hauchen Goͤttlicher Krafft/ ein Strahl md Odem
des Allnächtigen. Item: GOtt habe alle Dinge durch
feine Weißheit gemachet. Dit verftehet man alſo:
18. Die Weißheit it das außgefloſſene Wort Goͤttlicher
Krafft / Wiſſenſchafft und Heiligkeit ein Subjectum oder Ges
gemmwurff der ungruͤndlichen Einheit / ein Weſen / darinn der hei⸗
lige Geiſt wuͤrcket / formet und bildet; verſtehet / er formet und
bilder die Göttliche Verſtaͤndnuͤß in der Weißheit / denn ſie iſt
das Leydende / und der Geiſt GOttes iſt in ihr das Thuende oder
das Leben / gleich wie die Seele im Leibe.
9. Sie iſt das große Myſterium Goͤttlicher Arth/ denn in
ihr werden die Kraͤffte / Farben und Tugenden offenbahr: In ihr
iſt die Schiedligkeit der Krafft / als der Verſtaud / ſie iſt ſelber
der Goͤttliche Verſtand / als die Goͤttliche Beſchauligkeit / darinn
die Einheit offenbahr iſt: Sie iſt das rechte Goͤttliche Chaos,
darinnen alles lieget / als eine Goͤttliche Imagination, darinnen
die Idea der Engel und Seelen ſeind von Ewigkeit in Goͤttlicher
Ebenbildnuͤß geſehen worden; nicht als Creaturen / ſondern
einem Gegenwurff / wie ſich ein Menſch in einem Spiegel beſte⸗
het: deßwegen die englifche und menſchliche Idea aus der Meike
heit it gefloſſen / und inein Bilde formiret worden / wie Mopfes
| 87 faget:
230°. Clavisoder Schlüffel
faget : GOtt ſchuff den Menſchen zu feinem Bilde / das ift/er ſchuff
den Leib / und hauchete ihm ein den Odem Goͤttliches Ausflußes
Goͤttlicher Verſtaͤudnuͤß / aus allen dreyen Principien Goͤttlicher
Dffenbahrung. "
Vom Myfterio Magno.
20, As Myfterrum Magnum ift ein Subjedtum der Weiß
heit / da dashauchende Wort oder die wuͤrckende wol⸗
lende Krafft Böttlicher Verſtaͤndnuͤß durch die Weiß⸗
heit ausfleuft darinnen auch die Einheit GOttes zu feiner Offen»
bahrung mit ausjleuft / den im Myfterio Magno urftändet die
ewige Natur/ und werden im Myfterio Magno allezeit zwey We⸗
fen und Willen verftanden.
21. Alsdascine Wefeniftdie Einheit GOttes / als Göttliche
Kraft / die außfliegende Weißheit. Dasander Weſen ift der
ſchiedliche Wille / welcher durch das hauchende ausfprechente
Wort entſtehet / welcher feinen Grund nicht in der Einheit hat /
fondern in der Bewegligkeit des Ausflußes oder Aushauchens /
welcher Jich ins eigen Wollen und in Begierligkeit der Natur
einfuͤhret / als in Eigenfchafften biß ans Feuer und Liecht / da im
Feuer das natuͤrliche Leben verſtanden wird / und im Liecht das
heilige Leben / als cine Offenbahrung der Einhert / Dadurch die
Einheit ein Liebe-Feuer oder Liecht iſt: amd an dieſem Ort oder
Wuͤrckung nennet ſich GOtt einen lieben barmhertzigen GOtt/
nach der geſchaͤrfften Feuer⸗brennenden Liebe der Einheit / und
einen zornigen eyferigen GOtt / nach dem feuriſchen Grunde
nach der ewigen Natur. —
22. Das Myfterium Magnum iſt das Chaos, daraus Liecht
und Finſternuͤß / als das Fundament des Himmels und der Hoͤl⸗
fen von Ewigkeit gefloſſen und offenbahr werden iſt: Denn das
Fundament/das wir jetzo Hölle heiſſen / als ein eigen Principium,
iſt der Grund und Urſache zum Feuer in der ewigen Natur / wel⸗
ches Feuer in GOtt nur cin Liebe-brennen iſt / und wo GOtt
nach der Einheit nicht offenbahr iſt in einem Ding / ſo iſts ein
peinlich Feuer⸗brennen. Dieſes Feuer⸗brennen iſt nur eine Of⸗
ſenbahrung des Lebens und der Goͤttlichen Liebe / dadurch ſich die
oͤttliche Liebe / als die Einheit / uͤber⸗inflammiret und ſchaͤrffet
gu einer feuriſchen Wuͤrckung der Krafft GOttes.
23. Dieſer Grund wird darumb Myſterium Magnum genañt /
oder ein Chaos, daß daraus Boͤſes und Gutes ürſtaͤndet / als
Liecht und Finſternuͤß / Leben und Tod / Freude und Leyd Be
igke
etlichervornehmen Pundten &c. 232
ligkeit und Verdamnuͤß / denn es iftder Grund der Seelen und
Engel/ und aller ewigen Ereaturen/ böfer und gute; Ein Grund
des Himmels und der Höllen / und der ſichtbahren Welt / fambe
allen dem was da ift/da alles ift in einem einigen Grundgelegen/
gleich wie das Bildim Baum / che esder Künftler ausfchnigee
und formiret / da man vonder geiftlichen Welt doch nicht fagen.
Fan / daß fie habe Anfang genommen) fondernift von Ewigkeit
aus dem Chaos offenbahr worden; denn das Liecht hatvon Ewig⸗
feit inder Finſternuͤß gefchienen / unddie Finfternäg hats nicht
begriffen/wie Tag und Rachfincinander/und doch zwey in einein
find : Ich muß nur alſo abtheilig fchreiben / als haͤtte es alſo ei⸗
nen Anfang genommen / dem Goͤttlichen Grunde Goͤttlicher Of⸗
ſenbahrung nachzuſinnen / wie man ſoll Natur und Gottheit un⸗
terſcheiden zu mehrerm Verſtande / woher Böfes und Gutes
kommen fey / was das Werfen aller Weſen fen.
Vom Centro der ewigen Natur.
24. It dem Worte Centrum verſtehet man den erſten An⸗
2% fang zur Natur [als den innerſten Grund/ da fich der
eigene entſtandene Wille in cine Annemligkeit zur
Ichtheit einführet / als in einnatürliches Wuͤrcken / denn die
Natur ift nur ein Werckzeug GOttes / damit GOttes Krafft
uͤrcket und hat doch eigene Bewegligfeit vom ausgefloffener
illen GOttes: Sieift das Centrum,der Punct oder Grund
der eigenen Annemligkeit zur Ichtheit / davon etwas wird / als
daraus die ſieben Eigenfchafften urftänden.
Bon der ewigen Natur /umd ihren fieben
| Eigenſchafften.
25. Je Natur iſt anders nichts / als Eigenſchafften der
Annehmligkeit der eigenen entſtandenen Begierde /
welche Begierde in der Schiedligkeit des hauchenden
Workts / als der hauchenden Krafft entſtehet / da ſich die Eigen⸗
ſchafften ins Weſen einfuͤhren: So heiſſet daſſelbe Weſen ein
natürlich Wefen/ und iſt nicht GOtt ſelber / denn GOtt durch⸗
wohnet wohl die Natur / aber die Natur begreiffetihunur fe |
weit/ als fih die Einheit GOttes mit indas natürliche Weſen
eingiebet / und auch wefentlich machet / als ein Liecht⸗Weſen
roelches in der Ratur infich felber wuͤrcket und die Natur durch:
dringet und penerriret/ fonftiftdie Einheit GOttes der Natur?
als per begierlichen Annehmligkeit unbegreifflich.
2 53 20, Die
232 Clavis oder Schluͤſſel
26. Die Ratur entftehet in denraufgefloffenen Wort&ättlichee
Empfindligkeit und Wiſſenſchafften / und iſt eine ſtaͤtswaͤrende
Bildung und Formirung der Wiſſenſchafften und Empfindts
nuͤh: Was das Wort durch die Weißheit würdet} das bildet
und formiret die Natur in Eigenfchafften.
27. Ste ift wie der Zimmermann / welcher das Haus bawet/
welches das Gemuͤth hat zuvorhin in fich gemodelt; alfo auch al»
hier zuverftehen / was das ewige Gemuͤth in der Weißheit GOt⸗
tes in der Goͤttlichen Krafft modelt / und in eine Ideam fuͤhret /
das bildet die Natur in eine Eigenſchafft.
28. Die Natur ſtehet in ihrem erſten Grund in ſieben Eigen⸗
ſchafften / und theilen ſich die Sieben in unendlich aus.
29. Die erſte Eigenſchafft der Ratur iſt die Begierde / die ma⸗
chet Herbe / Schaͤrffe / Haͤrte / Kaͤlte und Weſen.
30. Die andere Eigenſchafft iſt die Bewegnuͤß oder Einziehen
der Begierde / die machet Stechen / Brechen und Schneidung der
Härte ; die zerſchneidet die angezogene Begierde / und bringet fie
in Vielheit / und ift ein Grund des bittern Wehes /und auch die
wahre Wurtzel zum Leben / und iſt der Wulcanus zum Feuer⸗auffs
ſchlagen.
32. Die dritte Eigenſchafft iſt die Einpfindligkeit in der Zer⸗
brechung der herben Haͤrte / und iſt der Grund der Angſt und des
natürlichen Willens / darinnen der ewige Wille wil offenbahr
werden / das iſt / er wil ein Feuer und Liecht / als ein Blitz oder
Glantz ſeyn / darinnen die Kraͤffte / Farben und Tugenden der
Weißheit erfiheinen. In dieſen erſten drey Eigenſchafften ſtehet
das Fundament des Zorns und der Hoͤllen / und alles deſſen was
grimmigift.
32. Dievierdte Eigenfchafft ift das Feuer / darlnnen die Eins
Beit im Siccht erfcheinet / als in einem Liebe-brennen / und der
Srimmift des Feutrs Eſſentz.
33. Die fünffte Eigenfchafft ift das Liecht mit feiner Liebe⸗
—* } darinnen die Einheit in einem natürlichen Weſen mit⸗
wuͤrcket.
34. Die ſechſte Eigenſchafft iſt der Schall oder Hall / oder die
natürliche Verſtaͤndnuͤh / darinnen die fuͤnff Senſus geiſtlich
wuͤrcken / als in einem verſtaͤndigen Natur⸗leben.
35. Die ſiebende Eigenſchafft iſt das Subjectum oder Umb⸗
flug der andern ſechs Eigenſchafften / darinnen ſie wuͤrcken /
wie das Leben im Fleiſch / und heiſſet billich die Siebende / der
Grund oder die Staͤtte der Natur / darinnen die Eigenſchafften
zn einem Grund ſtehen. 36. In
etlicher vornehmen Pundten &c. 233
36. In dieſen fieben Eigenfchafften mug man allemahl zwey
Weſen verftchen. Als erftlich nach dem Abgrund. Durch folche
Eigenfhafften verſtehet man das Göttliche Weſen / als den
Goͤttlichen Willen / mit der ausflieffenden Einheit GOttes /
welche mit durch die Natur austleuft / und lich in Annemligkeit
zur Schärffeeinführet/ dadurch die ewige Liebe empfindlich und
wuͤrcklich ſey / und daß fie etwas habe / das Da leydende iſt / darin⸗
nen Nie ſich möge offenbahren / und darinnen fie erkannt werde /
davon ſie wieder geliebet und begehret werde / als die peinlich ley⸗
dende Natur / welche inder Liebe in eine ewige Freudenreich ges
wandelt wird: Nenn lich die Liebe im Feuer im Liecht ofſenbah⸗
ret / fo überdanmee fie Die Natut / und durchdringet fie wie die
Sonne ein Kraut / und das Feuer das Eifen.
37: Das ander Weſen iſt ver Natureigen Weſen / welches
peinlich und [endende ift / und ift der Werkzeug des Wuͤrckers /
denn wo feine Leydenheit iſt / da iſt auch Feine Begierde nach der
Erlöfung oder etwas Beſſers / und wo nun keine Begierde nach
etwas Beffersift / allda inuen ruhet ein Ding in fich felber / und
daruuib führet ſich die ewige Einheit durch ihres Ausflug und
Schiedligfeit in Natur / auff dag freeinen Gegenwurff habe /
darinnen fie fich offenbahret/ auff das ſie etwas liebe und wies _
derumb von dem Etwas geliebet werde / daß alſo ein emp findlich
Wuͤrcken und ein Wollen ſey.
Erklärung der ſieben Eigenſchafften der
ewigen Natur.
38. Je erſte Eigenſchafft iſt die Begierligkeit / gleich tinem
Magnet, als die Einfaßligkeit des Willens / da der
Wille etwas ſeyn wil / und hat doch Nichts / daraus
er ihm etwas mache ; fo führet er ſich in eine Annehmligkeit feiner
ſelbſten / impreſſet und faſſet fich felber zu einem Efwas / und das
Etwas ift doch nichts / als nur ein magnerifcher Hunger / eine
Herbigkeit / gleich einer Härte / davon auch Härte / Kälte und
Weſen entfiehet. Diefes Impreflen oder Anzichen beſchattet ſich
felber / und machet fich zur Finfternüß / welches auch der Grund
der ewigen und zeitlichen Fin ſternuͤß iſt: Durch diefe Schärfe
iſt im Anfang dieſer Welt entftanden Salg / Steine! Beine /
und alles was deine gleichet.
39. Die andere Eigenfchafft der steigen Natur entftchet aus
der erſten / und iſt das Zichen oder Bewegen inder Schärffe 7
denn der Maguer machet Haͤrte und die Bewegung — die
Harte
234 . Clavisoder Schlüffel
Haͤrte wieder / und ift einimmerwägrender Streit in fich flber/
denn was die Begierde faffet und zu Etwas machet / das zer⸗
fchneidet die Bewegnüß / Daß es in Form und Bildung kommet.
Zwiſchen diefen beyden Eigenſchafften entftchet das bittere Wehe /
als ein Stachel der Empfindligkeit: Denn ſo eine Bewegnuͤß in
der Schaͤrffe iſt / ſo iſt die Eigenſchafft peinlich / und dieſes iſt
auch die Urſach aller Empfindligkeit und Wehethuns; denn ſo
Pe Schärfe und Bewegnuͤß waͤre / fomwäre feine Empfind⸗
igkeit.
40. Diefe Bewegnuͤß iſt auch ein Grund der Lufft in der ſicht⸗
bahren Welt / welche durchs Feuer offenbahr wird / wie hernach
ſoll gemeldet werden.
42. Alſo verſtehen wir / daß die Begierligkeit ſey der Grund
zur Ichtheit / daß aus Nichts Etwas wuͤrde / wie uns denn zu be⸗
trachten iſt / dag fie der Anfang dieſer Welt geweſen ſey / dadurch
GHttalle Dinge habe ins Weſen gebracht / denn ſie iſt daſſelbe /
durch welche GOtt ſprach: Es werde ; Sie iſt das Werden / das
da gemachet hat da nichts war / als nur ein Geiſt: Sie hat das
Myſtetium Magnum, welches geiſtlich iſt / ſichtbahr und weſent⸗
lich gemachet / wie an den Elementen, Sternen und Creaturen
zu ſehen iſt.
42. Und die andere Eigenſchafft / als die Bewegnuͤß iſt im An⸗
fang diefer Welt der —— oder Scheider in den Kraͤfften
geweſen / damit der Schoͤpffer / als der Wille GOttes / hat alle
Dinge aus dem Myſterio Magno in eine Form gebracht / dann
ſte iſt das außgefloſſene bewegliche Wort / dadurch der uͤberna⸗
türliche GOtt hat alle Ding gemacht / und in Bildung gebracht.
43. Die dritte @igenfchafft der ewigen Natur ift die Angſt/
alsdas Wollen: Das hat fich in Annehmligfeit zur Natur und
Ichtheit eingeführet/ da der eigen Wille in der feharffen Beweg⸗
tigkeit ſtehet / fo Eomt er in Angft /als in die Empfindligfeit /
dann auffer der Natur mager nihtempfindlich ſeyn; aber inder
beweglichen Schärffe wird er empfindlich / und dieſe Empfind⸗
ligkeit ifidie Urfach des Feuers /aud) des Gemuͤths und der Sins
nen / denn der eigen natürliche Wille wird Dadurch fliehende/ md
fuchet Ruhe ; alfo gehet Die Schiedfigkeit des Willens von fich
aus / und durchdringet die Eigenſchafften / davon der Schmad
in der Schärffe urſtaͤndet / dag cine Eigenfihafft die andere
ſchmaͤcket und empfindet / und iſt auch der Grund und die Urſach
der Sinnen /dafeine Eigenfihafft in die ander eindringek / und
die ander entzündet / dag der Wille erkennet / wovon die gt
ı
etlicher voruchmen Pundten &c. 275
heit koͤmmet: Dennfonicht Empfindligkeit wäre / fo müfte ver
Wille nichts von Eigenfchafften/ denn er wärenur einig / und
alfo nime der Wille Natur in fich / in dehme er die ſcharffe Bes
wegnůͤtz in ſich empfindet.
34. DiefeBewegnüß ift in fich gleich einem drähenden indes
Nicht daß ein ſolch Draͤhen fey / ſondern alſo ifts in den Eigen⸗
ſchafften / denn die Begierde zeucht in ſich und die Bewegnüg
dringet aus ſich / fo Fan der Wille in folcher Angft weder in ſich
noch aus ſich / fo wirds doch aus fich und in fich gegogen/ fo bleibets
eine Geftalt / welche in fich und aus fich wil / das ift über fich und
unter ſich / und Fan doch nirgend hin / fondern iſt eine Angft und
das wahre Fundament der Hölkn und GOttes Zorns /da dieſe
Angſt ſtehet inder finftern ſcharffen Bewegnuͤß.
45. Aus dieſem Grunde iſt in der Schoͤpffung der Welt der
Schwefel⸗ geiſt ſambt der Materia der ſchwefelichen Arth entſtan⸗
den / welcher Schwefel⸗geiſt das natuͤrliche Leben der irrdiſchen
und elementiſchen Creaturen ift.
4060. Die weiſen Heyden haben dieſen Grund etlicher maſſen
verſtanden / dann ſie haben geſaget: Im Schwefel / Queckſilber
und Saltz beſtuͤnden alle Dinge in dieſer Welt: Damit haben
ſie nicht allein auff die Materiam geſehen / ſondern auff den Geiſt /
Davon die Materia entſtehet / denn ine Grund beſtehet nicht im
Salt / Queckſilber und Schwefel / fie meynen das nicht /fonderre .
den Beift folcher Eigenfchafften/ darinnen ja alles beftchet / was
in diefer Welt lebet / wächfet und ift/ cs ſey gleich ſpiritualiſch oder
materialifch : Denn mit dem Sals deuten fie an die fcharffe ma-
gnetiſche Begierde der Natur) und mit dem Queckſilber deuten fie
andie Bewegnüg und Scheidung der Natur/dadurch jedes Ding,
bezeichnet und gebildet wird : Und mit dem Schwefel haben fie
‚das empfindfiche/wollende/wachfendegeben angedeutet : Denn inz
Schwefel⸗geiſt lieget das Dehl / darinn das Feuer-leben brennetz
und im Oehl lieget die Quinta Effentia ‚als der fulphurifihe Mer- _
curius, das rechte chen der Natur / welches ein Außfluß vonz
Wort Göttlicher Krafftumd Bewegnuͤß ift/darinnen der Grund
des Himmels verftanden wird / und inter Quinta Eſſentia lieget
"Die Tinctur, als der paradififhe Grund / das aufgefloffene Wort
Goͤttlicher Krafft / darinnen die Eigenſchafften in ver Gleich»
heit liegen.
47- Alſo verſtehen wir mit der dritten Eigenſchafft der Na⸗
tur /als mit der Angſt die Schärffe und Peinligkeit des Feuers }
als das Brennen und verzehren! dann fo der Wille in folche
Schaͤrfft
236 Clavis oder Schläffel
Schärffe gefeket wird / fo wil er immerdar die Urſach folder
Schaͤrffe verzehren / Dann er dringet immerdar wieder nach der
Einheit GOttes / als nach der Ruhe / und die Einheit dringet mit
iprem Ausflug zu dieſer Bewegnuͤß und Schaͤrffe / und ift alfo
eine ſtaͤtswaͤhrende Zufammenfügung zur Offenbahrung Goͤtt⸗
liches Willens / wie man dann im diefen dreyen / als im Salt
Schwefel und Oehl allezeit cin Himmlifches findet in dem Irr⸗
diſchen / wer das recht verftchet / und dem Geift nachfinnet : denn
in der Schärffe lieget die Seele eines Dinges / und in der Be»
wegnüß lieget das wahre Leben der finnlichen Arth / undim Oehl
des Schwefels lieget der Eräfftige Geift / welcher aus der Tinctur
urſtaͤndet. Alfo liege allezeit in dem Irrdiſchen cin Himlifches
verborgen / dann die unfichtbahre geiftlihe Welt ift in der
Schöpffung mit außgefloſſen.
48. Die vierdte Eigenfchafft oder Geſtalt der ewigen Natur /
tft das geiffliche Feuer / darinnen das Liecht / als die Einheit /
offenbahr wird /dann der Glan des Feuers urftändet von der
außgefloffenen Einheit / welche Jich hat mit in die natürliche Be⸗
gierde eingegeben / ımd des Feuers Quaal und Brennen / alsdie
Hitze / urſtaͤndet von der fharffen Verzehrligkeit der drey erften
Eigenfharften. Diefes gefchicht alſo:
49. Die ewige Einheit / weiche th ſonſten in etlichen meinen
Schriften die Frepheit nenne) iſt die fanffte Stille/ und lieblich /
gleich einem fanfften Wohlthun / und das man nicht außfprechen
mag/ was füreine Saͤnffte auffer der Natur in der Einheit
GoOttes ſey / und die drey Eigenfchafften zur Natur feynd Icharff/
peinlich / ſchrecklich; in diefen drey peinlichen Eigenfchafften fte>
het der außgefloſſene Wille / welcher durchs Wort oder Göttliche
Hauchen entſtanden iſt / und ſtehet auch die Einheit darinnen:
So ſaͤhnet ſich der Wille nach der Einheit / und die Einheit ſaͤhnet
ſich nach der Empfindligkeit / als nach dem feuriſchen Grunde /
alſo ſaͤhnet eines in das ander / und wann das gefchicht verſtehe
das Saͤhnen / ſo iſts wie ein Schrack oder Blitz / gleich als riebe
man Stahl und Stein aneinander / oder goͤſſe Waſſer insFeuet /
im Gleichnuͤß geredet.
so. Zur dieſem Blick empfindet die Einheit die Empfindlig ·
keit und der Wille empfähet die fanffte Einheit /alfo wird die
Einheit ein Glaſt des Feuers / und das Feuer wird ein Liebe⸗
Pt denn es empfaͤhet Ellentz oder Kröfft von der ſanfften
inheit.
se. In ſolchet Anzuͤndung wird die Finſternuͤß der man tie
en
©
etlicher vornehmer Punden &c. 237
{hen Impreflion oder Einfagligkeit mit dem Liecht durchtrungen/
daß fie nicht mehr erkannt wird / ob jiewohlin der Impreflion in
fich felber ewig bleibet. |
52, Undentftchen alhier zwey ewige Anfänge) als die finftere
herbe Schärfe und Pein in fich felber wohnende/ und die em⸗
pfindliche Krafft der Einheit im Liecht / davon die Schrift faget :
GOtt als die ewige Einheit/ wohnet in einem Liecht / darzu
Niemand kommen Fan / denn alfo offenbahret ſich die ewige
Einheit GOttes durchs geiftlihe Fewer im Liecht / und daffelbe
Liecht wird Mafeftät genannt / und GHtt als die übernatürliche
Einheit ift die Kraft darinnen. Denn von der Einheitempfähet
diefes Geift-feuer Ens, daß es ſcheinet / fonft waͤre der Feuer⸗
grund nur ein peinlicher / ſchroͤcklicher Hunger / und ſtachlichte
Begierde: Wie es denn auch alſo iſt / wo ſich der Wille von der
Einheit abbricht / und eigener Begierde leben wil / wie die Teu⸗
fel gethan haben / und auch die falſche Seele thut.
53. Alſo verſtehet alhie zwey Principia, als das Erſte im
Grunde zum Feuerbrennen / als in der ſcharffen / beweglichen /
empfindlichen / peinlichen Finſternuͤß in ihm ſelber: Und das
Ander im Liecht des Feuers / darinnen die Einheit in Beweg⸗
ligkeit und Frewde komt.
54. Denn dus Feuer iſt ein Gegenwurff der groſſen Liebe der
Einheit GOttes: Denn alfo wird die ewige Luſt empfindlich /
und dieſe Empfindligkeit der Einheit Heiffer Liebe / als ein Bren⸗
nen oder Leben in der Einheit GOttes / und nach ſolchem Liebe⸗
brennen heiſſet ſich GOtt einen barmhertzigen lieben GOtt / denn
die Einheit GOttes liebet oder durchdringet den peinlichen Wil⸗
len des Feuers / welcher anfaͤnglich iſt im Hauchen des Worts
oder Außgang goͤttlicher Luſt entſtanden / und wandelt ihn in die
groſſe Frewde / und in dieſem feuriſchen Willen der ewigen Nas
tur ſtehet die Seele des Menſchen und auch die Engel / dieſes iſt
der Grund und Centrum.
55. Darumb fo ſich eine Seele von GOttes Liecht und Liebe
abbricht / und in eigene natürliche Begierde eingehet / fo wirdin
ihr der Grund ſolcher Finſternuͤs und peinlichen Quaaloffenbahr /
und dieſes iſt das hoͤlliſche Fewer und GOttes Zorn / fo der offen⸗
bahr wird / wie im Lucifer zuſehen iſt: Und was num in der
Ereatur überal zudencken ift dag es ſey / das iſt auch außer der
Creatur überall / denn die Ereatur ift anders nichts / als ein
Bilde oder Figur der fchiedlichen Kraffs des gantzen Weſens.
56. Alfo verſtehet nun recht wasder Fewer⸗grund Mm
Kulm nehme
238 Clavisoder Schluͤſſel
nchmlic Kältevonder Impreflion ‚und Hige vonder Angft/ und
Die Bewegnuͤß ift der Vulcanus. In dieſen dreyen ſtehet das Feu⸗
er/ aber des Liechtes Glan urftändet von der Zufammenfüs
gung der Einheit im Fewer-grunde / und iff der gange Grund
doch nur der außgefloffene Wille,
57. Darumb ſtehet im Feuer und Liecht das Schen aller Din
ge/ als im felben Willen es fey gleich in den Stummen als
Wachfenden/oder Bernünfftigen/alles nach dem das Feuer einen.
Grund hat/ entweder von dem Ewigen/ als die Seele / oder
von dem Zeitlichen / als die aftralifche / elememtifche: Denn ein
ander Feuer iſt das ewige / und ein anders das zeitliche / wie
hernach follangezgeiget werden.
58. Die fünffte Eigenfchafft ift num das Liebe-ſeuer oder des
Liechtes Krafftſund Welt / welche inder Finfternüßin fich ſelber
wohnet / und die Finfternüg begreiffet fie nicht/wie Joh.x. ſtehet:
Das Liecht feheinet inder Finſternuͤß / und die Finfternüt ha⸗
bene nicht begriffen. Item: Das Wert ift im Sicht / und im
Wort ift das wahre verftändige Sehen des Menſchen / als der
wahre Geift.
59. Aber dieſes Feuer ift die wahre Seele des Menfchen / als
der wahre Geift/ welche GOtt dem Menfchen zu einem creatuͤr⸗
Tichen Leben einbließ: Alſo verfteher im Geiftlihen Willen- Feuer
die wahre begierliche Secle auß dem ewigen Grunde; und im des
Sicchtes Krafftden wahren verftändigen Geift/ in welchem die
Einheit GOttes wohnet und offenbahr ift / wieder Herr Chris
ftus faget: Das Reich GOttes ift inwendig ineuch / Luc. 17.
Item baulus: Ihr feyd Tempel des H. Geiftes / der in euch
wohnet.
60. Diefe iſt die Stätte göttliher Einwohnung und Offen⸗
kahrung/ und alfo mag auch die Gecle verdammet werden / fo fich
der feurifche Wille von GOttes Siebe und Einheit abbricht / und
in fein natürlich Eigenthumb / als in feine böfe Eigenfchafften
eingchet. O Zion / mercke diefen Grund / ſo biſtu loß von Babel!
‚6x. Mit dieſer fuͤnfften Eigenſchafft wird das andere Princi-
—— als die Engliſche Welt oder die Thronen verſtanden /
enn es iſt die Bewegnuͤß der Einheit / da alie Eigenfchafften ver
feurigen Natur in Hebe brennen.
62. Ein Gleichnuͤß dieſes Grundes fichet man an einer ange⸗
zuͤndeten Kertzen: In der Kertzen liget aͤlles ineinander und iſt
doch keine Eigenſchafft vor der andern offenbahr / biß ſte ange⸗
Fuͤndet wird / fo ſiehet man ein Feuer / Oehl / Liecht / Lufft *
Waſ⸗
etlicher vornehmer Pundten&c. 239
Waſſer aus der $ufft/ es werden alle vier Elementa darinnen
affenbahr/welche zuvor in einem einigen runde verborgen ligen.
63. Alfo auch imgleichen ift indem ewigen Grunde nachzujins-
nen / denn das zeitliche Weſen ift aus dem Ewigen gefloffen /
darumb hat eines cine Eigenfchafft wie dasander/ nur dag eines
ewig / das ander vergäanglich aſt / eines geiſtlich Das ander
leiblich.
—— das Geiſtliche Feuer und Liecht angezündet wird /
als es denn von Ewigkeit je gebrannt hat / ſo wird auch immer
und ewig die groſſe Verborgenheit Goͤttlicher Krafft und Wiſ⸗
ſenſchafft darinnen offenbahr / denn im Feuer werden alle Eigen⸗
ſchafften der ewigen Natur geiſtlich / und bleibet auch doch die
Natur inwendig in ſich als ſie iſt aber der Außgang des Willens
wird Geiſtlich / denn im Feuer⸗ſchrack oder Blick wird die finſte⸗
re Annehmligkeit verzehret / ſo gehet aus der Verzehrung aus der
pur⸗klare Feuer-⸗Geiſt / mit dem Liecht⸗glantz durchtrungen / und
verſtehen in ſolchem Außgang dreyerley Eigenſchafften: als uͤber⸗
ſich gehet der feuriſche Wille / und für ſich / als in der mitten gleich
einem Centro des feuriſchem Willen⸗Geiſtes / gehet der oͤhliſche
Geiſt / als der Ens der Einheit GOttes auf / welcher in der Bes
gierde der Natur iſt in ein Weſen gangen / und unten als im Sinc⸗
ken gehet der Waſſer⸗geiſt auß / als die Sanfftmuth / und da es
doch nur alles Geiſt und Krafft iſt / aber alſo ſtehets in der Figur
der Offenbahrung / nicht dag eine Abtrennung geſchehe / fordern
iſt nuralfo in der Offenbahrung.
65. Dieſe dreyerley Offenbahrung gefchicht nach der Drenheit/
Denndas Centrum, darinnen es fichet / iſt der einige GOtt nach
feiner Offenbah rung: Überzfich gehet der Feuer⸗flammende Liebe⸗
Geift / und unter fich gchet die Sanfſftmuth aus der $iche / und
in mitten ftchet das Centrum , das ift die Circumfereng / als der
Vatter oder gange GOtt nad feiner Otfenbahrung; und wie es
in Göttlicher Offenbahrung zuerfennen ift / alfo auch in der ewi⸗
gen Natur / nad) der Natur Eigenheit / denn die Natur iſt nur
ein Gegenwurff der Gottheit.
66. Alfo ift uns ferner zu erkennen die Natur. Der Blick des
Feuers Urftand iſt ein Schrack / ein Salnirrifcher Grund / da die
Natur in unendliche Tpeiligkeit außgehet / alsin die Viele der
Kräfften / davon auch dievielerley Engelund Geifter / fo wehl
Sarbenund Würdkungen find entftanden / fo wohl auch die vier
Elementa im Anfang der Seit / denn Das Temperament des Feu⸗
ers und Liechts ift das heilige Element / als die — en
ie
240 Clavis oder Schlüffel
Liecht der Einheit; Aber durch dieſen Salnitriſchen Grund (ver⸗
ſtehets Geiſtlich und nicht irrdiſch) entſtehen viet Elementa, als
in der Impreſſion des feuriſchen Mercurii die Erde und Steine;
und in der Fünfften Efleng des feuerifhen Mercurii das Feuer
und der Himmel / und in der Bewegnuͤß oder Außgang die Lufft /
und in der Zerſprengung der Begierligkeit durchs Feuer das
Waſſer.
67. Der ſeuriſche Mercurius iſt ein trucken Waſſer / der hat
Metallen und Steine gebohren; Aber der Zerſprengte durch die
Ertödtung im Feuer hat das Waſſer gebohren / und die Impref-
ſion hat die grobe Rawigkeit in Erde bracht / welche cin grober
SalnitrifcherSaturninifcher Mercurius it. Mit dem Wort Mercu-
rius follet ihr allyier im Geift allegeit das außgefloſſene natürliche
wuͤrckende Wort Gottes verftchen/welches der Separator, Schei⸗
der und Former aller Weſen ift gewefen / und mit dem Wort Sa-
£turnus die Impreflion.
68. In der fuͤnfften Eigenfchafftals im Liecht / ift die ewige
Einheit weſentlich / als ein heilig / geiſtlich Feuer / ein heilig Liecht /
eine heilige Lufft / welche nur Geiſt iſt. Item, ein heilig Waſſer /
welches die außflieſſende Liebe der Einheit GOttes iſt: Item eine
heilige Erde / welche nur eitel Krafft und Wuͤrckung iſt. Dieſe
kuͤnffte Eigenſchafft iſt die wahre Geiſtliche engliſche Welt der
Goͤttlichen Freuden / welche in dieſer ſichtbahren Welt verborgen
sit.
N Die fechfte Eigenfchafft der ewigen Natur ift der Schall)
Hall oder die Verſtaͤndtnuͤß / deñ imgeuer-blig werden die Eigen⸗
ſchafften alle lautbahr: Das Feuer iſt der Mund der Eſſentz / und
das Liecht iſt der Geiſt / und der Schall iſt der Verſtand / darin⸗
nen die Eigenſchafften einander alle verſtehen.
70. Nach der Offenbahrung der H. Dreyfaltigkeit / mit dem
Außfluß der Einheit iſt dieſer Schall oder Hall das Goͤttliche
wuͤrckende Wort / als der Verſtand in der ewigen Natur / dadurch
ſich die uͤbernatuͤrliche Wiſſenſchafft offenbahret / und nach der
Natur und Creatur iſt er die Erkaͤntnuͤß GOttes / darinnen der
natuͤrliche Berſtand GOtt erkennet. Dan der natuͤrliche Berſtand
iſt ein Gegenwurfſ und Außfluß auf Goͤttlicher Verſtaͤndtnuͤß.
71. In dem natürlichen Verſtande liegen die fuͤnff Sinnen
geiftlicher Art: Und inder andern Eigenfchafft / als in der Be⸗
wegnuͤß / alsim Feuriſchen Mercurio ligen fie natürlicher Art.
Die ſechſte Eigenſchafft gibt die Berftändtnäg im Hal) als
in der Rede des Worte / und die andere Eigenfchafft ‚'e
—* er
Micha vornehmen Pundten &c. 247
Ber Führer / als das Gchäufe oder Werdzeuge der Rede oder
Des Halles. *
72. In der andern Eigenſchafft iſt die Krafft peinlich / in der
ſechſten Eigenſchafft iſt ſie frewdenreich / und iſt Doch kein anderer
Unterſcheid zwiſchen der andern und ſechſten Eigenfchafft / als
nur das Siccht und Finfternüß / und flehen in einander wie Feuer
und Liecht / und find auch fo weit nur unterfcheiden.,
73. Die fiebende Eigenfchafft iſt das Wefen / als ein Subje-
&um oder Gchäufe der andern fechs / darinnen fie allewefentlich
find / wie die Seele mit dem Leibe / und ift fürnemlich nach der
Sicht: Welt das Paradeif oder Grünen der würdenden Krafft
Damit zuverfichen / denn eine jede Eigenfhafft machet ihr ein
Subje&um oder Gegenwurff mit ihrem felbft- Ausflug / undin
der fiebenden ftehen alle Eigenſchafften im Temperamento ‚als in
einem einigen Weſen: Gleich wie fie aus der Einheit alle ent=
ſpringen / alfo gehen te wieder alle in einen Grunde ein/ und ob
fie gleich in unterfchiedlicher Arth und Eigenfchafften würcken/ fo
iſt es doch allhier nurein cinig Weſen / deffen Krafft Heiffet Tin-
&ur, als ein heilig penerrirend Weſen.
74. Nicht dag die Siebende Eigenfchafft die Tinctur ſey / ſon⸗
dern ſie iſt das Corpus darzu: Des Feuers und Liechts Krafft iſt
die Tinctur mit dem weſentlichen Leibe / aber die ſiebende Eigen⸗
ſchafft iſt das Weſen / welches die Tinctur penetriret und heili⸗
get / deßwegen ſtehet das Paradeis / als ein geiſtlich Gruͤnen in
der ſiebenden Eigenſchafft; Verſtehet nach der Krafft goͤttlicher
Offenbahrung iſts alſo / aber nach der Natur Eigenſchafft iſt es
ein Weſen der angezogenen Begierde aller Eigenſchafften.
75. Es iſt fuͤrnemlich zumercken / daß allemahl die erſte und
fiebende Eigenſchafft für eins gerechnet werden / und auch die alt=
der und fechfte fiir eine / fo wohldie dritte und fünfftefür eine/ die
vierdte iſt allein das Scheide⸗Ziel / denn es feind nur drey Eigen=
ſchafften der Natur/nach der Offenbahrung der Dreyheit Gottes.
76. Als die Erfte die Begierde / diewird GOtt dem Vatter
zugeeignet / und ift nur ein Geiſt / und in der fiebenden ift die
Begierde wefentlich.
77. Die Ander wird GOtt dem Sohn als die göttliche Krafft
zugeeignet / die iſt in der andern Zahl nur ein Geiſt / aberinder
ſechſten iſt ſie die verſtaͤndliche Krafft.
78. Die Dritte wird GOtt dem H. Geiſt nach feiner Offen⸗
bahrung zugeeignet/ und iſt im Anfang der dritten Eigenſchafft
nur ein Feuer⸗geiſt / aber in der fünfften Eigenſchafft if die groffe
Liebe darinnen offenbahr. 79. Alſo
242 Clavisoder Schlüffet ME
79. Alfo ift der Außfluß göttlicher Offenbahrung mach den
drs,en Eigenfchafften im erſten Principio vor dem Liecht natürs
lich / und im andern Principio im Liecht geiſtlich.
80. Dieſes ſeind alſo die Sieben Eigenſchafften in einem Eis
nigen Grunde / welche alle Sieben gleich ewig ohne Anfang ſeind /
und feine kan fuͤr die erſte / andere / dritte / vierdte / fünffte/ fechſte
und letzte gezehlet werden / denn fie ſind gleich ewig / ohne Anfang /
aus der Einheit GOttes: Man mug nur ſolches auff bildliche
Art zum Verſtandt ſetzen / wie eine aus der andern gebohren
werde / zu mehrerm Verſtande/ was der Scyöpffer ſey und
tal das Leben und Weſen der fichtbahrn Welt Fönne be>
rachten.
Dom Dritten Principio, als von der ſichtbahrn Welt]
wovon diefe fey entſtanden und was die Schoͤp⸗
fung fey.
sꝛ. Jeſe ſichtbare Welt iſt aus der oberzehlten geiſtlichen
a Welt / als aus der außgefloſſenen Goͤttlichen Krafft ent»
ſproſſen / und iſt ein Objedum oder Gegenwurff der geiſtlichen
Welt: Die geiſtliche iſt der inwendige Grund in der ſichtbaren
Welt / die ſichtbare Welt ſtehet in der geiſtlichen.
82. Dieſe ſichtbahre Welt iſt anders nichts als ein Außfluß der
fieben Eigenfchafften/venn aus den ſechs wuͤrckenden Eigenſchaff⸗
ten iſt fie entſtanden /umdinderfichenden als im Paradeiſe ſtehet
fie in der Ruhe / die iſt der ewige Sabbath / darinnen das Wuͤrc⸗
ken goͤttlicher Krafft ruhet.
83. Moyfes ſpricht: GOtt habe in ſechs Tagen Himmel und
Erden ſambt allen Creaturen geſchaffen / und habe am ſiebenden
Tage geruhet und ihn zu ruhen gebotten. In dieſen Worten lieget
der Verſtand heimlich verborgen: Hätte er doch wohl moͤgen in
einem Tag alle ſeine Wercke machen: Auch kan man doch von
keinem Tag ſagen / ehe die Sonne war / denn in der Tieffe iſt nur
ein einiger Tag aber der Verftand liget in den Worten ver»
borgen. }
84. Er verftchet mit den Tage-wercken die Schöpffung oder
Offenbahrung der ficben Eigenfchafften 7 denn er faget: Am
Anfang ſchuff GOtt Himmelund Erden. Inder erfien Be>
wegnuͤß hat die Magnetifche Vegierde den feuriſchen und waͤſſe⸗
rigen Mercurium mit den andern Eigenfchafften impreflit und
compalirct: So hat ſich die Grobheit von der geiftlichen Arth
geſchieden / und ift der fenrifche zu Metallen und Steinen er:
en}
etlicher vornehmen Puncten &c. 243
den / und ein theil zu Salniter, als Erden / und der wäfferige zu
Waſſer: So ijt ver-feurifihe -Mercurios der Wuͤrckung lauter
worden/ den hieß Moyfes Himmel) denn die Schrift ſaget:
Gott wehnet im Himmel; denn diefer feurifche Mercurius ift
die Krafft des Firmaments, als ein Gegen-wurff der geiftlichen
Welt / darinnın GOttoffenbahrift.
85. Als diß geſchehen / ſprach GOtt: Es werde Liecht / und
es ward Liecht. Allda iſt das inwendige Liecht durch den feuri⸗
ſchen Himmel außgedrungen / dadurch eine Krafft des Scheins
in dem feuriſchen Mercurio entſtund / und das war das Liecht der
aͤuſſern Natur in den Eigenſchafften / darinnen das wachſende
Leben ſtehet.
86. Am andernTag⸗werck hat GOtt den waͤſſerigen und feuri⸗
ſchen Mercurium von einander geſchieden / und den feuriſchen die
Feſte des Himmels geheiſſen / welche war aus dem Mittel des
Waſſers als des Mercurii. Allda iſt die männliche und fraͤwliche
Arth im Geiſt der aͤuſſern Welt entſtanden / als im feuriſchen
Mercurio die maͤnnliche / und im waͤſſeriſchen die fraͤwliche.
87. Solches Scheiden iſt uͤberal durch alles geſchehen / und
das zu dem Ende / daß ſich ſollte der feuriſche Mercurius wieder
nach dem waͤſſeriſchen / und der waͤſſeriſche nach dem feuriſchen
ſaͤhnen / daß eine Liebe⸗begierde im Liechte der Natur zwiſchen
ihnen waͤre / davon die Zuſammenfuͤgung iſt entſtanden: So
hat ſich der feuriſche Mercurius, als das außgefloſſene Wort nach
der feuriſchen und waͤſſeriſchen Liechts-arth geſchieden / und da⸗
her komt nun die maͤnnliche und fraͤwliche Arth aller Dingen /
beydes in den Lebendigen und Wachſenden.
58. Am dritten Tage⸗werck iſt der feuriſche und waͤſſeriſche
Mercurius wicder in Die Conjundion oder Bermifihung gegan⸗
gen / und haben einander empfangen, da hat der Salniter, als
die Scheidung der Erden / Graß / Kraut und Baͤume gebohren /
und iſt die erſte Gebaͤhrung zwiſchen maͤnnlicher und weiblicher
Arthgeſchehen.
89. Am vierdten Tag⸗werck hat der feurifche Mercurius ſeine
Früchte gebohren als die fünffte Eſſentiam / einchöhere Lebens⸗
Erafft als dievier Elementa feind / welche doch in den Elementen
iſt: Don derfelben feind gefcehaffen die Sternen: Denn gleich
wie die Imprefion der Begierde die Erde hat in cine Maflam
‚bracht / welche Impreflion in fich gehet / alfo ift auch der feurifche
Mercurius von der Impreflion augfteigende gewefen / darumb er
Den Orth diefer Welt beſchloſſen hat mit dem Geſtirne.
g 2 90. Am
244 Clavis oder Schlüffel
90. Am fünfften Tag⸗werck hat fich der Spiritus Mundi , als
die Scele der groffen Welt in der fünfften Eflenk eröffnet / ver»
fichet das Leben des feurifchen und wagerichen Mercurii , da hat
GHtt alle Thiere / Fiſche / Vögel und Würme gefchaffen/ cin
jedes aus feiner Eigenfchafft des zertheilten Mercurii.
gr. Da fichet man / wir fihh haben die ewige Principia , nach
Boͤſem und Gutem beweget) nach allen ficben eigenfchafften/ nach
ihrem Augfluffe und Vermiſchung / denn da feind gute und böfe
Creaturen gefchaffen worden / als nach dem fich der Mercurius 5
als der Separator hat in einen Ens gebildet/ wie anden köfen und
guten Ereaturen zufehenift: Und ift doch alles Leben im Liecht
der Natur als in der Siebe der Natur entſtanden / dannenhero
fih —— ihrer Eigenſchafft nach dieſer außgefloſſenen
Liebe lieben.
g2. Am ſechſten Tag⸗werck hat GOtt den Menſchen geſchaffen /
denn am ſechſten Tag⸗werck hat ſich der Verſtand des Lebens aus
dem feuriſchen Mercurio eroͤffnet / als aus dem inwendigen Grun⸗
de / den ſchuff GOtt in ſeiner Gleichnuͤß / aus allen dreyen Prin-
eipiis in ein Bild / und bließ ihm den verſtaͤndigen feuriſchen Mer-
eurium, nach dem innern und aͤuſſern Grunde / als nach der E⸗
wigkeit und Zeit ein / zu einer lebendigen verſtaͤndigen Seele; und
in dieſem ſeeliſchen Grund ſchwebete die Offenbahrung goͤttlicher
Heiligkeit / als das lebendige außflieffende Abort GOttes mit der
ewig⸗erkannten Idea, welche war in Goͤttlicher Weißheit von
Ewigkeit erkannt worden/ als cin Subje&um oder Form Götts
licher Imagination.
93. Diefer ward angethan der himmlifchen Welt Wefen /
fo ward fie ein verftändiger Geift und Tempel GOttes / ein Bild
göttliher Beſchawligkeit welcher Geift der Seelen zur Ge⸗
mahlin gegeben ward / gleich wie Feuer and giecht Gemahle find /
alfo auch hie zuverftehen ift. Derfelbe göttliche Grund grünete
amd durchtrang Seel und Leib / das war das rechte Paradeisim
Menfhen/ welches er durch die Sünde verlohr / alsder finftern
Welt Grund-mit der falfchen Begierde das Regiment in ihm
befame.
94. Am fiebenden Tag hat GOtt von allen feinen Wercken /
Die er gemacht hat / geruhet/ ſpricht Moyſes. Nun darffdoch
Gott keiner Ruhe /denn er hat von Ewigkeit gewuͤrcket / und
iſt eine eitele wuͤrckende Krafft / deßwegen liget der Berſtand
allhier im Wort verborgen; denn Moyſes fpricht: GOtt habe
den ſiebende Tage zu ruhen gebotten. Der ſiebende Tag Bene
wahre
etlicher vornehmen Puncten &c. 245
wahre Paradeis geweſen (verſtehets Geiſtlich) als die Tinctur
goͤttlicher Krafft / welche iſt ein Temperament, die hat durch alle
Eigenſchafften gedrungen / und in der ſiebenden / als im Weſen
der andern aller gewuͤrcket.
95. Die Tinkur hat durch die Erde und alle Elementa gedrun⸗
gen/ wndallestingiret/ allda war das Paradeis auff Erden und
in dem Menfchen / denndie Boßheit war verborgen / gleich wie
die Nacht im Tag verborgen ift: Alfo war auch der Grimm der
Natur im erſten Principio verborgen / big auffden Fall des Men⸗
ſchen / fo flohe Das göttliche Würden in der Tinctur in fein eigen
Principium, alsin den innern Grund der Liecht-welt / denn der
Brimm wandte fich empor / und Eriegefe das Ober-regiment / und
Das ift der Fluch dag GOtt die Erde verflucht hat / dan ſein
Fluchen iftfein würdendes Fliehen als wenn GOttes Krafft in
einem Ding mit des Dinges geben und Geift würdet] und hers
sach fich demſelben Dinge mit feiner Wuͤrckung entzeucht / fo ifts
verflucht / denn es wuͤrcket nur im eigenen Willen, und nicht in
GOttes Willen.
Vom Spiritu Mundi ‚ und den Elementen.
96. Fr koͤnnen die verbergene geiftlihe Welt ander ſicht⸗
bahrn Welt gar wohl betrachten / danwirfehen/ dag
ſich in der Tieffe der Welt immerdar Feuer / Lufft und Waſſer ge⸗
biehret / und dag keine Ruhe noch Auffhoͤren ſolches Gebaͤhrens
ſey / und von Anfang die ſer Welt alſo geweſen ſey / und koͤnnen aber
in der aͤuſſeren Welt keine Urſach finden / was das fuͤr ein Grund
ſey / ſondern die Vernunfft ſpricht: GOtt hat es alſo geſchaffen;
dabey bleibet ſie / welches an ihm ſelber wohl wahr iſt / aber den
Schoͤpffer kennet fie nicht / welcher ohne linterlaß alſo ſchoͤpffet /
als der rechte Archzus oder Separator, welcher ein Auß fuß aus der
unſichtbahren Welt iſt / als das außgefloſſene Wort GOttes / wel⸗
ches ich mit dem Wort des feuriſchen Mercurii andeute.
97. Deñ was die unſichtbahre Welt in einem geiſtlichen Wuͤrc⸗
ken iſt / da Liecht und Finſternuͤß untereinander ſeynd / das iſt
die ſichtbahre in einem weſentlichen wuͤrcken: Was in der inwen⸗
digen geiſtlichen Welt für Kraͤffte in dem außgefloſſenen Wort
zuverſtehen ſeynd / die verſtehet man in der ſichtbahren Welt an
beim Geſtirne und Elementen auch / aber in einem andern Princi-
pio heiliger Art.
98. Die vier Elementa flieſſen aus dem Archzo des inneren
Grundes/ als aus den vier Eigenfihafften der ewigen Natur /
und find im Anfang diefer Zeit vom innern Grund alfo außge⸗
t 3 hauchet
246 _ Clavisoder Schlüffel
hauchet worden / und in ein eigen wuͤrcklich Wefen und Leben
geſetzt worden / darumb heiſſet die aͤuſſere Welt ein Principium,
als cin Subjedtum der innern Welt } algein Werckzeug des in⸗
nern geiftlihen Meifters/ welcher Meifter iſt GOttes Wort
und Kraft. | |
99. Und wie die innere Göttliche Welt ein verftandig Sehen
vom Ausflug göttliher Wiſſenſchafft in ſich hat / darinnen die
Engel und Seelen verftanden werden: alfo yat auch die auffere
Welt ein vernuͤnfftig Seben in ſich / welches Leben ſtehet in den auß⸗
gefloſſenen Kraͤfften der innern Welt / welches aͤuſſere Leben kei⸗
nen hoͤhern Verſtand hat / als nur in das / darinnen es ſtehet / als
in das Geſtirn und in die Elementa.
100. Der Spiritus Mundi iſt in den vier Elementen verborgen/
wie die Seele im Leibe / undift anders nichts als ein Außfluß und
würdliche Krafft von der Sonnen und dem Geftirn/ fein Ges
häufe darinn er wuͤrcket / iſt geiftlich mit den vier Elementen umb⸗
geben: Das geiftlich Gehaͤuſe iſt erftlich eine ſcharfſe magnerifche
Kraft vom Außfluß der innern Welt / von der erſten Eigens
ſchafft der ewigen Natur / diefes ift ver Grundaller Saͤltze und
Kraͤffte / ſo wohl aller Bildung und Weſenheit.
101. Zum andern iſt es der Außfluß der innern Bewegnuͤß /
welche iſt von der andern Geſtalt der ewigen Natur außgefloſſen /
"und ſtehet in feuriſcher Art / als eine trockene Waſſer-quelle /
darinnender rund aller Metallen und Steine verftanden wird/
denn Darauf find fie gefchaffen worden: Diefen hieß ich den feu⸗
riſchen Mercurium im Geiftdiefer Welt / denn er iſt die Beweg⸗
nuͤß aller Dinge / und ein Scheider der Kraͤffte / cin Formirer
der Geftaltnüg/ ein Grund des aͤuſſern Lebens / nach der Bes
wegnuͤß und Sinnligkeit.
102. Der dritte Grund iſt die Empfindligkeit in der Veweg—⸗
nuͤß und Schaͤrffe / als ein geiſtlicher Schwefel-quaal vom Grun⸗
De des aͤngſtlichen Willens im innern Grunde / davon entſtehet
der Geiſt mit den fuͤnff Sinnen / als Sehen / Hoͤren / Fuͤhlen /
Schmecken und Riechen / als das wahre Eſſentialiſche Leben / davon
das Feuer als die vierdte Geſtalt offenbahr wird.
103. Dieſe drey Eigenſchafften haben die alten Weiſen ge—
heiſſen Sulphur , Mercuſium und Sal, nach ihren Materien, wel»
che darauß in den vier Elementen gebohren werden / in dehme ſich
ſolcher Geiſt coaguliret oder weſentlich machet. In dieſem Grun⸗
de liegen auch die vier Elementa, und find nicht Davon entſchieden /
oder etwas. ſonderliches / fie find nur die Offenbahrung Pr.
geiſt⸗
etlicher vornehinen Pundten &c. 247
geiftlihen Grundes / als cin Gehäufe des Geiſtes / darinnen
ſolcher Geiſt wuͤrcket.
104. Die Erde iſt der groͤbſte Außfluß von dieſem ſubtilen
Geiſt: Nach der Erden iſt das Waſſer der ander / und nach dem
Waſſer die Lufft der dritte / und nach der Lufft iſt das Feu er der
vierdte: Dieſe ſind gus einem eigenen Grund entſtanden / als vom
Spiritu Mundi, welcher feine Wurtzel in der innern Mctt hat.
105. Nun ſpricht die Bernumfft 2 Zu was Ende bat?
Schoͤpffer folge Offenbahrung gemacht? 2Antwort: Anderſt
keine Urſach / als daß ſich die geiſtlicht Welt damit in eine ſicht⸗
bahrliche bildliche Form einfuͤhrete / daß die inneren Kraͤffte bilde
lich und foͤrmlich würden. Sollte dieſes geſchehen / fo muſte ſich
das geiſtliche Weſen in einen materialiſchen Grund einführen /
darinnen ſich das moͤchte bilden und formiren / und muſte eine
ſolche Scheidung geſchehen / dag ſich die Abſcheidenheit immer
nach ihrem erſten Grund ſaͤhnete / als das Innere nach dem Aup
ſeren / unde das Kuffere nach dem Inneren.
106, Alfo auch vie vier Elementa, welihe inwendig nur ein
einiger Grund ſeynd / da muß fich je eines nach dem andern ſaͤh⸗
nen / und des andern begehren / und den innern Grund in dem an⸗
dern fuchen/ und das innere Element ift in ihnen entfäyieden/und
find Die vier Elementa nur Eigenfhafften des zertheileten Ele⸗
ments / deßwegen iſt ein groffes Üngften und Begehren zwifchen
ihnen /und wollen immerdar wieder in den erften Grund / als
ins ewige Element / darinnen fie ruhen koͤnnen / davon die Schrifft
ſaget: Es ſaͤhnet und aͤngſtet ſich alle Creatur neben uns von
der Eitelkeit loß zu werden / deren ſie unterworffen iſt wider ih⸗
ren Willen.
207. In ſolcher ungſtigung und Begierde wird die außge—
floſſene Göttliche Krafft durch der Natur Wuͤrcken mit⸗gebildet /
und in Figuren gebracht / zurewigen Herzligkeit und Beſchau⸗
figkeit der Engel und Menfchen und aller ewigen Ereaturen/
wie wir folches Elar an allen Lebendigen / ſo wohl an den Wach⸗
ſenden ſehen moͤgen / wie ſich die Goͤttliche Krafft mit eingebildet
und formet.
108. Denn es iſt keinDingi in die ſer Welt Weſen / da nicht eine
gebildete Form nach der inneren geiftlichen Welt darinnen ſtuͤn⸗
de / entweder nach dem Grimm des innern Grundes / oder nach
der guten Krafft / und da doch in der allergifftigſten Krafft im in⸗
wendigen Grund offte die groͤſte zugend aus der Innern Welt
samen lieget.
gu 109. Aber
248 Clavis vder Schlüffel
109. Aber wo ein finſter Leben in einem Ding iſt / als ein
finſter oͤhl / daraus iſt wenig zu hoffen / dann es iſt ein Funda-
ment des Grimmes / als eine falfche böfe verwerffliche Gifft ;
Wo aber das Leben im Gifft ſtehet / und einen lichten Blank im
S hl als in der Quinta Efentia hat / allda ftchet der Himmel in
der Höllen offenbahr / allda lieget groffe Tugend verborgen / den
unſern verftanden.
110. Die ganze fichtbahre Welt ift ein citel ſpermatiſcher
würckender Grund / cin jedes Weſen fähnet fich nach dem att=
dern / das Obere nach dem Untern/un das Untere nach dem Obern /
denn es iſt von einander geſchieden / und in ſolchem Hunger em⸗
pfahen ſie einander in der Begierde / wie an der Erden zu erkennen
iſt / die iſt alſo hungerig nach dem Geſtirne und dem Spiritu Mun-
di, als nach dem Geiſte / daraus ſie im Anfang iſt entſproſſen / daß
fie eine Ruhe vor Hunger hat / und derſelbe Hunger der Erden
iſt eine Verzehrung der Corporum ‚ auff daß der Spiritus wicder
vonder groben elementiſchen Arth gefihieden werde / und wieder
in feinen Archzum eingebe.
ıız. Mehrersfchen wir in folhem Hunger /die Schwaͤnge⸗
zung des Archzi,als des Separatoris,wie der untere Archzus der
Erden den stern fubtilen aber der Erden vom Geftirn in fich zies
he / da fich alsdann diefer eingefafte Grund vom obern Acchzo
wieder nach feinem Grunde fühnet / und aupdringende wird
wieder nach dem Obern / in welchem Ausdringen das Wachs⸗
thumb der Metallen / Kräuter und Baume entjtchet.
112. Denn der Erden Archzus wird dardurch alfo freuden⸗
reich / daß er feinen erften Grund wieder in fich ſchmaͤcket und
einpfindet / und in folcher Freude wachfen alle Dinge aus der Er»
den : So wohl auch in den Lebendigen ftchef das Wachsthumb
darinnen / als in einer fläts-währenden Con jundtion des Himm⸗
liſchen und Irrdiſchen / darinnen die Göttliche Kraft mit-würcet/
wie an der Tinctur der Wachſenden zu erkennen iſt / als in ihrem
inneren Grunde.
113. Darumb ſoll ſich der Menſch / als ein edel Bild / welcher
ſeinen Grund in Zeit und Ewigkeit hat / wohl betrachten / und
nicht alſo blind fahren / und ſein ewiges Vatterland ferne von
ihm ſuchen: Es iſt in ihme / aber wit ver Grobheit der Elemen⸗
ten mit ihrem Streit verdecket; wann der Streit der Elemen⸗
gen im Abſterben des groben Leibes auffyöret / fo wird dergeift=
liche Menfch offenbar / er ſey gleich im Liecht oder Finſternuͤß
gebohren worden : Welche Krafft das Regiment in er hat!
arin⸗
etlicher vornehmen Pundten &c. 249
darinnen bleibet der geiftliche Menfch ewig ſtehen / entweder im
Fandamß@nt des Zorns GOttes / oder in feiner Liebe.
2124. Denn der Auffere fichtbahre Menſch iſt jeßo nicht Das
wahre Ebenbild EOttes / er ift nur ein Ebenbild des Archzi, als
ein Gehaͤuſe des geiftlichen Menſchens /darinnen der geiftliche
Menſch wächfet/ wie das Gold im groben Steine / und das Kraut
aus der wilden Erden /wie die Schrift auch davon alſo faget >
Haben wir einen natürkichen Leib / fo haben wir auch einen geiſt⸗
lichen Leib /welcherley der natürliche iſt / folcherley iſt auch der
geiftliche/ aber der Auffere grobe vierzelementifhe Leib ſoll GOt⸗
tes Reich nicht erben / fondern diefer / welcher aus dem einigen
Element gebohren wird / als aus Göttliher Offenbahrung und
Wuͤrckung: Denn nicht diefer vom Fleiſch noch vom Willen des
Mannes ift es /fondern diefer / welcher in diefem groben vom
him̃liſchen Arch zo gewuͤrcket wird/darzuderGrobe ein Gchäufe
und Werckzeug iſt. Aber wan die Schale vergehet/alsdan wirds
offenbahr / warumb wir unshaben alle Menfchen genannt / und
doch ein Theil kaum Thiere/ ja noch böfer ind gewefen als Thiere,
115. Alfo follen wir den Spiritum der Aufferen Weltrecht bes
trachten / alsdag er ſey cin Gchäufe und Werckzeugder innern
geistlichen Welt / welche darinnen verborgen ift / und durd) die
aͤuſſere Welt würdet] und fich alfo mit Inbildungen einführet.
126. Und alfo ift auch des Menfchen Bernunfft nur ein Ge=
haufe des wahren Verſtandes Göttliher Erkaͤntnuͤß / und fol
Kiemand auf feine Vernunfft und Scharffefinnigkeit frauen)
fie ift nur Das Äuffere Geftirne nach feiner Confellation, und
ver fuͤhret ihn fo balde / als daß fie ihn zu GOttes Einheit führet.
xı7. Die Vernunfft ſoll ſich GOtt gang ergeben / auff dag
der inwendige Archæus offenbahr werde / dieſer wird einen wahe
ven geiſtlichen Gott-foͤrmigen Grund würden und gebaͤhren /
darinnen GOttes Geift offenbahr wird / und den Berftand zu
GOtt fuͤhret / alsdann forfchet der Geift in folhem Grund alle -
Dinge ja auch die Tieffe der Gottheit / wieS. Paulus faget.
Diefes habe ich den Liebhabern cin wenig entwerffen wollen /
demfelben weiter nachzufinnen /2c.
Solgeteine furge Erklärung oder Formula von Goͤtt⸗
Ulicher Offenbahrung.
118. Ott tft die ewige unmaͤßliche / unfaßliche Einheit / der
offenbahret ſich in ſich ſelber von Ewigkeit in Ewigkeit /
mit der Dreyheit / und iſt ein Batter / Sohn und Geiſt
in dreyerley Wuͤrckung wis forne gemeldet.
| 85 119. Die⸗
250 Clavis over Schläffel
119. Diefer Dreyheit erfter Außfluß und Offenbahrung iſt
das ewige Wort / oder Außſprechen Goͤttlicher Krafft; Das erſte
außgeſprochene Weſen aus der Krafft iſt die Goͤttliche Weißheit
als ein Weſen / darinnen die Krafft wuͤrcket.
120. Aus der Weißheit fleuſt die Krafft des Außhauchens
aus / und gehet in Schiedligkeit und Formung / darinnen wird
die Goͤttliche Krafft in ihrer Tugend offenbahr.
121. Dieſelben ſchiedlichen Kraͤffte führen ſich in Annehmlig⸗
keit ein / zu ihrer ſelbſt-Empfindligkeit / und aus der Empfind⸗
ligkeit entſtehet eigener Wille und Begierde.
122. Dieſer eigene Wille iſt der Grund der ewigen Natur /
der fuͤhret ſich mit ver Begierde in Eigenfchafften cin big zum
euer.
3 123. In der Begierde entſtehet die Finſternuͤß / und im Feuer
wird die ewige Einheit mit dem Liecht in der feuerenden Natur
offenbahr.
124. Ausdiefer feurenden⸗und Sicchts-Natur/ Arth und Ei:
genfe hafft feynd die Engel und Seelen entfprungen / als cine
Göttliche Offenbahrung.
125. Die Krafft des Feuers und Liechts heiffet Tin&tur, und
Di Bewegnuͤß dieſer Krafft heiſſet das heilige oder reine Element.
126. Die Finſternuͤß wird im ſich ſelber weſentlich / und das
Liecht wird in der feurifchen Begierde auch weſentlich / dieſe beyde
machen zwey Principia : Als in der Finſternuͤß iſt GOttes Zorn /
and im Liecht iſt GOttes Liebe / ein jedes wuͤrcket in fich felber/
und iſt nur ein Unterſcheid / wie zwiſchen Tag und Nacht / und
ſind alle beyde doch nur ein einiger Grund / und iſt je eines cine
Urſache des andern / daß das andere in ihm offenbahr und erkannt
werde / gleich wie das Liecht aus dem Feuer.
127. Die ſichtbahre Welt iſt das dritte Principium ‚als der
Dritte Grund und Anfang) diefe ift aus dem innern Grund/ als
aus beyden erften außgehauchet worden / und in creatürliche
Form und Arth gebracht.
128. Die inwendige ewige Wuͤrckung iſt in der ſichtbahren
Welt verborgen / und iſt in allen und durch alles / doch dem Allem
in eigener Macht unfaßlich: Die aͤuſſeren Kraͤffte ſind nur das
Leydende / oder das Gehaͤus: Die allgemeine Creaturen ſind
nur aus dem Weſen der aͤuſſeren Welt / aber der Menſch iſt von
Zeit und Ewigkeit / von dem Weſen aller Weſen in ein Ebenbild
Goͤttlicher Offenbahrung geſchaffen worden.
129. Die ewige ————— Goͤttliches Liechts heiffet das
Hi Ile
9
etlicher vornehmen Puncten &c. 251
Himmelreich / eine Wehnung der heiligen Engel und Seelen.
Die feuriſche Finſternuͤß heiſſet Hoͤlle und GOttes Zorn / darin⸗
nen die Teufel wohnen / ſambt den verdamten Seelen. Im Ort
dieſer Welt iſt uͤberall Himmel und Hoͤlle gegenwaͤrtig / aber
nach dem innern Grunde.
130. In GOttes Kindern iſt inwendig das Goͤttliche Wuͤrc⸗
ken effenbahr / und in den Gottloſen das Würden der peinlichen
Finſternuͤß.
231. Der Ort des ewigen Paradiſes iſt in dieſer Welt im in⸗
wendigen Grund verborgen / und im innern Menſchen / wo GOt⸗
tes Krafft in ihm wuͤrcket / offenbahr.
132. Von dieſer Welt werden nur die vier Elementa mit dem
Geſtirne und den irrdiſchen Craturen vergehen / als dieſes aͤuſſere
grobe Leben aller Dingen: Die inwendige Krafft aller Weſen
"bleibet ewig.
Folget eine Erklaͤrung etlicher Wörter in an-
dern meinen Buͤchern.
TURBA MAGNA.
13 —— iſt der erraͤgte und erweckte Grimm des innern
Grundes / da das hoͤlliſche Fundament im Geiſt der
Welt offenbahr wird/davon groffe Plagen un Kranck⸗
heiten entftehen ; und ift auch der erweckte Grimm der äufferen
Natur /wieim Schauer der groffen Ungewitter zu fehen ift/ da
das Feuer im Waſſer offenbahr wird; Esift eine Außgieſſung
GHttes Zorns /davondie Natur turbiret wird.
TERNARIUS SANCTUS.
134. Diefes ift dieinnere himliſche würdende Krafft im We⸗
fen / darinnen die Dreyheit GOttes wuͤrcket / fo verftche ich eine
wefentliche Krafft damit. - ,
SUL ımd PHUR,
235. Sul iſt die außgefloffene Einheit/ als das Wefen / darin⸗
ten das ewige Liecht wuͤrcket / nad der Ewigkeit geiftlicher Arth:
Und im Aufferen metallifchen Schwefel iſt fie das Ohl Darinnen
fich das Liecht entzünder.
136. Phurift des Feuers Eflent/als die Natur nach der Peine
Figfeit des Grimmes.
Das ander ift formen erklärst /und auch in Erflärung der
aſel.
86 Die
Die ficben Geſtalten oder Geiſter / von welchen Apscı x. ſtehet.
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Finſtere Welt: Hier-| | 238 5 | | Sicht: Belt : Bott
von wirdBottterBdat- LI "5723 —* der Sohn: Wort;
ger ein gorniger eyferi⸗ ru. Hertze Gottes: wird
ger sumdGottderRu:| | hievon genenner ein
che / und ein verzehrend | 5° g licher und barmher⸗
Feuer genennet. & J Lsiger Gott.
Das dritte Principium ; Welches ift
Diefe vierzelementifche Welt: eine Außgebuhrt aus den zwey⸗
en inwendigen Welten : ein Spiegel deroſelben / daLiecht und Fin⸗
Kernüg / Boͤſes und Gutes ineinander vermenget iſt: Dieſe iſt
nicht ewig / faͤhet fich — oder hat Anfang und
Folgen hier noch einige fpeciale
EL AVEM
Oder
Erklaͤrungen/
Theils eigener / Theils Paracelſi-
ſcher geheimen Namen und
Woͤrter.
Welche der ſeelige Jac. Boͤhme auff
anhalten feiner guten und vertrauten Freunden)
einem jeden nach feinen Begehren und Fragen;
zu befferer und leichterer Faffung feinertich
fen Erkaͤntnuß eröffnet und mit:
getheilet bat.
FHRIE: — * — ee: —J—
“3,
Er
r Er
— une
Eu.”
Aus
Herrn Johann Sigmund von Schweinich /
eigener Hand.
EXPLICATIO TERMINO-
RUM PRINCIPIORUM.
TS WARE SE: iſt Nichts gegen der Ercas -
—tur zu rechnen / und ift der Ungrund _
Pund Alles.
1. Wille (Vatter) davon ge>
het aus Scieng / die Wurtzel der
<
Kraͤffte.
2. Luſt / Gemuͤthe oder Hertze
des Willens ( Sohn ) iſt der Auß⸗
— © gang aus der Scientz.
3. Die tuft ifteine Infaßligkeit ; in dem Ingefaſſeten vers
fiche die Dreyfaltigfeit/ daraus wird außgehaucht:
4. Dasfprechende Wortin GO (in potentia) oder die
Göttliche Rrafft.
5. Die Weißheit ift der Außgang vom Wort / ſonſt Myfe-
zium Magnum oder die Göttliche Beſchauligkeit.
Und fo weit ift GOtt zu verfichen/ waser fey ohne Natur und
Creatur / als ein in fich felbft gebährendes Wefen.
Folget das Außfprechen des Wortes] alsdie Ems _
pfindligfeit oder Findligkeit.
Il. PRINCIPIUM
T l — UR ift das Sprechen des Wortes. ( Verbum id
)
ac u.
Die erfte Geftalt der Natur ift Begierde oder anzichende
Krafft / welche ſich im ſich ſelber beſchattet / und Daraus Sinftere
Aus entſtehet.
Die
Wiſſenſchafft des Geiftesoderaller |
256 Clavis oder Schlüffel
2. Die Schärffe ift eine Eigenfihafft der Begierde / wel⸗
che fich impreffet und hart machet.
2. Die Härte ift die andere Eigenfchafft daraus. _
3. Kaͤlte die dritte Eigenfchafft.
Dieſe Begierde iſt mit ihren drey Eigenſchafften eine Mut⸗
ter aller Saͤltze.
SAL.
Die ander Geftalt ift Scieng oder der bittere Stachel der
Sindligkeit oder Empfindligkeit Daraus das mercurialifche
Leben entftchet/ ( die fünf Sinnen.)
MERCVRIUS
Die dritte Geſtalt iſt die Angſt oderSPeinligfeit die Wur-
Beldes Feuers oder Effeng / wird genennet das ſulphuriſche Le⸗
ben/ daraus das Gemuͤthe oder Die fünff Sinnen lebend im Sul-
phur werden.
SU LP HUR
Die vierdte Geſtalt ift das Feuer oder Schrack [oder der fäl-
nitriſche Grund da Liebe und Zorn von einander feheiden/ und en»
det jich hier das I. Principium, als die finftere Welt oder der
Hoͤllen Grund.
11. PRINCIPIUM.
Die Göttliche tiecht: Welt oder Engliſche Welt.
Dz fünffte Geſtalt iſt das Liecht oder Liebe-feuer aus der
Goͤttlichen Freyheit / oder heilige Tinctur.
Die ſechſte Geftaltift das Hallen] der Schall / das Lauten!
das offenbahre Leben / das Göttliche eben das geiftliche
mercurialifche schen.
Die fichende Geftaltift das leibliche Weſen aller Geftälte
in allen dreyen Welten / das find die fieben Geftalten / daraus
roinmet das Wallen als cin Bewegen aller fieben Geftalten /
welches eine Wurtzel der vier Elementen ift /und wird genannt
Das reine £lement /in welchen das Außgruͤnen oder Wachfen in
der Böttlichen Liecht-⸗welt entftchet / als das Paradeiß.
Diese fieben Geftalten mit inren Eigenfchafften und allem
Weſen haben außgehauchet in der Zeit das
UI,PRIN«
etlicher vornehmen Pundten &c. 257
LII. PRINCIPIUM.
Die auffere ſichtbare Welke.
a, FYEr Himmel] oder die Infaßligkeit der vier Elemen⸗
ten / der hat außggehaucht:
2. Quintam Eſſentiam, als das Geſtirne und wachſende
Leben / daraus kommen:
3. Die vier Elementa, daraus die irrdiſche Creaturen ge⸗
ſchaffen worden.
Dieſes aus
Herrn Balthaſar Walters, M. D.
eigener Hand.
PRINCIDIA find der geoffenbahrte GOtt/
oder das außgeſprochene Wort.
Von den ſieben Eigenſchafften der ewigen Natur:
Welche drey Principia oder Welte machen.
DIT ift ver @wigfeit als des Ungrundes Luſt:
Diefelbe Luſt faffer in fich einen Willen zur Offen⸗
bahrung der Luſt / und der Wille faſſet ſich in fich f
zu feinem ſelbſt eigenem Grimde / das iſt das Cen-
trum der Gottheit: Und iſt ein Chaos als ein Auge der Ewige
£eit / des Ungrundes und Grundes,
Derfelbe Wille ift begehrende fich in der hoͤchſten Freuden⸗
reich / als in Kraft der Majeſtaͤt zu offenbaren in dehme / das
der Wille in lich gefaſſet.
Run mag aber keine Offenbahrung ohn eine Impreflion oder
Bewegung ſeyn.
Se iſt die Imprefüon herbe / die iſt das Fiat aller Weſen.
Es ift das Zuſammengezogene / der begehrende Wille.
Wille ift ver Darter alles Weſens.
eur ift ein Saͤhnen fich zu offenbahren / und iſt die Englifche
elt.
Degierde gibt die finftere Weltumd Natur.
Chaos ift der Ungrund / daraus die Seele ift nn Fetier⸗auge.
Sf der Geift aus der Seel erbohren; iſt die Gleichnuͤß und Bild⸗
nuͤß GOttes / die die Engliſche Welt beſitzet. 1.Die
253 Clavis der Schlüffel
1. Die Imprefliongckiehret Herbe. Dieſe Herke machet aus
ihrer felbft-Eigenfchafft R.d. und D.dasift PHURimSUL,
SULiffvon GOtt / oder der offenbahrte GOtt ſelber. PAUR
machet Das Rad der Sinnen > Und die Eſſentz der Weſenheit
machet das bittere Stechen / als die andere Beftalt.
Oder noch klaͤrer:
Die erſte Geſtalt iſt SAL Saturnus, die Begierde des ewigen
Wortes / welches GOtt iſt / ift der Anfang der ewigen Natur /
und iſt die Faſſung des ewigen Nichtsin Etwas. Sie iſt die
Urſache aller Weſen / auch der Kaͤlte und Hitze / ſo wohl des
Waſſers und Luffts / die Formirung der Kräfften/eine Urſache
des Geſchmacks: Aller Saͤltze Mutter.
Bitter Stechen | das zeucht die Herbigkeit in dic Im-
preflion
> — Ziehen / iſt der bittere Stachel / der A der Beweger zum
eben.
Die ander Geſtalt iſt I die Bewegligkeit der Begierde / als
das Anziehen / iſt die Urſache alles Lebens und Raͤgens / ſo wohl
der Sinnen und Unterſchiedligkeit.
3. So machts Angſt / und der Stachel wuͤtet in der Angſt:
So ſcheidet ſich der freyen Luſt Begierde wieder in ſich / als ins
Nichts Jumd hat fich in der Iwprelſion geſchaͤrffet / und iſt ein
Seuer / ja ein Liebe⸗feuer worden.
Die dritte Geſtalt iſt 2 oder d | iftAnaft/ alsdie Empfind»
ligfeit/eine Urfache des Zemuͤths darin die Sinnenräge werden.
4. Feuer. Das erſte Principium, 1,Herbe. 2. Bit:
ter. 3. Angſt / geben die Feuers-Ellentz / und die freye Luſt
gibt das Liecht. Der Ungrund zuͤndet fich in der Impreflion an /
und machet das erfte Principium mit dem Bewegen. Das
Liecht machet das zweyte Principium mit der Krafft und Freue
Denreich.
Die vierdte Geftalt machet den recht lebendigen Geift / halb
in der Freuden-welt nachder Eſſentz / und halb in der Siecht-welt/
nach dem Verftande. Die Krafft im Liechte ift der Verſtand /
und der verftändige Geift. -
NB. SULPHUR: Alfo nachzudenden ;
PHUR ift der Beweger des Lebens / und ftchet in den vier
obigen Geſtalten (als. Herb. 2. Bitterzftachel. 3. Angſt.
* 4. Heuer.
etlicher vornehmen Pundten &c. 259
4. Feuer. x. Herbeheift Saturnus h. 2. Bitter⸗ſtachel heiſt
Mercurias Q. 3. Angft heift Quaal des Feuers A. 4. Um in der
Quaal wird das Liecht ſcheinend / als derungrund wird ein &Schein/
und in dem Scheine verwandeln ſich die erſten drey Geſtalten /
Herb / Bitter / Angſt.
NB. A.und O.
Das A iſt eine Urſache des wahren Geiſt⸗lebens / da die heili⸗
gen Kruffte der freyen Luſt vonder herben Rauigkeit erlöfet wers
den / denn das A verfchlinget in feiner Eſſentz das finftere Wefen
der Imprefion, und führets in geiftliche Kräffte in ſich aus.
Das J. PRINCIPIUM.
KNIE IE das allersurfündfichfte in den ficben Quaal-geiftern
GOttes / als man dencket / da das Liecht nicht innen war / daß
darinn die Schaͤrffe / das iſt der Zorn und hoͤlliſche Quaal und
NPein iſt geweſen / und worden. Das iſt / da Lucifer daraus ein
Teufel iſt worden. Dahin alle verdamte Seelen gehören.
NB. Zwiſchen dem J. und II. Principio iſt der Natur⸗
Himmel der Unterſcheid.
Das IL PRINCIPIUM.
5. QJebe⸗feuer VENUS. DieſeGeſtalt iſt die heilige geifta
= [iche Sicbe-begierde/da fich der heilige Wille GOttes hat
in der ſtrengen Impreſſion gefhärffet/un durchs A mit derKrafft
der Ailmacht offenbapret. Der führet fich nun durchs Feuer im
Liechte aus / und hat fich alſo in den Kräfften / in Sehen und Be⸗
wegnuͤßz / in Begierde eingeführet/ darinn die heilige Gebährung
u Sreudenreich der gröffeften Liebe GOttes ſtehet / und offen
ahr ift. —
Die fuͤnffte Geſtalt das Liecht. (zu gedencken) Als wann
ein Liecht auffgienge / das das zweyte Principium, als das Freu⸗
denreich machte: Das iſt GOtt ſelbſt / das Hertze GOttes / der
Sohn / und das Reich der Himmeln / und ewiger himmliſcher
Wonne. Das Liecht macht das zweyte Principium mit der
Krafft und Freudenreich. .
Hie gehet aus der Heil. Geift von Batter und Sohne / und
ift die Wonne / Freude und GOtt felbft. Diefer hat alles ges
fhieden und gegieret in der Engliſchen und Syderifchen Welt.
Die
260 Clavis oder Schlüffel
Diefünffte Geſtalt Liebe- begierde. Im Scheine verwan⸗
deln ſich die erſten drey Geſtaͤlte / als Herbe / Bitter / Angſt. Aus
Herbe wird eine Liebe⸗ begterde die fuͤnffte Geſtalt. Dieſe
Liebe⸗begierde iſt auch eine Impreflion als ein erweckt Leben / das
iſt der lebendige verſtaͤndige I der die fuͤnff Sinnen und die Rede
gibt. NB. Die fünffte Geſtalt iſt das Centrum der Begierde
der Liebe / das Göttliche ewige Fiat: Das faffet fich wieder in
den Kräfften der Heiligkeit und Sanfftmuth.
_ Die fechfle Geſtalt: Des Lebens Urſtand. U. Schall /
Hall / Wort. Nachmahls iſt ſolches Centrum und ewige
Göttliche Fiat (wie in naͤchſter fuͤnfften Geſtalt gemeldet) das
außſprechende und wicedergefaſſete außgeſprochene und wieder⸗
ſprechende Wort auff himmliſche Eigenſchafft. Nemlich der
Hall / Schall / Stimme / Thon. Auch in wachſenden. Alsim
Paradeißz iſts der heilige I noch jetzt außgruͤnende in dieſer Welt.
Die ſechſte Geſtalt iſt der lebendige Göttliche creatuͤrliche
menſchliche A. Und iſt der Schall des Goͤttlichen Wortes aus
den Goͤttlichen Kraͤfften / welcher ſich in der Liebe⸗begierde formet /
und in cin lautbar Wort aller Kraͤffte einführet: Darinn die
Offenbahrung Göttlicher Sreudenreich in der freyen Luſt der
Weißheit GOttes fichet. Die ſechſte Geftalt hat diefe Welt
außgeſprochen in der ficbenden Geftalt.
Die ſiebende Geſtalt. Dieſe Begierde des 9 (hin der fünffs
ten Geſtalt gemeldet) ift ein Hunger/ und zeucht in fich die Kraft
des Liechtes / und machts in der Begierde in der Impreflion leib⸗
lich /das iſt nun die ſiebende Geftakt/ ein Haus des Geiſtes / und
ein Weſen.
Dieſe ſtebende Geſtalt ift der Natur Weſen / Luna, Satur-
nmus, und iſt das geformte Weſen der Krafft; was die erſten
ſechs Seftälte im Geiſte ſind / das iſt die ſiebende im begreiff⸗
lichen Weſen / als ein Gehaͤuſe der andern aller: Oder aͤls ein
Leib des Geiſtes / darinn der Geiſt wuͤrcket / und mit ihm ſelber
ſpielet. Auch iſt er eine Speiſe des Feuers / davon das A Effeng
gu feiner Zehrung holet / darinn es brennet / und iſt der ſiebende
das Reich der Herrligkeit GOttes.
Dieſe ſiebende Geſtalt oder geoffenbahrte Krafft GOttes be⸗
gehret ſich zu ſchauen: Faſſet die him̃liſche Göttliche Kraͤffte / und
ſich ſelbſt wieder / und iſt die himmliſche Natur / die Weißheit /
die Engliſche Welt / das groſſe Myſterium. Haben alſo Liecht
und Finſternuͤh miteinander geſpielet. RT
BT
etlicherpornehmen Pundten &c. 26x
In der fiebenden Geftaltift GOttes Weisheit von Ewigkeit
offenbahr gesvefen / daraus er alle Dinge gefchaffen.
Aller Dinge Schöpffung ift die offenbahrte geforunte Weiß⸗
heit / welche in menſchlicher Eigenfchafft der neuen Gebuhrt
Chriſtus heiffer.
Die fiebende Geftaltiftver Sabbath darinn die andere ſechs
ruhen von alle ihrem Gewuͤrcke / gebähren fich wieder / und ruhen
wieder. Das ift das ewige Weſen.
Das IIL PRINCIPIUM,
2 je “a ar ſind die erſten drey Geſtaͤl te die finſte⸗
re Welt.
Zu der andern Impreſſion find eben dieſe drey Geſtaͤlte des
Lichts⸗ſcheins / und find die Englifche Welt.
Nas in dererften finftern Impreflion hoͤlliſch ift/ das ift inder
andern Impreflion himmliſch.
Aus dieſen beyden / aus des Liechtes und finſtern Begierde iſt
das dritte Principium erbohren / gantz nach der inneren beyden
Welte Eigenſchafft: Denn aus der Eigenſchafft des Liechtes
und Finſternuͤß / welche eines und nicht zwey ſind / iſt dieſe Welt
außgeſprochen / und im Verbo Fiat (als der Begierde) gefaſſet und
geforinet.
Das dritte Principium ift auffer dein Natur⸗ himmel / doch in-
qualircts in demſelben / und ift der Syderifege Geiſt GOttes.
Hierinne iſt die Syderiſche Lufft der Geift / und iſt das thierifche
eich [denn das irrdiſche gehöret darzu / diß gieng auffim Zorne
GOttes da diefe Welt gefhaffen / und ift diefe Welt.
Aus dieſem muͤſſen wirin dasandere mittlere Principium,
daß wir Kinder GOttes werten : So wir aber des zwenten
Principii nicht ltheilhafftig feynd / fo regieret ung ver Syderifche
Geiſt /im Liechte der Natur / welches eine fubtile Verführung
iſt / alſo find wir Heyden.
Dieſes
262 Clavis oder Schlüffel
Diefes aus
SKerin Friderich Kraufen, M. D.
eigener Hand.
Authoris Sceleton prædictorum
Ein Schluͤſſel ſeiner Schrifften.
Ungrund / Nichts,
Ngruͤndlicher Wille des Vatters / gehet vom
SS: Ungrumde aus. 3
Das Außgehen iſt Beift des Willens.
Das —— iſt das Gefundene / als der
Spiege
Der Wille iwaginiret im Spiegel des gefundenen/zeucht
in fich/ und fü hwängert ſich S ift Hertz.
Alſo wohnetver Wille als Vatter: und das Hertz alsSohn:
* der Außgang als Geiſt im Spiegel.
Der Spiegel iſt des Mylterii Auge.
Der Geift der aus dem Willen und Herkenaußgehet/ it
das Sehen oder die Effengim Spiegel.
Der Spiegelift fein Glaft /mitden Wundern.
Das Wunder ift ein Blitz mit allın Far ben) doch unerfant
deren einer.
Das Wunder iſt eine Begierde nach der Natur / dariñ ſichs
mag offenbahren / und empfühet Natur in das Begehren.
Das Begehren imaginiret nach dem Liechte der Freyheit /
und wird aus ſich / im Seuer offenbahr : und in ſich in ver fin-
ftern Welke.
Das Feuer wirdim Liechteoffenbahr in der Sreybeit /und
das Myfterium mit dem Spiegel der Wunder | welches im
Urſtande / in der Freyheit / ſtehet und auch bleibet / wird mit dem
ra offenbahr: und heiffet GOtt / mit der Weſenheit umb⸗
angen
Das Feuer Gottes luͤſtert nach Weſen: und empfaͤhet
Wiſt
Im Weſen iſt Tinctur.
Tinctur
etlicher vornehmen Pundten &c. 263
Tinctur begehret Leib / das ift das Element.
Das Element begehret Ens.
Ens ift Paradif oder das Weſen der Effeng im erſten We⸗
fen.
Ens dis Feuers und des Liechtes heiffet Quinta Effentia,
Diß alles begehret Weſen aus fiih / das ift die Äuffere
Belt ein gantz Gleichnuͤß der innern WBelt. .
Paradiß / iſt am naͤchſten diefer Welt.
Ein anderer Schlüffel des Authoris,
aus felbigen
HerinFriderich Kraufen, M. D,
eigener Hand,
Ungrund.
Wiger Wille des ungruͤndlichen Weſens
Myſterium der Dreyzahl mit der Weißheit auſſer
der Natur / iſt Wille / Hert / Geiſt / Spiegel / wird nicht
GOtt genannt. Aber in der Anzuͤndung des Prin-
cipui.
Principium iſt nach des Vatters Natur feine Eigenſchafft;
In der Majeſtaͤt wird Er GOtt genañt. Dann in der Ma⸗
jeſtaͤt iſt die Gottheit / und iſt Geiſt / Leben / Krafft.
Weißheit iſt das Gehaͤuſe des Myſterii auſſer der Natur /
iſt wie ein Glaſt oder Spiegel vom Myiterio.
Allhie ifts nur der Spiegel der Weißheit / der Wunder.
Weißheit iſt die Hffenbahrung der Gottheit / und Urfache
der Imagination des Vatters zum Sohne.
Finſtere Welt iſt der Grund / das Sincken.
Feuer-Welt / Datter. J. RINCIPIVM.
Kecht-Welt | Sohn. II. PRINCIPIUM.
Der Heil. Geift gehet vom Vatter und Sohne aus.
Weißheit iſt das Gehäufe diefer Dreyen.
Allhie wohnet die Dreyheit in ver Weißheit.
Weſen iſt Tinctura die hoͤchſte / und Tinctur iſt Weſen.
Weſenheit iſt in ihr ſelbſt todt. Tinctura iſt ihr Leben.
Weſenheit iſt goͤttliche / himmliſche Leibligkeit. Aut
ua⸗
264 Clavis oder Schluͤſſel
Aquafter ift himliſche Weſenheit / aus himliſchem Waſſer /
dariũ der J. —
Feuer ilt das rechte Principium ; das ſtarcke groſſe allmaͤchti⸗
ge Leben / [der Vatter / ſaget Chriſtus / iſt groͤſſer dann ich.
Dann das Feuer iſt groͤſſer dann das Liecht ] zwiſchen allen
dreyen Welten / gibt allen dreyen Quaal und Eſſentien.
Aus der Quaal entſtehet das rechte verſtaͤndliche Leben.
Was das Feuer gibt / daraus kommet Verſtand.
Feuer heiſſet Weſen / und gibt Geiſt.
Feuer gibt Wind: Liecht zibt Lufft.
Eſſentz iſt das gantze Weſen / ineinander: iſt das Leben der
Weſenheit.
Eſſentz hat kein Leben noech Weſen: Iſt wie ein Spiegel /
das Finden: Iſt ſubtiler als Weſen: Zeucht in ſich / daß We⸗
ſenheit wird.
Weſenheit komt aus der Eſſentz.
Aus der Sonnen Efleng wird Waſſer.
Ef das iſt Feuer in de Natur Sprache : feng iſt Faſſung /
Leibwerdung / haͤlt das Feuer in ſich.
Efleng iſt wie ein Gruͤnen / Quellen / (wie die Lebens⸗Geiſter
im Fleiſche) oder Raͤgen / oder kleine geben / in der Weiß⸗
beit] ohne den rechten Geiſt. Doc ein Geiſt daraus der rech⸗
ge Beift und Leben entftehet/ als aus feiner Urfach.
Ensift das Grünen.
lliafter. Anfang der Natur.
Cagaftrum ift das äuffere Seuer inder Außgebuhrt.
Necrolice, finftere Welt in den erften drey Beftalten.
Necromantice ift Seuer-geift / das Principium mit feiner
—— Necromantice im Sohn] in der $iecht: welt.
Himlifibe Jungfrau iſt ein Glaſt und Spiegel des Heil.
Gates. Dieferift das Sehen in Ihr. Sie) liche felber
nicht: ift das Wunder/die Farben. Der Heil. Geift/ ift die
Krafft darinn. Wäre ſie die Krafft /fo wäre fie die Gebaͤh⸗
rerin.
Yliafter , ift Myfterium des Göttlichen Wefens auffer der
Natur : welcher in jich faffet den Willen zur Natur, Daſ⸗
‚Leibe Gefaſſete im Willen | ift das Weſen der Natur mit ſei⸗
* nen
etlicher pornehmen Pundten &c. 265
nen Beftälten und Eigenfehafften. Das ift der Anfang und
das finftere Fiat, und ſtehet in der Herbigkeit. Iſt in fich
die finftere Welt) in de Außgebuhrt im dritten Principie
iſts die Erde: Die zwey Geſtaͤlte But und BSR (mas die fine
ftere firenge Geftalt antrifft ) daraus gebohren : Was aber die
Geiſtes Geftalt aniyr ſelbſt ift : heiffets Cagaftrum das Cen-
trum der Natur. Necrolice find die Beftälee ffirin Seuer und
Principioin der Angft-Eammer. Necromantice ift das Prin-
cipium : Die rechte Feuer⸗welt oder Seel: Welche im Liechte /
das ander Gentrumerbichret.
Das heiſſet Necromantice : Das iſt die Offenbahrung des
Yıiaftri : Da das Yliaftrum im Feuer und Liechte offenkahr
wird. Das ift die edle Bildnüh nah Gott ein Fleiner
GoOtt darinndie Dreyzahl) nder GOtt ſelber: Iſt auch die
Heil. Dreyfaltigkeit auſſer Forma, fo fern das Principiuna
angezündet if. Bon der Dreyzahl wird die Bildnüf aus
— majeſtaͤtiſchen Liechte entzuͤndet zu Goͤttlicher Verſtaͤnd⸗
nüß.
Tinctura, ift Jungfrau / alsdas Leben der Weißheit: hat
fliegend geiftlichteben/ift der fcharffe Geiſt in ver Weißheit.
Iſt nach dem Weſen / der Tungfräuliche Geift : Iſt in der
Wefenheit/die andere Eröffnerin der Weisheit nach dem Geiſt
GoOttes: Iſt der Weißheit Glang : Iſt des Heil. Geiftes
oder der Gottheit Leib. In ihr eröffnet der Heil. Geiſt die
Wunder Allhie / iſt ſie auffgeloͤſet: Gehoͤret zu den Wundern.
Quinta Eſſentia iſt Paradiß⸗Ouaal in der him̃liſchen
Welt: In deraͤuſſern Welt iſt ſie eingeſchloſſen. Wenn fie
auffgeloͤſet wird / iſts als Tinctura: Doch weils im Feuer iſt / iſts
nur halb offen: Waͤre ſie gantz offen / was ſollte fie nicht thun ?
Auſſerm Feuer ift Tin&ura und Tinctum wieder einge⸗
ſchloſſen.
Im neuen Menſchen iſt fie Quinta Eſſemia offen: Doch
mit dem alten uͤberzogen / kan Thaten und Wunder thun / und
Berge verſetzen.
Euſſer Myſterium (darzu das Geſtirne gehoͤret) hat alle
Krafft und Weſen des innern Myſterii. Allein daß es ein Auß⸗
gebuhrt / und als ———————— : Darein gehoͤret —
— trit
3. Clavisoder Schluſſel 9
tritt alles | was da iſt und genennet kan werden in dieſer Welt?
Darinn iſt Feuer / Waſſer / Erde] Lufft.
Lufft iſt der Geiſt des Myſterii.
Gottes Freudenreich iſt: Wann man aus der Angſt⸗
kammer durch den Tod in die Freyheit ins Liecht geſetzet wird.
Zion iſt an fich ſelbſt paradiſiſch Weſen / und Geſtalt des
MParadiſes: Iſt das Außgruͤnen des paradiſiſchen Weſens:
Welches im alten Adamiſchen Menſchen verborgen / und
wird im neuen Menſchen verſtanden. x
Das Megiment in Zion ift das ewige Element : De
alles inneliegt. Zion grünet ausdem Wefen des £lements/
‚wie die Efeng ausder Erden : Iſt das Grünen des neuen Lei⸗
bes in Chriſto⸗
Weißheit aber iſt das Auge des Elements und auch Zions.
Da alle Wunder erblicket werden / und aus den Wundern iſt
das Außgruͤnen nach der Geſtalt des Aublickes deſſelben
Spiegels. Weißheit iſt kein Weſen: Nimt auch fein We⸗
fen in ſich: Sondern iſt des Weſens Auge und Verſtand;
wohnet im Weſen; Iſt das Wunder darinn. Weißheit gibt
Farben / oder Geſtaͤltnuͤß der Farben: Weißheit iſt die Wun⸗
der die der Geiſt erblicket 2 Umbſchleuſt die alles.
MParadiß iſt Weſenheit: Das iſt rechte Eſſentz oder Weſen⸗
h ri
elf. -
Das heilige Element] it ms Leben deffelben Weſens:
Hat daffelbe Leben und Weſen an fich / iſt diefer Welt am
naͤheſten. Element] ift Wefenheit und derer Leben.
Siecht | ift Majeſtaͤt. Sohn] ift das Hertz des Liechts und
die Kraft der Majeſtaͤt.
Batter ist Krafft der feurifchen Efentien : ER iff die ver⸗
ee Feuer⸗welt. Diefe wird im Himmelreich nicht offene
ahr.
Seel] hat die Geſtalt der Natur: Iſt das Principium des
Vatters: hat Finſter⸗ und Feuer⸗welt: Iſts auch ſelber. Kan
das Feuer nicht brennen / fo hat fie fein Liecht / und iſt ein
Zeufel; deffen Feuer auch nicht bremen Fan.
Die heilige Seel / yar Ehrifti Geift : Derift der Heil.
Geiſt: Dergehetausder Seelen ans. Eu
urba
& —
etlicher vornehmen Pundten &c. 267
Turba iſt: Wann fich der Grimm ineinem Dingeröffner /
So wirddas Gute zerſtoͤret: Wird in ein Angfi-quasl ges
führet in der finſtern Welt Eigenfhafft.
Turba iſt Grimm und Zorn mwille/3errütter: Gfeich wann
das Suͤſſe fauer Wird wieder Effig inder Milch / daß die Milch
nicht mehr wird/ als ſie vorhin war.
Tinctura ift in allen dreyen Principien : Iſt die We⸗
ſenhelt der Heil. Dreyheit. Iſt keine Macherin] fondern das
Leben vom Seuer und Liecht: Eine Eröffnerin aller Farben /
in den Wundern Alles in höchften Grad zu führen. Wie die
aͤuſſere Tin&ur®old machet: Machet doch Eeines/eröffnets nur.
Tinctura machet die Farben in der Weißheit.
Tinctura ift das Leben der Weißheit ; Der Heil. Geift
iſt Aller Leben. f
Krafft gehet aus dein Centro der Natur. Iſt erſt peinliche
Dann im Liechte lieblich / freundlich verändert.
Myfterium Magnum auffer der Natur ift mit der Werß⸗
heit gar Eines : hat Alle Beftälte/ als Element / Paradiß:
Die Tindtur ifts höchfte.
Alles gehet aus dem MyfterioMagno. Digift in allen
dreyen Principien : In jedem Dinge/nach feiner Eigenfchafft-
Jedes ift was Heimliches : Iſt aus dem Mylterio Magno
kommen / und muß wieder hinein.
Alfo ver Menſch / macet feine Wunder inden Element:
ten | und in feinem Myfterio in ihme / und führe fie in die
Wurgel der £iementen / undalfo ins Myfterium. Wenn die
Elementa zergehen/fo bleibets Myfterium.
Die Seele ift mit diefem Myfterio ein Feier / darumb muß
der Menſch im Myfterio Rechnung dafür geben.
Sucht ift der Urſtand der Natur.
Wille iſt GOtt der Vatter der Ewigkeit.
ENDE,
M 2
ahrung/ we GOTT auffer der Natur in ich jelber/ und dann inder Natur/ nach den dreyen PRINCIPLEN betrachtet wird Auch was
Goꝛtli enb en
nPRINCIPIEN Göttlicher Offe eo * ve fen:
Tabell von dendreye Himmel und Hölle) Weit / Zeit und Ewigkeit ſamt allen Ereaturenfey ; Woraus alles entfprungen ; Was Das Sichtbahre und Unſichibah ſey
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: in ELE PÄRADEIS, ||73= 7:2] T I C 7 U
a ne Billionen) E Grund der NATUR, Sein ELEMENT. P PERF N : R
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Krafft 2 MWort geben ER der Lufft. Efleny. Natut. 38222) — —
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A...... ag Tugend 3 v 25083 | DB 8 © 2 2 >
Farben Boleiapnie'she Weißheit .2 Aercutius Mars, sol enus. Japitet. — 53388
RER) ... Satuznus. | pjanera, 2 Weich. 335—Sonn-A⸗Mitywoch. Dilenſt-Tag Sonn⸗Tag. Stch-Tag. | Donners⸗ Monde Tag.
=. EN — —— bend. Aug.
an RE Eee — i Sulph 5 crafft Leib 3
minder Einheit betrachtet / mas ER auffer Sal, Mercurius | Sulphur. | 5 alniien hle. Krafft. eib. we | — — —— Br
2 ——— doch kelner Be Forifwon| | Aranıim | 2] Begierlige x) Beweglig« | br a aan — Sfr
——— eiß von Paradelß kcit. £cit. igkeit. eich.
Stätte bevarff. Gruͤn / auffen in⸗ -
: — Sqwartz. Ver mengte Roth. | Seite. Inwendig Blau. Wehdig roch S el Schärfe. 2) Born. ja] Peim 13] Bitterwe- ,! Flinden. Zagen. 21 Sepden,
£ Sotted Zorn siechte Welt / Gottes Liebe. Grau. Sarben. wab und grün. Ay I 2 I. 08 |
inftere N — 5 Das Ander PRINCIPIUM. @ — Chriſtus. 3)Wort Got 3] Leben. 3 Annehmen. z) Suͤſſe. 3] Glory. Kraft. E SEA
as Erfte J z = An Cho- loriſch. sSan-uiniſch. phlezg- matiſch. tes. | | Mid 1b
— . 7. = \ A | —— — | J— |
I. 2. F 5 I | Grobyeit im | |") Ebenbild. x Außgehen - x Wollen. |x) Hoch. Ir) Riedriger | | sobsn. Einheit.
T I | F U R S N alle Nof. | Wacfen: | Perlen. |Edel-tteine.|Menftruum. — ver Seife Wilk. i
— Steinen. — J
— S 2] Eigen Ain- 2] Eigen |2,Eigenswilr 2| Hcrrfchen. z Hofarty.| Schänden. 2 Narhrit,
= 41 athan. ig g |
———— Is t oder 2 s Eifen, ; inn. ilber. nehmen. Willen. Ik. * it 31 Weiß
— —— — geuer. — Schall. | Wefen. = Bley. jAuedfilder.) Say, | Sl Kuffer. | Zinn | Gitter Ehriftus. | 3) Einheit |3] Gelaſſen. |3] Leyden. —— 3| Begierde. . —— 3) Weiph
Einfaffen.] Stachel. bet | Gottes. & en. er Kira | J
— — Eſſentialiſch * of. N Behr En . Vitt J Ile | |
; ände. Egenſchaſt =, Bein. ae 32 an Aa | 9 Aramim | | Schmäden|z| Sinnen. ſx Gemüthe. |x Verſtand. 1] Stift. Reiden. 2) Eveflsum
int — Peinlich Hebe⸗ Leben. an Würden, = 1% — | Yaraveig m der Natur,
inſter. | o n sehen. ich Leben. oder wefent: — Su ee »
wiegen. lich $eben. = Sauer. Gifft. NBehethun.| Eröffnen. | Heylen. ige Fleiſch. a sur 2| gügen. |2| Angſt. Zweiffel. la] Fallen. \ Stand. |2]Ausfoffen-
—— — —— — Ss — —— Schiedlig ·
4 4 a Edel der Ü keit. Tauffe. 3 erfprens offen. 3) Demuth. | | Glauben. |3|Genius oder
poebr. Feindfhaft.) Gemnüthe.) Gira. | Freude. sn Sorme. zZ topffen „üshen, Säle. Sin. Schmaͤcken. AWuen. Natur. tus ek ——— — a # ——
Härte. | < — —
üchtig, äfftig. x Thron.
— 2 [EEE * Sterben. | Sügen. Zom.Krieg. Keihthum Edel, | Bernunfft. a Ber me ı) Stärde. |z — 2) Macht. |x) Heylig. ſa Züchtig Kraͤfftig Thron
Kadt des z s | 3 BIRneip: .
Schärfe. Mufffteigen.| "sches, | Zödten. | Kraft. Uebe. Berrma, it. j geichtfer- | | Unfinnig. |2] Eigen Ehr.
@ Her. - gift, | Gewalt. | Recht, Getreu. Wahrheit.Einſalt. Sathan. ja] Herr. Gewalt. ja Boßheit. |2]) Durſtig. — 8 ö
Nehmen / * Iwiſd⸗ Pe re Chriftus. | |3] Niedrige 3 Gchorfam.lz Semi: DVergeben. 3| Geben. | | Gebühren. 3 Ehre geben
nen d — ichtſin⸗ keit. igteit. |
Grimm. | Hoffart. | Berzagen.| Hölle. | Glory. | Geben. oder . Stehlen. |Betriegen. | Verlicren.| Finden. der Bichi Han Bi. | &8
i m 3 e TEN 2 I F 4 Mr
— m Be — |] Adam im Engel. |e Dienfte ſx Milde. |x/Sreundtc. 2) Schoͤnheit. „| Zugend. 2] Sleifh.
— Hartſinnig. Verwirrter Nichts ah] Stand⸗ Inverftän: | | Parapctp. hafft.
za ae a Sem. Sa. Soben Se es Bin | u baftis. ses dig. Suthan Zeuffel 2) Wider⸗ ſa Diebs@e, |2| Mörder. [2] Belials Gift. |* a
Zodt. Wilk. odt. a i 5 - — — athan. | |2 El IE . || Hure. Fleiſch.
Zeuffel. | Engel. | wertig. muͤthe.
* — e ben. Heylig. ieder⸗ Sophia.
5 Irrdiſch. zsiei. | Bf. Himliſch. Zühtig. | Sinnlih | Niedrig. Ehriftus. | |3| Ehriftus. |3 in 3 Zu. |3jRew eben. 3] Heylig j 35 P
Vom Ur⸗ I b el m | [ee ee a ee
Selbſt heit. Zrb ſtand ſchei⸗ Thorheit. Weißhei it. D Eee — 1] Singe Ki | Par adel
Stillfichen, ſerbrechen. ben horheit. Weißtheit. Hochheit. Demuth. — Adam imeeſ Himmel. ſx Kindheit. ſs Berborgen, a] Offenbahr. ingen. || Klingen.
2 Wolf. | Zuchs. | Hundt, gone. Vogel. Affe. Zu SEE heit,
. hier. Paradeiß
mmer ſal⸗ al Phantafie | | Verwan · Klufft der
3 Böfe Gettreue Satpan. | Boͤlle. je Streiten. Quaol. — 3 u ia ren. |*] Delung. Zieffe.
Im Rauben. Phantaſey. Se Stärke. | Thron. hier | Slüchtige | Zunme | Fiſche F
nög. 5 . e hier. Rewelzpier, Siche) HD Öfen. 3) New Ge · 3Sich freu-| 3| Behten. 3) Grünen,
— | Seburt. | euer.‘ | Sophia | Ehriftus. | 13 le 3 Schren. |3 Anflöfen. 5 mÄlh, aA
TETRAGRAMMATON.
Sn biefer Tabelltwird der Ausflus des Ewigen Böttlicyen Wortes betrachtet / wie
) ſich das Wort durch die Welßheit / aus der Sinheit n Vielfaͤltigung und —— I
ſo wohl in Natur und Ereaturder Ewigen einführet/ wie ſich die Einheit in Annehm⸗
ft einenzornigen Eyſerigen Ott undein berzehrend Feuer nennet / ſowohl einen
— —
MACROCOSMUS.
In diefer Tabell wird angedeutet / wie die geiftliche ewige Welt / al das Myfterium
Magnum, ſey durch Bewegung des Wortes GOttes auggefloffen und ſichtbar wor⸗
den / auch fauibar und materialifch / und wie aus den Eigenfchafften Ercaturen geſchaf⸗
fen find / Damandie Innere geiftliche Welt foll darinnen verborgen verftchen / und
wie ſich die Inneren Kräfftedurh Göttliche Wärdung haben eingefaffer und gebils
det: Daymaninallen Dingen Gutes und Böfes verſtehen ban / und da doch im Myſterio
Magno fein Boͤſes geweſen iſt / ſondern iſt durch die Empfindligteit und Annthmung
Eigener Begierde entſtanden.
Aus dieſem Grunde feind Alle Ereaturen / der Gichtbahren herkommen : So iſts
allyiekentworffen / mas aus jeder Eigenſchafft im Würden ausfliefft : Und welche Ei»
genſchafft unter pen ſieben das Ober Regiment hat / datnach wird ein Ding gebildet und
Fegieret, . .
MI CBEIOCOS:MUS,
abell wird der Men! rgeftellet/ was Er ſey im Paradeife geweſen / als alle
en h She in der elite en Annehmung Eigener Begierde ſtunden / da Er im
Bilde GGttes ftunde: und was Er fiydurd) des Sathans Trug und Inflcirung worden: was
das Monſtrum der&chlangen in Ihme ſiy / davon Er iſt Irrdiſch und fterblich wordenrund dann wie
Ihme ſey GOttes Wort und Liebe wirder zu huͤlffe kommen / und Ihn in Chriſto newgebähre /
und das Sclangen Bild täglich todte und in was Gefahr und Elende Er in ſolcher Bildung ſtehe /
wie Er auff dem Grunde der Hoͤllen und des Himmels ſtehe. So iſts entworffen / wie Er alſo ſey ein
Bilde der fieben Eigenſchafften / aus allen Dreyen Principiis / nach Ewigteit undgeit in ein Bild
geſetzet / als cin Ebenbild Goͤttlicher Oſenbahrung und Wiſſenſchafft: zu mehrerm Verſtande / wie
Er ſoll fein Leben regieren / und welchen Trieb Er ſich ergeben fol.
lagkeit und Empfindligkeit / ſo wohl in Liecht und Finſternuß einführet: nach welhen
lieben Barınhergigen GGet · Dakinnen man den Grundder Engel und Seelen verſte ·
het / Daꝛ innen fie die Seeligteit oder Perdamnüßennehmen mögen. In den 7. Spatiis
querüber werden die fieben Eigenfchafftender Erizen Natur / alg das Mylerium Mag-
num verftanden. Biß zur wierdten Sinieang Feier / wirddas Erfte Principium, alt
die Sinfternüg und Urfahender Bewegnuͤt unddes Peinlichen Scheng verftandensund
vom Feuer big zur ficbenden Eigenfhafft wird das Ander Ptincipium, als die Engliſche
Belt verkanden und in den Spatüis herunteriwertamerden di
serftanden. — n die Eigenſchafflen des Sehens
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Von der groffen und klei⸗
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Geſtellet durch
Jacos Bönume,
Sonſten Teutonicus Philofophus genannt,
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Zu Amſterdam /
Gedruckt im Jahr Chriſti / 1632,
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278
Inhalt der dreyen Tafeln.
Erklaͤrung der erſten Tafel / über die zwey Princi-
pia der ewigen Natur.
I.
IA dieſen dreyen Tabellen wird
erklaͤret und angedentet/wic ſich
der verborgene GOtt aus ſich
ſelber / durch ſein Außhauchen
der Krafft Habe offenbahret:
Was Himmel uñ Hoͤlle / Welt /
Engel / Teuſel und alle Creatu⸗
ren / ſambt allen Weſen und
Weben find: Wovon Boͤſes un
Gutes / Liecht und Finſternuͤß /
Leben und Tod / Freund und
A) NZ, Feind / Härte und Teiche ur⸗
IN Kande : Und wie die Berwan⸗
delung aller Wefen geſchehen 8 ABic fich das Gute in ein Böfes/
und dass Böfe in ein Gutes verwandelt: Auch wird darinnen fürs
geftellet/wie alleDinge in dem Grunde / daraus fie anfanglich ent⸗
ſproſſen find/gut und nüglich find : Und wie alle Bewegnuͤſſen is
Unvermeidlichkeit fiehen.
2. Und werden fonderlich die drey Principia Böttlicher Offen»
bahrung / wie diefelben aus einem einigen@ runde urſtaͤnden / nach
Ewigkeit und Zeit hiemit angedeutet.
3. Als das erſte Principium mit der ewigen Finfternüß/als in
Annehmligkeit der Eigenfchafften/ davon Eipfindligkeit / Wol⸗
len und geben urſtaͤndet / welches mit feinem Grunde reicher bi
ins Feuer.
4. Das ander Principium im$iecht mit der Eugliſchen Krafft⸗
welt /darinnen fich der Augflug Göftlicher Krafft und Willens
Durchs magifche Feuer mit der feuer⸗flammenden Liebe offenbah⸗
tet /Darinnen man das Reid GOttes verfichet.
5. Das dritte Principium ift die fichtbahre elementifche Welt
mit ihren Heeren/ welche ein Ausflug aus den erften undanders
Principio , durch Bewegnuͤß und Außhauchen Göttliher Kraffe
und Willens ift /darinnen die geiftliche Welt nach Licht, und
Finſtar nuͤß abgebildet / und in creatürliche Arth kommen iſt.
6. In dem Schemate wird angedeutet / was GOtt auffer der
Mm 4 * Natur
272 Tabula Principiorum.
Natur und Ereaturin fich ſelber ſey. In der erften Tafelwird
angezeiget das Außhauchen des göttlichen ABortsdurd die Weiß»
heit / wieihme das Hauchen göttlicher Krafft einen Gegenwurff
mache / und wie fich der aufgefloffene Wille in Annehmligkeit /
und fonderlich in fieben Eigenſchafften zur ewigen Natur der
Empfindligfeit und Würdligkeit einführe : In welcher Wuͤrck⸗
Jigfeit der ewige Wille GOttes natürlich / und ein Schöpffer des
Weſens erkant wird / darinnen fuͤrnehmlich der englifche und
ſeeliſche Grund mit ewigem geiſtlichen Feuer und Liechte vers
ſtanden wird.
7. In der andern Tafel wird die ſichtbahre Welt / als ein Auß⸗
fluß derfelben inneren geiftlichen Krafft- welt verſtanden / wie ſich
die Eigenſchafften des inneren Grundes haben geſchieden / und
wieder in einen Gegen-wurffeingeführet/darausdie Sternen/
Elementa, und Creaturen ihren Urfprumghabengenomnen.
8. In der dritten Zafel wird der Menſch nach allen dreyen
Principien verftanden / als ein rechtes Gegenbilde GOttes aus,
Ewigkeit und Zeit: Was er in Seel / Geiſt und Leib ſey; Ilemy
was er ſey im Paradeiſe in der erſten Schoͤpffung geweſen / und
was er ſeh im Abfall worden / durch den Geiſt des Irrthums; was
die Gifft der Schlangen in ihme ſey / und wie ihme Chriſtus wie⸗
der gu helffen und neu⸗ zuge baͤhren ſey kommen / was er in. Chriſto
in der neuen Gebuhrt ſey.
Erklaͤrung des Schematis,
9. DI Wort ADONAL deutet andas Auffthun oder felbfte
Beweguuͤß der ungründlichen ewigen Einheit / was die
ewige Gebaͤhrung / Auffthun und Außgang der Dreyheit GOt⸗
tes in ſich ſelber ſey.
A Das(A)iftein dreyfaches I, welches ſich creutzweiſe in
fich faffet/als in einen Anfang/Ein-undYuggang. Das (D)
ift die Bewegnüß des dreyfachen I,als das Auffthuende.
oO Das (O)ift die Circumferen des dreyfachen I,als Die Ge⸗
buhrt der Stätte GOttes in fich felber. Das( N) iftder
dreyfache Geift/ welcher aus der Circumfereng/ aus fid) ſel⸗
beralsein dreyfaches Laußgehet. Dasuntere (A )iftder
Gegenswurff oder das Würden des dreyſachen Loder Gei⸗
ftes/ davon Bewegnuͤß / Krafft/ Farben und Tugenden ent⸗
I ftehen oder urftänden. Das (1) iſt der weſentliche Auß⸗
fluß des dreyfachen I, dadie Dreyheit in der Einheit außfleuſt /
und verſtehet man in dieſem gantzen Worte das ewige Leben der
Einheit GOttes. 10. Das
Tabula Principiorum. 273
20. Das Wort ( Datter) ift der Einige Anfang des Würc»
kens und Wollens in dem drepfachen I der Einheit.
ır. Das Wort ( Sohn )ift das Gewuͤrckete der Krafft / als
die Einfagligkeit des Willens / darinnen fich derdrepfache Geiſt
fhleuft als eine Stätte der Göttlihen Ichheit.
ı2. Das Wort (Geiſt Jift dic lebendige außgehende Beweg⸗
nüß in ver gefaffeten Kraft im Gleichnuß / wiemansan einer
Blumen verſtehen önte. Das Auffthunoder würdende Wach:
fen ijt der Anfang : Die Krafft des Wuͤrckens ift der Umbſchluß
und cörperlihe Einfaffung des Wachfens : Und der Geruch /
welcher ausderKrafft auͤßgehet / iſt die Bewegnuͤß oder das wach⸗
ſende außgehende Feuer⸗leben der Krafft / daraus die Blume
entſpringet / davon man ein Gleichnuͤß ſiehet / wie ſich die Ge⸗
baͤhrung Goͤttlicher Krafft abbildet.
13. Das Wort (Krafft) deutet an das hauchende / außgehen⸗
de / verſtaͤndliche Leben / als den Grund und Quelle der außflieſ⸗
ſenden Wiſſenſchafft der Unterſchiedlichkeit.
14. Das Wort ( Surben ) deutet an das Subjectum oder Ge⸗
genmurff der Krafft / da die Unterfchiedkigkeit und Urfprung des
finnlichen Sebens der Erkaͤntnuͤß verftanden wird / da eine ewige
Beſchauligkeit urftändet.
25. Das Wort (Willen ) deutet an das Wollen eder Be⸗
wegen in der auffthuenden Einheit / damit ſich die Einheit felber
in Dreyheii wil / als das Nichts in fein eigen Etwas /darinnen
es cin Verbringen und Wollen hat.
16. Das Wort (Luſt) deutet andie wuͤrckliche Empfindlig⸗
keit des Willens oder Wollens / afsden hoͤch ſten Grund / die ur⸗
ſpruͤngliche Liebe / da ſich der Wille des Ungrundes in ſeinem Et⸗
was empfindet / da er ſich dem Etwas / als ſeiner Empfindung
einergibet / und in der Empfindligkeit in feinem eigenen Ge⸗
ſchmack wuͤrcket und wil.
17. Das Wort (Seientz) deutet an die wuͤrckliche empfind⸗
liche Wiflenfihafft und Berſtaͤndnuͤß in dem Liebe-geſchmack /
eine Wurtzel der fünf Sinnen / und ein Grumd des ewigen Le⸗
bens / Daraus die Berftandnüg außquillet / und fich Die ewige
Einheit darein gründet.
18. Das Wort (Wort ) deutet an/mwie fih die ewige Liebe der
empfindlichen Einheit mit ver Wiffenfchafft ewig auffpricht in
sinen Gegenwurff / fo iſt das Wort / das Außſprechen oder Hau»
chen des Willens aus der Krafft durch die Verſtaͤndnuͤß. Esift
das Treiben und Bilden der ewigen Krafft in Unendlichkeit der
mM 5 Birk
274 Tabula Principiorum.
Vielheit / als der Schöpffer der Krafft aus der Einheit in Tits
enden.
7 19. Das Wort (Weißheit) iſt das außgefloſſene Wort /als
einGegenwurff Goͤttlicher Biffenfchafft Goͤttliches Willens / als
die ee Frl der groſſenLiebe SOttes / daraus alle Dinge
ihre Bewegnuͤß und Muͤgligkeit empfangen haben: Ein Grund
aller dreyen Principien: Eine Ofſenbahrung der Einheit GOt⸗
tes: Ein leydentlich Weſen Goͤttlicher Wuͤrckung und Grund
aller Demüthigkeit : Eine Gebaͤhrerin aller Wiſſenſchafft der
Greaturen / und ein ewig Gehäufe der mwürcdenden Siche GOt⸗
tes / ein Straal und Ddem des allmächtigen Geiftes,
20. Das Wort (JEHOVAH) iftderallerheiligfte Name
GoOttes / als das Göttliche fenfualifche Leben / das Einige Gute /
darinnen die Heil. Drepfaltigfeit mit der Glori und Allmacht
werftanden wird ; Ein schen des Ungrundes als der Einheit /
welches vornehmlich in der einigen Liebe ſtehet; Und wird darin»
nen der allerheiligfie Name JESUS verftanden / als das aus⸗
flieffende 1: Ein Grumd und Quelle des Hauchens der Einheit
GHttes : Eine Formung des Verftändnüffes/ denn der Auge
flug der Einheit führet ſich mit dem (I )ins(E als ein Befichte
oder Schen eines Chaos , darinnen Das Myfterium Magnum
nach Göttlicher Arth verftanden wird / und ift ein dreyfaches
Hauchen der Krafft.
a1. (JE) ift ein Hauch r Einheit / und das (HO)ift
tin Hauchendes( JE) —D in Hauchen des (HO)
und iſt Doc Ein Hauchen / und machet aber einen dreyfachen
Außgang dreyer gentren oder Faſſungen: Und verſtehen dar⸗
innen / wie ſich das dreyfache Jendlich ins A fchleuft/ als in einen
ai r.
22. Darunter ſtehet Leben) das deutet an / daß dieſes drey⸗
fache Hauchen ginn cl Leben und Krafft ſey. Darunter ſtehet
Tugend / das deutet an die unmaͤßliche Tugend ſolches hauchen⸗
den Lebens.
23. In dieſer Tabell wird nun recht verſtanden / was GOtt
auſſer der Natur und Ereatur ſey in Drevfaltigkeit /als in ci=
nem dreyfachen Außhauchen der Einheit in fich felber / da man
nicht Fan von Orth oder Stätte feiner Wohnung ſagen / auch von
keiner Maͤßligkeit oder Abtheiligke it /denn er ift weder da noch
dorte / fondern überall zugleich / wie man den Ungrund betrach⸗
cet / als die ewige Einheit aus Natur md Cregtur / ſo iſt er eine
wuͤrckliche Kraft und Weſen der Einheit |
24. Daß
Tabula Principiorum. 278
24. Daßaber wahrhaftig folche Kraft und Tugendder Eina -
heit darinnen verftanden werde/das verſtehet man an feiner auß⸗
gefloffenen Krafft der Welt und Creaturen / was aus feinem
Aushauchen erbohren ift ; Und it Eein Ding in diefer AReltf
welches dehme nicht Zeugnüß gibet / fo man das wahrnimmet.
Erklärung der eriten Tafel.
TETRAGRAMMATON.
25 N diefer Tafel wird fürgeftellet/ wie fich der heilige
Name der ewigen Kraft mit der Erfüntnüg und
Wiſſenſchafft von Ewigkeit in Emigteit/ in Na⸗
tur zu ewigem Liecht und Finſternuͤß in Eigen⸗
ſchafften einfuͤhret / wie fich das Wort des Auß⸗
hauchens in cin Subjectum oder Gegen⸗wurff einfuͤhret / und wie
in dem Gegen-⸗wurff eigener Wille und Annehmligkeit der Ei⸗
- genfchafften entſtehet / darinnen man allemahl zwey Weſen vers
ſtehet / als GOttes eigener Außflußz / und denn der Eigenſchaff⸗
ten ihre eigene Annehmligkeiten im freyen Willen / in welcher
Annehmligkeit cin Wieder⸗gegenwurff aufferficher Arth ver>
ftanden wird / damit die Einyeit in ihrem Außfluſſe immer auf?
ferlicher wird/ und dadurch fich.die ewige Siche in Einpfindligkeit
und feuer⸗flammende Arth einfuͤhret als cin Würden Goͤtt⸗
licher Kräffte.
26. Über der Tafel ficher / finftere Welt Jund darunfer das
erfte Principium ‚und gegen über von der vierdten Zahl big zur
fiebenvden / ſtehet Liecht-welt / GOttes Siche / und Darunter dag
ander Principium. Das deutet an/ wie ſich ver außgefloſſene
Wille mit der Annehmligkeit eigener Begierde einfchlieffe und
uͤberſchatte / mit der Begierde der Ichheit in Eigenſchafften eins
führe / und zur Finfternüg mache / da das aufgefloffene Ein in
der Finſternuͤß durchs Feuer im Liechte offenbahr wird und em⸗
pfindlich / und eine Urfach des Liechtes fey / in welchem Sicht
GoOttes Siehe eine feurifhe Würdung vom Feuer der ewigen
Ratur annimt / und fcheinet im Feuer Durch die firftere peinliche
Annehmligkeit aus/wie ein sicht aus der Kertze und wie der
Tag in Ver Nacht davon auch Tag und Nacht ihren Urſtand /
Grund und Namen haben in der Zeit empfangen.
27. Aber in Ewigkeit iſt alfo ein ewig Siecht und Finfternüg
ineinander, Die Finfternügift der Grund der Natur / und das
Liecht ift der Grund der Freudenreich Böttlicher Hffenhahrung z.
mM 6 So
276 Tabula Principiorum.
So heiffet die finſtere Welt / als der Grumd der Eigenſchafften
eigener Begierde und Willens das erfte Principium , weil es eine
Urfach Böttliher Hffenbahrung ift nach der Empfindlichkeit / und
auch ei eigens Reich in fich machet / als peinliche Quaal / darnach
fih GOtt einen zornigen und eyferigen GOtt / und cin verzeh⸗
rend Feuer nennet: Und das Liecht / welches im Feuer offenbahr
wird /darinnen die Einheit Böttlihes Außfluſſes der Liebe ver⸗
fanden wird / heiffet das ander Principium , als die Göttliche
Krafft:welt/ da GOttes Liebe ein Liebe-feuer und wuͤrckliches
schen darinnen ift/ wie gefchrieben ſtehet: GOtt wohnetin eis
nem Liechte / darzu Niemand kommen kan / denn die Krafft ver
Einheit GOttes wuͤrcket im Liechte / und iſt GOtt / aber die ſeu⸗
rende Arth im Liechte iſt die ewige Natur / darinnen ſich die ewige
Liebe der Einheit liebet und empfindet.
28. Unter dem erſten und andern Principio ſtehen in den ſteben
Spatiis fieben Zahlen / diefe deuten an die ficben Eigenfihafften
der ewigen Natur / und darunter ſtehet Tinctur, in den Jicben
Spatiis auggetheilet/das deutet an das Göttliche Wort/ein Tem-
perament oder gleiche Eigenfchafft / Darinnen die Göttliche
Kraffte in gleichem Willen / Würden und Weſen inne liegen /
als der aufgefloffene ame GOttes / darinnen die groffe Geheim⸗
nuͤß Göttlicher Krafft und Wuͤrckung mit den Charakteren der
Buchftaben in der Außtheilung inden ficben Eigenfihafften vers
fanden wird.
2% Das Wort TINCTUR ft das fchiedliche Wort / dar⸗
ans die ſteben Eigenschaften flieffen. Der Buchftab( T )ift das
Tau oder Auffthun der Einheit / als das des Dreyfachen (1)
ein Grund zum Hauchen. (1 ) iſt der Außfluß aus dein T oder
Außgang der Einheit / als der Creutz⸗ angel des Lebens. (N) iſt der
Außfluß des lautenden dreyfachen Geiſtes. (O) iſt das Zerſchnei⸗
den des Lautens / da ſich das Lalsder Außfluß der ey wieder
sonder Finſternuͤß ſcheidet / umd die Annchmiigfeit des ewigen
Willens zerbricht. Das ander Tunter Numero fünff ift das
heilige Tau. oder Auffthun der Glori in der feurifchen Empfinds
tigkeit mitder feurenden Liebe / als damit ſich GOttes Reich auff⸗
thut / und deutet an die groffe Macht der Sicchts=Frafft. (CV )ift
nun des Heil. Geiftes Charadter mit dreyen Spisen; Zwey in
die Höhe bedeuten das Feuer und Liecht / und der dritte unter fich
bedeutet die Einheit in der Liebe / als die Demuth. Mitden(R)
wird das heilige Feuer und Liecht in ein würdlich natürlidy
Weſen gefallets denn es deutet an Das Reich /als den
wu
Tabula Prineipiorum. 277
und wird hiemit angedeutet / wie fichder heilige Name mit dem
außflieſſenden Willen ins Myflerium Magnum ,alsin die ewige
Geheimnuͤß einführet/daraus die ſichtbahre Weltentfproffen ik,
Die groffe Geheimnuͤß der Tinkur, oder Grund
der Dreyheit GOttes.
T 30. Iſt das dreyfache I, iſt den Vatter andeutende
1 Iſt das Gebohrne: Lift JEſus.
N Iſt das dreyfache I im Geiſte.
C St Chriſtum andeutende.
T Im fuͤnfften Spatio iſt der Vatter in Chriſto.
U Iſt der Geiſt Chriſti im Wort / das da lebendig machet.
R Ifkder Königliche Thron / umb welchen Liecht und Finfters
nuͤß ſtreitet da Satan und Chriftus gegen einanver ftehen : Als
nac der Annehmligkeit eigenes Willens / der Satan als der
Irrgeiſt; Und nach der Einheit Chriftus ; da man Liebe und 3orır
in einem Grunde/aber in zweyerley Offenbahrung verftehet / dere
Unfern verftanden / welche GOtt angehören /aber den andern an
diefem Orth ein Schloß dafuͤr.
Die groſſe Geheimnuͤß der Tinctur, oder groͤſte und
hoͤchſte Grund der Dreyheit GOttes.
ZEN Iefe Tafel in ſieben Spatien iſt der Grund der Engel und
Seelen / als das Myfterium Magnrim der Verwande⸗
lung / da alle Muͤgligkeiten inne liegen.
32. Queruͤber nach den fieben Zahlen wird der Außfluß von eis
nem in ſieben verftanden. Biß ans Feuer / daraus das Sicht
offenbahr wird / iſt das erſte Principium zu verſtehen / und vony
Feuer hiß zum Weſen iſt das andere Principiam , und herunter=
werts rd unter jeder Eigenſchafft verſtanden / was für ein Auß⸗
fluß aus jeder Eigenſchafft ĩm Mit⸗ wuͤrcken der anderen Eigen»
ſchafften komme: Nicht zu verſtehen / daß eine einige Eigenſchafft
einen ſolchen Außfluß alleine gebe / ſondern alle ſieben geben ihn /
aber die erfte Geſtalt herrſchet darinnen / und behaͤlt das Ober⸗
regiment.
33. Als da No. x. ſtehet Begierde oder Einfaſſen / ſo verſtehet
man / daß die Begierde magneiiſch ſey / und ſich ſelber einſchleuſt
und verfinſtert / welches als ein Grund der ewigen und zeitlichen
Finſternuͤß ift; und aus ſolchem Einziehen kommet Schärfe,
M7 Herbe
278 Tabula Principiorum.
Herbe und Haͤrte / die iſt ein Urſtand des Grimmes / davon der
groſſe ewige Tod urſtaͤndet / denn dieſer Magnet zeucht die Krafft
in ſich / und verſchleuſt fie in ſich / daß das Wuͤrcken ſtille ſtehet /
und in Unmacht tritt / wie unter No.ı. herunterwerts zu ſehen iſt.
34. Unter No. 2. ſtehet Scientz oder Ziehen / dieſes iſt die an⸗
dere Geſtalt zur Natur / als die Bewegnuͤß des magnetiſchen
Einziehens/ davon die Empfindligkeit der Natur urſtaͤndet / und
iſt der Grund aller Contrarietaͤt dann Härte und Bewegnuͤß
ſeynd Feinde / denn das Bewegen zerbricht die Haͤrte wieder / und
gebiehret doch auch die Härte mit dem Anziehen.
35. Alfo urftänden zwey Wefen im begierlichen außgefloffe>
nen Willen GOttes: Als das Ziehen der magnetiſchen Krafft
gibt Bewegnuͤß und Empfindligkeit / und das angezegene gibet
Weſen /darinnen man die Urſach zu Beift und Leib werfichet;
Als im Ziehen der Empfindligkeit den Geift / und im Angezoge:
nen den geib/ oder die Urſach zur Seibligkeit.
36. So nun fold Einzichen und Weſen nicht mag das Licht
der Einheit GOttes erreichen / dadurch es gefänfftiget wird / ſo
bleibets in ſich eine eitele Feindſchafft / und ift eine Quelle des
Wuͤtens / Auffſteigens / darans eigen Annehmligkeit und Hofs
farth urftändet/ dennder Wille eigener Annehmligreitiftfalfch/
und ein ſtaͤter Zerbrecher feiner felbft /als feines Weſens / und
ver ſtehet man indiefen zweyen Geftalten/als Begierde und Ein
ziehen / in ihren außflieſſenden Eigenfihafften GOttes Zorn:
Undob fie wohl der Grund des empfindlichen Lebens feynd / fo
aber das Liecht darein ſcheinet / fo feynd fie der Grund der Freue
denreich / ale eine innere Bewegnuͤß in der Einheit GOttes / und
ein Grund der fünff Sinnen / Daraus auch das creatürkiche Leben
feinen Anfang genommen hat / darinnen aud) feine Verderbnuͤß
ſtehet / fo ferne es das Liecht verleuret / denn es iſt der Quaal ver
hötlifchen Angſt / als die Urſach der Peinligkeit / und ift doch die
Wurtzel des natürlichen Lebens.
37. No. 3. ſtehet die dritte Geſtalt der Natur / und heiſſet
Angſt / als eine geiſtliche Schwefel-quaal der Eigenſchafft nach /
die nimt ihren Grund aus der erſten und andern Eigenſchafft
oder Geftalt/ als x. aus der magnetifchen Begierde / undz. aus
der Bewegnuͤß des Einzichens / darinnen der aufigefloffene
Wille in Unruhe und Angſt ftchet. Die Angſt iſt die Urſach des
natürlichen Wollens/ Gemüthes und der Sinnen /1md iſt des
gebens Rad / als eine Urſach des feuriſchen Lebens.
38. Denn fo der außgefloſſene Wille der Einheit GOttes in
der
Tabula Principiorum. 279
der Angft ſtehet / fofähnet er fich wieder nach der Einheit / als
nach der Ruhe / und die Einheit oder Ruhe fühnet fich nach der
Bervegnüß und Offenbahrung: Und möchte doch auch Inder Ein
heit Feine Offenbahrung ohne Bewegnüß feyn/ darumb fleuft
der Göttliche Wille aus fich felber aus / und führet fich die Goͤtt⸗
liche guft in dem auggefloffenen Willen in Begierde und Bes
wegnüg cin zu einer Empfindligkeit /auff dag fie fich felber em⸗
pfinde / und bleiben zwey in einem Weſen / als die empfindliche
Göttliche Luſt / und die Urfach der Empfindligkeit / darinnen
ic) GOtt einen liefen GOtt nennet / nemlich nach der empfinde
lichen Böttlichen Liebe⸗-luſt /und einen zernigen GOtt nach der
Urfach ver Empfindligkeit / als nach der ewigen Natur.
39. Undverjtchen in der Angft / fe ferne das Göttliche Liecht
darinn nicht offenbahr iſt / das hoͤlliſche Feuer und einewig Vers
zagen und Schrecken / da der eigene Wille der Natur immerdar
in jterbender Quaal ſtehet / und ſich immerdar kegehref von fols
chem Grumde zu fcheiden / welches ich darımb den Eleinen Tod
heiſſe / daß es der ewige ſterbende Ted ift; undaber in der Härs
tigkeit der groffe ſtill⸗ſtehende Tod if.
40. Dieſe Geftalt / fo ſte nicht das Liecht hat / iſt der Brunn⸗
auelldes falſchen Gemuͤths / fo fie aber Das Liecht in ſich empfin⸗
det / fo ift fie der Brunnsguell und Grund des finnlichern Ge⸗
müths/ und die rechte Wurtzel des Feuers / wie unter No. 3. her⸗
unterwerts zu ſehen ift.
41. Die vierdte Geſtalt No. 4. iſt das Feuer der ewigen Na⸗
tur / verſtehet ein geiſtlich Lebens-feuer / das urſtaͤndet aus der
ſtaͤts-⸗ waͤhrenden Conjunction oder Zuſammenfuͤgung der Haͤr⸗
te und des Bewegens / verſtehet / die Peinligkeit urſtaͤndet daraus /
aber der Feuer-glantz urſtaͤndet aus der freyen Luſt des Willens /
da die Einheit der Luſt in den Eigenſchafften geſchaͤrffet wird / fo
erſcheinet ſie als ein Blitz Durch die ſtaͤts⸗waͤhrende Conjunction
der groſſen Saͤnffte der Einheit und der Grimmigkeit des Be⸗
wegens der drepenerften Eigenſchafften / denn es ift inder Effeng
der Conyunktion, alsriebe man Staal und Steine aneinander/
Davon Der Blig entlichet.
42. Solcher Blig ift das wahre natürliche und creatürliche
Leben der ewigen Ereaturen denn es iſt die Dffenbahrung Goͤtt⸗
licher Bewegnuͤß / und hat die Eigenſchafften der Natur / und
auch die Offenbahrung der Einheit Goͤttliches Außfluſſes in ſich /
welches unter die ſen beyden das Ober⸗regiment hat oder kekom̃t /
darinnen ſtehet das Leben.
43 . Der
2380 Tabula Principiorum.
43. Der Glantz des Feuers ift das Siecht vom Außflußſe der
Einheit GDttes : Und die Eflen des Feuers ift der aufgerloffes
ne Wille / welcher fish mit der Begierde hat in folche Eigenſchaff⸗
ten geführet.
44. Alſo verftchet man im außgefloffenen feurifhen Willen die
Engel undSeelen/umd in der empfindlichen geſchaͤrfften Liechtes⸗
trafft aus der Einheitverftchet man den Geift / darinnen GOtt
offenbahr iſt / und im geiftlihen Weſen verftanden wird/ und
fcheiden fich im Feuer zwey Reiche / als das Reich der Glori vom
Augfluffe der Einheit GOttes / und das Reich der Eigenfchaff>
ten der ewigen Natur / ein jedes in fich felber / und wohnen doch
ineinander als eines.
45. Das Reich der Natur ift im fich felber die groffe ewige
Finfternüg /und das Neih GOttes oder Glori iff das Sicht.
Zohan.am 1. Cap. ſpricht: Das Licht ſcheinet in der Finfters
nuͤß / und die Finſternuͤß hats nicht begriffen. Gleich wie Tag und
Rachtineinander wohnen /undfdoch keines das ander ift: alfo
komt aus des Feuers ſelbſt⸗Eigenſchafft das peinliche Leben; ſo
fich daffelbige vom ewigen Liecht abbricht / und in den Gegen»
wurff / als indie Selbheitder Eigenfihafften eingehet / fo ift dag
Leben des Feuers nur eine Phantaſey und Thorheit / wie denn
die Teufel Solche worden ſeynd / und auch die verdamten Seelen
ſeynd / wie ander vierdten Zahl perunterwerts syfehenift.
46. Inder fünfften Eigenfchafft der Natur wird nun das
ander Principium mit feinem Grunde verftanden /alsdas We⸗
fen der Einieit in der Liechtes-krafft / darinn die aufgejloffene
Einheit eine feuerstlammende Siebe iſt / daraus der wahre vers
frändige Beift urſtaͤndet mit den fünff Sinnen. Die erſte drey
Geftalten feynd nur Eigenfchafften zum geben /die vierdfe Ges
ſtaͤlt ift das Leben felber / aber vie fünffte ift ver wahre Geiſt;
wenn die fünffte Eigenfchafft aus dem Feuer offenbahr iſt / fo
wohnet fie in den andern allen/ und verwandelt fie alle in ihre
fürfe Siebe / dag keine Peinfigfeit noch Feindligkeit in keiner
mehr erkañt wird / gleich wieder Tag die Nachtverwandelt.
47. In dieſen vier erften Eigenſchafften ift das Leben gleich
den Teufeln / aber wenn des Liechtes Krafft / als das ander Prin-
eipium in den Eigenfchafften offenbahr wird / fo iftsein Engel}
amd lebet in Böttlicher Krafft und Heiligkeit / wie an der fünften
Zahl herunterwerts zu fehen ift.
48. Die ſechſte Eigenfchafft ift das Verſtaͤndnuͤß / als der
Hal over Schall / da die Eigenfchafften im Liechte Ya *
2
Tabula Principiorum. 282
Gleichheit ftehen / fo freuen fie fich / fo wird die Krafft der fünff
Sinnen lautbahr/und freuen ſich alle Eigenfehafften ineinander _
jeeine der andern / undaljo führet fich die Siebe der Einheitin
Würden und Wollen /in Empfindnuͤß / Findnuͤß und Hochheit;
Und alfo ift ein Contrarium in der ewigen Natur / auff dag Eis
genfchafften urftänden / darinnen die Siebe erkannt werde / und
dag etwas ſey / das zulichen fey / darinnen die ewige Liebe der
Einheit GOttes zu würden habe / darinnen das Lob GOt⸗
tes gefchehe: Denn fo des Lebens Eigenfchafften mit Göttlicher
Liebes⸗flamme durchdrungen werden / fo loben fie die groffe Liebe
GoOttes / und ergeben ſich auch alle wieder indie Einheit GOttes.
Solch Freuen und Erkaͤntnuͤß machte inder Einheit nicht offen⸗
bahr werden / fo ſich nicht. der ewige Wille in peinliche bewegliche °
Eigenfchafften einführete.
49. Die ſiebende Eigenfhafft ift das Weſen / darinnen die an»
dern alle weſentlich find / darinnen fie alle wuͤrcken wie die Gees
le im $eibe / darinnen man die Natärliche/ und auch die Weſent⸗
liche Weißheit GOttes / als das Myfterium Magnum, verftes
het / auß melden Grunde die ſichtbahre Welt mitihrem Wefen
ift entfproffen.
50. Alfo fol man mit diefer Zafeldie verborgene geiftliche Welt
verjichen/ als GOttes ewige DOffenbahrung / daraus die Engeln
und die Seelendes Menfchen ihren Urftand empfangen haben ;
de ßwegen koͤnnen fie fich in Böfe oder in But verwandeln / danız
es liget beydes in ihrem Centro; Die Geiftlihe Welt iſt anders
nichts / als GOttes geoffenbuhretes Wort / und ift von Ewigkeit
geweſen / bleibet auch in Ewigkeit] und wird Barinnen Himmel
und Hölle verftanden.
Erklärung der andern Tafel.
BAus, R 0.C.0.5 mM.
SI. Ndieſer Tabellverftchet man / wie ſich die verbor⸗
‚ gene geiftliche Welt hat fihtbahr gemacht / und
hat ihr einen Gegenwurff mit dem Außhauchen
— gemacht / da die ewigen Principia ſeind außgefloſ⸗
ſen / und die Kraͤffte darinn ſeind mit materialifch
worden dann die aͤuſſere Natur iſt anders nichts / als ein Außfluß
oder Gegen⸗wurff der ewigen Natur.
52. Die vier Elementa urſtaͤnden von den erſten vier Eigen⸗
ſchaff⸗
232 Tabula Principiorum:
ſchafften der ewigen Natur: Als die Erde und Grobheit aller
Weſen von der finftern Begierde / Da allegeit die andern ſechs
Eigenfohafften feind mit marerialifch worden / wie mananden
Metallen und Kräfften Böfe und Gutverftchenmag. Aber die
finftere Begierde hat fie alle coaguliret / wie noch heute gefchicht.
53. Die Lufft urftändet von der Bewegnuͤß der magnetifchen
Impreflion durchs Feuer im zerſprengeten Mercurio, als die zer⸗
fprengete Bewegnuͤß darauß das Waſſer kommet.
54. Das Waſſer iſt der zerſprengete Mercurius,da die feuriſche
Art getödtet ift: Das Waſſer iſt das Weiblein des feuriſchen
Mercurii,darinn er wirdetstavon Hige und Kälte/fo wohl Dicke
und Duͤnne im Streit find.
55. Das Feuer urſtaͤndet womgeiftlichen Feuer des innern
Grundes. Die Kälte verftchet man in der magnetiſchenSchaͤrffe /
als inder rechten Wurtzel zum Feier. |
56. Über den fichen Eigenfchafften über ver Tafel ftehet / Grund
der Natur ; in die drey erſten Geſtaͤlte eingetheilet;und in Die vierd⸗
te und fuͤnffte Geſtalt oder Eigenſchafft wird das Wort Rein Ele-
ment eingetheilet; und in die ſechſte und fiebende Geſtalt iſt das
Wort Paradeis eingetheilet.
57. Mit dem Wort: Grund der Natur / verſtehet man die
Wurtzel der vier Elementen, als die vier Urſachen der Bewegnuͤß
und Empfindtligkeit.
58. Mit dem Wort Rein Element, verſtehet man das Tempe-
ramentum oder Gleichheit der Natur und vier Elementen, da
das Liecht die Eigenfehafften alle in&inen Willen wandelt/darins
nen das Liecht auch mit in der empfindtlichen beweglichen Ele-
mentifchen Eigenſchafft würdet / fo verfteheriman / wie ſich das
ewige Element , als die Bewegnüß Goͤttlicher Krafft / durch
den Grund der Natur gefihärffet / und im Liechte offenbah⸗
ret hat/ welches Rein Element die Bewegnüß der innern Geiſt⸗
lichen Welt ift / und in der Schöpffung der Welt mit in das
Weſen ausgefloffen ift/ und wird in der Quinta Eflentia vers
ftanden.
59. Das Wort Paradeiß / in der ſechſten und fiebenden Ei⸗
genfchafft/veutet andas geiſtliche Gewuͤrcke im Liechts-⸗Weſen / als
ein Gruͤnen oder geiſtlich Wachßthumb / welches im Anfang der
Welt durch alle vier Elementa gegruͤnet / und aus der Erden ſich
in alle Früchte eingebildet / und alle Eigenſchafften des Grim⸗
mes ins Temperamentum gewandelt. Als aber die grimmen Ei⸗
genſchafften mit den vier Elementen durch die abgewandte Des
gierdt
Tabula Principtorum. 285
gierde und falfchen Willen Adams auffwachten/ und das Regi⸗
ment bekamen / fo flohe diefes Grünen zu ruͤcke; das iſt: es bliebe.
in der Tinctur des innern Grundes ſtehen / und iſt noch wohl in den
vier Elementen, aber nur im innern reinen Element, und mag
nicht erreichet werden / als nur in der Newen Wiedergebuhrt des
innern Menſchens / und in der materialiſchen Tinctur, darin⸗
nen iſt das paradifiſche Wuͤrcken auch gantz offenbahr. Den Un⸗
ſern verſtanden.
60. DiefeZabellzeiget an / wovon alle Weſen diefer Welt ſeynd
entſprungen / und was der Schoͤpffer ſey; Als daß der Schoͤp⸗
fer ſey die geiſtliche Krafft-Welt geweſen / welche GOtt hat be⸗
weget / als der Goͤttliche Wille; Aber der Separator oder Schei⸗
der iſt der ausgefloſſene Wille aus der geiſtlichen Welt gewe⸗
ſen / der iſt im ſolcher Bewegnuͤß aus ſich ſelber ausgefloſſen /
und hat ihme einen Gegenwurff ſeines Wuͤrckens gemacht / da in
ſolcher Bewegnuͤß iſt immerdar ein Gegen⸗wurff aus dem andern
gefloſſen / bis auff die alleraͤnſſerſte Materiam der Erden.
61. Dieſe iſt durch Goͤttliche Bewegnuͤß in eine Maſſam gezo⸗
gen worden / und ſtehet daſſelbe Ziehen oder Bewegnuͤß noch alſe;
Darumb fallen alle Materien in der Tieffe gegen der Erden / und
iſt dieſes die Urſache / daß die Krafft der Bewegnuͤß noch heute und
biß zu Ende dieſer Zeit alſo ſtehet.
62. Die ſieben Tage und ſieben Planeren deuten an die ſteben
Eigenſchaften der Geiſtlichen Welt. Die drey Principiaim Spĩ⸗
zitu Mundi, und in den Materien und Lebendigen / als Salt.
Schwefel und oͤhl / Sulphur, Mercurius und Sal, deuten an die
Dreyheit Göttliher Offenbahrung / als einen immerwähren»
den Quell⸗brunn / darausalle äuffere Ereaturen gefloffen findy
und noch flieffen werden biß zu Ende diefer Zeit/ / und wird
der Separaror darinnen mit den fieben Eigenſchafften verſtan⸗
den/ und ſehen wir in diefer Tafel / was aus den Neben Ei⸗
genfchafften gefloffen iſt und wie ſich die Geiftlihen Kräffte
haben in@ine marerialifche gebracht/wie in den fieben fpatiis runs
terwerts in jedem zufehen iſt / darinnen man Ean verſtehen -
worauf Böfes und Gutes ift in diefer Welt entfproffen. 3
Er⸗
284 ° Tabula Principiorum:
Ereklaͤrung der dritten Tafel. |
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63. 7 N diefer Tafel wird der Menfch als ein Eben⸗bild
aller dreyen Welte fürgeftellet /nach Seel / Geiſt
undkLeib / was er ſey im Anfang nach ſeiner Schoͤpf⸗
ung geweſen / was er ſey im Falle durch den Irr⸗
geiſt worden / und was er durch den Geiſt Chriſti
in der Rewen Wiedergebuhrt werde / welcher ein wahres weſent⸗
liches Bilde auß den dreyen Principiis Goͤttlicher Offenbahrung
iſt / als auß dem ausgefloſſenen Wort Goͤttliches Willens.
64. Nach derSeele iſt er die ewige Natur der fewrenden A.
als ein Funde auf dem Centro , darauf das Feuer urſtaͤndet:
So dieſer Grund nicht mag das Goͤttliche Liecht erreichen / ſo Ift er
eine Finſternuͤß / von der magnetiſchen anziehenden begehrenden
Krafft; So er aber das Liecht aus dem Feuer erreichet / daß dieſe
magnetiſche Begierde von der ausgefloſſenen Einheit der Liebe
Gottes iſſet / ſo entſpringet auß dem Feuer der wahre gute Geiſt /
wie das Liecht auß der Kertzen entſpringet.
65. Dieſes ſeind zwey Principia, als ein Feuer der ewigen Na⸗
tur / die Seele / das erfte Principium, und im Liechte goͤttlicher
Krafft der Geiſt / das ander Principium. DerLeib aber iſt das drit⸗
te Principium, als ein Weſen der ſichtbahren Welt / von Sternen
amd Elementen / aus den ſieben Eigenſchafften der Natur in ein
Bild gemachet.
66. Die Seele hat die ſieben Eigenſchafften der innern Geiſt⸗
lichen Welt / nach der Natur / aber der Geiſt iſt ohne Eigen⸗
ſchafften / denn er ſtehet auſſer der Natur in der Einheit GOttes/
und wird aber durch die ſeeliſche Natur in der Seelen offenbahr/
denn er ift Das wahre Ebenbilde GOttes / alseineldea, inder
GoOtt ſelber würdet und wohnet / fo ferne die Seele ihre Begier⸗
Dein GOtt führet/ und fich ven Willen GOttes ergibet, Wo
aber nicht / fo iſt dieſe Ideaalsder Geiſt / ſtumm und wuͤrckloß /
ad ſtehet nur als ein Bilde in einem Spiegel verbleichet / und blei⸗
bet ohne Weſen / wie Adam im Falle geſchach; So ſich aber die
Seele GOtt ergiebet / und ihren magnetiſchen Hunger in GOt⸗
tes Liebe einfuͤhret / ſo zeucht die Seele Goͤttlich Weſen / als die
Weſentliche Weißheit GOttes in ſich / ſo wird ihre Idea oder Geiſt
in der Liechts = krafft weſentlich / und bekomt Goͤttlich Leben ſo
iſt es
Tabula Principiorum. -. 28%
iſt e8 der wahre Tempel GOttes / darinnen GOttes Einheit
wuͤrckend und offenbahr ift.
67. So ſich aberdie Seele mit der Begierde in fich felber / als
in eigene Siebe einführet / und mitder Begierde in die fieben Ei⸗
genfchafften wendet / diefelben zu probiren/ und von der Luſt der
Eigenfhafften iffet / fo erhebet fie ſich und machet ihr ein Eve-
ftrum, als einen AftralifchenGegenswurff/mwelches Eveftrum als»
bald nach der Eitelkeit falſcher Luft hungert wie dem Lucifer
und Adam gefchehen ift / da fich Das Eveftrum Lucifers in die
Phantafey gebildet hatz und das EReſtrum Adams Seele in die thie⸗
riſche Eigenſchafften der aͤuſſern Welt / davon die Seele vergifftet
ward / und zuhand den Leib aus dem Limo der Erden anſteckte /
daß die thierifchen Eigenſchafften in ihme auffwachten / und nach
irrdiſcher / viehiſcher Speiſe / als nach Hitze und Kaͤlte / nach
Herbe / Bitter / Suͤſſe / Sawer / luͤſterten / und ſich mit ſol⸗
chen Eigenſchafften in einen Quell⸗brunn ſolcher Luſt einfuͤhre⸗
ten / und mit der Begierde von Boͤß und Gut aſſen / davon das
Bilde Gottes / als die Idea verfinſtert und wuͤrckloß ward / ſo
war der rechte Geiſt / als die wuͤrckliche Idea, ſtumm und todt /
wie ein Bilde im Spiegel todt iſt / alſo war die Seele von GOtt
getrennet / und ſtunde in eigenem natuͤrlichen Wollen / denn Got⸗
tes Wille im Geiſte wuͤrckte nicht mehr/ tnd fienge andas Wol⸗
len Eveftri, als die Gegenbildungver finftern und der äußern
Belt) denn der heilige Genius ward verwandelt.
68. In dieſer Tafel ſtehet oben/ TINCTUR in den fiehen Eis
genſchafften eingetheilet / das deutet andie Gleichheit der ſteben
Eigenfchafften / nach Seel und Leib / als dag imerften Mens
ſchen vor dem Falldie Eigenfchafften zur Schiedlichkeit und eige>
ner Annehmligkeit feind im gleichen Willen geftanden/ und ihre
"Begierde alleindie Einheit GOttes geführet / fo waren ſie ein
recht Paradeiß / denn der wefentliche Geift mitder Einheit GOt⸗
tes war inihnen offenbahr 7 und foltenfiein GOttes Siebe durch
alle Dinge würden.
69. Aberder Teuffel goͤnnete ihnen das nicht / umd betrog die
Treben Eigenfhafften des Lebens mit falſcher Luſt / umd beredete
fie / eswärsihnen gut / und würden Elug werden) fo fie die Ei⸗
genfchafften fich feine jede in eigene Annehmligreit nach ihrer Art7
„ einführeten / fo würde der Geift fhmäden und erfennen/ wag
Boͤß und Gutfen ; Aber dag foldesinder Einheit GOttes nicht
beſtehen Eönte / faget er ihnen nicht.
72. Als ſte ſich aber in ihre eigene Luſt einführeten / fo ter»
ol⸗
N “—
a
286 Tabula Principiorum.
folder Streit und Widerwertigkeit inihnen auff / und wurden
Die Eigenfchafften alle in ihrer Selbheit bildlich /fo war die Ein⸗
heit/ als das Element zertrennet / und Eriegeten die vier Elementa
im Streit das Regiment / und fielalfobald von auffen die Uns
. gleichheit/ als Hitze und Kälte/und das Geftirne mitder Schied⸗
lichkeit mit der Wuͤrckung in Leib und der Grimm GHftes
nach der finſtern Belt Eigenfchafft in die Seele/davon kame ihm
nach der Scelen Schreden/ Angſt / Noth/ und ewige Verzweiff⸗
fung: Und im Leibe machte auff/ Hise und Kälte/ / Wehethun /
Kranckheit und tödlich Seben.
71. Alfo fiel das Bilde GOttes / der gantze Menfch / von
feiner Ordnung / und wardein Monftrum und Larva , und huben
alsbald die fieben Eigenfhafften in ihrer entzündeten Art ihr
Regiment an / mit Reiden / Morden/ Stehen und Brechen:
Aus Liebe ward Hoffart und eigen annehmliche Liebe: Aus der
Begierde ward Geitz: Aus der Empfindligkeit ward Neid / und
aus dent Feuer⸗leben ward ein eitel gifftiger Zorn. Alſo ward
der Höllen Fundament in ganzen Menſchen offenbahr / und re»
gierete in Seel und Leib.
72. Dieſes hoͤlliſche Fundament iſt nun der Geiſt des Irr⸗
thumbs / darumb der Menſch hätte muͤſſen verdamt worden / ſeyn
und bleiben / wenn ihme nicht haͤtte alsbald die Goͤttliche Gnade
nach ſolchem Abfall den Schlangen⸗tretter / als den Ausfluß
Goͤttlicher Liebe / indem heiligſten Namen IZSVeingeſprochen /
zu einer neuen Wiedergebuhrt / welcher heilige Name ſich in eitel
Erbarmen / mit der hoͤchſten Demuth / in der menſchlichen Seele
und S@b heraus geben / und die Menſchheit angenommen / und
dieſem teufliſchen Irr⸗geiſt feine Gewalt zerbrochen / und die Ich»
heit des Lebens⸗willen getoͤdtet / und die Eigenſchafften wieder in
die Gleichheit gebracht / und mit ſeiner Liebe geeiniget / und wieder
in Goͤttliche Einheit eingefuͤhret hat.
73. Allda iſt der wahre Geiſt / als die — — Idea und
Ebenbilde GOttes wieder erneuert / und mit Gottlichen Siebe»
weſen erfuͤllet worden / und hat die menſchliche Seele dur Thri>
fti Seele und Geift/ in folcher Siebe und Göttlichen Weſen wie
der eine offene Pforte zu GOtt bekommen. a "%-
74. Diefes ift in dieſer Tafelabgebildet / was Adam vor dem
Fall geweſen / und waserim Falle worden / und wicer fey wie»
derumb erlöfet wordeizmas feine neue Gebuhrt auschriftißeifte
ſey: Und ift unterdem Worte Tindur indie ſteben Eigenſchaff⸗
ten entworffen / in welchen Eigenfihafften die Seele das Cen-
tum
—*
Tabula Principiorum. 287
trum habe / und in welchen der Geift / undin melchen der Leib/
dem Leſer weiter nachzufinnen. Darunter ftehen fieben wochent⸗
liche Tage mit den Charadtern/ anzudeuten / dag der Menfch eben
Daffelbe ſey.
75. Diefe Tafel deutet nun an / was der Menfch von innen
und auſſen / beydes nach dem erfien guten Adam / und auch nach
dem werderbten fen / und was er in Ehrifto wieder worden) daran
man verfichen Fan / wie Böfes und Gutes im Menfchen ſey / und
yon was Böfes ımd Gutes in Sirmen und Gemüthe urftände.
76. Mitdem Worte Satan / damit der Irı-geift angedeutet
wird/ wird nicht ein crentürlicher Teufel verſtanden / fondern der
Quell folches Arırgeiftes. Und mit dem Wort Chriſtus / wird
der neue Menfch im Geifte Chrifti nach der Inwendigkeit ver>
fanden. Die andern Spatia werden verftanden wie in den an⸗
deren Tafeln / darinnen ınan die Urfach der Verwandlung ver»
ſtehet / dem Leſer weiter nachzufinnen. En
ENDE.
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